gestern, es war noch dunkel.
ich soll bitte mal den bezirks-schornsteinfeger zwischen 7:00 und 7:30 uhr zwecks terminvereinbarung zum abgasmessen anrufen, teilte mir vorgestern der stets liebenswürdige vermieter meiner malwerkstatt ganz modern per e-mail mit (nicht ohne an mitgefühl wegen der schlimmen frühen uhrzeit zu denken).
ich überwinde den schweinehund und hüpfe um 7:29 uhr nackig aus meinem kuscheligen bett, um einigermaßen aufrecht einen zeitpunkt festzulegen. fummle den zettel mit der telefonnummer zurecht. wähle mit verschwommenen augen die nummer. tuut – tuut. tuut – tuut. oh – schon weg? bin ich entscheidende sekunden zu spät dran? tuut – tuut. tuut – tuut. endlich! der hörer wird abgenommen! eine fröhliche männliche stimme ruft munter und freundlich in die ohrmuschel: „schornsteinfeger!“ sonst nix. ich meine: sonst nichts. er meldet sich nicht mit „hier krawuttke – bezirks-schornsteinfeger von …. „ oder: „schornsteinfeger krawuttke guten morgen!“ nein. einfach nur mit der schlichten angabe seines berufsstandes. voller hingabe. stolz. und doch bescheiden. großartig.
das hat mich ziemlich beschäftigt. immer wieder denke ich seither, wieso ist das eigentlich so ungewöhnlich. nie würde man im bäckersladen anrufen, und am anderen ende vom hörer wäre jemand dran, der sich einfach nur mit „bäcker!“ meldet. ich stelle fest, dass mir das supergut gefallen würde. es hat so etwas entenhausenhaft unschuldiges. ein donald, ein bäcker, eine daisy, drei panzerknacker, eine oma. überhaupt finde ich berufe wie schornsteinfeger toll. da kann ich mir ungefähr vorstellen, was der macht. außerdem finde ich noch folgende berufe beeindruckend: bauarbeiter (polier! wie das schon klingt!), koch, müllmann, friseuse, krankenautofahrer, tierarzt, schuster, elektriker, busfahrer, dachdecker, feuerwehrmann, medizinmann, kindergartentante, revolutionär, klempner, akrobat, abenteurer, astronaut, gedichteschreiber, sowie überhaupt grundsätzlich alle handwerker – „gib mir mal die flex“ – das ist musik!
überhaupt kein bißchen beeindruckend dagegen finde ich berufe, unter denen ich mir nichts gescheites vorstellen kann. z. b. blabla- consultant. was macht denn so jemand eigentlich genau an einem montag mit acht stunden? das wüßte ich mal gerne so ganz genau. oder – ach nein – lieber doch nicht. ich würde von denen einfach nur gerne mal ergebnisse so richtig zum anfassen sehen. das augenfälligste, was die teuer angezogenen leute für genauso teuer geld erkennbar herstellen, sind ewig gleich beschriftete powerpoint- folien. und ich fürchte fast, viel mehr ist wohl auch nicht drin. es ist ja nun leider nicht so, dass ich immer nur mit schornsteinfegern zu tun hätte.
ebenso großes misstrauen lösen seit längerer zeit bei mir auch alle beschäftigungen aus, die irgendwie schwammig als ‚projekt‘ bezeichnet werden. und nicht viel weniger peinlich ist es, wenn jemand ohne einen anflug von schamgefühl irgendwas’-manager’ auf seinem visitenkärtchen führt. habe ich kein verständnis mehr. so gar nicht.
08. november 2004
wegsingen, all die ängste.
plutonische ängste und doch nichts eigentlich wichtiges. eine unbekannte, ganz und gar vertraute melodie durchdringt die furchtgedanken, die blöden drachenängste. bläst sie einfach weg. ein lied ohne anfang, ohne ende, ohne worte. weiter und weitersingen. weitersingen. immer weiter, bis es hell wird. erkennen, dass es etwas heiles in einem gibt, tief drinnen.
es hören können.
07. november 2004

neuer anfang. das hat mir gefehlt, diese wunderbare kamera. das untere motiv ist absichtslos entstanden, als ich mich gestern abend mit ihr vertraut machte. ich habe irgendwie das gefühl, das gerät besitzt eine seele und hat den ausschnitt gewählt, als ich verschiedene funktionen prüfte. die vibrierenden blätter sind die ersten bilder, die absichtlich entstanden sind. ich liebe die adern dieser blätter und vergesse dabei, dass es eigentlich bedeckt ist, doch zwielicht dabei, gleißendes licht hinter wolken. vielleicht gibt sie mir später noch einen schubs und will mehr sehen, festhalten, meine neue olympus.
06. november 2004

06. november 2004
undefinierbare geilheit heute nachmittag. einfach so. eigentlich doch sehr angenehm.
das sind sätze, die man selber gerne liest. kein schnickschnack, kein herumgesülze.
31. oktober 2004
ich habe ja diese seite mit meiner vita. die heiter beginnt. unbeschwert dahingeplaudert. ich schrieb und schrieb und schrieb und lachte dabei von herzen. vor einem jahr etwa hatte ich plötzlich lust dazu. dann wurde das lachen beim schreiben ein bißchen weniger, dann kam es wieder zurück, dann ging es wieder. und dann brach es ab.
ich war im frühling des jahres 1987 angekommen. april. danach kommt mai. nach mai kommt juni. und dann kommt juli. das nächste, was ich schreiben hätte müssen (zeitlich gesehen, denn so übertrieben sich einiges anhören mag, auch die reihenfolge stimmt – ich halte mich beinahe lächerlich gewissenhaft an die ereignisse), war der verlust meines wunderbaren bruders durch einen unfall.
ich wartete ein paar tage, ein paar wochen, dann bereits monate auf den richtigen augenblick, um daran weiterschreiben zu können. und merkte bald endgültig, ich hatte eine scheissangst davor, der schon so viele jahre währenden tatsache gewicht dadurch zu verleihen. als wäre es durch das nicht-in-worte-fassen weniger wahr.
ich glaube an dinge wie, dass man der wirklichkeit wirksamkeit durch worte zuführt. es gibt sätze, die ich aus lauter furcht etwas zu vernichten – oder auch aus sentimentalität – niemals formulieren könnte.
letzte nacht träumte ich wieder von meinem bruder. das geschieht nicht oft. alltäglichkeiten. nach all den jahren taucht er auf – nie überraschend, immer selbstverständlich und spricht mit mir und erzählt mir, was er von dem hält was ich tue. ich frage ihn. er antwortet. ich wache auf und wundere mich, dass er ohne irgendeine erklärung von mir immer bescheid zu wissen scheint, was seither geschah. ich spreche nicht mit ihm bei tag. und auch nicht bei nacht. nur in diesen träumen. er ist für mich in einer vollkommen anderen welt, unerreichbar, aber aufgehoben. ich denke nicht darüber nach.
vorletzten sommer, im juli 2003 war ich, sechzehn jahre und sechsundzwanzig tage nachdem er ging, das erste mal in meinem leben an seinem grab. es war gar nicht schlimm. die sonne schien, und ich las seinen namen auf der rückseite eines steines aus rotem granit. das licht flirrte durch die sonnigen blätter. es war ein ganz und gar friedlicher sommertag.
heute ist ein sonntag für die toten, darum schreibe ich das hier. für meinen bruder.
29. oktober 2004
“…aurora borealis … the icy sky at night…“ neil young bricht wieder durch. ich kann nix dafür. neil’s dinner hat scheinbar spuren hinter- lassen (und: bestärkt durch meinen neuen saufkumpanen – ich mach mal ein bißchen reklame da freut er sich der jockel).
bitte auch dringend das lesen
sehr begabt.
29. oktober 2004
hmm. zwiespältig. ich träumte vor einigen tagen etwas – sehr schönes. den traum erzählte ich, es ergab sich so, einer sehr guten freundin.
ich weiß nicht, ob es war, wie ich ihn erzählte, oder ob es die tatsache war, dass sie mich gut kennt und ihre phantasie angeheizt war (die nebenbei ohnehin leicht anzuheizen ist). sie war jedenfalls so entzückt, dass sie mich beschwor, den traum zu einer kleinen geschichte zu verarbeiten, festzuhalten.
„und dann?“ sage ich zu ihr. „was soll ich dann damit? ins internet stellen? nö. das wäre mir viel zu persönlich. viel zu intim. oh je oh je. nee nee nee. auf keinen fall. mach ich nicht. und für mich selber brauch ich’s nicht.“ daraufhin sie: „du kannst die geschichte doch unter pseudonym veröffentlichen!“ ich: „wo denn?“ sie: „na du kannst doch einen band mit kurzgeschichten herausbringen.“ ich: „? hä?“ sie: „schreib das auf, schreib das auf, schreib die geschichte auf“. ich: „ach nee – das ist doch eigentlich gar nicht so spektakulär – da ist doch gar nicht so viel passiert“. sie: „wiiiee?!? nicht viel passiert?! da ist eine ganze menge passiert! gerade das sind die besten geschichten, die einfachen dinge im leben. schreib das auf.“ ich: „hmm, mal gucken. im moment noch nicht – für mich brauch ich es nicht aufzuschreiben, es ist noch so da, ich bin noch ganz gefangen…“
neugierig geworden? der haken dabei ist: ich hätte das gefühl etwas zu verraten. kein geheimnis, aber etwas das nur für mich gedacht war. der traum handelte von einer begegnung, sehr überraschend und unvorhersehbar. ich begegnete jemandem, der allen ernstes den vornamen ‚pegasus’ trug. mehr möchte ich leider nicht dazu sagen – aber: kennt jemand pegasus? ich meine nicht das wunderbare geflügelte pferd der dichtkunst aus der griechischen mythologie.
oder aber – – – vielleicht auch doch. wer weiß.
?
22. oktober 2004
och mensch. das ist ja doof.
war ja auch zu schön um wahr zu sein. das schöne nick nolte tagebuch ist leider nur ein phantasieprodukt von zwei angehenden drehbuch- schreibern, die fans von ihm sind, christian newton u. casey mcadams. seit heute klebt ein pflaster vor der überschrift: „not“ nick nolte’s diary und der zusatz darunter ‚this is a work of fiction‘. meine enttäuschung beweist, dass es mir viel auszumachen scheint, ob ich eine attraktive person hinter dem geschreibsel vermute. ich finde nick nolte ja schon sehr sehr klasse. wahrscheinlich wollte ich es für echt halten, weil ich ihm alles mögliche zutraue und auch noch ein foto von ihm auf der seite war. ging ja eine ganz weile.
blöd. eigentlich hab ich mich nur mal gewundert, als er anfing von einer constance zu schreiben, mit der er sich verabredet hätte und deswegen nervös wäre. na ja. schade.
also kann neil young vielleicht doch nicht kochen.
vielleicht aber doch.
18. oktober 2004
trepidation. angst – bangigkeit – zittern.
– nicht ich
ich lerne ein bißchen englisch mit nick nolte. er hatte einen anflug von ’trepidation’ als neil young ihm gestern abend beim essen von einer möglichen rolle als großvater in einem noch zu drehenden film erzählte. ich wusste gar nicht, dass neil young gerne kocht. es gab lasagne.
das sind dinge, die mich interessieren.
neil’s dinner
16. oktober 2004
[ there is a ghost ]
