

Reklame für Körperpflege-Mittel, Schönheitstipps. Dokumente einer Epoche. Bei der Annonce für Scherk-Gesichtswasser zuckte ich innerlich kurz zusammen. In meiner frühen Jugend, wahrscheinlich in den Jahren der Pubertät mit unreiner Haut, circa ab 1977, kaufte mir meine Mama in der Drogerie Scherk-Gesichtswasser. Mit einem Wattebausch wurde nach dem Waschen des Gesichts morgens und abends das alkoholhaltige Gesichtswasser zur abschließenden porentiefen Reinigung aufgetupft. Anfang der Achtziger Jahre verschwand das beliebte Produkt der altehrwürdigen, jüdischen Berliner Parfüm-Marke Scherk vom Markt. Die Firmengeschichte mit Zwangsverkauf der Firma 1938 an Schering, Emigration und der relativ frühen Restitution 1948, nach Rückkehr der Nachkommen nach Deutschland mit Bemühungen ab 1946 der Wiedererlangung der alten Firma, ist bemerkenswert und erfuhr 2010 eine eigene Würdigung mit der Ausstellung „Du bist bei Parfümören angekommen“ im Jüdischen Museum in Berlin – leider versäumt.

Gesichtswasser war nicht das einzige Körperpflegemittel bzw. Haushaltsprodukt, an das ich im Elternhaus herangeführt wurde, das ich auf mich gestellt, als junge Erwachsene nicht notwendig erachtete. Mundwasser habe ich zuletzt als Jugendliche benutzt, von Zahnarztbehandlungen abgesehen, wo man zwischendurch immer mit einem bereitstehenden Becher zum Spülen aufgefordert wird. Ich erinnere mich an drei Mundwasser-Marken: Odol, Lacalut und Mallebrin. Letzteres zog einem alles zusammen, mein Vater schwor darauf. Auch Haarfestiger, Haarspray, Wäsche-Stärke, Weichspüler, Möbel-Politur („Pronto“), Scheuerpulver („Ata“), Desinfektionsmittel („Sagrotan“) oder gar Tropfen zum Einnehmen gegen schwere Beine habe ich in meinem Haushalt bislang nicht.
