26. Juli 2013

Bäum dich auf mit meiner Faust im Haar
Wir zwei werden zum Zentaur

flashback
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Duke Meyer (aka the german singer and pagan poet Eibensang) performing „Zentaurentraum“, a song written and composed by himself in 1992, live and unplugged in my private living room in Berlin Mitte, Auguststrasse, 27 july 2001 and live within his solo performance „Diener der Ekstase“ on an open air stage somewhere in the countryside of Bavaria. The stage footage wasn’t shot by myself, he just gave it to me, to take care and maybe use it one day. Description Youtube.
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21. Juli 2013


Einblenden. Helligkeit verringern. Filter. Graustufe. Verlangsamen, halbe Geschwindigkeit. Überblenden. Schnitt. Ausschneiden. Einfügen. Überblenden. Zwischenspeichern. Ansehen. Schnitt. Ausblenden. Speichern. Ein Teil der Effekte gilt auch für den Raum, in dem das stattfindet, und mich, merke ich gerade. Helligkeit verringern. Filter. Graustufe. Verlangsamen, halbe Geschwindigkeit. Ausblenden. Bin gerade etwas einsilbig. Passt aber auch zur allgemeinen, hitzebedingten Entschleunigung heißt seit ein paar Jahren das Modewort, nicht wahr. Viel Leitungswasser, aber überwiegend abgekocht und abgekühlt trinke ich tagsüber. Das mit der blöden Verordnung von wegen Alkohol nur nach Sonnenuntergang hat sich zum Glück erledigt, schon nach zwei Tagen. Ich habe nämlich schnurstracks am zweiten Tag nach Erlass eine Petition beim Bundestag eingereicht und sofort die erforderlichen 50.000 Zeichnungen durch Gaga Nielsen erhalten, damit wurde die Verordnung gekippt. Soll noch mal einer sagen, man hätte als Normalbürger keinen Einfluss beim Gesetzgeber. Mehr Blödsinn oder womöglich seriöse Inhalte zu bloggen, reichen meine geistigen Kapazitäten heute nicht aus. Ich muss mir meine Kräfte einteilen und mich wieder auf mein Lebenswerk als Großkünstlerin konzentrieren. Habe ich neulich irgendwo gelesen, da hat jemand von „Großschriftstellern“ gesprochen. Und einer woanders von „Großschauspielern“. Man hat sofort gewusst, was gemeint ist. Obwohl mir der Begriff noch nicht so geläufig war. Also zum Beispiel wäre für mich Götz George ein Großschauspieler. Das Gegenteil davon ist dann wahrscheinlich ein Kleindarsteller. Haha. Klar, das Wort kennt man, muss es ja auch ein Pendant dazu geben. Ich habe neulich übrigens auch ein Wort erfunden, ein deutsches. Als ich so am Hackeschen Markt am S-Bahnsteig stand und auf meine S 7 wartete, es war sommerlich warm, kam mir eine ebenfalls wartende Frau so entgegen und ich schaute mir ihr langes, buntes Kleid ganz fasziniert an. Nicht, dass es mir besonders gut gefallen hätte, mein erster Gedanke war, das sieht aus wie ein Kleid, das man im Winter zum Schlafen anzieht, so ein dickerer T-Shirtstoff, ziemlich stabile Qualität und dann irgendwie so bunt und wirr gestreift, so Kraut und Rüben, wie man manchmal träumt, der Schnitt auch wie so ein bodenlanges T-Shirt mit kurzen Ärmeln. Ich war noch ein bißchen schläfrig, es war morgens, und mein Gehirn noch nicht ganz wach. Mir fiel einfach nicht der übliche Begriff dafür ein. Ich dachte schon, so ist es wahrscheinlich, wenn man dement wird, ich wusste genau, es gibt ein Wort dafür, aber welches? Dann überlegte ich logisch: ein Kleid, zum Schlafen? Na? Schlafkleid? Klar, ein Schlafkleid hat die Frau an! Und zwar ein extra warmes, für den Winter, also ein Winterschlafkleid. Ich merkte recht schnell, dass das nicht das reguläre Wort dafür ist. Fand es aber eigentlich recht schön und passend. Schlafkleid! Komisch, dass es das nicht gibt. Na gut, vielleicht gibt es das Wort ja doch schon, und ich habe es gar nicht auf dem S-Bahnsteig erfunden. Aber für mich eben schon. Ich will es auch gar nicht wissen, ob noch wer anderer früher das Wort schon erfunden hat, ich google es extra nicht, ich will das gar nicht wissen! Es ist schließlich ganz schön schwer, neue deutsche Wörter zu erfinden. Also welche, die nichts mit moderner Technik oder Internet zu tun haben, das wäre einfach, total easy, babyleicht! Nein, ich habe ein zeitloses neues deutsches Wort erfunden. Sie dürfen es ab sofort auch benutzen, wenn Sie wollen: Schlafkleid, früher Nachthemd, heute Schlafkleid.

21. Juli 2013


Einblenden. Helligkeit verringern. Filter. Graustufe. Verlangsamen, halbe Geschwindigkeit. Überblenden. Schnitt. Ausschneiden. Einfügen. Überblenden. Zwischenspeichern. Ansehen. Schnitt. Ausblenden. Speichern. Ein Teil der Effekte gilt auch für den Raum, in dem das stattfindet, und mich, merke ich gerade. Helligkeit verringern. Filter. Graustufe. Verlangsamen, halbe Geschwindigkeit. Ausblenden. Bin gerade etwas einsilbig. Passt aber auch zur allgemeinen, hitzebedingten Entschleunigung heißt seit ein paar Jahren das Modewort, nicht wahr. Viel Leitungswasser, aber überwiegend abgekocht und abgekühlt trinke ich tagsüber. Das mit der blöden Verordnung von wegen Alkohol nur nach Sonnenuntergang hat sich zum Glück erledigt, schon nach zwei Tagen. Ich habe nämlich schnurstracks am zweiten Tag nach Erlass eine Petition beim Bundestag eingereicht und sofort die erforderlichen 50.000 Zeichnungen durch Gaga Nielsen erhalten, damit wurde die Verordnung gekippt. Soll noch mal einer sagen, man hätte als Normalbürger keinen Einfluss beim Gesetzgeber. Mehr Blödsinn oder womöglich seriöse Inhalte zu bloggen, reichen meine geistigen Kapazitäten heute nicht aus. Ich muss mir meine Kräfte einteilen und mich wieder auf mein Lebenswerk als Großkünstlerin konzentrieren. Habe ich neulich irgendwo gelesen, da hat jemand von „Großschriftstellern“ gesprochen. Und einer woanders von „Großschauspielern“. Man hat sofort gewusst, was gemeint ist. Obwohl mir der Begriff noch nicht so geläufig war. Also zum Beispiel wäre für mich Götz George ein Großschauspieler. Das Gegenteil davon ist dann wahrscheinlich ein Kleindarsteller. Haha. Klar, das Wort kennt man, muss es ja auch ein Pendant dazu geben. Ich habe neulich übrigens auch ein Wort erfunden, ein deutsches. Als ich so am Hackeschen Markt am S-Bahnsteig stand und auf meine S 7 wartete, es war sommerlich warm, kam mir eine ebenfalls wartende Frau so entgegen und ich schaute mir ihr langes, buntes Kleid ganz fasziniert an. Nicht, dass es mir besonders gut gefallen hätte, mein erster Gedanke war, das sieht aus wie ein Kleid, das man im Winter zum Schlafen anzieht, so ein dickerer T-Shirtstoff, ziemlich stabile Qualität und dann irgendwie so bunt und wirr gestreift, so Kraut und Rüben, wie man manchmal träumt, der Schnitt auch wie so ein bodenlanges T-Shirt mit kurzen Ärmeln. Ich war noch ein bißchen schläfrig, es war morgens, und mein Gehirn noch nicht ganz wach. Mir fiel einfach nicht der übliche Begriff dafür ein. Ich dachte schon, so ist es wahrscheinlich, wenn man dement wird, ich wusste genau, es gibt ein Wort dafür, aber welches? Dann überlegte ich logisch: ein Kleid, zum Schlafen? Na? Schlafkleid? Klar, ein Schlafkleid hat die Frau an! Und zwar ein extra warmes, für den Winter, also ein Winterschlafkleid. Ich merkte recht schnell, dass das nicht das reguläre Wort dafür ist. Fand es aber eigentlich recht schön und passend. Schlafkleid! Komisch, dass es das nicht gibt. Na gut, vielleicht gibt es das Wort ja doch schon, und ich habe es gar nicht auf dem S-Bahnsteig erfunden. Aber für mich eben schon. Ich will es auch gar nicht wissen, ob noch wer anderer früher das Wort schon erfunden hat, ich google es extra nicht, ich will das gar nicht wissen! Es ist schließlich ganz schön schwer, neue deutsche Wörter zu erfinden. Also welche, die nichts mit moderner Technik oder Internet zu tun haben, das wäre einfach, total easy, babyleicht! Nein, ich habe ein zeitloses neues deutsches Wort erfunden. Sie dürfen es ab sofort auch benutzen, wenn Sie wollen: Schlafkleid, früher Nachthemd, heute Schlafkleid.

14. Juli 2013


Blick zurück und Blick nach Vorne. Bei den alten Kassettenrekordern hieß die Beschriftung rewind und ff für fast forward, wenn ich es recht erinnere. Ich spule jetzt gerade ein Stückchen vor und arbeite mit Dateien der jüngeren Vergangenheit. Tatsächlich habe ich auf zwei externen Festplatten noch viele unveröffentlichte Bilder. Die eine birgt digitale und wenige digitalisierte Fotografien und Filmrohdateien der etwa letzten zwölf Jahre und die andere ist für die digitalisierten Filmaufnahmen von 1995 bis 2002. Ich hatte sie extra gekauft, damit die Firma, die den Digitalisierungsauftrag hatte, die Dateien im von mir gewünschten avi-Format direkt auf die große Festplatte speichern konnte. Wir hatten vereinbart, dass es immer fünfzehn-Minuten Sequenzen werden sollten, sonst wird es schwierig mit der Verarbeitung. Es waren insgesamt einundzwanzigeinhalb Stunden Filmmaterial, die den Prozess durchliefen. Die Firma fipra in der Stresemannstraße ist seit den Sechziger Jahren in dem Bereich in Berlin tätig und ich wusste die Dateien in besten Händen. Dort werden auch alte Filmaufnahmen aus dem zweiten Weltkrieg für das Bundesarchiv digitalisiert. Bei mir waren es ja zum Glück keine Kriegsaufnahmen. Manchmal, aber nur kurz dachte ich, oh là là, da ist doch auch diese eine Sequenz dabei, wo ich in Tränen ausbreche, oder wo ich mich relativ unbekleidet beim Sonnenbaden aufgenommen habe. Aber dann sagte ich mir: wer seit fünfzig Jahren Tag für Tag zahllose Filmaufnahmen sieht, guckt da nicht mehr so genau hin, man ist da einfach professionell. Ich hatte das Ganze in zwei Etappen machen lassen. Die erste Ladung waren die leider nur auf VHS-Cassetten vorhandenen Aufnahmen, weil man ja früher aus Sparsamkeit auch mal wieder was überspielt hat und ich damals nicht an eine spätere Wiederverwertung dachte, das war ja alles Zukunftsmusik. Der zweite Auftrag waren die verbliebenen original Hi 8-Aufnahmen, das Rohmaterial direkt aus der Kamera, die Ursprungsdateien. Das Ergebnis wurde natürlich ungleich besser, kein Vergleich. Und ich hatte zudem diese zum Teil sehr interessanten Sequenzen zur Verfügung, die vor und nach den aufzunehmenden Szenen gerade noch mit drauf sind. Manchmal lief auch die Kamera weiter, ohne dass ich es realisierte und fand dann überrascht Gesprächssequenzen über die geplante Aufnahme, oder ob man es für gut hielt oder besser wiederholen sollte. Jetzt freut es mich, dass diese Zufallsaufnahmen existieren. Ich werde also ein bißchen in der jüngeren und älteren Vergangenheit hin- und herzappen, bei den nächsten Sachen. Ich glaube, eine bessere Art der Vergangenheitsbewältigung kann es nicht geben. Es war ja schon bei den Aufnahmen das Anliegen, etwas Festhaltenswertes einzufangen und nicht das, woran man im Alltag scheiterte, wenn die Kamera nicht lief. Jedenfalls meistens. Ich glaube noch nicht, dass ich den Mut besitze, die Sequenz, wo ich etwas zitiere und darüber in Tränen ausbreche, zu zeigen. Wobei – bei mir weiß ich ja nie. Wenn man etwas heilen kann, sollte man es tun. Ich hole mir mal einen neuen Kaffee und setze mich in meine Zeitmaschine, indem ich die nächste Projektdatei öffne. Etwas, das ich bereits vor drei Jahren begonnen hatte zu schneiden, und dann abbrach. Wieder war mir das Herz zu schwer und ich musste in eine andere Richtung blicken, um Horizont zu sehen. Aber auch das ist jetzt möglich. Ich kann auch damit jetzt weiter machen. Zwar näher als andere Zeiten, aber es zerdrückt mir nicht mehr die Brust. Ich kann wieder atmen. Mein Herz ist frei.

12. Juli 2013

Kunstvolles Kopfzerbrechen. Art Kopfzerbrechen. Aber Kryptologie gehört besser in Forschungsbereiche der Archäologie oder archaische Kulturwissenschaften. Wohin auch immer, aber nicht in dieses Blog. Ich schreibe jetzt einfach. Ein magischer Akt. Der Schreibzauber. Seelenpflege auch. Ich habe die letzten Tage einige Zeit damit zugebracht, alte Filmaufnahmen zu sichten und bislang nicht als verbunden gesehene Sequenzen zu montieren. Vergangenheit. Bilder, die vor ziemlich genau zwölf Jahren, hier bei mir in Berlin entstanden sind, in diesem Raum, diesem Zimmer, in dem ich jetzt diesen Eintrag schreibe. Vor allem an den letzten drei Tagen zusammenmontiert mit einer noch älteren Aufnahme, einer tatsächlich genau unfassbare dreißig Jahre alten Tonspur. Ein Lied, das ich gleich liebte, als ich es 1983 zum ersten mal hörte. Ich war mit dem Keyboarder einer noch im Entstehen begriffenen Band seit langem sehr gut befreundet, und über ihn lernte ich die anderen, mit denen er dort zwei kurze Jahre lang deutschsprachige Songs fabrizierte, kennen. Ich könnte jetzt bis nach China ausholen, denn es ist eine lange Geschichte, in der der Keyboarder aber nicht die Hauptrolle einnimmt, sondern der Sänger. Man könnte im Grunde einen abendfüllenden Film oder Mehrteiler haha, aus der Geschichte drehen, über unerfülltes Begehren aus der Distanz, und über eine schicksalshafte Wiederbegegnung, viele Jahre später. Die Wege kreuzen sich, driften auseinander, kreuzen sich wieder, driften auseinander. Vielleicht sehen die Götter das Universum aus ihrer erhabenen Distanz als ein riesiges Netz und verstehen mühelos den Zusammenhang, die Verbindungen, können diese Knotenpunkte bis in alle Unendlichkeit sehen, und dass sie durchaus rhythmisch gewoben sind. Und die, eine kleine Menschen-Ameise niemals ermessen kann. Ich will wirklich – ich meine das aufrichtig – nicht kryptisch werden, ich kann das als Prinzip, um eine Art attraktives Geheimnis zu kreieren, nicht ausstehen. Als wären die Dinge nicht schon geheimnisvoll genug. Ich rede nicht von Diskretion oder dem Gegenteil, sondern von innerer Klarheit, die ich brauche, um es klar zu formulieren. Ach. Aber man kann eben auch nicht im aufklärenden Sinne plakativ werden, wenn die inneren Bewegungen, Gedanken und Überlegungen noch nicht in plakativer Deutlichkeit und Pflückreife vor dem inneren Auge stehen, so dass man sie nur noch abschreiben müsste. Ich kann aber immerhin hier und heute in geistiger Klarheit sagen, es handelt sich um ein gutes Zeichen, dass ich voll unbefangener Erinnerung mit diesen Sequenzen spielen kann. Da ist keine Schwere mehr, dafür ist es zu lange her. Viel geschehen. Bilder, Welten, Kontinente. Als ich vor kurzem in meinem Atelier war, um den Strom abzulesen, legte ich die beiden alten Kassetten ein und ließ bei einigen Liedern die Kamera zwecks Audioaufnahme, direkt aus dem Raum, laufen. Daher ist der Klang auch so garagenmäßig. Dreidimenisionale Patina aus Bequemlichkeit. Ich hatte plötzlich einen Anflug, diese alten Sachen aus den Achtzigern nach Belieben hören zu können. Seit langem gibt es keinen Kassettenrekorder mehr in meiner Wohnung, aber in meinem Atelier staubt noch eine dieser Mini-CD-Player-Kompaktanlagen der ersten Generation vor sich hin, die letzten mit einem Tapedeck drin. Durchaus hätte ich lieber eine professionell gerippte, digitalisierte Aufnahme davon gehabt, für mein so plötzlich und so eilig aus dem Nichts ans Licht drängende Opus Siebenundsiebzig. Der Song hätte es verdient. Aber wenn ich sofort mit etwas arbeiten will, wird gerne mal dilettantisch improvisiert. Wenn es raus will, muss es eben raus. Nur die Filmaufnahmen habe ich vor einiger Zeit, schon im April digitalisieren lassen. Wie so oft, hat der Zufall bei diesem Opus Hilfe geleistet. Ich ließ meine mitgeschnittene Version von „Ich fühl mich gut“, neben anderen Songs, im Hintergrund auf dem Rechner laufen und öffnete etwas ratlos die Filmprojektdatei, in der ich ursprünglich etwas anderes schneiden wollte. Plötzlich schienen die Pausen zwischen dem Eigentlichen, wo ich nicht so recht den Einstieg fand, zu dem Lied zu passen. Ich entwickle beim Hören von Musik (wie wahrscheinlich die meisten) eine visuell greifbare, sehr räumliche Vorstellung der Atmosphäre, in die ein Lied zu gehören scheint. Es sind zwar nicht genau die wiederkehrenden Bilder, die ich Anfang der Achtziger Jahre hatte, als ich den Song hundert Mal hörte, aber schon nah dran. Ich weiß, dass Duke, der in diesem Opus im Alter von Zweiundvierzig zu sehen ist, und dessen junge Stimme zu hören ist, als er vierundzwanzig war – die selben Zahlen, zwei und vier fällt mir gerade auf – nicht so gerne an diese musikalische Entwicklungsphase mit dieser Band mit dem komischen Namen, über die es kaum Hinweise im Internet gibt, zurückdenkt oder -dachte, so wie ich es tat. Ich war traurig, dass meine noch nach Jahren nachklingende Begeisterung durch mir übertrieben scheinende Selbstkritik relativiert wurde und damit das nahezu perfekte Kaleidoskop meiner farbenfrohen Erinnerung torpedierte. Dabei ging das gar nicht. Ich ließ es insgeheim nicht zu, nicht an mich heran und blieb stur. Bis heute. Denn, wenn ich es heute höre, bin ich verblüfft, wie unverändert sehr mir das Lied gefällt, wie unaffektiert, wie beiläufig der Gesang ist, wie glaubwürdig er erzählt, flüstert, da in seinem Zimmer, spät in der Nacht, allein daheim. Er klingt, wie ich ihn damals im direkten Gegenüber empfunden habe. Als die in keinem Zusammenhang damit stehenden Filmaufnahmen, die hier nur in geringen Fragmenten zu sehen sind, entstanden, war sehr viel Zeit vergangen. Zwischen 1983 und 2001 liegen (lieben habe ich gerade versehentlich getippt) immerhin achtzehn Jahre. Auf manchen Bildern erinnert er mich an den Vierundzwanzigjährigen, dem ich damals gerne näher gekommen wäre. Und er mir, wie wir uns viele Jahre später offenbarten, aufgelöst und fassungslos. Aber mehr will ich jetzt gar nicht dazu schreiben. Wir haben seit langem keinen Kontakt mehr, aber ich denke, er sollte wissen, dass ich in den letzten Tagen mit unseren alten Aufnahmen gebastelt habe, die nie das Licht irgendeiner Öffentlichkeit erblickten. Wenigstens für unser Archiv. Ein schönes Stück unseres Lebens. Um zu sehen, dass das Beste von uns in unseren Bildern und Liedern bleibt, die wir mit heißem Herzen eingefangen haben. Ich glaube, ich muss ihm wenigstens mit einer Mail sagen, dass ich gerade etwas veröffentliche, das mit ihm zu tun hat. Das gehört sich einfach. Ich denke, ich schicke ihm jetzt einfach den Link zu diesem Eintrag.
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…steck die Hände unter die Achseln, von meinem warmen Overall
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09. Juli 2013


