Die Ankündigung dieser nun wirklich bildschönen, arglosen Postkarte hat vor wenigen Tagen einen Anflug von Panik bei mir ausgelöst. In einer E-Mail wurde mir wörtlich mitgeteilt: „Es ist Post an Dich unterwegs“. Nun ist „Post“ ja ein dehnbarer Begriff.

Da in den letzten Monaten zwischen der Absenderin und mir mehrere Postkarten, und zwar AUSSCHLIEßLICH Postkarten hin- und hergeschickt wurden, bastelte meine Phantasie aus dem Begriff „Post“ eine Sendung, die von einer Postkarte abweichen könnte, und im schlimmsten, aller- allerschlimmsten aller Fälle ein Päckchen sein könnte, das nicht in meinen Briefkasten passt. Dieses Szenario ist für mich ein echtes Problem. Ich bin sehr interessiert zu vermeiden, dass Päckchen an meine Privatadresse geschickt werden, weil ich – sofern ich überhaupt tagsüber da bin, was unwahrscheinlich ist – sehr ungern meine Wohnungstür öffne, wenn jemand klingelt, mit dem ich mich nicht verabredet habe. So ungern, dass ich es tatsächlich niemals mache, außer, die Feuerwehr würde an meine Tür hämmern, weil die Hütte brennt oder unter Wasser steht. Postzusteller neigen dann fast ausnahmslos dazu, bei Nachbarn zu klingeln, um ein Päckchen oder Paket loszuwerden.

Meine nicht zu kleine Sozialphobie lässt mich den gesamten Vorgang, bei Nachbarn klingeln zu müssen, die mit privater Post für mich behelligt wurden, als eine superstressige Situation empfinden. Obwohl es nette Nachbarn sind, aber ich bin nicht mit ihnen befreundet. Mir ist das geradezu peinlich, auch wenn die Post selbst ganz unpeinlich ist. Ich möchte die Leute nicht in ihrer Privatsphäre mit solchen Handreichungen beeinträchtigen, so wenig, wie ich Päckchen für andere entgegennehmen möchte. Selbiges gilt auch für meine Werkstattadresse.

Auch möchte ich aber nicht zu einem Postamt gehen müssen, um ein Päckchen abzuholen, das empfinde ich als sehr umständlich und zeitraubend. In meiner gestörten, leicht psychopathischen (Asperger-?) Welt, gibt es kaum einen Päckcheninhalt, der so wünschenswert wäre, dass ich mich dieser Situation aussetzen wollte. Dann würde ich ein Päckchen noch lieber bei einer Packstation auf meinem Weg abholen, aber auch das ungern. Es sind halt alles Umwege, die ich nicht eingeplant habe oder nicht einplanen will.

Deswegen wünsche ich mir von allen lieben Menschen und Freunden bitte keine Päckchen, aber bitte immer wieder gerne eine kleine Postkarte. Nun werden sich einige fragen, ob ich denn niemals nicht im Internet Sachen bestelle. Diese Frage kann ich ganz klar mit „doch, doch, dauernd und nicht zu knapp“ beantworten. Zum Beispiel maßangefertigte Bilderrahmen. Aber die lasse ich an eine ganz bestimmte, streng geheime Poststelle schicken, wo die Mitarbeiter informiert sind, und die kriegen schon genug Päckchen, die ich selbst verursacht habe, das würde ich gerne eher reduzieren als ausweiten.

Ich muss das einfach einmal für alle hier kommunizieren, weil ich sonst noch einmal jemanden enttäuschen muss, wie neulich Jenny, die mir, liebreizend wie sie ist, etwas Gutes tun wollte. Aber ich freu mich total, das zurückgegangene Päckchen bald von ihr persönlich zu bekommen. Es tut mir echt leid, dass sie es nicht mehr umlenken konnte… Ich habe ja neulich zu allem Überfluss auch noch meinen Namen (nach dem Schlüsseldiebstahl) vom Klingelschild entfernt, jetzt findet mich ein Paketbote gar nicht mehr, sicher ist sicher! Nur unser Briefträger kennt meinen Briefkasten im Haus und bringt mir so schöne Postkarten wie diese hier.

