Letzte Nacht von Udo Jürgens geträumt. Mal sehen, ob ich die erinnerbaren Sequenzen noch zusammenkriege. Vorab möchte ich erwähnen, dass Udo Jürgens meinen Respekt als Komponist und Mensch hat, ich habe sogar ein Lieblingslied aus seiner Feder, nämlich „Was ich Dir sagen will“ (getextet von Blacky Fuchsberger). Aber als Mann hätte Udo mich nicht für sich interessieren können, äußerlich und erotisch gar nicht mein Fall.
Der Traum:
ich war irgendwo mit zwei anderen Männern meiner Generation, langjährigen guten Freunden, und wir wollten etwas Gutes trinken. Ich bot an, etwas zu holen, einen guten Schaumwein oder dergleichen. Auf einmal war ich in dem kleinen Ort in der Nähe von Nürnberg, wo ich aufgewachsen bin und versuchte dort einzukaufen. Weil ich mich aber nicht mehr auskannte, welche Geschäfte es noch gibt, schaute ich irgendwie verwirrt um mich und da kam irgendwoher Udo Jürgens, der noch jüngere Udo, circa Ende Vierzig, Anfang Fünfzig.
Gepflegt gekleidet, eine dunkle Stoffhose und ein weißes, gebügeltes, gut sitzendes Herrenhemd. Geputzte Schuhe. Ich wusste, dass er sich in dem Ort auskennt und bat ihn um Hilfe, mir zu zeigen, wo heutzutage ein Edeka oder anderer Laden mit Getränken ist.
Er war sehr zugewandt, richtig familiär und irgendwie gehörte er nun auch wohl in den Ort oder zu meiner Familie. Scheinbar kannten wir uns von früher, er war so vertraut und wir gingen gemeinsam in die Richtung, die er mir zeigte und dann legte er auf eine fürsorgliche Art seinen Arm um meine Taille. Ich war zuerst etwas irritiert, weil wir ja nie was miteinander hatten und ich auch weiterhin kein Interesse in der Richtung hatte, aber ließ es zu.
Wir waren sofort im Gleichschritt, was ich selten mit jemandem habe, das fühlte sich richtig beschwingt an. Änderte aber nichts an meinem erotischen Desinteresse, obwohl es mich auch verwirrte, wie sehr wir im gleichen Rhythmus waren.
Er hätte auch mehr zugelassen, das fühlte ich, er überließ die Entscheidung aber mir. Ich versuchte auseinanderzudividieren, wieso mir seine Hand an meiner Taille eigentlich ganz vertraut und angenehm war und überlegte, ob ich das nicht einfach akzeptieren könnte, dass so eine warme Hand von einem freundlichen Menschen da liegt und mich so ein bisschen leitet.
Ansonsten gab es keine drängeligen Annäherungsversuche von ihm, kein Versuch mich zu küssen oder so. Er war ganz artig und höflich, ein Gentleman. Trotzdem hatte ich das Gefühl, ich müsste mich jetzt entscheiden, ob ich mehr mit Udo zulasse oder nicht. Obwohl er total passiv war.
Mit diesen Überlegungen bin ich dann aufgewacht. Konnte mir keinen Reim darauf machen. Zumal ich am Vorabend keinen Gedanken an Udo Jürgens verschwendet habe. Das ganze Wochenende nicht. Schon irgendwie seltsam… oder nicht?