Ute (Fisch) Kindheit, ca. 1970 – 1976 (ca. 6 Jahre)
Caroline (Krebs), frühe Jugend, ca. 1976 – 1982 (ca. 6 Jahre)
Antje (Skorpion), spätere Jugend, ca. 1979 – 1982 (ca. 3 Jahre)
Athena (Steinbock), ca. 1981 – 1982 (ca. 2 Jahre)
Anke (Krebs), ca. 1983 – 2010 (ca. 27 Jahre)
Doris (Jungfrau), ca. 1983 – 1995 (ca. 12 Jahre)
Ilona (Krebs), ca. 1990 – 2006 (ca. 16 Jahre)
Elena (Krebs), ca. 1992 – 2002 (ca. 10 Jahre)
Angelika (Stier), ca. 1988 – 2002 (ca. 14 Jahre)

Frühere enge, beste Freundinnen.

Was ist geschehen? Man hat sich in verschiedene Richtungen entwickelt, der teilweise gemeinsame Weg nahm Abzweigungen in Lebenswelten, wo sich nur noch wenige Gemeinsamkeiten fanden. Auch bedingt durch Schul- oder Ortswechsel schlief Manches ein. Einige Verbindungen wurden eine Weile über die Distanz gehalten, wurden Brief- und Telefonfreundschaften. Eine in der Liste lebt nicht mehr. Von den anderen vermute ich, dass es sie noch gibt. Manchmal google ich die Eine oder Andere, ohne den Wunsch, den Kontakt nochmals zu beleben. Bei einer langjährigen Freundin aus den Achtzigern fand ich vergangenes Jahr eine überraschende Spur. Es gab Zeitungsartikel, die von ihrem Weg nach einem Schlaganfall berichteten, sie hatte alles wieder erlernt und betätigt sich nun ehrenamtlich, unterrichtet Senioren.

Es gab noch viel mehr Freundinnen, die aber nicht „beste“ waren. Beste bedeutete, dass man sich Liebesgeschichten erzählte, die einen bewegten. Auch anderes. Alles Mögliche, aber immer auch eher geheime Verliebtheiten, wo man nicht weiter kam. Von einer Freundin – nein – sogar von zweien oder auch dreien – zog ich mich bewusst zurück, sie hätten den Kontakt gerne fortgeführt. Ich fühlte, dass der Austausch stagnierte, in eine Schleife ging.

In einem Fall kam ich mir vor wie ein Telefon-Mülleimer, in den in immer gleichen zeitlichen Abständen der identische Monolog geworfen wurde. Eine Beziehungsproblematik, deren Baustellen so offenkundig waren, dass einem die Worte fehlten. Man konnte fast nur stumm zuhören und ab und zu verständnisvoll „hm“ machen. Bis mich der Überdruss einholte. Davor basierte die Freundschaft auf einem eher dynamischen, schwärmerischen Austausch, jeder hatte Pläne, neue Erlebnisse, neue Gefühle. Plötzlich war das weg und all die aufstrebende Energie wurde scheinbar von dieser Beziehung gefressen, durchgekaut und wieder und wieder erbrochen.

Heute denke ich, dass man es nicht dramatisieren muss, wenn sich Wege trennen, weil die Interessen nicht mehr kompatibel genug sind. Ganz friedlich plätschert manches vor sich hin und schläft dann ein. Für meine Mama war es teilweise schockierend, dass ich kein Interesse an Klassentreffen zeigte. Mitunter nahmen ehemalige Mitschüler Kontakt mit meinem früheren Elternhaus auf, weil sie keine Kontaktdaten von mir hatten und dann wurde ich über mehrere Ecken mit Einladungen zu Klassentreffen beglückt. Es tut mir selbst leid, dass ich dafür so wenig Interesse aufbringen kann. Es wäre geheuchelt.

Bei allen vergangenen Freundinnen denke ich aber gerne an schöne gemeinsame Momente zurück, ohne Bedauern. Über gegenwärtige Freundinnen in meinem Leben will ich in diesem Eintrag nichts schreiben, außer, dass ich sehr froh bin, dass es sie gibt. Männliche Freunde hatte ich wenige. In den Achtziger Jahren gab es mal einen, er konnte großartig Klavier spielen und las so gerne wie ich. Von meiner Seite aus war es reine Freundschaft, von seiner Seite aus, hätte es mehr sein dürfen. Auch umgekehrt habe ich das einmal erlebt. Emotional keine gute Konstellation.

