Gestern ging mir durch den Kopf, dass es gar nicht so viele Bilder gibt, die ich gerne um mich hätte, also bei mir in meinen vier Wänden haben wollte, besitzen. Viele grandiose Werke gibt es in der Welt, aber ich sehne mich nicht danach, sie mein eigen zu nennen. Es gibt aber doch ein paar wenige Werke, die mich stärker berühren, denen ich mich besonders verbunden fühle. Müsste ich mich für ein Bild entscheiden, und wäre ich sehr reich (wie Oprah Winfrey z. B., die einige weltberühmte Gemälde ersteigert hat), und wäre das Bild zu haben, dann würde ich sehr gerne Danaë von Klimt dauerhaft in meiner Nähe haben. Es beseelt mich, ich fühle mich geradezu seelenverwandt mit dem Gemälde.

Klimt Danae

Nun würde mich sehr interessieren, welches Bild der Kunstgeschichte meine Leserinnen und Leser gerne besitzen würden, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Habt Ihr ein absolutes Lieblingsgemälde unter den vielen Meisterwerken der Welt und welches ist das? Ich würde mich freuen, wenn ihr es in einem Kommentar schreibt und verlinkt, damit ich es sehen kann. Das interessiert mich über die Maßen! Vielleicht poste ich auch noch ein, zwei andere Bilder, wenn ich sie online finde, die ich auch sehr gerne mag. Eines ist von André Lhote, eine Landschaft, sehr expressiv in den Farben, das ich aber noch nicht online entdecken konnte. Und von Nicolas de Staël gibt es auch ein, zwei Bilder, die ich über die Maßen liebe. Ich bin gespannt auf Euer Lieblingsbild!

10 Antworten auf „29. März 2020

  1. Maria S.
    Mein Lieblingsbild: Eichenwald von Robert Zünd.

    Das Lieblingsbild meiner Mutter: Der Frühling von Sandro Botticelli

    Gaga Nielsen
    Das ist ja ein unfassbarer Fotorealismus, mit dem er diesen Zauberwald erschaffen hat… 1882, sehr sehr schön… und den Frühling von Botticelli liebe ich auch sehr, von der Elfe in der Mitte habe ich vor vielen Jahren eine Postkarte in Florenz erstanden und sie schmückt seither mein Badezimmer, immer um mich. Gruß an deine Mama!

    (…)

    YVES KLEIN

    Paul Klee: Architektur der Ebene und vielleicht noch einen Richter…

    Gaga Nielsen
    mir sind neulich zwei Bilder unterlaufen, die mich jetzt erst an Yves Kleins Spielereien erinnern. Die würden ihm gefallen (und dir vielleicht auch, nicht flächiges Blau, dynamisches Indigo auf Aquarellpapier). Das Kleebild ist so ziemlich das Strukturierteste was ich je von ihm gesehen hab. Mich beeindrucken sehr viele Bilder von sehr vielen Künstlern, hätte ich eine riesige Villa, und Geld ohne Ende, hätte ich eine phantastische Sammlung, auch von Bildern, die mir nicht so zu Herzen gehen, aber sehr inspirieren, dynamisch und elektrisch sind. Ich habe absolut keinen Platz mehr für weitere Bilder, ist schon eng mit meinen eigenen. Ich muss meinen Spielraum erweitern, so viel steht fest!

  2. Für mich ist’s dieses hier, Anselm Kiefer.

    Berlin: Hamburger Bahnhof

    Und, Arnulf Rainer, >>>> das. Emil Schumacher käme aber auch in die Wahl, sowie manches von K. R. H. Sonderbog.

  3. mein Gott… der Kiefer. Wühlt mich sofort auf,.. versteh ich – und Emil Schumacher, virtuos tief archaisch… ist mir auch nah, immer ins kollektive Unterbewusste (das ja automatisch auch das indivduelle ist) Arnulf Rainer heißt glaube ich in Wahrheit Loki. Sonderbog gerade entdeckt, ich weiß genau (!) wie er arbeitet. Die Magie des Impulsiven.

  4. Ina Weisse
    Ich warf heute deine Idee, Frage in eine Coronakleine Geburtstagsrunde. Zwei Gäste nur und künstler, die sich erstaunlich zierten bei der Antwort und sich nicht festlegen wollten.Mir ist zuerst eine ganz frühe Arbeit von Max Beckmann in den Sinn gekommen. Junge Männer am Meer. Es sind nicht so sehr die Männerkörper, sondern das Licht, das mich so einnimmt für das Bild. Natürlich würde ich es nie in meiner Wohnung haben wollen, dafür ist es mir viel zu mächtig. Ich finde es gibt Bilder, die sind nicht für private Zwecke bestimmt., sondern möglichst viele Menschen sollten sie sehen. Unsere Diskussion ging noch weiter, wir waren bereits in der Renaissance, in den Uffizien, da kam einer mit Kippenberger, lieber Maler male mir… Wer malt hier eigentlich…

