
Ich bringe demnächst ein Gaga Nielsen-Anziehsachen-Memory-Spiel heraus. Es gibt immer zwei Karten mit denselben Anziehsachen drauf, aber von verschiedenen Tagen und in verschiedenen Posen! Und es gibt mehrere richtige Kombinationen.

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Also zum Beispiel, könnte man zwei Karten mit demselben Tuch paaren oder zwei Karten mit derselben weißen Hose, auch wenn das Oberteil anders ist! Der kleinste gemeinsame Nenner zählt. Ich bin noch wahnsinnig unentschieden, ob ich eine Schwarz-Weiß oder Farb-Edition herausbringe. Oder beides. Oder gemixt! Ich denke am authentischsten wäre gemixt, so wie in den Bildstrecken. Jetzt muss ich natürlich noch zur Bank und meinen Business-Plan vorlegen. Sobald ich den Millionen-Kredit habe, kann die Produktion beginnen. Ich weiß nicht genau, ob das auch unter Prokrastinieren fällt, wenn man statt schlafen zu gehen, so einen Schwachsinn ins Internet schreibt, wie ich gerade. ~ Egal !

13. Oktober 2012

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Frau Nielsen im Bauarbeiter-Unterhemd. Das war auf keinen Fall ein Zustand, in dem ich die Wohnung verlassen hätte. Scheint wohl warm gewesen zu sein, am vierundzwanzigsten März. Ich glaube das Feinripp-Leibchen habe ich Mitte oder Ende der Achtziger Jahre für zwei Mark neunzig bei Woolworth in der Hauptstraße in Schöneberg gekauft. Also vor ungefähr einem Vierteljahrhundert. An den Nähten ist es schon leicht ausgefranst. Ich schreibe hier ausführlich über das blöde Hemd, als wäre es ein modisch relevantes, qualifiziertes Bekleidungsstück, aber es handelt sich wie so oft nur um reine Zeilenschinderei. Ein Blogeintrag ohne Wörter drin ist wie Promidinner ohne Prominente! Ganz toller Vergleich, spitzenmäßig. Bin nicht in Topform heute – lyrikmäßig(!).
24. Oktober 2012

Ich bringe demnächst ein Gaga Nielsen-Anziehsachen-Memory-Spiel heraus. Es gibt immer zwei Karten mit denselben Anziehsachen drauf, aber von verschiedenen Tagen und in verschiedenen Posen! Und es gibt mehrere richtige Kombinationen.

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Also zum Beispiel, könnte man zwei Karten mit demselben Tuch paaren oder zwei Karten mit derselben weißen Hose, auch wenn das Oberteil anders ist! Der kleinste gemeinsame Nenner zählt. Ich bin noch wahnsinnig unentschieden, ob ich eine Schwarz-Weiß oder Farb-Edition herausbringe. Oder beides. Oder gemixt! Ich denke am authentischsten wäre gemixt, so wie in den Bildstrecken. Jetzt muss ich natürlich noch zur Bank und meinen Business-Plan vorlegen. Sobald ich den Millionen-Kredit habe, kann die Produktion beginnen. Ich weiß nicht genau, ob das auch unter Prokrastinieren fällt, wenn man statt schlafen zu gehen, so einen Schwachsinn ins Internet schreibt, wie ich gerade. ~ Egal !

23. Oktober 2012


Eigentlich viel zu spät zum Bloggen, aber ich musste meinen Sparstrumpf noch raushängen und den kleinen, pinken Sessel dazustellen. Die schönen Koffer sind auch meine. Also gefühlt! Ich war schon lange nicht mehr auf dem Siebzehnten Juni, aber neulich, am ersten April! Zuletzt am – Moment ich muß nachgucken – am 17. Februar 2008. Heute ist allerdings der 23. Oktober 2012. Bitte lassen Sie sich nicht verwirren. Ein bißchen Verwirrung kann das Leben sehr interessant machen! Ich muss es wissen, ich kenne mich da aus. Jetzt aber fluchs in die Federn!

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23. Oktober 2012


Eigentlich viel zu spät zum Bloggen, aber ich musste meinen Sparstrumpf noch raushängen und den kleinen, pinken Sessel dazustellen. Die schönen Koffer sind auch meine. Also gefühlt! Ich war schon lange nicht mehr auf dem Siebzehnten Juni, aber neulich, am ersten April! Zuletzt am – Moment ich muß nachgucken – am 17. Februar 2008. Heute ist allerdings der 23. Oktober 2012. Bitte lassen Sie sich nicht verwirren. Ein bißchen Verwirrung kann das Leben sehr interessant machen! Ich muss es wissen, ich kenne mich da aus. Jetzt aber fluchs in die Federn!

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21. Oktober 2012
21. Oktober 2012

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Ja, meine Lieben, heute ist der erste April. Das ist kein Aprilscherz sondern die Zeitrechnung meiner kleinen Parallelwelt, wie aufmerksame Leser bereits wissen. Wie hat es doch mein Leben bereichert, nicht nur mehr in einem Zeitalter zu leben. Ein bißchen lebt man ja ohnehin auch immer in der Vergangenheit, aber selten so konsequent und lebhaft, dass man auch frische Bilder davon präsentieren könnte. Die Zeitmaschine war als Kind einer meiner absoluten Lieblingsfilme, große Angst hatte ich vor den Morlocks und die blonden Menschen der Zukunft, die „Eloi“ waren mir auch irgendwie schwer unheimlich, weil sie alle gleich ausgeschaut haben, wie Barbie und Ken und alle blond. Der Film ist aber auch dauernd gekommen, bestimmt einmal im Jahr und nie habe ich ihn verpasst. Na gut, früher hatten wir ja auch nur drei Programme. Das Erste, das Zweite und das Dritte! Später, ich war ungefähr fünfzehn, habe ich ausgetüftelt, wie ich mit einer großen Antenne, die in meinem Zimmer unter dem Dach war, anstatt auf dem Dach, bei hochdiffizieler Ausrichtung die beiden DDR-Programme empfangen konnte. Da gab es immer am Montag oder Dienstag schicke französische Spielfilme oder sogar eine Reihe mit Filmen von Ingmar Bergman. Vorher habe ich manchmal noch die Nachrichten mitgekriegt, man wollte ja den Anfang vom Film nicht verpassen. Der Empfang war nie so richtig einwandfrei, immer ein bißchen verrauscht und unberechenbar, man fühlte sich ein bißchen, als wäre das Fernsehen gerade erst erfunden worden und noch in den Kinderschuhen, wie kurz nach dem Krieg. Also dem zweiten Weltkrieg meine ich. Ich hatte den ausrangierten, alten großen Schwarzweiß-Fernseher von meinem Opa, der hatte noch ein Holzgehäuse und einen Programmknopf wie bei einer Waschmschine. Ich überlege gerade, warum ich nicht „Oma und Opa“ schreibe. Hm. Die Oma war da schon eine Weile tot, deswegen denke ich beim Fernsehschauen mit dem alten Kasten mehr an den Opa. Die Fernsehzeitung hat immer auf dem Wohnzimmertisch gelegen, man war immer auf dem Laufenden. Gong! Mein Opa hat immer den Gong gekauft, meine Eltern die Hörzu. Ich habe beide gelesen und war topinformiert. Nicht so wie heute, wo ich nicht mehr durchblicke. Aber inzwischen bin ich Profi in Sachen Mediatheken im Internet gucken! Ich schaue öfter Sachen auf Vox, aber nie wenn sie gerade kommen, sondern immer als Konserve. Oder auch manchmal RTL. Kommt ganz drauf an! Ich habe manchmal so Phasen, wo mich eine Reihe eine Weile interessiert, und dann von heute auf morgen gar nicht mehr! Das war zum Beispiel bei „Mieten Kaufen Wohnen“, da habe ich über einen Zeitraum von ein paar Wochen jeden Tag alles geguckt, man könnte sagen, mit wissenschaftlichem Anspruch! Ich habe sehr viel über Wohnlagen in Deutschland und zeitgemäße Badezimmerausstattung etc. pp. gelernt. Nun ist das Studium beendet und ich habe meinen Maklerschein in der Tasche! Na gut, das ist jetzt ein bißchen gelogen, aber ich könnte bestimmt in den ersten fünf Minuten einer Wohnungspräsentation profimäßig so tun, als ob. Was ich nie verstanden habe, war der ewig gleiche blöde Spruch zum begehbaren Kleiderschrank. „Der Traum einer jeden Frau!“ Papperlapapp! Mein Traum überhaupt nicht! Unter keinen Umständen möchte ich einen begehbaren Kleiderschrank, also sprich eine Kammer, in der die Klamotten offen herumhängen. Staubfänger par excellence! Ein Fest für die Kleidermotte! Ohne mich! Außerdem sieht mir das viel zu unaufgeräumt aus. Vor eine Kleiderstange gehört eine Schranktür, die den Staub abhält. Aber das ist natürlich nur meine ganz persönliche Meinung, jeder nach seiner Façon! Jedem Tierchen sein Pläsierchen! Apropos Kleiderschrank: aktuell befinde ich mich in den letzten Studiensemestern des Bachelor-Fernstudiums zur Shopping-Queen. Es handelt sich um einen stark verkürzten Studiengang unter der Leitung von Professor Guido Kretschmer. Leider bin ich mit dem Curriculum nicht ganz zufrieden. Die Praktikumsphasen, die vorsehen, dass man sich mit dem Inhalt des Kleiderschranks der Anwärterinnen beschäftigt, langweilen mich doch sehr stark und ich muss den Schieber dann immer ganz schnell nach rechts weiter schieben. Im Grunde widme ich mich diesem Orchideenstudium auch nur wegen der erkenntnisreichen Einlassungen von Professor Kretschmer, alles dazwischen kann man praktisch ersatzlos streichen. Na gut, man muss punktuell schon wissen, worauf sich die fachlichen Analysen von ihm beziehen und das Anschauungsmaterial zumindest querlesen. Aber wie gesagt, ich denke, ich bin in den letzten Zügen und dann muss ich mir wieder einen neuen Studiengang suchen. Lebenslanges Lernen! Da kommt praktisch keiner drum herum!
21. Oktober 2012

In aller Herrgottsfrüh. Und der Kran von David Chipperfield. Ich weiß nicht, warum ich so früh aufgestanden bin. Aber vielleicht bin ich auch nur kurz aus dem Bett geschlüpft und war nur mal kurz auf dem Klo und da habe die blaue Stunde im Küchenfenster entdeckt und mir fix die Kamera geschnappt und dann gleich wieder zurück ins warme Bett. Ja, ich glaube, genauso war es. Ganz bestimmt. Es war nämlich ein Sonntag. Der erste April 2012 war ein Sonntag.

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21. Oktober 2012
20. Oktober 2012

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„Im Kino gewesen. Metropolis gesehen. Die restaurierte Fassung wie bei der Premiere 1927. Alle waren mucksmäuschenstill. Hundertfünfzig Minuten lang. Das war toll. Bei „Ende.“ nach dem letzten Titel „Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“, nachdem sich der Arbeiterrebell und der Herr von Metropolis die Hand gereicht haben, haben alle vor Freude und Begeisterung geklatscht. Und das, obwohl der Regisseur und die Hauptdarsteller nicht anwesend waren! Super. In Metropolis kann man genau sehen, dass Fritz Lang Skype erfunden hat. Der Herr von Metropolis hat nämlich Skype, wenn er telefoniert. Ich habe kein Skype, weil ich nicht so gerne telefoniere. Und auch nicht Leute dabei angucken will. Und auch nicht beim nicht wirklich gesehen werden angeguckt werden will. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt muss ich schlafen gehen.“
Ja, stimmt, genau. So war das! Manchmal schreibe ich sogar gleich einen Blogeintrag, wenn ich sehr begeistert bin, oder wenn mich etwas sehr beschäftigt. Nur die Fotos kommen halt immer etwas später, aber das ist nicht schlimm oder? Für mich ist es fast schon, als ob ich in einem alten Poesiealbum blättere, irgendwie interessanter als das, was gerade eben war. Man könnte denken, ich war vor zehn Jahren im Kino, dabei ist es gerade mal knapp sieben Monate her. Dem Eintrag von oben habe ich nichts hinzuzufügen, außer eben die nachgelieferten Bildchen. Ich weiß noch, dass ich mir die Kinokarte von meinem kleinen Taschengeld zusammengespart habe. Wenn ich Taschengeld schreibe, wirkt das, als ob ich ein dreizehnjähriger Backfisch bin, merke ich gerade. Ein preisgünstiger Jungbrunnen, auch für das schmale Portemonnaie! Einfach mal ein bißchen schreiben wie früher, wo man auch im Personalausweis jung war. Im Schülerausweis. Im Kinderpass! Okay, ich übertreibe. Das ist nun einmal mein Naturell. Übertreibung ist ein immanenter Charakterbestandteil von Gaga Nielsen, genetisch programmiert! Fritz Lang hat aber auch ganz schön übertrieben! Metropolis ist der beste Beweis dafür – und – hat man es ihm zum Vorwurf gemacht? Ich meine: Nein! Fritz Lang und ich sind praktisch heimliche Zwillinge. So etwas fühlt man einfach, da erübrigt sich der Vaterschaftstest. Heute ist übrigens nicht der 31. März Zweitausendzwölf, sondern der 20. Oktober, nur falls ich Sie jetzt ein wenig durcheinandergebracht habe, mit meinem Blogeintrag. Nicht, dass Sie mir noch schizophren werden! Ich weiß ja selber schon manchmal nicht mehr, ob es jetzt auf den Winter zugeht oder auf den Frühling, wie in meinen humpelnden Fotostrecken. Irgendwie freue ich mich schon darauf, wenn endlich der Frühling kommt, also so richtig, dass man mal ohne Jacke aus dem Haus gehen kann, bald ist es so weit, morgen ist schon der erste April! Also hier, bei mir, in der einzigartigen Zeitschleife, der phantastischen Parallelwelt des ersten deutschen Zeitlupe-Blogs!
20. Oktober 2012
it’s just a kiss away, it’s just a kiss away

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20. Oktober 2012

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„Im Kino gewesen. Metropolis gesehen. Die restaurierte Fassung wie bei der Premiere 1927. Alle waren mucksmäuschenstill. Hundertfünfzig Minuten lang. Das war toll. Bei „Ende.“ nach dem letzten Titel „Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“, nachdem sich der Arbeiterrebell und der Herr von Metropolis die Hand gereicht haben, haben alle vor Freude und Begeisterung geklatscht. Und das, obwohl der Regisseur und die Hauptdarsteller nicht anwesend waren! Super. In Metropolis kann man genau sehen, dass Fritz Lang Skype erfunden hat. Der Herr von Metropolis hat nämlich Skype, wenn er telefoniert. Ich habe kein Skype, weil ich nicht so gerne telefoniere. Und auch nicht Leute dabei angucken will. Und auch nicht beim nicht wirklich gesehen werden angeguckt werden will. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt muss ich schlafen gehen.“
Ja, stimmt, genau. So war das! Manchmal schreibe ich sogar gleich einen Blogeintrag, wenn ich sehr begeistert bin, oder wenn mich etwas sehr beschäftigt. Nur die Fotos kommen halt immer etwas später, aber das ist nicht schlimm oder? Für mich ist es fast schon, als ob ich in einem alten Poesiealbum blättere, irgendwie interessanter als das, was gerade eben war. Man könnte denken, ich war vor zehn Jahren im Kino, dabei ist es gerade mal knapp sieben Monate her. Dem Eintrag von oben habe ich nichts hinzuzufügen, außer eben die nachgelieferten Bildchen. Ich weiß noch, dass ich mir die Kinokarte von meinem kleinen Taschengeld zusammengespart habe. Wenn ich Taschengeld schreibe, wirkt das, als ob ich ein dreizehnjähriger Backfisch bin, merke ich gerade. Ein preisgünstiger Jungbrunnen, auch für das schmale Portemonnaie! Einfach mal ein bißchen schreiben wie früher, wo man auch im Personalausweis jung war. Im Schülerausweis. Im Kinderpass! Okay, ich übertreibe. Das ist nun einmal mein Naturell. Übertreibung ist ein immanenter Charakterbestandteil von Gaga Nielsen, genetisch programmiert! Fritz Lang hat aber auch ganz schön übertrieben! Metropolis ist der beste Beweis dafür – und – hat man es ihm zum Vorwurf gemacht? Ich meine: Nein! Fritz Lang und ich sind praktisch heimliche Zwillinge. So etwas fühlt man einfach, da erübrigt sich der Vaterschaftstest. Heute ist übrigens nicht der 31. März Zweitausendzwölf, sondern der 20. Oktober, nur falls ich Sie jetzt ein wenig durcheinandergebracht habe, mit meinem Blogeintrag. Nicht, dass Sie mir noch schizophren werden! Ich weiß ja selber schon manchmal nicht mehr, ob es jetzt auf den Winter zugeht oder auf den Frühling, wie in meinen humpelnden Fotostrecken. Irgendwie freue ich mich schon darauf, wenn endlich der Frühling kommt, also so richtig, dass man mal ohne Jacke aus dem Haus gehen kann, bald ist es so weit, morgen ist schon der erste April! Also hier, bei mir, in der einzigartigen Zeitschleife, der phantastischen Parallelwelt des ersten deutschen Zeitlupe-Blogs!
20. Oktober 2012
it’s just a kiss away, it’s just a kiss away

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19. Oktober 2012
Muss gerade an Weimar denken, an eine seltsame Nacht. In einem Hotel. Irgendwas mit „… Hof“ Russischer Hof oder Petersburger Hof. Lange her. Eine kalte Silvesternacht. Schnee lag auch glaube ich. Aber unter der Bettdecke war es warm. Man könnte sogar sagen heiß. Ich glaube, ich komme drauf, weil ich bei den Bildern an Schiller und Goethe denken muss. Am ehesten identifiziere ich mich mit Schiller, aber nicht mit den zugehörigen Frauen. Eine ästhetische Identifikation. Ich wäre ein attraktiver Mann gewesen, lieber ein Mann als eine Frau in dieser Zeit. Ja, so ein rebellischer Hofpoet mit wilder Mähne und flatterndem Hemd. Aber auch sehr entschieden. Wie ich eben heute auch bin! Entscheidungsschwierigkeiten sind mir fremd. Ein klares Ja oder Nein geht ganz schnell bei mir. Es kommt mir sogar vor, als wäre diese dumme Mieterhöhung das erste Mal in meinem Leben, dass ich hin- und hergerissen bin. Zwischen Unterschrift und einfach friedlich hinnehmen oder Widerspruch, der mit Arbeit und Argumentation und Hin und Her verbunden ist. Ich schiebe es immer noch vor mir, aber das soll nicht das Thema sein, in meinem kleinen Eintrag. Wenn nur nicht dieses blöde Zustimmungsritual dazugehören würde, dann wäre es einfacher. Ach, egal jetzt, heute Abend. Meine Probleme möchte ich haben. Wie heißt es doch so schön: „Manche haben für jede Lösung ein passendes Problem“.

Interessant zu beobachten, wie ein erreichter, erarbeiteter guter Status für viele recht bald gewöhnlich wird, so gewöhnlich, so normal, dass die Sehnsucht nach Abwechslung überhand nimmt. Wahrscheinlich braucht man immer etwas zum Erhoffen und Ersehenen, um sich lebendig zu fühlen. Ein Ziel, das noch nicht erreicht ist, gibt den Blick auf einen Weg frei, auf Zukunft und unbekannte Erlebnisse, neue Begegnungen und Erfahrungen. Wenn man aber am Ende des Weges ist, an einem bestimmten Punkt und noch Lebenskraft und Übermut und Erfahrungshunger da sind, kann man nicht davon zehren, sich am Ziel umzudrehen und stolz auf den zurückgelegten Weg zu blicken. Obwohl er genauso lang oder kurz ist, wie von der anderen Seite. Aber am Anfang weiß man noch nicht, wie er sich anfühlt. Am Ende kennt man alles und kann sich hier und da sentimental erinnern, aber das ist nicht abendfüllend. Außer vielleicht, man ist sehr alt und die Kräfte verabschieden sich, so dass man bereits den Übergang in eine jenseitige Existenz ersehnt, als Erlösung und auch wegen der Abwechslung. Aber das ist auch ein Blick in die Weite, zum Horizont eines unbekannten Landes. Mir fällt gerade auf, dass ich nicht gerne mit Menschen zusammen bin, die zu ausgiebig von Vergangenem schwärmen, es langweilt mich und ich empfinde es als Missachtung der – zumindest für mich – offensichtlich hohen Qualität der Gegenwart. Wie kann man einer Zeit hinterherwinseln, in der man nur halb so viel wusste, einem Lebensalter, in dem man so ahnungslos war. Das einzige was vielleicht besser war, war das ständige Empfinden von Neuem, das gebe ich zu, diese Aufregung der Jugend über Alles und Jegliches. Was es alles auszuloten gab.

Die Freude an Experimenten mit Substanzen und Provokation. Das lässt sich nicht wiederholen, der Effekt nutzt sich ab. Man kann nicht zweimal mit derselben Handlung auf eine Art provozieren oder an Grenzen gehen, dass es auch beim zweiten Mal eine aufregende Erfahrung garantiert. Wenn ich in Keith Richards Buch lese, muss ich manchmal daran denken, wie das wohl jemand wahrnehmen mag, dem diese Welten von Grenzerfahrungen anhand von Drogenexperimenten unbekannt sind, oder diese besondere Welt, dieses Universum, in dem sich Rockmusiker bewegen. Wahrscheinlich findet jemand ohne eigenen Zugang zu dieser Welt das ganze Buch langweilig und irrelevant. Ich mag das allerdings sehr, kleine Details über den Augenblick zu erfahren, die Situation, aus der in einem Hotelzimmer an einem verregneten Tag Gimme Shelter mit einem Riff begann, als Mick und Anita Pallenberg Performance drehten und Keith alleine auf seinem Zimmer blieb, in einer seltsamen Stimmung, irgendwie diffus, er konnte nicht wissen, dass die beiden miteinander rummachen würden. Anita war ja mit ihm, Keith, zusammen, aber die Badezimmerszene war eine reizvolle Angelegenheit, keine sterilen Dreharbeiten. Na ja und so weiter. Es liest sich irgendwie familiär. Vielleicht ist mir diese Welt in Fleisch und Blut, weil die Musik mich seit meiner Jugend so sehr begleitet hat, mein Bruder war ein großer Keith Richards-Fan. Ich glaube nicht mal, dass er wusste, warum alle seine Gitarren nur fünf Seiten haben. Er erklärt das alles ganz genau und ich lese alles ganz genau, als hätte ich Ahnung von Gitarren. Beinah absurd. Schon seltsam, wie viel Zeit ich mit Männern verbracht habe, für die eine Gitarre die zweite Geliebte war, manchmal auch die Erste. Immer an ihrer Seite, immer da, wenn man sie braucht, anschmiegsam, tröstend auch. Tatsächlich, mein Leben ist von Männern mit einem Zimmer voller Gitarren, Verstärkern, Kabeln und Mikrofonen gesäumt, wenn ich so zurückschaue. Wenn ich nach vorne schaue, bin ich wie im Nebel. Ein heller, lichter Nebel zwar, aber vermutlich kein Bühnennebel. Mit Typen mit Hang zu Nebelmaschinen hatte ich aber ohnehin nie etwas zu tun. Jetzt fange ich aber langsam an mich zu verfransen. Ich höre mal auf für heute. Ist sicher besser so.
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18. Oktober 2012
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Fast hätte ich geschrieben, ein ereignisloser Tag. Unfug. So etwas gibt es doch gar nicht. Gestern allerdings sind prägnantere Dinge geschehen. Zum Beispiel habe ich mir ein zartes Scheibchen vom rechten Mittelfinger abgehobelt, mit dem Gemüsehobel. Ich wollte die Karotte möglichst schnell kleinkriegen und bin etwas zu temporeich und grobmotorisch vorgegangen. Der Mittelfinger, die Mohrrübe haltend, so leicht abgewinkelt, einmal nicht an der Klinge vorbeigeschrammt. Oberhalb, da wo das Nagelbett aufhört. Das blutet irrsinnig an der Stelle, wenn ein ungefähr ein Quadratzentimeter großes Stückchen Haut mit ein bißchen Fleisch fehlt. Aber weh getan hat es gar nicht, komisch. Ob das Adrenalin so schnell ins Hirn schießt, bei so einer brutalen Verletzung? Schnell ins Bad und vierlagiges Klopapier gefaltet, mehrfach um den Finger gewickelt und fixiert. Damit das Blut möglichst viele Schichten zum Aufsaugen hat und das Ganze in Ruhe trocknen kann. Dann vor dem Schlafengehen, als es gut durchgetrocknet schien, mit der Nagelschere das überflüssige Klopapier wegoperiert, immer vorsichtig an der verkrusteten Wunde entlang. Sieht heute schon wieder erstaunlich gut aus. Heute Vormittag bis Nachmitag noch mit schützendem Pflaster, öfter mal geguckt, ob die Zellstoff-Schicht noch mit der Wunde verklebt ist und dann nach leichter Ablösung entfernt. Da muss immer Luft ran.

Sieht jetzt mehr so aus wie nach einer ziemlich großen Brandblase, kein Blut mehr zu sehen, nur der Klebstoff vom Körper. Ich kann schon wieder sehr gut tippen. War gestern etwas schwierig, mit dem dicken Verband, als ich über das Propellermädchen schrieb, aber es musste raus! Niemals würde ich ein Foto von so einer ekligen Verletzung machen. Das war ja vor ein paar Jahren bei ein paar Bloggern in Mode, ihre lädierten Stellen zu präsentieren. Wahrscheinlich sollte das mutig oder gewagt wirken. Auf mich wirkte es nur abstoßend und gleichzeitig langweilig. Worin die Attraktion liegen soll, mit heillosen Zuständen zu kokettieren, will sich mir nicht erschließen. Ah, schon Mitternacht, muss schlafen gehen, weil morgen früher als sonst raus. Ach so Ereignisse – diverse Arbeit, viel geredet, konstruktive Überlegungen, private Gespräche und weniger private Gespräche.

Später ewig bei Edeka nach einem Produkt für neunundsiebzig Cent gesucht, weil ich unbedingt wollte, dass nach meinem Einkauf mit Karte und allen Abzügen des Monats ein bestimmter glatter Kontostand dasteht. Das Spielchen treibe ich öfter. Wenn ich morgen einen Auszug holen würde, wäre nach der Abbuchung eine Zahl mit drei Nullen am Ende. Die erste Zahl bleibt mein Geheimnis! Ich habe eine Tafel Milka Vollmilch mit ganzen Nüssen gekauft, die kostet genau so viel. Ich hätte auch Sarotti nehmen können oder Schogetten, aber Milka war mir geschmacklich am angenehmsten in Erinnerung, habe ich seit Jahren nicht mehr gegessen, die Vorliebe ist mir irgendwie abhanden gekommen. Aber ich war sehr enttäuscht von der veränderten Verpackung. Das ist jetzt so eine Kunsstofffolie, wie bei Ritter Sport schon länger.

Als Kind und Mädchen, eigentlich bis zu meinem ungefähr fünfundreißigsten Lebensjahr war meine Lieblingsschokolade Milka Noisette und Vollmilch Nuss. Ich habe es geliebt, das lila Papier aufzuklappen und dann vorsichtig das Silberpapier am Rand zu entfalten, ich habe die Tafel nie brutal aufgerissen, sondern immer sorgsam ausgepackt und dann wieder zugeklappt. Es sei denn, ich habe die ganze Tafel auf einmal gegessen. Das mache ich heute nicht mehr. Ich habe gelernt, mir Schokolade einzuteilen! Der Geschmack ist aber noch wie früher. Ich habe vorhin eine Rippe gegessen und mit einem Täfelchen, so einem Minitäfelchen 80-prozentige Schokolade von Moser Roth kombiniert, also so sandwichmäßig. Das gibt der Milchschokolade den entsprechenden, von Hause aus fehlenden Charakter, es hat mir gut geschmeckt. Ach ja, und Voice of Germany geguckt. Ich kenne eine Frau, die war neulich, im August, bei einer Blind Audition-Aufzeichnung in Adlershof. Sie hat von den umständlichen Sicherheitsvorkehrungen berichtet, dass man praktisch alles abgeben muss und das Studio vergleichsweise winzig ist, im Gegensatz zum Eindruck im Fernsehen. Das Publikum hört den Gesang nur relativ leise, ziemlich dürftige Qualität, nur die Coaches, also Nena, Naidoo, Boss Hoss und Dingens, ach wie heißt er noch, der Engländer eben, die hören alles exzellent, durch die Ohrstöpsel, die sie drin haben. Die Begeisterung vom Publikum beruht also eher auf der Anheizerei durch diverse Profianimateure.

Wobei bei den größten Talenten schon auch mal ein echter Funke überspringt. Und Talent ist da ja immer reichlich vertreten, kann man nicht meckern. Aber richtig interessant wird es erst durch den Zusammenschnitt. Also sie würde nicht noch mal hingehen, auch weil man auf dem Trockenen sitzt, nichts zu trinken, dauernd still sein, na ja, ziemlich anstrengend wohl. Vor dem Fernseher ist es wohl nicht nur tausendmal interessanter, sondern auch komfortabler. Auch mal schön zu hören, dass live dabei sein nicht immer unbedingt das Nonplusultra ist. Morgen kommt ja schon der zweite Teil der zweiten Staffel. Ist ja alles immer schön in den Mediatheken heutzutage. Die Show von vorhin bestimmt auch schon. Hab keine Lust, den Link zu suchen, aber hat sich gelohnt zu gucken. Vor allem die Frau aus dem Ruhrpott war lustig, die im Krankenhaus einen Job hat, wo sie Handtücher verteilt und so weiter. Die hat unsere Nena so richtig zum Lachen gebracht, das war fein. Ich habe auch sehr gelacht, schon am Anfang wo sie sich als jemanden aus dem „normalen Mittelstand“ bezeichnet hat, der sich auch mal ruhig was trauen kann. So, genug Ereignis für heute.

