25. Februar 2010

Die Häfen waren geöffnet. Wir schifften uns ein
die Segel voraus, den Traum über Bord
Stahl an den Knien und Lachen um unsere Haare
denn unsere Ruder trafen ins Meer, schneller als Gott
Unsere Ruder schlugen die Schaufeln Gottes und teilten die Flut
vorne war Tag, und hinten blieben die Nächte
oben war unser Stern, und unten versanken die andern
draußen verstummte der Sturm, und drinnen wuchs unsre Faust
Erst als ein Regen entbrannte, lauschten wir wieder
Speere stürzten herab und Engel traten hervor
hefteten schwärzere Augen in unsere schwarzen
Vernichtet standen wir da. Unser Wappen flog auf
Ein Kreuz im Blut und ein größeres Schiff überm Herzen

Ingeborg Bachmann

24. Februar 2010

Meine Güte 23. September 1925 2005. Das ist ja schon nicht mehr wahr. Damals hab ich noch kommentiert. Und ließ kommentieren. Mittlerweile kommt man sich fast vor, als ob man Röhrenradio hört, wenn man in sein Blog schreibt. Mit Hingabe und Beachtung einer schönen Bildillustration, nicht wahr. Der Generation facebook ist das ja gar kein Begriff mehr. Ein schönes Bild zur rechten Zeit, wohlgesetzte Zeilen. Früher war eben doch manches besser. Ich bin altmodisch und mag das sehr gerne hier. Ich bin gerade in diesen Tagen wieder ganz frisch verliebt in mein kleines Blog mit seinem schönen Passepartout in freundlichem Schwarz und seinen zeitgeistfernen Inhalten. Sentimental! Wenn es ginge, würde ich meinem Blog jetzt am liebsten eine Tasse Tee anbieten. Solche Gesten sind wichtig. Und überhaupt. Gesten. Worte. Die richtigen. Und nicht zu viele. Und ganz viel weglassen. Eine Frage der Intensität. Sehr. Wenige Worte wohl zu setzen, ist eine Kunst, mit der ich sehr zu beeindrucken bin. Ich finde überhaupt, dass muss hier alles noch viel langsamer und altmodischer werden.
Mit freundlichen Grüßen
aus der Pferdedroschke
Gaga Nielsen
Sie wissen ja

24. Februar 2010

Meine Güte 23. September 1925 2005. Das ist ja schon nicht mehr wahr. Damals hab ich noch kommentiert. Und ließ kommentieren. Mittlerweile kommt man sich fast vor, als ob man Röhrenradio hört, wenn man in sein Blog schreibt. Mit Hingabe und Beachtung einer schönen Bildillustration, nicht wahr. Der Generation facebook ist das ja gar kein Begriff mehr. Ein schönes Bild zur rechten Zeit, wohlgesetzte Zeilen. Früher war eben doch manches besser. Ich bin altmodisch und mag das sehr gerne hier. Ich bin gerade in diesen Tagen wieder ganz frisch verliebt in mein kleines Blog mit seinem schönen Passepartout in freundlichem Schwarz und seinen zeitgeistfernen Inhalten. Sentimental! Wenn es ginge, würde ich meinem Blog jetzt am liebsten eine Tasse Tee anbieten. Solche Gesten sind wichtig. Und überhaupt. Gesten. Worte. Die richtigen. Und nicht zu viele. Und ganz viel weglassen. Eine Frage der Intensität. Sehr. Wenige Worte wohl zu setzen, ist eine Kunst, mit der ich sehr zu beeindrucken bin. Ich finde überhaupt, dass muss hier alles noch viel langsamer und altmodischer werden.
Mit freundlichen Grüßen
aus der Pferdedroschke
Gaga Nielsen
Sie wissen ja

17. Februar 2010

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76777725&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
Zufrieden sein und klagen ist ein Widerspruch. Getrost sein und verzagen ist ein Widerspruch. Uneinig sein und einig ist nicht einerlei. Sich zanken und vertragen ist ein Widerspruch. In Flucht zu schlagen einen Feind, und von dem Feind zu sein in Flucht geschlagen, ist ein Widerspruch. Zu suchen und zu meiden Eins zu gleicher Zeit. Zu fliehn und nachzujagen ist ein Widerspruch. Zu predigen für taube Ohren ist verkehrt. Und stummen Mund zu fragen ist ein Widerspruch. Sich weise dünken, und unwissend wissen sich, reich, und an Brocken nagen, ist ein Widerspruch. Die Königskrone tragen und den Bettelstab, sich härmen und behagen, ist ein Widerspruch. Doch Stab und Krone trägt mein Herz; und was es härmt, und was ihm mag behagen, ist ein Widerspruch. Unwissend weiß mein Herz, und weise dünkt es sich; Mein Herz, ich muß es sagen, ist ein Widerspruch. Ich pred’ge tauben Ohren, frage stummen Mund; Mein Herz mit seinen Plagen ist ein Widerspruch. Ich such‘ und meide, flieh‘ und jag‘, es schlägt mein Herz, Mein Herz mit seinem Schlagen ist ein Widerspruch. Uneinig ist’s und einig, und verträgt nur Zank; Mein Herz und sein Betragen ist ein Widerspruch. Zufrieden ist’s, und klagt, getrost, und zagt; mein Herz in diesen Frühlingstagen ist ein Widerspruch.
Friedrich Rückert
ξ
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22. Februar 2010

facebook-chat mit Julian, 22. Februar 2010
10:54pmJulian
Julian
Was machst`n?
10:54pmGaga
kommentare löschen ;-)
10:55pmJulian
Besser so! Hier muß man wirklich aufpassen!
10:55pmGaga
ich hab nen Aufräumtick bei diesem beknackten facebook. Reduce to the max!
10:57pmJulian
Hab irgendwann mal meinen gesammten Lebenslauf aus versehen ausgespuckt..ne alte Schulfreundin von vor 25 Jahren war ganz begeistert…ich wußte nicht wie ich die Scheiße löschen soll..
10:58pmGaga
um gottes willen. aber dann hast du den button doch noch gefunden! du musst eben immer schön die brille aufsetzen!
11:00pmJulian
Ja Stecker rausgezogen, Brille kaputtgemacht und….alles wurde wieder besser…
11:01pmGaga
na bitte! geht doch! es gibt bestimmt selbsthilfegruppen für facebook geschädigte. aber viel interessanter ist dieses wunderbare geniale video von soap an skin, das ich mir seit gestern im loop reinziehe:
http://gaga.twoday.net/stories/6200341
sehr geil, genial.
11:08pmJulian
Gaga, das weckt in mir sehr schwarze Sehnsüchte, aber nicht schlecht, haste schön gemacht….was gibts noch?
11:11pmGaga
hab ich schön gemacht??? hab ich schön verlinkt. da werde ich ganz ehrfürchtig, bei so einem genialen kleinen meisterwerk. soap & skin trat im okt. 08 bei dem nico tribute konzert auf. da hab ich sie auch abgelichtet. dieser anschlag, wie sie in die tasten haut. donner und doria! wow. ich sehe selten videos, die mich überhaupt interessieren, ehrlich gesagt. aber das trifft mich auf der ganzen linie.
11:09pmJulian
Geh mal kurz Fluppen holen..
11:20pmGaga
ah fluppen. ich bin ja gesellschaftsraucherin, bei meinem frei gewählten eremitentum also sehr gesund! aber am liebsten sind mir ja blumen, wie die auf meinem balkon ;-)
11:25pmJulian
Gaga wie wunderbar..ich liebe Blumen doch braucht es leider noch ein bischen, bis sie das Blühen beginnen…gerade läuft ein Fim auf NDR mit Marian Faithfull, die ich mitlerweile auch sehr respektiere…toller Film über eine Hausfrau die für Ihren Sohn, durch Hand-Jobs versucht etwas zu Geld zu kommen
11:26pmGaga
den hab ich im kino gesehen, der ist super großartig! ich liebe marianne, ich bete sie an! großartigste lebende sängerin ever! hast du sie in der letzten zeit mal live erlebt? gottesdienst.
11:27pmJulian
Ne leider nich, werd ich auf jeden Fall!!!
11:29pmGaga
sie war ja sehr krank, man muss sich um seine ikonen kümmern, sonst ist es zu spät – diesen song hatte ich heute in der s-bahn by random auf den ohren. großartig, von ihrem album before the poison: http://www.youtube.com/watch?v=r9IbLK0k20k
11:30pmJulian
Habe mich immer früher um die Stones und Brian Jones und dessen Verhältnis zu ihr, besonders interessiert, Jagger war und ist ein Arschloch, muß sie auch ganz schön runtergeholt haben (ich hasse ihn!)
11:31pmGaga
brian jones war aber ein eitler affe! den mochte ich am wenigsten! früher war sie süß und hatte ein harmloses stimmchen, aber heute hört man, dass sie gelebt hat. (aber wie…)
11:33pmGaga
P.S. aber Sätze wie „ich hasse ihn“ haben meine volle Sympathie – nicht wegen Jagger, sondern grundsätzlich! Immer diese Licht und Liebe Scheisse, das kann doch keiner mehr hören!
11:35pmJulian
Ja das war Brian wohl schon…dachte einige Zeit ich sei sein Sohn (gleiche Nase, gleicher Sinn für Arrangemants), weil er 2 Kinder hatte die er boßhafterweise Julian taufen ließ…Na so ist der alte Gockel, das eigentliche Genie der Band, bis ENDE 60 im Pool ersoffen, oder ertränkt?!
11:38pmGaga
mir schnurz! wie, der hat zwei bälger in die welt gesetzt und zweimal den gleichen namen gegeben? wie doof! aber der name ist schon sehr schön! vielleicht war sein gedächtnis etwas in mitleidenschaft gezogen und so musste er sich nur einen namen merken. har har
11:38pmJulian
Und wie Marianne gelebt hat, blieb ja niemandem verborgen…und es ist schön zu sehen das solche Menschen, kurz vor ihrem Kollaps es doch noch schaffen wieder auf zu stehen und einen wunderbaren Beitrag in unserem Leben geben!
11:39pmGaga
jawoll! das hast du sehr schön gesagt: einen wunderbaren beitrag in unserem leben geben. amen! du solltest priester werden! So als Zweitberuf! Die haben auch schöne Kostüme. Schwarzweiß ist sowieso die einzig mögliche farbkombination bei bekleidung. außer natürlich noch ein fröhliches anthrazit.
11:40pmJulian
Dewegen hat er sie ja Julian genannt, war eben praktisch…DAS KANN DIR NICHT SCHNUR SEIN!!! Er war schließlich der Begründer der Stones
11:42pmGaga
och schön – er war praktisch veranlagt! damit kann er jetzt auch nicht mehr punkten, der zug ist abgefahren! begründer der stones bla bla – micky maus war schon sehr sexy. wie der da bei diesem konzert im hyde park oder wo das war in diesem weißen minikleid auftrat, mit seiner geilen schnute.
11:43pmJulian
kann leider nicht im Zölibat leben…Bullshit…was los? Übertreib nicht!!
11:44pmGaga
jeder kann im zölibat leben. das ist nur eine frage der – äh – technik!
11:45pmJulian
Genau!! Aber die begreif ich doch nicht!
11:45pmGaga
üben üben üben!
11:46pmJulian
AUF GAR KEINEN FALL!!!! Praktiziere doch die OOCH – TECHNIK
11:50pmGaga
die was? ich glaube diese art der konversation kann ich nicht mit meinem keuschheitsgelübde vereinbaren: http://gaga.twoday.net/stories/4585263/#4586750 ich muss mich jetzt bettfertig machen und auf das nachtgebet vorbereiten. ich bin da streng. bald schlägt die turmuhr mitternacht! geruhsame nachtruhe!
11:54pmJulian
Die wünsch ich Dir auch! Give it away now…
11:55pmGaga
Ich schließe dich in mein Nachtgebet ein! Amen.
11:58pmJulian
Wie kann ich Dir nur danken…diese Nacht werde ich endlich froh und zufrieden einschlafen…heilige Nacht!
Today
12:01amGaga
jetzt aber!

