27. April 2013

Gefilmt, ohne Kamera. Gerade eben. Ich schaue aus dem Fenster zur Auguststraße, runter auf den kleinen Park mit dem Spielplatz am Gipsdreieck. Es regnet ein bißchen, so ein zarter Frühlingsregen und die Bäume sind ausgeschlagen. Einer blüht weiß, einer rosa, die anderen haben endlich junges Grün. Die Festplatte hat Waiting in Vain von Bob Marley ausgesucht. Einer seiner schönsten, nicht so ein Rasta-Kiffer-Song, eher eine feine kleine Ballade, ist ja sicher den meisten bekannt. Und drei Kinder springen in einem Netz aus Tauen, wie auf einem Trampolin, da unten am Spielplatz, der leichte Regen macht ihnen nichts. Ein kleines Mädchen mit wilden langen Haaren hüpft am Schönsten, sie fällt irgendwie mehr auf als die beiden Jungs, obwohl sie viel kleiner ist. Ich wünschte, ich hätte die Kamera zum Filmen im Anschlag, sie hüpft perfekt im Rhythmus zu dem Lied, was für eine schöne Sequenz. Noch schöner vielleicht, weil es ein bißchen regnet. Was für eine Lebensfreude, denke ich. So eine Lebensfreude, reine Lebensfreude, einfach schön. Aber auch die beiden Jungs. Das Mädchen springt vom Sprungnetz in den Sand und rennt mit super Speed auf die Wiese, wie ein junges Fohlen, die beiden Jungs machen es ihr nach und rennen auch, als gäbe es nichts Schöneres, aber in eine andere Richtung, zu den beiden kleinen Trampolins auf der Wiese und hüpfen, als hätte ein Regisseur ihnen eine choreographische Anleitung gegeben. Perfekt synchron, so hoch sie nur können und Bob Marley singt immer noch. Ich höre gar nicht, dass der Text eigentlich melancholisch ist, heute ist das ganze Lied, das zu manchen Zeiten auf eine traurige Weise gepasst hat, heiter und leicht. Ich sehe nur die Lebensfreude der Kinder und höre die Leichtigkeit der Melodie. Das Mädchen ist in eine andere Richtung gerannt, zu dem anderen Spielplatz, weiter hinten. Und dann fällt mir plötzlich ein, als ich mich gerade so an den Kids erfreue, das müsste ich eigentlich meinem lieben Freund Jan erzählen, dass ich voller Entzücken drei wild hüpfenden und rennenden Kids zugeschaut habe und es ein wunderschöner Augenblick war. Wie man ihn sonst nur aus Filmen kennt. Jan glaubt nämlich, ich mag keine Kinder, weil ich immer lästere, wenn er von den Eltern wie Pokale hochgehaltene Säuglinge in einer Galerie fotografiert. Ich sage dann böse Sachen wie: „Ach, da wird wieder die Lebensleistung, dass man es geschafft hat, ein Kind zu zeugen, wie eine Trophäe hochgehalten“.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984
Und dann begeistere ich mich aber plötzlich für ein anderes Bild, auf dem er zwei ältere Kinder abgelichtet hat, einen Jungen, der an einem Flügel in einer Galerie sitzt und versunken spielt, auf dem Flügel steht ein ausgestopfter heulender Wolf. Im Hintergrund ein zweiter kleiner Junge, mit seiner eigenen kleinen Kamera, der hochkonzentriert den Wolf fokussiert, auch ganz in seine Arbeit versunken. Ich erkläre ihm, warum mich das begeistert. Diese Kinder scheinen einen Bezug zu der Situation zu haben, in einem Ausstellungsraum zu sein, sie können etwas damit anfangen und wirken nicht fremdbestimmt, im Gegenteil. Das sind die Kunstschaffenden von morgen, früh übt sich. Diese Konzentration, dieser eigene Wille, das ist so schön zu sehen. Die drei Kids da unten, waren auch nicht fremdbestimmt. Sie sind gehüpft und gerannt, weil es ihr freier Wille war. Und das liebe ich. In Wahrheit bin ich eine Anwältin der Kinder. Des freien, schöpferischen Willens. So ist das nämlich. Ich betrachte sehr junge Menschen wahrscheinlich als fertiger, als viele andere Erwachsene das tun und empfinde sehr differenziert angesichts dieser Persönlichkeiten. Deshalb mag ich auch nicht automatisch jedes Kind, nur weil es jung an Lebensjahren ist. Da sind oft ganz unsympathische Persönlichkeiten darunter, oder farblose, die mich nicht weiter interessieren. Im Grunde genau wie bei den Erwachsenen. Und in das wilde kleine Mädchen da unten habe ich mich gerade verliebt.

07. April 2013

Der Schnee ist geschmolzen. Auf http://wetter.de ist für Mittwoch so eine Wolke, wo unten was rauskommt. So dickere, grauweiße Tupfen. Ich weiß nicht, ob das das Symbolbildchen für dicke Regentropfen oder Schneeflocken ist. Ich habe gerade keinen Vergleich. Aber wenn ich genauer hinschaue, sind die Tupfen schon mehr so tropfenförmig, mit einem grauen Schatten, das spricht eigentlich eher für Wassertropfen. Nur heute Nacht soll es nochmal Minus ein Grad in Berlin haben, dann ist das Wetterkonto wieder im Plus. Wurde ja auch lange genug überzogen, der Kontostand. Einen Wettereintrag wollte ich gar nicht schreiben, man will das ja auch nicht mehr. Niemand will mehr Wettereinträge bloggen, es ist einfach zu langweilig. Lang-weilig. Ich wollte aber auch nicht schreiben, dass ich eine blöde Krankheit gehabt habe, wo ich zum Glück, hoffentlich, die Ursache identifiziert habe. Gerade hab ich mir gedacht, einerseits schön blöd, dass ich immer bis auf den letzten Drücker warte, bis ich zum Arzt gehe, andererseits natürlich bedeutend einfacher für die Diagnose, wenn die Symptome auf dem Höchstlevel ausgeprägt sind, wie im medizinischen Schulbuch. Dann kann sogar ein Medizinstudent in den ersten Semestern locker eine treffende Diagnose stellen. Dann geht natürlich auch die ganze Anamnese ratzfatz, ohne langes Herumgerede und Gerätsel.
Ok, ich will es nicht zum großen Geheimnis machen: ich hatte eine schwere Histamin-Überdosis, man könnte auch sagen -Vergiftung, durch in letzter Zeit von mir bevorzugte Lebensmittel, die gemeinhin auch als recht gesund gelten. Hat halt manches zwei Seiten. Nun steht nur noch tiefgefrorener Hochseefisch und frisches Gemüse und frische Milchprodukte auf dem Speiseplan. Thunfisch aus der Dose ist gestrichen. Cashewkerne sind gestrichen. Bohnen pfui. Emmentaler tabu. Tomatenmark ade. Schokolade adieu. Von Rotwein und anderem Alkohol zunächst gar nicht zu reden. Aua aua. Dann erst mal langsam die abendliche Antihistamin-Tablette ausschleichen und schön weiter Diät halten und nur noch kleine Portionen kochen, dass nichts weggeschmissen werden muss. Aufwärmen tabu. Ich habe früher immer schöne große Portionen gemacht, damit ich noch am nächsten und manchmal auch übernächsten Tag davon essen konnte. Besonders von meinem geliebten Thunfischsalat. Au weia. Irgendwie habe ich es in den letzten Wochen geschafft, Essensvorlieben zu Lebensmitteln zu kultivieren, die in die Top Ten in Sachen Histaminwerte gehören. Es endete böse mit zunehmenden Schwellungen im Gesicht, besonders um die Augenpartie, alles gerötet, dazu gesellte sich ein Ausschlag am Hals, der aussah wie ein himbeerrotes Tattoo der Landkarte von Europa. Zu allem Überfluss habe ich in der Nacht von Ostermontag auf Osterdienstag, als das Brennen und Jucken und die Spannung um die Augen und die wunde Haut nicht mehr auszuhalten waren, drei Aspirintabletten geschluckt. Was den Histaminabbau noch extra blockiert. Super. Als ich kaum noch gucken konnte und die Haut unter den Augen so wund war, dass sie gesuppt hat und die Augen nicht mehr aufgehört haben zu tränen, bin ich am Dienstag endlich zum Onkel Doktor. Einem mir unbekannten, weil meine Hautärztin und Allergologin und auch die Hausärztin alle noch im Osterurlaub waren.
In der Torstraße 117 war dann der nächste Arzt, der auch da war und die Sprechstundenhilfe, die mich nicht kannte, hat mich sofort vor allen anderen Patienten vorgezogen, als sie mich gesehen hat. Ich bin ihr wirklich dankbar. Sie war sowieso sehr sympathisch und auch sehr attraktiv. Ich hab ihr gesagt, dass ich normalerweise ganz anders aussehe, sie würde mich nicht wiedererkennen. Der Doktor war schon an die Sechzig, ein alter Hase. Der hat sich meinen Allergiepass angeschaut und mein hilfloses Gebrabbel kurz angehört, von wegen „ich weiß wirklich nicht, was es ist, ob ich zuviel Schokolade in letzter Zeit gegessen habe?“ Er hat kurzen Prozess gemacht und mir ein Antihistamin verschrieben und Cortisonsalbe für den Ausschlag. Dann bin ich heim und habe mich wissenschaftlich in die Histamin-Thematik eingelesen. Ach ja, ich hatte ein Ödem. Ein „atropisches Ödem“. Wassereinlagerungen und Ekzem aufgrund eines massiven Ungleichgewichts im Histaminhaushalt. Der Stoff konnte nicht so schnell abgebaut werden, wie ich ihn zugeführt habe. Dann habe ich auch noch gelernt, dass die meisten, die da empfindlich sind, also achtzig Prozent, Frauen über Vierzig sind. Könnte auch sein, dass das mit dem sich verändernden Hormonhaushalt zu tun hat. Aber gut. ich habe es halt übertrieben, mit meinem Thunfischsalat und den Cashews und der Schokolade und dem Emmentaler. Weil ich halt immer alles übertreiben muss. Aber ich bin lernfähig. So heil wie seit gestern war meine Haut schon lange nicht mehr. Ist noch ein bißchen filigran der Zustand, aber ich bin auf einem guten Weg. Toll finde ich, dass ich jetzt im Zuge meiner Forschungen herausgekriegt habe, dass Veuve Cliquot und Blanc Foussy dem Champagner das Histamin entziehen. Und ein gewisser Schlumberger-Sekthersteller aus Österreich auch. Hab ich mir auch gleich zwei Flaschen bei Galeria Kaufhof besorgt, es kann ja nicht immer Champagner sein. Und das Weingut Weiss in Österreich hat da auch viele Weine im Angebot. Und klare Schnäpse soll man trinken – also soll man natürlich nicht, aber lieber als zum Beispiel Cognac oder Whisky.
Der Alkohl an sich ist allerdings immer noch ein Histamin-Liberator oder Abbau-Blockierer? Ich bringe das durcheinander. Schokolade hat zum Beispiel gar kein Histamin drin, aber blockiert den Abbau, je höher der Kakaogehalt, desto mehr. Na ja, jedenfalls, wenn ich ohne die Tablette und Cortisonsalbe weiterhin heil bleibe, traue ich mich mal die Grenzen auszutesten, bestimmt ist dann auch nicht alles komplett tabu. Aber ich habe eine Menge über den Stoffwechsel gelernt. Bei manchen wirkt es sich auch als Heuschnupfen oder Atemnot oder Herzbeschwerden aus. So, das war mein hoffentlich für längere Zeit, für lange Zeit! – letzter Krankenbericht. Ich glaube, ich war zuletzt im März Zweitausendacht bei einem Arzt, wo ich die Sache mit den Stimmbändern hatte, vom Zahnarzt abgesehen. Ist ja auch blöd, wenn die mit mir gar nichts verdienen. Das war jetzt also mein Solidaritäts-Jahres-Beitrag für die Ärzteschaft. Ich bin guter Dinge, dass ich die Sache langfristig in den Griff kriege. War ja früher auch kein Problem, als ich andere Essensvorlieben gepflegt habe. Die Sachen einfach ein bißchen schlauer verteilen, wird schon. Einen schönen Sonntag allen, die sich bis zum Ende von diesem komischen Krankheitsgeschichte-Eintrag duchgearbeitet haben. Vielleicht hilft es ja sogar dem Einen oder Anderen. Wäre super.

21. April 2013

Eins bis vierundneunzig auf DVB-C umsortiert. Eins bis zweiunddreißig TV, ab dreiunddreißig bis dreiundneunzig Radio. Kika auf vierundneunzig. Konnte mich nicht abschließend für die Unterdrückung des Kinderkanals entscheiden. Zwei TV-Sender unterdrückt (Sport 1 und Sky Select). Fünfundneunzig bis dreihundertsechundachtzig verschlüsselter Rest, doppelte Sender ohne HD und öffentlich rechtliche Altlasten mit Fehlanzeige-Information. Auf DVB-T TV Berlin und sonstige Exoten aus dem terrestrischen Einzugsbereich. Analog die trashigen VIVA-Sender und nie frequentierte Teleshopping-Kanäle und CNN und BBC. Den bei diesem Panasonic-Modell noch in den Kinderschuhen befindlichen youtube-Zugriff gecheckt. Auch nicht so wichtig. Aber interessant, die eigenen Sachen in erstaunlicher Qualität abrufen zu können. Das war also, vor allem gestern, mein Wochenende. Das Umsortieren hat gedauert. Man hat ja so seine Sendeplatznummern-Vorlieben, noch von früher. Damals. Drei Jahre stand der schöne alte große weiße Nordmende-Fernseher nun kaputt in der Ecke. Wenn man keine Fernsehnot hat, ist es kein Problem, dass er nur noch gut aussieht und nicht mehr funktioniert. Es war auch jetzt kein Problem, aber auf einmal war mir nach einem Apparat ohne Attrappenfunktion. Durfte natürlich nicht weniger gut aussehen. Schon verrückt, dass ein Apparat mit einem weißen Gehäuse zweihundert Euro mehr kostet als das identische Modell in schwarz. Da steht er nun und sieht gut aus. Der Fernsehkonsum hat sich nach der Programmiererei bereits wieder beträchtlich reduziert. Aber meine uralten VHS-Kassetten kann ich jetzt wieder benutzen, wenn mir danach sein sollte. Das ist schon fein. Gleich Mitternacht, Schlafenszeit.

23. April 2013

Oh. Vivi Bach ist tot. Sehr schade. Wenn Vivi auf dem Fernsehschirm war, ging immer die Sonne auf. Ich glaube fast, als ich klein war, habe ich mir gewünscht, später mal, wenn ich groß bin, so zu werden wie Vivi. Bestimmt ist Dietmar Schönherr untröstlich. Den fand ich auch immer super und schön widerspenstig. Aber in Vivi war ich total verliebt. Schlaf schön, Vivi.

21. April 2013

Eins bis vierundneunzig auf DVB-C umsortiert. Eins bis zweiunddreißig TV, ab dreiunddreißig bis dreiundneunzig Radio. Kika auf vierundneunzig. Konnte mich nicht abschließend für die Unterdrückung des Kinderkanals entscheiden. Zwei TV-Sender unterdrückt (Sport 1 und Sky Select). Fünfundneunzig bis dreihundertsechundachtzig verschlüsselter Rest, doppelte Sender ohne HD und öffentlich rechtliche Altlasten mit Fehlanzeige-Information. Auf DVB-T TV Berlin und sonstige Exoten aus dem terrestrischen Einzugsbereich. Analog die trashigen VIVA-Sender und nie frequentierte Teleshopping-Kanäle und CNN und BBC. Den bei diesem Panasonic-Modell noch in den Kinderschuhen befindlichen youtube-Zugriff gecheckt. Auch nicht so wichtig. Aber interessant, die eigenen Sachen in erstaunlicher Qualität abrufen zu können. Das war also, vor allem gestern, mein Wochenende. Das Umsortieren hat gedauert. Man hat ja so seine Sendeplatznummern-Vorlieben, noch von früher. Damals. Drei Jahre stand der schöne alte große weiße Nordmende-Fernseher nun kaputt in der Ecke. Wenn man keine Fernsehnot hat, ist es kein Problem, dass er nur noch gut aussieht und nicht mehr funktioniert. Es war auch jetzt kein Problem, aber auf einmal war mir nach einem Apparat ohne Attrappenfunktion. Durfte natürlich nicht weniger gut aussehen. Schon verrückt, dass ein Apparat mit einem weißen Gehäuse zweihundert Euro mehr kostet als das identische Modell in schwarz. Da steht er nun und sieht gut aus. Der Fernsehkonsum hat sich nach der Programmiererei bereits wieder beträchtlich reduziert. Aber meine uralten VHS-Kassetten kann ich jetzt wieder benutzen, wenn mir danach sein sollte. Das ist schon fein. Gleich Mitternacht, Schlafenszeit.

