30. oktober 2007


Gestern.
„Das hier sind die wahren Schätze Berlins.“ sage ich feierlich zu der älteren Dame mit den kurzen grauen Haaren und dem slawischen gefärbten Akzent, als ich ihr die Nummer Neun für die Aufbewahrung zurückgebe. Wir sprachen vorher zwischendurch über die Lebensdauer von Akkus für Digitalkameras, weil ich wechseln musste. Sie müsste bereits nach zwanzig Minuten wechseln. Ich weiß ja nicht wieviel sie fotografiert, aber das ist schon sehr wenig. „Die von Olympus halten am längsten, auch schön kompakt“ jammere empfehle ich leicht sentimental. „Olympus hat auch die besten Objektive“ klage klugscheißere ich weiter, während ich die gefräßige Canon füttere. Sie nickt begeistert: „ja! Olympus hat sehr gute Objektive!“.
Als ich nun gehe, sie mir meine Tasche gibt und ich mit glänzenden Augen von wahren Schätzen spreche, nickt sie „ja“, mindestens genauso feierlich wie ich und lächelt so erfreut, als hätte ich ihren Kuchen nach eigener Rezeptur gelobt. Von tiefem Stolz erfüllt fügt sie, jedes Wort einzeln betonend, hinzu „Und Es Gehört Alles Wirklich Uns.“ Unglaublich. Als ich durch die Glastür durch den Garten gehe, muss ich dauernd darüber nachdenken, in welcher Beziehung sie zum Brücke-Museum stehen könnte. Das war nicht irgendeine zufällig angestellte Mitarbeiterin. Da war so viel Horizont in ihren Augen, als ob sie auf jedes einzelne dieser vierzig Jahre dort zurückblicken könnte.

30. oktober 2007


Gestern.
„Das hier sind die wahren Schätze Berlins.“ sage ich feierlich zu der älteren Dame mit den kurzen grauen Haaren und dem slawischen gefärbten Akzent, als ich ihr die Nummer Neun für die Aufbewahrung zurückgebe. Wir sprachen vorher zwischendurch über die Lebensdauer von Akkus für Digitalkameras, weil ich wechseln musste. Sie müsste bereits nach zwanzig Minuten wechseln. Ich weiß ja nicht wieviel sie fotografiert, aber das ist schon sehr wenig. „Die von Olympus halten am längsten, auch schön kompakt“ jammere empfehle ich leicht sentimental. „Olympus hat auch die besten Objektive“ klage klugscheißere ich weiter, während ich die gefräßige Canon füttere. Sie nickt begeistert: „ja! Olympus hat sehr gute Objektive!“.
Als ich nun gehe, sie mir meine Tasche gibt und ich mit glänzenden Augen von wahren Schätzen spreche, nickt sie „ja“, mindestens genauso feierlich wie ich und lächelt so erfreut, als hätte ich ihren Kuchen nach eigener Rezeptur gelobt. Von tiefem Stolz erfüllt fügt sie, jedes Wort einzeln betonend, hinzu „Und Es Gehört Alles Wirklich Uns.“ Unglaublich. Als ich durch die Glastür durch den Garten gehe, muss ich dauernd darüber nachdenken, in welcher Beziehung sie zum Brücke-Museum stehen könnte. Das war nicht irgendeine zufällig angestellte Mitarbeiterin. Da war so viel Horizont in ihren Augen, als ob sie auf jedes einzelne dieser vierzig Jahre dort zurückblicken könnte.

24. oktober 2007

Etwas Geduld bitte. Lidocain ist ein altes Wort. Ich mag Island. Hey, auch wenn Ihr Euch auch schon acht Jahre her, mit dem einen oder anderen Gedanken gemacht, ja sich vielleicht sogar gesorgt, warum ich davon geträumt habe, wissen die Götter.
Ich kann mir seit Gedenken bewohnen. Verstreut, weites Land um sich mit etwas längeren Haaren, der trotz und der außerdem auch noch herzeigen.
No. 9

23. oktober 2007

Butterbrot und mache schon mal versucht um 21:00 Uhr schlafen zu gehen und da ich ungern Kleidung nur um eine (in Zahlen 1) Person weiblichen Geschlechts, die es noch einen kleinen grünen Balkon im Süden im Halbschatten herumliege und den Bildband ‚Victor Brauner, Surrealist Hieroglyphs’… Welches Buch liest du gerade? Ich lese einige Seiten regelmäßig, aber ehrlich gesagt, nur ganz wenige mit uneingeschränkter
No. 8
(ich stelle mir das gemalt vor)

Freundin aus Afrika zurück. Zur Malaria-Prophylaxe gehört, dass man noch eine Woche nach Rückkehr etwas Entsprechendes einnimmt. Dabei hat man die Auswahl zwischen mehreren Medikamenten, die unterschiedliche Nebenwirkungen haben. Man wählt sozusagen das Mittel, dessen Nebenwirkung man am ehesten zu verkraften meint. Sie hat Durchfall genommen. Einige aus ihrer Gruppe haben das Mittel ausgesucht, von dem man Halluzinationen und Depressionen bekommt. Auch keine leichte Wahl.

22. oktober 2007



Das Requiem ist die Messfeier für Verstorbene (auch Missa pro defunctis). Das Wort bezeichnet sowohl den Ritus der Begräbnismesse nach der katholischen Liturgie als auch kirchenmusikalische Kompositionen für das Totengedenken. Die Bezeichnung ist abgeleitet vom ersten Wort des Introitus Requiem aeternam dona eis, Domine („Ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr“).
Requiem. Pathos ist wichtig. Pathos erhöht den Augenblick, die Gegenwart. Das, was geschieht, wenn die Kamera auf einen gerichtet ist, Standbild oder Film. Intensität. Gegenwärtigkeit. Deshalb.
Kann man natürlich anders sehen.
papperlapapp

22. oktober 2007



Das Requiem ist die Messfeier für Verstorbene (auch Missa pro defunctis). Das Wort bezeichnet sowohl den Ritus der Begräbnismesse nach der katholischen Liturgie als auch kirchenmusikalische Kompositionen für das Totengedenken. Die Bezeichnung ist abgeleitet vom ersten Wort des Introitus Requiem aeternam dona eis, Domine („Ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr“).
Requiem. Pathos ist wichtig. Pathos erhöht den Augenblick, die Gegenwart. Das, was geschieht, wenn die Kamera auf einen gerichtet ist, Standbild oder Film. Intensität. Gegenwärtigkeit. Deshalb.
Kann man natürlich anders sehen.
papperlapapp

19. oktober 2007


» (…) Ich greife einen Ordner aus dem Regal. Ein fünfseitiger, mit Maschine geschriebener Brief des chirurgischen Chefarztes von Sarnen kommt mir in die Hände. Ich war einer seiner Assistenten. Später, als ich schon in Luzern arbeitete, wurden wir Freunde. Auf den oberen Rand des ersten Blattes hatte er ein Zitat kopiert: „In Wahrheit gibt es reichlich Zeit für jedes Vorhaben“.
Das beschämt mich. In zwei Briefen, die ich verspätet beantwortet habe, nannte ich als Grund die mangelnde Zeit und die vielen anderen Verpflichtungen. Meine Klage ist doch immer wieder die selbe: Hätte ich Zeit, hätte ich Gedanken. Dabei ist es umgekehrt: Hätte ich Gedanken, nähme ich mir Zeit, sie aufzuschreiben. « (…)

19. oktober 2007

Sei ihnen gegönnt.
Eins für die Herren, die demnächst in dieselbe Richtung wie ich. Irgendwas um einsachtzig. Muss mir jetzt ausgerechnet auch noch stundenlang damit aufhalten, umständlich irgendwelche Preisträger herauszuforschen. Letzten Montag habe ich mal vor der Mutter, vor drei Tagen fotografiert. ich glaube, er hat ganz schön sexy! Blöderweise haben wir den Filmförderungswahnsinn über Nacht

no. 7

10. oktober 2007



Schon nach 13 Uhr, nix. Verhört? Vielleicht Lieferung von 11 – drei statt 11 – 13 Uhr? Weiter warten. Übersprungshandlungen. Man macht schon auch was, aber anders. Ganz anders. Niemals nicht hätte ich den schwarzen Fuß von der einen Lampe geputzt. Farbspritzer abgekratzt. Schon auch – na ja sinnvoll. Schaue auf das Monstrum am Boden und zweifle. Bringt es das? Dafür Leinwände? Und überhaupt. Will ich das um mich haben? Diese Wand? Immerzu daran erinnert werden? Vielleicht sollte ich alles auf einen Haufen schmeißen und anzünden. Ein großer schwarzer unförmiger Plastikklumpen. Adäquater vielleicht. Ein Klumpen. Vor mein geistiges Auge schwebt ein dampfender Kuhfladen, mattschwarz.
Es klingelt. Kurz vor drei. Endlich. Im Hörer der Türsprechanlage sagt wer „hier kommt eine schöne Lieferung!“. Betonung auf schön. Damit habe ich gar nicht gerechnet, ein fröhlicher Lieferant. Ich laufe nach unten und wuchte zwei der leichteren ‚Wände, er nimmt die beiden größten. „Vorsicht, um die Ecke ist ein bißchen schwierig mit den großen“. Er lacht und macht das ganz vorsichtig und leicht. Dann bezahlen. Er plappert drauflos, dass er im Haus nebenan vor zwanzig Jahren gewohnt hat. Seine erste Wohnung. („Dit war meene erste Bude! Ganz ähnlich geschnitten wie die hier! Und immer Feten gefeiert! Immer Musik!“) Er guckt beinah sentimental. Beim eigentlich schon gehen schaut er um die Ecke, wo das Zeug den Boden bedeckt, das ich schon halb verfluche. Er fragt, ob er mal gucken darf. Nur zu. Warum guckt er denn bloß so überrascht. Ich sehe das alles ja die ganze Zeit und finde es normal. Er wohl nicht. Er starrt auf den Boden. „is dit abjefahrn.“ „dit is ja abjefahrn“. Meint der wirklich das Zeug da? Ich erkläre ihm, dass das was mit den Leinwänden zu tun hat, die er mir gerade geliefert hat. Das kommt da drauf. Das ist der Prototyp. Dasselbe Format wie die vier Wände.“ Ich meine, ihm weiter erklären zu müssen, dass es sich um zerlegte Disketten mit – nun ja – delikatem Schriftverkehr handelt, der damit sozusagen versiegelt wird. Bilde ich mir das nur ein oder steht ihm wirklich der Mund offen? So spektakulär ist das ja nun auch wieder nicht. Ich rede weiter, dass das dann noch mit Scharnieren verbunden wird, die vier Teile. Dann kann das so zickzack stehen. Wie ein Paravent. Er sagt immer wieder nur das eine Wort „abjefahrn“. Ich beschließe, dann doch keinen schwarzen Klumpen daraus zu machen.