Symbolbilder. Das ist nicht meine Wohnung, nicht mein Bett, nicht meine Schlafcouch. Nicht mein Geschirr. Das sind Aufnahmen aus einer Ferienwohnung. Ich war mal auf Föhr, sieben Jahre ist es her, und hatte innerhalb eines reetgedeckten Hauses eine kleine Wohnung gemietet. Selber Kochen ist unabdingbar. Wenn ich in einem Hotel absteigen müsste, würde ich die einzige Suite mit eigener Küchenzeile buchen, Geld spielt keine Rolle! Haha! Ich habe bei mir selber, also auf meinem Flickr mal nacheinander die Suchbegriffe „Wein“ und „Rotwein“ eingegeben, da kam so Verschiedenes raus, was ich in den letzten Jahren getrunken habe. Man lichtet ja bei Weitem nicht alles ab. Das wäre ja furchtbar. Ein Sammelsurium an Williamsbrand- und Rotweinflaschen. Nein, nein, nein. Das wird nicht das nächste große Ding, keine Sorge. Ah, jetzt fangen die da unten beim Al Contadino wieder mit ihrer Straßenmusik an. Heute gibt es offensichtlich eine kleine Combo, die alles von Django Reinhardt nachspielt. Ganz gut. Man kann das Fenster auflassen. Und eine Frau scheint dazu zu singen. Wie nennt man das noch mal, dieses freie Improvisieren im Jazz-Gesang? Mir fällt der Name nicht ein. So ähnlich wie Kit-kat-Club, – verdammt, ah – ich muss es googlen, was ich ja nur im äußersten Notfall mache. Augenblick. Ich hab’s gefunden: Scatten. Nicht Chatten sondern Scatten. Scat Singing. Lag ich ja nicht so total falsch. Wow, heute gibt es sogar Applaus da unten, habe ich dieser Tage noch nicht gehört. Einige Musikanten haben sich in den letzten Wochen hier unten präsentiert, doch das scheint nun ein Highlight zu sein. NONSENSE SYLLABLES. Fein.

09. Juli 2013

Jetzt.
Broccoli, Lauch, Lachs, Möhrchen, Fenchel, Butter, Anis. Rotwein. (Zweigelt) Leicht gekühlt. Gläschen Wasser nebenher. Übrigens, das sind nicht etwa die zappeligen Einträge einer Alkoholikerin, sondern einer geübten Genuss-Trinkerin, die auch in diesem Lebensbereich höchste Virtuosität anstrebt. Virtuos mit jeglichen Drogen umzugehen, ist eine ungeheuer erstrebenswerte Perspektive. Stellen Sie sich vor, Sie durchschauen ihren Stoffwechsel komplett und können mit ihm spielen, wie Yehudi Menuhin auf seiner Stradivari. Wenn das kein schönes Ziel ist, dann weiß ich auch nicht. Wir wollen doch alle nur herausfinden, wie wir unser Wohlbefinden steigern können, idealerweise ohne üblen Kater zum Nachtisch. Hier spricht die Ekstaseforscherin. Mein erstes Forschungsgebiet. Man muss sich in der ernsthaften Wissenschaft spezialisieren, sonst macht man viele Sachen halb und nichts ganz. Dunkel ist übrigens, wenn man in einer Küche mit ausreichend Fenster beim Kochen das Licht anschalten muss.

09. Juli 2013


Ich denke, man wird dann auch im Lauf der Zeit ein besonderes Gefühl, ja ich möchte sagen: Sensorium für den Lauf der Jahreszeiten entwickeln. Wer weiß denn heutzutage schon noch aus dem Handgelenk auf die Minute, wann die Sonne untergeht. Irgendwann bin ich dann völlig unabhängig von modernen Kalenderanzeigen. Nach der ersten dergestalt bewusst erlebten Wintersonnwende werde ich den Jahreskreis aus dem Effeff beherrschen. Ein tolles Projekt! Nun, wo die Sache mit den Fotos erledigt ist, habe ich ein neues Ziel gefunden. Und das, obwohl ich gar nicht angestrengt danach gesucht habe. Ich stand vorhin so in der Küche und anstatt mir – wie eh und je – einen winzigen Schluck hochwertigen Williamsbrand zur Feierabendstunde zu genehmigen, rief eine innere Stimme:
„Nein, halt ein!“
Ich horchte gleich auf und zog die Hand zurück. Die Stimme flüsterte weiter:
„Weißt du nicht mehr, wie es gestern Abend war? Der Zauber des ersten guten Tropfens wollte sich einfach nicht wie sonst, an kühleren Tagen einstellen. Und weißt du noch, wie du dann gedacht hast, versuch ich es eben mal mit etwas anderem, dem guten Rotwein aus dem Burgenland, nur ein kleiner Schluck, die Flasche ist ja schon offen. Auch da wollte sich der Zauber nicht zeigen. Im Gegenteil, dir wurde ein bißchen schwindelig, ein wenig benommen. Wasser musstest du trinken, um das erhoffte Wohlbefinden zu erlangen! Weißt du noch? Und dann, spät, spät am Abend, es war schon Nacht, du hattest dich einigermaßen erholt und wagtest einen neuen Versuch. Die Nacht ward angenehm kühl, rubinrot funkelte der edle Tropfen abermals im Schwenkglas. Und als es Mitternacht schlug, war der Zauber wieder da. Die gute Fee hatte den guten Geist zurückgezaubert.“
Pause.
„Hast du die Lektion verstanden?“
Ja, Geist, ich habe die Lektion verstanden. Ich will daraus lernen und es sogleich ins Internet schreiben, damit ich mich selber noch besser in die Pflicht nehmen kann. Das war also der kleine Dialog mit meiner inneren Stimme, vorhin gegen Sieben. Und da sehe ich doch eben auf die Uhr und es ist 21 Uhr Siebenundwanzig und ich schaue aus dem Fenster und es ist immer noch nicht dunkel. Na gut. Man muss ja auch erst in der Praxis lernen („Aus der Praxis für die Praxis!“), was das heißt „Sonnenuntergang“. Mal sehen, wie lange es dauert, bis es dann auch dunkel ist. Denn man soll sich ja nicht selbst belügen. Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen! Ich sage dann Bescheid, wenn der Sonnuntergang in Berlin fertig ist. Scheint noch ein Weilchen zu dauern. Sicher noch reichlich Zeit, um etwas Schönes zu kochen.

09. Juli 2013

So ein Glas Leitungswasser von Zeit zu Zeit ist schon eine gute Sache. Aber bitte unverdünnt. Wir haben erst einundzwanzig Uhr 3.

09. Juli 2013

Man muss ja auch bedenken, dass so ein nach Sonnenuntergang abgekühlter Körper den Alkohol viel besser verträgt und zügiger abbauen kann, als bei Sonnenwärme. Wie wir gelernt haben, sorgt körperliche Erhitzung, ob durch Sport oder erhöhte Außentemperaturen, nur für eine zusätzliche Steigerung der Histaminproduktion, was dem Alkoholabbau völlig konträr gegenübersteht, und somit als hochgradig kontraproduktiv einzustufen ist. Bei moderater Körpertemperatur ohne Schweißbildung kann das alkoholhaltige Getränk demzufolge angemessener und in höherer Dosis genossen werden, als es bei Sonneneinstrahlung und hoher Lufttemperatur der Fall wäre. Es spricht somit alles dafür, es künftig so zu handhaben. So eine Verordnung wird ja nicht aus Jux und Tollerei erlassen. Die haben sich schon was dabei gedacht. Wie spät ist es eigentlich? Ah ja, 20:11 Uhr. Ich könnte einstweilen auch einen kleinen Imbiss vorbereiten. Man sollte unbedingt eine solide Grundlage schaffen.

09. Juli 2013

Schon wahnsinnig interessant irgendwie, was es so für Seiten hier im Internet gibt, für die man sich früher nie interessiert hat. Um 21:27 ist also die große Stunde gekommen. Nur noch anderthalb Stunden. Das sollte zu schaffen sein. Im Grunde Spielfilmlänge. Ich könnte einen kurzweiligen Film aus meiner verstaubten VHS-Videothek einlegen. Oder mich anderweitig beschäftigen.

09. Juli 2013

Heute, am 9. Juli 2013 um 19 Uhr wurde folgende Verordnung erlassen: Alkohol darf nur noch nach Einbruch der Dunkelheit getrunken werden. Die Verordnung gilt ab sofort und überall, wo sich Gaga Nielsen aufhält. Ausgenommen von der Vorschrift sind Personen, die nicht Gaga Nielsen heißen. Die Definition Einbruch der Dunkelheit richtet sich nach den Lichtverhältnissen außerhalb der Wohnung von Gaga Nielsen und gilt nicht für durch Hilfsmittel künstlich verdunkelte Räumlichkeiten. Die Verordnung gilt ausnahmslos vom 1. Januar bis zum 31. Dezember eines Kalenderjahres. Auf besonderen Antrag kann die Verordnung vorübergehend bei besonderen Anlässen außer Kraft treten, wobei der besondere Anlass durch Antragstellung dargelegt werden muss. Beispiele für besondere Anlässe wären der eigene Geburtstag, Hochzeiten, Todesfälle, Scheidungen, Lottogewinne und Nominierung für den Oscar. Der Antrag ist mindestens achtundvierzig Stunden vor dem Termin schriftlich, mündlich oder telepathisch einzureichen. Bei Antragstellung ist eine beglaubigte, gescannte oder gechannelte Kopie der Geburtsurkunde oder der standesamtliche Eheschließungs-Nachweis bzw. die Scheidungs- oder Sterbeurkunde mit dem Beisetzungstermin bzw. die Mitteilung der Lotterie beziehungsweise der amerik. Filmakademie vorzulegen. Die Antragstellerin wird zeitnah nach Antragstellung mündlich informiert, ob dem Antrag stattgegeben werden kann.
gez.
Die Bundesgesundheitsministerin
Berlin, 9. Juli 2013

06. Juli 2013

Heute so




Ganze zwei Tage nichts mitgeteilt. Ich muss mir fast schon die Erlaubnis geben, keinen Eintrag zu machen. Es soll ja nicht zur Psychose ausarten, zu beweisen, dass man vom großen Blogeinträge-Sterben ausgenommen ist. Aber das bin ich ja in dem Sinne wirklich, weil ich mich nie auf einer alternativen Plattform derart getummelt habe, dass es zum Zeitfresser mutieren würde. Nie einen twitter-account gehabt, auf facebook nur mal sehr phasenweise kommentiert, das ist aber auch mindestens drei bis fünf Jahre her. Fehlt mir auch überhaupt nicht. So selten ich auf facebook eine Mitteilung bei jemandem hinterlasse, die Betroffenen kriegen das wahrscheinlich gar nicht mit, dass das dann einer von drei bis vier Kommentaren pro Jahr war. Aber nicht auf meiner eigenen – wie heißt das noch – ich vergesse sogar die Fachausdrücke – Pinnwand? Wall? History? Stream? Keine Ahnung, bin auch zu faul zum Nachschauen. Schon interessant, wie wenige Blogger der alten Garde die Intensität beibehalten haben. Auf jeden Fall kid37 und die Kaltmamsell. Modeste fällt mir noch ein. Bei den meisten anderen wurden die Blogs zwar nicht gelöscht oder sich feierlich vom Bloggen verabschiedet, aber der Rhythmus wurde unberechenbar selten. Ich kann jetzt ja auch nur von den Blogs reden, die ich so in den letzten zehn Jahren regelmäßig gelesen habe. Freilich wird es noch ein paar mehr geben, aber da bin ich nicht kompetent zu urteilen, weil ich es nicht verfolgt habe. Mir schläft gerade der rechte Fuß ein. Ich bin nämlich gerade gar nicht draußen, wo es sehr sommerlich warm ist, sondern drinnen, in einer komischen Haltung vor meinem Rechner. Ich sitze ja immer auf so einem große Bodenkissen und das rechte Bein ist aber gerade so abgewinkelt und steht senkrecht, das linke Bein liegt abgewinkelt, flach auf dem Kissen und das Kinn berührt das Knie von dem Bein mit dem gerade einschlafenden Fuß, während ich tippe. Im Becher ist Kaffee, ich frühstücke noch. Später eine kleine Näharbeit. Ich will an einem neuen Mäntelchen von Desigual mit einem schönen weißen und steingrauen Paisley-Muster etwas optimieren, die Knöpfe habe mir nicht gefallen, zu groß und auch Plastik. Das KadeWe hat vor ein paar Jahren die riesige Kleiderstoffe- und Kurzwarenabteilung ausgelagert, die ist jetzt in einem Haus in der Passauer Straße, schräg gegenüber vom alten KadeWe, als eine extra Abteilung für Bastelzeugs und Stoffe und Kurzwaren. Nur die Möbelstoffe sind noch im alten KadeWe. Da habe ich jedenfalls passende Knöpfe gefunden. Aus einem silber glänzenden Metall, amorph und filigran ziseliert. Dann sieht der Mantel eher aus wie von einem indischen Prinzen. Überhaupt diese traditionellen indischen Maharadscha-Gehröcke sind ja ein Traum. Saris interessieren mich nur als Wohnungsdeko, um ein bißchen zu verschleiern oder eine nicht so schöne Tür zu verstecken. An meiner Wohnungstür hängt sogar ein echter, seidener Hochzeits-Sari, der hat ein besonders aufwändig gewebtes Paisley-Muster auf einem hellen Graublau mit Arabesken in einem Beigeton. Aber zum Anziehen wäre mir das Gewickel viel zu kompliziert. Und Heiraten will ich derzeit ja auch nicht. Oh oh, jetzt geht es aber nicht mehr mit dem Fuß. Möglicherweise ein Zeichen, mein kleines Tagwerk zu beginnen.