14. April 2013

Exhumiert: Gaga Nielsens allererste eigene Filmaufnahmen, vom 19., 20. und 21. Dezember 1995. Den Tag vorher hatte ich einen Unfall gebaut, mit dem Fahrrad. Ich dachte, die gefrorene Straße sei nur nass und bin beim Fahren ausgerutscht und rücklings aufschlagend, mitten auf der Straße gelandet, wie ein Käfer auf dem Rücken. Zum Glück war kein Auto in der kleinen Seitenstraße in Steglitz unterwegs. Der Onkel Doktor hat dann ein Unfalltrauma mit Wirbelsäulenprellung festgestellt und ich war krank geschrieben und sollte mich ausruhen. Aber da ich immer schon ein unermüdlicher Geist war, habe ich die Gunst der Stunde genutzt und multitasking-mäßig, beim angeknackst Herumliegen, meine gerade neu gekaufte, allererste Filmkamera ausprobiert. Es war eine Kamera von Sony, die eine Menge konnte. MIt Filtern und allem Möglichen. Was man auf den Dank naturbelassener Schummerbeleuchtung leider arg verrauschten Aufnahmen sieht,
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=77095293&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
ist, wie ich das allererste mal die Kamera ausprobiere. Ich hatte recht schnell ausgetüftelt, wie ich das auf ein stabiles Stativ geschraubte Gerät dergestalt über den Videokanal des Videorecorders mit dem Fernsehapparat verkabeln musste, dass ich das jeweils aktuelle Kamerabild eins zu eins auf dem Bildschirm sehen konnte, während die über eine diskrete Fernbedienung von mir gesteuerte Kamera aufnahm oder abspielte. Das war ganz schön faszinierend, weil ich mich selber noch nie vorher auf einem Film gesehen habe, der zeigt, wie ich mich normal verhalte. Ganz schön interessant, wenn man sich zum ersten mal beobachten kann, wie einen sonst nur andere sehen. Damals war ja alles analog und die kleinen Hi 8-Filmcassetten waren auch nicht so billig, deswegen habe ich leider kaum Originalbänder von alten Aufnahmen, weil ich anfänglich immer wieder über ein- und dieselbe Cassette drübergespielt habe. Also konnte ich zum Digitalisieren der ältesten Aufnahmen nur Relikte in Form von verrauschten Kopien auf VHS-Cassetten finden. Ich habe es trotzdem von sämtlichen Aufnahmen machen lassen, es sind ja doch schöne, einmalige Erinnerungen. Auch wenn die Qualität mitunter eher nach 1895 aussieht. Da kommt noch ganz viel. Ich habe fünf Jahre später, ab Zweitausend, rund zwei Jahre lang, in bemerkenswerter Dichte sehr viele Aufnahmen gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte, ein besonderes Kapitel. Ach übrigens, bei diesen allerersten Versuchen war ich gerade eben dreißig Jahre alt und lebte alleine, allerdings mit Bratkartoffel-Verhältnis, in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung mit Badewanne und Balkon in Wilmersdorf. Dort sind die Aufnahmen entstanden. Die Stummfilm-Haarfrisur hatte ich mir nach vielen Jahren mit sehr langen Haaren mit Papier- und Nagelschere und provisorischer Rückspiegel-Konstruktion auf dem Badewannenrand sitzend, selber verpasst.
►watch on youtube

14. April 2013

Exhumiert: Gaga Nielsens allererste eigene Filmaufnahmen, vom 19., 20. und 21. Dezember 1995. Den Tag vorher hatte ich einen Unfall gebaut, mit dem Fahrrad. Ich dachte, die gefrorene Straße sei nur nass und bin beim Fahren ausgerutscht und rücklings aufschlagend, mitten auf der Straße gelandet, wie ein Käfer auf dem Rücken. Zum Glück war kein Auto in der kleinen Seitenstraße in Steglitz unterwegs. Der Onkel Doktor hat dann ein Unfalltrauma mit Wirbelsäulenprellung festgestellt und ich war krank geschrieben und sollte mich ausruhen. Aber da ich immer schon ein unermüdlicher Geist war, habe ich die Gunst der Stunde genutzt und multitasking-mäßig, beim angeknackst Herumliegen, meine gerade neu gekaufte, allererste Filmkamera ausprobiert. Es war eine Kamera von Sony, die eine Menge konnte. MIt Filtern und allem Möglichen. Was man auf den Dank naturbelassener Schummerbeleuchtung leider arg verrauschten Aufnahmen sieht,
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=77095293&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
ist, wie ich das allererste mal die Kamera ausprobiere. Ich hatte recht schnell ausgetüftelt, wie ich das auf ein stabiles Stativ geschraubte Gerät dergestalt über den Videokanal des Videorecorders mit dem Fernsehapparat verkabeln musste, dass ich das jeweils aktuelle Kamerabild eins zu eins auf dem Bildschirm sehen konnte, während die über eine diskrete Fernbedienung von mir gesteuerte Kamera aufnahm oder abspielte. Das war ganz schön faszinierend, weil ich mich selber noch nie vorher auf einem Film gesehen habe, der zeigt, wie ich mich normal verhalte. Ganz schön interessant, wenn man sich zum ersten mal beobachten kann, wie einen sonst nur andere sehen. Damals war ja alles analog und die kleinen Hi 8-Filmcassetten waren auch nicht so billig, deswegen habe ich leider kaum Originalbänder von alten Aufnahmen, weil ich anfänglich immer wieder über ein- und dieselbe Cassette drübergespielt habe. Also konnte ich zum Digitalisieren der ältesten Aufnahmen nur Relikte in Form von verrauschten Kopien auf VHS-Cassetten finden. Ich habe es trotzdem von sämtlichen Aufnahmen machen lassen, es sind ja doch schöne, einmalige Erinnerungen. Auch wenn die Qualität mitunter eher nach 1895 aussieht. Da kommt noch ganz viel. Ich habe fünf Jahre später, ab Zweitausend, rund zwei Jahre lang, in bemerkenswerter Dichte sehr viele Aufnahmen gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte, ein besonderes Kapitel. Ach übrigens, bei diesen allerersten Versuchen war ich gerade eben dreißig Jahre alt und lebte alleine, allerdings mit Bratkartoffel-Verhältnis, in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung mit Badewanne und Balkon in Wilmersdorf. Dort sind die Aufnahmen entstanden. Die Stummfilm-Haarfrisur hatte ich mir nach vielen Jahren mit sehr langen Haaren mit Papier- und Nagelschere und provisorischer Rückspiegel-Konstruktion auf dem Badewannenrand sitzend, selber verpasst.
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07. April 2013

Der Schnee ist geschmolzen. Auf http://wetter.de ist für Mittwoch so eine Wolke, wo unten was rauskommt. So dickere, grauweiße Tupfen. Ich weiß nicht, ob das das Symbolbildchen für dicke Regentropfen oder Schneeflocken ist. Ich habe gerade keinen Vergleich. Aber wenn ich genauer hinschaue, sind die Tupfen schon mehr so tropfenförmig, mit einem grauen Schatten, das spricht eigentlich eher für Wassertropfen. Nur heute Nacht soll es nochmal Minus ein Grad in Berlin haben, dann ist das Wetterkonto wieder im Plus. Wurde ja auch lange genug überzogen, der Kontostand. Einen Wettereintrag wollte ich gar nicht schreiben, man will das ja auch nicht mehr. Niemand will mehr Wettereinträge bloggen, es ist einfach zu langweilig. Lang-weilig. Ich wollte aber auch nicht schreiben, dass ich eine blöde Krankheit gehabt habe, wo ich zum Glück, hoffentlich, die Ursache identifiziert habe. Gerade hab ich mir gedacht, einerseits schön blöd, dass ich immer bis auf den letzten Drücker warte, bis ich zum Arzt gehe, andererseits natürlich bedeutend einfacher für die Diagnose, wenn die Symptome auf dem Höchstlevel ausgeprägt sind, wie im medizinischen Schulbuch. Dann kann sogar ein Medizinstudent in den ersten Semestern locker eine treffende Diagnose stellen. Dann geht natürlich auch die ganze Anamnese ratzfatz, ohne langes Herumgerede und Gerätsel.
Ok, ich will es nicht zum großen Geheimnis machen: ich hatte eine schwere Histamin-Überdosis, man könnte auch sagen -Vergiftung, durch in letzter Zeit von mir bevorzugte Lebensmittel, die gemeinhin auch als recht gesund gelten. Hat halt manches zwei Seiten. Nun steht nur noch tiefgefrorener Hochseefisch und frisches Gemüse und frische Milchprodukte auf dem Speiseplan. Thunfisch aus der Dose ist gestrichen. Cashewkerne sind gestrichen. Bohnen pfui. Emmentaler tabu. Tomatenmark ade. Schokolade adieu. Von Rotwein und anderem Alkohol zunächst gar nicht zu reden. Aua aua. Dann erst mal langsam die abendliche Antihistamin-Tablette ausschleichen und schön weiter Diät halten und nur noch kleine Portionen kochen, dass nichts weggeschmissen werden muss. Aufwärmen tabu. Ich habe früher immer schöne große Portionen gemacht, damit ich noch am nächsten und manchmal auch übernächsten Tag davon essen konnte. Besonders von meinem geliebten Thunfischsalat. Au weia. Irgendwie habe ich es in den letzten Wochen geschafft, Essensvorlieben zu Lebensmitteln zu kultivieren, die in die Top Ten in Sachen Histaminwerte gehören. Es endete böse mit zunehmenden Schwellungen im Gesicht, besonders um die Augenpartie, alles gerötet, dazu gesellte sich ein Ausschlag am Hals, der aussah wie ein himbeerrotes Tattoo der Landkarte von Europa. Zu allem Überfluss habe ich in der Nacht von Ostermontag auf Osterdienstag, als das Brennen und Jucken und die Spannung um die Augen und die wunde Haut nicht mehr auszuhalten waren, drei Aspirintabletten geschluckt. Was den Histaminabbau noch extra blockiert. Super. Als ich kaum noch gucken konnte und die Haut unter den Augen so wund war, dass sie gesuppt hat und die Augen nicht mehr aufgehört haben zu tränen, bin ich am Dienstag endlich zum Onkel Doktor. Einem mir unbekannten, weil meine Hautärztin und Allergologin und auch die Hausärztin alle noch im Osterurlaub waren.
In der Torstraße 117 war dann der nächste Arzt, der auch da war und die Sprechstundenhilfe, die mich nicht kannte, hat mich sofort vor allen anderen Patienten vorgezogen, als sie mich gesehen hat. Ich bin ihr wirklich dankbar. Sie war sowieso sehr sympathisch und auch sehr attraktiv. Ich hab ihr gesagt, dass ich normalerweise ganz anders aussehe, sie würde mich nicht wiedererkennen. Der Doktor war schon an die Sechzig, ein alter Hase. Der hat sich meinen Allergiepass angeschaut und mein hilfloses Gebrabbel kurz angehört, von wegen „ich weiß wirklich nicht, was es ist, ob ich zuviel Schokolade in letzter Zeit gegessen habe?“ Er hat kurzen Prozess gemacht und mir ein Antihistamin verschrieben und Cortisonsalbe für den Ausschlag. Dann bin ich heim und habe mich wissenschaftlich in die Histamin-Thematik eingelesen. Ach ja, ich hatte ein Ödem. Ein „atropisches Ödem“. Wassereinlagerungen und Ekzem aufgrund eines massiven Ungleichgewichts im Histaminhaushalt. Der Stoff konnte nicht so schnell abgebaut werden, wie ich ihn zugeführt habe. Dann habe ich auch noch gelernt, dass die meisten, die da empfindlich sind, also achtzig Prozent, Frauen über Vierzig sind. Könnte auch sein, dass das mit dem sich verändernden Hormonhaushalt zu tun hat. Aber gut. ich habe es halt übertrieben, mit meinem Thunfischsalat und den Cashews und der Schokolade und dem Emmentaler. Weil ich halt immer alles übertreiben muss. Aber ich bin lernfähig. So heil wie seit gestern war meine Haut schon lange nicht mehr. Ist noch ein bißchen filigran der Zustand, aber ich bin auf einem guten Weg. Toll finde ich, dass ich jetzt im Zuge meiner Forschungen herausgekriegt habe, dass Veuve Cliquot und Blanc Foussy dem Champagner das Histamin entziehen. Und ein gewisser Schlumberger-Sekthersteller aus Österreich auch. Hab ich mir auch gleich zwei Flaschen bei Galeria Kaufhof besorgt, es kann ja nicht immer Champagner sein. Und das Weingut Weiss in Österreich hat da auch viele Weine im Angebot. Und klare Schnäpse soll man trinken – also soll man natürlich nicht, aber lieber als zum Beispiel Cognac oder Whisky.
Der Alkohl an sich ist allerdings immer noch ein Histamin-Liberator oder Abbau-Blockierer? Ich bringe das durcheinander. Schokolade hat zum Beispiel gar kein Histamin drin, aber blockiert den Abbau, je höher der Kakaogehalt, desto mehr. Na ja, jedenfalls, wenn ich ohne die Tablette und Cortisonsalbe weiterhin heil bleibe, traue ich mich mal die Grenzen auszutesten, bestimmt ist dann auch nicht alles komplett tabu. Aber ich habe eine Menge über den Stoffwechsel gelernt. Bei manchen wirkt es sich auch als Heuschnupfen oder Atemnot oder Herzbeschwerden aus. So, das war mein hoffentlich für längere Zeit, für lange Zeit! – letzter Krankenbericht. Ich glaube, ich war zuletzt im März Zweitausendacht bei einem Arzt, wo ich die Sache mit den Stimmbändern hatte, vom Zahnarzt abgesehen. Ist ja auch blöd, wenn die mit mir gar nichts verdienen. Das war jetzt also mein Solidaritäts-Jahres-Beitrag für die Ärzteschaft. Ich bin guter Dinge, dass ich die Sache langfristig in den Griff kriege. War ja früher auch kein Problem, als ich andere Essensvorlieben gepflegt habe. Die Sachen einfach ein bißchen schlauer verteilen, wird schon. Einen schönen Sonntag allen, die sich bis zum Ende von diesem komischen Krankheitsgeschichte-Eintrag duchgearbeitet haben. Vielleicht hilft es ja sogar dem Einen oder Anderen. Wäre super.

20. März 2013


Buchstaben für das große Menschheitsarchiv. Äußerliche Routine, wenn auch nicht auf dieser Seite. Ich arbeite ja immer. In jeder Hinsicht. Nicht vorder, hintergründig. Wahrscheinlich bin ich die maximale Personifizierung, Verkörperung des Prinzips, nur Ergebnisse vorzuführen und selten den Weg dahin. So könnte man denken, hinter leichtfüßigem Herzeigen stecke keine Mühe. In Wahrheit ist alles Arbeit. Ich arbeite sehr gerne. An mir, in und an der Welt, immerzu. Wenn der Sinn irdischen Seins tatenloses Geschehenlassen wäre, wozu hätte man überhaupt Arme und Beine und ein erfinderisches Hirn. Und ein suchendes Herz. Immer weitergehen, selbst wenn man noch nicht weiß, wohin. Nie stehen bleiben. Um der Bewegung willen. Zu den ungeahnten Gefühlen, Menschen und Welten hinter dem Horizont, jener silbern flirrenden Linie, wo man sich immer das große Gleißen denkt.

12. März 2013

Bevor es Mitternacht schlägt. Bevor der Nachtwächter mit der Laterne umhergeht. Zwei Dinge oder drei festhalten, von heute. Die letzten Tage musste ich zum Teil so früh unterwegs sein, dass ich nicht meine Abkürzungen durch die Sophie-Gips- und Hackeschen Höfe wie sonst nehmen konnte, weil sie so früh am morgen noch geschlossen sind. Mir fiel schon am letzten Donnerstag auf, dass unter einem Schaufenster in der Rosenthaler Straße, ich vermute über einem Heizungsschacht, ein obdachloser Mann übernachtet. Eingemummelt in einen Schlafsack. Ich muss mir dann sagen, dass diese abgehärteten Menschen schon auch von den Unterkünften gehört haben, und trotz der ganzen Härte, diese gnadenlose Freiheit draußen zu leben, sogar im Winter, durchexerzieren. Vielleicht ist es überraschend warm über dem Gitter. Ich weiß es nicht. Daneben steht ein Einkaufswagen aus einem Supermarkt, ein paar Tüten darin und ein Spazierstock. Ich bin leicht erschüttert vorbeigegangen, weil ich zimperlich bin, was Kälte angeht, und es meine Vorstellungskraft übersteigt, wie man so etwas aushält. Dann habe ich das Bild wieder vergessen. Am nächsten Morgen wieder dieser Eindruck, das war letzen Freitag. Am achten März, da hat es noch nicht geschneit, er hat wohl schon den Frühling erahnt und mutig weiter draußen kampiert. Am Samstag war mir nach ausgiebig am Alex bei Galeria nach Zeug gucken, dies und das. Ich habe auch schöne Sachen gekauft. Zwei leichte Schals, einer von einer Berliner Firma, die den Stoff mit Siebdruck bedruckt, mit einem Zebramuster drauf. Die Firma heißt mischmasch berlin. Wenn ich von Berliner Firmen kaufe, habe ich immer irgendwie das Gefühl einer kleinen guten Tat. Weil man weiß, dass da wahrscheinlich keiner ausgebeutet wird und der gute Spirit der großen bösen wunderbaren Stadt eingewebt wird. Den man versteht und liebt oder nie verstehen und lieben wird. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Noch drei Minuten bis Mitternacht. Ich hatte also zwei Schals gekauft und ein bißchen Kosmetik und eine Rolle schwarzes Nähgarn und bestimmt noch etwas, was mir gerade nicht einfällt. Und ich wollte nach draußen, mal Richtung Alexa gucken, wo ich erst einmal im Leben drin war und ein Schneesturm wütete, es wurde immer heftiger, als ich zwei Stunden vorher loszog, war es noch Regen. Ich spannte meinen Schirm auf und merkte, dass er ein bißchen auf halbacht hing. Zwei Metallstreben waren nicht mehr verbunden, der Wind hat sie auseinandergerissen. Ich mochte den Schirm sehr, er hatte ein kleines, feines Leopardenmuster, so cognacbraun und schwarz. Es gab ihn mal in dem Asia-Supermarkt hinter dem Hackeschen Markt, für fünf Euro. Ich msste ihn haben, obwohl ich früher Schirme nicht ausstehen konnte. Und dauernd vergaß. Zu umständlich. Wie schnell ich tippen kann, schon ganz schön lang, der Eintrag, schnell zwischenspeichern, sonst ärgert man sich. Also ja, der Schirm war also nicht mehr in Form, man könnte auch sagen ein bißchen lädiert. Wenn es um Silhouette geht, bin ich recht eitel. Ich habe auf dem Absatz kehrt gemacht und bin zurück ins Galeria-Kaufhaus in die Regenschirmabteilung. Nur einer hat mich sehr fasziniert, denn es sollte schon ein besonderer Schim sein. Das Muster in Schwarz, Weiß und Braun erinnerte ein bißchen an Art Déco oder auch die runden Glaskuppeln in den legendären Pariser Kaufhäusern. Eine österreichische Schirmfabrik, und ein stabiles Modell. Wie blöd ich früher gemusterte Schirme fand. Tantenmäßig. Aber der war ein Gedicht. Der Stoff fühlte sich an wie ganz dicht gewebter, Satin, wie für Bettwäsche, für Unterwäsche. Eigentlich ein Stoff wie für feine Dessous. Für den Preis hätte man zwanzig Leopardenschirme aus dem Asia-Supermarkt bekommen, ein Schirm fürs Leben! Die Mechanik aus tollem Stahl, das dem bösen Wind stand hält und diese Technik, dass er sich von selbst aufspannt und wieder zugeht, auf Knopfdruck. und klein zusammenschieben kann man ihn auch. Ich bin dann gut beschirmt ins Alexa und habe gestaunt, wie viele Modegeschäfte es dort gibt und wie kompliziert der Steinfußboden gemacht ist, dieses abstrakte Mosaik, was für eine Arbeit. Bei Zara habe ich einen schönen Zebramuster-Mantel aus Jacquard gesehen und mich verliebt und bin auch nicht alleine nach Hause gegangen. Aber da war ja noch mein alter, schiefer, sehr geliebter Leopardenschirm in der Tasche. Was damit tun? Für die Hülle hätte ich schon noch eine andere Verwendung, aber den Schirm? Wegschmeißen? Dann ist mir der obdachlose Mann in der Rosi eingefallen. Ich habe mir fest vorgenommen, den schiefen, aber ja doch noch funktionierenden Schirm bei mir zu haben, wenn ich wieder los muss, am nächsten Morgen. Das war heute. Bevor ich von der Gipsstraße rechts um die Ecke bog, dachte ich noch, sicher wird er sich bei dem eisigen Schneewetter nun doch einen wärmeren Platz gesucht haben, mit einem Dach über dem Kopf, er holt sich ja sonst den Tod! Ich sah seinen Schlafsack schon von Weitem. Und den Einkaufswagen. Eingemummelt wie eine Mumie. Ich bin durch den Schnee zu ihm gestapft und habe meinen Leoschirm aufgespannt und mich ein bißchen runtergebeugt und gesagt „Ich hab da was für Sie! Ich habe Ihnen einen Schirm mitgebracht, das ist doch geschützter. Gute Nacht!“. Da hat er geblinzelt und mich angelacht. Man könnte sogar sagen, er hat gegrinst. Ja, ich glaube, er hat sich gefreut. Ich habe den Schirm so hingestellt, dass sein Kopf vor dem Wind und den Blicken geschützt ist. Dann bin ich weiter, nur kurz habe ich mich nochmal umgedreht und gedacht: unglaublich. Mit dem aufgespannten Schirm und dem ganzen improvisierten Schlafsacklager sieht er aus wie Spitzwegs armer Poet. Und vielleicht ist er ja sogar einer.