when you remember who I am | just call | when you remember who I am | just call | when you remember who I am | just call | my name
m.faithfull|n.cave
14. oktober 2004
“91. been in a movie”
wie gut ist eigentlich euer englisch? in allen internetpoesiealben wird jetzt eine liste abgearbeitet, was ihr alles schon tolles im leben gemacht habt. zutreffendes wird fett formatiert oder durchgestrichen. „been in a movie“ steht auch drauf. die liste ist auf englisch. englisch. könnt ihr alle ganz toll oder? interessiert stelle ich fest, dass ungefähr 75 % aller listenbearbeiter/innen bereits in einem spielfilm mitgewirkt haben. wahnsinn. das bedeutet entweder, dass der blogger an sich einen hang zum nebenerwerb als statist/in hat, oder noch viel wahnsinniger! – die gemeinde größtenteils aus inkognito-film schau- spieler/innen besteht.
13. oktober 2004
an sich unaufgeregt.
dann marianne hören
before the poison
erstes stück
the mystery of love | belongs to you | show me sweetness | show me summer skies show me how to make this wrong seem right | show me laughter in your pale blue eyes
wissen,
woher-wieso-weshalb-warum
die ganze aufregung
nicht verloren
noch da.
trinken.
11. oktober 2004
wieder lieb.
08. oktober 2004
nein. ich schreibe nicht so oft. ihr müsst nicht so oft gucken.
ich finde es anstrengend, mich bei hinz und kunz durch prosaisches geplapper zu quälen. soll noch jemand solchen müll produzieren? ich finde es uninteressant, ob leute schicki-micki-cuisine fressen. es ist mir völlig scheissegal, ob jemand einen ipod hat. es ist mir noch viel egaler, ob jemand sex in the city anschaut oder wie der barbie- püppchen-käse heißt. auch danke-anke interessiert mich nicht die bohne.
ja, ich bekomme so manches am rande mit. nein. ich will keine amateurprosa lesen.
ja, ich bin heute ein bißchen gemein. und: nein, es wird mir auch morgen nicht leid tun.
es macht mir freude, böse kleine sätze zu schreiben. überhaupt habe ich eine schwäche für kleine bosheiten. ich mag leute wie den durchgeknallten rolf zacher und den bösen kinski. auch die kleine pink ist mir durch und durch sympathisch.
ich mag keine netten einträge lesen, schreiben.
heute.
03. oktober 2004
letzten freitag war eine gute freundin, die ihren internetzugang nur zum mailschreiben und als adressenauskunft benutzt, völlig von den socken als ich erwähnte, dass manche schreiber|innen von internettagebüchern offenbar ihren realen beziehungs-kuddelmuddel dokumentieren. nicht nach angemessenem verfallsdatum zu lesenswerten humorigen anekdoten verbrämt oder verdichtet, sondern beinahe im live-stream mit der ganzen wucht der aktuellen begebenheiten.
im besseren fall könnte das bei einigermaßen begabten schreibern ja immerhin zu leidenschaftlicher prosa werden. tut es aber irgendwie nie. ich fürchte, kandidaten, die konsequent ihre unterwäsche vorführen, haben damit keine literarischen absichten. ich vermutete, dass die bekenntnisfreudigen in vertretermanier unterwegs für ihre unerreichten beziehungsziele sind. schlafzimmermarketing. sie war komplett fassungslos.
ich fand das eine sympathische reaktion.
„getret’ner quark wird breit, nicht stark“ wusste schon johann-wolfgang.
26. september 2004
ganz klein am horizont kann man dinge sehen
dinge die wir nicht verstehen
das geschehen lässt uns auseinander gehen
hinein in einen wald aus zeichen
(zeilen aus ’this boy is tocotronic’ | tocotronic 2002)
gestolpert und geblieben
im schummerlicht lesen, dabei ’fahrstuhl zum schafott’ hören. ruhig in schleife und irgendein berauschendes getränk. vibrierend samtige schwarzblaue nacht. man kann das schwarzglänzende kopfstein- pflaster hören, den regen an der scheibe eines taxis. durch eine stadt, in einer nacht.
24. september 2004
wer gedichte veröffentlicht, wirft ein rosenblatt in den grand canyon und wartet auf das echo.
donald marquis (1878 – 1937)
10. september 2004
ich komme gerade aus meiner badewanne. schwefelbad. („stinkt das nicht?“ nein. das stinkt nicht. „dr. klopfers schwefelbad“ aus der apotheke riecht nicht nach faulen eiern.) jetzt noch ein bier drauf. vielleicht motiviert mich das ja, ein bißchen was zu schreiben.
man kommt von einer reise zurück und dann kommen fragen. „und? wie war’s? was hast du erlebt, was hast du gesehen, was hast du gegessen, wie ist es da so? wetter? leute? wen hast du getroffen?“ dieselben fragen eben, die ich selber so, oder ähnlich auch frage.
also. was soll ich erzählen. was wissen leute über island? oder: wollen, sollen sie wissen?
geysire, vulkane, wasserfälle, heiße quellen, mythen, elfengeschichten. björk. komisches wetter. islandpferde. schafe.
ja. es stimmt. geysire, vulkane, wasserfälle, heiße quellen, mythen, elfengeschichten. viele björks*. komisches wetter. islandpferde. schafe. [ *björk= birke; häufiger mädchenname ]
„und? was noch?“
da soll dann ja immer noch mehr sein, als wäre das nicht schon genug.
gut. dann das: es gibt neuigkeiten. die erde lebt. wer das noch nicht so richtig vollständig begriffen hat, kann ja mal nach island fahren und auf einem schlafenden tiger spazieren gehen. ihn ein bißchen mit den wanderschuhen kitzeln, und dann faucht er. das ist die erde. sie lebt tatsächlich. endlich begreift man mit händen und füßen, dass da feuer in den eingeweiden kocht. man hat es ja schon geahnt. sie kann gefährlich werden, die alte erde. ich mag das.
island schert sich einen dreck darum, für menschen ein bequemes oder gar idyllisches fleckchen zu sein. auf island würde von island aus kein einziger baum wachsen. die paar schüchternen birken sind von den wikingern aus norwegen eingeschleppt worden. island ist auch nicht „grün“ wie manche meinen, im sinne von „grün“ wie irland, das wird wohl auch schon mal irgendwie verwechselt. das bißchen grün zwischen viel braun, grau und schwarz kommt von dem vielen moos, das auf den lava-aschebergen wächst. zäh. zauberhaft.
ja, gras hier und da, das ja. der rest steinwüste und gletscher und fluten und matsch. erdrisse. ich liebe erdrisse. rauch, immer wieder rauch. fumarole, solfatare, wie die geologen die dampfenden löcher und blubbernden schlammdinger nennen. (ja, es kommen noch bilder.)
durch dieses einsame land wurde ich von einem seltenen exemplar von guide geführt. hákon hákonarson, ein 45jähriger isländer, der nicht müde wurde, zu betonen, er sei der letzte wikinger. punkt. so albern das klingt – wenn man ihn dann gesehen hat, erübrigte sich jede weitere frage. auf den ersten blick eine grobschlächtige undurchdringliche erscheinung. sehr groß. sehr kräftig. stupsnasig. gut im futter. hellblaue augen, beinahe schon durchsichtig. rotblonde kurz geschorene haare. eiskalter blick.
beim frühstück wiederkehrende bemerkungen zur potenzsteigernden wirkung von lebertran. er nimmt immer zwei löffel. dagegen salz nur sparsam: schlecht für die potenz. „das scheint dich ja sehr zu beschäftigen“ sage ich. plötzlich unerwartet, dröhnendes, ja heiteres lachen. ich glaube es kaum. der kann lachen.
er schwärmt in deutsch mit isländischer stakkato-sprachmelodie mit rollendem r von der großen kinderfreundlichkeit der isländer: „wiiirr lassän die kiindärr kommänn! so, wie sie es wollen. wiiirr sagän nicht, dass man sich das kind nicht leistän kann, wie es die deutschen sagän. wiiihr mögän alle kindärr, die kommen wollän.“
wie viele kinder hast du denn? frage ich neugierig. eigentlich fast ungläubig, da mir doch ein seltener eigenbrötler gegenüber sitzt. „zwölf kindärr.“ antwortet er. „zwei kindärr und zehn elfenkindärr“. aha. tja. hm. so so. sehr interessant. elfenkinder also. hm ja sicher doch. warum auch nicht. von denen wimmelt’s hier ja nur so. in den isländischen dunklen wintern flüchtet er regelmäßig nach tibet, schreibt dort in einem kloster weiter an seiner doktorarbeit in anthropologie, ein mythenforscher. das wird ja immer unglaublicher.
im sommer verdient er dann geld mit wüsten fahrten und wandertouren für experimentierfreudige wie mich, durch unwirtliche gegenden von island, gletscherflüsse durchquerend, geheime plätze plötzlich stumm zeigend. am abend kochen wir. ich darf gemüse schnippeln und eine art dickmilch mit erdbeeren („erdbeben“ für ihn, das einzige deutsche wort, das er dauernd und wie ich meine – absichtlich – verwechselt) für den nachtisch verrühren. er kocht die hauptmahlzeiten. er ist der chef, er hat den zündschlüssel. es gibt frische fische aus dem mývatn-see. die hat er zwar nicht selbst geangelt aber immerhin extra für uns, bei einem angler am mývatn bestellt. kartoffeln werden bei ihm grundsätzlich nicht gepellt, genauso wie ich es mag. er mariniert keulen von jungen lämmern in thymian, öl und knoblauch, pfeffer, salz. zwei tage später kommen die keulen auf einen hüttengrill in landmannalaugar. oder war es thorsmörk. ich kriege nicht genug davon.
den abgenagten knochen schabe ich mit meinem kleinen wikinger- messer, einer museums-replik aus norwegen, das ich um den hals trage und das jetzt für meine experimentelle archäologie herhalten muss. verdammt scharf mein messerchen. ideal um haut von knochen zu lösen. ahh! genau. ach so. ja. eben. genau. ein kleiner weißblonder junge kommt an der versteckten bank vorbei, auf der ich in der abendsonne in thorsmörk sitze und schabe. er schaut mir zu und fragt dann: „beyn?“ ich sage „ja. bone“. bein. gebein.
später in der dämmerung neugierig zum riesigen feuerplatz. ein erdkreis von fünfzehn oder mehr metern, von gras und moos befreit. in der mitte ein ring von felsendicken findlingen um ganze birkenstämme, so groß es eben geht, zu einem kegel aneinandergelehnt. im großen feuer die reptilienmuster der lodernden birke. der fotoapparat endgültig kaputt. meine treue olympus mag nicht mehr. ich verzeihe ihr. ich fotografiere das feuer und die weißblonden kinder mit dem dritten auge. sie halten marshmallows auf stöckchen ins feuer und quietschen vor freude. und singen. kleinere kinder fassen sich an beiden händen und drehen sich juchzend im kreis um das feuer. jemand spielt gitarre. isländische lieder, ein paar bekannte melodien darunter, aber immer mit isländischem text. alle singen, die die lieder kennen. mir sind die meisten fremd, aber ich mag das unerwartete kleine fest in der augustdämmerung. ich mag island.
01. august 2004