17. Oktober 2012



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Heute in der S-Bahn eine junge Frau, ein Mädchen, vierzehn? Fünfzehn? Sechzehn? Älter? Kann ich kaum genauer sagen. Ein Gesicht mit asiatischer Herkunft, karamellbraune Haut, dunkle seidige Haare, schulterlange, glatte Haare mit einem langen, ganz exakt gerade geschnittenen Pony, so exakt und glatt wie bei einer Perücke. Faszinierend. Sie hatte Grübchen und sah neugierig aus und genau genommen so unfassbar hübsch, wie sich jemand nur das liebreizendste Puppengesicht ausdenken könnte. Ich musste hinschauen, am liebsten wollte ich sie ununterbrochen anstarren, ich war ganz verliebt. Sie lächelte die ganze Zeit über sehr feinsinnig aber auch wie jemand, der zu Streichen aufgelegt ist. Dann aber doch auch wieder so artig, wie ein putziges Kind, das man sofort adoptieren möchte. Ich verstand kein Wort von dem, was sie zu dem Mädchen, der jungen Frau neben ihr sagte, die auch exotische Gesichtszüge hatte. Ich dachte erst an eine asiatische Sprache, ich kann ja keine, kenne nur den unterschiedlichen Klang. Sie war zu weit weg, als dass ich es genauer einordnen hätte können. Später, als sie ausstieg, sah ich, dass sie zu einer ganzen Gruppe gehörte, die dann ganz nah an mir vorbeiging. Sie stiegen am Hauptbahnhof aus. Ich erkannte aus der Nähe, dass es niederländisch war. Ist aber nicht wichtig. Viel wichtiger ist, dass ich endlich beschreibe, was die Zuckerpuppe angehabt hat. Das war nämlich das Unfassbarste, was ich seit langem gesehen habe. Also ich denke, sie war schon Ende der Pubertät, die anderen Mädchen sahen auch ungefähr wie sechzehn, siebzehn aus. Aber sie hatte sich angezogen wie eine kleine freche Puppe, die man einem fünfjährigen Mädchen gerne in den Arm drücken würde. So gerne hätte ich sie fotografiert. Niemals hätte ich mich getraut. Nicht in der S-Bahn. Ich hatte auch keine Kamera dabei. Also um nun endlich auf den Punkt zu kommen: sie hatte allen Ernstes eine Schleife im Haar, hinter dem Pony gebunden – und so auf der Seite – ich war völlig aufgelöst vor Entzücken, einen Propeller. Also ich meine: sie hatte eine große Schleife wie Daisy Duck, wie ein Geschenk, aus einem roten Stoffband mit weißen Tupfen um den Kopf gebunden und auf der Seite einen Propeller, wie eine Puppe in der Schießbude auf dem Jahrmarkt und dazu dieses wundervolle Puppengesicht mit den Grübchen. Um den Hals hatte sie einen dunkelroten Schal und ihre Jacke sah aus wie ein kamelfarbener Dufflecoat, der sich beim Aufstehen als Jacke entpuppte. Der kleine Jackenmantel hatte eine ähnliche Farbe wie ihre Haut und der Stoff sah sehr gut aus, eine ganz feine Wolle, vielleicht sogar Kaschmir. Auf ihrem Schoß lag eine Tasche mit Leoparden-Teddyfell, kleingemustert, die sich später als Rucksack entpuppte, den sie sich beim Aussteigen umschnallte. Ich glaube, sie hatte eine dunkelblaue oder schwarze Hose an, die Schuhe kann ich nicht mehr erinnern. Aber ihr freundliches Lächeln und die Grübchen. Und die Propellerschleife. Sie sah überhaupt kein bißchen albern damit aus. Am Rand der Schleife war sogar eine kleine gehäkelte Spitzenborte, und wenn man sich das jetzt alles zusammen vorstellt, muss man denken, das passt doch überhaupt nicht zusammen, so eine sommerliche hellrote-Tupfen-Propeller-Schleife auf dem Kopf und so ein herbstlich elegantes Dufflecoat-Jäckchen. Aber es war eines der schönsten Outfits, das ich seit langem gesehen habe. Aber nur an ihr. Und nur wegen ihr. Und wegen dem Propeller. Unvergesslich.
16. Oktober 2012

Einer der schönsten Songs von Silly in der zweiten Besetzung mit der erstklassigen Anna, Erinnert. Fiel mir nur gerade wieder auf, weil er zufällig lief, als ich überlegte, welche der Bilder ich aus der Strecke nehme, hier für den Blogeintrag. Ich komm zu mir, du hast mich an mich erinnert, ich und ich waren einander schon so fremd. Ich danke dir, du hast mich an mich erinnert. (Silly, Text: Werner Kama)

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15. Oktober 2012
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Bilder vom 26. März, verrauscht, unscharf. Ich entschuldige mich dafür. Ich war sehr auf dem Sprung, aber die halbe Minute wollte ich mir nehmen. Ich sollte öfter Schleifen umbinden. Als junges Mädchen und auch als junge Frau hätte mich niemand dazu gebracht. Aber inzwischen bin ich groß und gerissen genug, um mir eine Schleife im Geist von Buster Keaton umzubinden. Auf die Haltung kommt es an. Auf die innere Haltung und auf die äußere, die ja am Ende nur die sichtbare Fortsetzung der inneren Bewegungen und Posen ist. Im allerbesten Fall gibt es keinen Jägerzaun oder Stacheldraht zwischen dem Innen und dem Außen eines Menschen. Der größte Kampf im Leben ist wahrscheinlich, die inneren Motivationen, Ziele und Begehrlichkeiten in Einklang mit den sonstigen Anforderungen der Welt zu bringen. Es gibt nur wenige Menschen, die von Kindesbeinen an mit tänzerischer Leichtigkeit und heiterer Gewissheit ihr größtes und freudebringendstes Talent ungehindert entfalten und zu einer lukrativen Profession entwickeln. Die meisten müssen schmerzhaft nachsitzen, kämpfen, sich durchbeißen, ihre Qualität beweisen. Aber es ist nie zu spät, das eigene Talent zu fördern. Am schönsten ist es freilich, wenn einem andere diese Ermutigung geben. Rückenwind gibt sehr viel Kraft. Wie auch immer ich darauf jetzt gerade kommen mag, es sollte hier wohl geschrieben stehen.

14. Oktober 2012
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Ja wirklich. Das war auch der 25. März. Plötzlich ist die Sonne hervorgebrochen, freigelassen aus ihrer langen, sibirischen Gefangenschaft. Am Vormittag noch graue Winterwolken und gegen Mittag ist der Himmel aufgerissen, ich habe den blöden Poncho weggeschmissen, über die Lehne der kleinen gepolsterten Bank im Flur und das große, gestreifte Badetuch geholt. Das Fenster der Gaube weit auf, und den Sonnenfleck angebetet. Der Balkon war noch im Winterschlaf und musste sich erst rekeln und frisch machen, der war noch nicht so weit wie ich. Wie man sich nach der Sonne sehnt. Man hat es fast schon wieder vergessen, wie es war, die Sonne zu spüren, direkt auf der Haut, ungefiltert, nicht als ob man in seiner Jacke unter einem blöden Heizpilz steht.


14. Oktober 2012
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Ich gucke ein bißchen fotomüde am 25. März 2012. War ich auch. Ich dachte, so bist du doch neulich schon dagesessen, mit deinem Poncho und der Kamera. Wie lange soll das gehen, worin liegt demnächst noch der Reiz? Das ging mir so durch den Kopf, und natürlich auch später immer wieder einmal, wenn man die Wiederholung erkennt, die déjà vus kommen und später das déjà vu beim déjà vu. Ich habe es trotzdem bis heute weiter durchgezogen. Mir ging es ja weniger um die Klamotten, das war nur eine Nebenerscheinung, die ich mit der Zeit als Spiel gesehen habe. Ich wollte und will jeden Tag in Kontakt mit mir kommen, mir in die Augen schauen, bis dankbare Wertschätzung kommt, durch eine zusätzliche Selbstwahrnehmung von Außen, und sie ist jeden Tag eingetreten. Ich konnte die Kamera zufrieden ausmachen, mit dem Gefühl, ich bin mir näher gekommen und weiß wieder wer ich bin und dass es gut ist, wie ich bin. Ich gesund bin und es mir gut geht in diesem Augenblick, ich an einem guten Platz in der Welt bin und Grund habe dankbar zu sein und die Welt anzulächeln, wenigstens innerlich. Es war ein Sonntag glaube ich, es gibt keine Indizien, dass Gaga Nielsen das Haus verlassen hat. Später gab es unerwartete Sonne und das erste richtige Sonnenbad in diesem Jahr. Gibt auch noch Fotos. Aber angefangen hat der Tag kalt und wolkig. Heute, am 14. Oktober 2012 scheint in Berlin die Sonne. Ich gehe gleich zur offenen Balkontür und setze mich im Schneidersitz auf dem Boden in die Sonne und trinke meinen zweiten Kaffee. Auf dem Balkon ist es mir ein bißchen zu kalt, aber im großen Sonnenfleck an der Balkontür ist es ganz warm.
14. Oktober 2012
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Ich gucke ein bißchen fotomüde am 25. März 2012. War ich auch. Ich dachte, so bist du doch neulich schon dagesessen, mit deinem Poncho und der Kamera. Wie lange soll das gehen, worin liegt demnächst noch der Reiz? Das ging mir so durch den Kopf, und natürlich auch später immer wieder einmal, wenn man die Wiederholung erkennt, die déjà vus kommen und später das déjà vu beim déjà vu. Ich habe es trotzdem bis heute weiter durchgezogen. Mir ging es ja weniger um die Klamotten, das war nur eine Nebenerscheinung, die ich mit der Zeit als Spiel gesehen habe. Ich wollte und will jeden Tag in Kontakt mit mir kommen, mir in die Augen schauen, bis dankbare Wertschätzung kommt, durch eine zusätzliche Selbstwahrnehmung von Außen, und sie ist jeden Tag eingetreten. Ich konnte die Kamera zufrieden ausmachen, mit dem Gefühl, ich bin mir näher gekommen und weiß wieder wer ich bin und dass es gut ist, wie ich bin. Ich gesund bin und es mir gut geht in diesem Augenblick, ich an einem guten Platz in der Welt bin und Grund habe dankbar zu sein und die Welt anzulächeln, wenigstens innerlich. Es war ein Sonntag glaube ich, es gibt keine Indizien, dass Gaga Nielsen das Haus verlassen hat. Später gab es unerwartete Sonne und das erste richtige Sonnenbad in diesem Jahr. Gibt auch noch Fotos. Aber angefangen hat der Tag kalt und wolkig. Heute, am 14. Oktober 2012 scheint in Berlin die Sonne. Ich gehe gleich zur offenen Balkontür und setze mich im Schneidersitz auf dem Boden in die Sonne und trinke meinen zweiten Kaffee. Auf dem Balkon ist es mir ein bißchen zu kalt, aber im großen Sonnenfleck an der Balkontür ist es ganz warm.
13. Oktober 2012
Gucke gerade die Vox-Spiegel-Doku „Internetstars – die schnelle Karriere im Netz„. Ist wohl nur noch heute kostenlos abrufbar. U. a. mit Sascha Lobo und vielen Anderen! Mit lauter mir unbekannten „You Tube-Stars“ etc. pp.! Schon toll, was es so gibt. Die Kids rühren mich ja immer, wenn sie sich nach den Hausaufgaben am Wochenende zum Filmchenmachen treffen. Halt wie die Großen!
13. Oktober 2012

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Frau Nielsen im Bauarbeiter-Unterhemd. Das war auf keinen Fall ein Zustand, in dem ich die Wohnung verlassen hätte. Scheint wohl warm gewesen zu sein, am vierundzwanzigsten März. Ich glaube das Feinripp-Leibchen habe ich Mitte oder Ende der Achtziger Jahre für zwei Mark neunzig bei Woolworth in der Hauptstraße in Schöneberg gekauft. Also vor ungefähr einem Vierteljahrhundert. An den Nähten ist es schon leicht ausgefranst. Ich schreibe hier ausführlich über das blöde Hemd, als wäre es ein modisch relevantes, qualifiziertes Bekleidungsstück, aber es handelt sich wie so oft nur um reine Zeilenschinderei. Ein Blogeintrag ohne Wörter drin ist wie Promidinner ohne Prominente! Ganz toller Vergleich, spitzenmäßig. Bin nicht in Topform heute – lyrikmäßig(!).
13. Oktober 2012
Gucke gerade die Vox-Spiegel-Doku „Internetstars – die schnelle Karriere im Netz„. Ist wohl nur noch heute kostenlos abrufbar. U. a. mit Sascha Lobo und vielen Anderen! Mit lauter mir unbekannten „You Tube-Stars“ etc. pp.! Schon toll, was es so gibt. Die Kids rühren mich ja immer, wenn sie sich nach den Hausaufgaben am Wochenende zum Filmchenmachen treffen. Halt wie die Großen!
13. Oktober 2012

23. März 2012
Ask not, what Berlin can do for you,
but ask, what you can do for Berlin.
John F. Berliner Kennedy
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13. Oktober 2012

23. März 2012
Ask not, what Berlin can do for you,
but ask, what you can do for Berlin.
John F. Berliner Kennedy
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13. Oktober 2012
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War ganz früh, es war noch dunkel, weiß ich noch. 22. März 2012.

12. Oktober 2012


21. März 2012
Jetzt ist es so weit, die Rollkragenpullover sind wieder griffbereit. Man sieht nur noch am Titel der Fotostrecken und der Dateibenennung, dass die Bilder nicht von heute sind. Die Haare vorne sind ein bißchen länger, ich hatte die Schere eine Weile nicht in der Hand. Ich habe eine kleine Friseurschere, irgendwann bei Amazon bestellt. Ich weiß nicht genau, ob im März noch Spuren von externer Haarfarbe in den Spitzen waren. Vielleicht. Oder auch nicht. Guido Westerwelle ist sichtbar älter geworden oder besser gereift, sehe ich gerade in der ZDF-Mediathek. Er wirkt grüblerischer, weniger selbstzufrieden. Aber so genau weiß ich es nicht, ich beobachte ihn nicht ernsthaft genug, um mir ein Urteil erlauben zu können. Es ist immer sehr billig, plakative Statements über jemanden zu machen, den man nicht im Entferntesten kennt.
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11. Oktober 2012

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20. März 2012
Um 17.07 Uhr hat es an der Tür geklingelt. Der Inhaber der Immobilienverwertungsgesellschaft mit seiner brünetten Tochter als Assistentin. Als erstes haben Sie nach dem Guten Tag-Sagen wie selbstverständlich so Plastik-Füßlinge ausgepackt und angezogen, um keine Fußspuren mit den Straßenschuhen zu hinterlassen. Das wirkte schon mal sehr rücksichtsvoll. Herr – – hab den Namen vergessen, steht aber auf dem Brief zur Terminvereinbarung, wirkte sehr sympathisch und hat einfach mit seiner Tochter das ihm schon bekannte Exposé abgeglichen, was die Ausstattung und die Art der Fliesen angeht usw. Als er in dem Zimmer war, aus dem ich immer blogge, also meinem Wohnzimmer, wo man auf den Dom gucken kann, ist er zum Fenster gegangen und hat etwas verständnislos zu ihr angemerkt „Hier hätte man doch unbedingt bodentiefe Fenster einbauen sollen, oder? Dann hätte man den Ausblick auch, wenn man da sitzt“ deutet dabei mit dem Kopf zu dem Platz mit den marrokanischen Bodenkissen und meinem Notebook, meiner kleinen Bloggerinsel. Sie waren tatsächlich angenehm in ihrer Behutsamtkeit, ich habe mich nicht belästigt gefühlt. Ins Schlafzimmer haben sie sich gar nicht hineingetraut, nur durchgeguckt, durch den gerafften Sari. Die Tochter hat gemeint „oh, das ist aber sehr gemütlich!“. „Sie können ruhig genauer gucken“ habe ich sie ermutigt, aber sie hat sich nicht getraut. Sehr wohlerzogene Tochter, hübsch dazu. Dann hat er noch ein bißchen erzählt, was sich bislang so an möglichen Kaufinteressenten abzeichnet, noch nichts Konkretes, nur vage. Zum Beispiel gäbe es einen Interessenten aus Köln, der nach einem Objekt sucht, das als Ferienwohnung für gelegentliche Berlin-Besuche genutzt werden könnte. „Aber das wird eng, dann in sieben Jahren, mit der Beanspruchung des Mieteigentums, mit der Argumentation, oder?“ „Ja, das wird allerdings schwierig.“ Letzendlich sieht es wohl so aus, dass sich am ehesten reine Investoren dafür interessieren werden, alles andere ist relativ unwahrscheinlich. Wer für Eigenbedarf sucht, hat keine Lust sieben Jahre darauf zu warten, bis die Frist abgelaufen ist. Höchstens irgendwann für die Kinder, die später etwas brauchen, allerdings ist das ja streng genommen auch Perlen vor die Säue, investitionstechnisch, ein kostspieliges Objekt in Mitte zu erwerben, in dem die Kinder dann mietfrei ihr Studentenleben genießen. Da kommt ja nun nicht viel dabei rum. Mit mir ist ein Vermieter am Besten bedient, das kann man drehen, wie man will.
11. Oktober 2012
10. Oktober 2012

Meine Arbeitskleidung. Beim Bloggen. Wenn man Bloggen als Arbeit betrachten könnte. Ich würde sagen, ich habe zu neunundneunzig Prozent beim Bloggen dieses langärmlige schwarze XXL-Charlie-Chaplin-Shirt an und eine Hose aus Nickistoff, die vor ungefähr zweihundert Wäschen mal schwarz war, inzwischen kann ich den Farbton nicht mehr einwandfrei benennen. Ein leicht lila-stichiges Braun-Anthrazit. Egal, sieht ja keiner! Das T-Shirt habe ich mal im Internet in Amerika bestellt und es kriegt schon Löcher. Eins habe ich schon gestopft aber nicht so richtig gut, ich musste noch mal nacharbeiten und man sieht es sofort. Ein Glück, dass ich keinen Bedarf sehe, das Teil unter Leuten anzuziehen oder gar in der Öffentlichkeit. Die Silhouette ist schon recht indifferent, in so einem überdimensionierten Schlaffi-Shirt. Ich bin ja nicht schwanger, ein bißchen Kontur soll schon zu erkennen sein. Je mehr desto besser! Das wirkt dynamischer. In Klamotten, die voluminös einfach nach unten hängen, wirkt man schnell ein bißchen träge und unbeweglich. Was ich nicht bin! Ich habe einen Hang zu Bewegungsabläufen, wie man es eher von Haustieren kennt. Also Hund und Katze oder Hamster. Ich liege daheim viel herum, Sitzen eher selten, wenn ich aber wohin muss, bin ich pfeilschnell und kann ein ziemliches Tempo entwickeln. Wenn ich dann da bin, kommt wieder eine ausgiebige Ruhephase, die Kräfte für den nächsten lebensnotwendigen Bewegungsablauf wollen gesammelt werden. Mir scheint das recht ökonomisch, es funktioniert ganz nach Gefühl, je nach dem, was ansteht. Wenn einkaufen gegangen werden muss, konzentriere ich alle Kraft auf dieses olympische Ziel. Wenn ich dann erst die schweren Einkaufstüten in den Händen habe, bin ich kurz vor der Zielgeraden! Daheim angekommen, werden die Tüten erst auf den Küchentisch gepackt, die Milchprodukte und verderblicheren Sachen schnell in den Kühlschrank, das andere muss warten. Sogleich folgt wieder eine ausgiebige Ruhephase in halber Liegeposition. Aber nicht im Bett! Nickerchen mache ich nicht so oft. Mit Liegeposition meine ich so auf meinen Bodenkissen, an die Wand gelehnt, mit ausgestreckten Beinen im Internet herumgurken. Um nicht zu sagen: gammeln! Dabei kann man auch schön essen, das geht alles ganz natürlich ineinander über. Wenn ich dann genug im Internet war und mich gestärkt habe, räume ich den Rest in den Kühlschrank und das Obst in die Schälchen und so weiter. Am Abend ist die Küche bei mir immer ordentlich aufgeräumt, das ist morgens einfach ein besseres Gefühl, in eine saubere Küche zu kommen und gleich mit dem Kaffeekochen loszulegen. Jetzt ist es schon wieder bald halbzwölf, ich werde noch etwas essen. Ich esse immer sehr spät, meistens esse ich zweimal zu Abend, das erste mal so gegen Sieben und das zweite mal so gegen Mitternacht. Danach schlafe ich wie ein Bär. Frühstück brauche ich dann aber auch lange nicht, weil das scheinbar recht lang vorhält, wenn ich so spät noch esse. Deswegen gibt es nach dem Aufstehen nur viel Kaffee. Auf jeden Fall muss ich dann aber gegen Mittag wieder etwas essen, dann habe ich Hunger. Oft esse ich nach Hauptmahlzeiten ein bißchen zeitversetzt, so nach Lust und Laune, ungefähr eine Stunde später Nachtisch. Manchmal auch noch mal zwischen dem ersten und zweiten Abendessen. Gerne mag ich sahnige Quarkspeisen mit weißen Weintrauben und auch schöne Äpfel nebenher. Und ein Stückchen Schokolade zusammen mit heißem Espresso oder einem Schluck Obstbrand! Das verbindet sich dann sehr interessant im Mund. In letzter Zeit, also seit Sarkozy seine Wahlschlappe hatte, trinke ich ja wieder Alkohol, und wie früher, ist es beim Wein ein möglichst gar nicht fruchtiger Bordeaux mit viel Tannin. Wie froh ich bin, dass ich mein Alkoholproblem überwunden habe. Also das Problem, zu meinen, ich würde eine Sünde begehen, wenn ich Alkoholgift in meinen Körper lasse, nach eineinhalb Jahren Abstinenz. Aber ich habe es schlau gemacht: ich habe ganz klein, mit wenigen Schlucken wieder angefangen und langsam gesteigert und trinke nur noch maximal ein bis eineinhalb Gläser, na gut, selten auch mal eindreiviertel, aber nicht mehr. Dann ist es auch in der Früh nach dem Aufstehen wie in der Zeit, wo ich gar nicht getrunken habe. Gar nicht zu merken, kein Kater! Jetzt habe ich aber viel geschrieben und ausgeplaudert. Ich mache mal eine Büchse Ölsardinen auf und schnipple ein bißchen Grünzeug drüber und Cashews! Mein Körper besteht zu ungefähr fünfundzwanzig Prozent aus gerösteten Cashewkernen. Andere Nüsse kaufe ich gar nicht mehr. Schade eigentlich. Nur Erdnüsse sind für mich total uninteressant, die akzeptiere ich eigentlich nur in Snickers. Andere Nüsse esse ich zur Zeit eigentlich nur in Darbietungsform von dem Müsli, das ich immer kaufe, wo ein paar Mandeln drin sind. Aber Schokolade mit gerösteten Haselnüssen ist auch sehr toll. Ich hätte gerne eine ganz dunkle, cremige Bitterschokolade mit gerösteten Haselnüssen drin. Das muss super schmecken. Und geröstete Mandeln muss ich auch mal wieder kaufen. So, genug jetzt, ich muss zu meiner Sardinenbüchse, mit Haut und Gräten!
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10. Oktober 2012

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WO BERLIN DRAUF STEHT, IST BERLIN DRIN

KRAFT MEINER WASSERSUPPE.
Soll ich was dazu schreiben, für meine kleinen Leser-Voyeure? Heute glaube ich eher nicht, ich fange an zu faseln, am Ende werde ich ausfallend, das passt auf keinen Fall zu meiner Vorbildfunktion als Bundespräsidentin. Aber ohne jeden Zweifel macht es sich gut, wenn ein paar Wörter unter den Bildern stehen. Unter den Brücken stehen. Unter den Brücken schlafen gehen.
09. Oktober 2012

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Nach dem langen Winter stehen wieder die Tische und Stühle draußen. Von der Marienstraße bin ich in die Albrechtstraße gebogen. Am Ende liegt der Schiffbauerdamm. Und die Treppe nach oben zur S-Bahn-Friedrichstraße. Gegenüber vom Vaporetto. Nur eine Haltestelle werde ich fahren. Könnte man auch noch laufen, aber nein, für heute ist es genug. Schön, wie weit die Türen überall aufstehen. Und das bunte Obst an dem hohen Tisch vom Machivaelli, als wäre der Frühling oder gar der Frühsommer schon näher, als nur vor der Tür. Gastronomen sind so fleißige Leute. Ich bin sehr von diesem Berufsstand beeindruckt. Ach was, maßlos beeindruckt. Rund um die Uhr wird gearbeitet, erst spät in der Nacht ins Bett, ein kurzer Schlaf, ein dreifacher Espresso, ein Butterhörnchen, eine kleine Zigarette und wieder Einkaufen zum Wohl des Gastes, in die nächste Runde. Die Gastronomie ist das Herz einer Stadt. Ganz unverzichtbar. Heute bin ich wieder gut für goldene Binsenweisheiten. Ich mag die Albrechtstraße unheimlich gerne. Und den Schiffbauerdamm. Ich sollte Heimatlieder schreiben. Aber das können andere besser. Ich fotografiere Heimatlieder – das muss es auch geben. Irgendein Talent hat jeder.

08. Oktober 2012
Um wieder die Kurve zum gepflegten Schwarzweiß zu kriegen. Das ist meine liebste Strecke von diesem siebzehnten März. Erinnern Sie sich? Ich bin vor meinem Kleiderschrank losgezogen, zum Kapelle-Ufer, Kronprinzenbrücke, Spreebogen, Haus der Bundespressekonferenz, Parlament der Bäume, die S-Bahn-Bögen in der Margarete-Steffin-Straße entlang, links in die Luisenstraße gebogen und dann rechts in die Marienstraße. Es ist eine längere Bilderstrecke, einfach nur die Straße entlang, eine Straße in Mitte.
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Zwischen Luisenstraße und Albrechtstraße, Nachmittagssonne, vorbei an ein paar Galerien und der Boese Buben Bar, wo auch wirklich böse Buben sitzen. Man reibt sich die Augen. Auch weil das Licht so schön ist, auf dem Asphalt und durch die gestreifte Markise vom Mini-Markt. Und Frauen mit Anmut und Sonnenbrille entlanglaufen. Ich meine nicht mich. In dieser Strecke sind nur wenige Bilder mit mir, aber ich finde sie eine der schönsten. Weil es sich so sehr wie Entlanglaufen anfühlt, wenn man die Bilder anschaut. Nehmen Sie sich ein paar Minuten für die Marienstraße.



07. Oktober 2012


Ja also, ich hätte da dann mal wieder etwas vorbereitet! Ein schickes Fotoset mit zweieinhalb Motiven auf fünfundzwanzig Fotos verteilt, wenn Sie mal schauen möchten. Von der Margarete-Steffin-Straße kommend, bin ich in die Luisenstraße gebogen, wo auf der Ecke das neue Haus mit der aparten grau-weißen Zebrastreifen-Fassade steht. In google-streetview ist das Haus noch nicht drauf, da sieht man nur die Baustelle, also echt neu! Dann durch die S-Bahn-Brücke durch, dann sieht man links das beliebte Künstlerhotel Luise und gegenüber, auf der Ecke, wo es in die Marienstraße geht, die Dings Origami- äh – Mori Ogai-Gedenkstätte mit den ebenfalls sehr aparten japanischen Schriftzeichen an der Wand. Ich könnte jetzt natürlich so tun, als ob ich wüsste, wer Mori Ogai war und worin seine Verdienste bestehen, aber das wäre aalglatt gelogen und lügen soll man nicht! Ich hab auch schon mal gegoogelt, habe es mir aber nicht gemerkt. Aber immerhin, dass es der Name von einem Mann ist und nicht der Name von einem Restaurant! Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich beim Vorbeifahren mit der S-Bahn immer gedacht, dass wäre ein schickes neues, besonders edles Sushi-Restaurant. Also nicht nur Sushi, sondern echte japanische Spezialitäten und bestimmt sauteuer! Wo man reservieren muss und alles mit Leinenservietten serviert kriegt. Mittags treffen sich dort die schicken Geschäftsleute aus den umliegenden Büros und Anwaltskanzleien. Die Männer in grauen Halbleinen-Anzügen mit weißen Hemden. Also nicht so New Media, sondern gesettelter, beinah konservativ. Und nun ist es eine Gedenkstätte. Muss ich meine Phantasie wieder umprogrammieren, das wilde kleine Ding.
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07. Oktober 2012

Berlin gibt’s auch in bunt. Quietschbunt. Spielzeugbunt! Ich habe mich beim Parlament der Bäume einmal umgedreht und die S-Bahn-Schienen gesehen. Da, wo ich sonst immer genau andersrum gucke. Knallrote Baustellencontainer, neue bunte Häuschen, aber schönes Bunt! Und ein knallroter Zug. Und knallblauer Himmel. Und ich mitten drin in der Spielzeuglandschaft.

Das musste ich natürlich gleich für die Ewigkeit festhalten. Dabei eine neue Straße gelernt. „Margarete-Steffin-Straße“. Die gibt’s noch nicht so lange glaube ich, nie davon gehört. Immer nur aus der S-Bahn draufgeguckt. Die geht so an den S-Bahn-Bögen entlang, bis zur Luisenstraße. Also ich kann auch bunte Fotos, sogar superbunte Fotos. Um nicht zu sagen: ich kann SUPER bunte Fotos!! Ich glaube, SUPER ist mein Lieblingswort!!!!! Einfach super.
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06. Oktober 2012

Ben Wagins Parlament der Bäume.

