26. September 2012


Der achte März. Heute – nein – gestern Abend ein schönes deutsches Wort in einem Brief an mich gelesen. Ich werde gebeten, einen Termin zur Inaugenscheinnahme zu vereinbaren. Das klingt ein bißchen nach Mondscheinspaziergang. Unerwartete Poesie! Mein kleiner Adlerhorst wird begutachtet, in Augenschein genommen. Um den Zustand für das Verkaufsangebot zu beurteilen. Ich habe den elften Oktober ausgesucht. Die werden Augen machen, bei der Inaugenscheinnahme. Vor lauter Villa Kunterbunt werden sie den Zustand gar nicht begreifen können. Pippi Langstrumpf würde wahrscheinlich auf dem Kleinen Onkel durch den Flur reiten, während die Inaugenscheinnahme von statten geht, mit Herrn Nilsson auf der Schulter, der die Augenscheinnahme mit lustigen Quieklauten aus Taka-Tuka-Land begleitet. Nur fünf Minuten soll es dauern. Gaga Nielsen, Herr Nilsson, Pippi und der Kleine Onkel sind schon mächtig gespannt!
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29. September 2012


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Sieht mir aus, als wäre die Sonne ein bißchen herausgekommen, an jenem Sonntag, Mitte März 2012. Aber nur ein bißchen. Der weiche, karierte Flanellponcho hat mich warm gehalten, mein liebstes Umhängetuch zum Herumgammeln. Ich habe noch ein paar andere, mit so aztekischen Tierfiguren drauf, Lamas und Vögel, auch schön weich, aber keiner so flauschig wie der dunkelblaue aus Flanell mit dem Schottenkaro. Man kann die Ponchos auch draußen anziehen, mache ich aber nicht so oft. Hier sieht man ein bißchen was von einem von den anderen. Mal gucken, vielleicht jetzt im Herbst wieder. Famous Blue Raincoat von Leonard Cohen passt auch sehr schön zum Herbst, fällt mir gerade auf. Lief gerade zufällig, als ich diesen Blogeintrag schrieb.

29. September 2012


Sonnabend, zehnter März. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich an jenem Wochenende keinen Fuß vor die Tür gesetzt habe. Auch nicht am Sonntag. Das passiert öfter, als man denkt. Ich kenne eigentlich niemanden außer mir, der das so selbstverständlich macht. Für mich ist das ganz normal und auch sehr erholsam. Wenn die Sonne scheint, kriege ich es auch so mit und ein paar Strahlen ab. Die Tage verfliegen ohnehin so schnell, schon ist ein Tag vorbei und zu tun habe ich immer, langweilig ist mir nie, wenn ich alleine daheim bin. Eigentlich langweile ich mich überhaupt nur unter Leuten in einem geschlossenen Raum. Unterwegs auf den Straßen unter Fremden gibt es kein Problem, man muss ja kein Interesse vortäuschen. Alleine an einem einsamen Ort ist immer interessant und spannend, wenn der Ort noch nicht allzu bekannt ist. Ungestört etwas Neues erkunden, gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich bin furchtbar eigenbrötlerisch. Es ist so ausgeprägt, dass ich es niemandem erklären kann, ohne Befremden zu bemerken. Auch wenn es gar nicht ausgesprochen wird. Dabei bin ich in Gesellschaft, die ich interessant finde, ganz und gar kommunikativ und verbindlich und so weiter und so fort. Für die Dauer, die ich bestimme, dann ziehe ich mich zurück. Niemand käme auf die Idee, dass ich nur ein geringfügiges Interesse an Kontakten habe. Sogar small talk beherrsche ich so überzeugend, dass man mich für leutselig halten könnte. In dem Moment, wo ich das mache, ist es auch ernst gemeint. Nur wissen die Betreffenden meistens gar nicht, dass sie in den Genuss eines seltenen Erlebnisses kommen. Wahrscheinlich liegt mir Bloggen auch deswegen so, weil ich nicht gezwungen bin, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kommunizieren oder überhaupt zu interagieren. Man zeigt nur, was man will und wann man will, wenn überhaupt. Sehr erholsam. Ich habe mich gerade angezogen, denn heute gehe ich vor die Tür. Aber nichts Spektakuläres. Nur ein bißchen Einkaufen, heute mal Richtung Heinrich-Heine-Str., weil ich in dem Dreh noch nie zum Einkaufen war. Wegen Abwechslung, Straßen entdecken.
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26. September 2012

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Day after day. Da ist sie wieder die große Gaga Nielsen-Anziehpuppe. Erst wenn sie mich einmal angelacht hat, oder wenigstens ein kleines bißchen gelächelt, wenigstens innerlich, wird die Kamera wieder ausgeknipst, vorher nicht. Sie muss sich schon ein bißchen anstrengen! Von Nichts kommt: na, wer kennt die Antwort? Genau: Nichts. Fotomodell sein ist nun einmal eine Tätigkeit, die eine gewisse Disziplin erfordert. Gaga Nielsen hat sich für diese Teilzeit-Tätigkeit entschieden, also muss sie auch eine Mindest-Leistung erbringen. Als Lohn bekommt sie dann immer die Fotos gratis mit, die sie dann unbegrenzt in ihrem Blog herzeigen darf. Sie soll ja wohl bloggen. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll, aber wenn es ihr Freude macht, nur zu! Morgen muss sie wieder pünktlich ran. Man merkt allerdings in letzter Zeit gewisse Ermüdungserscheinungen, was die Kombinationsfreude bei ihren Anziehsachen angeht. Das könnte demnächst dazu führen, dass das Modell gewechselt werden muss. Oder die Anziehsachen. Man muss den richtigen Zeitpunkt für den Absprung oder für einen Wechsel finden. Man könnte Gaga Nielsen anbieten, dass sie nach Ablauf des Kalenderjahres selbst entscheiden kann, ob sie ein Jahr noch voll machen will, dann ginge der Quatsch noch bis Mitte Februar Dreizehn, oder man lässt es elegant auslaufen.

Immer ein bißchen weniger, bis dann eben ganz Schluss ist. Muss man dann einfach sehen! Vielleicht kommt sie ja auch von selber drauf, dass es für den Leser auf Dauer doch etwas langweilig wird, sie hat neulich schon mal so eine Bemerkung gemacht. Aber so lange sich die Bilder verkaufen, wird die Sache durchgezogen! Sie soll sich nicht so anstellen. Andere wären froh, wenn sie die Möglichkeit hätten, siehe Germany’s next Topmodel! Die Nielsen soll mal schön die Füße still halten, sonst gibt es hier ganz schnell ein neues Topmodel, so schnell kann die gar nicht gucken! In ihrer Liga ist so einiges im Angebot. An attraktiven Senior-Models mangelt es hierzulande weiß Gott nicht. Senior-Model fängt übrigens ab 35 an, falls Sie es nicht wussten. Das ist das Mindest-Alter, um sich bei der berühmten Agentur für Senior-Models zu bewerben. Gaga Nielsen arbeitet also schon seit zwölf Jahren als Senior-Model. Noch ist sie gut im Geschäft, aber auch das kann sich sehr schnell ändern. Insofern ist natürlich zu wünschen, dass sie keine Allüren entwickelt, sie muss da etwas aufpassen. Wenn man ihr begegnet, bemerkt man schon nach kürzester Zeit gewisse Greta Garbo-Marotten. „I want to be alone“ etc.pp. Nun ja. Andererseits gibt ihr dieser eigenbrötlerische Charakter auch diese gewisse Aura, die sich nicht so recht durchschauen oder deuten lässt. Wenn man mit Gaga Nielsen ein Produkt bewirbt, gilt es automatisch irgendwie als geheimnisvoll und sophisticated. Das ist natürlich unheimlich gefragt und wertet so gut wie jedes Produkt auf. Außerdem ist sie immer pünktlich am Set und gut vorbereitet.
Nun, ich denke, ich werde weiter mit ihr arbeiten. Bis auf weiteres.

26. September 2012

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Day after day. Da ist sie wieder die große Gaga Nielsen-Anziehpuppe. Erst wenn sie mich einmal angelacht hat, oder wenigstens ein kleines bißchen gelächelt, wenigstens innerlich, wird die Kamera wieder ausgeknipst, vorher nicht. Sie muss sich schon ein bißchen anstrengen! Von Nichts kommt: na, wer kennt die Antwort? Genau: Nichts. Fotomodell sein ist nun einmal eine Tätigkeit, die eine gewisse Disziplin erfordert. Gaga Nielsen hat sich für diese Teilzeit-Tätigkeit entschieden, also muss sie auch eine Mindest-Leistung erbringen. Als Lohn bekommt sie dann immer die Fotos gratis mit, die sie dann unbegrenzt in ihrem Blog herzeigen darf. Sie soll ja wohl bloggen. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll, aber wenn es ihr Freude macht, nur zu! Morgen muss sie wieder pünktlich ran. Man merkt allerdings in letzter Zeit gewisse Ermüdungserscheinungen, was die Kombinationsfreude bei ihren Anziehsachen angeht. Das könnte demnächst dazu führen, dass das Modell gewechselt werden muss. Oder die Anziehsachen. Man muss den richtigen Zeitpunkt für den Absprung oder für einen Wechsel finden. Man könnte Gaga Nielsen anbieten, dass sie nach Ablauf des Kalenderjahres selbst entscheiden kann, ob sie ein Jahr noch voll machen will, dann ginge der Quatsch noch bis Mitte Februar Dreizehn, oder man lässt es elegant auslaufen.

Immer ein bißchen weniger, bis dann eben ganz Schluss ist. Muss man dann einfach sehen! Vielleicht kommt sie ja auch von selber drauf, dass es für den Leser auf Dauer doch etwas langweilig wird, sie hat neulich schon mal so eine Bemerkung gemacht. Aber so lange sich die Bilder verkaufen, wird die Sache durchgezogen! Sie soll sich nicht so anstellen. Andere wären froh, wenn sie die Möglichkeit hätten, siehe Germany’s next Topmodel! Die Nielsen soll mal schön die Füße still halten, sonst gibt es hier ganz schnell ein neues Topmodel, so schnell kann die gar nicht gucken! In ihrer Liga ist so einiges im Angebot. An attraktiven Senior-Models mangelt es hierzulande weiß Gott nicht. Senior-Model fängt übrigens ab 35 an, falls Sie es nicht wussten. Das ist das Mindest-Alter, um sich bei der berühmten Agentur für Senior-Models zu bewerben. Gaga Nielsen arbeitet also schon seit zwölf Jahren als Senior-Model. Noch ist sie gut im Geschäft, aber auch das kann sich sehr schnell ändern. Insofern ist natürlich zu wünschen, dass sie keine Allüren entwickelt, sie muss da etwas aufpassen. Wenn man ihr begegnet, bemerkt man schon nach kürzester Zeit gewisse Greta Garbo-Marotten. „I want to be alone“ etc.pp. Nun ja. Andererseits gibt ihr dieser eigenbrötlerische Charakter auch diese gewisse Aura, die sich nicht so recht durchschauen oder deuten lässt. Wenn man mit Gaga Nielsen ein Produkt bewirbt, gilt es automatisch irgendwie als geheimnisvoll und sophisticated. Das ist natürlich unheimlich gefragt und wertet so gut wie jedes Produkt auf. Außerdem ist sie immer pünktlich am Set und gut vorbereitet.
Nun, ich denke, ich werde weiter mit ihr arbeiten. Bis auf weiteres.

26. September 2012


Der achte März. Heute – nein – gestern Abend ein schönes deutsches Wort in einem Brief an mich gelesen. Ich werde gebeten, einen Termin zur Inaugenscheinnahme zu vereinbaren. Das klingt ein bißchen nach Mondscheinspaziergang. Unerwartete Poesie! Mein kleiner Adlerhorst wird begutachtet, in Augenschein genommen. Um den Zustand für das Verkaufsangebot zu beurteilen. Ich habe den elften Oktober ausgesucht. Die werden Augen machen, bei der Inaugenscheinnahme. Vor lauter Villa Kunterbunt werden sie den Zustand gar nicht begreifen können. Pippi Langstrumpf würde wahrscheinlich auf dem Kleinen Onkel durch den Flur reiten, während die Inaugenscheinnahme von statten geht, mit Herrn Nilsson auf der Schulter, der die Augenscheinnahme mit lustigen Quieklauten aus Taka-Tuka-Land begleitet. Nur fünf Minuten soll es dauern. Gaga Nielsen, Herr Nilsson, Pippi und der Kleine Onkel sind schon mächtig gespannt!
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24. September 2012


Heute nach ungefähr zwölf Jahren wieder eine Frau getroffen, mit der ich früher arbeitsmäßig zu tun hatte. Wir haben immer gerne miteinander geplaudert, um nicht zu sagen geblödelt. Mit einem gewissen Lauern im Ton fragt sie mich „Und? Inzwischen mal geheiratet?“ Ge-was? „Geheiratet?“ Ich merkte währenddessen, während mich das Befremden einholte, wie ich selbst von meinem Befremden befremdet bin. Warum verwundert mich die Frage so maßlos? Als wäre ich von einem anderen Stern, wo Heiraten nur einer ganz selten vorkommenden Spezies vorbehalten ist. Na ja, wie auch immer. Sie selber ist verheiratet, aber hat die eine oder andere Anmerkung gemacht, die ahnen lässt, dass das Gegenteil für Sie mit fortgeschrittenen Jahren auch nicht unerstrebenswert erscheint. Ich bin da ganz undogmatisch. Ich wollte schon zigmal heiraten. Also nicht praktisch, nur so romantisch-theoretisch angeträumt. Ist aber nie dazu gekommen. Ich habe es auch nie forciert, nie etwas in den Raum gestellt. So konkret war es dann letztlich auch nicht gemeint. Ich habe nach wie vor kein Dogma und kann mir sogar vorstellen, dass ich mich erst mit Hundert so weit fühle, wenn man eben denkt, es passt. Oder halt auch nicht.

Ganz bestimmt ist es eine meiner größten persönlichen Lebensleistungen, dass ich so viele tradierte, an mich gerichtete Erwartungshaltungen ohne Nachwehen abgeschüttelt habe. Bei anderen durchaus mit Wehen verbunden, tatsächlich am wenigsten bei mir. Was schreibe ich da nur. Aber so ist es. Am allerwenigsten beneide ich meine Mitmenschen um die engen Verstrickungen in traditionelle, familiäre Rituale, wenigstens nicht, wenn sie mir den Eindruck vermitteln, als sei das meiste daran eher lästig, ein Opferakt, um des lieben Friedens willen. Das Schwierigste ist, sich selbst begreiflich zu machen, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, nur weil man einen völlig andersartigen Lebensstil vorzieht, in dem kein Platz für gewisse ererbte Traditionen ist, weil das Leben eben sehr kurz ist. Nichts gegen althergebrachte Rituale, aber man muss einen Draht dazu haben, sich darin wiederfinden. Das lässt sich nicht erzwingen und nicht herbeibeten. Das schreibe ich, weil es viel mit mir zu tun hat.

Aber auch, weil ich es bei anderen spüre. Dieses Korsett. Drückende Stäbe über den Rippen, um den Brustkorb. Es ist völlig erlaubt, eigene Traditionen zu erfinden. Für sich selbst, man muss sie nicht einmal an Kinder weitergeben, nicht weitervererben. Man kann sie nur für sich kultivieren. Bloggen als Beispiel. Hauptsache, man hat das Gefühl, es ist eine Tradition, der man sich mit Leib und Seele gerne hingibt, ohne das Gefühl, Lebenszeit zu opfern, und: um sich dabei wenigstens in irgendeiner Form gesegnet zu fühlen. Ein Opfer sollte mit einem Gefühl des Segens an anderer Stelle – oder vielleicht sogar – besser noch – an derselben Stelle – verbunden sein, meine ich. Sonst ist es doch ganz unnütz, oder?
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24. September 2012


Heute nach ungefähr zwölf Jahren wieder eine Frau getroffen, mit der ich früher arbeitsmäßig zu tun hatte. Wir haben immer gerne miteinander geplaudert, um nicht zu sagen geblödelt. Mit einem gewissen Lauern im Ton fragt sie mich „Und? Inzwischen mal geheiratet?“ Ge-was? „Geheiratet?“ Ich merkte währenddessen, während mich das Befremden einholte, wie ich selbst von meinem Befremden befremdet bin. Warum verwundert mich die Frage so maßlos? Als wäre ich von einem anderen Stern, wo Heiraten nur einer ganz selten vorkommenden Spezies vorbehalten ist. Na ja, wie auch immer. Sie selber ist verheiratet, aber hat die eine oder andere Anmerkung gemacht, die ahnen lässt, dass das Gegenteil für Sie mit fortgeschrittenen Jahren auch nicht unerstrebenswert erscheint. Ich bin da ganz undogmatisch. Ich wollte schon zigmal heiraten. Also nicht praktisch, nur so romantisch-theoretisch angeträumt. Ist aber nie dazu gekommen. Ich habe es auch nie forciert, nie etwas in den Raum gestellt. So konkret war es dann letztlich auch nicht gemeint. Ich habe nach wie vor kein Dogma und kann mir sogar vorstellen, dass ich mich erst mit Hundert so weit fühle, wenn man eben denkt, es passt. Oder halt auch nicht.

Ganz bestimmt ist es eine meiner größten persönlichen Lebensleistungen, dass ich so viele tradierte, an mich gerichtete Erwartungshaltungen ohne Nachwehen abgeschüttelt habe. Bei anderen durchaus mit Wehen verbunden, tatsächlich am wenigsten bei mir. Was schreibe ich da nur. Aber so ist es. Am allerwenigsten beneide ich meine Mitmenschen um die engen Verstrickungen in traditionelle, familiäre Rituale, wenigstens nicht, wenn sie mir den Eindruck vermitteln, als sei das meiste daran eher lästig, ein Opferakt, um des lieben Friedens willen. Das Schwierigste ist, sich selbst begreiflich zu machen, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, nur weil man einen völlig andersartigen Lebensstil vorzieht, in dem kein Platz für gewisse ererbte Traditionen ist, weil das Leben eben sehr kurz ist. Nichts gegen althergebrachte Rituale, aber man muss einen Draht dazu haben, sich darin wiederfinden. Das lässt sich nicht erzwingen und nicht herbeibeten. Das schreibe ich, weil es viel mit mir zu tun hat.

Aber auch, weil ich es bei anderen spüre. Dieses Korsett. Drückende Stäbe über den Rippen, um den Brustkorb. Es ist völlig erlaubt, eigene Traditionen zu erfinden. Für sich selbst, man muss sie nicht einmal an Kinder weitergeben, nicht weitervererben. Man kann sie nur für sich kultivieren. Bloggen als Beispiel. Hauptsache, man hat das Gefühl, es ist eine Tradition, der man sich mit Leib und Seele gerne hingibt, ohne das Gefühl, Lebenszeit zu opfern, und: um sich dabei wenigstens in irgendeiner Form gesegnet zu fühlen. Ein Opfer sollte mit einem Gefühl des Segens an anderer Stelle – oder vielleicht sogar – besser noch – an derselben Stelle – verbunden sein, meine ich. Sonst ist es doch ganz unnütz, oder?
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23. September 2012


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Fortsetzung Egotrip, sechster März. Wir sehen ein Potpourri von Sonderangeboten. Bis auf die Kamera war, zumindest was ich vordergründig anhabe, heruntergesetzt. Mir ist dunkel, als hätte die Rüschenbluse entweder neunundzwanzig oder neunzehn Euro gekostet. Der Rock ist schon recht betagt und hatte, meine ich, noch einen günstigen DM-Preis, höchstens neunddreißig Mark, war aber vorher nicht billig. Die flauschige Falke-Strumpfhose war nicht im Angebot und die dankbaren Roeckl-Handschuhe auch nicht. Stiefelchen runtergesetzt auf neunundzwanzig Euro. Das Barclay-Samtjäckchen auch, von grob dreihundertfünfzig auf hundertfünfzig, so ungefähr. Sonnenbrille von Rossmann, gut zehn Euro, weiß ich nicht mehr genau. Die Ramones-Tasche hinten auf dem kleinen Bänkchen habe ich zum regulären Preis gekauft, irgendwas zwischen neunundvierzig und neunundfünfzig Euro, was für eine Tasche zwar nicht so rasend viel ist, ich war aber später schwer von der Verarbeitung enttäuscht, die vergleichsweise lausig war, das strapazierunfähige Innenfutter ist bald gerissen und ich habe es komplett entfernt, weil eine Reparatur zu umständlich gewesen wäre. Aber Schwamm drüber, ich nehme das Ding fast jeden Tag, auch ohne Futter, zum Einkaufen und allem, da geht ordentlich was rein. Das Foto verblasst langsam, da wo das Foto am Ärmel scheuert. Aber die Ausgabe hat sich unbedingt amortisiert. Wie auch immer, teuer – billig – egal! Ich habe es ja unlängst erst gepredigt: entscheidend ist nicht, eine Million Dollar auf dem Konto zu haben, sondern wie eine Million Dollar zu gucken! Das ist übrigens das Geheimnis, warum waschechte Louis-Vuitton-Taschen bei nicht wenigen Damen wie Fälschungen vom Polenmarkt aussehen. Ein klitzekleines bißchen zu viel bling-bling. Erinnert sich noch jemand an diese Münchner Taschenmarke MCM? Louis Vuitton für Arme dachte man immer, obwohl die Sachen nicht billig waren. Ich glaube man hat dann auch schnell von Nutten-Täschchen gesprochen, wenn jemand mit Zubehör der Marke herumlief. Ich bin mir nicht sicher, ob Louis Vuitton zwecks Ehrenrettung nicht vielleicht eine Weile nur noch Schrankkoffer im Marlene-Dietrich-Format produzieren sollte. Ich wollte kein Täschchen für unterm Arm mit Logo-Tapetenmuster haben. Nicht für Geld und gute Worte. Aber Schrankkoffer schon.

23. September 2012


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Fortsetzung Egotrip, sechster März. Wir sehen ein Potpourri von Sonderangeboten. Bis auf die Kamera war, zumindest was ich vordergründig anhabe, heruntergesetzt. Mir ist dunkel, als hätte die Rüschenbluse entweder neunundzwanzig oder neunzehn Euro gekostet. Der Rock ist schon recht betagt und hatte, meine ich, noch einen günstigen DM-Preis, höchstens neunddreißig Mark, war aber vorher nicht billig. Die flauschige Falke-Strumpfhose war nicht im Angebot und die dankbaren Roeckl-Handschuhe auch nicht. Stiefelchen runtergesetzt auf neunundzwanzig Euro. Das Barclay-Samtjäckchen auch, von grob dreihundertfünfzig auf hundertfünfzig, so ungefähr. Sonnenbrille von Rossmann, gut zehn Euro, weiß ich nicht mehr genau. Die Ramones-Tasche hinten auf dem kleinen Bänkchen habe ich zum regulären Preis gekauft, irgendwas zwischen neunundvierzig und neunundfünfzig Euro, was für eine Tasche zwar nicht so rasend viel ist, ich war aber später schwer von der Verarbeitung enttäuscht, die vergleichsweise lausig war, das strapazierunfähige Innenfutter ist bald gerissen und ich habe es komplett entfernt, weil eine Reparatur zu umständlich gewesen wäre. Aber Schwamm drüber, ich nehme das Ding fast jeden Tag, auch ohne Futter, zum Einkaufen und allem, da geht ordentlich was rein. Das Foto verblasst langsam, da wo das Foto am Ärmel scheuert. Aber die Ausgabe hat sich unbedingt amortisiert. Wie auch immer, teuer – billig – egal! Ich habe es ja unlängst erst gepredigt: entscheidend ist nicht, eine Million Dollar auf dem Konto zu haben, sondern wie eine Million Dollar zu gucken! Das ist übrigens das Geheimnis, warum waschechte Louis-Vuitton-Taschen bei nicht wenigen Damen wie Fälschungen vom Polenmarkt aussehen. Ein klitzekleines bißchen zu viel bling-bling. Erinnert sich noch jemand an diese Münchner Taschenmarke MCM? Louis Vuitton für Arme dachte man immer, obwohl die Sachen nicht billig waren. Ich glaube man hat dann auch schnell von Nutten-Täschchen gesprochen, wenn jemand mit Zubehör der Marke herumlief. Ich bin mir nicht sicher, ob Louis Vuitton zwecks Ehrenrettung nicht vielleicht eine Weile nur noch Schrankkoffer im Marlene-Dietrich-Format produzieren sollte. Ich wollte kein Täschchen für unterm Arm mit Logo-Tapetenmuster haben. Nicht für Geld und gute Worte. Aber Schrankkoffer schon.

23. September 2012

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Montag, 5. März 2012. Das sieht mir doch noch nicht nach Frühlingswetter aus. Den braunschwarzen Zebrafake-Rock hatte ich auch in schwarzweiß, daraus habe ich Bezüge für meine beiden Küchenstühle gemacht. Hier angucken. Jeden Tag erfreue ich mich daran! Müsste ich mal waschen, ist aber Gefrickel, die Bezüge von den Stühlen zu machen. Obwohl, jetzt wo ich es schreibe, nimmt es mich ein bißchen in die Pflicht. Ich möchte ja nicht als Schlamperliese dastehen. Ich bin sehr auf Reinlichkeit bedacht. Nur Bügeln kann ich nicht ausstehen, lieber hänge ich die Sachen klatschnass auf und zurre sie ein bißchen zurecht. So komme ich schon ein paar Jahrzehnte durchs Leben. Weiß gar nicht, wann ich zuletzt ein Bügeleisen benutzt habe. Ich hab eins, für absolute Notfälle. Wenn ich ein Teil aus dem Schrank ziehe, das blöde Falten hat, weil es unvorteilhaft gehangen hat, schmeiße ich es lieber in die Waschmaschine und hänge es dann klatschnass auf. Außerdem ist es dann frisch gewaschen, das fühlt sich immer super an. Ich hätte gerne jemand, der mir die Wäsche macht. Das wäre eigenlich so die einzige Dienstbarkeit, die ich gerne in Anspruch nehmen würde, aber ohne dass jemand zu mir heim kommt. Ich würde die Sachen in die Wäscherei bringen und tiptop geplättet abholen. Dann hätte ich vielmehr weiße gestärkte Blusen oder Hemden oder Hemdblusen. Hab ich auch, aber die könnten noch besser aussehen, wenn ich mich nur zum Bügeln durchringen könnte! Es ist ein Kreuz. So hat jeder sein Päckchen mit dem Haushalt zu tragen. Und Fenster putzen ist auch nicht meins. Ich darf gar nicht darüber nachdenken. Meine Putzanfälle stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit angekündigten Handwerkerbesuchen, Heizungsablesern oder von seltenen Freunden. Das halte ich allerdings auch für sehr effizient, da ich dann viel schneller staubsauge etc. als ich es sonst machen würde. Einfach ökonomischer! Auch hat es dann so eine Art Workout-Charakter, ich komme total ins Schwitzen. Nur meine Knie leiden dann immer ein bißchen, weil ich beim Staubsaugen immer auf den Knien rutsche. Ich staubsauge nämlich sehr gründlich, ganz ohne Düsenaufsatz, jeder Quadrat-Millimeter wird mit größtem Hochdruck bearbeitet. Dann ist aber auch wieder gut, für ein Weilchen. Wenn man das so supergründlich macht wie ich, muss man es auch nicht jede Woche machen, bin ich der Meinung!

23. September 2012

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Montag, 5. März 2012. Das sieht mir doch noch nicht nach Frühlingswetter aus. Den braunschwarzen Zebrafake-Rock hatte ich auch in schwarzweiß, daraus habe ich Bezüge für meine beiden Küchenstühle gemacht. Hier angucken. Jeden Tag erfreue ich mich daran! Müsste ich mal waschen, ist aber Gefrickel, die Bezüge von den Stühlen zu machen. Obwohl, jetzt wo ich es schreibe, nimmt es mich ein bißchen in die Pflicht. Ich möchte ja nicht als Schlamperliese dastehen. Ich bin sehr auf Reinlichkeit bedacht. Nur Bügeln kann ich nicht ausstehen, lieber hänge ich die Sachen klatschnass auf und zurre sie ein bißchen zurecht. So komme ich schon ein paar Jahrzehnte durchs Leben. Weiß gar nicht, wann ich zuletzt ein Bügeleisen benutzt habe. Ich hab eins, für absolute Notfälle. Wenn ich ein Teil aus dem Schrank ziehe, das blöde Falten hat, weil es unvorteilhaft gehangen hat, schmeiße ich es lieber in die Waschmaschine und hänge es dann klatschnass auf. Außerdem ist es dann frisch gewaschen, das fühlt sich immer super an. Ich hätte gerne jemand, der mir die Wäsche macht. Das wäre eigenlich so die einzige Dienstbarkeit, die ich gerne in Anspruch nehmen würde, aber ohne dass jemand zu mir heim kommt. Ich würde die Sachen in die Wäscherei bringen und tiptop geplättet abholen. Dann hätte ich vielmehr weiße gestärkte Blusen oder Hemden oder Hemdblusen. Hab ich auch, aber die könnten noch besser aussehen, wenn ich mich nur zum Bügeln durchringen könnte! Es ist ein Kreuz. So hat jeder sein Päckchen mit dem Haushalt zu tragen. Und Fenster putzen ist auch nicht meins. Ich darf gar nicht darüber nachdenken. Meine Putzanfälle stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit angekündigten Handwerkerbesuchen, Heizungsablesern oder von seltenen Freunden. Das halte ich allerdings auch für sehr effizient, da ich dann viel schneller staubsauge etc. als ich es sonst machen würde. Einfach ökonomischer! Auch hat es dann so eine Art Workout-Charakter, ich komme total ins Schwitzen. Nur meine Knie leiden dann immer ein bißchen, weil ich beim Staubsaugen immer auf den Knien rutsche. Ich staubsauge nämlich sehr gründlich, ganz ohne Düsenaufsatz, jeder Quadrat-Millimeter wird mit größtem Hochdruck bearbeitet. Dann ist aber auch wieder gut, für ein Weilchen. Wenn man das so supergründlich macht wie ich, muss man es auch nicht jede Woche machen, bin ich der Meinung!

23. September 2012


Ich meine, das wäre das letzte Mal gewesen, dass ich die Kamera auf die Sophienstraße gehalten habe. Für mich ist die Sophienstraße in den letzten Jahren eine Art autobiographischer Eckpfeiler geworden, genauso wie die Gipsstraße, die Rosenthaler, die Joachimstraße, die Linienstraße, die Auguststraße. Ich kann mich oft nicht mehr recht an Nebenstraßen erinnern, wo ich früher gewohnt habe. Manchmal vergesse ich sogar den Namen der Straße selbst, wenn es lange her ist, wie in Wilmersdorf. Eine Frau, die mich lange kennt, meinte letzte Woche, „Ah ja, ich erinnere mich, da hast du doch in der Rauenthaler Straße gewohnt.“ Ich war irritiert, weil ich überrascht war und dachte, ich könnte mich nicht recht erinnern und glaubte ihr dann, obwohl ich nicht ganz sicher war. Für mich hatte sie dann eben einfach recht. Jetzt erst, wo ich das schreibe, fällt mir ein, es war die Straße daneben oder eine Parallelstraße. In der Rauenthaler habe ich nie gewohnt, bin aber oft durchgelaufen. Na ja. Jedenfalls ist die Sophienstraße so ein fester Bestandteil meiner inneren Heimatlandkarte. Ich gehe schlafwandlerisch entlang, nehme nur beiläufig kleine Veränderungen wahr und bin meistens in Gedanken oder blinzle in die Sonne und denke daran, was der Tag wohl bringen wird, wenn ich morgens entlanglaufe. Für Touristen hat die Sophienstraße eine andere Bedeutung. Sie erschließen sich ein Stück altes Berlin, das sehr liebevoll saniert wurde und gehen spazieren, setzen sich ins Sophieneck, gucken auf die kleine Karte, wo genau nochmal die Synagoge ist. Solche Sachen. Im Dezember gibt es so einen hippiemäßigen Weihnachtsmarkt, der sich nur über die Sophienstraße erstreckt. Dann hängen große Sternlampions an Strippen über die Straße gespannt, das ist ganz putzig. Klein aber fein, wahrscheinlich der kleinste Weihnachtsmarkt von allen, ich kenne keinen kleineren. Diese Bilder vom vierten März sehen richtig herbstlich aus, denke ich gerade. Passt eigentlich ganz gut. Auch wenn wir heute in Berlin eine freundliche Spätsommersonne haben. Muß mal was zum Frühstück machen. Und noch mal Kaffee kochen. Habe eine große Tasse auf den graublauen Teppich gekippt. Was für ein Riesen-Fleck! Da schrubbt man eine ganze Weile. Die Tasse war randvoll. Mit ordentlich Kaffeesatz. Ich bin richtig ins Schwitzen gekommen beim Bearbeiten der Unglücksstelle. Also nochmal Kaffee kochen.
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22. September 2012

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Ich gehe vielleicht jeden zweiten oder dritten oder vierten Tag einmal durch die Rosenhöfe. Es ist eine neuere Passage mit vielen neuen Geschäften und ein paar Restaurants, die ein paar Hundert Meter weiter einen weiteren Zugang zu den Hackeschen Höfen gewährt, ebenfalls von der Rosenthaler Straße aus. Im Eingangsbereich von der Rosenthaler ist noch viel von der alten Bausubstanz erhalten, besonders die schöne verschnörkelte Treppe, die ich noch im alten Zustand kenne, als das heute vergoldete Schmiedeeisen noch schwarz war. Man hat einem sehr verspielten Architekten freie Hand gelassen. Selten sieht man sonst rosa Fassaden und bizarre Schnörkel. Ich mag diese Passage gerne. In dem Yoga-Studio war ich noch nie. Ich war überhaupt noch nie in einem Yoga-Studio oder einer Yoga-Stunde.