heute abend um kurz vor zehn geht mein flieger nach island. ich muss aber erst noch mit dem silberpfeil vier stunden vom ostbahnhof nach düsseldorf gurken. der ice hält gleich im flughafen. und dann los. jetzt bin ich doch aufgeregt…
ich bin gar nicht lange weg, island ist furchtbar teuer. ich glaube, wenn wir noch dm als währung hätten, hätte ich die reise auf anhieb verworfen… da wäre ich nur zusammengezuckt – aber euro hört sich viel weniger an, und eines der schönsten dinge, die ich mir vorstellen kann, ist ein rendezvous mit strokkur.
gut, dass ich mich bis über beide ohren in landschaften und ihre auswüchse verlieben kann. mit weichen knien und allem drum und dran.
aber jetzt schlafen
berlin – keflavík – reykjavík – Þingvellir – haukadalur – geysir – gullfoss – kerlingarfjöll – skagafjörður – akureyri – mývatn – krafla – Þjóðgarður jökulsárgljúfur – selfoss – dettifoss – goðafoss – aldeyjarfoss – sprengisandur – landmannalaugar – eldgjá – mýrdalsjökull – hvanngil – Þórsmörk – reykjavík – keflavík – berlin
bis bald…
17. juli 2004

in den wüsten fühle ich mich zuhause, wo die erde aufbricht und die naturgewalten die gedanken verjagen. ich habe gehört, es wäre in der nähe der tosenden wasserfälle nicht mehr möglich, sich mit sprache zu verständigen. wenn ich an einen geysir denke, ist mir, als träumte ich von einem geliebten. ich reise in zwei wochen nach island.
als ich in arizona und utah die farbe der erde und felsen sah, war mir, als wären meine knochen aus derselben substanz, als wäre die resonanz der runden felsen mit mir gleich, identisch, als erinnerten sich meine knochen, meine sinne, meine organe. das war nicht das gefühl von zugeneigter bewunderung schöner landschaft, es war körperlich spürbarer gleichklang.
als ich später zurückkehrte, mich zwischen frankfurt und berlin in einem ICE fand, auf der letzten etappe nach drei flügen, alle gehirn- und herzenswindungen mit rotem sand durchspült, im schlafsack noch die spuren vom monument valley, sah ich durch das zug-panoramafenster grüne wiesen und hügel, der neue frühling war plötzlich da, doch ich spürte nichts davon. ich sah dieses freundlich nette gleichförmige, saftige grün und fühlte nichts. nur fremdheit. mein herz suchte die vertrauten farben. das tiefe orange der felsen und den indigoblauen himmel. aber der himmel war hellblau verwaschen und es gab keine roten felsen. ich versuchte mich daran zu erinnern, dass ich grüne wiesen lieben kann. da waren zwischen dem grün die bekannten frühlingsblumen. ich konnte mich nur noch daran erinnern, wie an eine weit zurückliegende information. ich wusste noch, dass man das normalerweise bezaubernd findet, dass ich es sogar immer sehr mochte. da war er, der frühling und es war mir gleichgültig. ich fühlte mich mit diesem satten grün nicht verwandt.
ich fühle mich eher wie wüste, in mir gibt es steine und geröll, endlosen horizont, zerrissene erde, sengende hitze, eisige winde, hunger und durst. gewaltige felsen mit schattigen nischen. und ein paar oasen, die mich durchhalten lassen.
aber in wüsten gibt es auch frühling. man kann keine maienkränze flechten aus den seltenen blüten, aber ihre farben sind voller kraft und leuchten. wenn ich in eine wüste gehe, geh ich nach hause.
13. juli 2004
gestern hatte ich lust früh schlafen zu gehen und konnte dann ewig nicht einschlafen. bin irgendwann zum kühlschrank und hab mir aus dem eisfach ein minieis geholt. das sind kleinere ausgaben von eis am stil geschmacksrichtung magnum-ähnlich (no name-billig-marke) zu zehn oder zwölf stück in einer schachtel. das eis ist immer das gleiche vanilleeis, nur in verschiedene überzüge eingepackt. es gibt vanille, milchschoko mit krokant und hellere und dunkle schokolade.
ich hab mir eins mit vanille geholt. dann bin ich im dunkeln im bett gesessen und hab das kleine eis gegessen. das war völlig neuartig. das kleine eis hat so einen kindergeburtstag-appeal und man fühlt sich wie fünf. aber fünfjährige dürfen meistens eher nicht nackig im dunkeln zur schlafenszeit im bett sitzen und eis essen.
da dämmerte mir, dass es einem viel zu selten dämmert, dass man eigentlich jeden scheiss machen kann und keiner macht das licht an und schickt einen zum zähneputzen. ich hab mir dann noch zwei geholt. hat gut geschmeckt. zähne hab ich nicht geputzt.
10. juli 2004
vorhin bei globetrotter hab ich mir die hauspostille zum schmökern in der u-bahn mitgenommen. es war eine schöne kurzweilige fahrt, als ich in einem interview mit dem mittlerweile 69jährigen rüdiger nehberg, der letztes jahr versucht hat, sich nur mit brille, badehose und sandalen durch den brasilianischen dschungel zu schlagen las, wie er vorher versucht hat sich bei den yanomami auf den trip vorzubereiten:
(…) das wissen und können der yanomami wird ein weißer im wald nie erreichen. ich war daher kein sehr begehrter jagdgefährte. in zeichensprache bedeutete mir der häuptling: du kannst nicht schleichen, kannst keine tierstimmen nachmachen, kannst dies nicht, kannst das nicht. um doch mit auf die pirsch zu dürfen, bot ich meine ganze überzeugungskraft auf. dann schlich ich hinter den jägern her, mäuschenstill, stundenlang, kreuz und quer durch den dschungel. dann endlich ein zeichen: zwei affen auf einem baum! der häuptling machte sich schussklar. ein wahnsinnsbild dachte ich, zückte die kamera, bekam aber nicht alles in die optik. also trat ich zurück – auf einen ast. knack! die affen rasten davon. der häuptling schoss daneben. stinksauer schickte er mich zurück.
du musstest zurück ins dorf?
ja. aber ich hatte überhaupt keine ahnung, wie ich zurückkommen sollte. als ich mein problem signalisiert hatte, starrte mich die ganze truppe fassungslos an. die blicke waren eindeutig: der ist ja noch blöder, als wir gedacht haben! schließlich kommandierte der häuptling seinen sohn ab, um mich zu führen. der sohn war vier jahre alt, unglaublich! der marschierte vorneweg, schaute weder nach rechts noch nach links – und nach sechs stunden waren wir plötzlich da. als der kleine den frauen erzählte, was passiert war, kriegten die sich gar nicht mehr ein. ab da war ich der dorfdepp. immer wieder wurde die neue rüdiger-geschichte als theaterstück aufgeführt: vorneweg die genialen indianer, leiser als nebelschwaden; hinten der deutsche glatzkopf, tolpatschig wie ein besoffenes tapir. und der häuptling zählte wieder an den fingern ab, was ich alles nicht konnte: nicht schleichen, nicht heim finden und so weiter. weil die liste so lang war, sprangen ab dem elften punkt immer assistenten herbei und stellten weitere finger zur verfügung. ich war 31 einheiten blöde. die indianer haben sich köstlich amüsiert. aber gelernt habe ich dort auch sehr viel.
der rest der geschichte
09. juli 2004
ich denke darüber nach, weshalb es menschen gibt, die sich auf ihren internetseiten in komplexen worten darstellen, jedoch auf fotografien von sich selbst verzichten. sobald ich aufgrund irgendwelcher links auf eine neue seite stoße, in der sich jemand persönlich beschreibt, suche ich zuerst nach einem bild, einer fotografie von diesem menschen. wenn ich nichts finde, bin ich enttäuscht, oft desinteressiert. mir ist zufällig bekannt, dass das viele tun – nach dem foto suchen. wenn ich mehr als ein spärliches bild finde, bin ich umso neugieriger.
für mich sind das wunderbar unberechenbare mosaiksteine. auch worte könnten das sein – ja – manchmal. könnten. aber wer, von all den sich offenbarenden schreibt schon wirklich unberechenbar, womöglich schonungslos…? eine fotografie, die einen blick zeigt, erzählt mir mehr als biographische daten und adjektive. selbst, wenn das bild im bewußtsein, fotografiert zu werden, entstanden ist. selbst, wenn es nur ein seltener, vermeintlich untypischer moment gewesen sein sollte. auch in jeder pose zeigt sich wahrheit. ich liebe es zu sehen, was jemand sein könnte – oder meint, sein zu können. ich finde das ungeheuer spannend.
unsere blicke atmen. sie können treffen, berühren. oder langweilen. spontane aggression auslösen. hass. zuneigung, erregung, vertrautheit, verachtung, ablehnung, liebe, krieg.
die art, wie jemand den kopf hält, eine hand, schreibt ein buch darüber, welcher natur die energien sind, die in ihm wohnen, pulsieren. und – ob wir uns vorstellen könnten, diesen menschen zu mögen oder nicht.
ob es häufiger die ablehnung der eigenen verkörperten wahrheit ist oder eher eine form von diskretion, darauf zu verzichten?
ich wünschte mir, dass all die selbstverständlichen digicams viel öfter dazu benutzt würden, dass wir uns gegenseitig bilder von uns zeigen, ohne die befürchtung, unanständig eitel dabei zu wirken. das sind wir ohnehin. es gibt beweise.
und übrigens: das macht nichts.
03. juni 2004
während ich immer wieder die bilderflut von navajo mountain ansehe, auf seiten verteile, muss ich an all die vielen bilder denken, die ich nicht fotografiert habe. freiwillig, einsichtig (nicht, dass mir jemand ein bild verweigert hätte) und manchmal doch mit einem winzigen, leicht hinnehmbaren bedauern.
film war da, doch es gibt diese momente, wo es den zauber bricht, ihn brechen würde, ein noch so kleines gerät in die hand zu nehmen und etwas so pragmatisches zu tun, wie ein motiv-versessener paparazzo auf einen auslöser zu drücken. man setzt sich für jenen und die augenblicke danach in nie beabsichtigte distanz, irritiert und ist für ein paar sekunden außerhalb, wenigstens im kreis von menschen. in landschaft ist es dagegen ein ungebrochener fluss, die kamera einzusetzen und die winzige bewegung beim gehen macht keinen unterschied. die salamander schlafen weiter. ich bin vorsichtig und nicht umständlich beim abdrücken. es gibt kein abwägen, keine positionsüberlegungen, sehen, fühlen, einfangen. es ist keine hektische bilderjagd, ich bin ein fauler flaneur. faule flaneurin. läuft mir ein unwiderstehliches bild über den weg, sag ich nicht nein (wenn das bild nicht von sich aus nein sagt…)
ich wünschte zunehmend, ich könnte die nur in meinem herzen und fühlen gespeicherten bilder vermitteln. nur ein paar davon. ich spüre, wenn ich die tatsächlich entstandenen bilder sehe, was daneben, dahinter, davor und danach geschah, war und ist. die gesichter und gesten, die (absichtlich) nicht auf zellulloid gebannt sind, die sonnendurchfluteten züge der menschen, die das rainbow plateau seit gedenken bewohnen. verstreut, weites land um sich liebend. menschenanhäufungen vermeidend. die nächste hütte kaum zu sehen. falls doch “ it’s getting crowded…“. kleines haus, familien-hogan, wüste, pferde, katzen, hunde, felsen, juniper, pine, sagebrush.
(jener teil `sage` im namen sagebrush hat in deutschsprachigen regionen dazu verleitet, die weit verbreitete wüstenpflanze bequem mit salbei zu übersetzen. was wiederum dazu geführt hat, dass viele in unseren breitengraden indianisches brauchtum nachzuempfinden-suchende, küchensalbei verbrennen. vielmehr sei unser heimischer beifuss jenem wüstenstrauch biologisch, jedoch nicht für das auge erkennbar, verwandt, heißt es. der duft von nordamerikanischem sagebrush ist ätherisch-würzig, verwirrend-vibrierend, hell und doch sehr tiefgehend. im geschmack gallebitter, nicht genießbar. die blätter sehr klein, spatenförmig und gefiedert. allein das samtig-helle graugrün der blätter scheint salbei-ähnlich.)
manchmal trägt man bilder, klischees in sich, die aus filmen stammen. verdammt schönen filmen. filmen, die so schön sind, dass man eher denen glaubt, die warnen „du träumst schon wieder, du träumst zuviel“. zu schön, um wahr zu sein. und doch – versucht man – insgeheim – irgendwo einen millimeter, eine kleine sequenz davon in der wirklichkeit wiederzufinden.
manchmal, reist man an einen ort, nur wegen eines einzigen wunderbaren bildes. ich hatte viele wunderbare bilder von diesem weiten land in meinem herzen gespeichert. ich schreibe herzen, weil es eine herzensangelegenheit ist, immer war. ich möchte noch viele andere kontinente bereisen, doch mehr aus neugier. ich wußte bereits, hörte, es wäre ein weites land. jeder sagt einem das. ich war voller erwartung. vorsichtig nur aus übung, jahrelanger übung. und merkwürdiger gewißheit. vorfreude. auf etwas wie – ein großes wort – inneren frieden.
ich habe gut geträumt. der traum ist geblieben. ich fand ein land, das mehr als weit ist. unendlich. im grenzen- und wunderbar asphaltlosen land der navajo herrscht ein tiefer frieden in allen himmelsrichtungen, der sich weit und mächtig über den horizont erhebt. und was dahinter liegt, liegen mag (man sieht es ja nicht mit bloßem auge, kein fernglas sieht so weit) scheint nur noch als ghetto in zementierten quadraten freiwillig eingesperrter anglo-americans. theoretisch, gerüchteweise. nicht ärger regt sich – nur mitleid. wie eng und traurig scheinen die städte.
ich träumte gut. doch ich träumte nicht, dass der grand canyon so sehr, so schwer nach von frühling erfüllten pinien riecht.
und. ich träumte nicht, dass der „wilde westen“ vor allem unberührte wildnis ist. mehr als alles andere. der cinemascope-eindruck bleibt. nur – die leinwand lebt, atmet, riecht. echt. großes kino, greifbare wirklichkeit. das, was wir uns erlauben, am szenario der marlboro-werbung zu lieben, das gibt es wirklich, diesen großen sonnenuntergang, das lagerfeuer, die blecherne kaffeekanne. nur eines ist anders: der cowboy im monument valley ist kein anglo. und er hütet auch keine kühe, sondern einen versteckten hogan im valley, und die pfade zum “eye of the sun“ und “ear of the wind“. der cowboy heißt zufällig gary, er trägt einen stetson, stolz. stolz auf sein land. stolz auf auf sein volk, das volk der dineh. er ist ein navajo. er sieht von hinten aus wie lucky luke, von dem er noch nie gehört hat, kommt aus lookatchaga, das liegt irgendwo zwischen utah und arizona, die anglos haben nicht einmal ein wort dafür. er hat gerade keine marlboro, hätte aber gerne eine, er hat ja aufgehört zu rauchen. dann dämmert der morgen. im monument valley, indigoblau.
in der sanddüne mit blick nach osten zum totem pole, steht ein cowboy und singt. er singt den ganzen sonnenaufgang lang. er singt den navajo sunrise song, so lange, bis alle wünsche gewunschen sind und die sonne leuchtend durch den felsen bricht.
01. juni 2004

totem pole, monument valley
this land is your land, this land is my land,
from california to the new york island;
from the redwood forest to the gulf stream waters
this land was made for you and me
as I was walking that ribbon of highway,
I saw above me that endless skyway:
I saw below me that golden valley:
this land was made for you and me.
I’ve roamed and rambled and I followed my footsteps
to the sparkling sand of her diamond deserts;
and all around me a voice was sounding:
this land was made for you and me.
when the sun comes shining and I was strolling,
and the wheat fields waving and the dust clouds rolling,
as the fog was lifting a voice was chanting:
this land was made for you and me.
as I went walking, I saw a sign there,
and on the sign it said „no trespassing.“
but on the other side it didn’t say nothing,
that side was made for you and me.
w. guthrie
[ im ohr die version von lila downs ]
28. mai 2004
’willste denn noch mehr schreiben?’ bin ich heute gefragt worden. also noch mehr, als das amekitita-aufsätzlein. tscha. weiß nich. weiß ich noch nicht. hab ich mal so gesagt. weiß ich halt noch nicht. nicht so leicht zu beantworten. es kommt wie’s kommt. es ist ja nicht so, dass nichts weiter erwähnenswertes mehr passiert wäre. will ja alles erst mal verdaut werden.
auf alle fälle kann ich mir durchaus vorstellen, dass ich es mir auf dauer nicht verkneifen werde können, eine episode aus dem schönen dixie, utah, anglo-reservat mormonenland zu schildern.
da durfte ich nämlich einer einladung in den visitors center der mormons church folge leisten. ganz was feines. der eigentlich von mir angepeilte, von reiner neugier getriebene besuch im schneeweißen (in gruseligster hochzeitstortenarchitektur fabrizierten – las vegas wäre stolz darauf -) tempel mit rüschengardinen, war leider nicht machbar, wegen fehlender kirchenmitgliedschaft. gibts leider/zum glück keine fotos davon. da gehen einem die augen und ohren über. oder wie sue aus alabama, auch nicht unbeeindruckt mit verschwörerischem tonfall feststellen sollte: “ this is so b i z a r r e . . .”
stay tuned
27. mai 2004
da lesen.
16. mai 2004
current angucken.

28. april 2004
hi…
(noch nicht wirklich da, noch eine weile…. komme zu fuß – irgendwo in den tiefblauen himmel von utahrizona gefallen, auf einen roten felsen… kleiner salamander schläft in der sonne… ich auch…. bis morgen vielleicht …will nur noch current besuchen, brauner hengst mit schwarzer mähne, trotziges mustang-halbblut, er kriegt noch die abgeknabberten maiskolben von heute abend vor dem schlafengehen und ein bißchen frisches mesa-gras für seine weiche schnute aus meiner hand… dann zurück, durch den roten sand, die salbeibüsche und die yuccas, hebe schnell noch ein bißchen altes wacholdergestrüpp und -hölzchen auf und mache schon mal ein warmes feuer im hogan, dann ist es schön warm, wenn die anderen gleich zurückkommen, so zum einschlafen. der kleine kater guckt dann wieder durch das loch in der decke mit dem ofenrohr, daneben tausend sterne… ich kuschle mich in den schlafsack mit der schweren navajodecke von sara obendrauf und träume vom nächsten sonnenaufgang am kleinen zeh vom navajo mountain …)
… noch ein bißchen weiterträumen… nur noch fünf minuten … zehn minuten… bitte … nur noch eine viertelstunde … bitte … eine stunde, eine, eine ganze … bitte … ein ganzes leben…
08. April 2004
a m e k i t i t a
flug nach.
Flug Frankfurt-New York. Zuerst Disney. Irgendein Dalmatiner-Film. Es gibt auch noch James Bond-Goldfinger, irgendwas mit Sandra Bullock und noch anderen Quatsch. Dann: „chicken or beef?“ „chicken“. Der Steward sieht aus wie der Sohn von Sidney Poitier. Auf dem Audiokanal sabbelt ein sonorer Radio-D.J. von der Rock’n’Roll Hall of Fame in Cleveland, Ohio: „So why should our Continental-passengers visit the Rock’n’Roll Hall of Fame-Museum?“ …blah blah blah…. „John Lennon-exhibition“ …. dann The Mamas and the Papas: Monday, Monday… – – – Satisfaction – – – Light my Fire – – – Dann: „If you are basically interested in guitars, you should visit the first floor, with guitars of the Beatles, the Rolling Stones and Jimi Hendrix.“ Dann ‚Mrs. Robinson‘ – …coo-coo’cachoo Mrs. Robinson – heaven holds a place for those who pray…”.

