
Mag ich auch. Juni 2012 im Tacheles. Mein mildes Lächeln und Jans strenger Blick. Dabei waren wir in ähnlicher Stimmung, zogen durch die Straßen, zum nach der Renovierung neu eröffneten Al Contadino, gegenüber von meinem Adlerhorst, und in die Johannes-Evangelist-Kirche in der Auguststraße, und zur Mädchenschule, zum Pauly-Saal, und ins KW und am Ende ein letztes mal ins Tacheles, das nur wenige Wochen später, Anfang September 2012 für immer die Türen schließen musste. Im Al Contadino filmte ich das Opus, in dem Jan von seinen Begegnungen mit Bruno Ganz in den Achtziger Jahren in Mailand und später bei der Berlinale erzählte.
24. August 2017
Ich starre gerade leicht benommen auf meinen Regiestuhl. Wie einfach es ist, auf alles Mögliche sein Logo drucken zu lassen. Den Stuhl hat dieselbe Firma gemacht, die die Regiestühle für die Jury von Germany’s Next Topmodel herstellt. Erstklassig gearbeitet. Der hält ein Leben lang und darüber hinaus. Seltsamer Gedanke, dass ein Stuhl mit dem eigenen Namen darauf, länger existieren wird, als man selbst. Aber das ist ja mit jeglicher Materie, die man berührt und bearbeitet hat, der Fall. Ich habe das Bedürfnis mit dem Stuhl anzustoßen, mein neuer Lebensgefährte. Ich überlege, ob mir jemand einfällt, der so drauf ist wie ich, so verliebt in die Vorstellung, jedem Ding einen Stempel aufzudrücken. Customizen nennt man das ja heutzutage. Es muss unbedingt gut aussehen, jedes Detail, jedes Werkzeug, das kleinste Equipment. und die Cases und Transporttaschen. Ich glaube, Prince hätte das verstanden. Oder Harald Glööckler. Gestern 14 Kabel beschriftet und zwei Verteilerbuchsen, damit ich nicht jedesmal überlegen muss, welches der beiden Setups wie verkabelt wird. Setup I ist Toshiba – Acer – Bose, Setup II ist Samsung – Epson – Marshall. Ich bin gewappnet. Getestet, mit welcher Länge AUX-Kabel in Verbindung mit welcher Länge HDMI-Kabel die Tonübertragung am synchronsten ist, da gibt es erstaunliche Unterschiede. Solche Sachen muss man ausprobieren, vorher versteht sich, nicht erst vor Ort, wenn der Projektor angeworfen wird. Muss noch verschiedene Setlists für die Bilderloops und die Filme machen, bißchen thematisch bündeln, damit es dann im Automodus abläuft, ohne dass ich dauernd daneben siitze. Und dann noch die Bilder für Modeste fertigstellen, wir hatten ein schönes Shooting letzten Sonntag bei ihr zuhause. Durfte ich endlich ihren kleinen Racker kennenlernen. Schon ganz groß, der Kleine. Und so heiter. Und in meinem Atelier muss ich die Kammer weißen, der Maler hat die Fenster gemalert und repariert, alles rausgeräumt aus dem Kämmerchen und bei der Gelegenheit muss da mal endlich wieder gestrichen werden, nach vierzehn Jahren. Und ein paar Reliquiien von dort holen. Aus dem materialisierten sentimentalen Archiv. Die Serie von 2010, die Cosmic-Gaga Collection. Die Karten werde ich einfach rituell anordnen, wo es sich ergibt. Noch einiges in der Schwebe, was die konkrete Raumsituation in SOEHT7 angeht, die Dramaturgie. Ich bin da ja entscheidungsfreudig und experimentierbereit, brauche aber angemessene Gegebenheiten für den Projektionsbereich, meine beiden schönen Setups. Und natürllich meinen schönen Regiestuhl. Der ist ja schon alleine sehenswert, sollte die Technik zusammenbrechen. Aber an mir soll nichts scheitern. Ich gebe alles.
02. September 2016
Ich verrate ein Geheimnis. Die analoge Qualität digitaler Bilder entsteht nicht bei der Nachbearbeitung, sondern bei der Aufnahme. Das gilt sowohl für Fotografien als auch für Filmaufnahmen. Wer bei der Aufnahme mit der falschen Einstellung arbeitet, kann es kaum mehr mit Filtern und so weiter herbeizaubern. ‚Einstellung‘ technisch gemeint, aber auch mental. Den Human Touch fängt man beim Auslösen ein. Die meisten digitalen Aufnahmen kranken an zu ausgezirkelten porentiefen Details. Messerschärfe ist bei Portraits nur in seltenen Fällen eine atmosphärische Aufwertung. Das gilt auch für den inflationären Gebrauch von Weichzeichnereffekten im Kontrast mit punktueller Tiefenschärfe. Das Ergebnis ist fast immer steriler Kitsch. Tausendmal gesehen, tausendmal nix gespürt. Bis auf die Absicht. Ein gutes Bild braucht eine kleine Schaufel Dreck.

02. September 2016
Ich verrate ein Geheimnis. Die analoge Qualität digitaler Bilder entsteht nicht bei der Nachbearbeitung, sondern bei der Aufnahme. Das gilt sowohl für Fotografien als auch für Filmaufnahmen. Wer bei der Aufnahme mit der falschen Einstellung arbeitet, kann es kaum mehr mit Filtern und so weiter herbeizaubern. ‚Einstellung‘ technisch gemeint, aber auch mental. Den Human Touch fängt man beim Auslösen ein. Die meisten digitalen Aufnahmen kranken an zu ausgezirkelten porentiefen Details. Messerschärfe ist bei Portraits nur in seltenen Fällen eine atmosphärische Aufwertung. Das gilt auch für den inflationären Gebrauch von Weichzeichnereffekten im Kontrast mit punktueller Tiefenschärfe. Das Ergebnis ist fast immer steriler Kitsch. Tausendmal gesehen, tausendmal nix gespürt. Bis auf die Absicht. Ein gutes Bild braucht eine kleine Schaufel Dreck.

31. August 2016
31. August 2016
31. August 2016
31. August 2016

Schönhauser Allee 165. Gebäude sind Persönlichkeiten. Es gibt edle, großzügige Charaktere, die Eleganz als formvollendete Rücksichtnahme, als höfliche Tugend verstehen. Und es gibt die anderen. Die kleinlichen, sparsam dahingeschluderten. Die für den Kontrast sorgen und einem in Zehntelsekunden vorführen, was Anmut ist – oder eben leider nicht.

30. August 2016

So vieles schon einmal durchdacht. Vor sechs Jahren schrieb ich einen Eintrag, der mir nachdem ich ihn im Blog gepostet hatte, passend schien, um ihn auf flickr im Profil als Text einzufügen. Seither ist er da. Er handelt davon, was in mir vorgeht, wenn ich jemanden erfasse. Innerlich und mit der Kamera. Er handelt von Projektion. Ich hatte in den letzten Tagen das Bedürfnis, meine timelinepostings auf facebook ins Archiv zu schieben. Ich habe nichts gelöscht, nur den Zugriff auf mich beschränkt und sie auch für mich nicht mehr auf der timeline sichtbar („hidden from timeline“). Es ist also leer geworden, bis auf eine ältere Fotografie, die meine Hand mit einer Kamera zeigt. Diese Kamera hat die meisten meiner Bilder auf flickr gemacht. Jetzt ist sie in einem Karton im voraussichtlich ewigen Schlaf, denn das Display ist kaputt. Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, über das Display zu fokussieren, ich will nicht mehr anders. Über den Sucher ist es nicht dasselbe, ich kann nicht aus der Hüfte schießen. Und für Filmaufnahmen ist sie auch nicht mehr geeignet, sie kann kein HD und produziert ein Nebengeräusch beim Ton. Jedenfalls ist da jetzt nur noch dieses Hand-und-Kamera-Bild von 2012 zu sehen und ich beließ diesen Projektions-Eintrag, weil er etwas Wesentliches über mich erzählt. Er fand einen gewissen Zuspruch, was mich freute.