Ich war also unglaublich erleichtert, dass es nur eine Postkarte war, die an mich geschickt wurde, noch dazu eine so schöne. Aber dann hatte ich wieder Stress! Gestern Abend war ich nicht in meinem Atelier, weil ich mich lustlos fühlte, da ich gerade an einer Skulptur arbeite, vor deren weiterer Bearbeitung ich mich seit zwei Tagen drücke, da dies langweilige, feinmotorische Arbeitsschritte erfordert, die eigentlich jeder machen könnte, der Routine im Blattvergolden hat. Es muss auf mehrere Schlangenlinien an einer Säule penibel genau an den Linienkanten Anlegemilch aufgepinselt werden und dann das Blattgold draufgelegt. Ich kann das im Schlaf, aber es ist so langweilig. Ein elendes Gefummel. Ich hätte da gerne einen Assistenten, der das für mich macht und ich segne dann das (bitteschön perfekte) Ergebnis ab.

Kollidiert allerdings auch wieder mit meiner Sozialphobie. Ich möchte keine Mitarbeiter in meiner Werkstatt haben. Also nur theoretisch, aber nicht praktisch. Ein Dilemma. Also warte ich nun, bis ich mal wieder Lust auf so ein Gefrickel habe, eventuell am Freitag oder Samstag oder Sonntagabend unter Drogen (Alkohol).

Somit habe ich mich gestern auch darum gedrückt. Und dann komme ich gegen Halbacht heim, und da wartet diese sehr schöne Karte im Postkasten. Der nächste Stress war vorprogrammiert, da ich mir mit hoher (um nicht zu sagen hysterischer) Disziplin zur Aufgabe gemacht habe, immer möglichst flink ein auf das Motiv abgestimmte Foto vom Empfang der Karte (mit mir selber) zu machen. Also musste ich, anstatt faul herumzuliegen, möglichst noch bei Tageslicht Fotos machen. Jedoch im ersten Schritt muss das korrespondierende Outfit im Kleiderschrank und in der Schmuckschatulle gefunden werden. Und in diesem speziellen Fall musste ich auch noch umfrisiert werden! Oh je. Danach war mir gar nicht! Ich fühlte mich auch nicht sehr fotogen gestern, setzte mich aber dennoch der Chose aus, da ich die Sache auch sportlich sehe, und aufgeschoben wäre ja nicht aufgehoben.

Es zeichnete sich gestern Abend bereits ab, dass ich heute keine Zeit für eine Fotosession und den ganzen Klimbim finden würde. Ich bin nämlich heute Abend zum Essen verarbredet, zum ersten mal nach vielen Monaten. Also habe ich noch gestern geguckt, ob ich ein goldenes Halscollier finde und die Frisur halbwegs hinbekomme. Ich fand tatsächlich zwei goldene Glitzercolliers und ein paar Klamotten, die farblich passten.

Nur die vorschriftsmäßige Frisur gefiel mir nicht sonderlich an mir. Ich fand, ich sehe wie eine alte Jungfer aus, und dass die Frisur einfach alt macht! Deswegen habe ich von den schnell gemachten Fotos fast alle wieder gelöscht. Und das was man hier sieht, ist nun übrig geblieben. Ich habe mir gestern gar nicht gefallen, aber drücken gilt nicht. Deshalb nun hier der vorschriftsmäßige Eintrag zur gestrigen Postkarte, für die ich mich abermals sehr bedanke und die zum Glück kein Päckchen war!!! Tausend Dank dafür!

Mumienporträt einer Frau, zweites Jahrhundert nach Christus, Holz, bemalt, Prinz Johann Georg-Sammlung des Kunsthistorischen Instituts Mainz

3 Antworten auf „11. Juni 2020

  1. arboretum – 11. Jun, 13:29
    Dass diese Frisur alt macht, ist nicht verwunderlich, schließlich ist es die portraitierte Mumie Dame auch.

    g a g a – 11. Jun, 13:57
    Na schönen Dank auch! Vielleicht wollte die Absenderin ja, dass ich mich als alte Jungfer präsentiere, wie sehen Sie das? Es langt mir schon, dass ich im Reality TV Leute meiner Generation sehe, die so alt aussehen, wie sie sind!

    arboretum – 11. Jun, 14:00
    Das glaube ich nicht, dass die Absenderin diese Intention hatte. Die Frisur ist vielleicht einfach nicht mehr so ganz zeitgemäß.

    g a g a – 11. Jun, 15:17
    Na dann hoffe ich mal, dass die Absenderin hier aufmerksam mitliest und die nächste Postkarte eine stylishere Frisur ermöglicht! Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

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