Sieht man auch aus der S-Bahn, macht sich seine Gedanken. Vielleicht, dass es irgendeine bekritzelte Mauer ist, gibt es ja oft. Aber es ist das Parlament der Bäume. Ich bin Ben Wagin einmal flüchtig begegnet, in einer Galerie in Charlottenburg, mit Jan. Er kennt ihn ganz gut. Ben Wagin ist ein Urgestein unter den Aktionskünstlern. Was er macht, bleibt. Auch an einem Ort, der so ein Filetstück ist, nah dem Schiffbauerdamm, zwischen Bundespressekonferenz und Elisabeth-Lüders-Haus. Für solche Orte liebe ich Berlin. Für weit mehr als geduldete Brüche. Genau zwischen den staatstragenden Gebäuden müssen die Totenköpfe stehen und die toten Soldaten liegen. Daneben eine Baustelle. Immer weiter machen. Immer wieder anfangen. Immer wieder neu.
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06. Oktober 2012


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Dass das Gebäude der Bundespressekonferenz einen schönen Mondrianbeat hat, muss man nicht extra schreiben. Ich erfreue mich immer daran, wenn ich mit der S-Bahn zwischen Friedrichstr. und Berliner Hauptbahnhof daran vorbeirausche. [und gratuliere.]
05. Oktober 2012
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Spreebogen. Der siebzehnte März war vielleicht der erste Tag, an dem man, ohne Risiko zu spielen, ohne Schal vor die Tür konnte. Die Luft muss sehr mild gewesen sein. Ich habe mir zum ersten Mal das Elisabeth-Lüders-Haus aus der Nähe angeschaut, ohne hineinzugehen. Wie in einer Spielzeuglandschaft fahren die Ausflugsboote daran vorbei. Eigentlich müssten Playmobil-Männchen mit schwarzgelackten Prinz-Eisenherz-Frisuren drinsitzen. Keine blonden deutschen Touristen-Püppchen. So kleine Pärchen mit dunklem Pagenkopf. Japaner vielleicht – ja genau, Japaner könnten die Playmobil-Männchen spielen. Ich wäre bestimmt eine super Casting Direktorin geworden. Mir fällt eigentlich bei jedem, der mir entgegenkommt, die passende Filmrolle ein. Neulich habe ich durch die Scheibe von einem Fenster einen korpulenten Mann in einem Büro telefonieren sehen. Gegenüber von seinem Schreibtisch, der Richtung Fenster stand, war noch ein Schreibtisch mit einer jungen Frau. Ich glaube sie hatte einen blonden Pferdeschwanz und eine hochgeschlossene adrette Bluse an. Der Mann telefonierte und drehte sich dabei auf seinem Stuhl so ein bißchen nach Gutsherrenart hin und her. Er hätte sich eine Zigarre anstecken müssen, hat er aber nicht gemacht, was ich sehr schade fand. Es hätte ein original Fünfziger Jahre-Film mit Hans-Joachim Kuhlenkampff und Lilo Pulver sein können. Also nicht in dern Rollen von dem Mann und der Frau in dem Büro, sondern in weiteren Hauptrollen. Jedenfalls war der Dicke mit dem Telefon der Chef oder ein kleiner Abteilungseiter und die Blondine seine Stenotypistin. Also in meiner Phantasie. Sie hätte irgendwann das Diktat aufnehmen müssen und würde heimlich für den Sohn von ihrem komischen Chef schwärmen, was sie auch artig bei der Stange hält, den öden Job weiter zu machen, abgesehen vom kleinen Gehalt natürlich. Sie wäre ein bißchen rebellisch, innerlich, aber traut sich noch nicht so damit nach außen, weil sie ja in den Fünfziger Jahren gefangen ist. Sie tut mir ein bißchen leid. Bestimmt kriegt der alte Mann mit dem Telefon bald einen Herzinfarkt. Dann ist es vorbei mit „Fräulein Müller, bitte zum Diktat“. Dann hat es sich ausgemüllert! Wenn der Alte dann tot ist, kommt heraus, dass sein Sohn gar nicht sein leiblicher Sohn war, sondern von einem heimlichen Geliebten seiner Witwe stammt, ihrer großen Liebe. Er schaut ihm auch gar nicht ähnlich, das hat sich Fräulein Müller schon immer gedacht, dass es doch komisch ist, dass so ein unangenehmer, etwas grobschlächtiger Mann so einen zartfühlend und kultiviert wirkenden Sohn hat. Aber nun ist das Rätsel gelöst und die blöden Fünfziger Jahre sind auch endlich vorbei. Die Sixties stehen vor der Tür und Fräulein Müller darf jetzt Hippie werden und ihr Haar lösen und die blöde gestärkte Bluse ausziehen und wilde Musik hören. Schon super, wie sich die Zeiten so ändern. Ein Glück. Fräulein Müller weiß noch gar nicht, dass jetzt immer alles noch besser werden wird, aber sie hat schon so ein Gefühl. Fräulein Müller ist zum Tanzen aufgelegt. Wenn das so weiter geht, müssen die Siebziger ja ein Knaller werden und erst die Achtziger. Das entzieht sich der Vorstellungskraft von Fräulein Müller, dafür muss sie wahrscheinlich erst mal ein paar Drogen und LSD ausprobieren. Ich glaube, ich höre jetzt auf, Fräulein Müller durch die Jahrzehnte zu jagen. Wenn sie wüsste, dass es am Ende des Jahrhunderts sogar Internet gibt, wird ihr schwindlig. Und das möchte ich natürlich nicht. Außerdem muss ich wie üblich immer noch völlig oldschoolmäßig schlafen, das wurde trotz der abgespacten Evolution hier leider immer noch nicht geregelt. Scheiße, 02:27 Uhr!!! – aber dafür wissen Sie jetzt beinah alles über Fräulein Müller.
05. Oktober 2012
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Spreebogen. Der siebzehnte März war vielleicht der erste Tag, an dem man, ohne Risiko zu spielen, ohne Schal vor die Tür konnte. Die Luft muss sehr mild gewesen sein. Ich habe mir zum ersten Mal das Elisabeth-Lüders-Haus aus der Nähe angeschaut, ohne hineinzugehen. Wie in einer Spielzeuglandschaft fahren die Ausflugsboote daran vorbei. Eigentlich müssten Playmobil-Männchen mit schwarzgelackten Prinz-Eisenherz-Frisuren drinsitzen. Keine blonden deutschen Touristen-Püppchen. So kleine Pärchen mit dunklem Pagenkopf. Japaner vielleicht – ja genau, Japaner könnten die Playmobil-Männchen spielen. Ich wäre bestimmt eine super Casting Direktorin geworden. Mir fällt eigentlich bei jedem, der mir entgegenkommt, die passende Filmrolle ein. Neulich habe ich durch die Scheibe von einem Fenster einen korpulenten Mann in einem Büro telefonieren sehen. Gegenüber von seinem Schreibtisch, der Richtung Fenster stand, war noch ein Schreibtisch mit einer jungen Frau. Ich glaube sie hatte einen blonden Pferdeschwanz und eine hochgeschlossene adrette Bluse an. Der Mann telefonierte und drehte sich dabei auf seinem Stuhl so ein bißchen nach Gutsherrenart hin und her. Er hätte sich eine Zigarre anstecken müssen, hat er aber nicht gemacht, was ich sehr schade fand. Es hätte ein original Fünfziger Jahre-Film mit Hans-Joachim Kuhlenkampff und Lilo Pulver sein können. Also nicht in dern Rollen von dem Mann und der Frau in dem Büro, sondern in weiteren Hauptrollen. Jedenfalls war der Dicke mit dem Telefon der Chef oder ein kleiner Abteilungseiter und die Blondine seine Stenotypistin. Also in meiner Phantasie. Sie hätte irgendwann das Diktat aufnehmen müssen und würde heimlich für den Sohn von ihrem komischen Chef schwärmen, was sie auch artig bei der Stange hält, den öden Job weiter zu machen, abgesehen vom kleinen Gehalt natürlich. Sie wäre ein bißchen rebellisch, innerlich, aber traut sich noch nicht so damit nach außen, weil sie ja in den Fünfziger Jahren gefangen ist. Sie tut mir ein bißchen leid. Bestimmt kriegt der alte Mann mit dem Telefon bald einen Herzinfarkt. Dann ist es vorbei mit „Fräulein Müller, bitte zum Diktat“. Dann hat es sich ausgemüllert! Wenn der Alte dann tot ist, kommt heraus, dass sein Sohn gar nicht sein leiblicher Sohn war, sondern von einem heimlichen Geliebten seiner Witwe stammt, ihrer großen Liebe. Er schaut ihm auch gar nicht ähnlich, das hat sich Fräulein Müller schon immer gedacht, dass es doch komisch ist, dass so ein unangenehmer, etwas grobschlächtiger Mann so einen zartfühlend und kultiviert wirkenden Sohn hat. Aber nun ist das Rätsel gelöst und die blöden Fünfziger Jahre sind auch endlich vorbei. Die Sixties stehen vor der Tür und Fräulein Müller darf jetzt Hippie werden und ihr Haar lösen und die blöde gestärkte Bluse ausziehen und wilde Musik hören. Schon super, wie sich die Zeiten so ändern. Ein Glück. Fräulein Müller weiß noch gar nicht, dass jetzt immer alles noch besser werden wird, aber sie hat schon so ein Gefühl. Fräulein Müller ist zum Tanzen aufgelegt. Wenn das so weiter geht, müssen die Siebziger ja ein Knaller werden und erst die Achtziger. Das entzieht sich der Vorstellungskraft von Fräulein Müller, dafür muss sie wahrscheinlich erst mal ein paar Drogen und LSD ausprobieren. Ich glaube, ich höre jetzt auf, Fräulein Müller durch die Jahrzehnte zu jagen. Wenn sie wüsste, dass es am Ende des Jahrhunderts sogar Internet gibt, wird ihr schwindlig. Und das möchte ich natürlich nicht. Außerdem muss ich wie üblich immer noch völlig oldschoolmäßig schlafen, das wurde trotz der abgespacten Evolution hier leider immer noch nicht geregelt. Scheiße, 02:27 Uhr!!! – aber dafür wissen Sie jetzt beinah alles über Fräulein Müller.
03. Oktober 2012
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Alles meins.
Doch doch. Ich kann das notfalls auch beweisen. Wie man sieht, habe ich auch kein Problem damit, dass andere Menschen sich hier aufhalten. Im Gegenteil, das wirkt punktuell sehr dekorativ und belebt das Bild. Zum Beispiel Pärchen, die spazieren gehen. Die junge Frau im knappen Ringelshirt, die verträumt auf der Brücke steht und in die Ferne guckt. Das ist alles ganz in meinem Sinn. Was wäre Berlin ohne die Berliner. Ich wäre sehr traurig, wenn ich ganz alleine hier wäre und keine privaten Unterhaltungen von eingeborenen Berlinern in der S-Bahn mehr belauschen könnte. Wenn die Berliner nicht mehr berlinern würden, müsste ich auf die Barrikaden gehen. Ich würde umgehend eine E-Petition auf der Seite vom Bundestag einstellen, dass alle Schulkinder künftig zweisprachig erzogen werden müssen. Berlinern und Hochdeutsch. Aber zum Glück gibt es im Moment keinen Handlungsbedarf. Alles im grünen Bereich. Aber ab und zu muss ich natürlich nach dem Rechten sehen. Über meinen gestrigen Ausflug mit Hin- und Rückflug nach Dings möchte ich eigentlich heute nichts weiter schreiben. Außer dass ich nach dem Heimkommen dermaßen müde war, dass ich gleich ins Bett gekippt bin, zack, weg war ich.

Und ich bin schon kurz nach Neun wieder zurückgewesen. Fotos habe ich gestern fast gar keine gemacht. Schon nach der Arie vor dem Kleiderschrank hat der Akku zu blinken angefangen und die Kamera hat sich ausgeschaltet. Erfahrungsgemäß berappeln sich die Akkubatterien nach einer Weile wieder und geben noch zwei bis fünf Fotos her, manchmal auch mehr. Ich hätte zwar noch Zeit gehabt, meine anderen geladenen Akkus mitzunehmen, aber ich war schlichtweg zu faul zum Suchen und so wichtig war es auch nicht. Unterwegs habe ich es dann geschafft, noch drei Bilder an einer U-Bahn-Haltestelle zu machen, ich hatte gerade mal zwei Minuten Zeit. Zwei davon habe ich wieder weggeschmissen. Später beim Warten auf den Rückflug hätte ich gerne noch eins gemacht, da war ein interessanter Hintergrund in der Abfertigungshalle, aber es gab keinen Saft mehr, finitio. Beim Take off und den ersten Minuten vom Hinflug war schönes gleißendes Sonnenlicht auf der Tragfläche, als ich aus dem Fenster geguckt habe. Aber die Kamera war oben im Fach, Klappe zu und neben mir war der Platz belegt. Ich wollte nicht herumturnen. Normalerweise hätte ich meine Tasche mit der Kamera unten auf dem Boden vor dem Sitz vor mir gehabt, aber ich hatte den Exit-Platz, wo man nichts auf den Boden stellen darf. Der junge Mann hatte mich beim Einchecken falsch verstanden. „Fenster oder Gang?“ „Fenster und wenn es geht, ein Platz mit Beinfreiheit, von mir aus gerne den Exit“. Bei manchen Fliegern ist vor dem Exit keine weitere Reihe sondern mehr Platz, das meinte ich eigentlich. In dem Flieger war das leider nicht der Fall. Aber es ging ja nur um eine gute Stunde in der Luft. Auf dem Rückflug war es dann aber richtig eng, alle Plätze belegt. Offensichtlich wollten mehr Menschen von da nach Berlin als andersrum. Der Bustransfer vom Flughafen zum Ort und umgekehrt kam mir auch noch so lang vor, dass mir das Ganze Herumgegurke gestern wie Schwerstarbeit erschienen ist. Die Zeit wollte nicht vergehen und ich war zu müde zum Lesen. Es gab im Flieger unter anderem den Rolling Stone umsonst, ich hab mir einen genommen. Was für langweilige Reportagen. Ein kurzes Interview mit John Cale, aus dem der Reporter rein gar nicht Erwähnenswertes herausgeholt hat. Was für ein lahmes Geschreibsel, aber durchgängig. Ein Glück, dass ich dafür nichts bezahlt habe, kostet über fünf Euro das Heft. In meinem Keith Richards-Buch hab ich erst bei der Landung kurz vor Berlin noch ein bißchen gelesen, vorher die ganze Zeit einfach zu müde, in den steifen Wartesitzen gehangen und durch die große Fensterfront in die untergehende Sonne und die Flieger geblinzelt. Das klingt poetischer als es war. Eis gegessen, so ein Eis am Stiel aus dem Automaten. Mövenpick Mandel, eigentlich wie Magnum, zwei Euro.

Ich hatte auch noch Schokolade, einen Apfel und meinen Flachmann mit Williamsbrand dabei. Im Flieger habe ich nur schwarzen Kaffee getrunken. Komisch, heute so leicht geschwollene Augen, aber nicht vom Williamsbrand, dafür war es zu wenig. Ob das was mit dem Fliegen zu tun hat? Habe mir gerade mit schwarzem Tee getränkte Tempo-Taschentücher auf die Augendeckel gelegt, während sich die Fotos von der Kronprinzenbrücke hochgeladen haben. Da war ich am 17. März 2012, um mal wieder die Kurve zur Bildstrecke zu kriegen. Meine Indianapolis-Rallye-Jacke macht sich hier ganz gut, wie ich finde. Die zwei grauen Kuppeln in Busenform über dem blauen Kasten stellen die Kindertagesstätte vom Bundestag dar. Oben in den Kuppeln sollen wohl Ruheräume für die Kids sein. Oder so. Das pikante Bauwerk hat mich schon ewig fasziniert, immer wenn ich es aus der S-Bahn gesehen habe. Ganz schön sexy, wie ich finde. Kita passt natürlich thematisch. Obwohl ich mir auch ein schönes Café drin vorstellen könnte mit einer Ausstellung von Gaga Nielsen-Fotos von der Kronprinzenbrücke und allem anderen. Heute Abend trinke ich Tee. Schwarzen Tee, keinen Alkohol. Das ist bestimmt prima für meine Augendeckel. Die ich bald zuklappe.
30. September 2012


Jetzt geht hier aber die Luzie ab! Gaga Nielsen vom Dingsbums Indianapolis Racing Team! Motorsport ist ganz mein Ding. Ich habe zwar keinen Führerschein, wie der Nicht-Ostdeutsche die Fahrerlaubnis gerne bezeichnet, aber so ein rasanter Rennwagen würde mir sicher gut stehen. Ich sehe das mehr als Accessoire, wenn Sie mich verstehen. Nichtsdestoweniger habe ich als Kind mit meinem Bruder gerne Matchbox-Autos, und auch billige ohne Markennamen, rasant durch unsere orange Plastik-Looping-Bahn gejagt. Außerdem hatten wir einen schwarz-gelben, ferngesteuerten Porsche mit Batterieantrieb und aufklappbaren Türen und allem. Autos finde ich immer dann super, wenn sie super ausschauen und gut klingen. Der Sound ist wichtig! Angenehm ist es zum Beispiel, in einem Jeep zu fahren, man sitzt so leicht erhöht, King of the Road! Ich hatte ja in den Achtzigern mal einen Liebhaber, der einen dunkelroten Jeep hatte, damit über den Kudamm zu fahren, besonders an einem schönen Sommertag oder in einer lauen Sommernacht war nicht von schlechten Eltern. Alle anderen Männer, mit denen ich zu tun hatte, hatten vergleichsweise unerwähnenswerte Autos. Viele auch gar keins. Egal. Dass ich mich gerne im Taxi herumkutschieren lasse, habe ich ja neulich schon mal erwähnt. Aber ich praktiziere es zur Zeit leider überhaupt nicht. Bei Mercedes gefällt mir dieses Stabile, diese satte, leise Brummen beim Fahren und wenn die Tür so schön schwer ins Schloss fällt. Beim Fahren ist es auch so schön abgefedert, dass man eigentlich mehr gleitet. Es wackelt nicht so wie in anderen Autos! Sage ich mal als Laie. Laiin. Laiin? Sieht ja komisch aus das Wort, so geschrieben. Einen Mercedes würde ich für mich persönlich aber nicht haben wollten, außer mit Chauffeur, wo ich dann immer hinten sitze, wie die Kanzlerin. Ich habe keinen Führerschein, weil mein Bruder das Geld, das ich dafür auf einem Sparkonto hatte, damals gerade besser brauchen konnte, das heißt, ich hab es ihm geschenkt, für eine Gesangsanlage für seine Band. Ich habe es auch nie bereut. Dann war das Geld alle und alle anderen hatten einen Führerschein nur ich nicht. Ich habe aber auch nie ein Problem damit gehabt. Ich bin noch überall hingekommen, wo ich wollte, auch nach Amerika zu den Indianern! Und wenn ich wollte, könnte ich auch zum Mond fliegen, ganz ohne Führerschein. Ich müsste es nur genug wollen! Ich fände es aber schon irgendwie auch toll und schick, wenn ich Autofahren könnte, aber eigentlich habe ich hier überhaupt keinen Bedarf, mir mitten in der Stadt ein Auto zu halten. Wie die Leute immer über die Parkplatzssuche jammern und beim Fahren fluchen. Dann die Versicherung und die Reparaturen, irgendwas ist immer! Das ist nicht schön. Aber mal so hollywoodfilmmäßig über den Küsten-Highway nach Big Sur zu düsen, das könnte mir schon gefallen. Allerdings im Leihwagen ohne Fahrpraxis im Alltag, das scheint mir etwas verantwortungslos. Ich habe auch ein bißchen Angst vor dem Autofahren im Stadtverkehr und weil mein Bruder gegen einen Baum gefahren ist. Seitdem hat er keine Verwendung mehr für die blöde Gesangsanlage. Tja. Im Himmel braucht man keine Gesangsanlage. Und auch keinen Führerschein. Er ist beim Fahren eingeschlafen, übermüdet. Davon habe ich ja schon oft erzählt. Na ja, lange her. Aber ich will ja alt werden. Das kann ich mir ja alles noch überlegen. Ich würde mir auf jeden Fall ein schwarzes Auto holen, egal ob Jeep oder Jaguar oder Ford. Ford fällt mir ein, weil es in den Siebzigern eigentlich ganz schnittige Modelle gab. Die neueren aber nicht, auf keinen Fall! Oder ’n alten Cadillac. Cadillac Eldorado! So ungefähr, grob die Richtung. Ach, ich weiß auch nicht, ich kenne mich da nicht aus, aber es müsste schon was Schnittiges sein, mit rasanter Silhouette. Oder eben ein Jeep. Obwohl außer in Schwarz könnte ich mir auch noch so einen original Armee-Jeep, in so Wüsten-Beige vorstellen. Der macht auch was her! Oder mit Tarnmuster. Oder mit Zebrastreifenmuster. Das sieht auch sehr gut aus und passt zu meiner Küche. So, mein allererster Auto-Blogeintrag. Und womöglich auch mein allerletzter!

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01. Oktober 2012
Noch fünf Minuten rebellieren. Kleine Rebellion. Kleinstrebellion. Ich wollte vernünftigerweise um Zehn schlafen gehen. Keine Lust. Lieber noch einen Schluck Bordeaux. Ich muss spätestens um Fünf aufstehen. Jetzt sind es weniger als sieben Stunden Schlaf. Zu einem Flieger ab Tegel. Wie wenig mich das Ziel interessiert. Ich war schon einmal da. Wegen einer Besprechung. Ich meine: wegen einer Besprechung, das ist doch heute nicht mehr zwingend notwendig, oder? Oder doch? Aber doch nicht dort. Ach. Ich nenne den Ort nicht, um Niemandem zu nahe zu treten. Ich war schon einmal dort, vor zehn Jahren oder so. Ich erinnere mich, wie enttäuscht ich von dem einbetonierten, berühmten Flußlauf war. Von der Abwesenheit jeglicher Weltläufigkeit, atmosphärisch. Was habe ich denn nur gedacht? Nein, ich nenne den Ort nicht. Um 6:30 Uhr vom Rosenthaler Platz bis Osloer. Dann Flughafenbus nach Tegel. Check in, Boarding, Take off. Landung um 9:15. Auf den Take off freue ich mich, egal in welches Kaff der Vogel fliegt. Ich liebe es, wenn das Flugzeug von der Landebahn abhebt. Reines Glücksgefühl. Immer. Habe ich immerhin zweimal morgen, ist doch auch schön. Ich nehme die Kamera mit und gucke, ob es doch irgendein Detail gibt, das mir wert scheint gebannt zu werden. Das war jetzt aber länger als fünf Minuten Rebellion gegen die Schlafenszeit. Hilde singt „Gibt mir Antwort“. Schönes Lied. „Wer war froh, dass es dich gab?“. Hm. Neulich am Potsdamer Platz ein Plakat, mehrere Plakate, ich weiß nicht wofür. Immer der Satz, sinngemäß, wen würden Sie küssen, wenn Sie nur noch einen einzigen Menschen küssen könnten – so ähnlich. Kluge Leser könnten vermuten, dass meine Antwort am Ende lautet mich. Am Ende ja. Ohne Vorbehalt. So ist das in der absoluten Freiheit. Freedom’s just another word for nothing left to lose. Ja, ja. Bla bla. Aber nicht nur. Das Glas ist keineswegs leer. Vorher dachte ich zwar an niemanden, den ich erotisch küssen wollte, aber mir fiel auf einmal Veruschka ein, ganz plötzlich. Weil sie ein langes, selbst bestimmtes, eigensinniges und mich ungleich inspirierendes Leben lebt. Ein Kuss des Dankes und der Zugeneigtheit. Und weil ich ihre Einsamkeit sehe und verstehe. Und dennoch – selbst gewählt. Weil alles andere Kompromiss wäre. Was aber Begegnungen nicht ausschließt. Manchmal. In seltenen Augenblicken, seltenen Jahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kompromisse in Gefühlsbelangen satt machen, Wesentliches zurückzunehmen, vom Eigensinn. Aber was weiß ich. Da kenne ich mich nicht aus. Wirklich nicht. Aber vielleicht haben nur wenige so oft so sehr geliebt wie ich. Nein, es gab keine große Liebe. Es gab viele. Mehrere. Und das waren noch nicht alle. Aber das große namenlose Sehnen ist Schnee von Gestern. Heute sehne ich mich nach mir und erlebe Erfüllung. Jeden Tag, jeden Morgen. In jeder Stunde. Patti singt „Dream of Life“. Jetzt habe ich schon eine gute Dreiviertel Stunde rebelliert. Ich lasse Patti noch aussingen und nehme noch einen Schluck Bordeaux. Und dann ab in die Falle. Ohne Rebellion. Schlaft gut, liebe Leser da draußen. Morgen verlasse ich für ein paar Stunden Berlin, nach langer Zeit. Aber vor Mitternacht bin ich zurück, wenn ich den Flieger erwische. Und das werde ich.
01. Oktober 2012
Befreiungsschlag X.
(it’s a family affair)
01. Oktober 2012

Also, ich kann mir nicht helfen, ich finde die Aufnahmen haben eine Aura von Rallye Paris-Dakar. Gut, man darf sich von dem Aufdruck „Plakate ankleben verboten!“ nicht irritieren lassen. Das kann man sich ja wegdenken und stattdessen eine riesige Wüsten-Wanderdüne vorstellen. Alleine das tiefe Saharablau des Himmels ist doch überzeugend. Meine kleine Rallye Paris-Dakar am siebzehnten März 2012 startete direkt am Berliner Hauptbahnhof, von wo aus ich kurz vor dem ersten Boxenstopp ausgiebig das Kapelle-Ufer streifte. Wenn man je hinter den Bauzaun gucken könnte, würde man echte Dünen aus märkischem Sand sehen. Eine nahezu unberührte Dünenlandschaft, wie man sie in dieser Größe im Innenstadtgebiet nur noch selten vorfindet. Schlichte Gemüter bezeichnen solche Formationen gerne schnöde als Großbaustelle, aber so nicht ich! Für mich liegt hinter dem Bauzaun quasi nordafrikanische Wüste. Weiter der Nase lang, Kluft auslüften. Noch ganz wenige Meilen zum ersten Etappenziel.
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01. Oktober 2012

Also, ich kann mir nicht helfen, ich finde die Aufnahmen haben eine Aura von Rallye Paris-Dakar. Gut, man darf sich von dem Aufdruck „Plakate ankleben verboten!“ nicht irritieren lassen. Das kann man sich ja wegdenken und stattdessen eine riesige Wüsten-Wanderdüne vorstellen. Alleine das tiefe Saharablau des Himmels ist doch überzeugend. Meine kleine Rallye Paris-Dakar am siebzehnten März 2012 startete direkt am Berliner Hauptbahnhof, von wo aus ich kurz vor dem ersten Boxenstopp ausgiebig das Kapelle-Ufer streifte. Wenn man je hinter den Bauzaun gucken könnte, würde man echte Dünen aus märkischem Sand sehen. Eine nahezu unberührte Dünenlandschaft, wie man sie in dieser Größe im Innenstadtgebiet nur noch selten vorfindet. Schlichte Gemüter bezeichnen solche Formationen gerne schnöde als Großbaustelle, aber so nicht ich! Für mich liegt hinter dem Bauzaun quasi nordafrikanische Wüste. Weiter der Nase lang, Kluft auslüften. Noch ganz wenige Meilen zum ersten Etappenziel.
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30. September 2012


Jetzt geht hier aber die Luzie ab! Gaga Nielsen vom Dingsbums Indianapolis Racing Team! Motorsport ist ganz mein Ding. Ich habe zwar keinen Führerschein, wie der Nicht-Ostdeutsche die Fahrerlaubnis gerne bezeichnet, aber so ein rasanter Rennwagen würde mir sicher gut stehen. Ich sehe das mehr als Accessoire, wenn Sie mich verstehen. Nichtsdestoweniger habe ich als Kind mit meinem Bruder gerne Matchbox-Autos, und auch billige ohne Markennamen, rasant durch unsere orange Plastik-Looping-Bahn gejagt. Außerdem hatten wir einen schwarz-gelben, ferngesteuerten Porsche mit Batterieantrieb und aufklappbaren Türen und allem. Autos finde ich immer dann super, wenn sie super ausschauen und gut klingen. Der Sound ist wichtig! Angenehm ist es zum Beispiel, in einem Jeep zu fahren, man sitzt so leicht erhöht, King of the Road! Ich hatte ja in den Achtzigern mal einen Liebhaber, der einen dunkelroten Jeep hatte, damit über den Kudamm zu fahren, besonders an einem schönen Sommertag oder in einer lauen Sommernacht war nicht von schlechten Eltern. Alle anderen Männer, mit denen ich zu tun hatte, hatten vergleichsweise unerwähnenswerte Autos. Viele auch gar keins. Egal. Dass ich mich gerne im Taxi herumkutschieren lasse, habe ich ja neulich schon mal erwähnt. Aber ich praktiziere es zur Zeit leider überhaupt nicht. Bei Mercedes gefällt mir dieses Stabile, diese satte, leise Brummen beim Fahren und wenn die Tür so schön schwer ins Schloss fällt. Beim Fahren ist es auch so schön abgefedert, dass man eigentlich mehr gleitet. Es wackelt nicht so wie in anderen Autos! Sage ich mal als Laie. Laiin. Laiin? Sieht ja komisch aus das Wort, so geschrieben. Einen Mercedes würde ich für mich persönlich aber nicht haben wollten, außer mit Chauffeur, wo ich dann immer hinten sitze, wie die Kanzlerin. Ich habe keinen Führerschein, weil mein Bruder das Geld, das ich dafür auf einem Sparkonto hatte, damals gerade besser brauchen konnte, das heißt, ich hab es ihm geschenkt, für eine Gesangsanlage für seine Band. Ich habe es auch nie bereut. Dann war das Geld alle und alle anderen hatten einen Führerschein nur ich nicht. Ich habe aber auch nie ein Problem damit gehabt. Ich bin noch überall hingekommen, wo ich wollte, auch nach Amerika zu den Indianern! Und wenn ich wollte, könnte ich auch zum Mond fliegen, ganz ohne Führerschein. Ich müsste es nur genug wollen! Ich fände es aber schon irgendwie auch toll und schick, wenn ich Autofahren könnte, aber eigentlich habe ich hier überhaupt keinen Bedarf, mir mitten in der Stadt ein Auto zu halten. Wie die Leute immer über die Parkplatzssuche jammern und beim Fahren fluchen. Dann die Versicherung und die Reparaturen, irgendwas ist immer! Das ist nicht schön. Aber mal so hollywoodfilmmäßig über den Küsten-Highway nach Big Sur zu düsen, das könnte mir schon gefallen. Allerdings im Leihwagen ohne Fahrpraxis im Alltag, das scheint mir etwas verantwortungslos. Ich habe auch ein bißchen Angst vor dem Autofahren im Stadtverkehr und weil mein Bruder gegen einen Baum gefahren ist. Seitdem hat er keine Verwendung mehr für die blöde Gesangsanlage. Tja. Im Himmel braucht man keine Gesangsanlage. Und auch keinen Führerschein. Er ist beim Fahren eingeschlafen, übermüdet. Davon habe ich ja schon oft erzählt. Na ja, lange her. Aber ich will ja alt werden. Das kann ich mir ja alles noch überlegen. Ich würde mir auf jeden Fall ein schwarzes Auto holen, egal ob Jeep oder Jaguar oder Ford. Ford fällt mir ein, weil es in den Siebzigern eigentlich ganz schnittige Modelle gab. Die neueren aber nicht, auf keinen Fall! Oder ’n alten Cadillac. Cadillac Eldorado! So ungefähr, grob die Richtung. Ach, ich weiß auch nicht, ich kenne mich da nicht aus, aber es müsste schon was Schnittiges sein, mit rasanter Silhouette. Oder eben ein Jeep. Obwohl außer in Schwarz könnte ich mir auch noch so einen original Armee-Jeep, in so Wüsten-Beige vorstellen. Der macht auch was her! Oder mit Tarnmuster. Oder mit Zebrastreifenmuster. Das sieht auch sehr gut aus und passt zu meiner Küche. So, mein allererster Auto-Blogeintrag. Und womöglich auch mein allerletzter!