Aber in meinem Blog, meiner ersten virtuellen Heimat habe ich das noch nicht erzählt. Nachdem ich die Archivierung mit meinen externen Festplatten angegangen hatte, was immer eine Zäsur durch das umfangreiche Löschen auf meinen Arbeitsrechnern bedeutet, spürte ich, dass ich auch anderweitig, auf dieser facebook-timeline, ein Gefühl von einem Neubeginn brauche. Ich hätte beinah angefangen, die postings komplett zu löschen, das schien mir aber unangemessen. Zu viele schöne Kontakte sind darin dokumentiert. Aber ich möchte nicht mit diesen vielen Aktivitäten der letzten Monate konfrontiert werden. Ich brauche einen Neuanfang. So wie das Gefühl, eine Wohnung, in der man zu lange nichts renoviert hat, zu weißen. Man haut die frische, weiße Farbe an die Wand und fühlt sich, als ob man in eine neue Wohnung zieht, alles auf Anfang. Die letzten Augusttage, die ich sehr liebe. Ich schreibe das gerade auf meinem Balkon. Man hört schon dieses leichte Blätterrauschen, das zum Herbst gehört, aber noch ist Sommer.
30. August 2016
Ich liebe diesen Eintrag. Besonders nach der ewig langen Einleitung. Bedeutet mir viel. Und ich habe es geschafft, all das in Worte zu fassen. Ja, ich lese mich selber hin und wieder. Rückblickend. Auf das, was wesentlich war. Dreissig Jahre später kann man das manchmal. Wenn alle Halbwertzeiten überwunden sind. Über Wunden. Als ich das vor zwei Jahren (be)schrieb und auch sicher war, keine unangemessene Grenze überschritten zu haben, versicherte ich mich dennoch, kurz nach der Veröffentlichung. Es war mir wichtig. Ich bekam – – .grünes Licht wäre zu wenig gesagt. Und ich glaube mich zu erinnern, dass Duke auch so etwas wie ein Angerührtsein und Überraschung zum Ausdruck brachte. Ich könnte auch das wieder aus einer Mail, die er mir schrieb, copypasten, aber ich habe da dann auch Grenzen. Obwohl im Moment ist es ehrlich gesagt eher Faulheit, in den Mailaccount zu wechseln und die Mail zu suchen etc. Na ja. So bin ich. Immer das Schöne verbreiten wollen. Spread the news. Ja, ich weiß wie man Diskretion buchstabiert. Aber ich fühle auch, wann der richtige Augenblick gekommen ist, dass etwas eine Bereicherung für die große Bibliothek des Weltwissens und der großen Gefühle darstellt.
28. August 2016

»Nur die wirklichen Heiden, wie ich eine bin, können wirkliche Katholiken sein. Die Verschmelzung des Heidentums und des Christentums ist nur im Katholizismus ganz gelungen. Die Protestanten stehen vor der Himmelstür und bitten um ein bißchen Brot. Wein wird ihnen nicht gereicht werden.«
Alma Mahler-Werfel, Dezember 1938
28. August 2016

»Nur die wirklichen Heiden, wie ich eine bin, können wirkliche Katholiken sein. Die Verschmelzung des Heidentums und des Christentums ist nur im Katholizismus ganz gelungen. Die Protestanten stehen vor der Himmelstür und bitten um ein bißchen Brot. Wein wird ihnen nicht gereicht werden.«
Alma Mahler-Werfel, Dezember 1938
28. August 2016
28. August 2016
28. August 2016
27. August 2016

Anstelle unsere epische Geschichte zu erzählen (ich tat es bereits ausgiebig, nämlich hier), copypaste ich einen Auszug aus dem kleinen chat von heute Mittag zwischen Duke und mir.
Gaga Nielsen
(…) weißt du eigentlich wer das damals gemacht hat? 27. Aug. 83, im Hecht, 33 Jahre her! G. vielleicht?
Duke Meyer
Das Foto ist mir bekannt, aber ich kann nicht sagen, wer es knipste… Kann schon sein, dass es G. war, ich bin mir aber nicht sicher: (…) Am 12. September kommt mich G. besuchen, da könnte ich ihr’s zeigen und sie mal fragen (…)
Gaga Nielsen
nicht so existentiell – wollte mich nur nicht mit fremden Federn schmücken…! (…)
Duke Meyer
Hihi, dachte mir jetzt schon auch, dass es dir nicht schlaflose Nächte bereitete, in denen du dich hin- und herwälzend ratlos an Kissenenden nagtest… ;-) (…) Sorry für etwas ungelenken Satzbau. War spät zu Bett gegangen und bin noch nicht so eingeübt wach.
Gaga Nielsen
na ja, es hat mich in den letzten Stunden schon arg umgetrieben und Schlaf war demzufolge auch kaum zu finden…! Das finde ich jetzt sehr gefühlskalt von dir, dass du meine Hochsensibilität in diesen Dingen nicht empathisch erfühlst und teilst und keinerlei Anstalten machst, mit mir aufgrund dieser traumatischen Erfahrung eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Dabei wäre das heute so ein guter Zeitpunkt dafür, wir kennen uns nämlich genau seit diesem 27.08.83! Also ich dich ja schon vorher, aber halt einseitig, weißt schon, hab dich bei deinem Auftritt mit der Duke Meyer-Band (…) bewundert, seinerzeit, ich glaube 11. September 1980 oder so ähnlich. 33 Jahre ist schon echt lang, huiuiui…! Schön, dass wir immer noch miteinander zu tun haben. Und vor allem so relaxed. Lass es dir gut gehen. Gaga
Duke Meyer
Am 27.08.83 nahm ich dich zum ersten Mal wahr? Wow! Ach, seufz… :-) Jetzt hilft uns da aber auch keine Selbsthilfegruppe mehr… Müssenwa alleine mit klarkommen, wa. Aber ich werde nach Sonnenuntergang ein Glas Wein darauf trinken. Danke für den Hinweis, ich hätte es jetzt so genau nicht gewusst. Dir auch bestes Wohlergehen, Duke
Gaga Nielsen
JA. lass uns später in Gedanken anstoßen. Das machen wir…! <3
https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265


Das Bild von mir von 1984 ist das, was ich vorhin gesucht habe, als ich über die Tagebuchseite stolperte. Es gibt kaum Bilder aus der Zeit von mir, also keines vom August 1983, aber ich denke, so in etwa wie im Januar 84 sah ich auch ein paar Monate vorher aus. Da auf dem Bild war ich achtzehn. Und Duke vierundzwanzig.
26. August 2016
26. August 2016
26. August 2016
26. August 2016
Backups. Sonne. Kaum Musik. Bis auf diesen Song von Roman Rappak. „Governing Correctly“. Annähernd tausend Gigabyte, ein Terabyte, die Backups. Auf drei externen Festplatten. Bilder. Filme, nur eigenes Zeug. Und Musik. Teile davon auch unveröffentlichtes Material, nicht von mir, von Musikern, die mir ihren work in progress zukommen ließen. Als Geste des Vertrauens, um sich darüber auszutauschen. Und der ganze Rest. So viel Rohmaterial, besonders bei den Filmdateien. Vor HD das meiste, aber was mir am wichtigsten war, habe ich sicher verarbeitet, meistens sofort. Die Ordnerstruktur bei den digitalen Fotografien ist erst seit ca. 2007 konsequent chronologisch, wie ich es in flickr seit geraumer Zeit mache. Viele Ordner sind noch umzubenennen, auf der einen Festplatte mit den Bildern, damit es synchron mit meinem online-Archiv wird Ich sehe flickr als online-backup, das ist einigen nicht klar, wie auch. Daher die Wiederholungen ähnlicher Motive, die sw- und Farbversionen nebeneinander. Es ist eine Sicherheitskopie, die mir ermöglicht, immer auf alles von überall Zugriff zu haben, die Wahl zu haben, wenn ich etwas verwenden möchte, ohne die Festplatten aus dem Archiv zu holen. Und eine zusätzliche Sicherung. Der nicht kuratierte Gesamtbestand. In Phasen, in denen ich sehr hingebungsvoll an Blogeinträgen arbeite – bzw. tue ich das ja immer, wenn ich es erst einmal mache – verwende ich geraume Zeit darauf, zu überlegen, welche Bilder aus einer umfangreichen Reihe – und das sind sie bei mir ja immer – in einem Eintrag erscheinen. Das ist dann wenn man so will, die kuratierte Selektion. Und auch das sind zumeist mehr als zwei, drei Bilder. Ich bin tatsächlich äußerst produktiv. Mir fällt niemand ein, der in vergleichbarem Umfang Material produziert, das einen ziiemlich hohen Anteil an Verwertbarem beinhaltet. Es ist keine große Kunst, zwölf großartige Bilder pro Jahr zu machen und mit viel Tamtam zu veröffentlichen. Wenn ich mich auf zwölf Bilder in zwölf Monaten beschränken sollte, hätte ich ein Problem. Wenn man den Übertragungsprozess bei dieser Menge von Bytes von einer Festplatte zur anderen aus dem Augenwinkel auf dem Monitor sieht, fragt man sich schon mitunter, wofür. Für welches Archiv. Aber das kennt wahrscheinlich jeder, der sein Werk sichert. Zunächst immer noch für den Zugriff in der Gegenwart oder näheren Zukunft Weiter will man dann auch nicht denken. Jetzt noch nicht. Ich habe tatsächlich seit Mai 2015 keine backups mehr gemacht. Aber heute gründlich. Bedeutet auch, die Festplatten meiner beiden Rechner weitgehend zu bereinigen, bis auf die Dateien, mit denen ich zur Zeit arbeite. Die Dateien aus der Vergangenheit ins Archiv der Festplatten zu schieben ist auch immer eine Zäsur. Es schafft Platz für neue Energien, die noch zu materialisieren sind. Die zu verewigende Zukunft. In Bytes.
24. August 2016
24. August 2016
(note to self)
keine halbtrunkenen Botschaften senden. Bestenfalls öffentlich. Wie diese hier. Gestern auch gerade noch mal die Kurve gekriegt.
23. August 2016
https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265
mit Alban Nikolai Herbst, Phyllis Kiehl, Sebastian Rogler, Ina Weisse, Klaus Mellenthin, Anne Seubert, Elvira Vesolinovic, Gaga Nielsen u.v.m.
22. August 2016
The worst example that you ever gave
Was pressed into my palm and then engraved
I can see the sense in what you say
Doesn’t mean, it should be acted on
Like it was all written down like a narrative
That was absorbed and put down missing adjectives
To stick to your lips. Stick to your lips.
Roman Rappak | Breton | Governing correctly
21. August 2016
„In einer Zeit der zynischen Reklame, in der Karrieristen aller Sorten zu einer Namensmacht kommen, wie sie die Geschichte bisher noch nie vergeben hat und der Ruhm bis auf den Grund entwertet ist, in einer solchen Zeit lebt der ernste literarische Künstler gleichsam im Exil.“
Franz Werfel, Juli 1937
22. August 2016
22. August 2016