– – – Oh! er ist schon im second floor – hab nicht zugehört. Jetzt kommt Great Balls of Fire (live) (Jerry Lee Lewis??) Sonne knallt durchs Fenster links. Hab immer noch nicht kapiert, ob das eine (oh hoppla – jetzt „whole lotta shakin’ goin’ on“) …immer noch nicht kapiert – ob das eine extra für Continental-Flüge produzierte Sendung ist, die im loop läuft, oder ob es womöglich einen extra Sender für Continental-Flüge gibt – nee – is doch Quatsch oder? Total unwahrscheinlich… (ach – was gelernt – auf dem Monitor an der Flugzeugdecke sieht man in regelmäßigen Abständen, wo der Flieger gerade ist (jetzt über dem „atlantic ocean“) und da stand „celtic sea“ „ ich wusste gar nicht, dass es die gibt – die „keltische See“ lässt eher an sehr Vergangenes denken -)
Jetzt kommt ein Lied, das ich überhaupt nicht kenne – muß wohl was Neues sein – ich blicke ja nicht mehr so durch, was heutzutage so im Radio läuft – von so Seals etc. weiß ich auch nur, weil er was mit ‚unserer Heidi‘ hat. – ohh uijuijuij – da hab ich ja total daneben getippt – das war auch was Altes – die Jackson Five – das klang so Girlie-Band-tralala-mäßig… o.k. die spielen nur altes Zeug, habs schon verstanden, jetzt – das ist eine richtige Reklame-Sendung für diese r’n’r hall of blub. Langsam wirds ein bißchen penetrant… alles aufgefuttert… ein Schluck schwarzer Kaffee ist noch da. Gerade bin ich ganz gut wach. Schwankt ein bißchen zwischen total übernächtigt und Räkel-Stimmung. …. aber schön, die Sonne…. der Check in war doppelt, schon gründlich. (ist o.k., hab ja keine Drogen dabei…)
Jetzt kommt irgendwas mit Mundharmonika-Intro – kenn ich auch überhaupt nicht…. irgend so ein Liedermacher – – – oder ist das eine Frau? Kann man nicht genau erkennen …. – ? …irgendwie kommt mir das leicht bekannt vor. Das ist eine Frau und zwischen der penetrant-aufgesetzten Mundharmonika singt sie was vom „piano man“ …wer is`n das? Na der Ansager wirds gleich berichten. Zoll-Krempel hab ich schon ausgefüllt – nein ich führe nix ein – nur mich selber und meine Klamotten – hoffentlich ist die Isomatte noch am Rucksack, wenn ich heute das zweite mal zur Gepäckausgabe gehe. Nach dem Flug Berlin-Frankfurt waren plätzlich drei Teile auf dem Förderband. Ich hab aber nur eins aufgegeben – da haben die wohl geguckt, was ich für Mörderbesteck im Rucksack habe und waren zu faul, den Schlafsack wieder anzuschnallen, dito Schlafsack-Inlet, da lag plätzlich ein Extra-Beutel da – war mir gleich eine Lehre – der Schlafsack ist jetzt mit beim Handgepäck – der würde mir ja ganz schön fehlen…

jetzt: CSN & Young: „teach your children“ – hej – der Ansager hat vergessen, die frauliche Liedermacherstimme anzusagen – oder hab ich nicht aufgepasst – schon wieder eine uralt-Kamelle – irgendwie kenne ich das doch auch…? Mensch aber der Kopfhörersound verzerrt ja ganz schön… na ja irgendso ’ne Beatmucke halt… von „frühers“… ach ja – Cream… hmm erinner mich dunkel… „my name is J. J. Jackson“, sagt der Ansager. och, nett – Rod Stewart: Maggie. Irgendwie ist bei dem Kopfhörer immer die Rhythm-Section total im Vordergrund – oder ist das ein Stereo-Kopfhörer und der eine Kanal ist ein bißchen kaputt?… (die Mucke kenne ich jetzt aber definitiv nicht – ?? ey! ich glaub ich hab die Stimme ein bißchen erkannt – Cindy Lauper? – ??? Hmm – der Depp – jetzt sagt er, dass das „Refugee“ heißt, das Lied, aber statt die Interpretin zu nennen, erzählt er zum hundertfuffzichsten Mal, dass er „tschäij-tschäij tschäcksn“ ist – (ja ja, ist ja gut…)
(o.k. – Chuck Berry – von mir aus – Johnny B. Goode) – ach ja – dass „Sergant Peppers-Uniformen in dem Museum rumliegen, hat er auch noch erwähnt. Meine Finger sehen total abgearbeitet aus, sehe ich gerade – hab gestern noch die Bude geschrubbt, weil mir gegraust hat, ob der Vorstellung, ich komme zurück und die Wohnung sieht so versifft aus, wie sie eben bis vor kurzem war. Eklig. Ich erinnere mich dunkel, dass ich irgendwann im – Dezember – ? den Staubsauger aus dem Atelier geholt habe (da war er noch wegen der Dielen-Abschleif-Aktion-Holzspäne-Wegsaugen-Sache) – und schon da hab ich ihn eigentlich mit der Idee geholt, dass es endlich mal wieder Zeit wäre, Staub zu saugen – oder zu staubsaugen, heißt es ja wohl… seither ist aber nix mehr passiert, ich hab den Staubsauger nach der Hol-Aktion schön in den Schrank geräumt und gestern nach Monaten das erste Mal wieder benutzt. Er geht noch. Schön sieht das aus, so ein sauberer Teppich. Sollte ich vielleicht öfter mal machen… nur wenn man kaum einen Unterschied beim Putzen sieht, ist es ja noch öder – so hatte ich wenigstens einen echten Aha-Effekt gestern. Der Teppich im Flur hatte plötzlich eine ganz andere Farbe, so ohne Staubschicht.
(gerade eine langweilige Allman-Bros.-Nummer: Ramblin“ Man. Von denen hatte ich mal ein paar Platten, wie langweilig mir die Musik heute vorkommt – die „live at Fillmore East“ war doch eigentlich ganz gut, so weit ich mich erinnere, jedenfalls irgendwie nicht so Geträller-mäßig wie diese Ramblin-Man-Nummer…) jetzt irgendso eine R’n’R-Hau-Ruck-Nummer – aber der Sänger hat eine geile Stimme – ahh! John Lee Hooker: „boom boom“ – hab keinen Bock mehr auf den Laberfritzen und den krachigen Kopfhörersound – oder doch, diese Nummer noch! „When Doves Cry“ von olle Prince! – insgesamt kann man ja eigentlich nicht meckern – wenn man den Kopfhörer lauter macht, ist der Sound auf einmal gleich viiel besser … eine geile Nummer – – – „this is what it sounds like, when doves cry“ . . …..dubidubiduh… – ich lass jetzt einfach mal laufen „ wenn wieder eine gute Nummer kommt, schreib ichs auf.
Auch nett – Van Morrison, Brown-eyed Girl – – – na, da möchte man doch vom Sitz springen, wenn man nicht so eingeklemmt wäre und mitschnippen! shallalalalalahh.. schnipp..schnipp .. schnipp …made love in the green grass… schnipp..schnipp. etc. – – – au geil! wie der olle J.J.Jackson-Ansager „Van Morrison“ betont! Das muss man gehört haben – eine geile Radio-Stimme hat er ja : “ V a a a a h n m a h h r i s n “. . . oh „ ne alte Aerosmith-Nummer! erkannt! Mensch Steven Tyler klingt über den Kopfhörer auch fast wie ein Mädchen… aber die Nummer geil – – – wie hieß die noch…. „sing with me sing for the year – sing for the laughter and sing for the tear…“ „DREAMER!“ dream on, until your dream comes true, dream on … ‚Dream on‘ na klar mensch! oh yeah „ dream on – – – mit Aerosmith auf den Ohren nach New York fliegen ist in der Kombination schon irgendwie nicht zu verachten…
and now – die Temptations! „My Girl“ – by the way… die Stewardessen hier sind irgendwie recht handfest, irgendwie sehr groß und stämmig und deutlich über 47 – Typ resolute Hauswirtschaftslehrerin – so ähnlich wie die frühere Bundespräsidenten-Gattin Herzog – – – wie hieß die noch? Marianne? Mathilde? Anneliese? Annemarie? Egal. So halt jedenfalls. Man kann sich vorstellen, wenn der Flieger mal abstürzt und eine von denen überlebt, zieht die ganz souverän die Geflügelschere aus der Schürze und fängt an zu operieren. Die können so was, bestimmt. So sehen Hebammen vom alten Schlag aus. Stell ich mir irgendwie so vor. Komisch, dass die Mädels in den anderen Fliegern immer so jung sind – als ob es da eine Alterssperre gibt – oder MÜSSEN die irgendwann – so ab 46 – alle zur Continental? So eine Art Alters-Teilzeit-Regelung??? – der Kopfhörer hat ja so seine Vorteile, plätzlich kommen einem uralte abgedudelte Nummern wie neu vor… und irgendwie ganz fremd…

OH! Auf dem Monitor lese ich „time to destination: 4:31“ Halbzeit – sieht man auch auf dem Bildchen – der Flieger schwebt jetzt genau in der Mitte über dem atlantischen Ozean, zwischen der Ostküste und der britischen Küste… wenn der jetzt runterfällt … au weia …. da ist weit und breit kein Robinson-Inselchen zu sehen… sieht aus wie ein Schneefeld, wenn man aus dem Fenster guckt, die Wolkendecke, ganz glatt diesmal, nicht so wattebauschmäßig wie sonst – und drüber gleißende Sonne – wo sind wir eigentlich – ich meine welches Land? Gehört genau die Hälfte des Atlantiks auf dieser Höhe zu Amiland? Sind wir schon in Amerika?
….“it’s been a hard days night“ die alten Fab 4 – immer wieder schön – bin ja Beatles-Fan, von Kindesbeinen an. Die Nachbarsjungen Lothar und Norbert Schmitt haben seinerzeit einen religionsartigen Kult um „weißes Album“ „blaues Album“, „schwarzes Album“ getrieben, ich hab echt gedacht, das ist was ganz Geheimnisvolles, nur für Eingeweihte und so. Besonders vom „weißen Album“ wurde immer viel schwadroniert, mit ehrfurchtsvoll gesenkter Stimme. Und so dachte ich auch, Beatles-Platten wären immer was Besonderes, für jeden. Nur für meinen Bruder nicht. Die erste LP, die ich je gekauft habe, war „Help“ von den Beatles, als Geburtstagsgeschenk für meinen Bruder, irgendwie hat er aber nur höflich gelächelt … die Beatles waren ihm zu nett – er war „Stones“.
Jetzt hab ich keinen Bock mehr, weiterzuschreiben, wenn auch die Zeit sehr schön vergeht so… ich geh mal aufs Klo, mal sehen, wo das überhaupt ist! oh schön – noch mal CSN & Young: „stop, what’s that sign…? (for what it’s worth) kommt gut, diese leicht unbeholfen echoende Gitarre von Neil Young – – – oh Mann, die Sonne ist so schön…. Fleetwood Mac – „Believe in Miracles“ – zwischendurch hat mal einer gesagt, das Schöne an der R’n’R Hall of Fame wäre, dass man da die Namen der Menschen, Künstler, Musiker verewigt findet, die man schon so lange liebt, verehrt und respektiert, das wäre einfach ein gutes Gefühl. Versteh ich. (ich war immer noch nicht auf dem Klo übrigens…) Irgendwas von den Eagles – – – dieses Country-angehauchte Gitarren-Geschrubbel kommt richtig gut in der Sonne, mit Augen zu… – o.k. – jetzt fängt der Loop wieder von vorne an … the Mamas and the Papas „ monday, monday… etc. etc. – zwei Stunden Konserve reicht, ich muß mal gucken, was es noch so für „Radio-Stationen“ gibt…
Komische Reklame auf der Continental-Serviette fällt mir gerade auf, der Spruch: „work hard – fly right“ – hä? kapier ich nicht – wo ist der Zusammenhang? Als müsste man besonders hart arbeiten, um sich einen Continental-Flug zu leisten? Die sind doch nicht besonders teuer, oder? Von exorbitantem Luxus hier im Flugzeug kann eigentlich auch keine Rede sein – ich hätte ja schon sehr gedacht, dass die Sitze auf so einem Langstreckenflug, immerhin acht Stunden am Stück, großzügiger gebaut wären. Man sitzt hier ungefähr wie im ICE 2. Klasse. Gut, bin ja auch nur in der 2. Klasse – aber welche Airlines sind das denn, die ohne „Klassenunterschiede“ größere Sitze für solche Flüge haben? Na ja – ich kenn mich halt noch nicht aus in der Welt. Der „Germania“-Herflug Berlin-Frankfurt war sitztechnisch nicht unbequemer. Flieger fliegt über Quebec vorbei an Neufundland (nette Unterhaltung mit der Fliegerin neben mir) Eisschollen… ….bißchen dösen…

Landung in Newark. IKEA, kleine Liberty, sieht irgendwie grau und braun und matschig aus (trostlos), Regen, Einreisekontrolle, vor mir 1 Mexikanerin, wird fotografiert und Fingerabdrücke genommen. Der hübsche schwarze Zollbeamte schäkert mit ihr herum, sie posiert kokett als wär’s ein Fashion-Shooting, er grinst und knipst, sie wackelt mit Hüftschwung davon. Ich werde rhetorisch nett gefragt, von wo ich komme und kann weitergehen, schnell Rucksack holen, schnell wieder aufgeben, Check in nach Las Vegas (gate has changed hurry hurry…), Regen, take off.
Newark, N.Y. – Las Vegas. Neben mir ein irisches Ehepaar (er sieht aus wie ein alter freundlicher Wolf) aus Shannon. Auch nett. Leider etwas dick. Der neue Sitzplatz hat nicht allzuviel Räkel-Spielraum aber Fensterausguck. Er fragt mich, ob ich weiß, wie lange wir fliegen. ich sage, mich dunkel erinnernd, was auf dem Flug-Bestätigungs-Zettel von wegen „Flying time“ stand: phh… five hours. gucke auf das Ticket, sehe die arrival-time, gucke auf meinen Wecker – der hat New York-Zeit -ähh – nein – no – doch nur drei Stunden! Good News! Just about three!… er freut sich schon, ich mich auch, berichtet seiner Gattin nebenan die good news. Dann fällt mir wieder die schon wieder neue Zeitverschiebung ein – äh – sorry – bad news. ich mache ihm klar, dass wir leider because of the different timezone in Nevada doch fünf Stunden vor uns haben… er seufzt ergeben, holt eine laminierte Klapp-Weltkarte aus seinem Täschchen, klappt sie auseinander und ich zeige ihm darauf die Weltzeit-Zonen und er fährt mit dem Finger kreuz und quer über Europa, Nordost- und Südwest-Amerika und begreift, was die komischen Zahlen unter der bunten Landkarte mit den Strichen für die Breitengrade bedeuten – das sind Stunden, das hat was mit Zeit zu tun… wenn es in New York jetzt Dings ist, dann ist es jetzt in Las Vegas Dingens…. got it? Deswegen ist die Local time of arrival in Las Vegas Dings und nicht Dingens…äh… oder so ähnlich… ist ja auch egal – jedenfalls …. na ja usw. Die beiden sind auf dem Weg zur Hochzeit von seinem alten guten Freund von früher, der schon ewig in Las Vegas lebt, bleiben aber nur drei Tage zum Feiern. Muß aber ein guter Freund sein, für so eine lange Anreise für nur drei Tage, sag ich… beide nicken heftig: „ooohh yes! a very good friend. He’s a very good old friend.“ Fein. Das freut mich.

