MACH DOCH MAL WAS MIT VÖGELN


SOPHIE
das einzige was mich an meinem fotoanbieter stört, ist diese sache mit der zensur. die kriegen das einfach nicht in den griff. so schwer kann das noch nicht sein. erst neulich habe ich wieder schwer mit mir gerungen, ob dort ein bleiben für mich ist, weil man sich dieser kontakte-knüpferei nicht erwehren kann.
ein vertreter des eindeutig weniger schönen geschlechts kommt uneingeladen daher und behelligt mich zur begrüßung ganz unbescheiden mit 360°-farbaufnahmen seines eher bescheidenen gemächts, da er mich zu seinem „kontakt“ erklärt. so schnell kann man das rosa geschwabbel gar nicht wegklicken. da muß man doch irgendetwas dagegen tun können. kennt jemand einen hoster, wo vor weltweiter veröffentlichung die ästhetische zumutbarkeit männlicher körperteile geprüft und im einzelfall zensiert und unterbunden wird? es gibt ja mitunter auch das eine oder andere vertretbare modell. das sollte dringend geprüft werden.
ich auch. bestimmt kennt sie sophie. sie kannte in der ecke ja alle beim namen.
ein kleines miau.
wie schön
sie interessieren sich eindeutig weniger für mich als ich mich für sie, die schönen tiere. das hat mich immer so gefangen bei den stattkatzebildern – die sichtbare annäherung. aber sophie da oben, die fühlte sich ausnahmsweise nicht gestört.
wenn man den größenunterschied bedenkt. ich bin ihr ja hinterhergelaufen, die halbe gipsstraße entlang. wie sie so spazierte und flanierte. und ich dachte noch so, ob sie wohl dachte, es sei eine angenehme abwechslung zum fliegen, mal ein bißchen länger spazierenzugehen. als sie sich dann so umdrehte und mich anschaute, dachte ich – oh wie freundlich sie schaut.
vor ein paar jahren machte ich ein futterexperiment, indem ich sachen, die ich selbst gerne esse, in näpfchen auf den dachziegeln unter meinem fenster anbot, für die geflügelten bewohner des gipsdreiecks. in den bäumen wohnen ja viele familien. bis auf die elstern hatte ich sehr schnell von allen regelmäßigen besuch.
der kleinste gemeinsame nenner bei allen vögeln war mittelalter gouda. den mochten alle und transportieren die käsewürfel ab, indem die kleineren vögel ihren schnabel hineinspießten und das krähenpaar, das mich am häufigsten besuchte, den würfel im ganzen in den schnabel nahm. die stare liebten am meisten sultaninen. langweilige haferflocken kamen gar nicht gut an. die mochte ich selbst auch nicht so gerne. die krähen freuten sich auch riesig über hartgekochte eier und putenbrust.
das ging ein paar monate und dann wurde irgendetwas am dach repariert und dabei meine ganzen kletter- und futtervorrichtungen abgebaut. ich hatte mittlerweile tolle treibhölzer und schöne große äste mit viel klettermöglichkeit auf das dach gelegt. manchmal saß ein ganzer familienclan von grünfinken, oder wie die heißen zusammen auf dem dach, daneben zwei stare und eine krähe. wie im zirkus. sie haben nicht gestritten.
als das ganze vorbei war, habe ich es ein bißchen bedauert, weil das gezwitscher von da an weiter weg war, aber sie sind ja immer noch da. weil der beliebte platz auf dem dach nicht nur zur futteraufnahme sondern auch dem gegenteil genutzt wurde, war ich dann auch ganz froh, dass ich das dach nicht mehr vom gröbsten reinigen musste.
fritz klingt immer ein bißchen zerzaust. das sind nie die mit dem seidig glatten federkleid. nicht die dandies im abendanzug.