Hofberichterstatterin Lady Alma Miezi-Ahorn am 29. April 2011

So viel dazu von mir.

Hardcore-Royalistin Lady Alma Miezi-Ahorn aka Gaga Nielsen im Juni Anno 2010

„(…) Wenn das kein Omen ist. Und der Kuss war auch mehr so zwei Bussis von einem Fünfjährigem an seine Ersatz-Mutti. Aber abgesehen davon bin ich natürlich Royalistin.
(Unverändert.)
(…)
übrigens von wegen Manipulation der Medien:
Sat 1 zum Beispiel zeigt das Bussi in der Konserve mit leichter Zeitlupe, damit das unspektakuläre Dings etwas an Hingabe und Länge gewinnt.
(…)
Unlängst zur Vorbereitung auf den hohen kirchlichen Feiertag den Kommentar einer britischen Anstandsdame (oder so ähnlich) interessiert zur Kenntnis genommen, dass sich die beiden ja nun klar machen müssten, dass das Volk ab sofort weiter aktuelle Bilder des Lebens des Paares beansprucht (von wegen man wolle sich in den nächsten zwei Jahren erst einmal aus der Öffentlichkeit zurückziehen), schließlich wolle man etwas für sein Geld sehen. Würde diesem rechtmäßigen Anspruch der Bevölkerung nicht nachgekommen, müsste man mit Aufbegehren und Abschaffung der Monarchie rechnen. Und dann wäre es ja zum Beispiel wie „bei Ihnen in Germany“. Mitleidiger, etwas hämischer Gesichtsausdruck der Anstandsdame. Ich habe sehr gelacht. Wahrscheinlich Galgenhumor. Schon blöd, dass man immer über den Gartenzaun gucken muss. Aber andererseits: die anderen Königshäuser können ja auch nicht gegen die Windsors anstinken. Dagegen sind diese ganzen skandinavischen Heiratereien peanuts. Kalter Kaffee!
(…)
haha, Pippa die kleine Schlampe!
(…)
Abbitte
Hiermit möchte ich in aller Form Abbitte beim schwedischen Königshaus leisten für die von mir gemachte Unterstellung, die skandinavischen Königshäuser könnten nicht gegen Hochzeiten bei Windsors anstinken. Nachdem ich diese
Fotostrecke analysiert habe, muss ich eingestehen, dass hier offenkundig größere Gefühle im Spiel sind als bei dem putzigen William und seiner anpassungsfähigen Auserwählten. Der Angetraute von Kronzprinzessin Viktoria hat sich beim Ja-Wort eine Träne unter der Hornbrille weggewischt. So muss das sein. William dagegen hat bei jeder Gelegenheit in der Kirche alberne Schwätzchen mit seinem Nachbarn Harry und seinem alten Kumpel Kate gehalten. Daher war meine Wimperntusche nach der Trauung noch vollständig intakt. Ich konnte keine Träne vergießen. Wie gerne hätte ich.
Aber was das Bizarre, die bucklige Verw und die Dimension der Westminster Abbey und des weltweiten Traritrara angeht, sind die britischen Royals absolut on top!“

[div. Nachträge!]
„Cousin Elton???
hab ich was verpasst?
Wie ist der genaue Verwandtschaftsgrad?
(…)
Ich bin ja an sich keine Fürsprecherin des Korsetts zu Vertuschungszwecken, aber im Fall von Frau Gonzales-usw. möchte ich eine Ausnahme machen. So ganz ohne Büstenhebe und formgebenden Slip scheint es bei solchen Gelegenheiten doch nicht zu gehen. Wenn schon förmlich, dann richtig. Royal Wedding ist nicht Kirmes!
(…)
Der Vergleich ist zwar schmerzhaft, aber dennoch nicht an den gegelten Haaren herbeigezogen. Da wabert so einiges Unausgesprochenes.
Daher vertrete ich den Flügel des offensiven Monarchismus. Dieses Versteckte und Verhuschte ist meine Sache nicht!“

[weitere Nachträge!]
„Ich wette, die legen heimlich nach Mitternacht solche Platten auf. Wenn die Queen schon ruht, versteht sich.
P.S. Apropos strubbelige Haare:
Harry hat ja nun reichlich strubbelige Haare, was ihn aber kein Stück sexier macht. Strubbelig allein genügt nicht! Bin ich streng!
(…)
P.P.S.: Kate lässt sich nur nach Vorlage der Ahnentafel entführen. Das mit der Entführung ist an sich eine putzige Idee. Wie gesagt, wenn der Stammbaum in Ordnung ist, kann man mit Kate bestimmt eine Menge anstellen. Sie wirkt sehr willig, sofern bestimmt Eckdaten erfüllt sind.
(…)
Verstehe! (hätte ich selber drauf kommen müssen! Ich ziehe die Frage zurück.)
(…)
OMG! Ein Traum! Wie gerne wäre ich dabei, wenn Camilla mit rauchiger Stimme diese Nummer schiebt. Ich wette, sie ist ein ganz heißer Feger. Völlig unterschätzt! Aber nicht von mir!
Dagegen ist das tongue in cheek von little Miss Perfect doch eher einer mundhygienischen Maßnahme als übermäßigem Hintersinn zuzuordnen. Ich wette, sie hatte einen ganz trockenen Mund und musste nachfeuchten. Schließlich wollte sie niemanden mit der Frage „Where is the toilet?“ in Verlegenheit bringen müssen und damit in die Fußstapfen ihrer ungeschickten Mutti treten. Demzufolge hat sie nicht nur zu essen sondern auch zu trinken aufgehört. Schlaues Mädchen!
Das mit König Kalle Wirsch ist ja erschütternd. Wie lange habe ich ihn nicht mehr getroffen. Diese Ähnlichkeit. Ein bißchen erinnert die Aura von Harry aber auch an einen gewissen Martin Semmelrogge, der früher als Darsteller tätig war. Muss man sich jetzt aber nicht notwendigerweise daran erinnern. Und ein bißchen Pumuckel ist auch drin. Seine on-off-Freundin durfte ja auch dabei sein. Fällt mir schwer, mir zu dem nicht unhübschen Mädchen ein abschließendes Qualitätsurteil zu bilden, das ohne oberflächliche Vorurteile wie ‚blondes Partygirl ohne weitere Ansprüche‘ auskommt.
(…)
Das Strumpfband von ihr? Na na, der meinte das eventuell blaue Strumpfband von Katy. Da haben Sie wahrscheinlich schon geträumt. Von Parties mit Zubehör!“

Gaga Nielsen am 29. April 2011 anlässlich der Vermählung von HRH Prince William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor, Duke of Cambridge mit Dingens

26. April 2011

Die Wandelfähigkeit der Gefühle. Beschäftigt mich gerade. Jemanden zu sehen, wenn auch nur von weitem, in den man so tief verstrickt war. Wie man dachte, man käme nicht darüber hinweg. Und kaum verstrickt man sich auf’s Neue, ist der ganze Schmerz nur noch ein verblichenes Kapitel. Wenn auch unvergesslich, aber das Ziehen ist weg. Vorhin an Rios Junimond gedacht, nicht gehört, nur daran gedacht. Wie er singt Doch jetzt tut’s nicht mehr weh, und alles bleibt still und kein Sturm kommt auf, wenn ich dich seh‘. Dabei singt er es so, als wäre es durchaus nicht vorbei. Als täte es immer noch weh. Man glaubt es ihm nicht, in dem Lied, und für diesen Widerspruch liebt man ihn und den Junimond. Es ist eine Geisterbeschwörung. In der man verzweifelt wünscht, dass es endlich wahr wird, wenn man es nur oft genug behauptet. Großartiges Lied. Die Art von Liedern, die ich mir nicht mehr freiwillig anhöre. Es sei denn, es käme hinterrücks. Durch die kalte Küche. Per unkontrollierbarem Zufall.
Von den Ärzten („…aus Berlin!“) gibt es auch so einen Selbstzerfleischungssong, vorhin by random. Wenn man sich das entzückend einfühlsame Gewinsel von Farin anhört, könnte man denken, er wüsste wovon er singt. Ich mag diese schonungslos verzweifelte Teenieballade mit dem gepeinigten, grandprixreifen Bauchtanzgefiedel im Hintergrund. Aber wie gesagt, nur per Zufall.


Die Ärzte.
Nie gesagt


„Geht’s vielleicht ’ne Nummer kleiner?“ – Nö.

Hofberichterstatterin Lady Alma Miezi-Ahorn am 29. April 2011

So viel dazu von mir.

Hardcore-Royalistin Lady Alma Miezi-Ahorn aka Gaga Nielsen im Juni Anno 2010

„(…) Wenn das kein Omen ist. Und der Kuss war auch mehr so zwei Bussis von einem Fünfjährigem an seine Ersatz-Mutti. Aber abgesehen davon bin ich natürlich Royalistin.
(Unverändert.)
(…)
übrigens von wegen Manipulation der Medien:
Sat 1 zum Beispiel zeigt das Bussi in der Konserve mit leichter Zeitlupe, damit das unspektakuläre Dings etwas an Hingabe und Länge gewinnt.
(…)
Unlängst zur Vorbereitung auf den hohen kirchlichen Feiertag den Kommentar einer britischen Anstandsdame (oder so ähnlich) interessiert zur Kenntnis genommen, dass sich die beiden ja nun klar machen müssten, dass das Volk ab sofort weiter aktuelle Bilder des Lebens des Paares beansprucht (von wegen man wolle sich in den nächsten zwei Jahren erst einmal aus der Öffentlichkeit zurückziehen), schließlich wolle man etwas für sein Geld sehen. Würde diesem rechtmäßigen Anspruch der Bevölkerung nicht nachgekommen, müsste man mit Aufbegehren und Abschaffung der Monarchie rechnen. Und dann wäre es ja zum Beispiel wie „bei Ihnen in Germany“. Mitleidiger, etwas hämischer Gesichtsausdruck der Anstandsdame. Ich habe sehr gelacht. Wahrscheinlich Galgenhumor. Schon blöd, dass man immer über den Gartenzaun gucken muss. Aber andererseits: die anderen Königshäuser können ja auch nicht gegen die Windsors anstinken. Dagegen sind diese ganzen skandinavischen Heiratereien peanuts. Kalter Kaffee!
(…)
haha, Pippa die kleine Schlampe!
(…)
Abbitte
Hiermit möchte ich in aller Form Abbitte beim schwedischen Königshaus leisten für die von mir gemachte Unterstellung, die skandinavischen Königshäuser könnten nicht gegen Hochzeiten bei Windsors anstinken. Nachdem ich diese
Fotostrecke analysiert habe, muss ich eingestehen, dass hier offenkundig größere Gefühle im Spiel sind als bei dem putzigen William und seiner anpassungsfähigen Auserwählten. Der Angetraute von Kronzprinzessin Viktoria hat sich beim Ja-Wort eine Träne unter der Hornbrille weggewischt. So muss das sein. William dagegen hat bei jeder Gelegenheit in der Kirche alberne Schwätzchen mit seinem Nachbarn Harry und seinem alten Kumpel Kate gehalten. Daher war meine Wimperntusche nach der Trauung noch vollständig intakt. Ich konnte keine Träne vergießen. Wie gerne hätte ich.
Aber was das Bizarre, die bucklige Verw und die Dimension der Westminster Abbey und des weltweiten Traritrara angeht, sind die britischen Royals absolut on top!“

[div. Nachträge!]
„Cousin Elton???
hab ich was verpasst?
Wie ist der genaue Verwandtschaftsgrad?
(…)
Ich bin ja an sich keine Fürsprecherin des Korsetts zu Vertuschungszwecken, aber im Fall von Frau Gonzales-usw. möchte ich eine Ausnahme machen. So ganz ohne Büstenhebe und formgebenden Slip scheint es bei solchen Gelegenheiten doch nicht zu gehen. Wenn schon förmlich, dann richtig. Royal Wedding ist nicht Kirmes!
(…)
Der Vergleich ist zwar schmerzhaft, aber dennoch nicht an den gegelten Haaren herbeigezogen. Da wabert so einiges Unausgesprochenes.
Daher vertrete ich den Flügel des offensiven Monarchismus. Dieses Versteckte und Verhuschte ist meine Sache nicht!“

[weitere Nachträge!]
„Ich wette, die legen heimlich nach Mitternacht solche Platten auf. Wenn die Queen schon ruht, versteht sich.
P.S. Apropos strubbelige Haare:
Harry hat ja nun reichlich strubbelige Haare, was ihn aber kein Stück sexier macht. Strubbelig allein genügt nicht! Bin ich streng!
(…)
P.P.S.: Kate lässt sich nur nach Vorlage der Ahnentafel entführen. Das mit der Entführung ist an sich eine putzige Idee. Wie gesagt, wenn der Stammbaum in Ordnung ist, kann man mit Kate bestimmt eine Menge anstellen. Sie wirkt sehr willig, sofern bestimmt Eckdaten erfüllt sind.
(…)
Verstehe! (hätte ich selber drauf kommen müssen! Ich ziehe die Frage zurück.)
(…)
OMG! Ein Traum! Wie gerne wäre ich dabei, wenn Camilla mit rauchiger Stimme diese Nummer schiebt. Ich wette, sie ist ein ganz heißer Feger. Völlig unterschätzt! Aber nicht von mir!
Dagegen ist das tongue in cheek von little Miss Perfect doch eher einer mundhygienischen Maßnahme als übermäßigem Hintersinn zuzuordnen. Ich wette, sie hatte einen ganz trockenen Mund und musste nachfeuchten. Schließlich wollte sie niemanden mit der Frage „Where is the toilet?“ in Verlegenheit bringen müssen und damit in die Fußstapfen ihrer ungeschickten Mutti treten. Demzufolge hat sie nicht nur zu essen sondern auch zu trinken aufgehört. Schlaues Mädchen!
Das mit König Kalle Wirsch ist ja erschütternd. Wie lange habe ich ihn nicht mehr getroffen. Diese Ähnlichkeit. Ein bißchen erinnert die Aura von Harry aber auch an einen gewissen Martin Semmelrogge, der früher als Darsteller tätig war. Muss man sich jetzt aber nicht notwendigerweise daran erinnern. Und ein bißchen Pumuckel ist auch drin. Seine on-off-Freundin durfte ja auch dabei sein. Fällt mir schwer, mir zu dem nicht unhübschen Mädchen ein abschließendes Qualitätsurteil zu bilden, das ohne oberflächliche Vorurteile wie ‚blondes Partygirl ohne weitere Ansprüche‘ auskommt.
(…)
Das Strumpfband von ihr? Na na, der meinte das eventuell blaue Strumpfband von Katy. Da haben Sie wahrscheinlich schon geträumt. Von Parties mit Zubehör!“

Gaga Nielsen am 29. April 2011 anlässlich der Vermählung von HRH Prince William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor, Duke of Cambridge mit Dingens

26. April 2011

Die Wandelfähigkeit der Gefühle. Beschäftigt mich gerade. Jemanden zu sehen, wenn auch nur von weitem, in den man so tief verstrickt war. Wie man dachte, man käme nicht darüber hinweg. Und kaum verstrickt man sich auf’s Neue, ist der ganze Schmerz nur noch ein verblichenes Kapitel. Wenn auch unvergesslich, aber das Ziehen ist weg. Vorhin an Rios Junimond gedacht, nicht gehört, nur daran gedacht. Wie er singt Doch jetzt tut’s nicht mehr weh, und alles bleibt still und kein Sturm kommt auf, wenn ich dich seh‘. Dabei singt er es so, als wäre es durchaus nicht vorbei. Als täte es immer noch weh. Man glaubt es ihm nicht, in dem Lied, und für diesen Widerspruch liebt man ihn und den Junimond. Es ist eine Geisterbeschwörung. In der man verzweifelt wünscht, dass es endlich wahr wird, wenn man es nur oft genug behauptet. Großartiges Lied. Die Art von Liedern, die ich mir nicht mehr freiwillig anhöre. Es sei denn, es käme hinterrücks. Durch die kalte Küche. Per unkontrollierbarem Zufall.
Von den Ärzten („…aus Berlin!“) gibt es auch so einen Selbstzerfleischungssong, vorhin by random. Wenn man sich das entzückend einfühlsame Gewinsel von Farin anhört, könnte man denken, er wüsste wovon er singt. Ich mag diese schonungslos verzweifelte Teenieballade mit dem gepeinigten, grandprixreifen Bauchtanzgefiedel im Hintergrund. Aber wie gesagt, nur per Zufall.


Die Ärzte.
Nie gesagt


„Geht’s vielleicht ’ne Nummer kleiner?“ – Nö.

24. April 2011


Das Ostereierfest ist doch eine lustige Erfindung. Danach hat mich Eugene auf einen kleinen Spaziergang mitgenommen. Da ist mir aufgefallen, dass ich doch eine rührselige Kuh bin. Und das ist auch gut so. Vorhin am Anfang vom Sonnenbaden das Foto da oben machen wollen. Aber der Akku war leer. Und ich hab das Foto ja auch schon mal gemacht. Wie man sieht. Vielleicht mach ich es später noch mal. Ich gehe wieder auf den Balkon und lese in Maxie Wanders Leben wär‘ eine prima Alternative. Am Anfang steht ein Zitat von Fromm, darin heißt es „(…) Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden, und seine Tragödie, daß die meisten von uns sterben, bevor sie ganz geboren sind.“ Und auf dem Vorsatz ein Fragment von ihr selbst „Und ich genieße unseren Garten, leg eine Platte auf, bereite uns ein gutes Essen … Wir wissen nicht, was wir haben, erst wenn die Wände zittern und der Boden unter unseren Füßen wankt, wenn diese Welt einzustürzen droht, ahnen wir, was Leben bedeutet.“
Maxie Wander wurde nur 44 Jahre alt. Sie starb wenige Wochen vor ihrem 45. Geburtstag an einer Krebserkrankung. Ich habe seit ungefähr fünf Jahren dieses Buch in meiner Wohnung liegen, ebenso wie Guten Morgen du Schöne, diesen DDR-Bestseller. Ich dachte irgendwann, ich sollte das doch mal lesen. Da war eine Ausstellung in einem Museum und eine Platte am Boden trug ein Zitat von Maxie Wander. Daneben lag eine mit einem Zitat von mir und ich fühlte mich furchtbar geehrt über diese Nachbarschaft. Ich fing Guten Morgen du Schöne an zu lesen und fand keinen Zugang, legte es weg. Aufzeichnungen von Gesprächen mit Frauen in der DDR in den Siebziger Jahren. Irgendwann später les ich es vielleicht noch einmal. Jedenfalls dachte ich dann aus irgendeinem Grund, dass Leben wär‘ eine prima Alternative eine Fortsetzung davon sei, Dokumentation von DDR-Frauenschicksalen. Irrtum.
Vor drei Stunden schraubte ich an meiner Festplattenanlage herum. Auf dem Gerät stehen ein paar Bücher. Unter anderem Zadeks Biographie, die ich auch schon mal anfing und gelangweilt von dem theaterinternen Gerede wieder beiseitelegte. Ich nahm es noch mal in die Hand, zog es heraus, weil ich dachte, vielleicht gibt es in dem dicken Ding doch ein paar lesenswerte Passagen. Vielleicht über seine Zeit mit der Fotografin Roswitha Hecke, die ich kennenlernte und sehr faszinierend fand. Als ich es herausgezogen hatte, gab die Lücke den Blick auf die dahinterliegende Bücherreihe frei. Den Buchrücken von Maxie Wanders Leben wär…. Ich zog es heraus und las zum ersten mal den Klappentext. Ihr Mann Fred Wander, ein Schriftsteller, gab es ein halbes Jahr nach ihrem Tod heraus. Ich erfuhr, dass es private Aufzeichnungen ihres letzten Lebensjahres sind und war gefangen von dem Fragment mit dem Garten. Da stand auch, dass sie aus Wien war. Eine Wienerin in der DDR. Zuletzt lebte sie in Kleinmachnow bei Berlin. In Kleinmachnow war ich im letzten Juni zu einem Sommerfest. Ich mag Bücher, die in vertrauter Umgebung spielen, in Berlin. Ich lese mal weiter.

23. April 2011

Tag konsequent vertrödelt. Später sogar noch ein zweites Mal das Telefon benutzt, ganz gegen meine Gewohnheit. Mein guter Freund Jan war als ich anrief dabei, sich auf eine Verabredung, eine Einladung zum Essen einzustimmen, indem er herumkramte. Näheres darf ich leider nicht berichten, das wäre indiskret. Aber sie sieht gut aus, ist mir sympathisch, auf dem einzigen mir zugänglichen Foto. Ich habe mich noch verstiegen anzumerken, dass eventuell die Schaufel Dreck fehlen würde, die er gut findet, worauf ein interessiert zuhörendes „aha…“ aus dem Hörer kam. Das geht ja schon alles wieder viel zu weit, was ich hier schreibe. Dabei bin ich doch sonst so diskret. Besonders wenn es um mich selbst geht. Nur über meine Leiche bzw. in den launigen Memoiren, die ich dann mit rüstigen 87 Jahren verfassen werde, wird alles aufgedeckt, was gegenwärtig nur nebulös verschwurbelt angedeutet werden kann. Furchtbar, immer diese Warterei auf später. Bis man 87 ist. Noch einundvierzigeinhalb Jahre. Jedenfalls wird da wahrscheinlich noch so viel passieren, dass man späer Mühe haben wird, die Ursachen der verblichenen Befindlichkeiten den jeweiligen Personen einwandfrei zuzuordnen.
Mir geht es teilweise schon so mit der jüngeren Vergangenheit. Besonders die letzten zehn Jahre in Betracht gezogen. Da gibt es teilweise derartige dramaturgische Parallelen zur gegenwartsnahen Vergangenheit, auch was gewisse Eckdaten der Protagonisten angeht, dass ich im Alphazustand durcheinanderkomme, mit wem wann was passiert ist. Man hört oft, dass Menschen ein Muster in ihrem Leben identifizieren, in der Art der Verbindungen, die sie eingehen, die Konstellationen, Familienverhältnisse, Affinität zu Berufsgruppen. Da bin ich keine Ausnahme. Man hört auch, es gäbe Wiederholungen von Biographien, Schicksalen innerhalb bestimmter Familien. Als ob sich ein Thema vererbt. Ganz seltsam. Ich sehe zwei Schicksals-Parallelen bei mir, die mich in zentralen Aspekten an Familienmitglieder erinnern. Einer schön, einer eher schwierig. Ich versuche das Ganze zu drehen, zu wenden, ins Positive, das mit dem schwierigeren Aspekt. Weil ich inzwischen auch zunehmend glaube, dass die Schwierigkeit eher im gesellschaftlichen Status liegt, nicht so sehr in der Sache an sich. Ist aber nicht so ganz ausgereift, der Gedanke. Ich will hier auch nicht noch mehr geheimnisvolles Geschwurbel produzieren, der Ruf eilt mir ja schon seit Jahren voraus.
Als man die anderen Blogger noch nicht von Angesicht zu Angesicht kannte, und allenthalben die ersten Verabredungen bei Lesungen und sonstigen Kennenlerntreffen getroffen wurden, kam mir von meinem liebsten Bloggerkommilitonen in Hamburg zu Ohren, von mir würde man sich erzählen, ich sei ja so geheimnisumwittert und deswegen würde mich viele unheimlich gerne mal treffen. Ich musste lachen, einerseits, weil es mich nicht gewundert hat, und meinem eigenen Bild von mir entgegenkommt. Andererseits meine ich mich zu erinnern, dass er sich wunderte, dass dieses diffus wabernde Interesse mir kaum angetragen wurde. „Die trauen sich wahrscheinlich nicht“ hat er abschließend analysiert. Nur er war todesmutig. Na gut, gibt noch ein paar andere, die es überlebt haben, mich dann gelegenheitshalber bei irgendwelchen Geselligkeiten zu treffen. Ich kann es aber auch verstehen. Bin ich mir doch selber in Teilen noch immer ein Rätsel. Das ist nicht einmal kokett gemeint. Deswegen bin ich auch noch nicht aus dem Fenster gesprungen, weil ich wissen will, was es mit dieser Gaga Nielsen letztlich auf sich hat. Ich komme noch dahinter. Und wenn ich Hundertsieben werden muss.

