Ich blättere gerade seltsam berührt durch den Auktionskatalog, in dem der gesamte Nachlass von Greta Garbo zur Versteigerung abgebildet ist. Schuhe, Sonnenbrillen, Handtaschen, Pyjamas, Kleider, Mäntel, ein Yoga-Anzug, Aschenbecher, Taschenmesser, Milchkännchen, Bilder, Hutschachteln, Schlafbrillen, Sessel, Schminkstifte, Spiegel, Bürsten, eine zusammenklappbare Massage-Liege. Reise-Bügeleisen, ein Malkasten, Widmungen, Krimskrams, Fotos. Fotos, Fotos, Fotos. Alles, was von einem langen Leben übrigbleibt. In alle Winde zerstreut. Gravierte Becher mit ihrem Monogramm. Was für eine Unmenge Zeug. Ich hab auch eine Unmenge Zeug. Wenn man berühmt ist wie Greta, kommt zwar kein preisgünstiger Wohnungsauflöser, der alles ungesichtet in ein Lastauto packt und dann die Hälfte wegwirft oder sonstwie anonym verscherbelt, aber die privaten Gegenstände von Garbo landen auch in fremden Händen. Immerhin allerdings mit Sicherheit in den Händen von Verehrern. Die daran schnuppern und ihrer gedenken. Komisches Gefühl, dass man sich auch irgendwann von Gegenständen verabschieden muss, die einen ein Leben lang begleitet haben. Vermutlich ist das aber das Leichteste am Ende. Ihre Filme, die das Wesentlichste von ihr bewahren, werden sicher lange archiviert werden. Vielleicht ewig. Auch wenn das einem wahrscheinlich egal ist, wenn man tot ist, ein schöner Gedanke. Ich dachte manchmal, wie spannend es wäre, wenn es wirklich eine Reinkarnation gäbe, auf Hinterlassenschaften des vorangegangenen Lebens zu stoßen. Angenommen, ich würde in Berlin oder auch woanders wiedergeboren werden und stieße durch einen seltsamen Zufall auf Fotografien, die mich abbilden und ich hätte ein Déjà vu. Irre. Verrückt. Das gefiele mir irgendwie. Aber auch verwirrend. Ich hab da gar kein konkretes Gefühl, was Wiedergeburt angeht. Gar nicht. Das einzige was mich in meinem Leben in dieser Hinsicht nachdenklich macht, ist woher diese tiefe, starke und vertraute Beziehung zu Berlin rührt, die mir an zahllosen Ecken sofort ein Gefühl von daheim sein gegeben hat, wie ich es nie woanders empfand. Irrational tief und verwurzelt. Als wäre es immer so gewesen. Und dann im Vergleich dieses impulsive, tiefe Befremden an anderen Orten in Deutschland. Spontane Abneigungen. Oder Gleichgültigkeit. Hm. Ich weiß es wirklich nicht. Was mir dagegen gar nicht zusagt, ist dieser Karma-Gedanke der Inder, von wegen, die jeweilige Inkarnation sei qualitativ als Konsequenz einer vorangegangenen Inkarnation zu sehen. Dieser Bestrafungs- oder Belohnungsaspekt darin scheint mir zu simpel und allzu menschlich gestrickt. Da fällt mir wieder diese schöne alte Weisheit ein, „Wenn Dreiecke einen Gott hätten, hätte er drei Ecken.“ Ich blättere noch ein bißchen in Gretas Sachen.

3 Antworten auf „24. August 2012

  1. kid37
    24. August 2012 um 21:48 Bearbeiten

    Da ist so ein grüner, schlichter alter Kleiderschrank, den finde ich ganz interessant. Muß man aber selber abholen, da stehe ich wieder mit ohne Auto. Ich bin ja dabei, alles zu regeln, habe mich aber gerade mit der von mir intendierten Nachlaßverwalterin etwas gestritten. Also kommt wohl doch alles in den großen Container, Manuskripte, Bilder, alles. Vielleicht werde ich wiedergeboren und entdecke mein altes Blog. Das stelle ich mir befremdlich, aber auch ganz erheiternd vor.

    Gaga Nielsen
    Manchmal denke ich, es regelt sich vielleicht auf erstaunliche Weise vieles von selbst, wenn die Zeit gekommen ist, derart, dass man leichten Herzens von langer Hand seinen Besitzstand reduziert, um sich freier, unbeschwerter zu fühlen. Aus einem Nomadengedanken. Wir sind schon so tief eingetaucht in das virtuelle Weltarchiv, vielleicht werden das unsere größten, tiefsten Spuren sein und bleiben. Vielleicht pflegt sie irgendwer oder sie dürfen einfach bleiben. Ich denke erstaunlich oft über all das nach, wenn ich ehrlich bin. Vielleicht werde ich die großen Bilder dann verschenkt oder verkauft haben. Oder gestiftet. Wenn ich – zugegeben – immer sehr hoch gegriffen von Hundertsieben erzähle, befreit mich das auch von einem gewissen Zeitdruck. Ich mag keine Deadlines. Ich pokere da ein bißchen, vielleicht kann ich meinen Schicksalsengel ein bißchen bluffen oder um den Finger wickeln. Aber vielleicht wird es ja auch so sein und ich kann alles in Ruhe angehen. Autosuggestion ist ein ganz wichtiges magisches Instrument. Das spüre ich deutlich. Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Schutzengel oder wer immer diese Kraft ist, von der ich mich beschützt fühle, damit amüsiere. Ich bringe gerne andere ein bißchen zum Lachen, und wenn es mit meinen groß angelegten und mitunter größenwahnsinnigen Gedanken ist. Wenn man die Götter da oben im Olymp zum Lachen bringt, von Herzen, ohne Häme, ist das bestimmt nie vekehrt.

  2. „Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Schutzengel oder wer immer diese Kraft ist, von der ich mich beschützt fühle, damit amüsiere.“

    Sprechen Sie doch einfach von dem lieben Gott!

  3. Oh, das mache ich oft und gerne, wenn Sie aufmerksam lesen! Ich bin mir nur nicht sicher, ob es da nicht eventuell verschiedene Zuständigkeiten für den reinen Personenschutz und das Anhören meiner kleinen und großen Gebete gibt (im Übrigen nicht Bittstellerei oder gierige „Bestellung beim Universum“, sondern allem voran Danksagung und Fachgespräche). Ich rede jeden Tag mit dem Himmel, eines meiner liebsten Hobbies! Man hat nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Man muss beizeiten den Kontakt pflegen, Beziehungen sind alles.

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