11. März 2024

Gestern mit dem Emmentaler Papageien-Krater-Bild fertig geworden …und gerahmt! Parallel an einem anderen, älteren Bild, mit dem ich nicht im Reinen war, weiter gemacht. Eingebung gehabt, als ich mit Orange am Papageien-Krater pinselte. Jetzt weiß ich weiter, war schon genervt. Wenn man ein Bild gemacht hat, das man nicht gerne anschaut – geht gar nicht! Brauche wieder schwarze Filzstifte, Eddings in allen Stärken, dann weiter mit der Operation am Problem-Patienten. Zeig ich aber erst nach der OP.

11. März 2024

„EMMENTALER PAPAGEIEN-KRATER“. Zwei geklebte Foto-Leinwände, Einschnitte, Acryl, Kleber, Spiegelscherben, Blattgold, Schattenfugenrahmen, 18./24./25./26. Februar und 2./3./8./9./10. März 2024, 33,5 cm x 43,5 cm, Staatliche Museen von Gaganien

11. März 2024

Gerade habe ich eine frohe Botschaft erhalten! Es gibt Familienzuwachs, ein supersüßes Baby ist auf die Welt gekommen, der frischgebackene Papa ist mein Neffe Valerian, der vorletztes Jahr geheiratet hat. Hach….! ❤ Ein bißchen gestört bin ich aber schon: ich habe das Gefühl, ich wäre wieder Tante geworden, nicht „Groß-Tante“. Dabei ist Valerian doch gar nicht mein Bruder, sondern mein Neffe. Das ist bestimmt, weil ich keinen Bruder mehr habe, und ich ihn ein bißchen an die Leerstelle von seinem Vater schiebe. Ulkig. Aber ich fühle mich dadurch natürlich auch jünger 😊

10. März 2024

Letzter Blick, wenn ich am U-Bahnhof Leinestraße in die Unterwelt eintauche und Neukölln verlasse, der rechte Eingang vom Anita-Berber-Park. Nach siebzehn Minuten verlasse ich die Unterwelt der U8 am Rosenthaler Platz. Ein paar Schritte bis zur Linienstraße, dann biege ich ab und bin daheim, wo ich diese Dinge festhalte und Euch mitteile, während nebenher eine Dokumentation läuft.

10. März 2024

Das ganze lange Wochenende mein vor-die-Tür-geh-Look. Ohne Schal und Mütze! An allen Vormittagen herrliche Sonne, die ich am offenen Fenster, wie Gott mich schuf, stundenlang inhalierte, und die sich am Nachmittag etwas zierte, dann ging ich los. Heute dito.

10. März 2024

Zuguterletzt, zum Abschluss meines Stuck-liebenden Rundgangs: Emser Straße 21, 22. Fein ziselierter Art Déco-Stuck an den Schauseiten der Balkone. Gefällt mir sehr, bitte hegen und pflegen.

10. März 2024

Was ich alles nicht kenne – Emser Straße 128: „Schwarzekatze Weisserkater„, eine Galerie. Emser Straße 122: Bar „Schloss Neuschweinsteiger“. Die Emser Straße ist die übernächste Parallelstraße zur Schierker Straße, in der seit 21 Jahren meine Werkstatt ist. Ich kenne das alles nicht, weil ich die Emser Straße von der U-Bahn kommend, immer nur überquere. Diesen Teil der Emser Straße bin ich in all den Jahren maximal viermal entlang gelaufen, mit Abstand von mehreren Jahren. Das wird sich wohl auch nicht ändern, weil mein Aufenthalt in der Ecke einen anderen Schwerpunkt hat, aber hin und wieder flanieren ist interessant, weil sich doch manches ändert und dann ist es eine Entdeckungsreise.

In Wilmersdorf gibt es auch eine Emser Straße, in der war ich zweimal. Dort ist nämlich das alte Logenhaus, in dem Auktionen und andere Veranstaltungen stattfinden. Einmal war ich dort mit einer Freundin bei einer Auktion mit Modenschau und ein anderes mal bei einem Vortrag von einem geschäftstüchtigen Esoteriker, einer Einladung folgend. Fand ich nicht so prickelnd, was der gute Mann daherschwurbelte. Die Modenschau hat mir besser gefallen.

09. März 2024

Nun hatte ich die eine Hälfte der Emser Straße eingehend betrachtet, und mir kam gestern in der U-Bahn der Gedanke, was sich wohl noch für architektonische Kleinode in der anderen Hälfte finden könnten. Ich ging in mein Atelier, stellte die Tasche ab und ging wieder raus, die Sonne war auch viel zu schön, um nicht spazieren zu gehen. Und ich habe noch ein paar Schätze entdeckt.

09. März 2024

Gruß von der Delphi-Terrasse mit dem Theater des Westens. Tagsüber ist die Terrasse recht leer und es lässt sich in aller Ruhe ein Frühjahrs-Sonnenbad mit Blick auf die Kantstraße nehmen. Der gastronomische Betrieb fängt erst am späten Nachmittag an. Die Bänke stehen aber immer bereit. Mit eigenem Proviant oder einer Currywurst vom Imbiss bei Ullrich ein Lieblingsplätzchen von mir.