13. oktober 2007

Der Mensch als organisches Wesen, bestehend aus Natur und Geist, der Mensch in seiner Leiblichkeit – mit Leiblichkeit ist das sinnliche und das geistige Wesen in seiner Freiheit zugleich gemeint – ist so Prinzip und Ausgangspunkt für natürliche wie spirituelle Erscheinungen. Damit offenbart er seine Doppelexistenz: Zwei getrennte Welten sind in ihm eine unlösbare Verbindung eingegangen. Das bedeutet weiter, daß im Menschen das rein Sinnenhafte, Tierhafte, Materielle überhöht ist. Er hat den Geist in sich aufgenommen, der ins Unendliche, Metaphysische strebt. Zwischen Geist und Natur, zwischen geistigen und physischen Vorgängen läßt sich keine exakte Grenze ziehen, eben weil der Mensch als Person beiden Bereichen zugehört.
[ Erzbischof Dr. Kardinal König; 1978 Nichts als Neugier. Interviews zu Fragen der Parapsychologie ]

10. oktober 2007



Schon nach 13 Uhr, nix. Verhört? Vielleicht Lieferung von 11 – drei statt 11 – 13 Uhr? Weiter warten. Übersprungshandlungen. Man macht schon auch was, aber anders. Ganz anders. Niemals nicht hätte ich den schwarzen Fuß von der einen Lampe geputzt. Farbspritzer abgekratzt. Schon auch – na ja sinnvoll. Schaue auf das Monstrum am Boden und zweifle. Bringt es das? Dafür Leinwände? Und überhaupt. Will ich das um mich haben? Diese Wand? Immerzu daran erinnert werden? Vielleicht sollte ich alles auf einen Haufen schmeißen und anzünden. Ein großer schwarzer unförmiger Plastikklumpen. Adäquater vielleicht. Ein Klumpen. Vor mein geistiges Auge schwebt ein dampfender Kuhfladen, mattschwarz.
Es klingelt. Kurz vor drei. Endlich. Im Hörer der Türsprechanlage sagt wer „hier kommt eine schöne Lieferung!“. Betonung auf schön. Damit habe ich gar nicht gerechnet, ein fröhlicher Lieferant. Ich laufe nach unten und wuchte zwei der leichteren ‚Wände, er nimmt die beiden größten. „Vorsicht, um die Ecke ist ein bißchen schwierig mit den großen“. Er lacht und macht das ganz vorsichtig und leicht. Dann bezahlen. Er plappert drauflos, dass er im Haus nebenan vor zwanzig Jahren gewohnt hat. Seine erste Wohnung. („Dit war meene erste Bude! Ganz ähnlich geschnitten wie die hier! Und immer Feten gefeiert! Immer Musik!“) Er guckt beinah sentimental. Beim eigentlich schon gehen schaut er um die Ecke, wo das Zeug den Boden bedeckt, das ich schon halb verfluche. Er fragt, ob er mal gucken darf. Nur zu. Warum guckt er denn bloß so überrascht. Ich sehe das alles ja die ganze Zeit und finde es normal. Er wohl nicht. Er starrt auf den Boden. „is dit abjefahrn.“ „dit is ja abjefahrn“. Meint der wirklich das Zeug da? Ich erkläre ihm, dass das was mit den Leinwänden zu tun hat, die er mir gerade geliefert hat. Das kommt da drauf. Das ist der Prototyp. Dasselbe Format wie die vier Wände.“ Ich meine, ihm weiter erklären zu müssen, dass es sich um zerlegte Disketten mit – nun ja – delikatem Schriftverkehr handelt, der damit sozusagen versiegelt wird. Bilde ich mir das nur ein oder steht ihm wirklich der Mund offen? So spektakulär ist das ja nun auch wieder nicht. Ich rede weiter, dass das dann noch mit Scharnieren verbunden wird, die vier Teile. Dann kann das so zickzack stehen. Wie ein Paravent. Er sagt immer wieder nur das eine Wort „abjefahrn“. Ich beschließe, dann doch keinen schwarzen Klumpen daraus zu machen.

30. september 2007

Eigentlich hätte hier jetzt ein kleiner Text mit angehender Ernsthaftigkeit geschrieben werden müssen. Wieso relief besser ausdrückt, was gemeint ist. Mehr als Linderung oder Erleichterung. Oder Befreiung. Alles drin. Wenn der Schmerz nachlässt. Auf einmal nichts weh tut. Gerade noch so schwer und schwerfällig und endlich unerwartet leicht. Wenigstens für einen guten Moment. Zu spüren, dass die Seele nicht mehr vom Seil fällt, keine Gefahr. Und der Bauch hat auch aufgehört zu ziehen. Als ich vor einer Woche Bilder archivierte, fand ich Bilder von mir, von vor wenigen Jahren. Ich wusste damals nicht, welche Traurigkeit mir im Gesicht stand. Dass sich Enttäuschung eingegraben hatte. Ich wusste es wirklich nicht. Und damals war ich weniger unverbunden als heute. Das ist doch verrückt.
Aber anstatt zu erklären, warum relief es trifft, werde ich dieses neue Spielzeug ausprobieren, das aus meinen alten Texten einen neuen schreibt. Auf geht’s:
born with the deep going passionate energy of jupiter, which is mainly prospering and flourishing and includes any powerful and optimistic color, with the deep going passionate energy of scorpio, which means quite good energy to me. not for pussies.“ letzten montag
Da ist jetzt aber ein bißchen doppelt gemoppelt. Und dann ausgerechnet Englisch zum Einstand. Na gut, der erste Versuch! Im Namen der dichterischen Freiheit will ich nicht meckern.
Nur der jähe Abbruch nach „letzten Montag“ gibt mir zu denken. Ein heikles Thema, das nun doch nicht weiter ausgeführt werden kann? Hochanständig hingegen, dass der Autor des neuen Textes immer ordentlich auf die Quellen verweist, aus denen das frische Werk zusammengefrickelt ist. Und sehr toll ist natürlich, dass man jetzt endlich einen Grund hat, bei sich selber zu kommentieren!

7. oktober 2007

leckt mich. alle gleich aussehenden portraitfotos merkwürdig seitlich von oben gesehen. aber auch einfach schwer. (und gestern sage ich „du hast mir kein glück gebracht!“ und weg. er hatte eine botschaft. sie füllte das gesamte buch. sie lag schon in seiner stimme, in der wildnis fand und mitbrachte.

no. 6

7. oktober 2007


Dings
Fünfzig Minuten bis zum Ticketschalter. Ich lese in einem Buch Erklärungen von Leni Riefenstahl. Sechzehn Uhr fünfzig bis achtzehn Uhr zwanzig warten bis zum Einlass. Freundliche Freiluft-Bewirtung an Imbissbuden, Einsteinkategorie. Zehn Minuten Schlange Garderobe. Treppe nach unten. Das neunzehnte Jahrhundert, um das es geht, interessiert mich nicht mehr so sehr. Mit Pergolesis Stabat mater in den Ohren laufe ich gleich in den letzten Raum. 1905. Links schreit mich unerwartet ein elektrischer Matisse an, nie gesehen. Hätte ich sehr gerne um mich. Drei Bonnards gefallen mir doch, obwohl ich die Impressionisten freundlich hinter mir ließ. Modigliani. Ausreißer. 1917. Aus irgendeinem Grund dachte ich plötzlich, ich sollte mir die Modiglianis aus der Nähe ansehen. Perfektionismus.
Monatelang hat mich die Ausstellung kalt gelassen. Dann erzählt mir jemand, da hingen drei Modiglianis, die ich in einer Ausstellung über Malerei des 19. Jahrhunderts nicht erwartet hätte. Da dachte ich, ich wäre dumm, mir seinen Farbauftrag nicht aus der Nähe anzuschauen. Sie hingen am Ende des Rundganges, im letzten Raum, gegenüber von den drei Picassos. Seit ich die Ausstellung betrat, waren gerade fünfzehn Minuten vergangen. Ich ging ganz nah ran. Merkwürdig. Wieso hätte ich nicht erwartet, dass er die Konturen vorzeichnet. Man kann es erahnen. Geht man sehr nah an die Bilder, schimmert die vorgezeichnete Kohleskizze durch. Ich verliere ein bißchen die Ehrfurcht. Ich gehe in die Knie, um die Textur in einem anderen Lichteinfall zu sehen. Er hat eine wesentliche Linie korrigiert. Die Ölfarbe war schon trocken und der Pinselstrich geht quer. Die neue Kontur darüber diagonal. In meine Ehrfurcht mischt sich ein vertrautes Gefühl. Er wird sich geärgert haben. Wenn das Licht sitzt, merkt man es nicht. Das Licht ist genau richtig. Man darf nur nicht in die Knie gehen. Mein Blick streift die drei kleinen Picassos. Wie dicht die blauen Pigmente miteinander tanzen. So virtuos wie bei dem kleinen Matisse, den ich noch nie sah und ich sah vieles von ihm. Deshalb hat es sich gelohnt. Zweieinhalb Stunden warten auf diese Minuten.

2. oktober 2007

„(…) komplizierte rechenaufgaben versuchte er, der nicht hässliche, etwa 29-lenzige dunkelblonde verkäufer mit pferdeschwanz bis zur nächsten fußballweltmeisterschaft totschlagen. quatsch. das sind wir denn.
ich habe vor ungefähr 20 minuten über „serges tagebuch“ stolperte. nicht nur wegen # 771) sophia geht shoppen. wahrscheinlich pucci. dann summen wir gemeinsam den militärmarsch von schubert.