23. April 2011

Tag konsequent vertrödelt. Später sogar noch ein zweites Mal das Telefon benutzt, ganz gegen meine Gewohnheit. Mein guter Freund Jan war als ich anrief dabei, sich auf eine Verabredung, eine Einladung zum Essen einzustimmen, indem er herumkramte. Näheres darf ich leider nicht berichten, das wäre indiskret. Aber sie sieht gut aus, ist mir sympathisch, auf dem einzigen mir zugänglichen Foto. Ich habe mich noch verstiegen anzumerken, dass eventuell die Schaufel Dreck fehlen würde, die er gut findet, worauf ein interessiert zuhörendes „aha…“ aus dem Hörer kam. Das geht ja schon alles wieder viel zu weit, was ich hier schreibe. Dabei bin ich doch sonst so diskret. Besonders wenn es um mich selbst geht. Nur über meine Leiche bzw. in den launigen Memoiren, die ich dann mit rüstigen 87 Jahren verfassen werde, wird alles aufgedeckt, was gegenwärtig nur nebulös verschwurbelt angedeutet werden kann. Furchtbar, immer diese Warterei auf später. Bis man 87 ist. Noch einundvierzigeinhalb Jahre. Jedenfalls wird da wahrscheinlich noch so viel passieren, dass man späer Mühe haben wird, die Ursachen der verblichenen Befindlichkeiten den jeweiligen Personen einwandfrei zuzuordnen.
Mir geht es teilweise schon so mit der jüngeren Vergangenheit. Besonders die letzten zehn Jahre in Betracht gezogen. Da gibt es teilweise derartige dramaturgische Parallelen zur gegenwartsnahen Vergangenheit, auch was gewisse Eckdaten der Protagonisten angeht, dass ich im Alphazustand durcheinanderkomme, mit wem wann was passiert ist. Man hört oft, dass Menschen ein Muster in ihrem Leben identifizieren, in der Art der Verbindungen, die sie eingehen, die Konstellationen, Familienverhältnisse, Affinität zu Berufsgruppen. Da bin ich keine Ausnahme. Man hört auch, es gäbe Wiederholungen von Biographien, Schicksalen innerhalb bestimmter Familien. Als ob sich ein Thema vererbt. Ganz seltsam. Ich sehe zwei Schicksals-Parallelen bei mir, die mich in zentralen Aspekten an Familienmitglieder erinnern. Einer schön, einer eher schwierig. Ich versuche das Ganze zu drehen, zu wenden, ins Positive, das mit dem schwierigeren Aspekt. Weil ich inzwischen auch zunehmend glaube, dass die Schwierigkeit eher im gesellschaftlichen Status liegt, nicht so sehr in der Sache an sich. Ist aber nicht so ganz ausgereift, der Gedanke. Ich will hier auch nicht noch mehr geheimnisvolles Geschwurbel produzieren, der Ruf eilt mir ja schon seit Jahren voraus.
Als man die anderen Blogger noch nicht von Angesicht zu Angesicht kannte, und allenthalben die ersten Verabredungen bei Lesungen und sonstigen Kennenlerntreffen getroffen wurden, kam mir von meinem liebsten Bloggerkommilitonen in Hamburg zu Ohren, von mir würde man sich erzählen, ich sei ja so geheimnisumwittert und deswegen würde mich viele unheimlich gerne mal treffen. Ich musste lachen, einerseits, weil es mich nicht gewundert hat, und meinem eigenen Bild von mir entgegenkommt. Andererseits meine ich mich zu erinnern, dass er sich wunderte, dass dieses diffus wabernde Interesse mir kaum angetragen wurde. „Die trauen sich wahrscheinlich nicht“ hat er abschließend analysiert. Nur er war todesmutig. Na gut, gibt noch ein paar andere, die es überlebt haben, mich dann gelegenheitshalber bei irgendwelchen Geselligkeiten zu treffen. Ich kann es aber auch verstehen. Bin ich mir doch selber in Teilen noch immer ein Rätsel. Das ist nicht einmal kokett gemeint. Deswegen bin ich auch noch nicht aus dem Fenster gesprungen, weil ich wissen will, was es mit dieser Gaga Nielsen letztlich auf sich hat. Ich komme noch dahinter. Und wenn ich Hundertsieben werden muss.

22. April 2011


Unversehens. Unversehens, aber kein Versehen. Das Trennen. Das Wechseln der Richtung. Die veränderten Neigungen, Neigungswinkel. Zuneigungswinkel. Unversehens.
[ Unversehens, adverb. welches vermittelst des adverbischen s von dem vorigen zu einem Nebenworte gebildet worden und statt des Adverbii unversehen gebraucht wird,unvermuthet,ohne daß man es gesehen oder vorher gesehen hätte]
Als ich meinen letzten Eintrag las, meine Ausgangsperspektive verließ, die ihn schreiben ließ, bemerkte ich, wie projezierbar das darin verhandelte metaphorische Szenario auf andere Dinge in meinem Leben ist. Ich meinte etwas Bestimmtes und sah, es passt ebensogut auf parallele Ereignisse. Mehrere. Es ist ein großes Thema, ein Muster, das in den Vordergrund drängt. Das Auseinanderdividieren von Bedürfnissen und Zugeständnissen. Das gegen-das-Licht-Halten von Kompromissen. Ich habe gründlich aufgeräumt. Wäre ich stärker in Klischees gefangen, wie man mit Verbindungen zu anderen Menschen zu verfahren hat, das gemeinhin Übliche, Traditionelle zugrundelegt, käme ich ins Grübeln. Mehr als ohnehin. Ein Mönch hat kein Rechtfertigungsproblem. Nicht der Welt gegenüber. Nur seinem Gewissen und seinem Orden. In einem geschützten Raum kann er unbehelligt seinen selektiven Spinnereien nachgehen.
Und noch mehr ein Eremit. Niemand wagt es, sich der komischen Hütte im Wald ungebührlich zu nähern. Eigenbrötler haben auch ein bißchen etwas Unheimliches, manche sogar Gefährliches. Was geht da vor, in diesem exotischen Kopf. Wie kann sich einer so absondern, die Gemeinschaft vermeiden. Welche kranken Regungen wohnen in so einem Menschen. Oder die Hexe im Hexenhäuschen, die sich nicht darum schert, dass die Kinder vor ihr davonrennen. Die sich nicht um Liebreiz bemüht. Na gut, das ist ein böses mittelalterliches Klischee. Ganz so gleichgültig bin ich nicht, was die Resonanz der Mitmenschen angeht. Allerdings beschränkt sich das Interesse an einem friedlichen Konsens auf unverbindliche gesellschaftliche Begegnungen, die sich nicht vermeiden lassen. Gelderwerb. Gesichtspflege. Einkaufen gehen. Ich bin glaube ich, die netteste Kundin der Welt. Zu mir war noch nie eine Verkäuferin zickig, im Gegenteil. Ich betrachte diese Menschen auf Augenhöhe, mit großem Respekt vor ihrer mir dienenden Arbeit. Aber ich möchte mich nicht zum Kaffeetrinken verabreden. Nur manchmal gibt es eine Ausnahme. Manchmal im Leben. Dann verabrede ich mich richtig oft und trinke richtig viel Kaffee. Gedanken zum Karfreitag. Unversehens. Hat rein gar nichts mit dem Sinn und Unsinn des Tages zu tun, der mir auch schon wieder entfallen ist. Nageln Sie mich bitte nicht fest.
Gestern hinter mir zwei Studenten, offenkundig auf dem Weg zu ihrem Campus. Ich vermute, sie fragte ihn, welche Vorlesungen er in diesem Semester belegt hätte und hörte nur einen Fetzen seiner Antwort. „…und dann mach ich noch Existenzialismus und Renaissance und Marketing und Naturwissenschaften…“ Ich dachte, was für eine interessante Mischung und assoziierte ein ziemlich eigenwilliges Erscheinungsbild mit dieser Aussage. Ich überlegte, ob ich es wagen könnte, mich mal kurz umzudrehen, weil ich so neugierig war. Es ergab sich, dass ich kurz vor dem Gebäude, in das ich wollte, eine Drehung einbauen konnte, die nicht allzu unnatürlich wirken würde. Die beiden merkten nichts, und ich erfasste ihn aus dem Augenwinkel. Er sah völlig unspektakulär aus, brav eigentlich. Vielseitig interessiert, aber kein bißchen existenzialistisch oder renaissance-affin.
Ich merkte, dass ich ein bestimmtes anderes Bild mitgenommen hatte. Ein paar Minuten vorher war mir ein junger Mann, ungefähr Mitte Zwanzig, in der S-Bahn sehr aufgefallen. Sicher auch deshalb, weil ich seinen wiederkehrenden Blick auf meinem Profil spürte, während er las. Ich stand mit Blick zur Tür, er saß. Er hatte eine bizarre, avantgardistische Rasur. Koteletten, schwarz und ausgezirkelt bis auf die Wangenknochen. Raspelkurze schwarze Haare. Ein Blick wie Adriano Celentano, angesagte Klamotten. So hätte der Student aussehen müssen. So und nicht anders.
Und dann dachte ich noch, wie großartig diese jungen Menschen sich heute entfalten können. Ein bißchen Existentialismus, ein bißchen Renaissance, ein bißchen Marketing, ein bißchen Naturwissenschaften. Ich beharre ja weiterhin darauf, dass wir in der besten aller Zeiten leben. Von schwachsinnigen EU-Normen (o.k., es gibt auch ein paar gute, Kennzeichnungspflicht für glutenhaltige Lebensmittel zum Beispiel), degenerierter Landwirtschaft, Fukushima und noch ein paar anderen Verirrungen abgesehen. Aber das sind alles nur Zeitfenster, wie ein lieber Freund mir vor einiger Zeit einmal schrieb. Und dass sich die Chinesen an den Fluß setzen und warten bis – aber das ist eine andere Geschichte.

21. April 2011


Wie mag sich das alles noch relativieren. Alles. Nicht nur die Dinge der großen Welt. Der kleinen auch. Man kann mit Sicherheit sagen, nichts bleibt wie es ist. Auch nicht die Perspektive auf die eigene Welt, die eigene Zeit, die eigene Vergangenheit, Gegenwart, die noch unwägbare Zukunft. Ich sehe etwas an, das ich früher angesehen habe. Aber ich sehe etwas anderes. Wahrscheinlich kennt das jeder: man hört von einem Menschen eine Begebenheit aus seinem Leben, zum ersten mal. Man lacht über die überraschende Wendung, die lustige Beschreibung. Die Schärfe der Analyse. Fühlt sich gut unterhalten. Witzige Details. Später, man kennt sich schon ein Weilchen, ist man eingeladen. Es ergibt sich, dass die Anekdote gerade passt, die anderen kennen sie ja noch nicht. Man lacht auch noch beim zweiten Mal. Noch später, irgendeine völlig andere Situation, man ist zu zweit. Der andere erzählt ein Detail der kleinen Geschichte, die man schon kennt. Die kleine Geschichte ist wohl ein Höhepunkt im Leben gewesen. Man ist ein bißchen irritiert, dass der andere nicht zu erinnern scheint, dass er die Geschichte schon zweimal in Gegenwart von einem erzählte. Man macht eine kleine Bemerkung, „Hm, ja – das hast du schon mal erzählt.“ Man lächelt milde, dabei wollte man nie milde lächeln. Menschen, die gerne und viel erzählen, vergessen eben schon mal, wem sie was erzählt haben. Wieder eine freundliche Runde. Die Geschichte erlebt die nächste Renaissance. Man weiß schon, wie sie geht. An der Stelle gleich, wird eine ganz bestimmte Formulierung kommen, über die die anderen herzlich lachen werden. Man freut sich für den anderen über den Unterhaltungswert, hört aber selber kaum noch hin. Irgendwann fängt man an, durch’s Fenster in den Garten zu gucken. Mal ein bißchen frische Luft. An die frische Luft. Man versäumt ja nichts. Man kennt die Geschichte schon. In- und auswendig. Sie ist nicht schlecht, aber man wird nichts Neues erfahren, wenn man noch einmal zuhört.

19. April 2011




gestern in einer Mail nach Mitternacht
„(…) Ich sehe, ich bin oft mehr in die Projektion verliebt, die meine Phantasie als Idee von Liebe und einem Geliebten entstehen lässt, als in die Realität. Ich versuche die Realität meinen Träumen anzugleichen, deshalb entstehen Bilder und Filme, die immer etwas Traumhaftes haben. Und dann hoffe ich, die Wirklichkeit entzündet sich an diesem Funken und entflammt als traumhafte Realität. So werde ich wohl immer sein…“



.

19. April 2011


Ich kannte die beiden ja auch nicht. Aber nun: ja. Die beiden hatten Spaß auf der Bühne. Wir unten auch. Nicht unbedingt die Art von Musik, die ich mir als Konserve anhöre, aber live machte das wirklich sehr viel Laune. Die beiden sind ein schönes Beispiel, wie man sich die Bühne zueigen machen kann, ganz bei sich ist und dennoch intensiven Kontakt zum Publikum haben kann. Es gibt ja eine Menge autistisch agierender Künstler, die auf die Bühne ihren eigenen kleinen Schutzraum mitnehmen. Ein bißchen, als ob sie da oben unter einer Glasglocke stehen und immer dasselbe abspulen, egal wie das Publikum mitgeht. Sei es vor Aufregung, sei es aus der Unsicherheit, die Sicherheit der Dramaturgie zu verlassen. Ich weiß nicht, ob man das je lernen kann, wenn man es nicht versteht, den Fotografen-Graben zu überbrücken und greifbar zu werden. Groovy, dieses altmodische Adjektiv aus der Jugendsprache Ende der Siebziger fällt mir ein für die beiden, Mono & Nikitaman. Sie spielten als letzte Band, nach den Helden.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
blow up
Dann dämmerte es langsam und ich lief die Straße des siebzehnten Juni zurück, zum Brandenburger Tor, in die S-Bahn, Friedrichstr., Hackescher Markt, nach Hause. Ein schöner, bemerkenswerter Tag, dieser 26. März 2011. Man könnte auch sagen, der Tag, an dem ich endgültig begriff, dass das Recht auf Demonstration für oder gegen eine Sache von öffentlichem Interesse, in Berlin ein veritables, gelebtes Bürgerrecht ist, und nicht nur irgendeine verstaubte oder in der Realität verdrehte Passage im Gesetzbuch. Ich weiß aus eigenem Erleben, dass es Städte gibt, in denen sich die Präsenz der Ordnungskräfte in einer Weise atmosphärisch bemerkbar macht, dass man sich halb illegal fühlt. Zumindest erlebte ich das Anfang der Achtziger Jahre im Süden der Republik. Berlin ist anders. Bzw. hoffe ich für andere Städte in diesem Land, das man auch dort das Gefühl hat, man nimmt ein gutes, bürgerliches Recht wahr und muss sich nicht als unerwünschter Störenfried des Status Quo fühlen. Diese Demonstration hatte Feuer und Biss und war zugleich sehr relaxed. Man muss es erlebt haben. Sehr zu empfehlen, gerade wenn man nichts Besseres vorhat und hinter einer Sache steht. Es kostet nicht mal Eintritt und viel weniger Mut, als mancher denkt.

16. April 2011

Alten Schulfreund im Internet aufgegabelt. Indirekt. Ich habe mich nicht bemerkbar gemacht. Mehr oder weniger zum ersten mal eine angenehme Überraschung. Wieviele doch in die Breite gehen. Der ist auch breiter geworden, aber eigentlich war er immer ein bißchen sehr schmal. Und ein alter Schwerenöter, vor dem kein Rockzipfel sicher war. Altes Klassenfoto gesehen, von 1981. Der einzige der noch lange Haare hatte. Die waren da ja schon nicht mehr angesagt. Aber er war immer auf Krawall gebürstet und hatte immer ein Grinsen im Gesicht. Das ist heute noch unverkennbar.
Er hat Spaß, spielt Keyboards in einer verrückten Band. Auf einem backstage-Foto bei myspace sitzt neben ihm eine Frau mit langen blonden Haaren, die genauso breit grinst wie er und denselben Nachnamen trägt. Was für ein lebensfrohes Paar. Glückliche Paare erkennt man daran, dass sie zur selben Zeit breit grinsen. Wenn nur einer lacht, ist irgendwas schief. Oder der eine immer wie ein strenger Elternteil guckt und der andere wie ein mehr oder weniger folgsames Kind. Wie oft man das sieht. Aber das Bild von ihm und seiner Frau, das ist super. Wenn ich das Foto nicht gesehen hätte, hätte ich mir fast überlegt, ob ich mich bemerkbar mache, haha.
Ich weiß gar nicht mehr genau, wie das zwischen uns war. Er war immer so auf Fummeln aus, alles was Frau war und nach Frau roch, so oft wie möglich anfassen, aber wir waren nur Freunde. Ich erinnere mich, dass ich ihn prinzipiell schon sexy und ein bißchen gefährlich fand und stolz war, dass er mit mir im Rauchereck stand und mir seinen Tabak zum Drehen leihte. Er war ja schon zwei Jahre älter und dementsprechend erfahrener. Alle Drogen schien er schon ausprobiert zu haben. Ich erinnere mich, dass er ziemlich witzig und belesen war, für die damaligen Verhältnisse und in Anbetracht unseres Alters. Er kam aus gutem Hause und hatte schon als kleiner Junge Klavierunterricht, und seine Finger flogen nur so über sein Fender Rhodes, dessen Klang ich liebte.
Alles sehr lässig, so aus dem Handgelenk. Ich glaube, ich habe ihn immer abgewimmelt, weil ich wusste, dass er sein Testosteron vor allem sportsmäßig loswerden will und ich ja auch immer in irgendwen anderen verliebt war. Das war dann witzig, weil er mir durch meine Unzugänglichkeit so ein Freundesvertrauen schenkte und ich das auf Augenhöhe empfand. Interessanter, als sein Betthäschen zu sein. Doch, das war schon eine lustige Freundschaft. Ich mochte das auch immer, wenn mich jemand so latent anbaggerte, wenn ich das Gefühl hatte, die Wahl zu haben.

Aber bei ihm nein zu sagen, bedeutete nicht gleich ihm das Herz zu brechen, das war sehr angenehm. Sonst hätte ich gar nicht so viel Zeit mit ihm verbracht. Da war ich immer vorsichtig. Wir mochten uns und taten uns nicht weh, weil keine unerbittliche Verstrickung im Spiel war. Auf einigen Fotos sieht er richtig gut aus. Da ist eine Serie in einem Tonstudio in Berlin entstanden. Er liegt quer über einem schwarzen Ledersofa im Studio, mit alberner Sonnenbrille auf der Nase. Schön, sich ein bißchen an ihn zu erinnern. Anfang wilder Zeiten.

16. April 2011

Alten Schulfreund im Internet aufgegabelt. Indirekt. Ich habe mich nicht bemerkbar gemacht. Mehr oder weniger zum ersten mal eine angenehme Überraschung. Wieviele doch in die Breite gehen. Der ist auch breiter geworden, aber eigentlich war er immer ein bißchen sehr schmal. Und ein alter Schwerenöter, vor dem kein Rockzipfel sicher war. Altes Klassenfoto gesehen, von 1981. Der einzige der noch lange Haare hatte. Die waren da ja schon nicht mehr angesagt. Aber er war immer auf Krawall gebürstet und hatte immer ein Grinsen im Gesicht. Das ist heute noch unverkennbar.
Er hat Spaß, spielt Keyboards in einer verrückten Band. Auf einem backstage-Foto bei myspace sitzt neben ihm eine Frau mit langen blonden Haaren, die genauso breit grinst wie er und denselben Nachnamen trägt. Was für ein lebensfrohes Paar. Glückliche Paare erkennt man daran, dass sie zur selben Zeit breit grinsen. Wenn nur einer lacht, ist irgendwas schief. Oder der eine immer wie ein strenger Elternteil guckt und der andere wie ein mehr oder weniger folgsames Kind. Wie oft man das sieht. Aber das Bild von ihm und seiner Frau, das ist super. Wenn ich das Foto nicht gesehen hätte, hätte ich mir fast überlegt, ob ich mich bemerkbar mache, haha.
Ich weiß gar nicht mehr genau, wie das zwischen uns war. Er war immer so auf Fummeln aus, alles was Frau war und nach Frau roch, so oft wie möglich anfassen, aber wir waren nur Freunde. Ich erinnere mich, dass ich ihn prinzipiell schon sexy und ein bißchen gefährlich fand und stolz war, dass er mit mir im Rauchereck stand und mir seinen Tabak zum Drehen leihte. Er war ja schon zwei Jahre älter und dementsprechend erfahrener. Alle Drogen schien er schon ausprobiert zu haben. Ich erinnere mich, dass er ziemlich witzig und belesen war, für die damaligen Verhältnisse und in Anbetracht unseres Alters. Er kam aus gutem Hause und hatte schon als kleiner Junge Klavierunterricht, und seine Finger flogen nur so über sein Fender Rhodes, dessen Klang ich liebte.
Alles sehr lässig, so aus dem Handgelenk. Ich glaube, ich habe ihn immer abgewimmelt, weil ich wusste, dass er sein Testosteron vor allem sportsmäßig loswerden will und ich ja auch immer in irgendwen anderen verliebt war. Das war dann witzig, weil er mir durch meine Unzugänglichkeit so ein Freundesvertrauen schenkte und ich das auf Augenhöhe empfand. Interessanter, als sein Betthäschen zu sein. Doch, das war schon eine lustige Freundschaft. Ich mochte das auch immer, wenn mich jemand so latent anbaggerte, wenn ich das Gefühl hatte, die Wahl zu haben.

Aber bei ihm nein zu sagen, bedeutete nicht gleich ihm das Herz zu brechen, das war sehr angenehm. Sonst hätte ich gar nicht so viel Zeit mit ihm verbracht. Da war ich immer vorsichtig. Wir mochten uns und taten uns nicht weh, weil keine unerbittliche Verstrickung im Spiel war. Auf einigen Fotos sieht er richtig gut aus. Da ist eine Serie in einem Tonstudio in Berlin entstanden. Er liegt quer über einem schwarzen Ledersofa im Studio, mit alberner Sonnenbrille auf der Nase. Schön, sich ein bißchen an ihn zu erinnern. Anfang wilder Zeiten.

16. April 2011

Kleines Mysterium, warum dieses Bild viel häufiger als die anderen aus der Strecke angeschaut wird. Häufiger als die Fotos von Judith Holofernes. Bei deren Zugriffen ist mir die Quelle bekannt. Aber bei dem hier? Fast alle Zugriffe über „unknown source“. Unknown source ist doch immer, wenn jemand aus einer Mail einen Link anklickt, oder ein Lesezeichen im Browser gesetzt hat. Oder jemand hat ganz clever ausgetüftelt, die Referrer-Funktion zu deaktiveren? Grübel. Solche Tricks faszinieren mich mitunter. Ich habe so ein kleines Detektiv-Gen, das mir dann keine Ruhe lässt.

Das Bild zeigt mich im Lift neben meiner Wohnung in der fünften Etage. Der Fahrstuhl hat eine verspiegelte Rückwand, das bietet sich natürlich immer für Foto-Spielchen an. Am Rücken sieht man ein kleines Abschalten-Fähnchen. Ich hatte es mir in den Gurt der Lederjacke an den Rücken geklemmt, damit ich die Hände frei habe.

15. April 2011

…
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Ach, ich hab schon so viel geschrieben. Diesmal nur Bilder. Irgendwo ganz hinten Franz Alt und Judith Holofernes. So viele Menschen. Und ich. Es ist wie ein Film, alle Bilder hintereinander zu sehen. In groß. Wie ich ausstieg am Potsdamer Platz. Und erschlagen war von der unfassbaren Menge Berliner. An diesem Samstag, vor fast drei Wochen. Man kann einfach noch mal mitlaufen. So tun als ob. Bis zum Großen Stern. Bis zur Bühne. 305 Bilder.

16. April 2011


http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Die großartige Judith Holofernes und ihr Held Pola Roy. Man weiß ja immer nicht, ob man das glauben soll, wenn Künstler auf der Bühne verkünden, das sei das schönste Konzert seit Dingsbums. Ich weiß ja nicht, was noch danach auf der Tournee gekommen ist, sicher auch frenetischer Jubel allenthalben. Aber man muß sich dann vorstellen, dass Frau Holofernes hundertzwanzigtausend begeisterte Berliner vor sich hatte, die alle dasselbe wollten wie sie. Deswegen glaube ich ihr, wenn sie sagt, das sei das schönste Konzert der Tournee, die sie kurzfristig unterbrochen hatten, um in ihrer Heimatstadt an diesem Tag dabei zu sein. Für ohne Gage. Das mit der Gage hat sie nicht gesagt, aber es war bekannt, dass kein Künstler Gage verlangt oder bekommen hat. Sie war umwerfend, übermütig wie sie über die Bühne getanzt ist. Die x-tausend Herzen sind ihr nur so zugeflogen. Meins auch.