Ich habe einmal ein Video von Ralf Bauer gesehen, da macht er Yoga-Übungen auf einem Felsplateau auf Sardinien, glaube ich. Das hat allerdings weniger den Wunsch bei mir geweckt, in einer Gruppe, wie man es im Video sieht, Yoga-Übungen im Sonnenauf- oder untergang zu praktizieren, als vielmehr, einmal dort herumzuwandern, ohne Gruppe. Eine tolle Landschaft war das. Glattes Felsplateau mit unterschiedlichen Erhebungen, darunter das Meer. Ich kannte mal jemanden, den ich unregelmäßig getroffen habe und der aufgrund seiner offenkundigen Vergesslichkeit jedesmal den Impuls hatte, mich zu fragen, ob ich eigentlich Yoga machen würde. Oder meditieren? „Du wirkst so unglaublich entspannt, wie machst du das?“ Ich musste immer lachen. Meine Art der Meditation – für Fortgeschrittene! Aber das Angebot heutzutage, dass man es jederzeit spaßeshalber mal machen könnte, ist schon ganz super. Ich könnte mir ohne Weiteres vorstellen, dass ich durch die Rosenhöfe laufe und mir Gwyneth Paltrow in pinker Turnhose und rosa Yogamatte, nach ihrer Spirit-Yoga-Doppel-Stunde, über die verschnörkelte Treppe entgegenkommt. Das wäre absolut stimmig. Ich glaube in der Internet-Bunten steht heute, dass sie in letzter Zeit Depressionen hat und Therapie machen muss. Wahrscheinlich zusätzlich zum Yoga. Früher gab es in meinem näheren Bekanntenkreis zwei Menschen, die regelmäßig meditiert haben, so nach Gebrauchsanleitung. Man setzt sich auf so einen Puff, also so ein rundes, ausgestopftes Bodenkissen, gerne in einem Zentrum mit anderen oder im Schlafzimmer und dann wird nach Gongschlag innige Stille geübt und versucht, an nichts zu denken bzw. nicht zu denken und tief geatmet. Im Hier und Jetzt, wie es immer so schön heißt. Ich war einmal dabei, in so einem buddhistischen Zentrum.

Ich musste blöderweise vor lauter Konzentration auf Nichts und Stille und Atmen dauernd schlucken, mein Mund war ganz trocken und ich habe gehofft, dass die anderen mein Schlucken nicht hören und dann schlussfolgern, dass ich total unentspannt bin, was ich entgegen meiner sonstigen Verfassung auch war, und dass es recht bald vorbei ist. Selten war ich so verkrampft! Alle haben eine ähnlich unbequeme, zum Teil verknotete Sitzhaltung auf dem Boden eingenommen, das war mir schon zu reglementiert. Mir war einfach nur langweilig, obwohl ich mich noch nie mit mir alleine gelangweilt habe. Lieber wäre ich rücklings im Gras gelegen und hätte in die Wolken geguckt und an alles Mögliche gedacht, aber nicht zwanghaft an Nichts. Aber ich bin sowieso nicht die ideale Zielgruppe für buddhistische Rituale und diese ganzen religiösen Zeremonien mit festgelegten Abläufen. An Indien fasziniert mich zum Beispiel durchaus die Opulenz der Farben und Formen, die Kunstgeschichte, die Architektur, meinethalben noch das Kamasutra und ein bißchen Dichtkunst, aber die religiöse Sichtweise ist mir eher suspekt. Nicht falsch verstehen – jeder, wie es ihm gefällt – nur mich bitte nicht belehren oder bekehren wollen.

22. September 2012


Ikonographie. Ob ich regelmäßige Leser habe, die noch nie in Berlin waren? Das übersteigt gerade meine Vorstellungskraft. Bald könnten die Bilder von einem Oktobertag sein. Im März gab es noch keine Blätter an den Bäumen. Die Decken wurden immer noch mit auf die Stühle gepackt. Jetzt sind sie zurückgekehrt, für den Abend draußen. Wie oft mag ich über den Hackeschen Markt gelaufen sein, in den letzten dreizehn Jahren? Viele Tausend mal, an manchen Tagen mehrmals. Als ich von Wilmersdorf nach Mitte zog, war der Hackesche Markt noch nicht vollständig bebaut, da wo heute das Haus mit dem Lokal Ossena steht, gegenüber von den Hackeschen Höfen, war eine Brachfläche, eine wilde Wiese.

Jetzt ist alles fertig, es gibt keine unbebaute Ecke mehr, soweit ich es überblicke. Es ist gut geworden, ich kann keine erheblichen Bausünden feststellen. Die Fassaden-Reklame-Schilder der Hackeschen Höfe mit goldener Schrift auf schwarzem Grund haben mich von Anfang an erfreut. Alle Mieter haben ihren Schriftzug und ihr Logo farblich angepasst. Es sieht schön aus. Die farbliche Reduktion ist vielen Schriftzügen zuträglich. Sogar das Sparkassen-Logo wirkte auf einmal elegant. Die Sparkasse ist schon wieder ausgezogen, nach gegenüber, dort dürfen sie wieder in Rot-Weiß ihre Reklame machen, nicht so attraktiv. Ich bin aber trotzdem seit ewigen Zeiten mit meinem Konto dort. Der Geldautomat, und der Kontoauszugsdrucker, den ich am häufigsten besuche, ist in der Zweigstelle am Hackeschen Markt.

Ganz oft gehe ich zu Edeka in der Rosenthaler Straße. „Frank Budie“ steht dran, im blau-gelben Edeka-Schriftzug. Neulich hat mich die eine Kassiererin angesprochen, eine Hübsche, mit kurzen blonden Haaren, so um die Fünzig, dass sie mich schon lange nicht mehr gesehen hätte. Ich habe ihr von meiner Aldi-Sparaktion erzählt und dass ich aber jetzt draufgekommen bin, dass Edeka in dem „gut und günstig“-Sortiment preisgleiche Angebote hat, prima Eiscreme zum Beispiel, und dass ich jetzt wieder regelmäßig kommen werde. Sie hat sich gefreut! Ich finde das toll, wenn mir eine Kassiererin sagt, dass sie mich vermisst hat. Überhaupt sind die Kassiererinnen beim Frank Budie-Edeka unheimlich familiär.

Immer ein nettes Wort, eine kleine aufmunternde Bemerkung, irgendwas. So macht einkaufen Spaß! Bei Aldi erlebt man das nicht ganz so oft, auch wenn man Stammkunde ist. Nur neulich,

bei Aldi in der Brunnenstraße hat mich der junge Filial-Leiter, der auch manchmal selber kassiert, an der Kasse gefragt, ob ich nicht erst gestern da gewesen wäre und auch schon so viel Sahne-Kefir gekauft hätte. „Da müssen Sie mich wohl verwechseln – oder ich habe eine Doppelgängerin!“ Auf jeden Fall ist es sonst nicht so seine Art, solche Sachen zu sagen, aber ihm war wohl nach ein bißchen Kommunikation. Also auch sehr nett! Überhaupt kann ich mit den meisten Kassiererinnen und Kassierern recht gut, stelle ich fest. Es gibt selten ein Verständigungsproblem. Eine Berufsgruppe, die starke Nerven und viel Konzentration bei der Arbeit braucht, denke ich mir. Respekt! Am Hackeschen Markt ist auch die S-Bahnhaltestelle, die mir am nächsten ist und wo ich am öftesten einsteige. Die andere nächste wäre die S-Bahn-Haltestelle in der Tucholskystraße, „Oranienburger Str.“, da fahre ich aber nicht so oft. Und wenn ich mit der U-Bahn Richtung Süden muss, gehe ich zur Haltestelle Weinmeisterstraße, wenn ich nach Norden muß, direkt zum Rosenthaler Platz. So jetzt wissen alle Bescheid!
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20. September 2012


Wilfried Fitzenreiter hat die Mädchen gemacht. Die Füße gefallen mir. Und die Hände. Auch die anderen Körperteile. Der Gesichtsausdruck nicht so besonders, so ungefähr stelle ich mir Kohlhiesels Töchter vor. Nur aus einem bestimmten, hochkomplizierten Winkel sieht die Frau mit dem langen Zopf nicht rammdösig aus. Geradezu apart habe ich sie in der Nahaufnahme hingekriegt, erstaunlich. Vielleicht waren es ja erinnerte, frühere Geliebte des Bildhauers oder irgendwelche Mädchen aus der Nachbarschaft. Man weiß es nicht. Egal. Wobei eigentlich schon recht gewagt, wie sie da so nackig sitzen und mit den Beinen in die Spree baumeln und Richtung Dom gucken. Der Berliner Dom ist evangelisch. Weiß gar nicht, wie es die Evangelen so mit der Barbusigkeit in aller Öffentlichkeit halten. Meine Sache ist das ja nicht. Ich bin überhaupt recht prüde, wenn es um öffentliche Badeanstalten geht. FKK-Strände, Gruppenumkleidekabinen, Gruppenduschkabinen, Schwimmbad, Sportunterricht. Alles ganz schwierig. Unangenehme Kindheitserinnerungen. Die Blicke – – – Gleichaltriger, Älterer. Egal, Blicke. Verschämtes, vorgebliches Vorbeigeblicke. In einer öffentlichen Sauna wird man mich nie antreffen, außer ich wäre dort garantiert ganz alleine. Aber auch mit einer Freundin wollte ich nicht nackig in einer Sauna schwitzen. Schweiß, Körperflüssigkeiten, das ist mir alles zu intim, zu sexuell konnotiert. Nicht, dass mich die fremden Leute erregen würden, eher mit ihrer unwiderruflichen, entblößten Fleischigkeit mit Haut und Haar, massiv vom Eigentlichen ablenken. In der Fotografie kann ich mich dagegen durchaus für nackte Tatsachen in meisterlichem Licht begeistern. Da schaut nur einer in eine Richtung. Ich auf das Foto oder umgekehrt, kein Austausch, keine Hitzewallungen, keine verschwitzten Zwangsassoziationen, kein Gebaumel, keine Gerüche, keine Blicke, keine verlegenen Gespräche, sehr angenehm. Weiter am Ufer entlang. Unter der Brücke durch. Heim. Richtung Hackescher.
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17. September 2012


Noch einmal hin, jetzt wo die Kuppel aufhat, im März. So lange es Frost gibt, bleibt der Kuppelrundgang draußen unzugänglich, man könnte hinfallen und ausrutschen auf dem Eis, da oben. Ich bin schnell zum Ticketschalter im opulenten Treppenhaus, sieben Euro Domerhaltungsgebühr muss man entrichten. Dann dachte ich, weil ich erst zwei Wochen vorher da war, ich würde mich schon super auskennen und bin an den kurfürstlichen Sarkophagen vorbeigedüst und habe irgendwie den Treppenaufgang nicht mehr gefunden. Ein netter Aufpasser in Uniform, der ein bißchen wie Sidney Poitier ausgeschaut hat, war mir sehr behilflich. Er war zum Scherzen aufgelegt, ich weiß nicht mehr genau, was er alles an lustigen Sachen gesagt hat, aber ich habe mitgespielt und die passenden blödsinnigen Antworten gegeben, die er gerne haben wollte. Dann ist er ernst geworden und hat mich fest angeschaut und gemeint: „Sie haben etwas Wichtiges im Leben verstanden: Sie haben Lebensfreude – das spürt man!“ Oh ja, ich hatte Lebensfreude an dem Tag und habe sie noch. Mein Gefühl hier ist niemals: „Na ja, bin ich eben hier“ sondern immer „Dass ich hier sein darf! Danke, dass ich hier sein darf“. Als könnte mich jemals jemand wegschicken, weil ich es nicht genug verdiente, hier zu sein. Aber ich strenge mich stets an, ich mache mich verdient, wie man sieht. Schließlich muss ja irgendjemand, der hier wohnt und deswegen auch viel mehr Zeit dafür hat, ausgiebig auf die ganzen Kuppeln gehen, und schöne Fotos machen, ganz viele. Nicht bloß eins oder zwei sondern aus allen Winkeln. Deswegen hat es Gaga Nielsen auf jeden Fall verdient, hier zu sein. Ich werde mich auch immer weiter bemühen und Berlin niemals Schande machen, das verspreche ich. Außerdem will ich hier später einmal begraben sein, weil ich hier zuhause bin. Hier unten und auch ganz oben im Himmel, in den Lüften, weil ich auch ein bißchen wie ein Vogel bin.


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14. September 2012


Gott weiß, ich würde lieber andere Einträge schreiben! Tippe ich hier mit der halb geleerten Bordeauxflasche, auf Sichtachse linker Augenwinkel. Ah! Muss schon wieder schlafen. Ich finde, die Einträge hier müssten irgendwie wieder opulenter werden, spritziger, glamouröser. Ach ja, das wäre schön. Heute mit einem Herrn telefoniert, der mir vorab schrieb, per Mail. Manchmal würde man gerne Namen fallen lassen. Er klagte mir ein interessantes Leid, es hat mit dem Phänomen zu tun, dass aus seiner Perspektive uferlos viele junge, hochtalentierte Menschen in kreativen Berufen tätig werden wollen, sogar unbezahlt, aber ganz schwer jemand für den alltäglichen, verwaltenden Arbeitsanteil zu finden ist. Sehr interessant. Ich hätte gedacht, selbst darum reißen sich junge Menschen, die gerne was mit Film zu tun haben wollen. „Irgendwas mit Medien“. Der Herr betreibt eine nicht ganz erfolglose Filmproduktionsfirma. Immerhin war sein Anruf nicht ergebnislos. Vielleicht sollte ich mich mal bei ihm bewerben. Hatte eine angenehme Stimme. (…aber die Miete…)

14. September 2012


Gott weiß, ich würde lieber andere Einträge schreiben! Tippe ich hier mit der halb geleerten Bordeauxflasche, auf Sichtachse linker Augenwinkel. Ah! Muss schon wieder schlafen. Ich finde, die Einträge hier müssten irgendwie wieder opulenter werden, spritziger, glamouröser. Ach ja, das wäre schön. Heute mit einem Herrn telefoniert, der mir vorab schrieb, per Mail. Manchmal würde man gerne Namen fallen lassen. Er klagte mir ein interessantes Leid, es hat mit dem Phänomen zu tun, dass aus seiner Perspektive uferlos viele junge, hochtalentierte Menschen in kreativen Berufen tätig werden wollen, sogar unbezahlt, aber ganz schwer jemand für den alltäglichen, verwaltenden Arbeitsanteil zu finden ist. Sehr interessant. Ich hätte gedacht, selbst darum reißen sich junge Menschen, die gerne was mit Film zu tun haben wollen. „Irgendwas mit Medien“. Der Herr betreibt eine nicht ganz erfolglose Filmproduktionsfirma. Immerhin war sein Anruf nicht ergebnislos. Vielleicht sollte ich mich mal bei ihm bewerben. Hatte eine angenehme Stimme. (…aber die Miete…)

10. September 2012

Meine Nerven. Gerade eine entscheidende Passage zum Berliner Mietrecht gelesen.
Eigenbedarf: Sperrfristen in Berlin
In folgenden Bezirken gilt seit dem 1.9.2011 eine von der Berliner Landesregierung festgelegte 7-jährige Sperrfrist:
Mitte
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Pankow*
Steglitz-Zehlendorf

* zu Pankow zählt seit der Bezirksverwaltungsfusion auch der Prenzlauer Berg
Ich nehme es jetzt als ein gutes Omen, dass das Gesetz an meinem Geburtstag erlassen wurde. Und sieben Jahre ist auch eine schöne Frist. Habe die letzten Stunden mit Lektüre von Kündigungsrecht wegen Eigenbedarf verbracht. Seit ich vor drei Stunden eine Mitteilung einer Immobilienvertriebsgesellschaft aus dem Briefkasten gezogen habe, die besagt, dass das Haus in dem ich wohne, in Eigentumswohnungen geteilt wird und ich ein Vorkaufsrecht habe. Ich bin hier so zuhause, aber ich habe keine Lust, einen Kredit aufzunehmen, um „meine“ Wohnung zu kaufen. Das würde ich auch nicht machen, wenn genug Geld auf dem Konto wäre. Ich will keine derartigen Besitztümer und Verpflichtungen haben, keine Eigenverantwortung für Reparaturarbeiten. So, erst mal Luft holen. Wer auch immer die Wohnung kaufen wird, kann sie frühestens in sieben Jahren nach dem Kauf beanspruchen. Wusste gar nicht, dass es solche Sperrfristen gibt. In anderen Bezirken beträgt die Frist nur drei Jahre. Vielleicht weil die oben genannten besonders anfällig für Spekulation mit Immobilien sind, siehe Mietspiegel. Erst die Mieterhöhung vor gut einer Woche und jetzt diese Neuigkeit. Ich muss jetzt mal ein bißchen runterkommen, hat mich doch sehr aufgewühlt. Morgen frage ich mal, wie teuer die Wohnung eigentlich verkauft werden soll, nur um mal die Dimension zu realisieren. Alles ist in Bewegung. Selbst wenn ich in sieben Jahren nach dem Verkauf eine Kündigung bekäme, müsste der Eigenbedarf immer noch exzellent begründet werden. Der Eigentümer muss tatsächlich den Verwandtschaftsgrad und die Situation erhellen. Einfach nur Eigenbedarf benennen ist nicht ausreichend. Das entfernteste Verhältnis darf Nichte oder Neffe sein aber nicht weiter. Und auch nur dann. Oh là là. Man lernt nie aus. Eigentlich schon ein erstaunlicher Mieterschutz. Hätte ich nicht gedacht. So, das ist das Neueste aus meiner weltlichen Existenz. Ich muss unbedingt was Geistreiches trinken und mich erholen.

10. September 2012

Meine Nerven. Gerade eine entscheidende Passage zum Berliner Mietrecht gelesen.
Eigenbedarf: Sperrfristen in Berlin
In folgenden Bezirken gilt seit dem 1.9.2011 eine von der Berliner Landesregierung festgelegte 7-jährige Sperrfrist:
Mitte
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Pankow*
Steglitz-Zehlendorf

* zu Pankow zählt seit der Bezirksverwaltungsfusion auch der Prenzlauer Berg
Ich nehme es jetzt als ein gutes Omen, dass das Gesetz an meinem Geburtstag erlassen wurde. Und sieben Jahre ist auch eine schöne Frist. Habe die letzten Stunden mit Lektüre von Kündigungsrecht wegen Eigenbedarf verbracht. Seit ich vor drei Stunden eine Mitteilung einer Immobilienvertriebsgesellschaft aus dem Briefkasten gezogen habe, die besagt, dass das Haus in dem ich wohne, in Eigentumswohnungen geteilt wird und ich ein Vorkaufsrecht habe. Ich bin hier so zuhause, aber ich habe keine Lust, einen Kredit aufzunehmen, um „meine“ Wohnung zu kaufen. Das würde ich auch nicht machen, wenn genug Geld auf dem Konto wäre. Ich will keine derartigen Besitztümer und Verpflichtungen haben, keine Eigenverantwortung für Reparaturarbeiten. So, erst mal Luft holen. Wer auch immer die Wohnung kaufen wird, kann sie frühestens in sieben Jahren nach dem Kauf beanspruchen. Wusste gar nicht, dass es solche Sperrfristen gibt. In anderen Bezirken beträgt die Frist nur drei Jahre. Vielleicht weil die oben genannten besonders anfällig für Spekulation mit Immobilien sind, siehe Mietspiegel. Erst die Mieterhöhung vor gut einer Woche und jetzt diese Neuigkeit. Ich muss jetzt mal ein bißchen runterkommen, hat mich doch sehr aufgewühlt. Morgen frage ich mal, wie teuer die Wohnung eigentlich verkauft werden soll, nur um mal die Dimension zu realisieren. Alles ist in Bewegung. Selbst wenn ich in sieben Jahren nach dem Verkauf eine Kündigung bekäme, müsste der Eigenbedarf immer noch exzellent begründet werden. Der Eigentümer muss tatsächlich den Verwandtschaftsgrad und die Situation erhellen. Einfach nur Eigenbedarf benennen ist nicht ausreichend. Das entfernteste Verhältnis darf Nichte oder Neffe sein aber nicht weiter. Und auch nur dann. Oh là là. Man lernt nie aus. Eigentlich schon ein erstaunlicher Mieterschutz. Hätte ich nicht gedacht. So, das ist das Neueste aus meiner weltlichen Existenz. Ich muss unbedingt was Geistreiches trinken und mich erholen.

09. September 2012

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Ich erinnere mich dunkel. Es war eigentlich noch nicht frühlingshaft und man konnte sich nicht erlauben, ohne Schal und Handschuhe vor die Tür zu gehen, auch wenn die Sonne zu sehen war. So kam diese sehr bunte Kombination aus leichtem Tommy Hilfiger-Jäckchen und der uralten Kasperle-Jeans zustande, die ich ungefähr 1989 in einem sehr preisgünstigen Jeans-Discounter in der Steglitzer Schloßstraße aufgegabelt habe. Das war so eine Kette, die es nicht mehr gibt, überall hatten die ihre Läden. Müsste mal auf das Etikett gucken. War ein komischer Name. Keine Marke, mit der man angeben konnte, eher für die Kinder von Leuten mit geringfügigem Einkommen. Standesdünkel in Sachen Markenware ist mir eher fremd, wenn die Klamotte interessant ist.

Bei C&A kann ich immer etwas finden, wenn ich gucke, und auch in jedem x-beliebigen Kaufhaus. Die Sache mit dem Markenfetischismus ist ja eher ein Indiz für mangelnde Virtuosität in Sachen Modeverständnis, nicht wahr. Ich würde mit großer Selbstverständlichkeit den phantastischen Dior-Mantel von Gisela Elsner, der durch die Verfilmung ihres Lebens mit Hannelore Elsner in der Hauptrolle Berühmtheit erlangt hat, mit Sachen kombinieren, die ein Sammelsurium von Sonderangeboten aus Kraut- und Rübenläden darstellen. Ich bin da ganz gegen unnatürliche Begrenzungen, das widerstrebt meinem Freiheitsbegriff. Das photographische Auge hält nimmermüde Ausschau, scannt die Welt und jede Erscheinungsform. Wenn man sich für gewagte Muster oder Farbkombinationen entscheidet, muss man einen guten Tag haben, weil es ein gewisses Rückgrat erfordert. So ähnlich wie mit der Farbe Rot, man muss sich an so einem Tag der Kraft der Farbe ebenbürtig fühlen, sonst wirkt man schnell verkleidet. Tage, an denen ich mich ein bißchen schräg anziehe, im besten Sinne schräg, sind gute Tage. An solchen Tagen bin ich ein bißchen übermütig und so ziemlich zu allem fähig. Be amazing!

Im Übrigen hatte der ungeachtet aller Buntheit blaue Grundton dieses Aufzugs etwas mit meinem anvisierten Ausflugsziel an jenem vierten März zu tun. Ich überlege mir tatsächlich, ob ich farb-, material- und silhouettenmäßig zu dem Ort passe, den ich anpeile, bevor ich losgehe. Auch beim Spazierengehen, sofern nicht völlig ziellos. Das bedeutet nicht die Vorgabe, sich chamäleonhaft dem Ort des Geschehens unterzuordnen. Kann aber! Muss aber nicht. Manchmal liegt die Virtuosität in einem gezielten Bruch. Das mögen nun für viele nicht ohne weiteres nachvollziehbare Überlegungen sein. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass es immer schöner ist, wenn man als beiläufig durchs Bild flanierende Passantin nicht aus dem Fokus gewünscht wird. Ich wünsche leider oft aus dem Fokus, wenn es vor wetterbeständiger Funktionskleidung wimmelt. Touristen ziehen sich ja zu meinem allergrößten Bedaueren oft komplett nach praktischen Erwägungen an. Ich geißle das selbstverständlich. So kann man nicht arbeiten! Ich muss doch als Tourist in Berlin ein Bewusstsein dafür haben, dass mir Gaga Nielsen über den Weg laufen könnte, die ein extravagantes Foto machen will! Extravagantes Foto nur mit extravaganter Aufmachung. Elementare Extravagante Grundregel!

08. September 2012


Ein guter Taxifahrer wartet noch eine halbe Minute nach dem Nachhausebringen, nach Einbruch der Dunkelheit, bis er sieht, dass der Fahrgast wohlbehalten an der Haustür angekommen ist und die Tür von innen schließt. Ein guter Leser von Gaga Nielsen wartet nach dem Heimkommen von ihrem Spaziergang, in der Dämmerstunde, noch eine halbe Minute, bis Gaga Nielsen wohlbehalten oben in der Wohnung angekommen ist. Dann kann der Leser weiterklicken und Gaga Nielsen zieht sich die Jacke und die anderen Anziehsachen aus und was Flauschiges an. Dann geht sie in die Küche und macht sich was Heißes zu trinken und nimmt sich ein Täfelchen Schokolade. Zumindest gilt das mit dem heißen Getränk für Anfang März. Anschließend geht Gaga Nielsen wieder ins Wohnzimmer und macht den Computer an und lädt die ganzen Bilder von dem langen Spaziergang vom dritten März auf ihren kleinen Klapprechner. Die Bilder vor dem Kleiderschrank, wo sie immer Modenschau macht. Und die Bilder von dem Weg. Und die Bilder von der Rosenstraße. Und die Bilder von der Marienkirche. Und die Bilder von Herrn Marx und Herrn Engels. Und die Bilder vom Schlossplatz. Und die Bilder von der Bauakademie. Und die Bilder von der Friedrichsgracht. Und die Bilder von der Schleusenbrücke. Und die Bilder von der Französischen Straße. Und die Bilder von der Markgrafenstr.. Und die Bilder von der Kuppel vom Französischen Dom. Und die Bilder vom Bücherflohmarkt Unter den Linden. Und die Bilder von der Auguststraße. Gaga Nielsen ist jetzt doch ein kleines bißchen müde vom vielen Spazierengehen, da tut so eine heiße Tasse Kaffee sehr gut. Gaga Nielsen guckt ein bißchen durch die Bilder und weiß gar nicht, wo sie anfangen soll. Schon wieder so viele Bilder! Wann soll sie das alles hochladen, sie blickt nicht mehr durch! Gaga Nielsen sagt sich insgeheim: „Scheiß drauf! Ich kann ja bloggen, dass ich nicht mehr hinterherkomme!“ Gaga Nielsen denkt sich, sie weiß gar nicht, wie das die anderen immer machen, mit wohin gehen und mit drei Bildern heimkommen und dann schnell hochladen, bloggen und fertig, nächster Ausflug! Gaga Nielsen kann das nicht! Sie ist blödes Sternzeichen Jungfrau und muss immer alles superordentlich und gründlich und ganz genau machen und das Hausaufgabenheft ordentlich führen. Gaga Nielsen schreibt mit Schönschrift in ihr Internetschulheft und kriegt dafür eine Eins mit Stern! Die anderen kriegen auch eine Eins, für Tempo, aber nicht für Schönschrift! Die Welt ist eben doch gerecht!
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06. September 2012

Gestern war ich wieder einmal auf einer Aussichtsplattform. Am Alexanderplatz steht ein viereckiger Turm mit 39 oder 40 Stockwerken, das Hotel „Park Inn“, früher zu DDR-Zeiten „Forum-Hotel“. In der 37. Etage ist eine Location, die man mieten kann und nach der Wende wurde nachträglich eine Aussichtsterrasse gebastelt. Man fährt bis zum 37. Stock, geht ein paar Treppen nach oben, bezahlt bei einem netten Hotelmitarbeiter, der auch Getränke im Angebot hat, drei Euro und geht raus. Es stehen ein paar stoffbespannte Liegestühle herum, wie man es von diesen Strandbars kennt. Es ist sehr windig, das sind Aussichtstürme ja meistens. Man schaut direkt auf den Fernsehturm, der ist ganz nah, gegenüber. Und über die ganze Stadt. Man schaut aber durch ein Sicherheitsnetz, so ähnlich wie es Katzenbesitzer oft an den Balkon basteln, nur größere Maschen und stabiler. Dieser Aussichtspunkt auf Berlin ist für meinen Geschmack bislang der bei Tag am wenigsten attraktive, auf dem ich bisher war, obwohl die anderen keine Getränke im Angebot haben. Ich würde es keinem Berlin-Besucher ans Herz legen und auch keinem Berliner. Die Terrasse wirkt auf mich trotz der Strandliegen ein bißchen improvisiert und lieblos und man findet keine windgeschützte Ecke. Ich finde, man muss da nicht rauf, lieber woanders. Und da dachte ich gestern, als ich da oben war, wie unvergleichlich schöner es doch auf der Kuppelbalustrade des Französischen Doms ist. Man kann es eigentlich gar nicht vergleichen. Sagen wir, wenn man Flair in Hotelkategorien ausdrücken wollte, wäre die Plattform vom Park Inn eine Jugendherberge und der Französische Dom ein fünf Sterne-Hotel. Ein unvergesslicher Eindruck. Ich war am dritten März zum ersten Mal in meinem Leben da oben, auf der Domkuppel. Es kostet auch drei Euro Eintritt. Man sollte sich vielleicht selber etwas zu trinken mitnehmen. Ein Fläschchen Champagner wäre durchaus angemessen. Oder ein schöner Châteauneuf-du-Pape. Und Gläser. Oder einen Eisbecher. Kein Bier, denn das wäre dem Ort nicht angemessen, ja unschicklich.