Ich kann mich nicht aufraffen. Dachte, es wäre ein erster Schritt zur Tat, aufzuschreiben, was ich bis morgen noch alles machen muss. Der Countdown läuft. Ich habe keine Lust aufzulisten, was ich noch machen muss. Dass ich es geschafft habe „to do:“ links oben auf das Blatt zu schreiben, ist fast schon ein kleines Wunder. Aber dann war der Elan auch schon wieder verpufft. Im Grunde war er ohnehin nicht da. Aber erstaunlicher Anflug von Schwung bei der Idee, das leere Blatt Papier hochzuladen und mein Problem der Welt mitzuteilen. Das ist doch krank. Oder einfach nur ein Zeichen von Kontaktbedürfnis. Kontakt mit Menschen, die nichts mit dem Zeug zu tun haben, das da auf die blöde Liste gehört und demzufolge auch keine Veranlassung haben, meine Untätigkeit zu kritisieren. Wie haben wir das eigentlich genannt, als prokrastinieren noch kein Modebegriff war? Ich nenne es Verschieberitis. Aber morgen dann, auf den letzten Drücker. Ach, morgen ist ja auch noch ein Tag. Der wird ganz der Arbeit gewidmet. Heute fühle ich mich einfach nicht in Form. Ich muss ein paar Telefonate führen, das reicht mir schon für den Rest des Nachmittags. Ich telefoniere gar nicht gerne, obwohl die Leute gerne mit mir telefonieren. Na ja, kommt drauf an. Wenn jemand plötzlich unsachlich wird, auf so eine charmante Art, gefällt mir das in der Regel schon recht gut. Dafür bin ich immer zu haben. So ein bißchen herumwitzeln, ein paar Wortspielereien. Jetzt nicht unbedingt Dreideutigkeiten, aber so die grobe Richtung, das gefällt mir. Aber auch wieder nur, wenn ich jemanden entweder überhaupt nicht kenne und nicht weiß, wie er ausschaut, dann kann man ja in der Phantasie einen wahrlichen Traummann dazu visualisieren, da solche Gespräche nicht unbedingt zu Verabredungen oder geschäftlichen Treffen führen, wo dann wohl oder übel verifiziert wird, ob die Wahrheit weit oder sehr weit von der Phantasievorstellung entfernt ist. Oder wenn ich sehr genau weiß, dass derjenige durchaus attraktiv ist, aber aufgrund der bekannten Lebensverhältnisse geklärt ist (also er ist idealerweise liiert oder unter der Haube), dass das kein Auftakt für irgendetwas weiterführendes ist, sondern nur ein kleiner amüsanter Zeitvertreib. Einmal hatte ich einen Mann am Hörer, der eine Wahnsinnsstimme hatte, die ging mir durch und durch, ich war richtig motivert, das Gespräch künstlich zu verlängern, er aber auch, es war fast schon aufregend, ich hatte keinen Schimmer, wie er aussieht, er wollte eigentlich auch jemand anderen sprechen, aber ich ging ran. Als ich der eigentlich gewünschten Ansprechpartnerin mitteilte, dass Herr Westerwald* angerufen hatte, reagierte sie im völligen Gegensatz zu meiner Verfassung komplett unaufgeregt, ja geradezu gelangweilt.. Sie nahm den Zettel mit der Notiz mit müdem Blick zur Kenntnis. Ich erwähnte, dass er eine sehr attraktive Stimme hatte und sehr, also wirklich SEHR sympathisch rüberkam. Sie fragte mich beiläufig, ob ich Herrn Westerwald schon mal gesehen hätte. Nein, wieso? Wie sieht er aus? Statt einer Antwort googelte sie ein Foto von Westerwald. Die Stimme war aber trotzdem toll. Wie komme ich jetzt darauf. Ach ja, telefonieren. Ich hatte mal vor Jahren eine Liebe in der Ferne, vor Skype und so weiter, da hat man schon mal fünf bis sechs Stunden am Stück telefoniert, das kam öfter vor. Wir hörten uns einfach gegenseitig auch gerne. Zu erzählen habe ich immer was, merkt man ja hier, an meinen Einträgen. Hatte er aber auch. Das war mehr so eine kreative Konversation, die auch absurde Phantastereien nicht scheute. Aber für so pragmatische Dinge, wie sich zu verabreden, brauche ich kein Telefon, das mache ich lieber online. Freitag Nacht, wir warteten in einer kleinen Gruppe auf die S-Bahn, und es trat wieder einmal zutage, dass ich als einzige kein Handy habe, da meinte einer der Männer, ein Maler, zu mir: „hey….! WIE SEXY ist das denn!“. Ich: „Finde ich auch!“. Er war wahnsinnig stark behaart, fällt mir gerade wieder ein. Das Brusthaar quoll bis zum Halsansatz. Vielleicht fast schon ein bißchen zu viel Wolle. Jedenfalls hat er meinen Ansatz kapiert. Es geht mir natürlich darum, mit allen Mitteln meinen Sex Appeal zu steigern. Es ist unglaublich, wie viele Menschen ich in den letzten Jahren kennengelernt habe, mit denen ich noch nie telefoniert habe. Die haben nicht mal meine Telefonnummer. Ich ihre oft auch nicht, oder die hängt als Randbemerkung in irgendeinem online-Chat. Geht auch ohne, sieht man ja an mir. Ist aber auch abtörnend, wieviel dussliges Zeug von den Leuten in ihre Apparate gequatscht wird. Wenn die das per sms oder whatsapp oder fb-chat machen ist mir das auch lieber, dann muss man das dumme Zeug nicht zur Kenntnis nehmen. Diese desillusionierenden, pragmatischen Gespräche aus dem aufregenden Spektrum Kinder-Küche-Kontrollanruf. Koitus ist ja eher nicht das Thema, außer bei Frischverliebten und die treiben in einer anderen Sprache Konversation, wie es sich gehört. Und das Thema Kirche kommt natürlich auch zu kurz. Also im Grunde alles, was mich interessiert, haha. Im Ernst, in mir steckt eine Religions- und Ekstase-Forscherin, das wissen aber eben leider nur die, die meine 3536 Blogeinträge der letzten zwölf Jahre lückenlos gelesen, ja ich möchte sagen: studiert haben, oder die die exclusive Gelegenheit hatten, mich mehrfach persönlich zu treffen und zu sprechen. Die anderen müssen leider dumm sterben oder sich eben doch noch mal von Anfang bis Ende hier durcharbeiten. Natürlich gibt es bei meiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit auch Projekte, über die ich mich hier nicht äußern darf, da noch keine wasserdichten Ergebnisse vorliegen. Aber früher oder später werde ich alle Studien veröffentlichen und mein Herrschaftswissen mit der Welt teilen. Ich bin nämlich in jeder Hinsicht ein sehr großzügiger Mensch. Ein besonders schöner Charakterzug, wie ich finde. Man muss sich auch ab und zu selbst loben, und die Vorzüge ein wenig herausstreichen. So, genug Text. Ich wünsche gute Unterhaltung.
* e r f u n d e n !
21. August 2016