15. April 2011

http://www.myvideo.de/movie/7148183
(doofe Werbung weg: auf’s Kreuzchen rechts oben vom Werbebanner klicken)
War es heute morgen oder gestern – dieses alte Stück von Ludwig Hirsch kam über den Zufallsgenerator, als ich mir gerade den ersten Kaffee kochte. Ich kenne es schon lange und musste sonst immer grinsen, weil die Hintergrundmusik so ein unverschämtes Plagiat von Shine on You Crazy Diamond von Pink Floyd ist. Aber an diesem Morgen ging es mir unter die Haut. Diese in Wahrheit traurige, albern geniale dunkelschwarze Micky-Maus-Menschheits-Verwechslungs-Fabel von Ludwig Hirsch.

15. April 2011

„[…] 1963 trat Alt der CDU bei. Nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 kritisierte er in einem offenen Brief an Helmut Kohl die CDU, die er 1988 verließ, weil sie weiterhin an der Kernenergie festhielt.“
Wikipedia
02.06.1986
Schluß mit dem atomaren Glücksspiel
Von Alt, Franz

Offener Brief des CDU-Mitglieds Franz Alt an Helmut Kohl

Lieber Helmut Kohl,
(…) Auf Dauer ist auch wirtschaftlicher Fortschritt nur mit der Natur denkbar. Die Mißachtung dieser Zusammenhänge zerstört Fortschritt und Freiheit. Das CDU-Grundsatzprogramm definiert Freiheit nicht als grenzenlose, sondern als „verantwortete Freiheit“. Der einzig ethisch verantwortbare Sachzwang heißt jetzt: keine neuen Kernkraftwerke, rascher Abbau der Kernenergie. (…)

Sehr lesenwert, dieser lange offene Brief
an einen unverändert Unbelehrbaren. Franz Alt schrieb ihn vor einem Vierteljahrhundert.
Irgendwo mittendrin schreibt er „Harrisburg, das Challenger-Unglück, Tschernobyl: das sind keine „Heimsuchungen“, wie Sie sagen, Herr Bundeskanzler, und schon gar keine gottgewollten Schicksalsschläge. Das ist Menschenwerk. (…) Tschernobyl hat eine Bewußtseinsdämmerung bewirkt, weit mehr bei den Wählern als bei den Gewählten. Deshalb wird man beim nächsten Unglück kaum noch von „Heimsuchung“ oder vom „technischen Versagen“ sprechen können, wahrscheinlich aber von charakterlichem Versagen derer, die nicht zu radikalen Konsequenzen bereit waren – falls man überhaupt noch sprechen kann.“

Franz Alt bei seiner Rede am Samstag, 26. März 2011 bei der Demonstration „FUKUSHIMA MAHNT: ALLE AKWS ABSCHALTEN!“ in Berlin.
Foto: Gaga Nielsen
Als Franz Alt vor drei Wochen bei der Kundgebung in Berlin sprach, spürte man die Wut von fünfundzwanzig Jahren. Das Gegenteil von blinder Wut: sehende Wut. Der gerechte Zorn von jemandem, der vor einem Vierteljahrhundert glaubte, die Lektion von Tschernobyl sei schlimm genug gewesen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
„Wir leben nicht vom Atomstrom, sondern von reiner Luft, sauberem Wasser, strahlender Sonne, gesunden Böden und genießbaren Pflanzen. Die Theologie der Schöpfung lehrt uns: Gott schläft in den Steinen, atmet in Pflanzen, träumt in Tieren und will in uns Menschen erwachen. Gottvertrauen oder Atomvertrauen? Worauf setzen wir?“

15. April 2011

…
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Ach, ich hab schon so viel geschrieben. Diesmal nur Bilder. Irgendwo ganz hinten Franz Alt und Judith Holofernes. So viele Menschen. Und ich. Es ist wie ein Film, alle Bilder hintereinander zu sehen. In groß. Wie ich ausstieg am Potsdamer Platz. Und erschlagen war von der unfassbaren Menge Berliner. An diesem Samstag, vor fast drei Wochen. Man kann einfach noch mal mitlaufen. So tun als ob. Bis zum Großen Stern. Bis zur Bühne. 305 Bilder.

12. April 2011

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Keine Angst vor großen Tieren. Man ist ja auch Vorbild. Ich versuche das auch zu verstehen, dass nicht jeder die psychischen, geistigen, seelischen Kapazitäten hat, um sich derart in diese Problematik zu bohren, wie man das seit einer gewissen Zeit bei mir beobachten kann. Ich denke zum Beispiel da auch sehr egoistisch (immer, immer und das ist auch gesund in diesem Kontext) an den kulinarischen Aspekt. Beispielsweise Freilandgemüse vom Biobauern. Ich habe das Gefühl, es ist nicht mehr so gourmetmäßig delikat und empfehlenswert, wenn der Broccoli von einer verstrahlten Brühe beregnet wird. Und dann der Penetrationsaspekt. Wen oder was lässt man in seinen Körper. Das Ganze ist mir zu intim, als dass es mir gleich sein könnte. Da bin ich Egoist aus Notwehr. Gerade begriffen, welche unnützen Ernährungstraditionen mein Wohlbefinden beeinträchtigt haben und nun drohende Vergewaltigung aus dem All. Aua. Ich will das nicht. Das tut mir weh. Das Unentrinnbare.
Statistiken, wieviele Menschen mehr in der Menschheitsgeschichte bisher aus anderen Ursachen als radioaktiver Verstrahlung zugrunde gegangen sind, sind mit Verlaub zynisch. Eigentlich muss sogar ein neuer Begriff für solche anmaßenden Vergleiche erfunden werden. Ebensogut könnte man sagen, in der Menschheitsgeschichte sind mehr Menschen durch Autounfälle zu Tode gekommen als durch den Holocaust. Also was wollen die denn, die sollen sich mal nicht so haben. Mir tut solcher Zynismus weh. Existentiell. Das braucht doch niemand für sein Seelenheil, sich über die Besorgnis um den Fortbestand eines gesunden Lebensraumes auf der Erde lustig zu machen. Wenn man schon Lust auf Häme hat, gibt es geeignetere Zielscheiben. Pappkameraden mit weit weniger Substanz. Ich finde sowieso, dass man sich nicht für einen Egoismus (wie ausgeprägte Eigenliebe auch oft bezeichnet und beschimpft wird) entschuldigen muss, der Gesundheit und friedliche Entfaltung guter irdischer Lebensmöglichkeiten zum Ziel hat. Eigentlich erkläre ich hier gerade schon wieder Binsen. So dumme Leser habe ich doch nicht. Entschuldigt bitte. Bin in diesen Tagen latent in Verteidigungshaltung, obgleich gar nicht nötig.

Eigentlich ist es doch jetzt schon klar, wohin die Entwicklung geht. Auch im Guten, um nicht nur dunkelschwarz zu malen. Die Konzerne, die bislang in die Atomindustrie verstrickt sind, wittern zum Glück die Fährte, dass man auch in den erforderlichen Technologien für die green economy schön abzocken kann. Sollen sie doch. Ist mir nur recht. Ich habe kein Problem mit gewinnorientierten Geschäftsmodellen. Die Atomwirtschaft ist offenkundig ein Auslaufmodell, das geht jetzt ganz rasant. Geld wird ab sofort woanders gemacht. Wenn man schon im Drogeriemarkt zu Lichtblick-Ökostrom wechseln kann, höre ich doch die Kassen klingeln. Und das ist nicht schlecht. Ich weiß ehrlich gesagt, selber nicht so genau, wo ich zwischen Kapitalismus, Sozialismus und Kommunismus stehe. Da ist noch in alle Richtungen Verhandlungsspielraum. Wahrscheinlich irgendwo mittendrin oder drüber. Oder vielleicht eben doch soziale Marktwirtschaft. Ich beobachte mich und die Sache interessiert, und zu gegebener Zeit gebe ich meine Eindrücke wieder. Oder schreibe Briefe an wichtige Leute. Wenn man erst einmal damit angefangen hat, macht das richtig Spaß, gerade auch wenn man Antwort erhält. Hab gerade ein bißchen Energieüberschuss, und da dachte ich so bei mir: probier’s doch mal mit Politik statt Sex! Nicht ganz so kalauernd gemeint, wie man befürchten könnte. Ich zeige mich ja immer offen für neue Lebensphasen und neue Variationen von Fokussierung. Ich will so viel wie möglich in diesem Dasein ausprobiert haben. Nur auf Opfer spielen, da drauf hab ich gar keine Lust. In keiner Lebenslage. Die Opferrolle ist einfach uncool. Man könnte auch sagen: nicht sexy.

12. April 2011

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Keine Angst vor großen Tieren. Man ist ja auch Vorbild. Ich versuche das auch zu verstehen, dass nicht jeder die psychischen, geistigen, seelischen Kapazitäten hat, um sich derart in diese Problematik zu bohren, wie man das seit einer gewissen Zeit bei mir beobachten kann. Ich denke zum Beispiel da auch sehr egoistisch (immer, immer und das ist auch gesund in diesem Kontext) an den kulinarischen Aspekt. Beispielsweise Freilandgemüse vom Biobauern. Ich habe das Gefühl, es ist nicht mehr so gourmetmäßig delikat und empfehlenswert, wenn der Broccoli von einer verstrahlten Brühe beregnet wird. Und dann der Penetrationsaspekt. Wen oder was lässt man in seinen Körper. Das Ganze ist mir zu intim, als dass es mir gleich sein könnte. Da bin ich Egoist aus Notwehr. Gerade begriffen, welche unnützen Ernährungstraditionen mein Wohlbefinden beeinträchtigt haben und nun drohende Vergewaltigung aus dem All. Aua. Ich will das nicht. Das tut mir weh. Das Unentrinnbare.
Statistiken, wieviele Menschen mehr in der Menschheitsgeschichte bisher aus anderen Ursachen als radioaktiver Verstrahlung zugrunde gegangen sind, sind mit Verlaub zynisch. Eigentlich muss sogar ein neuer Begriff für solche anmaßenden Vergleiche erfunden werden. Ebensogut könnte man sagen, in der Menschheitsgeschichte sind mehr Menschen durch Autounfälle zu Tode gekommen als durch den Holocaust. Also was wollen die denn, die sollen sich mal nicht so haben. Mir tut solcher Zynismus weh. Existentiell. Das braucht doch niemand für sein Seelenheil, sich über die Besorgnis um den Fortbestand eines gesunden Lebensraumes auf der Erde lustig zu machen. Wenn man schon Lust auf Häme hat, gibt es geeignetere Zielscheiben. Pappkameraden mit weit weniger Substanz. Ich finde sowieso, dass man sich nicht für einen Egoismus (wie ausgeprägte Eigenliebe auch oft bezeichnet und beschimpft wird) entschuldigen muss, der Gesundheit und friedliche Entfaltung guter irdischer Lebensmöglichkeiten zum Ziel hat. Eigentlich erkläre ich hier gerade schon wieder Binsen. So dumme Leser habe ich doch nicht. Entschuldigt bitte. Bin in diesen Tagen latent in Verteidigungshaltung, obgleich gar nicht nötig.

Eigentlich ist es doch jetzt schon klar, wohin die Entwicklung geht. Auch im Guten, um nicht nur dunkelschwarz zu malen. Die Konzerne, die bislang in die Atomindustrie verstrickt sind, wittern zum Glück die Fährte, dass man auch in den erforderlichen Technologien für die green economy schön abzocken kann. Sollen sie doch. Ist mir nur recht. Ich habe kein Problem mit gewinnorientierten Geschäftsmodellen. Die Atomwirtschaft ist offenkundig ein Auslaufmodell, das geht jetzt ganz rasant. Geld wird ab sofort woanders gemacht. Wenn man schon im Drogeriemarkt zu Lichtblick-Ökostrom wechseln kann, höre ich doch die Kassen klingeln. Und das ist nicht schlecht. Ich weiß ehrlich gesagt, selber nicht so genau, wo ich zwischen Kapitalismus, Sozialismus und Kommunismus stehe. Da ist noch in alle Richtungen Verhandlungsspielraum. Wahrscheinlich irgendwo mittendrin oder drüber. Oder vielleicht eben doch soziale Marktwirtschaft. Ich beobachte mich und die Sache interessiert, und zu gegebener Zeit gebe ich meine Eindrücke wieder. Oder schreibe Briefe an wichtige Leute. Wenn man erst einmal damit angefangen hat, macht das richtig Spaß, gerade auch wenn man Antwort erhält. Hab gerade ein bißchen Energieüberschuss, und da dachte ich so bei mir: probier’s doch mal mit Politik statt Sex! Nicht ganz so kalauernd gemeint, wie man befürchten könnte. Ich zeige mich ja immer offen für neue Lebensphasen und neue Variationen von Fokussierung. Ich will so viel wie möglich in diesem Dasein ausprobiert haben. Nur auf Opfer spielen, da drauf hab ich gar keine Lust. In keiner Lebenslage. Die Opferrolle ist einfach uncool. Man könnte auch sagen: nicht sexy.

12. April 2011

Vorhin Post von Wowi gekriegt, also seinem Büro:

Betreff:
Frage an den Regierenden Bürgermeister: Radioaktive Abfälle

Sehr geehrte Frau Nielsen,
der Regierende Bürgermeister dankt Ihnen für Ihre Mail zu der im Betreff genannten Thematik. Verständlicherweise gibt es derzeit vermehrt Anfragen, die sich mit dem Thema Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrums Berlin befassen. Ich habe Ihre Anfrage daher im Auftrag des Regierenden Bürgermeisters an die hier zuständige Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz mit der Bitte um Beantwortung weitergeleitet, weitere Nachricht erhalten Sie entsprechend von dort.
Über die Erledigung werde ich den Regierenden Bürgermeister unterrichten.
Mit freundlichen Grüßen
(Name seiner Mitarbeiterin)
____________________________________________________
Der Regierende Bürgermeister von Berlin
Senatskanzlei – III B 3
Jüdenstraße 1; 10178 Berlin

Und das habe ich ihm vor ein paar Tagen geschrieben:
Lieber Klaus Wowereit,
meine persönliche Frage an Sie als Regierenden Bürgermeister, dem das Wohl der Berliner bestimmt am Herzen liegt, lautet:
wie sind die Pläne des Senats, mit dem nicht mehr unterzubringenden Atommüll des Forschungsreaktors in Berlin? Ich bin durch den folgenden Artikel
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15703&css=print
darauf aufmerksam geworden, dass es dort ein massives Problem gibt, den radioaktiven Müll in der dafür vorgesehenen Lagerhalle sicher zu verwahren, da diese bereits überfüllt ist und der Müll inzwischen unter offenem Himmel, mitten in Berlin gelagert wird.
Sollte es einen Unfall geben oder eine kleine Attentäter-Bombe den Reaktor beschädigen, müsste im Falle der Verstrahlung ein 30 km breiter Gürtel um das Reaktorgebiet evakuiert werden. Davon wäre natürlich auch das Regierungsviertel betroffen. Berlin wäre dann praktisch unbewohnbar.
Ich weiß, dass viele Berliner noch nie davon gehört haben, aber jetzt wäre sicher ein guter Zeitpunkt, sich von dieser Experimentier-Ära zu verabschieden. Ich möchte noch ein bißchen länger in Berlin leben. Und Sie doch bestimmt auch!
Man hört zwar sehr viel von den Abschalt- und Ausstiegsplänen zu den Atomkraftwerken am Stromnetz, aber wenig bis gar nichts zu den Plänen mit den durchaus nicht ungefährlichen Forschungsreaktoren. Der in Berlin ist der zweitgrößte in Deutschland habe ich gelesen.
Bitte setzten Sie sich dafür ein, dass der Reaktor abgeschaltet wird und der Müll sicher entsorgt wird.
Vielen Dank, ich bin schon gespannt auf die Antwort!
Hier hab ich übrigens (in einem der Kommentare) darüber gebloggt: http://gaga.twoday.net/stories/14873002
Mit freundlichen Grüßen aus der Auguststraße!
Gaga Nielsen


Eine nicht automatisierte Antwort finde ich schon mal prima. Bin schon mächtig gespannt, was daraus wird. Vielleicht gehe ich doch noch in die Politik! Ministerin für Weltangelegenheiten und Überhaupt: Gaga Nielsen

12. April 2011

Vorhin Post von Wowi gekriegt, also seinem Büro:

Betreff:
Frage an den Regierenden Bürgermeister: Radioaktive Abfälle

Sehr geehrte Frau Nielsen,
der Regierende Bürgermeister dankt Ihnen für Ihre Mail zu der im Betreff genannten Thematik. Verständlicherweise gibt es derzeit vermehrt Anfragen, die sich mit dem Thema Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrums Berlin befassen. Ich habe Ihre Anfrage daher im Auftrag des Regierenden Bürgermeisters an die hier zuständige Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz mit der Bitte um Beantwortung weitergeleitet, weitere Nachricht erhalten Sie entsprechend von dort.
Über die Erledigung werde ich den Regierenden Bürgermeister unterrichten.
Mit freundlichen Grüßen
(Name seiner Mitarbeiterin)
____________________________________________________
Der Regierende Bürgermeister von Berlin
Senatskanzlei – III B 3
Jüdenstraße 1; 10178 Berlin

Und das habe ich ihm vor ein paar Tagen geschrieben:
Lieber Klaus Wowereit,
meine persönliche Frage an Sie als Regierenden Bürgermeister, dem das Wohl der Berliner bestimmt am Herzen liegt, lautet:
wie sind die Pläne des Senats, mit dem nicht mehr unterzubringenden Atommüll des Forschungsreaktors in Berlin? Ich bin durch den folgenden Artikel
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15703&css=print
darauf aufmerksam geworden, dass es dort ein massives Problem gibt, den radioaktiven Müll in der dafür vorgesehenen Lagerhalle sicher zu verwahren, da diese bereits überfüllt ist und der Müll inzwischen unter offenem Himmel, mitten in Berlin gelagert wird.
Sollte es einen Unfall geben oder eine kleine Attentäter-Bombe den Reaktor beschädigen, müsste im Falle der Verstrahlung ein 30 km breiter Gürtel um das Reaktorgebiet evakuiert werden. Davon wäre natürlich auch das Regierungsviertel betroffen. Berlin wäre dann praktisch unbewohnbar.
Ich weiß, dass viele Berliner noch nie davon gehört haben, aber jetzt wäre sicher ein guter Zeitpunkt, sich von dieser Experimentier-Ära zu verabschieden. Ich möchte noch ein bißchen länger in Berlin leben. Und Sie doch bestimmt auch!
Man hört zwar sehr viel von den Abschalt- und Ausstiegsplänen zu den Atomkraftwerken am Stromnetz, aber wenig bis gar nichts zu den Plänen mit den durchaus nicht ungefährlichen Forschungsreaktoren. Der in Berlin ist der zweitgrößte in Deutschland habe ich gelesen.
Bitte setzten Sie sich dafür ein, dass der Reaktor abgeschaltet wird und der Müll sicher entsorgt wird.
Vielen Dank, ich bin schon gespannt auf die Antwort!
Hier hab ich übrigens (in einem der Kommentare) darüber gebloggt: http://gaga.twoday.net/stories/14873002
Mit freundlichen Grüßen aus der Auguststraße!
Gaga Nielsen


Eine nicht automatisierte Antwort finde ich schon mal prima. Bin schon mächtig gespannt, was daraus wird. Vielleicht gehe ich doch noch in die Politik! Ministerin für Weltangelegenheiten und Überhaupt: Gaga Nielsen

09. April 2011


„Ich will nicht zu einer Generation gehören, ich will nicht zu einem Land gehören – obwohl ich sehr deutsch bin, ich will nicht zu einem Milieu gehören, ich will überall frei sein, alles überfliegen, sehen, kennen, hören und wissen.“
„…wenn jemand neben Ihnen aufwacht… Sie werden nicht gerne beobachtet.“
„Das hasse ich! (…) Ich möchte auch nicht gesehen werden, wenn ich tot bin. Finde ich furchtbar! Tuch drüber und weg in den Mülleimer. Aus vorbei, hein? Nein, grauenhaft. Man soll das alles nicht so tragisch nehmen. Das ist irgendwie eine Art Indiskretion, finde ich. Ich hasse auch Tote zu sehen. Nicht, weil ich da Angst vor hätte. Nur, ich bin nicht sicher, dass die gesehen werden wollten. Wenn die einem das vorher nicht gesagt haben, weiß man das nicht und das finde ich wie der Höhepunkt einer Indiskretion, tote Leute anzugucken. Weil die ja – wie soll ich sagen – ohne jede Wehrung da liegen, die armen Leute. Das tue ich nicht.“
„…also Sie werden nicht in der Madeleine aufgebahrt?“
„Hoffe ich nicht. Das hoffe ich nicht. Nein, nein, nein. Ich bin wie das Rückert-Lied, hoffe ich, eines Tages …Er ist der Welt abhanden gekommen.“
„…einfach so, spurlos verschwunden?“
„Ja, wie Tiere im Urwald. Das finde ich das gesündeste.“
„Ich bin sehr dagegen, dass die Leute ihr Innenleben, falls sie eins haben, dem Publikum preisgeben und da eine öffentliche Tragödie daraus machen, da bin ich sehr gegen, wie das heute Mode ist. Die Leute machen ja Bücher über die unmöglichsten Situationen, was sie besser für sich behalten, was keinen Menschen interessiert. Das erinnert mich immer an diese Geschichte, eine Karikatur im New Yorker, da ist ein Mann beim Psychoanalyst und da sagt er zu dem Doktor: „Herr Doktor, ich hab das Gefühl, ich bin mittelmäßig“. Da sagt der Doktor: „Ja, Sie sind mittelmäßig“. Darum. Ich meine, wenn man ehrlich ist – kennt man die Frage und die Antwort.“
„Warum immer ‚Kampf‘? Nein! Die Leute wollen alles so dramatisch machen. (…) Nein, Kampf war das gar nicht. Wenn ich etwas will, dann gibt’s keinen Kampf mehr, dann wird das gemacht. Ich diskutiere nicht mit mir. Ich bin – wie gesagt Auto-Faschist. Ich bin Anti-Faschist für die anderen, aber für mich selber bin ich ganz schlimm. Da muss ich sogar darüber lachen. Sogar für unwichtige Sachen bin ich sehr mitleidlos mit mir. Das finde ich aber zum Heulen.“
„(…) und das war natürlich ein Drama und so weiter und so fort und sie (Kriemhild) war total kaputt und hat aber weiter nichts gesagt, und dann hat sie den König von Ungarn geheiratet. Zehn Jahre später hat sie die ganze Familie eingeladen. Und wie sie alle da waren, der Hagen und der Gunther mit seiner Frau, die sie hasst und all diese ganze – der ganze Hof von Trier, hat sie das ganze Schloss in Feuer gesteckt und die sind alle verbrannt. Das ist meine Natur.“
„…aber die Tatsache, dass Sie sich mit Kriemhild identifizieren, heißt, dass man sich auch nach zehn Jahren noch in Acht nehmen muss vor Ihnen, wenn man Ihnen mal irgendetwas angetan hat. Sie sind nachtragend.“
„Ja. Manchmal vergisst man aus Gleichgültigkeit – aber das finde ich ganz gut. Wissen Sie, Rache in der Sekunde, da erwartet das jeder. Aber hinterher meinen die Leute, wäre alles o.k. und alles wäre wieder bestens und so weiter und so fort. Und dann zieht man den Stuhl weg, wenn keiner mehr damit rechnet. Und das finde ich irgendwie amüsant.“
„…das nennt sich subtile Rache.“
„Es kommt selten vor, weil meine Gleichgültigkeit mich daran hindert und weil ich vergesse und so weiter und so fort. Aber gewisse Leute, die das verdient haben, denen habe ich schon mal zehn Jahre später den Stuhl unterm Popo gezogen.“
„…auch ehemaligen Freunden, gerade denen – „
„Ja, bei ehemaligen Freunden bin ich ja nun besonders streng.“