Es muss ein elegantes Getränk sein oder ein Eisbecher mit Schlagsahne. Oder ein großer Becher heiße Schokolade oder Kaffee. Aber ohne Plastikdeckel! Dazu feinste Trüffel- Nuss- und Nougat-Pralinen. Mozartkugeln! Constanze-Marzipanherzen! Oder meinethalben auch eine Packung Raffaello oder Ferrero Rocher. Als ich nach oben gegangen bin, hat das wunderbare Carillon angefangen zu spielen, das Glockenspiel. Ich war hin und weg und habe ganz aufgeregt, ganz schnell nach der Filmfunktion auf meiner Kamera geguckt und angemacht. Man kann es nicht beschreiben. Es ist mir unvorstellbar, dass irgendein Mensch keine Gänsehaut bekommt, in so einem Augenblick. Für mich kam es auch noch überraschend, ich wusste das gar nicht. Und nun stand ich so dicht an dem Glockenspiel, an dieser mächtigen Konstruktion wie aus einem Jules Verne-Roman. Ich habe damals noch am selben Tag die kleine Filmaufnahme hochgeladen, hier ist der Eintrag. Nur für die vielen mitgebrachten Bilder habe ich sehr lange gebraucht. Ich habe heute viel Zeit damit zugebracht, die Bilder in eine Reihenfolge zu bringen, die mein Erleben nachempfindbar macht. Die Wendeltreppe nach oben zu gehen, die Höhe des schlanken Kuppelturms zu begreifen und die mächtige Eisenkonstruktion des Glockenspiels. Durch die wagenradgroßen, runden Aussichtsfenster zu schauen und nach draußen zu treten, einmal oder auch zweimal rund um die Kuppel, mit den großen steinernen Amphoren und dem stolzen Krähenvogel, der wie ein König oben auf einer der Amphoren thronte und erhaben und zufrieden über sein Reich in die sinkende Sonne schaut. Am Ziel.


http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Das sind Momente, die ich teilen möchte. Und deshalb widme ich diesen Eintrag ganz besonders allen Menschen, denen es nicht möglich ist, aus eigener Kraft auf so einen Aussichtspunkt zu gelangen und das Glück zu empfinden, wie ein königlicher Vogel über die Stadt zu blicken. Fliegen kann auch ich nicht, das können nur die Vögel, aber ich kann Bilder verschenken, um gemeinsam mit mir durch meine Augen zu fliegen, in den Himmel über Berlin.

07. September 2012


Noch eine Ikone. Jeden Tag Büchermarkt UdL an der HU. So, und jetzt noch mal ausgeschrieben, für alle verständlich: Jeden Tag ist Büchermarkt Unter den Linden an der Humboldt Universität. Geht doch! Bei der Gelegenheit bietet es sich an zu erwähnen, wie unsympathisch mir insidermäßiges Abkürzungsgewäsch ist, wenn man eigentlich Klarheit darüber hat, dass nicht nur Kenner der verquasten Materie lesen oder zuhören. Ich kann mich gerade ganz schlecht auf den Blogeintrag konzentrieren, weil ich im Hintergrund eine Sendung aus einer Mediathek höre. Dabei höre ich der Sendung gar nicht zu! Auch nicht vorbildlich. Ich mache jetzt aus, die Sendung – Moment – so jetzt. Also jetzt noch mal lesen, was ich bis jetzt getippt habe und dann weiter. Augenblick, muss lesen.

So, fertig. Was könnte man noch schreiben, außer dass die Bilder selbstverständlich ebenfalls am dritten März 2012 entstanden sind, nach meinem Abstieg von der Französischen Domkuppel. Der Heimweg ist halt nun einmal am kürzesten Unter den Linden entlang, aber auch schön. Ich mag den Büchermarkt. Ich glaube, das sind hauptsächlich Studenten, die da ihre Bücher hinpacken, oder meine romantische Vorstellung. Ist ja auch egal, Bücher sind immer dekorativ, nicht nur in der Wohnung, auch im Stadtbild. Mir ist aufgefallen, dass man an den präsentierten Buchtiteln, den besonders dekorierten Büchern, die ganz vorne, erkennen könnte, dass es ein Bücherflohmarkt in Berlin ist, wegen Schinkel und Wende und allem! Woanders stehen bestimmt andere Titel ganz vorne. In München wäre es vielleicht ein Bildband über die König Ludwig-Schlösser oder ein Buch über Karl Valentin. In Hamburg wahrscheinlich Hans Albers und vielleicht ein Bildband über Domenica. Und natürlich irgendwas mit Hafen und Schiffen. Auf alle Fälle bin ich dafür, dass überall Bücher herumliegen, zum Gucken und Staunen und Kaufen und als Deko oder Türstopper.

Bei mir liegt immer ein Buch, also das Buch, das ich gerade lese, in einem Zimmer, wo nicht der Computer steht. Es ist nicht das Schlafzimmer und auch nicht die Küche! Ein Rätsel! Ich kann Rätsel nicht ausstehen. Wie es mir auf die Nerven geht, wenn jemand zu mir sagt: „Rate mal, was ich…“ usw. usf. – dafür habe ich keine Zeit! Raus mit der Sprache oder halt nicht! Das ist natürlich immer dramaturgisch gemeint, um die Spannung zu erhöhen, aber nach dieser Art von Spannung steht mir nicht der Sinn. Also kurz und gut – das Buch liegt im Badezimmer, griffbereit auf einer gepolsterten Truhe gegenüber von da, wo der Kaiser zu Fuß hingeht. Ich wollte jetzt nicht Klo schreiben, solche Ausdrücke sind mit Assoziationen belastet, die in diesem Fall nicht angebracht sind, da meine Badestube jedem Studierzimmer Ehre machen würde. Also bitte, keine falschen Vorstellungen. Lesen ist mein Hobby! Selbstverständlich lege ich auch bei der Ausübung dieses Steckenpferdes Wert auf ein angemessenes Ambiente. Ich denke, das ist jetzt genug Text, um den Platz zwischen den Bildern oben und unten einigermaßen ansprechend zu dekorieren.
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05. September 2012

Durch einen Zufall auf eine dieser automatisch generierten Seiten mit flickr content gekommen, wo man den eigenen Bilderstrom nach dem Kriterium „most interesting“ sieht, von oben nach unten sortiert. Keine Ahnung, wer sich so etwas ausdenkt. Ich habe jetzt eine ganze Weile geguckt. Von oben nach unten. Wie ein Film.

Auf eine Art sortiert, wie man es selbst nie machen würde, wozu auch. Aber interessant. So durcheinander, zufällig und mosaikartig läuft dann wahrscheinlich irgendwann einmal der Lebensfilm ab, falls es ihn gibt. Bei diesem Bild blieb ich dann hängen und habe aufgehört. Morgen kommt mein Kühlschrank. Muss schlafen jetzt.

06. September 2012

Gestern war ich wieder einmal auf einer Aussichtsplattform. Am Alexanderplatz steht ein viereckiger Turm mit 39 oder 40 Stockwerken, das Hotel „Park Inn“, früher zu DDR-Zeiten „Forum-Hotel“. In der 37. Etage ist eine Location, die man mieten kann und nach der Wende wurde nachträglich eine Aussichtsterrasse gebastelt. Man fährt bis zum 37. Stock, geht ein paar Treppen nach oben, bezahlt bei einem netten Hotelmitarbeiter, der auch Getränke im Angebot hat, drei Euro und geht raus. Es stehen ein paar stoffbespannte Liegestühle herum, wie man es von diesen Strandbars kennt. Es ist sehr windig, das sind Aussichtstürme ja meistens. Man schaut direkt auf den Fernsehturm, der ist ganz nah, gegenüber. Und über die ganze Stadt. Man schaut aber durch ein Sicherheitsnetz, so ähnlich wie es Katzenbesitzer oft an den Balkon basteln, nur größere Maschen und stabiler. Dieser Aussichtspunkt auf Berlin ist für meinen Geschmack bislang der bei Tag am wenigsten attraktive, auf dem ich bisher war, obwohl die anderen keine Getränke im Angebot haben. Ich würde es keinem Berlin-Besucher ans Herz legen und auch keinem Berliner. Die Terrasse wirkt auf mich trotz der Strandliegen ein bißchen improvisiert und lieblos und man findet keine windgeschützte Ecke. Ich finde, man muss da nicht rauf, lieber woanders. Und da dachte ich gestern, als ich da oben war, wie unvergleichlich schöner es doch auf der Kuppelbalustrade des Französischen Doms ist. Man kann es eigentlich gar nicht vergleichen. Sagen wir, wenn man Flair in Hotelkategorien ausdrücken wollte, wäre die Plattform vom Park Inn eine Jugendherberge und der Französische Dom ein fünf Sterne-Hotel. Ein unvergesslicher Eindruck. Ich war am dritten März zum ersten Mal in meinem Leben da oben, auf der Domkuppel. Es kostet auch drei Euro Eintritt. Man sollte sich vielleicht selber etwas zu trinken mitnehmen. Ein Fläschchen Champagner wäre durchaus angemessen. Oder ein schöner Châteauneuf-du-Pape. Und Gläser. Oder einen Eisbecher. Kein Bier, denn das wäre dem Ort nicht angemessen, ja unschicklich.

Es muss ein elegantes Getränk sein oder ein Eisbecher mit Schlagsahne. Oder ein großer Becher heiße Schokolade oder Kaffee. Aber ohne Plastikdeckel! Dazu feinste Trüffel- Nuss- und Nougat-Pralinen. Mozartkugeln! Constanze-Marzipanherzen! Oder meinethalben auch eine Packung Raffaello oder Ferrero Rocher. Als ich nach oben gegangen bin, hat das wunderbare Carillon angefangen zu spielen, das Glockenspiel. Ich war hin und weg und habe ganz aufgeregt, ganz schnell nach der Filmfunktion auf meiner Kamera geguckt und angemacht. Man kann es nicht beschreiben. Es ist mir unvorstellbar, dass irgendein Mensch keine Gänsehaut bekommt, in so einem Augenblick. Für mich kam es auch noch überraschend, ich wusste das gar nicht. Und nun stand ich so dicht an dem Glockenspiel, an dieser mächtigen Konstruktion wie aus einem Jules Verne-Roman. Ich habe damals noch am selben Tag die kleine Filmaufnahme hochgeladen, hier ist der Eintrag. Nur für die vielen mitgebrachten Bilder habe ich sehr lange gebraucht. Ich habe heute viel Zeit damit zugebracht, die Bilder in eine Reihenfolge zu bringen, die mein Erleben nachempfindbar macht. Die Wendeltreppe nach oben zu gehen, die Höhe des schlanken Kuppelturms zu begreifen und die mächtige Eisenkonstruktion des Glockenspiels. Durch die wagenradgroßen, runden Aussichtsfenster zu schauen und nach draußen zu treten, einmal oder auch zweimal rund um die Kuppel, mit den großen steinernen Amphoren und dem stolzen Krähenvogel, der wie ein König oben auf einer der Amphoren thronte und erhaben und zufrieden über sein Reich in die sinkende Sonne schaut. Am Ziel.


http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Das sind Momente, die ich teilen möchte. Und deshalb widme ich diesen Eintrag ganz besonders allen Menschen, denen es nicht möglich ist, aus eigener Kraft auf so einen Aussichtspunkt zu gelangen und das Glück zu empfinden, wie ein königlicher Vogel über die Stadt zu blicken. Fliegen kann auch ich nicht, das können nur die Vögel, aber ich kann Bilder verschenken, um gemeinsam mit mir durch meine Augen zu fliegen, in den Himmel über Berlin.

05. September 2012

Durch einen Zufall auf eine dieser automatisch generierten Seiten mit flickr content gekommen, wo man den eigenen Bilderstrom nach dem Kriterium „most interesting“ sieht, von oben nach unten sortiert. Keine Ahnung, wer sich so etwas ausdenkt. Ich habe jetzt eine ganze Weile geguckt. Von oben nach unten. Wie ein Film.

Auf eine Art sortiert, wie man es selbst nie machen würde, wozu auch. Aber interessant. So durcheinander, zufällig und mosaikartig läuft dann wahrscheinlich irgendwann einmal der Lebensfilm ab, falls es ihn gibt. Bei diesem Bild blieb ich dann hängen und habe aufgehört. Morgen kommt mein Kühlschrank. Muss schlafen jetzt.

4. September 2012


Heute war ich an einem der schönsten Orte unter dem Himmel von Berlin. Ich wagte mich durch das Tor der großen Moschee und ein muslimischer Bruder lud mich herzlich ein, die Moschee zu betreten und mir alles anzuschauen. Ich habe gefragt, ob ich Fotos machen darf. Ja! In der Moschee ist jeder herzlich willkommen, auch Brüder und Schwestern mit anderer oder gar keiner Religion. Man muss nur die Schuhe ausziehen, weiter nichts. Dann sinkt man in den tiefen Teppich und ist wie in einem Märchen aus Tausend und einer Nacht. Ganz zauberhaft. Ein junger, gläubiger Muslime hat erzählt, was alles in der Moschee gemacht wird. Manchmal hat er sich im Schneidersitz auf den dicken Teppich gesetzt. Die Moschee ist nicht nur wie eine Kirche sondern ein Treffpunkt, wo man im Hof auch was trinken kann und essen, wenn man mag. In der Moschee darf nicht nur der Imam sprechen sondern auch andere, Hauptsache es ist ein wissenschaftlicher Vortrag. In der einen Nische hat ein gläubiger Mann in Richtung Mekka gebetet. Es gibt einen wunderschönen heiligen Schrein an der Wand, damit man beim Beten gleich die richtige Richtung weiß und nicht lange überlegen muss. Es wurde auch erklärt, was die Gebetshaltungen von den Armen und Händen bedeuten. Das war alles sehr schön und leicht und heiter. Gar nicht ernst und schwer, und sehr innig. Die Moschee ist drinnen so sauber, so rein, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Ich habe noch nie irgendwo einen so sauberen Teppich gesehen. Alle gehen in Strümpfen, wie im Wohnzimmer. Es ist ganz still, die Fenster sind leicht geöffnet und es weht ein leichter Wind, man hört die Blätter rauschen, sieht die Sonnenflecken auf dem Teppich und fühlt sich aufgehoben. An der Decke und überall sind wunderschöne, filigrane Arabesken und Ornamente gemalt. Die gemauerten Bögen der Säulengänge haben ein Blockstreifenmuster wie in der Alhambra. Es ist überhaupt vieles wie in der Alhambra, nur lichter und wohnlicher. Ein lichter, federleichter freundlicher Palast zu Ehren der Schöpfung. Wundervoll. Als ich gegangen bin und noch einmal zurückgeschaut habe, um die schöne Moschee ganz zu sehen, mit den beiden Minaretten, hat mich ein anderer freundlicher Muslime im Hof angesprochen und mich ebenfalls mit großer Herzlichkeit ermutigt, doch gerne hineinzugehen. Aber ich war ja schon drin, das hat er nicht gewusst. Ich habe ihm gesagt, wie schön ich die Moschee finde, er hat gestrahlt und noch fast besorgt gefragt, ob ich auch schon ein Foto von der Moschee mit beiden Türmen drauf habe? So eins müsste ich auch noch machen. Das habe ich dann auch noch gemacht. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich gespürt habe, wie rein die Atmosphäre dort ist. Er hat interessiert zugehört und gemeint, dass das nicht jeder gleich so spürt, aber so ist es. Er hat sich nett verabschiedet und ich bin aus einem arabischen Märchen direkt zur Bushaltestelle gegangen. Wie auf einer Wolke.

Mit deiner Seele hat sich meine
Gemischt, wie Wasser mit dem Weine.
Wer kann den Wein vom Wasser trennen,
Wer dich und mich aus dem Vereine?
Du bist mein großes Ich geworden,
Und nie mehr will ich sein dies kleine.
Du hast mein Wesen angenommen,
Sollt‘ ich nicht nehmen an das deine?
Auf ewig hast du mich bejahet,
Daß ich dich ewig nie verneine.
Dein Liebesduft der mich durchdrungen,
Geht nie aus meinem Mark und Beine.
daß ich seufze,
Gieb einen Schlag mir, daß ich weine.
Süß ist mein Weinen und mein Seufzen,
Daß ich der Welt zu jauchzen scheine.
Du ruhst in meiner Seele Tiefen
Mit deines Himmels Widerscheine.
O Edelstein in meinen Schachten,
O Perl‘ in meinem Muschelschreine.
Mein Zucker ist in dir zerschmolzen,
O Milch des Lebens, milde, reine;
Und unsre beiden Süßigkeiten
Genießet Kindermund als eine.
Du preßtest mich zu Rosenwasser,
Nicht seufzt‘ ich unter deinem Steine.
In deiner süßen Qual vergaß ich,
Daß ich die Rose war am Raine.
Da brachtest du an deinen Kleidern
Mich mitten unter die Gemeine;
Und als du auf die Welt mich gossest,
Ward sie zu einem Rosenhaine.

Dschalal ad-Din Muhammad Rumi 1207-1273
in der Übersetzung von Friedrich Rückert, 1819

03. September 2012

Hallo liebe Leser. Und Leserinnen. Da bin ich wieder. Erstaunlich, wie lange es einem vorkommt, wenn man mal vierundzwanzig Stunden unfreiwillig keinen Zugriff auf das Internet hatte. weil nun auch der heimische Router den Gang alles Irdischen gegangen ist. Aber der Hunger treibt’s rein: auf zum T-Punkt und außerordentlich gut bedient worden. Ein junger Mitarbeiter, (ich schreibe jetzt nicht gutaussehend, obwohl er nicht unattraktiv war, das nervt dann ja auch langsam) stand bereits in der Tür des T-Punkt-Ladens in der Friedrichstraße und wartete auf neue Kundschaft. Ich konnte die unerquickliche Warterei schnurstracks beenden. Bestens vorbereitet hatte ich meinen halb verstorbenen Router dabei und er konnte nach einem kurzen Test den bedauernswerten Zustand bestätigen. Für solche tragischen Schicksalsschläge hat die Telekom sehr pietätvoll sofort ein Leihgerät parat, das man ohne Umstände mit einer Unterschrift in die Hand gedrückt bekommt. Zwar nicht in jedem T-Punkt vorrätig, aber das kann man ja von den freundlichen Mitarbeitern auschecken lassen, telefonisch. Im T-Punkt Weinmeisterstraße waren die Leih-Router gerade vergriffen, aber am Potsdamer Platz waren noch mindestens zwei für mich abholbereit. Gelber Klebezettel drauf und nur noch hin und abholen. S-Bahn Potsdamer Platz, wie immer ein bißchen herumgeirrt, bis ich den Eingang zu den Arkaden gefunden habe (danke an die nette Drogeriemarkt Müller-Verkäuferin an dieser Stelle, die mir mit dem Weg behilflich war) und zehn Minuten später mit Leih-Router auf dem Weg nach Hause.
Vorher war ich noch bei meiner Hausverwaltung in der Friedrichstraße, im Spreekarree. Da war ich vorher noch nie! Den netten Herrn Thiem kennengelernt, der die Kühlschranksache unter seinen Fittichen hat. Er musste natürlich über meine Erklärung, könnte gerade nicht telefonieren (IP-basierter Dings) und mailen und wollte mich mal erkundigen, juxen: „Telefonrechnung nich bezahlt, wa?“, was ich selbstverständlich detailverliebt richtig gestellt habe, da ich meine Rechnungen seit geraumer Zeit pünktlich zu begleichen pflege. Die Sache ist jedenfalls in Arbeit und es gibt auch einen Liefertermin, Donnerstag, zwischen zehn und fünfzehn Uhr. Ich habe dann noch die Mieterhöhung angesprochen, aber die ist wiederum in der Hand der Hauseigentümer und der Anwaltskanzlei. Wenn ich auf das nicht vorhandene Gästeklo aufmerksam machen möchte, dann gerne schriftlich. Meinethalben. Ich habe dem Herrn Thiem dann noch klar gemacht, dass er nicht denken muss, ich wüsste nicht, was mit den Mieten in Mitte Sache ist: „ich bin ja nicht aus dieser Welt!“ und will ja nun auch keinen unangemessenen Aufstand produzieren und gleich Widerspruch einlegen, nicht wahr. Aber klären möchte ich das schon, vielleicht macht es ja einen Unterschied. Guckt er wieder so friedlich wie vorher, so ein bißchen Typ Raimund Harmsdorff, aber weniger sexy, falls sich noch jemand an den Seewolf oder so ähnlich erinnert und fragt mich so ins Blaue, ob ich eine Wohnung in der Schumannstraße haben will, da wäre gerade was frei geworden, so ähnlich wie meine. Nennt den Preis, bißchen weniger als meine. Also wenn ich keine hätte, könnte mich die schon interessieren. Zur Orientierung: das Deutsche Theater befindet sich in der Schumannstraße. Haha, das wäre ja noch überkandidelter als Adresse. Und als nächstes ein Penthouse am Gendarmenmarkt, was kostet die Welt! Nein, nein, ich bescheide mich weiter mit meinem kleinen Adlerhorst am Gipsdreieck. Anschließend ruckzuck neuen Router konfiguriert, ich kann das mittlerweile im Schlaf (nach ca. zwanzig unermüdlichen, fehlgeschlagenen (aber korrekt durchgeführten!!!) Versuchen in den letzen zwei Tagen), und etwas enttäuscht festgestellt, das recht wenig in den letzten vierundzwanzig Stunden im Internet passiert ist. Ich habe praktisch gar nichts verpasst! Nur gefühlt eben. Bild mit mir selber drauf klebe ich heute keines rein, das wirkt immer so eitel, so in kurzer Folge hintereinander! (was ich aber natürlich trotzdem unverändert – OHNE WENN UND ABER – bin!)
P.S.:
da ich ja gestern Abend nicht ordnungsgemäß berichten konnte: ich war schon wieder im Vergnügungspark im Plänterwald! Diesmal überall, wo man nur mit Führer hinkommt. Darf man Führer schreiben? Also einem, der einen führt. Mann, waren das viele, mein lieber Schwan! Da ich ja charakterbedingt immer so gründlich bin, musste ich nach meinem Erstausflug, wo ich ja nicht überall war, sondern nur Bimmelbahn gefahren und mich einmal kurz hinter die Absperrung verlaufen (aus Versehen, versteht sich!) nochmal den Rest gucken gehen, großes Drachenmaul aus der Filmszene mit Cate Blanchett und Piratenschiff. Oh, das war so schön. Ich glaube, ich habe auch einen bekannten Blogger unter den anderen in der Gruppe erkannt, mir aber nichts anmerken lassen, hihi! Er hat mich mal als Freundin bei facebook angefragt und damals habe ich noch alle möglichen bestätigt aber später dann, in einer Aufräumaktion, alle die ich nicht wenigstens von einem Gespräch unter vier Augen oder unter vier E-Mails kenne, gelöscht. Da musste er auch dran glauben. Er hat manchmal ein bißchen geguckt, als ob da irgendwas klingelt, aber konnte mich glaube ich nicht zuordnen. Ich sage aber nicht wer! Seine Freundin war auch dabei und hat eine Annie Lennox-Frisur und knallroten Lippenstift!

Mein lieber Schwan!

1. September 2012

Ach komm scheiß drauf, Chronologie heckmeck, hier aktuelles Foto, vorhin 19 Uhr, U-Bahnhof Heine Heine-Str., kurz bevor ich noch zwei Fotos gemacht habe, auf die U 8 wartenderweise, vor einem Cindy Crawford-Poster. Die hat ja jetzt diese schicke C&A-Serie in schwarzweiß. Gefällt mir gut! Cindy gefällt mir gut. Wir sind ja fast gleich alt. Wobei ich natürlich die Ältere bin. In drei Jahren fünfzig! Vorhin mal gerechnet, ob ich tatsächlich noch runde sechzig Jahre aushalte? Mal gucken. Ich lege mich da heute noch nicht fest. Ich weiß ja noch nicht mal, was ich morgen vorhabe. Ha!

a r s c h c o o l

2. September 2012

Ja ja, ich weiß, der Leser leidet unter dem ewigen Schwarzweiß. Also klebe ich zur Feier des Tages zwei weitere handverlesene Farbbilder von heute – Moment – 19:19 Uhr und 19:21 Uhr in mein kleines Poesiealbum. Die nachfolgende Aufnahme bildet mich vorhin in meiner Küche am Küchenfenster ab, unten, im Hintergrund sehen wir die Fassade des Gebäudes, in dem sich ein sogenanntes Szene-Café im Bezirk Mitte mit Namen Hackbarth’s befindet. Gastronomische Einrichtungen wie diese tragen dazu bei, dass dem Anwalt mit dem Mieterhöhungsangebot recht zu geben ist. Ich bin da zwar nie drin, aber ich gucke gerne, wer da so rumsitzt, was die Leute so anhaben (Miniröcke!) und frühstücken. Stilkunde! Immer interessant. Sozusagen kostenlose Fortbildung.

Zwei Minuten später, also auch vorhin, entstand die folgende Aufnahme, welche mich auf dem Nordbalkon abbildet. Nun werden Sie sagen, Nordbalkon? Geht’s noch? Wer möchte schon einen Nordbalkon haben? Ein Fall für Mietminderung! Aber ich, meine Damen und Herren, nutze diesen exklusiven Nord-Balkon nunmehr auch als Kühlschrank. Ein multifunktionaler Balkon, den man erst einmal haben muss. Dass es noch einen zweiten Balkon gibt, zur anderen Seite mit Blick auf diese lästige Kuppel vom Berliner Dom, kehre ich an dieser Stelle diskret unter den Teppich. Blöd, dass es der Anwalt aber trotzdem mitgekriegt hat. Aber das Gästeklo ist trotzdem gelogen. Und ja, ich nutze den Fahrstuhl. Dafür ist er ja wohl da. Und die Badewanne. Und die Dusche. Jawohl. Schließlich bin ich vom Sternzeichen Jungfrau und daher ein reinlicher Typ! Soll ich dafür etwa bestraft werden? Ob die Fliesen allerdings aus echtem Marmor sind, wie Sie schreiben, Herr Anwalt, das ist eventuell noch durch meine Anwältin zu prüfen. (Für Frau Klugscheisser: im Tageslicht besser zu erkennen: mit Siebenundvdreißig hat man mitunter doch schon das eine oder andere graue Strähnchen. Aber sonst alles Natur! Vor allem der Eyeliner. Der war aber nicht so ungleichmäßig, als ich fünf Stunden vorher zu meinem Ausflug los bin. Eindeutig der Alterungsprozess!)


PS:
hier schnell noch ein topaktuelles Bild! Inzwischen ist es 1:47 Uhr, das Make up ist mehr oder weniger komplett zerbröckelt und ich fühle mich nun doch altersbedingt nicht mehr so ganz frisch, wie es die anderen Bilder noch erfolgreich vorzutäuschen vermochten:

1. September 2012

Ach komm scheiß drauf, Chronologie heckmeck, hier aktuelles Foto, vorhin 19 Uhr, U-Bahnhof Heine Heine-Str., kurz bevor ich noch zwei Fotos gemacht habe, auf die U 8 wartenderweise, vor einem Cindy Crawford-Poster. Die hat ja jetzt diese schicke C&A-Serie in schwarzweiß. Gefällt mir gut! Cindy gefällt mir gut. Wir sind ja fast gleich alt. Wobei ich natürlich die Ältere bin. In drei Jahren fünfzig! Vorhin mal gerechnet, ob ich tatsächlich noch runde sechzig Jahre aushalte? Mal gucken. Ich lege mich da heute noch nicht fest. Ich weiß ja noch nicht mal, was ich morgen vorhabe. Ha!

a r s c h c o o l

1. September 2012

Liebe Leser und Leserinnen,
heute ist ein ganz besonderer Tag! Ich habe meine erste Mieterhöhung seit Dingsbums gekriegt. Zu faul zum Nachgucken. Aber weil ich ja in den letzten Monaten wie ein Weltmeister gelernt habe, meine Kröten besser als einen Sack Flöhe zu hüten, bin ich weniger in Panik ausgebrochen, als es eventuell noch vor einem Jahr der Fall gewesen wäre. Offen gestanden, habe ich mir schon seit einer Weile insgeheim gedacht, huiuiui, gut dass die Hausbesitzer mutmaßlich weit, weit weg wohnen, so kriegen sie vielleicht nicht so richtig mit, in welcher Ecke ihr Mietshaus steht. Also nicht, dass die Herrschaften nicht wüssten, wo es sich adressenmäßig befindet, aber man ist ja nicht immer so auf dem Laufenden, wie sich die Bezirke in fernen Städten entwickeln. Nun hat man also doch den Schuss gehört und gleich einen Rechtsanwalt beauftragt, den Mietern die frohe Botschaft zu übermitteln. Wie gesagt, ich bin eigentlich eher überrascht gewesen, dass das noch nicht früher passiert ist, allerdings doch schon etwas stramm, so auf einen Schlag um die hundertzwanzig Euro mehr. Muss mal genau nachrechnen. Nun kann man die Argumentationskette auch schlecht widerlegen. Die scheint mir doch recht wasserdicht, wenn ich mir den Berliner Mietspiegel angucke, den etwas inoffizielleren für 2012 (unter M wie Mitte) Nun ja, zur Entspannung guckt man dann einfach noch mal rüber nach Hamburg und nach München und dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Allerdings habe ich kein Gästeklo, wie in dem Schreiben erwähnt wird. Die Türen entsprechen auch nicht so ganz dem optischen Luxustandard der Lage, aber ich will da nicht kleinlich sein. Aber nachhaken möchte ich schon mal, am Montag wenn ich in Sachen Kühlschrank anrufe, ob das nicht vorhandene Gästeklo vielleicht rausgerechnet werden kann, und ob ich mir eventuell die drei genannten Vergleichsobjekte angucken könnte, da hinten in der Alten Schönhauser und noch zwei andere in meinem Dreh. Ich gucke ja gerne Wohnungen. Die daily soap auf Vox allerdings nicht mehr, ich habe zu viele Folgen davon gesehen und meine einen guten Überblick über ortsübliche Mieten erhalten zu haben. Daher ist ein gewisser Schrecken zwar durchaus vorhanden, aber die Empörung hält sich in Grenzen. Man muss nicht unbedingt in Mitte wohnen. Aber es ist schon sehr, sehr nett.
Ein bißchen charmanter hätte man das aber vielleicht schon übermitteln können, als über einen Rechtsanwalt. Ich dachte schon, ich hätte unbewusst etwas angestellt. Vielleicht eine GEMA-Abmahnung, für unzulässige Musikschnipsel-Verwertung. Mist, ich habe ja wirklich ein bißchen Dreck am Stecken, fällt mir auf. Das hat jetzt aber keiner gelesen!
Ansonsten war ich bei EDEKA in der Rosi, bißchen einkaufen und dann zusammengebrochenen Router resetten und blöde Internet-Telefonie neu konfigurieren, dann Test-Anruf bei Versuchskaninchen Jan, nochmal blödes Router-Gefrickel und dann Ausflug, kleiner Ausflug. Aber schön. Ich war im Plänterwald, im vor sich hinrottenden Vergnügungspark aus den Sechzigern wo sogar schon Hollywoodfilme gedreht worden sind. Mit umgekippten Dinos und wildem Gestrüpp. Ganz schön dort. Und Bimmelbahn gefahren. Feine Sache. Zwei Euro! Ab heute kann ich ja wieder herumgurken wie verrückt, weil mein BVG-Abo seit heute gilt.
Es war schön sonnig und ich habe ein knalloranges Hemdchen angezogen und eine weiße Hose. Im kleinen Rucksack (für später kälter) meine schwarze Who killed Bambi?-Jacke mit den weißen Streifen und den Sternen auf den Ärmeln. Die kids im Vergnügungspark haben ein bißchen neidisch geguckt! Klar. Wahrscheinlich nicht nur wegen der Jacke, sondern weil ich schon groß bin! Habe schöne Fotos gemacht, versprochen.