08. März 2024

Mit diesem anmutigen Portalschmuck in der Emser Straße 76 und dem sachlichen, aber auch bemerkenswerten Architekturdetail im Dampfer-Stil der Kita in der Emser Str. 81 beende ich meinen kleinen Spaziergang durch die untere Hälfte der Emser Straße. Der Wiener Architektur-Revoluzzer Adolf Loos hätte der Bauweise der Kita sicher eher seinen Segen erteilt. Adolf Loos verachtete architektonischen Zierrat in Form von Stuckdekor an Schauseiten von Mietshäusern, und zwar zutiefst. In seiner kämpferischen Schrift mit dem Titel „Ornament und Verbrechen“ aus dem Jahre 1908 hatte er den Auftakt für ein schmuckloses Äußeres und Inneres der Häuser bereitet. Er trat mit großer Vehemenz für ornamentlose Fassaden ein. In der Schrift heißt es unter anderem, dass man Schmuckformen jeder Art unbedingt verbieten müsse. Leute, die sich selbst, ihre Kleider, ihre Wohnungen oder ihre Häuser und Vorgärten schmückten, seien „Verbrecher“, „Degenerierte“ beziehungsweise „Hanswurste“. Loos argumentierte, dass Funktionalität und Abwesenheit von Ornamenten im Sinne menschlicher Kraftersparnis ein Zeichen hoher Kulturentwicklung seien. Es würden noch ganze Volkswirtschaften zugrunde gehen, wenn die Welt nicht bald damit aufhöre, ihre ganze Kraft an Nippes und Tinnef zu verschwenden.

Rückblickend kann er als Visionär gelten, was die Umsetzung seiner Ideale angeht. Seit vielen Jahrzehnten ist der Verzicht auf schmückende und womöglich verspielte Architekturdetails um des Schmuckes willen, zugunsten von preisgünstiger Geradlinigkeit die Marschrichtung, zumindest beim Bau von Funktionsgebäuden, zu denen auch Mietshäuser, vor allem des sozialen Wohnungsbaus zählen. Gott sei’s geklagt! Der ersten Entstuckungswelle in den Zwanziger Jahren folgte unter den Nazis eine weitere, noch umfassendere. Sie zielte sowohl auf die Beseitigung des „überflüssigen Tands“ wie auch der Gefahren für die Passanten durch herabfallenden Stuck ab. Eine dritte Welle in den Sechziger Jahren bot für das Abschlagen des Stucks sogar ausgelobte Prämien, die Hausbesitzer finanziell unterstützen sollten, um die Gefahren zu beseitigen, die von herabfallenden Fassadenteilen ausgingen. Und heute werden die fehlenden Stuckelemente beweint, schmerzlich vermisst. Weil man es sieht, dass Häuser aus gewissen Epochen anders angelegt waren. Lauter Leerstellen. Unwiederbringlich. Ich weiß leider kein Beispiel, wo ein Hausbesitzer den abgeschlagenen Stuck anhand von alten Plänen und Fotografien rekonstruieren ließ. Es wird ein paar wenige geben. Bitte gerne ein Bundesverdienstkreuz dafür geben. Das verschönt meine Spaziergänge. Und bestimmt nicht nur meine.

08. März 2024

Emser Straße 102. Eines meiner liebsten Häuser auf diesem Spaziergang. Die Figuren. Grandios. Und noch dazu das Zeitdokument eines Herrn mit modischer Haartracht, der so vertieft sein Smartphone studiert, dass er zu keinem Zeitpunkt merkt, dass er fotografiert wird. Ich war zwar auf der anderen Straßenseite, aber nicht so weit weg. Ich konnte in aller Ruhe auslösen.

07. März 2024

Emser Straße 99. Wow. Oh je. Oh my goodness. Beauty of decay. Gemahnt an romantisch verklärte „Lost Places“, aber da unten ist ein Café drin. Der anrührende Zauber von bröckelnden, alten Fassaden, in Venedig ohne Unterlass bewundert. Auch vor diesem Haus stand ich bewundernd. Die pergamentenen Schichten, das Poröse, das die Dynamik von lebender Materie zeigt. Und doch auch erschreckend – wenn da nicht bald etwas passiert, wird der Stuck abfallen? Das Haus hat ein schweres Ekzem – Katastrophe! Gebietet Einhalt, das darf nicht geschehen. Da muss doch Geld in die Hand genommen werden, bitte gerne meine Steuergelder. Wir sind ja nun kein armes Ostblockland, und das ist alter Berliner Westen, wenn auch das ärmere Neukölln. Ich bitte um Denkmalschutz! Und doch ist es grandios, so ein Verfallsstadium zu sehen. Wieviel Melancholie so ein altes Haus ausstrahlen kann. Muss abermals die Queen zitieren: „Life is full of contradictions.“

06. März 2024

Nach der mich ins Nachdenken bringenden Entdeckung von Werner Seelenbinders Grab im nach ihm benannten Sportpark, verließ ich das Gelände in der Oderstraße und ging weiter bis zur Emser Straße. Von da lief ich wieder Richtung Hermannstraße zu meiner nahen Werkstatt in der Schierker. In diesem Abschnitt der Emser Straße war ich nie vorher. Es gab für mich bislang keinen Grund, dort entlang zu flanieren. Die Ecke Oder-/Emser Straße präsentiert sich mit einem griechischen Restaurant, dessen Pächter keine Kosten und Mühen gescheut haben, einen klassizistischen Eingang nachzubauen, der einer Taverne in der Nähe der Akropolis zur Ehre gereichen würde. Einladend und Imposant! Nur wenige Meter weiter gab es dann echt antike Stuckfassaden zu entdecken. Ich machte gar nicht wenige Fotos.

