

Es folgt ein weiteres Modell meiner Reisegarderobe für Heringsdorf. Das Ensemble ist schon ein Weilchen in meinem Kleiderschrank, habe es auch schon mehrmals getragen. Der Rock hat eine schöne Länge, etwas altmodisch, wie ich es mag. Das Muster erinnert mich an Illustrationen aus den Fünfziger Jahren, wo ich zwar noch nicht auf der Welt war, die ich aber immer aufmerksam und gerne betrachtet habe. Zum Beispiel in drei Bänden der Jahrbücher für junge Mädchen, „Meine Welt“ hießen sie, aus den Jahren 1957 bis 1959, von meiner Mama überlassen bekommen, habe ich heute noch, liegen in meiner kleinen Werkstatt. Darin zu blättern ist wie ein Zeitreise, ähnlich wie in den alten Brigitte-Heften, die ich neulich ausführlichst gezeigt habe.

Ich habe meine Heringsdorf-Garderobe nun beisammen, nur noch nicht eingepackt. In Berlin ist es wechselhaft, habe lange geschlafen und trinke Kaffee, nachdem ich meinen Obstsalat mit griechischem Joghurt verspeist habe. Heute mit hellen Weintrauben, Apfel und Brombeeren. Werde mich nun ausgehfertig machen, um ins Atelier zu fahren und dort den kleineren Laptoplautsprecher zu holen und für Heringsdorf einzupacken. Der, den ich hier in meinem Wohnzimmer habe, ist mir zu gewichtig zum Mitnehmen. Und noch etwas wollte ich von dort holen. Habe es vergessen. Auf dem Rückweg will ich zum Rewe im Hermann-Quartier, der meinen bulgarischen Lieblingsjoghurt hat, den es leider nur in sehr vereinzelten Rewes zu kaufen gibt. Bei Edeka etc. überhaupt gar nicht.
Mir ging durch den Kopf, dass ich eigentlich überhaupt keine Lust habe, das Smartphone auf die Wanderung mitzunehmen, ich mache es nur für den Notfall. Zusätzliches Gewicht und habe keine Freude an dem Gerät (das mir schon vor Jahren überlassen wurde). Habe gelesen, dass es im Elbsandsteingebirge oft kein Funknetz gibt. Wäre auch schräg, wenn ich das Ding dabei habe und dann ein Taxi rufen wollte oder die Bergwacht und dann gibt es kein Netz. Wobei die Wandertour ja so beliebt ist, dass da bestimmt nicht nur ich herumlaufe, andere Leute haben ja auch immer eins dabei.
Wenn ich mich länger mit dem Apparat beschäftige, wie vorgestern, wo ich mir mapy darauf geladen habe, eine App für Wanderausflüge mit Plänen, fühle ich mich danach wie von einem Vampir ausgesaugt. Mit dem Notebook geht mir das nie so, im Gegenteil. Diese winzig kleinen Ansichten auf dem kleinen Display hin- und herzuwischen, mit dem Finger klein und groß zu zoomen, und doch nie eine vernünftig große Gesamtansicht zu haben, ist für mich so anstrengend, als müsste ich dauernd durch ein Schlüssellloch gucken.
Dass das Leute freiwillig machen, ist mir umso befremdlicher, je öfter ich mich damit beschäftige. Ist einfach nicht meins. Für mein Empfinden ist das, als ob die Welt in dem kleinen Kasten zusammengestaucht wird, anstatt größer und zugänglicher. Wie sehr ich es liebe, mit einer großen Ansicht eines guten Monitors zu gucken, zu lesen und zu bloggen. Könnte niemals einen Text oder Kommentar mit dem Smartphone schreiben. Ich komme einfach überhaupt nicht mit den kleinen Tastensymbolen zurecht, und dass ich dort nie mit zehn Fingern tippen kann, was ich so sehr über Jahrzehnte in Fleisch und Blut habe, mit rasantem Tempo zu schreiben, was mir eben in den Sinn kommt.
Wie machen das nur Männer? Die haben doch auch oft so große Hände wie ich. Langsam verstehe ich aber auch, wieso mir damals, als ich mal für ca. vier Wochen spielerisch tinder ausprobierte (ohne mich je mit irgendwem zu verabreden, wollte nur wissen, wie das aussieht und funktioniert), wieso ich also damals immer nur so superkurze Halbsätze als Antwort bekam. Oder von jemandem, der auch mit seinem Smartphone verwachsen schien, nur superkurze Rückmeldungen und mehr Emojis als ganze Wörter, geschweige denn vollständige, aussagekräftige Sätze. Ich kann so nicht kommunizieren.
Gestern mit Streetview schon mal vom Elbkai zum historischen Personenfahrstuhl spaziert. War ehrlich gesagt, ein bisschen langweilig der Weg. Ich würde mich am liebsten direkt zu dem Punkt beamen, wo man direkt auf den Wanderweg zum Schrammtor kommt. Es gibt auch einen Bus an die Stelle, aber der fährt nur einmal die Stunde von einer Halte in Ostrau, wo ich auch wieder erst mal hinlaufen muss.
Wenigstens hat die Vorhersage für morgen weiterhin einen einigermaßen sonnigen Tag in Aussicht gestellt. Proviant will ich auch einpacken. Mache mir ein paar Schnittchen mit Käse und Salami, einem Apfel, vielleicht auch hartgekochten Eiern und nehme eine Flasche Cola oder Tonic Water mit. Das muss reichen. Oben beim historischen Personenfahrstuhl gibt es gleich ein Ausflugslokal, vielleicht kehre ich auch gleich mal ein, in die Sendigbaude. Kann ich auch aufs Klo gehen, falls ich muss. Ansonsten geh ich ins Gebüsch. Auf dem Rückweg will ich einen großen Eisbecher mit Schlagsahne essen gehen, dafür hab ich mir das Eiscafé Vivaldi in der Bergmannstr. 1 ausgeguckt, auf halbem Weg zwischen dem historischen Fahrstuhl und dem Elbkai.