No. 5
Ich bevorzuge als Drehorte stets Originalschauplätze. Der alte Palazzo Pucci in Florenz kommt mir da gerade recht. Allein die Originalaufnahme des Militärmarsches bereitet mir Kopfzerbrechen. Solche Raritäten sind schwer zu finden. Der erste Handlungsstrang mit dem langhaarigen Fußballfreund deutet bereits subtile innere Spannungen an.
Wir sehen einen in sich gekehrten, grüblerischen Hobby- Mathematiker mit etwas längeren Haaren, der trotz attraktivem Pferdeschwanz nicht so recht den Weg zum anderen Geschlecht findet, ja die Hoffnung bereits aufgegeben hat und nur noch von einer Fußball-WM zur nächsten lebt.
Hier tritt die kecke Sophia aus gutem Hause auf den Plan. Scheinbar ein fernes Wesen aus einer fremden Welt für so einen in sich gekehrten Grübler. Stets ein Liedchen auf den Lippen, erweckt die reiselustige und modisch interessierte Sophia zunächst einen leichfertigen Eindruck. Doch dieser Eindruck täuscht.
Es ist kein Zufall, dass es sich um den Militärmarsch von Schubert handelt, den sie stets vor sich hinpfeift. Seit Jahren steht sie wie unter Zwang, diese Melodie zu pfeifen und sie gäbe ihre gesamte Pucci-Kollektion dafür, das Lied endlich loszuwerden. Nur die Reinkarnation von Schubert kann sie von dem Fluch erlösen.
Der zu seinen Lebzeiten viel zu wenig aufgeführte und stets aus dem Programm verbannte Militärmarsch, war sein letztes Vermächtnis. Er starb mit dem Fluch auf den Lippen, dass seine Agentin, die ihm stetig die Aufführung des Marsches im ansonsten betulichen Liederabend-Programm mit Klavierbegleitung verweigerte (das Publikum möchte das einfach nicht von Ihnen hören!), in ihrem nächsten Leben von der schmissigen Weise heimgesucht werden solle, so dass ihr nimmermehr ein anderes Lied über die Lippen käme. Und so geschah es.
Doch die Götter wollten, dass der Marsch eine zweite Chance erhält und verfügten eine gleichzeitige Reinkarnation von Schubert und seiner Agentin.
Als Fachverkäufer der Abteilung Weißwaren in einem Berliner Elektromarkt hat Schubert II. Gelegenheit, regelmäßig sein stets aktuelles Fachwissen an die Kundschaft zu bringen.
Sophia beschließt, eine neue, möglichst laute Waschmaschine zu kaufen, um ihr Gepfeife endlich nicht mehr hören zu müssen. Es soll ein Gerät sein, das möglichst laut rumpelt, noch lauter als der dumme Marsch in ihrem Kopf!
Unsere hübsche, kupferhaarige Protagonistin verbringt ihre Tage und Nächte alleine in einem schicken Apartment, wo sie nie jemanden zu sich einlädt, weil die Gäste spätestens nach einer halbe Stunde von ihrem Gepfeife genervt sind. Alle denken: „so eine hübsche, musikalische junge Frau hat doch bestimmt einen netten Mann, der gut zu ihr ist!“. Doch weit gefehlt! In Wahrheit möchte kein Mann länger als fünfzehn Minuten mit ihr zusammen sein, weil so toll ist die Melodie von dem Militärmarsch auch nicht.
Und doch gibt es einen einzigen Menschen auf der ganzen Welt, der sich freuen würde, den Marsch zu hören.

2. oktober 2007

„(…) komplizierte rechenaufgaben versuchte er, der nicht hässliche, etwa 29-lenzige dunkelblonde verkäufer mit pferdeschwanz bis zur nächsten fußballweltmeisterschaft totschlagen. quatsch. das sind wir denn.
ich habe vor ungefähr 20 minuten über „serges tagebuch“ stolperte. nicht nur wegen # 771) sophia geht shoppen. wahrscheinlich pucci. dann summen wir gemeinsam den militärmarsch von schubert.

No. 5
Ich bevorzuge als Drehorte stets Originalschauplätze. Der alte Palazzo Pucci in Florenz kommt mir da gerade recht. Allein die Originalaufnahme des Militärmarsches bereitet mir Kopfzerbrechen. Solche Raritäten sind schwer zu finden. Der erste Handlungsstrang mit dem langhaarigen Fußballfreund deutet bereits subtile innere Spannungen an.
Wir sehen einen in sich gekehrten, grüblerischen Hobby- Mathematiker mit etwas längeren Haaren, der trotz attraktivem Pferdeschwanz nicht so recht den Weg zum anderen Geschlecht findet, ja die Hoffnung bereits aufgegeben hat und nur noch von einer Fußball-WM zur nächsten lebt.
Hier tritt die kecke Sophia aus gutem Hause auf den Plan. Scheinbar ein fernes Wesen aus einer fremden Welt für so einen in sich gekehrten Grübler. Stets ein Liedchen auf den Lippen, erweckt die reiselustige und modisch interessierte Sophia zunächst einen leichfertigen Eindruck. Doch dieser Eindruck täuscht.
Es ist kein Zufall, dass es sich um den Militärmarsch von Schubert handelt, den sie stets vor sich hinpfeift. Seit Jahren steht sie wie unter Zwang, diese Melodie zu pfeifen und sie gäbe ihre gesamte Pucci-Kollektion dafür, das Lied endlich loszuwerden. Nur die Reinkarnation von Schubert kann sie von dem Fluch erlösen.
Der zu seinen Lebzeiten viel zu wenig aufgeführte und stets aus dem Programm verbannte Militärmarsch, war sein letztes Vermächtnis. Er starb mit dem Fluch auf den Lippen, dass seine Agentin, die ihm stetig die Aufführung des Marsches im ansonsten betulichen Liederabend-Programm mit Klavierbegleitung verweigerte (das Publikum möchte das einfach nicht von Ihnen hören!), in ihrem nächsten Leben von der schmissigen Weise heimgesucht werden solle, so dass ihr nimmermehr ein anderes Lied über die Lippen käme. Und so geschah es.
Doch die Götter wollten, dass der Marsch eine zweite Chance erhält und verfügten eine gleichzeitige Reinkarnation von Schubert und seiner Agentin.
Als Fachverkäufer der Abteilung Weißwaren in einem Berliner Elektromarkt hat Schubert II. Gelegenheit, regelmäßig sein stets aktuelles Fachwissen an die Kundschaft zu bringen.
Sophia beschließt, eine neue, möglichst laute Waschmaschine zu kaufen, um ihr Gepfeife endlich nicht mehr hören zu müssen. Es soll ein Gerät sein, das möglichst laut rumpelt, noch lauter als der dumme Marsch in ihrem Kopf!
Unsere hübsche, kupferhaarige Protagonistin verbringt ihre Tage und Nächte alleine in einem schicken Apartment, wo sie nie jemanden zu sich einlädt, weil die Gäste spätestens nach einer halbe Stunde von ihrem Gepfeife genervt sind. Alle denken: „so eine hübsche, musikalische junge Frau hat doch bestimmt einen netten Mann, der gut zu ihr ist!“. Doch weit gefehlt! In Wahrheit möchte kein Mann länger als fünfzehn Minuten mit ihr zusammen sein, weil so toll ist die Melodie von dem Militärmarsch auch nicht.
Und doch gibt es einen einzigen Menschen auf der ganzen Welt, der sich freuen würde, den Marsch zu hören.

2. oktober 2007

Ich bin ja schon wegen der Verwertungsrechteproblematik nicht so der Typ, der leere Zeilen mit Fremdmaterial auffüllt. Aber manchmal muß man hingebungsvoll den Mund halten und jemand anderen zu Wort kommen lassen. Es ist zwar kein neuer Text, aber dafür einer, den ich um so öfter gehört habe und noch sehr oft hören werde. Es gibt vollendete Stücke um den Herbst auszuhalten. Patti Smith hat eines der schönsten geschrieben. Ihr Mann Fred hat es vor seinem Tod produziert. Ich weiß nicht, ob es mich deshalb so anrührt. Mehr als es irgendein Lied über fallende Blätter kann.
WILD LEAVES are falling
falling to the ground
every leave a moment
a light upon the crown
that we’ll all be wearing
in a time unbound
and WILD LEAVES are falling
falling to the ground
every word that’s spoken
every word decreed
every spell that’s broken
every golden deed
all the parts we’re playing
binding as the reed
WILD LEAVES are falling
wild WILD LEAVES
as the campfire’s burning
as the fire ignites
all the moments turning
in the stormy bright
well enough the churning
when enough believe
the coming and the going
wild WILD LEAVES
wild WILD LEAVES
wild WILD LEAVES

1. oktober 2007

nein nein…
nicht schon einen titel überlegt: die schlimmsten zeiten hinweg.
[ aus: „gaga nielsen, die schweigende muse“ ] miss kadewe leck mich 16:17 nasses dach da rest Wenn jetzt noch schwer, das zu schreiben. man hat das frühstück und die beiden wohl mit der renitenten uschi obermaier auf. mal schauen, wo es den horizont meines selbstverständnisses, meiner selbsterkenntnis erweitert, wenn ich

no. 4
Langsam werde ich fast ein bißchen neidisch. Ich sollte viel mehr über meine Verwirrung sprechen. In der gebotenen Schonungslosigkeit. Die wahre Authentizität zeigt sich in der adäquaten Wirrnis der Form. Aber als ordentliche Jungfrau ist man ja immer am sortieren und ordnen. Und über allem wacht ein skorpionischer General. Alles unter Kontrolle. Bis zum bitteren Ende.
Wobei man aber vielleicht dazu sagen muss, dass die Ergebnisse des Programms schon auch stark von der Güte des Rohmaterials abhängen (ohne da jetzt irgendetwas hineinzudeuten wollen). „die schlimmsten Zeiten hinweg“ ist irgendwie meine Lieblingsstelle. Könnte ich jetzt gar nicht genau erklären.
[ soll man so lügen ]

1. oktober 2007

Die Werkstatt wird sich über die Maßen freuen. 1. Segment 189 x 103,5 2. Segment 189 x 84,5 3. Segment 189 x 66,0 4. Segment 189 x 56,5.
Und wenn sie schon dabei sind, können sie die Grundierung gleich in Schwarz machen, muß ich mich nicht damit aufhalten. Und einen Auszubildenden vorbeischicken, der Klebstoff aufträgt und das Zeug aufklebt und die Scharniere schraubt. Ist ja eigentlich alles vorgegeben. Wenn es Unklarheiten gibt, kann er ruhig fragen. Vielleicht sollte ich überhaupt selber einen Auszubildenden einstellen. Der Bewerber sollte kräftig gebaut sein und flinke Bewegungsabläufe kennen. Halbwegs normale Intelligenz ist kein Hinderungsgrund!

ja, Karl.
Nun habe ich mich um drei Disketten verzählt und alle Berechnungen und den Prototyp für 693 Teile gemacht. Drei lumpige Disketten! Falls wer drei alte übrig hat, Briefumschlag da hin: GAGA-ATELIER, Schierker Str. 27, 12051 Berlin. Gibt bei Verwendung Erwähnung auf der Rückseite!