Und einmal, das ist noch gar nicht so sehr lange her, verlor ich einen Freund wegen einer blöden Handtasche. Die Geschichte ist wirklich dermaßen absurd, ich vermag sie gar nicht zu erzählen.

Heute also nur ein paar Gedanken über frühere beste Freundinnen. Da fällt mir noch ein, einmal war ich schwer beleidigt, die langjährigste Freundin in der Reihe da oben, mistete öfter mal ihre Sachen aus, das war für sie ein befreiendes Ritual. Sie räumte auch mehrmals im Jahr die Möbel in ihren Wohnungen um. Nach den ersten Jahren wurde die sehr enge Freundschaft, die in Nürnberg ihren Anfang nahm, durch meinen Umzug nach Berlin eine Fern-Freundschaft, die mit vielen gegenseitigen Briefen und hohen Telefonrechnungen gepflegt wurde. Auch Besuche und zwei Reisen gab es.

Ich hatte immer den Drang, besonders schöne Briefmarken auf meine Briefe an sie zu kleben und sobald sie klebten, verzierte ich die Umschläge korrespondierend mit dem Briefmarkenmotiv, das heißt, ich schrieb die Adresse in schönster Kalligraphie und bemalte das Kuvert, passend zum Motiv oder den Farben der Marke. Es war für mein Empfinden jeweils eine liebevolles Gesamtkunstwerk und Unikat.

Als sie wieder einmal ausmistete, kündigte sie an, dass sie mir nun meine Briefe, die ich ihr in all den Jahren, ja Jahrzehnten geschickt hatte, gebündelt an mich zurücksenden würde. Was ich mit Verlaub ohnehin schon etwas verletzend finde, ganz grundsätzlich, denn sie hatte ja keineswegs vor, die Briefe einzuscannen oder zu kopieren oder zu digitalisieren. Nein, sie wollte einfach grundlegend aufräumen und „Zeug“ loswerden. Soweit ich mich erinnere, vernichtete sie im Zuge dessen auch Briefe von einem Liebhaber, der sie enttäuscht hatte. Mich fragte sie immerhin noch, ob ich die Briefe zurückhaben wolle. Ich schluckte, dass ihr das so wenig wert war, wo sie doch sonst durchaus einen Sinn für Sentimentalitäten zeigte.

Ich bekam also ein größeres Paket zurück und öffnete es und war fassungslos. Es gab keinen intakten Briefumschlag mehr. Sie hatte bei allen von mir bemalten Umschlägen mit der Schere ein Loch hineingeschnitten, um die Briefmarke zu entfernen und an ihren Vater weiterzugeben, der Briefmarkensammler war. Ich sah mir all die kaputten Briefe an, für mich war das ein Werk der Zerstörung einer Banausin hätte ich behauptet, wenn ich nicht genau gewusst hätte, dass sie an sich ja keine Banausin war. Schon von ihrem akademischen Bildungsstand her nicht. Und Herzensbildung hatte sie sonst eigentlich auch. Im Paket fand ich auch mehrere kleine Fotoalben von meinen Reisen, die ich für sie gebastelt hatte, auch die bedeuteten ihr nichts mehr. Ich gab ihr schon eine Rückmeldung, dass es mich schockiert hatte, dass sie meine Briefumschlag-Bilder sozusagen zerstört hat und mich das traurig machte, sie zeigte kein Verständnis. Ich überlegte sogar noch, ob ich das irgendwie reparieren könnte, aber die Briefmarken nochmals zu erstehen, das stand dann doch alles in keinem Verhältnis und ich packte alles in eine Schachtel und bei mir auf den Schrank. Da liegen sie heute noch.

Wir führten die Freundschaft noch eine ganze Weile fort, gewiss Jahre. Es gab ja noch andere Themen und Befindlichkeiten. Aber Briefe waren nun passé und für schriftliche Mitteilungen gab es nun E-Mails. Wenn ich ihr von da an etwas per Post zukommen ließ (falls überhaupt), verzichtete ich auf liebevolle Verzierungen auf Umschlägen. Die Auswahl der Briefmarken war mir nun auch herzlich Wurst.