Und heute nachmittag war ich wieder unterwegs in Geschäften, es lenkt mich ein bißchen ab und ich habe es lange nicht gemacht, und sehe es mit neuen Augen. Alles. Oben im KadeWe war ich wieder, in der Feinkostabteilung, ohne etwas zu kaufen, ich habe nach etwas geschaut, was es sogar im KadeWe gerade nicht zu kaufen gibt. Das soll es geben. Dabei bin ich in der Abteilung vorbeigekommen, wo edelste Spirituosen aus aller Welt gehandelt werden. Es gab einen speziellen Cognac-Sachverständigen, der Spaß hatte, mir etwas über zwei verschiedene Remy Martins zu erzählen und mir auch einen zum Trinken anzubieten. Das war ganz kurzweilig und ich bin wieder weiter. In Schuhgeschäfte, wo ich anprobierte, aber nicht das Richtige sah, den Schuh den ich unbedingt hätte haben wollen (ich hatte so eine Vorstellung). Und am Ende landete ich bei Saturn, wo ich mit einem Gutschein für ein Glas Prosecco in der ersten Etage empfangen wurde. Schon wieder ein Gratis-Getränk! Der war sehr gut. Und dann habe ich eine zweitausend Gigabyte große Festplatte gekauft. Für noch zu digitalisierende analoge Filmschnipsel, Videos, private Sachen. Die bringe ich demnächst zu so einem Digitalisierungs-Service, die sollen mir das alles machen, in avi umwandeln und in kleinen 30-Minuten-Häppchen auf die große Festplatte speichern. Ich habe zwar vor Jahren extra einen DVD-Player gekauft, der genau das könnte und eine Riesen-Festplatte drinhat, aber nun ist der eine alte dranhängende Fernseher kaputt und das hätte auch alles viel Zeit gekostet. Es geht um zwölf bis dreizehn Stunden eher private Gaga Nielsen-Aufnahmen aus den Neunzigern und später, zweitausend bis zweitausendzwei. Damals habe ich mit Hi 8 gespielt. Lange nicht gesehen. Vielleicht kann man etwas Schönes daraus zusammenschneiden. Und eine Berliner Firma verdient Geld damit. Das freut mich dann wieder. Und ich kann meine kostbare Zeit anders verbringen. zum Beispiel mit Mitternachtsbloggen. So Sachen halt. Null Uhr fünfundzwanzig jetzt. Ich kann ganz schön schnell ganz schön viel tippen, was? Gelernt ist gelernt! Und blind! Zehn Finger blind. Manchmal denke ich, vielleicht hätte ich auch ein Talent zum Klavierspielen gehabt. Aber das ist eine andere Geschichte. Gute Nacht da draußen alle.

03. März 2013



Und der wundervolle René Gruau*. Seit achtzehn Jahren begleiten mich zwei überdimensionale Drucke von Zeichnungen von Gruau durch meine Berliner Bleiben, und ich sehe mich nicht satt. Mir wurde Gruau ein Begriff, als ich Mitte der Achtziger Jahre zur eifrigen Vogue-Leserin wurde. Nach fünfzehn Jahren pausenloser Lektüre empfand ich ein wenig Langeweile und Wiederholung, aber heute merke ich, wie stark der Eindruck der hochkarätigen Bildstrecken bis in meine Gegenwart reicht. Ich erstand die Drucke in Paris, in der Kunstdruckhandlung des Louvre. Und ich erinnere meine Begeisterung darüber, dass es diese Drucke gab. Denn Gruau gebührt dieser Platz in der Kunstgeschichte. Selten virtuos.
* Diese Doku ist wie die anderen sieben Tage auf arte zu sehen

03. März 2013

„Die Mode überzeichnet nun mal, das was viele Leute immer so erstaunlich finden, aber auch dazu muss man in der Lage sein, praktisch die Proportionen selbst zu erfinden, damit sie nicht nur natürlich sind. Nur ’natürlich‘ reicht nicht. Das ist alles Erfindung. Und es muss neu erfunden werden. Die reine Abbildung der Natur, das ist Biedermeier. Das sind nicht mehr wir.“
Wolfgang Joop in der arte-Doku. „Wunderkind Wolfgang Joop“

21. Februar 2013


Ja, ich weiß. So fesselt man keine Leser. Und reißt keine neuen auf. Gebt mich nicht auf. Immerhin habe ich seit neun Jahren keine einzige Pause gemacht. So viele Sachen mitgeteilt. Geteilt. Mit Euch und Ihnen geteilt. Man kann auch zurückblättern. Die Abstände waren nicht immer so groß. Und Bilder gab es immer. Mein unausgesetzter Bilderstrom. An dem ich auch jetzt weiter arbeite. Mir gehen nur auch noch viele Sachen durch den Kopf, die heute, gestern und vorgestern zu filigran und persönlich sind, um sie zu zu veröffentlichen. Ach ja. Ihr kennt das ja. Wenn man Blogger persönlich trifft, erfährt man immer sehr schnell sehr viel, was über das Veröffentlichte hinaus geht. Interessanerweise ist so gut wie immer Vertrauen da, dass man das unter vier Augen oder auch sechs oder acht eher offenbaren kann, als im Blog. Ich glaube, mit das Besonderste an dieser Bloggerei ist, dass man im richtigen Leben auf Menschen treffen kann, die tatsächlich aus irgendeinem Grund an genau der seltsamen Kombination von Themen in den Einträgen von – zum Beispiel Gaga Nielsen – interessiert sind, wie man sie mit dieser dezidierten Aufmerksamkeit nur alle zwanzig Jahre durch andere Zufälle im richtigen Leben trifft. Oder traf. Die alle zwanzig Jahre Anderen beschäftigen mich gerade gedanklich. Die Wege, die sich zwingend, schicksalshaft kreuzten. Und was danach geschah, daraus wurde. Wie sich Intensität in Vakuum transformieren kann. Bevor ich dieses Blog schrieb, gab es zum Teil noch dichteres, intensiveres Schreiben. Ganz früher in täglichen persönlichen Aufzeichnungen, später im Austausch mit einem nahen Gegenüber. Wenn das dokumentiert ist, kann man viel über sich in der Vergangenheit erfahren. Wenn es zugänglich ist, wie bei mir der Fall. Es kann bestürzen, wie nah eine Zeit rückt, die so versunken schien und Gefühle in Erinnerung bringt, an die man sich nicht einmal mehr dunkel erinnern konnte. Ich lese und werde gewahr, dass es Ereignisse und Begegnungen gab, die mich tief erschütterten, zutiefst, und ich kann nicht einmal den Ablauf jenes Tages erinnern, oder den genauen Ort, weil ich nur existenzielle Gefühlsregungen vermerkte. Und in meiner Wohnung Reliquien finde, wenn ich sie sehe oder suche. Dinge, die immer da sind, die man nicht mehr sieht. Die ich nicht mehr sehe. Ein Teil meines kleinen Universums. Eine riesige Astgabel aus dem Grunewald, an die Scheibe der Balkontür gelehnt. So selbstverständlich, wie die alte Kaffeetasse mit dem großen Sprung und dem Versace-Logo am Boden. Gleichermaßen mit schlafwandlerischem Blick darübergestreift, kaum mehr wahrgenommen. Die große Bedeutung vergessen (nicht der Kaffeetasse). Vielleicht, bestimmt ist es auch gut, dass wir nicht in jedem Moment jeden vergangenen Vulkanausbruch aufs Neue empfinden. Aber ich weiß, dass mich die Worte wieder finden. Und ich die Worte. Denn es hört nicht auf.

02. März 2013


So wie heute. Ich konnte das Fenster im Süden aufmachen und im Sonnenfleck auf dem Teppich Kaffee trinken und mein kleines Frühstück essen. Es war aber schon spät. Ich habe lange geschlafen. Als ich erwachte, sah ich die Sonne wie einen gleißenden Pfeil auf dem Teppich, der sich mit voller Kraft durch den kleinen Spalt des zugezogenen Vorhangs arbeitete. Wie der leuchtende Mittelstreifen einer Fahrbahn, die sich am Horizont verliert. Am Horizont ist der schattige Balkon im Norden, links vom Kleiderschrank mit den verspiegelten Schiebetüren, wo ich immer die Bilder machte. Auf dem Teppich beim späten Frühstück hörte ich eine Folge von Bettina Rusts Sendung mit einer mir nicht erinnerbaren Schauspielerin, die mir aber sehr sympathisch war, von der Stimme her. Sie konnte auch schön singen. Ich habe den Namen wieder vergessen. Sie hat vor zwölf Jahren in einer Sendung mitgespielt, die ich höchstens einmal gesehen habe. Ich wollte nach der Radio-Konserve wenigstens mal googeln, wie sie auf Fotos ausschaut, also auf anderen von früher, nicht nur dem aktuellen auf der Seite von Radio Eins, wo sie mir überhaupt nicht bekannt vorgekommen ist. Das mache ich manchmal, wenn ich die Gäste nicht kenne, auch schon, bevor ich die Sendung höre, mal auf einem youtube-Video gucken, wie der Mensch aussieht, wenn er spricht, ob ich ihn oder sie sympathisch finde. Ich habe es bei der netten Schauspielerin dann einfach vergessen, weil ich andere Sachen gemacht habe. Herumgewurstelt. Dies und das, aber so gut wie nichts im Internet. Wäsche gewaschen. Den Kühlschrank neu eingeräumt. Meine Schminkstifte angespitzt. Sahne geschlagen. Gelesen. Nachgedacht. Eine neue Tafel von der dunklen Schokolade mit den ganzen Haselnüssen angebrochen. Dann ist mir, als ich so auf dem Teppich saß und Richtung Fenster und Sonne guckte, aufgefallen, dass ich das, was ich gerade sehe, ja schon einmal oder auch zweimal fotografiert habe, und dass es doch eigentlich einfach wäre, einen kleinen Blogeintrag zu machen, mit den Fotos, auf denen man ja genau sehen kann, was ich gesehen habe. Heute, an diesem Nachmittag Anfang März Zweitausenddreizehn, auch wenn die Bilder von Zweitausendzehn sind. Was machen schon drei Jahre Unterschied, bei so einem Motiv. Das stachelige Ding ist noch größer. Doch, es macht einen Unterschied. Es hat zwei seitliche Triebe bekommen, mit lanzenförmigen Blättern. Aber oben, vor dem dreieckigen Fensterausschnitt sieht es immer noch aus wie damals. Und vorhin, es war schon dunkel, kam ich auf einmal auf die Idee, nachzuschauen, ob es von den damaligen live streams jener a2n 2009 vielleicht konservierte Mitschnitte im Netz gibt, besonders von der Session mit Amanda Palmer, und ich mich vielleicht selber darin angucken könnte. Tatsächlich habe ich die Aufzeichnungen gefunden und nach mir selber Ausschau gehalten. Denn das war ja, was ich damals nicht gesehen habe. Das andere kannte ich schon. Leider war das, was nach der Session noch passierte, nicht mit drauf. Amanda hatte noch ein extra Interview im selben Raum und ich wurde als Mitglied des Dokumentatoren-Teams auch für ein paar Worte vors Mikro und die weiter laufende Kamera gezogen. Schade, dass das nicht mit drauf ist. Eigenartig, mich in einer Jahre zurück liegenden live Aufzeichnung zu sehen, möglichst unauffällig hinter der Runde vorbeihuschend, weil das der einfachste Weg für die Perspektive von links war, in meiner Bambi-Jacke mit den Sternen. Und den schwarzen Indianerhaaren. Und nach und nach habe ich ein paar inzwischen trockene Kleidungsstücke zurück in meinen Schrank geräumt und den Rest auf sämtliche Heizkörper verteilt. Und jetzt wird alles trocken sein.

21. Februar 2013


Ja, ich weiß. So fesselt man keine Leser. Und reißt keine neuen auf. Gebt mich nicht auf. Immerhin habe ich seit neun Jahren keine einzige Pause gemacht. So viele Sachen mitgeteilt. Geteilt. Mit Euch und Ihnen geteilt. Man kann auch zurückblättern. Die Abstände waren nicht immer so groß. Und Bilder gab es immer. Mein unausgesetzter Bilderstrom. An dem ich auch jetzt weiter arbeite. Mir gehen nur auch noch viele Sachen durch den Kopf, die heute, gestern und vorgestern zu filigran und persönlich sind, um sie zu zu veröffentlichen. Ach ja. Ihr kennt das ja. Wenn man Blogger persönlich trifft, erfährt man immer sehr schnell sehr viel, was über das Veröffentlichte hinaus geht. Interessanerweise ist so gut wie immer Vertrauen da, dass man das unter vier Augen oder auch sechs oder acht eher offenbaren kann, als im Blog. Ich glaube, mit das Besonderste an dieser Bloggerei ist, dass man im richtigen Leben auf Menschen treffen kann, die tatsächlich aus irgendeinem Grund an genau der seltsamen Kombination von Themen in den Einträgen von – zum Beispiel Gaga Nielsen – interessiert sind, wie man sie mit dieser dezidierten Aufmerksamkeit nur alle zwanzig Jahre durch andere Zufälle im richtigen Leben trifft. Oder traf. Die alle zwanzig Jahre Anderen beschäftigen mich gerade gedanklich. Die Wege, die sich zwingend, schicksalshaft kreuzten. Und was danach geschah, daraus wurde. Wie sich Intensität in Vakuum transformieren kann. Bevor ich dieses Blog schrieb, gab es zum Teil noch dichteres, intensiveres Schreiben. Ganz früher in täglichen persönlichen Aufzeichnungen, später im Austausch mit einem nahen Gegenüber. Wenn das dokumentiert ist, kann man viel über sich in der Vergangenheit erfahren. Wenn es zugänglich ist, wie bei mir der Fall. Es kann bestürzen, wie nah eine Zeit rückt, die so versunken schien und Gefühle in Erinnerung bringt, an die man sich nicht einmal mehr dunkel erinnern konnte. Ich lese und werde gewahr, dass es Ereignisse und Begegnungen gab, die mich tief erschütterten, zutiefst, und ich kann nicht einmal den Ablauf jenes Tages erinnern, oder den genauen Ort, weil ich nur existenzielle Gefühlsregungen vermerkte. Und in meiner Wohnung Reliquien finde, wenn ich sie sehe oder suche. Dinge, die immer da sind, die man nicht mehr sieht. Die ich nicht mehr sehe. Ein Teil meines kleinen Universums. Eine riesige Astgabel aus dem Grunewald, an die Scheibe der Balkontür gelehnt. So selbstverständlich, wie die alte Kaffeetasse mit dem großen Sprung und dem Versace-Logo am Boden. Gleichermaßen mit schlafwandlerischem Blick darübergestreift, kaum mehr wahrgenommen. Die große Bedeutung vergessen (nicht der Kaffeetasse). Vielleicht, bestimmt ist es auch gut, dass wir nicht in jedem Moment jeden vergangenen Vulkanausbruch aufs Neue empfinden. Aber ich weiß, dass mich die Worte wieder finden. Und ich die Worte. Denn es hört nicht auf.