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30. September 2012

Jetzt aber mal wieder Pause mit der blauen Jacke. Was ich ja sehr liebe in der kalten Wettersaison, sind Baumwoll-Rollkragenpullover. Dunkelbraun, Schwarz, Dunkelrot. Ideal! Ich fürchte, es ist bald wieder so weit. Immer den Hals warmhalten. Ich habe ja so einen Giraffenhals, der besonders viel Angriffsfläche für Auskühlung bietet, da muss man immer dagegenarbeiten. Seit einer knappen Woche wickle ich mir immer etwas um den Hals, wenn ich morgens vor die Tür muss. Alles andere wäre viel zu gefährlich!
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30. September 2012
Tempo, Tempo, Tempo! Los, Foto! Oder zwei. Oder drei. Zack zack! Kaffee noch austrinken, Fahrstuhl, Fußweg, S-Bahn, Arbeit!


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30. September 2012

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Unspektakulär, bequem, authentisch. Aber authentisch ist ja bislang alles. Im Sinne von: „Wurden die Sachen tatsächlich mehrere Stunden getragen oder nur für das Bild übergeworfen?“ Noch! Heute habe ich geschummelt, heute am 30. September 2012. Wie ich mich kenne, werde ich es einfach zugeben, wenn dereinst die Bilder von heute drankommen und feierlich gepostet werden. Ich habe ein ganz seltsames Kleidungsstück, das ich bislang nur einmal in der Umkleidekabine angehabt habe. Schwarzweiß, mit so einer Art aufgenähten schwarz-weißen Schuppen, op-art-mäßig. Ich kann es gar nicht recht beschreiben, man muss es gesehen haben. Nur die Verkäuferin hat mich bisher damit gesehen. Das habe ich heute mal übergeworfen und dann recht bald wieder ausgezogen. Jetzt sitze ich hier und blogge in meinen unendlich oft fotografierten Schlaffiklamotten mit dem langärmligen schwarzen Charlie-Chaplin-Shirt und einer verwaschenen schwarzen Baumwollhose und flauschigen Socken.
30. September 2012
Missoni Fake

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13. März 2012.
29. September 2012

Einer geht noch. Ein Tag geht noch, ein Eintrag geht noch. Die Glimmer Twins singen Wild Horses. Früher konnte ich mir nie merken, ob es Wild Horses oder White Horses heißt. Da war ich noch zu klein, um zu wissen, dass White Horses poetisch irrelevanter Kleinmädchenkram gewesen wäre, und keine Hookline für einen Stones-Song. Ich lese übrigens gerade Life von Mr. Richards. Am Anfang langatmige Herkunftserläuterungen, die man aus Biographien so kennt, wo kommen Oma, Opa, Großtante und Großonkel her, wie haben sie sich kennengelernt, wer hat in welchem Steinbruch und in welcher Wäscherei gearbeitet (gähn, schnarch), schnell quergelesen. Ab der grundlegenden Begegnung mit Mickymaus wird es dann auch für mich interessant. Was für ein Arbeitstier, der gute Keith. Musik über alles. Übrigens war Radio Luxemburg der Radiosender für den jungen Keif, nicht etwa BFBS oder gar AFN, was man gerne so denkt, auf dem Kontinent.

Also gut, noch ein Tag heute hier, der wievielte? Zwölfter März. Ein Tag von vielen, an dem mir nach einem Lieblingsteil war, meinem Leopardenjäckchen aus Baumwoll-Viskose-Gemisch. Ich weiß nicht mehr, wo es das gab. Ich weiß nur, dass ich es so oft wie nur ganz wenige andere Kleidungsstücke getragen habe, seit vielen Jahren schon. Darunter eine bordeauxrote Seidenbluse, die man glatt(!) für gebügelt halten könnte, die aber – wie bereits beschämt gebeichtet – traditionell lediglich nass zum Trocknen aufgehängt, und am spitzen Kragen und an den Manschetten ein bißchen in Form gezupft wurde. Das möchte dann schon sein. Und eine mokkabraune Schweinsvelourslederhose. Auch ein dankbares Stück. Und zuguterletzt noch mein falsches, braunes Krokodil. Bei dem untersten Foto könnte man denken, ich trage einen Amy-Winehouse-Gedenk-Lidstrich, aber das täuscht! Eine Strähne hat sich keck im Augenwinkel verfangen. Ich finde das sieht lustig aus. Ein bißchen nach Zirkus. Ich übe aber weder Salto Mortale, noch Handstand, noch Flic Flac. Bis morgen in diesem Theater.

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29. September 2012

Sonnabend, zehnter März. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich an jenem Wochenende keinen Fuß vor die Tür gesetzt habe. Auch nicht am Sonntag. Das passiert öfter, als man denkt. Ich kenne eigentlich niemanden außer mir, der das so selbstverständlich macht. Für mich ist das ganz normal und auch sehr erholsam. Wenn die Sonne scheint, kriege ich es auch so mit und ein paar Strahlen ab. Die Tage verfliegen ohnehin so schnell, schon ist ein Tag vorbei und zu tun habe ich immer, langweilig ist mir nie, wenn ich alleine daheim bin. Eigentlich langweile ich mich überhaupt nur unter Leuten in einem geschlossenen Raum. Unterwegs auf den Straßen unter Fremden gibt es kein Problem, man muss ja kein Interesse vortäuschen. Alleine an einem einsamen Ort ist immer interessant und spannend, wenn der Ort noch nicht allzu bekannt ist. Ungestört etwas Neues erkunden, gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich bin furchtbar eigenbrötlerisch. Es ist so ausgeprägt, dass ich es niemandem erklären kann, ohne Befremden zu bemerken. Auch wenn es gar nicht ausgesprochen wird. Dabei bin ich in Gesellschaft, die ich interessant finde, ganz und gar kommunikativ und verbindlich und so weiter und so fort. Für die Dauer, die ich bestimme, dann ziehe ich mich zurück. Niemand käme auf die Idee, dass ich nur ein geringfügiges Interesse an Kontakten habe. Sogar small talk beherrsche ich so überzeugend, dass man mich für leutselig halten könnte. In dem Moment, wo ich das mache, ist es auch ernst gemeint. Nur wissen die Betreffenden meistens gar nicht, dass sie in den Genuss eines seltenen Erlebnisses kommen. Wahrscheinlich liegt mir Bloggen auch deswegen so, weil ich nicht gezwungen bin, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kommunizieren oder überhaupt zu interagieren. Man zeigt nur, was man will und wann man will, wenn überhaupt. Sehr erholsam. Ich habe mich gerade angezogen, denn heute gehe ich vor die Tür. Aber nichts Spektakuläres. Nur ein bißchen Einkaufen, heute mal Richtung Heinrich-Heine-Str., weil ich in dem Dreh noch nie zum Einkaufen war. Wegen Abwechslung, Straßen entdecken.
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26. September 2012

Der achte März. Heute – nein – gestern Abend ein schönes deutsches Wort in einem Brief an mich gelesen. Ich werde gebeten, einen Termin zur Inaugenscheinnahme zu vereinbaren. Das klingt ein bißchen nach Mondscheinspaziergang. Unerwartete Poesie! Mein kleiner Adlerhorst wird begutachtet, in Augenschein genommen. Um den Zustand für das Verkaufsangebot zu beurteilen. Ich habe den elften Oktober ausgesucht. Die werden Augen machen, bei der Inaugenscheinnahme. Vor lauter Villa Kunterbunt werden sie den Zustand gar nicht begreifen können. Pippi Langstrumpf würde wahrscheinlich auf dem Kleinen Onkel durch den Flur reiten, während die Inaugenscheinnahme von statten geht, mit Herrn Nilsson auf der Schulter, der die Augenscheinnahme mit lustigen Quieklauten aus Taka-Tuka-Land begleitet. Nur fünf Minuten soll es dauern. Gaga Nielsen, Herr Nilsson, Pippi und der Kleine Onkel sind schon mächtig gespannt!
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29. September 2012

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Sieht mir aus, als wäre die Sonne ein bißchen herausgekommen, an jenem Sonntag, Mitte März 2012. Aber nur ein bißchen. Der weiche, karierte Flanellponcho hat mich warm gehalten, mein liebstes Umhängetuch zum Herumgammeln. Ich habe noch ein paar andere, mit so aztekischen Tierfiguren drauf, Lamas und Vögel, auch schön weich, aber keiner so flauschig wie der dunkelblaue aus Flanell mit dem Schottenkaro. Man kann die Ponchos auch draußen anziehen, mache ich aber nicht so oft. Hier sieht man ein bißchen was von einem von den anderen. Mal gucken, vielleicht jetzt im Herbst wieder. Famous Blue Raincoat von Leonard Cohen passt auch sehr schön zum Herbst, fällt mir gerade auf. Lief gerade zufällig, als ich diesen Blogeintrag schrieb.
29. September 2012

Sonnabend, zehnter März. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich an jenem Wochenende keinen Fuß vor die Tür gesetzt habe. Auch nicht am Sonntag. Das passiert öfter, als man denkt. Ich kenne eigentlich niemanden außer mir, der das so selbstverständlich macht. Für mich ist das ganz normal und auch sehr erholsam. Wenn die Sonne scheint, kriege ich es auch so mit und ein paar Strahlen ab. Die Tage verfliegen ohnehin so schnell, schon ist ein Tag vorbei und zu tun habe ich immer, langweilig ist mir nie, wenn ich alleine daheim bin. Eigentlich langweile ich mich überhaupt nur unter Leuten in einem geschlossenen Raum. Unterwegs auf den Straßen unter Fremden gibt es kein Problem, man muss ja kein Interesse vortäuschen. Alleine an einem einsamen Ort ist immer interessant und spannend, wenn der Ort noch nicht allzu bekannt ist. Ungestört etwas Neues erkunden, gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich bin furchtbar eigenbrötlerisch. Es ist so ausgeprägt, dass ich es niemandem erklären kann, ohne Befremden zu bemerken. Auch wenn es gar nicht ausgesprochen wird. Dabei bin ich in Gesellschaft, die ich interessant finde, ganz und gar kommunikativ und verbindlich und so weiter und so fort. Für die Dauer, die ich bestimme, dann ziehe ich mich zurück. Niemand käme auf die Idee, dass ich nur ein geringfügiges Interesse an Kontakten habe. Sogar small talk beherrsche ich so überzeugend, dass man mich für leutselig halten könnte. In dem Moment, wo ich das mache, ist es auch ernst gemeint. Nur wissen die Betreffenden meistens gar nicht, dass sie in den Genuss eines seltenen Erlebnisses kommen. Wahrscheinlich liegt mir Bloggen auch deswegen so, weil ich nicht gezwungen bin, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kommunizieren oder überhaupt zu interagieren. Man zeigt nur, was man will und wann man will, wenn überhaupt. Sehr erholsam. Ich habe mich gerade angezogen, denn heute gehe ich vor die Tür. Aber nichts Spektakuläres. Nur ein bißchen Einkaufen, heute mal Richtung Heinrich-Heine-Str., weil ich in dem Dreh noch nie zum Einkaufen war. Wegen Abwechslung, Straßen entdecken.
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26. September 2012
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Day after day. Da ist sie wieder die große Gaga Nielsen-Anziehpuppe. Erst wenn sie mich einmal angelacht hat, oder wenigstens ein kleines bißchen gelächelt, wenigstens innerlich, wird die Kamera wieder ausgeknipst, vorher nicht. Sie muss sich schon ein bißchen anstrengen! Von Nichts kommt: na, wer kennt die Antwort? Genau: Nichts. Fotomodell sein ist nun einmal eine Tätigkeit, die eine gewisse Disziplin erfordert. Gaga Nielsen hat sich für diese Teilzeit-Tätigkeit entschieden, also muss sie auch eine Mindest-Leistung erbringen. Als Lohn bekommt sie dann immer die Fotos gratis mit, die sie dann unbegrenzt in ihrem Blog herzeigen darf. Sie soll ja wohl bloggen. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll, aber wenn es ihr Freude macht, nur zu! Morgen muss sie wieder pünktlich ran. Man merkt allerdings in letzter Zeit gewisse Ermüdungserscheinungen, was die Kombinationsfreude bei ihren Anziehsachen angeht. Das könnte demnächst dazu führen, dass das Modell gewechselt werden muss. Oder die Anziehsachen. Man muss den richtigen Zeitpunkt für den Absprung oder für einen Wechsel finden. Man könnte Gaga Nielsen anbieten, dass sie nach Ablauf des Kalenderjahres selbst entscheiden kann, ob sie ein Jahr noch voll machen will, dann ginge der Quatsch noch bis Mitte Februar Dreizehn, oder man lässt es elegant auslaufen.

Immer ein bißchen weniger, bis dann eben ganz Schluss ist. Muss man dann einfach sehen! Vielleicht kommt sie ja auch von selber drauf, dass es für den Leser auf Dauer doch etwas langweilig wird, sie hat neulich schon mal so eine Bemerkung gemacht. Aber so lange sich die Bilder verkaufen, wird die Sache durchgezogen! Sie soll sich nicht so anstellen. Andere wären froh, wenn sie die Möglichkeit hätten, siehe Germany’s next Topmodel! Die Nielsen soll mal schön die Füße still halten, sonst gibt es hier ganz schnell ein neues Topmodel, so schnell kann die gar nicht gucken! In ihrer Liga ist so einiges im Angebot. An attraktiven Senior-Models mangelt es hierzulande weiß Gott nicht. Senior-Model fängt übrigens ab 35 an, falls Sie es nicht wussten. Das ist das Mindest-Alter, um sich bei der berühmten Agentur für Senior-Models zu bewerben. Gaga Nielsen arbeitet also schon seit zwölf Jahren als Senior-Model. Noch ist sie gut im Geschäft, aber auch das kann sich sehr schnell ändern. Insofern ist natürlich zu wünschen, dass sie keine Allüren entwickelt, sie muss da etwas aufpassen. Wenn man ihr begegnet, bemerkt man schon nach kürzester Zeit gewisse Greta Garbo-Marotten. „I want to be alone“ etc.pp. Nun ja. Andererseits gibt ihr dieser eigenbrötlerische Charakter auch diese gewisse Aura, die sich nicht so recht durchschauen oder deuten lässt. Wenn man mit Gaga Nielsen ein Produkt bewirbt, gilt es automatisch irgendwie als geheimnisvoll und sophisticated. Das ist natürlich unheimlich gefragt und wertet so gut wie jedes Produkt auf. Außerdem ist sie immer pünktlich am Set und gut vorbereitet.
Nun, ich denke, ich werde weiter mit ihr arbeiten. Bis auf weiteres.
26. September 2012
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Day after day. Da ist sie wieder die große Gaga Nielsen-Anziehpuppe. Erst wenn sie mich einmal angelacht hat, oder wenigstens ein kleines bißchen gelächelt, wenigstens innerlich, wird die Kamera wieder ausgeknipst, vorher nicht. Sie muss sich schon ein bißchen anstrengen! Von Nichts kommt: na, wer kennt die Antwort? Genau: Nichts. Fotomodell sein ist nun einmal eine Tätigkeit, die eine gewisse Disziplin erfordert. Gaga Nielsen hat sich für diese Teilzeit-Tätigkeit entschieden, also muss sie auch eine Mindest-Leistung erbringen. Als Lohn bekommt sie dann immer die Fotos gratis mit, die sie dann unbegrenzt in ihrem Blog herzeigen darf. Sie soll ja wohl bloggen. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll, aber wenn es ihr Freude macht, nur zu! Morgen muss sie wieder pünktlich ran. Man merkt allerdings in letzter Zeit gewisse Ermüdungserscheinungen, was die Kombinationsfreude bei ihren Anziehsachen angeht. Das könnte demnächst dazu führen, dass das Modell gewechselt werden muss. Oder die Anziehsachen. Man muss den richtigen Zeitpunkt für den Absprung oder für einen Wechsel finden. Man könnte Gaga Nielsen anbieten, dass sie nach Ablauf des Kalenderjahres selbst entscheiden kann, ob sie ein Jahr noch voll machen will, dann ginge der Quatsch noch bis Mitte Februar Dreizehn, oder man lässt es elegant auslaufen.

Immer ein bißchen weniger, bis dann eben ganz Schluss ist. Muss man dann einfach sehen! Vielleicht kommt sie ja auch von selber drauf, dass es für den Leser auf Dauer doch etwas langweilig wird, sie hat neulich schon mal so eine Bemerkung gemacht. Aber so lange sich die Bilder verkaufen, wird die Sache durchgezogen! Sie soll sich nicht so anstellen. Andere wären froh, wenn sie die Möglichkeit hätten, siehe Germany’s next Topmodel! Die Nielsen soll mal schön die Füße still halten, sonst gibt es hier ganz schnell ein neues Topmodel, so schnell kann die gar nicht gucken! In ihrer Liga ist so einiges im Angebot. An attraktiven Senior-Models mangelt es hierzulande weiß Gott nicht. Senior-Model fängt übrigens ab 35 an, falls Sie es nicht wussten. Das ist das Mindest-Alter, um sich bei der berühmten Agentur für Senior-Models zu bewerben. Gaga Nielsen arbeitet also schon seit zwölf Jahren als Senior-Model. Noch ist sie gut im Geschäft, aber auch das kann sich sehr schnell ändern. Insofern ist natürlich zu wünschen, dass sie keine Allüren entwickelt, sie muss da etwas aufpassen. Wenn man ihr begegnet, bemerkt man schon nach kürzester Zeit gewisse Greta Garbo-Marotten. „I want to be alone“ etc.pp. Nun ja. Andererseits gibt ihr dieser eigenbrötlerische Charakter auch diese gewisse Aura, die sich nicht so recht durchschauen oder deuten lässt. Wenn man mit Gaga Nielsen ein Produkt bewirbt, gilt es automatisch irgendwie als geheimnisvoll und sophisticated. Das ist natürlich unheimlich gefragt und wertet so gut wie jedes Produkt auf. Außerdem ist sie immer pünktlich am Set und gut vorbereitet.
Nun, ich denke, ich werde weiter mit ihr arbeiten. Bis auf weiteres.
26. September 2012

Der achte März. Heute – nein – gestern Abend ein schönes deutsches Wort in einem Brief an mich gelesen. Ich werde gebeten, einen Termin zur Inaugenscheinnahme zu vereinbaren. Das klingt ein bißchen nach Mondscheinspaziergang. Unerwartete Poesie! Mein kleiner Adlerhorst wird begutachtet, in Augenschein genommen. Um den Zustand für das Verkaufsangebot zu beurteilen. Ich habe den elften Oktober ausgesucht. Die werden Augen machen, bei der Inaugenscheinnahme. Vor lauter Villa Kunterbunt werden sie den Zustand gar nicht begreifen können. Pippi Langstrumpf würde wahrscheinlich auf dem Kleinen Onkel durch den Flur reiten, während die Inaugenscheinnahme von statten geht, mit Herrn Nilsson auf der Schulter, der die Augenscheinnahme mit lustigen Quieklauten aus Taka-Tuka-Land begleitet. Nur fünf Minuten soll es dauern. Gaga Nielsen, Herr Nilsson, Pippi und der Kleine Onkel sind schon mächtig gespannt!
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24. September 2012

Heute nach ungefähr zwölf Jahren wieder eine Frau getroffen, mit der ich früher arbeitsmäßig zu tun hatte. Wir haben immer gerne miteinander geplaudert, um nicht zu sagen geblödelt. Mit einem gewissen Lauern im Ton fragt sie mich „Und? Inzwischen mal geheiratet?“ Ge-was? „Geheiratet?“ Ich merkte währenddessen, während mich das Befremden einholte, wie ich selbst von meinem Befremden befremdet bin. Warum verwundert mich die Frage so maßlos? Als wäre ich von einem anderen Stern, wo Heiraten nur einer ganz selten vorkommenden Spezies vorbehalten ist. Na ja, wie auch immer. Sie selber ist verheiratet, aber hat die eine oder andere Anmerkung gemacht, die ahnen lässt, dass das Gegenteil für Sie mit fortgeschrittenen Jahren auch nicht unerstrebenswert erscheint. Ich bin da ganz undogmatisch. Ich wollte schon zigmal heiraten. Also nicht praktisch, nur so romantisch-theoretisch angeträumt. Ist aber nie dazu gekommen. Ich habe es auch nie forciert, nie etwas in den Raum gestellt. So konkret war es dann letztlich auch nicht gemeint. Ich habe nach wie vor kein Dogma und kann mir sogar vorstellen, dass ich mich erst mit Hundert so weit fühle, wenn man eben denkt, es passt. Oder halt auch nicht.

Ganz bestimmt ist es eine meiner größten persönlichen Lebensleistungen, dass ich so viele tradierte, an mich gerichtete Erwartungshaltungen ohne Nachwehen abgeschüttelt habe. Bei anderen durchaus mit Wehen verbunden, tatsächlich am wenigsten bei mir. Was schreibe ich da nur. Aber so ist es. Am allerwenigsten beneide ich meine Mitmenschen um die engen Verstrickungen in traditionelle, familiäre Rituale, wenigstens nicht, wenn sie mir den Eindruck vermitteln, als sei das meiste daran eher lästig, ein Opferakt, um des lieben Friedens willen. Das Schwierigste ist, sich selbst begreiflich zu machen, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, nur weil man einen völlig andersartigen Lebensstil vorzieht, in dem kein Platz für gewisse ererbte Traditionen ist, weil das Leben eben sehr kurz ist. Nichts gegen althergebrachte Rituale, aber man muss einen Draht dazu haben, sich darin wiederfinden. Das lässt sich nicht erzwingen und nicht herbeibeten. Das schreibe ich, weil es viel mit mir zu tun hat.

Aber auch, weil ich es bei anderen spüre. Dieses Korsett. Drückende Stäbe über den Rippen, um den Brustkorb. Es ist völlig erlaubt, eigene Traditionen zu erfinden. Für sich selbst, man muss sie nicht einmal an Kinder weitergeben, nicht weitervererben. Man kann sie nur für sich kultivieren. Bloggen als Beispiel. Hauptsache, man hat das Gefühl, es ist eine Tradition, der man sich mit Leib und Seele gerne hingibt, ohne das Gefühl, Lebenszeit zu opfern, und: um sich dabei wenigstens in irgendeiner Form gesegnet zu fühlen. Ein Opfer sollte mit einem Gefühl des Segens an anderer Stelle – oder vielleicht sogar – besser noch – an derselben Stelle – verbunden sein, meine ich. Sonst ist es doch ganz unnütz, oder?
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24. September 2012

Heute nach ungefähr zwölf Jahren wieder eine Frau getroffen, mit der ich früher arbeitsmäßig zu tun hatte. Wir haben immer gerne miteinander geplaudert, um nicht zu sagen geblödelt. Mit einem gewissen Lauern im Ton fragt sie mich „Und? Inzwischen mal geheiratet?“ Ge-was? „Geheiratet?“ Ich merkte währenddessen, während mich das Befremden einholte, wie ich selbst von meinem Befremden befremdet bin. Warum verwundert mich die Frage so maßlos? Als wäre ich von einem anderen Stern, wo Heiraten nur einer ganz selten vorkommenden Spezies vorbehalten ist. Na ja, wie auch immer. Sie selber ist verheiratet, aber hat die eine oder andere Anmerkung gemacht, die ahnen lässt, dass das Gegenteil für Sie mit fortgeschrittenen Jahren auch nicht unerstrebenswert erscheint. Ich bin da ganz undogmatisch. Ich wollte schon zigmal heiraten. Also nicht praktisch, nur so romantisch-theoretisch angeträumt. Ist aber nie dazu gekommen. Ich habe es auch nie forciert, nie etwas in den Raum gestellt. So konkret war es dann letztlich auch nicht gemeint. Ich habe nach wie vor kein Dogma und kann mir sogar vorstellen, dass ich mich erst mit Hundert so weit fühle, wenn man eben denkt, es passt. Oder halt auch nicht.

Ganz bestimmt ist es eine meiner größten persönlichen Lebensleistungen, dass ich so viele tradierte, an mich gerichtete Erwartungshaltungen ohne Nachwehen abgeschüttelt habe. Bei anderen durchaus mit Wehen verbunden, tatsächlich am wenigsten bei mir. Was schreibe ich da nur. Aber so ist es. Am allerwenigsten beneide ich meine Mitmenschen um die engen Verstrickungen in traditionelle, familiäre Rituale, wenigstens nicht, wenn sie mir den Eindruck vermitteln, als sei das meiste daran eher lästig, ein Opferakt, um des lieben Friedens willen. Das Schwierigste ist, sich selbst begreiflich zu machen, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, nur weil man einen völlig andersartigen Lebensstil vorzieht, in dem kein Platz für gewisse ererbte Traditionen ist, weil das Leben eben sehr kurz ist. Nichts gegen althergebrachte Rituale, aber man muss einen Draht dazu haben, sich darin wiederfinden. Das lässt sich nicht erzwingen und nicht herbeibeten. Das schreibe ich, weil es viel mit mir zu tun hat.

Aber auch, weil ich es bei anderen spüre. Dieses Korsett. Drückende Stäbe über den Rippen, um den Brustkorb. Es ist völlig erlaubt, eigene Traditionen zu erfinden. Für sich selbst, man muss sie nicht einmal an Kinder weitergeben, nicht weitervererben. Man kann sie nur für sich kultivieren. Bloggen als Beispiel. Hauptsache, man hat das Gefühl, es ist eine Tradition, der man sich mit Leib und Seele gerne hingibt, ohne das Gefühl, Lebenszeit zu opfern, und: um sich dabei wenigstens in irgendeiner Form gesegnet zu fühlen. Ein Opfer sollte mit einem Gefühl des Segens an anderer Stelle – oder vielleicht sogar – besser noch – an derselben Stelle – verbunden sein, meine ich. Sonst ist es doch ganz unnütz, oder?
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23. September 2012

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Fortsetzung Egotrip, sechster März. Wir sehen ein Potpourri von Sonderangeboten. Bis auf die Kamera war, zumindest was ich vordergründig anhabe, heruntergesetzt. Mir ist dunkel, als hätte die Rüschenbluse entweder neunundzwanzig oder neunzehn Euro gekostet. Der Rock ist schon recht betagt und hatte, meine ich, noch einen günstigen DM-Preis, höchstens neunddreißig Mark, war aber vorher nicht billig. Die flauschige Falke-Strumpfhose war nicht im Angebot und die dankbaren Roeckl-Handschuhe auch nicht. Stiefelchen runtergesetzt auf neunundzwanzig Euro. Das Barclay-Samtjäckchen auch, von grob dreihundertfünfzig auf hundertfünfzig, so ungefähr. Sonnenbrille von Rossmann, gut zehn Euro, weiß ich nicht mehr genau. Die Ramones-Tasche hinten auf dem kleinen Bänkchen habe ich zum regulären Preis gekauft, irgendwas zwischen neunundvierzig und neunundfünfzig Euro, was für eine Tasche zwar nicht so rasend viel ist, ich war aber später schwer von der Verarbeitung enttäuscht, die vergleichsweise lausig war, das strapazierunfähige Innenfutter ist bald gerissen und ich habe es komplett entfernt, weil eine Reparatur zu umständlich gewesen wäre. Aber Schwamm drüber, ich nehme das Ding fast jeden Tag, auch ohne Futter, zum Einkaufen und allem, da geht ordentlich was rein. Das Foto verblasst langsam, da wo das Foto am Ärmel scheuert. Aber die Ausgabe hat sich unbedingt amortisiert. Wie auch immer, teuer – billig – egal! Ich habe es ja unlängst erst gepredigt: entscheidend ist nicht, eine Million Dollar auf dem Konto zu haben, sondern wie eine Million Dollar zu gucken! Das ist übrigens das Geheimnis, warum waschechte Louis-Vuitton-Taschen bei nicht wenigen Damen wie Fälschungen vom Polenmarkt aussehen. Ein klitzekleines bißchen zu viel bling-bling. Erinnert sich noch jemand an diese Münchner Taschenmarke MCM? Louis Vuitton für Arme dachte man immer, obwohl die Sachen nicht billig waren. Ich glaube man hat dann auch schnell von Nutten-Täschchen gesprochen, wenn jemand mit Zubehör der Marke herumlief. Ich bin mir nicht sicher, ob Louis Vuitton zwecks Ehrenrettung nicht vielleicht eine Weile nur noch Schrankkoffer im Marlene-Dietrich-Format produzieren sollte. Ich wollte kein Täschchen für unterm Arm mit Logo-Tapetenmuster haben. Nicht für Geld und gute Worte. Aber Schrankkoffer schon.