Fliegen über Philadelphia und Pittsburgh. Cincinatti. Nashville. Memphis. Little Rock. Oklahoma. Santa Fe. …Arizona, Nevada … looks like Grand Canyon… cloudy but beautiful… und die rote unberührte Erde – nur schön. Wahnsinnig schön… Las Vegas von oben wie ein Terrakotta-Mosaik, aufgeräumt.
Landung in Las Vegas. Sonne hinter schweren Drama-Wolken, großer Regenbogen. Welcome to Las Vegas. Die Flughalle: überall dicker Teppichboden never seen before…, irgendwie Spielfilm. Hotel-Lounge-, Casino-Atmosphäre, sehr angenehm, sehr leicht, „funny“ somehow… – schöner, viel schöner als der Flughafen Newark. Kino-Amerika. Continental Flight Newark-Las Vegas: Please check your baggage at Baggage-Check: Nr. 14. Thank you. You’re welcome.
Alles da.

P.S.
es war einmal ein kleines Mädchen, das statt Amerika immer Amekitita gesagt hat.
07. april 2004
ya’at’eeh…

08.04.04 – 6:25 berlin – frankfurt – new york – las vegas (nevada) – grand canyon (arizona) – rainbow plateau (navajo-country) – navajo mountain – lake powell – monument valley (arizona) – page – antelope canyon – zion n.p. (utah) – las vegas – houston (texas) – new york – frankfurt – berlin – 24.04.04
22:52. in acht stunden hebt mein flieger ab … hoffentlich kann ich noch ein bißchen einschlafen. in meinem rucksack sind 17 kodakfilme und wildes herzklopfen
07. april 2004
bin immer noch zu faul zum rucksack-packen und spiele mit dem fahrenheit nach celcius-converter.
da gibt man fahrenheit ein und klickt auf „compute“ und er spuckt celsius aus. 59 f klingt eigentlich irgendwie ganz schön viel, ergibt aber nur schlappe 15 grad (in new york am donnerstag). kann mir aber eigentlich völlig wurscht sein, weil ich dort sowieso nur vom arrival-fluggate zum abflug nach las vegas stolpere, dort gibts voraussichtlich am donnerstag: mostly sunny; high: 81° f – oh! = gleich: 27.2222° celsius. ist ja nicht schlecht. (obwohl mich las vegas eigentlich nicht die bohne interessiert). im grand canyon …. 52 f … monument valley 65 f – – – = 18 nochwas celsius – – – und page – – – und – – chhhhchh – – pffff — chchpfpfchpch
ich geh mal nach nebenan… schlafen… vom… dings…canyon träumen …und so….
06. april 2004

05. april 2004

house made of dawn.
house made of evening light.
house made of the dark cloud.
house made of male rain.
house made of dark mist.
house made of female rain.
house made of pollen.
house made of grasshoppers.
dark cloud is at the door.
the trail out of it is dark cloud.
the zigzag lightning stands high upon it.
an offering I make.
restore my feet for me.
restore my legs for me.
restore my body for me.
restore my mind for me.
restore my voice for me.
this very day take out your spell for me.
happily I recover.
happily my interior becomes cool.
happily I go forth.
my interior feeling cool, may I walk.
no longer sore, may I walk.
impervious to pain, may I walk.
with lively feelings may I walk.
as it used to be long ago, may I walk.
happily may I walk.
happily, with abundant dark clouds, may I walk.
happily, with abundant showers, may I walk.
happily, with abundant plants, may I walk.
happily, on a trail of pollen, may I walk.
happily may I walk.
being as it used to be long ago, may I walk.
may it be beautiful before me.
may it be beautiful behind me.
may it be beautiful below me.
may it be beautiful above me.
may it be beautiful all around me.
in beauty it is finished.
in beauty it is finished.
(navajo prayer)
03. april 2004

„in the navajo language the word hogan means „home place.“ the term also has come to refer to a collection of buildings, all of which share essential characteristics: they are single‑room, roughly circular structures, heated by a central floor fireplace or wood‑burning stove with a hole in the roof for a stovepipe; the door always faces east, toward the rising sun, and they are generally built by the occupants. the architectural origins of the hogan are bound up in mythology. the building forms were originally divine gift to the dineh, the „people,“ as the navajo call themselves.“
noch fümpf mal schlafen…
02. april 2004
bin ich jetzt aufgeregt – der erste auf den zweiten april war schon mal ein aufregender augenblick in meinem leben. kurz vor mitternacht, vor heute achtzehn jahren, stieg ich mit einem alten koffer, darin eine handvoll habseligkeiten, in einen nachtzug nach berlin (wo ich nie zuvor gewesen war) um gleich dort zu bleiben. am zweiten april kam ich an und blieb – bis jetzt. ich staune heute mehr als damals, wie selbstverständlich sich das anfühlte. seit diesem tag fühlt sich das datum immer ein bißchen wie geburtstag an. ach was – nein. eigentlich besser.
gerade eben habe ich in meiner melancholie beschlossen, (vor wenigen stunden hatte ich noch keinen schimmer davon, dass ich das jetzt mache) mich nächste woche am achten april endlich auf eine reise zu begeben, von der ich schon seit langem träume. eine reise in eine landschaft, von der ich, seit ich denken kann, verzaubert bin, und die ich niemals ähnlich wo anders gesehen habe. ich reise in das weite land der navajos, das sich über utah und arizona erstreckt, zum rainbow plateau.

dank internet bin ich über astrid von 7meilen aus berlin gestolpert, die dabei sein wird und seit vielen jahren den kontakt herstellt. unter anderen zu leo mannheimer und buck navajo. (…) “besides guiding, leo creates wood sculpture. he is currently serving as president of the navajo mountain chapter, the local governmental unit of the navajo nation. leo follows the traditional navajo way, the corn pollen path. he is learning herbal lore from buck navajo, a respected medicine man, who is sara’s grandfather”.
wir schlafen im reservat in hogans und draußen. ich kann es selber kaum glauben. ich werde wirklich endlich den unfassbaren grand canyon sehen und die grenzenlosen weiten des monument valley. in den verschlungenen schluchten und wellen des antilope – dem herzen aller canyons stehen und am heiligen navajo mountain die sonne anlachen und beten. im lake powell schwimmen und meinen kummer vergessen.
31. märz 2004
was lese ich. sakrale, um nicht zu sagen dürre worte der trauer in ambitionierten internet-tagebüchern („weblogs“ für den letzten deppen, der es immer noch nicht kapiert hat), pietät pietät… für jene, denen es vor lauter wohlerzogener betroffenheit die sprache verschlagen hat, ein paar seiner worte zur aufmunterung:
„die kirche sagt, du sollst deinen nachbarn lieben. ich bin überzeugt, dass sie meinen nachbarn nicht kennt.“
„wenn man schon der gefangene seines eigenen geistes ist, muß man ihn sich doch wenigstens ordentlich einrichten.“
„der graduelle verfall des bewohnten körpers strapaziert im normalen verlauf der dinge kaum den geist“
na. da geht es der gemeinde doch gleich schon wieder besser – der gute peter ustinov eben, wie er leibt und lebt. (o.k. mit dem leibt ist es jetzt erst mal eine weile vorbei, in einem gewissen stadium ja wahrscheinlich auch nicht das schlechteste…)
das schöne: er war richtig schön alt und hat richtig viel gesehen und: er hat keinen schlechten zeitpunkt ausgesucht. will mir irgendwie doch so vorkommen. menschenskinder – das war ein richtig rundes leben! dass solche unterhaltsamen und originellen denker zu selten geboren werden, (oder uns zumindest nicht in jedem fall so schön zur medialen kenntnis gebracht werden), ist halt nun mal leider so. aber bei allem selbstmitleid von uns pathetisch ’hinterbliebenen’: es ist irgendwann dann auch mal gut zu gehen. (für ihn!) ich bin absolut nicht vom gegenteil zu überzeugen. wir sind doch die armen würstchen, die jetzt ohne seine trefflichen sprüche zur rechten zeit auskommen müssen.
daher: ehre wem ehre gebührt – ihm, peter ustinov: jede. aber doch nicht so eine. nicht so triefig-piefig-zappenduster und schwülstig, wie er selber niemals war. er war klasse, er war prima, er war grandios – und er hat endlich seine ruhe von diesem kleingeistigen irdischen schwachsinn. deshalb: nicht trauern – feiern, ihn. weiter. tot ist ohnehin nur der, dessen geist zur grube fährt – seiner ganz sicher nicht. unmöglich.
wirklich trauern, im ganzen ausmaß dessen, was „trauern“ bedeutet, muß man für und um andere. jemanden wie rio reiser. zu jung gestorben, zu unglücklich, zu einsam. endlich erlöst, ja sicher auch… aber – wie gerne hätte man rio alt und froh erlebt, gehört, gesehen, nicht so traurig, nicht so verloren in seinem einsamen haus in fresenhagen. das war tragisch. zum heulen. von anderen toden ganz zu schweigen, die die sprache verschlugen, (mir) bis heute.
es gibt auch gute. diesen hier. ich trink einen auf dich, mit deinem komischen sir-titel – einen richtig guten chateau-neuf etc.pp. (schon o.k.- oder? man gönnt sich ja…usw.) bis – später
27. märz 2004
Ich las gerade den folgenden schönen Eintrag im Gästebuch von Vera von Lehndorff:
Sehr geehrte gnädige Frau,
Gratulation zu Ihrer sehr schönen Internet-Seite!
Vielen Dank für Vieles! Ich gehöre auch zu der jüngeren Generation, die Sie jetzt für sich entdeckt. Zuerst sah ich Sie in einer Talkshow und sah und hörte erst einmal eine interessante kluge Frau.
Ich hatte keine Ahnung von dem Ruhm…
Durch den Zufall, dens nicht gibt, kam Body Art in mein Leben, und es waren die Natur und Peterskirchen und Eisentorbilder, die mich so besonders berührt haben.
Danke für das Medium, das unter die Kruste sehen läßt, das die versunkenen Dinge feiert.
Für die Link-Liste möcht man Sie drücken…
Hoffe, Sie sind glücklich. Ich wünsche es Ihnen sehr; ich wette, eine Menge Menschen denken an Sie, wie ein bißchen ein Gebet für Sie.
Herzlich zugewinkt aus Deutschland.
Ihr Thomas Merschjohann

