Großes Schrammtor
Großes Schrammtor

Als ich am Schrammtor angelangte, saß auf einem zentralen, flachen Findling eine Frau etwa Mitte Vierzig im Schneidersitz und rauchte und gestikulierte. Leopardenleggings fielen mir auf, dazu ein sehr bunt und ornamental gemustertes Oberteil. Haare lang, evt. hennarot, wie man es oft in den Achtziger Jahren sah, einzelne Zöpfchen dazwischen. Tätowierungen und vielerlei Schmuck, Bänder an Ohren, Hals und Händen. Ihr zugewandt standen ein Mann und eine Frau, ihre Wandergefährten (wie sich später zeigte, als sie mir beim Weiterwandern zu dritt entgegenkamen), vermutlich zehn bis fünfzehn Jahre älter als sie selbst, eher mein Alter, sie trugen für mich nicht genau erinnerbare, zweckmäßige Kleidung, wie sie viele Wanderer tragen. Der Mann rauchte auch. Die Frau im Hippie-Look hielt einen lang anhaltenden Monolog.

Großes Schrammtor

Man könnte es auch eine Art Laudatio nennen. Sie erläuterte ihren beiden Zuhörern ihr selten vorbildliches Verhalten, dass sie stets ihren Müll mitnähme, was für andere nicht so selbstverständlich sei wie für sie. Dabei aschte sie auf den Stein, auf dem sie saß. Ich hoffte, dass sie sich bald zum Weiterwandern bewegen würde, aber sie sah nicht aus, als hätte sie Lust in den nächsten Minuten aufzustehen. Sie thronte offenkundig in ihrem höchstpersönlichen Wohnzimmer, das sie großzügigerweise gewöhnlichen Passanten zugänglich macht. Während sie sich die nächste Zigarette anzündete, setzte sie ihren nun zunehmend kritischen Monolog fort, in dem sie hart mit jeglichen Touristen ins Gericht ging. Ich umkreiste den Platz, den ich gerne fotografiert hätte. Aber ohne sie und ihre Bekannten. Der Findling an zentraler Stelle war wohl oder übel im Zentrum jeden Bildes, das das Gesamtszenario am Schrammtor zeigen würde. Ich lief an ihnen vorbei, links um eine Ecke, um die anderen Felsen in der Nähe zu sehen, bevor ich umkehrte. Ich sah zwei Kletterer, die anfingen, ein Sicherungsseil zu befestigen. Ohne Haken, wie vorgeschrieben. Langsam nahm ich den Weg zurück, die Drei hatten die ausgiebige Raucherpause beendet und kamen mir entgegen, wanderten an mir vorbei. Vielleicht war die dozierende Hippiefrau der Guide für die Anderen.

Großes Schrammtor

Der Platz am Schrammtor war nie ganz leer, aber ich hatte mit Sicherheit schon einen guten Tag erwischt, an dem es nicht überfüllt war. Nur auf einem Foto habe ich andere Menschen eingefangen. Wenn man genau hinschaut, sieht man hinter einem der oberen Felsen zwei junge Männer. Der eine trägt ein sandfarbenes T-Shirt. Kann sein, dass es die zwei Kletterer waren. Schön, anhand der beiden Menschen die Dimensionen der Felsen ermessen zu können. Mich selbst konnte ich nicht derart zum Größenvergleich einfangen. Mir fehlt die Übung mit der Selbstauslöserfunktion mit Timer auf Entfernung auszulösen. Habe auch zu wenig Interesse daran. Gibt ja nun genug Fotos von mir.

Großes Schrammtor

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