„Gaga wurde von einem Kranich ausgebrütet.“
Phyllis Kiehl, 19. August 2016
21. August 2016
„In einer Zeit der zynischen Reklame, in der Karrieristen aller Sorten zu einer Namensmacht kommen, wie sie die Geschichte bisher noch nie vergeben hat und der Ruhm bis auf den Grund entwertet ist, in einer solchen Zeit lebt der ernste literarische Künstler gleichsam im Exil.“
Franz Werfel, Juli 1937
19. August 2016
„Es wurde gestern noch eine solenne Sauferei, und dies Schwein, der Manzow, hat endlose Pullen Sekt geschmissen, diese Weiberlimonade, die man saufen kann wie Wasser und die über Kreuz mit Schnaps und Bier genossen einen wütenden Kopfschmerz macht.“ Hans Fallada, „Bauern, Bonzen und Bomben“, 1931


„Es waren wirklich solenne Feiern, denen wir beiwohnten!“
Alma Mahler-Werfel, „Mein Leben“, Tagebuch 1936

„Am solennsten war die Feier in Leipzig, Mainz und Frankfurt, am ärmlichsten in Hamburg.“
Karl Gutzkow, „Oeffentliches Leben in Deutschland“, 1842

17. August 2016
Schöneberger Geschichten. Mit Tabea Blumenschein und Ulrike Ottinger.
https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265





Mal sehen, ob ich das noch hinkriege, einen Eintrag zu dieser bald ein Jahr zurückliegenden Fotostrecke zu fabrizieren. Noch eleganter wäre, auf den Tag vor einem Jahr, 22. August 2015. Sehr viele Bilder. Historische Bilder. In vielerlei Hinsicht. Der Ort historisch. Die Personen von historischem Rang (ja okay, ich vielleicht nicht – NOCH nicht…). Versuche, es kurz zu machen. Wer hat schon Zeit, ausuferndes Geschwafel zu lesen. Es gab in Westberlin eine Szene, eine sehr spezielle, Künstler, Musiker, Durchgeknallte. Die, die dafür sorgten, dass Berlin anders als der Rest der Republik war. Dazu gehörten Künstlerinnen wie Tabea Blumenschein. Ulrike Ottinger. Die Tödliche Doris. Usw. usf. Damals, als sie aufbegehrten und damit zur Kenntnis genommen wurden, waren sie in ihren Dreissigern. Heute um die Sechzig. Aber nicht tot. Tabea malt heute vor allem und Ulrike Ottinger ist auch eine Hausnummer, kann man ja alles in Wikipedia nachlesen. Historisch auch der Ort. Schöneberg, Mansteinstr. Das Künstlergespräch, bei dem die Bilder entstanden, fand in einer Galerie in der Mansteinstraße statt, Galerie Zwinger.


Neben Leydicke. Ziemlich genau gegenüber vom früheren, dem zweiten, vorletzten Standort vom Ex’n’Pop. Der erste war in der Schwäbischen Straße, der zweite in der Manstein. Heute der dritte, ist in der Potsdamer. Aber es sah eigentlich immer ähnlich aus. Mansteinstr. 14. Auch ein Bild dabei in dieser Reihe. Ich finde es immer interessant, Menschen zu treffen, denen ein gewisser Ruf vorauseilt, um nicht zu sagen, ein gewisser Kultstatus. Man begegnet ihnen und verifiziert die gegenwärtige Aura. Und bekommt eine Ahnung davon, was zu diesem Status führte. Oder auch nicht. Tabea Blumenschein erinnerte mich ein wenig an Helen Vita. Ja, die Frisur, sicher. Aber auch der Witz. Die gelassene Souveränität. Warmherzig auch. Die Ähnlichkeit zwischen der Erscheinung der Siebziger und Achtziger erschließt sich nicht sofort, sie war damals ein ultimatives Sexsymbol, kokett ist sie immer noch, aber wirkt insgesamt eher gemütlich. Die Prioritäten haben sich verschoben. Eine amüsante Persönlichkeit. Nahbar. Ich traf neben Jan, meinem lieben Freund, auch eine Freundin von ihm, von der ich wusste, der ich aber bislang noch nicht begegnet war. Ana Schönsteiner, ebenfalls eine bildende Künstlerin, im besten, konstruktiven Sinne durchgeknallt. Ich mochte sie schon, als sie die Galerie betrat, eine sehr eigenwillige Ausstrahlung, wir hatten einen Draht, bevor Jan auftauchte und verifizierte, wer sie ist. Sie bemalt unter anderem kleine Streichholzschachteln, die sie in einer Tasche mit sich führt, mit sehr sinnlichen, unikaten Motiven. Ich kaufte ihr zwei ab, es war mir ein Anliegen, sie hätte sie mir geschenkt. Schöne, belebende Begegnungen. Und Elfi Mikesch war auch da, im Publikum. Die haben ja alle damals zusammengearbeitet. Alle vernetzt und miteinander verstrickt. Und Marc Brandenburg, eine Künstlerikone neuerer Generation – mein Jahrgang, 1965, war auch da, im Publikum, und ließ sich beglückt mit Tabea und dem interessanten Selbstdarsteller mit dem Hündchen ablichten. Nicht weit davon ist übrigens der Friedhof, auf dem Rio begraben ist. Man kann fast rüberspucken. Ana redete dauernd davon. Ich wusste natürlich, dass Rio inzwischen in Berlin ist, aber ich wollte erst ein bißchen gewachsene Patina an seinem Grab haben, bevor ich hinpilgere. Nicht zu frisch aufgeworfen sollte die Erde sein. Und so besuchte ich ihn ein wenig später, nicht lange nach diesem Abend. Längst hochgeladen die Bildstrecke davon, auch etwas dazu geschrieben. Zumal es nicht so viele Friedhöfe mit Kaffeeausschank gibt, DA war ich etwas schneller.




Damals in den Achtzigern war ich ab und zu im Ex’n’Pop in der Mansteinstraße, und auch vorher in der Schwäbischen. Für mich ist das bis heute – oder gerade – immer eine etwas sentimentale Zeitreise, wenn ich in dieser Ecke bin. Überhaupt wenn ich in Schönberg bin. Meine ersten Jahre in Berlin. 1986 bis 1993. Sieben Jahre. Eintätowiert. Geliebt. Heute ahnt kaum ein jüngerer Mensch, welchen Stellenwert Schöneberg in Westberlin hatte, außer er interessiert sich für die Historie der Westberliner Szene. Für mich war es der Ort in Berlin, an dem man sein musste.



Nicht Kreuzberg, nicht Charlottenburg. Schöneberg musste es sein. Lange vorbei, aber wahnsinnig schöne Erinnerungen. Wiedergeburt. Selbstgewählter zweiter Geburtsort. Unzerstörbar.



„(…) in den 1970er- und 80er-Jahren zählte Tabea Blumenschein als Schauspielerin, Regisseurin, Kostümbildnerin, Schriftstellerin und Künstlerin zu den schillerndsten Persönlichkeiten im damaligen West-Berlin. Mit dem Film Bildnis einer Trinkerin von Ulrike Ottinger wurde sie zum Kultstar der Szene. Eng befreundet war sie mit der Krimiautorin Patricia Highsmith, dem Schauspieler Udo Kier und der Tänzerin Valeska Gert, mit der sie auch in dem Film Die Betörung der blauen Matrosen Regie: Blumenschein & Ottinger spielte. 1976 war sie eine Mitwirkende in dem Happening Regen von Wolf Vostell. 1980 spielte Blumenschein bei „Liebesgier“, einer Berliner Avantgarde Band mit Frieder Butzmann und Bettina Köster. 1981 bekam sie das Filmband in Gold verliehen für die Ausstattung in Looping, einem Film von Rolf Bührmann und Walter Bockmayer, mit dem sie sehr gut befreundet war. Tabea Blumenschein hat Filme, Maske und Kostüme für Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch sowie Walter Bockmayer gemacht. Sie ist Schauspielerin, Musikerin und hat Mode für Claudia Skoda entworfen. Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied der Musik- und Künstlergruppe Die Tödliche Doris und trat mit dieser in New York, Hamburg, Berlin und Helgoland auf. Für die Band schneiderte sie auch Kostüme, schrieb Texte und Musik. Mitte der 1980er war sie mit ihrer damaligen Freundin Isabell unter der Schlagzeile: „Wir sind lesbisch“ auf dem Titelbild der Illustrierten Stern zu sehen. Nach ihrem auf Super-8 von Christoph Dreher gedrehten Fernsehspiel Zagarbata (eine Koproduktion mit dem ZDF, 1985) wurde es still um die Multikünstlerin. Sie zog sich zunehmend zurück und widmete sich der Malerei und Zeichnung“




21. August 2016

Gaga Nielsen, Sebastian Rogler, Galerie Nord I Kunstverein Tiergarten.
„…was macht ihr? ‚Bloggen’…? Wofür ist das gut?“
21. August 2016
Kollege Mellenthin und Frau Nielsen.