21. Februar 2010


In alchemy there is a formula known in latin as Solve et Coagula, which means to dissolve to the purest elements and then reform. The idea is to turn base metals into gold, but the true alchemy is being able to have a Midas touch with misery. Turning pain into beauty. B. Kanaan
φ

17. Februar 2010

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76777725&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
Zufrieden sein und klagen ist ein Widerspruch. Getrost sein und verzagen ist ein Widerspruch. Uneinig sein und einig ist nicht einerlei. Sich zanken und vertragen ist ein Widerspruch. In Flucht zu schlagen einen Feind, und von dem Feind zu sein in Flucht geschlagen, ist ein Widerspruch. Zu suchen und zu meiden Eins zu gleicher Zeit. Zu fliehn und nachzujagen ist ein Widerspruch. Zu predigen für taube Ohren ist verkehrt. Und stummen Mund zu fragen ist ein Widerspruch. Sich weise dünken, und unwissend wissen sich, reich, und an Brocken nagen, ist ein Widerspruch. Die Königskrone tragen und den Bettelstab, sich härmen und behagen, ist ein Widerspruch. Doch Stab und Krone trägt mein Herz; und was es härmt, und was ihm mag behagen, ist ein Widerspruch. Unwissend weiß mein Herz, und weise dünkt es sich; Mein Herz, ich muß es sagen, ist ein Widerspruch. Ich pred’ge tauben Ohren, frage stummen Mund; Mein Herz mit seinen Plagen ist ein Widerspruch. Ich such‘ und meide, flieh‘ und jag‘, es schlägt mein Herz, Mein Herz mit seinem Schlagen ist ein Widerspruch. Uneinig ist’s und einig, und verträgt nur Zank; Mein Herz und sein Betragen ist ein Widerspruch. Zufrieden ist’s, und klagt, getrost, und zagt; mein Herz in diesen Frühlingstagen ist ein Widerspruch.
Friedrich Rückert
ξ
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14. Februar 2010

Schreiben, dich schreiben, dich malen. Dir ins Haar flechten all die ungesprochenen Worte, aufgehängt in der Luft, in der Zeit, im Zweig gelber Blüten, deren Schönheit mir den Atem raubt, wenn ich allein, in Gedanken, die Straße durchschreite. Eine Erklärung finden für das Geheimnis, den exakten Moment der Entdeckung, für die Liebe, für das Preßluftgefühl im gebogenen Körper, für das berstende Glück, das mich zu Tränen erschüttert, mir die Augen rötet, die Haut, die Zähne, wenn ich Blume werde, Kletterpflanze, Burg, Gedicht unter deinen Händen, die mich streicheln und entblättern, mir die Worte entreißen, mich von innen nach außen kehren, und wenn meine Vergangenheit sich ergießt, meine glückliche Kindheit, die Erinnerung, die Träume, das Meer, das brausend gegen die Jahre schlägt, immer herrlicher und höher, herrlicher und höher. Escribirte, escribirte, dibujarte. Llenarte el pelo de todas las palabras detenidas, colgadas en el aire, en el tiempo, en aquella rama llena de flores amarillas de cortes cuya belleza me pone los pelos de punta cuando vengo bajando sola, por la carretera, pensando. Definir el misterio, el momento preciso del descubrimiento, el amor, esta sensación de aire comprimido dentro del cuerpo curvo, la explosiva felicidad que me saca las lágrimas y me colorea los ojos, la piel, los dientes, mientras voy volviéndome flor, enredadera, castillo, poema, entre tus manos que me acarician y me van deshojando, sacándome las palabras, volteándome de adentro para afuera, chorreando mi pasado, mi infancia de recuerdos felices, de sueños, de mar reventando contra los años, cada vez más hermoso y más grande, más grande y más hermoso.
Giaconda Belli

12. Februar 2010

Und meiner Lider fein Geweb durchflammte
der hohen Nacht geheimnisvoller Glanz
Und all mein Innres wurde Licht und Schimmer
und ein Entzücken, das ich nie gekannt
durchglühte mich und hob mein ganzes Wesen
in eine höhere Ordnung der Natur
ein leises Tönen hielt mich hold umfangen
als zitterte in jedem Sternenstrahl
der Ton der Heimat, die ihn hergesendet
ein Ton vor allen aber traf mein Herz
und ließ die andern mehr und mehr verstummen
und that sich auseinander wie der Kelch
Wir grüßen dich in deine stillen Nächte
als deiner Zukunft tröstliche Gewähr
es schalten ungeheure Willensmächte
in unsrer Tage blindem Ungefähr
So wandeln wir auf leichten Tänzerfüßen
die wir dereinst auch dein Geschick geteilt
und dürfen dich mit einem Liede grüßen
das dich auf Strahlen unsres Sterns ereilt
Auf Blumen wandeln wir wie leichte Falter
aus Früchten saugen wir der Kräfte Saft
uns ficht kein Elend an, zerbricht kein Alter
der frühern Leiden lächelt unsre Kraft
Denn allzu schön, als daß wir uns entzweiten
erschuf uns das Gestirn, das uns gebar
wir können uns nicht Schmerz und Not bereiten
die Schönheit macht uns aller Feindschaft bar
Wir lieben uns aus tiefsten Herzensgründen
wir trinken unsres Anblicks Glück und Huld
wir wissen nichts wie ihr von fahlen Sünden
und keinen ängstigt das Gespenst der Schuld
Oh komm! daß sich die dornenlose Rose
auch Deiner Schläfe duftend schmiegen kann
Die schönste Schwester diene deinem Lose
und schenke dich dem schönsten Mann – oh komm