1. oktober 2007

schöner nikolaus.
nix zu meckern.
all die schönen gänsehautmomente.
die schönen gänsehautmomente.
die schönen und der andere ein kleinkind.
eine jüngere frau.
alte menschen.
ich kannte fotos und die wolle ist erstaunlich weich.
da war ich angetan von diesem internet.
oder diese celli vielmehr, und bedauere bedauere – – .
nein.
erst mal geguckt, wo man jetzt nicht gerade sehr fasziniert das gealterte

No. 3

1. oktober 2007

schöner nikolaus.
nix zu meckern.
all die schönen gänsehautmomente.
die schönen gänsehautmomente.
die schönen und der andere ein kleinkind.
eine jüngere frau.
alte menschen.
ich kannte fotos und die wolle ist erstaunlich weich.
da war ich angetan von diesem internet.
oder diese celli vielmehr, und bedauere bedauere – – .
nein.
erst mal geguckt, wo man jetzt nicht gerade sehr fasziniert das gealterte

No. 3

1. oktober 2007

Die Werkstatt wird sich über die Maßen freuen. 1. Segment 189 x 103,5 2. Segment 189 x 84,5 3. Segment 189 x 66,0 4. Segment 189 x 56,5.
Und wenn sie schon dabei sind, können sie die Grundierung gleich in Schwarz machen, muß ich mich nicht damit aufhalten. Und einen Auszubildenden vorbeischicken, der Klebstoff aufträgt und das Zeug aufklebt und die Scharniere schraubt. Ist ja eigentlich alles vorgegeben. Wenn es Unklarheiten gibt, kann er ruhig fragen. Vielleicht sollte ich überhaupt selber einen Auszubildenden einstellen. Der Bewerber sollte kräftig gebaut sein und flinke Bewegungsabläufe kennen. Halbwegs normale Intelligenz ist kein Hinderungsgrund!

ja, Karl.
Nun habe ich mich um drei Disketten verzählt und alle Berechnungen und den Prototyp für 693 Teile gemacht. Drei lumpige Disketten! Falls wer drei alte übrig hat, Briefumschlag da hin: GAGA-ATELIER, Schierker Str. 27, 12051 Berlin. Gibt bei Verwendung Erwähnung auf der Rückseite!

30. september 2007

ich weiß, was der verlust meines wunderbaren bruders durch einen schattigen, moosigen wald mit himmelhohen, lichten bäumen, sonnenreflexen, viel wurzelwerk auf dem display immer ’störung‘. nach hochwissenschaftlicher analyse und rücksprache mit fachpersonal über die weiße göttin von ranke-graves zu beginn des ganzen hatte ich eine pressemitteilung versenden? gut.
lieber anonym, liebe welt, hinter-

[ kompletter wahnsinn ]

30. september 2007

Eigentlich hätte hier jetzt ein kleiner Text mit angehender Ernsthaftigkeit geschrieben werden müssen. Wieso relief besser ausdrückt, was gemeint ist. Mehr als Linderung oder Erleichterung. Oder Befreiung. Alles drin. Wenn der Schmerz nachlässt. Auf einmal nichts weh tut. Gerade noch so schwer und schwerfällig und endlich unerwartet leicht. Wenigstens für einen guten Moment. Zu spüren, dass die Seele nicht mehr vom Seil fällt, keine Gefahr. Und der Bauch hat auch aufgehört zu ziehen. Als ich vor einer Woche Bilder archivierte, fand ich Bilder von mir, von vor wenigen Jahren. Ich wusste damals nicht, welche Traurigkeit mir im Gesicht stand. Dass sich Enttäuschung eingegraben hatte. Ich wusste es wirklich nicht. Und damals war ich weniger unverbunden als heute. Das ist doch verrückt.
Aber anstatt zu erklären, warum relief es trifft, werde ich dieses neue Spielzeug ausprobieren, das aus meinen alten Texten einen neuen schreibt. Auf geht’s:
born with the deep going passionate energy of jupiter, which is mainly prospering and flourishing and includes any powerful and optimistic color, with the deep going passionate energy of scorpio, which means quite good energy to me. not for pussies.“ letzten montag
Da ist jetzt aber ein bißchen doppelt gemoppelt. Und dann ausgerechnet Englisch zum Einstand. Na gut, der erste Versuch! Im Namen der dichterischen Freiheit will ich nicht meckern.
Nur der jähe Abbruch nach „letzten Montag“ gibt mir zu denken. Ein heikles Thema, das nun doch nicht weiter ausgeführt werden kann? Hochanständig hingegen, dass der Autor des neuen Textes immer ordentlich auf die Quellen verweist, aus denen das frische Werk zusammengefrickelt ist. Und sehr toll ist natürlich, dass man jetzt endlich einen Grund hat, bei sich selber zu kommentieren!

24. september 2007

gerade zu faul, Arielle zu fotografieren. Aber sie hätte es verdient. Diese roten Haare. Arielle ist meine neue Gefährtin.
Zum Glück hat meine liebste Sabine am Wochenende auf dem Flohmarkt in Kladow gleich an mich gedacht. Und an meinen kleinen Kinderkomplex, nie eine echte Barbie gehabt zu haben. Aber meine Petra war ja auch sehr apart. Sie war von Wulle und hatte viel schönere Augen und tolle lange dunkle Wimpern. Und schöne braune Haare mit Pony. Hinten am Hals war Petra eingeritzt, deswegen Petra.
Und heute setzt mir meine liebe Freundin eine kleine Arielle vor die Nase und strahlt: „Du hattest doch nie eine echte Barbie, das ist eine!!!“ Ich schaue mir meine kleine Meerjungfrau an und denke, irgendwas ist anders als an den Barbies. Arielle hat einen ganz schön großen Kopf und schaut so fröhlich. Die Barbies schauen ja immer mehr so ein bißchen wie Paris Hilton. Also eigentlich ein bißchen doof und auch nicht besonders nett. Aber so Barbies verändern sich ja vielleicht auch, im Lauf der Jahre. So eine Barbie wird ja auch älter und reifer.
Als Sabine schon ein paar Stunden weg ist, untersuche ich meine kleine Arielle ganz genau. Vor allem hinten am Hals. Die Barbies, die ich eigentlich doof finde und die für meine Eltern viel zu teuer waren, haben am Hals hinten so einen blöden Mattel-Stempel. Ganz hässlich, wie eine Kuh mit Brandmal! Meine Arielle hat da aber nicht so was. Da steht „Disney“. Eigentlich bin ich jetzt ganz beruhigt, weil ich jetzt zwar immer noch nicht meine erste Barbie bekommen habe, aber dafür weiß, dass man schon gleich am freundlichen Gesicht erkennt, wenn es keine Barbie ist.
Jetzt mache ich doch ein Bild. Weil die Haare sind echt der Knaller. Und die Schwanzflosse sowieso. Der BH rutscht immer ein bißchen, aber das macht nichts. Im Wasser kann man ruhig auch mal oben ohne schwimmen.



mehr tolle Bildchen!

23. september 2007

Ich habe den halben Sonntag damit verbracht, den Übergang von analog zu digital in einen Koffer zu packen. Die Negative mit Kontaktabzug zur zugehörigen cd. Ein gutes Jahr, von August 2003 bis September 2004 habe ich das gemacht. Noch auf Film fotografiert, aber mit der Filmentwicklung auch eine cd erstellen lassen, bis meine letzte, schon angeschlagene, analoge Olympus in Island, in Thorsmörk an einem großen Feuer, dem schönsten und größten, das ich je sah und das ich nicht mehr festhalten konnte, endgültig an Herzversagen verschied. Dann lieh mir eine Freundin für zwei Monate ihre alte analoge und am ersten November 2004 kaufte ich fest entschlossen und bester Dinge die Olympus, die so gut in meiner Hand lag und mir gestohlen wurde. Aber wen interessiert das.
Eigentlich ist der Haufen interessanter, den ich danach produzierte. In dem Koffer, in dem das Bildarchiv landete, waren alte Disketten, deren Inhalt ich längst auf Festplatte gespeichert habe. Ich habe längst kein Diskettenlaufwerk mehr. Aber an den Dingern ist Metall und ich habe Respekt vor dem Rohstoff. Metall wegzuwerfen kommt mir immer verschwenderischer vor, als andere Rohstoffe in den Hausmüll wandern zu lassen. Zweihunderteinundreißig Disketten. ein Berg.
Unter anderem ein Schriftwechsel von Tausenden von e-mails mit einem einzigen Menschen, sehr privat. Ganz fürchterliche Vorstellung, dass jemand eine dieser Disketten herausfischen würde, um neugierig zu sehen, was darauf wäre. Obwohl das ja Unfug ist. Wer kramt im Hausmüll nach einer Diskette. Aber trotzdem. Außerdem wollte ich wieder sehen, wie die von innen aussehen.
Also habe ich bei offenem Sonnenfenster bis es dämmerte, 231 Disketten in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt. das einzige was ich nicht verwerte, ist der winzig kleine, gedrehte Draht, der einem entgegenspringt, wenn man mit der Schere in die Öffnung fährt um die beiden Hälften zu spalten. das Innenleben der alten Datenträger hat eine zwingende Ästhetik, die man schwer verwerfen kann. Ich rechne, wie groß die Leinwand sein muß. Dann sind die Worte gebannt. Ich kann kaum begreifen, dass all die Worte in einem runden Stückchen Folie mit einem Stück Metall in der Mitte gespeichert sind. Jeder kann es sehen und niemand wird es lesen.