23. September 2012

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Fortsetzung Egotrip, sechster März. Wir sehen ein Potpourri von Sonderangeboten. Bis auf die Kamera war, zumindest was ich vordergründig anhabe, heruntergesetzt. Mir ist dunkel, als hätte die Rüschenbluse entweder neunundzwanzig oder neunzehn Euro gekostet. Der Rock ist schon recht betagt und hatte, meine ich, noch einen günstigen DM-Preis, höchstens neunddreißig Mark, war aber vorher nicht billig. Die flauschige Falke-Strumpfhose war nicht im Angebot und die dankbaren Roeckl-Handschuhe auch nicht. Stiefelchen runtergesetzt auf neunundzwanzig Euro. Das Barclay-Samtjäckchen auch, von grob dreihundertfünfzig auf hundertfünfzig, so ungefähr. Sonnenbrille von Rossmann, gut zehn Euro, weiß ich nicht mehr genau. Die Ramones-Tasche hinten auf dem kleinen Bänkchen habe ich zum regulären Preis gekauft, irgendwas zwischen neunundvierzig und neunundfünfzig Euro, was für eine Tasche zwar nicht so rasend viel ist, ich war aber später schwer von der Verarbeitung enttäuscht, die vergleichsweise lausig war, das strapazierunfähige Innenfutter ist bald gerissen und ich habe es komplett entfernt, weil eine Reparatur zu umständlich gewesen wäre. Aber Schwamm drüber, ich nehme das Ding fast jeden Tag, auch ohne Futter, zum Einkaufen und allem, da geht ordentlich was rein. Das Foto verblasst langsam, da wo das Foto am Ärmel scheuert. Aber die Ausgabe hat sich unbedingt amortisiert. Wie auch immer, teuer – billig – egal! Ich habe es ja unlängst erst gepredigt: entscheidend ist nicht, eine Million Dollar auf dem Konto zu haben, sondern wie eine Million Dollar zu gucken! Das ist übrigens das Geheimnis, warum waschechte Louis-Vuitton-Taschen bei nicht wenigen Damen wie Fälschungen vom Polenmarkt aussehen. Ein klitzekleines bißchen zu viel bling-bling. Erinnert sich noch jemand an diese Münchner Taschenmarke MCM? Louis Vuitton für Arme dachte man immer, obwohl die Sachen nicht billig waren. Ich glaube man hat dann auch schnell von Nutten-Täschchen gesprochen, wenn jemand mit Zubehör der Marke herumlief. Ich bin mir nicht sicher, ob Louis Vuitton zwecks Ehrenrettung nicht vielleicht eine Weile nur noch Schrankkoffer im Marlene-Dietrich-Format produzieren sollte. Ich wollte kein Täschchen für unterm Arm mit Logo-Tapetenmuster haben. Nicht für Geld und gute Worte. Aber Schrankkoffer schon.

23. September 2012
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Montag, 5. März 2012. Das sieht mir doch noch nicht nach Frühlingswetter aus. Den braunschwarzen Zebrafake-Rock hatte ich auch in schwarzweiß, daraus habe ich Bezüge für meine beiden Küchenstühle gemacht. Hier angucken. Jeden Tag erfreue ich mich daran! Müsste ich mal waschen, ist aber Gefrickel, die Bezüge von den Stühlen zu machen. Obwohl, jetzt wo ich es schreibe, nimmt es mich ein bißchen in die Pflicht. Ich möchte ja nicht als Schlamperliese dastehen. Ich bin sehr auf Reinlichkeit bedacht. Nur Bügeln kann ich nicht ausstehen, lieber hänge ich die Sachen klatschnass auf und zurre sie ein bißchen zurecht. So komme ich schon ein paar Jahrzehnte durchs Leben. Weiß gar nicht, wann ich zuletzt ein Bügeleisen benutzt habe. Ich hab eins, für absolute Notfälle. Wenn ich ein Teil aus dem Schrank ziehe, das blöde Falten hat, weil es unvorteilhaft gehangen hat, schmeiße ich es lieber in die Waschmaschine und hänge es dann klatschnass auf. Außerdem ist es dann frisch gewaschen, das fühlt sich immer super an. Ich hätte gerne jemand, der mir die Wäsche macht. Das wäre eigenlich so die einzige Dienstbarkeit, die ich gerne in Anspruch nehmen würde, aber ohne dass jemand zu mir heim kommt. Ich würde die Sachen in die Wäscherei bringen und tiptop geplättet abholen. Dann hätte ich vielmehr weiße gestärkte Blusen oder Hemden oder Hemdblusen. Hab ich auch, aber die könnten noch besser aussehen, wenn ich mich nur zum Bügeln durchringen könnte! Es ist ein Kreuz. So hat jeder sein Päckchen mit dem Haushalt zu tragen. Und Fenster putzen ist auch nicht meins. Ich darf gar nicht darüber nachdenken. Meine Putzanfälle stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit angekündigten Handwerkerbesuchen, Heizungsablesern oder von seltenen Freunden. Das halte ich allerdings auch für sehr effizient, da ich dann viel schneller staubsauge etc. als ich es sonst machen würde. Einfach ökonomischer! Auch hat es dann so eine Art Workout-Charakter, ich komme total ins Schwitzen. Nur meine Knie leiden dann immer ein bißchen, weil ich beim Staubsaugen immer auf den Knien rutsche. Ich staubsauge nämlich sehr gründlich, ganz ohne Düsenaufsatz, jeder Quadrat-Millimeter wird mit größtem Hochdruck bearbeitet. Dann ist aber auch wieder gut, für ein Weilchen. Wenn man das so supergründlich macht wie ich, muss man es auch nicht jede Woche machen, bin ich der Meinung!

23. September 2012
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Montag, 5. März 2012. Das sieht mir doch noch nicht nach Frühlingswetter aus. Den braunschwarzen Zebrafake-Rock hatte ich auch in schwarzweiß, daraus habe ich Bezüge für meine beiden Küchenstühle gemacht. Hier angucken. Jeden Tag erfreue ich mich daran! Müsste ich mal waschen, ist aber Gefrickel, die Bezüge von den Stühlen zu machen. Obwohl, jetzt wo ich es schreibe, nimmt es mich ein bißchen in die Pflicht. Ich möchte ja nicht als Schlamperliese dastehen. Ich bin sehr auf Reinlichkeit bedacht. Nur Bügeln kann ich nicht ausstehen, lieber hänge ich die Sachen klatschnass auf und zurre sie ein bißchen zurecht. So komme ich schon ein paar Jahrzehnte durchs Leben. Weiß gar nicht, wann ich zuletzt ein Bügeleisen benutzt habe. Ich hab eins, für absolute Notfälle. Wenn ich ein Teil aus dem Schrank ziehe, das blöde Falten hat, weil es unvorteilhaft gehangen hat, schmeiße ich es lieber in die Waschmaschine und hänge es dann klatschnass auf. Außerdem ist es dann frisch gewaschen, das fühlt sich immer super an. Ich hätte gerne jemand, der mir die Wäsche macht. Das wäre eigenlich so die einzige Dienstbarkeit, die ich gerne in Anspruch nehmen würde, aber ohne dass jemand zu mir heim kommt. Ich würde die Sachen in die Wäscherei bringen und tiptop geplättet abholen. Dann hätte ich vielmehr weiße gestärkte Blusen oder Hemden oder Hemdblusen. Hab ich auch, aber die könnten noch besser aussehen, wenn ich mich nur zum Bügeln durchringen könnte! Es ist ein Kreuz. So hat jeder sein Päckchen mit dem Haushalt zu tragen. Und Fenster putzen ist auch nicht meins. Ich darf gar nicht darüber nachdenken. Meine Putzanfälle stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit angekündigten Handwerkerbesuchen, Heizungsablesern oder von seltenen Freunden. Das halte ich allerdings auch für sehr effizient, da ich dann viel schneller staubsauge etc. als ich es sonst machen würde. Einfach ökonomischer! Auch hat es dann so eine Art Workout-Charakter, ich komme total ins Schwitzen. Nur meine Knie leiden dann immer ein bißchen, weil ich beim Staubsaugen immer auf den Knien rutsche. Ich staubsauge nämlich sehr gründlich, ganz ohne Düsenaufsatz, jeder Quadrat-Millimeter wird mit größtem Hochdruck bearbeitet. Dann ist aber auch wieder gut, für ein Weilchen. Wenn man das so supergründlich macht wie ich, muss man es auch nicht jede Woche machen, bin ich der Meinung!

23. September 2012

Ich meine, das wäre das letzte Mal gewesen, dass ich die Kamera auf die Sophienstraße gehalten habe. Für mich ist die Sophienstraße in den letzten Jahren eine Art autobiographischer Eckpfeiler geworden, genauso wie die Gipsstraße, die Rosenthaler, die Joachimstraße, die Linienstraße, die Auguststraße. Ich kann mich oft nicht mehr recht an Nebenstraßen erinnern, wo ich früher gewohnt habe. Manchmal vergesse ich sogar den Namen der Straße selbst, wenn es lange her ist, wie in Wilmersdorf. Eine Frau, die mich lange kennt, meinte letzte Woche, „Ah ja, ich erinnere mich, da hast du doch in der Rauenthaler Straße gewohnt.“ Ich war irritiert, weil ich überrascht war und dachte, ich könnte mich nicht recht erinnern und glaubte ihr dann, obwohl ich nicht ganz sicher war. Für mich hatte sie dann eben einfach recht. Jetzt erst, wo ich das schreibe, fällt mir ein, es war die Straße daneben oder eine Parallelstraße. In der Rauenthaler habe ich nie gewohnt, bin aber oft durchgelaufen. Na ja. Jedenfalls ist die Sophienstraße so ein fester Bestandteil meiner inneren Heimatlandkarte. Ich gehe schlafwandlerisch entlang, nehme nur beiläufig kleine Veränderungen wahr und bin meistens in Gedanken oder blinzle in die Sonne und denke daran, was der Tag wohl bringen wird, wenn ich morgens entlanglaufe. Für Touristen hat die Sophienstraße eine andere Bedeutung. Sie erschließen sich ein Stück altes Berlin, das sehr liebevoll saniert wurde und gehen spazieren, setzen sich ins Sophieneck, gucken auf die kleine Karte, wo genau nochmal die Synagoge ist. Solche Sachen. Im Dezember gibt es so einen hippiemäßigen Weihnachtsmarkt, der sich nur über die Sophienstraße erstreckt. Dann hängen große Sternlampions an Strippen über die Straße gespannt, das ist ganz putzig. Klein aber fein, wahrscheinlich der kleinste Weihnachtsmarkt von allen, ich kenne keinen kleineren. Diese Bilder vom vierten März sehen richtig herbstlich aus, denke ich gerade. Passt eigentlich ganz gut. Auch wenn wir heute in Berlin eine freundliche Spätsommersonne haben. Muß mal was zum Frühstück machen. Und noch mal Kaffee kochen. Habe eine große Tasse auf den graublauen Teppich gekippt. Was für ein Riesen-Fleck! Da schrubbt man eine ganze Weile. Die Tasse war randvoll. Mit ordentlich Kaffeesatz. Ich bin richtig ins Schwitzen gekommen beim Bearbeiten der Unglücksstelle. Also nochmal Kaffee kochen.
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22. September 2012
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Ich gehe vielleicht jeden zweiten oder dritten oder vierten Tag einmal durch die Rosenhöfe. Es ist eine neuere Passage mit vielen neuen Geschäften und ein paar Restaurants, die ein paar Hundert Meter weiter einen weiteren Zugang zu den Hackeschen Höfen gewährt, ebenfalls von der Rosenthaler Straße aus. Im Eingangsbereich von der Rosenthaler ist noch viel von der alten Bausubstanz erhalten, besonders die schöne verschnörkelte Treppe, die ich noch im alten Zustand kenne, als das heute vergoldete Schmiedeeisen noch schwarz war. Man hat einem sehr verspielten Architekten freie Hand gelassen. Selten sieht man sonst rosa Fassaden und bizarre Schnörkel. Ich mag diese Passage gerne. In dem Yoga-Studio war ich noch nie. Ich war überhaupt noch nie in einem Yoga-Studio oder einer Yoga-Stunde.

Ich habe einmal ein Video von Ralf Bauer gesehen, da macht er Yoga-Übungen auf einem Felsplateau auf Sardinien, glaube ich. Das hat allerdings weniger den Wunsch bei mir geweckt, in einer Gruppe, wie man es im Video sieht, Yoga-Übungen im Sonnenauf- oder untergang zu praktizieren, als vielmehr, einmal dort herumzuwandern, ohne Gruppe. Eine tolle Landschaft war das. Glattes Felsplateau mit unterschiedlichen Erhebungen, darunter das Meer. Ich kannte mal jemanden, den ich unregelmäßig getroffen habe und der aufgrund seiner offenkundigen Vergesslichkeit jedesmal den Impuls hatte, mich zu fragen, ob ich eigentlich Yoga machen würde. Oder meditieren? „Du wirkst so unglaublich entspannt, wie machst du das?“ Ich musste immer lachen. Meine Art der Meditation – für Fortgeschrittene! Aber das Angebot heutzutage, dass man es jederzeit spaßeshalber mal machen könnte, ist schon ganz super. Ich könnte mir ohne Weiteres vorstellen, dass ich durch die Rosenhöfe laufe und mir Gwyneth Paltrow in pinker Turnhose und rosa Yogamatte, nach ihrer Spirit-Yoga-Doppel-Stunde, über die verschnörkelte Treppe entgegenkommt. Das wäre absolut stimmig. Ich glaube in der Internet-Bunten steht heute, dass sie in letzter Zeit Depressionen hat und Therapie machen muss. Wahrscheinlich zusätzlich zum Yoga. Früher gab es in meinem näheren Bekanntenkreis zwei Menschen, die regelmäßig meditiert haben, so nach Gebrauchsanleitung. Man setzt sich auf so einen Puff, also so ein rundes, ausgestopftes Bodenkissen, gerne in einem Zentrum mit anderen oder im Schlafzimmer und dann wird nach Gongschlag innige Stille geübt und versucht, an nichts zu denken bzw. nicht zu denken und tief geatmet. Im Hier und Jetzt, wie es immer so schön heißt. Ich war einmal dabei, in so einem buddhistischen Zentrum.

Ich musste blöderweise vor lauter Konzentration auf Nichts und Stille und Atmen dauernd schlucken, mein Mund war ganz trocken und ich habe gehofft, dass die anderen mein Schlucken nicht hören und dann schlussfolgern, dass ich total unentspannt bin, was ich entgegen meiner sonstigen Verfassung auch war, und dass es recht bald vorbei ist. Selten war ich so verkrampft! Alle haben eine ähnlich unbequeme, zum Teil verknotete Sitzhaltung auf dem Boden eingenommen, das war mir schon zu reglementiert. Mir war einfach nur langweilig, obwohl ich mich noch nie mit mir alleine gelangweilt habe. Lieber wäre ich rücklings im Gras gelegen und hätte in die Wolken geguckt und an alles Mögliche gedacht, aber nicht zwanghaft an Nichts. Aber ich bin sowieso nicht die ideale Zielgruppe für buddhistische Rituale und diese ganzen religiösen Zeremonien mit festgelegten Abläufen. An Indien fasziniert mich zum Beispiel durchaus die Opulenz der Farben und Formen, die Kunstgeschichte, die Architektur, meinethalben noch das Kamasutra und ein bißchen Dichtkunst, aber die religiöse Sichtweise ist mir eher suspekt. Nicht falsch verstehen – jeder, wie es ihm gefällt – nur mich bitte nicht belehren oder bekehren wollen.
22. September 2012

Ikonographie. Ob ich regelmäßige Leser habe, die noch nie in Berlin waren? Das übersteigt gerade meine Vorstellungskraft. Bald könnten die Bilder von einem Oktobertag sein. Im März gab es noch keine Blätter an den Bäumen. Die Decken wurden immer noch mit auf die Stühle gepackt. Jetzt sind sie zurückgekehrt, für den Abend draußen. Wie oft mag ich über den Hackeschen Markt gelaufen sein, in den letzten dreizehn Jahren? Viele Tausend mal, an manchen Tagen mehrmals. Als ich von Wilmersdorf nach Mitte zog, war der Hackesche Markt noch nicht vollständig bebaut, da wo heute das Haus mit dem Lokal Ossena steht, gegenüber von den Hackeschen Höfen, war eine Brachfläche, eine wilde Wiese.

Jetzt ist alles fertig, es gibt keine unbebaute Ecke mehr, soweit ich es überblicke. Es ist gut geworden, ich kann keine erheblichen Bausünden feststellen. Die Fassaden-Reklame-Schilder der Hackeschen Höfe mit goldener Schrift auf schwarzem Grund haben mich von Anfang an erfreut. Alle Mieter haben ihren Schriftzug und ihr Logo farblich angepasst. Es sieht schön aus. Die farbliche Reduktion ist vielen Schriftzügen zuträglich. Sogar das Sparkassen-Logo wirkte auf einmal elegant. Die Sparkasse ist schon wieder ausgezogen, nach gegenüber, dort dürfen sie wieder in Rot-Weiß ihre Reklame machen, nicht so attraktiv. Ich bin aber trotzdem seit ewigen Zeiten mit meinem Konto dort. Der Geldautomat, und der Kontoauszugsdrucker, den ich am häufigsten besuche, ist in der Zweigstelle am Hackeschen Markt.

Ganz oft gehe ich zu Edeka in der Rosenthaler Straße. „Frank Budie“ steht dran, im blau-gelben Edeka-Schriftzug. Neulich hat mich die eine Kassiererin angesprochen, eine Hübsche, mit kurzen blonden Haaren, so um die Fünzig, dass sie mich schon lange nicht mehr gesehen hätte. Ich habe ihr von meiner Aldi-Sparaktion erzählt und dass ich aber jetzt draufgekommen bin, dass Edeka in dem „gut und günstig“-Sortiment preisgleiche Angebote hat, prima Eiscreme zum Beispiel, und dass ich jetzt wieder regelmäßig kommen werde. Sie hat sich gefreut! Ich finde das toll, wenn mir eine Kassiererin sagt, dass sie mich vermisst hat. Überhaupt sind die Kassiererinnen beim Frank Budie-Edeka unheimlich familiär.

Immer ein nettes Wort, eine kleine aufmunternde Bemerkung, irgendwas. So macht einkaufen Spaß! Bei Aldi erlebt man das nicht ganz so oft, auch wenn man Stammkunde ist. Nur neulich,

bei Aldi in der Brunnenstraße hat mich der junge Filial-Leiter, der auch manchmal selber kassiert, an der Kasse gefragt, ob ich nicht erst gestern da gewesen wäre und auch schon so viel Sahne-Kefir gekauft hätte. „Da müssen Sie mich wohl verwechseln – oder ich habe eine Doppelgängerin!“ Auf jeden Fall ist es sonst nicht so seine Art, solche Sachen zu sagen, aber ihm war wohl nach ein bißchen Kommunikation. Also auch sehr nett! Überhaupt kann ich mit den meisten Kassiererinnen und Kassierern recht gut, stelle ich fest. Es gibt selten ein Verständigungsproblem. Eine Berufsgruppe, die starke Nerven und viel Konzentration bei der Arbeit braucht, denke ich mir. Respekt! Am Hackeschen Markt ist auch die S-Bahnhaltestelle, die mir am nächsten ist und wo ich am öftesten einsteige. Die andere nächste wäre die S-Bahn-Haltestelle in der Tucholskystraße, „Oranienburger Str.“, da fahre ich aber nicht so oft. Und wenn ich mit der U-Bahn Richtung Süden muss, gehe ich zur Haltestelle Weinmeisterstraße, wenn ich nach Norden muß, direkt zum Rosenthaler Platz. So jetzt wissen alle Bescheid!
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16. September 2012
20. September 2012

Wilfried Fitzenreiter hat die Mädchen gemacht. Die Füße gefallen mir. Und die Hände. Auch die anderen Körperteile. Der Gesichtsausdruck nicht so besonders, so ungefähr stelle ich mir Kohlhiesels Töchter vor. Nur aus einem bestimmten, hochkomplizierten Winkel sieht die Frau mit dem langen Zopf nicht rammdösig aus. Geradezu apart habe ich sie in der Nahaufnahme hingekriegt, erstaunlich. Vielleicht waren es ja erinnerte, frühere Geliebte des Bildhauers oder irgendwelche Mädchen aus der Nachbarschaft. Man weiß es nicht. Egal. Wobei eigentlich schon recht gewagt, wie sie da so nackig sitzen und mit den Beinen in die Spree baumeln und Richtung Dom gucken. Der Berliner Dom ist evangelisch. Weiß gar nicht, wie es die Evangelen so mit der Barbusigkeit in aller Öffentlichkeit halten. Meine Sache ist das ja nicht. Ich bin überhaupt recht prüde, wenn es um öffentliche Badeanstalten geht. FKK-Strände, Gruppenumkleidekabinen, Gruppenduschkabinen, Schwimmbad, Sportunterricht. Alles ganz schwierig. Unangenehme Kindheitserinnerungen. Die Blicke – – – Gleichaltriger, Älterer. Egal, Blicke. Verschämtes, vorgebliches Vorbeigeblicke. In einer öffentlichen Sauna wird man mich nie antreffen, außer ich wäre dort garantiert ganz alleine. Aber auch mit einer Freundin wollte ich nicht nackig in einer Sauna schwitzen. Schweiß, Körperflüssigkeiten, das ist mir alles zu intim, zu sexuell konnotiert. Nicht, dass mich die fremden Leute erregen würden, eher mit ihrer unwiderruflichen, entblößten Fleischigkeit mit Haut und Haar, massiv vom Eigentlichen ablenken. In der Fotografie kann ich mich dagegen durchaus für nackte Tatsachen in meisterlichem Licht begeistern. Da schaut nur einer in eine Richtung. Ich auf das Foto oder umgekehrt, kein Austausch, keine Hitzewallungen, keine verschwitzten Zwangsassoziationen, kein Gebaumel, keine Gerüche, keine Blicke, keine verlegenen Gespräche, sehr angenehm. Weiter am Ufer entlang. Unter der Brücke durch. Heim. Richtung Hackescher.
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17. September 2012

Noch einmal hin, jetzt wo die Kuppel aufhat, im März. So lange es Frost gibt, bleibt der Kuppelrundgang draußen unzugänglich, man könnte hinfallen und ausrutschen auf dem Eis, da oben. Ich bin schnell zum Ticketschalter im opulenten Treppenhaus, sieben Euro Domerhaltungsgebühr muss man entrichten. Dann dachte ich, weil ich erst zwei Wochen vorher da war, ich würde mich schon super auskennen und bin an den kurfürstlichen Sarkophagen vorbeigedüst und habe irgendwie den Treppenaufgang nicht mehr gefunden. Ein netter Aufpasser in Uniform, der ein bißchen wie Sidney Poitier ausgeschaut hat, war mir sehr behilflich. Er war zum Scherzen aufgelegt, ich weiß nicht mehr genau, was er alles an lustigen Sachen gesagt hat, aber ich habe mitgespielt und die passenden blödsinnigen Antworten gegeben, die er gerne haben wollte. Dann ist er ernst geworden und hat mich fest angeschaut und gemeint: „Sie haben etwas Wichtiges im Leben verstanden: Sie haben Lebensfreude – das spürt man!“ Oh ja, ich hatte Lebensfreude an dem Tag und habe sie noch. Mein Gefühl hier ist niemals: „Na ja, bin ich eben hier“ sondern immer „Dass ich hier sein darf! Danke, dass ich hier sein darf“. Als könnte mich jemals jemand wegschicken, weil ich es nicht genug verdiente, hier zu sein. Aber ich strenge mich stets an, ich mache mich verdient, wie man sieht. Schließlich muss ja irgendjemand, der hier wohnt und deswegen auch viel mehr Zeit dafür hat, ausgiebig auf die ganzen Kuppeln gehen, und schöne Fotos machen, ganz viele. Nicht bloß eins oder zwei sondern aus allen Winkeln. Deswegen hat es Gaga Nielsen auf jeden Fall verdient, hier zu sein. Ich werde mich auch immer weiter bemühen und Berlin niemals Schande machen, das verspreche ich. Außerdem will ich hier später einmal begraben sein, weil ich hier zuhause bin. Hier unten und auch ganz oben im Himmel, in den Lüften, weil ich auch ein bißchen wie ein Vogel bin.