Christian Morgenstern

11. Februar 2010

Ich trete an das Fenster und sehe, und sehe noch durch die stürmenden, vorüberfliehenden Wolken einzelne Sterne des ewigen Himmels! Nein, ihr werdet nicht fallen! Der Ewige trägt euch an seinem Herzen, und mich. Ich sehe die Deichselsterne des Wagens, des liebsten unter allen Gestirnen. Wenn ich nachts von dir ging, wie ich aus deinem Tore trat, stand er gegen mir über. Mit welcher Trunkenheit habe ich ihn oft angesehen, oft mit aufgehobenen Händen ihn zum Zeichen, zum heiligen Merksteine meiner gegenwärtigen Seligkeit gemacht.
J.W.v. Goethe, Werther

09. Februar 2010

Vergiss es nicht, mein wildes Herz
Und liebe sehnlich jede Lust
Und liebe auch den bittren Schmerz
Eh du für immer ruhen musst
Es ist kein Tag so streng und heiss
Des sich der Abend nicht erbarmt
Und den nicht gütig, lind und leis
Die mütterliche Nacht umarmt

Hermann Hesse

08. Februar 2010

krahkrahwuffmiauwieher












Aber nicht genug damit, dass ich meine Leser nötige, meine neue Sammlung uralter Gaga Nielsen-Tierfotos anzuschauen, auch scheue ich mich nicht, dem Leser abermals mein Opus 5 aus dem Jahre 2007 anzudienen, welches meines Erachtens völlig zu Unrecht nicht den Grimme-Preis erhielt. Auch die fehlende Nominierung lässt mich, ohne jetzt hysterisch wirken zu wollen, an eine Verschwörung glauben. Es war mir schon immer wichtig, die Kamera schonungslos auf die Lebewesen drauf zu halten, mit denen ich die meiste Zeit verbringe. Und das waren damals eben die vierbeinigen Bewohner vom Zoo und Tierpark. Ich bin da nicht heikel. Hauptsache Bewegung vor der Kamera! Ob Mann oder Nilpferd!
http://blip.tv/play/gZg3jOAfAA
Mit freundlichen Grüßen!
Gaga Nielsen, Hollywood

08. Februar 2010

Ich möchte aus meinem Herzen hinaus
unter den großen Himmel treten
Ich möchte beten
Und einer von allen Sternen
müsste wirklich noch sein
Ich glaube, ich wüsste
welcher allein
gedauert hat
welcher wie eine weiße Stadt
am Ende des Strahls in den Himmeln steht

rmr

08. Februar 2010

„Das sind alles nur Zeitfenster“ sagte ein Freund einmal zu mir. Als ich gestern und heute meine dreihundertfünfzig Flickr-Sets mit rund fünfzehntausend Bildern endlich mit Datum versehe und in die richtige Reihenfolge schiebe, in ihre chronologische Reihenfolge, nicht so, wie ich sie nach Lust und Laune hochlud, fällt mir der Satz immer wieder ein. Das sind alles nur Zeitfenster. Zeitfenster mit einem schwarzen Deckblatt. Alben. Fotobalben. Fenster in meine Zeit. Schöne Zeit. Gute Zeit. Wer die Bilder sieht, mag schlussfolgern „Du musst ein gutes Leben haben“. Ja, vieles ist und war oft gut in meinem Leben. Ich sehe es. Ja, ich sehe es… ich sehe es – Gerade noch ein paar Sammlungen gemacht, collections genannt. Ganz schön, um sich nicht durch diese Flut wühlen zu müssen, einfach mal zu sehen, was zum Beispiel in der Sammlung Blogger zu finden ist. Ihr habt mich immer machen lassen, das war nett. Ich erinnere mich an eine Lesung, da hieß es gar resolut, es gäbe Fotografier-Verbot, nur Gaga Nielsen darf Fotos machen! Da habe ich mich aber gebauchpinselt gefühlt. Na ja. Auch lange her. Und wieviel ich doch mit Jan unterwegs war, in welchem rasanten Tempo wir durch die Berliner Kunstszene gejagt sind, so viel Spaß dabei. Alles ein großes verrücktes Spiel. Wie leicht man Menschen näherkam. Das kommt wieder. Ich nehme gerade sehr viele Möglichkeiten nicht wahr, weil manchmal der richtigere Platz zuhause ist. Wo man die Dinge aus der Distanz zu begreifen, einzuordnen lernt. Jegliches. Und es erschlägt mich wieder und wieder, wenn ich diese vielen Fotostrecken sehe, die Dichte der letzten beiden Jahre. Wie vom Donner gerührt sitze ich vor meinem Monitor. Dieses eingemeißelte, genaue Datum darunter. Das war also das, was an diesem einmaligen Datum in der Erdgeschichte für mein Leben Bedeutung hatte und das war der nächste Tag und der nächste und der davor und der übernächste und … nicht nur meiner. So sitze ich davor. Vor meinen Gedenktafeln. Und ich habe das doch alles auch selbst gemacht. Nicht nur diesen flickr-account, der mein Leben festhält.

Und ich mache es wieder zu einem guten Leben. Ich bin nämlich eine gute Dramaturgin. Ja, ich mag brüchige Filme, bei denen man mit dem Protagonisten mitleiden kann und hofft, dass alles gut ausgeht. Meine liebsten Helden sind die, denen nicht alles sofort in den Schoß fällt. Die kämpfen müssen. Aber das letzte Standfoto zeigt gleißendes Licht. Das ist schwer einzufangen. Aber ich schaffe das.

06. Februar 2010

Unmöglich ists, den Tag dem Tag zu zeigen
Der nur Verworrnes im Verworrnen spiegelt
Und jeder selbst sich fühlt als recht und eigen
Statt sich zu zügeln, nur am andern zügelt
Da ists den Lippen besser, daß sie schweigen
Indes der Geist sich fort und fort beflügelt

J. W. v. Goethe

05. Februar 2010

Vielleicht kehrt Rio ja wirklich zurück. Es wäre doch auch schön, ihn hier zu haben. Sein Haus würde ich gerne noch einmal vorher sehen, seinen Zaubergarten und den Tisch mit der aufgeschlagenen Bibel. Das hat mich doch sehr bewegt, heute beim Mittagessen. Wenn er umgebettet wird, dann auf den Matthäi-Kirchhof, wo auch die Kapelle steht, in der er getauft ist, in Schöneberg, wie wunderbar.
Viele Jahre wohnte ich um die Ecke, in einer schattigen Wohnung im Parterre, meine erste eigene kleine Wohnung in Berlin. An schönen Tagen ging ich manchmal gerne auf den kleinen Kirchhof, um ein Sonnenbad zu nehmen, Nerudas Gedichte auf dem Schoß. Auf der Sonnenbank mit Vogelgezwitscher. Nur wenige Schritte daneben war ein Waschsalon, in dem sich meine Wäsche drehte. 19hundertsechsundachtzig.
Im Mai Zweitausendacht war ich nach vielen Jahren wieder dort. Diesmal mit Jan zu einer Gedenkfeier im kleinen Kreis, zu Ehren des dort beigesetzten Malers und Poeten Friedrich Schröder Sonnenstern. Einer der Nachfahren dieses phantastischen Surrealisten, dessen Werk mich verwirrend und elektrisierend an das Werk von Victor Brauner erinnert, hatte uns herzlich eingeladen. Es war der Geburtstag meines Bruders. Daran dachte ich. Dass es irgendwie passt, an so einem Tag, am Grab eines anderen Verrückten zu gedenken. Rio hätte die Bilder von Sonnenstern auch geliebt.
Weiter stand heute nichts meine kleine Welt bewegendes in der ulkigen Zeitung mit den großen Überschriften. Nur, dass Udo Walz ab 22. Februar die Galerie Bremer unter seine Fittiche nimmt und es dann ein kleines Restaurant mit Pasta geben wird. Das wird bestimmt fein. Und Rolf Eden wird Achtzig und ist gut drauf. Das stand aber nicht in der B.Z., sondern hat mir Jan gestern am Telefon erzählt. Er traf ihn vorgestern in der kleinen Weltlaterne. Ich gab ihm den Hinweis, dass einer der Stammgäste, ein Maler eine slideshow mit tausend Fotos der letzten Jahrzehnte in der Weltlaterne zeigt. Mit Klaviergeklimper. Eigentlich wäre ich gerne hin, aber ich hörte so kurzfristig davon und war nicht in Stimmung, alles stehen und liegen zu lassen. Jan hat ein ganz schönes Foto von Rolf Eden gemacht. Mir ist er ja sympathisch, mit seinen augenzwinkernden Macho-Sprüchen, die man nicht zu ernst nehmen sollte. Ein echtes Berliner Urgestein. Ach ja, Butterfisch mit Dillsauce und Gemüse hatte ich zu meinem Käseblättchen. Und bald ist Wochenende.