24. september 2007

gerade zu faul, Arielle zu fotografieren. Aber sie hätte es verdient. Diese roten Haare. Arielle ist meine neue Gefährtin.
Zum Glück hat meine liebste Sabine am Wochenende auf dem Flohmarkt in Kladow gleich an mich gedacht. Und an meinen kleinen Kinderkomplex, nie eine echte Barbie gehabt zu haben. Aber meine Petra war ja auch sehr apart. Sie war von Wulle und hatte viel schönere Augen und tolle lange dunkle Wimpern. Und schöne braune Haare mit Pony. Hinten am Hals war Petra eingeritzt, deswegen Petra.
Und heute setzt mir meine liebe Freundin eine kleine Arielle vor die Nase und strahlt: „Du hattest doch nie eine echte Barbie, das ist eine!!!“ Ich schaue mir meine kleine Meerjungfrau an und denke, irgendwas ist anders als an den Barbies. Arielle hat einen ganz schön großen Kopf und schaut so fröhlich. Die Barbies schauen ja immer mehr so ein bißchen wie Paris Hilton. Also eigentlich ein bißchen doof und auch nicht besonders nett. Aber so Barbies verändern sich ja vielleicht auch, im Lauf der Jahre. So eine Barbie wird ja auch älter und reifer.
Als Sabine schon ein paar Stunden weg ist, untersuche ich meine kleine Arielle ganz genau. Vor allem hinten am Hals. Die Barbies, die ich eigentlich doof finde und die für meine Eltern viel zu teuer waren, haben am Hals hinten so einen blöden Mattel-Stempel. Ganz hässlich, wie eine Kuh mit Brandmal! Meine Arielle hat da aber nicht so was. Da steht „Disney“. Eigentlich bin ich jetzt ganz beruhigt, weil ich jetzt zwar immer noch nicht meine erste Barbie bekommen habe, aber dafür weiß, dass man schon gleich am freundlichen Gesicht erkennt, wenn es keine Barbie ist.
Jetzt mache ich doch ein Bild. Weil die Haare sind echt der Knaller. Und die Schwanzflosse sowieso. Der BH rutscht immer ein bißchen, aber das macht nichts. Im Wasser kann man ruhig auch mal oben ohne schwimmen.



mehr tolle Bildchen!

23. september 2007

Ich habe den halben Sonntag damit verbracht, den Übergang von analog zu digital in einen Koffer zu packen. Die Negative mit Kontaktabzug zur zugehörigen cd. Ein gutes Jahr, von August 2003 bis September 2004 habe ich das gemacht. Noch auf Film fotografiert, aber mit der Filmentwicklung auch eine cd erstellen lassen, bis meine letzte, schon angeschlagene, analoge Olympus in Island, in Thorsmörk an einem großen Feuer, dem schönsten und größten, das ich je sah und das ich nicht mehr festhalten konnte, endgültig an Herzversagen verschied. Dann lieh mir eine Freundin für zwei Monate ihre alte analoge und am ersten November 2004 kaufte ich fest entschlossen und bester Dinge die Olympus, die so gut in meiner Hand lag und mir gestohlen wurde. Aber wen interessiert das.
Eigentlich ist der Haufen interessanter, den ich danach produzierte. In dem Koffer, in dem das Bildarchiv landete, waren alte Disketten, deren Inhalt ich längst auf Festplatte gespeichert habe. Ich habe längst kein Diskettenlaufwerk mehr. Aber an den Dingern ist Metall und ich habe Respekt vor dem Rohstoff. Metall wegzuwerfen kommt mir immer verschwenderischer vor, als andere Rohstoffe in den Hausmüll wandern zu lassen. Zweihunderteinundreißig Disketten. ein Berg.
Unter anderem ein Schriftwechsel von Tausenden von e-mails mit einem einzigen Menschen, sehr privat. Ganz fürchterliche Vorstellung, dass jemand eine dieser Disketten herausfischen würde, um neugierig zu sehen, was darauf wäre. Obwohl das ja Unfug ist. Wer kramt im Hausmüll nach einer Diskette. Aber trotzdem. Außerdem wollte ich wieder sehen, wie die von innen aussehen.
Also habe ich bei offenem Sonnenfenster bis es dämmerte, 231 Disketten in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt. das einzige was ich nicht verwerte, ist der winzig kleine, gedrehte Draht, der einem entgegenspringt, wenn man mit der Schere in die Öffnung fährt um die beiden Hälften zu spalten. das Innenleben der alten Datenträger hat eine zwingende Ästhetik, die man schwer verwerfen kann. Ich rechne, wie groß die Leinwand sein muß. Dann sind die Worte gebannt. Ich kann kaum begreifen, dass all die Worte in einem runden Stückchen Folie mit einem Stück Metall in der Mitte gespeichert sind. Jeder kann es sehen und niemand wird es lesen.

20. september 2007

Wir stolpern von einem Film über eine Sozialphobikerin, den sie sah, über Morphinderivate zur Glückseligkeit. Sie fragt, hast du das empfunden? Kennst du das? Und wann? In meiner Antwort kommen mir nicht die Augenblicke mit Menschen zuerst in den Sinn, sondern viele Augenblicke in menschenleerer Landschaft. Zum Glück versteht sie das.
Und immer denke ich an diesen Elch, der mir direkt in die Augen schaute, dessen Reich ich versehentlich betrat. Wo ich ihn im schattigen Dickicht liegen sah. An einem Nachmittag im September. Neben seiner Frau. Und er sah mich und hielt den Blick und stand ganz langsam auf, wie in Zeitlupe. Und erhob sich zu voller Größe. Und hielt den Blick. Meinen Blick. Hielt den Blick. Und stand still. Und ich stand still und hörte für einen Moment auf zu atmen. Dann fing ich an zu zittern und ging rückwärts den verirrten Weg, den ich gekommen war, in hastiger Benommenheit. Mein Herz schlug wie verrückt. Aber nicht vor Angst. Vor Glückseligkeit.
Denn ich hatte es mir gewünscht, wie sonst nichts. Es war ja mein Geburtstag. Ich stand unter der Dusche, es war ein Samstagmorgen und ich sagte halblaut, während das warme Wasser auf meinen Kopf rieselte, dass es mein einziger Herzenswunsch für diesen Tag sei, diesen scheuen Elch zu sehen, der in einem eigenen Wald lebt, da in der Schorfheide. Ich hatte es schon aufgegeben, so spät am Nachmittag, so viele Stunden. Dann hatte ich mich auch noch verirrt. Aber ich hatte mich zu ihm verirrt. Zu meinem Wunsch. Seitdem glaube ich wieder an das Wünschen.

18. september 2007


Ich muß unbedingt lange leben. Erst fünfzehn von 851 in 141 Ländern. Man kann sich gar nicht entscheiden. Wenn ich Island abziehe, noch vierzig Jahre lebe und pro Jahr in dreieinhalb Länder reise, könnte ich es schaffen, die übrigen 836 anzuschauen. China hat ja eine ganz schön lange Liste. Die hebe ich mir für später auf. Es sei denn, ich gehe streng alphabetisch vor (wegen der besseren Übersichtlichkeit, sonst reist man womöglich wo doppelt hin!). Oder würfeln.
Aber man weiß ja nicht, wie rüstig man mit achtzig ist. Vielleicht dann doch eher erst mal die anstrengenderen Sachen, wo kein Taxi hinfährt. Auf alle Fälle habe ich die nächsten hundert Jahre keine Probleme, mir zu überlegen, wo ich die Ferien verbringe. Deutschland und Polen könnte ich evt. auch immer an den Wochenenden abarbeiten. Kleinvieh macht auch Mist! (Wieviel ist eigentlich 836 durch 40?) Noch 19,9 Sachen in diesem Jahr.
Heuer kommt es wieder knüppeldick! Noch fünfzehn Wochenenden. Ein Glück, dass ich Ende Oktober gleich noch mal zwölf Tage Ferien mache, da kann ich dann den Überhang von 4,9 unterbringen. Das sollte zu schaffen sein. Zwölf durch 4,9 macht 2,448979591. Bei je einem Tag An- und Abreise beträgt die Aufenthaltsdauer somit 0,45 Tage. Ergibt 648 Minuten = 10 Stunden und 48 Minuten.

16. september 2007

Wahnwitzige Vorstellung, und es ist ja wahr, dass aus dem, was man sich einverleibt, neue Zellen entstehen, die den eigenen genetischen Code enthalten. Wie kann man anders, als seinem Essen Zuneigung entgegenzubringen. Aus kleinen Krabben und Karotten wird ein Stück der eigenen Hand. Mandelsplitter und Schokolade versorgen das Gehirn. Gedanken aus Erdbeeren und Vanilleeis.




17. september 2007


Lieber daran glauben. Heute mittag war keine Wolke mehr am Himmel. Am Himmel. Grit erzählt mir etwas. Ich sage: „Ha! Du hast Zauberkraft!“ (Einsame Freundin verreist, glaubt nicht mehr an die Liebe, betritt ein Schiff, Skipper öffnet die Arme und sagt: „komm in meine Arme“. Eine wahre Geschichte. Sie hat es ihr vorhergesagt.) Grit lacht, sie ist keine Esoteriktante. „Ach was, das war doch nur, um sie aufzumuntern“.
Sie ist wirklich toll. Seit Jahren beobachte ich nun ihre beiläufigen Vorhersagen, die sie stets mit Augenverdrehen von sich weist. Überzeugt mich natürlich total vom Gegenteil. „Soll ich dir was sagen?“ fragt sie grinsend. „Ja!!! sag mir was! Unbedingt!!! Dann erfüllt es sich! Wahrscheinlich kannst du es herbeirufen!“ Sie grinst, wie sie dann immer grinst und wir gehen über die Ampel.

16. september 2007

Nicht uninteressant, wenn jemand das Potenzial hat, die Einschätzung im Laufe der Jahre zu wenden. Beim Zappen an Desirée Nosbusch hängengeblieben. Ich fand sie immer spannend, weil sie mein Jahrgang ist und auch zu Zeiten, wo ich sie eher nicht mochte, eine starke Ausstrahlung hatte, die immerhin polarisiert und an der man nicht vorbeikam. Ein Energiebündel, damit bin ich immer zu beeindrucken. Damals, Anfang der Achtziger als sie auftauchte, bewunderte ich ihr sehr selbstsicheres Auftreten und fand ihre manchmal schnippischen und altklugen Reaktionen gleichsam arrogant, zuweilen peinlich und doch respektabel. Jemand, bei dem ich hinschaute.
Gerade tauchte sie bei einer ihrer Preisverleihungs-Moderationen auf 3sat auf. Irgendein Buchpreis, von dem ich noch nie hörte. Auf dem Bildschirm eine gesetzt freundliche, mütterliche Desirée Nosbusch, die man aber immerhin ohne weiteres wiedererkennt. Sie trägt ein gouvernantiges, viel zu hoch geschlossenes Kleid und eine unverfängliche Hochsteckfrisur. Frau Nosbusch lächelt beinah ohne Unterlass. Sehr warm. Und ich kaufe es ihr ab und mag sie dafür. Mama Nosbusch. Das hat sie mir voraus.