11. Februar 2013

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Gaga Nielsens Neujahrsansprache vom 11. Februar 2013 zum chinesischen Neujahr (dem Jahr der Schlange!) und tolles Geheimwissen über Prominente (Wencke Myhre, Bata Illic, Daniel Gérard, Suzi Quatro, Neil Diamond, Udo Jürgens, Katja Epstein u.v.m.) und chinesische Sternzeichen aus der Zeitschrift Melanie!!!
►watch on youtube

04. Februar 2013

Ich war im Schuhgeschäft. Zuerst bei Leiser, dann im KadeWe, dann im Schuh-Dings-Universum oder so ähnlich und dann bei Deichmann. Alle hintereinander am Tauentzien. Die Verkäuferinnen waren sehr nett und stets zu Diensten. Ich wollte aber alleine nur mal so gucken und dann eventuell fragen, ob, falls mir einer gefällt (also ein Stiefel, ich habe nur nach Stiefeln geguckt), also ob das Modell auch noch im Lager in meiner Größe da wäre, falls es nicht bei den zum Teil darunter gestapelten Kartons dabei sein sollte, wie es in den günstigeren Geschäften gerne so dargeboten wird. Im KadeWe natürlich nicht. Da ist die Schuhabteilung mehr so eine elegante Lounge mit schicken Sechziger Jahre-Sesselchen und Teppichen und einer Couch mit großen, weichen Kissen. Da kann man dann die feinen Prada-, Fendi- und Stuart Weitzman-Modelle anprobieren. Oder anprobieren lassen! Die Verkäuferin hilft auch gerne beim Schuh-Anziehen. Ach, die Verkäuferinnen im KadeWe! Und die adretten Visagisten in der Parfümerie- und Kosmetikabteilung. Na ja, es gab keine Stiefelchen mehr von der Sorte, die in meinem Kopf war. Aber eigentlich wollte ich ja nur erzählen, dass bei Deichmann auch so eine Wand war mit hochgestapelten Kartons, und immer so stufenweise stand ein Modell auf dem obersten Karton. Bis unter die Decke. Und auf ein paar Karton-Türmchen stand auf jeder Schachtel: Schlanker Fuß! Da habe ich so bei mir gedacht: das ist ja mal ein toller Teaser, auf dem Karton zu behaupten, der Schuh macht einen schlanken Fuß! Das hat mir irgendwie gut gefallen, weil ja jeder einen schlanken Fuß haben möchte. Ein paar Regale weiter ist mir dann aber aufgefallen, dass nicht auf jeder Schachtel von der Marke „Schlanker Fuß!“ draufsteht. Und dann habe ich doch begreifen müssen, dass es wohl mehr so eine Angabe zur idealen Passform war. Also für Damen mit bereits ohne Schuh schlankem Fuß. Ich war dann ein bißchen desillusioniert, weil mir die Werbebotschaft, die ja auch ziemlich dreist gewesen wäre, doch irgendwie besser gefallen hat, als der nüchterne Hinweis, dass das Modell von Frauen mit breiten Füßen erst lieber gar nicht anprobiert werden muss. Ich habe aber dann zufällig einen Stiefel gefunden, ohne „Schlanker Fuß!“ drauf. Daheim habe ich dann meine alten Stiefel ausgezogen und in den Mülleimer gestopft. Sie waren nämlich schon ganz kaputt. Nur die Sohle war noch gut. Schade. Dafür ist jetzt wieder Platz für die neuen Stiefelchen. Ich habe einen sehr schönen Karton dazubekommen. Mit dem Karton unter dem Arm bin ich dann stolz nach Hause gestiefelt. Toll, endlich was gekauft! Ich muss noch etwas gestehen, ich habe auch schon am Samstag was gekauft, aber ich sage noch nicht was. Zweimal das gleiche Modell in zwei Farben. Ich schäme mich aber ein bißchen, weil es arg preisgünstig war (wegen schlimmer Kinderarbeit und was man immer alles so hört!). Aber es hat mir so gut gestanden, sogar in dem blöden Umkleidekabinenspiegel. Also gut, ich verrate was es ist: zwei kurze Mäntelchen, Trenchcoats, der eine knallrot und der andere wie Wüstensand. Und daheim im Internet habe ich gesehen, dass es von der teuren Burberry-Marke ein Modell gibt, das genauso wie mein roter Mantel ausschaut. Hab ich mich dann doch gefreut. Dass alle Verkäuferinnen supernett waren, habe ich schon erwähnt. Man kann es immer wieder erwähnen. Aber ich bin auch nett zu den Verkäuferinnen. Vielleicht war es auch die Zauberkraft von meinem Mantel aus Kuhfellteddy. Der zieht die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich! Auch bei Leiser kam gleich eine angerannt, eine richtige Lady. Es war mir fast unangenehm, dass ich nichts gekauft habe. Es gab schicke schwarze Lackstiefel, flache (das sieht nicht so nuttig aus, in Kombination mit dem Lack, deswegen toll) auch von Stuart Weitzman glaub ich. Ich hätte aber nach der Größe fragen müssen. Und wollte erst vernünftige schwarze Lederstiefel kaufen. Habe ich dann ja auch gemacht. Einkaufs-Erlebnisaufsatz fertig!

04. Februar 2013

Ich war im Schuhgeschäft. Zuerst bei Leiser, dann im KadeWe, dann im Schuh-Dings-Universum oder so ähnlich und dann bei Deichmann. Alle hintereinander am Tauentzien. Die Verkäuferinnen waren sehr nett und stets zu Diensten. Ich wollte aber alleine nur mal so gucken und dann eventuell fragen, ob, falls mir einer gefällt (also ein Stiefel, ich habe nur nach Stiefeln geguckt), also ob das Modell auch noch im Lager in meiner Größe da wäre, falls es nicht bei den zum Teil darunter gestapelten Kartons dabei sein sollte, wie es in den günstigeren Geschäften gerne so dargeboten wird. Im KadeWe natürlich nicht. Da ist die Schuhabteilung mehr so eine elegante Lounge mit schicken Sechziger Jahre-Sesselchen und Teppichen und einer Couch mit großen, weichen Kissen. Da kann man dann die feinen Prada-, Fendi- und Stuart Weitzman-Modelle anprobieren. Oder anprobieren lassen! Die Verkäuferin hilft auch gerne beim Schuh-Anziehen. Ach, die Verkäuferinnen im KadeWe! Und die adretten Visagisten in der Parfümerie- und Kosmetikabteilung. Na ja, es gab keine Stiefelchen mehr von der Sorte, die in meinem Kopf war. Aber eigentlich wollte ich ja nur erzählen, dass bei Deichmann auch so eine Wand war mit hochgestapelten Kartons, und immer so stufenweise stand ein Modell auf dem obersten Karton. Bis unter die Decke. Und auf ein paar Karton-Türmchen stand auf jeder Schachtel: Schlanker Fuß! Da habe ich so bei mir gedacht: das ist ja mal ein toller Teaser, auf dem Karton zu behaupten, der Schuh macht einen schlanken Fuß! Das hat mir irgendwie gut gefallen, weil ja jeder einen schlanken Fuß haben möchte. Ein paar Regale weiter ist mir dann aber aufgefallen, dass nicht auf jeder Schachtel von der Marke „Schlanker Fuß!“ draufsteht. Und dann habe ich doch begreifen müssen, dass es wohl mehr so eine Angabe zur idealen Passform war. Also für Damen mit bereits ohne Schuh schlankem Fuß. Ich war dann ein bißchen desillusioniert, weil mir die Werbebotschaft, die ja auch ziemlich dreist gewesen wäre, doch irgendwie besser gefallen hat, als der nüchterne Hinweis, dass das Modell von Frauen mit breiten Füßen erst lieber gar nicht anprobiert werden muss. Ich habe aber dann zufällig einen Stiefel gefunden, ohne „Schlanker Fuß!“ drauf. Daheim habe ich dann meine alten Stiefel ausgezogen und in den Mülleimer gestopft. Sie waren nämlich schon ganz kaputt. Nur die Sohle war noch gut. Schade. Dafür ist jetzt wieder Platz für die neuen Stiefelchen. Ich habe einen sehr schönen Karton dazubekommen. Mit dem Karton unter dem Arm bin ich dann stolz nach Hause gestiefelt. Toll, endlich was gekauft! Ich muss noch etwas gestehen, ich habe auch schon am Samstag was gekauft, aber ich sage noch nicht was. Zweimal das gleiche Modell in zwei Farben. Ich schäme mich aber ein bißchen, weil es arg preisgünstig war (wegen schlimmer Kinderarbeit und was man immer alles so hört!). Aber es hat mir so gut gestanden, sogar in dem blöden Umkleidekabinenspiegel. Also gut, ich verrate was es ist: zwei kurze Mäntelchen, Trenchcoats, der eine knallrot und der andere wie Wüstensand. Und daheim im Internet habe ich gesehen, dass es von der teuren Burberry-Marke ein Modell gibt, das genauso wie mein roter Mantel ausschaut. Hab ich mich dann doch gefreut. Dass alle Verkäuferinnen supernett waren, habe ich schon erwähnt. Man kann es immer wieder erwähnen. Aber ich bin auch nett zu den Verkäuferinnen. Vielleicht war es auch die Zauberkraft von meinem Mantel aus Kuhfellteddy. Der zieht die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals auf sich! Auch bei Leiser kam gleich eine angerannt, eine richtige Lady. Es war mir fast unangenehm, dass ich nichts gekauft habe. Es gab schicke schwarze Lackstiefel, flache (das sieht nicht so nuttig aus, in Kombination mit dem Lack, deswegen toll) auch von Stuart Weitzman glaub ich. Ich hätte aber nach der Größe fragen müssen. Und wollte erst vernünftige schwarze Lederstiefel kaufen. Habe ich dann ja auch gemacht. Einkaufs-Erlebnisaufsatz fertig!

01. Februar 2013

A TIGER IS A TIGER, NOT A LAMB, MEIN HERR.

KIT KAT GANG Reunited.
„Liza Minnelli joins her Cabaret co-stars for 40th anniversary
in Manhattan’s Ziegfeld Theatre – where the movie originally premiered in 1972. (…) Cabaret hasn’t been shown in a decade because one of the film reels had a vertical scratch. Restorers recently went frame by frame through the entire film – all 1.4million of them. The work was so time-consuming that the 40th anniversary last year was missed.“ Lucy Buckland, Daily Mail, 1 February 2013

30. Januar 2013

Nur ein kleiner Link zu einem kleinen Kommentar. Mein Schweigen im Walde ist ein Aspekt eines Heilprozesses. Es gibt Abgründe. In allen erdenklichen Richtungen. In sensiblen Lebensbereichen ist es konstruktiver, das Trümmerfeld gründlich zu räumen, anstatt aus den alten Trümmern notdürftig auf die Schnelle etwas zurechtzuzimmern. Manches bleibt darum überlebensnotwendig kryptisch. Nicht jede Wunde verträgt unerbittliches Tageslicht. Ich bitte um Rücksicht, wenn auch kein Verständnis. Behutsamkeit. Meine Erfahrung lehrt, dass die Halbwertzeit bei Gaga Nielsen-Wunden circa fünfzehn bis zwanzig Jahre beträgt. Manchmal auch dreißig. Schauen Sie gegen Zweitausenddreißig noch mal vorbei, dann bin ich vielleicht ansatzweise so weit zu erhellen, was ich heute nicht fertig bringe.

16. Januar 2013





http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984


Keine lustigen Flughafenwitzchen hier. Weiterklicken oder Gaga Nielsen-Bildchen gucken. Ich komme auch so, wohin ich will. Die Luftbrücke steht. Außerdem wartet im Kanzleramt rund um die Uhr mein künftiger blauer Diensthubschrauber. Ja, ich höre schon auf. Immer diese Angebereien. Ich habe mir übrigens immer noch keine neuen Anziehsachen gekauft. Ein Stück würde ja auch reichen. Eins mit Aha-Effekt! Ich stelle mir ein sensationell runtergesetztes Teil vor, das einem ohne Sparguthaben immer noch unverschämt teuer vorkommen würde. Das gibt mehr Luxus-Gefühl, als wie wenn irgendein billiger Plunder halt noch billiger ist. Teuer darf es sein, aber im Vergleich zum Ursprungspreis spektakulär günstiger! Das stachelt meinen Sportsgeist mehr an. Etwas neuer ist für mich die Erkenntnis, dass sehr spezielle Kleidungsstücke und Zubehör mit dem richtigen Etikett drin ja auch einen Wiederverkaufswert haben. Ach nein, eigentlich ist mir das doch egal. Aber für’s Gefühl ist es interessant, wenn man mal wieder pleite ist, und dann hat man diesen speziellen sonderangefertigten Schrankkoffer aus Frankreich mit eingeprägten Gaga-Nielsen-Initialen. Ein echtes Sammlerstück, das auf keinen Fall an Wert verliert. Schrankkoffer brauche ich allerdings gerade keinen. Ich brauche eigentlich gar nichts. Außer vielleicht mal eine neue warme Strumpfhose und demnächst mal wieder Unterwäsche. Also kann es sich nur um ein überflüssiges Luxus-Kleidungsstück handeln. Eventuell ein ansprechender Abendmantel oder dergleichen Extravaganzen. Nichts genaues weiß man nicht! Ja, mir fällt auch gerade auf, dass der Eintrag nichts mit den Bildern zu tun hat. Egal. Man muss sich auch mal etwas leisten. Außerdem darf ich jetzt nicht mehr weiterschreiben, weil ich mein Schlafkonto schon wieder reichlich überzogen habe. Ein Glück, dass ich morgen nur ungefähr mittelsuper aussehen muss. Kein Termin, außer zum Foto vor dem Kleiderschrank. Übrigens – 16. Januar – nur noch vier Wochen, dann bin ich endlich fertig mit dem Geknipse. Jetzt aber Zähneputzen und anschließend noch mal gründlich mit Zwetschgenwasser gurgeln, gegen die Bakterien. Nur mal als Tipp.

17. Januar 2013

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984

Ein kleiner Schritt für Gaga Nielsen, ein großer Schritt für die Menschheit. Gaga Nielsen iam Bundestag! Nur wenige Meter trennen Gaga Nielsen noch vor ihrem offiziellen Einzug ins Kanzleramt. Damals, am 19. August 2012 war es endlich so weit! Wie oft hat sie in Gedanken schon in der Tradition von Dings – äh – wie hieß er noch – Helmut – Harald – Günter – Gerhard! Schröder – an den Stäben gerüttelt. Wie Rilkes Panther ist sie innerlich stetig auf- und abgetigert, in ihrem kleinen, ohnmächtigen Käfig in der Auguststraße, von wo man das Kanzleramt ja doch nur erahnen kann. So, ich finde das langt jetzt zur Einstimmung. Aus dem Eintrag von gestern ist übrigens – dank mich ganz stark inspirierender bilateraler Kommentartätigkeit (Danke an Frau Arboretum!) (und vor allem auch von mir selber) – ein schöner Strang zum Thema „Wie haut Gaga Nielsen ihr fleißig Angespartes demnächst mit möglichst exclusiven Anziehsachen aus dem Fenster?“, geworden. Es geht garantiert mit keiner Silbe um das Paul-Löbe-Haus, obwohl man das denken könnte, wegen der Fotos, die ich dazu in mein kleines Album eingeklebt habe. Mein Ehrenwort! Und hiermit möchte ich den heutigen Blogeintrag auch schon wieder schließen. Es ist Schlafenszeit. Und ich meine, Sie könnten jetzt auch mal so ganz langsam ans Zähneputzen denken.

16. Januar 2013





http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984


Keine lustigen Flughafenwitzchen hier. Weiterklicken oder Gaga Nielsen-Bildchen gucken. Ich komme auch so, wohin ich will. Die Luftbrücke steht. Außerdem wartet im Kanzleramt rund um die Uhr mein künftiger blauer Diensthubschrauber. Ja, ich höre schon auf. Immer diese Angebereien. Ich habe mir übrigens immer noch keine neuen Anziehsachen gekauft. Ein Stück würde ja auch reichen. Eins mit Aha-Effekt! Ich stelle mir ein sensationell runtergesetztes Teil vor, das einem ohne Sparguthaben immer noch unverschämt teuer vorkommen würde. Das gibt mehr Luxus-Gefühl, als wie wenn irgendein billiger Plunder halt noch billiger ist. Teuer darf es sein, aber im Vergleich zum Ursprungspreis spektakulär günstiger! Das stachelt meinen Sportsgeist mehr an. Etwas neuer ist für mich die Erkenntnis, dass sehr spezielle Kleidungsstücke und Zubehör mit dem richtigen Etikett drin ja auch einen Wiederverkaufswert haben. Ach nein, eigentlich ist mir das doch egal. Aber für’s Gefühl ist es interessant, wenn man mal wieder pleite ist, und dann hat man diesen speziellen sonderangefertigten Schrankkoffer aus Frankreich mit eingeprägten Gaga-Nielsen-Initialen. Ein echtes Sammlerstück, das auf keinen Fall an Wert verliert. Schrankkoffer brauche ich allerdings gerade keinen. Ich brauche eigentlich gar nichts. Außer vielleicht mal eine neue warme Strumpfhose und demnächst mal wieder Unterwäsche. Also kann es sich nur um ein überflüssiges Luxus-Kleidungsstück handeln. Eventuell ein ansprechender Abendmantel oder dergleichen Extravaganzen. Nichts genaues weiß man nicht! Ja, mir fällt auch gerade auf, dass der Eintrag nichts mit den Bildern zu tun hat. Egal. Man muss sich auch mal etwas leisten. Außerdem darf ich jetzt nicht mehr weiterschreiben, weil ich mein Schlafkonto schon wieder reichlich überzogen habe. Ein Glück, dass ich morgen nur ungefähr mittelsuper aussehen muss. Kein Termin, außer zum Foto vor dem Kleiderschrank. Übrigens – 16. Januar – nur noch vier Wochen, dann bin ich endlich fertig mit dem Geknipse. Jetzt aber Zähneputzen und anschließend noch mal gründlich mit Zwetschgenwasser gurgeln, gegen die Bakterien. Nur mal als Tipp.