20. August 2016
20. August 2016
Alban.

Alban Nikolai Herbst
(gestern beim Libanesen, der mit meiner Sonderbestellung „zwei gegrillte Hähnchenspieße mit irgendeiner scharfen Soße“ völlig überfordert war)
20. August 2016
19. August 2016
„Es wurde gestern noch eine solenne Sauferei, und dies Schwein, der Manzow, hat endlose Pullen Sekt geschmissen, diese Weiberlimonade, die man saufen kann wie Wasser und die über Kreuz mit Schnaps und Bier genossen einen wütenden Kopfschmerz macht.“ Hans Fallada, „Bauern, Bonzen und Bomben“, 1931


„Es waren wirklich solenne Feiern, denen wir beiwohnten!“
Alma Mahler-Werfel, „Mein Leben“, Tagebuch 1936

„Am solennsten war die Feier in Leipzig, Mainz und Frankfurt, am ärmlichsten in Hamburg.“
Karl Gutzkow, „Oeffentliches Leben in Deutschland“, 1842

17. August 2016
[ gelesen ]
„Painlove wird mir persönlich nicht weiter fehlen“
[ anstelle
„Painlevé* wird mir persönlich nicht weiter fehlen, aber der Ministerpräsident einer großen Nation, der auf dem Sterbebett das Manuskript einer eigenen Faust-Übertragung liegen hat, ist schon etwas Einmaliges, Großartiges“, Alma Mahler-Werfel, Mai 1933 ]
* Paul Painlevé (* 5. Dezember 1863 in Paris; † 29. Oktober 1933 ebenda) war ein französischer Mathematiker und Politiker des reformsozialistischen Parti républicain-socialiste. 1917 und 1925 war er Premierminister der Dritten Französischen Republik.
17. August 2016
Schöneberger Geschichten. Mit Tabea Blumenschein und Ulrike Ottinger.
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Mal sehen, ob ich das noch hinkriege, einen Eintrag zu dieser bald ein Jahr zurückliegenden Fotostrecke zu fabrizieren. Noch eleganter wäre, auf den Tag vor einem Jahr, 22. August 2015. Sehr viele Bilder. Historische Bilder. In vielerlei Hinsicht. Der Ort historisch. Die Personen von historischem Rang (ja okay, ich vielleicht nicht – NOCH nicht…). Versuche, es kurz zu machen. Wer hat schon Zeit, ausuferndes Geschwafel zu lesen. Es gab in Westberlin eine Szene, eine sehr spezielle, Künstler, Musiker, Durchgeknallte. Die, die dafür sorgten, dass Berlin anders als der Rest der Republik war. Dazu gehörten Künstlerinnen wie Tabea Blumenschein. Ulrike Ottinger. Die Tödliche Doris. Usw. usf. Damals, als sie aufbegehrten und damit zur Kenntnis genommen wurden, waren sie in ihren Dreissigern. Heute um die Sechzig. Aber nicht tot. Tabea malt heute vor allem und Ulrike Ottinger ist auch eine Hausnummer, kann man ja alles in Wikipedia nachlesen. Historisch auch der Ort. Schöneberg, Mansteinstr. Das Künstlergespräch, bei dem die Bilder entstanden, fand in einer Galerie in der Mansteinstraße statt, Galerie Zwinger.


Neben Leydicke. Ziemlich genau gegenüber vom früheren, dem zweiten, vorletzten Standort vom Ex’n’Pop. Der erste war in der Schwäbischen Straße, der zweite in der Manstein. Heute der dritte, ist in der Potsdamer. Aber es sah eigentlich immer ähnlich aus. Mansteinstr. 14. Auch ein Bild dabei in dieser Reihe. Ich finde es immer interessant, Menschen zu treffen, denen ein gewisser Ruf vorauseilt, um nicht zu sagen, ein gewisser Kultstatus. Man begegnet ihnen und verifiziert die gegenwärtige Aura. Und bekommt eine Ahnung davon, was zu diesem Status führte. Oder auch nicht. Tabea Blumenschein erinnerte mich ein wenig an Helen Vita. Ja, die Frisur, sicher. Aber auch der Witz. Die gelassene Souveränität. Warmherzig auch. Die Ähnlichkeit zwischen der Erscheinung der Siebziger und Achtziger erschließt sich nicht sofort, sie war damals ein ultimatives Sexsymbol, kokett ist sie immer noch, aber wirkt insgesamt eher gemütlich. Die Prioritäten haben sich verschoben. Eine amüsante Persönlichkeit. Nahbar. Ich traf neben Jan, meinem lieben Freund, auch eine Freundin von ihm, von der ich wusste, der ich aber bislang noch nicht begegnet war. Ana Schönsteiner, ebenfalls eine bildende Künstlerin, im besten, konstruktiven Sinne durchgeknallt. Ich mochte sie schon, als sie die Galerie betrat, eine sehr eigenwillige Ausstrahlung, wir hatten einen Draht, bevor Jan auftauchte und verifizierte, wer sie ist. Sie bemalt unter anderem kleine Streichholzschachteln, die sie in einer Tasche mit sich führt, mit sehr sinnlichen, unikaten Motiven. Ich kaufte ihr zwei ab, es war mir ein Anliegen, sie hätte sie mir geschenkt. Schöne, belebende Begegnungen. Und Elfi Mikesch war auch da, im Publikum. Die haben ja alle damals zusammengearbeitet. Alle vernetzt und miteinander verstrickt. Und Marc Brandenburg, eine Künstlerikone neuerer Generation – mein Jahrgang, 1965, war auch da, im Publikum, und ließ sich beglückt mit Tabea und dem interessanten Selbstdarsteller mit dem Hündchen ablichten. Nicht weit davon ist übrigens der Friedhof, auf dem Rio begraben ist. Man kann fast rüberspucken. Ana redete dauernd davon. Ich wusste natürlich, dass Rio inzwischen in Berlin ist, aber ich wollte erst ein bißchen gewachsene Patina an seinem Grab haben, bevor ich hinpilgere. Nicht zu frisch aufgeworfen sollte die Erde sein. Und so besuchte ich ihn ein wenig später, nicht lange nach diesem Abend. Längst hochgeladen die Bildstrecke davon, auch etwas dazu geschrieben. Zumal es nicht so viele Friedhöfe mit Kaffeeausschank gibt, DA war ich etwas schneller.




Damals in den Achtzigern war ich ab und zu im Ex’n’Pop in der Mansteinstraße, und auch vorher in der Schwäbischen. Für mich ist das bis heute – oder gerade – immer eine etwas sentimentale Zeitreise, wenn ich in dieser Ecke bin. Überhaupt wenn ich in Schönberg bin. Meine ersten Jahre in Berlin. 1986 bis 1993. Sieben Jahre. Eintätowiert. Geliebt. Heute ahnt kaum ein jüngerer Mensch, welchen Stellenwert Schöneberg in Westberlin hatte, außer er interessiert sich für die Historie der Westberliner Szene. Für mich war es der Ort in Berlin, an dem man sein musste.



Nicht Kreuzberg, nicht Charlottenburg. Schöneberg musste es sein. Lange vorbei, aber wahnsinnig schöne Erinnerungen. Wiedergeburt. Selbstgewählter zweiter Geburtsort. Unzerstörbar.