30. August 2012

Bloß kein Stress! Ich werde zum Glück langsam etwas entspannter, was ich auf das fortschreitende Lebensalter zurückführe. Sicher wäre es interessant, einen Assistenten oder eine Assistentin zu haben, die in meinem Sinne die seit drittem März 2012 entstandenen und bereits auf 6.038 minimierten, unveröffentlichten Bilddokumente weiter sichtet, ausmistet und ggf. optimiert, aber Mitarbeiter brauchen Aufmerksamkeit und verdienen Lohn. Das wird mir dann alles zu kompliziert! Ich bin zum Beispiel überhaupt nicht der Typ für Personal, obwohl ich Dienstleistungskräfte sehr schätze. Aber nicht in meinem Haushalt, es sei denn, es lässt sich gar nicht umgehen und der Handwerker muss ran. Obwohl ich auch da gerne selbständig bin. Beispielsweise hätte ich ohne weiteres den kranken (und mittlerweile verstorbenen) Kühlschrank durch den Fachmann ausbauen lassen können, aber mir hat vor der Sauerei gegraust, wenn die Sockelleiste abgenommen wird und das ganze Elend zutage tritt. Dann hätte der gute Mann auch nach einem Wischlappen gefragt und ich hätte reagieren müssen. So habe ich das Gerät selbsttätig ausgebaut, den Schaden analysiert und eingegrenzt (danke, Internet) und konnte den Elektrikern und dem Monteur vorgestern eine picobello Küchezeilenlücke für den nächsten Kühlschrank präsentieren, wo man gerne professionell tätig wird. Natürlich hätte ich auch noch am liebsten die Elektrik selber geprüft aber so schnell geht es nun einmal nicht mit dem Internetabendstudium in Elektrotechnik, auch fehlen mir zur abschließenden Beurteilung noch die entsprechenden professionellen Phasen- und Spannungsprüfgeräte. Sicher nicht ganz billig! Die Hausverwaltung lässt sich das dann auch gerne vom qualifzierten Fachmann bestätigen, wozu ich mich noch längst nicht zählen darf. Aber immerhin kenne ich nun den Unterschied zwischen Sicherungskasten und Sicherungsautomat und Leitungsschutzschalter und Schmelzsicherung aus dem Effeff! Gerne erinnere ich mich an das anerkennende Lächeln des Monteurs, als ich vorgestern semiprofessionell erläuterte, dass der FI-Schalter (wie wir Fachleute gerne sagen) meiner Einschätzung nach einwandfrei funktioniert und die Kupferplatine ordnungsgemäß den Kurzschluss auslöst. So kann man bei Männern punkten! Nicht, dass ich es darauf angelegt hätte. Ich habe nur in den letzten Wochen immer wieder gegrübelt, wieso in meinem Sicherungsautomaten keine Schraubsicherungen drin sind, wie früher in den anderen Wohnungen. Nun bin ich schlauer: eine völlig veraltete Technik! Aber das kann ja jede elektrotechnik-interessierte Leserin im Selbststudium per Internet herausfinden! Eigentlich wollte ich nur mitteilen, dass ich mir keinen Stress mehr mache, mit möglichst viel und regelmäßig Bloggen incl. topaktuellem Bildmaterial und dem ganzen Heckmeck und Sozialstress. Nun ist doch wieder ein topaktueller Eintrag dabei herausgekommen! Es hat eben sollen sein! Übrigens warte ich nun auf die Kühlschranklieferung und bin guter Hoffnung, dass es morgen vielleicht sogar eine Art Terminankündigung geben könnte. Bis dahin sind die Sachen auf dem Balkon auf der Nordseite, so mittelgekühlt. Geht auch irgendwie. Man muss nicht verhungern! Gut, dass ich keine Milchtrinkerin bin, sonst wäre es schwierig. Joghurt und Quark und Käse hält sich auch bei geringerer Kühlung einigermaßen. Ich kaufe dann halt öfter und weniger. So, genug der unglamourösen, profanen Hauswirtschafts-Mitteilungen. Nacht!

30. August 2012

Bloß kein Stress! Ich werde zum Glück langsam etwas entspannter, was ich auf das fortschreitende Lebensalter zurückführe. Sicher wäre es interessant, einen Assistenten oder eine Assistentin zu haben, die in meinem Sinne die seit drittem März 2012 entstandenen und bereits auf 6.038 minimierten, unveröffentlichten Bilddokumente weiter sichtet, ausmistet und ggf. optimiert, aber Mitarbeiter brauchen Aufmerksamkeit und verdienen Lohn. Das wird mir dann alles zu kompliziert! Ich bin zum Beispiel überhaupt nicht der Typ für Personal, obwohl ich Dienstleistungskräfte sehr schätze. Aber nicht in meinem Haushalt, es sei denn, es lässt sich gar nicht umgehen und der Handwerker muss ran. Obwohl ich auch da gerne selbständig bin. Beispielsweise hätte ich ohne weiteres den kranken (und mittlerweile verstorbenen) Kühlschrank durch den Fachmann ausbauen lassen können, aber mir hat vor der Sauerei gegraust, wenn die Sockelleiste abgenommen wird und das ganze Elend zutage tritt. Dann hätte der gute Mann auch nach einem Wischlappen gefragt und ich hätte reagieren müssen. So habe ich das Gerät selbsttätig ausgebaut, den Schaden analysiert und eingegrenzt (danke, Internet) und konnte den Elektrikern und dem Monteur vorgestern eine picobello Küchezeilenlücke für den nächsten Kühlschrank präsentieren, wo man gerne professionell tätig wird. Natürlich hätte ich auch noch am liebsten die Elektrik selber geprüft aber so schnell geht es nun einmal nicht mit dem Internetabendstudium in Elektrotechnik, auch fehlen mir zur abschließenden Beurteilung noch die entsprechenden professionellen Phasen- und Spannungsprüfgeräte. Sicher nicht ganz billig! Die Hausverwaltung lässt sich das dann auch gerne vom qualifzierten Fachmann bestätigen, wozu ich mich noch längst nicht zählen darf. Aber immerhin kenne ich nun den Unterschied zwischen Sicherungskasten und Sicherungsautomat und Leitungsschutzschalter und Schmelzsicherung aus dem Effeff! Gerne erinnere ich mich an das anerkennende Lächeln des Monteurs, als ich vorgestern semiprofessionell erläuterte, dass der FI-Schalter (wie wir Fachleute gerne sagen) meiner Einschätzung nach einwandfrei funktioniert und die Kupferplatine ordnungsgemäß den Kurzschluss auslöst. So kann man bei Männern punkten! Nicht, dass ich es darauf angelegt hätte. Ich habe nur in den letzten Wochen immer wieder gegrübelt, wieso in meinem Sicherungsautomaten keine Schraubsicherungen drin sind, wie früher in den anderen Wohnungen. Nun bin ich schlauer: eine völlig veraltete Technik! Aber das kann ja jede elektrotechnik-interessierte Leserin im Selbststudium per Internet herausfinden! Eigentlich wollte ich nur mitteilen, dass ich mir keinen Stress mehr mache, mit möglichst viel und regelmäßig Bloggen incl. topaktuellem Bildmaterial und dem ganzen Heckmeck und Sozialstress. Nun ist doch wieder ein topaktueller Eintrag dabei herausgekommen! Es hat eben sollen sein! Übrigens warte ich nun auf die Kühlschranklieferung und bin guter Hoffnung, dass es morgen vielleicht sogar eine Art Terminankündigung geben könnte. Bis dahin sind die Sachen auf dem Balkon auf der Nordseite, so mittelgekühlt. Geht auch irgendwie. Man muss nicht verhungern! Gut, dass ich keine Milchtrinkerin bin, sonst wäre es schwierig. Joghurt und Quark und Käse hält sich auch bei geringerer Kühlung einigermaßen. Ich kaufe dann halt öfter und weniger. So, genug der unglamourösen, profanen Hauswirtschafts-Mitteilungen. Nacht!

29. August 2012

Hot, sunny summerday. Frau Nielsen in magenta-pink: hot! Beweis-Fotos im Herbst. Zurück vom Handwerker-Date Schierker Straße 27. Ich gestiefelter Kater erst zur Sparkassenfiliale Brunnenstraße, fünfzig Euro gezogen und Kontoauszug. Keine Überraschung, bin ja nun stets im Bilde. BVG-Fahrscheinautomat will den Fuffi nicht futtern, zahle ich doch allen Ernstes 2,40 € mit EC-Karte. Neben mir steigen drei fesche Polizisten ein, mit so französischen Käppis, Sommer-Uniform, sehr schick. Dunkelblau ja jetzt. Wie aus einem schicken französischen Polizeifilm, obwohl da haben die ja so komische andere Kappen auf, keine Mützen. Also ich will damit nur sagen, die drei Polizisten haben einen erstklassigen Eindruck bei mir hinterlassen, modetechnisch. Ich musste dann auch wieder ein Kompliment machen, und zwar: „Das sieht ja viel besser aus, als das Grün früher!“ (Frau Nielsen zeigt mit dem Finger auf den Dreierpack Polizisten und guckt anerkennend). Der bestaussehendste von den Dreien und der hochgewachsenste pariert zackig: „Das stimmt!“ Die anderen beiden lächeln ein bißchen verlegen aber auch stolz, ich merke so was! Ich musste im übrigen nur deswegen einen sündhaft teuren Einzelfahrschein kaufen, weil mein brandneues BVG-Jahresabo erst ab September gilt. Ich bin ja völlig von den Socken, was man da im Jahr spart. Ich lasse einmalig pro Jahr, erstmalig jetzt zum 01.09. abbuchen, nur 680 Euro, statt zwölf mal 77 Euro! Bitte rechnen Sie selbst. Das gibt es nun seit zwanzig Jahren, aber ich war schlecht informiert. Ich habe das schon gewusst, aber die Ausgabe und die vertragliche Bindung gescheut und mir eingeredet, dass es bestimmt nur drei bis zehn Mark billiger ist. Aber nun bin ich im Bilde und auch mit an Bord! „Willkommen an Bord!“ hat mich der kecke BVG-Berater nach Vertragsabschluss neulich am 9. August begrüßt.
Aber weiter! Endhaltestelle der U-Bahnfahrt vorhin gegen 10:35 Uhr wieder einmal Herrmannstraße. Um 11 Uhr klingelt Herr Wolter von der Firma Böttger oder so ähnlich. Fachmann für Gasthermen! Ein südländischer Typ aber eindeutig Berliner. Sehr gutaussehend! Ich weiß, das klingt jetzt langsam als ob ich übertreibe, ich muss es ja nicht beweisen und kann es auch nicht beweisen, weil ich ja den Fotoapparat nicht dabeigehabt habe, und mich auch nicht getraut hätte! Er könnte im Prinzip als Spanier durchgehen, ca. mein Alter, zwischen Mitte und Ende Vierzig, klein und wendig. Der Mann weiß sofort, wo der Hammer hängt und haut gezielt mit demselbigen auf den neuralgischen Punkt der lahmen Pumpe. Zack, die Flamme brennt! Im Anschluss ruft er über Mobiltelephon beim Schornsteinfeger an. Vorher hat er mich noch gefragt, ob es mir recht wäre und ich noch Zeit hätte, dann könnte man das gleich noch erledigen. Ja freilich! Nur zu, rufen Sie den Schornsteinfeger! Er kennt ja auch mein pinkes Kleid noch nicht, denke ich so bei mir, eine gute Gelegenheit! Nun ja, Herr Wolter erklärt, Herr Teichert kann leider nicht selber kommen, aber ein anderer Schornsteinfeger, sein Mitarbeiter ist in der Nähe und der kann gleich rumkommen. Okay! Ich bin einverstanden, denn ich lerne immer gerne neue Schornsteinfeger kennen und dann ist es auch praktisch, dass die Sache vom Fachmann abschließend geprüft wird und für gut befunden! Ich nehme mir den einen Küchenstuhl auf den sonnigen Balkon von meinem kleinen Atelier und will gerade die Kontoauszüge in meinen mitgebrachten Hauswirtschaftsplan handschriftlich einarbeiten, als es schon wieder klingelt! Das ging ja ruckzuck! Herr Wolter hat sich bereits verabschiedet und ich öffne die Tür für den Schornsteinfeger. Ich juble innerlich, denn er hat sein Kostüm, also seine Kluft oder wie man das nennt an! Das sieht einfach immer adrett und überzeugend aus. Ganz in Schwarz mit so einem Bäcker-Käppi, farblich punktgenau dazu abgestimmt. Der neue Schornsteinfeger ist sehr jung und sympathisch, etwas schüchtern wirkt er und sehr gewissenhaft geht er gleich ans Werk. Artig fragt er mich, ob ich eine Trittleiter habe oder ob er den Küchenstuhl benutzen dürfte. Ich erlaube es natürlich! Dafür ist er doch da der Küchenstuhl! Der junge Schornsteinfeger sieht ungefähr so aus, wie Reinhold Beckmann mit Zwanzig ausgesehen haben müsste. Eigentlich trifft diese Beschreibung am besten seinen Typ. Er trägt einen kleine feine Metallbrille mit so ovalen Gläsern, Gestellmodell Hermann Hesse oder wie Norbert Blüm. Das wirkt irgendwie introvertiert und romantisch! Die Brille harmoniert sehr schön mit dem schwarzen Käppi und ist gut gewählt. Es geht wieder einmal alles sehr schnell, der junge Fachmann ist vollumfänglich mit der Fuktionsweise der Therme zufrieden: „Das sieht doch alles sehr gut aus!“ Er fragt mich noch nach einem Autogramm, das ich ihm selbstverständlich gebe und räumt noch artig den Stuhl zurück. Ich bin entzückt. Ich möchte ihn adpotieren, traue mich aber nicht, es laut auszusprechen. Beschwingt laufe ich zur U-Bahn – noch gilt mein Ticket – und gönne mir abermals eine Fahrtunterbrechung zwecks Einkauf. Heute kaufe ich: weiße Weintrauben aus Griechenland, Emmentaler Käse, Spitzpaprika, Waschpulver, Hautcreme, sowie je eine Flasche Chardonnay und Bordeaux. Nun bin ich wieder daheim und werde mir mein kleines Frühstück zubereiten. Es gibt Seitenbacher-Müsli 107 mit Biac-Joghurt und kleingeschnippeltem Apfel und Weintrauben und natürlich Kaffee, den ich gleich kochen werde. Außerdem muss ich noch drei große Polster auf den sonnigen Balkon packen und das flauschige Veloursbadetuch mit dem großen Vogel drauflegen. Und noch ein Kissen für den Rücken. Und Musik anmachen. Und Sonnenbrille holen. Spitzenmäßig topaktueller Blogeintrag fertig! Nur das mit den Bildern schleift leider, ich weiß, nobody’s perfect! Andererseits ist es ja auch spannend, wenn ich immer beschreibe, was ich gesehen oder angehabt habe und dann hat der Leser sein eigenes Bild von mir im Kopf und kann später mit dem Original-Bild vergleichen. Man muss es sportlich sehen! Nochmal zur Erklärung: ich habe eine chronologische Marotte, was Bilder angeht, deswegen darf ich keine neueren vor älteren hochladen! Das bringt mein inneres Ordnungsamt durcheinander. Außerdem bin ich Sternzeichen Jungfrau und muss daher auch sternzeichentypische Ordnungsmarotten kultivieren, sonst stimmt das mit der ganzen Astrologie nämlich nicht mehr! Dann kommt alles durcheinander!

29. August 2012

Hot, sunny summerday. Frau Nielsen in magenta-pink: hot! Beweis-Fotos im Herbst. Zurück vom Handwerker-Date Schierker Straße 27. Ich gestiefelter Kater erst zur Sparkassenfiliale Brunnenstraße, fünfzig Euro gezogen und Kontoauszug. Keine Überraschung, bin ja nun stets im Bilde. BVG-Fahrscheinautomat will den Fuffi nicht futtern, zahle ich doch allen Ernstes 2,40 € mit EC-Karte. Neben mir steigen drei fesche Polizisten ein, mit so französischen Käppis, Sommer-Uniform, sehr schick. Dunkelblau ja jetzt. Wie aus einem schicken französischen Polizeifilm, obwohl da haben die ja so komische andere Kappen auf, keine Mützen. Also ich will damit nur sagen, die drei Polizisten haben einen erstklassigen Eindruck bei mir hinterlassen, modetechnisch. Ich musste dann auch wieder ein Kompliment machen, und zwar: „Das sieht ja viel besser aus, als das Grün früher!“ (Frau Nielsen zeigt mit dem Finger auf den Dreierpack Polizisten und guckt anerkennend). Der bestaussehendste von den Dreien und der hochgewachsenste pariert zackig: „Das stimmt!“ Die anderen beiden lächeln ein bißchen verlegen aber auch stolz, ich merke so was! Ich musste im übrigen nur deswegen einen sündhaft teuren Einzelfahrschein kaufen, weil mein brandneues BVG-Jahresabo erst ab September gilt. Ich bin ja völlig von den Socken, was man da im Jahr spart. Ich lasse einmalig pro Jahr, erstmalig jetzt zum 01.09. abbuchen, nur 680 Euro, statt zwölf mal 77 Euro! Bitte rechnen Sie selbst. Das gibt es nun seit zwanzig Jahren, aber ich war schlecht informiert. Ich habe das schon gewusst, aber die Ausgabe und die vertragliche Bindung gescheut und mir eingeredet, dass es bestimmt nur drei bis zehn Mark billiger ist. Aber nun bin ich im Bilde und auch mit an Bord! „Willkommen an Bord!“ hat mich der kecke BVG-Berater nach Vertragsabschluss neulich am 9. August begrüßt.
Aber weiter! Endhaltestelle der U-Bahnfahrt vorhin gegen 10:35 Uhr wieder einmal Herrmannstraße. Um 11 Uhr klingelt Herr Wolter von der Firma Böttger oder so ähnlich. Fachmann für Gasthermen! Ein südländischer Typ aber eindeutig Berliner. Sehr gutaussehend! Ich weiß, das klingt jetzt langsam als ob ich übertreibe, ich muss es ja nicht beweisen und kann es auch nicht beweisen, weil ich ja den Fotoapparat nicht dabeigehabt habe, und mich auch nicht getraut hätte! Er könnte im Prinzip als Spanier durchgehen, ca. mein Alter, zwischen Mitte und Ende Vierzig, klein und wendig. Der Mann weiß sofort, wo der Hammer hängt und haut gezielt mit demselbigen auf den neuralgischen Punkt der lahmen Pumpe. Zack, die Flamme brennt! Im Anschluss ruft er über Mobiltelephon beim Schornsteinfeger an. Vorher hat er mich noch gefragt, ob es mir recht wäre und ich noch Zeit hätte, dann könnte man das gleich noch erledigen. Ja freilich! Nur zu, rufen Sie den Schornsteinfeger! Er kennt ja auch mein pinkes Kleid noch nicht, denke ich so bei mir, eine gute Gelegenheit! Nun ja, Herr Wolter erklärt, Herr Teichert kann leider nicht selber kommen, aber ein anderer Schornsteinfeger, sein Mitarbeiter ist in der Nähe und der kann gleich rumkommen. Okay! Ich bin einverstanden, denn ich lerne immer gerne neue Schornsteinfeger kennen und dann ist es auch praktisch, dass die Sache vom Fachmann abschließend geprüft wird und für gut befunden! Ich nehme mir den einen Küchenstuhl auf den sonnigen Balkon von meinem kleinen Atelier und will gerade die Kontoauszüge in meinen mitgebrachten Hauswirtschaftsplan handschriftlich einarbeiten, als es schon wieder klingelt! Das ging ja ruckzuck! Herr Wolter hat sich bereits verabschiedet und ich öffne die Tür für den Schornsteinfeger. Ich juble innerlich, denn er hat sein Kostüm, also seine Kluft oder wie man das nennt an! Das sieht einfach immer adrett und überzeugend aus. Ganz in Schwarz mit so einem Bäcker-Käppi, farblich punktgenau dazu abgestimmt. Der neue Schornsteinfeger ist sehr jung und sympathisch, etwas schüchtern wirkt er und sehr gewissenhaft geht er gleich ans Werk. Artig fragt er mich, ob ich eine Trittleiter habe oder ob er den Küchenstuhl benutzen dürfte. Ich erlaube es natürlich! Dafür ist er doch da der Küchenstuhl! Der junge Schornsteinfeger sieht ungefähr so aus, wie Reinhold Beckmann mit Zwanzig ausgesehen haben müsste. Eigentlich trifft diese Beschreibung am besten seinen Typ. Er trägt einen kleine feine Metallbrille mit so ovalen Gläsern, Gestellmodell Hermann Hesse oder wie Norbert Blüm. Das wirkt irgendwie introvertiert und romantisch! Die Brille harmoniert sehr schön mit dem schwarzen Käppi und ist gut gewählt. Es geht wieder einmal alles sehr schnell, der junge Fachmann ist vollumfänglich mit der Fuktionsweise der Therme zufrieden: „Das sieht doch alles sehr gut aus!“ Er fragt mich noch nach einem Autogramm, das ich ihm selbstverständlich gebe und räumt noch artig den Stuhl zurück. Ich bin entzückt. Ich möchte ihn adpotieren, traue mich aber nicht, es laut auszusprechen. Beschwingt laufe ich zur U-Bahn – noch gilt mein Ticket – und gönne mir abermals eine Fahrtunterbrechung zwecks Einkauf. Heute kaufe ich: weiße Weintrauben aus Griechenland, Emmentaler Käse, Spitzpaprika, Waschpulver, Hautcreme, sowie je eine Flasche Chardonnay und Bordeaux. Nun bin ich wieder daheim und werde mir mein kleines Frühstück zubereiten. Es gibt Seitenbacher-Müsli 107 mit Biac-Joghurt und kleingeschnippeltem Apfel und Weintrauben und natürlich Kaffee, den ich gleich kochen werde. Außerdem muss ich noch drei große Polster auf den sonnigen Balkon packen und das flauschige Veloursbadetuch mit dem großen Vogel drauflegen. Und noch ein Kissen für den Rücken. Und Musik anmachen. Und Sonnenbrille holen. Spitzenmäßig topaktueller Blogeintrag fertig! Nur das mit den Bildern schleift leider, ich weiß, nobody’s perfect! Andererseits ist es ja auch spannend, wenn ich immer beschreibe, was ich gesehen oder angehabt habe und dann hat der Leser sein eigenes Bild von mir im Kopf und kann später mit dem Original-Bild vergleichen. Man muss es sportlich sehen! Nochmal zur Erklärung: ich habe eine chronologische Marotte, was Bilder angeht, deswegen darf ich keine neueren vor älteren hochladen! Das bringt mein inneres Ordnungsamt durcheinander. Außerdem bin ich Sternzeichen Jungfrau und muss daher auch sternzeichentypische Ordnungsmarotten kultivieren, sonst stimmt das mit der ganzen Astrologie nämlich nicht mehr! Dann kommt alles durcheinander!

28. August 2012

Mein Tag:
8:00 Uhr: Aufstehen.
8:00 Uhr bis 9:00 Uhr: Körperpflege, Kaffee kochen und trinken.
9:00 Uhr bis 9:20 Uhr: Internet gucken, Kaffee trinken.
9:20 Uhr bis 9:25 Uhr: Kleid anziehen (Pannesamt, silbergrau), Modenschau, Fotos machen.
9:25 Uhr bis 9:30 Uhr: Fußweg August bis U-Bhf Weinmeister.
9:30 Uhr bis 9:35 Uhr: Auf U-Bahn warten, lesen.
9:35 Uhr bis 9:53 Uhr: U-Bahn fahren, lesen.
9:53 Uhr bis 9:58 Uhr: Fußweg U-Bhf. Herrmannstr. bis Schierker.
9:58 Uhr: Schornsteinfeger treffen (ca. 30, blond, hoppla: attraktiv).
9:58 Uhr bis 10:20 Uhr: Schornsteinfeger bei der Arbeit zusehen, etwas zur Hand gehen, selbst tätig werden (Balkon, Bad).
10:20 bis 10:25 Uhr: abschließende Diagnose und Fachgespräch (Schornsteinfeger: „da werden wir uns wohl bald wiedersehen“), Verabschiedung.
10:25 bis 10:27 Uhr: Verlassen der Räumlichkeiten, Fachgespräch im Treppenhaus mit Handwerkern (ich): „Knacken Sie das Schloss ruhig, von mir aus kann der Keller ruhig ausgeräumt werden! Na dann noch frohes Schaffen!“
10:27 Uhr bis 10:32 Uhr: Briefkasten leeren, verlassen des Objektes, Fußweg U-Bahn Herrmannstraße.
10:34 Uhr bis 10:43 Uhr: U-Bahnfahrt bis Moritzplatz, lesen.
10:43 Uhr bis 10:45 Uhr: Fußweg U-Bhf. bis ALDI Oranienstr.
10:45 Uhr bis 10:55 Uhr: Einkauf 6 Sahnekefir, 4er-Pack Biac.
10:55 Uhr bis 10:57 Uhr: Fußweg Oranienstr. bis U-Bhf Moritzpl.
10:57 Uhr bis 11:06 Uhr: U-Bahnfahrt bis Weinmeister, lesen.
11:06 Uhr bis 11:15 Uhr: Fußweg Weinmeister bis Auguststr.
11:15 Uhr bis 11:16 Uhr: Äpfel von Wiese Gipsdreieck aufklauben.
11:16 Uhr bis 11:17 Uhr: Objekt Auguststr. betreten, Briefkasten leeren, Fahrstuhl.
11:17 Uhr bis 11:20 Uhr: ausziehen, Einkauf wegräumen.
11:20 Uhr bis 11:50 Uhr: Äpfel putzen, Frühstück machen (Müsli), Kaffee kochen, Frühstücken, Internet gucken.
11:50 Uhr bis 11:52 Uhr: Anruf entgegennehmen, Termin bestätigen.
11:50 Uhr bis 12:30 Uhr: herumräumen, abspülen.
12:30 Uhr bis 12:35 Uhr: Kleid aufhängen, in Schrank räumen, neues Kleid herausziehen (schwarz), anziehen, Modenschau, Fotos machen, Musik hören.
12:35 Uhr bis 12:45 Uhr: Espresso trinken, Schokolade essen, Wetter beobachten.
12:45 Uhr: nach Klingeln Fernsprechanlage betätigen, Tür öffnen.
12:45 Uhr bis 12:55 Uhr: Elektrikern (zwei, Mitte Zwanzig, hoppla: attrakiv) bei der Arbeit zusehen, Fachgespräch über Sicherungen und Kühlschrank führen.
12:55 Uhr bis 13:00 Uhr: Abschlussdiagnose und weitere Maßnahmen besprechen, Verabschiedung.
13:00 Uhr bis 13:05 Uhr: durch die Wohnung laufen, sinnieren.
13:05 Uhr bis 13:10 Uhr: Mail an Eigentümer Objekt Schierker Str. aufsetzen.
13:10 Uhr: Mail wg. Klingeln unterbrechen, Fernsprechanlage betätigen, Ankündigung Monteur: „gleich bei Ihnen, nur noch einparken“.
13:13 Uhr: nach Klingeln Türöffner betätigen, nach erneutem Klingeln Fernsprechanlage betätigen, Türöffner reagiert nicht.
13:13 Uhr bis 13:15 Uhr: Fahrstuhl nach unten, Haustür öffnen, Monteur abholen (ca. 40, hoppla: attraktiv, sieht aus wie Sting).
13:15 Uhr bis 13:17 Uhr: mit Monteur nach oben fahren.
13:17 Uhr bis 13:27 Uhr: Fachgespräch mit Monteur über Fachgespräch mit Elektrikern. Irritation bei Monteur, dachte er wäre der Erste. Fachgespräch über weitere Vorgehensweise, Verabschiedung.
13.27 Uhr bis 13:30 Uhr: angefangene Mail mit Meldebericht Stand der Dinge an Hauseigentümer Objekt Schierker Str. fertig schreiben, senden.
13:30 Uhr bis 13:35 Uhr: Mail mit Meldebericht Stand der Dinge an Hausverwaltung Objekt Auguststraße verfassen, senden.
13:35 Uhr bis 13:50 Uhr: Sahnekefir mit Quark verrühren, essen.
13:50 Uhr: Anruf entgegennehmen.
13:50 Uhr bis 13:55 Uhr: Fachgespräch mit Eigentümer Objekt Schierker Str., Terminvereinbarung Mi., 29. Aug., 11 Uhr.
13:55 Uhr bis 14:25 Uhr: ausziehen, frisch machen, aus dem Fenster gucken, Bilder von Kamera runterladen, Internet gucken.
14:14 Uhr bis 15:24 Uhr: bloggen.
EDIT:
15:24 Uhr bis 21:50 Uhr: Eintrag kommentieren, editieren, flauschige Sachen und Socken anziehen, Internetgammeln, Prefetch- u. Temp-Dateien löschen, defrag., Mediatheken gucken, amüsieren, essen (gelbe Rüben-Zwiebel-Butter-Paprika-Knoblauch-Chili-Gemüse-Eintopf von vorgestern, Emmentaler-Brocken mit Tomatenmark, Cashewkerne), trinken (Wasser, Espresso, viel Wasser, wenig Bordeaux, viel Wasser, wenig Bordeaux), nachdenken, Blogeintrag noch mal editieren. Ab 21:50 bis maximal 23:59 oder so ähnlich: weiter Mediatheken gucken, trinken (wenig Wasser, mehr Bordeaux). Noch was essen. Bei spürbarem Eintritt von Müdigkeit bettfertig machen. Wecker entsichern. Einschlafen.

28. August 2012

Mein Tag:
8:00 Uhr: Aufstehen.
8:00 Uhr bis 9:00 Uhr: Körperpflege, Kaffee kochen und trinken.
9:00 Uhr bis 9:20 Uhr: Internet gucken, Kaffee trinken.
9:20 Uhr bis 9:25 Uhr: Kleid anziehen (Pannesamt, silbergrau), Modenschau, Fotos machen.
9:25 Uhr bis 9:30 Uhr: Fußweg August bis U-Bhf Weinmeister.
9:30 Uhr bis 9:35 Uhr: Auf U-Bahn warten, lesen.
9:35 Uhr bis 9:53 Uhr: U-Bahn fahren, lesen.
9:53 Uhr bis 9:58 Uhr: Fußweg U-Bhf. Herrmannstr. bis Schierker.
9:58 Uhr: Schornsteinfeger treffen (ca. 30, blond, hoppla: attraktiv).
9:58 Uhr bis 10:20 Uhr: Schornsteinfeger bei der Arbeit zusehen, etwas zur Hand gehen, selbst tätig werden (Balkon, Bad).
10:20 bis 10:25 Uhr: abschließende Diagnose und Fachgespräch (Schornsteinfeger: „da werden wir uns wohl bald wiedersehen“), Verabschiedung.
10:25 bis 10:27 Uhr: Verlassen der Räumlichkeiten, Fachgespräch im Treppenhaus mit Handwerkern (ich): „Knacken Sie das Schloss ruhig, von mir aus kann der Keller ruhig ausgeräumt werden! Na dann noch frohes Schaffen!“
10:27 Uhr bis 10:32 Uhr: Briefkasten leeren, verlassen des Objektes, Fußweg U-Bahn Herrmannstraße.
10:34 Uhr bis 10:43 Uhr: U-Bahnfahrt bis Moritzplatz, lesen.
10:43 Uhr bis 10:45 Uhr: Fußweg U-Bhf. bis ALDI Oranienstr.
10:45 Uhr bis 10:55 Uhr: Einkauf 6 Sahnekefir, 4er-Pack Biac.
10:55 Uhr bis 10:57 Uhr: Fußweg Oranienstr. bis U-Bhf Moritzpl.
10:57 Uhr bis 11:06 Uhr: U-Bahnfahrt bis Weinmeister, lesen.
11:06 Uhr bis 11:15 Uhr: Fußweg Weinmeister bis Auguststr.
11:15 Uhr bis 11:16 Uhr: Äpfel von Wiese Gipsdreieck aufklauben.
11:16 Uhr bis 11:17 Uhr: Objekt Auguststr. betreten, Briefkasten leeren, Fahrstuhl.
11:17 Uhr bis 11:20 Uhr: ausziehen, Einkauf wegräumen.
11:20 Uhr bis 11:50 Uhr: Äpfel putzen, Frühstück machen (Müsli), Kaffee kochen, Frühstücken, Internet gucken.
11:50 Uhr bis 11:52 Uhr: Anruf entgegennehmen, Termin bestätigen.
11:50 Uhr bis 12:30 Uhr: herumräumen, abspülen.
12:30 Uhr bis 12:35 Uhr: Kleid aufhängen, in Schrank räumen, neues Kleid herausziehen (schwarz), anziehen, Modenschau, Fotos machen, Musik hören.
12:35 Uhr bis 12:45 Uhr: Espresso trinken, Schokolade essen, Wetter beobachten.
12:45 Uhr: nach Klingeln Fernsprechanlage betätigen, Tür öffnen.
12:45 Uhr bis 12:55 Uhr: Elektrikern (zwei, Mitte Zwanzig, hoppla: attrakiv) bei der Arbeit zusehen, Fachgespräch über Sicherungen und Kühlschrank führen.
12:55 Uhr bis 13:00 Uhr: Abschlussdiagnose und weitere Maßnahmen besprechen, Verabschiedung.
13:00 Uhr bis 13:05 Uhr: durch die Wohnung laufen, sinnieren.
13:05 Uhr bis 13:10 Uhr: Mail an Eigentümer Objekt Schierker Str. aufsetzen.
13:10 Uhr: Mail wg. Klingeln unterbrechen, Fernsprechanlage betätigen, Ankündigung Monteur: „gleich bei Ihnen, nur noch einparken“.
13:13 Uhr: nach Klingeln Türöffner betätigen, nach erneutem Klingeln Fernsprechanlage betätigen, Türöffner reagiert nicht.
13:13 Uhr bis 13:15 Uhr: Fahrstuhl nach unten, Haustür öffnen, Monteur abholen (ca. 40, hoppla: attraktiv, sieht aus wie Sting).
13:15 Uhr bis 13:17 Uhr: mit Monteur nach oben fahren.
13:17 Uhr bis 13:27 Uhr: Fachgespräch mit Monteur über Fachgespräch mit Elektrikern. Irritation bei Monteur, dachte er wäre der Erste. Fachgespräch über weitere Vorgehensweise, Verabschiedung.
13.27 Uhr bis 13:30 Uhr: angefangene Mail mit Meldebericht Stand der Dinge an Hauseigentümer Objekt Schierker Str. fertig schreiben, senden.
13:30 Uhr bis 13:35 Uhr: Mail mit Meldebericht Stand der Dinge an Hausverwaltung Objekt Auguststraße verfassen, senden.
13:35 Uhr bis 13:50 Uhr: Sahnekefir mit Quark verrühren, essen.
13:50 Uhr: Anruf entgegennehmen.
13:50 Uhr bis 13:55 Uhr: Fachgespräch mit Eigentümer Objekt Schierker Str., Terminvereinbarung Mi., 29. Aug., 11 Uhr.
13:55 Uhr bis 14:25 Uhr: ausziehen, frisch machen, aus dem Fenster gucken, Bilder von Kamera runterladen, Internet gucken.
14:14 Uhr bis 15:24 Uhr: bloggen.
EDIT:
15:24 Uhr bis 21:50 Uhr: Eintrag kommentieren, editieren, flauschige Sachen und Socken anziehen, Internetgammeln, Prefetch- u. Temp-Dateien löschen, defrag., Mediatheken gucken, amüsieren, essen (gelbe Rüben-Zwiebel-Butter-Paprika-Knoblauch-Chili-Gemüse-Eintopf von vorgestern, Emmentaler-Brocken mit Tomatenmark, Cashewkerne), trinken (Wasser, Espresso, viel Wasser, wenig Bordeaux, viel Wasser, wenig Bordeaux), nachdenken, Blogeintrag noch mal editieren. Ab 21:50 bis maximal 23:59 oder so ähnlich: weiter Mediatheken gucken, trinken (wenig Wasser, mehr Bordeaux). Noch was essen. Bei spürbarem Eintritt von Müdigkeit bettfertig machen. Wecker entsichern. Einschlafen.