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16. September 2012
14. September 2012

Gott weiß, ich würde lieber andere Einträge schreiben! Tippe ich hier mit der halb geleerten Bordeauxflasche, auf Sichtachse linker Augenwinkel. Ah! Muss schon wieder schlafen. Ich finde, die Einträge hier müssten irgendwie wieder opulenter werden, spritziger, glamouröser. Ach ja, das wäre schön. Heute mit einem Herrn telefoniert, der mir vorab schrieb, per Mail. Manchmal würde man gerne Namen fallen lassen. Er klagte mir ein interessantes Leid, es hat mit dem Phänomen zu tun, dass aus seiner Perspektive uferlos viele junge, hochtalentierte Menschen in kreativen Berufen tätig werden wollen, sogar unbezahlt, aber ganz schwer jemand für den alltäglichen, verwaltenden Arbeitsanteil zu finden ist. Sehr interessant. Ich hätte gedacht, selbst darum reißen sich junge Menschen, die gerne was mit Film zu tun haben wollen. „Irgendwas mit Medien“. Der Herr betreibt eine nicht ganz erfolglose Filmproduktionsfirma. Immerhin war sein Anruf nicht ergebnislos. Vielleicht sollte ich mich mal bei ihm bewerben. Hatte eine angenehme Stimme. (…aber die Miete…)
14. September 2012

Gott weiß, ich würde lieber andere Einträge schreiben! Tippe ich hier mit der halb geleerten Bordeauxflasche, auf Sichtachse linker Augenwinkel. Ah! Muss schon wieder schlafen. Ich finde, die Einträge hier müssten irgendwie wieder opulenter werden, spritziger, glamouröser. Ach ja, das wäre schön. Heute mit einem Herrn telefoniert, der mir vorab schrieb, per Mail. Manchmal würde man gerne Namen fallen lassen. Er klagte mir ein interessantes Leid, es hat mit dem Phänomen zu tun, dass aus seiner Perspektive uferlos viele junge, hochtalentierte Menschen in kreativen Berufen tätig werden wollen, sogar unbezahlt, aber ganz schwer jemand für den alltäglichen, verwaltenden Arbeitsanteil zu finden ist. Sehr interessant. Ich hätte gedacht, selbst darum reißen sich junge Menschen, die gerne was mit Film zu tun haben wollen. „Irgendwas mit Medien“. Der Herr betreibt eine nicht ganz erfolglose Filmproduktionsfirma. Immerhin war sein Anruf nicht ergebnislos. Vielleicht sollte ich mich mal bei ihm bewerben. Hatte eine angenehme Stimme. (…aber die Miete…)
10. September 2012
Meine Nerven. Gerade eine entscheidende Passage zum Berliner Mietrecht gelesen.
Eigenbedarf: Sperrfristen in Berlin
In folgenden Bezirken gilt seit dem 1.9.2011 eine von der Berliner Landesregierung festgelegte 7-jährige Sperrfrist:
Mitte
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Pankow*
Steglitz-Zehlendorf
* zu Pankow zählt seit der Bezirksverwaltungsfusion auch der Prenzlauer Berg
Ich nehme es jetzt als ein gutes Omen, dass das Gesetz an meinem Geburtstag erlassen wurde. Und sieben Jahre ist auch eine schöne Frist. Habe die letzten Stunden mit Lektüre von Kündigungsrecht wegen Eigenbedarf verbracht. Seit ich vor drei Stunden eine Mitteilung einer Immobilienvertriebsgesellschaft aus dem Briefkasten gezogen habe, die besagt, dass das Haus in dem ich wohne, in Eigentumswohnungen geteilt wird und ich ein Vorkaufsrecht habe. Ich bin hier so zuhause, aber ich habe keine Lust, einen Kredit aufzunehmen, um „meine“ Wohnung zu kaufen. Das würde ich auch nicht machen, wenn genug Geld auf dem Konto wäre. Ich will keine derartigen Besitztümer und Verpflichtungen haben, keine Eigenverantwortung für Reparaturarbeiten. So, erst mal Luft holen. Wer auch immer die Wohnung kaufen wird, kann sie frühestens in sieben Jahren nach dem Kauf beanspruchen. Wusste gar nicht, dass es solche Sperrfristen gibt. In anderen Bezirken beträgt die Frist nur drei Jahre. Vielleicht weil die oben genannten besonders anfällig für Spekulation mit Immobilien sind, siehe Mietspiegel. Erst die Mieterhöhung vor gut einer Woche und jetzt diese Neuigkeit. Ich muss jetzt mal ein bißchen runterkommen, hat mich doch sehr aufgewühlt. Morgen frage ich mal, wie teuer die Wohnung eigentlich verkauft werden soll, nur um mal die Dimension zu realisieren. Alles ist in Bewegung. Selbst wenn ich in sieben Jahren nach dem Verkauf eine Kündigung bekäme, müsste der Eigenbedarf immer noch exzellent begründet werden. Der Eigentümer muss tatsächlich den Verwandtschaftsgrad und die Situation erhellen. Einfach nur Eigenbedarf benennen ist nicht ausreichend. Das entfernteste Verhältnis darf Nichte oder Neffe sein aber nicht weiter. Und auch nur dann. Oh là là. Man lernt nie aus. Eigentlich schon ein erstaunlicher Mieterschutz. Hätte ich nicht gedacht. So, das ist das Neueste aus meiner weltlichen Existenz. Ich muss unbedingt was Geistreiches trinken und mich erholen.
10. September 2012
Meine Nerven. Gerade eine entscheidende Passage zum Berliner Mietrecht gelesen.
Eigenbedarf: Sperrfristen in Berlin
In folgenden Bezirken gilt seit dem 1.9.2011 eine von der Berliner Landesregierung festgelegte 7-jährige Sperrfrist:
Mitte
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Pankow*
Steglitz-Zehlendorf
* zu Pankow zählt seit der Bezirksverwaltungsfusion auch der Prenzlauer Berg
Ich nehme es jetzt als ein gutes Omen, dass das Gesetz an meinem Geburtstag erlassen wurde. Und sieben Jahre ist auch eine schöne Frist. Habe die letzten Stunden mit Lektüre von Kündigungsrecht wegen Eigenbedarf verbracht. Seit ich vor drei Stunden eine Mitteilung einer Immobilienvertriebsgesellschaft aus dem Briefkasten gezogen habe, die besagt, dass das Haus in dem ich wohne, in Eigentumswohnungen geteilt wird und ich ein Vorkaufsrecht habe. Ich bin hier so zuhause, aber ich habe keine Lust, einen Kredit aufzunehmen, um „meine“ Wohnung zu kaufen. Das würde ich auch nicht machen, wenn genug Geld auf dem Konto wäre. Ich will keine derartigen Besitztümer und Verpflichtungen haben, keine Eigenverantwortung für Reparaturarbeiten. So, erst mal Luft holen. Wer auch immer die Wohnung kaufen wird, kann sie frühestens in sieben Jahren nach dem Kauf beanspruchen. Wusste gar nicht, dass es solche Sperrfristen gibt. In anderen Bezirken beträgt die Frist nur drei Jahre. Vielleicht weil die oben genannten besonders anfällig für Spekulation mit Immobilien sind, siehe Mietspiegel. Erst die Mieterhöhung vor gut einer Woche und jetzt diese Neuigkeit. Ich muss jetzt mal ein bißchen runterkommen, hat mich doch sehr aufgewühlt. Morgen frage ich mal, wie teuer die Wohnung eigentlich verkauft werden soll, nur um mal die Dimension zu realisieren. Alles ist in Bewegung. Selbst wenn ich in sieben Jahren nach dem Verkauf eine Kündigung bekäme, müsste der Eigenbedarf immer noch exzellent begründet werden. Der Eigentümer muss tatsächlich den Verwandtschaftsgrad und die Situation erhellen. Einfach nur Eigenbedarf benennen ist nicht ausreichend. Das entfernteste Verhältnis darf Nichte oder Neffe sein aber nicht weiter. Und auch nur dann. Oh là là. Man lernt nie aus. Eigentlich schon ein erstaunlicher Mieterschutz. Hätte ich nicht gedacht. So, das ist das Neueste aus meiner weltlichen Existenz. Ich muss unbedingt was Geistreiches trinken und mich erholen.
09. September 2012
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Ich erinnere mich dunkel. Es war eigentlich noch nicht frühlingshaft und man konnte sich nicht erlauben, ohne Schal und Handschuhe vor die Tür zu gehen, auch wenn die Sonne zu sehen war. So kam diese sehr bunte Kombination aus leichtem Tommy Hilfiger-Jäckchen und der uralten Kasperle-Jeans zustande, die ich ungefähr 1989 in einem sehr preisgünstigen Jeans-Discounter in der Steglitzer Schloßstraße aufgegabelt habe. Das war so eine Kette, die es nicht mehr gibt, überall hatten die ihre Läden. Müsste mal auf das Etikett gucken. War ein komischer Name. Keine Marke, mit der man angeben konnte, eher für die Kinder von Leuten mit geringfügigem Einkommen. Standesdünkel in Sachen Markenware ist mir eher fremd, wenn die Klamotte interessant ist.

Bei C&A kann ich immer etwas finden, wenn ich gucke, und auch in jedem x-beliebigen Kaufhaus. Die Sache mit dem Markenfetischismus ist ja eher ein Indiz für mangelnde Virtuosität in Sachen Modeverständnis, nicht wahr. Ich würde mit großer Selbstverständlichkeit den phantastischen Dior-Mantel von Gisela Elsner, der durch die Verfilmung ihres Lebens mit Hannelore Elsner in der Hauptrolle Berühmtheit erlangt hat, mit Sachen kombinieren, die ein Sammelsurium von Sonderangeboten aus Kraut- und Rübenläden darstellen. Ich bin da ganz gegen unnatürliche Begrenzungen, das widerstrebt meinem Freiheitsbegriff. Das photographische Auge hält nimmermüde Ausschau, scannt die Welt und jede Erscheinungsform. Wenn man sich für gewagte Muster oder Farbkombinationen entscheidet, muss man einen guten Tag haben, weil es ein gewisses Rückgrat erfordert. So ähnlich wie mit der Farbe Rot, man muss sich an so einem Tag der Kraft der Farbe ebenbürtig fühlen, sonst wirkt man schnell verkleidet. Tage, an denen ich mich ein bißchen schräg anziehe, im besten Sinne schräg, sind gute Tage. An solchen Tagen bin ich ein bißchen übermütig und so ziemlich zu allem fähig. Be amazing!

Im Übrigen hatte der ungeachtet aller Buntheit blaue Grundton dieses Aufzugs etwas mit meinem anvisierten Ausflugsziel an jenem vierten März zu tun. Ich überlege mir tatsächlich, ob ich farb-, material- und silhouettenmäßig zu dem Ort passe, den ich anpeile, bevor ich losgehe. Auch beim Spazierengehen, sofern nicht völlig ziellos. Das bedeutet nicht die Vorgabe, sich chamäleonhaft dem Ort des Geschehens unterzuordnen. Kann aber! Muss aber nicht. Manchmal liegt die Virtuosität in einem gezielten Bruch. Das mögen nun für viele nicht ohne weiteres nachvollziehbare Überlegungen sein. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass es immer schöner ist, wenn man als beiläufig durchs Bild flanierende Passantin nicht aus dem Fokus gewünscht wird. Ich wünsche leider oft aus dem Fokus, wenn es vor wetterbeständiger Funktionskleidung wimmelt. Touristen ziehen sich ja zu meinem allergrößten Bedaueren oft komplett nach praktischen Erwägungen an. Ich geißle das selbstverständlich. So kann man nicht arbeiten! Ich muss doch als Tourist in Berlin ein Bewusstsein dafür haben, dass mir Gaga Nielsen über den Weg laufen könnte, die ein extravagantes Foto machen will! Extravagantes Foto nur mit extravaganter Aufmachung. Elementare Extravagante Grundregel!

08. September 2012

Ein guter Taxifahrer wartet noch eine halbe Minute nach dem Nachhausebringen, nach Einbruch der Dunkelheit, bis er sieht, dass der Fahrgast wohlbehalten an der Haustür angekommen ist und die Tür von innen schließt. Ein guter Leser von Gaga Nielsen wartet nach dem Heimkommen von ihrem Spaziergang, in der Dämmerstunde, noch eine halbe Minute, bis Gaga Nielsen wohlbehalten oben in der Wohnung angekommen ist. Dann kann der Leser weiterklicken und Gaga Nielsen zieht sich die Jacke und die anderen Anziehsachen aus und was Flauschiges an. Dann geht sie in die Küche und macht sich was Heißes zu trinken und nimmt sich ein Täfelchen Schokolade. Zumindest gilt das mit dem heißen Getränk für Anfang März. Anschließend geht Gaga Nielsen wieder ins Wohnzimmer und macht den Computer an und lädt die ganzen Bilder von dem langen Spaziergang vom dritten März auf ihren kleinen Klapprechner. Die Bilder vor dem Kleiderschrank, wo sie immer Modenschau macht. Und die Bilder von dem Weg. Und die Bilder von der Rosenstraße. Und die Bilder von der Marienkirche. Und die Bilder von Herrn Marx und Herrn Engels. Und die Bilder vom Schlossplatz. Und die Bilder von der Bauakademie. Und die Bilder von der Friedrichsgracht. Und die Bilder von der Schleusenbrücke. Und die Bilder von der Französischen Straße. Und die Bilder von der Markgrafenstr.. Und die Bilder von der Kuppel vom Französischen Dom. Und die Bilder vom Bücherflohmarkt Unter den Linden. Und die Bilder von der Auguststraße. Gaga Nielsen ist jetzt doch ein kleines bißchen müde vom vielen Spazierengehen, da tut so eine heiße Tasse Kaffee sehr gut. Gaga Nielsen guckt ein bißchen durch die Bilder und weiß gar nicht, wo sie anfangen soll. Schon wieder so viele Bilder! Wann soll sie das alles hochladen, sie blickt nicht mehr durch! Gaga Nielsen sagt sich insgeheim: „Scheiß drauf! Ich kann ja bloggen, dass ich nicht mehr hinterherkomme!“ Gaga Nielsen denkt sich, sie weiß gar nicht, wie das die anderen immer machen, mit wohin gehen und mit drei Bildern heimkommen und dann schnell hochladen, bloggen und fertig, nächster Ausflug! Gaga Nielsen kann das nicht! Sie ist blödes Sternzeichen Jungfrau und muss immer alles superordentlich und gründlich und ganz genau machen und das Hausaufgabenheft ordentlich führen. Gaga Nielsen schreibt mit Schönschrift in ihr Internetschulheft und kriegt dafür eine Eins mit Stern! Die anderen kriegen auch eine Eins, für Tempo, aber nicht für Schönschrift! Die Welt ist eben doch gerecht!
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06. September 2012
Gestern war ich wieder einmal auf einer Aussichtsplattform. Am Alexanderplatz steht ein viereckiger Turm mit 39 oder 40 Stockwerken, das Hotel „Park Inn“, früher zu DDR-Zeiten „Forum-Hotel“. In der 37. Etage ist eine Location, die man mieten kann und nach der Wende wurde nachträglich eine Aussichtsterrasse gebastelt. Man fährt bis zum 37. Stock, geht ein paar Treppen nach oben, bezahlt bei einem netten Hotelmitarbeiter, der auch Getränke im Angebot hat, drei Euro und geht raus. Es stehen ein paar stoffbespannte Liegestühle herum, wie man es von diesen Strandbars kennt. Es ist sehr windig, das sind Aussichtstürme ja meistens. Man schaut direkt auf den Fernsehturm, der ist ganz nah, gegenüber. Und über die ganze Stadt. Man schaut aber durch ein Sicherheitsnetz, so ähnlich wie es Katzenbesitzer oft an den Balkon basteln, nur größere Maschen und stabiler. Dieser Aussichtspunkt auf Berlin ist für meinen Geschmack bislang der bei Tag am wenigsten attraktive, auf dem ich bisher war, obwohl die anderen keine Getränke im Angebot haben. Ich würde es keinem Berlin-Besucher ans Herz legen und auch keinem Berliner. Die Terrasse wirkt auf mich trotz der Strandliegen ein bißchen improvisiert und lieblos und man findet keine windgeschützte Ecke. Ich finde, man muss da nicht rauf, lieber woanders. Und da dachte ich gestern, als ich da oben war, wie unvergleichlich schöner es doch auf der Kuppelbalustrade des Französischen Doms ist. Man kann es eigentlich gar nicht vergleichen. Sagen wir, wenn man Flair in Hotelkategorien ausdrücken wollte, wäre die Plattform vom Park Inn eine Jugendherberge und der Französische Dom ein fünf Sterne-Hotel. Ein unvergesslicher Eindruck. Ich war am dritten März zum ersten Mal in meinem Leben da oben, auf der Domkuppel. Es kostet auch drei Euro Eintritt. Man sollte sich vielleicht selber etwas zu trinken mitnehmen. Ein Fläschchen Champagner wäre durchaus angemessen. Oder ein schöner Châteauneuf-du-Pape. Und Gläser. Oder einen Eisbecher. Kein Bier, denn das wäre dem Ort nicht angemessen, ja unschicklich.

Es muss ein elegantes Getränk sein oder ein Eisbecher mit Schlagsahne. Oder ein großer Becher heiße Schokolade oder Kaffee. Aber ohne Plastikdeckel! Dazu feinste Trüffel- Nuss- und Nougat-Pralinen. Mozartkugeln! Constanze-Marzipanherzen! Oder meinethalben auch eine Packung Raffaello oder Ferrero Rocher. Als ich nach oben gegangen bin, hat das wunderbare Carillon angefangen zu spielen, das Glockenspiel. Ich war hin und weg und habe ganz aufgeregt, ganz schnell nach der Filmfunktion auf meiner Kamera geguckt und angemacht. Man kann es nicht beschreiben. Es ist mir unvorstellbar, dass irgendein Mensch keine Gänsehaut bekommt, in so einem Augenblick. Für mich kam es auch noch überraschend, ich wusste das gar nicht. Und nun stand ich so dicht an dem Glockenspiel, an dieser mächtigen Konstruktion wie aus einem Jules Verne-Roman. Ich habe damals noch am selben Tag die kleine Filmaufnahme hochgeladen, hier ist der Eintrag. Nur für die vielen mitgebrachten Bilder habe ich sehr lange gebraucht. Ich habe heute viel Zeit damit zugebracht, die Bilder in eine Reihenfolge zu bringen, die mein Erleben nachempfindbar macht. Die Wendeltreppe nach oben zu gehen, die Höhe des schlanken Kuppelturms zu begreifen und die mächtige Eisenkonstruktion des Glockenspiels. Durch die wagenradgroßen, runden Aussichtsfenster zu schauen und nach draußen zu treten, einmal oder auch zweimal rund um die Kuppel, mit den großen steinernen Amphoren und dem stolzen Krähenvogel, der wie ein König oben auf einer der Amphoren thronte und erhaben und zufrieden über sein Reich in die sinkende Sonne schaut. Am Ziel.


http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Das sind Momente, die ich teilen möchte. Und deshalb widme ich diesen Eintrag ganz besonders allen Menschen, denen es nicht möglich ist, aus eigener Kraft auf so einen Aussichtspunkt zu gelangen und das Glück zu empfinden, wie ein königlicher Vogel über die Stadt zu blicken. Fliegen kann auch ich nicht, das können nur die Vögel, aber ich kann Bilder verschenken, um gemeinsam mit mir durch meine Augen zu fliegen, in den Himmel über Berlin.
07. September 2012

Noch eine Ikone. Jeden Tag Büchermarkt UdL an der HU. So, und jetzt noch mal ausgeschrieben, für alle verständlich: Jeden Tag ist Büchermarkt Unter den Linden an der Humboldt Universität. Geht doch! Bei der Gelegenheit bietet es sich an zu erwähnen, wie unsympathisch mir insidermäßiges Abkürzungsgewäsch ist, wenn man eigentlich Klarheit darüber hat, dass nicht nur Kenner der verquasten Materie lesen oder zuhören. Ich kann mich gerade ganz schlecht auf den Blogeintrag konzentrieren, weil ich im Hintergrund eine Sendung aus einer Mediathek höre. Dabei höre ich der Sendung gar nicht zu! Auch nicht vorbildlich. Ich mache jetzt aus, die Sendung – Moment – so jetzt. Also jetzt noch mal lesen, was ich bis jetzt getippt habe und dann weiter. Augenblick, muss lesen.

So, fertig. Was könnte man noch schreiben, außer dass die Bilder selbstverständlich ebenfalls am dritten März 2012 entstanden sind, nach meinem Abstieg von der Französischen Domkuppel. Der Heimweg ist halt nun einmal am kürzesten Unter den Linden entlang, aber auch schön. Ich mag den Büchermarkt. Ich glaube, das sind hauptsächlich Studenten, die da ihre Bücher hinpacken, oder meine romantische Vorstellung. Ist ja auch egal, Bücher sind immer dekorativ, nicht nur in der Wohnung, auch im Stadtbild. Mir ist aufgefallen, dass man an den präsentierten Buchtiteln, den besonders dekorierten Büchern, die ganz vorne, erkennen könnte, dass es ein Bücherflohmarkt in Berlin ist, wegen Schinkel und Wende und allem! Woanders stehen bestimmt andere Titel ganz vorne. In München wäre es vielleicht ein Bildband über die König Ludwig-Schlösser oder ein Buch über Karl Valentin. In Hamburg wahrscheinlich Hans Albers und vielleicht ein Bildband über Domenica. Und natürlich irgendwas mit Hafen und Schiffen. Auf alle Fälle bin ich dafür, dass überall Bücher herumliegen, zum Gucken und Staunen und Kaufen und als Deko oder Türstopper.

Bei mir liegt immer ein Buch, also das Buch, das ich gerade lese, in einem Zimmer, wo nicht der Computer steht. Es ist nicht das Schlafzimmer und auch nicht die Küche! Ein Rätsel! Ich kann Rätsel nicht ausstehen. Wie es mir auf die Nerven geht, wenn jemand zu mir sagt: „Rate mal, was ich…“ usw. usf. – dafür habe ich keine Zeit! Raus mit der Sprache oder halt nicht! Das ist natürlich immer dramaturgisch gemeint, um die Spannung zu erhöhen, aber nach dieser Art von Spannung steht mir nicht der Sinn. Also kurz und gut – das Buch liegt im Badezimmer, griffbereit auf einer gepolsterten Truhe gegenüber von da, wo der Kaiser zu Fuß hingeht. Ich wollte jetzt nicht Klo schreiben, solche Ausdrücke sind mit Assoziationen belastet, die in diesem Fall nicht angebracht sind, da meine Badestube jedem Studierzimmer Ehre machen würde. Also bitte, keine falschen Vorstellungen. Lesen ist mein Hobby! Selbstverständlich lege ich auch bei der Ausübung dieses Steckenpferdes Wert auf ein angemessenes Ambiente. Ich denke, das ist jetzt genug Text, um den Platz zwischen den Bildern oben und unten einigermaßen ansprechend zu dekorieren.
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05. September 2012
Durch einen Zufall auf eine dieser automatisch generierten Seiten mit flickr content gekommen, wo man den eigenen Bilderstrom nach dem Kriterium „most interesting“ sieht, von oben nach unten sortiert. Keine Ahnung, wer sich so etwas ausdenkt. Ich habe jetzt eine ganze Weile geguckt. Von oben nach unten. Wie ein Film.

Auf eine Art sortiert, wie man es selbst nie machen würde, wozu auch. Aber interessant. So durcheinander, zufällig und mosaikartig läuft dann wahrscheinlich irgendwann einmal der Lebensfilm ab, falls es ihn gibt. Bei diesem Bild blieb ich dann hängen und habe aufgehört. Morgen kommt mein Kühlschrank. Muss schlafen jetzt.
06. September 2012
Gestern war ich wieder einmal auf einer Aussichtsplattform. Am Alexanderplatz steht ein viereckiger Turm mit 39 oder 40 Stockwerken, das Hotel „Park Inn“, früher zu DDR-Zeiten „Forum-Hotel“. In der 37. Etage ist eine Location, die man mieten kann und nach der Wende wurde nachträglich eine Aussichtsterrasse gebastelt. Man fährt bis zum 37. Stock, geht ein paar Treppen nach oben, bezahlt bei einem netten Hotelmitarbeiter, der auch Getränke im Angebot hat, drei Euro und geht raus. Es stehen ein paar stoffbespannte Liegestühle herum, wie man es von diesen Strandbars kennt. Es ist sehr windig, das sind Aussichtstürme ja meistens. Man schaut direkt auf den Fernsehturm, der ist ganz nah, gegenüber. Und über die ganze Stadt. Man schaut aber durch ein Sicherheitsnetz, so ähnlich wie es Katzenbesitzer oft an den Balkon basteln, nur größere Maschen und stabiler. Dieser Aussichtspunkt auf Berlin ist für meinen Geschmack bislang der bei Tag am wenigsten attraktive, auf dem ich bisher war, obwohl die anderen keine Getränke im Angebot haben. Ich würde es keinem Berlin-Besucher ans Herz legen und auch keinem Berliner. Die Terrasse wirkt auf mich trotz der Strandliegen ein bißchen improvisiert und lieblos und man findet keine windgeschützte Ecke. Ich finde, man muss da nicht rauf, lieber woanders. Und da dachte ich gestern, als ich da oben war, wie unvergleichlich schöner es doch auf der Kuppelbalustrade des Französischen Doms ist. Man kann es eigentlich gar nicht vergleichen. Sagen wir, wenn man Flair in Hotelkategorien ausdrücken wollte, wäre die Plattform vom Park Inn eine Jugendherberge und der Französische Dom ein fünf Sterne-Hotel. Ein unvergesslicher Eindruck. Ich war am dritten März zum ersten Mal in meinem Leben da oben, auf der Domkuppel. Es kostet auch drei Euro Eintritt. Man sollte sich vielleicht selber etwas zu trinken mitnehmen. Ein Fläschchen Champagner wäre durchaus angemessen. Oder ein schöner Châteauneuf-du-Pape. Und Gläser. Oder einen Eisbecher. Kein Bier, denn das wäre dem Ort nicht angemessen, ja unschicklich.

Es muss ein elegantes Getränk sein oder ein Eisbecher mit Schlagsahne. Oder ein großer Becher heiße Schokolade oder Kaffee. Aber ohne Plastikdeckel! Dazu feinste Trüffel- Nuss- und Nougat-Pralinen. Mozartkugeln! Constanze-Marzipanherzen! Oder meinethalben auch eine Packung Raffaello oder Ferrero Rocher. Als ich nach oben gegangen bin, hat das wunderbare Carillon angefangen zu spielen, das Glockenspiel. Ich war hin und weg und habe ganz aufgeregt, ganz schnell nach der Filmfunktion auf meiner Kamera geguckt und angemacht. Man kann es nicht beschreiben. Es ist mir unvorstellbar, dass irgendein Mensch keine Gänsehaut bekommt, in so einem Augenblick. Für mich kam es auch noch überraschend, ich wusste das gar nicht. Und nun stand ich so dicht an dem Glockenspiel, an dieser mächtigen Konstruktion wie aus einem Jules Verne-Roman. Ich habe damals noch am selben Tag die kleine Filmaufnahme hochgeladen, hier ist der Eintrag. Nur für die vielen mitgebrachten Bilder habe ich sehr lange gebraucht. Ich habe heute viel Zeit damit zugebracht, die Bilder in eine Reihenfolge zu bringen, die mein Erleben nachempfindbar macht. Die Wendeltreppe nach oben zu gehen, die Höhe des schlanken Kuppelturms zu begreifen und die mächtige Eisenkonstruktion des Glockenspiels. Durch die wagenradgroßen, runden Aussichtsfenster zu schauen und nach draußen zu treten, einmal oder auch zweimal rund um die Kuppel, mit den großen steinernen Amphoren und dem stolzen Krähenvogel, der wie ein König oben auf einer der Amphoren thronte und erhaben und zufrieden über sein Reich in die sinkende Sonne schaut. Am Ziel.


http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Das sind Momente, die ich teilen möchte. Und deshalb widme ich diesen Eintrag ganz besonders allen Menschen, denen es nicht möglich ist, aus eigener Kraft auf so einen Aussichtspunkt zu gelangen und das Glück zu empfinden, wie ein königlicher Vogel über die Stadt zu blicken. Fliegen kann auch ich nicht, das können nur die Vögel, aber ich kann Bilder verschenken, um gemeinsam mit mir durch meine Augen zu fliegen, in den Himmel über Berlin.
05. September 2012
Durch einen Zufall auf eine dieser automatisch generierten Seiten mit flickr content gekommen, wo man den eigenen Bilderstrom nach dem Kriterium „most interesting“ sieht, von oben nach unten sortiert. Keine Ahnung, wer sich so etwas ausdenkt. Ich habe jetzt eine ganze Weile geguckt. Von oben nach unten. Wie ein Film.

Auf eine Art sortiert, wie man es selbst nie machen würde, wozu auch. Aber interessant. So durcheinander, zufällig und mosaikartig läuft dann wahrscheinlich irgendwann einmal der Lebensfilm ab, falls es ihn gibt. Bei diesem Bild blieb ich dann hängen und habe aufgehört. Morgen kommt mein Kühlschrank. Muss schlafen jetzt.
4. September 2012

Heute war ich an einem der schönsten Orte unter dem Himmel von Berlin. Ich wagte mich durch das Tor der großen Moschee und ein muslimischer Bruder lud mich herzlich ein, die Moschee zu betreten und mir alles anzuschauen. Ich habe gefragt, ob ich Fotos machen darf. Ja! In der Moschee ist jeder herzlich willkommen, auch Brüder und Schwestern mit anderer oder gar keiner Religion. Man muss nur die Schuhe ausziehen, weiter nichts. Dann sinkt man in den tiefen Teppich und ist wie in einem Märchen aus Tausend und einer Nacht. Ganz zauberhaft. Ein junger, gläubiger Muslime hat erzählt, was alles in der Moschee gemacht wird. Manchmal hat er sich im Schneidersitz auf den dicken Teppich gesetzt. Die Moschee ist nicht nur wie eine Kirche sondern ein Treffpunkt, wo man im Hof auch was trinken kann und essen, wenn man mag. In der Moschee darf nicht nur der Imam sprechen sondern auch andere, Hauptsache es ist ein wissenschaftlicher Vortrag. In der einen Nische hat ein gläubiger Mann in Richtung Mekka gebetet. Es gibt einen wunderschönen heiligen Schrein an der Wand, damit man beim Beten gleich die richtige Richtung weiß und nicht lange überlegen muss. Es wurde auch erklärt, was die Gebetshaltungen von den Armen und Händen bedeuten. Das war alles sehr schön und leicht und heiter. Gar nicht ernst und schwer, und sehr innig. Die Moschee ist drinnen so sauber, so rein, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Ich habe noch nie irgendwo einen so sauberen Teppich gesehen. Alle gehen in Strümpfen, wie im Wohnzimmer. Es ist ganz still, die Fenster sind leicht geöffnet und es weht ein leichter Wind, man hört die Blätter rauschen, sieht die Sonnenflecken auf dem Teppich und fühlt sich aufgehoben. An der Decke und überall sind wunderschöne, filigrane Arabesken und Ornamente gemalt. Die gemauerten Bögen der Säulengänge haben ein Blockstreifenmuster wie in der Alhambra. Es ist überhaupt vieles wie in der Alhambra, nur lichter und wohnlicher. Ein lichter, federleichter freundlicher Palast zu Ehren der Schöpfung. Wundervoll. Als ich gegangen bin und noch einmal zurückgeschaut habe, um die schöne Moschee ganz zu sehen, mit den beiden Minaretten, hat mich ein anderer freundlicher Muslime im Hof angesprochen und mich ebenfalls mit großer Herzlichkeit ermutigt, doch gerne hineinzugehen. Aber ich war ja schon drin, das hat er nicht gewusst. Ich habe ihm gesagt, wie schön ich die Moschee finde, er hat gestrahlt und noch fast besorgt gefragt, ob ich auch schon ein Foto von der Moschee mit beiden Türmen drauf habe? So eins müsste ich auch noch machen. Das habe ich dann auch noch gemacht. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich gespürt habe, wie rein die Atmosphäre dort ist. Er hat interessiert zugehört und gemeint, dass das nicht jeder gleich so spürt, aber so ist es. Er hat sich nett verabschiedet und ich bin aus einem arabischen Märchen direkt zur Bushaltestelle gegangen. Wie auf einer Wolke.