„…aber man sollte sich in Acht nehmen vor Ihnen.“

„Ja. Nicht nur in Acht nehmen, nein. Man soll sich anständig benehmen. Man soll sich anständig benehmen, von Anfang an. Ich aggessiere nie jemanden – aber ich bin nicht total verteidigungslos.“
Karl Lagerfeld im Gespräch mit Gero von Böhm

09. April 2011


„Ich will nicht zu einer Generation gehören, ich will nicht zu einem Land gehören – obwohl ich sehr deutsch bin, ich will nicht zu einem Milieu gehören, ich will überall frei sein, alles überfliegen, sehen, kennen, hören und wissen.“
„…wenn jemand neben Ihnen aufwacht… Sie werden nicht gerne beobachtet.“
„Das hasse ich! (…) Ich möchte auch nicht gesehen werden, wenn ich tot bin. Finde ich furchtbar! Tuch drüber und weg in den Mülleimer. Aus vorbei, hein? Nein, grauenhaft. Man soll das alles nicht so tragisch nehmen. Das ist irgendwie eine Art Indiskretion, finde ich. Ich hasse auch Tote zu sehen. Nicht, weil ich da Angst vor hätte. Nur, ich bin nicht sicher, dass die gesehen werden wollten. Wenn die einem das vorher nicht gesagt haben, weiß man das nicht und das finde ich wie der Höhepunkt einer Indiskretion, tote Leute anzugucken. Weil die ja – wie soll ich sagen – ohne jede Wehrung da liegen, die armen Leute. Das tue ich nicht.“
„…also Sie werden nicht in der Madeleine aufgebahrt?“
„Hoffe ich nicht. Das hoffe ich nicht. Nein, nein, nein. Ich bin wie das Rückert-Lied, hoffe ich, eines Tages …Er ist der Welt abhanden gekommen.“
„…einfach so, spurlos verschwunden?“
„Ja, wie Tiere im Urwald. Das finde ich das gesündeste.“
„Ich bin sehr dagegen, dass die Leute ihr Innenleben, falls sie eins haben, dem Publikum preisgeben und da eine öffentliche Tragödie daraus machen, da bin ich sehr gegen, wie das heute Mode ist. Die Leute machen ja Bücher über die unmöglichsten Situationen, was sie besser für sich behalten, was keinen Menschen interessiert. Das erinnert mich immer an diese Geschichte, eine Karikatur im New Yorker, da ist ein Mann beim Psychoanalyst und da sagt er zu dem Doktor: „Herr Doktor, ich hab das Gefühl, ich bin mittelmäßig“. Da sagt der Doktor: „Ja, Sie sind mittelmäßig“. Darum. Ich meine, wenn man ehrlich ist – kennt man die Frage und die Antwort.“
„Warum immer ‚Kampf‘? Nein! Die Leute wollen alles so dramatisch machen. (…) Nein, Kampf war das gar nicht. Wenn ich etwas will, dann gibt’s keinen Kampf mehr, dann wird das gemacht. Ich diskutiere nicht mit mir. Ich bin – wie gesagt Auto-Faschist. Ich bin Anti-Faschist für die anderen, aber für mich selber bin ich ganz schlimm. Da muss ich sogar darüber lachen. Sogar für unwichtige Sachen bin ich sehr mitleidlos mit mir. Das finde ich aber zum Heulen.“
„(…) und das war natürlich ein Drama und so weiter und so fort und sie (Kriemhild) war total kaputt und hat aber weiter nichts gesagt, und dann hat sie den König von Ungarn geheiratet. Zehn Jahre später hat sie die ganze Familie eingeladen. Und wie sie alle da waren, der Hagen und der Gunther mit seiner Frau, die sie hasst und all diese ganze – der ganze Hof von Trier, hat sie das ganze Schloss in Feuer gesteckt und die sind alle verbrannt. Das ist meine Natur.“
„…aber die Tatsache, dass Sie sich mit Kriemhild identifizieren, heißt, dass man sich auch nach zehn Jahren noch in Acht nehmen muss vor Ihnen, wenn man Ihnen mal irgendetwas angetan hat. Sie sind nachtragend.“
„Ja. Manchmal vergisst man aus Gleichgültigkeit – aber das finde ich ganz gut. Wissen Sie, Rache in der Sekunde, da erwartet das jeder. Aber hinterher meinen die Leute, wäre alles o.k. und alles wäre wieder bestens und so weiter und so fort. Und dann zieht man den Stuhl weg, wenn keiner mehr damit rechnet. Und das finde ich irgendwie amüsant.“
„…das nennt sich subtile Rache.“
„Es kommt selten vor, weil meine Gleichgültigkeit mich daran hindert und weil ich vergesse und so weiter und so fort. Aber gewisse Leute, die das verdient haben, denen habe ich schon mal zehn Jahre später den Stuhl unterm Popo gezogen.“
„…auch ehemaligen Freunden, gerade denen – „
„Ja, bei ehemaligen Freunden bin ich ja nun besonders streng.“

„…aber man sollte sich in Acht nehmen vor Ihnen.“

„Ja. Nicht nur in Acht nehmen, nein. Man soll sich anständig benehmen. Man soll sich anständig benehmen, von Anfang an. Ich aggessiere nie jemanden – aber ich bin nicht total verteidigungslos.“
Karl Lagerfeld im Gespräch mit Gero von Böhm

04. April 2011

Hilfe aus Berlin.
Immer wieder Berlin. Berliner Blau 1706.
Uran 1789. Kernspaltung 1938. Radiogardase 2011.
Nicht nur Astrologen sind sich einig, dass der Stadt Berlin zwei Geburtsdaten zuzuordnen sind, da es zwei nachweisliche Gründungsdaten, gemäß urkundlicher Erwähnungen gibt.

„Im Jahr 1237 wurde Cölln an der Spree gegründet. 7 Jahre später, am 26. Januar 1244 wird Berlin erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1307 werden diese beiden Städte vereint; als Gründungsdatum Berlin’s gilt deshalb der 28. Oktober 1237. Beide Städte wuchsen jedoch unmittelbar nach ihrer Gründung durch eine gemeinsame Befestigung und eine Brücke über die Spree zusammen.“

28. Oktober 1237. 26. Januar 1244.
Interessant ist der grundlegende Spannungsaspekt von Skorpion und Wassermann. Die Sonnen stehen in einem nahezu exakten Quadrat auf jeweils fünf Grad des jeweiligen Zeichens zueinander. Vielleicht ist das die elektrische, unruhige Energie, die man hier dauernd spürt. Und die man hasst oder liebt. Das latent Aggressive, die Bereitschaft zum geistigen Kampf. Die verschärfte Ausdrucksweise. Selten ohne Witz. Tatsächlich sind die archetypischen Eigenschaften, die dominante Aura der Stadt, das ganze unwiderlegbare Charisma geprägt von den Energien Skorpion und Wassermann. Tiefschürfend, abgründig, auslotend, düster, leidenschaftlich, unnahbar, einzelgängerisch, triebhaft, jedoch immer kontrolliert, der Skorpion. Visionär, in die Zukunft strebend, verspielt, erfinderisch, unkonventionell, überraschend, optimistisch, das Kollektiv, das Verbindende suchend, der Wassermann.
Starke eigensinnige Kräfte. Das Skorpionische scheint sich oft im Äußeren auszuwirken, ein merkwürdiger Reiz, der die Bewohner mehr als in anderen Städten veranlasst, bei geringstem Sonnenschein mit Velvet Underground-Sonnenbrillen durch die Gegend zu tigern. Immer noch viel Schwarz. Dieser take-a-walk-on-the-wildside-Spirit. Iggys Passenger. Es fiel mir besonders auf, als ich meine Bilder der Demo am vorletzten Samstag anschaute. So viele arschcoole Berliner mit dunklen Brillen. Man könnte stellenweise denken, ich war nur auf irgendeinem coolen Open Air, von einer ziemlich angesagten Band. Wenn da nicht die, nicht ganz so coolen, älteren, bürgerlicheren Berliner dazwischen wären. Aber die sind auch cool, wie sie so absichtsvoll ein bißchen böse gucken. Denn sie sind böse. Und das rechne ich ihnen hoch an. Böse wie Loriot.

Denn es geht um keine lustige Sache. Kein Wochenendausflug um des Ausflugs willen, auch wenn wenn da lauter lustige, bunte Luftballons herumflogen, wie auf einem netten Kindergeburtstag. Ja, es ist auch ein schönes rebellisches Gefühl, ein Banner mit einer widerspenstigen, sinnigen Botschaft hochzuhalten. Es ist völlig legitim, seiner Angst um das Fortbestehen der Menschheit mit einem sehenswerten Auftritt Achtung zu verschaffen. Denn es geht um Achtung. Um Aufmerksamkeit für den Willen, unsere Existenz zu schützen. Damit wir noch ein Weilchen aus Gründen der Coolness Sonnenbrillen tragen dürfen und nicht, um uns vor lebensgefährlichen Strahlungen zu schützen. Ich war sehr glücklich in dieser Meute von jung und alt. Glücklich in Berlin. Ein Vierteljahrhundert schon. Als ich geboren wurde, am 1. September 1965, standen Uranus und Pluto in exakter Konjunktion. Was nicht sehr oft geschieht. Vielleicht ist mir der widerspenstige Geist dieser Stadt auch deswegen gleich so vertraut gewesen, von der ersten Stunde an, am 2. April 1986.
Was mir aber gerade auffiel, gerade eben: dass Pluto, der Herrscher des Zeichens Skorpion und Uranus, der Herrscher des Zeichens Wassermann damit an der Wiege Berlins standen. Pluto, Uranus. Uranium, Plutonium. Wassermann, Skorpion. Berlin, Berlin. Berlin hat die grausame Formel entdeckt. Und Berlin hat ein Gegengift gefunden. Nicht für alles, aber aus dieser Stadt kann Rettung für die Welt kommen. Der Geist ist da. Alle Geister sind versammelt. Sie waren auf der Straße und sie sind in den wissenschaftlichen Labors. Ich las vor einigen Tagen, dass das noch im Aufbau begriffene, größte online-Netzwerk für Wissenschaftler weltweit, eine Art facebook für Forscher, seinen Sitz in Berlin hat. Es gibt schon 800.000 registrierte Mitglieder. Inzwischen werden es noch mehr sein. Wenn ein Wissenschaftler in Japan über einer Formel brütet und nicht weiterkommt, teilt er sein Problem dem weltweiten Netzwerk aus Berlin mit und alle schmeißen ihr Fachwissen zusammen. Die Vorstellung rührt mich. Bitte tauscht euch ganz viel aus und forscht ganz schnell ganz viel über diese blöde Scheiß-Verstrahlung und wie man das Unglück stoppen kann. Bitte.
Ich möchte lieber dafür auf die Straße gehen, dass Knut nicht ausgestopft wird, wie es einige Berliner Knut-Fans am letzten Samstag getan haben. Ich bin auch dagegen, aber die Kraft der Wut fließt gerade woanders hin und man muß auch haushalten. Für läppischere Dinge möchte ich auf die Straße gehen. Für Tante-Emma-Läden, gegen Einkaufs-Silos. Für so Zeug. So Sachen, die nur den Augen weh tun, aber nicht die Existenz der ganzen Menschheit in Frage stellen. Ich lebe gerade so gern. Und immer mehr. Und bin doch so traurig wegen all dem. Wie kann man schwerelos in den Frühling taumeln, wenn gerade ein Teil der Welt untergeht. Und wir mit ihm. Jeden Tag ein kleines Stück. Japan ist nicht weiter weg als vorher. Es ist näher. Auch wenn man es mit aller Kraft wegzuschieben versucht. Man muss in den Abgrund schauen, um herauszufinden, wie tief er ist. Um herauszufinden, wie lang das Seil sein muss, das man brauchen wird, um den abgestürzten Kameraden hochzuziehen, aus der tiefen Schlucht, da unten in Japan. Und wie gut wir uns selber anseilen müssen. Jetzt. Gleich. Sofort. Gestern.

04. April 2011

Hilfe aus Berlin.
Immer wieder Berlin. Berliner Blau 1706.
Uran 1789. Kernspaltung 1938. Radiogardase 2011.
Nicht nur Astrologen sind sich einig, dass der Stadt Berlin zwei Geburtsdaten zuzuordnen sind, da es zwei nachweisliche Gründungsdaten, gemäß urkundlicher Erwähnungen gibt.

„Im Jahr 1237 wurde Cölln an der Spree gegründet. 7 Jahre später, am 26. Januar 1244 wird Berlin erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1307 werden diese beiden Städte vereint; als Gründungsdatum Berlin’s gilt deshalb der 28. Oktober 1237. Beide Städte wuchsen jedoch unmittelbar nach ihrer Gründung durch eine gemeinsame Befestigung und eine Brücke über die Spree zusammen.“

28. Oktober 1237. 26. Januar 1244.
Interessant ist der grundlegende Spannungsaspekt von Skorpion und Wassermann. Die Sonnen stehen in einem nahezu exakten Quadrat auf jeweils fünf Grad des jeweiligen Zeichens zueinander. Vielleicht ist das die elektrische, unruhige Energie, die man hier dauernd spürt. Und die man hasst oder liebt. Das latent Aggressive, die Bereitschaft zum geistigen Kampf. Die verschärfte Ausdrucksweise. Selten ohne Witz. Tatsächlich sind die archetypischen Eigenschaften, die dominante Aura der Stadt, das ganze unwiderlegbare Charisma geprägt von den Energien Skorpion und Wassermann. Tiefschürfend, abgründig, auslotend, düster, leidenschaftlich, unnahbar, einzelgängerisch, triebhaft, jedoch immer kontrolliert, der Skorpion. Visionär, in die Zukunft strebend, verspielt, erfinderisch, unkonventionell, überraschend, optimistisch, das Kollektiv, das Verbindende suchend, der Wassermann.
Starke eigensinnige Kräfte. Das Skorpionische scheint sich oft im Äußeren auszuwirken, ein merkwürdiger Reiz, der die Bewohner mehr als in anderen Städten veranlasst, bei geringstem Sonnenschein mit Velvet Underground-Sonnenbrillen durch die Gegend zu tigern. Immer noch viel Schwarz. Dieser take-a-walk-on-the-wildside-Spirit. Iggys Passenger. Es fiel mir besonders auf, als ich meine Bilder der Demo am vorletzten Samstag anschaute. So viele arschcoole Berliner mit dunklen Brillen. Man könnte stellenweise denken, ich war nur auf irgendeinem coolen Open Air, von einer ziemlich angesagten Band. Wenn da nicht die, nicht ganz so coolen, älteren, bürgerlicheren Berliner dazwischen wären. Aber die sind auch cool, wie sie so absichtsvoll ein bißchen böse gucken. Denn sie sind böse. Und das rechne ich ihnen hoch an. Böse wie Loriot.

Denn es geht um keine lustige Sache. Kein Wochenendausflug um des Ausflugs willen, auch wenn wenn da lauter lustige, bunte Luftballons herumflogen, wie auf einem netten Kindergeburtstag. Ja, es ist auch ein schönes rebellisches Gefühl, ein Banner mit einer widerspenstigen, sinnigen Botschaft hochzuhalten. Es ist völlig legitim, seiner Angst um das Fortbestehen der Menschheit mit einem sehenswerten Auftritt Achtung zu verschaffen. Denn es geht um Achtung. Um Aufmerksamkeit für den Willen, unsere Existenz zu schützen. Damit wir noch ein Weilchen aus Gründen der Coolness Sonnenbrillen tragen dürfen und nicht, um uns vor lebensgefährlichen Strahlungen zu schützen. Ich war sehr glücklich in dieser Meute von jung und alt. Glücklich in Berlin. Ein Vierteljahrhundert schon. Als ich geboren wurde, am 1. September 1965, standen Uranus und Pluto in exakter Konjunktion. Was nicht sehr oft geschieht. Vielleicht ist mir der widerspenstige Geist dieser Stadt auch deswegen gleich so vertraut gewesen, von der ersten Stunde an, am 2. April 1986.
Was mir aber gerade auffiel, gerade eben: dass Pluto, der Herrscher des Zeichens Skorpion und Uranus, der Herrscher des Zeichens Wassermann damit an der Wiege Berlins standen. Pluto, Uranus. Uranium, Plutonium. Wassermann, Skorpion. Berlin, Berlin. Berlin hat die grausame Formel entdeckt. Und Berlin hat ein Gegengift gefunden. Nicht für alles, aber aus dieser Stadt kann Rettung für die Welt kommen. Der Geist ist da. Alle Geister sind versammelt. Sie waren auf der Straße und sie sind in den wissenschaftlichen Labors. Ich las vor einigen Tagen, dass das noch im Aufbau begriffene, größte online-Netzwerk für Wissenschaftler weltweit, eine Art facebook für Forscher, seinen Sitz in Berlin hat. Es gibt schon 800.000 registrierte Mitglieder. Inzwischen werden es noch mehr sein. Wenn ein Wissenschaftler in Japan über einer Formel brütet und nicht weiterkommt, teilt er sein Problem dem weltweiten Netzwerk aus Berlin mit und alle schmeißen ihr Fachwissen zusammen. Die Vorstellung rührt mich. Bitte tauscht euch ganz viel aus und forscht ganz schnell ganz viel über diese blöde Scheiß-Verstrahlung und wie man das Unglück stoppen kann. Bitte.
Ich möchte lieber dafür auf die Straße gehen, dass Knut nicht ausgestopft wird, wie es einige Berliner Knut-Fans am letzten Samstag getan haben. Ich bin auch dagegen, aber die Kraft der Wut fließt gerade woanders hin und man muß auch haushalten. Für läppischere Dinge möchte ich auf die Straße gehen. Für Tante-Emma-Läden, gegen Einkaufs-Silos. Für so Zeug. So Sachen, die nur den Augen weh tun, aber nicht die Existenz der ganzen Menschheit in Frage stellen. Ich lebe gerade so gern. Und immer mehr. Und bin doch so traurig wegen all dem. Wie kann man schwerelos in den Frühling taumeln, wenn gerade ein Teil der Welt untergeht. Und wir mit ihm. Jeden Tag ein kleines Stück. Japan ist nicht weiter weg als vorher. Es ist näher. Auch wenn man es mit aller Kraft wegzuschieben versucht. Man muss in den Abgrund schauen, um herauszufinden, wie tief er ist. Um herauszufinden, wie lang das Seil sein muss, das man brauchen wird, um den abgestürzten Kameraden hochzuziehen, aus der tiefen Schlucht, da unten in Japan. Und wie gut wir uns selber anseilen müssen. Jetzt. Gleich. Sofort. Gestern.

01. April 2011

Max Deibert, 16 Jahre:
Die Moral ist im Arsch.

„(…) Wer Hausaufgaben macht, braucht ein Blatt Papier, eine Internetflatrate und einen Drucker. Nach fünf Minuten hat man einen Text von irgendeinem hobbylosen Vollidioten aus dem Netz kopiert und kann danach in aller Ruhe mit Freunden chatten oder Zombies töten. Dass hinter den Texten, die man mal eben kopiert, viel Mühe und Herzblut steckt, interessiert den Dieb wenig. (…) wie man zuletzt am Fall Guttenberg beobachten konnte. Dieser ist leider kein deprimierter Zehntklässler, der endlich eine Freundin haben will, sondern war unser Verteidigungsminister, ausgestattet mit einem Adelstitel, 30 Vornamen und einem Lächeln wie Florian Silbereisen. Werde ich beim Schummeln erwischt, habe ich nicht die Möglichkeit, nach Amerika zu reisen und meinen Papa das hier für mich regeln zu lassen. Auch würde mir die Bildzeitung nicht unterstützend unter die Arme greifen und von meinem Comeback fantasieren. (…)“
Auszüge aus dem Artikel „Die Moral ist im Arsch“ des 16-jährigen Berliner Schülers Max Deibert, erschienen im Berliner Tagesspiegel in der Rubrik „Schüler über Guttenberg“

01. April 2011


Einigermaßen überraschender Kommentar in der heutigen B.Z.:
German Angst.

„(…) Aber wie reagieren andere Nationen auf so etwas? Tanzen sie erst einmal Sirtaki, um die mediterrane Lässigkeit zu feiern? (…) „Typisch deutsch“: Dieser genervte Seufzer ist mir in letzter Zeit andauernd begegnet. Ausgestoßen wird er grundsätzlich von Deutschen, die ihre Landsleute wahnsinnig kleinkariert und peinlich finden. Sie selbst sind natürlich ganz anders, sonst würden sie ja nicht so darunter leiden …“Typisch deutsch“ – so wird zurzeit auch die neue Atomkraft-Debatte geschmäht. Über die Gefahren nachzudenken, wird als „German Angst“ belächelt. Während sich etwa die Franzosen die Laune nicht verderben lassen, nehmen die Deutschen das Unglück in Japan doch tatsächlich zum Anlass, ihr eigenes Konzept zu hinterfragen“ Stephanie Jungholt, B.Z. vom 01.04.11
[ durchaus.]

03. April 2011

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind.
Albert Einstein

Gestern Abend einen Haufen Loriot-Interviews angeschaut. An dem Gespräch mit Marianne Koch bin ich besonders hängengeblieben. Ab der dritten Minute fängt Herr von Bülow an, rechtschaffen zu politisieren und hört nicht mehr auf. Sehr eindrucksvoll.
LORIOT: „(…) Wir Wähler, wie wir hier sitzen, wir bestimmen unser Leben – wir bestimmen, wieviele Autos produziert werden, wieviele Campingwagen rumstehen, wir bestimmen, wieviele Büchsen auf der Straße liegen, wie sehr es stinkt oder wie sehr alles in Ordnung ist – wenn das keine Macht ist, weiß ich nicht. Und wenn das nicht politisch ist, dann ist mir auch nicht mehr zu helfen. Das ist Politik. Und darum muss ich den Vorwurf, nicht politisch zu sein, sehr ärgerlich und ernst zurückweisen.“
M. K.: „Satire, hast du gesagt, muss notwendigerweise immer destruktiv und zersetzend sein. „
LORIOT: „Ja. Es ist eine merkwürdige Erscheinung in unserem Land. Ich weiß nicht, wie es woanders ist – Worte wie ‚zersetzend‘ und ‚destruktiv‘ – denen haftet so etwas an wie Pestilenz und Teufel und ’negativ‘.“
M. K.: „‚Terrorist‘. Alles Synonym.“
LORIOT: „Terrorist, links, lange Haare und schlecht rasiert und so was. Dabei ist destruktiv etwas durchaus Positives, wenn das destruiert wird, was es gilt kaputt zu machen, weil es nicht in Ordnung ist.“
Ab der Stelle wird es richtig interessant. Einfach selber gucken.

03. April 2011

Es war kein Zufall, dass Farin in diesem schon etwas älteren Video eine kleine japanische Liebesgeschichte gespielt hat. Er hatte das Land immer wieder bereist und auch japanisch gelernt. Die Liebe zu Japan zeigte sich zuletzt in seiner ersten Ausstellung als Fotograf, die den Titel Kuroboshi trug. Es waren Bilder aus einem heilen Land. Seine Songs brechen an irgendeiner Stelle immer die fundamental darunter liegende Sentimentalität. Kaum lässt man sich elegisch auf die dargebotene Traurigkeit ein, kommt er mit einer aus trotzigem Überlebenstrieb geborenen Albernheit um die Ecke. Selbst wenn man gar nicht will, kann man dann ein kleines bißchen lachen, über die ganze verfahrene Situation. Kaum grinst man, bricht er die Albernheit wieder durch eine ernste Sequenz. Ich kenne niemand, der so etwas sonst praktiziert. Er ist schon einmalig. Sicher finden ihn einige einmalig albern, aber er ist für viele ein großer Mutmacher. Ich habe große Achtung vor ihm. Es muss schmerzhaft für ihn sein, zu sehen was in Japan geschieht.

01. April 2011

Max Deibert, 16 Jahre:
Die Moral ist im Arsch.