16. september 2007

Wahnwitzige Vorstellung, und es ist ja wahr, dass aus dem, was man sich einverleibt, neue Zellen entstehen, die den eigenen genetischen Code enthalten. Wie kann man anders, als seinem Essen Zuneigung entgegenzubringen. Aus kleinen Krabben und Karotten wird ein Stück der eigenen Hand. Mandelsplitter und Schokolade versorgen das Gehirn. Gedanken aus Erdbeeren und Vanilleeis.




15. september 2007

U 8. Leicht folkloristisch gekleideter Feuerzeugverkäufer bietet fünf Feuerzeuge für einen Euro an. Ich denke noch „Armenier“, obwohl ich rein gar nichts über Armenien und Armenier weiß. Für mich ist er halt ein Armenier. Längere dunkle Haare, lustig flackernde Augen wie der irre, wirre Catweazle aus der Kinderserie. Irgendein Bart, Tarnkappe auf dem Kopf. Ein bißchen wie Rasputin in lustig.
Ich rauche ja nicht und habe auch sonst keinen akuten Feuerzeugnotstand. Er macht tatsächlich kleine Geschäfte mit jüngeren Männern, die von jeder Farbe eines nehmen. Mir gefallen diese Einwegfeuerzeuge auch nicht so, die durchsichtigen Plastikteile.
Nachdem mehrere Geschäfte abgewickelt wurden, guckt Rasputin zufrieden aus der Wäsche und tänzelt ein bißchen durch’s Abteil. Bis er genau vor mir stehen bleibt und fragt, ob ich nicht vielleicht doch auch ein Feuerzeug haben möchte. Ich sage freundlich „Nein danke“, ich bräuchte kein Feuerzeug. „Rauchst du?“ fragt er. „Nein, ich rauche nicht“. „Aber ich will dir ein Feuerzeug schenken!“
Ich muß grinsen, weil er sich zu einem Werbegeschenk versteigt. „Ich brauche wirklich keins, schenken Sie es doch jemandem hier, der es brauchen kann“. „Wenn ich mehrere verkaufe, so wie heute, kann ich es mir leisten, eines zu verschenken!“ Er guckt fast ein bißchen traurig und ich fange an mich zu schämen, dass ich sein Geschenk ablehne.
Also lenke ich ein: „Hm, soll ich wirklich eins nehmen?“ „Ja!“ „Na gut.“ Ich nehme ein türkisblaues aus dem bunten Sortiment, teste die Flamme und nicke dabei anerkennend. „Ich kann ja damit eine Kerze anzünden. Danke!“. „Ja!“ ruft er begeistert, „Eine Kerze! Zu Weihnachten!“.
Die anderen im Abteil gucken amüsiert zu unserem Getändel und auf das blaue Feuerzeug, das ich in der Hand halte und scheinen sich über die gesprächige Abwechslung in der sonst so stummen U-Bahn zu freuen. Ich sitze da und halte das Feuerzeug fest bis zur Weinmeisterstraße, wo ich aussteige und es in die Tasche stecke. Langsam dämmert mir, dass ich noch letzte Nacht vor dem Einschlafen dachte: „Ich brauche Feuer“.

13. september 2007

einen wimpernschlag vor dem papierkorb sehe ich auf dem bild dieses kleine glitzern im rechten auge. nein, nein. nicht die rührung. ein einziges bild, auf dem man es sieht. mein rechtes auge tränt, wenn es sehr windig ist. und morgens, wenn noch die kälte der nacht in der luft liegt. dann laufe ich mit einem taschentuch in der hand durch die straßen und trockne die ewige träne. man schaut ein bißchen irritiert, weil es vielleicht aussieht, als ob ich weine. deswegen mag ich windige orte nicht so gerne. wer will schon immerzu weinen. bei der geringsten berührung geht es los. der schrei einer möwe. eine hand auf meinem rücken. der letzte blick auf diese düne. eine freundin meinte vor vielen jahren, sei froh, dass du weinen kannst. sie konnte nicht weinen. sie wollte so gerne und konnte nicht.

10. september 2007

Ausgerechnet die Begegnungen, die in Erinnerung bleiben werden, sind nicht unter tausend Bildern festgehalten. So ist das immer bei mir. Ich komme selten auf die Idee, ein gemeinsames Bild zu machen. Wenn jemand ernsthaft mit mir spricht, erscheint es mir fast immer obszön, zu fotografieren. Es sei denn, ich wäre aufgefordert.
Es gibt also Menschen, Begegnungen auf dieser Reise, die mir so unvergessen sind, wie der Blick auf die große weiße Düne in Kaliningrad, der Tag, als ich am späten Nachmittag diesen Platz fand, an meinem zweiundvierzigsten Geburtstag, wo man zu linker Hand im Osten die schon im Schatten liegende Küste des kurischen Haffs sehen kann und zu rechter Hand im Westen die baltische See mit der sinkenden Sonne und als wäre das nicht schon genug, vor mir der langgestreckte Süden der Nehrung, ein weißer, endlicher Sandrücken, der zu Russland gehört.
Da war niemand außer mir. Nur kleine Vögel, deren Namen ich nicht weiß, gingen zwischen spärlichen Grashalmen spazieren. Stille, in der man nur einen leichten Wind hören kann, der den Sand in kleinen kaum wahrnehmbaren Schleiern vor sich hertreibt, wie in einer Fata Morgana. Der Ort heißt „Tal des Schweigens“. So steht es in den Karten.

08. september 2007

bekämpfe übellaunigkeit mit eis am stiel, obstler und keiner musik. bilder laden seit stunden hoch, während ich mich latent pickelig und punktuell ungeliebt fühle. lauter langweilige bilder. sieht irgendwie alles ähnlich aus. zumindest für den, der nicht da war. und dann immer diese nervtötenden tags. ich habe jetzt schon so oft curonian spit getippt, dass ich beim letzten paket curionian spit getippt habe. steht es eben falsch da. merkt sowieso kein schwein. wer kennt schon „curonian spit“ never heard. who cares. mein tag! hey super. die scheißsonne soll bloß hinter den wolken bleiben. das fehlt mir noch. brauche ich wie einen kropf. nerviger sonnenschein für gutgelaunte leute. angeblich kommt ja nach der ebbe die flut.

08. september 2007

bekämpfe übellaunigkeit mit eis am stiel, obstler und keiner musik. bilder laden seit stunden hoch, während ich mich latent pickelig und punktuell ungeliebt fühle. lauter langweilige bilder. sieht irgendwie alles ähnlich aus. zumindest für den, der nicht da war. und dann immer diese nervtötenden tags. ich habe jetzt schon so oft curonian spit getippt, dass ich beim letzten paket curionian spit getippt habe. steht es eben falsch da. merkt sowieso kein schwein. wer kennt schon „curonian spit“ never heard. who cares. mein tag! hey super. die scheißsonne soll bloß hinter den wolken bleiben. das fehlt mir noch. brauche ich wie einen kropf. nerviger sonnenschein für gutgelaunte leute. angeblich kommt ja nach der ebbe die flut.

4. september 2007

ich tue so, als ob ich erst in ein paar Tagen zurückkomme. Man muß dann ja auch erst noch die unvorteilhaften Bilder aussortieren. Wenn das alles erledigt ist, werde ich zuverlässig ein ansprechendes Potpourri mehrerer Farbaufnahmen präsentieren.
Heute bin ich leider wegen Broterwerb und Freundschaftspflege noch nicht recht mit der Erledigung meiner Hausarbeit vorangekommen. Das kommt von dem Gequatsche.
Auch wenn ich es nicht anhand von Bildmaterial beweisen kann, möchte ich bereits jetzt die Behauptung aufstellen, dass sich die litauische Landbevölkerung sehen lassen kann. Die Männer haben einen dicken Schädel und einen kräftigen Rumpf. Die Frauen wirken im allgemeinen adrett und ansprechend.
Die Kost ist insgesamt schmackhaft und nährstoffreich. Man kann ohne weiteres Milchprodukte mit einem garantierten Fettanteil von 30 bis 60 Prozent erhalten. Das sollte kein Problem sein. Wer Diät halten möchte, wählt Joghurt mit einem reduzierten Fettanteil von zwölf Prozent. Geht alles!
Wenn man ein Ladengeschäft mit Getränkesortiment betritt, in dem die englische und deutsche Sprache nicht verstanden wird, kann man sich mit der Frage „Best Vodka?“ behelfen. Ich habe da gute Erfahrungen gemacht. Die hiesige Antwort heißt STUMBRAS. Ohne Fremdsprachenkenntnisse geht es heutzutage einfach nicht mehr.

4. september 2007

ich tue so, als ob ich erst in ein paar Tagen zurückkomme. Man muß dann ja auch erst noch die unvorteilhaften Bilder aussortieren. Wenn das alles erledigt ist, werde ich zuverlässig ein ansprechendes Potpourri mehrerer Farbaufnahmen präsentieren.
Heute bin ich leider wegen Broterwerb und Freundschaftspflege noch nicht recht mit der Erledigung meiner Hausarbeit vorangekommen. Das kommt von dem Gequatsche.
Auch wenn ich es nicht anhand von Bildmaterial beweisen kann, möchte ich bereits jetzt die Behauptung aufstellen, dass sich die litauische Landbevölkerung sehen lassen kann. Die Männer haben einen dicken Schädel und einen kräftigen Rumpf. Die Frauen wirken im allgemeinen adrett und ansprechend.
Die Kost ist insgesamt schmackhaft und nährstoffreich. Man kann ohne weiteres Milchprodukte mit einem garantierten Fettanteil von 30 bis 60 Prozent erhalten. Das sollte kein Problem sein. Wer Diät halten möchte, wählt Joghurt mit einem reduzierten Fettanteil von zwölf Prozent. Geht alles!
Wenn man ein Ladengeschäft mit Getränkesortiment betritt, in dem die englische und deutsche Sprache nicht verstanden wird, kann man sich mit der Frage „Best Vodka?“ behelfen. Ich habe da gute Erfahrungen gemacht. Die hiesige Antwort heißt STUMBRAS. Ohne Fremdsprachenkenntnisse geht es heutzutage einfach nicht mehr.

