Ich komme noch einmal auf meine Schlafzimmergenossin, die junge Venezianerin von Dürer zurück. Ich hatte gleich so ein vertrautes Gefühl, aber mir war doch tatsächlich völlig entfallen, dass sie auf dem alten 5-Mark-Schein war. Die viel kleineren grünen 5-Mark-Scheine waren für uns als Kinder etwas ganz Besonderes. Sie waren so selten. Oder es kam uns nur so vor. Man freute sich über jeden, den man im Portemonnaie oder im Sparschwein hatte, viel mehr als über ein 5-Mark-Stück. Sie waren so hübsch und kleinformatig wie Spielgeld und das Mädchen guckte auch nicht so streng und schulmeisternd, man hätte sie gerne als Freundin gehabt. Das fiel mir gestern alles erst wieder ein, als ich mir den Elsbeth-Tucher-Zwanzigmarkschein anschaute, daneben waren auch die anderen Geldscheine abgebildet. Das schöne Portrait der namenlosen Venezianerin ist aus dem Jahr 1505. Das nur 24,2 x 32,5 cm kleine Original hängt seit 1923 im Kunsthistorischen Museum in Wien. Auf dem blaugrauen Zehnmarkschein war ein Mann mit langen lockigen Haaren und ich glaube, wir dachten, das sei Albrecht Dürer, weil es im Zusammenhang mit den Geldscheinen immer hieß, die sind alle irgendwie von Dürer. Hat aber gar nicht bei allen gestimmt. Zum abgebildeten langhaarigen Herrn heißt es: „Bartloser junger Mann“ (nach älterer Ansicht nach einem Gemälde von Albrecht Dürer oder Anton Neupauer, nach neuerer Forschung nach einem frühen Bildnis von Lucas Cranach dem Älteren, welches sich in landgräflich-hessischem Privatbesitz befindet und nicht öffentlich zugänglich ist)“. Wie auch immer – Albrecht Dürer war schon in meiner Kindheit sehr präsent. Ein „household name“ sozusagen.

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