Pablo Picasso, “Nature morte à la bouteille, à la sole et à l’aiguière” 1946.

Mein Altarbild. 120 x 250 cm. Ripolin-Farbe und Graphit auf Faserzementtafel. Ich hätte dann auch gerne so eine kleine, weiß gekalkte Kapelle in meinem Ausstellungstempel, und dort wäre dieses Bild. Man kann Andacht halten, noch mehr als in den anderen Schatzkammern meiner Ausstellung. Pablo ist schon Elvis, da gibt es nichts zu deuten.

Was ich auch sehr an ihm mochte, ist sein klares Urteil über seine missratenen Ergebnisse, ohne Koketterie. Er hat richtig schlimme Bilder gemacht, er war eben sehr fleißig, da hat man auch mal einen schlechten Tag oder vertut sich.

Aber das hier ist vom Allerfeinsten, eine Sternstunde. Hätte ich unendlich gerne um mich. Er begleitet mich nun fast vierzig Jahre, und immer wieder hat er mich stark beschäftigt. Von keinem Künstler habe ich mehr Bilder real gesehen. Im wunderbaren Picasso-Museum in Paris war ich auch so sehr angetan von seinen Keramiken und seiner eigenen Gemäldesammlung, die eine ganze Etage einnimmt.

Ich kann die Ausstellungen nicht mehr zählen, die ich von seinen Werken sehen durfte. Überall atemberaubende Highlights, immer diese verspielte Urkraft, dazwischen auch Mittelmäßiges, aber im Kontext interessant. In meiner Wohnung gibt es so viele Picasso-Spuren und auch Fotografien von ihm, dass ich mit ihm lebe, wie mit einem Familienmitglied. Der einzige Verwandte unter meinem Dach sozusagen.

Ich lese gerade eine mit Fotos bebilderte Erinnerungsfibel von der Kunstsammlerin Angela Rosengart. Das Büchlein heißt: „Besuche bei Picasso“, von 1973, ist ganz vergilbt und nur antiquarisch erhältlich. Er hat sie auch gemalt, sie lernte Picasso gemeinsam mit ihrem Vater Siegfried Rosengart, einem renommierten Schweizer Kunstsammler- und händler kennen und sie befreundeten sich und trafen sich von da an immer im Oktober in Vallauris. In diesem Gespräch erzählt sie auch von ihrem Werdegang und ihren Begegnungen mit Picasso. Sehr sehenswert.

4 Antworten auf „15. April 2020

  1. arboretum – 14. Mai, 10:31
    1 Picasso für 100 Euro
    Gestern Abend musste ich sofort an Sie denken, als ich in den Kulturnachrichten hörte, dass die Auktion „1 Picasso für 100 Euro“ von Christie’s in Frankreich auf den 20. Mai verschoben wurde. Es gebe noch Lose, hieß es. Insgesamt werden nur 200.000 Lose verkauft. Vom Erlös der Lotterie zugunsten von Care International gehen eine Million Euro an den französischen Sammler und derzeitigen Besitzer des Bildes, der ganze Rest wird für den Bau und die Rehabilitierung von Brunnen, Waschanlagen und Toiletten in Dörfern und Schulen in Kamerun, Madagaskar und Marokko eingesetzt. Es wird 200.000 Menschen zu Gute kommen, darum die Anzahl der Lose.

    Nachdem Sie mit Fortuna auf Du und Du sind, wäre das vielleicht etwas für Sie?

    Es handelt sich um das Gemälde Natur Morte, es ist nur 22,9 x 45,7 cm groß, fände also Platz an einer Wand bei Ihnen daheim.

    g a g a – 14. Mai, 11:32
    sehr aufmerksam… mein Gefühl beim Anschauen: das Bild ist nicht echt. Hat nicht den Vibe, den ich kenne, wie Versatzstücke studiert und aufaddiert. Die Textur ist auch seltsam, wie aus einem Guss. Ist das vielleicht ein 3 D-Druck? Da lasse ich gerne den Vortritt, wer sich dafür begeistert. Es ist ja bekannt, dass auf dem Kunstmarkt viele nicht identifizierte Fälschungen kursieren, nicht wahr. Auch von Sachverständigen nicht erkannte und von Erben durchgewinkte. Man kann auch bei der Provenienz tricksen, von wegen „bis 1950 soundso“, wie wir spätestens durch Beltracchi gelernt haben.

    Es gibt eine Firma in Kanada, die ein digitales Verfahren für Reproduktionen entwickelt hat, die es selbst Kennern eines Malers oder Bildes schwermachen, Original und Fälschung anhand der Oberfläche sofort zu erkennen. Da stimmt jeder Strich und jedes Pinselhärchen in der Firnis. Aber bei dem Motiv ist mir das Motiv an sich nicht geheuer. Quasi eine gemalte Collage, das war nicht Pablos Herangehensweise. Er hatte schon gerne richtiges, sinnlich erfahrbares Material in einem Bild. Zeitungsüberschriftenschnipsel, ein Stück Geschenkpapier (er hat Einwickelpapier immer aufgehoben), ein Fetzen Tapete… Das schwarz gezeichnete Element in der Mitte sieht aus wie ein vibrierendes altes Handy. War er etwa visionär? Was soll das für ein Gegenstand sein? Pablo hat IMMER gegenständlich gemalt, abstrakter Stil, aber die Welt, die ihn umgab. Er konnte mit abstrakter Kunst – das Motiv betreffend – nichts anfangen.

