




Bei Madame Grès. Fast hätten Jenny und ich uns verpasst. Ich wartete am Haupteingang des Kulturforums, Jenny vor dem Bau, auf dem Kunstgewerbemuseum steht. Aber wir fanden uns und sahen uns die Ausstellung mit einigen sehr besonderen Roben von Alix Grès an. Vorwiegend Modelle aus den Fünfziger, Sechziger und Siebziger Jahren. Ihre skulpturalen Roben wurden umringt von Schöpfungen zeitgenössischer Modestudenten, die von den Kreationen von Grès inspiriert waren. Als wir unseren Rundgang machten, gab es parallel eine Führung der Kuratoren mit einer größeren Gruppe, die von vielen Erklärungen begleitet wurde. Jenny und ich hatten auch unsere Gedanken zu den gezeigten Modellen und bedachten nicht, dass unsere Äußerungen dem fachlichen Vortrag für die Gruppenführung akustisch in die Quere kommen könnten. Ein Aufseher kam zu uns und bat uns, leiser zu sprechen, er war sehr nett und zwinkerte uns ein bisschen um Nachsicht bittend zu, begleitet von der lächelnd vorgebrachten Anmerkung: „Danke für Zusammenarbeit“. Die Formulierung hatte ganz besonderen Charme, Jenny und ich mussten grinsen und plauderten von da an mit gesenkter Stimme ohne Punkt und Komma weiter. Das fein gefältelte, vanillegelbe Chiffon-Modell gefiel uns beiden besonders gut. Alix Grès drapierte den Stoff direkt am Modell, so war ihre Art zu arbeiten. Textile Bildhauerei.


Zur besagten Robe : Der mittlere Teil der Corsage ist optisch unvorteilhaft.