
Im Bereich des Schrammtores befindet sich nicht nur eine prägnante Felsformation, sondern gleich mehrere Sandsteinsäulen, die wie Wächter den heiligen Bezirk abschirmen. Ähnliche Formationen sah ich auch in Teilen von Island und nordamerikanischen Nationalparks, insbesondere in südwestlichen Bundesstaaten wie Colorado, Nevada, Arizona und Utah. Was dort Wind, Wetter und vor allem der Colorado River geformt haben, ist im Elbsandsteingebirge das Werk der Elbe. Die Substanz des Gesteins, der Sand, war vor rund hundert Millionen Jahren am Boden des Kreidemeeres. Es gibt eine schöne, ausführliche ZDF-Wissenschaftsdoku über die Entstehung des Elbsandsteingebirges, die ich mir gestern Abend angeschaut habe. Hier gucken. Ist wie Geologie-Unterricht mit phantastischen Animationen, die im Zeitraffer die Entwicklung zeigen, wie aus einem großen, sich vom Meeresspiegel angehobenen Sandsteinplateau durch Erosion und interne, organische Felssprengungen, aufgrund von ins poröse Gestein eingelagerten Eispartikeln, Risse gebildet wurden und Wind und Wasser die Oberflächen rund formte. Auch faszinierend, dass Bohrungen in die Felsen teilweise zeigten, dass die innere Substanz nicht selten weich ist, Sand, der sich nicht verfestigt hat. Was einem plastisch vor Augen führt, dass es filigrane Gebilde sind, die aus gutem Grund nicht mit üblichen Bergsteiger-Methoden erklommen werden dürfen, wie z. B. Sicherungshaken einschlagen. Bislang dachte ich, die ambitionierten Freeclimber oder nur leicht mit Seilen an einem einzigen vorgegebenen Haken dort gesicherten Kletterer, wären nur besonders ehrgeizig. Nicht einmal Talkum für besseren Griff an den Händen darf benutzt werden, da es sich im porösen Gestein einlagern würde, was den Abbau beschleunigt. Es sind sächsische Kletterregeln. Felsstürze, Gesteinsabbrüche, sind permanente Ereignisse, denn die Erosion setzt sich unvermeidlich fort. Man sieht nur eine Momentaufnahme.