13. Januar 2013


http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124956









Weiter. Immer der Nase nach, am Reichstagsufer entlang. Gerade noch im ARD-Hauptstadtstudio, stehe ich auf einmal vor dem Grundgesetz. Gleich hinter den ehemaligen Reichstag, heute deutscher Bundestag, das Dings mit der gläsernen Kuppel. Der schöne moderne große Platz dahinter, mit der großen Treppe zum Spreeufer heißt Friedrich-Ebert-Platz. Welches brandneue politische Amt hatte Friedrich Ebert? Erster Reichspräsident der neugeborenen Weimarer Republik! Vorher hatten wir einen Kaiser! (…) „Die letzte, von den Ereignissen bereits überholte Initiative Wilhelms war der am späten Vormittag des 9. November [1918] gefasste Entschluss, zwar als Kaiser, nicht aber als preußischer König abzudanken. Die Revolution hatte mittlerweile Berlin erfasst. Während in Spa an einer entsprechenden Abdankungsurkunde gearbeitet wurde, traf die Nachricht ein, dass Max von Baden seinerseits die Abdankung Wilhelms als Kaiser und König bekanntgegeben und Friedrich Ebert das Amt des Reichskanzlers übertragen hatte. Durch dieses Manöver versuchte der badische Prinz in letzter Minute, den revolutionären Druck zu kanalisieren und die faktisch schon nicht mehr bestehende Monarchie als solche zu retten. Am selben Tag riefen Philipp Scheidemann von der SPD und Karl Liebknecht vom Spartakusbund die Republik aus.“ Wenn man bedenkt, dass man solche Sachen halbwüchsigen Kinder nahezubringen versucht, die vollauf beschäftigt sind, sich mit der Gesetzgebung der realen Familien-, Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik ihrer Eltern auseinanderzusetzen, wundert mich nicht, dass sich das keiner so genau merkt, in dem Alter. Ich jedenfalls nicht. Ja freilich, der Name und die grobe Funktion ist natürlich schon ein Begriff, aber die Details und Ursachen der Historie? Das sind bei mir schon sehr grobe Erinnerungsbrocken. Wenn man nicht gerade Geschichte auf Lehramt studiert oder bei Günther Jauch zum Millionär werden will. Na gut. Ich muss mich jetzt natürlich wieder eindringlicher damit beschäftigen, schließlich muss ich ja wissen, was die Amtsvorgänger geleistet haben. Aber damit soll es hier auch schon wieder genug sein, mit gebührenfreiem Nachhilfeunterricht. Der Sommertag steht dem Platz gut. Und mir auch. So wie in der Ecke stelle ich mir ein bißchen Sidney vor. Ich war da noch nie, aber bestimmt ist Berlin nirgendwo mehr Sidney als hier. Dass die grausamsten, revolutionärsten und Fortschritt verheißendesten Schlüsselereignisse der jüngeren deutschen Geschichte konzentriert in Berlin geschehen sind, ist keine hingebungsvolle Übertreibung. Wenn man sich gerne auf geschichtsträchtigem Terrain bewegt, ist man dort, und in Berlin überhaupt, goldrichtig. Man sollte unbedingt an einem sonnigen Tag einmal den ganzen Spreebogen entlanglaufen, so wie ich auf meinem Weg zum Kanzleramt. Mit jedem Schritt zeigt sich die Architektur futuristischer, und das Kanzleramt setzt dem Ganzen die Krone auf. Dazwischen liegt noch das Paul-Löbe-Haus. Man sieht in der Strecke da oben schon den linken Flügel. Viele Bilder, auch noch davon. Ich mache das ja nur einmal in so umfassender Weise. Ich habe nicht vor, das noch weitere Male ausgiebig zu dokumentieren. Aber sicher werde ich nicht das letzte Mal dort entlanggelaufen sein. Man kann dort gut Luft holen, die Weite eines großzügigen urbanen Raumes unter großem freien Himmel spüren. Wie man es sonst nur von den weiten Ebenen einer Wildnis oder Wüsten kennt.

03. Januar 203



Je länger ich mir die Bilder anschaue, umso mehr könnte ich mir mittlerweile sogar vorstellen, Europa zu reg repräsentieren. Ich vermute, das hat irgendetwas mit angeborener, aber nicht vererbter Veranlagung zu tun. In meiner Verwandtschaft gibt es niemanden, den ich dafür auch nur im Allerentferntesten für ausreichend geeignet hielte. Meine Vermutung ist, dass der grundlegende Charakter doch bei der Geburt irgendwie sehr speziell individuell zusammengewürfelt wird. Da können völlig abweichende Sachen dabei herauskommen, die die Altvorderen in tausend Jahren nie für möglich gehalten hätten. Selbst strikteste Erziehungsmaßnahmen können solche Sachen nicht mit der Wurzel ausreißen oder endgültig austreiben. Bin ich das perfekte Beispiel. Eigensinnig und traditionsdesinteressiert bis zuletzt. Egal, was die fassungslose Verwandtschaft davon hält. Aber ich wollte ja gar nicht in später Nacht solche abgründigen Sachen hier zum Besten geben. Vielmehr ein paar Anmerkungen zum Bundespresseamt. Ich bin ja von der Dorotheenstraße gekommen, da war eine Bühne im Hof, wo der Regierungssprecher Steffen Seibert ein Interview hatte. Ich bin ins Gebäude und wollte die für mich interessantesten Räume anschauen, nämlich das Büro vom Regierungssprecher und die Kantine. Die beiden Sachen haben mich am allermeisten interessiert, die wissenschaftlichen Kinderspielchen, die da in dem einen Raum aufgebaut waren, weniger. Aber leider waren gerade die beiden Räumlichkeiten nicht zugänglich. Und sonst gibt es halt nicht viel zu sehen, so ein Bundespresseamt ist ja auch kein Museum. Da sind ein paar Büros drin, und wenn man die gar nicht angucken kann, sondern nur so Schautafeln, wo draufsteht „Politik für alle Generationen“, wird es auch schnell ein bißchen langweilig.


Deswegen habe ich mit der Europafahne schon mal ein bißchen geübt, wie das kommt, mit mir im Vordergrund. Auch wegen später, wegen der ganzen Neujahrsansprachen und so weiter. Da hat man dann ja auch immer Fahnen links und rechts. Das Blau steht mir doch recht gut, stelle ich fest. Besser als die Deutschlandfahne. Aber das ist Zukunftsmusik! Nach einer Weile hat sich der völlig überhitzte Steffen Seibert dann auch wieder ins kühlere Gebäude begeben, und diversen Reportern Fragen zu seinem Getwittere und so weiter beantwortet. Er hatte dabei sein IPad auf dem Schoß und es auch angemacht. Man hat auch gesehen, dass er es wirklich selber benutzt, auf der Scheibe und dem Lederumschlag waren lauter Fingerabdrücke. Da könnte man eventuell mal mit so einem Wildleder-Reinigungsspray drübergehen. Da kommt wieder die Jungfrau durch! Auf jeden Fall kriegt Steffen Seibert eine extra Strecke. Nicht weil ich in ihn verliebt bin, oder sonst irgendwie Fan, sondern weil es meinem natürlichen Ordnungssinn entspricht. Das eine ist eben das Bundespresseamt mit Gaga Nielsen und das andere ist eben der Regierungssprecher. Das sollte man nicht durcheinander schmeißen, sonst kommen die Regierungsgeschäfte durcheinander. Ich bemühe mich, die Bilder vom Reg.-Sprecher ungefähr morgen zu posten. Sofern es meine Geschäfte zulassen!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=122138

02. Januar 2013

Zwar nicht komplett nach Plan gelaufen, der Tag, aber trotzdem recht angenehm. Hier muss wieder mehr Leben in die Bude! Neues Jahr, neue Gepflogenheiten! Kann mich gar nicht erinnern, dass ich jemals in irgendeinem Jahr direkt zum Anfang irgendeinen Vorsatz gehabt hätte. Mehr so vage Ideen, was man sich mal erlauben könnte oder ausprobieren. Letztes Jahr war ich ja plötzlich im Mai, nachdem Sarkozy den Löffel abgegeben hat, schlagartig wieder bereit, alkoholische Getränke zu mir zu nehmen. Ich bleibe bis auf weiteres dabei, es hat mir noch nicht geschadet. Bildet man sich zumindest gerne ein.
Sehr merkwürdiges Ereignis heute auch: bei Ullrich am Zoo, (großer Supermarkt) ging ich heute mal zur Kasse auf der ganz anderen Seite. Ich war schon fertig mit Bezahlen und Einpacken und dabei, die Tasche zu schultern, als mich ein Mann, ca. Ende Vierzig, Anfang Fünfzig anspricht. Nun muss man vielleicht wissen, dass ich extrem selten im Alltag einfach so von der Seite angequatscht werde. Vielleicht war der Mann ja auch so alt wie ich, und ich habe ihn nur älter geschätzt. Ach so, ich bin ja auch schon Ende Vierzig, mehr oder weniger! Wie auch immer – er wandte sich mit folgenden Worten an mich (jetzt fällt mir überhaupt erst auf, dass er mich geduzt hat): „Kann es sein, dass ich dich von irgendwoher kenne?“ Ich innerlich ratter ratter ratter, „oh oh, ist das jetzt einer, der Blogs liest und mich von einem Foto erkannt hat oder wie oder was, oh je, oh je, was kommt jetzt?“ Er weiter: „Bist du öfter mal im A-Trane? Mittwochs immer? Zum grmpflgrmpfl – (nicht verstanden)?“ Ich: „Im A-Trane? Da war ich bestimmt schon seit… zehn Jahren ungefähr nicht mehr!“ Er: „Echt? Wirklich nicht? Ganz bestimmt nicht? Bist du SICHER?“. „Ja. Ich wohn in Mitte, ich bin nicht mehr so oft in dem Dreh hier“ „Achso! In Mitte, da ist ja das B-Flat!, na dann gehst du doch bestimmt immer ins B-Flat, oder? Da ist doch Mittwochs immer Dingsgrmspfrmpfl! (nicht verstanden)“. Ich: „Äh… ah…. ja, im B-Flat war ich auch schon länger nicht mehr“ Er: „Ja, aber das ist sehr gut, also mittwochs (!) gerade, das ist wirklich – – – !“ Ich: „Ja, im B-Flat, da sind schon auch gute Sachen, ja ja! Ich bin in Eile, ich muss los! Tschüss!“ Weg war ich. Also okay, er tat mir dann ein kleines bißchen leid, weil das mit der Eile ein bißchen geschwindelt war. Aber nur so halb! Auf dem Weg zur S-Bahn fiel mir plötzlich auf, dass ich einen leichten rheinländischen Tonfall identifiziert hatte und dachte so „Ach, guck! Das sagt man den Rheinländern ja immer nach, dass sie so kontaktfreudig sind!“ Für mich war das auf jeden Fall ein nettes Ereignis, weil ich es halt nicht oft erlebe. Ich weiß gar nicht, ob ich früher öfter angesprochen worden bin. Obwohl, im Supermarkt eigentlich noch nie. Ob ich eine jazzbegeisterte Doppelgängerin in Berlin habe? Vielleicht sollte ich mittwochs mal ins A-Trane! Ich glaube, ich schreibe jetzt vielleicht lieber nicht so detailliert, dass mir der Mann nicht so richtig gut gefallen hat, aber er war bestimmt Akademiker. Also gute Allgemeinbildung, vor allem in Sachen Jazz-Clubs in Berlin! Das war das erste besondere Ereignis mit Menschen heute.

Das zweite besondere Ereignis war bei Rossmann (in der Rosi). Ich habe Seife und Deo gekauft und da bin ich auf einmal an einem Regal vorbeigekommen, wo was Besonderes war. Etwas ganz Besonderes! Etwas, wofür ich eindeutig nicht die Zielgruppe bin! Eine Funktions-Babypuppe! Links von den Zahnpastas und rechts von den Haarfärbemitteln gab es in einem Meter Höhe (komisch, das können die kleinen Kinder dann ja gar nicht richtig sehen, fällt mir gerade auf), Schachteln mit irgendwie so rosa-lila oder hellblau angezogenen flauschigen Babypuppen mit putzigen Gesichtern. Ungefähr 40 bis 50 Zentimeter groß, vier Schachteln, immer zwei nebeneinander, und die Schachteln waren so offen, dass man richtig reingreifen konnte! Die Funktion war nämlich, dass die Babypuppe was kann, was Babypuppen „zu meiner Zeit“ nicht gekonnt haben! Ich war total neugierig, wie weit die Babypuppentechnik nun inzwischen ist, gut fünfundvierzig Jahre später, nachdem ich zuletzt mit so etwas gespielt habe. Auf der Schachtel standen wie so tags ungefähr acht verschiedene Comic-Blasen mit was drin. Zum Beispiel „Dadadada“ „Mama“ „Aua!“ „hihihihi“ usw. usf. Ich hab alles ausprobiert, es war ganz einfach! Ich habe die Babypuppe in der Schachtel fest an verschiedenen Stellen am Bauch gedrückt und an bestimmten Stellen ist ein bestimmtes Geräusch gekommen und zwar voll wie echt! Ein Audiofile wurde abgespielt mit der Aufnahme von einer echten, wirklich sehr putzigen Babystimme! Lauter Gebrabbel und Zeugs. Es nahm kein Ende! Ich konnte nicht mehr aufhören zu drücken. Es gab auch ein Schlaf- und ein Weingeräusch, aber das war langweilig. Am Lustigsten war das etwas empörte „Aua!“ Echt süß! Ich habe wirklich einen Moment überlegt, ob ich die Puppe kaufen soll. Ich glaube 11,99 Euro! Aber dann fand ich den Strampelanzug irgendwie zu unstylish und wohin damit, wenn man keine Lust mehr hat, dauernd „Aua!“ usw. zu hören? Das wird dann ja auch schnell langweilig, ich kenne mich! Na ja. Ich habe dann noch ein bißchen stereo mit den Puppen gespielt, den beiden Vordersten. Die eine hab ich weinen lassen und die andere durfte Aua machen und auch mal lachen! Das war schon eine tolle Show! Nach fünf Minuten habe ich dann aber schon alles gekannt und es hat mir gereicht. Aber toll war es doch. Ich habe viel gelacht und war guter Dinge. Insgeheim hatte ich sogar überlegt, ob ich nicht doch eine Babypuppe kaufe (obwohl ich als Kind ja ehrlich gesagt kein Babypuppentyp war – und ich fürchte auch heute nicht so richtig), also, ob ich nicht doch eine mitnehme, und ein Gaga Nielsen-Opus mache, in dem ich die Funktionen der Baby-Puppe vorführe. Ich kann ja nochmal drüber schlafen! Auf alle Fälle: ganz schön interessant, was heutzutage Babypuppenmäßig so geboten ist. Man hat nach ein paar Minuten Spielen eigentlich genau das Gefühl wie mit einem echten Baby, nur dass es anschließend nicht in die Windel kackt und nicht gefüttert werden muss. Sehr praktisch! Also ich kann die Puppe uneingeschränkt empfehlen. Noch vier Stück bei Rossmann!
Und dann auch noch nicht uninteressant, auch bei Rossmann, an der Kasse dann: hinter mir eine Frau ungefähr Anfang Dreißig, dunkelblond, sympathischer, entspannter Typ mit kleiner Tochter, ca. elf Jahre alt. Auch nett, das Mädchen, also so vom Gucken. Sagt die Mutti zur Kassiererin ganz feierlich: „HEUTE ist ein BESONDERER Tag!“ Ich auch gleich ganz gespannt wie ein Flitzebogen, was jetzt kommt. Mama: „Heute! Ihre erste Wimperntusche!“ Das Mädchen wirkte zwar noch sehr kindlich und lächelte ganz putzig dabei, man merkte aber, die Kleine hatte die Mama überredet. Das Kind war überhaupt nicht affig herausgeputzt oder überkandidelt, die Mama wirkte auch eher schlicht und praktisch und gar nicht grell. Die Wimpern der Kleinen, die blond war, waren ganz fein und sogar dunkel, aber sie wirkten nicht getuscht. Ich sage zur Mama: „Oh! Sie hat ja so schon dunkle Wimpern, auch ohne! Die hätte ICH gerne!“ Mama lacht: „da ist Wimperntusche drauf, wir haben mal ausprobiert! Aber nicht für jeden Tag! Nur mal so, gelegentlich!“ Sah sehr überzeugend echt aus und nicht angemalt. Ich sage noch: „Ja komisch oder? Farblose Wimpern kommen irgendwie nie in Mode.“ Das ganze Szenario war so entspannt und unverkrampft, dass mir so durch den Kopf ging, wie gut es die Kleine doch hat, dass sie ihre Mama lässig zu solchen Aktionen überreden kann. Man hatte auch überhaupt keinen Grund zur Befürchtung, dass da eine frühreife Lolita gezüchtet wird. Einfach nur ein neues Spielzeug, halt mal wie Buntstifte für die Wimpern. Wir haben uns fröhlich verabschiedet und raus gings auf die Rosi. Weiter durch die Sophie-Gips-Höfe, da spricht mich schon wieder einer an! Ein junger Mann, recht attraktiv! Aber diesmal nur wegen mangelnder Ortskenntnis. Ob ich mich hier auskennnen würde und wüsste, wo das „Alte Europa“ ist? Ich: „eh – gibt’s das denn überhaupt noch?“ Er: „soll wohl ganz in der Nähe…“ Dann fiel es mir wieder ein, der Laden, das Café da links vom Eingang zu den Sophie-Gips-Höfen, na klar, wo Deutschküche dransteht. Ich war da nur noch nie drin, obwohl ich seit bald vierzehn Jahren jeden Tag dran vorbeilaufe. Ein hübscher Junge, habe es ihm gezeigt, hat sich artig bedankt.
Also: ich hatte menschlichen Kontakt, heute nach meinem Tagwerk, sehr nett. Man wird bescheiden. Und dann hat sogar noch das Telefon geklingelt und ich bin sogar ran! Ich konnte nämlich Jan auf dem Display identifizieren, was ihn sehr gewundert hat, weil der doch meinte, er hätte die Rufnummernerkennung deaktiviert. War ein sehr schönes, langes Gespräch. Es hat gemenschelt! Über alles Mögliche und Gott und die Welt. Ach ja, ich wollte ihm ja noch ein paar Links raussuchen und zumailen, u. a. einen Clip mit Ellen von Unwerth, falls ich den finde. Muss ich noch machen vor dem Schlafengehen. Wegen dem ganzen Gemenschel heute gibt es also keine alten neuen Fotos vom letzten August heute, aber morgen wieder. Und dafür einen ganz schön langen Blogeintrag. Sollen sich bloß nicht beschweren, die Leser! Sonst ist Schluss hier! Morgen dann Bildchen vom Ausflug zum Bundespresseamt. Gute Nacht!