05. Februar 2010

Warum ich wieder zum Papier mich wende?
Das mußt du, Liebster, so bestimmt nicht fragen
Denn eigentlich hab ich dir nichts zu sagen
Doch kommts zuletzt in deine lieben Hände
Weil ich nicht kommen kann, soll, was ich sende
Mein ungeteiltes Herz hinübertragen
Mit Wonnen, Hoffnungen, Entzücken, Plagen
Das alles hat nicht Anfang, hat nicht Ende
Ich mag vom heutgen Tag dir nichts vertrauen
Wie sich im Sinnen, Wünschen, Wähnen, Wollen
Mein treues Herz zu dir hinüberwendet
So stand ich einst vor dir, dich anzuschauen
Und sagte nichts. Was hätt ich sagen sollen
Mein ganzes Wesen war in sich vollendet.

Johann Wolfgang von Goethe
(das erste, das ich fand)

05. Februar 2010


14. August 2006
Kinder und Tiere gehen immer. Sonne in Berlin. Heute tut sie nicht weh. Ohne Arg scheint sie durchs Fenster. Ich tippe ein Passwort und trinke Kaffee. Vor mehr als zwanzig Jahren sagte eine Frau, die mich und meinen Bruder recht gut kannte, „Ihr beiden seid Wesen aus einer anderen Zeit. Ihr gehört in die Epoche der Romantik, mit euren großen verträumten Augen.“ Sie sagte noch etwas sehr schönes, das mich rührte, aber ich habe es vergessen. Sie lebt nicht mehr, ich kann sie nicht fragen. Ich fühlte, sie hatte recht. Sie war Astrologin und amüsierte sich über mein Horoskop, weil sie halb scherzend, halb ernst meinte, ich wäre womöglich die Reinkarnation von Goethe. Da wären so viele Parallelen in unserem Geburtsbild. Die Sonne, der Skorpionmond und Aszendent, wenn ich es recht erinnere. Das chinesische Zeichen der Schlange. Das starke zwölfte Haus. Dies und das und jenes. Na ja. Ich nahm es heiter hin, ohne daran zu glauben. Wie komme ich jetzt darauf… Als ich in Weimar war, hatte ich jedenfalls kein déjà vu und bin auch sonst nicht immer hin und weg von seinem Werk. Aber natürlich voller Respekt. Vielleicht sollte ich ihm mehr Aufmerksamkeit schenken. Die Magie in seinen Zeilen finden. Das hat er bestimmt verdient. Im Grunde las ich nur den Faust und ein paar verstreute Gedichte und Zitate. Ich sehe mal nach und komme wieder. Mit Johann Wolfgang. Ich bin gut im Querlesen und Finden. Ihr müsst nicht lange warten.
„Getret’ner Quark wird breit nicht stark!“

05. Februar 2010

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Niemand soll mich weinen sehn
Als in Feld und Aue
Blumen, deren Augen stehn
Meinen gleich, im Thaue
Zu den Blumen will ich gehn
Denen ich vertraue
Niemand soll mich weinen sehn
Als in Feld und Aue
Blumen schweigen still bescheiden
Wollen trösten nicht mein Leiden
Noch an meinem Weh
sich weiden
Niemand soll mich weinen sehn
Als in Feld und Aue
Blumen, deren Augen stehn
Meinen gleich, im Thaue
Friedrich Rückert

04. Februar 2010

Ein Kind voll Wehmut und voll Treue
Verstoßen in ein fremdes Land
Ließ gern das Glänzende und Neue
Und blieb dem Alten zugewandt
Nach langem Suchen, langem Warten
Nach manchem mühevollen Gang
Fand es in einem öden Garten
Auf einer längst verfallnen Bank
Ein altes Buch, mit Gold verschlossen
Und nie gehörte Worte drin
Und wie des Frühlings zarte Sprossen
So wuchs in ihm ein innrer Sinn
Und wie es sitzt und liest und schauet
In den Kristall der neuen Welt
An Gras und Sternen sich erbauet
Und dankbar auf die Kniee fällt
Verkündiger der Morgenröte
Des Friedens Bote sollst du sein
Sanft wie die Luft in Harf und Flöte
Hauch ich dir meinen Atem ein
Novalis

04. Februar 2010

Kennst du sie, die selig, wie die Sterne
Von des Lebens dunkler Woge ferne
Wandellos in stiller Schöne lebt
Die des Herzens löwenkühne Siege
Des Gedankens fesselfreie Flüge
Wie der Tag den Adler, überschwebt?
Die uns trifft mit ihren Mittagsstrahlen
Uns entflammt mit ihren Idealen
Wie vom Himmel, uns Gebote schickt
Die die Weisen nach dem Wege fragen
Stumm und ernst, wie von dem Sturm verschlagen
Nach dem Orient der Schiffer blickt?
Die das Beste gibt aus schöner Fülle
Wenn aus ihr die Riesenkraft der Wille
Und der Geist sein stilles Urteil nimmt
Die dem Lebensliede seine Weise
Die das Maß der Ruhe, wie dem Fleiße
Durch den Mittler, unsern Geist, bestimmt?
Die, wenn uns des Lebens Leere tötet
Magisch uns die welken Schläfe rötet
Uns mit Hoffnungen das Herz verjüngt
Die den Dulder, den der Sturm zertrümmert
Den sein fernes Ithaka bekümmert
In Alcinous Gefilde bringt?
Kennst du sie, die uns mit Lorbeerkronen
Mit der Freude beßrer Regionen
Ehe wir zu Grabe gehn, vergilt.
Die der Liebe göttlichstes Verlangen
Die das Schönste, was wir angefangen
Mühelos im Augenblick erfüllt?
Die der Kindheit Wiederkehr beschleunigt
Die den Halbgott, unsern Geist, vereinigt
Mit den Göttern, die er kühn verstößt
Die des Schicksals eh’rne Schlüsse mildert
Und im Kampfe, wenn das Herz verwildert
Uns besänftigend den Harnisch löst?
Die das Eine, das im Raum der Sterne
Das du suchst in aller Zeiten Ferne
Unter Stürmen, auf verwegner Fahrt
Das kein sterblicher Verstand ersonnen
Keine, keine Tugend noch gewonnen
Die des Friedens goldne Frucht bewahrt?
Friedrich Hölderlin

03. Februar 2010

Es ist ein Gutes, sich an das Helle zu erinnern. Ich beobachtete mich dabei, dass ich, obgleich sehr traurig, zu lächeln begann, als ich einen alten Film sah, in dem ich übermütig war und lachte. Wenn man von sich selbst ein Bild anschaut, auf dem man lächelt oder sogar lacht, erinnern sich die Zellen und justieren sich ein bißchen. So, wie Musik die kosmische Ordnung in einem Lebewesen wiederherzustellen vermag. Deswegen tröstet Musik so sehr. Weil die verschobenen, verkanteten Atome und Quanten für einen Moment in ihre unverletzte Ordnung zurückkehren. Daran glaube ich. Das habe ich mir selbst ausgedacht und bin ganz und gar davon überzeugt. Dasselbe geschieht, wenn man Lyrik liest, die einen wirklich berührt. Dann kommt etwas in Ordnung. Und die guten, heilen(den) Kräfte fließen weicher, unbehinderter. Die aufstrebende Kraft eines Lachens, das aus einem warmen fühlenden Herzen kommt. Wenn wir lachen, sind wir im Paradies.

16. Juli 2008, Berlin

03. Februar 2010

Du bist mein fernes Tal
verzaubert und versunken
Oft hast du mir in Not und Qual
empor aus deinem Schattenland gewunken
und deine Märchenaugen aufgetan
daß ich entzückt in kurzem Wahn
mich ganz zu dir zurück verlor

Hermann Hesse

02. Februar 2010

Da ich noch um deinen Schleier spielte
Noch an dir, wie eine Blüte hing
Noch dein Herz in jedem Laute fühlte
Der mein zährtlichbebend Herz umfing
Da ich noch mit Glauben und mit Sehnen
Reich, wie du, vor deinem Bilde stand
Eine Stelle noch für meine Tränen
Eine Welt für meine Liebe fand
Da zur Sonne noch mein Herz sich wandte
Als vernähme seine Töne sie
Und die Sterne seine Brüder nannte
Und den Frühling Gottes Melodie
Da im Hauche, der den Hain bewegte
Noch dein Geist, dein Geist der Freude sich
In des Herzens stiller Welle regte
Da umfingen goldne Tage mich
Wenn im Tale, wo die Quell mich kühlte
Wo der jugendlichen Sträuche Grün
Um die stillen Felsenwände spielte
Und der Aether durch die Zweige schien
Wenn ich da, von Blüten übergossen
Still und trunken ihren Othem trank
Und zu mir, von Licht und Glanz umflossen
Aus den Höhn die goldne Wolke sank
Wenn ich fern auf nackter Heide wallte
Wo aus dämmernder Geklüfte Schoß
Der Titanensang der Ströme schallte
Und die Nacht der Wolken mich umschloß
Wenn der Sturm mit seinen Wetterwogen
Mir vorüber durch die Berge fuhr
Und des Himmels Flammen mich umflogen
Da erschienst du Seele der Natur
Oft verlor ich da mit trunknen Tränen
Liebend, wie nach langer Irre sich
In den Ozean die Ströme sehnen
Schöne Welt! in deiner Fülle mich
Ach! da stürzt ich mit den Wesen allen
Freudig aus der Einsamkeit der Zeit
Wie ein Pilger in des Vaters Hallen
In die Arme der Unendlichkeit
Die das Eine, das im Raum der Sterne
Das du suchst in aller Zeiten Ferne
Unter Stürmen, auf verwegner Fahrt
Weint mein Herz der Trennung bittre Zähre
Und entflieht in seine schönre Welt
Was zum Raube sich die Zeit erkoren
Morgen steht’s in neuer Blüte da
Friedrich Hölderlin

