Mein Wahl-O-Mat-Ergebnis von heute:
PdF 73 %
B* 71 %
SPD 70 %
Tierschutzpartei 70 %
Die PARTEI 70 %
Die Linke 70 %
ÖDP 69 %
GRÜNE 67 %
Volt 65 %
SGP 65 %
DKP 64 %
BSW 60 %
Die Urbane. 59 %
CDU 57 %
FDP 48 %
HEIMAT 47 %
AfD 43 %
Hoppla. Dann muss ich mich wohl mal näher mit dem Wahlprogramm der „Pdf“ beschäftigen. Und der B*-Partei. Habe diesmal keine eingrenzende Vorauswahl der Parteien gemacht, alle siebzehn ausgewählt, die am Sonntag in Berlin antreten. Interessant, dass die Piratenpartei nicht mehr dabei ist, da sie wie ich soeben lese, nicht genug Unterstützerunterschriften sammeln konnten, dabei waren die doch mal ganz gut dabei, so vor zwanzig Jahren.
Auch nehme ich interessiert zur Kenntnis, dass SPD, Tierschutzpartei, Die PARTEI und Die Linke mit jeweils 70 % gleich auf sind. Zwei davon habe ich in der Vergangenheit schon mal gewählt, nämlich DIE PARTEI und Die Linke. DIE PARTEI wegen besonderer Sympathie und tatsächlich hoher inhaltlicher Zustimmung in vielen Punkten und noch dazu damaliger Spitzenposition beim Wahl-o-Mat-Ergebnis. Die Linke seinerzeit ein mal hauptsächlich wegen der Wohnungs-/Mieten-Politik. Früher, also all die Jahre, ja Jahrzehnte davor, meistens Grün, zwischendurch auch mal wieder, aber länger her.
Und vor ca. 17 oder 18 Jahren auch punktuell ein einziges mal die Piraten, etwas forciert durch einen sehr persönlichen Kontakt mit einem Kandidaten. Danach kam ich ins Schwimmen und wurde Wechselwählerin, wie gerade en detail erwähnt.
Und nun steht wieder eine Wahl an und ich merke abermals, dass ich lieber Themenschwerpunkte als Parteien wählen würde. Für die Idee hat mich sogar mein Vater zu seinen Lebzeiten einmal am Telefon belobigt, hätte er auch besser gefunden. Wir waren uns sonst nicht so sehr einig, was politische Angelegenheiten anbelangt, aber er wurde sanftmütiger im Alter und damit liberaler.
Dass meine Mama ihr mir bekanntes Wähler-Leben lang die Grünen wählte und zwar mehr oder weniger als eine Art „Guilty Pleasure“, hat sie mir erst kürzere Zeit vor ihrem Tod offenbart, als ich wieder einmal sehr tolerante Haltungen von ihr vernahm und das einfach nicht zu einem Wahlkreuz bei der CSU passen wollte und sie daher direkt fragte. Und voilà: die in Bayern dominierende CSU hat sie auch nie gewählt. Damit ist sie aber in unterwürfiger, opportunistischer Haltung ihrem Mann, also meinem Vater gegenüber, nicht hausieren gegangen.
Als sie mir in den Neunziger Jahren mal die Biographie von Petra Kelly und Gert Bastian schickte, als Leseempfehlung, war mir schon klar, dass ihre Sympathien nicht nur bei Kelly als Person lagen, sondern bei der ganzen Partei, für die ich mit achtzehn Jahren mal für den hiesigen Gemeinderat kandidiert hatte, damals noch „Alternative Liste/Die Grünen“. Wobei sie mich und meinen Bruder, der auch gleich kandidierte, aber nie bestärkt hat. Ich war allerdings nie Parteimitglied.
Parteimitglied, aber bei einer ganz anderen Partei, war in meiner Familie nur einer, nämlich mein Großvater bei der NSDAP, seit 1940. Habe ich gestern bei der Abfrage der Süddeutschen mal eben so entdeckt, bin aber auch nicht tot umgefallen vor Schreck, da er schon immer mal so sympathisierende Bemerkungen gemacht hatte, über die tolle Autobahn, die damals gebaut wurde.