„(…) in den 1970er- und 80er-Jahren zählte Tabea Blumenschein als Schauspielerin, Regisseurin, Kostümbildnerin, Schriftstellerin und Künstlerin zu den schillerndsten Persönlichkeiten im damaligen West-Berlin. Mit dem Film Bildnis einer Trinkerin von Ulrike Ottinger wurde sie zum Kultstar der Szene. Eng befreundet war sie mit der Krimiautorin Patricia Highsmith, dem Schauspieler Udo Kier und der Tänzerin Valeska Gert, mit der sie auch in dem Film Die Betörung der blauen Matrosen Regie: Blumenschein & Ottinger spielte. 1976 war sie eine Mitwirkende in dem Happening Regen von Wolf Vostell. 1980 spielte Blumenschein bei „Liebesgier“, einer Berliner Avantgarde Band mit Frieder Butzmann und Bettina Köster. 1981 bekam sie das Filmband in Gold verliehen für die Ausstattung in Looping, einem Film von Rolf Bührmann und Walter Bockmayer, mit dem sie sehr gut befreundet war. Tabea Blumenschein hat Filme, Maske und Kostüme für Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch sowie Walter Bockmayer gemacht. Sie ist Schauspielerin, Musikerin und hat Mode für Claudia Skoda entworfen. Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied der Musik- und Künstlergruppe Die Tödliche Doris und trat mit dieser in New York, Hamburg, Berlin und Helgoland auf. Für die Band schneiderte sie auch Kostüme, schrieb Texte und Musik. Mitte der 1980er war sie mit ihrer damaligen Freundin Isabell unter der Schlagzeile: „Wir sind lesbisch“ auf dem Titelbild der Illustrierten Stern zu sehen. Nach ihrem auf Super-8 von Christoph Dreher gedrehten Fernsehspiel Zagarbata (eine Koproduktion mit dem ZDF, 1985) wurde es still um die Multikünstlerin. Sie zog sich zunehmend zurück und widmete sich der Malerei und Zeichnung“




14. August 2016

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Sechzehnter Januar Zweitausendsechzehn. Eigentlich eine Geburtstagsfeier. Sechs Tage vorher starb David Bowie und die Welt erfuhr davon am elften Januar. Das Geburtstagskind und die geladenen Gäste der geplanten Geburtstagsparty waren derart von dieser Todesnachricht erschüttert, dass kurzerhand einvernehmlich beschlossen wurde, diese Zusammenkunft David Bowie zu widmen. Wir waren Feuer und Flamme, herauszufinden, was David am liebsten gegessen und getrunken hat, und recherchierten wie verrückt im Internet und trugen unsere Funde und Erkenntnisse dazu auf einer facebook-Eventseite in den Kommentaren zusammen. Es war gar nicht so einfach, aber am Ende gab es einige Aussagen, die vielleicht auch nur auf Gerüchten oder Polemik und Übertreibung basieren, aber egal. Jemand behauptete, David Bowie habe sich in den Siebziger Jahren ausschließlich von Milch, Kokain und rotem Paprika ernährt. Dann gab es einen Bericht, in dem Davids Frau Iman dem Reporter erzählt, das Gericht, das sie ihm am häufigsten zubereiten würde, weil es ihn an seine Kindheit erinnert und er es einfach liebt, sei Sheperd’s Pie (übrigens auch das Lieblingsgericht von Keith Richards). irgendwo erwähnte jemand Brownies, die er gerne mag – oder mochte. Und ich fand einen launigen Backstage-Bericht, diesen hier, in dem erwähnt wird, wie David mit zwei schwarzen Schönheiten und einem Korb mit Sancerre, französischem Käse und Räucherlachssandwiches auftauchte und alle damit versorgte.




„(…) So he comes back with this entourage of two black statuesque ladies and a hamper full of Sancerre, French cheeses and smoked salmon sandwiches and plonks himself next to us. I’d only ever had Blue Nun before, and as for smoked salmon… ”Sorry I don’t know you all,“ and he goes round shaking our hands, lordly and utterly charming. „Help yourself boys,” he beams…“




Das war mein Part, ich kaufte einige Flaschen Sancerre, ein wirklich großartiger französischer Weißwein, sehr erdig und charaktervoll, den ich auch gerne trinke, dazu fünf verschiedene Sorten französischen Käse, Räucherlachs und Weintrauben. Unser Geburtstagskind hatte sich den legendären Blitz ins Gesicht malen lassen und an den Füßen selbst gebastelte, futuristische Goldstiefel. Ich erschien in einem Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, wie ihn David als Thin White Duke trug, die Augenklappe über dem Windsorknoten. Und klebte mir zwei schwarze Sterne auf dem Handrücken, von denen alle meinten, ich sollte mir das tätowieren lassen, sie fanden es absolut cool. Unsere beiden Gastgeber hatten mehrere Portraits von David vervielfältigt, sie waren in der ganzen Wohnung verteilt und man konnte sie ausmalen. Es gab ein paar Linien mit weißem Pulver (was auch immer) und ein Becherchen mit Milch und einer roten Paprikaschote. Und einen Browniekuchen mit einem Blackstar in der Mitte. Und sie hatten sich die unglaubliche Mühe gemacht, eine phantastische Playlist aus allen erdenklichen Songs von David einschließlich zahlloser Coverversionen seiner Songs vorzubereiten. Wir tanzten, als gäbe es kein Morgen, davon gibt es keine Bilder, weil beim Tanzen selbst ich die Kamera beiseite lege, und derlei Aufnahmen ohnehin verwackelt werden. Als ich mich zu diesem Fest aufmachte, war ich gar nicht so sehr in Partylaune, doch kaum war ich da, weckte die gute Stimmung, der Sancerre und die Musik meine Lebensgeister und wir tranken, tanzten, rauchten und aßen und erinnerten uns an die Zeiten in Schöneberg, in memoriam David. Für immer ein Held.




17. August 2016
[ gelesen ]
„Painlove wird mir persönlich nicht weiter fehlen“
[ anstelle
„Painlevé* wird mir persönlich nicht weiter fehlen, aber der Ministerpräsident einer großen Nation, der auf dem Sterbebett das Manuskript einer eigenen Faust-Übertragung liegen hat, ist schon etwas Einmaliges, Großartiges“, Alma Mahler-Werfel, Mai 1933 ]
* Paul Painlevé (* 5. Dezember 1863 in Paris; † 29. Oktober 1933 ebenda) war ein französischer Mathematiker und Politiker des reformsozialistischen Parti républicain-socialiste. 1917 und 1925 war er Premierminister der Dritten Französischen Republik.
16. August 2016
15. August 2016
….und das Herz für die große altmodische Sehnsucht nach mehr Tempo. Man muss, um zum Kern zu kommen, etwas kaputt machen. Man muss im Feuer stehen. Man kann nicht einen Stuhl nehmen und sich in sein Leben setzen. Nichts rechtfertigen – man wäre verloren.
Wolf Wondratscheck
14. August 2016

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Sechzehnter Januar Zweitausendsechzehn. Eigentlich eine Geburtstagsfeier. Sechs Tage vorher starb David Bowie und die Welt erfuhr davon am elften Januar. Das Geburtstagskind und die geladenen Gäste der geplanten Geburtstagsparty waren derart von dieser Todesnachricht erschüttert, dass kurzerhand einvernehmlich beschlossen wurde, diese Zusammenkunft David Bowie zu widmen. Wir waren Feuer und Flamme, herauszufinden, was David am liebsten gegessen und getrunken hat, und recherchierten wie verrückt im Internet und trugen unsere Funde und Erkenntnisse dazu auf einer facebook-Eventseite in den Kommentaren zusammen. Es war gar nicht so einfach, aber am Ende gab es einige Aussagen, die vielleicht auch nur auf Gerüchten oder Polemik und Übertreibung basieren, aber egal. Jemand behauptete, David Bowie habe sich in den Siebziger Jahren ausschließlich von Milch, Kokain und rotem Paprika ernährt. Dann gab es einen Bericht, in dem Davids Frau Iman dem Reporter erzählt, das Gericht, das sie ihm am häufigsten zubereiten würde, weil es ihn an seine Kindheit erinnert und er es einfach liebt, sei Sheperd’s Pie (übrigens auch das Lieblingsgericht von Keith Richards). irgendwo erwähnte jemand Brownies, die er gerne mag – oder mochte. Und ich fand einen launigen Backstage-Bericht, diesen hier, in dem erwähnt wird, wie David mit zwei schwarzen Schönheiten und einem Korb mit Sancerre, französischem Käse und Räucherlachssandwiches auftauchte und alle damit versorgte.