02. Februar 2010


Nach Hiddensee. Im Juli 2005. Ich nahm aus einer Laune das Schiff von Stralsund, stieg in Kloster aus. Und fand keine Unterkunft. Zu keinem Preis. Lief zwischen den sanften Grashügeln herum, schnupperte die Luft, die wehenden Mähnen der kleinen Pferde. Und nahm das letzte Schiff zurück. 19:20 Uhr. Wenig später wollte ich noch einmal hin. Ich dachte zeitig daran, mir ein Häuschen nah dem Strand zu mieten und hatte wunderschönes Wetter, Ende August, Anfang September 2005. Unvergessliche Ferien. Damals hatte ich noch meine Olympus, mit einem wunderbaren Objektiv. Wenn ich Bilder wie diese Möwenfeder sehe, kriege ich Heimweh nach meiner Kamera. Ich bin überhaupt ein bißchen anhänglich.

02. Februar 2010

Was zum Teufel ist ein ‚Hamburger Schnitzel‘? Ah ja. Paniertes Schweineschnitzel mit Spiegelei oben drüber. Bzw. in der DDR-Version (hä?) paniertes Hackfleisch in Schnitzelform mit Ei drüber. Aber mit Fleisch gab es doch kein Problem in der DDR? Meine Angehörigen in Treptow haben mir im Juni 1989 versichert, es gäbe Grundnahrungsmittel in Hülle und Fülle. Fleisch, Wurst, Schrippen, Eier, Kartoffeln, Milch, Äpfel kein Problem. Nur importierte Zitrusfrüchte und Bananen eben begrenzt. Und Milkaschokolade und Jacobs-Kaffee nur im – Dings – im … ah – Mitropa? Nee – wie hieß das noch? Exclusiv? Oder war das der spezielle Bekleidungsladen für gehobene Ansprüche? Ah – ! Ich weiß es wieder: „Intershop“. Im Intershop holte man Parfüm, Nylonstrumpfhosen und Milkaschokolade und den ganzen Westkram. So war das. Aber das mit dem Hamburger Schnitzel à la DDR halte ich für eine Diffamierung. Ich war ja nicht dabei, vielleicht war es im Rest der Deutschen Demokratischen Republik ja auch mit der Fleischversorgung schwierig. Hört man ja immer, dass neidisch nach Ostberlin geschielt wurde, weil da nicht nur alle Westprogramme gut zu empfangen waren, sondern vieles zu repräsentativen Zwecken im Angebot war. Aber systemunabhängig erlaube ich mir zu vermuten, dass „Ostberlin“ auch heute, nach der totalen imperialistischen Gleichschaltung kulturell und versorgungstechnisch einiges mehr zu bieten hat, als die Ränder der Republik, ob West oder Ost. Spüre den Wein von gestern ein bißchen in den Knochen. Kopf ist ein bißchen langsam. Muss mal wieder ein Foto posten. Weiß nur nicht was. Vielleicht mich selber! Never change a running system.

02. Februar 2010

Was zum Teufel ist ein ‚Hamburger Schnitzel‘? Ah ja. Paniertes Schweineschnitzel mit Spiegelei oben drüber. Bzw. in der DDR-Version (hä?) paniertes Hackfleisch in Schnitzelform mit Ei drüber. Aber mit Fleisch gab es doch kein Problem in der DDR? Meine Angehörigen in Treptow haben mir im Juni 1989 versichert, es gäbe Grundnahrungsmittel in Hülle und Fülle. Fleisch, Wurst, Schrippen, Eier, Kartoffeln, Milch, Äpfel kein Problem. Nur importierte Zitrusfrüchte und Bananen eben begrenzt. Und Milkaschokolade und Jacobs-Kaffee nur im – Dings – im … ah – Mitropa? Nee – wie hieß das noch? Exclusiv? Oder war das der spezielle Bekleidungsladen für gehobene Ansprüche? Ah – ! Ich weiß es wieder: „Intershop“. Im Intershop holte man Parfüm, Nylonstrumpfhosen und Milkaschokolade und den ganzen Westkram. So war das. Aber das mit dem Hamburger Schnitzel à la DDR halte ich für eine Diffamierung. Ich war ja nicht dabei, vielleicht war es im Rest der Deutschen Demokratischen Republik ja auch mit der Fleischversorgung schwierig. Hört man ja immer, dass neidisch nach Ostberlin geschielt wurde, weil da nicht nur alle Westprogramme gut zu empfangen waren, sondern vieles zu repräsentativen Zwecken im Angebot war. Aber systemunabhängig erlaube ich mir zu vermuten, dass „Ostberlin“ auch heute, nach der totalen imperialistischen Gleichschaltung kulturell und versorgungstechnisch einiges mehr zu bieten hat, als die Ränder der Republik, ob West oder Ost. Spüre den Wein von gestern ein bißchen in den Knochen. Kopf ist ein bißchen langsam. Muss mal wieder ein Foto posten. Weiß nur nicht was. Vielleicht mich selber! Never change a running system.

01. Februar 2010

Seltsam ansteigende Zugriffszahlen. Dreißig Prozent. Und zwar seit den Einträgen mit den gesperrten Kommentaren. Na ja. Als Michael Jackson gestorben ist, gab es auch einen Ruck durch den digitalen Blätterwald, warum also nicht hier. Ich kann für immer neuen Content garantieren.
Eigentlich ein nicht adäquater Eintrag, da zu wenig jammerig. Ich gelobe Besserung. Lade ich auch nur hoch, weil gerade Freundin vorgelesen, die zu kichern anfing (hat getrunken), ich relativierte, dass ich immerhin beim Heranziehen des Vergleiches schwankte zwischen Elvis, Prinzessin Diana und the King of Pop. Selbstzweifel selbst im Größenwahn. Wobei ja nicht ich zu betrauern bin. Höchstens zu bedauern. Ich poste den Quatsch jetzt. So zur Abwechslung. Ich weine im Übrigen auch gerade überhaupt nicht, sondern rufe gleich die angeheiterte Freundin zurück. (Und zwar mit einem Glas Rotwein in der Hand.) Womöglich wird gesungen!

01. Februar 2010

Dann kam ich oft zurück an meinen Schreibtisch und fand ein Lebenszeichen von dir. Ich hatte zu Mittag gegessen und dabei in der blöden Zeitung gelesen, für die man eigentlich nur Bilder gucken können muss, lesen ist gar nicht notwendig. Das war genau richtig, so nebenher, beim Essen. Ich schrieb dir dann, was ich gegessen hatte. Und manchmal, was unter den blöden Bildern stand. Unvorstellbar, dass ich das jemand anderem mitgeteilt hätte. So banal. Wer interessiert sich dafür, was in meinem Magen landet, womit ich meine Lebensfunktionen aufrecht erhalte, was mir gerade geschmeckt hat. Aber gerade das erscheint einem wunderbar und phänomenal, dass das eine Nachricht sein soll. Tag für Tag. Diese einfachen Dinge, die in Wahrheit gar nicht unwesentlich sind. Immerhin wird aus der gebratenen Hühnchenbrust ein Stück meines Körpers, vielleicht die Haut an meinem rechten Handgelenk oder sogar ein Stück meines Hasenherzes. Und ich las gerne, was du gegessen hattest.
Ich hatte vorhin eine scharf angebratene Hühnchenbrust mit Gemüse und Salat und eine Käsesoße drüber. Und eine Cola. Wahrscheinlich blogge ich deshalb plötzlich so viel, weil ich diesen banalen Kram nicht mehr mailen kann. Niemandem zumuten will. Nein, das ist Quatsch. Quatsch mit Käsesoße. In Wahrheit schreibe ich sehr schöne Mails, nur das ab und zu eine Hühnchenbrust mit Gemüse drin vorkommt. Was keine Schande ist. Das Dumme ist nur, dass es niemanden sonst gibt, dessen Mittagessen mich so sehr interessiert hat, wie deines.

