
Heringsdorf, Villa Seestern. Sonntag, 30. August 2026, 16.16 Uhr. An dem Tag bestand mein täglicher Blogeintrag aus keinem Bild und nur einem Wort: „Ferien“. Bin fasziniert, mit welcher Intensität sich das Gefühl einstellt, wieder dort zu sein, indem ich mich jetzt mit den Bildern und Orten beschäftige. Kann ich nur empfehlen, nicht bereits darüber ausgiebig zu bloggen, während man im Urlaub noch vor Ort ist, denn dann verschenkt man nicht nur kostbare Zeit für anderweitiges Erleben, sondern auch das schöne, spätere Gefühl des Nacherlebens. Ich begreife ja jetzt erst durch intensives Recherchieren sämtliche Zusammenhänge und kann angelesenes Wissen, kombiniert mit eigenen Erkenntnissen und Schlussfolgerungen, ausgiebig einfließen lassen. Sehr schade finde ich es immer, wenn Freunde oder auch Bekannte oder Blogger, die ich lese, nur im Telegrammstil, mitunter nur in einem Nebensatz von einer Reise erzählen. Die individuellen Erfahrungen wären mir wertvolle Lektüre. Von Kleinigkeiten oder abseitigen Beobachtungen zu erfahren, die in gesponserten Promo-Texten für Destinationen unter den Tisch fallen, sobald sie ambivalent oder kritisch sind. In vorauseilendem Opportunismus in Selbstzensur weggelassen werden. Dabei wäre gerade differenzierte Darstellung ein Mehrwert. Was nicht ausschließt, dass ein Bericht von grundsätzlichem Wohlwollen getragen ist. Gerade bemerke ich an mir, dass ich durch die zeitliche und räumliche Distanz ein verändertes Gefühl zum Erlebten bekomme, was auch daran liegt, dass ich eine Verdrängungskünstlerin bin. Was mir nicht gefiel, habe ich grundsätzlich nicht fotografiert. Manches war auch gar nicht fotografierbar, wie mich befremdende Äußerungen von Passanten, anderen Gästen, die ich beim Vorbeigehen oder beim Bus- oder Bahnfahren hören konnte. Alles Unerquickliche ist zumindest visuell ausradiert, weil nicht verewigt. Das heilt rückwirkend Manches, was mich vereinzelt vor Ort bedrückte, leicht verstörte (ein inneres „Au weia“, „Oh je“). So bleibt mir nun deutlichere Erinnerung an erhebende Gefühle beim einsamen Herumspazieren, schönste Momente an Orten, wenn da niemand weiter war. Und der Gedanke, wie schön das alles erst bei Kaiserwetter sein müsste. Oben auf dem Kulm Logis zu nehmen und dann barfuß die steilen Stufen über die Holztreppe nach unten zu tänzeln, um noch einmal die nackten Füße in den puderweichen Sand vom Strand zu bohren. Vielleicht doch kein One-Night-Stand.