17. august 2007


So eine Fernreise ist eine aufregende Angelegenheit, da sollte man stets Vorsorge treffen, falls einem das kleine Herz stehenbleibt.
Jetzt nur noch Anziehsachen. Wenn ich wiederkomme, bin ich eineinhalb Tage vorher ein Jahr älter geworden. An welchem Tag komme ich zurück? Wer die Rechenaufgabe löst, darf ein Fläschchen Medizin probieren!
Schreibt nur recht viele Kommentare, wenn ich weg bin! Auch böse dürfen dabei sein! Die finde ich am lustigsten!
Iki pasimatymo

17. august 2007


So eine Fernreise ist eine aufregende Angelegenheit, da sollte man stets Vorsorge treffen, falls einem das kleine Herz stehenbleibt.
Jetzt nur noch Anziehsachen. Wenn ich wiederkomme, bin ich eineinhalb Tage vorher ein Jahr älter geworden. An welchem Tag komme ich zurück? Wer die Rechenaufgabe löst, darf ein Fläschchen Medizin probieren!
Schreibt nur recht viele Kommentare, wenn ich weg bin! Auch böse dürfen dabei sein! Die finde ich am lustigsten!
Iki pasimatymo

17. august 2007

Ich hocke ungefrühstückt mit Heißhunger auf Buletten vor dem Rechner und halte mich an meinem Kaffee fest. Dann muss ich ja doch vor die Tür. Hilft ja alles nichts. Buletten meine Herrn. Wann habe ich das letzte mal Appetit auf Buletten gehabt. Kann mich überhaupt nicht erinnern. Ich bin ja ein kleiner Fleischfresser, aber bevorzuge eindeutig kompakte, große Stücke, nicht so ein Bulettengeschwurbel. Ich glaube, die vom Butterlindner mit dem langhaarigen Verkäufer kann man essen.

17. august 2007

als ich gerade auflege, steht auf dem Display „Dauer 4:47“, nicht Minuten. Nach vierundzwanzig Jahren noch meine Freundin. Wie man wertschätzt, was lange besteht. Veränderungen und Richtungswechsel überdauert. Diese hartnäckige freundliche Substanz. Und man schätzt sich noch mehr nach so vielen Jahren, all den Stürmen und Sendepausen. Und wie die Unwägbarkeit des nächsten Gedankens uns ewig zueinandertreibt.

16. august 2007

Die vielen dreistelligen Hausnummern in Hamburg sind ja ulkig. Wie verschrieben. Bei einer Berliner Adresse hätte ich gesagt, das soll wohl 44 b heißen. Aber nein. 445. Die sehen aber auch lang aus, manche Straßen. Das wäre eigentlich eine prima Gelegenheit, so einen Hamburger Jung anzusprechen. „Nu sach mol, min Dschung, wat ist denn hier mit euern Hausnummern passiert? Nu erklär mir das doch mol!“

14. august 2007

Wenn jetzt noch die drei bis vier an mich geschickten Antwortmails mit dem Angebot aus Litauen bei mir ankommen, habe ich keine Probleme. Telefonieren klappt schon mal. Das habe ich die letzten zwei Tage ausgiebig ausprobiert. Ob das verschiedene Leitungen sind? Weiß jemand, was da für Kabel gelegt worden sind? Meine Mails kommen ja laut Telefonauskunft an. Gehen Mails von mir über eine andere Leitung als welche von Litauen zu mir? Sabotage?
Das macht mich ganz wuschig. Das aufgeregte Durcheinander ist der Preis den man zahlt, wenn man keine Lust hat, den doppelten Preis pro Nacht zu zahlen und sich holterdipolter selber eine Herberge in einer ausgebuchten Region sucht.
Wenn mich wer am nächsten Samstagnachmittag über den Ohlsdorfer Friedhof geistern sieht, bitte nicht erschrecken. es ist voraussichtlich kein Gespenst. Der Flieger aus Hamburg geht so früh, da hat meine deutsche Bahn leider keinen passenden Zug für mich im Angebot, also komme ich schon am Tag vorher an und schlage die Zeit in Flughafennähe möglichst angenehm tot. Was bietet sich da besser an, als sechs bis zehn Stunden auf einem schönen Friedhof zu verbringen. Das entspricht meinem Naturell und hebt das Gemüt. Mit etwas Proviant und einem guten Tropfen kann so ein Ausflug zu einem kleinen Fest werden!
Des weiteren haben meine Forschungen ergeben, dass es einen interessanten Ort in Litauen gibt, der zuverlässig das Gemüt aufhellt. Der Verlockung werde ich mich schwer entziehen können. Der Katholizismus wird dort mit der glühenden Leidenschaft des Heidentums zelebriert, um nicht zu sagen, das alte Heidentum wird freundlich ummäntelt. Zuerst zum Berg der Kreuze und dann zum Hexenberg in Juodkranté. oder umgekehrt.

14. august 2007

Wenn jetzt noch die drei bis vier an mich geschickten Antwortmails mit dem Angebot aus Litauen bei mir ankommen, habe ich keine Probleme. Telefonieren klappt schon mal. Das habe ich die letzten zwei Tage ausgiebig ausprobiert. Ob das verschiedene Leitungen sind? Weiß jemand, was da für Kabel gelegt worden sind? Meine Mails kommen ja laut Telefonauskunft an. Gehen Mails von mir über eine andere Leitung als welche von Litauen zu mir? Sabotage?
Das macht mich ganz wuschig. Das aufgeregte Durcheinander ist der Preis den man zahlt, wenn man keine Lust hat, den doppelten Preis pro Nacht zu zahlen und sich holterdipolter selber eine Herberge in einer ausgebuchten Region sucht.
Wenn mich wer am nächsten Samstagnachmittag über den Ohlsdorfer Friedhof geistern sieht, bitte nicht erschrecken. es ist voraussichtlich kein Gespenst. Der Flieger aus Hamburg geht so früh, da hat meine deutsche Bahn leider keinen passenden Zug für mich im Angebot, also komme ich schon am Tag vorher an und schlage die Zeit in Flughafennähe möglichst angenehm tot. Was bietet sich da besser an, als sechs bis zehn Stunden auf einem schönen Friedhof zu verbringen. Das entspricht meinem Naturell und hebt das Gemüt. Mit etwas Proviant und einem guten Tropfen kann so ein Ausflug zu einem kleinen Fest werden!
Des weiteren haben meine Forschungen ergeben, dass es einen interessanten Ort in Litauen gibt, der zuverlässig das Gemüt aufhellt. Der Verlockung werde ich mich schwer entziehen können. Der Katholizismus wird dort mit der glühenden Leidenschaft des Heidentums zelebriert, um nicht zu sagen, das alte Heidentum wird freundlich ummäntelt. Zuerst zum Berg der Kreuze und dann zum Hexenberg in Juodkranté. oder umgekehrt.

12. august 2007

IS SHE AFRAID OF GROWING OLDER?
„Are you crazy? Let us never forget the wonderful story about Bette Davis. A young reporter goes up to Bette with a microphone and says, ‚So, Miss Davis, what’s it like getting older?‘ And there she is with her whisky and water in one hand and a cigarette in the other. She looks at her and takes a sip, takes a long, long drag and gives her that look and says „Well, it’s not for pussies.“

12. august 2007

IS SHE AFRAID OF GROWING OLDER?
„Are you crazy? Let us never forget the wonderful story about Bette Davis. A young reporter goes up to Bette with a microphone and says, ‚So, Miss Davis, what’s it like getting older?‘ And there she is with her whisky and water in one hand and a cigarette in the other. She looks at her and takes a sip, takes a long, long drag and gives her that look and says „Well, it’s not for pussies.“

8. august 2007

MACH DOCH MAL WAS MIT VÖGELN


SOPHIE
das einzige was mich an meinem fotoanbieter stört, ist diese sache mit der zensur. die kriegen das einfach nicht in den griff. so schwer kann das noch nicht sein. erst neulich habe ich wieder schwer mit mir gerungen, ob dort ein bleiben für mich ist, weil man sich dieser kontakte-knüpferei nicht erwehren kann.
ein vertreter des eindeutig weniger schönen geschlechts kommt uneingeladen daher und behelligt mich zur begrüßung ganz unbescheiden mit 360°-farbaufnahmen seines eher bescheidenen gemächts, da er mich zu seinem „kontakt“ erklärt. so schnell kann man das rosa geschwabbel gar nicht wegklicken. da muß man doch irgendetwas dagegen tun können. kennt jemand einen hoster, wo vor weltweiter veröffentlichung die ästhetische zumutbarkeit männlicher körperteile geprüft und im einzelfall zensiert und unterbunden wird? es gibt ja mitunter auch das eine oder andere vertretbare modell. das sollte dringend geprüft werden.