06. Juli 2013

Heute so




Ganze zwei Tage nichts mitgeteilt. Ich muss mir fast schon die Erlaubnis geben, keinen Eintrag zu machen. Es soll ja nicht zur Psychose ausarten, zu beweisen, dass man vom großen Blogeinträge-Sterben ausgenommen ist. Aber das bin ich ja in dem Sinne wirklich, weil ich mich nie auf einer alternativen Plattform derart getummelt habe, dass es zum Zeitfresser mutieren würde. Nie einen twitter-account gehabt, auf facebook nur mal sehr phasenweise kommentiert, das ist aber auch mindestens drei bis fünf Jahre her. Fehlt mir auch überhaupt nicht. So selten ich auf facebook eine Mitteilung bei jemandem hinterlasse, die Betroffenen kriegen das wahrscheinlich gar nicht mit, dass das dann einer von drei bis vier Kommentaren pro Jahr war. Aber nicht auf meiner eigenen – wie heißt das noch – ich vergesse sogar die Fachausdrücke – Pinnwand? Wall? History? Stream? Keine Ahnung, bin auch zu faul zum Nachschauen. Schon interessant, wie wenige Blogger der alten Garde die Intensität beibehalten haben. Auf jeden Fall kid37 und die Kaltmamsell. Modeste fällt mir noch ein. Bei den meisten anderen wurden die Blogs zwar nicht gelöscht oder sich feierlich vom Bloggen verabschiedet, aber der Rhythmus wurde unberechenbar selten. Ich kann jetzt ja auch nur von den Blogs reden, die ich so in den letzten zehn Jahren regelmäßig gelesen habe. Freilich wird es noch ein paar mehr geben, aber da bin ich nicht kompetent zu urteilen, weil ich es nicht verfolgt habe. Mir schläft gerade der rechte Fuß ein. Ich bin nämlich gerade gar nicht draußen, wo es sehr sommerlich warm ist, sondern drinnen, in einer komischen Haltung vor meinem Rechner. Ich sitze ja immer auf so einem große Bodenkissen und das rechte Bein ist aber gerade so abgewinkelt und steht senkrecht, das linke Bein liegt abgewinkelt, flach auf dem Kissen und das Kinn berührt das Knie von dem Bein mit dem gerade einschlafenden Fuß, während ich tippe. Im Becher ist Kaffee, ich frühstücke noch. Später eine kleine Näharbeit. Ich will an einem neuen Mäntelchen von Desigual mit einem schönen weißen und steingrauen Paisley-Muster etwas optimieren, die Knöpfe habe mir nicht gefallen, zu groß und auch Plastik. Das KadeWe hat vor ein paar Jahren die riesige Kleiderstoffe- und Kurzwarenabteilung ausgelagert, die ist jetzt in einem Haus in der Passauer Straße, schräg gegenüber vom alten KadeWe, als eine extra Abteilung für Bastelzeugs und Stoffe und Kurzwaren. Nur die Möbelstoffe sind noch im alten KadeWe. Da habe ich jedenfalls passende Knöpfe gefunden. Aus einem silber glänzenden Metall, amorph und filigran ziseliert. Dann sieht der Mantel eher aus wie von einem indischen Prinzen. Überhaupt diese traditionellen indischen Maharadscha-Gehröcke sind ja ein Traum. Saris interessieren mich nur als Wohnungsdeko, um ein bißchen zu verschleiern oder eine nicht so schöne Tür zu verstecken. An meiner Wohnungstür hängt sogar ein echter, seidener Hochzeits-Sari, der hat ein besonders aufwändig gewebtes Paisley-Muster auf einem hellen Graublau mit Arabesken in einem Beigeton. Aber zum Anziehen wäre mir das Gewickel viel zu kompliziert. Und Heiraten will ich derzeit ja auch nicht. Oh oh, jetzt geht es aber nicht mehr mit dem Fuß. Möglicherweise ein Zeichen, mein kleines Tagwerk zu beginnen.

29. Juni 2013







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► Opus 72
Doch. Ich bin jetzt schon ein bißchen sentimental. Ein kleiner Abschiedsschmerz. Ein ganzes Jahr in Bildern. 16. Februar 2012 bis 16. Februar 2013. Selbstportraits in lückenloser Folge, Tag für Tag. Ja, das erforderte auch Disziplin. Aber wer hätte darin mehr Übung gehabt, als ich. Schon, als ich damit begann. Aber dieses tägliche auf-sich-draufhalten, einen state of mind zu erreichen, der sich gut genug, angemessen genug anfühlt, um gebannt zu werden – das ist so ähnlich, als ob man eine tägliche Übung für die Muskulatur macht. In diesem Fall die psychische Muskulatur. Ich bin mir jeden Tag mindestens einmal sehr nah gekommen, Auge in Auge. Vielleicht auch, wie man von einem Geliebten wahrgenommen werden will. Ist keiner da, muss man sich selbst lieben. Liebend betrachten. Erkennen. Das Liebenswerte realisieren. Hochgradig therapeutische Angelegenheit in meinem Fall. Aber vielleicht auch bei jedem anderen, der etwas Ähnliches treibt. Wie diese Sache mit dem Schauspielerberuf. Kaum einer würde von sich weisen, dass ein Schlüsselmoment war, gesehen zu werden, bewusst betrachtet zu werden. Datailliert. Interessiert. Das Einzigartige gewürdigt zu fühlen. Oder es wenigstens in eine Würdigungsmöglichkeit zu bringen. Manch einer fühlt sich ausreichend gewürdigt, wenn seine oder ihre Fähigkeiten gelobt werden. Mir hat das nie gereicht. Ich konnte selbst sehr gut einschätzen, worin ich gut oder talentiert oder nützlich bin. Auch meine Intelligenz, meine Phantasie. Das muss ich nicht wie ein Plakat vor mir hertragen. Ich war in Algebra immer hochgradig begriffsstutzig, aber in Geometrie und einfachen Rechenarten ziemlich effizient. Für mein Ego war das nebensächlich. Ich komme aus einem Hintergrund, wo kaum Wert auf äußerliche Dinge gelegt wurde, außer vielleicht gutbürgerliche Reinlichkeit und sonst eher Unauffälligkeit als Wert gepredigt wurde. Sicher keine eitlen modischen Extravaganzen. Die Welt der Mode und der Schönheit war in meiner Wahrnehmung nur in Medien präsent. In meiner Erinnerung sehnte ich mich als Kind nach der Nähe von Menschen, die höhere ästhetische Maßstäbe hatten. Ich war fasziniert von der platinblonden Mutter einer Schulfreundin und ihrem perlmuttfarbenen Lippenstift. Ihrem Minikleid, unverschämt kurz, aber absolut die Mode. Braungebrannte Beine schauten hervor. In der ZDF-Hitparade gab es Frauen wie Daliah Lavi und in Vorabendserien im Ersten und Zweiten Monika Lundi. Uschi Nerke sagte den Beatclub an und trug hohe, glänzende Lackstiefel. Und auch einen superkurzen Mini. Alle Frauen, die mir gefielen, hatten lange Haare. Und Lidstrich. Und wild gemusterte, kurze Kleider. Psychedelische Kreise waren darauf. Obwohl der Fernseher schwarzweiß war, konnte ich erkennen, dass die Kreise orange und pink sein mussten. Und dann, als ich elf war, als ich zum ersten Mal Veruschka sah, wie eine Schlange bewegte sie sich in Blow up, als meine Eltern endlich einmal abends ausgegangen waren, was sie leider so gut wie nie taten. Wie ich da alleine das Spätabendprogramm im ZDF sah und diesen Film, der in London spielte, in dieser geheimnisvollen attraktiven Fotografen- und Modewelt. Ich war hin und weg. Ja, ich war elf Jahre alt. Wenn ich in einem anderen Kontext aufgewachsen wäre, in dem ästhetische Maßstäbe von Rang oder gar ein lebendiges Interesse an Modeströmungen geherrscht hätte, hätte ich es wahrscheinlich nur als normal empfunden, weil es mir im Blut liegt. Ich kann nicht anders, ich muss eine Art verfeinerte Schönheit in Farbe und Form um mich haben, um mich wirklich wohl zu fühlen. Aber eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass ich mit diesen Bildern versucht habe, dahin zu kommen, meinen ureigenen Wert, den meiner bloßen Existenz und Verkörperung mit meinem Gesicht und meinen Haaren und Augen und meiner Nase und meinem Lachen zu würdigen. Auch in einer Lebensphase, die das nicht durch die Nähe und den Zuspruch eines direkten Gegenübers bietet. Das hatte ich ohnehin nie, aber in den letzten zwei, drei Jahren in so geringem Maß wie nie zuvor. Damit muss man zurechtkommen. Oder man springt aus dem Fenster. Und dafür bin ich nicht der Typ. Dafür bin ich mir einfach zu schade. Und jetzt, nach diesem Jahr, noch viel mehr als vorher. Doch, es ist gut, dass es mich gibt. Da bin ich mir jetzt ganz sicher. Auch wenn es mir niemals mehr sonst irgendjemand sagen sollte. Ich habe ja noch mich. Und das ist viel. Denn ich bin immer da. Und mir immer nah. So nah, man sich nur sein kann. Es war ein gutes Jahr. Gut, sich so zu sehen. Die Bilder sind gut gespeichert. Tief in mir drin. Ich werde es nicht mehr vergessen, wie und wer und wo ich bin. Hier. Ganz bei mir.

02. Juli 2013

Ich möchte gerne einen Eintrag bloggen, aber mir fällt nichts ein. Nichts, was nicht schon gesagt wäre, oder aber Sachen, die ich nicht bloggen kann, aus Gründen der Indiskretion. Die Sache mit der Indiskretion, sprich die Diskretion, hängt mir zuweilen zum Halse raus. Ich meine, fast zehn Jahre gepflegtes Bloggen mit hohem Diskretionsanspruch. Aber was soll man machen, ich kann nicht. Nicht etwa wegen eines Vertrages oder dergleichen. Ich meine auch nur sehr private Bereiche. Aus Gründen der „Moral“. Meiner Moral. Weil man sich vielleicht noch einmal trifft im Leben.

Ich bin ehrlich berührt, dass trotz meiner Unterschlagungen der Eindruck vermittelt wird, ich schreibe persönlich. Ja, das stimmt auch, manchmal, vielleicht, hoffentlich immer öfter, geht es mit mir durch und ich schaffe den Spagat, tatsächlich etwas sehr Persönliches, ja vielleicht sogar für Viele Unangenehmes, gar peinlich Konnotiertes zu outen, das nicht in den Bereich imponierender Eckdaten einer Biographie gehört, um nicht zu sagen, in einen schmerzhaften Bereich. Und doch: ich könnte noch ganz andere Sachen erzählen. Wann sind endlich die gefühlt notwendigen zwanzig bis dreißig Jahre Halbwertzeit vorbei? Auf Romane schreiben habe ich keine Lust. Da könnte man ja verschwurbelt verarbeiten. Aber machen wir uns nichts vor: dem Plot zuliebe nur unzulänglich verbrämte Protagonisten würden sich erkennen. Der Eine oder der Andere. Sei es über Zufall, Hinweise aus zweiter Hand. Würde das etwas bereinigen? Metaphern, quasi Familien/Beziehungsaufstellung über fiktive Texte? Ergebnis: nein. Nicht gut. Besser in eine transzendierte, transformierte Gegenwart finden, indem man in der kommenden Realität agiert und die Dinge (halbwegs, noch lieber ganz) ins Lot bringt. Irgendwann. Aber heute Abend nicht mehr. Irgendwann. Ein Bild zum diesem gefühls-chaotischen Eintrag? Ich suche noch. Mitternacht… kurz nach – – –

01. Juli 2013


Orientieren. Okzidentieren. Kein Bild von heute. Aber Luxus: ich finde nun für jegliche Befindlichkeit eine Aufnahme, die mir passend erscheint. Auch heute, am ersten Juli 2013. In Gedanken, überlegend, überraschungsbereit, aber unentschieden, nach links oder lieber rechts zu gehen. Ich bin gerade sehr daran gewöhnt, jeden Tag etwas Neues zum Bloggen zu haben. Ich kann doch nicht einfach aufhören, nur weil die letzten Bilder auf Flickr hochgeladen sind und mir noch nicht nach neuen Aufnahmen ist. Und es gibt ja noch genug Potenzial an Ungesehenem. Ich habe nur die wenigsten Bilder aus einem Set hier gepostet, die ich am Attraktivsten fand, die mir aus dem Bauch am Passendsten erschienen. Es gewittert gerade in Berlin. Noch nicht dunkel, die blaue Stunde sinkt über die Dächer. Im Hintergrund höre ich halb die Tonspur einer Auswanderer-Doku. Zum Teil interessant. Ich habe im Augenblick gar keine Träume in dieser Richtung. Nicht mehr. Ich will hier bleiben. Mein Anker liegt heimisch im märkischen Sand. Scheint nun doch ein Eintrag geworden zu sein.

30. Juni 2013

Last but not least, die jüngste – besser – jüngere Vergangenheit. Der 26. Mai 2013 bei Carpentier. Als Jan in trauter Runde erzählte, wie er vorgeht und was ihn bewegt, motiviert, das zu tun, was er tut. Der letzte, aktuellste Tag, von dem Bilder von mir existieren. Beinah noch Gegenwart. Noch gut erinnerbar. Nicht nur der vielen Bilder wegen. Ich fühlte mich wieder gesund, ohne Einschränkung. Wie froh man deshalb sein kann. Muss. Immerzu. Freut euch des Lebens, möchte man ausrufen. Jeden Tag aufs Neue. Wahnsinn, ich bin in der Gegenwart angelangt. Dreißigster Juni 2013 und nichts mehr in der Warteschleife. Von den alten, digitalisierten Filmen will ich nicht reden, das ist ja alles ein Kapitel für sich. Ein ganz eigenes, das nur in einer gewissen Dosis verarbeitet und verkraftet werden kann. Noch ein bißchen ruhen. Es ist so lange unangerührt gewesen. Da kommt es auf ein paar Wochen oder Monate früher oder später auch nicht mehr an. Und dann ja auch die Frage, muss man einweihen, wer da zu sehen sein wird. Tja. Irgendwie doch. Wenn die eine oder andere Sequenz nach meinem Gefühl interessant oder gut genug wäre und angemessen geschnitten. Eigentlich ja. Mal sehen. Es wird nicht langweilig. Mit gähnender Leere ist hier eigentlich nicht zu rechnen. Die Ideen wollen nicht ausgehen, die kleinen Biester. Keine Gefahr.

30. Juni 2013

Tag des Blendschutzes. 12. Mai 2013.

Die selbst gebastelte Vorrichtung kam seither allerdings kaum mehr zum Einsatz. Was nicht nur an zu geringfügiger Sonneneinstrahlung lag, sondern auch an meiner Vermeidungsstrategie in den letzten drei Wochen, aufgrund der Laser-Geschichte neulich. Es hätte da schon zwei, drei Sonnentage gegeben, ganz so ist es ja nun auch wieder nicht. Dafür habe ich ordentlich viele Bilder gebloggt. Es gibt Beweise.

30. Juni 2013


Zwei Tage später, am dritten Mai 2013, die Eröffnung, das Opening, wie es auch gerne heißt. Vernissage hört man recht selten im internen verbalen Sprachgebrauch, wenn vom Abend einer Ausstellungseröffnung die Rede ist. Das Wort benutzen eher ungeübte oder metierfremde Besucher. Vorrangig ist schlicht von einer Eröffnung die Rede, an zweiter Stelle von Opening. Im Einzelfall kommt Vernissage schon mal auf einer Einladungskarte gedruckt zum Einsatz, sonst aber gar nicht. So, nun wissen Sie gut Bescheid und können ganz insidermäßig das Wort vermeiden.

30. Juni 2013


Und dann endlich Mai. Am ersten Mai kam ich zum Aufbau von Jans Ausstellung, nicht zuletzt, um mein Portrait mit einer wüsten Signatur zu versehen. Ohne es vorher großartig zu planen, hielt ich die Kamera drauf, als Jan seinerseits ein Bild signierte, bzw. umfangreichen Text über einem Portrait von Veruschka von Lehndorff schrieb, direkt auf die Fotografie. Es wurde später das Bild, das im Entrée das Entrée zur Ausstellung darstellte. Und hier noch einmal die kleine Dokumentation, die sehr schön die besondere Art zeigt, wie Jan und ich kommunizieren. Aus unerfindlichen Gründen wird es punktuell im Ansatz frivol. Ich nehme an, die kultivierte Dreideutigkeit, hat einzig und allein den Zweck, die Lebensfreude via Kommunikation durch das gesprochene Wort zu steigern. Weiter nichts. Wir amüsieren uns dabei und vielleicht kommt es rüber. Ich denke schon. Ich höre ja dauernd mein albernes Gegacker auf der Tonspur. Total unprofessionell, haha. Scheiß drauf. Schieß drauf. Genau, schieß drauf hab ich zuerst getippt. Peng! Peng! Danach gingen wir essen, es ging mir unvergleichlich besser. Jan lud mich ein und ich wagte sogar ein Glas Wein. Nein, es waren sogar zwei Gläser von einem Blanc de Blancs, den ich ganz wunderbar vertrug. Ein asiatisches Fusion-Lokal in Charlottenburg, wo man die Rohstoffe selbst auswählte und dann frisch zubereiten lassen konnte. Das war gut.

