Liebes Publikum,
hier kommt nun quasi die Fortsetzung von gestern. In den Kommentaren hatte ich angeregt, dass Kundige gerne auf Basis meines erinnerten Satzes eine KI ihrer Wahl beauftragen können, daraus eine Geschichte zu machen. Da seither nichts geliefert wurde, obwohl das ja nicht viel Arbeit macht, jedenfalls definitiv weniger, als mein gestern Buchstabe für Buchstabe von Hand geklöppelter Beitrag, bei dem mir definitiv keine KI etwas vorgefertigt hat, habe ich nun selbst meinem alten Kumpel Gemini, der mir bei den Zeichnungen zur Seite stand, den Prompt für eine Geschichte dazu gegeben. Nämlich folgenden
- Prompt –
„Schreibe eine Kurzgeschichte mit 700 – 1000 Wörtern, in der der folgende Satz vorkommt und eine Frau mit Namen Sophie und ein Italiener, der ihr Cousin ist und ihr Liebesbriefe schreibt:
„…da Sophie ständig Liebesbriefe von ihrem Cousin bekam, der ein getrennter Italiener war…“.
- Ende des Prompts –
Es folgt die fertige Geschichte, für die Gemini ungefähr 7 Sekunden benötigt hat. Ich finde das Ergebnis zeigt sehr schön, dass der Stil wenig Ähnlichkeit mit meiner Art zu schreiben und zu formulieren aufweist. Es ist eine Soße aus zig trivialen Liebesgeschichten zusammengerührt, natürlich mit der Andeutung eines Happy Ends, obwohl ich das nicht vorgegeben habe, aber das war ja auch frei interpretierbar. Hier also Geminis Geschichte, an der ich keine Silbe, kein Wort, keinen Satz, kein Komma geändert habe, lediglich Leerzeilen eingefügt, um das Werk leichter lesbar zu machen. 100 Prozent KI:
„Der Duft von frischem Rosmarin, geschmolzenem Pecorino und frisch gemahlenem Espresso lag in der Luft, vermischt mit der kühlen, klaren Brise eines späten Oktobernachmittags. Sophie saß an ihrem massiven Holztisch in der Altstadtwohnung, vor sich ein chaotisches Meer aus Notizbüchern, Skizzen und – mal wieder – einem Brief mit italienischer Briefmarke.
Sie starrte auf den feinen, geschwungenen Tintenstrich des Umschlags. Es war inzwischen der dritte Brief in dieser Woche. Seitdem Marco, ihr italienischer Cousin, sich von seiner Frau getrennt hatte, schien sein emotionales Zentrum komplett in Sophies Postkasten zu wandern.
Sophie schmunzelte leise, während sie den Umschlag mit einem Papiermesser öffnete. Marco war ein Sturmtief von einem Menschen: leidenschaftlich, dramatisch, unberechenbar und mit einer stoischen Hingabe gesegnet, die oft die Grenze zum Absurden überschritt. Das wusste sie, denn da Sophie ständig Liebesbriefe von ihrem Cousin bekam, der ein getrennter Italiener war, wusste sie längst nicht mehr, ob sie lachen oder weinen sollte.
Marco hatte die Trennung von Chiara nicht einfach verarbeitet; er schien sie in epische, poetische Prosa zu gießen. Sophie las den Anfang des Briefes, der auf schwerem, elfenbeinfarbenem Papier verfasst war:
»Mia carissima Sophie, die Nacht in Rom ist kalt und leer wie ein ungeschnittener Laib Brot. Chiara hat meine Lieblingsgabel mitgenommen, aber das ist nichts im Vergleich zu dem Schmerz, dass du nicht hier bist, um meinen selbstgemachten Espresso zu kosten. Du bist der einzige Anker in diesem Meer aus gebrochenem Porzellan.«
Sophie atmete tief durch. Marco war zwar ihr Cousin – die Mütter waren Schwestern, die einst aus Neapel nach Deutschland ausgewandert waren –, aber seine Art, Zuneigung und familiäre Verbundenheit auszudrücken, bewegte sich stets auf einem schmalen Grat zwischen rührender Sorge und totaler italienischer Seifenoper.