02. Januar 2013

Zwar nicht komplett nach Plan gelaufen, der Tag, aber trotzdem recht angenehm. Hier muss wieder mehr Leben in die Bude! Neues Jahr, neue Gepflogenheiten! Kann mich gar nicht erinnern, dass ich jemals in irgendeinem Jahr direkt zum Anfang irgendeinen Vorsatz gehabt hätte. Mehr so vage Ideen, was man sich mal erlauben könnte oder ausprobieren. Letztes Jahr war ich ja plötzlich im Mai, nachdem Sarkozy den Löffel abgegeben hat, schlagartig wieder bereit, alkoholische Getränke zu mir zu nehmen. Ich bleibe bis auf weiteres dabei, es hat mir noch nicht geschadet. Bildet man sich zumindest gerne ein.
Sehr merkwürdiges Ereignis heute auch: bei Ullrich am Zoo, (großer Supermarkt) ging ich heute mal zur Kasse auf der ganz anderen Seite. Ich war schon fertig mit Bezahlen und Einpacken und dabei, die Tasche zu schultern, als mich ein Mann, ca. Ende Vierzig, Anfang Fünfzig anspricht. Nun muss man vielleicht wissen, dass ich extrem selten im Alltag einfach so von der Seite angequatscht werde. Vielleicht war der Mann ja auch so alt wie ich, und ich habe ihn nur älter geschätzt. Ach so, ich bin ja auch schon Ende Vierzig, mehr oder weniger! Wie auch immer – er wandte sich mit folgenden Worten an mich (jetzt fällt mir überhaupt erst auf, dass er mich geduzt hat): „Kann es sein, dass ich dich von irgendwoher kenne?“ Ich innerlich ratter ratter ratter, „oh oh, ist das jetzt einer, der Blogs liest und mich von einem Foto erkannt hat oder wie oder was, oh je, oh je, was kommt jetzt?“ Er weiter: „Bist du öfter mal im A-Trane? Mittwochs immer? Zum grmpflgrmpfl – (nicht verstanden)?“ Ich: „Im A-Trane? Da war ich bestimmt schon seit… zehn Jahren ungefähr nicht mehr!“ Er: „Echt? Wirklich nicht? Ganz bestimmt nicht? Bist du SICHER?“. „Ja. Ich wohn in Mitte, ich bin nicht mehr so oft in dem Dreh hier“ „Achso! In Mitte, da ist ja das B-Flat!, na dann gehst du doch bestimmt immer ins B-Flat, oder? Da ist doch Mittwochs immer Dingsgrmspfrmpfl! (nicht verstanden)“. Ich: „Äh… ah…. ja, im B-Flat war ich auch schon länger nicht mehr“ Er: „Ja, aber das ist sehr gut, also mittwochs (!) gerade, das ist wirklich – – – !“ Ich: „Ja, im B-Flat, da sind schon auch gute Sachen, ja ja! Ich bin in Eile, ich muss los! Tschüss!“ Weg war ich. Also okay, er tat mir dann ein kleines bißchen leid, weil das mit der Eile ein bißchen geschwindelt war. Aber nur so halb! Auf dem Weg zur S-Bahn fiel mir plötzlich auf, dass ich einen leichten rheinländischen Tonfall identifiziert hatte und dachte so „Ach, guck! Das sagt man den Rheinländern ja immer nach, dass sie so kontaktfreudig sind!“ Für mich war das auf jeden Fall ein nettes Ereignis, weil ich es halt nicht oft erlebe. Ich weiß gar nicht, ob ich früher öfter angesprochen worden bin. Obwohl, im Supermarkt eigentlich noch nie. Ob ich eine jazzbegeisterte Doppelgängerin in Berlin habe? Vielleicht sollte ich mittwochs mal ins A-Trane! Ich glaube, ich schreibe jetzt vielleicht lieber nicht so detailliert, dass mir der Mann nicht so richtig gut gefallen hat, aber er war bestimmt Akademiker. Also gute Allgemeinbildung, vor allem in Sachen Jazz-Clubs in Berlin! Das war das erste besondere Ereignis mit Menschen heute.

Das zweite besondere Ereignis war bei Rossmann (in der Rosi). Ich habe Seife und Deo gekauft und da bin ich auf einmal an einem Regal vorbeigekommen, wo was Besonderes war. Etwas ganz Besonderes! Etwas, wofür ich eindeutig nicht die Zielgruppe bin! Eine Funktions-Babypuppe! Links von den Zahnpastas und rechts von den Haarfärbemitteln gab es in einem Meter Höhe (komisch, das können die kleinen Kinder dann ja gar nicht richtig sehen, fällt mir gerade auf), Schachteln mit irgendwie so rosa-lila oder hellblau angezogenen flauschigen Babypuppen mit putzigen Gesichtern. Ungefähr 40 bis 50 Zentimeter groß, vier Schachteln, immer zwei nebeneinander, und die Schachteln waren so offen, dass man richtig reingreifen konnte! Die Funktion war nämlich, dass die Babypuppe was kann, was Babypuppen „zu meiner Zeit“ nicht gekonnt haben! Ich war total neugierig, wie weit die Babypuppentechnik nun inzwischen ist, gut fünfundvierzig Jahre später, nachdem ich zuletzt mit so etwas gespielt habe. Auf der Schachtel standen wie so tags ungefähr acht verschiedene Comic-Blasen mit was drin. Zum Beispiel „Dadadada“ „Mama“ „Aua!“ „hihihihi“ usw. usf. Ich hab alles ausprobiert, es war ganz einfach! Ich habe die Babypuppe in der Schachtel fest an verschiedenen Stellen am Bauch gedrückt und an bestimmten Stellen ist ein bestimmtes Geräusch gekommen und zwar voll wie echt! Ein Audiofile wurde abgespielt mit der Aufnahme von einer echten, wirklich sehr putzigen Babystimme! Lauter Gebrabbel und Zeugs. Es nahm kein Ende! Ich konnte nicht mehr aufhören zu drücken. Es gab auch ein Schlaf- und ein Weingeräusch, aber das war langweilig. Am Lustigsten war das etwas empörte „Aua!“ Echt süß! Ich habe wirklich einen Moment überlegt, ob ich die Puppe kaufen soll. Ich glaube 11,99 Euro! Aber dann fand ich den Strampelanzug irgendwie zu unstylish und wohin damit, wenn man keine Lust mehr hat, dauernd „Aua!“ usw. zu hören? Das wird dann ja auch schnell langweilig, ich kenne mich! Na ja. Ich habe dann noch ein bißchen stereo mit den Puppen gespielt, den beiden Vordersten. Die eine hab ich weinen lassen und die andere durfte Aua machen und auch mal lachen! Das war schon eine tolle Show! Nach fünf Minuten habe ich dann aber schon alles gekannt und es hat mir gereicht. Aber toll war es doch. Ich habe viel gelacht und war guter Dinge. Insgeheim hatte ich sogar überlegt, ob ich nicht doch eine Babypuppe kaufe (obwohl ich als Kind ja ehrlich gesagt kein Babypuppentyp war – und ich fürchte auch heute nicht so richtig), also, ob ich nicht doch eine mitnehme, und ein Gaga Nielsen-Opus mache, in dem ich die Funktionen der Baby-Puppe vorführe. Ich kann ja nochmal drüber schlafen! Auf alle Fälle: ganz schön interessant, was heutzutage Babypuppenmäßig so geboten ist. Man hat nach ein paar Minuten Spielen eigentlich genau das Gefühl wie mit einem echten Baby, nur dass es anschließend nicht in die Windel kackt und nicht gefüttert werden muss. Sehr praktisch! Also ich kann die Puppe uneingeschränkt empfehlen. Noch vier Stück bei Rossmann!
Und dann auch noch nicht uninteressant, auch bei Rossmann, an der Kasse dann: hinter mir eine Frau ungefähr Anfang Dreißig, dunkelblond, sympathischer, entspannter Typ mit kleiner Tochter, ca. elf Jahre alt. Auch nett, das Mädchen, also so vom Gucken. Sagt die Mutti zur Kassiererin ganz feierlich: „HEUTE ist ein BESONDERER Tag!“ Ich auch gleich ganz gespannt wie ein Flitzebogen, was jetzt kommt. Mama: „Heute! Ihre erste Wimperntusche!“ Das Mädchen wirkte zwar noch sehr kindlich und lächelte ganz putzig dabei, man merkte aber, die Kleine hatte die Mama überredet. Das Kind war überhaupt nicht affig herausgeputzt oder überkandidelt, die Mama wirkte auch eher schlicht und praktisch und gar nicht grell. Die Wimpern der Kleinen, die blond war, waren ganz fein und sogar dunkel, aber sie wirkten nicht getuscht. Ich sage zur Mama: „Oh! Sie hat ja so schon dunkle Wimpern, auch ohne! Die hätte ICH gerne!“ Mama lacht: „da ist Wimperntusche drauf, wir haben mal ausprobiert! Aber nicht für jeden Tag! Nur mal so, gelegentlich!“ Sah sehr überzeugend echt aus und nicht angemalt. Ich sage noch: „Ja komisch oder? Farblose Wimpern kommen irgendwie nie in Mode.“ Das ganze Szenario war so entspannt und unverkrampft, dass mir so durch den Kopf ging, wie gut es die Kleine doch hat, dass sie ihre Mama lässig zu solchen Aktionen überreden kann. Man hatte auch überhaupt keinen Grund zur Befürchtung, dass da eine frühreife Lolita gezüchtet wird. Einfach nur ein neues Spielzeug, halt mal wie Buntstifte für die Wimpern. Wir haben uns fröhlich verabschiedet und raus gings auf die Rosi. Weiter durch die Sophie-Gips-Höfe, da spricht mich schon wieder einer an! Ein junger Mann, recht attraktiv! Aber diesmal nur wegen mangelnder Ortskenntnis. Ob ich mich hier auskennnen würde und wüsste, wo das „Alte Europa“ ist? Ich: „eh – gibt’s das denn überhaupt noch?“ Er: „soll wohl ganz in der Nähe…“ Dann fiel es mir wieder ein, der Laden, das Café da links vom Eingang zu den Sophie-Gips-Höfen, na klar, wo Deutschküche dransteht. Ich war da nur noch nie drin, obwohl ich seit bald vierzehn Jahren jeden Tag dran vorbeilaufe. Ein hübscher Junge, habe es ihm gezeigt, hat sich artig bedankt.
Also: ich hatte menschlichen Kontakt, heute nach meinem Tagwerk, sehr nett. Man wird bescheiden. Und dann hat sogar noch das Telefon geklingelt und ich bin sogar ran! Ich konnte nämlich Jan auf dem Display identifizieren, was ihn sehr gewundert hat, weil der doch meinte, er hätte die Rufnummernerkennung deaktiviert. War ein sehr schönes, langes Gespräch. Es hat gemenschelt! Über alles Mögliche und Gott und die Welt. Ach ja, ich wollte ihm ja noch ein paar Links raussuchen und zumailen, u. a. einen Clip mit Ellen von Unwerth, falls ich den finde. Muss ich noch machen vor dem Schlafengehen. Wegen dem ganzen Gemenschel heute gibt es also keine alten neuen Fotos vom letzten August heute, aber morgen wieder. Und dafür einen ganz schön langen Blogeintrag. Sollen sich bloß nicht beschweren, die Leser! Sonst ist Schluss hier! Morgen dann Bildchen vom Ausflug zum Bundespresseamt. Gute Nacht!

01. Januar 2013



Von A nach B. Von Alexandria nach Baalbek. Äh – falsch. Von A nach D. Von Auguststraße nach Dorotheenstraße. Da kommt man so hin: aus dem Haus von Gaga Nielsen rechts die Auguststraße entlanglaufen, Richtung Große Hamburger. Bitte überqueren, weiter bis zur Tucholskystraße, vorbei am KW. Dann bitte links abbiegen, vorbei am Keyser Soze und Stop am Eingang zur S-Bahn-Haltestelle „Oranienburger Straße“. Bitte die Treppe nach unten gehen und auf den Bahnsteig, wo die S-Bahn Richtung Friedrichstraße fährt. Es ist egal, welche man nimmt, weil auf der Seite alle über Friedrichstraße fahren müssen. Es ist auch gleich schon die nächste Haltestelle und man hätte auch fast laufen können, aber wir müssen Kräfte sparen, weil noch ein langer Ausflug vor uns liegt und die Schuhsohlen sonst unnötig abgelaufen werden. Dank BVG-Jahresabo entstehen uns keine extra Ausgaben für diese Fahrt, es ist somit eine kluge Entscheidung. Am S-Bahnhof Friedrichstraße nehmen wir den Ausgang zur Georgenstraße und laufen die Friedrichstraße entlang Richtung Dussmann-Haus. Bzw. die Richtung wo unser Modezar Harald Glööckler in seinem Penthouse residiert, das ist nämlich genau daneben. Aber ganz so weit gehen wir nicht, wir biegen bitte kurz vorher rechts in die Dorotheenstraße und laufen noch ein paar Schritte. Auf der rechten Seite, so schräg gegenüber von einem Park kommt dann das Bundespresseamt. Wir sind an unserem ersten Ziel angelangt. Dank hervorragender Gaga-Nielsen-Navigation. Ich könnte jetzt eventuell noch ein glückliches neues Jahr wünschen. Wäre vielleicht nicht verkehrt. Denn wenn ich ehrlich bin, ist heute gar nicht der 19. August 2012, sondern der 1. Januar 2013. Nur damit die Leser wissen, dass ich noch nicht komplett geistig verwirrt bin. Fühle mich übrigens den ganzen Tag schon irgendwie reichlich platt wie verkatert, trotz sehr geringfügigem Alkoholgenusses am Vortag. Mir ist, als wäre der erste Januar schon immer irgendwie unkomfortabel. Nicht der Höhepunkt von meinem Jahres-Biorhythmus. Das heißt, ab morgen wird das neue Jahr schon mal viel besser. Daher Glück auf! allen meinen Leserinnen und Lesern, die sich bis jetzt geoutet haben, haha! Die anderen müssen sich meine Glückwünsche erst noch durch umfangreiche, ansprechende Kommentartätigkeit verdienen!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=122138
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01. Januar 2013



Von A nach B. Von Alexandria nach Baalbek. Äh – falsch. Von A nach D. Von Auguststraße nach Dorotheenstraße. Da kommt man so hin: aus dem Haus von Gaga Nielsen rechts die Auguststraße entlanglaufen, Richtung Große Hamburger. Bitte überqueren, weiter bis zur Tucholskystraße, vorbei am KW. Dann bitte links abbiegen, vorbei am Keyser Soze und Stop am Eingang zur S-Bahn-Haltestelle „Oranienburger Straße“. Bitte die Treppe nach unten gehen und auf den Bahnsteig, wo die S-Bahn Richtung Friedrichstraße fährt. Es ist egal, welche man nimmt, weil auf der Seite alle über Friedrichstraße fahren müssen. Es ist auch gleich schon die nächste Haltestelle und man hätte auch fast laufen können, aber wir müssen Kräfte sparen, weil noch ein langer Ausflug vor uns liegt und die Schuhsohlen sonst unnötig abgelaufen werden. Dank BVG-Jahresabo entstehen uns keine extra Ausgaben für diese Fahrt, es ist somit eine kluge Entscheidung. Am S-Bahnhof Friedrichstraße nehmen wir den Ausgang zur Georgenstraße und laufen die Friedrichstraße entlang Richtung Dussmann-Haus. Bzw. die Richtung wo unser Modezar Harald Glööckler in seinem Penthouse residiert, das ist nämlich genau daneben. Aber ganz so weit gehen wir nicht, wir biegen bitte kurz vorher rechts in die Dorotheenstraße und laufen noch ein paar Schritte. Auf der rechten Seite, so schräg gegenüber von einem Park kommt dann das Bundespresseamt. Wir sind an unserem ersten Ziel angelangt. Dank hervorragender Gaga-Nielsen-Navigation. Ich könnte jetzt eventuell noch ein glückliches neues Jahr wünschen. Wäre vielleicht nicht verkehrt. Denn wenn ich ehrlich bin, ist heute gar nicht der 19. August 2012, sondern der 1. Januar 2013. Nur damit die Leser wissen, dass ich noch nicht komplett geistig verwirrt bin. Fühle mich übrigens den ganzen Tag schon irgendwie reichlich platt wie verkatert, trotz sehr geringfügigem Alkoholgenusses am Vortag. Mir ist, als wäre der erste Januar schon immer irgendwie unkomfortabel. Nicht der Höhepunkt von meinem Jahres-Biorhythmus. Das heißt, ab morgen wird das neue Jahr schon mal viel besser. Daher Glück auf! allen meinen Leserinnen und Lesern, die sich bis jetzt geoutet haben, haha! Die anderen müssen sich meine Glückwünsche erst noch durch umfangreiche, ansprechende Kommentartätigkeit verdienen!
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31. Dezember 2012


http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=122138
Ich will ja nicht schon wieder prahlen, aber auch das üppig mit Holzperlen bestickte Hippie-Oberteil, ist vom schon ganz schön supercoolen Anziehsachenladen meines Vertrauens Who killed Bambi. Entschuldigen allerdings möchte ich mich für das doch arg altbackene Känguruh-Bauch-Täschchen in Silber-Türkisblau, das ausschließlich meinem staatstragenden Besuch im Kanzleramt geschuldet war. Umfangreiche Kontrollen und Bodychecks sind meine Sache nicht, also hieß es, eine sowohl diskrete, bequeme, als auch effiziente Lösung zu finden. Leider hatte die blöde weiße Hose keine einzige Hosentasche. Sicher hätte man alternativ überlegen können, Hausschlüssel, Kleingeld und BVG-Karte im BH zu verstauen, aber ich war mir unsicher, ob die Sicherheitsbeamten mit ihren geschickten Scannern nicht doch fündig geworden wären und das prüfende Gefummel wäre mir dann doch tendenziell unangenehm gewesen. Es hat dann auch prima geklappt, ich wurde praktisch durchgewunken, wie mir das in Anbetracht meiner künftigen Ämter auch zusteht. Der hohe Tag war mir sogar einen zeitnahen Blogeintrag wert. Ich erinnere: zunächst suchte ich den Bundespressesprecher in der Dorotheenstraße auf und spazierte dann weiter zum Kanzleramt, zwecks Inspektion meines künftigen Beatrix-blauen Diensthubschraubers und Probesitzens.