Mit deiner Seele hat sich meine
Gemischt, wie Wasser mit dem Weine.
Wer kann den Wein vom Wasser trennen,
Wer dich und mich aus dem Vereine?
Du bist mein großes Ich geworden,
Und nie mehr will ich sein dies kleine.
Du hast mein Wesen angenommen,
Sollt‘ ich nicht nehmen an das deine?
Auf ewig hast du mich bejahet,
Daß ich dich ewig nie verneine.
Dein Liebesduft der mich durchdrungen,
Geht nie aus meinem Mark und Beine.
daß ich seufze,
Gieb einen Schlag mir, daß ich weine.
Süß ist mein Weinen und mein Seufzen,
Daß ich der Welt zu jauchzen scheine.
Du ruhst in meiner Seele Tiefen
Mit deines Himmels Widerscheine.
O Edelstein in meinen Schachten,
O Perl‘ in meinem Muschelschreine.
Mein Zucker ist in dir zerschmolzen,
O Milch des Lebens, milde, reine;
Und unsre beiden Süßigkeiten
Genießet Kindermund als eine.
Du preßtest mich zu Rosenwasser,
Nicht seufzt‘ ich unter deinem Steine.
In deiner süßen Qual vergaß ich,
Daß ich die Rose war am Raine.
Da brachtest du an deinen Kleidern
Mich mitten unter die Gemeine;
Und als du auf die Welt mich gossest,
Ward sie zu einem Rosenhaine.
Dschalal ad-Din Muhammad Rumi 1207-1273
in der Übersetzung von Friedrich Rückert, 1819
03. September 2012
Hallo liebe Leser. Und Leserinnen. Da bin ich wieder. Erstaunlich, wie lange es einem vorkommt, wenn man mal vierundzwanzig Stunden unfreiwillig keinen Zugriff auf das Internet hatte. weil nun auch der heimische Router den Gang alles Irdischen gegangen ist. Aber der Hunger treibt’s rein: auf zum T-Punkt und außerordentlich gut bedient worden. Ein junger Mitarbeiter, (ich schreibe jetzt nicht gutaussehend, obwohl er nicht unattraktiv war, das nervt dann ja auch langsam) stand bereits in der Tür des T-Punkt-Ladens in der Friedrichstraße und wartete auf neue Kundschaft. Ich konnte die unerquickliche Warterei schnurstracks beenden. Bestens vorbereitet hatte ich meinen halb verstorbenen Router dabei und er konnte nach einem kurzen Test den bedauernswerten Zustand bestätigen. Für solche tragischen Schicksalsschläge hat die Telekom sehr pietätvoll sofort ein Leihgerät parat, das man ohne Umstände mit einer Unterschrift in die Hand gedrückt bekommt. Zwar nicht in jedem T-Punkt vorrätig, aber das kann man ja von den freundlichen Mitarbeitern auschecken lassen, telefonisch. Im T-Punkt Weinmeisterstraße waren die Leih-Router gerade vergriffen, aber am Potsdamer Platz waren noch mindestens zwei für mich abholbereit. Gelber Klebezettel drauf und nur noch hin und abholen. S-Bahn Potsdamer Platz, wie immer ein bißchen herumgeirrt, bis ich den Eingang zu den Arkaden gefunden habe (danke an die nette Drogeriemarkt Müller-Verkäuferin an dieser Stelle, die mir mit dem Weg behilflich war) und zehn Minuten später mit Leih-Router auf dem Weg nach Hause.
Vorher war ich noch bei meiner Hausverwaltung in der Friedrichstraße, im Spreekarree. Da war ich vorher noch nie! Den netten Herrn Thiem kennengelernt, der die Kühlschranksache unter seinen Fittichen hat. Er musste natürlich über meine Erklärung, könnte gerade nicht telefonieren (IP-basierter Dings) und mailen und wollte mich mal erkundigen, juxen: „Telefonrechnung nich bezahlt, wa?“, was ich selbstverständlich detailverliebt richtig gestellt habe, da ich meine Rechnungen seit geraumer Zeit pünktlich zu begleichen pflege. Die Sache ist jedenfalls in Arbeit und es gibt auch einen Liefertermin, Donnerstag, zwischen zehn und fünfzehn Uhr. Ich habe dann noch die Mieterhöhung angesprochen, aber die ist wiederum in der Hand der Hauseigentümer und der Anwaltskanzlei. Wenn ich auf das nicht vorhandene Gästeklo aufmerksam machen möchte, dann gerne schriftlich. Meinethalben. Ich habe dem Herrn Thiem dann noch klar gemacht, dass er nicht denken muss, ich wüsste nicht, was mit den Mieten in Mitte Sache ist: „ich bin ja nicht aus dieser Welt!“ und will ja nun auch keinen unangemessenen Aufstand produzieren und gleich Widerspruch einlegen, nicht wahr. Aber klären möchte ich das schon, vielleicht macht es ja einen Unterschied. Guckt er wieder so friedlich wie vorher, so ein bißchen Typ Raimund Harmsdorff, aber weniger sexy, falls sich noch jemand an den Seewolf oder so ähnlich erinnert und fragt mich so ins Blaue, ob ich eine Wohnung in der Schumannstraße haben will, da wäre gerade was frei geworden, so ähnlich wie meine. Nennt den Preis, bißchen weniger als meine. Also wenn ich keine hätte, könnte mich die schon interessieren. Zur Orientierung: das Deutsche Theater befindet sich in der Schumannstraße. Haha, das wäre ja noch überkandidelter als Adresse. Und als nächstes ein Penthouse am Gendarmenmarkt, was kostet die Welt! Nein, nein, ich bescheide mich weiter mit meinem kleinen Adlerhorst am Gipsdreieck. Anschließend ruckzuck neuen Router konfiguriert, ich kann das mittlerweile im Schlaf (nach ca. zwanzig unermüdlichen, fehlgeschlagenen (aber korrekt durchgeführten!!!) Versuchen in den letzen zwei Tagen), und etwas enttäuscht festgestellt, das recht wenig in den letzten vierundzwanzig Stunden im Internet passiert ist. Ich habe praktisch gar nichts verpasst! Nur gefühlt eben. Bild mit mir selber drauf klebe ich heute keines rein, das wirkt immer so eitel, so in kurzer Folge hintereinander! (was ich aber natürlich trotzdem unverändert – OHNE WENN UND ABER – bin!)
P.S.:
da ich ja gestern Abend nicht ordnungsgemäß berichten konnte: ich war schon wieder im Vergnügungspark im Plänterwald! Diesmal überall, wo man nur mit Führer hinkommt. Darf man Führer schreiben? Also einem, der einen führt. Mann, waren das viele, mein lieber Schwan! Da ich ja charakterbedingt immer so gründlich bin, musste ich nach meinem Erstausflug, wo ich ja nicht überall war, sondern nur Bimmelbahn gefahren und mich einmal kurz hinter die Absperrung verlaufen (aus Versehen, versteht sich!) nochmal den Rest gucken gehen, großes Drachenmaul aus der Filmszene mit Cate Blanchett und Piratenschiff. Oh, das war so schön. Ich glaube, ich habe auch einen bekannten Blogger unter den anderen in der Gruppe erkannt, mir aber nichts anmerken lassen, hihi! Er hat mich mal als Freundin bei facebook angefragt und damals habe ich noch alle möglichen bestätigt aber später dann, in einer Aufräumaktion, alle die ich nicht wenigstens von einem Gespräch unter vier Augen oder unter vier E-Mails kenne, gelöscht. Da musste er auch dran glauben. Er hat manchmal ein bißchen geguckt, als ob da irgendwas klingelt, aber konnte mich glaube ich nicht zuordnen. Ich sage aber nicht wer! Seine Freundin war auch dabei und hat eine Annie Lennox-Frisur und knallroten Lippenstift!

Mein lieber Schwan!
1. September 2012
Ach komm scheiß drauf, Chronologie heckmeck, hier aktuelles Foto, vorhin 19 Uhr, U-Bahnhof Heine Heine-Str., kurz bevor ich noch zwei Fotos gemacht habe, auf die U 8 wartenderweise, vor einem Cindy Crawford-Poster. Die hat ja jetzt diese schicke C&A-Serie in schwarzweiß. Gefällt mir gut! Cindy gefällt mir gut. Wir sind ja fast gleich alt. Wobei ich natürlich die Ältere bin. In drei Jahren fünfzig! Vorhin mal gerechnet, ob ich tatsächlich noch runde sechzig Jahre aushalte? Mal gucken. Ich lege mich da heute noch nicht fest. Ich weiß ja noch nicht mal, was ich morgen vorhabe. Ha!

a r s c h c o o l
2. September 2012
Ja ja, ich weiß, der Leser leidet unter dem ewigen Schwarzweiß. Also klebe ich zur Feier des Tages zwei weitere handverlesene Farbbilder von heute – Moment – 19:19 Uhr und 19:21 Uhr in mein kleines Poesiealbum. Die nachfolgende Aufnahme bildet mich vorhin in meiner Küche am Küchenfenster ab, unten, im Hintergrund sehen wir die Fassade des Gebäudes, in dem sich ein sogenanntes Szene-Café im Bezirk Mitte mit Namen Hackbarth’s befindet. Gastronomische Einrichtungen wie diese tragen dazu bei, dass dem Anwalt mit dem Mieterhöhungsangebot recht zu geben ist. Ich bin da zwar nie drin, aber ich gucke gerne, wer da so rumsitzt, was die Leute so anhaben (Miniröcke!) und frühstücken. Stilkunde! Immer interessant. Sozusagen kostenlose Fortbildung.

Zwei Minuten später, also auch vorhin, entstand die folgende Aufnahme, welche mich auf dem Nordbalkon abbildet. Nun werden Sie sagen, Nordbalkon? Geht’s noch? Wer möchte schon einen Nordbalkon haben? Ein Fall für Mietminderung! Aber ich, meine Damen und Herren, nutze diesen exklusiven Nord-Balkon nunmehr auch als Kühlschrank. Ein multifunktionaler Balkon, den man erst einmal haben muss. Dass es noch einen zweiten Balkon gibt, zur anderen Seite mit Blick auf diese lästige Kuppel vom Berliner Dom, kehre ich an dieser Stelle diskret unter den Teppich. Blöd, dass es der Anwalt aber trotzdem mitgekriegt hat. Aber das Gästeklo ist trotzdem gelogen. Und ja, ich nutze den Fahrstuhl. Dafür ist er ja wohl da. Und die Badewanne. Und die Dusche. Jawohl. Schließlich bin ich vom Sternzeichen Jungfrau und daher ein reinlicher Typ! Soll ich dafür etwa bestraft werden? Ob die Fliesen allerdings aus echtem Marmor sind, wie Sie schreiben, Herr Anwalt, das ist eventuell noch durch meine Anwältin zu prüfen. (Für Frau Klugscheisser: im Tageslicht besser zu erkennen: mit Siebenundvdreißig hat man mitunter doch schon das eine oder andere graue Strähnchen. Aber sonst alles Natur! Vor allem der Eyeliner. Der war aber nicht so ungleichmäßig, als ich fünf Stunden vorher zu meinem Ausflug los bin. Eindeutig der Alterungsprozess!)

PS:
hier schnell noch ein topaktuelles Bild! Inzwischen ist es 1:47 Uhr, das Make up ist mehr oder weniger komplett zerbröckelt und ich fühle mich nun doch altersbedingt nicht mehr so ganz frisch, wie es die anderen Bilder noch erfolgreich vorzutäuschen vermochten:

1. September 2012
Ach komm scheiß drauf, Chronologie heckmeck, hier aktuelles Foto, vorhin 19 Uhr, U-Bahnhof Heine Heine-Str., kurz bevor ich noch zwei Fotos gemacht habe, auf die U 8 wartenderweise, vor einem Cindy Crawford-Poster. Die hat ja jetzt diese schicke C&A-Serie in schwarzweiß. Gefällt mir gut! Cindy gefällt mir gut. Wir sind ja fast gleich alt. Wobei ich natürlich die Ältere bin. In drei Jahren fünfzig! Vorhin mal gerechnet, ob ich tatsächlich noch runde sechzig Jahre aushalte? Mal gucken. Ich lege mich da heute noch nicht fest. Ich weiß ja noch nicht mal, was ich morgen vorhabe. Ha!

