was kunst ist, wissen sie ebensogut wie ich, es ist nichts weiter als rhythmus. wenn das aber wahr ist, so beschwer ich mich nicht mit imitation oder mit seele, sondern gebe schlicht und einfach rhythmus mit jedem beliebigen material, straßenbahnfahrscheinen, ölfarbe, holzklötze, ja da staunen sie bauklötze, oder mit dem wort in der dichtung, dem ton in der musik, oder wie sie wollen.
darum sehen sie sich nicht das material an, denn das ist unwesentlich. suchen sie nicht versteckt irgendeine imitation von natur, fragen sie nicht nach seelenstimmungen, sondern suchen sie trotz des ungewöhnlichen materials, den rhythmus in form und farbe zu erkennen. mit bolschewismus hat das ebensowenig zu tun wie der moderne bubikopf. dafür ist es die essenz aller kunst, das heißt, jedes kunstwerk aller zeiten mußte diese primäre forderung erfüllen, rhythmus zu sein, sonst war es nicht kunst.

kurt schwitters. hm ja naja schon auch – doch doch. „…beschwer mich nicht mit seele…“ – sehr putzig
„…der gegensatz von kunst ist nicht natur, sondern gut gemeint…“
gottfried benn. jaja, der benn hats drauf gehabt, keine frage – ‚abschied‘ lesen und auf die knie fallen
kunst ist nicht lehrbar
zitat des bildhauers kricke auf der website der kunst-akademie düsseldorf. sehr einladend eigentlich, als werbende überschrift für eine kunsthochschule…
kunst ist eine lüge, die uns die wahrheit erkennen läßt.“
pablo picasso. hm auch nicht schlecht
alle kunst ist gänzlich nutzlos
oscar wilde. na ja er nun wieder…
„(…) infolge der erweiterung des kunstbegriffs (u. a. durch j. beuys) sind allgemeinverbindliche aussagen nicht möglich.“
lexikon. lexikon find ich gut
vielleicht ist ‚kunst‘ einfach nur alles menschenwerk, das selbst erwachsene unvermittelt kindliche laute ausstoßen lässt. (oohh…) – ja, vielleicht das. allerdings bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob die definition und anwendung dieses komischen elitären begriffs der menschheit je genützt hat. braucht man dieses wort? ich nicht.
ich kann mich nicht wirklich entsinnen, je in der – egal ob positiven oder negativen leidenschaftlichen äußerung über irgendein musikalisches, darstellendes, lyrisches, bildnerisches werk diesen leicht drögen (um nicht zu sagen: intellektuell-unterkühlten) begriff gebraucht zu haben.
oder sagt man je: „wie der soundso singt, das ist kunst“ man sagt doch eher: „oh, das ist ja schön…“ oder „guck mal, das ist ja toll, die farben…“ ist ja auch wurscht. auf jeden fall lassen sich viele leute von dem begriff reichlich beeindrucken. manchmal derart, dass sie in ausstellungen vor exponaten stehen, die sie in keiner form verstehen (bauch sagt nee – kopf sagt nee) aber dennoch meinen, verstehen zu sollen.
ich sage euch: leute, geht einfach weiter, wenn das dingens, das da zufällig rumsteht euch nichts sagt. dann hat es die/der sog. künstler/in eben schlicht und ergreifend nicht geschafft, die idee zu kommunizieren. gewichse halt. war vermutlich schön für ihn oder sie persönlich, kann man aber geflissentlich ignorieren.
ich war bislang u. a. in ungefähr fünf bis sieben ausstellungen, in denen reichlich picassos zu sehen waren. pablo war durchaus genial, aber eben nicht immer. da hängt auch immer wieder langweiliges, mittelmäßiges, unausgegorenes von ihm zwischen all dem wunderbaren herum. er hatte einen überdurchschnittlichen output, das muss man ja auch mal wissen. er hat gemalt, wie andere ausatmen. manchmal stinkt man eben nach knoblauch, da ist er keine ausnahme. (- und ich liebe ihn sehr -). nur: man muß keinen kniefall machen, wenn man nicht von selber weiche bekommt, oder?