Irgendwann in den siebziger Jahren saß ich im elterlichen Wohnzimmer auf der Couch, die Eltern waren nicht da, die schweren, tieforangen grobleinenen Vorhänge waren zugezogen und im Spätabendprogramm im Ersten oder Zweiten gab’s ‚blow up‘ von Antonioni. Ich war ungefähr elf und sah dieses pantherhafte Wesen, nur ein paar Sekunden und war verzaubert, für immer und ewig.
Nicht, dass mir der Film ‚blow up‘ an sich etwas bedeuten würde – ich kaufte ihn Jahre später als Video (neben ‚Der mit dem Wolf tanzt’ und einer Bildkopfreinigungscassette, die einzigen Kaufvideos, die ich je erworben habe) und war reichlich enttäuscht, über den nicht mehr gefundenen, so intensiv erinnerten atmosphärischen Zauber, den ich als Kind scheinbar wahrgenommen hatte. Vielleicht war es damals die ungewohnte Begegnung mit einer Welt von hochkultivierten Erwachsenen im damaligen swinging London, die ich so nicht kannte. Eine ungeahnte Welt, die mir in vieler Form freier schien, als die mich unmittelbar umgebende. Sophisticated kommt einem vielleicht in den Sinn, beim Versuch den atmosphärischen Eindruck zu beschreiben. Heute kommt mir der Film geradezu banal, modisch, oberflächlich vor. Doch in den wenigen kurzen Sequenzen der Bewegungen der sehr jungen Veruschka lag bereits eine Ahnung des sich später enthüllenden und erfüllenden Zaubers eines menschlichen Wesens, das zwischen allen nur denkbaren Welten zuhause ist. Veruschka ist und bleibt eine zum Glück noch lebende, wunderbar lebendige Ikone des freien Geistes, der Schönheit, der Zeitlosigkeit und der Wildnis.
Ich liebe sie.
24. märz 2004
geld macht nicht korrupt. – kein geld schon eher. (dieter hildebrandt) nein, jetzt kommt keine abhandlung über geld.
hier stand mal wenig erbauliches zu meiner akuten lustlosigkeit. schnell wieder gelöscht – das gewäsch möchte man dann ja doch niemandem zumuten. ich finde es ja immer vorbildlich, wenn zum beispiel frau oberhexe luisa francia live und très chic zweisprachig aus mju:’nik und anderswo ihre online-selbstbeweihräucherung zelebriert. da ist so gar nichts schnödes oder profanes im upgeloadeten alltag. ja, da kann man schon neidisch werden. da wird selbst das rendezvous mit einem profanen staubkorn zum ekstaseträchtigen initiationserlebnis.
so muß das sein. ganz, ganz toll. bescheidenheit ist eine zier doch weiter kommt man ohne ihr. schöne sätze darf man da lesen. wie zum beispiel, ihr neues mantra ist: „ich verzeihe mir alles“. tolle sache eigentlich, sich mal eben so lässig selber alles verzeihen, was man so verbockt hat – praktisch eben die frau. so ein schlechtes gewissen hie und da stört ja doch nur beim meditieren, also weg damit, ab in die yogi-tonne.
ich les es ja immer gerne. auch gerade, weil sie so ungemein stringent – um nicht zu sagen: mit wissenschaftlicher genauigkeit die nunmehr zahllosen indizien ihrer magischen wirksamkeit (böse böse worte wie ‚machtkomplex’ oder gar -neurose lägen einem auf der lästerzunge parat, aber das ist ein pfui-wort für frau luisa, das hat sie gar nicht gerne – wenigstens auf ihr spiegelbild bezogen; zumal sie ja als astrologisch mittelprächtig bewanderte ihre eigenes horoskop mit ihrer eins-a-alpha-macke-konstellation löwesonne plus frau wichtig- aszendent aus dem effeff kennen dürfte) zu dokumentieren weiß.
also jetzt mal ganz unter uns: man kann praktisch davon ausgehen, wenns regnet oder schneit, oder ein so richtig böser mann auf einer bananenschale ausrutscht, war sie es. also indirekt. also mit. also auch. mehr oder weniger. quasi. zumindest glaubt sie das selber gerne. ja mei. wenns hilft. binsenweisheiten auch mal ein bißchen frecher formuliert, das hat man einfach gerne. netter zeitvertreib. ich les es zwischendurch ja auch mal gerne. wenn mir gerade der pinsel steckenbleibt. doch doch. schon schön.
tolle sache das. ich finde es einfach gut, dass es leute (ooops ist das noch p.c. -? – leutInnen meine ich natürlich genauso) gibt, die einen so selbstlos und altruistisch in aller matriarchalen bescheidenheit an ihrer täglich fortschreitenden erleuchtung teilhaben lassen. auch dass man nun via internet immer genau weiß, wann und wo genau die zuletzt geturnte yoga-übung, die noch göttlicher und-überhaupt- und-sowieso als alle je zuvor unter der sonne praktizierten war, stattgefunden hat, möchte ich dringend wissen. derlei finde ich wichtig und inspirierend. ich meine: solche menschen sind mir und auch anderen in vielem ein beispiel.
schließlich sorgen diese unermesslich wichtigen, stillschweigend und uneigennützig zelebrierten und weltweit unterschätzten rituale maßgeblich dafür, dass unsere erde nicht in einem noch schlimmeren zustand als ohnehin schon ist. dankbar muß man sein. und die zahlreichen dünnen taschenbüchlein im aufgeplusterten alters- schwachsichtigkeits-großdruck kaufen, kaufen, kaufen. von dem geld kann frau francia dann nämlich bald wieder mit dem flieger nach afrika zu den dicken alten yoruba-priesterinnen fliegen, mit denen sie ganz toll perdu ist. da fassen sich dann alle an den händen und machen dort ein unheimlich wichtiges erdheilungsritual mit viel räucherzauber, gegen die böse böse luftverschmutzung zum beispiel. das ist fein. das wird die irritierten luftgeister bestimmt mächtig freuen. und so. irgendwie.
17. märz 2004
„was kunst ist, wissen sie ebensogut wie ich, es ist nichts weiter als rhythmus. wenn das aber wahr ist, so beschwer ich mich nicht mit imitation oder mit seele, sondern gebe schlicht und einfach rhythmus mit jedem beliebigen material, straßenbahnfahrscheinen, ölfarbe, holzklötze, ja da staunen sie bauklötze, oder mit dem wort in der dichtung, dem ton in der musik, oder wie sie wollen.
darum sehen sie sich nicht das material an, denn das ist unwesentlich. suchen sie nicht versteckt irgendeine imitation von natur, fragen sie nicht nach seelenstimmungen, sondern suchen sie trotz des ungewöhnlichen materials, den rhythmus in form und farbe zu erkennen. mit bolschewismus hat das ebensowenig zu tun wie der moderne bubikopf. dafür ist es die essenz aller kunst, das heißt, jedes kunstwerk aller zeiten mußte diese primäre forderung erfüllen, rhythmus zu sein, sonst war es nicht kunst.“
kurt schwitters. hm ja naja schon auch – doch doch. „…beschwer mich nicht mit seele…“ – sehr putzig
„…der gegensatz von kunst ist nicht natur, sondern gut gemeint…“
gottfried benn. jaja, der benn hats drauf gehabt, keine frage – ‚abschied‘ lesen und auf die knie fallen
„kunst ist nicht lehrbar“
zitat des bildhauers kricke auf der website der kunst-akademie düsseldorf. sehr einladend eigentlich, als werbende überschrift für eine kunsthochschule…
„kunst ist eine lüge, die uns die wahrheit erkennen läßt.“
pablo picasso. hm auch nicht schlecht
„alle kunst ist gänzlich nutzlos“
oscar wilde. na ja er nun wieder…
„(…) infolge der erweiterung des kunstbegriffs (u. a. durch j. beuys) sind allgemeinverbindliche aussagen nicht möglich.“
lexikon. lexikon find ich gut
vielleicht ist ‚kunst‘ einfach nur alles menschenwerk, das selbst erwachsene unvermittelt kindliche laute ausstoßen lässt. (oohh…) – ja, vielleicht das. allerdings bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob die definition und anwendung dieses komischen elitären begriffs der menschheit je genützt hat. braucht man dieses wort? ich nicht.
ich kann mich nicht wirklich entsinnen, je in der – egal ob positiven oder negativen leidenschaftlichen äußerung über irgendein musikalisches, darstellendes, lyrisches, bildnerisches werk diesen leicht drögen (um nicht zu sagen: intellektuell-unterkühlten) begriff gebraucht zu haben.
oder sagt man je: „wie der soundso singt, das ist kunst“ man sagt doch eher: „oh, das ist ja schön…“ oder „guck mal, das ist ja toll, die farben…“ ist ja auch wurscht. auf jeden fall lassen sich viele leute von dem begriff reichlich beeindrucken. manchmal derart, dass sie in ausstellungen vor exponaten stehen, die sie in keiner form verstehen (bauch sagt nee – kopf sagt nee) aber dennoch meinen, verstehen zu sollen.
ich sage euch: leute, geht einfach weiter, wenn das dingens, das da zufällig rumsteht euch nichts sagt. dann hat es die/der sog. künstler/in eben schlicht und ergreifend nicht geschafft, die idee zu kommunizieren. gewichse halt. war vermutlich schön für ihn oder sie persönlich, kann man aber geflissentlich ignorieren.
ich war bislang u. a. in ungefähr fünf bis sieben ausstellungen, in denen reichlich picassos zu sehen waren. pablo war durchaus genial, aber eben nicht immer. da hängt auch immer wieder langweiliges, mittelmäßiges, unausgegorenes von ihm zwischen all dem wunderbaren herum. er hatte einen überdurchschnittlichen output, das muss man ja auch mal wissen. er hat gemalt, wie andere ausatmen. manchmal stinkt man eben nach knoblauch, da ist er keine ausnahme. (- und ich liebe ihn sehr -). nur: man muß keinen kniefall machen, wenn man nicht von selber weiche bekommt, oder?
13. märz 2004

briba ist mein liebling. ein wunderschöner unbekannter erdbewohner, ein kleiner brasilianer. mit briba würde ich mich sofort verabreden. er sieht einfach unheimlich nett aus. ich glaube, mit ihm kann man prima reden, oder auch einfach nur in den himmel gucken. im nächsten leben werd ich ein blatt, auf dem er sich ausruhen kann. das wird bestimmt schön
12. märz 2004
nein nein… nicht schon wieder irgend so ein erlesenes zitat
ich finde es doch recht interessant, zu beobachten, wie man (‚ frau, alle, die sich (ent)äußern – ich sowieso) sein öffentlich wahrnehm- bares profil manipuliert, indem man über jenes spricht, anderes elegant unter den teppich kehrt. letztlich versuchen wir alle nur in irgendeiner form für uns selbst reklame zu machen. „sollen alle mal sehen, wie geistreich und eloquent ich bin“. freilich – das zuzugeben, hat bereits schon wieder einen gewissen charme.
irgendeine psycho-studie weißdergeier, hat zutage gebracht was eigentlich klar wie kloßbrühe ist (komisch – woher kommt eigentlich der vergleich? die mehlgeschwitzten soßen an serviettenknödeln meiner böhmischen großmütter waren alles andere als durchsichtig – sie sehen: schon wieder wird scheinbar am rande eine persönliche information eingeflochten = kommt aus sippe mit zwar traditions- verhafteter jedoch nicht zu verachtender küchenkultur – könnte sich vererbt haben, schlüsselqualifiktion: kann kochen): – so, was kommt jetzt – bla bla bla, dass also jegliches kund getanes kreative streben und bemühen in völlig-scheißegal-welchem metier letzten endes wiederum dem arterhaltungstrieb entspringt. schon klar: es gibt transzendentes erleben, göttlich empfundene auflösung in der kunst, gerade musik, tanz, eintauchen in farbe, licht bis zur annähernden bewußtlosigkeit, das auch – aber eben: auch, außerdem.
die bescheidene formel: das ehrgeizige ‚herzeigen’, ausgewiesene präsentieren des erschaffenen ist nichts anderes als sexueller wettbewerb, vorteilssicherung, lebensversicherung, allianz für die eigene arterhaltung. ginge es nur um das persönlich erhebende erleben des künstlerischen schöpfungsaktes, gäbe es keine notwendigkeit das erschaffene öffentlich zu verbreiten oder besser: zu vermarkten. gut: es gibt noch die motivation, die erlebte transzendenz teilen zu wollen, sich zu verströmen, gemeinsames erleben zu schaffen. das auch. aber die entscheidung, die eigenen machwerke als ‚professionell’ gelten lassen zu wollen, entspringen dem zeugungs- und vermehrungsdrang des egos.
geldverdienen? geld lässt sich auch anders und meistens anders leichter machen. aber: der profi lebt nach unserem verständnis von seiner kunst, kann sich damit über wasser halten, oder bemüht sich, wenigstens den eindruck zu vermitteln, er könne es: mit seiner kunst sich und seine art erhalten, im wahrsten sinne des wortes. das verdiente geld zahlt nicht nur miete, sondern klopft anerkennend auf die eigene schulter. die zellen jubilieren, denn beifall wird von den kleinen dingern übersetzt in: dein wesentliches sein ist gut, gefällt, du bist erwünscht, hast eine hiermit erwiesene seinsberechtigung, bist richtig gut/es zell-material).
und mehr, uneingestandener, unbewusster: mit der nach außen zur schau gestellten art des geldverdienens definiert der mensch (hier am beispiel: künstler) den kreis der für ihn/sie bevorzugt in frage kommenden kandidaten für den künftigen gemeinsamen genpool, dem der art(sic!)erhaltende nachwuchs entspringen soll. wer die künstlerfahne vor sich herträgt, zieht das zu ihm nach eigenem verständnis am besten passende genmaterial an, das die hoffnung auf ein fortleben der eigenen ideale in der nachkommenschaft gewährt. interessanterweise funktioniert der mechanismus auch, wenn kein bewusstsein eines kinderwunsches (oder sogar das gegenteil) da ist. den zellen ist es offensichtlich scheissegal. das programm des umherirrenden zeugungsmaterials läuft auch dann ab. und wie immer unschlagbar clever, hat mama natur in die schlüsselsituation des plans das orgiastische erleben eingebaut. ganz schön schlau die alte frau.
11. märz 2004
alkohol ist keine antwort, aber man vergißt beim trinken die frage.
[ henry mon ]
könnte jetzt nur noch gut tun – nichts greifbar – egal
es ist äußerst schwer, erfahrungsberichte von hinterbliebenen (so definierter) ‚hirntoter’ unfallopfer zu verdauen, die sich in einem vakuum von halt- und fassunglosigkeit und neben-sich-stehen, (entgegen einem oft diffus schlechtem gefühl dabei) zu organ- entnahmen an dem unfallopfer überreden ließen und dies später bereuen. das ausmaß des grauens tritt offenbar angesichts (von angesicht zu angesicht) des dann unwiderbringlich zerstörten zutage. die züge der ausgenommenen toten tragen den berichten zufolge erkennbar schmerz und todeskampf in ihrem letzten gesicht. bis das herz entnommen ist, wird beatmet und seit jüngerer zeit mit vollnarkose gearbeitet (warum wohl?)
der beschriebene umgang mit dem noch halb lebenden menschen auf dem operationstisch ist ohne jede übertreibung grobes gemetzel, abschlachten. ich las zwei beschreibungen von sog. totalentnahmen, verfasst von assistierendem op-personal. man muß, um ausdrücklich für sich selbst festzulegen, dass man weder organentnahmen an sich selbst, noch transplantationen für sich selbst wünscht, einen organSPENDER(!)ausweis besitzen, der ein kreuz an der stelle hat, dass man eben dieses nicht möchte. d. h., wer (meist nach einem unfall) nach heutigem kenntnisstand als hirntot definiert werden kann, brauchbare organe in sich trägt (augäpfel: hornhaut, knochen, bänder -alles brauchbar, nicht nur herzen, lungen oder nieren) nichts explizit verfügt hat und indifferente (oder besser orientierungslose) anverwandte mit verfügungsgewalt hat, die unsicher sind, ob der/die demnächst tote das gewollt hätte, kann davon ausgehen, dass diese von den weißkitteln entsprechend subtil bearbeitet werden, dem zuzustimmen. im zweifel immer für die entnahme, liebe angehörige – ihr kind hilft einem anderen menschen dadurch, dass ihm der eigene tod in frieden versagt wird.
wie sich organe eines fremden organismus im eigenen unwohl fühlen und zeitlebens von ihren trägern als fremd und nicht zugehörig empfunden werden, ist ein anderes tabu und gut gehütetes geheimnis von den nicht selten depressiven organträgern. was für eine scheiße. falls ich morgen tot umfalle: ich möchte bitte auf keinen fall ausgeschlachtet werden.
als kleines kind haben mir aufgebahrte tote angst bereitet, die fotografien des einen großvaters, den ich nie kannte, bei sich zuhause, im wohnzimmer, mit gefalteten händen zwischen einem meer brennender kerzen. jetzt erkenne ich das ganz und gar würdevolle und angemessene ritual, neben einem toten noch so zu wachen. was für eine ungeheuer schöne geste des abschieds.
10. märz 2004
wenn dreiecke einen gott hätten, würden sie ihn mit drei ecken ausstatten.
[ charles-lois baron de montesquieu ]
09. märz 2004
noch so ein schlauer spruch „der sensible mensch leidet nicht aus diesem oder jenem grunde, sondern ganz allein, weil nichts auf dieser erde seine sehnsucht stillen kann.“
so so. sartre. klingt ja erst mal gut, so im ersten moment oder? ach ja wie wahr, ist ja auch nett formuliert. na gut. aber mal näher betrachtet? er war ja schon immer tendenziell eher wehleidig und träge. so weit bekannt, hat er sich vorwiegend zwischen seinem zigarrenqualm- geschwängerten, (vermutlich die einzige irdische freude) mit eingestaubten manuskripten vollgestopften pariser stadtkabuff und dem seiner (mal mehr, und noch viel öfter – weniger) geliebten (und ihm nichtsdestoweniger bis zum bitteren ende unterwürfigen) beauvoir hin- und herbewegt, die ihren hintern auch nicht mehr vor die tür bekommen hat.
inwieweit der alte stubenhocker demnach überhaupt etwas von dem mitbekommen hat, was de facto auf dieser erde kreucht und fleucht, ist die frage. fatal nur, dass akademisch legitimierte geistesakrobaten nicht wenig häufig, wenn überhaupt, an erleuchtung via synapsenbildung durch hirnsalto glauben mögen. praktisch gesehen sind erwägungen in druckerschwärze offensichtlich kein so recht tragendes netz beim realen absturz.
was lerne ich also tatsächlich aus seinem schönen sprüchlein: nicht etwa, dass „nichts auf dieser erde, die sehnsucht eines sensiblen menschen stillen könnte“, sondern vielmehr, dass nichts auf dieser erde, die ganz subjektiv diffuse sehnsucht von herrn sartre stillen konnte, sprich er lebenslänglich unfähig war, (vermutlich mangels einschlägigem erhebenden erlebens), tieferen sinn in liebe, lust, essen, trinken, tanz, gesang, schlaf und sonnenuntergang zu erkennen, den endemisch irdischen sinnenfreuden.
anlass genug, wolf wondratschek zu zitieren (ist mir sowieso jeder recht)
wir lagen faul vor liebe noch im gras
da färbten schon sich über uns die blätter
dann standen die bäume kahl
ich sah den himmel, mehr davon als mir lieb war
nein. mit der liebe unten hat der himmel nichts zu tun
ich nahm eine handvoll erde
da hast du gesagt
das da in deiner hand
so will ich, daß ich werde
[ lied von der liebe ]
„….nichts auf der erde seine sehnsucht stillen kann…“ papperlapapp.
07. märz 2004
fernweh

