
Nach all dem Delbrück-Villen Schauen bekam ich langsam Lust auf eine wohlverdiente Pause, einzukehren. Einen festen Plan hatte ich nicht vor Augen. Ich bog von der Delbrückstraße, die ich nicht bis zum Ende erkundet hatte – sie ist ewig lang – in die Liehrstraße, vorbei am Hotel Steigenberger, wo ich damit liebäugelte, in einem der Restaurants zu essen. Ich glaube, es war nicht so eindeutig, wo man hineingeht, irgendetwas irritierte mich und ließ mich weitergehen. Als ich in die Strandpromenade bog, stand ich vor dem Strandhotel Heringsdorf, da klingelte etwas im Kopf. Da war doch was. Links daneben die Villa Saphira, im Strandhotel ein Restaurant mit heimeliger Beleuchtung. Es zog mich direkt an.

Das Haus lässt wissen: „Das historische Haupthaus unseres Strandhotels Heringsdorf wurde bereits 1886 erbaut, es liegt direkt an der Strandpromenade. Auch die neueren Gebäude sind durch einen praktischen und dekorativen Bademantelgang verbunden. So können unsere Gäste bequem, zwischen den einzelnen Häusern und verschiedenen Wellnessbereichen – immer trockenen Fußes – auch in Bademantel, Badebekleidung oder Wellnesskleidung, unterwegs sein.“ „Bademantelgang“ – wie schön.

Das Strandhotel selbst, obgleich doch so alt, sieht nicht so historisch aus, wie es ist. Denn der frühere Stück wurde unverzeihlicherweise zu DDR-Zeiten in einem Modernisierungsakt abgeklopft und auch die verschnörkelten Balkone entfernt. Jetzt sieht es aus wie ein beliebiger Bau mit glatten Fassaden. Später wurden wieder Balkone angebracht, mit einfachen, schnörkellosen Gittern und ein Neubau daneben gesetzt. Ich habe das genau recherchiert, als ich befremdet nicht begreifen konnte, dass das Hotel auf den alten Bildern vom identischen Standort komplett anders aussieht. Die Substanz jedoch rührt noch von ganz früher.

Das Haus hat in seinen blühendsten Zeiten bis zum zweiten Weltkrieg zahlreiche Künstler wie renommierte Schriftsteller, Komponisten und Filmschaffende beherbergt. Das hatte ich bereits vor meiner Reise gelesen und wieder vergessen. Nun stand ich plötzlich davor. Von dem nach dem früheren Stammgast Heinrich Mann benannten Restaurant Heinrichs hatte ich auch mal gehört.