a r s c h c o o l
1. September 2012
Liebe Leser und Leserinnen,
heute ist ein ganz besonderer Tag! Ich habe meine erste Mieterhöhung seit Dingsbums gekriegt. Zu faul zum Nachgucken. Aber weil ich ja in den letzten Monaten wie ein Weltmeister gelernt habe, meine Kröten besser als einen Sack Flöhe zu hüten, bin ich weniger in Panik ausgebrochen, als es eventuell noch vor einem Jahr der Fall gewesen wäre. Offen gestanden, habe ich mir schon seit einer Weile insgeheim gedacht, huiuiui, gut dass die Hausbesitzer mutmaßlich weit, weit weg wohnen, so kriegen sie vielleicht nicht so richtig mit, in welcher Ecke ihr Mietshaus steht. Also nicht, dass die Herrschaften nicht wüssten, wo es sich adressenmäßig befindet, aber man ist ja nicht immer so auf dem Laufenden, wie sich die Bezirke in fernen Städten entwickeln. Nun hat man also doch den Schuss gehört und gleich einen Rechtsanwalt beauftragt, den Mietern die frohe Botschaft zu übermitteln. Wie gesagt, ich bin eigentlich eher überrascht gewesen, dass das noch nicht früher passiert ist, allerdings doch schon etwas stramm, so auf einen Schlag um die hundertzwanzig Euro mehr. Muss mal genau nachrechnen. Nun kann man die Argumentationskette auch schlecht widerlegen. Die scheint mir doch recht wasserdicht, wenn ich mir den Berliner Mietspiegel angucke, den etwas inoffizielleren für 2012 (unter M wie Mitte) Nun ja, zur Entspannung guckt man dann einfach noch mal rüber nach Hamburg und nach München und dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Allerdings habe ich kein Gästeklo, wie in dem Schreiben erwähnt wird. Die Türen entsprechen auch nicht so ganz dem optischen Luxustandard der Lage, aber ich will da nicht kleinlich sein. Aber nachhaken möchte ich schon mal, am Montag wenn ich in Sachen Kühlschrank anrufe, ob das nicht vorhandene Gästeklo vielleicht rausgerechnet werden kann, und ob ich mir eventuell die drei genannten Vergleichsobjekte angucken könnte, da hinten in der Alten Schönhauser und noch zwei andere in meinem Dreh. Ich gucke ja gerne Wohnungen. Die daily soap auf Vox allerdings nicht mehr, ich habe zu viele Folgen davon gesehen und meine einen guten Überblick über ortsübliche Mieten erhalten zu haben. Daher ist ein gewisser Schrecken zwar durchaus vorhanden, aber die Empörung hält sich in Grenzen. Man muss nicht unbedingt in Mitte wohnen. Aber es ist schon sehr, sehr nett.
Ein bißchen charmanter hätte man das aber vielleicht schon übermitteln können, als über einen Rechtsanwalt. Ich dachte schon, ich hätte unbewusst etwas angestellt. Vielleicht eine GEMA-Abmahnung, für unzulässige Musikschnipsel-Verwertung. Mist, ich habe ja wirklich ein bißchen Dreck am Stecken, fällt mir auf. Das hat jetzt aber keiner gelesen!
Ansonsten war ich bei EDEKA in der Rosi, bißchen einkaufen und dann zusammengebrochenen Router resetten und blöde Internet-Telefonie neu konfigurieren, dann Test-Anruf bei Versuchskaninchen Jan, nochmal blödes Router-Gefrickel und dann Ausflug, kleiner Ausflug. Aber schön. Ich war im Plänterwald, im vor sich hinrottenden Vergnügungspark aus den Sechzigern wo sogar schon Hollywoodfilme gedreht worden sind. Mit umgekippten Dinos und wildem Gestrüpp. Ganz schön dort. Und Bimmelbahn gefahren. Feine Sache. Zwei Euro! Ab heute kann ich ja wieder herumgurken wie verrückt, weil mein BVG-Abo seit heute gilt.
Es war schön sonnig und ich habe ein knalloranges Hemdchen angezogen und eine weiße Hose. Im kleinen Rucksack (für später kälter) meine schwarze Who killed Bambi?-Jacke mit den weißen Streifen und den Sternen auf den Ärmeln. Die kids im Vergnügungspark haben ein bißchen neidisch geguckt! Klar. Wahrscheinlich nicht nur wegen der Jacke, sondern weil ich schon groß bin! Habe schöne Fotos gemacht, versprochen.
30. August 2012
Bloß kein Stress! Ich werde zum Glück langsam etwas entspannter, was ich auf das fortschreitende Lebensalter zurückführe. Sicher wäre es interessant, einen Assistenten oder eine Assistentin zu haben, die in meinem Sinne die seit drittem März 2012 entstandenen und bereits auf 6.038 minimierten, unveröffentlichten Bilddokumente weiter sichtet, ausmistet und ggf. optimiert, aber Mitarbeiter brauchen Aufmerksamkeit und verdienen Lohn. Das wird mir dann alles zu kompliziert! Ich bin zum Beispiel überhaupt nicht der Typ für Personal, obwohl ich Dienstleistungskräfte sehr schätze. Aber nicht in meinem Haushalt, es sei denn, es lässt sich gar nicht umgehen und der Handwerker muss ran. Obwohl ich auch da gerne selbständig bin. Beispielsweise hätte ich ohne weiteres den kranken (und mittlerweile verstorbenen) Kühlschrank durch den Fachmann ausbauen lassen können, aber mir hat vor der Sauerei gegraust, wenn die Sockelleiste abgenommen wird und das ganze Elend zutage tritt. Dann hätte der gute Mann auch nach einem Wischlappen gefragt und ich hätte reagieren müssen. So habe ich das Gerät selbsttätig ausgebaut, den Schaden analysiert und eingegrenzt (danke, Internet) und konnte den Elektrikern und dem Monteur vorgestern eine picobello Küchezeilenlücke für den nächsten Kühlschrank präsentieren, wo man gerne professionell tätig wird. Natürlich hätte ich auch noch am liebsten die Elektrik selber geprüft aber so schnell geht es nun einmal nicht mit dem Internetabendstudium in Elektrotechnik, auch fehlen mir zur abschließenden Beurteilung noch die entsprechenden professionellen Phasen- und Spannungsprüfgeräte. Sicher nicht ganz billig! Die Hausverwaltung lässt sich das dann auch gerne vom qualifzierten Fachmann bestätigen, wozu ich mich noch längst nicht zählen darf. Aber immerhin kenne ich nun den Unterschied zwischen Sicherungskasten und Sicherungsautomat und Leitungsschutzschalter und Schmelzsicherung aus dem Effeff! Gerne erinnere ich mich an das anerkennende Lächeln des Monteurs, als ich vorgestern semiprofessionell erläuterte, dass der FI-Schalter (wie wir Fachleute gerne sagen) meiner Einschätzung nach einwandfrei funktioniert und die Kupferplatine ordnungsgemäß den Kurzschluss auslöst. So kann man bei Männern punkten! Nicht, dass ich es darauf angelegt hätte. Ich habe nur in den letzten Wochen immer wieder gegrübelt, wieso in meinem Sicherungsautomaten keine Schraubsicherungen drin sind, wie früher in den anderen Wohnungen. Nun bin ich schlauer: eine völlig veraltete Technik! Aber das kann ja jede elektrotechnik-interessierte Leserin im Selbststudium per Internet herausfinden! Eigentlich wollte ich nur mitteilen, dass ich mir keinen Stress mehr mache, mit möglichst viel und regelmäßig Bloggen incl. topaktuellem Bildmaterial und dem ganzen Heckmeck und Sozialstress. Nun ist doch wieder ein topaktueller Eintrag dabei herausgekommen! Es hat eben sollen sein! Übrigens warte ich nun auf die Kühlschranklieferung und bin guter Hoffnung, dass es morgen vielleicht sogar eine Art Terminankündigung geben könnte. Bis dahin sind die Sachen auf dem Balkon auf der Nordseite, so mittelgekühlt. Geht auch irgendwie. Man muss nicht verhungern! Gut, dass ich keine Milchtrinkerin bin, sonst wäre es schwierig. Joghurt und Quark und Käse hält sich auch bei geringerer Kühlung einigermaßen. Ich kaufe dann halt öfter und weniger. So, genug der unglamourösen, profanen Hauswirtschafts-Mitteilungen. Nacht!
30. August 2012
Bloß kein Stress! Ich werde zum Glück langsam etwas entspannter, was ich auf das fortschreitende Lebensalter zurückführe. Sicher wäre es interessant, einen Assistenten oder eine Assistentin zu haben, die in meinem Sinne die seit drittem März 2012 entstandenen und bereits auf 6.038 minimierten, unveröffentlichten Bilddokumente weiter sichtet, ausmistet und ggf. optimiert, aber Mitarbeiter brauchen Aufmerksamkeit und verdienen Lohn. Das wird mir dann alles zu kompliziert! Ich bin zum Beispiel überhaupt nicht der Typ für Personal, obwohl ich Dienstleistungskräfte sehr schätze. Aber nicht in meinem Haushalt, es sei denn, es lässt sich gar nicht umgehen und der Handwerker muss ran. Obwohl ich auch da gerne selbständig bin. Beispielsweise hätte ich ohne weiteres den kranken (und mittlerweile verstorbenen) Kühlschrank durch den Fachmann ausbauen lassen können, aber mir hat vor der Sauerei gegraust, wenn die Sockelleiste abgenommen wird und das ganze Elend zutage tritt. Dann hätte der gute Mann auch nach einem Wischlappen gefragt und ich hätte reagieren müssen. So habe ich das Gerät selbsttätig ausgebaut, den Schaden analysiert und eingegrenzt (danke, Internet) und konnte den Elektrikern und dem Monteur vorgestern eine picobello Küchezeilenlücke für den nächsten Kühlschrank präsentieren, wo man gerne professionell tätig wird. Natürlich hätte ich auch noch am liebsten die Elektrik selber geprüft aber so schnell geht es nun einmal nicht mit dem Internetabendstudium in Elektrotechnik, auch fehlen mir zur abschließenden Beurteilung noch die entsprechenden professionellen Phasen- und Spannungsprüfgeräte. Sicher nicht ganz billig! Die Hausverwaltung lässt sich das dann auch gerne vom qualifzierten Fachmann bestätigen, wozu ich mich noch längst nicht zählen darf. Aber immerhin kenne ich nun den Unterschied zwischen Sicherungskasten und Sicherungsautomat und Leitungsschutzschalter und Schmelzsicherung aus dem Effeff! Gerne erinnere ich mich an das anerkennende Lächeln des Monteurs, als ich vorgestern semiprofessionell erläuterte, dass der FI-Schalter (wie wir Fachleute gerne sagen) meiner Einschätzung nach einwandfrei funktioniert und die Kupferplatine ordnungsgemäß den Kurzschluss auslöst. So kann man bei Männern punkten! Nicht, dass ich es darauf angelegt hätte. Ich habe nur in den letzten Wochen immer wieder gegrübelt, wieso in meinem Sicherungsautomaten keine Schraubsicherungen drin sind, wie früher in den anderen Wohnungen. Nun bin ich schlauer: eine völlig veraltete Technik! Aber das kann ja jede elektrotechnik-interessierte Leserin im Selbststudium per Internet herausfinden! Eigentlich wollte ich nur mitteilen, dass ich mir keinen Stress mehr mache, mit möglichst viel und regelmäßig Bloggen incl. topaktuellem Bildmaterial und dem ganzen Heckmeck und Sozialstress. Nun ist doch wieder ein topaktueller Eintrag dabei herausgekommen! Es hat eben sollen sein! Übrigens warte ich nun auf die Kühlschranklieferung und bin guter Hoffnung, dass es morgen vielleicht sogar eine Art Terminankündigung geben könnte. Bis dahin sind die Sachen auf dem Balkon auf der Nordseite, so mittelgekühlt. Geht auch irgendwie. Man muss nicht verhungern! Gut, dass ich keine Milchtrinkerin bin, sonst wäre es schwierig. Joghurt und Quark und Käse hält sich auch bei geringerer Kühlung einigermaßen. Ich kaufe dann halt öfter und weniger. So, genug der unglamourösen, profanen Hauswirtschafts-Mitteilungen. Nacht!
29. August 2012
Hot, sunny summerday. Frau Nielsen in magenta-pink: hot! Beweis-Fotos im Herbst. Zurück vom Handwerker-Date Schierker Straße 27. Ich gestiefelter Kater erst zur Sparkassenfiliale Brunnenstraße, fünfzig Euro gezogen und Kontoauszug. Keine Überraschung, bin ja nun stets im Bilde. BVG-Fahrscheinautomat will den Fuffi nicht futtern, zahle ich doch allen Ernstes 2,40 € mit EC-Karte. Neben mir steigen drei fesche Polizisten ein, mit so französischen Käppis, Sommer-Uniform, sehr schick. Dunkelblau ja jetzt. Wie aus einem schicken französischen Polizeifilm, obwohl da haben die ja so komische andere Kappen auf, keine Mützen. Also ich will damit nur sagen, die drei Polizisten haben einen erstklassigen Eindruck bei mir hinterlassen, modetechnisch. Ich musste dann auch wieder ein Kompliment machen, und zwar: „Das sieht ja viel besser aus, als das Grün früher!“ (Frau Nielsen zeigt mit dem Finger auf den Dreierpack Polizisten und guckt anerkennend). Der bestaussehendste von den Dreien und der hochgewachsenste pariert zackig: „Das stimmt!“ Die anderen beiden lächeln ein bißchen verlegen aber auch stolz, ich merke so was! Ich musste im übrigen nur deswegen einen sündhaft teuren Einzelfahrschein kaufen, weil mein brandneues BVG-Jahresabo erst ab September gilt. Ich bin ja völlig von den Socken, was man da im Jahr spart. Ich lasse einmalig pro Jahr, erstmalig jetzt zum 01.09. abbuchen, nur 680 Euro, statt zwölf mal 77 Euro! Bitte rechnen Sie selbst. Das gibt es nun seit zwanzig Jahren, aber ich war schlecht informiert. Ich habe das schon gewusst, aber die Ausgabe und die vertragliche Bindung gescheut und mir eingeredet, dass es bestimmt nur drei bis zehn Mark billiger ist. Aber nun bin ich im Bilde und auch mit an Bord! „Willkommen an Bord!“ hat mich der kecke BVG-Berater nach Vertragsabschluss neulich am 9. August begrüßt.
Aber weiter! Endhaltestelle der U-Bahnfahrt vorhin gegen 10:35 Uhr wieder einmal Herrmannstraße. Um 11 Uhr klingelt Herr Wolter von der Firma Böttger oder so ähnlich. Fachmann für Gasthermen! Ein südländischer Typ aber eindeutig Berliner. Sehr gutaussehend! Ich weiß, das klingt jetzt langsam als ob ich übertreibe, ich muss es ja nicht beweisen und kann es auch nicht beweisen, weil ich ja den Fotoapparat nicht dabeigehabt habe, und mich auch nicht getraut hätte! Er könnte im Prinzip als Spanier durchgehen, ca. mein Alter, zwischen Mitte und Ende Vierzig, klein und wendig. Der Mann weiß sofort, wo der Hammer hängt und haut gezielt mit demselbigen auf den neuralgischen Punkt der lahmen Pumpe. Zack, die Flamme brennt! Im Anschluss ruft er über Mobiltelephon beim Schornsteinfeger an. Vorher hat er mich noch gefragt, ob es mir recht wäre und ich noch Zeit hätte, dann könnte man das gleich noch erledigen. Ja freilich! Nur zu, rufen Sie den Schornsteinfeger! Er kennt ja auch mein pinkes Kleid noch nicht, denke ich so bei mir, eine gute Gelegenheit! Nun ja, Herr Wolter erklärt, Herr Teichert kann leider nicht selber kommen, aber ein anderer Schornsteinfeger, sein Mitarbeiter ist in der Nähe und der kann gleich rumkommen. Okay! Ich bin einverstanden, denn ich lerne immer gerne neue Schornsteinfeger kennen und dann ist es auch praktisch, dass die Sache vom Fachmann abschließend geprüft wird und für gut befunden! Ich nehme mir den einen Küchenstuhl auf den sonnigen Balkon von meinem kleinen Atelier und will gerade die Kontoauszüge in meinen mitgebrachten Hauswirtschaftsplan handschriftlich einarbeiten, als es schon wieder klingelt! Das ging ja ruckzuck! Herr Wolter hat sich bereits verabschiedet und ich öffne die Tür für den Schornsteinfeger. Ich juble innerlich, denn er hat sein Kostüm, also seine Kluft oder wie man das nennt an! Das sieht einfach immer adrett und überzeugend aus. Ganz in Schwarz mit so einem Bäcker-Käppi, farblich punktgenau dazu abgestimmt. Der neue Schornsteinfeger ist sehr jung und sympathisch, etwas schüchtern wirkt er und sehr gewissenhaft geht er gleich ans Werk. Artig fragt er mich, ob ich eine Trittleiter habe oder ob er den Küchenstuhl benutzen dürfte. Ich erlaube es natürlich! Dafür ist er doch da der Küchenstuhl! Der junge Schornsteinfeger sieht ungefähr so aus, wie Reinhold Beckmann mit Zwanzig ausgesehen haben müsste. Eigentlich trifft diese Beschreibung am besten seinen Typ. Er trägt einen kleine feine Metallbrille mit so ovalen Gläsern, Gestellmodell Hermann Hesse oder wie Norbert Blüm. Das wirkt irgendwie introvertiert und romantisch! Die Brille harmoniert sehr schön mit dem schwarzen Käppi und ist gut gewählt. Es geht wieder einmal alles sehr schnell, der junge Fachmann ist vollumfänglich mit der Fuktionsweise der Therme zufrieden: „Das sieht doch alles sehr gut aus!“ Er fragt mich noch nach einem Autogramm, das ich ihm selbstverständlich gebe und räumt noch artig den Stuhl zurück. Ich bin entzückt. Ich möchte ihn adpotieren, traue mich aber nicht, es laut auszusprechen. Beschwingt laufe ich zur U-Bahn – noch gilt mein Ticket – und gönne mir abermals eine Fahrtunterbrechung zwecks Einkauf. Heute kaufe ich: weiße Weintrauben aus Griechenland, Emmentaler Käse, Spitzpaprika, Waschpulver, Hautcreme, sowie je eine Flasche Chardonnay und Bordeaux. Nun bin ich wieder daheim und werde mir mein kleines Frühstück zubereiten. Es gibt Seitenbacher-Müsli 107 mit Biac-Joghurt und kleingeschnippeltem Apfel und Weintrauben und natürlich Kaffee, den ich gleich kochen werde. Außerdem muss ich noch drei große Polster auf den sonnigen Balkon packen und das flauschige Veloursbadetuch mit dem großen Vogel drauflegen. Und noch ein Kissen für den Rücken. Und Musik anmachen. Und Sonnenbrille holen. Spitzenmäßig topaktueller Blogeintrag fertig! Nur das mit den Bildern schleift leider, ich weiß, nobody’s perfect! Andererseits ist es ja auch spannend, wenn ich immer beschreibe, was ich gesehen oder angehabt habe und dann hat der Leser sein eigenes Bild von mir im Kopf und kann später mit dem Original-Bild vergleichen. Man muss es sportlich sehen! Nochmal zur Erklärung: ich habe eine chronologische Marotte, was Bilder angeht, deswegen darf ich keine neueren vor älteren hochladen! Das bringt mein inneres Ordnungsamt durcheinander. Außerdem bin ich Sternzeichen Jungfrau und muss daher auch sternzeichentypische Ordnungsmarotten kultivieren, sonst stimmt das mit der ganzen Astrologie nämlich nicht mehr! Dann kommt alles durcheinander!
29. August 2012
Hot, sunny summerday. Frau Nielsen in magenta-pink: hot! Beweis-Fotos im Herbst. Zurück vom Handwerker-Date Schierker Straße 27. Ich gestiefelter Kater erst zur Sparkassenfiliale Brunnenstraße, fünfzig Euro gezogen und Kontoauszug. Keine Überraschung, bin ja nun stets im Bilde. BVG-Fahrscheinautomat will den Fuffi nicht futtern, zahle ich doch allen Ernstes 2,40 € mit EC-Karte. Neben mir steigen drei fesche Polizisten ein, mit so französischen Käppis, Sommer-Uniform, sehr schick. Dunkelblau ja jetzt. Wie aus einem schicken französischen Polizeifilm, obwohl da haben die ja so komische andere Kappen auf, keine Mützen. Also ich will damit nur sagen, die drei Polizisten haben einen erstklassigen Eindruck bei mir hinterlassen, modetechnisch. Ich musste dann auch wieder ein Kompliment machen, und zwar: „Das sieht ja viel besser aus, als das Grün früher!“ (Frau Nielsen zeigt mit dem Finger auf den Dreierpack Polizisten und guckt anerkennend). Der bestaussehendste von den Dreien und der hochgewachsenste pariert zackig: „Das stimmt!“ Die anderen beiden lächeln ein bißchen verlegen aber auch stolz, ich merke so was! Ich musste im übrigen nur deswegen einen sündhaft teuren Einzelfahrschein kaufen, weil mein brandneues BVG-Jahresabo erst ab September gilt. Ich bin ja völlig von den Socken, was man da im Jahr spart. Ich lasse einmalig pro Jahr, erstmalig jetzt zum 01.09. abbuchen, nur 680 Euro, statt zwölf mal 77 Euro! Bitte rechnen Sie selbst. Das gibt es nun seit zwanzig Jahren, aber ich war schlecht informiert. Ich habe das schon gewusst, aber die Ausgabe und die vertragliche Bindung gescheut und mir eingeredet, dass es bestimmt nur drei bis zehn Mark billiger ist. Aber nun bin ich im Bilde und auch mit an Bord! „Willkommen an Bord!“ hat mich der kecke BVG-Berater nach Vertragsabschluss neulich am 9. August begrüßt.
Aber weiter! Endhaltestelle der U-Bahnfahrt vorhin gegen 10:35 Uhr wieder einmal Herrmannstraße. Um 11 Uhr klingelt Herr Wolter von der Firma Böttger oder so ähnlich. Fachmann für Gasthermen! Ein südländischer Typ aber eindeutig Berliner. Sehr gutaussehend! Ich weiß, das klingt jetzt langsam als ob ich übertreibe, ich muss es ja nicht beweisen und kann es auch nicht beweisen, weil ich ja den Fotoapparat nicht dabeigehabt habe, und mich auch nicht getraut hätte! Er könnte im Prinzip als Spanier durchgehen, ca. mein Alter, zwischen Mitte und Ende Vierzig, klein und wendig. Der Mann weiß sofort, wo der Hammer hängt und haut gezielt mit demselbigen auf den neuralgischen Punkt der lahmen Pumpe. Zack, die Flamme brennt! Im Anschluss ruft er über Mobiltelephon beim Schornsteinfeger an. Vorher hat er mich noch gefragt, ob es mir recht wäre und ich noch Zeit hätte, dann könnte man das gleich noch erledigen. Ja freilich! Nur zu, rufen Sie den Schornsteinfeger! Er kennt ja auch mein pinkes Kleid noch nicht, denke ich so bei mir, eine gute Gelegenheit! Nun ja, Herr Wolter erklärt, Herr Teichert kann leider nicht selber kommen, aber ein anderer Schornsteinfeger, sein Mitarbeiter ist in der Nähe und der kann gleich rumkommen. Okay! Ich bin einverstanden, denn ich lerne immer gerne neue Schornsteinfeger kennen und dann ist es auch praktisch, dass die Sache vom Fachmann abschließend geprüft wird und für gut befunden! Ich nehme mir den einen Küchenstuhl auf den sonnigen Balkon von meinem kleinen Atelier und will gerade die Kontoauszüge in meinen mitgebrachten Hauswirtschaftsplan handschriftlich einarbeiten, als es schon wieder klingelt! Das ging ja ruckzuck! Herr Wolter hat sich bereits verabschiedet und ich öffne die Tür für den Schornsteinfeger. Ich juble innerlich, denn er hat sein Kostüm, also seine Kluft oder wie man das nennt an! Das sieht einfach immer adrett und überzeugend aus. Ganz in Schwarz mit so einem Bäcker-Käppi, farblich punktgenau dazu abgestimmt. Der neue Schornsteinfeger ist sehr jung und sympathisch, etwas schüchtern wirkt er und sehr gewissenhaft geht er gleich ans Werk. Artig fragt er mich, ob ich eine Trittleiter habe oder ob er den Küchenstuhl benutzen dürfte. Ich erlaube es natürlich! Dafür ist er doch da der Küchenstuhl! Der junge Schornsteinfeger sieht ungefähr so aus, wie Reinhold Beckmann mit Zwanzig ausgesehen haben müsste. Eigentlich trifft diese Beschreibung am besten seinen Typ. Er trägt einen kleine feine Metallbrille mit so ovalen Gläsern, Gestellmodell Hermann Hesse oder wie Norbert Blüm. Das wirkt irgendwie introvertiert und romantisch! Die Brille harmoniert sehr schön mit dem schwarzen Käppi und ist gut gewählt. Es geht wieder einmal alles sehr schnell, der junge Fachmann ist vollumfänglich mit der Fuktionsweise der Therme zufrieden: „Das sieht doch alles sehr gut aus!“ Er fragt mich noch nach einem Autogramm, das ich ihm selbstverständlich gebe und räumt noch artig den Stuhl zurück. Ich bin entzückt. Ich möchte ihn adpotieren, traue mich aber nicht, es laut auszusprechen. Beschwingt laufe ich zur U-Bahn – noch gilt mein Ticket – und gönne mir abermals eine Fahrtunterbrechung zwecks Einkauf. Heute kaufe ich: weiße Weintrauben aus Griechenland, Emmentaler Käse, Spitzpaprika, Waschpulver, Hautcreme, sowie je eine Flasche Chardonnay und Bordeaux. Nun bin ich wieder daheim und werde mir mein kleines Frühstück zubereiten. Es gibt Seitenbacher-Müsli 107 mit Biac-Joghurt und kleingeschnippeltem Apfel und Weintrauben und natürlich Kaffee, den ich gleich kochen werde. Außerdem muss ich noch drei große Polster auf den sonnigen Balkon packen und das flauschige Veloursbadetuch mit dem großen Vogel drauflegen. Und noch ein Kissen für den Rücken. Und Musik anmachen. Und Sonnenbrille holen. Spitzenmäßig topaktueller Blogeintrag fertig! Nur das mit den Bildern schleift leider, ich weiß, nobody’s perfect! Andererseits ist es ja auch spannend, wenn ich immer beschreibe, was ich gesehen oder angehabt habe und dann hat der Leser sein eigenes Bild von mir im Kopf und kann später mit dem Original-Bild vergleichen. Man muss es sportlich sehen! Nochmal zur Erklärung: ich habe eine chronologische Marotte, was Bilder angeht, deswegen darf ich keine neueren vor älteren hochladen! Das bringt mein inneres Ordnungsamt durcheinander. Außerdem bin ich Sternzeichen Jungfrau und muss daher auch sternzeichentypische Ordnungsmarotten kultivieren, sonst stimmt das mit der ganzen Astrologie nämlich nicht mehr! Dann kommt alles durcheinander!
28. August 2012
Mein Tag:
8:00 Uhr: Aufstehen.
8:00 Uhr bis 9:00 Uhr: Körperpflege, Kaffee kochen und trinken.
9:00 Uhr bis 9:20 Uhr: Internet gucken, Kaffee trinken.
9:20 Uhr bis 9:25 Uhr: Kleid anziehen (Pannesamt, silbergrau), Modenschau, Fotos machen.
9:25 Uhr bis 9:30 Uhr: Fußweg August bis U-Bhf Weinmeister.
9:30 Uhr bis 9:35 Uhr: Auf U-Bahn warten, lesen.
9:35 Uhr bis 9:53 Uhr: U-Bahn fahren, lesen.
9:53 Uhr bis 9:58 Uhr: Fußweg U-Bhf. Herrmannstr. bis Schierker.
9:58 Uhr: Schornsteinfeger treffen (ca. 30, blond, hoppla: attraktiv).
9:58 Uhr bis 10:20 Uhr: Schornsteinfeger bei der Arbeit zusehen, etwas zur Hand gehen, selbst tätig werden (Balkon, Bad).
10:20 bis 10:25 Uhr: abschließende Diagnose und Fachgespräch (Schornsteinfeger: „da werden wir uns wohl bald wiedersehen“), Verabschiedung.
10:25 bis 10:27 Uhr: Verlassen der Räumlichkeiten, Fachgespräch im Treppenhaus mit Handwerkern (ich): „Knacken Sie das Schloss ruhig, von mir aus kann der Keller ruhig ausgeräumt werden! Na dann noch frohes Schaffen!“
10:27 Uhr bis 10:32 Uhr: Briefkasten leeren, verlassen des Objektes, Fußweg U-Bahn Herrmannstraße.
10:34 Uhr bis 10:43 Uhr: U-Bahnfahrt bis Moritzplatz, lesen.
10:43 Uhr bis 10:45 Uhr: Fußweg U-Bhf. bis ALDI Oranienstr.
10:45 Uhr bis 10:55 Uhr: Einkauf 6 Sahnekefir, 4er-Pack Biac.
10:55 Uhr bis 10:57 Uhr: Fußweg Oranienstr. bis U-Bhf Moritzpl.
10:57 Uhr bis 11:06 Uhr: U-Bahnfahrt bis Weinmeister, lesen.
11:06 Uhr bis 11:15 Uhr: Fußweg Weinmeister bis Auguststr.
11:15 Uhr bis 11:16 Uhr: Äpfel von Wiese Gipsdreieck aufklauben.
11:16 Uhr bis 11:17 Uhr: Objekt Auguststr. betreten, Briefkasten leeren, Fahrstuhl.
11:17 Uhr bis 11:20 Uhr: ausziehen, Einkauf wegräumen.
11:20 Uhr bis 11:50 Uhr: Äpfel putzen, Frühstück machen (Müsli), Kaffee kochen, Frühstücken, Internet gucken.
11:50 Uhr bis 11:52 Uhr: Anruf entgegennehmen, Termin bestätigen.
11:50 Uhr bis 12:30 Uhr: herumräumen, abspülen.
12:30 Uhr bis 12:35 Uhr: Kleid aufhängen, in Schrank räumen, neues Kleid herausziehen (schwarz), anziehen, Modenschau, Fotos machen, Musik hören.
12:35 Uhr bis 12:45 Uhr: Espresso trinken, Schokolade essen, Wetter beobachten.
12:45 Uhr: nach Klingeln Fernsprechanlage betätigen, Tür öffnen.
12:45 Uhr bis 12:55 Uhr: Elektrikern (zwei, Mitte Zwanzig, hoppla: attrakiv) bei der Arbeit zusehen, Fachgespräch über Sicherungen und Kühlschrank führen.
12:55 Uhr bis 13:00 Uhr: Abschlussdiagnose und weitere Maßnahmen besprechen, Verabschiedung.
13:00 Uhr bis 13:05 Uhr: durch die Wohnung laufen, sinnieren.
13:05 Uhr bis 13:10 Uhr: Mail an Eigentümer Objekt Schierker Str. aufsetzen.
13:10 Uhr: Mail wg. Klingeln unterbrechen, Fernsprechanlage betätigen, Ankündigung Monteur: „gleich bei Ihnen, nur noch einparken“.
13:13 Uhr: nach Klingeln Türöffner betätigen, nach erneutem Klingeln Fernsprechanlage betätigen, Türöffner reagiert nicht.
13:13 Uhr bis 13:15 Uhr: Fahrstuhl nach unten, Haustür öffnen, Monteur abholen (ca. 40, hoppla: attraktiv, sieht aus wie Sting).
13:15 Uhr bis 13:17 Uhr: mit Monteur nach oben fahren.
13:17 Uhr bis 13:27 Uhr: Fachgespräch mit Monteur über Fachgespräch mit Elektrikern. Irritation bei Monteur, dachte er wäre der Erste. Fachgespräch über weitere Vorgehensweise, Verabschiedung.
13.27 Uhr bis 13:30 Uhr: angefangene Mail mit Meldebericht Stand der Dinge an Hauseigentümer Objekt Schierker Str. fertig schreiben, senden.
13:30 Uhr bis 13:35 Uhr: Mail mit Meldebericht Stand der Dinge an Hausverwaltung Objekt Auguststraße verfassen, senden.
13:35 Uhr bis 13:50 Uhr: Sahnekefir mit Quark verrühren, essen.
13:50 Uhr: Anruf entgegennehmen.
13:50 Uhr bis 13:55 Uhr: Fachgespräch mit Eigentümer Objekt Schierker Str., Terminvereinbarung Mi., 29. Aug., 11 Uhr.
13:55 Uhr bis 14:25 Uhr: ausziehen, frisch machen, aus dem Fenster gucken, Bilder von Kamera runterladen, Internet gucken.
14:14 Uhr bis 15:24 Uhr: bloggen.
EDIT:
15:24 Uhr bis 21:50 Uhr: Eintrag kommentieren, editieren, flauschige Sachen und Socken anziehen, Internetgammeln, Prefetch- u. Temp-Dateien löschen, defrag., Mediatheken gucken, amüsieren, essen (gelbe Rüben-Zwiebel-Butter-Paprika-Knoblauch-Chili-Gemüse-Eintopf von vorgestern, Emmentaler-Brocken mit Tomatenmark, Cashewkerne), trinken (Wasser, Espresso, viel Wasser, wenig Bordeaux, viel Wasser, wenig Bordeaux), nachdenken, Blogeintrag noch mal editieren. Ab 21:50 bis maximal 23:59 oder so ähnlich: weiter Mediatheken gucken, trinken (wenig Wasser, mehr Bordeaux). Noch was essen. Bei spürbarem Eintritt von Müdigkeit bettfertig machen. Wecker entsichern. Einschlafen.
28. August 2012
Mein Tag:
8:00 Uhr: Aufstehen.
8:00 Uhr bis 9:00 Uhr: Körperpflege, Kaffee kochen und trinken.
9:00 Uhr bis 9:20 Uhr: Internet gucken, Kaffee trinken.
9:20 Uhr bis 9:25 Uhr: Kleid anziehen (Pannesamt, silbergrau), Modenschau, Fotos machen.
9:25 Uhr bis 9:30 Uhr: Fußweg August bis U-Bhf Weinmeister.
9:30 Uhr bis 9:35 Uhr: Auf U-Bahn warten, lesen.
9:35 Uhr bis 9:53 Uhr: U-Bahn fahren, lesen.
9:53 Uhr bis 9:58 Uhr: Fußweg U-Bhf. Herrmannstr. bis Schierker.
9:58 Uhr: Schornsteinfeger treffen (ca. 30, blond, hoppla: attraktiv).
9:58 Uhr bis 10:20 Uhr: Schornsteinfeger bei der Arbeit zusehen, etwas zur Hand gehen, selbst tätig werden (Balkon, Bad).
10:20 bis 10:25 Uhr: abschließende Diagnose und Fachgespräch (Schornsteinfeger: „da werden wir uns wohl bald wiedersehen“), Verabschiedung.
10:25 bis 10:27 Uhr: Verlassen der Räumlichkeiten, Fachgespräch im Treppenhaus mit Handwerkern (ich): „Knacken Sie das Schloss ruhig, von mir aus kann der Keller ruhig ausgeräumt werden! Na dann noch frohes Schaffen!“
10:27 Uhr bis 10:32 Uhr: Briefkasten leeren, verlassen des Objektes, Fußweg U-Bahn Herrmannstraße.
10:34 Uhr bis 10:43 Uhr: U-Bahnfahrt bis Moritzplatz, lesen.
10:43 Uhr bis 10:45 Uhr: Fußweg U-Bhf. bis ALDI Oranienstr.
10:45 Uhr bis 10:55 Uhr: Einkauf 6 Sahnekefir, 4er-Pack Biac.
10:55 Uhr bis 10:57 Uhr: Fußweg Oranienstr. bis U-Bhf Moritzpl.
10:57 Uhr bis 11:06 Uhr: U-Bahnfahrt bis Weinmeister, lesen.
11:06 Uhr bis 11:15 Uhr: Fußweg Weinmeister bis Auguststr.
11:15 Uhr bis 11:16 Uhr: Äpfel von Wiese Gipsdreieck aufklauben.
11:16 Uhr bis 11:17 Uhr: Objekt Auguststr. betreten, Briefkasten leeren, Fahrstuhl.
11:17 Uhr bis 11:20 Uhr: ausziehen, Einkauf wegräumen.
11:20 Uhr bis 11:50 Uhr: Äpfel putzen, Frühstück machen (Müsli), Kaffee kochen, Frühstücken, Internet gucken.
11:50 Uhr bis 11:52 Uhr: Anruf entgegennehmen, Termin bestätigen.
11:50 Uhr bis 12:30 Uhr: herumräumen, abspülen.
12:30 Uhr bis 12:35 Uhr: Kleid aufhängen, in Schrank räumen, neues Kleid herausziehen (schwarz), anziehen, Modenschau, Fotos machen, Musik hören.
12:35 Uhr bis 12:45 Uhr: Espresso trinken, Schokolade essen, Wetter beobachten.
12:45 Uhr: nach Klingeln Fernsprechanlage betätigen, Tür öffnen.
12:45 Uhr bis 12:55 Uhr: Elektrikern (zwei, Mitte Zwanzig, hoppla: attrakiv) bei der Arbeit zusehen, Fachgespräch über Sicherungen und Kühlschrank führen.
12:55 Uhr bis 13:00 Uhr: Abschlussdiagnose und weitere Maßnahmen besprechen, Verabschiedung.
13:00 Uhr bis 13:05 Uhr: durch die Wohnung laufen, sinnieren.
13:05 Uhr bis 13:10 Uhr: Mail an Eigentümer Objekt Schierker Str. aufsetzen.
13:10 Uhr: Mail wg. Klingeln unterbrechen, Fernsprechanlage betätigen, Ankündigung Monteur: „gleich bei Ihnen, nur noch einparken“.
13:13 Uhr: nach Klingeln Türöffner betätigen, nach erneutem Klingeln Fernsprechanlage betätigen, Türöffner reagiert nicht.
13:13 Uhr bis 13:15 Uhr: Fahrstuhl nach unten, Haustür öffnen, Monteur abholen (ca. 40, hoppla: attraktiv, sieht aus wie Sting).
13:15 Uhr bis 13:17 Uhr: mit Monteur nach oben fahren.
13:17 Uhr bis 13:27 Uhr: Fachgespräch mit Monteur über Fachgespräch mit Elektrikern. Irritation bei Monteur, dachte er wäre der Erste. Fachgespräch über weitere Vorgehensweise, Verabschiedung.
13.27 Uhr bis 13:30 Uhr: angefangene Mail mit Meldebericht Stand der Dinge an Hauseigentümer Objekt Schierker Str. fertig schreiben, senden.
13:30 Uhr bis 13:35 Uhr: Mail mit Meldebericht Stand der Dinge an Hausverwaltung Objekt Auguststraße verfassen, senden.
13:35 Uhr bis 13:50 Uhr: Sahnekefir mit Quark verrühren, essen.
13:50 Uhr: Anruf entgegennehmen.
13:50 Uhr bis 13:55 Uhr: Fachgespräch mit Eigentümer Objekt Schierker Str., Terminvereinbarung Mi., 29. Aug., 11 Uhr.
13:55 Uhr bis 14:25 Uhr: ausziehen, frisch machen, aus dem Fenster gucken, Bilder von Kamera runterladen, Internet gucken.
14:14 Uhr bis 15:24 Uhr: bloggen.
EDIT:
15:24 Uhr bis 21:50 Uhr: Eintrag kommentieren, editieren, flauschige Sachen und Socken anziehen, Internetgammeln, Prefetch- u. Temp-Dateien löschen, defrag., Mediatheken gucken, amüsieren, essen (gelbe Rüben-Zwiebel-Butter-Paprika-Knoblauch-Chili-Gemüse-Eintopf von vorgestern, Emmentaler-Brocken mit Tomatenmark, Cashewkerne), trinken (Wasser, Espresso, viel Wasser, wenig Bordeaux, viel Wasser, wenig Bordeaux), nachdenken, Blogeintrag noch mal editieren. Ab 21:50 bis maximal 23:59 oder so ähnlich: weiter Mediatheken gucken, trinken (wenig Wasser, mehr Bordeaux). Noch was essen. Bei spürbarem Eintritt von Müdigkeit bettfertig machen. Wecker entsichern. Einschlafen.
27. August 2012
25. August 2012


Schneller Blogeintrag, gerade noch 25. August, 23.59. Gerade geht ein Lied von Led Zeppelin zu Ende Nein, nein, nein, ich höre nicht absichtlich diese Siebziger Jahre Mucke, All my Love, by random. Aber doch ja, ich habe früher Vinylschallplatten der Gruppe in meinem Haushalt gehabt, Houses of the Holy hat sich oft auf dem Plattenteller gedreht. Das Stampfige war schon mein Fall. Das Geschnörkel mit den Bläsern und der allzu gefällige Refrain von dem All my love-Lied ist ja ein bißchen untypisch, aber davor ist es ganz nett. Bei irgendeiner Taxifahrt hat mir mal der Taxifahrer zum Abschied seine selber gebrannte Led Zeppelin-Compilation seiner liebsten Songs überreicht. Er war so angetan, dass ich ihn bestärkt habe, die Musik lauter aufzudrehen. Ich bin ja früher extrem viel Taxi gefahren. Also als Gast. Ich darf das gar nicht erzählen, in welchem Ausmaß, schlimmer als Blixa Bargeld, der sich bei jeder Gelegenheit ein Taxi genommen hat, während seine


Wohnung in Schöneberg zwangsgeräumt wurde. Ging alles fürs Taxi drauf vermutlich. Ein Freund von mir hat ihn in den Achtzigern oft durch Berlin kutschiert. Lange her, egal. Heute fahre ich überhaupt nicht mehr Taxi, obgleich ich das bis vor ungefähr zwei Jahren noch mit großer Selbstverständlichkeit kultiviert habe. Man kann Studien betreiben. Erstaunlich, welches Mitteilungsbedürfnis manche Fahrer haben. Ich habe das meistens interessiert zur Kenntnis genommen. Aber was habe ich Geld auf den Kopf gehauen! Sagenhaft. Davon hätte ich mir wahrscheinlich eine Eigentumswohnung kaufen können. Was ich wieder alles schreibe und offenbare, nur um dieses kleine Blog am Leben zu halten. Ich habe scheinbar ein irgendwie taxifahrerartiges Mitteilungsbedürfnis.


24. August 2012
Ich blättere gerade seltsam berührt durch den Auktionskatalog, in dem der gesamte Nachlass von Greta Garbo zur Versteigerung abgebildet ist. Schuhe, Sonnenbrillen, Handtaschen, Pyjamas, Kleider, Mäntel, ein Yoga-Anzug, Aschenbecher, Taschenmesser, Milchkännchen, Bilder, Hutschachteln, Schlafbrillen, Sessel, Schminkstifte, Spiegel, Bürsten, eine zusammenklappbare Massage-Liege. Reise-Bügeleisen, ein Malkasten, Widmungen, Krimskrams, Fotos. Fotos, Fotos, Fotos. Alles, was von einem langen Leben übrigbleibt. In alle Winde zerstreut. Gravierte Becher mit ihrem Monogramm. Was für eine Unmenge Zeug. Ich hab auch eine Unmenge Zeug. Wenn man berühmt ist wie Greta, kommt zwar kein preisgünstiger Wohnungsauflöser, der alles ungesichtet in ein Lastauto packt und dann die Hälfte wegwirft oder sonstwie anonym verscherbelt, aber die privaten Gegenstände von Garbo landen auch in fremden Händen. Immerhin allerdings mit Sicherheit in den Händen von Verehrern. Die daran schnuppern und ihrer gedenken. Komisches Gefühl, dass man sich auch irgendwann von Gegenständen verabschieden muss, die einen ein Leben lang begleitet haben. Vermutlich ist das aber das Leichteste am Ende. Ihre Filme, die das Wesentlichste von ihr bewahren, werden sicher lange archiviert werden. Vielleicht ewig. Auch wenn das einem wahrscheinlich egal ist, wenn man tot ist, ein schöner Gedanke. Ich dachte manchmal, wie spannend es wäre, wenn es wirklich eine Reinkarnation gäbe, auf Hinterlassenschaften des vorangegangenen Lebens zu stoßen. Angenommen, ich würde in Berlin oder auch woanders wiedergeboren werden und stieße durch einen seltsamen Zufall auf Fotografien, die mich abbilden und ich hätte ein Déjà vu. Irre. Verrückt. Das gefiele mir irgendwie. Aber auch verwirrend. Ich hab da gar kein konkretes Gefühl, was Wiedergeburt angeht. Gar nicht. Das einzige was mich in meinem Leben in dieser Hinsicht nachdenklich macht, ist woher diese tiefe, starke und vertraute Beziehung zu Berlin rührt, die mir an zahllosen Ecken sofort ein Gefühl von daheim sein gegeben hat, wie ich es nie woanders empfand. Irrational tief und verwurzelt. Als wäre es immer so gewesen. Und dann im Vergleich dieses impulsive, tiefe Befremden an anderen Orten in Deutschland. Spontane Abneigungen. Oder Gleichgültigkeit. Hm. Ich weiß es wirklich nicht. Was mir dagegen gar nicht zusagt, ist dieser Karma-Gedanke der Inder, von wegen, die jeweilige Inkarnation sei qualitativ als Konsequenz einer vorangegangenen Inkarnation zu sehen. Dieser Bestrafungs- oder Belohnungsaspekt darin scheint mir zu simpel und allzu menschlich gestrickt. Da fällt mir wieder diese schöne alte Weisheit ein, „Wenn Dreiecke einen Gott hätten, hätte er drei Ecken.“ Ich blättere noch ein bißchen in Gretas Sachen.
24. August 2012
Ich blättere gerade seltsam berührt durch den Auktionskatalog, in dem der gesamte Nachlass von Greta Garbo zur Versteigerung abgebildet ist. Schuhe, Sonnenbrillen, Handtaschen, Pyjamas, Kleider, Mäntel, ein Yoga-Anzug, Aschenbecher, Taschenmesser, Milchkännchen, Bilder, Hutschachteln, Schlafbrillen, Sessel, Schminkstifte, Spiegel, Bürsten, eine zusammenklappbare Massage-Liege. Reise-Bügeleisen, ein Malkasten, Widmungen, Krimskrams, Fotos. Fotos, Fotos, Fotos. Alles, was von einem langen Leben übrigbleibt. In alle Winde zerstreut. Gravierte Becher mit ihrem Monogramm. Was für eine Unmenge Zeug. Ich hab auch eine Unmenge Zeug. Wenn man berühmt ist wie Greta, kommt zwar kein preisgünstiger Wohnungsauflöser, der alles ungesichtet in ein Lastauto packt und dann die Hälfte wegwirft oder sonstwie anonym verscherbelt, aber die privaten Gegenstände von Garbo landen auch in fremden Händen. Immerhin allerdings mit Sicherheit in den Händen von Verehrern. Die daran schnuppern und ihrer gedenken. Komisches Gefühl, dass man sich auch irgendwann von Gegenständen verabschieden muss, die einen ein Leben lang begleitet haben. Vermutlich ist das aber das Leichteste am Ende. Ihre Filme, die das Wesentlichste von ihr bewahren, werden sicher lange archiviert werden. Vielleicht ewig. Auch wenn das einem wahrscheinlich egal ist, wenn man tot ist, ein schöner Gedanke. Ich dachte manchmal, wie spannend es wäre, wenn es wirklich eine Reinkarnation gäbe, auf Hinterlassenschaften des vorangegangenen Lebens zu stoßen. Angenommen, ich würde in Berlin oder auch woanders wiedergeboren werden und stieße durch einen seltsamen Zufall auf Fotografien, die mich abbilden und ich hätte ein Déjà vu. Irre. Verrückt. Das gefiele mir irgendwie. Aber auch verwirrend. Ich hab da gar kein konkretes Gefühl, was Wiedergeburt angeht. Gar nicht. Das einzige was mich in meinem Leben in dieser Hinsicht nachdenklich macht, ist woher diese tiefe, starke und vertraute Beziehung zu Berlin rührt, die mir an zahllosen Ecken sofort ein Gefühl von daheim sein gegeben hat, wie ich es nie woanders empfand. Irrational tief und verwurzelt. Als wäre es immer so gewesen. Und dann im Vergleich dieses impulsive, tiefe Befremden an anderen Orten in Deutschland. Spontane Abneigungen. Oder Gleichgültigkeit. Hm. Ich weiß es wirklich nicht. Was mir dagegen gar nicht zusagt, ist dieser Karma-Gedanke der Inder, von wegen, die jeweilige Inkarnation sei qualitativ als Konsequenz einer vorangegangenen Inkarnation zu sehen. Dieser Bestrafungs- oder Belohnungsaspekt darin scheint mir zu simpel und allzu menschlich gestrickt. Da fällt mir wieder diese schöne alte Weisheit ein, „Wenn Dreiecke einen Gott hätten, hätte er drei Ecken.“ Ich blättere noch ein bißchen in Gretas Sachen.