05. März 2024

Ich spüle noch ab und gehe dann schlafen. Vielleicht sogar noch früher als gestern. Schlafenszeit gestern war 22.30 bis 8.00 Uhr. Neuneinhalb Stunden! Für mich unter der Woche spektakulär. Mal was Neues ausprobieren. Aber als Betthupferl noch ein Gläschen.

05. März 2024

Gedenkminute für Werner Seelenbinder. Ein Name, der an vielen Stellen in Berlin, sowohl Ost- als auch West, sehr präsent ist. Werner Seelenbinder war ein sehr erfolgreicher Sportler (Ringer und Gewichtheber) und sehr aktiver Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Regime. Er hing den Idealen des Kommunismus an und zeigte immer wieder Zivilcourage. Unter anderem, indem er bei Preisverleihungen nach Wettkämpfen, die er gewann, den Hitlergruß verweigerte. Was entsprechende grausame Folgen wie Verhaftung und KZ-Einweisungen und letzten Endes seine Hinrichtung durch Enthauptung hatte. Im Detail in seinem Wikipedia-Eintrag nachzulesen. Was mich bewegte, mich gestern und vorgestern intensiver mit ihm zu beschäftigen, war mein Sonntagsspaziergang, der mich zufällig in die Oderstraße zum Werner Seelenbinder-Sportpark führte, wo ich die Skulptur fotografierte. Auf dem Weg nach hinten zur Skulptur fiel mir ein durch eine Hecke abgegrenzter Bereich mit einem Markstein auf. Ich näherte mich und entdeckte seine Grabstätte. Sehr ungewöhnlich, dass jemand außerhalb eines Friedhofs ein Grab hat. Ich las die Inschrift und mir wurde bewusst, dass ich gar nicht wusste, wieso Werner Seelenbinder ein bekannter Name ist, was seine Verdienste waren. Bei Werner Seelenbinder dachte ich immer zuallererst an die Werner-Seelenbinder-Halle in Ostberlin, in der Paul-Heyse-Straße, in der ich nie war. Es gibt sie auch nicht mehr, 1992 abgerissen. Die Halle war mir ein Begriff, weil Rio Reiser 1988, also noch zu Mauerzeiten, dort zwei spektakuläre, ausverkaufte Konzerte für seine vielen Ostberliner Fans spielte. Besonders „Der Traum ist aus“ bringt die intensive Atmosphäre bei diesen Konzerten rüber, eine Gänsehaut-Aufnahme davon befindet sich seit Ewigkeiten auf meiner Lieblingsplaylist. Hier auf youtube zu hören. Im Wikipedia-Eintrag zu Werner Seelenbinder ist auch vemerkt, wie ungewöhnlich es ist, dass sich seine Einzelgrabstätte nicht auf einem Friedhof befindet. Dort ist zu lesen:

„Am 24. Oktober 1944 wurde Seelenbinder, nachdem mehrere von ihm gestellte Gnadengesuche abschlägig beschieden worden waren, im Zuchthaus Brandenburg-Görden enthauptet.

Nach der Hinrichtung wurde sein Leichnam im Krematorium Brandenburg verbrannt. (…) Am 29. Juli 1945 wurde im Rahmen einer Sportveranstaltung Werner Seelenbinders Urne in einem Ehrengrab auf dem Gelände des Sportparks Neukölln in der Oderstraße beigesetzt. (…)

Als nicht auf einem Friedhof gelegener Einzelbegräbnisplatz nimmt Seelenbinders Ruhestätte unter den ca. 220 Begräbnisplätzen in Berlin mit insgesamt 150.000 Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft dabei bis heute eine Ausnahmestellung ein.“

Auf der Seite „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ ist bei dem ihm gewidmeten Portrait eine Fotografie von Werner Seelenbinder. Hier sind die Worte seines Abschiedsbriefes, verfasst am 24. Oktober 1944, dem Tag seiner Hinrichtung:

„Die Stunde des Abschieds ist nun für mich gekommen. Ich habe in der Zeit meiner Haft wohl alles durchgemacht, was ein Mensch so durchmachen kann. Krankheit und körperliche und seelische Qualen, nichts ist mir erspart geblieben. Ich hätte gerne gemeinsam mit Euch, mit meinen Freunden und Sportkameraden, die Köstlichkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens, die ich jetzt doppelt zu schätzen weiß, nach dem Krieg mit Euch erlebt. Es waren schöne Stunden, die ich mit Euch verlebt habe, und ich habe in meiner Haftzeit davon gezehrt und mir diese herrliche Zeit zurück gewünscht. Das Schicksal hat es nun leider nach langer Leidenszeit anders bestimmt. Ich weiß aber, daß ich in den Herzen von Euch und auch bei vielen Sportanhängern einen Platz gefunden habe, den ich immer darin behaupten werde. Dieses Bewusstsein macht mich stolz und stark und wird mich in letzter Stunde nicht schwach sehen.“