31. Dezember 2012


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Ich will ja nicht schon wieder prahlen, aber auch das üppig mit Holzperlen bestickte Hippie-Oberteil, ist vom schon ganz schön supercoolen Anziehsachenladen meines Vertrauens Who killed Bambi. Entschuldigen allerdings möchte ich mich für das doch arg altbackene Känguruh-Bauch-Täschchen in Silber-Türkisblau, das ausschließlich meinem staatstragenden Besuch im Kanzleramt geschuldet war. Umfangreiche Kontrollen und Bodychecks sind meine Sache nicht, also hieß es, eine sowohl diskrete, bequeme, als auch effiziente Lösung zu finden. Leider hatte die blöde weiße Hose keine einzige Hosentasche. Sicher hätte man alternativ überlegen können, Hausschlüssel, Kleingeld und BVG-Karte im BH zu verstauen, aber ich war mir unsicher, ob die Sicherheitsbeamten mit ihren geschickten Scannern nicht doch fündig geworden wären und das prüfende Gefummel wäre mir dann doch tendenziell unangenehm gewesen. Es hat dann auch prima geklappt, ich wurde praktisch durchgewunken, wie mir das in Anbetracht meiner künftigen Ämter auch zusteht. Der hohe Tag war mir sogar einen zeitnahen Blogeintrag wert. Ich erinnere: zunächst suchte ich den Bundespressesprecher in der Dorotheenstraße auf und spazierte dann weiter zum Kanzleramt, zwecks Inspektion meines künftigen Beatrix-blauen Diensthubschraubers und Probesitzens.

29. Dezember 2012


Mitte August, Balkon andere Seite. Wildes Gestrüpp, trockene Blätter. Ockergelb wie im Herbst. Nie direkte Sonne. Was da wächst, ist aus dem Wald, mehreren Wäldern in Berlin und vom wilden Samenflug. Nein, nicht ganz. Einen Knöterich habe ich gekauft. Aber erst nach drei Jahren hat er sich danach gefühlt, zu blühen. Das Schöne ist, dass man sich bei winterharten heimischen Gewächsen, um kein Hin und Her kümmern muss. Überwintert wird wie im Wald, da wo man auch im Sommer ist. Ein Strauch ist schließlich kein Wüstennomade. Das funktioniert nun schon seit bald vierzehn Jahren ausgezeichnet. Blumentöpfe hin- und herräumen macht nur alle Beteiligten unwirsch. Mein selbst gezogener Pampelmusenbaum auf der Südseite ist fast eingegangen, als ich ihm einen Sommer in der Sonne schenken wollte. Der Wind war hier oben so stark und die Sonne so heiß, dass er ganz geschwächt war und fast eingegangen ist. Ich konnte ihn gerade noch retten, wieder an den alten Platz in der Wohnung direkt am Fenster gestellt. Fast alle oberen Blätter, die am nähsten an der Sonne, waren bald verbrannt, vertrocknet und kaputt und wochenlang sind keine neuen gekommen. Als er wieder drinnen war, habe ich mich betreten für den Zirkus entschuldigt und ihm genau den Platz zurückgegeben, wo er aufgewachsen ist, wo er unerwartet aus dem Kern geschlüpft ist. Nach drei Wochen hatte er siebzehn neue Blätter. Das klingt recht ausgeschmückt, aber so war es! Die Pflanzen drinnen kriegen viele wohlwollende Blicke und immer Wasser, wenn es mir auffällt, dass es so weit sein könnte. Aber keinen Dünger und kein Heckmeck. Gesprochen wird auch kaum, aber mein wohlwollendes Auge ruht auf jedem kleinen Blatt.
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29. Dezember 2012

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Kopf: Gaga Nielsen
Brille: n.n.*, Rossmann
Haare: Gaga Nielsen
Unterwäsche oben: Esprit
Heidi-Shirt: Who killed Bambi?
Nadelstreifen-Weste: Strenesse
Satinjacke: n.n., Wertheim am Kudamm
Rumpf: Gaga Nielsen
Ramones-Tasche: Who killed Bambi?
Arme: Gaga Nielsen
Kamera: Canon
Hände: Gaga Nielsen
Gürtel: Get up(?) (Gravierung Schließe)
Unterwäsche unten: n.n. Galeria Kaufhof
Beine: Gaga Nielsen
Jeans: S. Oliver
Füße: Gaga Nielsen
Socken: under2wear, Rossmann
Schuhe: Reebok EasyTone Reeawaken Black
Polsterbank: Banqueta Eindhoven, KA International
Plüsch-Emu: Wertheim
Bilder: Gaga Nielsen
Location: Berlin, August- Ecke Joachimstr., 5. OG, Flur
n.n.* = Etikett wg. Kratzigkeit entfernt bzw. mangels Branding nicht identifizierbar

26. Dezember 2012


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Immerhin war meine Who killed Bambi?-Jacke in diesem Jahr noch nicht im Programm. Ich glaube, zuletzt Zweitausendneun auf Bildchen angehabt. So für heute ist es genug. Ich nehme an, nicht nur das viele Hochladen und Posten, sondern auch das Angucken müssen ist doch recht ermüdend. Ich bin jetzt doch froh, dass der Countdown läuft. Noch dreiundfünfzig Tage, dann ist das Jahr voll. Leider können meine Leser heute noch nicht wissen, was ich weiß, dass nämlich die ganzen Kleider leider erst gegen Ende dran sind, weil ich wenig Gelegenheit hatte, in diesem Jahr tagsüber Fähnchen anzuziehen, ohne mich zu verkühlen. Bzw. wenn es schon mal ordentlich warm war und ich daheim bleiben konnte, habe ich mir erst gar nicht großartig was angezogen. Jetzt aber zum Endspurt, muss jeder freie Tag, wo ich nicht vor die Tür muss, für Kleidermodenschau herhalten! Ich ziehe praktisch so gut wie jeden Tag ein Sommerkleid an und maximal, filigrane Sandaletten. Meistens aber barfuß. Also für ungefähr fünf bis zehn Minuten, bis die Bilder im Kasten sind. Neulich habe ich ein weißes Kleid angezogen, so in der Art wie Romy Schneider in „Die Dinge des Lebens“ anhat, so ein weißes Etuikleid, ganz geradlinig geschnitten. Ihres war von Courrèges, meines nur von – müsste ich aufs Etikett gucken, hab ich ausnahmsweise gar nicht rausgeschnitten – aber immerhin auch eine Pariser Modemarke, im Lafayette gekauft. Auch schon ewig her wieder. Na jedenfalls hatte es gerade geschneit, ich glaube zum ersten mal und ich habe die weiße Schneekulisse auf dem Balkon superclever als Hintergrund für die Fotos genutzt! Dann noch die rosa Zehensandalen aus Wildleder von Ralph Lauren in den Schnee gestellt. Das kam auch sehr apart rüber. Die habe ich auch noch in hellblau, die waren ein paar Tage später dran. Die Sandalen waren mal unglaublich runtergesetzt, da habe ich zugeschlagen, wahrscheinlich hatte keine Anziehpuppe außer mir so große Füße, deswegen übrig. Ich sage jetzt aber nicht, wie billig die Sandalen waren, dann sind die Leute nicht mehr so beeindruckt. So, das war mal wieder ein bißchen Erklärung zu dem ganzen Bildmaterial, was sich aber ja eigentlich von selber erklärt. Immerhin ist jetzt schon bald Mitte August, das heißt, ich habe ein halbes Jahr seit Mitte Februar geschafft. Ich muss sagen, ich bin schon erstaunlich diszipliniert. Jetzt, wo Weihnachten rum ist und tolle Anziehsachen schön reduziert, gehe ich bald mit dickem Portemonnaie los und werde mir Wünsche erfüllen, von denen ich noch gar nicht weiß, dass ich sie haben werde! Damit kein falscher Eindruck entsteht: das Portemonnaie ist nicht deswegen gut gefüllt, weil man mich reich beschenkt hätte, sondern weil ich das ganze Jahr gespart habe, um meinen kleinen Staatshaushalt zu konsolidieren. Hat geklappt! Man muss nur wollen! Und arbeiten natürlich. Von Nichts kommt Nichts. Eine meines Erachtens vernachlässigte Weisheit. So, noch den allerletzten Schluck Rotwein und dann endlich mal Faulenzen!

27. Dezember 2012


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Ich muss den Eintrag auf 27. datieren, wenn auch weit nach Mitternacht, es ist ja doch noch vor dem Schlafengehen, nach einem langen Tag mit dem Datum. Das ist schon in Ordnung. Muss ich auch gar nicht erklären. Kopf wird schon schwer gerade, ob ich noch den Eintrag hinkriege – wenigstens einen, wenigstens einen einzigen Tag hochladen. Den zwölften August. Ich schaue die Bilder in der Reihenfolge an und versuche die Dramaturgie zu verstehen. Die Erinnerung stellte sich ein. Es war ein heißer Sommertag, wie August sein soll und bestimmt Wochenende. Samstag vielleicht. Ich habe sicher geduscht und Kaffee gemacht und bin gleich in die Sonne und dann fiel mir wieder das Fotospielchen ein und ich wollte nicht noch mal behinderte Bilder mit unbekleideten Fragmenten machen, um einer Fortsetzung der bis dato lückenlosen Wahrhaftigkeit willen. Also zum ersten Mal ein Kleid aus dem Schrank gezogen, obwohl ich gewöhnlich bei so einer Hitze nicht im Kleid in der Sonne sitze. Das gibt nur verschwitzte Flecken im Stoff. Ich hatte es überhaupt nur einmal auf dem Balkon an, da hatte ich Besuch und danach gingen wir essen, ins Pan Asia in der Rosenthaler Straße, rechts von den Hackeschen Höfen. Im Sommer ist es schön da, draußen beim Licht der Kerzen und Fackeln auf den asiatischen Holzpaneelen und den großen Bodenkissen zu sitzen. Gutes Essen auch. Das war das einzige mal, dass ich das Kleid überhaupt in der Öffentlichkeit anhatte. Ich finde es eigentlich ein bißchen zu gewagt und zu verspielt, zu freizügig, um alleine damit durch die Gegend zu laufen. Zu offensiv. Aber bei dem richtigen Begleiter kann das wieder passen. Auf jeden Fall eher eine Zufallsbeute. Ich wollte nur mal sehen, wie so ein gerüschter Rock am Kleid aussieht, so ein vielfacher Volant. Das kannte ich nur noch aus der Zeit als ganz junges Mädchen. Was ich im Ausweis nicht mehr bin. Aber manchmal im Herzen. Na ja. Nun ist das Fähnchen dokumentiert. Ich hatte es noch ein Weilchen auf dem Balkon an, es ist sehr bequem, bis es mir zu heiß wurde. Das einzige, was ich nicht mehr rekonstruieren kann ist, wieso auf der Steinstufe an der Balkontür die beiden Zangen liegen. Irgendetwas scheine ich repariert zu haben, zurechtgebogen. Ich weiß bloß nicht mehr was.

26. Dezember 2012


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Immerhin war meine Who killed Bambi?-Jacke in diesem Jahr noch nicht im Programm. Ich glaube, zuletzt Zweitausendneun auf Bildchen angehabt. So für heute ist es genug. Ich nehme an, nicht nur das viele Hochladen und Posten, sondern auch das Angucken müssen ist doch recht ermüdend. Ich bin jetzt doch froh, dass der Countdown läuft. Noch dreiundfünfzig Tage, dann ist das Jahr voll. Leider können meine Leser heute noch nicht wissen, was ich weiß, dass nämlich die ganzen Kleider leider erst gegen Ende dran sind, weil ich wenig Gelegenheit hatte, in diesem Jahr tagsüber Fähnchen anzuziehen, ohne mich zu verkühlen. Bzw. wenn es schon mal ordentlich warm war und ich daheim bleiben konnte, habe ich mir erst gar nicht großartig was angezogen. Jetzt aber zum Endspurt, muss jeder freie Tag, wo ich nicht vor die Tür muss, für Kleidermodenschau herhalten! Ich ziehe praktisch so gut wie jeden Tag ein Sommerkleid an und maximal, filigrane Sandaletten. Meistens aber barfuß. Also für ungefähr fünf bis zehn Minuten, bis die Bilder im Kasten sind. Neulich habe ich ein weißes Kleid angezogen, so in der Art wie Romy Schneider in „Die Dinge des Lebens“ anhat, so ein weißes Etuikleid, ganz geradlinig geschnitten. Ihres war von Courrèges, meines nur von – müsste ich aufs Etikett gucken, hab ich ausnahmsweise gar nicht rausgeschnitten – aber immerhin auch eine Pariser Modemarke, im Lafayette gekauft. Auch schon ewig her wieder. Na jedenfalls hatte es gerade geschneit, ich glaube zum ersten mal und ich habe die weiße Schneekulisse auf dem Balkon superclever als Hintergrund für die Fotos genutzt! Dann noch die rosa Zehensandalen aus Wildleder von Ralph Lauren in den Schnee gestellt. Das kam auch sehr apart rüber. Die habe ich auch noch in hellblau, die waren ein paar Tage später dran. Die Sandalen waren mal unglaublich runtergesetzt, da habe ich zugeschlagen, wahrscheinlich hatte keine Anziehpuppe außer mir so große Füße, deswegen übrig. Ich sage jetzt aber nicht, wie billig die Sandalen waren, dann sind die Leute nicht mehr so beeindruckt. So, das war mal wieder ein bißchen Erklärung zu dem ganzen Bildmaterial, was sich aber ja eigentlich von selber erklärt. Immerhin ist jetzt schon bald Mitte August, das heißt, ich habe ein halbes Jahr seit Mitte Februar geschafft. Ich muss sagen, ich bin schon erstaunlich diszipliniert. Jetzt, wo Weihnachten rum ist und tolle Anziehsachen schön reduziert, gehe ich bald mit dickem Portemonnaie los und werde mir Wünsche erfüllen, von denen ich noch gar nicht weiß, dass ich sie haben werde! Damit kein falscher Eindruck entsteht: das Portemonnaie ist nicht deswegen gut gefüllt, weil man mich reich beschenkt hätte, sondern weil ich das ganze Jahr gespart habe, um meinen kleinen Staatshaushalt zu konsolidieren. Hat geklappt! Man muss nur wollen! Und arbeiten natürlich. Von Nichts kommt Nichts. Eine meines Erachtens vernachlässigte Weisheit. So, noch den allerletzten Schluck Rotwein und dann endlich mal Faulenzen!

24. Dezember 2012

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Ja, ok gut – so richtig super ist mein Timing vielleicht nicht unbedingt, wenn es um Festtage geht. Ich bin leider einen Tag zu früh dran, mit meinem Jagger-Shirt. Er hat ja erst morgen, am 26. Juli Geburtstag. Sein Neunundsechzigster! Kinder, wie die Zeit vergeht, nun ist der Juli auch schon bald wieder rum! Aber hier auf Mustique ist sowieso ein Tag wie der andere, insofern hat es mir Mick auch nicht übel genommen, als wir uns vorhin am Strand über den Weg gelaufen sind, und ich ihm vorzeitig gratuliert habe. Ich denke mal, er wird wieder ordentlich reinfeiern, insofern machen die paar Stunden auch keinen großen Unterschied. Er ist ja schon ein bißchen länger hier auf Mustique als ich. Als er das Eiland seinerzeit (durch Jerry) für sich entdeckt hat, war man ja noch ganz unter sich. Wie gerne hätte ich das noch erlebt. Heute muss man ja leider damit leben, dass auch neureiche Pauschaltouristen wie diese Middletons hier für mehrere Tage ihre Unterkunft nehmen. Wo ist man eigentlich noch sicher vor dem Mob, fragt man sich. Aber ich will nicht jammern, so lange der Eisschrank noch funktioniert und immer gut mit meinem Lieblingschampagner gefüllt ist! Es ist ja doch recht heiß hier, ich muss unbedingt etwas trinken. Dann noch etwas ausruhen, eventuell eine Maske im Whirlpool auflegen und dann heißt es auch schon wieder Umziehen für die Party. Was ziehe ich bloß an. Die Leute kennen nun schon alle meine Fähnchen, aber nackt möchte ich auch nicht gehen. Aus dem Alter bin ich raus. Sex, Drugs & Rock’n’Roll, das war gestern. Heute kann ich mir das nicht mehr leisten. Aber auch da stehe ich nicht alleine da. Wir sind hier praktisch eine große, kleine Selbsthilfegruppe auf Mustique. Alle schlagen sich mit demselben Problem herum: wie kommt man an gesunde Drogen, oder womöglich ohne, ekstasemäßig drauf. Geld spielt keine Rolle. Bei Mick gibt es immer jede Menge frisch gespresster Säfte aus tropischen Früchten, direkt von seinem Anwesen. Frische Meeresfrüchte kommen natürlich auch immer auf den Tisch. Mick legt viel Wert auf frische Zutaten und kocht auch selber gerne. Er hat ja sonst nicht mehr viel zu tun. Das Geld arbeitet praktisch seit vierzig, fünfzig Jahren von selber. Er hat schon immer ein Händchen fürs Betriebswirtschaftliche gehabt. Ganz im Gegensatz zu Keith. Oh, schon spät, ich muss mich langsam fertig machen.

24. Dezember 2012

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Ich habe mich ganz spontan entschieden, die Festtage auf Mustique zu verbringen, wo ich ein kleines Anwesen besitze, die ehemalige Villa von Prinzessin Margret, Gott hab sie selig. Gut, dass sie den Trubel um die Schwangerschaft dieser Bürgerlichen Kate Middleton nicht mehr miterleben muss. Ich weiß gar nicht, wie das alles zustande kommen konnte. Sind wir denn schon so weit, dass man es stillschweigend in Kauf nimmt, dass die Zeugung der künftigen Thronfolgerin nicht mehr zwischen den königlichen Laken von statten geht, sondern in einem profanen Praxislabor durch eine medizinisch technische Hilfskraft? Das nimmt dem Ganzen doch erheblich die Romantik und ist insgesamt der Sympathie für die Monarchie nicht förderlich. Wenn das alles immer profaner wird und demnächst jede Stubenfliege in den Adel gehoben wird, hat sich der ganze Kram für mich erledigt.

Ich finde es ja immer sehr interessant, wie wenig deutsche Klatschkonsumenten über die wahren Begebenheiten am englischen Königshof wissen. Wahrscheinlich können die Bunte-Reporter nicht genug Englisch, um sich qualifiziert auf dem Laufenden zu halten. Man hat im deutschen Sprachraum damit praktisch immer Herrschaftswissen und kann somit punkten. Also wenn Sie weitere Fragen haben sollten, ich bin auf dem Laufenden.