30. Juni 2013

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Foto: Jan Sobottka
Am elften April besuchte ich Jan bei Carpentier, er hielt die Galerie für Besucher auf und arbeitete dabei an seinem Buch, über das wir uns intensiv per E-Mails ausgetauscht hatten. Er schickte mir immer Layout-Dateien mit Portraits, die er in Betracht zog, dann wieder verwarf. Ein Interview mit ihm, um meinen Senf dazuzugeben, ein bißchen zu korrigieren, aber vor allem, um Feedback zu bekommen. Das tat ich gerne. Anschließend hatte er noch Lust, mit nach Mitte zu fahren, es gab eine Eröffnung bei Harry Judy Lybkes Galerie EIGEN+ART. Dort war es brechend voll. Allerlei hippe Galeriebesucher drängelten sich um eine komplizierte Installation im Kellerraum, die irgendetwas mit Magnetismus und Elektrizität bewegte, sehr raumgreifend. Ich dachte, das gehört doch eher in ein technisches Museum oder in den naturwissenschaftlichen Unterricht, aber egal. Später erst realisierte ich, dass das elektronisch gefütterte Bild, vor dem mich Jan ablichtete, in ständiger Veränderung begriffen war und sich keine Form wiederholte und es wohl ein Teil der Konstruktion im Keller war. So ganz habe ich es nicht durchschaut, aber hinterher fand ich es dann spannender, als in dem Moment, wo ich dort war und das nicht wusste. Ein komisches Völkchen war dort. Man merkte, dass nicht der Künstler oder die Installation den Magnetismus für diese überfüllte Vernissage verursachte, sondern der Ruf, der der Galerie vorauseilt. Der Galerist Judy Lybke vertritt Neo Rauch, den derzeit vielleicht kommerziell erfolgreichsten Maler unserer Zeit. Brad Pitt kauft unter anderem Werke von Neo Rauch, da darf es schon etwas mehr kosten. Nur mal so, als Einlassung für die Leser, die sich nicht unbedingt damit befassen, welche Galeristen welchen Maler vertreten und wie sich der Hype dann anderweitig auswirkt. Die Galerie ist praktischerweise in der Auguststraße, so hatte ich es nicht weit nach Hause. Wir waren ungefähr sieben Minuten dort, bestimmt nicht viel länger. Und nichts getrunken. Damals hatte ich ja alkoholische Getränke zwecks Rekonvaleszenz vorübergehend komplett gestrichen, was mir auch gut getan hat. Also das zu dieser Farb- und Schwarzweiß-Version einer Aufnahme, die Jan dort gemacht hat. Ich hatte meine Kamera an diesem Tag zwar dabei, aber keine Lust, sie zu benutzen. Es gab tatsächlich kein einziges Bild, das ich unbedingt hätte festhalten wollen. Außer vielleicht zwei kleine Mädchen, die Straßenmusik machten, an der Ecke zur Tucholskystraße. Die Idylle war fast schon zu perfekt, das dekorative Notenblatt auf einem alten Stuhl, die putzigen Zöpfe, der Eifer, die Geschäftstüchtigkeit der kleinen Künstlerinnen. Die waren wunderbar. Obwohl sie saumäßig schlecht spielten. Sie übten im Grunde nur, absolute Anfängerinnen. Aber dieser Mumm, sich da hinzustellen, an die Kreuzung vor dem Keyser Soze und sich unfassbar schiefe Töne zu leisten, ohne die Übung abzubrechen. Kein Wunder, dass der Hut voll war. Einfach toll, dieser Mut. Jan amüsierte sich über meine Begeisterung und dass ich ihn mehrfach darauf hinwies, dass es sich um Kinder handelt und ich mich positiv, ja begeistert äußere, was er doch bitte zur Kenntnis nehmen möge. Ich schimpfe ja immer über die mitgeschleppten Kinder und Säuglinge in den Galerien, die mir dort so unnütz und wie entführt vorkommen. Aber da habe ich die Kamera eben auch nicht ausgepackt, ich dachte, ich zerstöre vielleicht den Zauber und wie man sieht, ich habe es auch ohne Fotos nicht vergessen.

30. Juni 2013


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►Opus 73
Die Chronologie bis zur Gegenwart. Am 23. März 2013 holte ich nach fünf Wochen zum ersten Mal wieder die Kamera aus dem Schrank. Nur für ein paar Minuten und nicht für Fotos. Für eine kurze Filmsequenz. Um nicht zu vergessen, wie sie funktioniert, und um ein Lebenszeichen aus der Gegenwart zu zeigen. Ich erinnere mich, dass ich an diesem Samstag auch deswegen motiviert war, das zu tun, weil ich die Tage davor immer wieder unangenehme Symptome hatte, diese Schwellungen und Rötungen im Gesicht, besonders um die Augen. Es wurde schlimmer, aber an diesem Tag war es dann ausnahmsweise erheblich besser und ich brachte mich dankbar, mit einer beträchtlichen Schicht Make up um die Augen, in die Verfassung, der Kamera ins Auge zu blicken. Die Woche darauf verschlechterte sich mein Zustand erheblich, dieser Samstag war der letzte Tag, an dem ich nicht wie ein kompletter Notfall aussah. Und am Dienstag nach Ostern ging ich endlich zum Arzt, dem Hausarzt und Immunologen, der mich unbekannterweise vor allen anderen Patienten, die einen Termin hatten, vorzog. Daran denke ich, wenn ich das kleine Opus anschaue. Der Tag vor dem Grauen, das durch den Arztbesuch und die daraus resultierende Diagnose und Erkenntnis glücklicherweise heilsam war. Die Bilder sind nur Standbilder von der Filmspur, keine Fotos. Ich rekonstruiere für mich die Aufeinanderfolge der wenigen Bilder, die in der Zeit seit Mitte Februar entstanden sind.

29. Juni 2013


Ich könnte mir minutenweise auch vorstellen, als Inspektorin beim Ordnungsamt zu arbeiten. Kontrollgänge durch Berlin Mitte zu machen, immer adrett mit Krawatte und Offiziersmütze. Eventuell auch noch mit weißen Handschuhen. Damit könnte ich dann über eingestaubte Kühlerhauben fahren und den Fahrzeughalter, wie seinerzeit in der Reklame für diese Möbelpolitur, darauf hinweisen, dass dringend wieder einmal Staub gewischt werden müsste. Möglicherweise würde mir das auch die Berechtigung geben, Fahrzeuge abschleppen zu lassen, die nach meiner ordnungsamtlichen Überprüfung und fachlichen Einschätzung nicht den ästhetischen Maßstäben entsprechen, die ich für Berlin Mitte und insbesondere den Bereich um das Gipsdreieck, wo ich wohne und ja immer hingucken muss, in einer noch zu verabschiedenden Verordnung festgelegt habe. Zum Beispiel rote oder metallicfarbene Autos, die ja zum Glück langsam aus der Mode kommen, oder einfach unelegante Modelle, die das Straßenbild in keinster Weise aufwerten. Wenn ich mir kein elegantes eigenes Fahrzeug leisten kann, dann fahre ich eben Taxi oder mit der BVG. Das Berliner U-Bahn- und S-Bahn-Netz ist immer noch hervorragend ausgebaut, auch Busse und Straßenbahnen stehen zur Verfügung. Notfalls kann man sich ja auch ein leichtes Fahrrad anschaffen, wenn das Geld noch nicht einmal für wenigstens einen schicken, kleinen Mini reicht. Am wenigstens ästhetisch belastend ist jedoch immer noch der Fußgänger, der Flaneur. Natürlich sollte auch dieser, und ich würde auch das in meiner ordnungsamtlichen Kontrollfunktion von Zeit zu Zeit überprüfen, ebenfalls einem gewissen Standard, wie er einer Metropole zukommt, in seinem Erscheinungsbild entsprechen. Man kann sich zum Beispiel, bevor man das Haus verlässt, die Frage stellen: würde Gaga Nielsen mich fotografieren wollen, wenn sie mir heute so begegnet? Das ist eine einfache Regel, die sich jeder leicht merken kann. Wenn die Frage mit einem eindeutigen Ja beantwortet werden kann, ist aus ordnungsamtlicher Sicht alles im grünen Bereich und der Einwohner darf unbesorgt die Wohnung verlassen, um das Straßenbild zu bereichern, ja ich möchte sagen: aufzuwerten. Man muss auch an unsere ausländischen Gäste denken. Jeder Bürger repräsentiert in dem Moment, wo er den Fuß auf die Straße setzt, seine schöne Stadt. Und wir wollen doch, dass unsere Freunde aus dem Ausland die frohe Botschaft mit nach Hause, nach Übersee und Afrika tragen: Berlin ist nicht nur eine schöne Stadt mit wenigen, eleganten Fahrzeugmodellen, die hin und wieder vereinzelt am Straßenrand parken, sondern auch mit ebenso sehenswerten Bewohnern. Der Gast muss das Gefühl haben, Berlin ist eine der tollsten Städte der Welt, samt Einwohnern. Und ich, Gaga Nielsen, werde in meiner Funktion als oberster Inspektorin des Ordnungsamtes unermüdlich dafür sorgen, dass dieser Spitzenstandard erreicht und gehalten wird. Mein Ehrenwort.

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Opus 71.

29. Juni 2013







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► Opus 72
Doch. Ich bin jetzt schon ein bißchen sentimental. Ein kleiner Abschiedsschmerz. Ein ganzes Jahr in Bildern. 16. Februar 2012 bis 16. Februar 2013. Selbstportraits in lückenloser Folge, Tag für Tag. Ja, das erforderte auch Disziplin. Aber wer hätte darin mehr Übung gehabt, als ich. Schon, als ich damit begann. Aber dieses tägliche auf-sich-draufhalten, einen state of mind zu erreichen, der sich gut genug, angemessen genug anfühlt, um gebannt zu werden – das ist so ähnlich, als ob man eine tägliche Übung für die Muskulatur macht. In diesem Fall die psychische Muskulatur. Ich bin mir jeden Tag mindestens einmal sehr nah gekommen, Auge in Auge. Vielleicht auch, wie man von einem Geliebten wahrgenommen werden will. Ist keiner da, muss man sich selbst lieben. Liebend betrachten. Erkennen. Das Liebenswerte realisieren. Hochgradig therapeutische Angelegenheit in meinem Fall. Aber vielleicht auch bei jedem anderen, der etwas Ähnliches treibt. Wie diese Sache mit dem Schauspielerberuf. Kaum einer würde von sich weisen, dass ein Schlüsselmoment war, gesehen zu werden, bewusst betrachtet zu werden. Datailliert. Interessiert. Das Einzigartige gewürdigt zu fühlen. Oder es wenigstens in eine Würdigungsmöglichkeit zu bringen. Manch einer fühlt sich ausreichend gewürdigt, wenn seine oder ihre Fähigkeiten gelobt werden. Mir hat das nie gereicht. Ich konnte selbst sehr gut einschätzen, worin ich gut oder talentiert oder nützlich bin. Auch meine Intelligenz, meine Phantasie. Das muss ich nicht wie ein Plakat vor mir hertragen. Ich war in Algebra immer hochgradig begriffsstutzig, aber in Geometrie und einfachen Rechenarten ziemlich effizient. Für mein Ego war das nebensächlich. Ich komme aus einem Hintergrund, wo kaum Wert auf äußerliche Dinge gelegt wurde, außer vielleicht gutbürgerliche Reinlichkeit und sonst eher Unauffälligkeit als Wert gepredigt wurde. Sicher keine eitlen modischen Extravaganzen. Die Welt der Mode und der Schönheit war in meiner Wahrnehmung nur in Medien präsent. In meiner Erinnerung sehnte ich mich als Kind nach der Nähe von Menschen, die höhere ästhetische Maßstäbe hatten. Ich war fasziniert von der platinblonden Mutter einer Schulfreundin und ihrem perlmuttfarbenen Lippenstift. Ihrem Minikleid, unverschämt kurz, aber absolut die Mode. Braungebrannte Beine schauten hervor. In der ZDF-Hitparade gab es Frauen wie Daliah Lavi und in Vorabendserien im Ersten und Zweiten Monika Lundi. Uschi Nerke sagte den Beatclub an und trug hohe, glänzende Lackstiefel. Und auch einen superkurzen Mini. Alle Frauen, die mir gefielen, hatten lange Haare. Und Lidstrich. Und wild gemusterte, kurze Kleider. Psychedelische Kreise waren darauf. Obwohl der Fernseher schwarzweiß war, konnte ich erkennen, dass die Kreise orange und pink sein mussten. Und dann, als ich elf war, als ich zum ersten Mal Veruschka sah, wie eine Schlange bewegte sie sich in Blow up, als meine Eltern endlich einmal abends ausgegangen waren, was sie leider so gut wie nie taten. Wie ich da alleine das Spätabendprogramm im ZDF sah und diesen Film, der in London spielte, in dieser geheimnisvollen attraktiven Fotografen- und Modewelt. Ich war hin und weg. Ja, ich war elf Jahre alt. Wenn ich in einem anderen Kontext aufgewachsen wäre, in dem ästhetische Maßstäbe von Rang oder gar ein lebendiges Interesse an Modeströmungen geherrscht hätte, hätte ich es wahrscheinlich nur als normal empfunden, weil es mir im Blut liegt. Ich kann nicht anders, ich muss eine Art verfeinerte Schönheit in Farbe und Form um mich haben, um mich wirklich wohl zu fühlen. Aber eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass ich mit diesen Bildern versucht habe, dahin zu kommen, meinen ureigenen Wert, den meiner bloßen Existenz und Verkörperung mit meinem Gesicht und meinen Haaren und Augen und meiner Nase und meinem Lachen zu würdigen. Auch in einer Lebensphase, die das nicht durch die Nähe und den Zuspruch eines direkten Gegenübers bietet. Das hatte ich ohnehin nie, aber in den letzten zwei, drei Jahren in so geringem Maß wie nie zuvor. Damit muss man zurechtkommen. Oder man springt aus dem Fenster. Und dafür bin ich nicht der Typ. Dafür bin ich mir einfach zu schade. Und jetzt, nach diesem Jahr, noch viel mehr als vorher. Doch, es ist gut, dass es mich gibt. Da bin ich mir jetzt ganz sicher. Auch wenn es mir niemals mehr sonst irgendjemand sagen sollte. Ich habe ja noch mich. Und das ist viel. Denn ich bin immer da. Und mir immer nah. So nah, man sich nur sein kann. Es war ein gutes Jahr. Gut, sich so zu sehen. Die Bilder sind gut gespeichert. Tief in mir drin. Ich werde es nicht mehr vergessen, wie und wer und wo ich bin. Hier. Ganz bei mir.

28. Juni 2013


O.k. – ein wenig Farbe. Aber ohne gleich zu übertreiben. Ich bin einfach der Typ für Beige. Ich meine – halt! – nicht der Typ für gutbürgerliches Beige. Ich meine: für wildes Wüstenbeige. Wüstensand, Fremdenlegionäre, Terroristen-Camp in Nordafrika! Also rein ästhetisch. Das ist dieses Rock’n’Roll-Ding. Man muss den ästhetischen Spirit begreifen. Verinnerlichen, gefressen haben.

Vielleicht ist es eine angeborene Neigung, aber vielleicht auch eine selbstgewählte, angestrebte Prägung. Wobei der Drang, sich einen Prägestempel in einer gewissen Richtung zu geben, ja gleichwohl entschiedenen Neigungswinkel voraussetzt. Jetzt, mit Ende Vierzig, in nicht ferner Zukunft Fünfzig, kann man sich schon langsam erlauben, Erkenntnisse zu bloggen, die einem halbwegs manifest erscheinen – zunehmend. Je älter man wird, umso mehr – oder je älter ICH werde, umso mehr kristallisieren sich dieselben vehementen Neigungen als richtungsweisend heraus, die zu Zeiten des Überganges vom Kind zur Jugendlichen ans Licht traten. Da hätte man noch stärker dabei bleiben sollen. Aber wer kann sich schon unbeirrt entwickeln. Im nachtschwarzen Dunkeln tappende Erziehungsberechtigte sind mit ihrer Brut überfordert, wenn sie so wenig Ähnlichkeit mit ihnen selbst aufweist. Alienne unter Aliens.


Von verschiedenen Planeten, ach was – Sonnensystemen. Wer wollte diese Verständigungsprobleme verurteilen. Das kann man gar nicht. Auch wenn es allen weh tut. Oh là là. Was hat sich Gott dabei gedacht, Kuckuckseier zu verteilen? Um die geistige Evolution voranzubringen? Um der Dynamik willen, nach Erst-Irritation, Reibung, Frustration, heftige Erkenntnisprozesse zu erzwingen? Anhand von Schmerz zu lernen? Konstruktive Fluchtpläne zu entwickeln? Was ja nicht immer oder selten vollständig funktioniert. Von Transformation, Umwandlung, Transzendenz, gar nicht zu reden. Aber vielleicht in der nachfolgenden Generation. Und dann hat er seine Evolution, der liebe, blöde Gott. Haha. Ach, Beige kann schon sehr schön sein. Mann muss die Welt an sich reißen. Ganz friedlich. Alle Farben und alles, was es gibt. So wie Jonathan, der Böse, seine Internetseite mit Fraktur bekritzelt, mit der absichtsvollen Naivität von jemandem, der wie neu in die Welt geboren ist und alles interessant und schön finden darf. Jede Form und jede Farbe. Mit dem Blick eines Aliens. Mit dem Blick von Alice im Wunderland.