04. März 2024

Gestern drehte ich eine kleine, mir teilweise unbekannte Spaziergangsrunde, bevor ich mich in meiner Werkstatt einfand. Am U-Bahn-Ausgang Leinestraße ist ein Hinweisschild nach rechts „Tempelhofer Feld“. Da war ich vor Jahren schon einmal ausgiebig, da gab es aber noch nicht den Durchgang durch den Anita Berber-Park. Ich war neugierig, wie lange der Fußweg durch den Park bis zum Feld dauert. Immer geradeaus, zehn Minuten, wenn man zügig läuft. Eigentlich nicht weit von meinem Atelier. Ich also losmarschiert, die Sonne versteckte sich nun hinter Wolken, nachdem sie am Vormittag vom Himmel lachte. Angekommen am Feld, dem Zugang Oderstraße, war ich überrumpelt, wie voll es da ist. Ich sehe immer die herrlichen Sonnenuntergänge bei Beate, die es auch nicht weit hin hat, aber da ist nie so ein Getümmel auf den Bildern. Vielleicht auch, weil die Fotos eher unter der Woche entstehen. Mir war das zu voll und unruhig, und da auch noch kein Sonnenuntergang unmittelbar anstand, für mich nicht attraktiv. Das Gewimmel erinnerte mich an den Menschenauflauf am Park am Gipsdreieck, der seit Corona zuverlässig am Wochenende und an Abenden direkt unter meinem Wohnzimmer von statten geht. Einmal versuchte ich durchzuzählen, wie viele Leute sich da unten versammeln, bei hundertfünfzig hörte ich auf zu zählen. Und das ist ein kleiner Park. Am Tempelhofer Feld sind es dann wahrscheinlich hundertmal so viele. Wie bei einem Open Air Festival. Es gab auch einen Waffel- und Getränkestand. Aber lockte mich, wie gesagt, gestern nicht. Stattdessen bog ich links in die Oderstraße ab, und entdeckte direkt links vom Tempelhofer Feld hinter einem hohen Zaun ein leeres, grünes Fußballfeld. Ich lief weiter und sah, dass es zum Werner Seelenbinder Sportpark gehörte. Das Eingangstor stand auf und ich betrat das menschenleere Gelände. Weit hinten, vor dem großen Gebäude stand eine ca. drei Meter große Skulptur. Ich habe die Bronzefigur im Internet gefunden. Sie heißt „Läufer“ und ist vom Bildhauer Karlheinz Biederbick, 1986 entstanden.

02. März 2024

Kleiner Fortschritt Stand heute. Morgen dann weiter mit dem Gefrickel. Ich muss immer weiter machen, bis es aufwändig aussieht. Quick und dirty kann ich nicht. Andere schon – Typsache.

1. März 2024

Durchgang Hackesche Höfe, vorhin. Junge Mutter mit Kinderwagen kommt mir entgegen. Das Kind ist noch ein Baby, unter einem Jahr alt und plappert aufgeweckt ohne Unterlass. Neugierige Kulleraugen, sehr hübsch. Ich verstehe nichts, ist auch bestimmt Babysprache, aber es hört sich sehr dringlich an, was das kleine Wesen der Welt mitzuteilen hat. Ich fühle mich sehr angesprochen und bin ein bißchen in das Baby verliebt. In meinem Kopf rattert es: ab wann fangen Babies an zu plappern? Ist das normal, dass so ein sehr kleines Kind schon spricht? Es war der reinste Vortrag mit viel Modulation. Das wäre mein Kind, dachte ich mir: so superkommunikativ, aber nicht nervig, sondern interessant, kein Gekrähe oder Gejammer oder Gezeter, einfach nur tausend Fragen und Mitteilungen, die in dem kleinen Kopf sind und rauswollen. An die Mütter und Väter unter meinen Lesern: ab wann sprechen Babies?

Und dann in der S-Bahn steigt ein junger Rap-Künstler zu, hat ein Abspielgerät für die Musik dabei, auf die er dann live rappt und singt und er kündigt einen eigenen Song an. Er hat keine auffallend schöne Stimme, ein bißchen nuschelig, aber einen grundehrlichen, entwaffnenden  Ton. Er rappt Deutsch und es gibt einen Refrain mit einer richtig schönen Melodie, die er singt. Es ging um sein Leben in Berlin und gegen Ende gab es eine Strophe, wo es ungefähr hieß: „ich bin unterwegs in der S-Bahn in Berlin und versuche mir mit meinem Song ein bißchen Geld zu verdienen.“ War eine schöne Abwechslung zu den sonstigen musikalischen Angeboten in der S-Bahn. Eigentlich wars ein Hit und wir haben ihn vielleicht zum ersten mal gehört! Er hat auch seinen Namen in dem Song untergebracht, hab ihn aber vergessen. Ralph oder so… Dann kam eine Halte, ich dachte, er sei schon wieder raus, und er ging ganz schnell durch den Gang an uns vorbei, ich konnte ihm nur noch hinterherrufen: „nicht schlecht – gute Hook!“ Er etwas atemlos „DANKE!“ Ich hätte ihn festhalten müssen, um ihm was zu geben, und er war auf dem Sprung, ich hatte nicht geschaltet, hätte mein Portemonnaie viel früher aus der Tasche holen müssen. War zu spät. Hat mir ein bißchen leid getan. Hoffe, ich hör ihn noch mal, dann kriegt er was.