„(…) So he comes back with this entourage of two black statuesque ladies and a hamper full of Sancerre, French cheeses and smoked salmon sandwiches and plonks himself next to us. I’d only ever had Blue Nun before, and as for smoked salmon… ”Sorry I don’t know you all,“ and he goes round shaking our hands, lordly and utterly charming. „Help yourself boys,” he beams…“




Das war mein Part, ich kaufte einige Flaschen Sancerre, ein wirklich großartiger französischer Weißwein, sehr erdig und charaktervoll, den ich auch gerne trinke, dazu fünf verschiedene Sorten französischen Käse, Räucherlachs und Weintrauben. Unser Geburtstagskind hatte sich den legendären Blitz ins Gesicht malen lassen und an den Füßen selbst gebastelte, futuristische Goldstiefel. Ich erschien in einem Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, wie ihn David als Thin White Duke trug, die Augenklappe über dem Windsorknoten. Und klebte mir zwei schwarze Sterne auf dem Handrücken, von denen alle meinten, ich sollte mir das tätowieren lassen, sie fanden es absolut cool. Unsere beiden Gastgeber hatten mehrere Portraits von David vervielfältigt, sie waren in der ganzen Wohnung verteilt und man konnte sie ausmalen. Es gab ein paar Linien mit weißem Pulver (was auch immer) und ein Becherchen mit Milch und einer roten Paprikaschote. Und einen Browniekuchen mit einem Blackstar in der Mitte. Und sie hatten sich die unglaubliche Mühe gemacht, eine phantastische Playlist aus allen erdenklichen Songs von David einschließlich zahlloser Coverversionen seiner Songs vorzubereiten. Wir tanzten, als gäbe es kein Morgen, davon gibt es keine Bilder, weil beim Tanzen selbst ich die Kamera beiseite lege, und derlei Aufnahmen ohnehin verwackelt werden. Als ich mich zu diesem Fest aufmachte, war ich gar nicht so sehr in Partylaune, doch kaum war ich da, weckte die gute Stimmung, der Sancerre und die Musik meine Lebensgeister und wir tranken, tanzten, rauchten und aßen und erinnerten uns an die Zeiten in Schöneberg, in memoriam David. Für immer ein Held.




13. August 2016
I’m an atheist and I thank God for it.
George Bernard Shaw
13. August 2016
No man ever believes that the Bible means what it says: He is always convinced that it says what he means.
George Bernard Shaw
12. August 2016

Unter meinen annähernd 50.000 Bildern der letzten Dekade müsste fast jeder, der das liest, und dem ich persönlich begegnet bin, in diesem Lexikon der Suchbegriffe dabei sein – und Viele mehr. Wobei einige der früheren Bilder teilweise nicht namentlich getagged wurden, da es ab und zu Befindlichkeiten gab, die ich berücksichtigt habe. Hoffe, es hagelt jetzt nicht haufenweise Bitten, die tags zu entfernen. Erschiene mir zumindest bei Personen, die von Berufs wegen in der Öffentlichkeit stehen, eher skurril. Ich werde auch keine schwarzen Balken über Augen machen. Übrigens interessant: am unkompliziertesten mit Fotografien in der Öffentlichkeit sind die, die bereits einen Namen und eine nennenswerte Karriere haben, Herumgezicke findet man eher bei Leuten, die gerne mal ganz groß rauskommen wollen und Panik haben, dass ein unvorteilhaftes Bild die Weltkarriere gefährdet. Haha. Aber zum Glück habe ich ja so gut wie nie mit solchen Zicken zu tun. Fehlte noch. Auch sehr bizarr, vor gut zehn Jahren mal erlebt: ein (damals) relativ gutaussehender Mann, ein Journalist, der auch bloggt, woraus er nie ein Geheimnis machte, (nein, nicht Du, Thomas) machte zunächst Komplimente, wie gut die Bilder doch geworden seien, es ging um eine Lesung, bei der er auch anwesend war, ich veröffentlichte die Bilder innerhalb der Strecke, zwei Tage später mailte er mir erneut, ich sollte doch bitte sämtliche Bilder mit ihm unverzüglich entfernen. Der Tonfall war ungefähr so charmant wie der Drohbrief einer Rechtsanwaltskanzlei. Während der Lesung hat er nett mit mir geplaudert, sah, dass ich fotografiere, ich war auch eigens von den Veranstaltern aufgefordert, das zu tun, er teilte mir zu keinem Zeitpunkt mit, dass ich ihn aussparen sollte. Bizarr. Und zum Glück selten. Ein anderer Blogger, der mich um ähnliches bat, allerdings sehr freundlich und aus nachvollziehbaren Gründen. Er schrieb damals ein tendenziell erotisches Blog, was er mit seiner Tätigkeit als Redakteur im politischen Ressort eines nicht unbekannten Nachrichtenmagazins nicht vermengt haben wollte, und lachte vor nicht allzu langer Zeit darüber, als ich ihn daran erinnerte. Ich wollte die Gruppenfotos, auf denen er war, nicht komplett löschen und klebte tatsächlich schwarze Balken über seine Augen oder zog ihm einen schwarzen Strumpf über den Kopf. Und ein Fotograf, auch recht gutaussehend, meckerte über drei Bilder in einer unverfänglichen Bildstrecke von einer Fotomesse. Nicht, dass die Bilder unvorteilhaft gewesen wären, ganz und gar nicht. Ich hatte eines in meinem Blog innerhalb eines Kommentars gepostet, was zur Resonanz hatte, dass eine Kommentatorin schrieb „Woher kennst du nur immer diese vielen gutaussehenden Männer?“ Ich entfernte die Bilder bzw. setzte sie auf ‚privat‘, so dass nur noch ich sie sehen kann. Vor wenigen Monaten traf ich ihn nach Jahren wieder bei einer Eröffnung in einer Fotogalerie in Friedrichshain und erinnerte ihn an seine damalige Aufforderung, die Bilder zu entfernen. Er grinste, als ob er selbst darüber lachen müsste. Er wusste auch nicht mehr, warum er das wollte. Und noch eines – je reifer an Jahren die Menschen sind, umso unkomplizierter werden sie in dieser Hinsicht, vielleicht, weil man sich freut, überhaupt noch als relevant erachtet zu werden.
11. August 2016
10. August 2016
09. August 2016
Ein Eintrag vom 20. Januar 2016, den ich nie veröffentlichte, weil ich wohl dachte, ich sollte noch etwas über das Buch, aus dem Alban Nikolai Herbst las, Traumschiff, dazuschreiben. Ich tat es nie, ich mochte das Buch, es beeindruckte mich teilweise tief, aber ich sehe mich nicht zur Rezensentin berufen. Ich wünschte, es würde so oft gekauft werden, wie manche anderen Romane in deutschen Bestsellerlisten, die mich nicht im Ansatz berühren konnten. Überaus sensitiv, eine einzige Liebeserklärung an das irdische Leben. Es gibt ja durchaus eine Reihe von Besprechungen im deutschen Feuilleton. Wie auch immer, ich sichte gerade, was ich an Beiträgen im offline-Status habe, und da stieß ich eben auf diesen Eintrag, der auch in seinem vormals als unvollständig erachteten Bearbeitungsstatus endlich online gehört.

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Keine tote Wasserglaslesung. Jörg Meyer hat es schön beschrieben: „Nichts dergleichen. Herbst lässt das Wasserglas unberührt, schenkt sich (mehrmals und zum Lesefluss dramaturgisch passend) Wein ein – weißen wie der Seeschwalben Federkleid, nicht sterbensblutroten. Hängt das Jackett schwungkunstvoll über die Lehne, befreit seinen Hals von der knebelnden Krawatte, knöpft das Hemd auf, krempelt die Ärmel hoch … Und beginnt (…)“ Was will man mehr? Zumal das Gelesene und anderweitig Vorgetragene gleichermaßen Körper, Säfte und Dynamik in sich trägt. Gehen Sie ruhig zu diesen Lesungen hin, wenn Sie ein bißchen Unruhe brauchen könnten.




Wenn man bei solchen Gelegenheiten fotografiert, rechnet man am wenigsten damit, dass sich ein Autor durch den Raum bewegt. Zumindest nicht derart frei. Und doch ohne eine Grenze zu überschreiten, die einem anderen etwas von seinem Raum nehmen würde. Das hat schon eine tänzerische Virtuosität, die man sich gut anschauen kann. Alban Nikolai Herbst lebt den Rhythmus seiner schönen Worte, da gibt es keinen Zweifel.


Schade nur, dass ich die Strümpfe und die Schuhe nicht richtig eingefangen habe. Ein bißchen dachte ich auch an Luis Trenker. (Natürlich in seinen allerbesten Jahren.) Derbe, wetterfeste Wanderschuhe, grobgestrickte wollweiße Strümpfe über der braunen Cordhose. Das hat alles wunderbar gepasst. Wir hatten gerade den ersten richtigen Schnee in diesem Winter in Berlin.