01. Februar 2010

Heute morgen auf dem Weg, by random Stevie Nicks Song „Planets of the Universe“. Der Song gehört zu einer Reihe Demotracks, die für die Aufnahme von Rumours entstanden und es nicht auf das Album schafften. 2004 erschien eine besondere Edition von Rumours mit all den Titeln des Albums, die mehr oder weniger jeder kennt, sowie den rough- und demoversions und weiterem unveröffentlichtem Material. Ich habe Planets of the Universe schon lange auf meinem Player, aber noch nie so bewusst gehört. Heute Morgen hat er mich erschüttert. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was mir Musik bedeutet, welche Intensität in einen Augenblick fließt, wenn die Musik plötzlich zum Lebenssoundtrack gerät. Dann begreift man, dass es auch ein schöner Film ist, das eigene Leben, selbst in trauriger Zeit. Wie man dann durch eine Straße läuft, die Sophienstraße im Morgenlicht, jemand Worte ins Ohr singt, die für einen gedacht scheinen. In der Neuauflage liegt ein booklet bei, in dem die Geschichte der Entstehung des Albums erzählt wird. Nicht (nur) die tontechnische Hintergrundgeschichte, vor allem die persönliche. Alle Lieder auf diesem Album erzählen von Abschied und Trennung, weil es das war, was zwischen den Beteiligten geschah. Und so entstanden gewiss die schönsten Songs, die Fleetwood Mac jemals geschrieben haben, durch die Verarbeitung des Schmerzes der Entzweiung. Als ich das las, begriff ich die Zeile in Dreams, thunder only happens when it’s raining.
And the planets of the universe go their way, not astounded by the sun or the moon or by the day
http://www.ipernity.com/mp/7232724.10b14226.mp3.swf
double-click

31. Januar 2010

 Es gibt so Schönes in der Welt,
Daran du nie dich satt erquickst
Und das dir immer Treue hält
Und das du immer neu erblickst:
Der Blick von einer Alpe Grat,
Am grünen Meer ein stiller Pfad,
Ein Bach, der über Felsen springt,
Ein Vogel, der im Dunkel singt,
Ein Kind, das noch im Traume lacht,
Ein Sterneglanz der Winternacht,
Ein Abendrot im klaren See
Bekränzt von Alm und Firneschnee,
Ein Lied am Straßenzaun erlauscht,
Ein Gruß mit Wanderern getauscht,
Ein Denken an die Kinderzeit,
Ein immer waches, zartes Leid,
Das nächtelang mit feinem Schmerz
Dir weitet das verengte Herz
Und über Sternen schön und bleich
Dir baut ein fernes Heimwehreich.

[Hermann Hesse]

31. Januar 2010

Ein großer Fehler vielleicht. (Angst)
Glaube Liebe Hoffnung.
Alles.
Nicht sprechen. Nicht sprechen.
Ihr da draußen, Ihr versteht das. Wenn ich eure Mails mit undurchsichtigem Gestammel beantworte, Kommentarfunktion abschalte. Ich weiß, Ihr versteht das. Gaga Nielsen’s Livestream. Die kriegt es hin und sagt soviel ohne einen genauen Satz zu sagen. Das soll mir erst mal einer nachmachen. Das geht in vierzig Jahren in einen fest installierten Monitor im Museum für Kommunikation ein und dann wird sich die 84-jährige, für ihr Alter noch sehr rüstige (und bedeutend jünger aussehende! Höchstens 72!) Gaga Nielsen fragen lassen müssen „Und – konnte man das immer an Ihren Blogeinträgen ablesen, wenn etwas Einschneidendes geschehen ist?“ Und dann wird Gaga Nielsen mit ihrem Stock mit dem ziselierten Silberknauf herumfuchtelnd antworten: „Darauf können Sie einen lassen, junger Mann!“

31. Januar 2010

 Es gibt so Schönes in der Welt,
Daran du nie dich satt erquickst
Und das dir immer Treue hält
Und das du immer neu erblickst:
Der Blick von einer Alpe Grat,
Am grünen Meer ein stiller Pfad,
Ein Bach, der über Felsen springt,
Ein Vogel, der im Dunkel singt,
Ein Kind, das noch im Traume lacht,
Ein Sterneglanz der Winternacht,
Ein Abendrot im klaren See
Bekränzt von Alm und Firneschnee,
Ein Lied am Straßenzaun erlauscht,
Ein Gruß mit Wanderern getauscht,
Ein Denken an die Kinderzeit,
Ein immer waches, zartes Leid,
Das nächtelang mit feinem Schmerz
Dir weitet das verengte Herz
Und über Sternen schön und bleich
Dir baut ein fernes Heimwehreich.

[Hermann Hesse]

31. Januar 2010

Die Staatstrauer ordnet eine zentrale staatliche Stelle nach einem persönlichen großen Unglück der Königin an. Als Ausdruck der Staatstrauer wird in Gaganien Trauerbeflaggung angeordnet und öffentliche Feiern werden abgesagt. Die Staatstrauer wird in Abhängigkeit der Bedeutung der Person oder des Ereignisses in unterschiedlicher Länge, über ein, drei oder sieben Tage angeordnet.
Ein, drei oder sieben Tage, das ist ja lächerlich. Ich werde umgehend eine Depesche erlassen, dass dieser Punkt geändert wird. Einhundert, dreihundert oder siebenhundert Tage.

31. Januar 2010

Wettergott, du Volltrottel. Mit dir muss man wohl wie mit einem Klippschüler reden. Hast du es also endlich kapiert. Und das nächste mal gleich den Rohrstock! Antiautoritäre Erziehung scheint ja nachweislich nicht zu fruchten. Wenn du noch einmal deine Sonne mitbringst, muss ich leider einen Brief an deine Eltern schreiben.

31. Januar 2010

Wettergott, du Volltrottel. Mit dir muss man wohl wie mit einem Klippschüler reden. Hast du es also endlich kapiert. Und das nächste mal gleich den Rohrstock! Antiautoritäre Erziehung scheint ja nachweislich nicht zu fruchten. Wenn du noch einmal deine Sonne mitbringst, muss ich leider einen Brief an deine Eltern schreiben.

31. Januar 2010

Die Staatstrauer ordnet eine zentrale staatliche Stelle nach einem persönlichen großen Unglück der Königin an. Als Ausdruck der Staatstrauer wird in Gaganien Trauerbeflaggung angeordnet und öffentliche Feiern werden abgesagt. Die Staatstrauer wird in Abhängigkeit der Bedeutung der Person oder des Ereignisses in unterschiedlicher Länge, über ein, drei oder sieben Tage angeordnet.
Ein, drei oder sieben Tage, das ist ja lächerlich. Ich werde umgehend eine Depesche erlassen, dass dieser Punkt geändert wird. Einhundert, dreihundert oder siebenhundert Tage.

31. Januar 2010

(…) Da Sie „Year of the Horse“ gekauft oder bewertet haben, freut es Sie sicher, dass „Rio Reiser – Lass uns ’n Wunder sein“ jetzt erhältlich ist. (…)
(Amazon-Mail 31.01.10)
Ich hätte Wetten darauf abgeschlossen, dass mich eine Werbemail von Amazon niemals tiefer berühren könnte. Ich bin einfach zu sentimental. Sieht man ja, wohin das führt. Ich verfluche gerade die Sonne, weil es in bestimmten Augenblicken nur regnen darf. Das ist eine Frage der Pietät. Der Wettergott scheint ein grober Klotz zu sein. Man will nicht daran erinnert werden, dass Sonne das richtige Wetter für das Herz wäre, weil man ja ein Sonnenkind ist. Ich jedenfalls. Es steht mir doch zu. Nicht diese Quadratkilometer Regenwolken im Herzen. Verdammt.

28. Januar 2010


Smile is a song, originally used as an instrumental theme in the soundtrack for the 1936 Charlie Chaplin movie Modern Times. Chaplin composed the music. While some believe the words were written by John Turner and Geoffrey Parsons, the sheet music was sold with the lyrics accredited to Chaplin. In the lyrics, the singer is telling the listener to cheer up and that there is always a bright tomorrow, just as long as they smile. „Smile“ has become a popular standard since its original use in Chaplin’s film. The song was originally sung by Nat King Cole, charted in 1954.
Wikipedia


Smile, though your heart is aching, Smile, even though it’s breaking. When there are clouds in the sky – you’ll get by. If you smile through your fear and sorrow, Smile and maybe tomorrow, you’ll see the sun come shining through for you. Light up your face with gladness, hide every trace of sadness. Although a tear may be ever so near, that’s the time you must keep on trying, smile, what’s the use of crying? You’ll find that life is still worthwhile, if you just smile.