„(…) Wer Hausaufgaben macht, braucht ein Blatt Papier, eine Internetflatrate und einen Drucker. Nach fünf Minuten hat man einen Text von irgendeinem hobbylosen Vollidioten aus dem Netz kopiert und kann danach in aller Ruhe mit Freunden chatten oder Zombies töten. Dass hinter den Texten, die man mal eben kopiert, viel Mühe und Herzblut steckt, interessiert den Dieb wenig. (…) wie man zuletzt am Fall Guttenberg beobachten konnte. Dieser ist leider kein deprimierter Zehntklässler, der endlich eine Freundin haben will, sondern war unser Verteidigungsminister, ausgestattet mit einem Adelstitel, 30 Vornamen und einem Lächeln wie Florian Silbereisen. Werde ich beim Schummeln erwischt, habe ich nicht die Möglichkeit, nach Amerika zu reisen und meinen Papa das hier für mich regeln zu lassen. Auch würde mir die Bildzeitung nicht unterstützend unter die Arme greifen und von meinem Comeback fantasieren. (…)“
Auszüge aus dem Artikel „Die Moral ist im Arsch“ des 16-jährigen Berliner Schülers Max Deibert, erschienen im Berliner Tagesspiegel in der Rubrik „Schüler über Guttenberg“

01. April 2011


Einigermaßen überraschender Kommentar in der heutigen B.Z.:
German Angst.

„(…) Aber wie reagieren andere Nationen auf so etwas? Tanzen sie erst einmal Sirtaki, um die mediterrane Lässigkeit zu feiern? (…) „Typisch deutsch“: Dieser genervte Seufzer ist mir in letzter Zeit andauernd begegnet. Ausgestoßen wird er grundsätzlich von Deutschen, die ihre Landsleute wahnsinnig kleinkariert und peinlich finden. Sie selbst sind natürlich ganz anders, sonst würden sie ja nicht so darunter leiden …“Typisch deutsch“ – so wird zurzeit auch die neue Atomkraft-Debatte geschmäht. Über die Gefahren nachzudenken, wird als „German Angst“ belächelt. Während sich etwa die Franzosen die Laune nicht verderben lassen, nehmen die Deutschen das Unglück in Japan doch tatsächlich zum Anlass, ihr eigenes Konzept zu hinterfragen“ Stephanie Jungholt, B.Z. vom 01.04.11
[ durchaus.]

29. März 2011


Das Schiff war fertig am siebenten Tag bei Sonnenuntergang. Was immer ich hatte, lud ich darein: was immer ich hatte, lud ich darein an Silber, was immer ich hatte, lud ich darein an Gold, was immer ich hatte, lud ich darein an allerlei Lebenssamen: steigen ließ ich ins Schiff meine ganze Familie und die Hausgenossen, Wild des Feldes, Getier des Feldes.
Kaum, daß ein Schimmer des Morgens graute, stieg schon auf von der Himmelsgründung schwarzes Gewölk. Eragal reißt den Schiffspfahl heraus, Ninurta geht, läßt das Wasserbecken ausströmen, die Anunnaki hoben Fackeln empor, mit ihrem grausen Glanz das Land zu entflammen. Die Himmel überfiel wegen Adad Beklommenheit, jegliches Helle in Düster verwandelnd; das Land, das weite, zerbrach wie ein Topf. Einen Tag lang wehte der Südsturm. Eilte dreinzublasen, die Berge ins Wasser zu tauchen, wie ein Kampf zu überkommen die Menschen. Nicht sieht einer den andern, nicht erkennbar sind die Menschen im Regen.
Vor dieser Sintflut erschraken die Götter, sie entwichen hinauf zum Himmel des Anu. Die Götter kauern wie Hunde, sie lagern draußen. Es schreit Ischtar wie eine Gebärende, es jammert die Herrin der Götter, die schönstimmige: „Wäre doch jener Tag zu Lehm geworden, da ich in der Schar der Götter Schlimmes geboten! Wie konnte in der Schar der Götter ich Schlimmes gebieten, den Kampf zur Vernichtung meiner Menschen gebieten! Erst gebäre ich meine lieben Menschen, dann erfüllen sie wie Fischbrut das Meer! Die Anunnaki-Götter klagen mit ihr, die Götter sitzen da und weinen.
Sechs Tage und sieben Nächte geht weiter der Wind, die Sintflut, ebnet der Orkan das Land ein. Wie nun der siebente Tag herbeikam, schlug plötzlich nieder der Orkan die Sintflut, den Kampf, nachdem wie eine Gebärende sie um sich geschlagen. Ruhig und still ward das Meer, der böse Sturm war aus und die Sintflut. Ausschau hielt ich einen Tag lang, da war Schweigen ringsum, und das Menschengeschlecht war ganz zu Erde geworden Gleichmäßig war wie ein Dach die Aue. Da tat ich eine Luke auf, Sonnenglut fiel aufs Antlitz mir; da kniete ich nieder, am Boden weinend, über mein Antlitz flossen die Tränen.


1973
Nach Ufern hielt ich Ausschau in des Meeres Bereich: auf zwölfmal zwölf Ellen stieg auf eine Insel, zum Berg Nißir trieb heran das Schiff. Der Berg Nißir erfaßte das Schiff und ließ es nicht wanken; einen Tag, einen zweiten Tag erfaßte der Berg Nißir das Schiff und ließ es nicht wanken; einen dritten Tag, einen vierten Tag erfaßte der Berg Nißir das Schiff und ließ es nicht wanken; einen fünften und sechsten erfaßte der Berg Nißir das Schiff und ließ es nicht wanken. Wie nun der siebente Tag herbeikam, ließ ich eine Taube hinaus; die Taube machte sich fort und kam wieder: kein Ruheplatz fiel ihr ins Auge, da kehrte sie um. Eine Schwalbe ließ ich hinaus; die Schwalbe machte sich fort und kam wieder: kein Ruheplatz fiel ihr ins Auge, da kehrte sie um. Einen Raben ließ ich hinaus; auch der Rabe machte sich fort; da er sah, wie das Wasser sich verlief, fraß er, scharrte, hob den Schwanz – und kehrte nicht um.
Da ließ ich hinausgehn nach den vier Winden; ich brachte ein Opfer dar, ein Schüttopfer spendete ich auf dem Gipfel des Berges: sieben und abermals sieben Räuchergefäße stellte ich hin, in ihre Schalen schüttete ich Süßrohr, Zedernholz und Myrte. Die Götter rochen den Duft, die Götter rochen den wohlgefälligen Duft, die Götter scharten wie Fliegen sich um den Opferer. Sobald wie die Mach herzugekommen, hob sie die großen Fliegengeschmeide empor, die Anu ihr zum Vergnügen gemacht: „Ihr Götter hier, so wahr des Lasuramuletts an meinem Halse ich nicht vergesse, will ich die Tage hier, fürwahr, mir merken, daß ewig ihrer ich nicht vergesse! Die Götter mögen nur kommen zum Schüttopfer! Doch Enlil soll nicht kommen zum Schüttopfer, weil er unüberlegt die Sintflut machte und meine Menschen dem Verderben anheimgab.
Ea tat zum Reden den Mund auf und sprach zu Enlil, dem Helden: „O Held, du Klügster unter den Göttem! Ach, wie machtest unüberlegt du die Sintflut?! Seine Sünde leg auf dem Sünder! Seinen Frevel leg auf dem Frevler! Lockere, daß nicht ganz abgeschnitten werde; Ziehe hin, daß nicht getötet werde! Statt daß eine Sintflut du machst, mag ein Löwe aufstehen, die Menschen zu mindern! Statt daß eine Sintflut du machst, mag ein Wolf aufstehen, die Menschen zu mindern! Statt daß eine Sintflut du machst, mag eine Hungersnot gesandt werden, das Land zu fällen! Statt daß eine Sintflut du machst, mag Era aufstehen, die Menschen zu erwürgen! Nicht aber enthüllt‘ ich der großen Götter Geheimnis! Den Hochgescheiten ließ ich schaun einen Traum! So vernahm er der Götter Geheimnis; schaffet nun für ihn Rat!“
Da hat Enlil das Schiff bestiegen, meine Hand gefaßt, mich einsteigen lassen, lassen einsteigen, knien mein Weib neben mir, hat berührt unsre Stirn, zwischen uns stehend, uns segnend: „Ein Menschenkind war zuvor Utnapischtim; uns Göttern gleiche fortan Utnapischtim und sein Weib! Wohnen soll Utnapischtim fern an der Ströme Mündung!“ Da nahmen sie mich und ließen mich fern an der Ströme Mündung wohnen.


[ Fragmente des Gilgamesch-Epos / 11. Tafel. 2100 – 600 v. Chr. aus dem Raum Babylonien bis Kleinasien überliefert, von Prof. Dr. Albert Schott übersetzt und in das von ihm vermutete Versmaß gesetzt. ]

28. März 2011


Samstag bei die Demo
Da lacht er, der Jürgen. Angela Merkel ist am 17. Juli 1954 geboren. Jürgen Trittin acht Tage später, am 25. Juli 1954. Ich finde, jetzt können mal die jüngeren ran. Außerem habe ich Angela Merkel noch nie bei einem Patti Smith-Konzert getroffen. Ihn schon. Er wurde auch nicht hingeschleppt, sondern ist aus freien Stücken hingegangen. Patti-Smith-Kompetenz ist letztlich die Schlüsselqualifikation für einen vertrauenswürdigen Volksvertreter. Er ist übrigens ziemlich groß. Nicht nur im Reden halten. Politiker sollten nicht nur geistig attraktiv sein. Bin ich streng!

28. März 2011


Samstag bei die Demo
Da lacht er, der Jürgen. Angela Merkel ist am 17. Juli 1954 geboren. Jürgen Trittin acht Tage später, am 25. Juli 1954. Ich finde, jetzt können mal die jüngeren ran. Außerem habe ich Angela Merkel noch nie bei einem Patti Smith-Konzert getroffen. Ihn schon. Er wurde auch nicht hingeschleppt, sondern ist aus freien Stücken hingegangen. Patti-Smith-Kompetenz ist letztlich die Schlüsselqualifikation für einen vertrauenswürdigen Volksvertreter. Er ist übrigens ziemlich groß. Nicht nur im Reden halten. Politiker sollten nicht nur geistig attraktiv sein. Bin ich streng!

26. März 2011

Zwölf Uhr zehn Berlin – das Schild sitzt:


Atomkraft bu!!!
Solarenagie ja jippi

Ich liebe zwar nicht alle Kinder, aber alle Schilder, die Kinder malen. Das rechts von der Schrift sind übrigens nicht die Füße von dem flüchtenden deutschen Adler oder von Donald Duck, wie ich zuerst gedacht habe, sondern Daumen runter und Daumen rauf. Ist ja logisch, eigentlich.

26. März 2011

Zwölf Uhr zehn Berlin – das Schild sitzt:


Atomkraft bu!!!
Solarenagie ja jippi

Ich liebe zwar nicht alle Kinder, aber alle Schilder, die Kinder malen. Das rechts von der Schrift sind übrigens nicht die Füße von dem flüchtenden deutschen Adler oder von Donald Duck, wie ich zuerst gedacht habe, sondern Daumen runter und Daumen rauf. Ist ja logisch, eigentlich.

22. März 2011


Ach stimmt, jetzt fällt mir der Name dazu ein. Das war Werner Sonne. Wenn man sich so vom Fernsehangebot zurückgezogen hat wie ich, hat man mitunter noch alte, haften gebliebene Profilbilder im Kopf. Profile, mit denen ich mich nie eingehend genug beschäftigt habe, um heute noch sofort unzweifelhaft den Namen zuordnen zu können. Wie Luc Jochimsen. Vor fünfundzwanzig Jahren vielleicht schon. Aber gestern wusste ich nicht gleich wohin. Das Gesicht ist zwar sehr bekannt, wie ein Stempel auf der inneren Festplatte eingraviert, aber mir fielen bei mehreren Gästen falsche oder gar keine Namen ein. Ich dachte bei ihr an Liz Mohn, aber die hat ja eine ganz andere Frisur und sieht auch überhaupt in jeder Hinsicht anders aus, aber halt auch ein Kaliber, gesellschaftlich. Wahrscheinlich dazu das innere Bild des dreibuchstabigen Vornamens, der mit einem L anfängt. Gerade gesehen, dass Luc Jochimsen inzwischen Parteipolitik macht. Für die Linke. Ich bin halt nicht auf dem Laufenden. Auf jeden Fall ist sie ein Hingucker. Man glaubt noch die Aura der Ära der Siebziger zu spüren, die vermutlich eine starke Spur hinterlassende Zeit für sie war. So ein Gefühl, Kontinuität des Augen-Make ups. Werner Sonne könnte als Dressman für die Zielgruppe extrem agiler Senioren durchgehen. Obwohl das Wort Senioren schon viel zu ältlich klingt. Ganz hervorragende Körperspannung, Vorbildcharakter. Und dann diese unglaublich sitzende, perfekt geschnittene silberweiße, geföhnte Frisur. Man muss sich zwingen, nicht hinzugucken. Der ästhetische Zwang war beim Rest der Gäste geringer, obwohl sie eher jünger waren. Aber was heißt das schon. Jünger ist im Zweifel sowieso immer langweiliger. Es sei denn so ein junges Wesen ist auf eine besondere Art rasant visionär, ansteckend lebenshungrig und versprüht sein Feuerwerk in alle Himmelsrichtungen. Aber das gibt es nicht so oft. Und wenn, findet man es auch noch in späteren Jahren. Ich bin der beste Beweis. Ha! Übrigens gestern nur einmal aus einem Glas, das nicht einmal meines war, einen halben Schluck Rotwein versucht, gekostet, nur testweise, ob etwas passiert, vielleicht Interesse an einem zweiten Schluck. Nicht einmal in die geringste Versuchung gekommen. Ich meine: es gab keinen inneren Kampf, es erschien mir einfach nur attraktiver, einen klaren, leichten Kopf zu behalten. Aber die anderen haben sich ordentlich bedient. Dafür habe ich zwei von den wunderbaren Jubiläumszeitungen fürs ewige Archiv mitgenommen. Sieht man auch auf den Bildern, später irgendwann. Demnächst in diesem Theater. Ach ja, das da oben ist kein Bild von gestern, so ekstatisch war ich unter dem Einfluss des Sprudelwassers dann ja doch nicht. Gibt aber ein paar andere schöne Bilder, auf denen auch nicht geweint wird. Das war Ende August in der Villa am Wannsee, als Angela Winkler beim Suhrkamp-Fest ein paar Lieder sang. Das ist mir nur heute in die Hände gefallen, weil einer in meinem Flickr-Account herumgeguckt hat und das zu seinen Favoriten geklebt hat. Ein mir völlig unbekannter Mensch. Eigentlich fast schon pervers, dass sich Wildfremde intensiver mit Bildern von mir befassen, als sämtliche Menschen, die ich je wirklich kannte. Verrückte Welt. Ganz und gar. Verdreht. Gaga. Denke eben noch beim Durchlesen, wenn Jan das liest, der gestern auch dabei war, kommt er vielleicht wieder mit dem Spruch, ich könnte eigentlich eine gute Gesellschaftsreporterin abgeben, so Richtung Gala und Bunte. Dann muss ich immer lachen und zeige ihm einen Vogel, obwohl er natürlich recht hat. Das Problem ist nur, ich hätte keine Lust, das ohne Unterlass zu betreiben, eben halt nur nach Lust und Laune und das wird wohl keine Redaktion befriedigen. Dann bleibe ich lieber die fotografierende Berliner Patti Smith, wie mich gestern einer der anwesenden, schwer bewaffneten Fotografen getauft hat. Und die macht ja bekanntlich, was sie will.

23. März 2011


Ende letzter Woche antwortete ich einer Freundin, wir haben uns sehr lange nicht gesehen, auf eine nachfragende Mail, in der sie mir einen Gruß sandte. Wie ich es in der letzten Zeit meistens mache, versuchte ich mich dafür zu entschuldigen, dass ich mich im Moment nicht in der Lage fühlte, mich zu treffen, mit anderen. Besser gesagt, es ist für mich tatsächlich einfacher, flüchtigen Bekannten bei einer Feier wie vorgestern im Einstein zu begegnen, die kein ernsthaftes, aufrichtiges und vertrauensvolles Gespräch von einem erwarten. Nichts muss erklärt werden, erzählt werden. Obwohl es dadurch auch banal ist, ist es angenehmer, dass an nichts gerührt wird…
(…) Du bist also immer noch da, und ich hab dich immer noch nicht dort besucht. Viel ist passiert, viel Aufregendes und auch viel Trauriges. Im Moment bin ich sehr zurückgezogen, auch wegen des furchtbaren Unglücks in Japan, das uns ja alle betrifft und noch viel mehr betreffen wird, sehr traurig. Ich staune, dass man bei manchen Menschen das Gefühl hat, sie glauben, dass sie aufgrund der Entfernung nicht betroffen sind. Als ob die Strahlung nicht durch die Gewässer und die Wolken und den Regen über die Erde verteilt wird. Ich muss auch gerade ein paar private Verluste verarbeiten, über die es mir schwer fällt zu sprechen. Deswegen bin ich nicht so recht in Stimmung zum Plaudern, was aber nicht immer so bleiben wird. (…)
Das schrieb ich ihr unter anderem. Ich musste gerade daran denken, dass es tragisch ist, wenn man gerade damit beschäftigt war, unter anderem herauszufinden, welche Nahrung man idealerweise für den eigenen Organismus wählt, um Belastungen und Abwehrreaktionen möglichst gering zu halten, trotz der vielfältigen Mutationen, Manipulationen in der Erzeugung. Und nun stehen wir alle vor der Frage, wie wir die schleichende Kontamination der Nahrung und des Wassers mit der im Augenblick noch nicht ganz für uns greifbaren Radioaktivität aus dem Unglücksherd in Japan umgehen. Wie kann man die Gewässer der Welt schützen, diese unfassbar große Verkettung. Die Wolken, der Regen, die Winde. Das Grundwasser. Es gibt ja keine Schutzmauer. Kann man den Erdboden des havarierten Kraftwerks unterhöhlen und versiegeln, und wer soll das wann tun? Mit Beton und Sand von unten und oben, irgendwann, später, wenn schon alles durchtränkt davon ist, das ganze Land dort und über die Grenzen hinaus. Ach… Eine gigantische Käseglocke aus Blei darüber, zwei Kilometer hoch? Oder eine riesige Stahlröhre ins All, durch die die Strahlung abgeleitet wird, oder der Dreck ins Weltall katapultiert? Ins All, das Unendliche? Wie werden wir das nur wieder los. Ich glaube, durch dieses Unglück müsste auch der Letzte begriffen haben, dass die alten Brennstäbe sehr, sehr lange noch weiter aktiv sind, umso mehr, je geringer die künstliche Kühlung von außen ist. Das wird einem jetzt wie im Schulbuch vor Augen geführt. Ich kann den Satz „Reaktor XY hat wieder Strom“ nicht mehr hören. Was hat denn da Strom? Da wurde irgendeine Starkstromleitung gelegt, die sich zwar lokalisiert „am“ Reaktor XY befindet, aber nicht an ihn angeschlossen werden kann, weil da ja alles hinüber ist, wie wir mit jeder neuen Meldung lernen, wenn es auch nebulös verscheiernd offen gehalten wird. Bis jetzt konnte noch kein Reaktor-immanentes Kühlsystem wieder aktiviert werden, wenn ich das richtig herausgelesen habe. Aber das haben ja auch sicher schon andere außer mir begriffen, dass die Kühlversuche von außen der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein sind. Ach. Aber genug für heute jetzt dazu. Ich muss jetzt schlafen gehen, weil morgen früh aufstehen.
Gute Nacht aus Berlin.

22. März 2011


Ach stimmt, jetzt fällt mir der Name dazu ein. Das war Werner Sonne. Wenn man sich so vom Fernsehangebot zurückgezogen hat wie ich, hat man mitunter noch alte, haften gebliebene Profilbilder im Kopf. Profile, mit denen ich mich nie eingehend genug beschäftigt habe, um heute noch sofort unzweifelhaft den Namen zuordnen zu können. Wie Luc Jochimsen. Vor fünfundzwanzig Jahren vielleicht schon. Aber gestern wusste ich nicht gleich wohin. Das Gesicht ist zwar sehr bekannt, wie ein Stempel auf der inneren Festplatte eingraviert, aber mir fielen bei mehreren Gästen falsche oder gar keine Namen ein. Ich dachte bei ihr an Liz Mohn, aber die hat ja eine ganz andere Frisur und sieht auch überhaupt in jeder Hinsicht anders aus, aber halt auch ein Kaliber, gesellschaftlich. Wahrscheinlich dazu das innere Bild des dreibuchstabigen Vornamens, der mit einem L anfängt. Gerade gesehen, dass Luc Jochimsen inzwischen Parteipolitik macht. Für die Linke. Ich bin halt nicht auf dem Laufenden. Auf jeden Fall ist sie ein Hingucker. Man glaubt noch die Aura der Ära der Siebziger zu spüren, die vermutlich eine starke Spur hinterlassende Zeit für sie war. So ein Gefühl, Kontinuität des Augen-Make ups. Werner Sonne könnte als Dressman für die Zielgruppe extrem agiler Senioren durchgehen. Obwohl das Wort Senioren schon viel zu ältlich klingt. Ganz hervorragende Körperspannung, Vorbildcharakter. Und dann diese unglaublich sitzende, perfekt geschnittene silberweiße, geföhnte Frisur. Man muss sich zwingen, nicht hinzugucken. Der ästhetische Zwang war beim Rest der Gäste geringer, obwohl sie eher jünger waren. Aber was heißt das schon. Jünger ist im Zweifel sowieso immer langweiliger. Es sei denn so ein junges Wesen ist auf eine besondere Art rasant visionär, ansteckend lebenshungrig und versprüht sein Feuerwerk in alle Himmelsrichtungen. Aber das gibt es nicht so oft. Und wenn, findet man es auch noch in späteren Jahren. Ich bin der beste Beweis. Ha! Übrigens gestern nur einmal aus einem Glas, das nicht einmal meines war, einen halben Schluck Rotwein versucht, gekostet, nur testweise, ob etwas passiert, vielleicht Interesse an einem zweiten Schluck. Nicht einmal in die geringste Versuchung gekommen. Ich meine: es gab keinen inneren Kampf, es erschien mir einfach nur attraktiver, einen klaren, leichten Kopf zu behalten. Aber die anderen haben sich ordentlich bedient. Dafür habe ich zwei von den wunderbaren Jubiläumszeitungen fürs ewige Archiv mitgenommen. Sieht man auch auf den Bildern, später irgendwann. Demnächst in diesem Theater. Ach ja, das da oben ist kein Bild von gestern, so ekstatisch war ich unter dem Einfluss des Sprudelwassers dann ja doch nicht. Gibt aber ein paar andere schöne Bilder, auf denen auch nicht geweint wird. Das war Ende August in der Villa am Wannsee, als Angela Winkler beim Suhrkamp-Fest ein paar Lieder sang. Das ist mir nur heute in die Hände gefallen, weil einer in meinem Flickr-Account herumgeguckt hat und das zu seinen Favoriten geklebt hat. Ein mir völlig unbekannter Mensch. Eigentlich fast schon pervers, dass sich Wildfremde intensiver mit Bildern von mir befassen, als sämtliche Menschen, die ich je wirklich kannte. Verrückte Welt. Ganz und gar. Verdreht. Gaga. Denke eben noch beim Durchlesen, wenn Jan das liest, der gestern auch dabei war, kommt er vielleicht wieder mit dem Spruch, ich könnte eigentlich eine gute Gesellschaftsreporterin abgeben, so Richtung Gala und Bunte. Dann muss ich immer lachen und zeige ihm einen Vogel, obwohl er natürlich recht hat. Das Problem ist nur, ich hätte keine Lust, das ohne Unterlass zu betreiben, eben halt nur nach Lust und Laune und das wird wohl keine Redaktion befriedigen. Dann bleibe ich lieber die fotografierende Berliner Patti Smith, wie mich gestern einer der anwesenden, schwer bewaffneten Fotografen getauft hat. Und die macht ja bekanntlich, was sie will.

