Am Dienstag, 1. September 2026 um siebzehn Uhr steche ich in See! Und zwar mit der „Weißen Düne„, einem 117 Jahre alten Schiff, noch zu Zeiten Kaiser Wilhelms II., im Jahre 1909 in Holland erbaut, damals getauft „Klara Katharina“ und bis 1942 nur mit Segel betrieben, in dem Jahr ist sie auch einmal gesunken (drei Tote, der Skipper, sein Bruder und seine Frau). „Nach der Bergung übernahm der Neffe des Skippers, Karl Funk im Alter von 15 Jahren die „Weiße Düne“, ließ einen Dieselmotor einbauen und blieb 60 Jahre ihr Kapitän. Seit 2001 ist die Weiße Düne als Topsegelschoner getakelt mit zwei Rahsegeln im vorderen Mast.“ Weiter lese ich: „Die beiden viereckigen Gaffelsegel werden jeweils von einer Winde bedient. Die Vorsegel laufen Hand über Hand. Alles, was das Segeln anbelangt, wird mit der Hand bedient – genau wie früher.“ Das klingt nett, aber so genau muss ich das nicht wissen, ich verstehe nämlich gar nichts vom Segeln, bin aber immer schwer beeindruckt, wenn ich vor einem majestätischen alten Segelschiff stehe und die gigantischen weißen Segel sehe.

Der kleine Törn dauert dreieinhalb Stunden und bewegt sich bis zum Sonnenuntergang entlang der Küsten des Achterwassers von Usedom. Dazu wird ein drei-Gänge-Menü serviert und ein gewisser Fiete spielt Akkordeon. Klingt doch sehr putzig. Man darf wohl mit Hand anlegen, bei Lust und Laune. Das Schiff ist 45 Meter lang.

Außerdem heißt es auf der Seite, über die ich mir gestern gleich die Fahrkarte gekauft habe: „Der alte Frachtensegler ist im Bauch des Schiffes sehr geräumig. Der erste Blickfang ist eine gut ausgestattete Bar. Bei der Einrichtung wurde Wert gelegt auf ein exklusives, maritimes und traditionelles Ambiente. Mahagoniholz und aufwendig gearbeitete Messinglampen erzeugen eine edle und urgemütliche Atmosphäre. Unsere Kombüse ist mittschiffs. Dort hat der Schiffskoch sein Reich und sorgt für das leibliche Wohl der Gäste. Große Gefrier- und Kühlgeräte sorgen für immer frische Zutaten. Für längere Törns haben wir 6 Kajüten mit 20 Kojen. Jede Kajüte ist mit einem Waschbecken ausgestattet. Es stehen 4 Toiletten und 2 Duschen zur Verfügung. Die Mannschaft hat ihren eigenen Bereich mit zwei Kajüten und 4 Kojen. Die Eignerfamilie hat im Heckschiff noch einen schön ausgestatteten Wohnbereich.“

Hat mich direkt angesprochen! Auch die nautischen Begriffe finde ich immer ganz toll: „mittschiffs“! Ursprünglich hatte ich ja die Idee, am Geburtstag im Weißen Schloss in Heringsdorf zu speisen, aber das kann ich noch ein andermal machen, bin ja sieben Tage dort. Drei-Gänge-Menü mit Fiete am Akkordeon gibt’s nur Dienstag. Bin dabei! Hoffentlich seefest – falls nicht, packe ich Tabletten gegen seekrank ein. Auf Fähren, Dampfern, den Vaporetti oder Schnellbooten ist mir noch nie schlecht geworden, im Tretboot oder Ruderboot oder Kanu auch nicht. Aber einmal, auf einem großen alten ehemaligen Walfänger-Schiff im arktischen Nordpolarmeer war mir kotzschlecht (trotz vorsorglicher Tablette, die wurden vorher im Walforschungszentrum verteilt). Da war aber gewaltige Strömung, habe glaub ich auch gebrochen und ich war nicht die einzige. Danach wars prima und ich konnte es richtig genießen, den riesigen Pottwalen im Sonnenuntergang beim Untertauchen zuzuschauen. Gelernt: die Fontäne kommt immer ca. zehn Sekunden vor dem Tauchsprung in die Tiefe, wo dann so schön die riesige Schwanzflosse einen Moment nach oben kommt, die Fluke.

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