21. Dezember 2012


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Das machen ja die meisten Menschen. Sich umziehen, nach einem langen Tag, wenn man am Abend eine Einladung wahrnimmt. Man kommt in eine andere Stimmung, ist vielleicht zu anderen Sachen bereit. Wozu auch immer. Das war kein fick-mich-Outfit, es war ja auch keine derartige Einladung. Jedenfalls von mir nicht so verstanden, haha. Na ja. Ich habe an diesem Abend Bilder gemacht, die ich außerhalb meiner sonst strikt bedachten Bilder-Chronologie hochgeladen habe. Nun muss ich endlich nicht mehr stolpern, die zeitliche Lücke ist geschlossen, der dreizehnte Juli steht nicht mehr einsam mind the gap oben, in Distanz zu hinterher hinkenden Frühjahrsbildern. Es geht weiter, das Jahr geht in den Sommer, auch wenn uns der Wettergott ein bißchen zappeln ließ. Immerhin konnte man hin und wieder kurzärmlig gehen. Chronologisch kommt nach dem Umziehen vor dem Kleiderschrank also jene Strecke von einem Fest in einer Galerie in Charlottenburg. Ich klebe es zum steten Gedenken der zeitlichen Abfolge noch einmal hier hin, ordentlich wie ich halt nun einmal bin.
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20. Dezember 2012

Vor ungefähr zwei Wochen, als man bei twoday ein, zwei Tage keine neuen Beiträge anlegen konnte, bin ich über alte offline Beiträge gestolpert. Meistens Kommentare, die ich erst in der Beitragsfunktion schrieb, um Zugriff auf die Menüleiste mit den Formatierungen und dem Link-Code etc. zu haben und dann zu copy-pasten. Oft habe ich diese Kommentarentwürfe dann versehentlich nicht innerhalb der Beiträge gelöscht, sondern einfach wieder vergessen, dass sie hier herumdümpeln. Aber neulich kam mir der alte Kommenarwust zugute, weil ich statt erfolglos neue Beiträge anzulegen, einfach alte überschreiben konnte und so vielleicht die einzige twoday-Bloggerin war, die an jenem Wochenende mit neuen Beiträgen aufwarten konnte. Ich war dann auch gleich in den Charts! Haha.
Aber was ich eigentlich mitteilen will: ich habe nun doch aufgeräumt und ausgemistet und im Zuge dessen bin ich sogar über zwei, drei Einträge gestolpert, die ich scheinbar versehentlich offline hatte, ganz altes Zeug, von Zweitausendacht. Wie auch immer – die letzte Altlast unter „Beiträge offline“ war ein copy-gepasteter facebook-chat. Aus irgendeinem Grund fand ich es wohl schade, wenn er einfach so im Nichts verschwinden würde, nachdem man sich ausgeloggt hat. Damals habe ich ja noch jeden Tag auf facebook geguckt und auch manchmal geschaut, was die wenigen Freunde treiben. Das ist lange her und lange vorbei. Ich habe auch damals schon sehr, sehr selten gechattet. Es kam immer nur dazu, wenn mich jemand angestupst hat, das war wohl auch bei jenem kopierten Chat so. Es ist nichts Weltbewegendes, aber ich habe es gerade noch mal durchgelesen und finde den Tonfall interessant, es ist doch ein anderer Ton als beim Kommentieren eines Blogeintrags, auch nicht wie Mails schreiben, irgendwie finde ich es schade, dieses Ping Pong zu löschen. Es ist so eine Momentaufnahme, die sehr schön zeigt, was diese besondere Form des Austauschs ausmacht. Mehr so ein historisches Dokument für mich. Auch Gaga Nielsen hat zweieinhalb mal in ihrem Leben gechattet und hat früher facebook-Kontakte gepflegt. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, ich kenne Julian persönlich. Dabei hatten wir nur einen gemeinsamen engen Freund, sind uns aber nie persönlich begegnet. Der gemeinsame Freund verband gefühlt, schaffte Nähe. Schon seltsam, wie ein Gefühl von Vertrauenswürdigkeit entsteht. Nach diesem Chat gab es, soweit ich mich erinnere, keinen Kontakt mehr. Ich stieg im Laufe des Jahres Zweitausendzehn auch immer mehr aus sämtlichen facebook-Aktivitäten aus. Heute logge ich mich ungefähr nur noch alle zwei Monate oder so ein. Gestern tat ich es, und fand überrascht einen Message von Tim, einem jungen Schauspieler, den ich vor drei, vier Jahren in der Seven Star Gallery kennenlernte. Ich hatte ihn mit seinem Kumpel Nikolai Kinski bei Seven Star, bei irgendeiner Feier fotografiert, er hat die Bilddatei irgendwie verloren und fragte danach. Die Botschaft von ihm dümpelte schon seit Anfang Dezember in meinem facebook-Postfach. Ich habe ihm das Bild dann noch mal geschickt. Vielleicht hat er darauf reagiert, aber ich habe keine Lust, heute dort nachzugucken, in diesem immer mehr in die Ferne rückenden Account. Ich entschuldigte mich bei ihm für die späte Reaktion mit dem Hinweis, dass mein facebook-Account nur noch eine verstaubte alte Schublade ist, in der sogar die Staubmäuse tot seien. Ach ja, das ist der Chat vom Februar 2010 mit Julian, dem ich nie begegnete. Ich habe ihn jetzt einfach als Beitrag auf online gesetzt, als Eintrag mit dem Datum von damals. Und jetzt ist es wieder ganz schön spät und Gaga Nielsen muss schlafen gehen.

18. Dezember 2012


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Und so weiter und so fort. In diesem Sinne. Wie gehabt. Habe die Ehre. Das Futter von meinem Mäntelchen ist mittlerweile leicht defekt. Muss ich mal reparieren. Flicken auf Deutsch. In Handarbeit. Dafür nehme ich ein Stück schwarzes Futter von einem gerade in die Tonne gekloppten Bleistiftrock, bei dem beim zu heftigen Auschreiten der Schlitz eingerissen ist. Ja, das ist ein Problem. War sowieso komisch beim Laufen. Ich bin eher der Typ, der weit ausschreitet. Trippelschritte sind meine Sache nicht. Für diese Reparatur muss ich mir jedenfalls viel Zeit nehmen und Mühe geben. Denn das Mäntelchen ist genau genommen mein Lieblingsstück. Wenn eine Wahrsagerin ein Kleidungsstück von mir bräuchte, um irgendwas zu channeln, wäre mein schwarzes Ledermäntelchen sicher bevorzugt geeignet. Durchdrungen von sechs, sieben Jahren, Tagen und Nächten unterwegs in Berlin. Gab es mal im KaDeWe, Liebe auf den ersten Blick. Zuerst sehr respektvoll den reduzierten Preis zur Kenntnis genommen. Immer noch nicht wenig, aber eben auch ein Modell von großer Klasse. Anprobiert und gesehen, für mich gemacht, wie für sonst niemanden. Sofort meiner. So muss das sein mit Lieblingsstücken. Mir ist nach langer Zeit langsam wieder einmal nach etwas Schönes, etwas sehr Schönes kaufen. Das einzige was mich etwas zögern lässt, ist der nicht vorhandene Aufbewahrungsraum. Die beiden Schränke sind voll und in der Truhe mit den dickeren Winterjacken ist auch kein Platz mehr. Mal gucken, bei was ich trotzdem nicht widerstehen kann. Es geht eigentlich nur darum, in das Gesamtkunstwerk (also mich) etwas Inspiration zu bringen, und Geld unter die Leute! Ich könnte zu Christian Dior gehen. Haha. Einmal habe ich da was gekauft, eine Sonnenbrille für – ich glaube – 220 Euro seinerzeit. Es war schon ein Erlebnis, wie die Verkäuferinnen einen umgarnt haben, Champagner wurde während der Verpackungsorgie gereicht, denn die Brille wurde hinter den Kulissen in ein steingraues Stoffsäckchen mit Dior-Aufdruck gepackt, das Säckchen in ein stabiles, weißes Lederetui mit Reißverschluss mit silbernem Christian Dior-Logo-Prägedruck, das weiße Lederetui in einen festen steingrauen Geschenkkarton mit Deckel und silber geprägtem Dior-Logo. Der Geschenkkarton in weißes zartes Seidenpapier mit fortlaufendem Dior-Logo-Aufdruck. Das vielschichtige Seidenpapier-Gebilde in eine großformatige, weiße Einkaufstüte aus einer Art festem Büttenpapier mit silbernem Dior-Logo-Prägedruck. Um die Henkel wurde ein Band aus weißem Satin gebunden, etwa eineinhalb Meter lang, mit silbergrauem Dior-Logo am laufenden Meter. Natürlich wurde eine kunstvolle Schleife drapiert, auch das dauerte seine Zeit. Ich würde sagen, nach rund einer Viertelstunde war die Sonnenbrille verpackt und transportfähig. Ich habe sie auch lange und gerne und oft getragen. Einkaufen bei Dior kann man unbedingt empfehlen! Für größere Anschaffungen sollte man sich dann allerdings mehrere Stunden Zeit nehmen oder besser per Kurier nach Hause liefern lassen. Dann spart man sich die Wartezeit. Wer will auch so viel Champagner trinken, am hellichten Tag! Aber sonst top! Andererseits könnte ich mich auch flexibel zeigen und zur Abwechslung mal bei Fendi oder Chanel gucken. Man sollte immer offen für Neues bleiben! Zur Zeit trage ich ja eine Sonnenbrille von Rossmann für 10,99 €. Sie leistet mir nun auch schon wieder seit langem gute Dienste, aber ich muss ehrlich sagen: mit der Verpackungskultur ist es bei Rossmann nicht weit her. Ich kann mich praktisch gar nicht mehr so richtig an das Einkaufserlebnis erinnern. Schade eigentlich. Ich könnte Rossmann als langjährige Kundin ja mal einen Brief schreiben, wie das im Hause Dior von statten geht. Auch der Einzelhandel kann immer noch dazulernen!

17. Dezember 2012


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Wieder ordnungsgemäß verpackt. Ich vermute, je mehr Parallelen ich in einer Geschichte zu mir finde, auch was das ganze Ambiente oder meine Phantasien angeht, umso mehr packt sie mich. Demzufolge ist mein Interesse an gemütlichen Familiengeschichten aus Drei-Generationen-Haushalten oder abstrusem Phantasy-Gedöns mit Einhörnern, Zwergen und orakelnden Bäumen weder theoretisch noch praktisch vorhanden. Am liebsten würde ich ein Buch über mich und warum mir manche seltsamen Dinge widerfahren sind, aus dritter, wissenderer Hand lesen. Das könnte mich wirklich weiterbringen. Die am häufigsten gestellte Frage an Gott ist mit Sicherheit warum. Was soll dies, was soll das, was soll jenes? Was soll das Alles? Kann man nicht wenigstens noch zu irdischen Lebzeiten ein kleines Antwortfragment erhoffen? Nur für die grobe Richtung. Das macht mich wahnsinniger als alles andere hier unten. Man kann nicht anders, als hinter einer extremen Lebensdynamik, einen Sinn suchen zu wollen. Es wäre doch ökonomischer, sinnlose Impulse, die zu starken dynamischen Bewegungen führen, ins Leere laufen zu lassen, anstatt auf empfindsame Kreaturen zu zielen. Das Ausbalancieren und Abfedern und wieder ins Gleichgewicht bringen, kostet so viel Kraft, die man so viel produktiver nutzen hätte können. Wobei, noch produktiver? hätte ich noch produktiver sein können? Ja, vielleicht. Vielleicht noch heller strahlend, kraftvoller, welthaltiger, weltumfassender. Ach. Jetzt fängt das Gefasel wieder an. So ist das, wenn man übermüdet unbedacht in die Tastatur hackt, anstatt ausgeruhte Sätze zu verfassen. Ich schreibe eigentlich fast immer am späten Abend oder in der Nacht. Das sollte man auch. Man ist seiner eigenen Wahrheit dann näher, nicht nur weil man vielleicht getrunken hat. Vielleicht auch nur berauscht, durch die vielen vorangegangenen Gedanken, der schwerelosen Freiheit der Nacht näher, in der mühelos alles erlaubt ist, im Schlaf. Schon nah dem anarchischen Freigeist, der einen wenig später in Wahnsinn und Glück zu führen vermag. Den Dschungel des nächtlichen Kontrollverlustes rätselhafter Träume. Ich muss schlafen. Ich muss zu meinen Träumen, den Abenteuern.

09. Dezember 2012

Vor wenigen Einträgen habe ich noch geschrieben, es fiele mir derzeit schwer, mich für fiktive Geschichten zu erwärmen. Seit ungefähr einer Woche verstricke ich mich in einen Roman, der seit Mitte der Neunziger ungelesen unter meinen Büchern schlummerte. Ich war fertig mit der Autobiographie von Keith Richards und ich überlegte, irgendetwas Neues zum Lesen zu kaufen und es kam mir in den Sinn, dass da ja noch dieses eine, ungelesene Buch wäre. Man könnte es ja zumindest versuchen. Ich weiß gar nicht, wie ich dazu gekommen bin, ob es ein Geschenk war, aber es hat keine Widmung, oder ob in einem Weihnachtspaket – oder etwa doch von mir selbst gekauft, vielleicht weil ich den Titel und den Umschlag interessant fand? Ich kriege es nicht mehr zusammen. Das Buch heißt Kurakin und ist von einer österreichischen Autorin und Übersetzerin. Eine Liebesgeschichte, ausgerechnet. Geschichten aus dem All. Nein, nur eine. Ich bin ganz gefesselt. Spielt in Budapest, dann in Wien und später in Paris. Eine junge Wienerin verliebt sich in einen sehr viel älteren Mann, einen sehr virilen russischen Journalisten, der ihr die große Welt, aber vor allem sich selbst näherbringt. Dieser dauerelektrisierten Vorstufe von erotischer Entladung, diesem Erwarten und Phantasieren und Sehnen wird die Verfasserin sehr gerecht. Ach ja, Hanna Molden heißt die Autorin. Sie ist mit dem Widerstandskämpfer, Journalist, Autor und Verleger Fritz Molden verheiratet. Das Ganze spielt Anfang der Sechziger Jahre an detailgenau benannten, realen, sehr eleganten Schauplätzen. Hotels, Restaurants, feudalen Plätzen, Bars. Das Wunderbare ist, dass man das alles jetzt parallel umfassend im Internet anschauen kann, dieses eine Palais in Wien hat eine furiose 3-D-Animation. Geradezu phantastisch, das Palais Pallavicini am Josephsplatz. Wo sie sich bei einem Empfang, durch ihn initiiert zum zweiten Mal begegneten und zum ersten mal wirklich nahe kamen. Vor allem später in der Roten Bar im Hotel Sacher und anschließend in der legendären Eden Bar. Eine schöne kleine Städtereise ist das auch. Ich sehe das schwarze raschelnde Cocktailkleid vor mir, dessen Reißverschluss er im Taxi wieder schließen muss, nachdem sie dreimal um den Ring gefahren sind, sie wohnt noch bei ihren Eltern, obwohl schon Anfang Zwanzig. Was studiert sie eigentlich – ah ja, Jura. Jus wie sie immer schreibt. Er scheint einen obsessiven Charakter zu haben, ist hochcharismatisch und natürlich auch noch anderweitig gebunden. Ein Charakterschädel ohne Haare, hochgewachsen und kräftig. Ich lese noch ein paar Seiten. Zum Einschlafen. Kurakin ist übrigens sein Nachname. Und er raucht sehr viel. Pall Mall. Trinkfest und intellektuell. Bestens gekleidet. Tiefe Stimmlage, virtuose, heftige Bewegungen. Unberechenbar. Gut, dass dieser Mann nur in meinem Buch lebt.

17. Dezember 2012


Juli im Juli. Wohl nur ein Tag, dann wieder Arbeitswetter. Wenn es langweiliges Wetter gibt, sage ich immer dazu Arbeitswetter. Wann soll man sonst maximal sinnvoll arbeiten, wenn nicht bei Wolkendecke, Wind oder Regen. Mir ist jedes Wetter recht. Zu tun habe ich immer! Besonders jetzt. Die unbesinnlichste Zeit des Jahres. Schade, mein Liebesroman mit dem attraktiven Kurakin ist zu Ende. Ein gemeines Ende. Ich wünschte, ich hätte es nicht erfahren. Natürlich kein Happy End. Wo gibt es überhaupt noch Happy End in Büchern oder Filmen? Früher, bei Doris Day und Rock Hudson, ja. Da war die Welt noch in Ordnung! Jetzt habe ich ein neues altes Buch ausgebuddelt, aus dem Regal. Kein bißchen Wiedererkennungswert, habe ich das etwa auch nicht gelesen? Ich habe es aber gekauft, weil mir der Umschlag gefallen hat und der Titel und der Name der Autorin. Vor ungefähr fünfzehn Jahren wohl. Es ist leider für meinen Geschmack viel zu heiter, leidenschaftslos. Lauter kürzere Erzählungen. Ich verrate nicht, wie es heißt, erst wenn ich etwas richtig Gutes drin gefunden habe. Jetzt muss ich schlafen gehen, damit ich morgen nicht so verknautscht aussehe, wie ich mich heute fühle. Scheiße, dieses Ende mit Kurakin in dem schönen Roman. Nein, nicht tot. Aber auf einmal war die Leidenschaft weg, das magische Gefühl und sie konnten nicht mehr miteinander zaubern. So etwas ist sehr traurig. Ich weiß das.
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15. Dezember 2012

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Leichter Temperaturabfall, nehme ich an. Aber man sieht das Grünzeug vom Gipsdreieck ganz schön. Mitten im bösen Moloch. Für mich war Berlin immer vertrauenserweckend. Angst hatte ich hier noch nie. Und die Nacht ist mein Freund. Gruselig oder unheimlich, unheimelig ist mir nur da, wo es eng und allzu ordentlich und kontrolliert ist. Wo die Nachbarn merkwürdiges Interesse an einem entwickeln und man jede Nase auf jeder Straße kennt. Aber hier sind die Menschen wunderbar frei von unangemessenen Kontaktambitionen. Hier bin ich vollkommen frei.