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984

. . .FLY ME TO THE MOON AND. . .
LET ME PLAY AMONG THE STARS

. . . . LET ME SEE, WHAT SPRING
IS LIKE, ON JUPITER AND MARS…

29. Juni 2013


Ich könnte mir minutenweise auch vorstellen, als Inspektorin beim Ordnungsamt zu arbeiten. Kontrollgänge durch Berlin Mitte zu machen, immer adrett mit Krawatte und Offiziersmütze. Eventuell auch noch mit weißen Handschuhen. Damit könnte ich dann über eingestaubte Kühlerhauben fahren und den Fahrzeughalter, wie seinerzeit in der Reklame für diese Möbelpolitur, darauf hinweisen, dass dringend wieder einmal Staub gewischt werden müsste. Möglicherweise würde mir das auch die Berechtigung geben, Fahrzeuge abschleppen zu lassen, die nach meiner ordnungsamtlichen Überprüfung und fachlichen Einschätzung nicht den ästhetischen Maßstäben entsprechen, die ich für Berlin Mitte und insbesondere den Bereich um das Gipsdreieck, wo ich wohne und ja immer hingucken muss, in einer noch zu verabschiedenden Verordnung festgelegt habe. Zum Beispiel rote oder metallicfarbene Autos, die ja zum Glück langsam aus der Mode kommen, oder einfach unelegante Modelle, die das Straßenbild in keinster Weise aufwerten. Wenn ich mir kein elegantes eigenes Fahrzeug leisten kann, dann fahre ich eben Taxi oder mit der BVG. Das Berliner U-Bahn- und S-Bahn-Netz ist immer noch hervorragend ausgebaut, auch Busse und Straßenbahnen stehen zur Verfügung. Notfalls kann man sich ja auch ein leichtes Fahrrad anschaffen, wenn das Geld noch nicht einmal für wenigstens einen schicken, kleinen Mini reicht. Am wenigstens ästhetisch belastend ist jedoch immer noch der Fußgänger, der Flaneur. Natürlich sollte auch dieser, und ich würde auch das in meiner ordnungsamtlichen Kontrollfunktion von Zeit zu Zeit überprüfen, ebenfalls einem gewissen Standard, wie er einer Metropole zukommt, in seinem Erscheinungsbild entsprechen. Man kann sich zum Beispiel, bevor man das Haus verlässt, die Frage stellen: würde Gaga Nielsen mich fotografieren wollen, wenn sie mir heute so begegnet? Das ist eine einfache Regel, die sich jeder leicht merken kann. Wenn die Frage mit einem eindeutigen Ja beantwortet werden kann, ist aus ordnungsamtlicher Sicht alles im grünen Bereich und der Einwohner darf unbesorgt die Wohnung verlassen, um das Straßenbild zu bereichern, ja ich möchte sagen: aufzuwerten. Man muss auch an unsere ausländischen Gäste denken. Jeder Bürger repräsentiert in dem Moment, wo er den Fuß auf die Straße setzt, seine schöne Stadt. Und wir wollen doch, dass unsere Freunde aus dem Ausland die frohe Botschaft mit nach Hause, nach Übersee und Afrika tragen: Berlin ist nicht nur eine schöne Stadt mit wenigen, eleganten Fahrzeugmodellen, die hin und wieder vereinzelt am Straßenrand parken, sondern auch mit ebenso sehenswerten Bewohnern. Der Gast muss das Gefühl haben, Berlin ist eine der tollsten Städte der Welt, samt Einwohnern. Und ich, Gaga Nielsen, werde in meiner Funktion als oberster Inspektorin des Ordnungsamtes unermüdlich dafür sorgen, dass dieser Spitzenstandard erreicht und gehalten wird. Mein Ehrenwort.

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984
Opus 71.

28. Juni 2013


O.k. – ein wenig Farbe. Aber ohne gleich zu übertreiben. Ich bin einfach der Typ für Beige. Ich meine – halt! – nicht der Typ für gutbürgerliches Beige. Ich meine: für wildes Wüstenbeige. Wüstensand, Fremdenlegionäre, Terroristen-Camp in Nordafrika! Also rein ästhetisch. Das ist dieses Rock’n’Roll-Ding. Man muss den ästhetischen Spirit begreifen. Verinnerlichen, gefressen haben.

Vielleicht ist es eine angeborene Neigung, aber vielleicht auch eine selbstgewählte, angestrebte Prägung. Wobei der Drang, sich einen Prägestempel in einer gewissen Richtung zu geben, ja gleichwohl entschiedenen Neigungswinkel voraussetzt. Jetzt, mit Ende Vierzig, in nicht ferner Zukunft Fünfzig, kann man sich schon langsam erlauben, Erkenntnisse zu bloggen, die einem halbwegs manifest erscheinen – zunehmend. Je älter man wird, umso mehr – oder je älter ICH werde, umso mehr kristallisieren sich dieselben vehementen Neigungen als richtungsweisend heraus, die zu Zeiten des Überganges vom Kind zur Jugendlichen ans Licht traten. Da hätte man noch stärker dabei bleiben sollen. Aber wer kann sich schon unbeirrt entwickeln. Im nachtschwarzen Dunkeln tappende Erziehungsberechtigte sind mit ihrer Brut überfordert, wenn sie so wenig Ähnlichkeit mit ihnen selbst aufweist. Alienne unter Aliens.


Von verschiedenen Planeten, ach was – Sonnensystemen. Wer wollte diese Verständigungsprobleme verurteilen. Das kann man gar nicht. Auch wenn es allen weh tut. Oh là là. Was hat sich Gott dabei gedacht, Kuckuckseier zu verteilen? Um die geistige Evolution voranzubringen? Um der Dynamik willen, nach Erst-Irritation, Reibung, Frustration, heftige Erkenntnisprozesse zu erzwingen? Anhand von Schmerz zu lernen? Konstruktive Fluchtpläne zu entwickeln? Was ja nicht immer oder selten vollständig funktioniert. Von Transformation, Umwandlung, Transzendenz, gar nicht zu reden. Aber vielleicht in der nachfolgenden Generation. Und dann hat er seine Evolution, der liebe, blöde Gott. Haha. Ach, Beige kann schon sehr schön sein. Mann muss die Welt an sich reißen. Ganz friedlich. Alle Farben und alles, was es gibt. So wie Jonathan, der Böse, seine Internetseite mit Fraktur bekritzelt, mit der absichtsvollen Naivität von jemandem, der wie neu in die Welt geboren ist und alles interessant und schön finden darf. Jede Form und jede Farbe. Mit dem Blick eines Aliens. Mit dem Blick von Alice im Wunderland.

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. . .FLY ME TO THE MOON AND. . .
LET ME PLAY AMONG THE STARS

. . . . LET ME SEE, WHAT SPRING
IS LIKE, ON JUPITER AND MARS…

27. Juni 2013





ROT ROT TOT war der Titel einer Tatort-Folge aus den Siebzigern. Curd Jürgens spielte den Mann einer rothaarigen Frau, die nicht überlebte. Man residierte in einer Villa irgendwo in Stuttgart, auf so einem Berg, wo vorwiegend Daimler gefahren wurde. So ein Derrick-Ambiente, nur ausnahmsweise nicht in München-Grünwald sondern in der baden-württembergischen Metropole. Ich habe die Folge auf einer alten VHS-Cassette. Jetzt könnte ich ja wieder mal gucken, der alte Rekorder funktioniert immer noch, auch an dem neuen, schicken Fernseher. Schon ausprobiert. Auch passable Bildqualität. Dann habe ich noch „Peggy hat Angst“ mit der Elsner und natürlich Reifezeugnis mit Nasti Kinski und Judy Winter und Amadeus Mozart wollte ich schon schreiben. August. Amadeus August heißt der Schauspieler glaub ich, der den erotisierten Deutschlehrer gespielt hat. Die drei Tatorte hab ich auf VHS-Cassetten. An andere Tatorte kann ich mich nicht erinnern, alles vergessen. Deswegen schaue ich auch keine Tatorte mehr, schon seit Jahren nicht, weil ich der Überzeugung bin, dass mit diesen drei Folgen der Höhepunkt erreicht wurde und es nur noch schlechter werden kann. Also ich persönlich habe am Sonntag um 20:15 Uhr immer Zeit. Wenn man mich anrufen dürfte – was ich im Prinzip grundsätzlich untersage – dann käme diese Zeit durchaus in Frage. Aber eigentlich wollte ich nur diskret darauf hinweisen, dass die Farbe Rot auch mitunter in meinem Kleiderschrank eine Rolle spielt. Wie zum Beispiel am 13. Februar deutlich zu erkennen. Gesetzt den Fall, man macht sich die Mühe, die kleine Bilderschau tapfer bis zur zweiten Hälfte zu verfolgen. Aber man könnte das auch auf die Schnelle mal eben hier im Überblick inspizieren. Gerade bei diesem Set verstehe ich selber nicht, warum ich die Bilder hier nicht in Farbe eingeklebt habe. Das sind doch mal veritable Farbbilder, wo die Farbe echte Existenzberechtigung hat. Aber nein, wieder nur schwarzweiß. Ich denke, es liegt einfach an meiner Stimmung heute Abend, oder heute Nacht wäre richtiger. Die ist nicht so hellrot. Auch nicht dunkelrot. Nein, nein, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin guter Dinge, aber nicht so hellrot gestimmt. Aber ich mag die Bilder gerne. Und überhaupt rote Sachen. Auf die man ja auch immer Lust haben muss. Aber nun wiederhole ich mich. Schluss mit den Binsenweisheiten. Von Silly, mit der von mir verehrten Anna Loos gibt es ja das schöne Lied „Alles Rot„. In mir drin ist alles rot, das Gegenteil von tot, mein Herz, es schlägt sich noch ganz gut. In mir drin ist alles rot und du bist ein Idiot, mein Freund, du verschmähst mein süßes Blut. Schöner Song. Noch einen Schluck Wein. ROT.

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27. Juni 2013





ROT ROT TOT war der Titel einer Tatort-Folge aus den Siebzigern. Curd Jürgens spielte den Mann einer rothaarigen Frau, die nicht überlebte. Man residierte in einer Villa irgendwo in Stuttgart, auf so einem Berg, wo vorwiegend Daimler gefahren wurde. So ein Derrick-Ambiente, nur ausnahmsweise nicht in München-Grünwald sondern in der baden-württembergischen Metropole. Ich habe die Folge auf einer alten VHS-Cassette. Jetzt könnte ich ja wieder mal gucken, der alte Rekorder funktioniert immer noch, auch an dem neuen, schicken Fernseher. Schon ausprobiert. Auch passable Bildqualität. Dann habe ich noch „Peggy hat Angst“ mit der Elsner und natürlich Reifezeugnis mit Nasti Kinski und Judy Winter und Amadeus Mozart wollte ich schon schreiben. August. Amadeus August heißt der Schauspieler glaub ich, der den erotisierten Deutschlehrer gespielt hat. Die drei Tatorte hab ich auf VHS-Cassetten. An andere Tatorte kann ich mich nicht erinnern, alles vergessen. Deswegen schaue ich auch keine Tatorte mehr, schon seit Jahren nicht, weil ich der Überzeugung bin, dass mit diesen drei Folgen der Höhepunkt erreicht wurde und es nur noch schlechter werden kann. Also ich persönlich habe am Sonntag um 20:15 Uhr immer Zeit. Wenn man mich anrufen dürfte – was ich im Prinzip grundsätzlich untersage – dann käme diese Zeit durchaus in Frage. Aber eigentlich wollte ich nur diskret darauf hinweisen, dass die Farbe Rot auch mitunter in meinem Kleiderschrank eine Rolle spielt. Wie zum Beispiel am 13. Februar deutlich zu erkennen. Gesetzt den Fall, man macht sich die Mühe, die kleine Bilderschau tapfer bis zur zweiten Hälfte zu verfolgen. Aber man könnte das auch auf die Schnelle mal eben hier im Überblick inspizieren. Gerade bei diesem Set verstehe ich selber nicht, warum ich die Bilder hier nicht in Farbe eingeklebt habe. Das sind doch mal veritable Farbbilder, wo die Farbe echte Existenzberechtigung hat. Aber nein, wieder nur schwarzweiß. Ich denke, es liegt einfach an meiner Stimmung heute Abend, oder heute Nacht wäre richtiger. Die ist nicht so hellrot. Auch nicht dunkelrot. Nein, nein, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin guter Dinge, aber nicht so hellrot gestimmt. Aber ich mag die Bilder gerne. Und überhaupt rote Sachen. Auf die man ja auch immer Lust haben muss. Aber nun wiederhole ich mich. Schluss mit den Binsenweisheiten. Von Silly, mit der von mir verehrten Anna Loos gibt es ja das schöne Lied „Alles Rot„. In mir drin ist alles rot, das Gegenteil von tot, mein Herz, es schlägt sich noch ganz gut. In mir drin ist alles rot und du bist ein Idiot, mein Freund, du verschmähst mein süßes Blut. Schöner Song. Noch einen Schluck Wein. ROT.

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26. Juni 2013

Tjaja. Die Frauen von bei Rakete. Wenn meine Beweggründe jemanden im Bild festzuhalten, dokumentarischer wären, pragmatischer, gesellschaftlich gewichteter, politisch korrekter und weniger impulsiv inspiriert, hätte ich Sherry Hormann, die die Eröffnungsrede hielt, oder die durchaus sehr sympathischen Galeristinnen ablichten müssen. Oder auch andere der vielen Gäste. Wahrscheinlich Namen darunter. Ach, egal. Ich werde noch selektiver als ohnehin schon. Reduziert auf das für mich Interessante. Was macht man später mit einem Bild von einem Mann oder einer Frau, das einem selbst nichts gibt, außer einen prominenten, gesellschaftlich relevanten Namen? Mir egal. Mich haben diese wenigen Frauen, die man hier sieht, vor allem die beiden hier im Eintrag noch am ehesten gefesselt. Die eine davon, mit den helleren Haaren, ist eine der portraitierten drei Schauspielerinnen, aber das habe ich erst später realisiert, so ähnlich war sie den Fotografien auf den ersten Blick nicht. Ich meine Stefanie Schuster, der Engel in dieser Ausstellung von Jim Rakete. Ihr Lachen erinnerte mich an Veruschka, deswegen fand ich sie interessant, wegen ihrer ähnlich unabhängigen Ausstrahlung. Und hier verstecken sich ein paar als Kommentar getarnte Bemerkungen zu dem Abend, und eine Erklärung, warum es kein Bild mit Rakete gibt. Ich wollte ihn, nachdem ich ihn sah, an jenem Abend nicht verewigen. Sonst schon. Er ist eigentlich sehr angenehm. Es gab und gibt bessere Gelegenheiten. Insgeheim hatte ich ja sehr gehofft, Michael Ballhaus wäre auch dort, aber der hatte sicher Erholungsbedarf vor lauter Berlinale-Trubel, die war da ja gerade, und er wollte wohl auch Rakete und seiner Frau nicht die Show stehlen. Denn obzwar Routinier hinter den Kulissen, ist er doch selbst ein Hingucker. Ihn hätte ich ganz sicher festgehalten. Am Ärmel und im Bild. Ach, ich mag ihn. Ich war mit Jan dort, und danach waren wir noch ein paar Ecken weiter, was trinken und erzählen. Ich mit meinen neuen Stiefeln und dem neuen, roten, kleinen Trench tapfer viele hundert Meter durch die ziemliche Kälte gestiefelt. Wenn man mit Jan unterwegs ist, sollte man immer gutes, bequemes Schuhwerk anhaben, sonst sind die Füße am Tag darauf sehr erholungsbedürftig, wenn nicht lädiert. Taxi ist nicht. Mir macht das nichts, ich weiß es ja und laufe gerne. Nur nicht durch Kälte. Aber von Galerie A zu Galerie B zu Galerie C zu Lokal X zu Kneipe Y, zu Bar Z. Das ist ganz in meinem Sinne. Völlig unbeeinträchtigt von spaßbremsenden Abstimmungsdiskussionen, wild kariert herumstreunen. Mit einem traditionsliebenden, einigen wenigen Lokalitäten verbundenen Kneipenhocker ginge das natürlich nicht. Der sieht dann ja auch Jahr ein, Jahr aus, immer nur dieselben dreieinhalb Barfrauen vor sich. Haha, das ist nämlich einer der Gründe, warum Jan Gott und die Welt und jede schöne und interessante Frau und sonstige Kreatur in Berlin zu kennen scheint. Es war einfach unvermeidlich, Jan irgendwann zu treffen und ich bin dankbar dafür, ihn zu kennen.