29. Februar 2024

Arrivederci Milano sage ich keck, als wäre ich selbst dagewesen. Mein einziger tatsächlicher Aufenthalt in Mailand fand in den Neunziger Jahren statt, und spielte sich ausschließlich auf dem Bahnhof ab, beim Umsteigen in einen italienischen Zug nach Venedig. Lydias dichte Berichterstattung der vergangenen Woche hat mir das Gefühl vermittelt, auch dort gewesen zu sein. An Vorstellungskraft hat es mir noch nie gemangelt! Und zu meiner allergrößten Freude folgte sie meiner Empfehlung, sich die Callas-Ausstellung in der Scala anzuschauen. Auch von da tolles Bild- und Filmmaterial abgeliefert, das es in der Form nicht im Netz gibt. Heute Morgen ein erster Versuch, mit meinem hauseigenen Kleiderschrank ein bißchen Milano Street Style zu channeln. Aber halt noch nicht perfekt – Ich nähere mich an. Zwar hatte ich sehr scharf und spitz zulaufende italienische Stiefeletten an, aber High Heels wären das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Nichtsdestotrotz ein kleiner Fortschritt in puncto Sophistication. Es wird! Meine sehr stylische italienische Kollegin hat mir großzügig ihren Segen erteilt.

27. Februar 2024

Hier kommt ein exclusiver Gruß von Berlin nach Mailand zu Lydia, die mich in den letzten Tagen ganz herzerwärmend mit Fotos von dort versorgt. Leider kann mein heutiges Outfit so gar nicht mit dem Street Style der Fashionistas in Mailand mithalten. Es war bis gestern wieder Fashion Week in Milano und ich habe mich aufgeschlaut, was das Straßenbild dort so bietet. Ich war schwer beeindruckt! Auf youtube ist ein Clip, der auf das Treiben rund um den Dom hält und ich muss schon sagen: wow! Dagegen ist der Street Style von Berlin die pure Altkleidersammlung. Folgende Trends habe ich bei den Damen ausgemacht: Fedora-Hut auf dem Kopf, gerne mit feinem Lederband, JLo-mäßige Walle-Mähne, gerne sehr langer, enger, figurbetonter Mantel, teuer aussehende Ledertasche am angewinkelten Arm, überlange, schmal geschnittene Hosen mit superduper Seventies-Schlag vom Knie abwärts, dazu hardcore spitz zulaufende High Heels – Stiefeletten oder Stiefel mit gefährlich hohem, schlanken Absatz. Schwarze Sonnenbrille versteht sich von selbst. Ein absolut gefährlich aussehender Look, rasant, sexy, elegant. Ich hätte zwar Zutaten im Schrank, um das nachzubauen, aber heute war ich leider noch nicht so weit. Wobei ich bei der Schlaghose passen muss; Marlenehose gültet nicht. Hier gilt es aufzurüsten! Vielleicht macht Lydia mit, wenn sie zurück ist! Bis dahin braver Gruß aus Berlin, heute noch mal ganz ohne Schlaghose, Fedora und Mörderabsatz.

26. Februar 2024

Nicht fertig, geht noch weiter. Muss etwas ruhen, abhängen, wie ein guter Südtiroler Schinken. Oder Serrano. Oder Parmaschinken. Die Textur braucht noch mehr Charakter und einige Farbpartien behagen mir nicht. Ein sensibles Feld. Das Angrenzen von diesem Lachsrosa da unten an das Blau etc. Da ist noch einiges zu tun.

25. Februar 2024

Im Anita-Berber-Park. Alle, wirklich alle, haben die Krokuswiesen eingefangen – ich auch. Einige haben sich in komisch verdrehten Körperhaltungen auf die Wiese gesetzt, um ein Bild mit sich und den Blumen im Hintergrund hinzukriegen. Manche saßen in der Hocke, als ob sie Pipi machen. Andere haben sich bäuchlings reingelegt und vom Freund für Insta fotografieren lassen. Endlos wurden Makroaufnahmen versucht, auch in der Hocke oder im Knien. Es ist doch immer wieder schön, wenn das violette Blütenmeer die Welt verzaubert. Heute das erste mal das Gefühl gehabt, richtig was für die Gesundheit getan zu haben, beim Spazierengehen mit der Frühlingssonne im Gesicht.

22. Februar 2024

GNTM, männlicher Casting-Kandidat, in der Tat auffallend gutaussehend, grinst in die Kamera: „ich lebe nach dem Motto: „I don’t chase – I attract.“ Und wirkt dabei weder überheblich noch peinlich.