25. August 2012



Schneller Blogeintrag, gerade noch 25. August, 23.59. Gerade geht ein Lied von Led Zeppelin zu Ende Nein, nein, nein, ich höre nicht absichtlich diese Siebziger Jahre Mucke, All my Love, by random. Aber doch ja, ich habe früher Vinylschallplatten der Gruppe in meinem Haushalt gehabt, Houses of the Holy hat sich oft auf dem Plattenteller gedreht. Das Stampfige war schon mein Fall. Das Geschnörkel mit den Bläsern und der allzu gefällige Refrain von dem All my love-Lied ist ja ein bißchen untypisch, aber davor ist es ganz nett. Bei irgendeiner Taxifahrt hat mir mal der Taxifahrer zum Abschied seine selber gebrannte Led Zeppelin-Compilation seiner liebsten Songs überreicht. Er war so angetan, dass ich ihn bestärkt habe, die Musik lauter aufzudrehen. Ich bin ja früher extrem viel Taxi gefahren. Also als Gast. Ich darf das gar nicht erzählen, in welchem Ausmaß, schlimmer als Blixa Bargeld, der sich bei jeder Gelegenheit ein Taxi genommen hat, während seine


Wohnung in Schöneberg zwangsgeräumt wurde. Ging alles fürs Taxi drauf vermutlich. Ein Freund von mir hat ihn in den Achtzigern oft durch Berlin kutschiert. Lange her, egal. Heute fahre ich überhaupt nicht mehr Taxi, obgleich ich das bis vor ungefähr zwei Jahren noch mit großer Selbstverständlichkeit kultiviert habe. Man kann Studien betreiben. Erstaunlich, welches Mitteilungsbedürfnis manche Fahrer haben. Ich habe das meistens interessiert zur Kenntnis genommen. Aber was habe ich Geld auf den Kopf gehauen! Sagenhaft. Davon hätte ich mir wahrscheinlich eine Eigentumswohnung kaufen können. Was ich wieder alles schreibe und offenbare, nur um dieses kleine Blog am Leben zu halten. Ich habe scheinbar ein irgendwie taxifahrerartiges Mitteilungsbedürfnis.

24. August 2012

Ich blättere gerade seltsam berührt durch den Auktionskatalog, in dem der gesamte Nachlass von Greta Garbo zur Versteigerung abgebildet ist. Schuhe, Sonnenbrillen, Handtaschen, Pyjamas, Kleider, Mäntel, ein Yoga-Anzug, Aschenbecher, Taschenmesser, Milchkännchen, Bilder, Hutschachteln, Schlafbrillen, Sessel, Schminkstifte, Spiegel, Bürsten, eine zusammenklappbare Massage-Liege. Reise-Bügeleisen, ein Malkasten, Widmungen, Krimskrams, Fotos. Fotos, Fotos, Fotos. Alles, was von einem langen Leben übrigbleibt. In alle Winde zerstreut. Gravierte Becher mit ihrem Monogramm. Was für eine Unmenge Zeug. Ich hab auch eine Unmenge Zeug. Wenn man berühmt ist wie Greta, kommt zwar kein preisgünstiger Wohnungsauflöser, der alles ungesichtet in ein Lastauto packt und dann die Hälfte wegwirft oder sonstwie anonym verscherbelt, aber die privaten Gegenstände von Garbo landen auch in fremden Händen. Immerhin allerdings mit Sicherheit in den Händen von Verehrern. Die daran schnuppern und ihrer gedenken. Komisches Gefühl, dass man sich auch irgendwann von Gegenständen verabschieden muss, die einen ein Leben lang begleitet haben. Vermutlich ist das aber das Leichteste am Ende. Ihre Filme, die das Wesentlichste von ihr bewahren, werden sicher lange archiviert werden. Vielleicht ewig. Auch wenn das einem wahrscheinlich egal ist, wenn man tot ist, ein schöner Gedanke. Ich dachte manchmal, wie spannend es wäre, wenn es wirklich eine Reinkarnation gäbe, auf Hinterlassenschaften des vorangegangenen Lebens zu stoßen. Angenommen, ich würde in Berlin oder auch woanders wiedergeboren werden und stieße durch einen seltsamen Zufall auf Fotografien, die mich abbilden und ich hätte ein Déjà vu. Irre. Verrückt. Das gefiele mir irgendwie. Aber auch verwirrend. Ich hab da gar kein konkretes Gefühl, was Wiedergeburt angeht. Gar nicht. Das einzige was mich in meinem Leben in dieser Hinsicht nachdenklich macht, ist woher diese tiefe, starke und vertraute Beziehung zu Berlin rührt, die mir an zahllosen Ecken sofort ein Gefühl von daheim sein gegeben hat, wie ich es nie woanders empfand. Irrational tief und verwurzelt. Als wäre es immer so gewesen. Und dann im Vergleich dieses impulsive, tiefe Befremden an anderen Orten in Deutschland. Spontane Abneigungen. Oder Gleichgültigkeit. Hm. Ich weiß es wirklich nicht. Was mir dagegen gar nicht zusagt, ist dieser Karma-Gedanke der Inder, von wegen, die jeweilige Inkarnation sei qualitativ als Konsequenz einer vorangegangenen Inkarnation zu sehen. Dieser Bestrafungs- oder Belohnungsaspekt darin scheint mir zu simpel und allzu menschlich gestrickt. Da fällt mir wieder diese schöne alte Weisheit ein, „Wenn Dreiecke einen Gott hätten, hätte er drei Ecken.“ Ich blättere noch ein bißchen in Gretas Sachen.

24. August 2012

Ich blättere gerade seltsam berührt durch den Auktionskatalog, in dem der gesamte Nachlass von Greta Garbo zur Versteigerung abgebildet ist. Schuhe, Sonnenbrillen, Handtaschen, Pyjamas, Kleider, Mäntel, ein Yoga-Anzug, Aschenbecher, Taschenmesser, Milchkännchen, Bilder, Hutschachteln, Schlafbrillen, Sessel, Schminkstifte, Spiegel, Bürsten, eine zusammenklappbare Massage-Liege. Reise-Bügeleisen, ein Malkasten, Widmungen, Krimskrams, Fotos. Fotos, Fotos, Fotos. Alles, was von einem langen Leben übrigbleibt. In alle Winde zerstreut. Gravierte Becher mit ihrem Monogramm. Was für eine Unmenge Zeug. Ich hab auch eine Unmenge Zeug. Wenn man berühmt ist wie Greta, kommt zwar kein preisgünstiger Wohnungsauflöser, der alles ungesichtet in ein Lastauto packt und dann die Hälfte wegwirft oder sonstwie anonym verscherbelt, aber die privaten Gegenstände von Garbo landen auch in fremden Händen. Immerhin allerdings mit Sicherheit in den Händen von Verehrern. Die daran schnuppern und ihrer gedenken. Komisches Gefühl, dass man sich auch irgendwann von Gegenständen verabschieden muss, die einen ein Leben lang begleitet haben. Vermutlich ist das aber das Leichteste am Ende. Ihre Filme, die das Wesentlichste von ihr bewahren, werden sicher lange archiviert werden. Vielleicht ewig. Auch wenn das einem wahrscheinlich egal ist, wenn man tot ist, ein schöner Gedanke. Ich dachte manchmal, wie spannend es wäre, wenn es wirklich eine Reinkarnation gäbe, auf Hinterlassenschaften des vorangegangenen Lebens zu stoßen. Angenommen, ich würde in Berlin oder auch woanders wiedergeboren werden und stieße durch einen seltsamen Zufall auf Fotografien, die mich abbilden und ich hätte ein Déjà vu. Irre. Verrückt. Das gefiele mir irgendwie. Aber auch verwirrend. Ich hab da gar kein konkretes Gefühl, was Wiedergeburt angeht. Gar nicht. Das einzige was mich in meinem Leben in dieser Hinsicht nachdenklich macht, ist woher diese tiefe, starke und vertraute Beziehung zu Berlin rührt, die mir an zahllosen Ecken sofort ein Gefühl von daheim sein gegeben hat, wie ich es nie woanders empfand. Irrational tief und verwurzelt. Als wäre es immer so gewesen. Und dann im Vergleich dieses impulsive, tiefe Befremden an anderen Orten in Deutschland. Spontane Abneigungen. Oder Gleichgültigkeit. Hm. Ich weiß es wirklich nicht. Was mir dagegen gar nicht zusagt, ist dieser Karma-Gedanke der Inder, von wegen, die jeweilige Inkarnation sei qualitativ als Konsequenz einer vorangegangenen Inkarnation zu sehen. Dieser Bestrafungs- oder Belohnungsaspekt darin scheint mir zu simpel und allzu menschlich gestrickt. Da fällt mir wieder diese schöne alte Weisheit ein, „Wenn Dreiecke einen Gott hätten, hätte er drei Ecken.“ Ich blättere noch ein bißchen in Gretas Sachen.

23. August 2012


Früh zu Bett. Das ist jetzt natürlich nicht das zuletzt pompös angekündigte Ziel, obwohl – als demnächst pompös besetztes Fernziel durchaus in Betracht zu ziehen. Verschwurbelt formuliert. Geschraubt und verschwurbelt ist überwiegend zu geißeln und da ich nicht zur Selbst-Geißelung neige, sofort zu unterbinden. Gut, dass ich so ein folgsamer Typ bin, wenn die Anweisungen durch fachlich geeignete, durchaus autoritäre und kompetente Erziehungspersonen wie mich erfolgen. Wie ich es gehasst habe, von anderen erzogen zu werden! Gut, dass dieser Quatsch seit geraumer Zeit vorbei ist. Wie selten mir pädagogisch wertvoller Rat zuteil wurde. Erschreckend! Kein Wunder, dass ich meine Pubertät bis zum Sankt-Nimmerleinstag in die Länge gezogen habe. Aber für irgendetwas wird es gut gewesen sein. Ich kann unverändert wie Vierzehn gucken oder umgedreht. Ganz wie es gebraucht wird. Nach Lust und Laune! Worum sehr junge Menschen nicht zu beneiden sind, ist die geringe Auswahl an Erinnerungen und die damit einhergehende Reduktion der Virtuosität in sämtlichen Angelegenheiten. Wenn man jetzt zum Beispiel Siebzig ist, kann man – sofern man sich geistig fit hält – einwandfrei das Lebensgefühl von Zehn, Zwanzig, Dreißig, Vierzig, Fünfzig und Sechzig bis einschließlich Siebzig und alles dazwischen abrufen und mitreden und damit rumspielen. Ein Zwanzigjähriger kann die erinnerbaren Lebensjahre zwischen ungefähr Dreieinhalb und eben Zwanzig abrufen. Wenn ich richtig rechne, kommt da weniger dabei raus. Also weniger Auswahl! Ich bin immer für viel Auswahl, auch beim Erinnern. Das ist einfach abwechslungsreicher und damit weniger langweilig. Insofern ist Älterwer sein eindeutig mit einem höheren Entertainmentfaktor verbunden. Herrschaftswissen! So, genug der hochwissenschaftlichen Forschungstätigkeit für heute!
P.S. schnell noch ein Geburtstagsgruß in den Himmel: meine Oma Alma wäre heute Hundertsieben geworden! So alt wie ich werden will! Verstehe gar nicht, warum sie so früh schlapp gemacht hat, wegen blödem Oberschenkelhalsbruch und Embolie, viel zu früh. Vielleicht wollte sie zu meinem Großvater André in den Himmel, der ist noch früher gegangen, wegen Spätfolge Kriegsverletzung. Blöd! Also: Alles Gute, liebe Oma, und sing schön weiter deine Zarah-Lieder, die du mir immer so gerne vorgesungen hast, wo ich klein war.

20. August 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

Ich brauch kein Paris, ich brauch kein Venedig. Ich hätte gerade meinen Hut mit nilgrüner Schleife verwettet, dass das Lied von Hilde so anfängt. Aber Paris hat meine Phantasie davorgeklebt. Ich brauche wirklich kein Paris. Es ist bildschön und gehört zur Welt, aber sicher. Und auch schön, es mal gesehen zu haben, aber…
ich brauch kein Venedig
keine Gondeln und Tauben
und selbst die Zitronen
solln ohne mich blühn
ich brauch keine Häfen
an südlichen Meeren
und sämtliche Pinien
sind sowieso grün
ich brauch keinen Flug
in schwingenden Höhen
ich brauch keinen Bach
im verschwiegenen Tal
ich brauch keine Fremden
die mich nicht verstehen
und sternklare Nächte
am Suezkanal
ich brauch meine Straße
die muffige Kneipe
ich brauch meine Beichten
beim Nachtklubportier
ich brauch meinen Hut
mit nilgrüner Schleife
die zugige Ecke
an der ich jetzt steh

Hildegard Knef

Noch kein Epilog. Ende Prolog. Nur wenige Schritte bis zum Ziel.

19. August 2012


Ich habe mich jetzt umentschieden. Ich würde jetzt lieber Kanzlerin werden bzw. Bundespräsidentin unter der Bedingung, dass der Amtssitz getauscht wird. Ins Schloß Bellevue würde ich sowieso nicht mit Sack und Pack ziehen, aber beim Bundeskanzleramt sieht es schon anders aus. Ich war heute nämlich bei Frau Merkels Arbeitsstätte. Das klingt zunächst etwas unglamourös, aber glauben Sie mir, das Bundeskanzleramt ist innen genauso beeindruckend wie schon von draußen. Es hat mir die Sprache verschlagen. Ich habe mich gleich wie daheim gefühlt. Kaum war ich drin, in dem lichtdurchfluteten, architektonischen Prunkstück, hätte ich sofort die Umzugskartons auspacken wollen. Ich bin stolz, dass unser Land so ein schönes modernes Haus als obersten Regierungssitz hat. Man hat eher das Gefühl, in ein Wellness-Hotel zu kommen. Auch der Hubschrauber-Landeplatz mit dem blauen Hubschrauber oben auf dem begrünten Terrassendach hat mich ganz stark angesprochen. Ich habe mich ausführlich mit dem Piloten unterhalten und abgeklärt, wie oft ungefähr geflogen werden wird. Ca. einmal die Woche muss man rechnen. Frau Merkel fliegt gerne und hat keine Flugangst. Aber sie fliegt angeblich vergleichsweise wenig. Ich habe auch keine Flugangst und fliege für mein Leben gern. In einem Hubschrauber wollte ich immer schon einmal fliegen. Das ist ganz mein Ding! Das Blau von dem Hubschrauber steht mir auch unheimlich gut, ich habe ein Test-Foto gemacht. Solche Sachen sind wichtig, alles muss zusammenpassen! Frau Merkel war heute auch gut drauf, auch ihr Make up war tadellos. Wenn sie lacht, sieht sie am besten aus, aber das kann man ja von den meisten Menschen sagen. Sie wirkte sympathisch und aufgeräumt. Unverblümt hat sie

auch gleich zugegeben, dass die Büros im Bundeskanzleramt, obwohl alles sehr weitläufig ist, nicht so groß sind, also die Büros für die Mitarbeiter, aber sie selber hat ein ganz großes, das auch besonders schön ist, wie sie selber sagt. Aber da darf man nicht mehr rein, das ging früher mal bei so Führungen. Na ja, also es ist rundherum schön dort, vorbildliche sympathische Architektur. Schön minimalistisch aber mit vielen weichen Linien, gewellte Deckenelemente, geschwungene Wandsegmente, gebogene Treppenaufgänge, farbige Wandfragmente in Brombeer, Orange und Indigoblau, sparsam gesetzt und dadurch sehr effektvoll. In der mexikanischen Architektur sieht man so etwas häufiger. Lauter schöne kleine Architektenträume sind dort wahr geworden. Wunderbarer Ort. Wahrscheinlich der schönste unter den modernen Regierungssitzen der Erde. Eins mit Stern. Natürlich habe ich eine Milliarde Fotos gemacht. Also nicht ganz, 735. Fünfzig habe ich schon weggeschmissen, es müssen aber noch

mehr werden. Von Steffen Seibert habe ich auch einiges löschen müssen, den habe ich vorher im Bundespresseamt erwischt. Ein kleiner Mann, der erstaunlich jugendlich wirkt für 52. Mir eigentlich

zu jugendlich. Er hatte ganz rote Backen, weil er so geschwitzt hat, weil es ja heute schön warm ist. Aber überall lauer Wind. Ich bin zu Fuß vom Bundespresseamt zum Bundeskanzleramt gelaufen, immerzu den Spreebogen entlang, Friedrich-Ebert-Platz,

Paul-Löbe-Haus. Wie ich diese lichte Ecke mit den großen sonnendurchfluteten Ebenen liebe. Es ist so schön. Und da war lauer Wind. Alles ganz großartig. Gut, dass ich mein Ausflugsverbot durchbrochen habe. Schönster Sommerausflug bis jetzt. Muss was trinken.

18. August 2012


Die ersten beiden Bilder in der Strecke sind gelogen. Oder genauer: man sieht nicht die Französische Straße, sondern die Straßenflucht Oberwallstraße, wenn man von der Französischen Straße aus, an eben der Kreuzung, nach links guckt. Dann aber schnurstracks weiter! Flanieren ist mein Hobby, stelle ich gerade fest. Falls mich mal jemand nach meinen Hobbies fragen sollte. Lange nicht passiert! Liegt vielleicht auch daran, dass ich noch nie ein Profil bei einer Dating-Plattform angelegt habe. Da muss man ja bestimmt solche Sachen angeben. Neulich beim Telefonat mit einem lieben Freund über meine Hobbies unterhalten. Er hat kompetent herumphantasiert, was ich zum Beispiel angeben könnte, wenn ich mich ganz modern bei einer Dating-Plattform anmelden würde: „Interessen: Leni Riefenstahl, Helmut Newton, früh schlafen gehen, Beten, kein Alkohol, Sparen“. Ich hatte dann die Idee, dass ich vielleicht noch ergänzen könnte: „artig sein – oder „bin gerne artig“. Aber dann hat der liebe Freund ein bißchen dreckig gelacht, und ich habe dann selber gemerkt, dass man das ggf. ein bißchen anders verstehen könnte, als ich es gemeint habe. Wir haben uns dann ordnungsgemäß verabschiedet sowie gegenseitig geruhsame Nachtruhe gewünscht. Egal! Auf jeden Fall sind in der Französischen Straße schicke Immobilien, ich habe da ein Auge dafür! Hobbies: Immobilien/Investment. Das klingt doch bedeutend dynamischer. Aggressiv-dynamisch! Helmut Newton lasse ich weg. Der ist ja nun auch schon tot. Leni Riefenstahl hingegen wäre mir schon wichtig. Über seine Interessen nachzudenken, ist doch recht interessant, stelle ich fest. Ich kann es ja mal probehalber hier schreiben. Kein Alkohol gehört übrigens seit 6.5. nicht mehr zu meinen Hobbies. Man sollte sich auch im reiferen Alter aufgeschlossen für mehr oder weniger neue Interessensgebiete zeigen. „Neugierig“ gehört unbedingt ins Profil.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

19. August 2012


Ich habe mich jetzt umentschieden. Ich würde jetzt lieber Kanzlerin werden bzw. Bundespräsidentin unter der Bedingung, dass der Amtssitz getauscht wird. Ins Schloß Bellevue würde ich sowieso nicht mit Sack und Pack ziehen, aber beim Bundeskanzleramt sieht es schon anders aus. Ich war heute nämlich bei Frau Merkels Arbeitsstätte. Das klingt zunächst etwas unglamourös, aber glauben Sie mir, das Bundeskanzleramt ist innen genauso beeindruckend wie schon von draußen. Es hat mir die Sprache verschlagen. Ich habe mich gleich wie daheim gefühlt. Kaum war ich drin, in dem lichtdurchfluteten, architektonischen Prunkstück, hätte ich sofort die Umzugskartons auspacken wollen. Ich bin stolz, dass unser Land so ein schönes modernes Haus als obersten Regierungssitz hat. Man hat eher das Gefühl, in ein Wellness-Hotel zu kommen. Auch der Hubschrauber-Landeplatz mit dem blauen Hubschrauber oben auf dem begrünten Terrassendach hat mich ganz stark angesprochen. Ich habe mich ausführlich mit dem Piloten unterhalten und abgeklärt, wie oft ungefähr geflogen werden wird. Ca. einmal die Woche muss man rechnen. Frau Merkel fliegt gerne und hat keine Flugangst. Aber sie fliegt angeblich vergleichsweise wenig. Ich habe auch keine Flugangst und fliege für mein Leben gern. In einem Hubschrauber wollte ich immer schon einmal fliegen. Das ist ganz mein Ding! Das Blau von dem Hubschrauber steht mir auch unheimlich gut, ich habe ein Test-Foto gemacht. Solche Sachen sind wichtig, alles muss zusammenpassen! Frau Merkel war heute auch gut drauf, auch ihr Make up war tadellos. Wenn sie lacht, sieht sie am besten aus, aber das kann man ja von den meisten Menschen sagen. Sie wirkte sympathisch und aufgeräumt. Unverblümt hat sie

auch gleich zugegeben, dass die Büros im Bundeskanzleramt, obwohl alles sehr weitläufig ist, nicht so groß sind, also die Büros für die Mitarbeiter, aber sie selber hat ein ganz großes, das auch besonders schön ist, wie sie selber sagt. Aber da darf man nicht mehr rein, das ging früher mal bei so Führungen. Na ja, also es ist rundherum schön dort, vorbildliche sympathische Architektur. Schön minimalistisch aber mit vielen weichen Linien, gewellte Deckenelemente, geschwungene Wandsegmente, gebogene Treppenaufgänge, farbige Wandfragmente in Brombeer, Orange und Indigoblau, sparsam gesetzt und dadurch sehr effektvoll. In der mexikanischen Architektur sieht man so etwas häufiger. Lauter schöne kleine Architektenträume sind dort wahr geworden. Wunderbarer Ort. Wahrscheinlich der schönste unter den modernen Regierungssitzen der Erde. Eins mit Stern. Natürlich habe ich eine Milliarde Fotos gemacht. Also nicht ganz, 735. Fünfzig habe ich schon weggeschmissen, es müssen aber noch

mehr werden. Von Steffen Seibert habe ich auch einiges löschen müssen, den habe ich vorher im Bundespresseamt erwischt. Ein kleiner Mann, der erstaunlich jugendlich wirkt für 52. Mir eigentlich

zu jugendlich. Er hatte ganz rote Backen, weil er so geschwitzt hat, weil es ja heute schön warm ist. Aber überall lauer Wind. Ich bin zu Fuß vom Bundespresseamt zum Bundeskanzleramt gelaufen, immerzu den Spreebogen entlang, Friedrich-Ebert-Platz,

Paul-Löbe-Haus. Wie ich diese lichte Ecke mit den großen sonnendurchfluteten Ebenen liebe. Es ist so schön. Und da war lauer Wind. Alles ganz großartig. Gut, dass ich mein Ausflugsverbot durchbrochen habe. Schönster Sommerausflug bis jetzt. Muss was trinken.

18. August 2012


Die ersten beiden Bilder in der Strecke sind gelogen. Oder genauer: man sieht nicht die Französische Straße, sondern die Straßenflucht Oberwallstraße, wenn man von der Französischen Straße aus, an eben der Kreuzung, nach links guckt. Dann aber schnurstracks weiter! Flanieren ist mein Hobby, stelle ich gerade fest. Falls mich mal jemand nach meinen Hobbies fragen sollte. Lange nicht passiert! Liegt vielleicht auch daran, dass ich noch nie ein Profil bei einer Dating-Plattform angelegt habe. Da muss man ja bestimmt solche Sachen angeben. Neulich beim Telefonat mit einem lieben Freund über meine Hobbies unterhalten. Er hat kompetent herumphantasiert, was ich zum Beispiel angeben könnte, wenn ich mich ganz modern bei einer Dating-Plattform anmelden würde: „Interessen: Leni Riefenstahl, Helmut Newton, früh schlafen gehen, Beten, kein Alkohol, Sparen“. Ich hatte dann die Idee, dass ich vielleicht noch ergänzen könnte: „artig sein – oder „bin gerne artig“. Aber dann hat der liebe Freund ein bißchen dreckig gelacht, und ich habe dann selber gemerkt, dass man das ggf. ein bißchen anders verstehen könnte, als ich es gemeint habe. Wir haben uns dann ordnungsgemäß verabschiedet sowie gegenseitig geruhsame Nachtruhe gewünscht. Egal! Auf jeden Fall sind in der Französischen Straße schicke Immobilien, ich habe da ein Auge dafür! Hobbies: Immobilien/Investment. Das klingt doch bedeutend dynamischer. Aggressiv-dynamisch! Helmut Newton lasse ich weg. Der ist ja nun auch schon tot. Leni Riefenstahl hingegen wäre mir schon wichtig. Über seine Interessen nachzudenken, ist doch recht interessant, stelle ich fest. Ich kann es ja mal probehalber hier schreiben. Kein Alkohol gehört übrigens seit 6.5. nicht mehr zu meinen Hobbies. Man sollte sich auch im reiferen Alter aufgeschlossen für mehr oder weniger neue Interessensgebiete zeigen. „Neugierig“ gehört unbedingt ins Profil.
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18. August 2012


Der kleine Film über Jan hat mich gerade inspiriert, unsere kleinen gemeinschaftlichen Filmdokumente noch einmal anzugucken. EDITION „JAN SOBOTTKA UND GAGA NIELSEN UNTERWEGS“. Film ab:
OPUS 60:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen im Al Contadino sotto le stelle.
OPUS 29:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen in Frau Nielsens Küche in der Auguststraße.
OPUS 25:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen auf Frau Nielsens Balkon in der Auguststraße.
OPUS 21:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen u.v.a. unterwegs und im Café Einstein UdL.
OPUS 16:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen im Zwiebelfisch am Savignyplatz.
OPUS 11:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen im Strandbad Mitte.

18. August 2012

Berlin hat eine Mitte
und ich sitz mittendrin.
Ob Alex, ob Museum –
da kommt man prima hin!
Das Rathaus, die Regierung,
die haben hier ihren Sitz.
Berlin hat eine Mitte
und Mitte ist mein Kiez.
In Mitte gibt es Tiere.
Berlin hat einen Bär.
Die Spree ist voller Fische,
die schwimmen hin und her.
Berliner haben Mäuse
und manche eine Miez.
Und ich bin ein Berliner
und Mitte ist mein Kiez.

Leonard Wolff, 10 Jahre, Kastanienbaum-Grundschule, Klasse 4a
Cool oder? Das Gedicht hab ich gerade beim Warten auf die U 8 im U-Bahnhof Bernauer Straße gelesen. Ganz riesig auf so eine Reklame-Wand gedruckt. Der kleine Leonard hat mit dem Gedicht beim Brunnenviertel-Gedichte-Wettbewerb gewonnen. Könnte von mir sein! Und noch was Lustiges hab ich gelesen, die Schlagzeile auf der heutigen B.Z.: PENG PENG IM PUFF! Auch der Untertitel spricht mich an: „Wilder Westen in Wilmersdorf. Statt zu zahlen, zückte Bulgaren-Quartett im „Artemis“ die Waffe“. „Bulgaren-Quartett“ klingt auch mächtig beeindruckend, irgendwie professionell! Man hat gleich so Panzerknacker und Lucky Luke-Bilder vor dem geistigen Auge. Lustig! So, ich muss jetzt auf den Balkon, ordnungsgemäß sonnenbaden und dabei kaputtes Zeug flicken. Von Hand natürlich. Und Espresso trinken. Und Berliner Leitungswasser, abgekocht. Nicht wegen der Bakterien oder irgendwelchem Ayurveda-Esokrempel, sondern rein geschmackstechnisch. Ich habe festgestellt, dass sich Geschmack und der Härtegrad revolutionär verändern, wenn das Wasser einmal gekocht hat, Es wird nicht nur weicher, sondern das leicht Bittere im Abgang ist weg. Schmeckt super, besser als jedes Wasser aus der Flasche. Mein Gourmet-Tipp! Eigentlich aber auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ja auch alle anderen Sachen nach dem Kochen die Beschaffenheit verändern und komplett anders schmecken! Warum sollte Wasser da eine Ausnahme sein. Sage ich mal als Hobby-Wissenschaftlerin. Auch noch möchte ich festhalten, dass beim Überqueren einer Straße ohne Ampel angehalten wurde. Also extra für mich. Wie immer habe ich meinen Dank durch ein freundliches Winken entrichtet. So ähnlich wie die Royals das immer machen, das kommt gut an. Zehn Meter weiter hat ein mittelalter Mann angefangen zu brummen, also melodiös gemeint. Das hat mich zusätzlich erheitert, weil mir das schon öfter aufgefallen ist, dass viele Männer das als Reflex eingebaut haben, noch mehr als Bauarbeiter den Pfiff. Darüber habe ich noch nie eine soziologische Abhandlung gelesen. Mir gefällt das, auch weil es völlig unverbindlich ist und die Stimmung hebt. Männer dürfen gerne vor sich hinsummen, wenn sie an mir vorbeilaufen, da habe ich nichts dagegen! Ich habe mich allerdings heute auch der Jahreszeit gemäß gekleidet. Wie und was kann man dann im Herbst bewundern, wenn ich die unerbittlichen daily shots der letzten Monate hochgeladen haben werde. Das gibt dann Frühlings- und Sommergefühle. Kann man auch brauchen im Herbst! Bleiben Sie dran. Demnächst im Angebot: vierter März. Aber ohne Fleiß kein Preis, der dritte März hat noch allerhand zu bieten, was wir hier in aller Ruhe mit der gebotenen Aufmerksamkeit abarbeiten werden.