Als ich zu bloggen begann und mich für das Internet begeisterte, zeigte sie sich anfangs befremdet, kam dann aber auf den Geschmack, als sie selbst zuhause Internet hatte und anfing bei mir mitzulesen. Ich richtete ihr sogar ein Blog ein, das war mein Geburtstagsgeschenk. Es kam gut an. Und so lernte sie jemanden kennen, über die Kommentare. Eigentlich tolle Geschichte. Vielleicht hat sie ihn sogar geheiratet. Das entzieht sich aber meiner Kenntnis. Beide sind aus der Blogosphäre verschwunden, soweit ich es überblicke.

P.S. gerade gesehen, drei der Umschläge hatte ich notdürftig mit bereits gestempelten Briefmarken repariert, hier ist einer davon. Es fehlte die ganze rechte obere Ecke, habe ich offenbar restauriert.

Eine Antwort auf „18. August 2026

  1. Saskia Rutner
    Das ist berührend, dass du sie noch irgendwie verteidigst (dass sie an sich keine Banausin war/dass sie eigentlich auch Herzensbildung hatte). Krasse Geschichte. Was für ein schöner Briefumschlag 😍👑

    Gaga Nielsen
    Bei ihr spielte es wohl eine Rolle, immer wieder aufzuräumen, ganz radikal, um sich selbst eine Chance für einen Neuanfang zu geben. Wenn sie ihre Wohnung umräumte, das Bett zum 4. Mal an einer andere Stelle stellte, war es irgendwann wieder dort, wie anfangs 🙂 Ballast loszuwerden ist ja auch wirklich erleichternd, aber die Art der Selektion fand ich schon sehr speziell… wir hatten aber auch mitten in der Freundschaft mal eine Krise.

    Ich plaudere das jetzt aus, weil es wirklich ewig her ist und es diese Beziehungen durchweg nicht mehr gibt: Sie hatte eine mehrere Jahre dauernde Affäre mit einem verheirateten, international sehr renommierten Professor, den sie während ihres Studiums kennengelernt hatte.

    Bei einem meiner Besuche bei ihr, die es nicht so sehr oft gab, sie wohnte ja weiterhin in Nürnberg, hatte sie mich explizit eingeladen, bei ihr zu übernachten, ich hatte mir daher kein Hotelzimmer gebucht und wir waren uns schon sehr vertraut über die Jahre, sie wünschte sich ausdrücklich, dass ich zu ihr kommen sollte (ich ging schon immer lieber ins Hotel), es war also mehr so ein Kompromiss meinerseits. Allerdings waren ihre Wohnungen auch immer recht gemütlich.

    Ich war für drei Tage angekündigt, ein verlängertes Wochenende wohl. Der Professor wohnte am Starnberger See, sie in Nürnberg und er war ständig unterwegs in Paris und in den USA, wo er auch lehrte. Nach der zweiten Übernachtung eröffnete sie mir, dass ich mir nun ein Hotelzimmer suchen müsste, da sich ihr Lover plötzlich angekündigt hatte und dass sie dann die Wohnung alleine mit ihm haben möchte, würde ich doch sicher verstehen. Verstand ich natürlich, so ganz prinzipiell, war nur etwas hopplahopp. Mir ist dunkel in Erinnerung, dass sie mir dann ein Hotel nannte, in dem er sonst gerne übernachtete…. 🙂

    Ich hätte ihn furchtbar gerne mal kennengelernt, da eine interessante Persönlichkeit, das war ihr irgendwie nicht recht. Er lebt noch, hochbetagt und ist immer noch mit seiner Frau von damals verheiratet, auch eine hochkarätige Professorin 🙂 Jedenfalls war ich nach der Espisode etwas beleidigt, weil sie mich ja schließlich viel seltener sah als ihn und wir uns viel länger kannten. Aber wenn die Hormone aufwallen…. wer kennt es nicht! Ich hätte komplett Verständnis gehabt, wenn sie mir das im Vorfeld erzählt hätte, aber Monsieur kam halt gerne mal von jetzt auf gleich, wenn es ihm gerade passte und dann stand sie Gewehr bei Fuß.

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