27. Januar 2010

Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn,
wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,
und ohne Füße kann ich zu dir gehn,
und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.
Brich mir die Arme ab, ich fasse dich
mit meinem Herzen wie mit einer Hand,
halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen,
und wirfst du in mein Hirn den Brand,
so werd ich dich auf meinem Blute tragen.
rmr

27. Januar 2010

»Ich finde Niemanden, der so häufig recht hätte, wie ich! Ich behalte mir jede Handlung gegen den Staat vor! Ich verachte jeden Menschen, der gern Uniform trägt. Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um Rücksichten zu nehmen. Ich bin ungefähr so geschmeidig wie Stonehenge. Ich war eigentlich immer Einzelgänger gewesen! Ich will mein Gebiet immer unter Kontrolle halten. Ich fluche allem Gemensch! Ich bin Pessimist, was ›das Volk‹ anlangt. Ich schätze die Jugend und ihr Urteil nicht übermäßig. Ich bekenne mich vorbehaltlos zur alten, heute bestgeschmähten, Aufklärung. Ich ärgere gern durch Wahrheiten. Ich disputiere nie mit Frommen. Ein Gott möchte ich gar nicht sein: viel zu langweilig, so zuerst. N Halbgott, das ja! Ich unglücklich?: Ich?!: ich kann doch denken, was ich will!! Ich lüg‘ ganz gern, wenn ich Zeit hab‘: die Wahrheit is so was Gewöhnliches, nich? Ich habe durchaus den Mut auch zur Inkonsequenz! Ich bin, wie jeder anständige Mensch, meiner Ansichten oftmals müde. Ich kann ja nichts mehr ernst nehmen. Ich habe keine Ahnung, was ›leben‹ heißt. Ich bin jedenfalls fleißig. Ich bin schließlich der ich bin.«
Arno Schmidt, 15 000 Volt bin ich

26. Januar 2010


Einst war ich verliebt in ein Gefühl aus der Vergangenheit. Ich war unsicher, ob das Gefühl zeitlos sei, die Liebe der Erinnerung galt oder der Gegenwart. Oder nur der schimmernden* Idee, die Gegenwart mit dem Gefühl der Erinnerung zu verzaubern. So genau wollte ich es auch gar nicht wissen. Ich war für jeden Zauber bereit. Es gab gerade keinen Zauber in meiner Gegenwart. So griff ich nach der geschenkten, auf’s Neue belebten Vergangenheit, in der Hoffnung, den Zauber wiederzufinden. Ich hatte einen starken Willen, die Sache anzugehen und suchte so lange, in jedem Detail bis die Puzzleteile den alten Sinn ergaben und meine Vorstellung des erinnerten Gefühls möglichst dicht beseelten. Ich schwelgte in der scheinbar gelungenen Dramaturgie. Nur manchmal vergaß ich mich lückenlos zu erinnern und sah das Licht der Gegenwart durch den zarten milchweißen Vorhang schimmern. Ohne Verklärung. Der Zauber verflüchtigte sich dann immer ein bißchen, was ich verdrängte, ich sah dann einfach nicht so genau hin und erinnerte mich umso stärker an die ersehnte Anmut, die ich nur noch in Bruchstücken fand. Immer ein bißchen mehr, immer ein bißchen stärker musste ich mich erinnern, und irgendwann ertappte ich mich dabei. Eine Bö wehte den Schleier bei geöffnetem Fenster zur Seite und ich sah, was war. Ein Windstoß und noch einer. Bis ich merkte, es wäre zu mühevoll, immer wieder den Schleier der Vergangenheit vor das Fenster zu zerren, um die zerschlissenen, fadenscheinigen Stellen des alten Traumgewebes nicht zu sehen.
Ich hatte mich daran gewöhnt, dauernd die Erinnerung zu rufen. Die Gegenwart absichtlich zu übersehen, denn Sie passte nicht zu den übrigen Requisiten meines Stückes. Nur so funktionierte die Magie. Nach einer Weile vergaß ich, weil ich faul wurde, und es auch langsam mühselig wurde, mich dauernd an den Zauber zu erinnern und immer wieder Sternenstaub darüber zu streuen. Ich hatte keinen Sternenstaub mehr in meinem Köcher. Und erwachte. Ganz langsam. Schmerzhaft. Denn ich hatte mich nicht darum gekümmert, den Goldstaub der Gegenwart zu finden. Ich war in den Sternenstaub der Erinnerung verliebt, in mein erinnertes Gefühl, in das Licht, die Klänge und eine Silhouette, die es nicht mehr gab. In meine Jugend, die Aufbruchstimmung, obgleich sie bei Lichte besehen, farbloser war, und weniger Möglichkeiten barg, als ich mir eingestehen wollte, aber der Glaube war stark. Der Wille daran zu Glauben und sich so und nicht anders daran zu erinnern. In war verliebt in das erinnerte Leuchten. Die Hoffnung. Aber selbst in der Vergangenheit bestand das vermeintlich erinnerte Glück mehr aus Hoffnung denn Erleben. Das erinnerte Gefühl war wenig mehr als ein gehegter und gepflegter Wunsch aus der Vergangenheit.
Auf der dauernden Suche nach dem vergangenen Gefühl vergaß ich die Gegenwart. Ich wollte nichts genaues darüber wissen, denn die Vergangenheit war leichtfüßiger. Scheinbar unbelastet. Es war so leicht die Stolpersteine auf dem alten Weg zu vergessen. Doch die Gegenwart war wie ein stolzes Pferd und begehrte auf und zeigte mir seine Muskeln und wollte geritten werden. Sie war ein wilder Mustang und wollte Respekt vor dem ihr eigenen Zauber, der Anmut zu erlebender Gegenwart. Die Gegenwart wollte Gegenwärtigkeit. Das Begreifen, ehren und vergolden der gegenwärtigen Dinge. Als ich das verstand, sehr viel später, verstand ich den verlorenen Zauber. Er hatte sich auf den Weg gemacht. An einen anderen Ort. In eine andere Gegenwart, die nicht mehr meine war. Ich habe Frieden geschlossen, mit dem verlorenen Sternenstaub. Er hat seinen Platz in seiner Zeit, ist nur noch eine zarte Spur in einem Fotoalbum zwischen Bildbänden. Zarte leicht schimmernde Patina über alten Gefühlen. Aber man darf nicht daran reiben. Dann verfliegt er, der Zauberstaub. Pusten verboten. Das lebendige Herz will heftig atmen. Vibrieren. Den Zauber des Atems der eigenen Zeit. Jetzt.
*Adjektiv glänzend vermeidend

26. Januar 2010


Gaga Nielsen, Blogger-Hexe. „Waas? Du schneidest dir die Haare selber, echt?“. Ja, echt. Nun ja, ist ja auch kein Kunststück bei so langen Zotteln, aber die kessen Stufen auf der Seite verlangen schon eine gewisse Virtuosität, keine Frage! Das hab ich mir bei meinen letzten Frisörbesuchen vor fünfzehn Jahren bei Frank Schäfer (letzter Fremdschnitt*) bzw. fünf Jahren (?) bei Udo Walz (begleitende Assistenz + Stylingberatung Freundin) abgeguckt. Na bitte. Vor allem die Service-Zeiten, sehr praktisch. Ich schneide praktisch rund um die Uhr und kriege immer sofort einen Termin.
*unbedingte Empfehlung, da ich leider keine Termine mehr frei habe!