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25. Juni 2013


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Ok – ich sehe gerade, mein Opus 70, das ich an dem Tag fabriziert habe – in dem Outfit, was aber recht nebensächlich war, entspricht ja überhaupt nicht dem coolen Spirit der Fotos. Man sollte das gar nicht im Zusammenhang sehen. Vielleicht wollte ich sogar eine echte, halbseriöse chinesische Neujahrsansprache machen, aber es ist komplett aus dem Ruder gelaufen, nachdem ich das dumme kleine „Chinesische Sternzeichen“-Kapitel aus meiner damaligen Lieblings-Teenie-Zeitschrift Melanie gefunden habe. Eine Reliquie, eine Antiquität! Aber ich will nicht weiter darauf hinweisen, ich finde mich da schon auch teilweise irgendwie uncool kindisch. Aber man soll ja immer auch zu seinen Jugendsünden stehen. Nur, dass das Filmchen halt nicht von 1974 ist, wie der Artikel, sondern von 1912 wollte ich schon schreiben – welches Jahr war neulich? 2012! Genau. 2012. Übrigens ist der komische ethnomäßig angehauchte Hintergrund mit dem gebatikten Tuch kein Dauerzustand. Es ist eine Art Wickelrock, den ich aber nie als solchen getragen habe, ein Souvenir, das ich mal als Geschenk gekriegt habe, aus Takatukaland oder so ähnlich, also aus irgendwo in Asien, Thailand oder was weiß ich. Und ich habe das Tuch einfach nur vorübergehend, damit es irgendwie zum Shirt passt, an die Rückwand, auf die die Kamera gezeigt hat, getackert. Jetzt habe ich eigentlich doch viel zu viel darüber geschrieben. Ich kann dann ja auch immer keine Einträge löschen, wenn sie schon mal geschrieben sind, ich bin da ja ein bißchen sentimental. Ich meine: es ist immerhin ein Eintrag von mir! Den ich zu später Stunde getippt habe, um meine Leser bei der Stange zu halten. Obwohl ich eigentlich schlafen müsste. Ok. Fertig. Noch den Rotwein austrinken und ab in die Falle! Ach so: wo das Tribal-Shirt her ist – nur sehr vage, dunkle Vermutungen. Wenn ich so nachdenke, fällt mir am ehesten dieser Headshop-artige Hippie- und Techno-Souvenirladen am Breitscheidplatz, an der Gedächtniskirche, ein. Hieß der nicht Mary Jane? Oder Mary Warner? Egal. Ja, da her. Neunziger! Ära des Arschgeweihs, das Shirt wurde wahrscheinlich mit einer dieser Tattoo-Schablonen gedruckt. Oder vom Erfinder des ersten Arschgeweih-Tribals mitentworfen. Als Set! Ich hab keins und auch kein anderes. Aber Tattoos können toll sein. Besonders so eine furiose Adlerschwinge auf einem gepflegten Rückenflügel oder wie die Körperstelle heißt. Ich will da aber nicht drüber diskutieren. Das ist wie mit langen Haaren. Nichts gegen lange Haare, aber gepflegt müssen sie sein.

25. Juni 2013

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Wie kann man dem anspruchsvollen Leser Abwechslung bieten. Ein unerschöpfliches Thema. Damit kann man sein Leben zubringen. Oder in meinem Fall, die wahrscheinlich komplette zweite Lebenshälfte. Ich glaube mich dunkel zu erinnern, das Leibchen mit dem genieteten Lederträger wäre aus demselben Laden wie mein Kaiserin Elisabeth von Österreich und Ungarn-Kleid von Heiligabend. Aber ich kann mich täuschen. Der Dornenkranz am Arm (aus anschmiegsamen Latex) ist jedenfalls von der wirklich sehr freundlichen Friendly Society und der Gürtel

von „Brenninkmeyer“, wie die Generation unserer Eltern zu sagen pflegte. Das mit dem Charme & Anmut habe ich erst später, in den achtziger Jahren in Berlin erstmalig aufgeschnappt. Vorher kannte ich nur C&A ohne Gejuxe, oder eben Brenninkmeyer. Gerade war Philippe Brenninkmeyer in der Sendung bei der von mir sehr geschätzten Bettina Rust und hat recht symphatisch erzählt, wie er bei einem Praktikum in jungen Jahren im Familienbetrieb zuletzt in der Kinderabteilung gelandet ist und ganz stark gelitten hat. Danach hat er ein Schauspielstudium beginnen müssen und gab ein Weilchen den Punk. Dass das nicht ganz authentisch sein konnte bei seiner Herkunft, war ihm schon klar, aber er hat seine Kumpels trotzdem munter angepumpt, weil er wiederum ganz authentisch, die perfekte Rollenidentifikation eben, nie Geld bei sich hatte. Und Gitarre spielt er auch. Leider nicht in der Sendung. Ich suche trotzdem mal den Link zu der Folge, Augenblick… hier.

25. Juni 2013


East meets West. Cheongsam & Mary Janes. Und explantierte antiquarische Pailletten-Stickerei von einem kleinen Schwarzen, einem Cocktailkleid aus den Sixties, das mir viel zu klein war, aber die Applikation am Kragen so schön, dass ich es dennoch kaufte und das Kunstwerk vorsichtig abtrennte, ausschnitt und auf das dunkelblaue Chinakleid nähte. Ende der Neunziger habe ich es oft getragen und auch die Schuhe. Immer diese Schuhe dazu, das weiß ich noch genau. Gar nicht unbequem. Weder das Kleid noch die Mary Janes. Die Zehen haben mehr Spielraum bei diesen Puppenschuhen als bei anderem zierlichen Damenschuhwerk. Und eine kleine Plateausohle ist unten dran. Das Kleid will ich nie weggeben. Weil es mich auch an eine Zeit erinnert, in der ich sehr verliebt war und mich schön darin fühlte. Wenn die Liebe auch nicht wie in den alten Filmen endete. Sie endete noch vor dem Abspann, der schönen großen Tafel mit den geschwungen weißen Buchstaben auf schwarzem Grund. Genau vor dem Happy End. Nicht danach. Davor. Das ist mir oft passiert. Unfassbar oft. Zu oft.
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24. Juni 2013

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Na gut, das meinte ich jetzt nicht mit letztem Aufbäumen. Meine Füße haben sich höchstens gegen die neuen Stiefel aufgebäumt, das sind die aus dem Karton. Und die falsche Bärenfellmütze hat sich dagegen aufgebäumt, dass sie in dem ganzen Jahr in noch keinem Set aufgetaucht ist. Dabei hatte sie ihren großen Auftritt am 11. Februar 2012, kurz bevor ich mit den Daily Shots angefangen hatte. Aber ich konnte ja schlecht rückwärts faken. Das muss schon alles Hand und Fuß haben, was hier behauptet wird. Das ist ja auch später für die Geschichtsforscher wichtig. An welchem Tag und in welchem Jahr hat Gaga Nielsen nun tatsächlich ihre falsche Bärenfellmütze aufgehabt? Das könnte beispielsweise die 100.000-Euro-Frage bei Günter Jauch werden, wenn der dann noch lebt. Ich glaube ja, Günter Jauch lebt ewig. Und ewig grüßt das Murmeltier. Nur so ein Gefühl. Aber ich auch!!!

24. Juni 2013


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Guten Morgen. Schnell noch einen Februartag bloggen, bevor ich los muss. Heute schwarzer Satin mit kompliziert gefälteltem Kragen und: Stiefel gekauft. Ich sehe das an dem Schuhkarton unterm Arm. Ein bemerkenswertes Ereignis, weil ich bis dato ewig keine Schuhe, auch keine anderen Kleidungsstücke mehr gekauft hatte, nachdem ich im Herbst Zweitausendelf von heute auf morgen entschieden hatte, ein striktes Sparprogramm anzuleiern, um aus dem Minus vor der Zahl auf dem Kontoauszug ein Plus zu zaubern. Der Zauber hat funktioniert, aber die Stiefel waren keine nice to have-Luxus-Anschaffung, sondern der Ersatz für die geliebten flachen schwarzen Stiefel, die ich bis dahin auf vielen Bildern zu Kleidern und Röcken trug. Ich habe noch zwei oder drei Paar mit höheren Absätzen, aber meine Füße sind mir zu schade, mich allzu oft für viele Stunden in Hackenschuhe zu begeben, so schön sie auch aussehen. Also galt es, nicht allzu plump wirkende, flache schwarze Lederstiefel zu finden. Den schönen Karton nahm ich statt der hässlichen Plastiktüte im Geschäft mit. Die alten Stiefel musste ich wegschmeissen. Es war kein sehr gutes Leder, zu dünn und weich, das sich auflöste. Deswegen waren sie auch so bequem, weil sie so nachgiebig waren am Fuß. Da hat nichts gedrückt, nach zehn Stunden noch nicht. Und es war Platz für meine Reebok-Easytone-Sohle, die ich gerne auch in andere Schuhe lege. In die neuen Stiefel passt sie leider nicht. Sehr schade. Nun müssen sie eingelaufen werden. Mussten. Ist ja schon eine Weile her, der vierte Februar. Ich bin heute so früh am Rechner, weil ich viel vor habe heute. Unter anderem Strom und Gas in meinem Atelier ablesen, das ist wieder fällig, und mit meiner Kamera mit der Audioaufnahme ein paar Lieder aus den Achtzigern von meinem letzten verbliebenen Kassettenrekorder aufnehmen. Also die alten Kassetten einlegen und dann die Aufnahme direkt aus dem Raum machen. Alles andere ist mir zu kompliziert, obwohl das auch nicht unaufwändig klingt, haha. Es sind Lieder auf zwei Kassetten von einer Band, die mir sehr am Herzen lag. Besonders der Sänger. Von 1983 und 1984. Die Songs gab es weder auf Vinyl noch gibt es sie auf CD, nur auf diesen uralten Kassetten. Ich hoffe, es wird nicht zu verrauscht. Und auf der Rückfahrt noch einkaufen. Und dann zuhause die Tonspuren separiert nach Songs mit diskreter Ein- und Ausblendung abspeichern. Und weiter Februar bloggen. Ich gehe dann mal los.

23. Juni 2013

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Endlich, endlich Februar! Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für Gaga Nielsen. Selten habe ich den Februar so herbeigesehnt. Vor allem hier in meinem Blog. Das magische Datum, der sechzehnte Februar glitzert schon am Horizont. Danach muss ich nie mehr Fotos von mir posten. Nie, nie, nie mehr! Wir sind uns natürlich einig, dass Februar der überflüssigste Monat im gesamten Kalender ist, aber man kann was daraus machen, indem man sich ein spektakuläres Ereignis hineinlegt. Das war bei mir zwar eher Zufall, dass ich ausgerechnet am sechzehnten Februar 2012 auf die Idee mit den lückenlosen Fotos von mir gekommen bin, aber in der Rückschau war es doch gut gewählt. Ich musste somit unter allen Umständen den Überlebenswillen bis allermindestens sechzehnten Februar Zweitausenddreizehn aufrechterhalten, denn ein Jahr wollte ich unbedingt durchhalten! Und ich habe es geschafft! Ich habe es sogar noch länger geschafft, weil ich ja vertraglich (mit mir selber) verpflichtet war, die Bilder auch noch präsentabel abzuliefern, also zu bloggen! Das war fast noch anstrengender, als die Bilder zu machen! Danke an alle, die diese mitunter auch recht eintönige Reise mit Interesse begleitet haben! Aber was schreibe ich – noch ist es ja nicht vorbei, aber ich befinde mich schnurstracks auf der Zielgeraden. Nur noch fünfzehn Tage. Aber mehr als fünfzehn Anziehsachen! An den ungefähr letzten drei Tagen habe ich durchgezählt und gemerkt, dass ich noch mehr unfotografierte Sachen als Tage übrig habe. Besonders in Sachen Mützen, Hüte und Schuhe war noch Nachholbedarf. Es wurde dann etwas eng, aber ich habe zuletzt einfach getrickst, indem ich mich am letzten Tag mindestens dreimal umgezogen habe. Aber das muss ja nun niemand erfahren. Das bleibt ganz unter uns, versprechen Sie es!!!

22. Juni 2013

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Mesdames. Schal: Samt. Goldstickerei: Nähmaschine. Rock: Schweinsvelours. Pullover: Baumwolle. Armband: Bernstein. Von da. Selber zum Geburtstag geschenkt. Der Tisch auf dem kleinen Markt mit dem Bernsteinschmuck steht in der Straße, in der Thomas Mann sein Sommerhaus auf der Kurischen Nehrung in Nida hatte. Da steht es immer noch. Nur Thomas Mann ist nicht mehr drin. Wie die alten Fischerhäuser gebaut, sehr lauschig. Moment, wo sind die Bilder von dem Haus an, ich gucke mal. Hier.

22. Juni 2013

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Ja tut mir ja nun selber leid, dass ich abermals genötigt bin, mich im kartoffelsackartigen, hochgeschlossenen Büßergewand aus kratziger Wolle zu präsentieren, aber ich kann das erklären. Wir hatten am 16. Januar 2013 ausnahmsweise unter achtunddreißig Grad. In solcher Not greift man zum erstbesten Kleidungsstück, das den bitteren Frost abhält. Der Tag ist ja nun auch schon gleich wieder vorbei und ich versichere: Schlimmeres wird nicht kommen!

22. Juni 2013


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Oh, ein Miniset. Mit Minirock. Der ist so sandbeige. Der Anhänger ist aus zwei Kettengliedern von einer kaputten Armbanduhr, die ich zur Konfirmation ungefähr 1977 oder 1978 geschenkt gekriegt habe und die irgendwann kaputt war. Wie üblich auseinandermontiert und die brauchbaren Teile aufgehoben und weiterverarbeitet. Das eckige Metallteil über den Kettengliedern war ein Bestandteil von einem Bilderwechselrahmen. Ich glaube, es war hinten an die Rückwand genietet, um das Bild aufzuhängen. Armbanduhren habe ich gar keine mehr. Schon seit Jahren nicht. Ich muss und will nicht dauernd an die Uhrzeit erinnert werden und so ein ständiges Ding am Handgelenk stört mich auch. Ich mag Schmuck immer nur ein paar Stunden, dann geht mir das Gebaumel und das Fremdkörpergefühl gegen den Strich. Wenn ich unterwegs wissen muss, wie spät es ist, gucke ich auf die Uhr an einer S-Bahn- oder U-Bahn-Haltestelle. Ein Handy habe ich ja immer noch nicht und will auch keines. Demzufolge besitze ich auch kein Smartphone und will auch keines! Obwohl ich es mir leisten könnte, wie ich betonen möchte, nachdem ich gestern meinen Kontoauszug geholt habe! Ganz selten gibt es eine Situation, wo mir ein Mobiltelephon wünschenswert erscheint. Nämlich, wenn die S-Bahn mitten in der Fahrt steckenbleibt, und ich gerne Bescheid sagen würde, dass ich später komme. Na ja. Aber das passiert ungefähr einmal im Jahr. Nicht, dass die S-Bahn Verspätung hat oder ein Zug ausfällt, das kommt ja gerne schon mal öfter vor, sondern, dass ich so dringend Bescheid sagen müsste. Meistens kommt es auf zehn oder fünfzehn Minuten später nicht an. Also: total schnurzpiepegal!

22. Juni 2013

WILMA……..!!!!!!!!






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Zu dem Kleid aus Eigenproduktion könnte ich auch wieder einen Schlag aus meiner Jugend erzählen. Wobei „Jugend“ vielleicht etwas hoch gegriffen oder tief gestapelt ist, je nach dem. Ich war bereits siebenunddreißig, als es sich begab, dass ich und mein seinerzeitiger, zeitweiser Lebensgefährte, nennen wir ihn Fred, zu einer Party bei Geröllheimers eingeladen waren. Barney Geröllheimer und seine Betty hatten damals eine schicke Höhle in Steintal, mit allen Schikanen und großem Garten, wo es sich gut Feste feiern ließ. Nun wurde zu einer Party geladen, um den Geburtstag eines befreundeten, männlichen Zwillingspaares auszurichten. Eine lange Tafel aus einer großen Steinplatte wurde als Esstisch auf den imposanten Festplatz gestellt, und mit Rosenblüten und allerlei dekorativem Grünzeug bestreut. Drumherum die Gäste mit Tischkarten, von der Gastgeberin Betty von langer Hand fest platziert. Wahnsinnig interessanterweise war mein Wilma-Schild nicht neben dem von Fred, was mich etwas irritierte und ja, ich möchte sagen: störte. Zumal Fred und ich damals nicht das zauberhafte Heim hatten, das man aus unserer Fernsehserie kennt. Nein, wir wohnten getrennt. Er in Felsenheim, ich hunderte Meilen entfernt im Neandertal. So oft saß man also nicht beisammen an einem Tisch, was Betty nebenbei gewusst haben musste. Ich hatte aber schon eine ganze Weile das Gefühl, dass Betty ein Auge auf Fred geworfen hatte. Rein zufällig wollte es das Schicksal, dass sie neben Fred saß, ich ungefähr drei bis vier Meter entfernt, schräg gegenüber, gerade noch in Hörweite. Nun gut. Nachdem ein paar Stunden ein eher unaufwändiges, kärgliches Mahl, das mit der Tischdekoration leider nicht mithalten konnte, gereicht wurde und die letzten Krümel verzehrt, wurde bei Einbruch der Dunkelheit allerlei Fackelwerk entzündet und Schaumbad in das aufblasbare Wasserbassin auf der Terrasse gelassen. Auf der Gartenwiese gab es ein Lagerfeuer und Trommelzauber. Die bereits etwas angetrunkene Betty, die mir unter vier Augen per elektronischen Rauchzeichen bereits kund getan hatte, dass sie sich ihre Einkünfte mit Tantra-Behandlungen aufbessert, suchte offenkundig immer wieder die Nähe von Fred, wobei sie – wahrscheinlich der Fairness halber – darauf achtete, dass ich auch manchmal daneben stand, so konnte sie es sporadisch einrichten, dass sie sich zwischen Fred und mich quetschte, um uns beide scheinbar gleichermaßen inniglich in den Arm zu nehmen. Wie gebannt blitzen ihre Augen dabei allerdings immer in die Richtung von Fred, den sie ein bßchen fester als mich an sich drückte. Man spürt das ja genau, wenn es etwas enger wird. Ich konnte mich ganz schlecht entziehen und wollte ihr auch nicht ohne Weiteres die von ihr angepeilte Idealsituation bereiten, dass sie in inniger Umschlungenheit mit Fred enden würde. Jedenfalls habe ich es irgendwie geschafft, mich Betty zu entziehen und am Ende, was sich aber noch Stunden hinzog, lag Fred in der Nacht dann doch neben mir im Zelt. Was genau dazwischen passiert ist, weiß ich nicht und will es auch nicht wissen. Ich hatte dann auch zu tun, da man (also Betty) mich nachdrücklich gebeten hatte, die Gäste an der Feuerstelle wild zu bemalen. Ich in dem Kleid. Ich war dann rund um die Uhr so beschäftigt, dass ich nicht mehr sehen konnte, was an anderer Stelle geschah. Wie das Ganze ausging, habe ich dann vielleicht irgendwie auch bis heute verdrängt. Und investigative Befragung im Anschluss war auch meine Sache nicht. Am nächsten Tag ist Fred dann wieder nach Felsenheim und ich in den Norden nach Neandertal. Betty habe ich nie mehr gesehen. Was aus Barney, dem das Ganze übrigens herzlich wurscht war, jedenfalls hat er so getan, er war ja auch ein großer Tantrafreund und Esoteriker, weiß ich auch nicht. Es ist mir jedenfalls auch herzlich wurscht. Ich könnte es natürlich googeln, aber ich bin in diesem Fall zu faul. Interessiert mich nicht die Bohne, was aus Geröllheimers wurde!!!!

