11. Januar 2016



Liebe. Eckzähne. Stimme. Gestik. Scharfsinn, Vision. Wille. Blick. Freigeist. Schöngeist. Wärme. Witz. Bei Georg schrieb ich vorhin: „Als ich das Video am Samstag sah, wurde ich sehr traurig. Denn es war mir klar, dass das ernst ist. Schon bei „Where are we nownahm ich Abschied, das war der Bruch, er sah da schon so geschwächt aus, dass ich nicht mehr glauben konnte, dass er noch viele Jahre hat. Aber er hat so viel gegeben. Mehr ging nicht.“ […]


This way or no way
You know, I’ll be free
Just like that bluebird
Now ain’t that just like me
Oh I’ll be free

28. Januar 2016

Kein Foto. Wieder nichts. Ein Tag mit enormer Kraft. Keine Metapher. Sehr wenig getrunken gestern. Länger geschlafen als sonst. Macht viel aus. Wann lerne ich endlich Maß zu halten. Hatte gestern Abend schon sehr früh Lust, einfach ins Bett zu gehen, zu dösen, ein bißchen schlummern, dann Tiefschlafphasen. Wie ein Bär geschlafen. Völlig unverkatert aufgewacht. Das müsste man halten. Ich möchte den Zustand so gerne halten. Und doch die Korken knallen lassen. Ich sitze hier schon wieder bei einem Glas, das sich wie von Zauberhand füllt, sobald es geleert wurde. Die reinste Hexerei. Ich habe ausnahmsweise die sehr alten Kristallflöten meiner Oma Alma genommen. Wieso denn Mehrzahl. Ich habe zwei davon, aber nur eine, aus der ich trinke. Da passt nicht so viel hinein, man bekommt beim derart häufigen Nachfüllen schneller den Eindruck, dass es nun langsam vielleicht genug sein könnte. Ich predige bei abendlichen Zusammenkünften gerne die hohe Kunst des „Virtuosen Trinkens“, sollte aber auch danach leben. Das bedeutet, unbedingt (erstklassigen) Alkohol zu trinken, wenn einem danach ist, aber auch an alkoholfreie Flüssigkeit dazwischen zu denken und aufzuhören, wenn die Grenze erreicht ist. Ich fürchte, ich denke mehr an alkoholfreie Flüssigkeiten als sie auch zu trinken. Ich hole mir sofort ein Glas Wasser. Moment. Erledigt. Ganz schnell heruntergekippt, wie bittere Medizin. Dabei tut es so gut. Und jetzt wieder das andere Glas. Ich trinke auf Alma. Meine Oma Alma. Und auf Mek. Der hat heute Geburtstag. Ich habe auf seiner fb-timeline behauptet, ich würde ein Glas auf ihn trinken. „Nein. zwei.“ Das kann ich nicht einfach nur dahin tippen. Also virtuos trinken bedeutet, man trinkt so tänzerisch durchchoreographiert, bis man rechtschaffen müde und beschwingt in die Federn sinkt, aber nicht derart hochkonzentriert, und natürlich schon gar nicht durcheinander, dass man am nächsten Tag womöglich einen schweren Kopf hat oder den Kater nicht einmal mit 5 x 2 Aspirin im Zweistundenrhythmus in den Griff kriegt. Virtuos bedeutet, mit maximalem Genuss und irgendwie hemmungslos zu trinken, bis man erotisiert ins Schlafzimmer wankt taum tanzt. Und am nächsten Tag, ich meine natürlich Abend, kann man schon wieder trinken. Ohne Berührungsängste. Ohne Probleme. Denn wenn es anders wäre, hätte man ein ernsthaftes Alkoholproblem. Und das möchte man doch nicht. Gerne möchte ich morgen Abend weiter trinken. Im Moment hat auch dauernd jemand auf facebook Geburtstag, das nimmt gar kein Ende. Morgen Abend möchte ich wirklich gut drauf sein und auch so aussehen. Das hängt ja auch noch zusammen. Schlafen, ausreichend Trinken. Weiß man ja. Jetzt fällt mir wieder ein, wieso ich gestern keine Lust hatte, etwas zu trinken, oder kaum. Mir war nicht schlecht, ich war ganz gut beieinander. Ich hatte weder Lust weiter im Internet zu lesen, noch in einem Buch, sondern machte den Fernseher an. Da kam auf Vox eine Sendung über Auswanderer, Goodbye Deutschland, so eine Serie. Die meisten wandern nach Mallorca aus, wie es scheint. Und da war eine Frau die auf der Bauchbinde als Alter 43 hatte. Ich bin erschrocken. Sehr braun gebrannt. Die Sonne oder vielleicht auch das Solarium oder beides hat Spuren hinterlassen. In der Dokumentation hat sie zwei verschiedene Männer getroffen, ungefähr zehn Jahre jünger. Eine Fitnesstrainerin. Seit fünf Jahren auf der Suche nach einem Gefährten, Liebhaber oder so ähnlich. Womit sie natürlich nicht unrecht hat, ist die Aussage, dass man Sex an jeder Ecke haben kann, aber Sex mit jemandem, den man liebt, das sei die Hohe Kunst. Große Neuigkeiten. Ja, ja. Schon mal gehört. Stimmt natürlich, wenn man mit sich umzugehen weiß. Wobei Herzensneigung und sexuelle Attraktion nicht unbedingt etwas mteinander zu tun haben. Wenn es zusammenkommt, handelt es sich in der Tat um einen Sechser im Lotto. Bevor ich jetzt noch weitere abgedroschene Binsen hier präsentiere, trinke ich lieber noch eine Kleinigkeit. Nur einen winzigen Schluck. Geht ja fast nichts hinein, in diese filigranen Kristallgläser. Das kann keine Sünde sein. Wie die Liebe. Usw. usf. Dass sie mir gerne Zarah-Leander-Lieder vorgesungen hat, hab ich schon mal erzählt, oder? Bestimmt. Gute Nacht, Alma. Gute Nacht, Leser. Gute Nacht.