In Italien war Familie alles, aber Marco schien sie zu heiraten wollen, zumindest in literarischer Form. Sie griff nach ihrem Füllfederhalter. Es wurde Zeit, dem ein Ende zu setzen – oder zumindest einen humorvollen Riegel vorzuschieben. Sie zog ein sauberes Blatt Papier heran und begann zu schreiben:
»Lieber Marco, danke für die dramatischen Zeilen. Bevor du Rom komplett in Tränen auflöst: Deine Lieblingsgabel ist unwichtig, und nein, ich werde nicht nach Italien ziehen, um deinen Haushalt zu retten. Du brauchst keinen Heiratsantrag per Post, sondern einen guten Handwerker für deine Küche und einen klaren Kopf. Dein Cousin-Sein schützt dich nicht vor der Wahrheit: Hör auf, mir Liebesbriefe zu schreiben, sonst schicke ich dir meine Steuererklärung, um die Romantik endgültig abzutöten.«
Sie faltete den Brief, steckte ihn in einen Umschlag und versah ihn mit einer deutschen Marke. Sie bezweifelte, dass die Steuererklärung helfen würde – Marco würde wahrscheinlich auch in Paragraphen noch puren Schmerz und Poesie erkennen –, aber es fühlte sich gut an, Kontra zu geben.
Zwei Wochen später klingelte es an Sophies Tür.Als sie öffnete, stand dort Marco. Keine Vorwarnung, kein Anruf. Er trug einen schicken, leicht verknitterten Mantel, die Haare etwas wild vom Wind, und in der Hand hielt er keinen Umschlag, sondern eine riesige, dampfende Schachtel mit frisch gebackenen Sfogliatelle.
„Du hast meine Poesie zerstört, Sophie“, rief er auf Deutsch, aber mit diesem unverkennbaren, singenden Akzent, der sofort die Sonne Neapels in den Flur zauberte. „Eine Steuererklärung! Als Antwort auf mein gebrochenes Herz!“
Sophie musste trotz aller Entschlossenheit lachen. Sie lehnte sich an den Türrahmen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Und du hast mich zur Hauptdarstellerin in deinem römischen Drama gemacht, Marco. Ich bin deine Cousine, verdammt noch mal.“
„Familie ist die einzige wahre Liebe, die bleibt, wenn die Ehe scheitert“, erwiderte er mit theatralischer Geste und drückte ihr die Schachtel mit dem Gebäck in die Hand. Der süße Duft von Ricotta und Orange breitete sich aus.
„Außerdem habe ich die Briefe nicht als Liebesbriefe im verbotenen Sinne gemeint. Sie waren… sagen wir, ein Hilferuf eines einsamen Mannes an den einzigen Menschen auf der Welt, der ehrlich genug ist, ihm die Wahrheit ins Gesicht zu sagen.“
Sophie sah ihn an. Hinter der großen, inszenierten Dramatik lag ein ehrlicher, fast verletzlicher Blick. Sie seufzte, trat zur Seite und machte ihm Platz im Flur.
„Komm rein, du Melodramatiker“, sagte sie mit einem Lächeln. „Aber den Espresso kochst du. Und wenn du auch nur ein einziges Wort über gebrochene Herzen verlierst, musst du die Küche putzen.
“Marco strahlte, schloss die Tür hinter sich und rief auf dem Weg in die Küche: „Einverstanden! Aber erwarte nicht, dass ich aufhöre, dir zu schreiben. Ein echter Italiener schweigt nie, am wenigsten zu seiner Lieblingscousine.“
Sophie schüttelte den Kopf, folgte ihm in die Küche und wusste, dass sie diesen verrückten, getrennten Italiener trotz alledem nicht missen wollte.“
– E N D E –
Mein Urteil:
zuckrig klebrige italienische Limonade. Das wäre für mich nicht mal als Grobgerüst, das ich überarbeiten wollte, brauchbar. Rosamunde Pilcher-Style… neckische Neckereien bis der Arzt kommt. Langweilig.
Eine Antwort auf „05. August 2026“