Ich starre gerade leicht benommen auf meinen Regiestuhl. Wie einfach es ist, auf alles Mögliche sein Logo drucken zu lassen. Den Stuhl hat dieselbe Firma gemacht, die die Regiestühle für die Jury von Germany’s Next Topmodel herstellt. Erstklassig gearbeitet. Der hält ein Leben lang und darüber hinaus. Seltsamer Gedanke, dass ein Stuhl mit dem eigenen Namen darauf, länger existieren wird, als man selbst. Aber das ist ja mit jeglicher Materie, die man berührt und bearbeitet hat, der Fall. Ich habe das Bedürfnis mit dem Stuhl anzustoßen, mein neuer Lebensgefährte. Ich überlege, ob mir jemand einfällt, der so drauf ist wie ich, so verliebt in die Vorstellung, jedem Ding einen Stempel aufzudrücken. Customizen nennt man das ja heutzutage. Es muss unbedingt gut aussehen, jedes Detail, jedes Werkzeug, das kleinste Equipment. und die Cases und Transporttaschen. Ich glaube, Prince hätte das verstanden. Oder Harald Glööckler. Gestern 14 Kabel beschriftet und zwei Verteilerbuchsen, damit ich nicht jedesmal überlegen muss, welches der beiden Setups wie verkabelt wird. Setup I ist Toshiba – Acer – Bose, Setup II ist Samsung – Epson – Marshall. Ich bin gewappnet. Getestet, mit welcher Länge AUX-Kabel in Verbindung mit welcher Länge HDMI-Kabel die Tonübertragung am synchronsten ist, da gibt es erstaunliche Unterschiede. Solche Sachen muss man ausprobieren, vorher versteht sich, nicht erst vor Ort, wenn der Projektor angeworfen wird. Muss noch verschiedene Setlists für die Bilderloops und die Filme machen, bißchen thematisch bündeln, damit es dann im Automodus abläuft, ohne dass ich dauernd daneben siitze. Und dann noch die Bilder für Modeste fertigstellen, wir hatten ein schönes Shooting letzten Sonntag bei ihr zuhause. Durfte ich endlich ihren kleinen Racker kennenlernen. Schon ganz groß, der Kleine. Und so heiter. Und in meinem Atelier muss ich die Kammer weißen, der Maler hat die Fenster gemalert und repariert, alles rausgeräumt aus dem Kämmerchen und bei der Gelegenheit muss da mal endlich wieder gestrichen werden, nach vierzehn Jahren. Und ein paar Reliquiien von dort holen. Aus dem materialisierten sentimentalen Archiv. Die Serie von 2010, die Cosmic-Gaga Collection. Die Karten werde ich einfach rituell anordnen, wo es sich ergibt. Noch einiges in der Schwebe, was die konkrete Raumsituation in SOEHT7 angeht, die Dramaturgie. Ich bin da ja entscheidungsfreudig und experimentierbereit, brauche aber angemessene Gegebenheiten für den Projektionsbereich, meine beiden schönen Setups. Und natürllich meinen schönen Regiestuhl. Der ist ja schon alleine sehenswert, sollte die Technik zusammenbrechen. Aber an mir soll nichts scheitern. Ich gebe alles.

Eine Antwort auf „24. August 2017

  1. fb ~ 24.08.17 Gaga Nielsen
    Und damit sich Jenny noch weiter über meinen ‚Jungfrau‘-Perfektionismus amüsieren kann, gebe ich zur Kenntnis, dass ich natürlich eine neue Rolle Gaffa-Tape mitnehme, aber nicht in der üblichen glänzenden Qualität, sondern in MATT-SCHWARZ, um unelegante Reflexe zu vermeiden und – jetzt kommts, tataaa – eine weitere Rolle in´´´MATT-WEISS, um die Strippen diskret im Wandbereich zu fixieren, ohne dass es zum Blickfang wird. Jawohl, das gibt es. Gaffa in Mattweiß! Kostet natürlich etwas mehr, aber Qualität hat ihren Preis!

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