Minerva („Pallas“) und der Kentaur 1482 – 1483, 207 x 148 cm, Sandro Botticelli , geb. 1. März 1445 in Florenz; † 1510

Aus meiner gestrigen E-Mail an die Absenderin der Karte: „Es war leider nicht möglich, gleichzeitig die Hellebarde zu halten, einen Kopf am Schopf zu packen und gleichzeitig eine Kamera zu bedienen (hab kein Stativ in der Wohnung, sind alle im Atelier) und keinen Fernauslöser… so hab ich Zitate aus dem Motiv fabriziert. Den Kentaur wollte ich mit meinem Stofftierlöwen nachspielen, aber das kam nicht so überzeugend rüber.“

Es handelt sich hier also nicht um historische „Making of“-Lichtbilder aus dem Atelier in Florenz von Sandro Botticelli, aus den Jahren 1482 oder 1483, sondern Aufnahmen von gestern in Berlin. Nun kann man es übertrieben finden, dass ich mir eine Hellebarde baue, nur weil eine Postkarte mit einer Hellebarde ins Haus geflattert kommt. Aber ich halte dagegen: Spaß muß sein! Außerdem faszinierte mich schon allein das Wort „Hellebarde“ und auch die Silhouette. Eine weitere Verwendung fällt mir jetzt nicht ein, aber ich fahre später in mein Atelier und es reizt mich, noch ein bißchen Verschönerungsarbeit an ihr zu vollbringen, dann erkläre ich das Dings einfach zur Skulptur.

Zuweilen stelle ich es mir unterhaltsam vor, wenn andere auch mitspielen würden, und sich gegenseitig Postkarten schicken und mit sich selbst nachbauen. In der Tradition der Aktion vom Museum of Modern Art, wo aufgerufen wurde, zum Corona-Lockdown daheim berühmte Gemälde mit Haushaltsgegenständen nachzuspielen, eine sehr schöne Aktion. Aber da ich ja nur ein Privatblog ohne Kooperationen betreibe, fehlt mir da die Reichweite, um so ein Internetbaby in die Welt zu setzen. Ich werde jedenfalls weiter fleißig jede Postkartenherausforderung annehmen.

Es grüßt
Minerva

„In Auftrag gegeben wurde das Gemälde „Minerva und Kentaur“ von Lorenzo de Medici (genannt il Magnifico „der Prächtige“; * für die Hochzeit seines Cousins. Dargestellt werden soll mit dem Bildnis wahrscheinlich der Triumph der Tugend über die sexuelle Begierde. Verziert ist das Gewand der Minerva mit verschlungenen Diamantringen, die gleichzeitig ein Symbol der Medici waren. Die Medici waren wiederum Botticellis größte Auftraggeber. Ein Diamant steht darüber hinaus für standhafte Tugend. Wie auch die Göttin Minerva, die für die keusche Tugend steht. Auf dem Haupt trägt die Göttin einen Myrtenkranz. Auch um den Körper ranken die Myrtenzweige. Dabei steht die Myrte symbolisch für die Jungfräulichkeit. Der Kentaur ist halb Mensch, halb Pferd. Er steht für die unbändige Natur und ist damit der Gegenspieler der tugendhaften Minerva. Lediglich mit der Hand, ohne Gewalt, zügelt Minerva die unbändige Kreatur. Der Kentaur ist aber nicht wütend, sondern sein Blick fast schon flehend.“

6 Antworten auf „21. Juni 2020

  1. Ich bin sehr beeindruckt von der Hellebarde, dem passenden Muster Ihres Oberteils und dem herrlichen Kranz. Sie machen als Minverva eine weitaus bessere Figur als das Originalmodell, das ein bisschen arg leidend schaut. Nun ja, musste die Dame wohl auch, wenn sie die Keuschheit symbolisieren soll. Das hat bestimmt keinen Spaß gemacht.

    Im Übrigen finde ich, Bildausschnitte zählen beim Nachstellen von Kunstwerken ebenfalls. Das soll Ihnen erst einmal jemand nachmachen.

  2. Danke für die Blumen… ein Traum wäre freilich ein echter Myrtenkranz gewesen. Eins weiß ich: sollte ich jemals in diesem Leben heiraten, werde ich mir so einen Kranz aufsetzen. Fast möchte man nur deswegen heiraten.

  3. Ina Weisse
    Ich bin gespannt, wie du meine nächste Karte darstellst. Danke dass du dein Kunstwerk in Folie gepackt hast. Es gab soviel Regen

    Gaga Nielsen
    ich freu mich so, dass die Post die Karte so mit der Folie transportiert hat. Und bin auch supergespannt, was demnächst in meinen Postkasten flattert. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

  4. Jetzt müsste man eine Karte von Botticellis Gemälde „Primavera“ haben, und zwar nur mit einem Ausschnitt auf dem Flora zu sehen ist. Die ist toll blütenbekränzt – und Sie würden sich auch phantastisch als Flora machen, viel schöner als das Originalmodell.

    Von meiner jüngeren Schwester Rosarium gibt es ein Foto von ihrem dritten Geburtstag, zu dem ihr unsere Mutter einen Kranz aus weißen und roten Rosen flocht und ihr aufsetzte. Zur Hochzeit mit Kaktus trug sie ganz kleine gelbe Rosen im Haar.

  5. Kränze gehören auf die Köpfe der Frauen der Welt… viel schöner, als an der Tür… es sind ja Kronen, man muss es sagen…! Eigentlich absurd, dass ein Virus Krone heißt, nur weil ein paar Tentakel abstehen. Also wirklich! Muss neu besetzt werden, wenn es vorbei ist, neu aufgeladen. Aber vielleicht krönt diese Zeit auch die Menschheit – mit evolutionärer Erkenntnis…

    Fast hoffte ich ja auch schon auf Flora, wegen der Renaissance-Andeutung im Backstage ;-) (Des Kranzes wegen!)

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