9. august 2007

man könnte den laden auch dicht machen. die fensterläden herunterklappen. zuklappen. dicht machen. nicht aufhören, nur nicht mehr öffentlich. wie sich alles verändern würde. ob? dann eines tages wieder aufmachen. von zeit zu zeit. nach lust und laune. dann gäbe es wunderbar unaktuelle dinge zu erfahren. immer an der halbwertzeit entlangschreiben.
ich weiß gar nicht, was sich verändern würde, beim schreiben. die bilder nicht. würde ich undiplomatisch losschimpfen? den letzten opportunismus fahren lassen? wie mir jenes communitygedöns mit seinen herdentrieben manchmal zum hals heraushängt? und mir doch einzelne darunter lieb und teuer sind? wie unerotisch ich texte über vermeintlich erotisches finde? wie mich der unheimlich politisch aufgeklärte blogger-jugend-club mit seinen spaßaktionen langweilt. willkommener anlass zum gähnen für die, die die welt wirklich bewegen.
wenn man jemanden oder etwas verändern will, muss man das system, nach dem er oder es funktioniert studieren. begreifen. verinnerlichen. das ist ein magischer akt. alles andere ist kinderkram. man kann nichts und niemanden in die eigene richtung lenken, wenn man nicht gelernt hat, das fahrzeug zu fahren. man wird niemals jemanden ändern, dem man nicht den respekt zukommen lässt, den er braucht. das ist die absolute basis. man muss seine feinde zutiefst respektieren und ihre waffen studieren.
zu viele buchstaben, zu wenig erde. und wieder ach. ich selbst bin nicht in der lage, meine wunden aus der nähe zu zeigen, nicht einmal die narben. zu privat. was verlange ich eigentlich. wahrscheinlich die wenigen verwandten seelen, die so selten zueinanderirren. und dann mache ich doch weiter, auch wenn so vieles gegen eine unreflektierte, lautlose wand läuft. ungespiegelt. scheinbar. wo sind die eitlen, die sich hinstellen und sagen, ja, das bin ich – und wie. du bist eitel? ich bin eitler als du! ha. du bist ein narziss? selbstverliebt? dass ich nicht lache. schau mich an. DAS ist ein narziss. ich bin es und ich weiß es und ich werde es nicht herunterspielen. das ist reiner selbsterhaltungstrieb.
in sich selbst feuer zu fangen, das feuer in sich einzufangen und zu halten. so alt zu sein ist gut, ist besser. es ist nur schwieriger, idole zu finden. in der jugend fallen sie einem wie goldene sterntaler in die schürze. man reibt sich die augen vor staunen und bewunderung und hofft, dass der glanz eines tages teil von einem selbst wird. später, wenn man einmal groß ist. wenn alles möglich ist. man muß immer aufpassen, dass man das nicht vergisst. dass man doch die sterne vom himmel wollte. immer noch will.
was sind sternstunden anderes, als einem stern zu begegnen. mensch oder tier. der richtigen stimme, dem richtigen bild. dem richtigen ton, oder dem geist einer rebe. ist es nicht so, dass man immer das zeigt, was man selbst braucht? für mich ist das hier eine schöne bescherung. so oder so. mit und ohne zuschauer. aber wie viel mutiger schrieb ich, als es keiner sah.

9. august 2007

man könnte den laden auch dicht machen. die fensterläden herunterklappen. zuklappen. dicht machen. nicht aufhören, nur nicht mehr öffentlich. wie sich alles verändern würde. ob? dann eines tages wieder aufmachen. von zeit zu zeit. nach lust und laune. dann gäbe es wunderbar unaktuelle dinge zu erfahren. immer an der halbwertzeit entlangschreiben.
ich weiß gar nicht, was sich verändern würde, beim schreiben. die bilder nicht. würde ich undiplomatisch losschimpfen? den letzten opportunismus fahren lassen? wie mir jenes communitygedöns mit seinen herdentrieben manchmal zum hals heraushängt? und mir doch einzelne darunter lieb und teuer sind? wie unerotisch ich texte über vermeintlich erotisches finde? wie mich der unheimlich politisch aufgeklärte blogger-jugend-club mit seinen spaßaktionen langweilt. willkommener anlass zum gähnen für die, die die welt wirklich bewegen.
wenn man jemanden oder etwas verändern will, muss man das system, nach dem er oder es funktioniert studieren. begreifen. verinnerlichen. das ist ein magischer akt. alles andere ist kinderkram. man kann nichts und niemanden in die eigene richtung lenken, wenn man nicht gelernt hat, das fahrzeug zu fahren. man wird niemals jemanden ändern, dem man nicht den respekt zukommen lässt, den er braucht. das ist die absolute basis. man muss seine feinde zutiefst respektieren und ihre waffen studieren.
zu viele buchstaben, zu wenig erde. und wieder ach. ich selbst bin nicht in der lage, meine wunden aus der nähe zu zeigen, nicht einmal die narben. zu privat. was verlange ich eigentlich. wahrscheinlich die wenigen verwandten seelen, die so selten zueinanderirren. und dann mache ich doch weiter, auch wenn so vieles gegen eine unreflektierte, lautlose wand läuft. ungespiegelt. scheinbar. wo sind die eitlen, die sich hinstellen und sagen, ja, das bin ich – und wie. du bist eitel? ich bin eitler als du! ha. du bist ein narziss? selbstverliebt? dass ich nicht lache. schau mich an. DAS ist ein narziss. ich bin es und ich weiß es und ich werde es nicht herunterspielen. das ist reiner selbsterhaltungstrieb.
in sich selbst feuer zu fangen, das feuer in sich einzufangen und zu halten. so alt zu sein ist gut, ist besser. es ist nur schwieriger, idole zu finden. in der jugend fallen sie einem wie goldene sterntaler in die schürze. man reibt sich die augen vor staunen und bewunderung und hofft, dass der glanz eines tages teil von einem selbst wird. später, wenn man einmal groß ist. wenn alles möglich ist. man muß immer aufpassen, dass man das nicht vergisst. dass man doch die sterne vom himmel wollte. immer noch will.
was sind sternstunden anderes, als einem stern zu begegnen. mensch oder tier. der richtigen stimme, dem richtigen bild. dem richtigen ton, oder dem geist einer rebe. ist es nicht so, dass man immer das zeigt, was man selbst braucht? für mich ist das hier eine schöne bescherung. so oder so. mit und ohne zuschauer. aber wie viel mutiger schrieb ich, als es keiner sah.

8. august 2007

MACH DOCH MAL WAS MIT VÖGELN


SOPHIE
das einzige was mich an meinem fotoanbieter stört, ist diese sache mit der zensur. die kriegen das einfach nicht in den griff. so schwer kann das noch nicht sein. erst neulich habe ich wieder schwer mit mir gerungen, ob dort ein bleiben für mich ist, weil man sich dieser kontakte-knüpferei nicht erwehren kann.
ein vertreter des eindeutig weniger schönen geschlechts kommt uneingeladen daher und behelligt mich zur begrüßung ganz unbescheiden mit 360°-farbaufnahmen seines eher bescheidenen gemächts, da er mich zu seinem „kontakt“ erklärt. so schnell kann man das rosa geschwabbel gar nicht wegklicken. da muß man doch irgendetwas dagegen tun können. kennt jemand einen hoster, wo vor weltweiter veröffentlichung die ästhetische zumutbarkeit männlicher körperteile geprüft und im einzelfall zensiert und unterbunden wird? es gibt ja mitunter auch das eine oder andere vertretbare modell. das sollte dringend geprüft werden.

4. august 2007

um die eigene achse. indirektes gegen- und seitenlicht am späten nachmittag, wolken, südwest. kurz bevor ich ging, mit den beiden schweren schwarzen taschen. nachdem ich die scheinwerfer eingepackt hatte, den dreihunderter und den großen, die schwarzen tücher und ein beinah weißes für den hintergrund, für einen nachmittag im honigmond.


die schönsten momente sind oft die bilder, die man nicht zeigt. weil sie gar nicht gemacht wurden oder weil sie ein bißchen zu privat sind, aus diskretion. die freude bleibt, ganz ohne internet. wenn es nichts mehr gäbe, in der welt hinter dem monitor, das wäre traurig. und wie man nicht auslernt. was für ein unterschied, einen menschen zu fokussieren oder zwei.
als ich vor einundzwanzig jahren eine kleine geschichte mit einem meister des filmlichts hatte, war ich noch nicht so weit, von ihm zu lernen. heute würde ich die ohren spitzen, wenn er mir noch einmal erzählen würde, wie er die sukowa in rosa luxemburg ausgeleuchtet hat. oder von der blauen stunde.

ob er immer noch diese schöne dreizimmer-altbauwohnung in der mecklenburgischen hat? er hat soviel darin gebaut und gebastelt, so ein zuhause verlässt man nicht. ich kann mir nicht vorstellen, dass er die haare immer noch lang trägt. und der dunkelrote jeep, den ich damals schon mochte, obwohl ich keine autos mochte, ob der wohl noch fährt. ich bin nicht sentimental, nur neugierig. so ein kleines bißchen. wenn es möglich wäre, fürchte ich, wäre es besser für ihn, mir zu begegnen als umgekehrt.

30. juli 2007

noch ein bisschen playlist „mutter und kind“. das versteht keiner. aber was für eine mutter. und was für ein kind. ich sollte längst ins bett, aber alexandra singt gerade. playlist „mutter und kind“. kann man nix machen.
wissen sie, wie das ist, wenn jemand sagt „na der mann von der frau“ und im kopf blitzt „dietmar schönherr“ und das nächste was man hört ist: „genau“.
danke.

30. juli 2007

noch ein bisschen playlist „mutter und kind“. das versteht keiner. aber was für eine mutter. und was für ein kind. ich sollte längst ins bett, aber alexandra singt gerade. playlist „mutter und kind“. kann man nix machen.
wissen sie, wie das ist, wenn jemand sagt „na der mann von der frau“ und im kopf blitzt „dietmar schönherr“ und das nächste was man hört ist: „genau“.
danke.

28. juli 2007

<img src="http://farm2.static.flickr.com/1028/920801134_891a6253a1_m.jpg" width="180" height="234" alt=" schade, dass die grabkultur in unserem land an der erfindung der fotografie vorbeigeht. auf zypern und sizilien und sicher auch noch an vielen anderen orten, findet man grabsteine, in die ein bilderrahmen integriert ist. man steht mit einem ganz anderen gefühl vor so einem grab. wenn ich einmal tot bin, können meine neffen ruhig ein digitales grabmal installieren. das ist ein flacher bildschirm, der in den stein eingelassen wird und mit bildern und filmen gefüttert werden kann.

27. juli 2007

versöhnung mit butter lindner.
der nicht hässliche, etwa 29-lenzige dunkelblonde verkäufer mit pferdeschwanz bis zur schürzentaille (nichts gegen lange haare aber gepflegt müssen sie sein) beim einpacken der schnitzel mit länger nicht vernommener dehnung: „und, was kann ich ihnen sonst noch gutes tun?“ ich habe dann auch etwas gedehnter, der fragestellung entsprechend korrekt geantwortet. woraufhin er zum abschied ungefähr in meine richtung lächelte, so dass ich gerne wiederkomme, nicht wahr. gut, da standen auch noch andere damen an. die kalbsschnitzel in mandelkruste schmecken eben ganz manierlich.