P.S. Nachtrag in Sachen Heimatkunde: die Kastanienbaum-Grundschule vom kleinen Leonard ist hier bei mir um die Ecke, in der Gipsstraße. Da muss ich immer hin, wenn Wahlen sind und mein Kreuzchen machen! Außerdem fällt mir gerade auf, dass sich das Gedicht total super rappen lässt. Hab’s gerade ausprobiert! Einwandfreier Groove!

16. August 2012

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Schleusenbrücke
, 10117 Berlin. Die kleinen schmiedeeisernen Wellen. Schon schön gemacht. Aber nicht das Ziel. Nur ein kleiner Schlenker. Bin ich dann nach rechts oder nach links? Verdammt, ich weiß es nicht mehr. Oder ich gucke mal bei streetview, dann fällt es mir wieder ein. Oder auch nicht. Lieber schlafen. Ist ja auch egal. Es geht jedenfalls weiter. Immer noch dritter März. Ja ja. Allerdings besteht kaum Gefahr, dass die gezeigten Motive demnächst wieder abgelichtet werden. Na gut, es kann schon immer mal passieren, dass sich der Berliner Dom doch wieder in die Sichtachse schiebt oder eine andere vielfotografierte Kuppel, aber prinzipiell bin ich da prinzipiell und achte auf die Vermeidung identischer Motive. Nur was mich angeht, muss ich das Prinzip brechen. Außerdem bin ich ja jeden Tag wie neu. Vor allem, wenn ich ausreichend geschlafen habe. Im Endeffekt. Entschuldigung, ich muss gerade blöde lachen wegen „im Endeffekt“. Kann man schlecht auf die Schnelle erklären. Eine Frau hat mir von einem Anrufer erzählt, den sie nicht persönlich kennt und der versucht hat, sie von einer Sache zu überzeugen. Und im Endeffekt hat er es geschafft, diese saublöde Redewendung in ungefähr neun von zehn Sätzen unterzubringen. Sogar mehrfach pro Satz. Im Endeffekt. Hoffentlich träume ich jetzt nicht schlimm von Männern, die schlimme Redewendungen benutzen. Ich bin da sehr sensibel.

15. August 2012


Aha. Ah ja. Eine alte Klappbrücke. Was für ein Monstrum. Bildschön. Beeindruckend. Immer der Nase nach. Ich bin immer offen für Umwege, wenn es keinen festen Termin gibt. Wenn man sich auf Umwegen, auf unbekannten, ungeplanten, dem Ziel nähert, bekommt der Weg einen unerwarteten Wert. Natürlich kann es passieren, dass man an uninteressante Nebenschauplätze gerät. Egal. Hauptsache Unerwartetes. Unbekanntes. Unwägbares. Wie neu. Steht eigentlich in allen Personalausweisen der Bezirk der Stadt, wo man genauer wohnt? Oder nur die Postleitzahl und der Name der Stadt? Ich weiß das gar nicht. Ich habe in einem alten Erinnerungsalbum noch den dunkelgrünen „behelfsmäßigen Personalausweis“ für Einwohner von Westberlin zum Aufklappen. Am Rand ganz ausgefranst. Man sollte ihn ja immer dabei haben. Ich habe heute noch meinen Personalausweis immer bei mir, wenn ich vor die Tür gehe. Außer wenn ich den Müll runterbringe. Ich glaube, ich bin in den letzten fünfundzwanzig Jahren erst einmal – abgesehen vom Bezahlen größerer Beträge mit Karte – unterwegs nach dem Personalausweis gefragt worden. Und das war auch nicht eigentlich unterwegs, sondern bei einer geschlossenen Gesellschaft im Willy-Brandt-Haus, diesem World Press Photo Award, soweit ich mich dunkel erinnere. Aber sonst. Interessiert kein Schwein. In den letzten Tagen ging mir oft durch den Kopf, wie frei man sich in Berlin fühlen kann, wie unbehelligt, unkontrolliert. Ich zumindest. Und ich habe keinen Diplomatenstatus. Ich fühle mich hier ungehindert und unbeobachtet. Ganz anders habe ich die Atmosphäre in London Ende der Achtziger in Erinnerung. Oder Paris Mitte der Neunziger. Dieses Gedöns mit dem kostenpflichtigen Klappstühlen in den Londoner Parks, dieses sehr aufgeräumte und kontrollierte Gefühl. Man hat Angst, man macht einen Fleck auf den geleckten Rasen. Das Gegenteil von diesem anarchischen Hippiegefühl in Berlin. Und in Paris war kurz vorher irgendeine Bombendrohung und überall wurden dauernd die Taschen kontrolliert. Gruselig. Gut, das ist nicht immer so. Aber in Berlin kann ich freier atmen. David Chipperfield hat ja auch diese Beobachtung gemacht, dass man hier stundenlang lesend in einem Café verbringen kann, ohne dass dauernd die Bedienung nach der nächsten Bestellung fragt. In London sei das völlig unvorstellbar. Wenn er das sagt, er muss es wissen. Aber vielleicht sind sie ja inzwischen lockerer, als ich es damals empfunden habe. Bei den olympischen Feierlichkeiten war ja alles betont locker und libertär. Mich hat das olympische Feuer tief beeindruckt, als es entfacht wurde, als die vielen kleinen Feuerschalen der zweihundertvier Nationen sich wie von Zauberhand erhoben und zu einer riesigen himmlischen Flamme vereinigten. Da musste ich weinen. Das war, ohne Übertreibung, eine Sternstunde der Menschheit. Kann man hier noch einmal anschauen, wer es verpasst hat, weil es doch schon Schlafenszeit war. So, wie jetzt.
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14. August 2012

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Update Schlossplatz. Also neulich, dritter März. (zum Vergleich). Das Zwischenstadium. Auch wenn es unvorstellbar ist, an diesem Platz stand der Palast der Republik. Ich erinnere mich noch gut an die kupferfarben verspiegelte Fassade. Und die letzte Ausstellung. Jetzt ist es vorübergehend eine große freie Fläche und neben dem Holzsteg verläuft parallel ein Zaun, hinter dem eine Ausgrabung erstaunlichen Ausmaßes stattfindet. Ich bin immer fasziniert, wenn mitten in der dichtesten Urbanität der Asphalt aufgebrochen wird und das Unterirdische oder Irdische preisgibt. Den märkischen Stadtwüstensand. Immer wieder Sand unter den Straßen. Überall Sand. Und auch Berliner Erdgräber sind nicht braun und feucht und dunkel, sondern hell und trocken, wie an einem Strand. Vielleicht nicht alle, aber ich habe ein schönes, frisch ausgehobenes gesehen, in Dahlem. Seither habe ich Lust auf ein Erdgrab. In Berlin. Aber so sollte ein Blogeintrag nicht aufhören, die meisten haben ja Angst vor solchen Überlegungen. Ich meine auch, man kann es übertreiben mit der Beschäftigung mit den letzten Dingen.

Einmal ausloten und dann ist aber auch gut. Es färbt auf Dauer dunkel aufs Gemüt ab, wenn man sich gedanklich zu sehr in dunkle Vergangenheiten und Verlust- End- und Abschiedsthemen verstrickt. Das habe ich vor fünfundzwanzig Jahren sehr stark gemacht, nicht aus Langeweile sondern aus Forscherdrang und um irgendwie zu begreifen, warum ich so oft Abschied nehmen musste. Ich glaube gar nicht, dass der Verlust durch den Tod eines Menschen das Dunkelste ist, was einem widerfahren kann. Es ist zwar schmerzhaft, aber nicht auf eine unheilvolle Weise, wenn man im Guten auseinanderging. Wenn man mit einem Gefühl der Liebe hinterblieb. Hinterbleibt. Viel dunkler und schwerer zu verarbeiten sind Verluste, schmerzhafte Trennungen und Trauerprozesse im Zusammenhang mit Lebenden. Man erfährt eine noch einsamere Einsamkeit, weil die Illusion einer ewigen liebevollen Verbindung nicht projizierbar ist, wie es das Ende durch den Tod ermöglicht. Ja, ich glaube, wer von der Liebe verlassen wurde, dem Gefühl und von der Illusion, hat schwerer daran zu tragen, als jemand, dem der Tod jemanden in lebendiger Liebe entrissen hat. Auch das ist unendlich hart, unfassbar schwer. Aber man hat ein Grab, an das man Blumen legen kann. Oder schaut zum Himmel und spricht miteinander wie früher. Das ist dann sehr schön und trostreich. Die im Leben Verlassenen haben lange keinen Trost. Bis sie das Leben wiederfindet. Ich habe viel darüber nachgedacht, in den letzten Jahren. Das soll nicht traurig klingen. Ich denke nur oft, wenn jemand Kummer hat, Liebeskummer hat, wie schwer es so jemand hat, sich zu erklären. Niemand kondoliert, man bekommt keinen freien Tag für ein Begräbnis. Man wird nicht verschont vom Leben. Nicht von der Arbeit, nicht vom Alltag. Man hat gelernt, sich zusammenzureißen, weil alles unsagbar ist. So entwickeln sich meine Gedanken manchmal. Vom Schlossplatz zu gebrochenen Herzen. Der Schlossplatz ist auch so ein gebrochenes Herz. Gebrochenes Mitteherz. Mir fällt gerade ein altes Lied von Bernd Begemann ein, als ich es vor vielen Jahren hörte, war es zwar nicht akut, aber ich erinnere, dass ich anfing zu weinen, weil ich erkannte, dass ich auf dieser Seite stehe. Immer und wieder stand.

13. August 2012

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Ist nur die auf Liebe begründete Ehe sittlich, so auch nur die, worin die Liebe fortbesteht. Die Prostitution degradiert unter den Frauen nur die Unglücklichen, die ihr verfallen, und auch diese bei weitem nicht in dem Grad, wie gewöhnlich geglaubt wird. Dagegen erniedrigt sie den Charakter der gesamten Männerwelt. Der Antisemitismus ist das Merkzeichen einer zurückgebliebenen Kultur. Leben, von seinen niedrigsten bis zu seinen höchsten Formen, ist nichts anderes als die normale Daseinsweise der Eiweißkörper. Jeder von uns wird mehr oder weniger beeinflußt von dem intellektuellen Medium, indem er sich vorzugsweise bewegt.

Die Leute, die sich rühmten, eine Revolution gemacht zu haben, haben noch immer am Tag darauf gesehen, daß die gemachte Revolution, jener, die sie machen wollten, durchaus nicht ähnlich sah. Die Befreiung der Frau wird erst möglich, sobald diese auf großem gesellschaftlichem Maßstab an der Produktion sich beteiligen kann und die häusliche Arbeit sie nur noch in unbedeutendem Maße in Anspruch nimmt. Friedrich Engels 1820 – 1895

Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, daß sich vieles ändern läßt, bloß nicht die Menschen. Jede Befreiungsbewegung verändert ihren Charakter, wenn sie von der Utopie zur Realität übergeht. Wer nichts achtet, ächtet sich selbst. Arbeit ist das Feuer der Gestaltung. Karl Marx 1818 – 1883

12. August 2012

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Den Teufel werde ich tun, zu erklären, was mich in die Berliner Kultstätte des Totentanzes getrieben hat. Soll der Leser doch selber recherchieren, warum dort lauter Totenschädel und Menschenknochen in FC-Sankt-Pauli-Manier in das mittelalterliche Gemäuer gemeißelt sind. Ich für meinen Teil hatte meine Gründe und die gehen niemanden etwas an! Es braucht schließlich keiner zu wissen, dass ich zum siebenhundertfünfundsiebzigsten Mal an dem Bauwerk vorbeigekommen bin und aus schierer Abenteuerlust die blitzartige Eingebung hatte, spaßeshalber endlich mal hineinzugehen und zu überprüfen, ob es sich womöglich um eine Kirche handelt. Das ist ja nicht so selbstverständlich in Berlin, wie wir wissen, dass Bauwerke, die aufgrund ihrer dunklen Baugeschichte eine kirchenähnliche Silhouette aufweisen, auch noch in unserer abgespacten Ära der Huldigung der Profanisierung als solche aufrecht erhalten werden. Auf jeden Fall ist das in der Marienkirche durchaus der Fall. Der Totentanz lebt! Und jetzt aufgepasst: dieser alte skorpionische Tempel des Obskuren wird am 28. Oktober 2012 in besonderem Glanz erstrahlen. Es gibt einen Geburtstag zu feiern. Am 28. Oktober 1237 wurde Berlin geboren. Auch unser Wowi, der keine angesagte Party auslässt, wird beim feierlichen Gottesdienst dabei sein. Also alle mal im Kalender notieren. Später Feuerwerk und alles. Wenn ich mit Hundertsieben noch so fit und jugendlich wirke, wie Berlin mit Siebenhundertfünfundsiebzig, bin ich vollauf zufrieden. Ich für meinen Teil werde alles in meiner Macht stehende tun, dass St. Marien fürderhin als sakrale Kultstätte besteht und keine aufklärerischen politischen Schautafeln Einzug halten, wie man es

an manch anderer Stätte bitterlich zur Kenntnis nehmen muss. Sollte je die Gefahr bestehen, bin ich mir sicher, dass auch alle Sankt Pauli-Fans tatkräftig für die gute Sache einstehen werden. Übrigens ist in Berlin nicht das große Baumsterben ausgebrochen, wie bereits in den Achtzigern düster prognostiziert, sondern die Bäume hatten jahreszeitlich bedingt noch nicht mehr zu bieten. Auch laufe ich in diesem etwas divenhaft launisch-koketten Sommer nicht mit dickem Winterschal herum. Die Aufnahmen sind vom 3. März, und zwar 2012. Also mehr oder weniger topaktuell!

12. August 2012

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Den Teufel werde ich tun, zu erklären, was mich in die Berliner Kultstätte des Totentanzes getrieben hat. Soll der Leser doch selber recherchieren, warum dort lauter Totenschädel und Menschenknochen in FC-Sankt-Pauli-Manier in das mittelalterliche Gemäuer gemeißelt sind. Ich für meinen Teil hatte meine Gründe und die gehen niemanden etwas an! Es braucht schließlich keiner zu wissen, dass ich zum siebenhundertfünfundsiebzigsten Mal an dem Bauwerk vorbeigekommen bin und aus schierer Abenteuerlust die blitzartige Eingebung hatte, spaßeshalber endlich mal hineinzugehen und zu überprüfen, ob es sich womöglich um eine Kirche handelt. Das ist ja nicht so selbstverständlich in Berlin, wie wir wissen, dass Bauwerke, die aufgrund ihrer dunklen Baugeschichte eine kirchenähnliche Silhouette aufweisen, auch noch in unserer abgespacten Ära der Huldigung der Profanisierung als solche aufrecht erhalten werden. Auf jeden Fall ist das in der Marienkirche durchaus der Fall. Der Totentanz lebt! Und jetzt aufgepasst: dieser alte skorpionische Tempel des Obskuren wird am 28. Oktober 2012 in besonderem Glanz erstrahlen. Es gibt einen Geburtstag zu feiern. Am 28. Oktober 1237 wurde Berlin geboren. Auch unser Wowi, der keine angesagte Party auslässt, wird beim feierlichen Gottesdienst dabei sein. Also alle mal im Kalender notieren. Später Feuerwerk und alles. Wenn ich mit Hundertsieben noch so fit und jugendlich wirke, wie Berlin mit Siebenhundertfünfundsiebzig, bin ich vollauf zufrieden. Ich für meinen Teil werde alles in meiner Macht stehende tun, dass St. Marien fürderhin als sakrale Kultstätte besteht und keine aufklärerischen politischen Schautafeln Einzug halten, wie man es

an manch anderer Stätte bitterlich zur Kenntnis nehmen muss. Sollte je die Gefahr bestehen, bin ich mir sicher, dass auch alle Sankt Pauli-Fans tatkräftig für die gute Sache einstehen werden. Übrigens ist in Berlin nicht das große Baumsterben ausgebrochen, wie bereits in den Achtzigern düster prognostiziert, sondern die Bäume hatten jahreszeitlich bedingt noch nicht mehr zu bieten. Auch laufe ich in diesem etwas divenhaft launisch-koketten Sommer nicht mit dickem Winterschal herum. Die Aufnahmen sind vom 3. März, und zwar 2012. Also mehr oder weniger topaktuell!

12. August 2012

Besonders schöne Doku. Nicht irritieren lassen wie ich – ich dachte zunächst, das sei diese bekannte Dokumentation über das letzte Shooting von Marilyn von Bert Stern. Aber gar nicht, es geht um den Fotografen Bert Stern selbst. Noch sechzehn Stunden im sieben-Tages-Archiv von arte. Die vertraute Stimme von Christian Brückner brummelt die deutsche Übersetzung von Bert Sterns Erzählung.

5. August 2012


Ich arbeite. Am Fortschritt. Auf allen Ebenen. Geistig. Körperlich. Virtuell. Ideell. Materiell. Das klingt doch imposant. Um nicht zu sagen: imponierend! Seit jüngeren Jahren erst ist Arbeiten für mich positiv besetzt. Ich habe das in einem lichten Moment mit neuem Wert belegt. Sinnvoll tätig sein. Und gerne nicht immer nur für egomanische Ziele. Aber unbedingt auch. Wenn es sich die Waage hält, ist es am Schönsten. Man erntet dann auch mehr Verständnis und Wohlwollen für den egozentrischen Anteil. Ich bin da vielleicht überraschend harmoniebedürftig. Ich glaube, die Welt wäre ein besserer, friedlicherer und entspannterer Ort, wenn es keinen Standesdünkel im Bezug auf die Wertigkeit, das Ansehen verschiedener Tätigkeiten mehr gäbe. Wenn Reinigungsarbeiten genauso hoch angesehen wären wie akademische Denkprozesse. Zum Beispiel. Oder praktische Dienstleistungen des Alltags so sexy verschubladet wie künstlerische Entfaltung. Wenn mehr Menschen zweigleisig tätig wären, in sehr konträren Bereichen, wäre das bestimmt ein Beitrag zum sozialen Frieden in der Welt. Es ist auch interessanter, als immer nur in der altbekannten Suppe seiner bevorzugten Kaste zu schwimmen. Es schafft neue Synapsen und erweitert den Horizont. Oder zum Beispiel beim Einkaufen. Man kann durch die Wahl des Geschäfts, in dem man einkauft, vorhersehen, mit welchen Gesellschaftsschichten man konfrontiert werden wird. Feinkostabteilung vom KaDeWe oder ALDI im Wedding. Die gewohnten Wege zu verlassen ist mitunter mindestens genauso interessant wie die Reise auf einen anderen Kontinent. Und alles in der eigenen Stadt. Ich liebe das. Früher haben eine Freundin und ich uns über Kontaktanzeigen und die wiederkehrenden Formulierungen belustigt. Wenn ein wohlhabender, einsamer Mann nach einer Frau gesucht hat, die „perfekt in Jeans und Abendkleid“ ist. Das ist insofern interessant, dass Facettenreichtum als ein Grad von Kultiviertheit definiert wird. In dem Fall etwas auf Äußerlichkeiten eingeschränkt, aber immerhin ein Indiz für die Attraktivität von Polaritäten. Es ist unbedingt wichtig, dass die Menschen ihre Marotten pflegen, ihre unterschiedlichen Vorlieben kultivieren. Nur dann kann sich eine Blüte entfalten. Treiben Sie es zur Blüte! Stilblüten! Prächtige Blüten. Seien Sie verrückt, seien Sie verschieden. Wir brauchen mehr Stilblüten. Bitte kultivieren Sie Ihre Marotten. Ich will die Blüten davon sehen, um mich daran zu berauschen, daran zu schnuppern und mich zu inspirieren. Danke sehr und gute Nacht.

5. August 2012


Ich arbeite. Am Fortschritt. Auf allen Ebenen. Geistig. Körperlich. Virtuell. Ideell. Materiell. Das klingt doch imposant. Um nicht zu sagen: imponierend! Seit jüngeren Jahren erst ist Arbeiten für mich positiv besetzt. Ich habe das in einem lichten Moment mit neuem Wert belegt. Sinnvoll tätig sein. Und gerne nicht immer nur für egomanische Ziele. Aber unbedingt auch. Wenn es sich die Waage hält, ist es am Schönsten. Man erntet dann auch mehr Verständnis und Wohlwollen für den egozentrischen Anteil. Ich bin da vielleicht überraschend harmoniebedürftig. Ich glaube, die Welt wäre ein besserer, friedlicherer und entspannterer Ort, wenn es keinen Standesdünkel im Bezug auf die Wertigkeit, das Ansehen verschiedener Tätigkeiten mehr gäbe. Wenn Reinigungsarbeiten genauso hoch angesehen wären wie akademische Denkprozesse. Zum Beispiel. Oder praktische Dienstleistungen des Alltags so sexy verschubladet wie künstlerische Entfaltung. Wenn mehr Menschen zweigleisig tätig wären, in sehr konträren Bereichen, wäre das bestimmt ein Beitrag zum sozialen Frieden in der Welt. Es ist auch interessanter, als immer nur in der altbekannten Suppe seiner bevorzugten Kaste zu schwimmen. Es schafft neue Synapsen und erweitert den Horizont. Oder zum Beispiel beim Einkaufen. Man kann durch die Wahl des Geschäfts, in dem man einkauft, vorhersehen, mit welchen Gesellschaftsschichten man konfrontiert werden wird. Feinkostabteilung vom KaDeWe oder ALDI im Wedding. Die gewohnten Wege zu verlassen ist mitunter mindestens genauso interessant wie die Reise auf einen anderen Kontinent. Und alles in der eigenen Stadt. Ich liebe das. Früher haben eine Freundin und ich uns über Kontaktanzeigen und die wiederkehrenden Formulierungen belustigt. Wenn ein wohlhabender, einsamer Mann nach einer Frau gesucht hat, die „perfekt in Jeans und Abendkleid“ ist. Das ist insofern interessant, dass Facettenreichtum als ein Grad von Kultiviertheit definiert wird. In dem Fall etwas auf Äußerlichkeiten eingeschränkt, aber immerhin ein Indiz für die Attraktivität von Polaritäten. Es ist unbedingt wichtig, dass die Menschen ihre Marotten pflegen, ihre unterschiedlichen Vorlieben kultivieren. Nur dann kann sich eine Blüte entfalten. Treiben Sie es zur Blüte! Stilblüten! Prächtige Blüten. Seien Sie verrückt, seien Sie verschieden. Wir brauchen mehr Stilblüten. Bitte kultivieren Sie Ihre Marotten. Ich will die Blüten davon sehen, um mich daran zu berauschen, daran zu schnuppern und mich zu inspirieren. Danke sehr und gute Nacht.

26. Juli 2012

bizarr

vergangene Nacht geträumt, ich hätte bei irgendeinem Empfang oder einer Ausstellungseröffnung eine Begegnung mit einem älteren Mann, so Mitte Fünfzig, der ausgesehen hat, wie neuerdings der letzte Bundespräsident, wie hieß er noch, Wulff. Da geisterte ein Foto durch die Bunte oder Gala von ihm mit neuer, stylisher Brille und definierterem Kurzhaarschnitt. Ich war überrascht von dem Bild, weil er beinah attraktiv aussah. Nun ist dieser Herr Wulff so ziemlich exakt das Gegenteil von der Sorte Mann, auf die meine Zellen reagieren. Ich merke den gar nicht. So war es auch im Traum. Aber im Traum war er nicht ehemaliger Bundespräsident, sondern ein wichtiger, erfolgreicher Dirigent und Kunstprofessor mit wahnsinnig vielen wichtigen Kontakten, geradezu eine graue Eminenz. Also das, was er als Bundespräsident nur vom Titel her war, aber nicht von der Ausstrahlung. In meinem Traum dagegen ein absolutes Alphatier mit unwiderruflicher Autorität und erhabener Ausstrahlung. So eine Art Dirigenten- und/oder Kunstpapst. Man spürte die Ehrfurcht, die ihm entgegengebracht wurde und ich merkte, dass er ein Auge auf mich geworfen hat. Irgendwie suchte er sehr schnell mit mir Kontakt und ich scannte sofort, dass er für mich als Mann nicht interessant ist, aber sicher als Multiplikator. Der Mann hatte Verbindungen! Bei diesem Empfang war quasi niemand, der ihm nicht mit einer gewissen Unterwürfigkeit begegnete, es wurde auch nur mit gesenkter Stimme über ihn geraunt, niemals irgendetwas Negatives, man hörte nur ehrfürchtige Bewunderung. Das verstärkte noch das Gefühl bei mir, dass es nicht sehr schlau wäre, die Gelegenheit verstreichen zu lassen, davon zu profitieren. Irgendjemand muss uns auf seinen Wunsch bekannt gemacht haben und wenige Traumsekunden später, gab es schon eine Latte von künftigen gesellschaftlichen Terminen, wo ich von ihm als seine Begleitung auf die Gästeliste gesetzt wurde. Er sprach nicht viel mit mir, aber das Wenige sehr bestimmt und planvoll. Ich weiß auch nicht mehr genau was, aber ich hatte immer das Gefühl, dass er sich vorgenommen hat, mir sämtliche Türen zu öffnen, zumal es für ihn ein Kinderspiel war. Ich war einerseits immer noch auf dem Empfang und andererseits auch schon halb bei späteren ähnlichen Ereignissen und Festlichkeiten. Ich ging auf sein Werben, das mir zusätzlich als Frau galt, allerdings nicht ein. Ich hielt mich irgendwie bedeckt und wusste, dass es eine Gratwanderung ist, die nicht lange funktionieren kann, da er langsam etwas ungeduldig wirkte. Mir war klar, dass ich ihm kein Theater vorspielen würde, um opportunistisch die Möglichkeiten auszureizen. Ich wusste, der Countdown läuft im Grunde. Das Ganze sofort abzubrechen, war mir allerdings auch nicht recht, weil es interessant war, mit ihm irgendwo aufzutauchen, man hatte sofort eine unfassbar elitäre Position, schon interessant.
Wie auch immer – auf einmal tauchte eine ehemalige Freundin, eine sehr enge Freundin, in diesem Plot auf, und beobachtete meine neue Bekanntschaft irgendwie argwöhnisch, bis sie zu erkennen gab, dass sie vorher eine Liason mit dieser grauen Wulff-Eminenz hatte, die aus irgendwelchen Gründen kurz vorher zu Ende ging. Sie schien da noch Ressentiments zu hegen und ich spürte ihre Eifersucht. Vielleicht auf die Position, neben dieser wichtigen Erscheinung. Ist mir nicht ganz klar in Erinnerung. Ich weiß auch nicht, ob ich transparent gemacht habe, welcher Natur der Kontakt von meiner Seite aus ist. Jedenfalls gab es keinen sichtbaren Anlass, uns gesichert für ein Paar zu halten. Es war wahrscheinlich eine automatische Assoziation, die unwidersprochen im Raum stand. Ich schätze die maximale Berührung bestand vielleicht darin, dass er meinen Ellbogen leicht dirigierend berührte. Wie auch immer. Die Freundin sah sich veranlasst, frühere Begebenheiten ihrer Zeit mit ihm aufzuzählen, die dokumentieren sollten, dass es eine bedeutungsvolle Beziehung war. Ich hörte mir das eher desinteressiert an, weil mich der Mann als Mann ja überhaupt nicht interessierte. Dann setzte sie ihre Erfolgsberichte aus der Vergangenheit fort mit einer Dokumentation der gemeinsamen Zusammenarbeit mit ihm, wobei nicht ganz klar war, worin die bestanden haben könnte, vielleicht irgendeine assistierende Tätigkeit. Ich hatte das Gefühl, ich bin in einer Verkaufsveranstaltung, wo mir jemand seine konkurrenzfähigen Qualitäten wie Sauerbier anträgt. Die Superlative reihten sich aneinander und ich war inzwischen in einer Stimmungslage zwischen Mitleid und Fassungslosigkeit. Ich glaube, sie erzählte gerade von einem geplanten Roman und ich konnte mir die Frage nicht verkneifen „Findest du eigentlich, dass du schreiben kannst?“. An der Stelle war das Gespräch und die Szene dann zu Ende, da kam nichts mehr, außer einem irritierten Gesichtsausdruck. Ich drehte mich um, von ihr weg und schaute nach hinten. Da war er wieder, der alte Wulff, er saß circa zehn bis fünfzehn Meter hinter uns, in einer Art Lounge-Sitzgarnitur, irgendsoeine gepolsterte Sitzlandschaft, links und rechts von ihm einige seiner Bewunderer, Studenten von ihm oder irgendwelche anderen Adepten.
MIST! jetzt ist mir der Dreck hier abgestürzt! Verdammt, ich hatte schon fast alles fertig, jetzt fange ich wieder an der blöden Stelle an! Scheißdreck! Es ist schon so spät, aber ich muss den Mist bloggen.
Also kurz und gut, ohne Umschweife, ich gehe auf ihn zu, er hat eine professionell wirkende Kamera in der Hand, einen Fotoapparat, er zeigt mir, dass er mich auch gefilmt hat, die ganze Zeit über. Ich habe schrecklicherweise auf dem ansonsten sehr schönen Film, eine planschbeckenblaue Kittelschürze an, wie sie schlimmer nicht sein kann, mit pinken und gelben Paspeln, aber das Blau steht mir irgendwie. Ich bin entsetzt über das Kleidungsstück und gleichzeitig begeistert von dem Film, der mich komplett in den Fokus nimmt. Irgendwie wirkt der alte Wulff mit der neuen Brille jünger und attraktiver und ich komme ins Schwanken, ob man nicht doch eine gewisse Annäherung ausprobieren sollte. Er strahlt mich und den kleinen Monitor erotisiert an und ich frage ihn, ob er diese muttihafte Schürze nicht auch fürcherlich findet, ja peinlich, ganz schlimm eben!? Nein, nein, meint er, das wäre für Männer doch gerade interessant. Aha! Ich tue eher überrascht, als dass ich es bin und versetze mich in seine Perspektive, die Mutti-Sex antörnend findet. Ja ja, verstehe, sind ja nun Big News, dass Männer gerne wie kleine Jungs verwöhnt werden. Schon toll, wenn ein praktischer Kittel über dem mütterlichen Busen spannt. Usw. usf. Das sage ich aber nicht, ich gebe mich neutral. Er schiebt dann noch ein superlatives Kompliment hinterher, so ungefähr, ich wäre aber unabhängig davon die Schönste von allen. Das scheint für mein Ego ausreichend zu sein und ich beschließe zu gehen. Ich nehme die Kamera wie selbstverständlich mit, als wäre jede Kamera der Welt meine. Zumal ja ein Film von mir drauf ist. Während ich den Weg zurückgehe, weg von der Lounge-Garnitur, denke ich noch bei mir: dafür hat sie sich doch gelohnt, diese Begegnung, dass er so einen schönen kleinen Film von mir gemacht hat. Selbst wenn nichts anderes mehr passiert, ich habe etwas Brauchbares davon mitgenommen. Meine Neugier, das Video in Ruhe allein daheim anzuschauen, erotisiert mich wesentlich mehr, als die Aussicht, noch weitere Stunden mit ihm und der Gesellschaft mit Smalltalk zu verbringen.
Als ich aufwache, denke ich noch im Halbschlaf, wie viel Wahres an dem Traum ist, direkt gnadenlos. Heute morgen war ich noch überzeugt, es wäre mir zu peinlich, einen derart entblößenden Traum zu bloggen, aber sei’s drum. Das hat mich jetzt mehrere Stunden beschäftigt, nun ist es verarbeitet und ich habe das unbeschönigte Ausmaß meines eitel berechnenden Charakters preisgegeben. Wer unter den Lesenden frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein. So, auf in die nächste Runde. Gute Nacht.