22. Februar 2024

Heimweg S-Bahn. Stehplatz an der Tür. Neben mir ein junges Paar, das auch auf dem Heimweg von der Arbeit ist. Sie unterhalten sich mit medizinischen Fachbegriffen, zarter Körperkontakt. Sie wunderhübsch, komplett ohne Make up. Lange braune Haare, Gesichtszüge ein bißchen Audrey Hepburn, müde, aber wunderschöne Augen, die den jungen Mann liebend anschauen. Ich lausche nicht stalkermäßig, aber kriege ein paar Sachen mit. Dass sie müde ist, sagt sie und er hört aufmerksam zu, schaut sie intensiv an. Er braune Haare, zarte Brille, empfindsamer Mund, Fünf-Tage-Bart. Sie berichtet von ihrer Irritation über eine 2-ml-Spritze, die keinen Anschlag hatte. „Ohne Anschlag!“. „Charité“ fällt. Dann erinnert sie sich an eine Situation mit einem querschnittsgelähmten Patienten, der von Pflege-Kollegen nach ihrer Einschätzung falsch angefasst, umgelagert wurde. Da kam sie nicht drüber hinweg. Sie sagt „Dude“, was sich total mitfühlend anhört: „Du kannst doch nicht einen Dude mit Querschnitt… (soundso) – hey…!“ Ihr Liebster schüttelt mitfühlend den Kopf. Das waren (vermutlich) zwei junge, sehr ambitionierte, ausgebildete, engagierte Pflegekräfte, die sich noch nach Feierabend auf dem Heimweg gedanklich mit ihrem Job beschäftigen. Hätte ich beide adoptieren können. So sympathisch.

19. Februar 2024

Heute vor zehn Jahren, 19. Februar 2014. In jenem Jahr zeigte sich auch, dass ich eine Brille zum Lesen brauche. Das Augenzusammenkneifen zwecks Fokussieren beim Lesen in der S-Bahn hat nicht mehr gelangt. Und die Haarfarbe war auch komplett rausgewachsen. Wollte 2014 wissen, was aus dem Kopf kommt.

18. Februar 2024

GAGANISCHE PAPAGEIENBLUME„. Feinste Pixel auf Acer, beliebige Größe, 18. Februar 2024, Staatl. Museen von Gaganien. Aus Gagas Digi-Lab. Dieses Gewächs hat heute das Licht der Welt in Gaganien erblickt. Es handelt sich um keine Züchtung, sondern um eine einheimische Wildblume. Mit KI oder sowas hat die Blume nix zu tun. Ich war beim Wachsen mit ihr im Austausch und sie hat mir mitgeteilt, was sie für Nährstoffe braucht. Neugierhalber habe ich mal bei zwei verschiedenen Anbietern zwei kleinere Leinwanddrucke davon bestellt, jeweils 30 x 40 Zentimeter, um zu gucken, wie die Qualitätsunterschiede sind. Das Format 300 x 400 cm wäre natürlich um einiges beeindruckender, aber dafür habe ich keinerlei Platz und das Format gabs auch gar nicht zum Bestellen.

17. Februar 2024

Vor zwanzig Jahren, am 1. Februar 2004, mit meinem ersten Notebook Sony Vaio pcg-grt. Noch analoge Selbstauslöserfotos. Von da blogge ich immer noch, auf einem anderen Bodenkissen, mit anderer Haarfarbe und anderem Notebook. Zum digitalen Fotografieren bin ich erst am 6. November 2004 übergegangen.

09. Februar 2024

Regenradar Berlin: zwischen 13 und 14 Uhr kein Regen und ab 16 Uhr auch nicht mehr. Dann werde ich meine (R)Ausgehaktivitäten darauf abstimmen. Auch die apartesten Regencapes in meinem Schrank können mich nicht vor die Tür locken. Erstmal Kaffee trinken. Dann möchte ich das gestern fertig gewordene Bild in meine Wohnung holen, da ich gestern ausgemessen habe, dass es in mein Badezimmer passen würde. Dafür muss ich etwas umhängen. Außerdem steht Einkaufen an. Essen, Getränke. Eventuell Wimpernkleber. Dann könnte ich meine Las Vegas-Strass-Wimpern mal wieder ankleben, bei Lust und Laune. Also nicht daheim in der Wohnung – so exaltiert bin ich auch nicht. Heute Abend ist Faschingskonzert vom Berlin Beat Club im Ballhaus in der Chausseestraße, aber ich weiß noch nicht, ob ich hingehe. Vielleicht krieg ich noch einen Schubs. Man muss sich aber nicht verkleiden. Darauf muss man auch Lust haben, so zwanghaft bringts nicht. Letztes Jahr bin ich als Oligarchin verkleidet gewesen, was aber keiner erkannt hat, weil ich meine protzige Kunstpelzmütze an der Garderobe abgegeben habe und mein Schmuck war wohl nicht protzig genug. Auch haben angeklebte Fingernägel gefehlt. So Verkleidungskram muss auch immer auf Sitz kontrolliert werden, gilt auch für Wimpern. Also ich weiß noch gar nicht. Vielleicht bin ich in diesem Februar auch einfach in klösterlicher Klausur, nachdem ich schon zwei sehr nette Einladungen von Freunden nicht wahrgenommen habe, ich Stubenhocker. Ist aber auch so ein Einmummel-Wetter die Tage.