20. März 2011

Denkzettel […]

Ich gedenke, vor Mitternacht die Bettruhe zu suchen. Das ist der Gesamtkonstitution und auch dem Teint zuträglich. Eventuell noch ein Glas Fliederbeersaft und eine Tasse Nerventee. Möglicherweise kommt es sogar zum Äußersten und ich ziehe morgen Absatzschuhe und transparente Strümpfe an, das erfordert eine gewisse Konstitution. Aber nichts Genaues weiß man nicht. Morgen um zwanzig Uhr siebzehn betritt der Mond das Tierkreiszeichen Skorpion.
Sie wissen ja, ich habe angelegentlich diesen Tick, und hänge nach Lust und Laune der Sternendeutung an. Mal so, mal so! Im Kalendarium ist außerdem Frühlingsanfang vermerkt. Und da dachte ich so bei mir: geh doch mal wieder unter Leute, wo du eigens so eine schöne Einladung von Herrn Gerald erhalten hast. Es wird einem ja immer von allen Seiten geraten, aber ich zeige mich da etwas schwierig. Offen gestanden bin ich etwas aus der Übung in gesellschaftlichen Dingen und fühle mich daher gehemmt. Auch bin ich oft unsicher, ob ich einen wertvollen Beitrag zum Gespräch leisten kann. Häufig musste ich feststellen, dass ich den im Gespräch verhandelten Belangen bislang keinerlei Interesse entgegengebracht hatte, was mir demzufolge keinen konstruktiven Gesprächsbeitrag erlaubt. Also bleibe ich oft lieber gleich zu Hause und sorge damit für einen ungestörten Gesprächsablauf.
Meine Teilnahme an der Kundgebung da unlängst, beim Bundeskanzlerpalast, gegen diese unappetitliche Atomkraftsache war zwar auch ein gesellschaftlicher Anlass, aber doch mehr eine repräsentative Verpflichtung. Ich weiß schließlich, was von mir erwartet wird, und das kann man auch von mir erwarten. Ich musste einfach nur auffällig herumstehen und das kann ich schon von jeher gut. Geredet haben die anderen, also die Leute. Demzufolge hatte ich kein Problem, bin dann aber zeitig wieder heimwärts.
Da nun aber der Caféhausbesitzer vom Café Einstein Unter den Linden ein besonders warmherziger Gastgeber ist, der es mit seiner besonderen Art versteht, mir meine angeborenen Hemmungen zu nehmen, habe ich mich entschieden, eine Ausnahme zu machen und meine Teilnahme am großen Geburtstagsfest entrichtet. Auch sind die gebotenen Speisen und Getränke sowie die anderen geladenen Gäste stets von hervorragender Qualität. Das wollen mir allerlei gute Gründe scheinen. Daher! Oh, schon spät! Gute Nacht.

19. März 2011

[…]
Vor ein paar Tagen standen unter dem ersten Eintrag, den ich da oben verlinkt habe, der mit dem c’est la vie, noch ungefähr die Worte „ich hätte auf der Stelle kotzen können“. Ich fand diese Reaktion und den Zusatz in seiner leider einsamen Art und Weise angemessen. Von wegen „Lage in Kraftwerk stabilisiert. Am Sonntag könnte wieder Strom in die Reaktoren fließen“. Könnte. In das Kühlsystem, das in dem infernalischen Szenario durch ein irrwitziges Wunder intakt geblieben sein soll? Und dann? Krabbelt einer durch den Schrott und versiegelt den zerfressenen Boden, damit der Dreck nicht weiter das Grundwasser verseucht? Mit höchst wackeligen Aktionsplänen unwägbaren Ausgangs falsche Hoffnungen schüren und das Volk ruhig halten. Lage stabilisiert. Dass ich nicht lache weine. Als läge unter dem Leichentuch des hochverstrahlten Schrotthaufens nur ein leicht mitgenommener Patient mit ein paar leichten Kratzern und ansonstem stabilem Kreislauf. Alles halb so schlimm. Ging ja noch mal gut. Es soll ja auch Menschen geben, die an Osterhasen glauben. Opium für’s Volk. Hoch die Tassen, Verstand versaufen. Ich könnte kotzen.

P.S. auch sehr passend dazu: zu dem Vorfall, dass vor wenigen Tagen Tausende von Litern radioaktiv verseuchten Wassers aus einem Leck eines kanadischen Atomreaktors in den Ontario-See geflossen sind, findet der Sprecher der Betreibergesellschaft, wie könnte es anders sein, salbungsvolle Worte der Beschwichtigung: „Der Vorfall habe aber nur „vernachlässigenswerte Auswirkungen auf die Umwelt und keine Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen“, hieß es in einer Erklärung des Kraftwerksbetreibers Ontario Power.“ Schon klar.

19. März 2011

Und jetzt auch noch Knut. Weiß nicht, irgendwie passt das alles. Schon so traurig der Anfang seines Lebens, von der Mama abgelehnt. Sein Pfleger so plötzlich gestorben. Einsames Eisbärenleben. Ist bestimmt schöner im Eisbärenhimmel, auch ohne Eistorte. Ich hab ihn damals auch einmal besucht. Und einen kleinen Stofftier-Eisbären gekauft. Die Berliner Abendschau hatte dann ein Blog für ihn eingerichtet, wo jeden Tag erzählt wurde, so geschrieben, als würde er selbst erzählen, was er neues erlebt hat. Ich hab auch mal was gebloggt über ihn, so eine kleine Liebeserklärung. Deswegen hat er mich dann auf seine Blogroll genommen. Mann, waren das auf einmal viele Zugriffe, über die Knut-Blogroll. Mir wurde ganz schwindelig, als ich in die Statistik guckte. Das hat sich dann alles bald beruhigt. Wie es oft so ist. Knut wurde ein großer, nicht mehr ganz so tapsiger Spielzeug-Bär, aber tauchte immer noch in der Zeitung auf. Wenn er Geburtstag hatte. Hoffentlich wird er nicht ausgestopft. Mir ist das ein bißchen unheimlich. Es gibt im Naturkundemuseum in Berlin einen ausgestopften kleinen Elefanten, der war auch so ein Popstar, aber irgendwie macht mich das traurig, weil die Tiere keine richtige Totenruhe haben. Ich weiß jetzt auch kein gutes Ende für diesen kleinen Gedenktext und will nur sagen, dass ich jetzt auch deswegen ein bißchen noch mehr traurig bin, als sowieso schon.

19. März 2011

[…]
Vor ein paar Tagen standen unter dem ersten Eintrag, den ich da oben verlinkt habe, der mit dem c’est la vie, noch ungefähr die Worte „ich hätte auf der Stelle kotzen können“. Ich fand diese Reaktion und den Zusatz in seiner leider einsamen Art und Weise angemessen. Von wegen „Lage in Kraftwerk stabilisiert. Am Sonntag könnte wieder Strom in die Reaktoren fließen“. Könnte. In das Kühlsystem, das in dem infernalischen Szenario durch ein irrwitziges Wunder intakt geblieben sein soll? Und dann? Krabbelt einer durch den Schrott und versiegelt den zerfressenen Boden, damit der Dreck nicht weiter das Grundwasser verseucht? Mit höchst wackeligen Aktionsplänen unwägbaren Ausgangs falsche Hoffnungen schüren und das Volk ruhig halten. Lage stabilisiert. Dass ich nicht lache weine. Als läge unter dem Leichentuch des hochverstrahlten Schrotthaufens nur ein leicht mitgenommener Patient mit ein paar leichten Kratzern und ansonstem stabilem Kreislauf. Alles halb so schlimm. Ging ja noch mal gut. Es soll ja auch Menschen geben, die an Osterhasen glauben. Opium für’s Volk. Hoch die Tassen, Verstand versaufen. Ich könnte kotzen.

P.S. auch sehr passend dazu: zu dem Vorfall, dass vor wenigen Tagen Tausende von Litern radioaktiv verseuchten Wassers aus einem Leck eines kanadischen Atomreaktors in den Ontario-See geflossen sind, findet der Sprecher der Betreibergesellschaft, wie könnte es anders sein, salbungsvolle Worte der Beschwichtigung: „Der Vorfall habe aber nur „vernachlässigenswerte Auswirkungen auf die Umwelt und keine Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen“, hieß es in einer Erklärung des Kraftwerksbetreibers Ontario Power.“ Schon klar.

19. März 2011

Vierzig Kilometer von Wien entfernt liegt das Dörfchen Zwentendorf, in dem Österreichs einziges Atomkraftwerk steht, baugleich mit Fukushima. Der Widerstand der Bevölkerung provozierte einen Volksentscheid am 5. November 1978, der zugunsten der AKW-Gegner ausfiel. Das fertig gebaute Kraftwerk wurde nie in Betrieb genommen. Österreich hat ein Atomsperrgesetz („Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich“) erlassen. Das unbenutzte Kraftwerk kann bis in den Reaktor-Kern besichtigt werden und dient zu Schulungszwecken für Ingenieure (es gibt in Deutschland fünf baugleiche Kraftwerke). Auf dem Gelände befindet sich mittlerweile eine Photovoltaik-Anlage, die Sonnenenergie produziert und zugleich ein Forschungsprojekt darstellt, in dem getestet wird, welche Solarzellen-Paneele am effizientesten für die Bedingungen in Österreich sind.
Ich habe gestern eine äußerst sehenswerte ORF-Dokumentation über die Historie des Widerstands in den siebziger Jahren in Zwentendorf gefunden, hier in vier Teilen zu sehen:

„Die Akte Zwentendorf „

[ Teil 1 ] [ Teil 2 ] [ Teil 3 ] [ Teil 4 ]

19. März 2011

Vierzig Kilometer von Wien entfernt liegt das Dörfchen Zwentendorf, in dem Österreichs einziges Atomkraftwerk steht, baugleich mit Fukushima. Der Widerstand der Bevölkerung provozierte einen Volksentscheid am 5. November 1978, der zugunsten der AKW-Gegner ausfiel. Das fertig gebaute Kraftwerk wurde nie in Betrieb genommen. Österreich hat ein Atomsperrgesetz („Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich“) erlassen. Das unbenutzte Kraftwerk kann bis in den Reaktor-Kern besichtigt werden und dient zu Schulungszwecken für Ingenieure (es gibt in Deutschland fünf baugleiche Kraftwerke). Auf dem Gelände befindet sich mittlerweile eine Photovoltaik-Anlage, die Sonnenenergie produziert und zugleich ein Forschungsprojekt darstellt, in dem getestet wird, welche Solarzellen-Paneele am effizientesten für die Bedingungen in Österreich sind.
Ich habe gestern eine äußerst sehenswerte ORF-Dokumentation über die Historie des Widerstands in den siebziger Jahren in Zwentendorf gefunden, hier in vier Teilen zu sehen:

„Die Akte Zwentendorf „

[ Teil 1 ] [ Teil 2 ] [ Teil 3 ] [ Teil 4 ]

11. März 2011

Die unbekannten Leser. In irgendeinem jüngeren Lied bezeichnet sich Wolf Biermann als Legende ohne Totenschein, wie er da so durch altvertraute Straßen um den Hackeschen Markt schlendert, sich zurück erinnert. Als ihm die Ecke Heimat war. An sich gefällt mir das Prinzip, die eigene Legende noch beobachten, reflektieren und kommentieren zu können besser. Besser, als von einer Wolke erste und zugleich letzte kondolierende Kommentare zu entziffern. Man braucht dann ja auch ein gutes Fernrohr. Öffentlich gemachte schwere Körperkrankheiten mit dem Risikopotenzial kurzfristigen Ablebens sind geeignet, die Zunge zu lösen. Hingegen öffentlich gemachte gute Körpergesundheiten mit dem Risikopotenzial langfristigen Weiterlebens sind eher geeignet, unkommentiert zu verpuffen. Wobei ich persönlich inzwischen mehr daran interessiert bin, zu erfahren, wie es sich im Detail anfühlt, mit sehr gesunden Zellen ein dreistelliges Geburtstagsjubiläum vorzubereiten.
Allerdings gebe ich zu, dass ich intensive Lesephasen mit autobiographischen Büchern hatte, die dramatische Krankheiten zu Gegenstand hatten. Alle denkbaren Ängste inbegriffen, die solche Menschen durchstehen. Eigentlich war aber nur ein Buch dabei, das tödlich endete. Zwangsläufig aus der Perspektive einer Beobachtenden geschrieben, nur indirekt Betroffenen. Es war Isabel Allendes Paula, über den langen Tod ihrer Tochter. Sehr bewegendes Buch. Die anderen Krankengeschichten gingen gut aus, soweit ich mich erinnere. Mut machend. Eines ist mir besonders in Erinnerung, irgendwann ausgeliehen in einer Bücherei. Den Titel habe ich vergessen. Es ging um eine Frau mit einer Brustkrebserkrankung. Nach der Operation, in ihrem Fall eine Amputation, ließ sie sich eine Rose auf die lange Narbe tätowieren und sich wie eine Amazone ablichten. Schöne, starke Geste. Wie kommt es, wie kam es, dass du dich so stark damit beschäftigst, fragte mich Jan vorhin am Telefon. Er meinte diese geradezu wissenschaftlich akribische Beschäftigung mit der Wirkkraft der Nahrung, aus denen die nächsten Zellen gebildet werden. Ich sagte, es läge unter anderem daran, dass ich zunehmend mit Krankheitsbildern konfrontiert bin, bei Menschen meiner Generation, die mich erschrecken. Wohlstandsverwahrlosung. Ein selbstkritisches Reflektieren, wo man immer noch in übernommenen Traditionen verhaftet sein könnte, die einem nicht gut tun. Und das sind oder besser waren, trotz jahrzehntelanger, vermeintlich autonomer, eigenmächtiger Entscheidungen, viele. Sehr viele. Die zu hinterfragende Tradition gutbürgerlicher, mitteleuropäischer Ernährungsweise, dem Nutzen ihrer Bestandteile, abgesehen von hedonistischen Genusserwägungen.

Interessante Situation heute. Eine Einladung zu einem Frühstück, die ich wegen der Konstellation der Gäste wahrnahm. Es gab sehr liebevoll zubereitete Häppchen mit feinen Belägen. Eine Vanille-Joghurt-Creme mit Pflaumen, Obstspießchen. Ich bestellte einen Cappuccino und sondierte, was für mich dabei wäre. Als ich darum bat, sich bitte nicht zu wundern, wenn ich von dem und dem nichts essen würde, weil soundso, bekam ich dieselbe freundlich respektvolle Reaktion wie die anderen Male im Laufe des letzten Jahres, als ich offenbarte, dass ich bestimmte Substanzen nicht mehr esse, weil nach dreißig Jahren Leiden beschwerdefrei. Interessant auch zu sehen, wie bekannt oder unbekannt dieses bislang durch keine prominente Untersuchung* bei mir nachweisbare Phänomen** ist, das ich seit geraumer Zeit an mir studiere.
*) Patientin (Allergietest-Profi) = Besitzerin eines in Anbetracht der Realität in vielerlei Hinsicht widersprüchlichen „Allergiepasses“, der keine diesbezügliche Unverträglichkeit ausweist, dafür vorgeblich andere, die ich zum größten Teil noch nie bei mir beobachten konnte.
**) Asthma, Heuschnupfen, Herzrhythmusstörungen, Migräne weg.

16. März 2011


„Meine Frau hat nur gefragt: „Was willst Du denn da machen?“, erzählt er. Ganz genau habe er das zu diesem Zeitpunkt selbst nicht gewusst. Aber er wollte helfen, irgendwie. (…) „Wir hatten genug Medikamente und Material dabei, um eine Gruppe von 2000 bis 3000 Menschen 14 Tage lang behandeln zu können.“ Aber so weit kam es gar nicht. Schon am Flughafen war Schluss für den Katastrophenmediziner. Es habe einfach keine Möglichkeit gegeben, die Unglücksregion überhaupt zu erreichen, erzählt der 72-Jährige. Außerdem hatte sich die Lage an den Atomreaktoren während des langen Flugs deutlich zugespitzt. „Man hätte Schutzanzüge und Masken haben müssen, aber die hatten wir nicht.“ (…) Überall liefen Fernseher mit den Berichten über die sich zuspitzende Lage in den Atomreaktoren. „Irgendwann mussten wir uns dann eingestehen: Das hat keinen Sinn.“ Nach 72 Stunden auf dem Flughafen von Tokio reiste der Tübinger Arzt nach Deutschland zurück. Enttäuscht sei er, weil er nicht helfen konnte.
dpa

12. März 2011

Angesichts dieser unkontrollierbaren Kettenreaktion plutonischer Zerstörung regt mich das noch vor einigen Stunden verlautbarte, systematisch beschwichtigende „äußerstenfalls“ sei mit einer Kernschmelze zu rechnen“ von Röttgen auf (für später lesende Generationen: das war damals der deutsche Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit). Äußerstenfalls aber keinesfalls schlimmer. Die berechneten Feinheiten der Beschwichtigungssprache. Na dann.
Furchtbar alles. Die japanischen Behörden haben inzwischen die Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima bestätigt. Ich erinnere mich an 1986, als der Kern im Reaktor von Tschernobyl geschmolzen war. Wir sind vergleichsweise mit einem blauen Auge davon gekommen. Das war immer der Hauptkritikpunkt an dieser Form der Energiegewinnung, die Unkontrollierbarkeit im Zerstörungsfall. Vielleicht denken immer noch einige, in Deutschland und den umliegenden Ländern wären die Sicherheitskontrollen akribisch genug, dass man von hundertprozentiger Sicherheit ausgehen könnte. Nun ist das aber in einem Land passiert, das für einen führenden High Tech Standard steht. Gegen Erdbeben und Tsunamis hilft aber leider keine Disziplin der Welt. Vielleicht denken einige bei der nächsten Wahl neu darüber nach, ob man Parteien unterstützen kann, die diese Form der Energiegewinnung unverändert tolerieren.
Davon abgesehen erschüttert. Ich blogge im Augenblick ja nicht mehr so dicht, dahinter steht keine besondere Absicht, aber irgendwie will man doch seiner Anteilnahme, Bestürzung Ausdruck verleihen. Ich war noch nie in Japan, noch nie in Asien. Mein Interesse an dieser Erdregion ist erst in den letzten Jahren gewachsen. Auch eine Bewunderung für Teile der Kultur, die oft so schönen, friedliebenden Menschen. Eine bestimmte verfeinerte Anmut, die Menschen aus Asien in einem besonderen Maß haben. Viel mehr als wir hier. Was mir so alles durch den Kopf geht gerade. Schmerzhafte, plutonische Zerstörung.

16. März 2011

Montag vor dem Kanzleramt. Fast in Wowi gerannt. Wie ein gemütlicher Bär guckt er in die Runde der Mikrofonhalter und sagt ungemütliche Sachen. Auf dem Hinweg noch schnell den Ausweis griffbereit in der Brusttasche der Lederjacke deponiert. Hätte ja sein können, dass Personalien aufgenommen werden wollen, so wie früher. Das neue Dunkelblau steht ihnen gut, den Berliner Polizisten. Auch die Mützen sehen fescher aus. Irgendwie mehr wie eine königliche Wache. Freundlich nickend und ruhig stehen sie abseits im Hintergrund. Alles friedlich. Zwei schwer bewaffnete Fotografen gehen auf einmal in die Hocke und knattern los, wie man das nur kennt, wenn der Star des Abends den Raum betritt. Ein kleines Kind. Ich sehe zuerst nur den Rücken. Auf dem kleinen Anorak klebt ein DIN A 4-Blatt mit der Atomkraft-Nein Danke-Sonne. Drumherum so asiatische Zeichen statt der bekannten Buchstaben. Atomkraft Nein Danke auf Japanisch, denke ich. Das Kind sieht ein bißchen asiatisch aus. Ich frage die Mama, ob das denn wirklich Japanisch ist? Sie lacht und meint: „Ja, das ist Japanisch. Und das Kind auch.“ Dann erkenne ich, dass sie auch ein asiatisches Gesicht hat. Wegen der großen Mütze und den eher hellen Haaren habe ich es nicht sofort erkannt.

Später, auf dem Nachhauseweg Christian Ströbele lieber nicht beim Telefonieren gestört, obwohl er gerade besonders fotogen versteckt mit seinem Fahrrad hinter dem geparkten ARD-Hauptstadtstudio-Auto stand und mich immer noch jedesmal an Mick Jagger erinnert. Da an der Kreuzung zur U-Bahn Bundestag. Ein bißchen überlegt hab ich schon. Ach nein, so etwas tut man nicht, jemanden beim Telefonieren unterbrechen. Seit zwanzig Jahren läuft er mir immer mal über den Weg und immer hat er sein Fahrrad dabei. Ach, nicht so wichtig. Hauptbahnhof. S-Bahn zum Hackeschen Markt. Noch zu Roßmann. Auf dem Nachhauseweg fallen mir plötzlich ganz andere Sachen ein. Da links, in der Tapas-Bar in der Rosenthaler Straße war ich zweimal, nicht allein. Ich schiebe die Erinnerung weg, obwohl sie sich gerade schwer schiebt. Ich gehe schnell weiter, zum marokkanischen Laden in der Sophienstraße. Vor ein paar Tagen sah ich morgens im Vorbeieilen aus dem Augenwinkel zwei Schälchen im Schaufenster. Blau mit einem weißen Muster, wie Federn. Ich hatte gerade meine kleine Lieblingsschüssel mit dem Seemannsanker und dem Segelschiff, die ich auf der Insel Föhr gekauft hatte, zertöppert und könnte eine in der Größe brauchen. Aber sie sind gar nicht aus Marokko, sondern aus Kopenhagen. Wie unfassbar sorglos und luxuriös es mir plötzlich vorkommt, zwei Schälchen aus Kopenhagen kaufen zu können und in eine heile Wohnung zu kommen. Ganz unzertrümmert. Heil und warm. Daheim mache ich das Fenster zur Auguststraße weit auf. Dunkelblaue Nacht. Ich hole tief Luft. Ganz mild ist die Abendluft. Man kann sie tief einatmen, ohne Angst haben zu müssen. Ohne Mundschutz. Die Berliner Luft vor meinem Fenster am vierzehnten März Zweitausendelf.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649

13. März 2011

„Uran wurde 1789* von dem deutschen, in Berlin lebenden Chemie-Professor und Apotheker Martin Heinrich Klaproth aus dem Mineral Pechblende isoliert. Es ist nach dem Planeten Uranus benannt, der acht Jahre zuvor durch Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt worden war. Am 24. September 1789 gab er die Entdeckung in einer Ansprache vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften bekannt.“ Wikipedia
*) im Laboratorium seiner ‚Bären-Apotheke‘, Spandauer Straße 25 in Berlin Mitte.
[big planetary change: Uranus enters Aries, 2011 – 2019. Samstag, 12. März 2011, 00:53 UTC Uranus betritt (Feuerzeichen) Widder, ca. 10:00 UTC Explosion, Kernschmelze Fukushima]

13. März 2011

„Uran wurde 1789* von dem deutschen, in Berlin lebenden Chemie-Professor und Apotheker Martin Heinrich Klaproth aus dem Mineral Pechblende isoliert. Es ist nach dem Planeten Uranus benannt, der acht Jahre zuvor durch Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt worden war. Am 24. September 1789 gab er die Entdeckung in einer Ansprache vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften bekannt.“ Wikipedia
*) im Laboratorium seiner ‚Bären-Apotheke‘, Spandauer Straße 25 in Berlin Mitte.
[big planetary change: Uranus enters Aries, 2011 – 2019. Samstag, 12. März 2011, 00:53 UTC Uranus betritt (Feuerzeichen) Widder, ca. 10:00 UTC Explosion, Kernschmelze Fukushima]

13. März 2011


„Aufgrund des entscheidenden Experiments am 17. Dezember 1938* schloss Otto Hahn auf ein „Zerplatzen“ des Urankerns in mittelschwere Atomkerne. Dies war die Entdeckung der Kernspaltung. (…) Bis zu seinem Tode wurde er nicht müde, eindringlich vor den Gefahren des nuklearen Wettrüstens der Großmächte und einer radioaktiven Verseuchung der Erde zu warnen.“ Wikipedia
*) im „Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie“ in der Thielallee 63 in Berlin-Dahlem, heute Hahn-Meitner-Bau

12. März 2011

Angesichts dieser unkontrollierbaren Kettenreaktion plutonischer Zerstörung regt mich das noch vor einigen Stunden verlautbarte, systematisch beschwichtigende „äußerstenfalls“ sei mit einer Kernschmelze zu rechnen“ von Röttgen auf (für später lesende Generationen: das war damals der deutsche Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit). Äußerstenfalls aber keinesfalls schlimmer. Die berechneten Feinheiten der Beschwichtigungssprache. Na dann.
Furchtbar alles. Die japanischen Behörden haben inzwischen die Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima bestätigt. Ich erinnere mich an 1986, als der Kern im Reaktor von Tschernobyl geschmolzen war. Wir sind vergleichsweise mit einem blauen Auge davon gekommen. Das war immer der Hauptkritikpunkt an dieser Form der Energiegewinnung, die Unkontrollierbarkeit im Zerstörungsfall. Vielleicht denken immer noch einige, in Deutschland und den umliegenden Ländern wären die Sicherheitskontrollen akribisch genug, dass man von hundertprozentiger Sicherheit ausgehen könnte. Nun ist das aber in einem Land passiert, das für einen führenden High Tech Standard steht. Gegen Erdbeben und Tsunamis hilft aber leider keine Disziplin der Welt. Vielleicht denken einige bei der nächsten Wahl neu darüber nach, ob man Parteien unterstützen kann, die diese Form der Energiegewinnung unverändert tolerieren.
Davon abgesehen erschüttert. Ich blogge im Augenblick ja nicht mehr so dicht, dahinter steht keine besondere Absicht, aber irgendwie will man doch seiner Anteilnahme, Bestürzung Ausdruck verleihen. Ich war noch nie in Japan, noch nie in Asien. Mein Interesse an dieser Erdregion ist erst in den letzten Jahren gewachsen. Auch eine Bewunderung für Teile der Kultur, die oft so schönen, friedliebenden Menschen. Eine bestimmte verfeinerte Anmut, die Menschen aus Asien in einem besonderen Maß haben. Viel mehr als wir hier. Was mir so alles durch den Kopf geht gerade. Schmerzhafte, plutonische Zerstörung.