26. Januar 2010


Einst war ich verliebt in ein Gefühl aus der Vergangenheit. Ich war unsicher, ob das Gefühl zeitlos sei, die Liebe der Erinnerung galt oder der Gegenwart. Oder nur der schimmernden* Idee, die Gegenwart mit dem Gefühl der Erinnerung zu verzaubern. So genau wollte ich es auch gar nicht wissen. Ich war für jeden Zauber bereit. Es gab gerade keinen Zauber in meiner Gegenwart. So griff ich nach der geschenkten, auf’s Neue belebten Vergangenheit, in der Hoffnung, den Zauber wiederzufinden. Ich hatte einen starken Willen, die Sache anzugehen und suchte so lange, in jedem Detail bis die Puzzleteile den alten Sinn ergaben und meine Vorstellung des erinnerten Gefühls möglichst dicht beseelten. Ich schwelgte in der scheinbar gelungenen Dramaturgie. Nur manchmal vergaß ich mich lückenlos zu erinnern und sah das Licht der Gegenwart durch den zarten milchweißen Vorhang schimmern. Ohne Verklärung. Der Zauber verflüchtigte sich dann immer ein bißchen, was ich verdrängte, ich sah dann einfach nicht so genau hin und erinnerte mich umso stärker an die ersehnte Anmut, die ich nur noch in Bruchstücken fand. Immer ein bißchen mehr, immer ein bißchen stärker musste ich mich erinnern, und irgendwann ertappte ich mich dabei. Eine Bö wehte den Schleier bei geöffnetem Fenster zur Seite und ich sah, was war. Ein Windstoß und noch einer. Bis ich merkte, es wäre zu mühevoll, immer wieder den Schleier der Vergangenheit vor das Fenster zu zerren, um die zerschlissenen, fadenscheinigen Stellen des alten Traumgewebes nicht zu sehen.
Ich hatte mich daran gewöhnt, dauernd die Erinnerung zu rufen. Die Gegenwart absichtlich zu übersehen, denn Sie passte nicht zu den übrigen Requisiten meines Stückes. Nur so funktionierte die Magie. Nach einer Weile vergaß ich, weil ich faul wurde, und es auch langsam mühselig wurde, mich dauernd an den Zauber zu erinnern und immer wieder Sternenstaub darüber zu streuen. Ich hatte keinen Sternenstaub mehr in meinem Köcher. Und erwachte. Ganz langsam. Schmerzhaft. Denn ich hatte mich nicht darum gekümmert, den Goldstaub der Gegenwart zu finden. Ich war in den Sternenstaub der Erinnerung verliebt, in mein erinnertes Gefühl, in das Licht, die Klänge und eine Silhouette, die es nicht mehr gab. In meine Jugend, die Aufbruchstimmung, obgleich sie bei Lichte besehen, farbloser war, und weniger Möglichkeiten barg, als ich mir eingestehen wollte, aber der Glaube war stark. Der Wille daran zu Glauben und sich so und nicht anders daran zu erinnern. In war verliebt in das erinnerte Leuchten. Die Hoffnung. Aber selbst in der Vergangenheit bestand das vermeintlich erinnerte Glück mehr aus Hoffnung denn Erleben. Das erinnerte Gefühl war wenig mehr als ein gehegter und gepflegter Wunsch aus der Vergangenheit.
Auf der dauernden Suche nach dem vergangenen Gefühl vergaß ich die Gegenwart. Ich wollte nichts genaues darüber wissen, denn die Vergangenheit war leichtfüßiger. Scheinbar unbelastet. Es war so leicht die Stolpersteine auf dem alten Weg zu vergessen. Doch die Gegenwart war wie ein stolzes Pferd und begehrte auf und zeigte mir seine Muskeln und wollte geritten werden. Sie war ein wilder Mustang und wollte Respekt vor dem ihr eigenen Zauber, der Anmut zu erlebender Gegenwart. Die Gegenwart wollte Gegenwärtigkeit. Das Begreifen, ehren und vergolden der gegenwärtigen Dinge. Als ich das verstand, sehr viel später, verstand ich den verlorenen Zauber. Er hatte sich auf den Weg gemacht. An einen anderen Ort. In eine andere Gegenwart, die nicht mehr meine war. Ich habe Frieden geschlossen, mit dem verlorenen Sternenstaub. Er hat seinen Platz in seiner Zeit, ist nur noch eine zarte Spur in einem Fotoalbum zwischen Bildbänden. Zarte leicht schimmernde Patina über alten Gefühlen. Aber man darf nicht daran reiben. Dann verfliegt er, der Zauberstaub. Pusten verboten. Das lebendige Herz will heftig atmen. Vibrieren. Den Zauber des Atems der eigenen Zeit. Jetzt.
*Adjektiv glänzend vermeidend

25. Januar 2010

Post aus Amerika gekriegt. Vor vier Wochen gab es einen Charlie-Chaplin-Film im Fernsehen. Den hab ich mir angeschaut. Der war sehr schön. Moderne Zeiten. Ich hab den Film nicht ganz alleine geschaut, obwohl ich alleine daheim war. Besonders gut hat mir die Stelle gefallen, wo Charlie auf der Wiese sitzt und zu dem Mädchen sagt, für ein Heim mit ihr würde er sogar arbeiten. Also so ungefähr. Arbeiten war für Charlie eine ganz schlimme Sache, weil er vorher in so einer blöden Fabrik war, wo alles ganz doof war.
Dann hab ich im Internet nach Charlie Chaplin-T-Shirts geschaut und ein schönes in Amerika gefunden. Und bestellt. In groß und kleiner. Zwei mit langen Ärmeln und eins mit kurzen. Das ist auch ganz schön groß. Hab mit Visa bezahlt, die sechzehnstellige Nummer im Internet eingetippt und mich gefreut. Vor drei Wochen kriegte ich eine Mail, dass die T-Shirts verschickt worden sind. Ich hab gewartet, aber nichts ist gekommen*. Dann dachte ich schon, vielleicht so eine Schwindelfirma, aber die wirkten so vertrauenserweckend. Na ja, blöd gelaufen.
Und heute Vormittag hab ich Post gekriegt. Eine schwarzrotbunte zugeklebte Plastiktüte. Aus Amerika. Drei schwarze T-Shirts mit Charlie Chaplin drauf waren drin. Sind sehr schön geworden. Redbubble ist doch keine Schwindelfirma. Wollte ich nur Bescheid sagen. Ich zieh die Charlie-T-Shirts mal an und mach Fotos. Charlie Chaplin ist toll. Das hört man ja immer und weiß es irgendwie, aber ich hatte bis zu diesem Tag vor Weihnachten noch nie einen ganzen Film von ihm gesehen, nur immer so Ausschnitte. Jetzt hab ich ein Charlie-T-Shirt und kann allen zeigen, dass ich Charlie-Chaplin-Fan bin.
*war rückläufiger Merkur 27. Dezember bis 15. Januar

25. Januar 2010

Post aus Amerika gekriegt. Vor vier Wochen gab es einen Charlie-Chaplin-Film im Fernsehen. Den hab ich mir angeschaut. Der war sehr schön. Moderne Zeiten. Ich hab den Film nicht ganz alleine geschaut, obwohl ich alleine daheim war. Besonders gut hat mir die Stelle gefallen, wo Charlie auf der Wiese sitzt und zu dem Mädchen sagt, für ein Heim mit ihr würde er sogar arbeiten. Also so ungefähr. Arbeiten war für Charlie eine ganz schlimme Sache, weil er vorher in so einer blöden Fabrik war, wo alles ganz doof war.
Dann hab ich im Internet nach Charlie Chaplin-T-Shirts geschaut und ein schönes in Amerika gefunden. Und bestellt. In groß und kleiner. Zwei mit langen Ärmeln und eins mit kurzen. Das ist auch ganz schön groß. Hab mit Visa bezahlt, die sechzehnstellige Nummer im Internet eingetippt und mich gefreut. Vor drei Wochen kriegte ich eine Mail, dass die T-Shirts verschickt worden sind. Ich hab gewartet, aber nichts ist gekommen*. Dann dachte ich schon, vielleicht so eine Schwindelfirma, aber die wirkten so vertrauenserweckend. Na ja, blöd gelaufen.
Und heute Vormittag hab ich Post gekriegt. Eine schwarzrotbunte zugeklebte Plastiktüte. Aus Amerika. Drei schwarze T-Shirts mit Charlie Chaplin drauf waren drin. Sind sehr schön geworden. Redbubble ist doch keine Schwindelfirma. Wollte ich nur Bescheid sagen. Ich zieh die Charlie-T-Shirts mal an und mach Fotos. Charlie Chaplin ist toll. Das hört man ja immer und weiß es irgendwie, aber ich hatte bis zu diesem Tag vor Weihnachten noch nie einen ganzen Film von ihm gesehen, nur immer so Ausschnitte. Jetzt hab ich ein Charlie-T-Shirt und kann allen zeigen, dass ich Charlie-Chaplin-Fan bin.
*war rückläufiger Merkur 27. Dezember bis 15. Januar

18. Januar 2010






Lieblingsbilder. 12. Mai 2008
. Nicht einmal das wer, das wie. So viele gute Augenblicke auf meinem Augustbalkon an diesem Nachmittag im Mai. Und gestern meinte ich gar, dass ich darunter eigentlich gar keine Bilder mehr machen will. Und je länger ich mir die Bilder ansehe, umso mehr meine ich es heute. Manchmal brauche ich länger als jeder analoge Fotograf, die Schätze bei Licht zu betrachten. Aber es hat sich gelohnt. Ich kann gar nicht sagen, ob ich die Bilder auch hochgeladen hätte, wenn unser Verhältnis so gewesen wäre, wonach die Bilder sicher für die meisten aussehen. Auf jeden Fall war unsere Vertrautheit nicht gespielt. Und mehr ist nicht zu sehen, genau genommen. Alles andere bleibt, wie so vieles, im Kopf des Zuschauers.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649

18. Januar 2010






Lieblingsbilder. 12. Mai 2008
. Nicht einmal das wer, das wie. So viele gute Augenblicke auf meinem Augustbalkon an diesem Nachmittag im Mai. Und gestern meinte ich gar, dass ich darunter eigentlich gar keine Bilder mehr machen will. Und je länger ich mir die Bilder ansehe, umso mehr meine ich es heute. Manchmal brauche ich länger als jeder analoge Fotograf, die Schätze bei Licht zu betrachten. Aber es hat sich gelohnt. Ich kann gar nicht sagen, ob ich die Bilder auch hochgeladen hätte, wenn unser Verhältnis so gewesen wäre, wonach die Bilder sicher für die meisten aussehen. Auf jeden Fall war unsere Vertrautheit nicht gespielt. Und mehr ist nicht zu sehen, genau genommen. Alles andere bleibt, wie so vieles, im Kopf des Zuschauers.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649