    Wenn es doch echt ist, gehört es aus meiner Sicht nicht zu seinen Sternstunden ;-) Er war ja so superfleißig, da ist es schon okay, wenn von zehn Bildern, die er gemalt hat, drei oder vier mittelmäßig sind. Aber auch wenn es eine Nachempfindung eines Fälschers ist, freut es mich dennoch, dass das Werk Gutes bewirkt und in der Auktionskathedrale seinen Weg macht.

  2. arboretum – 14. Mai, 12:30
    Der Gegenstand soll ein Absynthglas sein. Zumindest hörte ich das gestern Abend im Radio.

    Gewiss zählt das Werk nicht zu seinen großen Sternstunden, sonst wäre jener französischer Sammler wahrscheinlich auch nicht bereit, sich davon zu trennen. Da es Echtheitszertifkate von seinen beiden Kindern Maya und Claude gibt und auch das Auktionshaus kein Interesse daran haben dürfte, bei so einer Charity-Aktion mit einer Fälschung aufzufallen, gehe ich aber davon aus, dass es tatsächlich echt ist.

    g a g a – 14. Mai, 12:37
    Wollen wir mal vom Idealfall ausgehen! Hat er vielleicht mal so schnell nebenbei gepinselt. Vielleicht auch eine kleine Fingerübung, um was auszutesten, eine bestimmte Farbe z. B., bevor er an einer größeren Leinwand gearbeitet hat. Ohne mich jetzt mit Pablo überidentifizieren zu wollen, kann ich mir schon gut vorstellen, dass auch er und andere Maler gerne mal eine kleine Leinwand hernehmen, weil sie etwas austesten wollen. Ich mache das immer wieder, dafür habe ich Minileinwände, im Dutzend billiger. Man probiert was aus und gibt sich dem kleinen Teil dann doch so lange hin, bis es auch irgendwie ein fertiges Bild ergibt. Macht großen Spaß, weil es so experimentell ist und schnell geht. Da hat man dann schon mal an einem Nachmittag vier oder fünf fertige kleine Bilder. Ist amüsant.

  3. arboretum – 14. Mai, 13:41
    Gut möglich. Dass auch berühmte Maler und Malerinnen erst einmal etwas ausprobieren, sieht man ja an zahllosen Vorstudien ebenso auf manchen Rückseiten von Gemälden oder an später Übermaltem.

    Und warum nicht auch so eine kleine Arbeit zum Ausprobieren ebenfalls verkaufen, wenn man so gefragt ist und es dafür gutes Geld gibt?

    g a g a – 14. Mai, 13:48
    absolut – früher waren große Leinwände ja noch kostbarer und kostspieliger als heute, bzw. ist das Selbstanfertigen einer Leinwand auf Keilrahmen damals wie heute auch kein Spaziergang. Um das Verhalten von einem Farbauftrag einer bestimmten Zusammensetzung auszuprobieren, braucht es aber schon auch den adäquaten Untergrund, man kann also nicht sagen, ich nehme mal einen Fetzen Papier, mal schauen, wie es im trockenen Zustand daherkommt, der Untergrund arbeitet ja immer mit und korrespondiert unterschiedlich mit der Farbe. Picasso hat ja nicht nur mit Öl gemalt, sondern ist recht früh dazu übergegangen auch Handwerker-Farben zu benutzen, die in größeren Mengen zu geringerem Preis verfügbar waren. Da möchte man dann schon lernen, wie sich so ein unkonventionelles Medium verhält, auch ob die Farbe heller oder dunkler auftrocknet. Da kann man Überraschungen ohne Ende erleben. Mich nervt an Acryl, das ich überwiegend benutze oft, dass es viel dunkler auftrocknet, also muss ich beim Malen zwei bis drei Nuancen heller als im Ergebnis beabsichtigt, anmischen/arbeiten.

  4. arboretum – 14. Mai, 18:39
    Ich stelle mir das gar nicht so leicht vor, den Farbton am nächsten Tag nochmals beim Mischen genauso zu treffen, wenn man das Bild nicht in einem Rutsch beenden konnte oder wollte.

    g a g a – 14. Mai, 22:03
    Das wäre in der Tat eine sportliche Herausforderung erster Güte. Das Problem hat man schon im Hinterkopf und sorgt mengenmäßig vor. Ich versuche zwar den Auftrag in einer Farbe immer möglichst an einem Tag abzuschließen, aber auch dann muss man gewappnet für Nachbesserungen sein. Wenn ich bis Mitternacht herumpinsle, sehe ich die Farbe im Kunstlicht von drei verschiedenen Lichtstärken, darunter eine Tageslichtlampe. Bei Tageslicht zeigen sich dann aber immer Bereiche, wo der Auftrag nach dem Trocknen nicht deckend genug erscheint und man geht nochmal drüber. Wenn man dann keinen kleinen Vorrat von der besonderen Mischung hat, ist man gezwungen alles nochmal zu übermalen. Ich fülle besondere Mischungen in kleinere Schraubgefäße. Wenn ich zu müde bin, eine Mischung aus der Schale mit der Mischung abzufüllen, mache ich Alufolie drüber und kann am nächsten Tag damit weiterarbeiten.

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