11. März 2011

Die unbekannten Leser. In irgendeinem jüngeren Lied bezeichnet sich Wolf Biermann als Legende ohne Totenschein, wie er da so durch altvertraute Straßen um den Hackeschen Markt schlendert, sich zurück erinnert. Als ihm die Ecke Heimat war. An sich gefällt mir das Prinzip, die eigene Legende noch beobachten, reflektieren und kommentieren zu können besser. Besser, als von einer Wolke erste und zugleich letzte kondolierende Kommentare zu entziffern. Man braucht dann ja auch ein gutes Fernrohr. Öffentlich gemachte schwere Körperkrankheiten mit dem Risikopotenzial kurzfristigen Ablebens sind geeignet, die Zunge zu lösen. Hingegen öffentlich gemachte gute Körpergesundheiten mit dem Risikopotenzial langfristigen Weiterlebens sind eher geeignet, unkommentiert zu verpuffen. Wobei ich persönlich inzwischen mehr daran interessiert bin, zu erfahren, wie es sich im Detail anfühlt, mit sehr gesunden Zellen ein dreistelliges Geburtstagsjubiläum vorzubereiten.
Allerdings gebe ich zu, dass ich intensive Lesephasen mit autobiographischen Büchern hatte, die dramatische Krankheiten zu Gegenstand hatten. Alle denkbaren Ängste inbegriffen, die solche Menschen durchstehen. Eigentlich war aber nur ein Buch dabei, das tödlich endete. Zwangsläufig aus der Perspektive einer Beobachtenden geschrieben, nur indirekt Betroffenen. Es war Isabel Allendes Paula, über den langen Tod ihrer Tochter. Sehr bewegendes Buch. Die anderen Krankengeschichten gingen gut aus, soweit ich mich erinnere. Mut machend. Eines ist mir besonders in Erinnerung, irgendwann ausgeliehen in einer Bücherei. Den Titel habe ich vergessen. Es ging um eine Frau mit einer Brustkrebserkrankung. Nach der Operation, in ihrem Fall eine Amputation, ließ sie sich eine Rose auf die lange Narbe tätowieren und sich wie eine Amazone ablichten. Schöne, starke Geste. Wie kommt es, wie kam es, dass du dich so stark damit beschäftigst, fragte mich Jan vorhin am Telefon. Er meinte diese geradezu wissenschaftlich akribische Beschäftigung mit der Wirkkraft der Nahrung, aus denen die nächsten Zellen gebildet werden. Ich sagte, es läge unter anderem daran, dass ich zunehmend mit Krankheitsbildern konfrontiert bin, bei Menschen meiner Generation, die mich erschrecken. Wohlstandsverwahrlosung. Ein selbstkritisches Reflektieren, wo man immer noch in übernommenen Traditionen verhaftet sein könnte, die einem nicht gut tun. Und das sind oder besser waren, trotz jahrzehntelanger, vermeintlich autonomer, eigenmächtiger Entscheidungen, viele. Sehr viele. Die zu hinterfragende Tradition gutbürgerlicher, mitteleuropäischer Ernährungsweise, dem Nutzen ihrer Bestandteile, abgesehen von hedonistischen Genusserwägungen.

Interessante Situation heute. Eine Einladung zu einem Frühstück, die ich wegen der Konstellation der Gäste wahrnahm. Es gab sehr liebevoll zubereitete Häppchen mit feinen Belägen. Eine Vanille-Joghurt-Creme mit Pflaumen, Obstspießchen. Ich bestellte einen Cappuccino und sondierte, was für mich dabei wäre. Als ich darum bat, sich bitte nicht zu wundern, wenn ich von dem und dem nichts essen würde, weil soundso, bekam ich dieselbe freundlich respektvolle Reaktion wie die anderen Male im Laufe des letzten Jahres, als ich offenbarte, dass ich bestimmte Substanzen nicht mehr esse, weil nach dreißig Jahren Leiden beschwerdefrei. Interessant auch zu sehen, wie bekannt oder unbekannt dieses bislang durch keine prominente Untersuchung* bei mir nachweisbare Phänomen** ist, das ich seit geraumer Zeit an mir studiere.
*) Patientin (Allergietest-Profi) = Besitzerin eines in Anbetracht der Realität in vielerlei Hinsicht widersprüchlichen „Allergiepasses“, der keine diesbezügliche Unverträglichkeit ausweist, dafür vorgeblich andere, die ich zum größten Teil noch nie bei mir beobachten konnte.
**) Asthma, Heuschnupfen, Herzrhythmusstörungen, Migräne weg.

02. März 2011

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76823171&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
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Opus 50. RAdiO GAGa. Wenn man auf das viereckige kleine Kästchen rechts unten draufklickt, kann man den kleinen Film in ganz groß anschauen. Wenn man den Film auf youtube anschauen will und was kommentieren will, kann man auch da drauf klicken. Wenn man immer schon mal die super sonore Stimme von kid37 hören wollte, muss man den Schieber auf 8:45 schieben. Und wenn man immer schon mal wissen wollte, wie es so bei Radio Fritz mit Marcus in der Sendung trackback ist, und was wir geplappert haben, als das Mikro zu war, muss alles anschauen. Und wenn man wissen will, was das alles soll, muss man da und da drauf klicken und noch mal nachlesen. Und wenn man wissen will, warum das Filmchen jetzt erst, nach eineinhalb Jahren zu sehen ist, muss man Verständnis zeigen. Und wer nix zu tun hat, kann da drauf klicken und alle fünfzig Filmchen hintereinanderschauen, bis die Augen viereckig sind. Viel Freude dabei.
Ach ja, und das war das Lied.

02. März 2011

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Opus 50. RAdiO GAGa. Wenn man auf das viereckige kleine Kästchen rechts unten draufklickt, kann man den kleinen Film in ganz groß anschauen. Wenn man den Film auf youtube anschauen will und was kommentieren will, kann man auch da drauf klicken. Wenn man immer schon mal die super sonore Stimme von kid37 hören wollte, muss man den Schieber auf 8:45 schieben. Und wenn man immer schon mal wissen wollte, wie es so bei Radio Fritz mit Marcus in der Sendung trackback ist, und was wir geplappert haben, als das Mikro zu war, muss alles anschauen. Und wenn man wissen will, was das alles soll, muss man da und da drauf klicken und noch mal nachlesen. Und wenn man wissen will, warum das Filmchen jetzt erst, nach eineinhalb Jahren zu sehen ist, muss man Verständnis zeigen. Und wer nix zu tun hat, kann da drauf klicken und alle fünfzig Filmchen hintereinanderschauen, bis die Augen viereckig sind. Viel Freude dabei.
Ach ja, und das war das Lied.

23. Februar 2011

Da bin ich jetzt aber schon froh, dass wenigstens Herr Fichtenbrenner den armen Bub mit einem hochanständigen Kanalkommentar in Schutz nimmt „Die Leute sind ziemlich undankbar. Ich meine, er hat immerhin den Buchdruck erfunden.“ Prinzessin Barbie zu G. macht jetzt sicher auch Schweres durch. Und dann die ganzen respektlosen jungen Leute vom Internet, die böse Lieder komponieren. Überhaupt zeigt sich dieses Internet, in dem heutzutage jeder kleine Mann von der Straße, ohne Respekt vor Amt und Würden schreiben kann, was er gerade denkt, in dieser Sache wieder einmal recht pietätlos. Als ob der Verlust der akademischen Würde für den Herrn Baron nicht schon schmerzlich genug wäre, muss nun obendrein der gesamte exzellente, hart erarbeitete berufliche Werdegang in Frage gestellt werden. Derlei Intimitäten gehen nur die Person selbst etwas an, maximal die Gattin von Herrn Dr. Dr., Gräfin Barbie von und zu Dings usw. usf.

23. Februar 2011

Da bin ich jetzt aber schon froh, dass wenigstens Herr Fichtenbrenner den armen Bub mit einem hochanständigen Kanalkommentar in Schutz nimmt „Die Leute sind ziemlich undankbar. Ich meine, er hat immerhin den Buchdruck erfunden.“ Prinzessin Barbie zu G. macht jetzt sicher auch Schweres durch. Und dann die ganzen respektlosen jungen Leute vom Internet, die böse Lieder komponieren. Überhaupt zeigt sich dieses Internet, in dem heutzutage jeder kleine Mann von der Straße, ohne Respekt vor Amt und Würden schreiben kann, was er gerade denkt, in dieser Sache wieder einmal recht pietätlos. Als ob der Verlust der akademischen Würde für den Herrn Baron nicht schon schmerzlich genug wäre, muss nun obendrein der gesamte exzellente, hart erarbeitete berufliche Werdegang in Frage gestellt werden. Derlei Intimitäten gehen nur die Person selbst etwas an, maximal die Gattin von Herrn Dr. Dr., Gräfin Barbie von und zu Dings usw. usf.

17. Februar 2011


Weil es gestern sieben war, ist es nun das achte Jahr. Gestern morgen, unter der Dusche, versuchte ich mich zu erinnern, wie das alles anfing, wie es dazu kam. Ich brauchte eine ganze Weile, bis mir einfiel, wie es war. Irgendwann um die Jahrhundertwende hatte ich eine Seite auf meiner Seite, in die ich mit html in knappen Einträgen schrieb, was ich gerade aktualisiert hatte. Das ging ein gutes Weilchen so. Man hoffte ja inständig, dass irgendwer oder womöglich sogar einer, der einem nahe stand, das eigene Tun verfolgt und der sollte dann gleich wissen, wo es etwas Neues zu entdecken gab. Die kleinen Ankündigungen wurden immer wieder überschrieben, mit dem was dann eben gerade neu war. Irgendwann schrieb ich in dieses Aktualisierungs-Protokoll mehr als nur, was ich nun wieder hochgeladen hatte. Ich erinnere mich dunkel, vielleicht war ich auch betrunken, dass mir lauter albernes Zeug über die Tastatur kam und ich fand, dass das doch diesmal ein viel unterhaltsamerer Aktualisierungshinweis als die anderen wäre. Man merkte schon an der unseriösen Art des Eintrags, dass es sich bei mir um eine unterhaltsame Persönlichkeit handeln muss, fand ich. Jedenfalls brachte ich es nicht mehr so leicht über mich, bei der nächsten Aktualisierung den Unsinn darunter zu löschen. Doch ich zog die Sache knallhart durch. Unfug! Aber das Löschen der lustigen kleinen Buchstaben schmerzte doch jedesmal ein wenig mehr.

Ich überlegte, ob ich es mir nicht einfach gestatten könnte, auch einfach mal so Kraft meiner Wassersuppe ein paar persönliche Worte zu schreiben und die dann auch stehen zu lassen. Und so habe ich das Bloggen erfunden. Jetzt werden sicher viele protestieren und reklamieren, dass die ersten Blogger schon viel, viel früher Blogs geschrieben haben als ich. Und das stimmt natürlich auch. Aber ich hab es für mich selber eben parallel erfunden. Solche Phänomene gibt es immer wieder! Allerdings steckte meine Blog-Erfindung mächtig in den Kinderschuhen. Es war halt eine selbergeklöppelte Seite ohne Kommentarfunktion, auf die ich aber trotzdem recht stolz war. Das kann man nun nicht mehr ganz glaubwürdig nachvollziehen, weil der erste Eintrag, wie alle anderen bei twoday hochgeladen ist. Die Einträge aus dem ersten selbstgemachten Tagebuch wurden dann rückwirkend hierher geschoben, später als ich diesen freundlichen Anbieter aus Österreich entdeckte. Was mir aber unter der Dusche nicht so leicht mehr einfiel war, wie ich eigentlich bemerkt habe, dass es noch andere Blogger gibt. Das Wort kannte ich damals ja gar nicht. Und dann kam nach und nach das Erinnern. So von Zweitausend bis Zweitausendzwei hatte ich durch menschliche Verstrickungen Kontakt zu einem Verein, der sich auch eine Seite im Internet gebastelt hatte, und unter Links kam man zu privaten Seiten einiger Mitglieder des Vereins. Da es nicht viele waren, nur ungefähr fünf, die sich mit einer eigenen Homepage präsentierten, hatte man schnell den Überblick. Einer dieser privaten Links ging zur Seite von Jens. In seinem ersten Eintrag am Mittwoch, 22. August 2001 vermerkte er: „Log ist online Dieses Blogger ist schon was schickes, technisch eine hervorragende Geschichte, auch überhaupt nicht aufdringlich, was Werbung oder sowas angeht… irgendwie frage ich mich aber, wie die letztendlich damit Geld verdienen wollen.„

Überrascht stellte ich fest, dass er ja so etwas ähnliches machte wie ich, also so Sachen schreiben wie, in welchem Film man war und wie es so geht. Und das ziemlich oft. Da ich ihn nur äußerst flüchtig von zwei Festen kannte, eigentlich so gut wie gar nicht, war es irgendwie komisch so einen Einblick zu bekommen. Aber auch interessant. Und noch viel interessanter war, dass er auf der rechten Seite so eine komische Liste hatte, wo man draufklicken konnte und zu anderen Internet-Tagebüchern kam. Die Idee hatten also schon ganz viele! Fein. Ich fing an, mich an seiner Blogroll entlangzulesen und ziemlich schnell fiel mir auf, dass sich die meisten Leute untereinander verlinkten. Manche Leute kamen auf jeder Blogroll vor, die mussten echt gut sein. Dachte man so im ersten Moment. Manche waren es auch wirklich. Also ihre Schreibe. Har har! Einer, den man so gar nicht übersehen konnte, war Don Dahlmann. Obwohl er nicht einmal ein Foto von sich herzeigte, wurde er so gut wie immer verlinkt. Ich musste das überprüfen und stellte fest, dass er tatsächlich recht flüssig formulierte und auch lustige Gedanken in seinem Kopf herumspazierten. Er war sich damals auch nicht zu schade, in einem eigenen Blogeintrag der Welt das Geheimnis seines Erfolges zu verraten. Ich denke heute, es war vielleicht doch ein Fehler, seine Ratschläge nicht zu befolgen. Er meinte es schließlich nur gut mit uns. Wenn er einen dann auf seine Blogroll nahm, konnte man sich was drauf einbilden, ein Ritterschlag! Außerdem war Don bei Antville. Das war damals ganz wichtig. Leute mit Antville-Blogs, die man nicht kaufen und nicht erzwingen konnte, waren entweder schon sehr alte Blogger oder hatten irgendwelche insidermäßigen Kontakte. Nur so konnte es kommen, dass Isa ein Antville-Blog geschenkt kriegte, das dann einen komischen Namen hatte, weil man konnte sich den Namen von einem Blog, das man geerbt hat, schließlich nicht aussuchen. Wer das nicht mitgekriegt hat, denkt ich rede hier wirres Zeug. Ja stimmt! Ist ja auch reichlich wirr. Isa hat ihrer Freude in angemessenen Worten in ihrem letzten Eintrag auf ihrem kurzfristig gepflegten Erstblog zum Abschied Ausdruck verliehen: „ „(…) is a blog wird heute genau einen Monat alt und bekommt zum Geburtstag ein neues Zuhause, (…) Bei antville soll alles viel toller sein, hab ich gehört, und überhaupt ist das irgendwie kuhler.„

Ein bißchen früher als Isa hat die Kaltmamsell die Sache mit dem Selber-Bloggen entdeckt. Am 14. September 2003, in einem ihrer ersten Blogeinträge „Ich als Blogger„ schreibt sie: „(…) Gerade fühlte ich mich drei Tage lang als Speerspitze der Web-Technik, weil niemand in meiner Umgebung von Blogs wusste – da muss ich mich bereits von Herrn Praschl darüber aufklären lassen, dass ich bereits in der äußeren Umlaufbahn des Mondes gelandet bin. (…)“ Kid37 erfand gut drei Monate nach der Kaltmamsell und sieben Wochen vor mir ebenfalls das Bloggen. Zum Weihnachtsfest Anno 2003 schenkt er sich ein liebevoll verpacktes kleines Blog, überreicht mit den feierlichen Worten von Herrn Carl Einstein aus dem Jahre 1917: „bei einer gewissen Stufe der Intelligenz interessiert man sich für das Korrekte, Vernünftige gar nicht mehr.„ Solche Sprüche waren natürlich ein guter Grund, den ernsten jungen Mann häufiger zu lesen. Vielleicht wäre er mir gar nicht aufgefallen, wenn ich nicht plötzlich auf die verwegene Idee gekommen wäre, auf einem sogenannten ‚kollaborativen‘ Blog namens „Meine kleine Stadt“ (insidermäßig mks abgekürzt, Antville natürlich) selber Fotos von meiner kleinen Stadt zu posten. mks hatte ich auf der Blogroll von Don entdeckt. Ohne seine Blogroll wäre ich dumm gestorben. mks war jedenfalls echt cool und ist es eigentlich immer noch. Meiner damaligen Freude habe ich auch Ausdruck verliehen. Begeistert fing ich an, Fotos von Bauarbeitern bei mks zu posten und man rechnete es mir hoch an! Wie Schuppen fiel es mir aus den Haaren, dass es ja noch ganz viele andere kollaborative Blogs gab. Überall wollte ich nun mitmischen. Ich kriegte nicht genug! Menschen, Tiere, Sensationen! Zu den anderen Menschen mit zu wenig Tagesfreizeit, die sich nach einem harten Tag bei mks trafen, um sich etwas zu entspannen, gehörte auch kid37, der sich auf seinem Blog immer intellektuell gab, doch bei mks da ließ er die Sau raus. Und die anderen erst! Stundenlang könnte man erzählen! So kam es jedenfalls, dass mir irgendwann Pappnase hinter den Kulissen eine charmante hilfsbereite Mail mit dem Rat schrieb, doch mal eine Kommentarfunktion auf meiner html-Seite einzubauen. Er schickte dann auch links, wie das geht, aber ich habe nichts verstanden. Außerdem wollte ich sowieso ganz lange keine Kommentare in meinem privaten Boudoir haben, wo dann womöglich gemeine Sachen drinstehen. Weil ich dann aber doch neugierig geworden bin, wie es wäre wenn und meine html-Seite auf den zwei verschiedenen Brausern, die es damals gab, immer mehr Kraut und Rüben ausgeschaut hat, hab ich mich doch für diese Sache mit den Blogs mit Kommentaren drin entschieden und ich habe es nicht bereut. Das Umziehen nicht und das Bloggen auch nicht. Und getroffen habe ich sie natürlich alle.

Viele Erinnerungen. Schöne.

17. Februar 2011


Weil es gestern sieben war, ist es nun das achte Jahr. Gestern morgen, unter der Dusche, versuchte ich mich zu erinnern, wie das alles anfing, wie es dazu kam. Ich brauchte eine ganze Weile, bis mir einfiel, wie es war. Irgendwann um die Jahrhundertwende hatte ich eine Seite auf meiner Seite, in die ich mit html in knappen Einträgen schrieb, was ich gerade aktualisiert hatte. Das ging ein gutes Weilchen so. Man hoffte ja inständig, dass irgendwer oder womöglich sogar einer, der einem nahe stand, das eigene Tun verfolgt und der sollte dann gleich wissen, wo es etwas Neues zu entdecken gab. Die kleinen Ankündigungen wurden immer wieder überschrieben, mit dem was dann eben gerade neu war. Irgendwann schrieb ich in dieses Aktualisierungs-Protokoll mehr als nur, was ich nun wieder hochgeladen hatte. Ich erinnere mich dunkel, vielleicht war ich auch betrunken, dass mir lauter albernes Zeug über die Tastatur kam und ich fand, dass das doch diesmal ein viel unterhaltsamerer Aktualisierungshinweis als die anderen wäre. Man merkte schon an der unseriösen Art des Eintrags, dass es sich bei mir um eine unterhaltsame Persönlichkeit handeln muss, fand ich. Jedenfalls brachte ich es nicht mehr so leicht über mich, bei der nächsten Aktualisierung den Unsinn darunter zu löschen. Doch ich zog die Sache knallhart durch. Unfug! Aber das Löschen der lustigen kleinen Buchstaben schmerzte doch jedesmal ein wenig mehr.

