Meine armen alten Knochen. Bin zurück. Der Zug nach Bad Schandau fuhr gestern pünktlich um 7.28 Uhr am Hauptbahnhof los und fiel dann zeitweise unterwegs im Schritttempo, was zuerst zu einer 6, dann 8, dann zwanzig Minuten späteren Ankunft in Bad Schandau führte, was mich überhaupt gar nicht störte. Ab zwanzig Minuten Verspätung wird die Zugbindung aufgehoben, mir immer sehr recht. Die Route geht über Berlin Südkreuz, dann Dresden Neustadt, Dresden Hauptbahnhof und der nächste Halt ist dann auch schon Bad Schandau. Der Zug kam gegen zehn Uhr dort an.

Ursprünglich wollte ich die Fahrt im Speisewagen von dem tschechischen Railjet verbringen, aber nachdem ich Probe saß, waren mir die Sitzplätze dort nicht komfortabel genug und ich hätte zudem auch gar nicht gewusst, was ich mir direkt um halbacht Morgens bestellen soll. Ich trinke gerne mal ein Bier im Bordbistro und esse auch ein Häppchen, aber für beides war es mir entschieden zu früh. Kaffee hatte ich reichlich daheim getrunken. Ich schwenkte um und suchte mir einen Sitzplatz in der zweiten Klasse, ganz komfortable Sitze. Ich hatte einen angenehmen Platz gefunden, und nachdem alle um mich herum anfingen, ihre mitgebrachten Snacks auszupacken, bekam ich auch Appetit, obwohl mich das Geraschel von den ganzen Bäckerstüten und Geknister von Kekspackungen etc. leicht nervte. Der eine hatte eine Packung mit Zimtschnecken, womit man mich so gar nicht locken könnte. Zimtsterne zur Winterszeit sehr gerne, aber als Schnecke und im August? Der Mann war nicht alleine, seine Freundin saß neben ihm, sie aß gar nichts, wirkte auch, als sei ihr nicht ganz wohl. Aber sich darum zu kümmern, war aus meiner Sicht die Aufgabe vom Zimtschnecken-Kollegen. Ich nahm mir schon mal eine Käseklappstulle mit Gürkchen aus dem Rucksack und pellte mir eines von vier hartgekochten Eiern. Neben reichlich Proviant zum Essen hatte ich auch eine Flasche Cola in der mittleren Größe dabei und genehmigte mir einen großen Schluck.

Die Zeit während der gut zweistündigen Fahrt vertrieb ich mir mit Lektüre des Dumont Wanderführers Elbsandsteingebirge. Vor allem Tour 10 wiederholte ich mehrmals, wie man als Schulkind vor einer Klassenarbeit immer wieder die Sachen durchlas, die drankommen könnten, damit sie wenigstens im Kurzzeitgedächtnis für den Fall der Fälle haften blieben. Ich wiederholte Ostrauer Ring. Ostrauer Ring. Ostrauer Ring. Davon war auch in den Internet-Beschreibungen der Route immer wieder die Rede, man müsste zum Parkplatz am Ostrauer Ring und von da zum Lattengrund. Ich prägte mir grob die Himmelsrichtung ein, was immer hilfreich ist.

Eine Wanderkarte gehörte nicht zum dem Führer, die hätte man extra bestellen müssen. Da ich ja nur die eine Tour machen wollte, schien mir das irgendwie übertrieben, sich so eine Karte anzuschaffen. Etwas verwundert war ich über die Anmerkung „anspruchsvoll“. Die dreißig Touren im Dumont Wanderführer sind in drei Kategorien eingeteilt: „einfach“, „mittelschwer“ und „anspruchsvoll“. Ich schob das Prädikat auf den zweiten Teil der Wanderung No. 10, den ich sowieso nicht einplante, über steile Leitern an Felsen wollte ich nicht kraxeln. In den verschiedenen Beschreibungen im Internet, die ich über die Tour bis zum Großen Schrammtor auch gelesen hatte und mir teilweise ausgedruckt, war nie die Rede davon, dass es sich um eine „anspruchsvolle“ Wanderung handeln würde. So ein bißchen über Stock und Stein, war ja nun naturgemäß erwartbar. Aber jetzt ging es erst einmal ans Aussteigen, ich war also in Bad Schandau und freute mich über das recht schöne Wetter und hoffte, dass es halten würde.

Eine Jacke hatte ich nämlich nicht dabei. Unnötiges Gepäck! Das blöde Smartphone hatte schon zusätzliches Gewicht in meinem Rucksack verursacht, ich wollte es hauptsächlich als Uhr benutzen!

2 Antworten auf „26. August 2026

  1. Lydia Gebel
    Oh, wie fein! Und ein bisschen Dresden ist auch dabei.. Dresden hab ich mal geliebt! 🥰

    Gaga Nielsen
    Oh – Vergangenheitsform?
    (….oder sollte es heißen: „(In) Dresden hab ich mal geliebt“?
    Musst Du mir mal unter vier Augen erhellen.)

    Lydia Gebel
    Na, das war wohl rein praktisch gemeint. Ich sehe es ja schlicht und ergreifend nicht mehr 😉

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