Am 6. November 2019 erhielt ich Post in Gestalt eines braunen DIN A 5-Kuverts mit dem hier abgebildeten Inhalt. Eine Postkarte mit der sehr schönen Behauptung „Ich hol dir die Sterne vom Himmel“ sowie einem kleinen Päckchen in der Größe einer Zigarettenschachtel mit 25 Zigaretten. Über das Internet erhielt ich zudem die Bitte, die rückwärtige Botschaft der Karte nicht zu veröffentlichen, die unter anderem besagte, dass ich das Päckchen erst Weihnachten öffnen sollte. Demzufolge sieben Wochen nach Erhalt des Präsents. Da ich keine Veranlassung habe, etwas anders als Zigaretten in dem Päckchen zu vermuten, habe ich kein Problem das kleine Geschenk einfach liegen zu lassen. Ich rauche ganz selten und habe noch Zigaretten vorrätig, sollte es mich überkommen oder sich ein spontaner Besuch einfinden, dem man neben einem Getränk auch noch etwas anderes anbieten möchte. Ich gab zu bedenken, dass die Bitte um Diskretion in Sachen der beschrifteten Rückseite eine Lücke in meinem Gesamtkunstwerk verursacht, die Kunsthistoriker dereinst stark beschäftigen könnte, aber ich konnte in der Angelegenheit nichts bewirken. Mittlerweile haben mich Warnungen eingeholt, dem mutmaßlichen Verehrer, der hier größten Wert auf Diskretion legt, nicht über den Weg zu trauen („Am Besten, Du lässt die Finger von dem. Der denkt nur an sich..“)

Zu allem Überfluss träumte ich letzte Nacht, ich hätte das Präsent vor Weihnachten geöffnet, es stellte sich in der Tat als die vermutete Zigarettenschachtel heraus, die jedoch nur noch zur Hälfte bestückt war. In einem Kommentar äußerte ich mich hierzu wie folgt:

„Meinst du, derjenige plant für Weihnachten einen Überraschungsbesuch und möchte nur Vorsorge treffen, dass ihm die Zigaretten nicht ausgehen? Ich habe leider Gottes immer wieder starke Raucher in der Vergangenheit in der Wohnung gehabt. Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich das Päckchen vorzeitig geöffnet habe und wie vermutet, war eine extra große Schachtel Zigaretten darin. Als ich den Deckel aufklappte, fehlte die Hälfte. Also handelt es sich nur um eine halbe Schachtel. Das lässt vermuten, dass der Schenkende auch in anderer Hinsicht halbe Sachen macht. Die Sorte hatte ich zu oft. Wie soll ich mich nur verhalten?“

Die Frage beschäftigt mich nun verständlicherweise. Falls meine Leser irgendeinen zielführenden Gedanken dazu haben, zeige ich mich offen. Diese Geheimnistuerei ist mir schon etwas suspekt, und ich spiele mit dem Gedanken, das Geschenk vor Weihnachten zu öffnen, um mir ein näheres Bild der genaueren Absichten zu machen. Ich meine: wer schickt denn Anfang November ein Weihnachtsgeschenk in einem Papier mit der geradezu aufdringlichen Aufschrift „Merry“ in der Mitte. Manche können ja auch nicht richtig Englisch und verwechseln „Merry“ mit „Marry“. Sollte ich mich innerlich auf einen weihnachtlichen Heiratsantrag einstimmen? Ist in dem Päckchen womöglich eine Schmuckschatulle mit einem Verlobungsring? Ich brauche jetzt wirklich guten Rat, wie ich mich verhalten soll. Aber nun zu Bett.

5 Antworten auf „07. November 2019

  1. Der zielführendste Gedanke wäre, das Päckchen zu öffnen. Das impliziert natürlich auch Enttäuschung, falls der Inhalt den Antizipationen nicht standhalten kann. Andererseits könnte dann noch vor Eintreffen des Ereignisses eine größere Katastrophe vermieden werden – im Falle einer bevorstehenden Heirat oder des Besuches eines Süchtigen. Vielleicht heißt der Absender Merry oder er nennt Dich so in seinen wildesten Träumen. Alles Spekulationen oder wie der Bayer sagt: „nix gwis woas ma ned.“

  2. Ich wäre jetzt auch nicht wahnsinnig beglückt, wenn sich wirklich die halb gefüllte Zigarettenschachtel darin befindet. Aber vielleicht ist noch eine Botschaft in der Verpackung, so wie bei einer russischen Puppe. Nun habe ich keine materiellen Wünsche außer den Dingen des täglichen Verbrauchs. Ich werde weiter darüber nachsinnen, wie ich vorgehe.

  3. Wow, was für eine geheimnisvolle Geschichte. Aber das musst du jetzt aushalten bis Weihnachten, würde ich sagen. Alles andere brächte sicher Unglück!

    Und überhaupt, mit all Deinen Postkarten scheint sich Dein Leben ein wenig aus dem Internet heraus und tiefer in die sogenannte „Realität“ hinein zu verlagern. Kannst Du das denn überhaupt verantworten?

    (Gut, mein komischer Humor mal beiseite, aber ich würde doch versuchen, der Rentenversicherung und auch der Sparkasse in jedem Falle mal eine persönliche Postkarte zu schicken, einfach so, vielleicht geschieht ja danach etwas in irgendeiner Art Wundervolles, oder?)

  4. Gibt es bereits Ergebnisse aus dem Nachsinnen? Ich glaube, der Inhalt hat mit der Karte und ein bisschen mit dem antizipierten Öffnungsdatum und nur ein kleines bisschen mit der Verpackung zu tun. Möglicherweise befindet sich zwischen den Zeilen ebenfalls ein versteckter Hinweis. Zigaretten und Heiratsanträge haben gemeinhin wenig mit Sternenhimmel zu tun (wobei, vielleicht am Anfang und wenn im Freien geraucht wird…)

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