Ich überlegte, ob ich es mir nicht einfach gestatten könnte, auch einfach mal so Kraft meiner Wassersuppe ein paar persönliche Worte zu schreiben und die dann auch stehen zu lassen. Und so habe ich das Bloggen erfunden. Jetzt werden sicher viele protestieren und reklamieren, dass die ersten Blogger schon viel, viel früher Blogs geschrieben haben als ich. Und das stimmt natürlich auch. Aber ich hab es für mich selber eben parallel erfunden. Solche Phänomene gibt es immer wieder! Allerdings steckte meine Blog-Erfindung mächtig in den Kinderschuhen. Es war halt eine selbergeklöppelte Seite ohne Kommentarfunktion, auf die ich aber trotzdem recht stolz war. Das kann man nun nicht mehr ganz glaubwürdig nachvollziehen, weil der erste Eintrag, wie alle anderen bei twoday hochgeladen ist. Die Einträge aus dem ersten selbstgemachten Tagebuch wurden dann rückwirkend hierher geschoben, später als ich diesen freundlichen Anbieter aus Österreich entdeckte. Was mir aber unter der Dusche nicht so leicht mehr einfiel war, wie ich eigentlich bemerkt habe, dass es noch andere Blogger gibt. Das Wort kannte ich damals ja gar nicht. Und dann kam nach und nach das Erinnern. So von Zweitausend bis Zweitausendzwei hatte ich durch menschliche Verstrickungen Kontakt zu einem Verein, der sich auch eine Seite im Internet gebastelt hatte, und unter Links kam man zu privaten Seiten einiger Mitglieder des Vereins. Da es nicht viele waren, nur ungefähr fünf, die sich mit einer eigenen Homepage präsentierten, hatte man schnell den Überblick. Einer dieser privaten Links ging zur Seite von Jens. In seinem ersten Eintrag am Mittwoch, 22. August 2001 vermerkte er: „Log ist online Dieses Blogger ist schon was schickes, technisch eine hervorragende Geschichte, auch überhaupt nicht aufdringlich, was Werbung oder sowas angeht… irgendwie frage ich mich aber, wie die letztendlich damit Geld verdienen wollen.„

Überrascht stellte ich fest, dass er ja so etwas ähnliches machte wie ich, also so Sachen schreiben wie, in welchem Film man war und wie es so geht. Und das ziemlich oft. Da ich ihn nur äußerst flüchtig von zwei Festen kannte, eigentlich so gut wie gar nicht, war es irgendwie komisch so einen Einblick zu bekommen. Aber auch interessant. Und noch viel interessanter war, dass er auf der rechten Seite so eine komische Liste hatte, wo man draufklicken konnte und zu anderen Internet-Tagebüchern kam. Die Idee hatten also schon ganz viele! Fein. Ich fing an, mich an seiner Blogroll entlangzulesen und ziemlich schnell fiel mir auf, dass sich die meisten Leute untereinander verlinkten. Manche Leute kamen auf jeder Blogroll vor, die mussten echt gut sein. Dachte man so im ersten Moment. Manche waren es auch wirklich. Also ihre Schreibe. Har har! Einer, den man so gar nicht übersehen konnte, war Don Dahlmann. Obwohl er nicht einmal ein Foto von sich herzeigte, wurde er so gut wie immer verlinkt. Ich musste das überprüfen und stellte fest, dass er tatsächlich recht flüssig formulierte und auch lustige Gedanken in seinem Kopf herumspazierten. Er war sich damals auch nicht zu schade, in einem eigenen Blogeintrag der Welt das Geheimnis seines Erfolges zu verraten. Ich denke heute, es war vielleicht doch ein Fehler, seine Ratschläge nicht zu befolgen. Er meinte es schließlich nur gut mit uns. Wenn er einen dann auf seine Blogroll nahm, konnte man sich was drauf einbilden, ein Ritterschlag! Außerdem war Don bei Antville. Das war damals ganz wichtig. Leute mit Antville-Blogs, die man nicht kaufen und nicht erzwingen konnte, waren entweder schon sehr alte Blogger oder hatten irgendwelche insidermäßigen Kontakte. Nur so konnte es kommen, dass Isa ein Antville-Blog geschenkt kriegte, das dann einen komischen Namen hatte, weil man konnte sich den Namen von einem Blog, das man geerbt hat, schließlich nicht aussuchen. Wer das nicht mitgekriegt hat, denkt ich rede hier wirres Zeug. Ja stimmt! Ist ja auch reichlich wirr. Isa hat ihrer Freude in angemessenen Worten in ihrem letzten Eintrag auf ihrem kurzfristig gepflegten Erstblog zum Abschied Ausdruck verliehen: „ „(…) is a blog wird heute genau einen Monat alt und bekommt zum Geburtstag ein neues Zuhause, (…) Bei antville soll alles viel toller sein, hab ich gehört, und überhaupt ist das irgendwie kuhler.„

Ein bißchen früher als Isa hat die Kaltmamsell die Sache mit dem Selber-Bloggen entdeckt. Am 14. September 2003, in einem ihrer ersten Blogeinträge „Ich als Blogger„ schreibt sie: „(…) Gerade fühlte ich mich drei Tage lang als Speerspitze der Web-Technik, weil niemand in meiner Umgebung von Blogs wusste – da muss ich mich bereits von Herrn Praschl darüber aufklären lassen, dass ich bereits in der äußeren Umlaufbahn des Mondes gelandet bin. (…)“ Kid37 erfand gut drei Monate nach der Kaltmamsell und sieben Wochen vor mir ebenfalls das Bloggen. Zum Weihnachtsfest Anno 2003 schenkt er sich ein liebevoll verpacktes kleines Blog, überreicht mit den feierlichen Worten von Herrn Carl Einstein aus dem Jahre 1917: „bei einer gewissen Stufe der Intelligenz interessiert man sich für das Korrekte, Vernünftige gar nicht mehr.„ Solche Sprüche waren natürlich ein guter Grund, den ernsten jungen Mann häufiger zu lesen. Vielleicht wäre er mir gar nicht aufgefallen, wenn ich nicht plötzlich auf die verwegene Idee gekommen wäre, auf einem sogenannten ‚kollaborativen‘ Blog namens „Meine kleine Stadt“ (insidermäßig mks abgekürzt, Antville natürlich) selber Fotos von meiner kleinen Stadt zu posten. mks hatte ich auf der Blogroll von Don entdeckt. Ohne seine Blogroll wäre ich dumm gestorben. mks war jedenfalls echt cool und ist es eigentlich immer noch. Meiner damaligen Freude habe ich auch Ausdruck verliehen. Begeistert fing ich an, Fotos von Bauarbeitern bei mks zu posten und man rechnete es mir hoch an! Wie Schuppen fiel es mir aus den Haaren, dass es ja noch ganz viele andere kollaborative Blogs gab. Überall wollte ich nun mitmischen. Ich kriegte nicht genug! Menschen, Tiere, Sensationen! Zu den anderen Menschen mit zu wenig Tagesfreizeit, die sich nach einem harten Tag bei mks trafen, um sich etwas zu entspannen, gehörte auch kid37, der sich auf seinem Blog immer intellektuell gab, doch bei mks da ließ er die Sau raus. Und die anderen erst! Stundenlang könnte man erzählen! So kam es jedenfalls, dass mir irgendwann Pappnase hinter den Kulissen eine charmante hilfsbereite Mail mit dem Rat schrieb, doch mal eine Kommentarfunktion auf meiner html-Seite einzubauen. Er schickte dann auch links, wie das geht, aber ich habe nichts verstanden. Außerdem wollte ich sowieso ganz lange keine Kommentare in meinem privaten Boudoir haben, wo dann womöglich gemeine Sachen drinstehen. Weil ich dann aber doch neugierig geworden bin, wie es wäre wenn und meine html-Seite auf den zwei verschiedenen Brausern, die es damals gab, immer mehr Kraut und Rüben ausgeschaut hat, hab ich mich doch für diese Sache mit den Blogs mit Kommentaren drin entschieden und ich habe es nicht bereut. Das Umziehen nicht und das Bloggen auch nicht. Und getroffen habe ich sie natürlich alle.

Viele Erinnerungen. Schöne.

13. Februar 2011


Sehr faszinierend. Irgendwo in einem anderen Teil dieses Landes lebt eine intensiv träumende Frau, die seit langer Zeit ein sinnenfrohes Traumtagebuch führt, und hin und wieder tauche ich in ihren Träumen auf. Sie kennt mich nicht persönlich, aber das zauberhafte und mitunter komische Zeug, das sie von mir träumt, könnte von mir stammen. Unglaublich. Gerade hat sie wieder einen Gaga Nielsen-Traum aufgeschrieben:
„In einer Dunkelkammer (ähnlich wie obiger Screenshot) entdecke ich eine unerwartet große Auswahl hochwertiger älterer Filme. Diese wurden von vier Frauen produziert, die in den Filmen auch die Hauptrolle spielten. Ihre Gesichter sind auf den meisten Covern abgebildet. Na hey, das ist doch … na klar! Ich mache die Frau an meiner Seite darauf aufmerksam: „Schau mal, ich glaube, das ist Gaga Nielsen.“ Ich werfe einen Blick auf die Coverrückseite, um zu schauen, welchen der Filme ich abspielen muss, will ich Gaga sehen. Im Zwielicht der Dunkelkammer schlecht zu erkennen und ich halte das Cover ganz nah vor die Augen. Beim Betrachten des Fotos wird es bewegt und ich gewinne einen Einblick in einen Film, der in der Hippiezeit spielt. Der Höhepunkt des Filmes läuft: […] „
Wie kann man sich nur an eine solche Fülle an Details erinnern. Dazu ihr wunderbares Talent, diese nächtlichen Begebenheiten in ihrem absurden oder womöglich sogar visionären Witz festzuhalten. Bin im wahrsten Sinne des Wortes begeistert. Die anderen Träume von Marianne Masters mit mir sind unter der Geschichte verlinkt.

13. Februar 2011


Sehr faszinierend. Irgendwo in einem anderen Teil dieses Landes lebt eine intensiv träumende Frau, die seit langer Zeit ein sinnenfrohes Traumtagebuch führt, und hin und wieder tauche ich in ihren Träumen auf. Sie kennt mich nicht persönlich, aber das zauberhafte und mitunter komische Zeug, das sie von mir träumt, könnte von mir stammen. Unglaublich. Gerade hat sie wieder einen Gaga Nielsen-Traum aufgeschrieben:
„In einer Dunkelkammer (ähnlich wie obiger Screenshot) entdecke ich eine unerwartet große Auswahl hochwertiger älterer Filme. Diese wurden von vier Frauen produziert, die in den Filmen auch die Hauptrolle spielten. Ihre Gesichter sind auf den meisten Covern abgebildet. Na hey, das ist doch … na klar! Ich mache die Frau an meiner Seite darauf aufmerksam: „Schau mal, ich glaube, das ist Gaga Nielsen.“ Ich werfe einen Blick auf die Coverrückseite, um zu schauen, welchen der Filme ich abspielen muss, will ich Gaga sehen. Im Zwielicht der Dunkelkammer schlecht zu erkennen und ich halte das Cover ganz nah vor die Augen. Beim Betrachten des Fotos wird es bewegt und ich gewinne einen Einblick in einen Film, der in der Hippiezeit spielt. Der Höhepunkt des Filmes läuft: […] „
Wie kann man sich nur an eine solche Fülle an Details erinnern. Dazu ihr wunderbares Talent, diese nächtlichen Begebenheiten in ihrem absurden oder womöglich sogar visionären Witz festzuhalten. Bin im wahrsten Sinne des Wortes begeistert. Die anderen Träume von Marianne Masters mit mir sind unter der Geschichte verlinkt.

12. Februar 2011


„Wenn Männer mich und meine Identität respektieren, habe ich eine sehr gute Beziehung zu ihnen. Wer das allerdings nicht tut, wird ein ganz schlimmer Feind, und ich bin stärker als er. Wenn jemand über eine gewisse Grenze geht, an diese Verletzbarkeit des genialen Kindes in mir, dann werde ich ganz böse und furchtbar wütend.“
Lena Vandrey

07. Februar 2011


Ich gebe Dir drei Teile Gold für den Klang Deiner Stimme, Lapislazuli für Deinen Blick, Rosenholz für Deine schlafende Haut, und Safran für die erste Sonne auf Deinem Haar. Brotfrucht für die ersten Umarmungen, Umbra für Deinen Mund und Deine Lider, Anemonen für Deinen Schoß. Ich gebe Dir zwei Tropfen aus Jade, um Dich zu haben und zu halten. Ich gebe Dir Crêpe de Chine für Dein Schweigen, Ambra für den Duft Deiner Bewegungen und roten Mohn für die Klugheit Deiner Stirn. Ich gebe Dir zwei weiße Tauben für Deine Verwandlungen und Topase für unsere Liebe im November. Mandragora, um Deine Liebe zu stärken, blaue Schlehen zu ihrem Schutz und eine Fingerspitze Anis für Dein Lächeln, für Dein sonderbares Lächeln. Perlmutt für Deine Wehmut, Rubine für Deinen Stolz. Ich gebe Dir weiße Lilien für den Mut Deiner Verzweiflung, Daunen für Deinen freien Fall und eine handvoll Magnolienblüten für Dein Lächeln, für Dein sonderbares Lächeln. Dein sonderbares Lächeln. ANTEK KROENUNG

07. Februar 2011

„Die Illusion, welche nicht zur Täuschung wird, ist ein labyrinthischer Park, in dem sich der Verstand und die Verführung auf einen Spaziergang verabreden. Was geschieht im Illusionären und insbesondere im Kino? Es entsteht ein Pakt zwischen der Leinwand und dem Zuschauer, und ein Sehnsuchtsraum konkretisiert sich, immateriell, aber sinnlich und auf zauberhafte Weise greifbar.“ Tom Tykwer, 7. Februar 2011, Trauerfeier für Bernd Eichinger

05. Februar 2011


„(…) Ich bin der Meinung, daß man dem anderen und sich immer erlauben muß, ein neues Konzept von sich selbst zu haben, sich selbst immer wieder eine Art Renaissance zu sein. (…) Sicher muß man sich auf sich selbst beziehen, um irgendwie das Bewußtsein von der eigenen Person zu bekommen, aber wenn man sich selbst ein wenig kennt, sollte man sich nicht darauf ausruhen, sondern auf einer bescheidenen Ebene versuchen, exemplarisch zu sein.“
Maren Sell

03. Februar 2011

Diese wahnsinnig dicken Leni-Riefenstahl-Memoiren halten mich derart innerlich auf Trab, ich habe nicht einmal mehr die Muße, an meiner eigenen Legende weiterzuarbeiten. Wie jeden Abend die letzten Tage, werde ich mit Vorfreude früh ins Bett gehen und im Schein der Lampe lesen, bis mir die Augen von selber zufallen.

Inzwischen ist der Krieg vorbei und Leni haust mit ihrer Mutter in einem Zimmer einer Dachgeschoßwohnung, deren Miete sie nicht bezahlen kann und deswegen die anderen zwei Zimmer untervermietet, an einen Filmregisseur, der heiße Parties mit den Stars der Fifties feiert. Durch die Wand hört Leni die Feierei, Hildegard Knef ist auch dabei, aber sie versteckt sich. Aus bekannten Gründen will man lieber nicht mit ihr zu tun haben. Was für ein Lebenslauf. Und wie oft ich denke, genauso sehe ich das auch, wenn sie von ihren filmischen Idealen erzählt, was Rhythmus bedeutet, warum man musikalisch sein muss, um einen Film zu schneiden. Diese Dinge. Und dann diese Zerrissenheit, ihre Bestürzung über ihren Irrweg und die Briefe von ihrem jüdischen Lebensfreund Manfred George an sie, der im Exil in New York die jüdische Zeitschrift Aufbau gründete. Alles sehr aufwühlend und so vieles nachvollziehbar. Über keinen Kamm zu scheren. Muss weiter lesen.

30. Januar 2011


Vor zwei Jahren. Ich weiß noch, wie es war, als ich nach Hause kam. Vielleicht von der U-Bahn. Oder einem Taxi. Aber ob es von Sakamoto war oder einem Lokal, das weiß ich nicht mehr. Ich glaube eigentlich direkt von Sakamoto. Darunter trug ich nicht viel. Ein bißchen kriegerisch. Aber gekämpft habe ich nicht. Nur innerlich. Jim Avignon. Jetzt fällt es mir wieder ein, wo ich das Bild mit dem Liegestuhl sehe. Ich habe es ordentlich getagged. Der versuchte zu singen. Das war ganz furchtbar. So schön er malt, so furchtbar ist sein Gequäke ins Mikrophon. Er tat mir beinah leid. Aber nur beinah. Ein bißchen ärgerlich, dass dieser Dilettantismus so hofiert wurde, vielleicht immer noch wird. Da wurde der bedingungslose Wille zum Opportunismus der Galeristin offenbar. Von da an wusste ich, welche Rolle berechnende Diplomatie spielt, bei der Pflege der Kontakte. Die Galerie gibt es nicht mehr an diesem Standort, sie ist umgezogen. Sie umarmte mich zur Begrüßung. Von anderen hörte ich später, dass sie nicht sehr respektvoll von mir sprach. Aber das Foto, das ich von ihr gemacht hatte, war ihr gut genug, um es als facebook-Profilbild hochzuladen. Ohne Urheberverweis versteht sich. Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft. Auf facebook scheinen sich die meisten sehr privat zu fühlen. Die mir gegenüber freundlich auftretende Gisela, die selbst Fotografin ist, verzichtet neben einer Reihe Anderer ebenfalls darauf, unter dem Bild, mit dem sie sich der facebook-Welt präsentiert, den Urheberverweis zu vermerken. Da es ein ziemlich verrauschter, aber dennoch gelungener Schnappschuss von ihr ist, den sie mutmaßlich kaum weiter verwerten wird, soll meinethalben neben jedem Kommentar und Posting, das sie macht, mein Foto kleben. Aber irgendwie doch schade, dass nie jemand erfahren wird, wo, wann und warum sie da so nett gelacht hat und wer es einfing. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit ihr damals verblieben bin, als ich ihr den link zu den Bildern schickte. Normalerweise bitte ich darum, bei Verwendung meinen Namen darunter zu setzen. Na ja, wie auch immer. Vermutlich ist es für diejenigen gefühlt wie ein ganz privates Fotoalbum, und da schrieb man früher ja auch nicht unter jedes eingeklebte Bild auf das schwarze Tonpapier „Foto: Onkel Ernst“.
P.S. ich habe gerade eine Mail geschickt. Man muss die Menschen vielleicht auch nur manchmal darauf aufmerksam machen. Meistens liegt ja keine Absicht dahinter, nur Unbedachtsamkeit.

30. Januar 2011


Vor zwei Jahren. Ich weiß noch, wie es war, als ich nach Hause kam. Vielleicht von der U-Bahn. Oder einem Taxi. Aber ob es von Sakamoto war oder einem Lokal, das weiß ich nicht mehr. Ich glaube eigentlich direkt von Sakamoto. Darunter trug ich nicht viel. Ein bißchen kriegerisch. Aber gekämpft habe ich nicht. Nur innerlich. Jim Avignon. Jetzt fällt es mir wieder ein, wo ich das Bild mit dem Liegestuhl sehe. Ich habe es ordentlich getagged. Der versuchte zu singen. Das war ganz furchtbar. So schön er malt, so furchtbar ist sein Gequäke ins Mikrophon. Er tat mir beinah leid. Aber nur beinah. Ein bißchen ärgerlich, dass dieser Dilettantismus so hofiert wurde, vielleicht immer noch wird. Da wurde der bedingungslose Wille zum Opportunismus der Galeristin offenbar. Von da an wusste ich, welche Rolle berechnende Diplomatie spielt, bei der Pflege der Kontakte. Die Galerie gibt es nicht mehr an diesem Standort, sie ist umgezogen. Sie umarmte mich zur Begrüßung. Von anderen hörte ich später, dass sie nicht sehr respektvoll von mir sprach. Aber das Foto, das ich von ihr gemacht hatte, war ihr gut genug, um es als facebook-Profilbild hochzuladen. Ohne Urheberverweis versteht sich. Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft. Auf facebook scheinen sich die meisten sehr privat zu fühlen. Die mir gegenüber freundlich auftretende Gisela, die selbst Fotografin ist, verzichtet neben einer Reihe Anderer ebenfalls darauf, unter dem Bild, mit dem sie sich der facebook-Welt präsentiert, den Urheberverweis zu vermerken. Da es ein ziemlich verrauschter, aber dennoch gelungener Schnappschuss von ihr ist, den sie mutmaßlich kaum weiter verwerten wird, soll meinethalben neben jedem Kommentar und Posting, das sie macht, mein Foto kleben. Aber irgendwie doch schade, dass nie jemand erfahren wird, wo, wann und warum sie da so nett gelacht hat und wer es einfing. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit ihr damals verblieben bin, als ich ihr den link zu den Bildern schickte. Normalerweise bitte ich darum, bei Verwendung meinen Namen darunter zu setzen. Na ja, wie auch immer. Vermutlich ist es für diejenigen gefühlt wie ein ganz privates Fotoalbum, und da schrieb man früher ja auch nicht unter jedes eingeklebte Bild auf das schwarze Tonpapier „Foto: Onkel Ernst“.
P.S. ich habe gerade eine Mail geschickt. Man muss die Menschen vielleicht auch nur manchmal darauf aufmerksam machen. Meistens liegt ja keine Absicht dahinter, nur Unbedachtsamkeit.

30. Januar 2011


Der Film Nanook of the North (dt. Nanuk, der Eskimo) war der allererste Dokumentarfilm der Welt in Spielfilmlänge, der im Kino gezeigt wurde. Robert Flaherty hat ihn 1920 und 1921 ganz alleine gemacht. Auf youtube ist der ganze Film in acht Teilen hochgeladen. Das da oben ist Teil fünf, der mir besonders gut gefällt, weil man lernt, wie man ein Fenster ins Iglu einbaut. Das hab ich noch nie gesehen. Eigentlich ganz einfach. Und Spielsachen kann man auch aus Schnee bauen. Zum Beispiel kleine Eisbären. Auch sehr preisgünstig!

29. Januar 2011


© PETER CUJÉ
Laß mich. Du hörst, was ich beschloß, eh würdest du den Strom, wenn er herab von Bergen schießt, als meiner Seele Donnersturz regieren. Ist’s nicht, als ob ich eine Leier zürnend zertreten wollte, weil sie still für sich, im Zug des Nachtwinds, meinen Namen flüstert? Dem Bären kauert‘ ich zu Füssen mich, und streichelte das Pantherthier, das mir in solcher Regung nahte, wie ich ihm.
Mein ewiger Gedanke, wenn ich wachte, mein ew’ger Traum warst du. Die ganze Welt lag wie ein ausgespanntes Musternetz vor mir. In jeder Masche, weit und groß, war deiner Thaten eine eingeschürzt. Und in mein Herz, wie Seide weiß und rein, mit Flammenfarben jede brannt‘ ich ein.
Wie Priam fleh’nd in deinem Zelt erschien und heiße Thränen weint‘ ich, wenn ich dachte, daß ein Gefühl doch, Unerbittlicher, den marmorharten Busen dir durchzuckt. O laß dies Herz zwei Augenblick‘ in diesem Strom der Lust, wie ein besudelt Kind, sich untertauchen.
Wenn es mir möglich wär, wenn ich’s vermöchte, das Aeußerste, das Menschenkräfte leisten, hab‘ ich gethan, Unmögliches versucht. Mein Alles hab‘ ich an den Wurf gesetzt. Der Würfel, der entscheidet, liegt, er liegt: Begreifen muß ich’s, und daß ich verlor.
Ich war so ruhig, Prothoe, wie das Meer, das in der Bucht des Felsen liegt; nicht ein Gefühl, das sich in Wellen mir erhob. Dies Wort: sei ruhig jagt mich plötzlich jetzt, wie Wind die offnen Weltgewässer, auf. Was ist es denn, das Ruh‘ hier nöthig macht? Ihr steht so seltsam um mich, so verstört, und sendet Blicke, bei den ew’gen Göttern, in meinen Rücken hin, als stünd ein Unhold, mit wildem Antlitz dräuend, hinter mir.
Du hörst’s, es war ja nur ein Traum. Daß der Stern, auf dem wir athmen, geknickt, gleich dieser Rosen einer, läge. Daß ich den ganzen Kranz der Welten so, wie dies Geflecht der Blumen, lösen könnte. Dies Herz, weil es sein muß, bezwingen will ich’s, und thun mit Grazie, was die Noth erheischt. Recht habt ihr auch.
Warum auch wie ein Kind gleich, weil sich ein flücht’ger Wunsch mir nicht gewährt, Mit meinen Göttern brechen? Kommt hinweg. Das Glück, gesteh‘ ich, wär mir lieb gewesen, doch fällt es mir aus Wolken nicht herab, Den Himmel drum erstürmen will ich nicht.
Das Unglück, sagt man, läutert die Gemüther, ich empfand es nicht. Erbittert hat es, Götter mich und Menschen in unbegriff’ner Leidenschaft empört. Wie seltsam war, auf jedem Antlitz, mir, wo ich sie traf, der Freude Spur verhaßt. Wie mögt‘ ich alles jetzt, was mich umringt, zufrieden gern und glücklich sehn. Der Mensch kann groß, ein Held, im Leiden sein. Doch göttlich ist er, wenn er selig ist.

Heinrich von Kleist, Penthesilea

© PETER CUJÉ

28. Januar 2011

In ganz groß anschauen, bitte.




Nachtrag 29. Januar 2011
Ich habe mir diesen Zusammenschnitt des Fanck-Filmes von 1930 jetzt zum vierten oder fünften Mal angesehen und mir fehlen die Worte. Was für eine Choreographie. Was für eine Dynamik, was für eine Kameraführung. Was für Licht, was für Schatten. Was für wahnsinnige Perspektiven. Das sind mit Bestimmtheit die großartigsten, rasantesten Außenaufnahmen, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Nur Bilder aus anderen Fanck-Filmen, wie Die weisse Hölle vom Piz Palü können dagegen halten. So oft das Wort genial leichtfertig Verwendung findet, hier ist es angemessen. Das ist dermaßen großartig, dass mein Blut regelrecht in Wallung gerät. Und das schreibe ich als jemand ohne Beziehung zum Skifahren. Die braucht man dafür auch nicht. Nur Liebe zu Adrenalinstößen. Tanz und Erregung. Liebe zum Leben.

28. Januar 2011

In ganz groß anschauen, bitte.




Nachtrag 29. Januar 2011
Ich habe mir diesen Zusammenschnitt des Fanck-Filmes von 1930 jetzt zum vierten oder fünften Mal angesehen und mir fehlen die Worte. Was für eine Choreographie. Was für eine Dynamik, was für eine Kameraführung. Was für Licht, was für Schatten. Was für wahnsinnige Perspektiven. Das sind mit Bestimmtheit die großartigsten, rasantesten Außenaufnahmen, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Nur Bilder aus anderen Fanck-Filmen, wie Die weisse Hölle vom Piz Palü können dagegen halten. So oft das Wort genial leichtfertig Verwendung findet, hier ist es angemessen. Das ist dermaßen großartig, dass mein Blut regelrecht in Wallung gerät. Und das schreibe ich als jemand ohne Beziehung zum Skifahren. Die braucht man dafür auch nicht. Nur Liebe zu Adrenalinstößen. Tanz und Erregung. Liebe zum Leben.