    Gaga Nielsen
    Das ist eine superinteressante und geradezu intime Frage, wie mir auffiel, die viele sich entweder noch nicht gestellt haben, oder sie wollen sich nicht die Blöße geben, dass sie sich von einem Werk mehr berührt fühlen, das in ein romantisches oder dekoratives Genre geht, als von einem Kunstwerk, dessen Kenntnis hochkultivierte Kennerschaft präsentiert. Ich glaube zum Beispiel, dass jemand, der selbst malt, das ultimative Genie von Klimt souveräner ermessen und einordnen kann, als jemand, der von diesem und jenem Genre ein bißchen etwas kennt, konsumierenderweise, und immer ein wenig Not hat, sein angelesenes Wissen zu verteilen und sich in einer anspruchsvollen Liga einordnen möchte. Klimt gilt ja bei Kunstkonsumenten gerne als dekorativer Ornamentepinsler. Was die fehlende Kenntnis seines Werkes und seiner Dimension angeht. Die wenigsten Menschen sind in der Lage, die bekannteren Motive der Superstars unter den Malern so zu betrachten, als wären sie völlig neu, die Vermarktung in den Mainstream hinein, wird bei der Betrachtung allem voran mitrezipiert. Ein Fehler.

    Meine Frage ist die nach Bildern, die einem nah sind, nah gehen, die man wirklich liebt und mit denen man leben möchte, wie mit einer geliebten Katze zum Beispiel…

  5. Gaga Nielsen
    P.S. ich meine, die Frage geht nicht in die Richtung „beeindruckendstes Bild“ oder gar „bestes Gemälde aller Zeiten“. (So eine Kategorie wäre ebenso unsinnig wie „tollstes Lied der Welt“) Nicht Deutschland sucht das Superbild, sondern die Frage nach zärtlicher Zuneigung, wie man es zu einer ersten Kritzelei seines eigenen Kindes empfindet. Keine kunsthistorische oder akademische Benotung.

    Ina Weisse
    Wer leistet sich schon Zärtlichkeit gegenüber der Kunst. Das wäre mal wünschenswert, statt sich dauernd nur vorzustellen oder zu erwarten, Größe und das Ultimative zu erleben.

    Gaga Nielsen
    <3

  6. Valerian S.
    Ich finde es sehr schön, wenn man eine Beziehung zu einem Kunstwerk hat. Gerade diese Berührung ist für mich das Wesen der Kunst.
    Ich weiss nicht, was ich mir an die Wand hängen würde.
    Vielleicht ein Bild von meiner Nichte oder meinem Neffen. Die sind alle auf meinem Computer gespeichert. Eins heisst „Expative Liebe“ (Marlon, damals 6 Jahre alt) hat es so genannt. Aus meinem Bauchgefühl heraus, ist Kunst frei für Alle uns frei von Allen geschaffen zu werden.
    Vielleicht auch was von Basquiat.
    Bedingungsloses Grundeinkommen für alle & mehr Kunst.

    Gaga Nielsen
    <3
    au ja Basquiat….!!!! Lieb ich auch sehr, sehr… Kinder malen genial, keine Frage, "ART BRUT" vom feinsten…! Das sind aber Bilder, die man ja schon um sich und an der Wand hat. Ich finde die Frage nach in der Öffentlichkeit renommierten Bildern spannend, weil es auch zeigt, ob es Herzensliebe zu erfolgreicher Kunst gibt und wenn ja zu welcher. Der Kunstmarkt ist ja heutzutage vor allem Wertanlage, manche Künstler werden von Sammlern der Oberliga gekauft, weil die Aktie gut dasteht, quasi. Amüsant fand ich, dass ein New Yorker Kunstsammler einen Pseudo- Kees van Dongen vom Meisterfälscher Beltracchi gekauft hat und das Bild neben anderen Bildern, Originalen, auch nach Aufdeckung der Fälschung weiterhin als das schönste Bild in der Sammlung bezeichnete. Ich fand es auch sehr, sehr gelungen. Diese rote Frau mit Hut. In diesem Sinne auch ein Original, das eben Beltracchi, van Dongen-channelnd erschaffen hat. Cooler Sammler, der so souverän damit umgehen konnte. Nicht nur ein beleidigter, enttäuschter Kunst-Kapitalist. Ein echter Liebhaber seiner Bilder an der Wand.

  7. Valerian S.
    Achja…. Ja der Markt und die Öffentlichkeit. Da kenn ich mich nicht aus 😁 Ich bin halt eher so ein Pragmatiker was Kunst angeht. Es ist der Kapitalismus, oder das Zwangsdasein als Kapitalist, was die Kunstbetrachtung so ein bisschen menschenverachtend macht — oder so.