22. Juni 2013


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Oh, ein Miniset. Mit Minirock. Der ist so sandbeige. Der Anhänger ist aus zwei Kettengliedern von einer kaputten Armbanduhr, die ich zur Konfirmation ungefähr 1977 oder 1978 geschenkt gekriegt habe und die irgendwann kaputt war. Wie üblich auseinandermontiert und die brauchbaren Teile aufgehoben und weiterverarbeitet. Das eckige Metallteil über den Kettengliedern war ein Bestandteil von einem Bilderwechselrahmen. Ich glaube, es war hinten an die Rückwand genietet, um das Bild aufzuhängen. Armbanduhren habe ich gar keine mehr. Schon seit Jahren nicht. Ich muss und will nicht dauernd an die Uhrzeit erinnert werden und so ein ständiges Ding am Handgelenk stört mich auch. Ich mag Schmuck immer nur ein paar Stunden, dann geht mir das Gebaumel und das Fremdkörpergefühl gegen den Strich. Wenn ich unterwegs wissen muss, wie spät es ist, gucke ich auf die Uhr an einer S-Bahn- oder U-Bahn-Haltestelle. Ein Handy habe ich ja immer noch nicht und will auch keines. Demzufolge besitze ich auch kein Smartphone und will auch keines! Obwohl ich es mir leisten könnte, wie ich betonen möchte, nachdem ich gestern meinen Kontoauszug geholt habe! Ganz selten gibt es eine Situation, wo mir ein Mobiltelephon wünschenswert erscheint. Nämlich, wenn die S-Bahn mitten in der Fahrt steckenbleibt, und ich gerne Bescheid sagen würde, dass ich später komme. Na ja. Aber das passiert ungefähr einmal im Jahr. Nicht, dass die S-Bahn Verspätung hat oder ein Zug ausfällt, das kommt ja gerne schon mal öfter vor, sondern, dass ich so dringend Bescheid sagen müsste. Meistens kommt es auf zehn oder fünfzehn Minuten später nicht an. Also: total schnurzpiepegal!

22. Juni 2013

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Mesdames. Schal: Samt. Goldstickerei: Nähmaschine. Rock: Schweinsvelours. Pullover: Baumwolle. Armband: Bernstein. Von da. Selber zum Geburtstag geschenkt. Der Tisch auf dem kleinen Markt mit dem Bernsteinschmuck steht in der Straße, in der Thomas Mann sein Sommerhaus auf der Kurischen Nehrung in Nida hatte. Da steht es immer noch. Nur Thomas Mann ist nicht mehr drin. Wie die alten Fischerhäuser gebaut, sehr lauschig. Moment, wo sind die Bilder von dem Haus an, ich gucke mal. Hier.

21. Juni 2013

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Mir fällt was dazu ein. An dem Tag war ich bei meiner Zahnärztin und hatte Lust, mich optisch etwas anzupassen, um gewissermaßen meine mentale, totale und vollumfängliche Bereitschaft zur Mitarbeit zu signalisieren. Es gab dann auch gleich eine Bemerkung von meiner Zahnärztin, dass ich eigentlich hier anfangen könnte, so wie ich heute aussehe, was mich natürlich unheimlich gefreut hat. Sie bräuchten sowieso jemanden für den Empfang, es müsste aber auch hin und wieder bei der Zahnbehandlung assistiert werden, ob ich mir das wohl vorstellen könnte? Ich habe gleich ehrlich zugegeben, dass ich noch nie als Zahnarzthelferin gearbeitet habe und auch keine Ausbildung oder dergleichen in der Richtung besitze, aber unheimlich arbeitswillig und wissbegierig wäre, und angeboten, dass ich mich umgehend im Abendstudium, auf eigene Kosten (!!!), über Youtube-Videos weiterbilden würde. Heutzutage kann man ja eigentlich alles über Youtube herauskriegen: Kinder kriegen, Fahrrad reparieren, Zahnbehandlung! Da sehe ich kein großes Problem, habe ich mehrfach versichert. Sie müsste dann doch noch mal „ganz stark“ darüber nachdenken, hat sie gemeint, und irgendwie so komisch dabei gegrient, und mich dann lediglich wie üblich, auf den Behandlungsstuhl gebeten. Wir haben dann irgendwie gar nicht mehr darüber gesprochen, obwohl ich seitdem noch mal dort war, ich glaube wegen einer kaputten Füllung. Insgeheim glaube ich, dass meine mündliche Bewerbung nicht für voll genommen wurde. Sie wollten mich einfach nicht in ihrem Team. Wahrscheinlich bin ich einfach schon zu alt für den Neueinstieg in den Zahnarzthelferinnen-Beruf. Werden sie schon sehen, was sie davon haben, ob sie nochmal so eine Top-Bewerberin wie mich finden würden, die sogar die eigene, tiptop Profi-Berufskleidung mitbringt!

21. Juni 2013

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Mir fällt was dazu ein. An dem Tag war ich bei meiner Zahnärztin und hatte Lust, mich optisch etwas anzupassen, um gewissermaßen meine mentale, totale und vollumfängliche Bereitschaft zur Mitarbeit zu signalisieren. Es gab dann auch gleich eine Bemerkung von meiner Zahnärztin, dass ich eigentlich hier anfangen könnte, so wie ich heute aussehe, was mich natürlich unheimlich gefreut hat. Sie bräuchten sowieso jemanden für den Empfang, es müsste aber auch hin und wieder bei der Zahnbehandlung assistiert werden, ob ich mir das wohl vorstellen könnte? Ich habe gleich ehrlich zugegeben, dass ich noch nie als Zahnarzthelferin gearbeitet habe und auch keine Ausbildung oder dergleichen in der Richtung besitze, aber unheimlich arbeitswillig und wissbegierig wäre, und angeboten, dass ich mich umgehend im Abendstudium, auf eigene Kosten (!!!), über Youtube-Videos weiterbilden würde. Heutzutage kann man ja eigentlich alles über Youtube herauskriegen: Kinder kriegen, Fahrrad reparieren, Zahnbehandlung! Da sehe ich kein großes Problem, habe ich mehrfach versichert. Sie müsste dann doch noch mal „ganz stark“ darüber nachdenken, hat sie gemeint, und irgendwie so komisch dabei gegrient, und mich dann lediglich wie üblich, auf den Behandlungsstuhl gebeten. Wir haben dann irgendwie gar nicht mehr darüber gesprochen, obwohl ich seitdem noch mal dort war, ich glaube wegen einer kaputten Füllung. Insgeheim glaube ich, dass meine mündliche Bewerbung nicht für voll genommen wurde. Sie wollten mich einfach nicht in ihrem Team. Wahrscheinlich bin ich einfach schon zu alt für den Neueinstieg in den Zahnarzthelferinnen-Beruf. Werden sie schon sehen, was sie davon haben, ob sie nochmal so eine Top-Bewerberin wie mich finden würden, die sogar die eigene, tiptop Profi-Berufskleidung mitbringt!

19. Juni 2013


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Ja, nein, ich weiß: ja: Scheisse! Überlege gerade, ob Scheiße mit „Eszett“, wie der Berliner sagt, den Sachverhalt besser zum Ausdruck bringt. Natürlich kann ich nicht erwarten, dass der Leser, pardon – die Leserinnen und Leser goutieren, dass ich mich ausgerechnet am bislang wärmsten Tag des Jahres Zweitausenddreizehn bemüßigt fühle, hier nun das dritte Set mit Warmhalte-Kleidung einzukleben. Aber was soll ich denn machen??!!!??. Ich kann kein Foto von mir hier und jetzt bei fünfunddreißig Grad in der Wohnung posten, weil ich nämlich nichts anhabe!!!! So, nun ist es raus! Wie heißt nochmal die junge Frau, die dafür berühmt ist, dass sie nichts anzieht? Also ich bin es jedenfalls nicht. Ich bin ja auch nicht mehr jung, haha! Außerdem muss ich in meinem knallharten, hochbezahlten Domina-Job repräsentative Berufskleidung anziehen, sonst beschweren sich gleich die Kunden. Kennt man ja! In Deutschland wird sich ja immer gerne beschwert, da muss man stets auf der Hut sein! Also gut, um auf die zu anderen klimatischen Verhältnissen wahrscheinlich hochrespektable Alltagskleidung aus diesem Set zurückzukommen: so eine bordeauxrote Federboa ist natürlich ein Kleidungsstück, das man zu dieser Stunde nicht für Geld und gute Worte anziehen würde, Außer vielleicht für eine Million Dollar! Ein unmoralisches Angebot. Das war doch dieser Film mit Demi Moore, die jetzt durch ihre im Abgang leicht verbittert schmeckenden Nachtret-Aktionen auf sich aufmerksam macht. Sie muss sich schon auch mal überlegen, auf wen das eigentlich ein negativeres Licht wirft, wenn Sie die materialisierte Männlichkeit von ihrem Ehemaligen in das Licht der Superscheinwerfer rückt. Erstaunliche Reaktionen für eine lebenserfahrene Frau Anfang Fünfzig. Aber was halte ich mich mit Demi Moore auf! Das muss die Hitze sein. Man agiert da einfach auf einem anderen Level. Ich wollte jetzt den Begriff Niveau vermeiden. Also kurzum: was soll ich machen: meinen Lesern heute nichts bieten und die nun einmal anstehenden Bildstrecken auf Eis legen (haha), bis es abgekühlt hat, und bei der Vorstellung einer kuscheligen Federboa um den Hals und im Bronchialbereich Freude aufkommt, oder den Blogeintrag leer lassen? Entscheiden Sie selbst! Ich für meinen Teil, habe mich wie immer bemüht, es irgendwie halbwegs richtig zu machen, mit dem Bloggen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Außerdem bin ich aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht hochbegabt im Sinne der pathologischen Definition. Bitte erkennen Sie meine Bemühungen im Rahmen meiner Möglichkeiten dennoch an. Jeder, wie er kann!

20. Juni 2013

Früher, als ich Kind war, hat man alle Elektrogeräte ausgeschaltet, wenn ein Gewitter begann. Den Stecker aus Fernsehapparat und Radiogeräten und der Stereo-Truhe gezogen. Licht ausgemacht, Kerzen entfacht. Kein Besteck angefasst und keine Türklinken. Keine Schere in die Hand genommen. Heute ist das nicht mehr so, oder? Schon lange nicht mehr. Vielleicht war das nur die vererbte Vorsicht der Großeltern, die keine ausreichenden Blitzableiter hatten. Hier ging es gerade los. Ich finde Gewitter und Donner urgemütlich. Vorausgesetzt, man ist drinnen, in Sicherheit. Schon klar. Und mein Computer ist an, wie man sieht. Aber der Fernseher ist aus! D. h., ich habe ihn jetzt nicht extra angemacht, nur weil es gewittert, sondern ich habe ihn seit, wie bereits erwähnt, dem Finale von Germany’s Next Topfmodel (das Logo mit dem skzizzierten Model macht immer ein f zwischen dem p und dem m) nicht mehr angeschaltet. Ansonsten betreibe ich aktuell diverse Glühbirnen-Lampen. Moment, ich zähle mal durch – vier Stück. Was schon wieder vorbei? Ist ja so ruhig gerade. Das kann aber noch mal ein bißchen mehr losgehen. Es darf ruhig ein bißchen mehr rocken, da oben! Aber bitte keine Toten und Verletzten.DANKE!

19. Juni 2013


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So wollte ich dann doch nicht schließen. Ein etwas luftigeres Kleidchen aus einer Art Baumwolldamast. Eingewebte monochrome Muster sind immer eine schöne Art, ein wenig Understatement zu zelebrieren. Und noch einmal die Perlen hervorgeholt. Könnte ich glatt morgen anziehen. Irgendwas zwischen fünfunddreißig und siebenunddreißig Grad. Und dann Gewitter. Ob ich meinen Totenkopfschirm von Zara einstecke?

Sicher ziehe ich morgen etwas komplett anderes an. Das Gute ist ja: ich bin fertig mit dem Dokukram. Ich kann anziehen, was ich will, ohne Rücksicht auf den Entertainmentfaktor. Obwohl ich den nicht ganz außer Acht lasse. Man muss ja auch noch immer an die Leute denken, die man trifft, die nicht bloggen, ja noch nicht mal Blogs lesen! Also, die Menschen da draußen. Denen muß man ja auch ein bißchen was bieten. Blogleser sind natürlich anspruchsvoller, weil sie quasi jeden Tag kontrollieren, ob man noch angemessene Qualität bietet, oder ob es Zeit ist, den Link von der Blogroll zu entfernen. Man hat sozusagen immer Erwartungen zu erfüllen, will man nicht ins soziale Abseits geraten. Und das will ich nicht! Ich will mein soziales Abseits immer noch selber steuern, in autonomer Herrschaft! Die Wahl haben. Das Allerwichtigste überhaupt. Kein‚ Kiek und kein Ei. Aber die Wahl.

19. Juni 2013


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Ja, nein, ich weiß: ja: Scheisse! Überlege gerade, ob Scheiße mit „Eszett“, wie der Berliner sagt, den Sachverhalt besser zum Ausdruck bringt. Natürlich kann ich nicht erwarten, dass der Leser, pardon – die Leserinnen und Leser goutieren, dass ich mich ausgerechnet am bislang wärmsten Tag des Jahres Zweitausenddreizehn bemüßigt fühle, hier nun das dritte Set mit Warmhalte-Kleidung einzukleben. Aber was soll ich denn machen??!!!??. Ich kann kein Foto von mir hier und jetzt bei fünfunddreißig Grad in der Wohnung posten, weil ich nämlich nichts anhabe!!!! So, nun ist es raus! Wie heißt nochmal die junge Frau, die dafür berühmt ist, dass sie nichts anzieht? Also ich bin es jedenfalls nicht. Ich bin ja auch nicht mehr jung, haha! Außerdem muss ich in meinem knallharten, hochbezahlten Domina-Job repräsentative Berufskleidung anziehen, sonst beschweren sich gleich die Kunden. Kennt man ja! In Deutschland wird sich ja immer gerne beschwert, da muss man stets auf der Hut sein! Also gut, um auf die zu anderen klimatischen Verhältnissen wahrscheinlich hochrespektable Alltagskleidung aus diesem Set zurückzukommen: so eine bordeauxrote Federboa ist natürlich ein Kleidungsstück, das man zu dieser Stunde nicht für Geld und gute Worte anziehen würde, Außer vielleicht für eine Million Dollar! Ein unmoralisches Angebot. Das war doch dieser Film mit Demi Moore, die jetzt durch ihre im Abgang leicht verbittert schmeckenden Nachtret-Aktionen auf sich aufmerksam macht. Sie muss sich schon auch mal überlegen, auf wen das eigentlich ein negativeres Licht wirft, wenn Sie die materialisierte Männlichkeit von ihrem Ehemaligen in das Licht der Superscheinwerfer rückt. Erstaunliche Reaktionen für eine lebenserfahrene Frau Anfang Fünfzig. Aber was halte ich mich mit Demi Moore auf! Das muss die Hitze sein. Man agiert da einfach auf einem anderen Level. Ich wollte jetzt den Begriff Niveau vermeiden. Also kurzum: was soll ich machen: meinen Lesern heute nichts bieten und die nun einmal anstehenden Bildstrecken auf Eis legen (haha), bis es abgekühlt hat, und bei der Vorstellung einer kuscheligen Federboa um den Hals und im Bronchialbereich Freude aufkommt, oder den Blogeintrag leer lassen? Entscheiden Sie selbst! Ich für meinen Teil, habe mich wie immer bemüht, es irgendwie halbwegs richtig zu machen, mit dem Bloggen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Außerdem bin ich aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht hochbegabt im Sinne der pathologischen Definition. Bitte erkennen Sie meine Bemühungen im Rahmen meiner Möglichkeiten dennoch an. Jeder, wie er kann!