08. Februar 2024

KALEIDOSKOP VII. – Nellcôte – Schmitts kleine Katze 1979″. Fragment Cover Mare-Zeitschrift August 2022″ Sommer der Pop-Giganten“ mit Foto von Keith Richards 1971 in der Villa Nellcôte, fotografiert von Dominique Tarlé, Foto von Mama beschriftet: „Schmitts kleine Katze 1979“, Fragment „Daliland“-Kinoflyer, Sawade-Pralinen-Kärtchen, Splitter kupferfarbene Lippenstifthülse „Revolution“, Foto Sonnenuntergang mit Spree und Fernsehturm, Logo von „Idôle“-Parfumprobe v. Lancôme, oranger Karton, Spiegelsplitter, Kupferglitzer-Geschenkpapier, Kleber, Blattsilber, geschenktes Badesalz, Acryl auf Rahmenpapprückwand von shabby Altsilber-Rahmen, 84,7 x 64,7 cm, 21., 28. Januar, 2., 3., 4., 5., 6., 7. und 8. Februar 2024, Staatliche Museen v. Gaganien

Heute restliches rosa Badesalz appliziert, Acryl aufgetragen, Spiegelsplitter mit Schwamm von Kleberesten gereinigt, getrocknet und poliert. Zuguterletzt auf der Rückseite signiert und fotografiert.

07. Februar 2024

Scherben auf links, Klebstoff, umklappen, andrücken. Dann Klebstoff in die Lücken, Rest geschenktes Badesalz drüber, andrücken, durchtrocknen lassen. Morgen Reste abschütteln, abkehren, eventuell reicht es gerade so für die obere Zackenreihe.

07. Februar 2024

Paul Cézanne in einem Brief an Emile Bernard, 26. Mai 1904:

„Der Maler muss sich ganz dem Studium der Natur widmen und sich bemühen, Bilder hervorzubringen, die für sich selbst sprechen. Das Geplauder über Kunst ist so gut wie nutzlos. Die Arbeit, mit der ein Fortschritt erzielt wird, ist Entschädigung genug für das Unverständnis der Dummköpfe. Der Literat drückt sich mit Abstraktionen aus, während der Maler mittels Zeichnung und Farbe seine Empfindungen und Wahnehmungen veranschaulicht. Man ist weder zu gewissenhaft noch zu aufrichtig oder zu demütig gegenüber der Natur, sondern mehr oder weniger Herr seines Motivs. Und vor allem: seiner Ausdrucksmittel.“

07. Februar 2024

Fortsetzung „Kaleidoskop VII.“ Quell der Spiegelscherben sind Spiegelfliesen aus den Achtziger Jahren, die ich in meiner ersten Berliner Wohnung an Schranktüren hatte. Ein paar habe ich noch. Ich zertrümmere die Fliesen gezielt mit meinem Hammer. Auf dem Holzboden liegt ein Bodenkissen, darauf Packpapier, darauf eine alte stabile Papiertüte, in die ich die Fliesen packe. Ich ziehe Bauarbeiterhandschuhe an. Dann haue ich fünf bis zehn mal auf die Tüte. Der Scherbenhaufen ist in der dann leicht zerlöcherten Papiertüte, ich kippe ihn in eine Schüssel mit Wasser, damit die kleinsten Splitter nach unten sinken. Dann ziehe ich Latexhandschuhe an und fische die Scherben aus der Schüssel, lege sie nach Form und Größe sortiert auf ein Stück Pappe, die kleinen Teile auf ein Tablett. Das Wasser gieße ich vorsichtig in einen Blumenkasten, die kleinsten Splitter kippe ich in den Müll.

06. Februar 2024

Bin gerade erst heimgekommen und muss erst mal was essen, also kochen. Reis aufgesetzt, schmeiße ich noch grüne Bohnen und Champignons und Spinatblätter obendrauf. Wenn es fertig gekocht ist, kommt Butter dazu, umrühren und Salz und grober Pfeffer und drüber ein klein geschnittener Mozzarella und frische Ingwer-Raspel. Schnelles, gutes Essen. Ja, es ist spät, 23.43 Uhr.

04. Februar 2024

24-02-04 Kylie Shania

Guten Morgen mit einem ganz frischen Bild von der gestrigen Pre Grammy Gala in Los Angeles, welche unter anderem von Kylie Minogue und Shania Twain besucht wurde. Wer kennt sie noch? Shania ist inzwischen 58, Kylie demnächst 56, und beide sehen recht lebensfroh aus. Der goldene Anzug von Shania mit dem schwarzen Cowboyhut gefällt mir ausgezeichnet. Kylies „Kleid“ hingegen finde ich etwas kurz geraten. Etwas ähnliches trage ich, wenn ich aus der Dusche komme, ich wickle mich dann immer in ein großes Badetuch. Vielleicht hätten sich schwarze Nylons gut dazu gemacht. So ist es ist für meinen Geschmack untenrum zu nackig. Aber der Look von Shania: Eins A. Dass Kylie nach diversen Schicksalsschlägen so strahlt, freut mich sehr. Shania hat auch gesundheitlich schwierige Zeiten gehabt, zwischen 2003 und 2016 hat sie nichts Neues veröffentlicht, da sie eine Borreliose-Erkrankung mit Stimmverlust hatte, die sich hinzog. Sehe gerade, Shania Twain ist genau vier Tage vor mir auf die Welt gekommen.