26. Juli 2012

bizarr

vergangene Nacht geträumt, ich hätte bei irgendeinem Empfang oder einer Ausstellungseröffnung eine Begegnung mit einem älteren Mann, so Mitte Fünfzig, der ausgesehen hat, wie neuerdings der letzte Bundespräsident, wie hieß er noch, Wulff. Da geisterte ein Foto durch die Bunte oder Gala von ihm mit neuer, stylisher Brille und definierterem Kurzhaarschnitt. Ich war überrascht von dem Bild, weil er beinah attraktiv aussah. Nun ist dieser Herr Wulff so ziemlich exakt das Gegenteil von der Sorte Mann, auf die meine Zellen reagieren. Ich merke den gar nicht. So war es auch im Traum. Aber im Traum war er nicht ehemaliger Bundespräsident, sondern ein wichtiger, erfolgreicher Dirigent und Kunstprofessor mit wahnsinnig vielen wichtigen Kontakten, geradezu eine graue Eminenz. Also das, was er als Bundespräsident nur vom Titel her war, aber nicht von der Ausstrahlung. In meinem Traum dagegen ein absolutes Alphatier mit unwiderruflicher Autorität und erhabener Ausstrahlung. So eine Art Dirigenten- und/oder Kunstpapst. Man spürte die Ehrfurcht, die ihm entgegengebracht wurde und ich merkte, dass er ein Auge auf mich geworfen hat. Irgendwie suchte er sehr schnell mit mir Kontakt und ich scannte sofort, dass er für mich als Mann nicht interessant ist, aber sicher als Multiplikator. Der Mann hatte Verbindungen! Bei diesem Empfang war quasi niemand, der ihm nicht mit einer gewissen Unterwürfigkeit begegnete, es wurde auch nur mit gesenkter Stimme über ihn geraunt, niemals irgendetwas Negatives, man hörte nur ehrfürchtige Bewunderung. Das verstärkte noch das Gefühl bei mir, dass es nicht sehr schlau wäre, die Gelegenheit verstreichen zu lassen, davon zu profitieren. Irgendjemand muss uns auf seinen Wunsch bekannt gemacht haben und wenige Traumsekunden später, gab es schon eine Latte von künftigen gesellschaftlichen Terminen, wo ich von ihm als seine Begleitung auf die Gästeliste gesetzt wurde. Er sprach nicht viel mit mir, aber das Wenige sehr bestimmt und planvoll. Ich weiß auch nicht mehr genau was, aber ich hatte immer das Gefühl, dass er sich vorgenommen hat, mir sämtliche Türen zu öffnen, zumal es für ihn ein Kinderspiel war. Ich war einerseits immer noch auf dem Empfang und andererseits auch schon halb bei späteren ähnlichen Ereignissen und Festlichkeiten. Ich ging auf sein Werben, das mir zusätzlich als Frau galt, allerdings nicht ein. Ich hielt mich irgendwie bedeckt und wusste, dass es eine Gratwanderung ist, die nicht lange funktionieren kann, da er langsam etwas ungeduldig wirkte. Mir war klar, dass ich ihm kein Theater vorspielen würde, um opportunistisch die Möglichkeiten auszureizen. Ich wusste, der Countdown läuft im Grunde. Das Ganze sofort abzubrechen, war mir allerdings auch nicht recht, weil es interessant war, mit ihm irgendwo aufzutauchen, man hatte sofort eine unfassbar elitäre Position, schon interessant.
Wie auch immer – auf einmal tauchte eine ehemalige Freundin, eine sehr enge Freundin, in diesem Plot auf, und beobachtete meine neue Bekanntschaft irgendwie argwöhnisch, bis sie zu erkennen gab, dass sie vorher eine Liason mit dieser grauen Wulff-Eminenz hatte, die aus irgendwelchen Gründen kurz vorher zu Ende ging. Sie schien da noch Ressentiments zu hegen und ich spürte ihre Eifersucht. Vielleicht auf die Position, neben dieser wichtigen Erscheinung. Ist mir nicht ganz klar in Erinnerung. Ich weiß auch nicht, ob ich transparent gemacht habe, welcher Natur der Kontakt von meiner Seite aus ist. Jedenfalls gab es keinen sichtbaren Anlass, uns gesichert für ein Paar zu halten. Es war wahrscheinlich eine automatische Assoziation, die unwidersprochen im Raum stand. Ich schätze die maximale Berührung bestand vielleicht darin, dass er meinen Ellbogen leicht dirigierend berührte. Wie auch immer. Die Freundin sah sich veranlasst, frühere Begebenheiten ihrer Zeit mit ihm aufzuzählen, die dokumentieren sollten, dass es eine bedeutungsvolle Beziehung war. Ich hörte mir das eher desinteressiert an, weil mich der Mann als Mann ja überhaupt nicht interessierte. Dann setzte sie ihre Erfolgsberichte aus der Vergangenheit fort mit einer Dokumentation der gemeinsamen Zusammenarbeit mit ihm, wobei nicht ganz klar war, worin die bestanden haben könnte, vielleicht irgendeine assistierende Tätigkeit. Ich hatte das Gefühl, ich bin in einer Verkaufsveranstaltung, wo mir jemand seine konkurrenzfähigen Qualitäten wie Sauerbier anträgt. Die Superlative reihten sich aneinander und ich war inzwischen in einer Stimmungslage zwischen Mitleid und Fassungslosigkeit. Ich glaube, sie erzählte gerade von einem geplanten Roman und ich konnte mir die Frage nicht verkneifen „Findest du eigentlich, dass du schreiben kannst?“. An der Stelle war das Gespräch und die Szene dann zu Ende, da kam nichts mehr, außer einem irritierten Gesichtsausdruck. Ich drehte mich um, von ihr weg und schaute nach hinten. Da war er wieder, der alte Wulff, er saß circa zehn bis fünfzehn Meter hinter uns, in einer Art Lounge-Sitzgarnitur, irgendsoeine gepolsterte Sitzlandschaft, links und rechts von ihm einige seiner Bewunderer, Studenten von ihm oder irgendwelche anderen Adepten.
MIST! jetzt ist mir der Dreck hier abgestürzt! Verdammt, ich hatte schon fast alles fertig, jetzt fange ich wieder an der blöden Stelle an! Scheißdreck! Es ist schon so spät, aber ich muss den Mist bloggen.
Also kurz und gut, ohne Umschweife, ich gehe auf ihn zu, er hat eine professionell wirkende Kamera in der Hand, einen Fotoapparat, er zeigt mir, dass er mich auch gefilmt hat, die ganze Zeit über. Ich habe schrecklicherweise auf dem ansonsten sehr schönen Film, eine planschbeckenblaue Kittelschürze an, wie sie schlimmer nicht sein kann, mit pinken und gelben Paspeln, aber das Blau steht mir irgendwie. Ich bin entsetzt über das Kleidungsstück und gleichzeitig begeistert von dem Film, der mich komplett in den Fokus nimmt. Irgendwie wirkt der alte Wulff mit der neuen Brille jünger und attraktiver und ich komme ins Schwanken, ob man nicht doch eine gewisse Annäherung ausprobieren sollte. Er strahlt mich und den kleinen Monitor erotisiert an und ich frage ihn, ob er diese muttihafte Schürze nicht auch fürcherlich findet, ja peinlich, ganz schlimm eben!? Nein, nein, meint er, das wäre für Männer doch gerade interessant. Aha! Ich tue eher überrascht, als dass ich es bin und versetze mich in seine Perspektive, die Mutti-Sex antörnend findet. Ja ja, verstehe, sind ja nun Big News, dass Männer gerne wie kleine Jungs verwöhnt werden. Schon toll, wenn ein praktischer Kittel über dem mütterlichen Busen spannt. Usw. usf. Das sage ich aber nicht, ich gebe mich neutral. Er schiebt dann noch ein superlatives Kompliment hinterher, so ungefähr, ich wäre aber unabhängig davon die Schönste von allen. Das scheint für mein Ego ausreichend zu sein und ich beschließe zu gehen. Ich nehme die Kamera wie selbstverständlich mit, als wäre jede Kamera der Welt meine. Zumal ja ein Film von mir drauf ist. Während ich den Weg zurückgehe, weg von der Lounge-Garnitur, denke ich noch bei mir: dafür hat sie sich doch gelohnt, diese Begegnung, dass er so einen schönen kleinen Film von mir gemacht hat. Selbst wenn nichts anderes mehr passiert, ich habe etwas Brauchbares davon mitgenommen. Meine Neugier, das Video in Ruhe allein daheim anzuschauen, erotisiert mich wesentlich mehr, als die Aussicht, noch weitere Stunden mit ihm und der Gesellschaft mit Smalltalk zu verbringen.
Als ich aufwache, denke ich noch im Halbschlaf, wie viel Wahres an dem Traum ist, direkt gnadenlos. Heute morgen war ich noch überzeugt, es wäre mir zu peinlich, einen derart entblößenden Traum zu bloggen, aber sei’s drum. Das hat mich jetzt mehrere Stunden beschäftigt, nun ist es verarbeitet und ich habe das unbeschönigte Ausmaß meines eitel berechnenden Charakters preisgegeben. Wer unter den Lesenden frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein. So, auf in die nächste Runde. Gute Nacht.

25. Juli 2012


Mal in der Fotokiste wühlen. Ein Bild wie der 25. Juli 2012? Wenn man durch die Straßen geht und ein bißchen Wind kommt, ein sehr warmer Sommertag, wie man sie gerne ein paar Tage hintereinander hat, aber dann auch gerne wieder eher wie gestern, fünf bis sieben Grad weniger. Im S-Bahnhof Zoo war es gegen achtzehn Uhr so warm, als hätte einer einen riesigen Föhn auf der höchsten Stufe angemacht, nur ohne Wind. Ich bin schnell zum Ende des Bahnsteigs, wo sich die Luft nicht mehr anstaut. Zum ersten Wagen, ganz hinten, und einen Platz gekriegt, wo es nicht zieht. Das stört mich am meisten in der S-Bahn, dass alle möglichen Fenster auf Durchzug sind und man die Erkältungsgefahr bedrohlich am Luftzug merkt. Komisch, wie viele unsensibel dafür sind. Am häufigsten reagieren die älteren Leute darauf wie ich. Es kommt sogar vor, dass ich im Sommer in die Hocke gehe, dicht an die Tür gedrängt, wo eine geschütze Ecke ist, um dem Zug zu entrinnen. Manche werden ungehalten, wenn man eines von vier gekippten Fenstern zumacht, als wäre Erstickungsgefahr. Na ja, dafür wird immer reichlich im Sommer geniest und geschnieft und nicht derart, wie man es von Heuschnupfen kennt. Irgendwie merkt man den Unterschied, ob einer erkältet ist oder Allergie hat, die Ausstrahlung ist irgendwie anders. Ich bin da auf alle Fälle vorausschauend zimperlich, und nicht, weil ich mich dauernd erkälte, sondern weil ich mich wegen dieser peniblen Vorkehrungsmaßnahmen lange nicht erkältet habe. Lieber Socken als keine, wenn die Wetterlage unberechenbar ist. Manchmal, im ausgewiesenen Winter, sehe ich unterwegs junge Mädchen – das sehe ich nur bei jüngeren Frauen, deswegen Mädchen – die eine Art Alibi-Schal locker einmal um den Hals drapiert haben, mehr so nach dem Deko-Prinzip, also nicht eng und frostdicht bis unters Kinn gewickelt, und unterhalb des Dekostoffs wird ein stofffreies, tiefes Dekolleté präsentiert, ein luftiger Blusenauschnitt vielleicht, die oberen fünf Knöpfe geöffnet, so dass man noch einwandfrei den oberen Rand vom Büstenhalterschälchen erkennen kann. Ich gucke da natürlich auch hin und beobachte interessiert das Nesteln nach dem Tempotaschentuch und das Hochziehgeräusch. Wie heißt es immer bei den Castingshows: „Das Gesamtpaket muss stimmen!“. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass manche Gesamtpakete nicht so ganz stoßsicher verpackt und verschnürt sind. Wie komme ich denn jetzt bloß von diesem mustergültigen Sommertag auf verkühlte Mädchen mit sinnlosen Schal-Arrangements? Ebendrum. Erkältungszeit! Hochsommer ist Erkältungszeit! Ach so, ich wollte ja irgendein Foto. Mal schauen. Klebe ich oben hin.

24. Juli 2012


Toll, so eine saubere Wohnung. Vielleicht sollte ich mich doch um häufigeren Herrenbesuch kümmern. Vorhin war der Klempner da. Der Wärmezähler für die Heizung musste ausgewechselt werden. Das war mir Anlass genug, alles tiptop auf Vordermann zu bringen! Es ging wieder einmal sehr schnell. Sowohl meine Großreinigungsaktion von 8:05 bis 9:20 Uhr als auch seine Tätigkeit. Schön, wenn die Handwerker pünktlich sind. Nun ja, er war überpünktlich. Ein junger Mann Anfang Dreißig. Oder Mitte Dreißig? Ich kann in letzter Zeit so schlecht schätzen. Ich kann ja mein eigenes Alter kaum beurteilen. Ich sage noch: „Sie sind ein bißchen früher, hm?“. Man hat das dann weggelächelt und ist zur Tat geschritten. Ich musste ihn allerdings ca. zwei Minuten vor der Tür warten lassen, da ich um 10:00 Uhr noch nicht planmäßig fertig angezogen war. Außerplanmäßig habe ich mir dann anstatt der vorgesehenen Straßenkleidung, da ich später ja noch vor die Tür muss, ein etwas längeres T-Shirt angezogen, das jüngere Mädchen bestimmt ohne zu zaudern als Mininkleid tragen würden. Ich hatte schon die Socken an, aber das hat dann Scheiße ausgesehen, die dicken Socken mit dem T-Shirt-Leibchen-Kleidchen. Barfuß war einfach stimmiger, also die Socken wieder aus! Ich achte ja sehr auf solche Dinge, auch so ein Klempner hat das Recht auf angemessen gekleidete Kundschaft! Bei mir muss immer alles passen, schließlich hinterlässt so ein Auftritt einen bleibenden Eindruck, und der soll möglichst gut sein! Jawohl, so ticke ich nun einmal, ich kann mir nicht helfen. Für andere wäre das wahrscheinlich Mode-Terror, oder weiß der Kuckuck, für mich ist das der Normalzustand! Der Klempner hat dann auch fröhlich sein Werk verrichtet, im Hintergrund sang Benjamin Biolay ein französisches Liedchen. Sicher wird der Klempner seinen Besuch bei mir stets in guter Erinnerung behalten! So, nun Frühstück und dann auf ins schöne Charlottenburg. Sonne scheint, alles prima!

24. Juli 2012

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=77002466&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
Ich lasse ja nicht locker. Unverändert spüre ich tief in mir die Berufung zur künftigen Repräsentantin unseres schönen Landes. Um meinen Willen, das staatstragende Amt der Bundespräsidentin mit der ihm angemessenen Würde und Ernsthaftigkeit auszuführen, nochmals mit Nachdruck zu bekräftigen, habe ich das obige Bewerbungsvideo erstellt. Wie man sieht, kenne ich das Grundgesetz bis ins kleinste Detail aus dem Effeff und beherrsche auch fehlerfrei den Vortrag unserer Nationalhymne, des Deutschlandliedes. Betonen möchte ich, dass ich das Lied nicht erst einüben musste, sondern selbstverständlich aus dem Stand textsicher beherrsche. Das ist natürlich auch wichtig bei meinen künftigen Repräsentationspflichten, u. a. bei der kommenden Fußballweltmeisterschaft 2014, wo wir dank meiner mentalen Unterstützung vor Ort in der Spielerkabine über das Halbfinale hinauskommen werden. Dafür gebe ich Ihnen mein Ehrenwort.

22. Juli 2012

Wie zwölfter Mai, Opus 54 (und Zwiebeln in der Sonne schälen und Knoblauch, und schnippeln. Dabei Fernsehdoku über die Hamptons wie Radiohörspiel gehört. Später gucke ich die Bilder dazu, mal sehen, ob ich es mir richtig vorgestellt habe. Ich habe schon öfter was von den Hamptons gesehen, sieht für mich aus wie Ostsee, eher nicht so interessant, aber schickere Häuser da.)

19. Juli 2012


Ich verkneife mir die politisch unkorrekten Gedankengänge des Vormittags und vor allem, diese hier auszubreiten. Ich habe da sehr stark reflektierende Ansätze. Zum Glück hatte ich Gelegenheit, ein bißchen herumzupoltern und es wurde dann auch gut absorbiert. „Das Wichtigste ist Distanz (dazu). Das ist das Zauberwort.“ sagt mein Gegenüber. Richtig. Was regt mich daran eigentlich so auf. Ohne ins Detail zu gehen, ich mag es nicht, wenn jemand mit einer plakativen Opferhaltung seine Umgebung zu manipulieren versucht. Trotz vorgeblicher Schwäche ein enormes und aggressives Energiepotential zutage fördert, wenn es darum geht, persönliche Vorteile zu erwirken, was für mein Empfinden die angeblich handlungsschwache Verfassung Lügen straft. Da bin ich ganz schnell auf der anderen Seite. Ein Glück, dass ich nicht jeden Tag mit solchen Würstchen zu tun habe. Wobei ich nichtsdestoweniger ein starkes Mitgefühl entwickeln kann, wenn jemand in echter Not ist. Ich würde sicher nicht weitergehen, wenn mir jemand auf der Treppe entgegenfällt. Da läuft dann so ein automatisiertes Erste-Hilfe-Programm ab. Aber wahrscheinlich stimmt es, dass ich nur auf extreme Notsituationen reagieren würde. Vernünftigerweise habe ich schon früh realisiert, dass mein Helfer-Syndrom eher in der Liga Naturkatastrophen zum Tragen kommt. Sicher erinnern sich noch Viele, dass es Ende der Siebziger bis in die Achtziger hinein, angesagt war, Sozialpädagogik zu studieren. Ich hätte mich nie getraut, laut zu sagen, dass ich keine Affinität zu Helfer- und Pflegeberufen habe. Dagegen durfte man sich bei jeder Gelegenheit über BWL-Studenten lustig machen. Na gut, die waren auch nicht auf meiner Wellenlänge. Betriebswirtschaftliche Zusammenhänge interessieren mich ehrlich gesagt erst seit jüngerer Vergangenheit. Inzwischen bin ich sogar regelrecht fasziniert von Unternehmern und Unternehmerinnen, die ihr eigenes Baby in die Welt setzen und zum wirtschaftlichen Erfolg führen. Da ist viel Magie und Suggestionskraft im Spiel. Und das hat mich schon immer interessiert. Ich will ja in den Bereichen etwas lernen, wo ich noch nicht völlig souverän bin. In anderen Angelegenheiten fühle ich mich virtuoser, aber das nimmt auch langsam andere Dimensionen an. Für mich war eine sehr interessante Erkenntnis der letzten Jahre, das es wichtig ist, die Energie nicht in die Breite zu streuen, sondern selektiv vorzugehen. Man muss aber auch bestimmte Erfahrungen gemacht haben, um zu identifizieren, wann und wo die Gefahr droht, verheizt zu werden. Da habe ich feine Antennen entwickelt. Mit die interessantesten und auch befriedigensten Situationen waren, wenn ich etwas (finanziell durchaus nicht Uninteressantes) ganz friedlich ablehnen konnte. Gefragt zu werden ist immer schön, das reicht mir oft schon als Egotrip. Und dann ziehe ich mich wieder in meinen Elfenbeinturm zurück. Ich gebe zu, es ist heutzutage in jeder Hinsicht schwer, an mich heranzukommen. Das liegt unter anderem daran, dass ich mich in jedem Zusammenhang frage, was bekomme ich zurück, wenn ich etwas gebe. Produziere, Lebenszeit investiere. Ich habe das Gefühl, dass ich mich das zu viele Jahre nicht genug gefragt habe, zu schnell und bereitwillig aktiv geworden bin. Viel verschenkt, in allen erdenklichen Bereichen, aber keinen angemessenen Ausgleich erhalten. Daran, dass ich den Begriff angemessen verwende, erkenne ich, für wie teuer ich mich offensichtlich halte. Ziemlich teuer. Exklusiv teuer. Und ich bin es in jeder Hinsicht wert. Das Wunderbare an einem Blog ist, dass man solche unerhörten Sachen einfach schreiben kann. Und ich rate Ihnen und Euch allen, ein Blog dafür zu nutzen, Euren wahren Wert in die Welt zu rufen. Natürlich gibt es auch Spinner, die es überziehen, aber die sind meistens auch ganz unterhaltsam, wenn sie es sehr übertreiben. Denn plätschern muss es wirklich nicht. Nicht im Blog und auch nicht im Leben. Und geheuchelte Demut und Bescheidenheit braucht niemand. Nur echte. Gute Nacht aus dem Elfenbeinturm.

19. Juli 2012


Ich verkneife mir die politisch unkorrekten Gedankengänge des Vormittags und vor allem, diese hier auszubreiten. Ich habe da sehr stark reflektierende Ansätze. Zum Glück hatte ich Gelegenheit, ein bißchen herumzupoltern und es wurde dann auch gut absorbiert. „Das Wichtigste ist Distanz (dazu). Das ist das Zauberwort.“ sagt mein Gegenüber. Richtig. Was regt mich daran eigentlich so auf. Ohne ins Detail zu gehen, ich mag es nicht, wenn jemand mit einer plakativen Opferhaltung seine Umgebung zu manipulieren versucht. Trotz vorgeblicher Schwäche ein enormes und aggressives Energiepotential zutage fördert, wenn es darum geht, persönliche Vorteile zu erwirken, was für mein Empfinden die angeblich handlungsschwache Verfassung Lügen straft. Da bin ich ganz schnell auf der anderen Seite. Ein Glück, dass ich nicht jeden Tag mit solchen Würstchen zu tun habe. Wobei ich nichtsdestoweniger ein starkes Mitgefühl entwickeln kann, wenn jemand in echter Not ist. Ich würde sicher nicht weitergehen, wenn mir jemand auf der Treppe entgegenfällt. Da läuft dann so ein automatisiertes Erste-Hilfe-Programm ab. Aber wahrscheinlich stimmt es, dass ich nur auf extreme Notsituationen reagieren würde. Vernünftigerweise habe ich schon früh realisiert, dass mein Helfer-Syndrom eher in der Liga Naturkatastrophen zum Tragen kommt. Sicher erinnern sich noch Viele, dass es Ende der Siebziger bis in die Achtziger hinein, angesagt war, Sozialpädagogik zu studieren. Ich hätte mich nie getraut, laut zu sagen, dass ich keine Affinität zu Helfer- und Pflegeberufen habe. Dagegen durfte man sich bei jeder Gelegenheit über BWL-Studenten lustig machen. Na gut, die waren auch nicht auf meiner Wellenlänge. Betriebswirtschaftliche Zusammenhänge interessieren mich ehrlich gesagt erst seit jüngerer Vergangenheit. Inzwischen bin ich sogar regelrecht fasziniert von Unternehmern und Unternehmerinnen, die ihr eigenes Baby in die Welt setzen und zum wirtschaftlichen Erfolg führen. Da ist viel Magie und Suggestionskraft im Spiel. Und das hat mich schon immer interessiert. Ich will ja in den Bereichen etwas lernen, wo ich noch nicht völlig souverän bin. In anderen Angelegenheiten fühle ich mich virtuoser, aber das nimmt auch langsam andere Dimensionen an. Für mich war eine sehr interessante Erkenntnis der letzten Jahre, das es wichtig ist, die Energie nicht in die Breite zu streuen, sondern selektiv vorzugehen. Man muss aber auch bestimmte Erfahrungen gemacht haben, um zu identifizieren, wann und wo die Gefahr droht, verheizt zu werden. Da habe ich feine Antennen entwickelt. Mit die interessantesten und auch befriedigensten Situationen waren, wenn ich etwas (finanziell durchaus nicht Uninteressantes) ganz friedlich ablehnen konnte. Gefragt zu werden ist immer schön, das reicht mir oft schon als Egotrip. Und dann ziehe ich mich wieder in meinen Elfenbeinturm zurück. Ich gebe zu, es ist heutzutage in jeder Hinsicht schwer, an mich heranzukommen. Das liegt unter anderem daran, dass ich mich in jedem Zusammenhang frage, was bekomme ich zurück, wenn ich etwas gebe. Produziere, Lebenszeit investiere. Ich habe das Gefühl, dass ich mich das zu viele Jahre nicht genug gefragt habe, zu schnell und bereitwillig aktiv geworden bin. Viel verschenkt, in allen erdenklichen Bereichen, aber keinen angemessenen Ausgleich erhalten. Daran, dass ich den Begriff angemessen verwende, erkenne ich, für wie teuer ich mich offensichtlich halte. Ziemlich teuer. Exklusiv teuer. Und ich bin es in jeder Hinsicht wert. Das Wunderbare an einem Blog ist, dass man solche unerhörten Sachen einfach schreiben kann. Und ich rate Ihnen und Euch allen, ein Blog dafür zu nutzen, Euren wahren Wert in die Welt zu rufen. Natürlich gibt es auch Spinner, die es überziehen, aber die sind meistens auch ganz unterhaltsam, wenn sie es sehr übertreiben. Denn plätschern muss es wirklich nicht. Nicht im Blog und auch nicht im Leben. Und geheuchelte Demut und Bescheidenheit braucht niemand. Nur echte. Gute Nacht aus dem Elfenbeinturm.

18. Juli 2012

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Das freut mich so sehr. Gerade schrieb mir Lutz, Nicos guter Freund, der sich damals auch um ihre Beisetzung in Berlin gekümmert hat, dass er heute an ihrem Grab war und ein Foto gemacht hat. Heute ist ihr Todestag. Am 18. Juli 1988 starb sie auf Ibiza an einer Gehirnblutung. Ich hatte im Juli vor fünf Jahren ein großes, gerahmtes Bild an ihrem Grab hinterlegt, das sie zeigt, mit einer Widmung. Ich fand damals, ihr Abbild sollte in irgendeiner Weise am Grab zu sehen sein. Ich gab mir Mühe, den Rahmen wasserdicht zu verschließen, aber natürlich dringt die Feuchtigkeit dennoch irgendwie ein und man sieht die Patina wachsen. Ich war zuletzt am 14. Juni 2008 an ihrem Grab, da sah man schon die ersten Spuren. Das Bild steht immer noch dort, fünf Jahre sind es nun schon. Das freut mich so. Lutz, Lüül, der Musiker, der neben seinen Solo-Projekten nun seit vielen vielen Jahren mit den Siebzehn Hippies unterwegs ist, stolperte vor ein paar Jahren über meinen kleinen Film, den ich bei meinem zweiten Besuch an ihrem Grab gedreht habe. Er war davon so gerührt, dass er Kontakt mit mir aufnahm. In seiner Autobiographie hat er viel über seine Zeit mit Nico geschrieben. Sie waren in den Siebzigern ein Paar und es gab eine Zeit, in der Nico in seinem Elternhaus Unterschlupf suchte, gar nicht weit von dem kleinen Friedhof im Grunewald entfernt. Später blieben sie gute Freunde. Ich habe heute keinen Champagner hier, sonst würde ich noch einmal mit ihr anstoßen, so wie ich es vor fünf Jahren am Grab gemacht habe. Aber vielleicht später mit einem guten Glas Bordeaux. Den hätte sie bestimmt auch nicht verachtet. Lutz erwähnte noch, dass Patti neulich auch das Grab besucht hat. Patti Smith und Nico hatten guten Kontakt und große Sympathien füreinander. Als Nicos erstes Harmonium gestohlen wurde, ging Patti los und schenkte ihr ein neues. Vielleicht hat Patti sich ja über ihr Efeugrab gebeugt und das Bild genauer betrachtet und meine kleine Widmung gelesen.
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17. Juli 2012

Wie wir ja nun alle wissen, leben Blogs von Lebenszeichen. Verheißung intimer Einblicke und Erkenntnisse in möglichst kurzen Abständen. Ein paar einfache Sätze sollten schon auch heute wieder drin sein! Ich kann zum Beispiel eine Tagesbegebenheit von ausgesuchter Banalität berichten, wie sie garantiert nie in der Zeitung zu lesen wäre. Ordnungsgemäß gehört die Sache allerdings in den Zucker-Strang vergelesen.