(die bilder sind geklaut von der seite)
so laß uns abschied nehmen wie zwei sterne, durch jenes übermaß von nacht getrennt, das eine nähe ist, die sich an ferne erprobt, und an dem fernsten sich erkennt
[rmr]
03. märz 2004
seine fiebertexte, (die ich eigentlich nur finden wollte; eigene, von ihm geschriebene, die er nie öffentlich lesen wollte – ein fan namens isegrimm hat viel gesammelt und gescannt), schöne zitate, wunderbare fotos. ach ja – von klaus kinski ist die rede.

02. märz 2004
noch ne schöne, beim serge-buch-lesen (s. u.) gefunden
02. märz 2004
nein, meine laune war nicht wirklich gut, bis ich vor ungefähr 20 minuten über „serges tagebuch“ stolperte. (nicht nur die erste seite gucken! – die rücktrittsforderungen an koch, schröder und westerwelle sind zwar der rote faden, aber längst nicht alles!) schade dass es keine näheren hinweise zu dem typen gibt. endlich mal was lustiges.
apropos scheiss-laune: zuerst knallte heute morgen irgendwas in diesem teil, das wohl dunstabzugshaube heisst oder so ähnlich durch, als ich nur das lichtlein zum kaffee-kochen anschmeissen wollte. dann gehe ich vor die tür und will meine (jawohl, meine höchstpersönliche) auguststraße überqueren, kreuzung joachim, zone-30. kommt eine öko-mäßig nichtgestylte tussi im kleinbus daher, um mich beim überqueren mal eben zu überfahren. selbstverständlich bin ich nicht wie ein karnickel davongehoppelt, sondern habe die müslischnepfe geärgert, indem ich in schönster dandy-manier extra langsam über meine haus- und hof-kreuzung flaniert bin, selbstverständlich nicht, ohne ihr noch mit einem bösen grinsen meinen fast manikürten mittelfinger zu präsentieren. die spinnt wohl, die vogelscheuche.
das sind mir sowieso die liebsten. selbstgestrickter mottenpullover und vielleicht noch anti-akw-aufkleber aus den achtzigern auf dem garantiert katalysatorfreien heck. wenn man die fragt, wieso sie überhaupt autofahren, sülzen sie meistens irgendwas von ihren drei bis fünf kindern, die zum kinderladen gekarrt werden müssen und die soviel aldi-futter bräuchten, das man ja unmöglich so schleppen könnte. (‚hach und dann die schweren selters-kästen’ – als gäbs kein leitungswasser – das berliner soll eins der besten überhaupt sein) wenn sie soviele kinder hat, können die doch mit anpacken oder? früh übt sich! hab ich kein mitleid.
ich brauch schließlich auch kein auto, noch nie. sind doch hässlich die dinger. (mal abgesehen, von solchen wirklichen hübschen ausnahme-fahrzeugen wie dem zebrastreifen- jeep von daktari, seinerzeit) und wenn man mal dringend wohin muss und keine berliner u-bahn zur hand hat, gibt’s ja wohl noch taxis. also bitte – so what? alles faule ausreden. und laufen hat noch niemandem geschadet. ich hab was gegen penner, die denken, sie hätten bereits einen alternativen lebensstil, weil sie sich nicht um oberflächliche life-style-mode-trends scheren und räucherstäbchen im kleinbus abfackeln. ich darf so rummeckern, in meinem atelier läuft 1a-ökostrom von berliner solarzellen und olle nabu kriegt jeden monat sein häppchen knete, zum biosphären-reservate-kaufen. das bringt’s. und nicht, ohne medizinisch erwiesene gehbehinderung im secondhandblecheimer herumgurken.
und an alle männer, mit zu kleinem schwanz, die immer noch denken, karre bringt sex-appeal: eine echte tigerin braucht keinen typen, der einen jaguar h a t , sondern einen, der einer i s t (das zum thema ‚früher hatter nen forschen pimmel, heute hatter nen porschefimmel’). fazit: hau wech die (auto)scheisse. verschandelt nur die landschaft. frage der ästhetik. so. jetzt hab ich genug geschimpft für heute.
01. märz 2004
20:tagesschau (guckichnieimmerderselbekäse) kein’ bock.
leckt mich alle
28. februar 2004
ein paar lieblingsradioschnipsel von dieser erde. megadavid, zusam- menschnitte (besondere empfehlungen: „the talkfunkers, 1. staffel“ komplett und „lebensregeln“). für kuttnerunkundige – die schnipsel hat ein gewisser david (= begabter radiohörer) aus kuttners (kuttner, jürgen = im sendebereich von berlin nicht unbekannter radiomoderator in den mittvierzigern, der, der so nuschelt) wöchentlicher sprech- funksendung (wo so junge leute anrufen können, also eigentlich auch alte, aber die tun’s fast nie, und freiwillig genötigt werden, mit dem studierten und promovierten moderator in eine art ad-absurden kulturphilosophischen diskurs zu gehen, untermalt von schubert- liedern, jimi hendrix und p.j. harvey) auf fritz (=name vom radiosender) gesammelt, zerschnipselt und mit selber aufgenommenem rein-, drauf-, drüber- und druntergequatsche neu zusammengeklebt. wie fing der satz noch mal an
außer diesem hinweis gibt es noch zu berichten, dass b. – sagen wir brigitte – k. (weiblich, blendend aussehend, im besten alter: über dreissig, unter sechzig) in einem heute stattgefundenen na, sagen wir lockeren gespräch über dies und jenes und im ganz besonderen über die klamotten- und sonstigen stylingvorlieben junger headbangender männer der darkmetal-szene, der ihr 23jähriger sprössling angehört, folgende denkwürdige, um nicht zu sagen bedenkliche, aussage machte:
„na ja. ja und dann sein freund, der max: obwohl der ja im grunde irgendwie genauso rumläuft, hat der schon immer im vergleich zu den anderen unwahrscheinlich gepflegt gewirkt, so, wie man das eigentlich nur von schwulen kennt“.
was das bedenkliche daran ist? dass b. mit politically-etwa- nicht-korrekten schwulen-vorurteilen um sich schmeißt? nenenee. na dann ratet mal schön weiter, ihr hetero-sexuellen männer. o.k. ihr kommt nicht drauf. auflösung: bedenklich ist, liebe heteros, dass frauen solche äußerungen zuhauf spontan lächelnd nachvollziehen. zum sinnlichen ritual erhobene hochkultivierte körperpflege ist heteromännersache nicht. schade eigentlich. frauen lieben das:
nicht zu verwechseln mit dem gespreizten neuerdings sog. ‚metrosexuell’ bezeichnetem (was für ein scheißwort. welche deppenagentur hat sich das wieder ausgedacht. klingt irgendwie nach trendfeti- schistisch-aufgetuned durch plastikcyberwelten u-bahn fahren und auch noch gut finden) getue eitler lackaffen, sondern meint die selbstver- ständlichkeit sinnenfroher männer, die jenseits der bewusstlosigkeit eben dieser sinne (tasten, riechen, schmecken, hören, sehen, schon mal ausprobiert) gelernt haben, ihre sämtlichen eigenen körperzonen zu verwöhnen, um sie gleichwohl sich selbst und anderen in allerschönster blüte zum geschenk zu bereiten. das ist eigentlich alles. dafür seid ihr geboren männer.
25. februar 2004
meine lieblingsbilder vom mars und das da

