Residenz Villa Bleichröder Delbrückstraße Heringsdorf
Residenz Villa Bleichröder Delbrückstraße Heringsdorf

Residenz Bleichröder bzw. hier auf den Bildern abgebildet, die Villa Bleichröder, Delbrückstraße 14, Heringsdorf. Die letzte Delbrückstraßen-Villa mit der ich mich in dieser Reihe beschäftige und für mich die aparteste Villa in der Delbrückstraße. Ungemein großzügiges Anwesen, erste Meereslinie, direkt an der Uferpromenade, wie alle Anwesen auf der Seeseite der Delbrückstraße. Ich war und bin beeindruckt. Der Begriff „Residenz Bleichröder“ umfasst noch drei weitere Gebäude mit Unterkünften auf dem riesigen, feinen Filet-Grundstück. Zwei Neubau-Villen und eine historische, straßennahe Remise, vormals Garage, im Sinne eines Kutscherhauses. „Erhaben“ ist nicht übertrieben für die im Zentrum stehende große Villa von 1908. Die ganze Anmutung hat Belle Epoque-Charme. Auch das Interieur, darunter allerlei Antiquitäten, kann sich sehen lassen. Einladend, fein, elegant, heimelig. Alles wirkt hochwertig, mit Kennerauge kuratiert. Verantwortet von den neuen Eigentümern seit 2023, der Unternehmerfamilie Jaeschke aus Berlin. Im Ergebnis, was man sich im allerschönsten Sinne unter einem Boutique-Hotel vorstellt.

Residenz Villa Bleichröder Delbrückstraße Heringsdorf
Residenz Villa Bleichröder Delbrückstraße Heringsdorf
Residenz Villa Bleichröder Delbrückstraße Heringsdorf
Residenz Villa Bleichröder Delbrückstraße Heringsdorf

Anmerkungen zur Geschichte, der Villa, die auch in einem eigenen Wikipedia-Eintrag zum Anwesen und auf der Seite vom IGEL-Usedom-Verlag zusammengetragen wurde: Bauherr der 1908 erbauten Villa war Hans von Bleichröder, Bankier in dritter Generation, dessen Vater Gerson v. Bleichröder, vorrangig das Haus Rothschild vertrat, Hofbankier der Hohenzollern war und Bismarck in jeglichen, auch privaten, Finanzangelegenheiten beriet. Auf Initiative von Bismarck wurde Gerson Bleichröder 1872 von Kaiser Wilhelm I. als erster Jude in den preußischen Adelsstand erhoben, ohne sich taufen zu lassen, was offenbar unüblich war (sein Sohn Hans konvertierte allerdings im Erwachsenenalter zum evangelischen Glauben). Durch die über Generationen gewachsene, enge Verbindung mit dem politisch einflussreichen Haus Rothschild konnte Bleichröder Bismarck vertrauliche Informationen aus London und Paris zuspielen, wofür sich Bismarck überaus dankbar zeigte. Gerson von Bleichröder galt mit einem Vermögen von 100 000 000 Mark damals als der reichste Mann Berlins und einer der reichsten Männer der Welt. Für wohltätige Zwecke spendete er stattliche Summen. Das gibt einen guten Eindruck, in was für einem Umfeld der Erbauer Hans von Bleichröder aufgewachsen war. Man dachte und lebte in großem Stil und konnte es sich leisten. Erst in zweiter Generation im Adelsstand, war Understatement bei der Sommerresidenz keine Überlegung. Leider nicht auf den Bildern in dieser Reihe, das Panorama von der Meeresseite, das eine schöne Skulptur mit Pfeil und Bogen zeigt, die Richtung Villa Oppenheim (unmittelbar daneben) zielt. Was aber sicher keine übergeordnete oder tiefere Bedeutung hat. Oder vielleicht doch, mit einem Augenzwinkern? Die beiden jüdischen Bankiersdynastien Bleichröder und Oppenheim standen im Kaiserreich in unmittelbarer Konkurrenz um wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss. Gemeinsam ist den Familien Bleichröder und Oppenheim auch das Schicksal der Verfolgung ab 1933 bis zur Enteignung und Vertreibung um 1938.

Residenz Villa Bleichröder Delbrückstraße Heringsdorf
Residenz Villa Bleichröder Delbrückstraße Heringsdorf

Nach Beschlagnahmung durch die Nazis 1938, bis zum Kriegsende 1945, diente die Villa wechselweise als Erholungsheim für die Luftwaffe und NS-Funktionäre (für Göring und seinen Führungsstab) sowie teilweise bis 1945 als NSV- („Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“)-Entbindungsheim. Ab 1945 – 1951 wurde die Villa Bleichröder zum Sanatorium für Angehörige der Sowjetarmee, danach, zu DDR-Zeiten „Gästehaus Richard Schmidt“ des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB). Oft und gerne u. a. genutzt von Gewerkschaftsfunktionär Harry Tisch, dem letzten Vorsitzenden des FDGB, der häufig in der Villa logierte. Nach der Wende übernahm 1990 die Treuhand das Anwesen und übergab es an das Hamburger Hotelierpaar Reicherstorfer, das dort ein Hotel mit Namen „Diana“ führte (Anspielung auf die Statue im Garten). 1995 übernahm die Sieveking und Co. KG das Objekt und sanierte bis 2000 die alte Villa und die Remise, und baute hinter der Remise zwei Neubauvillen, eine Tiefgarage kam auch hinzu. Ich vermute, in dieser Erneuerungsphase wurde auch der Pool im Keller der historischen Villa eingebaut. Wahrscheinlich da Rückbenennung zu Villa bzw. Residenz Bleichröder und Ferienwohnungsvermietung. 2023 übernahm die Berliner Familie Jaeschke, die bereits in Berlin ein Hotel führt, das Anwesen und betreibt es als Boutique Hotel.

Residenz Villa Bleichröder Delbrückstraße Heringsdorf
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Es fällt mir gar nicht schwer, mich in einem der Zimmer zu sehen, bevorzugt in der <a href=)“https://www.villa-bleichroeder.de/zimmer/diana-suite/“>Diana-Suite im zweiten Obergeschoss. Rundherum gibt es französische Balkone, wie ich bei genauer Betrachtung sehe. Aber der großflächige Südbalkon mit der Balustrade ist leider keinem der buchbaren Zimmer zugeordnet. Ich rate, der gehört zu privaten, nicht anmietbaren Wohnräumen der gegenwärtigen Eigentümerfamilie. Kann man auch verstehen.

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