14. Juli 2012






Ach Charlottenburg. Nach meinen dauernden Mitte-Liebeserklärungen ist heute Charlottenburg dran. Es gibt eigentlich keine Alternative zu Charlottenburg. Ich meine den sehr begrenzten Radius, der sich im engeren Sinn zwischen Fasanen- und Meinekestraße abspielt. Einmal vom Ku’damm aus die eine oder andere lang gehen und demütig annehmen, dass solche Hauseingänge eben nur hier anzutreffen sind. Da stimmt einfach alles. Und wenn man dann auch noch das Glück hat, eine offene Tür zu finden, wo man auch noch herzlich eingeladen ist, kann man aufhören, sich zu bemitleiden. Aber ernsthaft. Ein Dachgeschoss in so einem schmucken Haus könnte mich fast abtrünnig werden lassen. Als ich mich im Hof mit anderen Gästen der Feier unterhielt, wurde auch ein bißchen geunkt „Die kommen alle wieder zurück.“ Damit sind sind die abtrünnigen ehemaligen Westberliner gemeint, die sich auf in den wilden Osten gemacht haben. Aber ich bin ja seinerzeit nicht vor einer herrschaftlichen Zimmerflucht im feinsten Chalottenburg geflüchtet, sondern vor den Wilmersdorfer Witwen. Ich war also gestern tatsächlich unter Menschen. Unter sehr netten Menschen. Vor einer Woche flatterte eine launige Mail mit einer Einladung in die Meinekestraße in mein Postfach. Insofern launig, weil es keine mit Textbaustein generierte Einladung des Galeristen war, sondern zwei Sätze wie von einem Barhocker gepostet. Er säße gerade mit Jan zusammen und sie würden sich über mich unterhalten, nur Gutes! So so. Und ob ich nicht Lust hätte, auch zu kommen. Ich musste schon beim Lesen lachen, weil ich mir lebhaft ausmalen konnte, wie Jan dem Galeristen Manfred Carpentier die wildesten Sachen erzählt. Weiß der Teufel. Aber ich rechne es ihm natürlich hoch an, dass er die frohe Botschaft in die Welt trägt. Ich kannte Manfred Carpentier nur von Jans Portraits, soweit ich mich erinnere. Die Galerie gibt es erst seit zwei Jahren und ist bestimmt eine der schönsten überhaupt. Man ist eigentlich gleich daheim. Das empfinden andere auch so und legen gleich mal die Füße hoch, auf den vollendeten Sitz- und Liegemöbeln. Aufmerksame Leser könnten erkennen, dass ich mein strenges Prinzip der Chronologie der Bilder hier gerade verrate. Ich wollte den Gastgeber nicht zu lange auf die Folter spannen, was die Bilder angeht. Daher. Im Übrigen habe ich ein Glas Rotwein und ein Glas Wasser getrunken. Es hat mir nicht geschadet. Ich praktiziere das jetzt weiter. Ich übe auch gerade daheim. Was auch noch lustig war, fällt mir gerade ein, einige kannte ich ja doch von früher, die haben mich zum Teil gar nicht erkannt. Jedenfalls nicht gleich. Eigentlich unglaublich. Weil ich mich angeblich so verändert habe. Na gut, kann man dauernd das Gefühl haben, man lernt wen Neues kennen. Auch super. So lange es noch Menschen gibt, die ohne Androhung von Genickschuss auf einen zugehen, ist das auch kein Problem für mich. Ich bin ja sowieso immer begeistert, wenn ich von möglichst vielen Unbekannten umgeben bin. Das begeistert mich täglich. Ich laufe dauernd dieselben Wege entlang, fahre mit der S-Bahn dieselbe Strecke und ganz selten kommt mir mal ein Gesicht bekannt vor. Es ist so großartig. Wie verreist. Ich liebe es. Ich liebe Berlin. Ich liebe Mitte. Ich liebe Charlottenburg. Ich liebe Mitte. Ich liebe Charlottenburg. Ich liebe Mitte. Charlottenburg. Mitte. Charlottenburg. Mitte. Charlottenburg. Mitte. Berlin. Berlin. Berlin.
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14. Juli 2012






Ach Charlottenburg. Nach meinen dauernden Mitte-Liebeserklärungen ist heute Charlottenburg dran. Es gibt eigentlich keine Alternative zu Charlottenburg. Ich meine den sehr begrenzten Radius, der sich im engeren Sinn zwischen Fasanen- und Meinekestraße abspielt. Einmal vom Ku’damm aus die eine oder andere lang gehen und demütig annehmen, dass solche Hauseingänge eben nur hier anzutreffen sind. Da stimmt einfach alles. Und wenn man dann auch noch das Glück hat, eine offene Tür zu finden, wo man auch noch herzlich eingeladen ist, kann man aufhören, sich zu bemitleiden. Aber ernsthaft. Ein Dachgeschoss in so einem schmucken Haus könnte mich fast abtrünnig werden lassen. Als ich mich im Hof mit anderen Gästen der Feier unterhielt, wurde auch ein bißchen geunkt „Die kommen alle wieder zurück.“ Damit sind sind die abtrünnigen ehemaligen Westberliner gemeint, die sich auf in den wilden Osten gemacht haben. Aber ich bin ja seinerzeit nicht vor einer herrschaftlichen Zimmerflucht im feinsten Chalottenburg geflüchtet, sondern vor den Wilmersdorfer Witwen. Ich war also gestern tatsächlich unter Menschen. Unter sehr netten Menschen. Vor einer Woche flatterte eine launige Mail mit einer Einladung in die Meinekestraße in mein Postfach. Insofern launig, weil es keine mit Textbaustein generierte Einladung des Galeristen war, sondern zwei Sätze wie von einem Barhocker gepostet. Er säße gerade mit Jan zusammen und sie würden sich über mich unterhalten, nur Gutes! So so. Und ob ich nicht Lust hätte, auch zu kommen. Ich musste schon beim Lesen lachen, weil ich mir lebhaft ausmalen konnte, wie Jan dem Galeristen Manfred Carpentier die wildesten Sachen erzählt. Weiß der Teufel. Aber ich rechne es ihm natürlich hoch an, dass er die frohe Botschaft in die Welt trägt. Ich kannte Manfred Carpentier nur von Jans Portraits, soweit ich mich erinnere. Die Galerie gibt es erst seit zwei Jahren und ist bestimmt eine der schönsten überhaupt. Man ist eigentlich gleich daheim. Das empfinden andere auch so und legen gleich mal die Füße hoch, auf den vollendeten Sitz- und Liegemöbeln. Aufmerksame Leser könnten erkennen, dass ich mein strenges Prinzip der Chronologie der Bilder hier gerade verrate. Ich wollte den Gastgeber nicht zu lange auf die Folter spannen, was die Bilder angeht. Daher. Im Übrigen habe ich ein Glas Rotwein und ein Glas Wasser getrunken. Es hat mir nicht geschadet. Ich praktiziere das jetzt weiter. Ich übe auch gerade daheim. Was auch noch lustig war, fällt mir gerade ein, einige kannte ich ja doch von früher, die haben mich zum Teil gar nicht erkannt. Jedenfalls nicht gleich. Eigentlich unglaublich. Weil ich mich angeblich so verändert habe. Na gut, kann man dauernd das Gefühl haben, man lernt wen Neues kennen. Auch super. So lange es noch Menschen gibt, die ohne Androhung von Genickschuss auf einen zugehen, ist das auch kein Problem für mich. Ich bin ja sowieso immer begeistert, wenn ich von möglichst vielen Unbekannten umgeben bin. Das begeistert mich täglich. Ich laufe dauernd dieselben Wege entlang, fahre mit der S-Bahn dieselbe Strecke und ganz selten kommt mir mal ein Gesicht bekannt vor. Es ist so großartig. Wie verreist. Ich liebe es. Ich liebe Berlin. Ich liebe Mitte. Ich liebe Charlottenburg. Ich liebe Mitte. Ich liebe Charlottenburg. Ich liebe Mitte. Charlottenburg. Mitte. Charlottenburg. Mitte. Charlottenburg. Mitte. Berlin. Berlin. Berlin.
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12. Juli 2012


Bilder von vergangenen Sommern sind auch was Schönes. In zwei drei Jahren kann man das eh nicht mehr auseinanderhalten, war es ein Bild von 2010, oder von 2012, oder 2008? Ist doch wurscht! Bei Bildern mit einem selber drauf ist es hingegen wechselweise beruhigend oder beunruhigend, wenn man sich das Jahr vor Augen führt. Beruhigend ist, wenn man eher na ja-Bilder von früher findet und ganz schnell ein schöneres Neues daneben hält. Das gibt Auftrieb! Man kann weiter hoffen, dass die Jahre einem nicht nur nehmen, sondern auch etwas geben. Nein, ich werde mich nicht beschweren. Schon aus Prinzip. Ich habe seit ein paar Monaten keine Lust mehr gehabt, meine Haarfarbe aus dem Hause Rossmann zu beziehen, und bin auch alle paar Jahre neugierig, wie nun eigentlich aktuell der gottgegebene Status quo ist. Ich habe mit einem weitergehenden Ergrauungsprozess gerechnet. Komisch, dass gerade die Deckhaare am wenigsten Grau zeigen, ein paar einzelne Fäden, die eher wie Strähnchen wirken. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass meine echte Haarfarbe mehr Blicke auf sich zieht. Ich hatte noch dunkel in Erinnerung, dass da so ein Rot-Anteil drin war, der mich als ich ein Teenie war, immer fasziniert hat, wenn die Sonne darauf gekommen ist. Ich bin hin- und hergerissen. Ich mochte auch die dunklen Haare sehr gerne, weil sie auch unbedingt meinem Charakter ähneln, aber die Haarstruktur ist jetzt wieder viel besser, viel gesünder. Manchmal streiche ich mir so über den Scheitel, mit der flachen Hand, weil es

so ein schönes Gefühl ist, wie seidig glatt es sich anfühlt. Vorher waren sie durch das jahrelange Färben schon ganz matt und stumpf. Wenn ich jetzt schreibe, was ich für ein „Shampoo“ benutze, versteht die Dame von Welt wahrscheinlich die Welt nicht mehr. Es ist gar kein Haarshampoo. So weich und seidig waren meine Haare nicht, als ich die teuersten Shampoos von John Frida und Marlies Möller benutzt habe. Alle mal anschnallen: ich wasche meine Haare mit Flüssigseife zum Händewaschen, Duftnote Vanilleblüte aus dem exclusiven Körperpflegesortiment von Aldi. 500 ml zu 0,75 €. Jawohl, ganz recht. Ein halber Liter zu 75 Cent. Wunderbarer Duft außerdem. Mir ging neulich das Shampoo aus und ich habe in der Not nach dem Seifenspender gegriffen. Nachdem die Haare sich auch trocken gut angefühlt haben, habe ich es am nächsten Tag absichtlich wieder gemacht. Und am übernächsten. Das geht jetzt schon ungefähr vier Wochen so. So viel heute von mir zum Thema Schönheitspflege und sparsames Wirtschaften! Nichts gegen lange Haare, aber gepflegt müssen sie sein! Schönheit muss nicht teuer sein.

11. Juli 2012


Gute Nacht aus einer Hütte in Mitte. Morgen wieder Wetter. Hab mich halbwegs berappelt. Wird schon. Morgen Donnerstag. Übermorgen Freitag. Oh. Da fällt mir ein, wenn ich die Einladung wahrnehme, kann ich vorher gar nicht einkaufen. Könnte ich auch am Samstag. Wäre auch kein Problem. Außerdem ist das Obst- und Gemüseregal voller, wenn man tagsüber einkaufen geht. Mal gucken. Aber jetzt schlafen.

11. Juli 2012


Gute Nacht aus einer Hütte in Mitte. Morgen wieder Wetter. Hab mich halbwegs berappelt. Wird schon. Morgen Donnerstag. Übermorgen Freitag. Oh. Da fällt mir ein, wenn ich die Einladung wahrnehme, kann ich vorher gar nicht einkaufen. Könnte ich auch am Samstag. Wäre auch kein Problem. Außerdem ist das Obst- und Gemüseregal voller, wenn man tagsüber einkaufen geht. Mal gucken. Aber jetzt schlafen.

09. Juli 2012


Das ist das Schöne. Ich kriege es kaum noch gebacken, einigermaßen gegenwartsnah Bilder zu posten, aber in meinem 25.346-Bilderarchiv findet sich immer mindestens ein altes, das meine Verfassung zeigt. Abgesehen von diesem ungewohnt fragilen Montag denke ich über eine Einladung nach. Die ist erst am Freitag. Ich sollte weniger nachdenken, einfach kurz vorher die Stimmungslage abchecken und dann los. Oder auch nicht. Ich denke zuviel über alles nach. Viel zu viel. Immer schon. Meine Güte. Ich bin aus der Übung. Neulich, als ich mit meinem guten alten Freund unterwegs war, war es wie früher. Ich war kein bißchen aus der Übung. Es hat mir sogar gefallen. Richtig gut. Dabei war es so unspektakulär. Nein, es war nicht unspektakulär, weil meine Stimmung war ziemlich obenauf. Und die Wahrheit ist, ich ziehe mich an meiner eigenen Stimmung hoch und werfe sie in den Raum. Und wenn ich sehr gut drauf bin, gibt das eine sehr starke Reflektion. Ping pong. Die Spiegelung in der Spiegelung in der Spiegelung. Das eigene Licht wird zurückgeworfen und vervielfacht. Das habe ich im Tacheles gespürt. Eigentlich war nicht viel los. Ich habe mir eine interessante Ecke ausgesucht und die Ecke fotografiert. Und mich. In der Ecke. Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel, dass einer der „Residents“, der für die Portraitgalerie verantwortlich ist, auch eine Kamera in der Hand hat. Die hatte er vorher noch in der Tasche. Und fokussiert mich. Er fotografiert, wie ich mich vor den Bildern fotografiere, die er fotografiert hat. Ich muss lachen. Er ermahnt mich, ich sollte bitte genau das tun, was ich vorher gemacht habe, bevor ich ihn bemerkte. Das wäre am Interessantesten. Am Interessantesten sei zu fotografieren, wie ich mich fotografiere. Das wäre richtig gut. Ich habe ihm den Gefallen natürlich gerne getan. Wir haben uns dann noch gegenseitig bei uns bedankt. Und weiter. Ja, das ist alles egozentrisch. Wie ein Blog schreiben. Wie bloggen eben. Tja ja.

09. Juli 2012

Merkwürdiger Tag. Aufgewacht wie fragmentiert. Die Seele einmal durch den Fleischwolf gedreht. Dabei erinnere ich mich an keinen Albtraum. Aber ich erinnere mich. Ach, wirre Träume aufschreiben, die man selbst nicht deuten kann, wo keiner dabei war, der mitreden könnte. Bizarr war eigentlich nur, dass es so gefühlsmäßig unerheblich war, irgendeine bergige Landschaft, Paare, die dort wanderten, ein interessanter Abgrund mit einer schönen Wiese darunter. Ein Paar wollte springen, einen Tandem-Sprung, indem sie sich einfach übermütig und tapfer an den Händen fassten. Ich sah es, ich hatte den Sprung schon hinter mir, aber von einer tieferen Ebene, nicht ganz so hoch. Ich war gerade gesprungen, es ging gut, vielleicht drei, vier Meter, in die grüne Wiese. Aber sie waren auf der Höhe von fünf bis sieben Metern oder zehn. Das wäre gefährlich. Sie waren kurz davor und ich ging hin und sagte ihnen, das wäre zu hoch, sie würden sich alle Knochen brechen und dass sie eine Ebene tiefer sicherer springen könnten. Ich zeigte ihnen den Weg zum sicheren Absprung und sie sprangen und alles ging gut. Dann bin ich aufgewacht. Knochenschwer. Innerlich. Als hätte ich Berge versetzt, schwer gearbeitet, aber ohne Erfolg, vergeblich, wie ausgebrannt. Ich stand auf, wie immer, um meinem Tagwerk nachzugehen, aber ich konnte nicht. Ich fühlte mich immer noch, als hätte das Gegenteil vom lieben Gott meine Seele durch den Fleischwolf gedreht. Halb wie in Trance und seltsam traurig bin ich wieder nach Hause. Legte mich hin aber fand keine Ruhe. Jetzt erst, sehr spät fange ich mich gerade wieder. Ich entdeckte einen neuen wunderbaren Song von Patti Smith, Maria. Der hat mich sehr berührt. Ich habe ein bißchen geweint. Das tat sehr gut. Ich habe lange nicht geweint. So wie ich vieles andere lange nicht getan habe. Und empfunden.
At the edge of the world
Where you were no one
Yet you were the girl
The only one
At the edge of the world
In the desert heat
One shivering star
Sweet indiscreet
I knew you
When we were young
I knew you
Now you’re gone
In a little Narcissus pool
Drawn by its spell
We saw ourselves
Raw excitable
I knew you
When we were young
I knew you
Now you’re gone
We didn’t know
The precariousness
Of our young powers
All the emptiness
Wild,wild hair
Sad,sad eyes
White shirt black tie
You were mine
You grabbed the ring
Of the carousel
Tangoing
From Heaven to Hell
I knew you

08. Juli 2012

Gerade versucht, die Schwalben am Himmel zu zählen, halten nicht still die Biester. Zehn, elf, zwölf, dreizehn bestimmt. Ganz weit da oben, man erkennt gerade die Silhouette. Gestern kreisten zwei große weiße Möwen über den Dächern, die kommen von da hinten, von der Spree am Lustgarten geflogen und machen manchmal einen Ausflug. Einen echten Ausflug. Laues Lüftchen heute, ich liege auf dem Balkon, kein Auto fährt irgendwo entlang, man hört nur Vogelgezwitscher. Die Läden da unten sind noch nicht frequentiert, die Tische und Stühle vorm Al Contadino sind noch zusammengeklappt und lehnen an der Mauer. Später soll es wieder Gewitter geben, sagt der Wetterfrosch. Ich war schon fleißig und habe den Saum von meiner weißen Hose unten am Bein repariert. Ganz ordentlich einmal rundherum genäht, mit der Hand.

Die Sonne hat mir auf den Rücken gebrannt. Der Kaffee war ausgezeichnet. Ich mache jetzt immer eine winzige Prise Salz bevor ich das Wasser aufgieße hinein, gegen die Bitterstoffe, wenn das Wasser zu stark kocht! Das haben schon unsere Großmütter praktiziert und die italienischen Espresso-Köche. Aber nicht zu viel! Es soll nicht salzig schmecken. Zur Zeit gibt es bei Rossmann in der Friedrichstraße, die mit Abstand am besten sortierte Filiale, Lavazza Crema e Gusto für 2,99 das halbe Pfund! Ich nehme immer gleich zwei bis drei Packungen auf Vorrat. An der Qualität beim Kaffee sollte man nie sparen, das macht sich gleich im Geschmack bemerkbar. Außerdem werden italienische Sorten anders geröstet. Wenn eine deutsche Kaffeerösterei guten Arabica verarbeitet, kommt trotzdem ein anderer Geschmack dabei raus, deswegen bleibe ich konservativ bei den italienischen Sorten, keine Experimente mehr. Nach deutschem Verfahren gerösteter Kaffee hat immer so einen leicht säuerlichen Abgang, den ich überhaupt nicht mag. Ich lese mal weiter in Mariannes Memories. Was sie so zur Weimarer Republik schreibt, warum sie zu den Brecht- und Weill-Songs so eine Beziehung hat, was sie eigentlich selber nicht so ganz versteht, weil ihre Mutter ihr in dieser Hinsicht nichts vermittelt hat, wie sie glaubt. Wie auch immer. Ja, ich mache auch weiter Bilder in diesen Tagen, diesen Sommertagen. Die gibt es dann später, im Herbst. Im Sommer die Bilder aus dem Frühjahr, im Herbst die Bilder aus dem Sommer, im Winter die Bilder vom Herbst. Und so weiter. Die Bedeutung von tagesaktuellen Aufnahmen wird meiner Ansicht nach völlig überschätzt. Ich freue mich heute noch an Bildern, die vor zwei, drei, vier oder noch mehr Jahren entstanden sind. Man beamt sich zurück in die Zeit, die vergangen ist und die Gefühle die dazugehören. Das ist viel aufregender, als heute ein Bild von heute zu sehen. Man erlebt es ja, es ist kein verdichtetes Erinnern. Na gut, für die anderen vielleicht schon, die Leser. Aber ich lese mich ja auch selber. Man muss sich schon auch selber was bieten. Das sind natürlich auch Ausreden, weil ich es aufgrund der Fülle des Materials in der Warteschleife einfach nicht so schnell schaffe, alles zu verarbeiten. Egal, genug der Erklärungen. Ich muss überhaupt nichts erklären.

Höchstens vielleicht, dass ich keineswegs aufgehört habe zu fotografieren, auch wenn die Abfolge der Bilder im Augenblick weniger dicht erscheint. Übrigens habe ich die beiden Kameras zum in Aussicht gestellten Preis verkauft. Alles wie vereinbart, reibungslos. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

08. Juli 2012

Gerade versucht, die Schwalben am Himmel zu zählen, halten nicht still die Biester. Zehn, elf, zwölf, dreizehn bestimmt. Ganz weit da oben, man erkennt gerade die Silhouette. Gestern kreisten zwei große weiße Möwen über den Dächern, die kommen von da hinten, von der Spree am Lustgarten geflogen und machen manchmal einen Ausflug. Einen echten Ausflug. Laues Lüftchen heute, ich liege auf dem Balkon, kein Auto fährt irgendwo entlang, man hört nur Vogelgezwitscher. Die Läden da unten sind noch nicht frequentiert, die Tische und Stühle vorm Al Contadino sind noch zusammengeklappt und lehnen an der Mauer. Später soll es wieder Gewitter geben, sagt der Wetterfrosch. Ich war schon fleißig und habe den Saum von meiner weißen Hose unten am Bein repariert. Ganz ordentlich einmal rundherum genäht, mit der Hand.

Die Sonne hat mir auf den Rücken gebrannt. Der Kaffee war ausgezeichnet. Ich mache jetzt immer eine winzige Prise Salz bevor ich das Wasser aufgieße hinein, gegen die Bitterstoffe, wenn das Wasser zu stark kocht! Das haben schon unsere Großmütter praktiziert und die italienischen Espresso-Köche. Aber nicht zu viel! Es soll nicht salzig schmecken. Zur Zeit gibt es bei Rossmann in der Friedrichstraße, die mit Abstand am besten sortierte Filiale, Lavazza Crema e Gusto für 2,99 das halbe Pfund! Ich nehme immer gleich zwei bis drei Packungen auf Vorrat. An der Qualität beim Kaffee sollte man nie sparen, das macht sich gleich im Geschmack bemerkbar. Außerdem werden italienische Sorten anders geröstet. Wenn eine deutsche Kaffeerösterei guten Arabica verarbeitet, kommt trotzdem ein anderer Geschmack dabei raus, deswegen bleibe ich konservativ bei den italienischen Sorten, keine Experimente mehr. Nach deutschem Verfahren gerösteter Kaffee hat immer so einen leicht säuerlichen Abgang, den ich überhaupt nicht mag. Ich lese mal weiter in Mariannes Memories. Was sie so zur Weimarer Republik schreibt, warum sie zu den Brecht- und Weill-Songs so eine Beziehung hat, was sie eigentlich selber nicht so ganz versteht, weil ihre Mutter ihr in dieser Hinsicht nichts vermittelt hat, wie sie glaubt. Wie auch immer. Ja, ich mache auch weiter Bilder in diesen Tagen, diesen Sommertagen. Die gibt es dann später, im Herbst. Im Sommer die Bilder aus dem Frühjahr, im Herbst die Bilder aus dem Sommer, im Winter die Bilder vom Herbst. Und so weiter. Die Bedeutung von tagesaktuellen Aufnahmen wird meiner Ansicht nach völlig überschätzt. Ich freue mich heute noch an Bildern, die vor zwei, drei, vier oder noch mehr Jahren entstanden sind. Man beamt sich zurück in die Zeit, die vergangen ist und die Gefühle die dazugehören. Das ist viel aufregender, als heute ein Bild von heute zu sehen. Man erlebt es ja, es ist kein verdichtetes Erinnern. Na gut, für die anderen vielleicht schon, die Leser. Aber ich lese mich ja auch selber. Man muss sich schon auch selber was bieten. Das sind natürlich auch Ausreden, weil ich es aufgrund der Fülle des Materials in der Warteschleife einfach nicht so schnell schaffe, alles zu verarbeiten. Egal, genug der Erklärungen. Ich muss überhaupt nichts erklären.

Höchstens vielleicht, dass ich keineswegs aufgehört habe zu fotografieren, auch wenn die Abfolge der Bilder im Augenblick weniger dicht erscheint. Übrigens habe ich die beiden Kameras zum in Aussicht gestellten Preis verkauft. Alles wie vereinbart, reibungslos. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

07. Juli 2012

Heute Ruhetag. Lasse mich berieseln. Was heutzutage alles in den Mediatheken zum Angucken bereitgehalten wird, schon enorm. Nachtcafé, „Männer unter Druck“. Mal gucken. Mortadella mit Pistazien aus dem Kühlschrank auf die Hand, diese kleinen Eiertomaten, Nüsse, Fenster weit auf. Dem Sommerregen lauschen. Es kühlt schön ab. So ein Dachgeschoss ist ja immer ein paar Grad wärmer als die Etagen darunter, aber es ist angenehm. Man kann ja auch Durchzug machen, das geht hier ganz schön, von Nord nach Süd, die Balkontüren weit auf. Meistens muss man bei solchem Wetter gar nichts anziehen in der Wohnung, aber immer habe ich auch keine Lust, nackig herumzufläzen, auch wenn mich hier keiner sieht. Ein von Jan geerbtes graues, weites T-Shirt und eine bequeme Hose dazu, einstmals schwarz, heute dunkelgrau. Socken braucht man keine, sitze also in dreiviertel Liegeposition auf dem großen Kelimkissen vor dem Klapprechner und erhole mich von meinen Taten. Vorhin eine Maschine mit weißen Sachen gewaschen, ein bißchen aufgeräumt. Das Wasser in der Küche kocht. Darjeeling aufgießen und einen kleinen Espresso vorneweg. Ich gucke mal die Sendung.

03. Juli 2012

Gegen Abend trieb mich der Klang eines Akkordeons von der Straße zum Fenster. Ein alter, sehr fröhlich dreinschauender Akkordeonspieler mit einer Schiebermütze stand seitlich am Straßenrand auf dem Kopfsteinpflaster. Halb an ein grüngraues Auto gelehnt. Das Auto war auch ein älteres Modell. Sie haben russisch gesungen. Ihm gegenüber stand eine, vielleicht seine Frau, auch schon älter glaube ich, ich sah das Ganze nur von oben, ihn von vorne und sie von hinten. Wie sie da so halb am Auto lehnten und gesungen haben, links und rechts die Kaffeetische und Stühle vom Hackbarths und die neuen Klapptische und Barhocker vom neuen Al Contadino. Die neue Bottega scheint gut anzulaufen, was mich sehr freut. Ich war ja neulich, Samstag letzte Woche bei der Einweihung, nach langer Zeit wieder einmal mit Jan unterwegs. Die Auguststraße rauf und runter und bis zum Tacheles. In der Mädchenschule, so schön ist die geworden. Und dann im Al Contadino diese vielleicht überkandidelte Auswahl von Mozzarella-Sorten aus irgendwelchen seltenen Bergregionen, die aber schmecken, wie man sich vorstellt, wie man weiß, daß die Sünde schmeckt. Und diese große, familiäre Geste, einfach so ein Tellerchen hingestellt zu bekommen und immer das Glas voll. Dabei konnte man auf den bedruckten Papieruntersetzern lesen, was der Zauber im Ernstfall kosten würde, bestimmt angemessen. Jedenfalls war diese Szenerie vorhin mit dem Akkordeonspieler und seiner Frau, als es noch heller Abend war und die ganze Atmosphäre nach einem eher wie Herbst aussehendem Julitag unerwartet so sommerabendlau, aus allen drei Fenstern, aus der Küche und aus den beiden Fenstern über Eck zur Auguststraße so schön, dass ich gar nicht mehr wegschauen konnte und die Fenster weit aufmachte, um es besser zu hören. Und die ganze Zeit dachte, man müsste es filmen, es ist beinah irreal, wie in einem Traum. Die Farbe seiner Schiebermütze und seiner Anzugweste zum Kopfsteinpflaster und die wie verblichen scheinende Farbe des Autos und dazu diese heitere Melancholie von seinen mir ganz und gar fremden Liedern. War das inszeniert? Hat das der liebe Gott inszeniert, damit ich mich meines Lebens erfreue, an einem unspektakulären Dienstag Abend? Bestimmt. Ich habe die Kamera nicht geholt, sondern alles direkt in mein eingebautes Bildarchiv gespeichert. Und ordentlich beschriftet.

03. Juli 2012

Gegen Abend trieb mich der Klang eines Akkordeons von der Straße zum Fenster. Ein alter, sehr fröhlich dreinschauender Akkordeonspieler mit einer Schiebermütze stand seitlich am Straßenrand auf dem Kopfsteinpflaster. Halb an ein grüngraues Auto gelehnt. Das Auto war auch ein älteres Modell. Sie haben russisch gesungen. Ihm gegenüber stand eine, vielleicht seine Frau, auch schon älter glaube ich, ich sah das Ganze nur von oben, ihn von vorne und sie von hinten. Wie sie da so halb am Auto lehnten und gesungen haben, links und rechts die Kaffeetische und Stühle vom Hackbarths und die neuen Klapptische und Barhocker vom neuen Al Contadino. Die neue Bottega scheint gut anzulaufen, was mich sehr freut. Ich war ja neulich, Samstag letzte Woche bei der Einweihung, nach langer Zeit wieder einmal mit Jan unterwegs. Die Auguststraße rauf und runter und bis zum Tacheles. In der Mädchenschule, so schön ist die geworden. Und dann im Al Contadino diese vielleicht überkandidelte Auswahl von Mozzarella-Sorten aus irgendwelchen seltenen Bergregionen, die aber schmecken, wie man sich vorstellt, wie man weiß, daß die Sünde schmeckt. Und diese große, familiäre Geste, einfach so ein Tellerchen hingestellt zu bekommen und immer das Glas voll. Dabei konnte man auf den bedruckten Papieruntersetzern lesen, was der Zauber im Ernstfall kosten würde, bestimmt angemessen. Jedenfalls war diese Szenerie vorhin mit dem Akkordeonspieler und seiner Frau, als es noch heller Abend war und die ganze Atmosphäre nach einem eher wie Herbst aussehendem Julitag unerwartet so sommerabendlau, aus allen drei Fenstern, aus der Küche und aus den beiden Fenstern über Eck zur Auguststraße so schön, dass ich gar nicht mehr wegschauen konnte und die Fenster weit aufmachte, um es besser zu hören. Und die ganze Zeit dachte, man müsste es filmen, es ist beinah irreal, wie in einem Traum. Die Farbe seiner Schiebermütze und seiner Anzugweste zum Kopfsteinpflaster und die wie verblichen scheinende Farbe des Autos und dazu diese heitere Melancholie von seinen mir ganz und gar fremden Liedern. War das inszeniert? Hat das der liebe Gott inszeniert, damit ich mich meines Lebens erfreue, an einem unspektakulären Dienstag Abend? Bestimmt. Ich habe die Kamera nicht geholt, sondern alles direkt in mein eingebautes Bildarchiv gespeichert. Und ordentlich beschriftet.

01. Juli 2012

Verpackungsorgie. Ich verbringe ein gutes Stückchen dieses Sonntags damit, zwei Kameras, ein Objektiv, Akkuladegeräte, Stromadapter und Übertragungskabel und Zeugs transportfähig zu verpacken. Nein, keine Auslandsreise steht an. Die Geräte verreisen ohne mich. Man kann jetzt, anstatt umständlich auf ebay herumzumachen, seine Gerätschaften einfach verkaufen, so wie man anderswo mit drei Klicks einkauft. Ich hätte ja niemals nicht den Nerv, so eine ebay-Auktion einzurichten und die Angebote zu verfolgen und den ganzen Zirkus. Ebay ist komplett außerhalb meiner Neigungen. Es sei denn, es gibt mal ein Festpreisangebot,

wo man sich nicht langwierig mit irgendwelchen Ablauffristen herumschlagen muss und mitbieten. Natürlich zahlen die Elektrowaren-Ankaufsanbieter bedeutend weniger als man vielleicht bei zeitaufwändigen Auktionsgeschichten erhalten könnte, aber für mich ist das genau richtig. Man erfährt gleich, was das Gerät mutmaßlich bringt, sofern man den Zustand wahrheitsgemäß definiert. Bin schon gespannt, ob ich nach Einschätzung des Ankaufsportals angemessene Angaben gemacht habe. Auf jeden Fall hat mir Leistenschneider vormals Wüstefeld in der Grolmannstraße eine erhellende Auskunft zum Wiederverkaufswert der einen Kamera gegeben, die mich leichten Herzens das online-Angebot annehmen lässt. Eine super digitale Spiegelreflex von Olympus mit schönem Objektiv. Schwer wie eine Bohrmaschine, deswegen wurden wir leider keine Freunde. So, ich muß weiterverpacken! Übrigens die Versandkosten übernimmt komplett der Händler, der einem mit der Verkaufsbestätigungsmail gleich ein druckfertiges Adressetikett zuschickt. Internet ist toll. Toll. Toll. Toll.

01. Juli 2012

Hat nicht sollen sein!

Update deutscher Balkon gestern in Neukölln
Arme kleine Italiener. Wie wäre das denn bloß ausgegangen wenn unseren Buben gegen die Spanier hätten antreten müssen? Acht zu Null? Da wir mehr Italiener als Spanier in Berlin haben, ist es denke ich mal der Völkerfreundschaft ganz zuträglich, dass wir nun beide letztlich als Verlierer dastehen, das schafft unerwartet Solidarität. Da hinten im Al Contadino ist es auch sehr still. Ganz entfernt hört man ein paar Böller. Die letzten beiden Spiele ist mir aufgefallen, dass der Chef das neue, alte Al Contadino, hier unten auf der Ecke, immer zugemacht hat, um sich vermutlich angemessen mit seiner Riege dem Ballsport zu widmen. Vorhin hat er noch gestrahlt der Padrone, als er den Schlüssel umgedreht hat.

01. Juli 2012

Verpackungsorgie. Ich verbringe ein gutes Stückchen dieses Sonntags damit, zwei Kameras, ein Objektiv, Akkuladegeräte, Stromadapter und Übertragungskabel und Zeugs transportfähig zu verpacken. Nein, keine Auslandsreise steht an. Die Geräte verreisen ohne mich. Man kann jetzt, anstatt umständlich auf ebay herumzumachen, seine Gerätschaften einfach verkaufen, so wie man anderswo mit drei Klicks einkauft. Ich hätte ja niemals nicht den Nerv, so eine ebay-Auktion einzurichten und die Angebote zu verfolgen und den ganzen Zirkus. Ebay ist komplett außerhalb meiner Neigungen. Es sei denn, es gibt mal ein Festpreisangebot,

wo man sich nicht langwierig mit irgendwelchen Ablauffristen herumschlagen muss und mitbieten. Natürlich zahlen die Elektrowaren-Ankaufsanbieter bedeutend weniger als man vielleicht bei zeitaufwändigen Auktionsgeschichten erhalten könnte, aber für mich ist das genau richtig. Man erfährt gleich, was das Gerät mutmaßlich bringt, sofern man den Zustand wahrheitsgemäß definiert. Bin schon gespannt, ob ich nach Einschätzung des Ankaufsportals angemessene Angaben gemacht habe. Auf jeden Fall hat mir Leistenschneider vormals Wüstefeld in der Grolmannstraße eine erhellende Auskunft zum Wiederverkaufswert der einen Kamera gegeben, die mich leichten Herzens das online-Angebot annehmen lässt. Eine super digitale Spiegelreflex von Olympus mit schönem Objektiv. Schwer wie eine Bohrmaschine, deswegen wurden wir leider keine Freunde. So, ich muß weiterverpacken! Übrigens die Versandkosten übernimmt komplett der Händler, der einem mit der Verkaufsbestätigungsmail gleich ein druckfertiges Adressetikett zuschickt. Internet ist toll. Toll. Toll. Toll.