17. Juni 2013


Promenade Sentimentale. Vladimir Cosma. Na wunderbar. Wie es passt. Das perlende Klavier beim Regenspaziergang der Diva. Wenn ich die Musik höre, denke ich an 1986 und einen Liebhaber, der den Film – für meine Begriffe – über Gebühr mochte. Aber diese Regenszenen mochte ich auch. Die Operndiva im blauen Licht unter dem Regenschirm in Paris. Mein Liebhaber war sehr filmaffin. Umso mehr wundert es mich heute, worin er die Qualität des Drehbuchs sah. Das Licht in einigen Szenen ja. Gut. Das ja. Aber in Gänze? Die hektischen Verfolgungszenen mit den affektierten Kleinkriminellen, diesen Posern? Dass er visuellen Effekten so ein Gewicht beimaß, mag daran gelegen haben, dass er selbst Licht setzte. Ich merke gerade, die Sache mit der Halbwertzeit, die ich manchmal erwähne, vielleicht ist sie bei ihm gerade vorbei, überschritten. Ich kann nur mit großem Respekt über ihn schreiben. Es war mehr eine Art Affäre der Zufälligkeiten mit Seriencharakter. Ich weiß gar nicht, ob er auch einmal bei Serienproduktionen gearbeitet hat. Damals nicht. Er fuhr durch die Weltgeschichte, da gab es ein paar große Namen. Als wir uns im Frühjahr Sechsundachtzig immer wieder begegneten, musste er zwischendurch nach Prag, soweit ich es erinnere, weil von Trotta ihn für Dreharbeiten engagiert hatte, für ihren Rosa Luxemburg-Film. Oder war es ein anderes osteuropäisches Land, eine andere Stadt? Er spielte Saxophon. hatte lange blonde Haare, sehr braungebrannt und sehnig. Mit seinem dunkelroten Jeep fuhr er über den Kudamm Richtung Grunewald, bis zur Havel. Und packte Pfeil und Bogen aus, irgendwo da im Wald, in der Nähe der Havelchausse. Es ist schön, wenn man so einem schrägen Vogel begegnet, wenn man selber gerade nach Berlin gekommen ist und niemanden kennt. Wir trafen uns im Dschungel. Ja, im Dschungel.

Er sprach mich an. Ich trug einen knallroten Overall. April 1986. Blixa stolzierte mit stoischem Blick vorbei, die Treppe nach oben, wo er den Überblick hatte. Aber er – nein, den Namen will ich dann doch nicht schreiben – das ist zu – – – nah, zu nackt – er schaute nicht ins Leere, sondern mich an. Ich glaube, wir waren danach noch in der Weißen Maus am Ludwigkirchplatz und vielleicht noch später im MauMau, und vorher noch am Kudamm in einem Argentinischen Steakhaus. Und an das Blue Note erinnere ich mich. Und die Blaue Stunde, die er mir genau erklärte, als die Vögel zu zwitschern begannen. Einmal, es war sein Geburtstag, und er trug auf nackter, gebräunter Haut, verwegen einen cremeweißen Smoking und Türkisschmuck. Und zeigte mir seine neue Tätowierung am Oberarm, die er sich zu seinem achtunddreißisten Geburtstag am achten Mai selbst geschenkt hatte. Und dass im Schlafzimmer neben seinem Saxophon sämtliche Stonesplatten lagen und er the Girl from Ipanema übte. Und die Dreizimmer-Altbau-Wohnung in Wilmersdorf, wo er viele Jahre mit einer Cutterin lebte, bis es auseinanderging. Später begegnete mir ihr Name dauernd auf dem Tatort-Abspann. Vom Balkon schaute man auf einen Platz und im Badezimmer hatte er alles modernisiert und umgebaut. Es gab weißen Marmor, organische Formen und ein großes Wandmosaik mit Filmstills seiner liebsten Filme. Wenn er von seinem eigenen Drehbuch erzählte, wurde er beinah schüchtern. Und im Café am Savignyplatz trafen wir beim Frühstück seine Filmfreunde, Kameraleute, Cutterinnen, Freunde aus gemeinsamen Produktionen. Und ich fühlte mich so jung und wäre gerne älter gewesen und erfahrener. Was hat ihn an mir fasziniert? Das fragte ich mich und freute mich, ohne es zu wissen, ohne es zu erfragen. Schöner Frühling. Dann reiste er ab, nach Südfrankreich. Ein Dreh bei einer gut bezahlten Hallervorden-Produktion. Einer dieser blödsinnigen Filme vor schöner Kulisse. In guter, launiger Arbeitsatmosphäre. Das war nicht das erste Mal. Er arbeitete gerne mit ihm und seinem Team. Irgendwann ist er zurückgekehrt. Bestimmt. Er liebte Berlin über alles. Ich habe ihn nie mehr gesehen. Die Tätowierung war das chinesische Symbol für Ratte, das Jahr, in dem er geboren war. Und wie komme ich darauf? Ah ja. Wegen der Perlen. Wegen dem perlenden Klavier in diesem Stück aus dem Diva-Film. Und der Zuchtperlen. Die man mir vielleicht nicht zutrauen würde. Ich bin nicht verrückt danach. Aber ich mag sie. Sie sind sogar echt. Eine Bekannte hatte einen Freund, der einen dieser asiatischen Import-Möbel- und so weiter-Wohnaccessoiresläden in der Kantstraße eröffnet hatte und günstig an diese Perlen aus Asien kam. Sie verscherbelte dann einige, mit einem samtausgeschlagenen Musterköfferchen unter dem Arm, in ihrem Bekanntenkreis. Auch lange her. Irgendwann in den Neunzigern. Ich halte sie schon in Ehren, wenn sich auch selten die Gelegenheit ergibt, so etwas zu tragen. Nicht, weil sie mir zu schade wären, sondern weil man dem Styling viel Aufmerksamkeit entgegenbringen muss, damit es gleichwohl angemessen aber nicht bieder oder gar betulich wirkt. Am ersten Januar hatte ich wohl die Zeit dafür. Und für das weiße Spitzenleibchen. Es war einmal ein Kleid. Aber kein Brautkleid. So etwas habe ich nie besessen. Es war ein Etuikleid und mir irgendwann zu eng um die Hüften. Ich mochte die Spitze so, dass ich es nicht vollständig weggeben wollte, und ein Oberteil daraus gemacht habe. Was wurde nur aus dem unteren Teil? Wo ich doch kostbare Stoffreste niemals wegwerfen könnte? Seltsam, ich weiß es nicht mehr. Versunken im ewigen Archiv. Nicht mehr erinnerbar.
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17. Juni 2013

Eine kleine Mickymaus
zieht sich schnell
die Hose aus,
zieht sie wieder an,
und du bist dran!


Ich muss das unbedingt loswerden. Ich meine, ich muss es LOS (!) WERDEN. Ich bin gerade durch die Gipshöfe (Ostberlin, vormals DDR) gelaufen, wo zwei Knirpse auf dem Mäuerchen gesessen haben, mit Stullendosen auf dem Schoß und mit einem mal höre ich diesen imperalistisch indoktirinierten, schmutzigen kleinen Abzählreim. Die beiden waren ungefähr Fünf. Ich meine, es hat nur ungefähr die zehn Sekunden, wo ich vorbeigelaufen bin gebraucht, dass mir seitdem der blöde Abzählreim wie ein Ohrwurm durch den Kopf tickert. Dass ich das blogge, ist jetzt der Gegenzauber. Ich habe es hiermit quasi aktiv externalisiert, falls es den Begriff gibt.

Da fällt mir übrigens noch ein anderer Kinderkram ein, den ich kürzlich gelernt habe. Also, was für einen halbwüchsigen kleinen Berliner sein aktuell schlimmstes Schimpfwort für einen bestimmten doofen Lehrer ist. Ich finde es ja eher putzig, als richtig gemein, was so Zehn- bis Zwölfjährige als richtig böse empfinden, also ganz, ganz schlimm: „(…) der Soundso ist ein Pillermann mit Arschbeleuchtung!“ Goldig irgendwie. Man kann nicht böse sein. Vielleicht sind das aber auch die moderaten Flüche von Kids aus eher gesitteten Bezirken. Der Junge geht in einer bürgerlichen, um nicht zu sagen großbürgerlichen Ecke im Südwesten (also alten Westen) von Berlin zur Schule. In Neukölln wird man für solche sissymäßigen Schimpfwörter bestimmt ausgelacht oder verdroschen. Für mich ist das auch nur deswegen bloggenswert, weil ich sonst ja praktisch Null Kontakt zu Kindern und ihrem Sprachgebrauch habe. Also mehr so ein historisch motivierter Eintrag. Bevor es wieder mit Klamotten im neuen Jahr weitergeht!

13. Juni 2013


Zum Teil. Nicht ganz, also neu. Ich glaube, die runden Metallplättchen waren vom Kugellager, also dem Drehkreuz von einem drehbaren, ausrangierten Couchtisch. Irgendeine Fundsache. Ich habe schon immer gerne Sachen auseinander- und wieder zusammenmontiert. In diesem Fall stark zweckentfremdet mit Bastschnur, die von einem Bastgewebe übrig war. Mit zehn oder elf, mit einem kleinen Schraubenzieher die Musikkassetten von meinem ersten Kassettenrekorder auseinandermontiert, wenn der Bandsalat immer wieder kam, bei einer bestimmten Kassette, und geguckt, ob alles noch richtig drin liegt. Ordnung gemacht, wieder zugeschraubt. Dutzende Male die teuren Kassetten, die vom Taschengeld gekauft waren, mit Tesafilm repariert, wenn das Band gerissen war. Dann ordentlich ein paar mal hin- und hergespult, bis es wieder gleichmäßig aufgerollt ausgesehen hat, das kleine Tonband. Da durfte nichts überstehen, keinen Millimeter, dann war der nächste Salat schon vorprogrammiert. Auf meiner ersten Kassette waren bestimmt so Sachen wie „Seasons in the Sun“ und „Jeans on“. Und „Bett im Kornfeld“. An die drei kann ich mich genau erinnern. Und „Sunny“ von Boney M. Also wie gesagt, ich war da ungefähr zehn oder elf. Bevor ich ein Gerät, das nicht mehr ging, weggeschmissen habe, habe ich es fast immer noch mal aufgeschraubt und geguckt, ob ich es sozusagen intuitiv reparieren kann, einfach indem ich gucke, wo es rein optisch auf halbacht hängt. Manchmal hat das funktioniert. Gerade bei Lautsprechern musste man meistens – uns so ist es ja immer noch – nur eine kleine Drahtverbindung neu zusammenzwirbeln. Ja, ja, ich habe da schon mit Isolierband gearbeitet und der Stecker war auch immer draußen. Ist noch immer gut gegangen. In den Wohnungen, die ich seit ich seit 1985 bewohnt habe, also in den letzten achtundzwanzig Jahren, habe ich jede Lampe selber angeschlossen. Nur den Herd nicht, der war immer schon drin. Und die Waschmaschine auch nicht, ich hatte keine Lust, mich mit der Waschmaschine über Gebühr zu beschäftigen, außerdem war das im Lieferservice drin, das Anschließen. Aber Lampen anschrauben ist ja nun wirklich eine Routinesache, keine Raketenwissenschaft. Schon länger nichts mehr auseinandergeschraubt. Meinen alten Fernseher habe ich lieber so gelassen, weil ich mich fachlich etwas in die Materie eingelesen hatte und mir die Spannung, die auf der Platine oder wie das heißt, u. U. liegt, eben wo das Ganze zusammenläuft, suspekt war und ich nicht wollte, dass die Glasröhre implodiert oder gar explodiert und mir um die Ohren fliegt. Dafür hab ich jetzt den schönen neuen weißen HD-Fernseher, der wie ein weißer Blderrahmen in der Ecke steht und den ich seit der Finalshow von Germany’s Next Topmodel nicht mehr angeschaltet habe. Mir fällt einfach keine Sendung ein, die ich akut auf so einem großen Monitor anschauen müsste. Dafür ist mehr Zeit, um meine Sachen hochzuladen und zu bloggen. Auf jeden Fall ein Gewinn für den Leser, dass der schöne Fernseher nie angemacht wird. Wobei das eigentlich Quatsch ist, weil ich das ja auch nur nebenher, neben dem Bloggen geguckt habe. Jede Sekunde muss genutzt werden! Ich glaube, vor zwei Wochen war das Finale. Ah ja, ziemlich genau vor Heidis Geburtstag, und die hat ja am ersten Juni. Heute gibt es keinen neuen Eintrag mehr!!!!!!
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17. Juni 2013

Eine kleine Mickymaus
zieht sich schnell
die Hose aus,
zieht sie wieder an,
und du bist dran!


Ich muss das unbedingt loswerden. Ich meine, ich muss es LOS (!) WERDEN. Ich bin gerade durch die Gipshöfe (Ostberlin, vormals DDR) gelaufen, wo zwei Knirpse auf dem Mäuerchen gesessen haben, mit Stullendosen auf dem Schoß und mit einem mal höre ich diesen imperalistisch indoktirinierten, schmutzigen kleinen Abzählreim. Die beiden waren ungefähr Fünf. Ich meine, es hat nur ungefähr die zehn Sekunden, wo ich vorbeigelaufen bin gebraucht, dass mir seitdem der blöde Abzählreim wie ein Ohrwurm durch den Kopf tickert. Dass ich das blogge, ist jetzt der Gegenzauber. Ich habe es hiermit quasi aktiv externalisiert, falls es den Begriff gibt.

Da fällt mir übrigens noch ein anderer Kinderkram ein, den ich kürzlich gelernt habe. Also, was für einen halbwüchsigen kleinen Berliner sein aktuell schlimmstes Schimpfwort für einen bestimmten doofen Lehrer ist. Ich finde es ja eher putzig, als richtig gemein, was so Zehn- bis Zwölfjährige als richtig böse empfinden, also ganz, ganz schlimm: „(…) der Soundso ist ein Pillermann mit Arschbeleuchtung!“ Goldig irgendwie. Man kann nicht böse sein. Vielleicht sind das aber auch die moderaten Flüche von Kids aus eher gesitteten Bezirken. Der Junge geht in einer bürgerlichen, um nicht zu sagen großbürgerlichen Ecke im Südwesten (also alten Westen) von Berlin zur Schule. In Neukölln wird man für solche sissymäßigen Schimpfwörter bestimmt ausgelacht oder verdroschen. Für mich ist das auch nur deswegen bloggenswert, weil ich sonst ja praktisch Null Kontakt zu Kindern und ihrem Sprachgebrauch habe. Also mehr so ein historisch motivierter Eintrag. Bevor es wieder mit Klamotten im neuen Jahr weitergeht!

16. Juni 2013


Gott ja – ein ganz gewöhnliches Straßen-Outfit eben. Es darf auch einmal etwas schlichter sein. Man muss nicht immer auftrumpfen, und um jeden Preis extravagant wirken wollen. Natürlich sind die Anforderungen in Mitte höher als woanders, das liegt in der Natur der Sache. Aber man muss auch nicht alles mitmachen. Dieses einfache Kleid zum Beispiel, habe ich mir selbst genäht. Also nicht ganz, aber fast. Das Oberteil war ein ausrangierter BH und im Schlussverkauf gab es preisgünstig diesen Stoffrest, den ich dann eben einfach unten dran genäht habe. Um das Ganze noch etwas aufzupeppen, damit es nicht allzu bescheiden wirkt, habe ich mit goldfarbenem Garn und Zickzackstich etwas Dekor mit der Nähmaschine eingestickt. Ist zwar nicht ganz gerade geworden, aber immerhin ein Einzelstück. Preiswerter Schick, der das Portemonnaie nicht über Gebühr belastet. Wenn man sich einbildet, immer noch weiter in Mitte wohnen zu wollen, muss man eben schauen, wie man das Haushaltsbudget anderweitig entlastet. Ich denke, ich bin da auf einem guten Weg und werde einfach öfter mal etwas bescheidenere Kleidung in Betracht ziehen. Für Schuhe hat das Budget leider nicht mehr gerreicht. Man muss Abstriche machen. Markenkleidung allein macht auch nicht selig!

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16. Juni 2013


Der schwarze Pullover aus Baumwollripp mit den Armpuscheln musste natürlich unbedingt mit rein. Ich gestehe, das da, und das letzte Outfit waren meine echten Anziehsachen, also welche, die ich den ganzen Tag über angehabt habe, nicht nur für die fünf Minuten Fotos machen. Obwohl die verdammte Wintersonnwende nun schon eine geschlagene Woche her war, wollte sich einfach kein Sommerwetter einstellen! In der Not griff ich dann eben doch wieder zu blöden langärmligen Sachen. Was soll man da machen!

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