    Ich sehe das eher wie eine Symphonie bei der jede Person mitmacht. Oder so Rousseau-maessig: so wenig wie Boden einem Menschen gehört, so wenig gehört die Idee einem Menschen.

    Man leiht es sich quasi nur aus der grossen Symphonie, sich zu trauen sich auszudrücken.

    Gaga Nielsen
    ich finde es durchaus herrlich, wenn kunstsinnige Millionäre und Milliardäre und Fantastrilliardäre entscheiden, dass der magische Geist eines Kunstwerkes oder die Aura, der Nimbus viel, viel Geld wert ist, das sie sich nicht vorstellen können, schöner auszugeben. Das ist super! Und nicht alle sind Banausen. Meist ist schon eine starke Affinität zur Kunst da. Siehe Hasso Plattner, der das Potsdamer Barberini Museum gegründet hat, ein charismatischer, geistreicher Kunstsammler, früheres SAP-Alphatier. Ganz schlauer, charmanter Mann. Schöngeist. Man ehrt Kunst damit, dass man Geld dafür auf den Tisch legt. Jawohl!

  8. Valerian S.
    Ja, das finde ich ja alles okay. Besitz an sich ist die Idee, die für mich nicht so viel Sinn macht. Oder Geld. So wie Jim Jarmusch einen seiner Charaktere über Geld sprechen lassen hat: „I don’t want it, but I need it.“ Wir sind alle dazu gezwungen Kapitalisten zu sein. Doch gleichzeitig fühlt es sich für mich so absurd an. Gerade wenn es um so etwas menschliches wie Kunst geht. Wie kann etwas so wunderbares wie ein Ausdruck von Klimt jemand „gehören“. Klimts Werk hängt gerade zufällig in jenem Raum ab. In 1000 Jahren vielleicht in einem anderen Raum.

    Die Welt der Zahlen ehrt die Menschlichkeit, indem sie hohe Zahlen serviert. Doch die Messung ist nicht das Gemessene. Die Quantität nicht die Qualität. Das Verrückte an Kunst ist für mich, dass diese Qualität potentiell aus jedem Menschen herausströmen könnte.

    Ähnlich wie eine Geburt oder Gärtnern, Kunst entsteht wie Lebenz völlig gratis oder ohne Geld. Das Leben ist der Zauber, wie die Kunst selbst. Doch die Zahlenwesen wollen das Leben zu einer Trademark machen und Bienen durch Roboterbienen ersetzen.

    Die Welt der Zahlen möchte die Kunst zu seinem eigen machen.

    Wenn ein Kunstwerk berührt, dann ist es grandios. Selbst wenn es noch so klein ist ist. Das könnte für mich der Ausdruck eines freien Kindes sein oder der von Klimt, welcher sich befreit hat.

    Gaga Nielsen
    ich bin auch absolut dafür, dass ein Kunstwerk möglichst vielen Menschen zugänglich ist, nicht nur in einem privaten Raum zu sehen. Das Original von Danae wäre natürlich besonders magisch aufgeladen, weil Klimt es berührt hat. Das Original ist eben das Original, aber ich spare ja nicht darauf. Würde ich auch nie schaffen. Wäre es je wieder auf dem Markt, ginge es mit einem zweistelligen Millionenbetrag zum nächsten Besitzer. Hasso Plattner zeigt seine Schätze in einem öffentlich zugänglichen Museum, vorbildlich. Und ich erfreue mich an der digitalen Betrachtung von Danae und trag sie im Herzen. Meine eigenen Werke liegen mir auch sehr am Herzen, wegen des persönlichen privaten Bezugs und ich würde sie gerne von Zauberhand vervielfältigen, um sie sinnlich erfahrbar, materalisiert Vielen zugänglich zu machen. Ich recherchiere schon seit einer Weile professionelle Reproduktionsanbieter, die für große Museen arbeiten. Ich habe kein Interesse an Reproduktion durch Menschenhand, da wäre eine minimale Verfälschung inbegriffen. Mit 3-D-Druckverfahren ist es inzwischen möglich auch den originalen Pinselstrich, dessen Struktur zu vervielfältigen. Sind aber sehr teuere Reproduktionen. Aber es entwickelt sich.

  9. Valerian S.
    Vielleicht wäre es ja auch mal ein Kunstprojekt Kunstwerke durch Menschenhand mehrfach zu vervielfältigen und immer eine kleine Änderung reinzubringen. So 3 bis 16 Reproduktionen pro werk als neues Kunstwerk — das Ganze dann abfotografieren und ausdrucken.

    Gaga Nielsen
    Das ist in der explizit beabsichtigten Form eine tolle Idee!

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