08. August 2016
Gypsy Punk am Märchenbrunnen
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04. August 2016
04. August 2016
ich bin ja kein Fan von Sunburst Finish bei Gitarren und auch sonst nicht. Gerade wieder Bilder vor mir gehabt, die im Farbmodus sehr schön gewesen wären, wäre da nicht dieser unselige Farbverlauf auf dem Gitarrenkorpus. Das beißt sich mit allen Klamotten und Hintergründen. Bitte nicht kaufen! Ich präferiere schwarze Gitarren.
03. August 2016
Muss noch einmal ein wenig in Sachen meines heutigen Blogeintrags missionieren. Das geht mir hier schon wieder zu sehr unter. Gern genommen werden auf fb ja auch immer knackige Zitate und Auszüge. Heute im Angebot: „Aber eigentlich sehe ich den größeren Missionierungsbedarf bei meinen männlichen Lesern (jetzt hätte ich fast „Kunden“ geschrieben, was ist denn da in meinem Unterbewußtsein). Insofern: die Botschaft muss an den Mann! Ich denke es ist doch auch wahnsinnig interessant für so einen Mann, wie ich als Frau denke, und natürlich auch, was ich über Männer denke! Ich interessiere mich zum Beispiel auch sehr dafür, wie Männer denken! Wenn man mal ein paar ehrliche Statements haben möchte, empfiehlt es sich daher, sich mit dem einen oder anderen Mann anzufreunden, sein Vertrauen zu gewinnen, und ihn dann nach Herzenslust plappern zu lassen. Da kann man eine ganze Menge lernen! Das funktioniert nicht ganz so gut bzw. fast überhaupt nicht mit Männern, mit denen man sich in irgendwelchen erotischen Verstrickungen befindet, dann wird von beiden Seiten kalkuliert kommuniziert, weil irgendeine dämliche Strategie zugrundeliegt. Da lernt man so gut wie gar nichts, außer Training in strategischer Kommunikation, wenn man diszipliniert ist.“
usw. usf.
Kompletter Eintrag incl. Exclusiv-Fotos, die rein gar nichts mit dem obig Zitierten zu tun haben, hier.
03. August 2016
Jetzt erst mitbekommen, dass Bommi Baumann am 19. Juli gestorben ist. Ich habe den alten Haschrebellen vor sieben Jahren bei einer Lesung abgelichtet. Er wirkte ganz aufgeräumt und in sich ruhend. Ich denke, er wird in Frieden ruhen, wünsche ich ihm.

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ganz warmherziger Mensch. Wie ein lieber lustiger Onkel hat er erzählt. (…) „Freunde, schmeißt die Knarre weg.“ und damals noch ordentlich zeitnah gebloggt und sogar Kommentare… das waren noch Zeiten…
03. August 2016
02. August 2016
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Gestern Abend auf facebook zu dem geposteten Link vermerkt: „Schon mal hier gepostet, einzeln, in Kommentaren, aber doppelt hält besser. Ich schreibe noch etwas dazu. Einen veritablen Blogeintrag. Ich werde das wieder kultivieren und sogar rückwärtig. Noch rückwärtiger als diese Bildstrecke hier mit der Fingernägelläckiererei von Romain. Bis zum Mai 2015. Und alles was danach geschah, umfassen und umarmen.“ So sei es. Allerdings schon sportlich. Aber hey, wir haben bald Olympia. Ich habe quasi eine Art backstage-Hotline nach Rio und werde seit ca. zwei Wochen mit Bildern vom Aufbau versorgt. Also nicht nur ich, alle die mit dem Mitarbeiter vor Ort eben bei fb connected sind, wie wir jungen Leute sagen. Durch die Zeitverschiebung wünsche ich gegen zwei Uhr eine Gute Nacht und erhalte die Rückmeldung „ich gehe jetzt mal was einkaufen“. Das Olympiastadion* da an der Copacabana hat ja wirklich Premiumlage, direkt am Strand, sagenhaft. Und was hat das jetzt mit den Bildern hier zu tun? Nichts.

Rein gar nichts. Aber das ist die Freiheit des Bloggens: Schreiben ohne Zusammenhang, was einem gerade in den Sinn kommt. Bin ja schließlich keine Reporterin, höchstens in eigener Sache. Dennoch möchte ich nicht vorenthalten, was es mit dieser Bildstrecke mit dem Mann, dem die Fingernägel lackiert werden, auf sich hat. Ich war für halbeins, also mittags, zum Studio und Proberaum einer der Bands bestellt, in denen Maria (wir erinnern uns) singt. Die Gruppe besteht aus drei Mitgliedern und macht Gypsy Punk. Ich denke, damit ist alles gesagt. Nein, natürlich nicht. Also die drei Hübschen heißen PINK PARTE und spielen zu dritt sehr eigene Arrangements von rumänischen Volksliedern, aber auch Preziosen aus anderer Herrinnen Länder, zum Beispiel aus Frankreich. Da kommt Romain her, der Mann im Trio. Und was für einer. Er ist unter anderem Drummer bei den Siebzehn Hippies und beim Flic Flac-Zirkus. Aber bei Pink Parte hat er hauptsächlich die Gitarre in der Hand. Die in dieser Bildstrecke nur am Ende auftauchende dunkelhaarige Schönheit ist Judith, die Violinistin, die auch Geigenbauerin ist. Aber ich greife vor. Ich muss mir ja noch ein bißchen Schießpulver aufheben, für die kommenden Strecken mit den Dreien. Da kommt nämlich noch viel mehr, vor allem eine überaus umfangreiche von einem Videodreh, an dem ich beteiligt war, am zauberhaften Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain. Deshalb erkläre ich jetzt nur noch kurz und knapp, dass es sich hier um Bilder aus Romains Studio handelt, irgendwo in der Greifswalder Straße im Prenzlauer Berg, und das war unser Treffpunkt. Maria lackierte allen mit demselben brombeerroten Glitzernagellack die Fingernägel. Das war quasi ein schamanischer Akt, der das die Band festigt! Mit Äußerlichkeiten hat das nichts zu tun! Romain hat sehr artig still gehalten, das kann er gut. Die motorische Disziplin des Profimusikers. Mich kann man ja sehr mit kontrollierten Bewegungsabläufen beeindrucken. Apropos beeindrucken – kurz bevor wir los sind zu unserem Videodreh, wobei noch unbedingt zu erwähnen ist, dass auch Luc de La Selle dabei war, der Regisseur des Projekts, auch ein Franzose, also was ich sagen wollte – kurz bevor wir also aufbrachen, beschloss Romain sich etwas anderes anzuziehen. Er stand so rechts in der Ecke vom Studio und bückte sich kurz, wie das Männer so machen, wenn sie sich ein Shirt über den Kopf ziehen. Das war etwas unerwartet. Ich meine – also – ich habe mich ein bißchen geärgert, dass meine Reflexe versagt haben, sonst gäbe es jetzt in dieser schönen kleinen Strecke noch ein Bild von Romain mit Shirt über dem Kopf. Das hätte Ihnen (, meine Damen) ganz sicher gefallen. Und mir erst. Ich durfte den Anblick immerhin ungefähr fünf Sekunden genießen, dann hatte er schon wieder ein anderes Hemd an. Na ja, mit Ende Zwanzig ist so ein Körper natürlich in Bestform. Abgesehen davon, dass er sich, obwohl der jüngeren Generation zugehörig, nicht der unseligen Mode verschrieben hat, etwaige Brusthaare abzurasieren. Ganz und gar nicht. Das ist jetzt vielleicht ein bißchen too much information – ich verstehe den Einwand – aber ich sehe diese Blogeinträge auch mit einem gesellschaftlichen Auftrag verbunden, und der erfordert nun einmal, solche Themen, die uns alle angehen, immer wieder investigativ anzusprechen. PINK PARTE sind übrigens ab übermorgen, 4. August auf Tour im Norden. Wenn Sie einmal einen schönen Abend mit drei sexy Musiker/innen erleben möchten, gehen Sie hin. Ein Dream Team.


WAS FRAUEN ‚EIGENTLICH WOLLEN’….? ….EXTREM VIRILE Männer, die sich die Fingernägel lackieren lassen!


30. April 2016
[…] Und hier sprießt das blühende Leben
Und hier trinkt die blühende Lust
Und hier kommt das Ende der Kälte
Hier hebt der Gehörnte sein Haupt
Und hier hast du mich gespiegelt Schöne
Und meine Wildheit geschaut
Und hier ist das morsche Land Sehnsucht
Und hier zuckt der Blitz aus dem Blau
So schiebt sich die Schlange der Wälder
Tief in das Moos der Frau
Und sie ist die sprudelnde Quelle
Der niemals begradigte Bach
Hier haben wir uns befrühlingt
Hier unter dem Blätterdach
Beltane, Duke Meyer 1994
