Er hatte in seiner früheren Heimat ein größeres Fuhrunternehmen und nach Annektierung durch die Nazis 1938 wurde Unternehmern sicher nahe gelegt, sich zu arrangieren, bzw. war die Vergabe der Aufträge, besonders größerer, auch von Parteihand gesteuert, da war ein Parteibuch sicher hilfreich. So viel Opportunismus traue ich meinem 1984 verstorbenen Großvater absolut zu, er wollte schön seine Ruhe haben und sein Geschäft fortführen.
Als Kind habe ich ihn nie großartig politisch herumschwadronieren hören. Er war insgesamt auch eher sanftmütig veranlagt und pragmatisch. Hängen geblieben ist allerdings, dass er durch das Rauchen einer mit Schnaps getränkten Zigarre forciert hat, dass ihm speiübel wurde, als es zur Musterung ging, er wollte seinen Hof und sein Unternehmen und die Familie nicht verlassen. Hat geklappt. Die Story hat er oft und gerne erzählt und sich noch Jahrzehnte darüber gefreut. Er war nie Soldat. In seinem Parteiausweis steht das Datum seines Antrags zum Beitritt und wann der Eintritt bestätigt wurde. 1940. Da war er 41 Jahre alt, bestes Mannesalter, wehrfähig.
Positiver Beifang dieses Abfrage-Ergebnisses: man kann den eingescannten Mitgliedsausweis sehen, auf dem auch die damalige Wohnadresse steht. Hat mich gut weitergebracht bei der Recherche, welche Hausnummer sein Anwesen hatte.
Fast überrascht war ich, dass mein anderer Großvater nicht in der Partei war, der, der die schönen Elfenbilder mit der Maschine gestickt hat, der hatte ja auch ein Geschäft, aber halt kein kriegswichtiges. Innenausstattung und Möbel. Er war aber als Soldat im Krieg und kam mit nur einem Bein zurück, starb viel zu früh in seinen Fünfzigern an Spätfolgen seiner Invalidität. Der Großvater, den ich nie kannte. Der andere hat mich immer fürsorglich an der Hand geführt zur Schule begleitet, das weiß ich noch sehr gut. Erinnere mich, wie sich seine Hand anfühlte.
Und die Frau von diesem Großvater, der drin war in der Partei, also meine eine Oma, war auch kein Mitglied. Hätte ihr wahrscheinlich nichts weiter gebracht, aus ihrer Sicht, als Hausfrau und Mutter. Um sich großartig mit Politik zu beschäftigen, hatte sie sicher keine Zeit, wenn sie sich um den Hof und die Kinder und die Tiere kümmerte. Die Pferde, die die Fuhrwerke zogen. Beruhigt hat mich, dass meine Recherche dezidiert keine jüdischen Zwangsarbeiter in dem betreffenden Steinbruch auswies. Dafür war er zu klein.
Widerstandskämpfer waren sie alle nicht. Widerständisch veranlagt waren in dieser Familie wohl erstmalig mein Bruder und ich, mit unserer dezidiert rebellischen Haltung gegen allzu konservative, einzwängende Lebensvorstellungen und einer ausgeprägten Sehnsucht nach Freiheit und Weltläufigkeit und Toleranz. Vor allem Weltläufigkeit spielte bei mir eine große Rolle. Und Empathie mit Menschen mit echten Einschränkungen, Handicaps, Behinderungen, schweren Schicksalen. Mir bis heute wichtige Werte.
Mit Einschränkung meine ich aber explizit nicht fehlenden gesunden Menschenverstand oder geistige Minderbemittlung bei regulärer Hirnfunktion. Naturschutz war auch immer so ein mir am Herzen liegendes Ding. Und die Künste kommen mir immer überall viel zu kurz. Großes Bedauern. Dieses Wahl-o-Mat-Ergebnis da oben bedeutet nun nicht, dass ich diese pdf-Partei wählen werde. Aber mich immerhin nun mal dazu schlau mache, woher die hohe Übereinstimmung mit meinen Antworten rühren könnte. Und die grobe Richtung des Rankings, was die bekannteren Parteien angeht, entspricht schon auch in etwa meiner Erwartung. Werde nun also in Folge die konkreteren Wahlprogramme der Top Ten konsultieren. Machen Sie doch auch mal Wahl-o-Mat. Ich finde, er hilft der Orientierungslosigkeit doch ein wenig auf die Sprünge.