[ artist: universe ]
o.k. es ist jetzt nicht wirklich spektakulär, aber dennoch mußte ich gestern zu später stunde schmunzeln, als georg uecker (ja ja, der bei irgendeiner soap den schwulen doktor gibt und „blond am freitag“ produziert und überhaupt und sowieso ein flottes mundwerk hat) bei herrn beckmann befragt wurde: „sag mal! – seit sechs jahren bist du jetzt schon single d u wie gibt’s das denn?“ herr uecker: „na wie gibt’s das? – anspruch steigt marktwert sinkt“. (das nur so am rande)
und: ja, man kann es auch übertreiben mit den hintergrund-sounds, aber es ist gerade so lustig damit zu spielen und das front- page-intro-geblubber hat schon was, wenn es sich so einschleicht. muß ich mir doch mal auf die schulter klopfen. vor allem, man vergleiche die qualität meiner hintergrundsounds mit der z.b. von keith richards seite und der sollte ja eigentlich keine soundtechnischen equipment-probleme haben. bei dem rauschts wie anno 68 (oder ist das dumpfe absicht?) wie auch immer (gaga-nähkästchen auf und schnell wieder zu: meine midis sind nämlich gar keine, die tun nur so). genug geschwafelt, demnächst weltbewegenderes, sofern sich überhaupt etwas bewegt.
21. februar 2004
hab den kleinen kamelfilm gesehen. keine erfundene geschichte. die filmemacher hörten von dem ritual der nomaden und hofften, dass der fall während der zeit der kamelgeburten eintreten würde, damit sie es filmen könnten. es gibt auf der seite zum film zwei interviews, die das entstehen verständlich machen (auf link infos).
zitat: „es ist die geschichte einer rettung, die stoff für weit mehr als eine schiere ethnographische beobachtung bietet. das kleine ausgehungerte kamel ist jeder von uns: entfremdet, stets auf der suche nach geborgenheit und zugehörigkeit.“ zitat ende.
und der film zeigt, wie musik alle lebewesen umarmen kann. (man möchte die wuschelige kamelmama und ihr kind am liebsten mitstreicheln, wenn das lied erklingt). was soll man noch sagen – angucken. wer gagalieblingsfilme wie nomaden der lüfte und atanarjuat liebt, hat bestimmt was davon.
20. februar 2004
ich glaub, den guck ich mir heute an. als mir eine freundin den plot erzählt hat, hätte ich fast angefangen zu heulen – genau der richtige film für mich: die geschichte vom weinenden kamel.
inhalt: Im weiten süden der mongolei, in der unwirklichen landschaft der wüste gobi, kommt ein kleines, weißes kamel zur welt. die mutter, geschwächt und verstört von der schmerzhaften geburt, verstößt ihr Junges. ohne die nahrhafte muttermilch scheint das kalb, das sich seiner mutter immer wieder verzweifelt nähert, dem tod geweiht. In ihrer not erinnern sich die hirtennomaden an ein uraltes ritual: ein musiker aus der fernen stadt soll mit den magisch- himmlischen klängen seiner geige die kamelmutter zum weinen bringen und so ihr herz erweichen. das wunder geschieht: die mutter bricht in tränen aus, ihr junges darf säugen und ist gerettet.
16. februar 2004
na gut, will mal nicht so sein. nach suchmaschinengesurfe zwei fertig-aus-der-tüte-„weblogs“ getestet und für schlecht befunden, weil hässlich, mit nicht abstellbarer werbung. dabei selber erst gelernt, was das überhaupt heißt: „weblog“. auf irgendeiner seite sagt ein schweizer, früher hätte man dazu „internet-tagebuch“ gesagt, heute heißt es web log, weil einer im web log. ha ha ha. (hat er auch dazugeschrieben). ich glaub ich weiß, was der junge meint.
das kleingedruckte
intimitäten und erkenntnisse, die das leben der schreiberin in pein- licher weise betreffen, sowie unspektakuläre befindlichkeiten, werden hier grundsätzlich unter den teppich gekehrt. es sei denn, es macht sich gerade mal gut als anekdote mit trefflicher pointe, die geeignet ist, das interesse an der eigenen person bei der leserschaft zu heben.
berichtet wird, wenn überhaupt, über persönliche erfolgserlebnisse und tolle highlights bzw. (es soll ja schließlich nicht zu einseitig werden) über die immer wieder zu beobachtenden unzulänglichkeiten anderer und der weltpolitik im allgemeinen. ziel ist es, der leserschaft den eindruck (m)eines schillernden und erfüllten (künstler)lebens mit tollen events und schicken leuten etc. zu vermitteln. so machen das alle hier, wer wollte sich da ausschließen.
pickel werden hier keine ausgedrückt. auch die persönliche finanzlage, sofern problembehaftet, soll hier nicht zur debatte stehen. nichtsdestoweniger wird hier tabulos und ohne falsche scham das allzuoft fragwürdige treiben anderer kritisch unter die lupe genommen. für plattitüden und freundliche allgemeinplätze ist hier kein platz, wie sie schon beim lesen dieser, von der bescheidenen künstlerin persönlich verfassten einleitung, aufs angenehmste festgestellt haben werden. die autorin freut sich über zahlreiche fanpost.
t i e f e
t i e f e
tief im flug. zwei alte träume. fallen, seh sie untergehen
schwarz und blau gefiedert jag ich, ozeanweit der erde fern
lande felsennah im schatten, tief die brandung unter mir
sehe zu wie träume sinken, in spiralen endlos drehen
nacht im tiefflug wunschverhaftet, flieg ich weiter durch die nacht
und zwei träume wie im gestern, schlafen tief im ozean
tief am grund und unvergessen, wirbeln jäh erinnerung wach
fliege weiter zu den felsen, sonne steigt und bricht die nacht
neue träume jagen tage, atemschnell besinnungslos
und im fliegen hell geblendet, halt ich inne ahnungslos
seh zwei träume aufwärtsstreben, unten tief vom ozean
schärf den blick um kann jetzt sehen, was ich kaum begreifen kann
träume fielen, träume sanken, dunkel tief und licht entrückt
alle stunden, die wir fühlten, hoffnungslos ertrunken waren
in den tiefen wirken wesen, zauberhaft und zugewandt
blei in gold und stein zu leben, das du noch nicht sehen kannst
warte noch und zauber wirken, wandeln tief im ozean
und zwei alte träume fliegen, tief gewandelt heimwärts dann
© gaga 2003
n o r d w e g e n
n o r d w e g e n
im flügelschlag einer libelle dein herz, nordwegen
im licht am polarmeer flirrend mein schmerz, nordwegen
im moos auf den felsen, felsen wie tieren, rücken von walen, umfluteten bergen
ruf dich im farnwald, zauber im regen, winde im herzschlag, elchspur daneben
wolke jagt adler, adler jagt möwen, frieden am nordmeer, walknochen liegen
brandung singt abschied, seh dich noch einmal, und lauf dir entgegen
im flügelschlag einer libelle…
© gaga 2003
nacht faellt
n a c h t
f a e l l t
nacht faellt wieder
nacht faellt dunkel
nacht faellt weiter
sonnenfern
nacht faellt sterne
nacht faellt wünsche
tief und grundlos
hoffnungsfern
macht mich schlaflos
hör dich sagen
du brauchst niemand
wirklich mehr
brauche niemand
niemals niemand
nacht sucht weiter
nachtgestirn
nacht ruft sehnsucht
nacht weckt wünsche
nacht faellt träume
holt sie ein
nacht jagt herzen
nacht wiegt seelen
nackt und blutig
und allein
nacht faellt jeden
ist die zeit reif
lässt dich zitternd
klein zurück
heimwärts such ich
find ich nie mehr
niemand niemals
irrer weg
irre weiter
nacht faellt dreh mich
nachtwach schlaf nicht
kann nicht sehen
komm und halt mich
fühl nur denk nicht
weiß und falle
traumwach tief
nacht faellt weiter
nacht und faellt mich
faellt auch andere
ohne ziel
faellt das heute
faellt ein morgen
taumle weiter
niemand sieht
ohne anker
ohne rettung
nacht wacht weiter
nacht die schlief
nah am herzen
war so selten
dann unfassbar
seltsam tief
und die zeiten
manche stunden
warst du wirklich
nah bei mir
und ich weiß nicht
und ich ruf dich
nicht mehr zu mir
lass dich gehen
wo auch immer
wem auch immer
und ich weiß nicht
kann nicht sehen
weit und weiter
muß ich laufen
trotz und wegen
mir und dir
geh ich weiter
immer weiter
tausend tage
wachen hier
ruf jetzt schlaf dich
komm und hol mich
hol mich zu dir
halt mich fest
fest umschlungen
traumversunken
ohne wissen
will ich jetzt
dann erwachen
ohne gestern
nur noch morgen
träum ich schon
zeiten fern
und neu erstanden
für den heimweg
in ein leben
ohne angst
vor all den stufen
traumverwandelt
neu geboren
© gaga 2003
k a n u
k a n u
kanu im flussbett, kanu im regen
erinnerung fällt auf unseren wegen
anfang september, spätsommergluten
ein kanu so leicht, liegt sanft in den fluten
wir ließen uns treiben, den flusslauf und weiter
lee nah am ufer, luv nur die weite
staken im schilf, wellen die schlugen
suchten zu drehen, lachten nur heiter
seerosen blühten, nickten uns beiden
glitten voran und alles war leichter
war es ein zauber kostbarer zeiten
im schilf eine insel, nur für uns beide
sonne und haut, der wind in den zweigen
disteln und farne hörten nur streicheln
zeitlose stunden, glück für uns beide
rückkehr zum ufer, von regen geleitet
sinkende sonne und ruhige fluten
hörst du die stille? fragten und raunten
zogen das kanu heimwärts ans ufer
und später noch glücklich, als wir ertranken
in wasser und haut und wärme versanken
ein kanu für zwei, es gleitet noch weiter
durch zeit und erinnerung, schatten und rufen
flirrende sonne, gezeiten und fluten
© gaga 2003
in einer nacht
i n
e i n e r
n a c h t
in einer nacht
schreib ich dein lied
das du nie sangst
von einer sehnsucht
nur irgendeiner
das es nicht gibt
dir nie gelang
in einer nacht
und voller wehmut
die niemand kennt
niemand besang
es ist ein lied
voll dunkler töne
ein wahres lied
so voll und warm
dass es mich wärmte
noch jahrelang
es ist ein lied
das du nie sangst
ich konnt es hören
tief in dir drin
als ich noch hörte
was in dir klang
all seine strophen
und sanften worte
in einer nacht
schreib ich dein lied
sing es alleine
sing gute nacht
und schlafe ein
und träume noch
träum einfach weiter
von diesem lied
das du nie sangst
mein leben lang
© gaga 2003
im august
i m
a u g u s t
im august
vor zwanzig jahren
zog ich blaue sachen an
siebzehn jahre
alles anfang
war ich auf dem weg zu dir
du als tiger
ich ein vogel
landete nah neben dir
doch nur fast
ich stand daneben
jahrelang ein traum in dir
ich in dir
und du in mir
träumten wir uns heimlich fort
von den anderen
neben uns
wie sie standen ahnungslos
zwanzig jahre
später weißt du
was ich damals in mir trug
dich in mir
ein hoffen sehnen
heimweh unseren sonnenflug
im august
vor zwanzig jahren
konnt ich deine stimme hören
plötzlich da
ein sanftes beben
dich berühren beinah nur
zog dann weiter
immer weiter
alle grenzen hinter mir
nur ein gruß
an mich ein kleiner
irgendwann so nebenher
viele jahre später
dacht ich längst
nicht mehr an dich vergaß
kam ein vogel
kalter januar
dreizehnter ich weiß den tag
lag dein name
plötzlich vor mir
herz schlug schneller zitternd las
ich von dir
und du von mir
schrieben all die jahre fort
tausend worte
viel zu wenig
zu verstehen was uns trieb
zueinander
auseinander
abhielt weghielt ungelebt
dann im frühling
endlich trafen wir
ich weiß du weißt den tag
aufeinander
zueinander
ineinander sprachlos nah
hielten uns
ungläubig fühlend
traumwach wirklich fassungslos
lange wissend
weinend lachend
herzzerquält und doch auch froh
eng umschlungen
fortgerissen
rufend irrend herzverbrannt
weggetrieben
voneinander
himmelweit und küstenfern
sind wir wieder
treibholz suchend
( du für dich und ich für mich )
unverbunden wissenslos
im august
vor zwanzig jahren
zog ich blaue sachen an
ich weiß den tag
und werd dran denken
auch wenn ich dich nicht sehen kann
ich nehm die feder
lass sie fliegen
die du mir als letzte gabst
doch die erste
hab ich bei mir
bis zu einem fernen tag
© gaga 2003
halb im schlaf
h a l b
i m
s c h l a f
gerade warst du da, als könnten wir uns sehen
es war in meiner küche, ich weiß nicht wo und wann
wir sprachen über sachen, die nicht so wichtig waren
und außer dir noch jemand, den hast du nie gekannt
du hast gelacht wie immer, als wärst du wirklich hier
das waren deine augen, die stimme und dein blick
ich dreh mich nochmal um, wach auf und denke dann
wie kannst du mit mir sein, und alles so gut sehen
ich sprech doch nie zu dir, nicht mehr und schon so lang
ich glaub du bist zuhause, ich wüßt gern wo das ist
du warst mein großer bruder, kaum jemand weiß das mehr
wir stritten uns beim spielen, wer recht hat und was darf
und ganz verbissene gegner , und dann gab einer nach
einmal wir waren klein, du fünf und ich schon vier
da war ein großes maisfeld, und sommer blau und gelb
da ernteten wir voller stolz, zurück daheim nur ärger
kein kind verstand die welt
war deine kleine schwester, das ist so lange her
ein heißer tag im juli, dann kein gedanke mehr
ich muß noch immer weinen, wenn ich an dich denk
ich tus nicht oft, und wenn dann richtig, weißt ja wie ich bin
wer weiß schon wer das hört, wenn ich hier mit dir spreche
doch ich weiß nur du warst bei mir,
heut nacht in meiner küche
© gaga 2003
g e b o r g e n
g e b o r g e n
ich sank in dich
in nacht geborgen
wir sanken in den schlaf
mein rücken
unter deiner hand
die furcht verschlang
dein fester arm
so fanden wir den schlaf
wie kinder flüstern
fast schon traum
wir flogen hand in hand
ich zu dir
und du zu mir
durch den nachtwind
flügelweit
grenzenlos gewandt
landeten
in sonnenfluten
atmete dein herz
endlich frei
und so geborgen
galaxien himmelwärts
wachten auf
nach langer reise
kopf in deinem arm
hielten uns
noch traumverschlafen
schwerelos und warm
und sankst in mich
in mir geborgen
wir flogen in den tag
dein herzschlag
rief die sonne wach
der traum versank
beim feuertanz
dein atem heiß
und nah
ich sank in dich
im tag geboren
du fest in meinem arm
und konntest fliegen
sonnenwärts
mutig träumend
wach und warm
ich konnte fliegen
auch am tag
geborgen
an dein herz
mein sonnenflügel
er zerbrach
als du die hand
vom rücken nahmst
und federn
herzensschwer
© gaga 2003
b a r f u ß
b a r f u ß
ich laufe barfuß durch die stadt
der asphalt ist noch warm
die alten steine voller sommer
und lauer wind streift meinen arm
es sind die wege die wir gingen
beim abschied und beim wiedersehen
ich lauf sie barfuß bald kommt regen
und letzte strahlen sanft verwehen
die letzten tage dieses sommers
ich fang sie ein und halt sie fest
und laufe weiter über steine
sand und teer die straße meine
bis der herbst den wind entlässt
verschlungene wege die wir gehen
mein herz lief barfuß zu dir hin
es traf die sonne wind und regen
dein warmes feuer fühlte segen
wir beide barfuß wild und schön
© gaga 2003
a r k t i s
a r k t i s
arktis jag es schattenherz
hol es ein und lass es los
bei den möwen lass sie rufen
nordmeer – schatten-endstation
walfischherz bring hoffnung wieder
die ich ja noch in mir trag
war versunken nur vergessen
nordlicht nachtlicht wintertag
sommer ist und sommer bleibt
dort im nordmeer ruft ein herz
es ist deines ruft der walfisch
meines das ich wieder hab
lang gefallen aufgeschlagen
hart und ohne notverband
blutverschmiert tief durchgeatmet
losgerannt in fremdes land
so geträumt von tanz gesang
wirbelnd leichten frühlingstagen
nicht allein und nicht gebunden
ohne zügel ohne fragen
ausgeträumt ein missverständnis
der es allzuviele gab
viel zu viele herzzerreissend
blutig kalter wintertag
arktis halt mich
walfisch träum mich
fjorde lasst mich
staunend sehen
am polarmeer
möwen kreischen
sonnenherz
wird auferstehen
© gaga 2003
antelope valley
a n t e l o p e
v a l l e y
im tal der antilopen
sind unsere zelte
und eines meines
und warmer wind
du weißt nichts mehr
von meinem sommer
dem sonnenritt
durch wildes gras
im echo valley
im warmen wind
und weißt nichts mehr
von roter sonne
geht unter auf
im warmen wind
und schau
da hinten
millionen jahre
im echo canyon
windhöhlen weißt du
und warmer wind
antelope valley
ich übergehe
in diesen wellen
dass du nicht dort bist
im warmen wind
am abendfeuer
mit wildem haar
im echo canyon
ich geh allein
und komme wieder
komme zurück
zurück zu mir
so weit und fern
im echo valley
im warmen wind
und antilopen
antelope valley
und doch bei dir
© gaga 2003
als ich verstand
a l s
i c h
v e r s t a n d
als ich verstand
warst du längst fort
ich sah im spiegel
all meine wunden
daneben deine
und wich zurück
ein hieb von innen
schon tief verwundet
beinah bewusstlos
der blick zurück
unscharf erkennend
die vielen striemen
von peitschenhieben
die ich nicht sah
und jetzt versteh ich
und hör im nachtwind
ein lied von gestern
verweht und nah
es singt von dir
und all den nächten
die wir nie liebten
so weit entfernt
und von den tagen
und fernen ufern
glücklich gestrandet
wären wir gern
ich spür den nachtwind
er trägt die worte
die ich jetzt schreibe
vielleicht zu dir
sagt dir
ich weiß jetzt
ja ich versteh dich
gib auf dich acht
und ja
ich geh jetzt
dreh mich noch um
und geh dann auch
© gaga 2003
01. September 1965
gaga nielsen
Geboren am 1. September 1965