03. Februar 2024

Noch eine Gemme: „Royal Paintbox„. In dieser britischen Doku gibt es einen ganz intimen und privaten Einblick hinter die Kulissen des englischen Königshauses. Ich wusste, dass Charles sehr gerne zeichnet und aquarelliert, auch sein Vater sehr ambitioniert und gut darin war. Aber in welcher jahrhundertealten Tradition und Meisterschaft in den bildenden Künsten innerhalb der Familie sie sich bewegten, war mir in dem Ausmaß nicht geläufig. Beeindruckend. Die gigantische royale Kunstsammlung ist in dieser Hinsicht in der denkbar besten Familie. Queen Victorias Schaffen als Malerin ist sehr berührend, insbesondere, wie sie damit den Tod ihres sehr geliebten Gefährten Albert zu verarbeiten versuchte. Aber sehen Sie selbst. Auch immer wieder angenehm, Charles zuzuhören. Ein ganz empfindsamer Zeitgenosse.

03. Februar 2024

Auszug aus einem Gespräch zwischen Alexander Kluge und Dr. Joseph Vogl über die Frage des Entstehens von Feindbildern:

„Das Interessante ist, dass Feindschaft auch kulturelles Gedächtnis voraussetzt. Es gibt keinen Feind, ohne dass jemand erinnert: „DAS ist der Feind, das wird der Feind bleiben.“ Der Feind ist sozusagen gespeichertes Gedächtnis von Ausschlussprozessen. Eine Gesellschaft erinnert sich selbst, indem sie bestimmte Spaltungsprodukte entwickelt, ihre Schattenseite in gewisser Weise, und diese Schattenseite ist in der Kontinuität von Feindschaftsmodellen gespeichert.“ (Joseph Vogl)

Dr. Joseph Vogl lehrt Neuere deutsche Literatur, Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der Humboldt-Universität Berlin und als Permanent Visiting Professor an der Princeton University.

01. Februar 2024

Kupferrosa Reste für Kaleidoskop VII., Nellcôte, noch ganz unfertig, Anfangsstadium. Bestandteile, grobe Anordnungen. Bin gespannt, was da noch alles kommt und damit passiert. Auf jeden Fall eine Menge; das wird komplex. Die Entwicklung vom Anfang bis zu unerwarteten Endergebnis amüsiert mich. So ist es noch trivial. Wird eventuell aufwändig. Heute aber keinen Drive, nachdem ich mich mit der Aktualisierung von Drivern verausgabt habe. Das Foto von Keith Richards stammt vom Cover der Mare Ausgabe 2022, die dem Sommer 1971 gewidmet war, als die Stones in der von Keith gemieten Villa Nellcôte in Südfrankreich Exile on Mainstreet aufnahmen. Und Joni Mitchell und Leonard Cohen am Mittelmeer weilten, und dort ewige Lieder schrieben.

01. Februar 2024

Kaum wage ich es, von meinen weiteren Set up-Aktivitäten mit meinem alten Toshiba Satellite zu berichten, davon ausgehend, dass meine Leser/innen nicht den Beruf des Fachinformatikers für Systemintegration ausüben (ich übrigens auch nicht). Außerdem haben die meisten ja scheinbar eh einen Mac und blicken etwas mitleidig auf Windows User wie mich.

So ähnlich wie Schüler in den Siebziger und Achtziger Jahren, denen die Eltern eine Levis oder Wrangler Jeans gekauft haben, auf die Kinder aus ärmeren Haushalten geschaut haben, die eine Jinglers-Jeans von C&A anziehen mussten. Ich hatte es damals immerhin zu Wrangler gebracht, fand ich auch besser als Levis. Sexier von der Waschung und vom Schnitt her. War auch so! Levis war so unisex, Wrangler auf die weibliche Figur zugeschnitten.

Aber zurück zu meiner Freizeitbeschäftigung, mit unermüdlichem Beharrungsvermögen (Mars, Mond, Neptun und Aszendent im Skorpion) dem Satellite neues Leben einzuhauchen, ohne ihn zwecks Untersuchung im Schrauberladen abzugeben. Also ihr Mac User könnt hier aufhören zu lesen.

Folgendes: ich hatte nun den neuen kleinen, schicken Acer am Start und nach vielen erfolglosen Versuchen den Satellite nochmal hochzufahren, packte ich ihn bedauernd hochkant neben die Wohnungstür, um ihn doch mal fachkundig auf Herz und Nieren prüfen zu lassen. Also irgendwann. Weil nun hatte ich mich ja schon gut mit meinem kleinen, jungen und smarten Toyboy Acer Swift arrangiert.

Ich hatte es zuletzt vorm hochkant neben die Tür stellen, am Satellite hingekriegt, ein grundlegendes Reset auf die Werkseinstellung anzuschmeißen, wo alles platt gemacht wird, aber ich kriegte nie eine abschließende Meldung, dass es nun hiermit erledigt sei und alles auf Werkseinstellung zurückgesetzt. Ich machte ihn immer wieder mal an und er zeigte kurz das Toshiba-Logo und dann einen dunkelgrauen Bildschirm und Hintergrundrauschen. Manchmal ließ ich das eine Stunde so laufen, dann schaltete er sich aus oder ich würgte ihn ab, weil nix mehr passierte.

Also drei Tage Ruhe, ihn komplett ignoriert, und als ich ihn nun mitnehmen wollte zum Abtransport, gedacht: eine Chance gebe ich dir noch, einmal versuche ich noch hochzufahren. Und siehe da: nun kamen endlich die ganzen Abfragen, die man bei Neueinrichtung des Betriebssystems kriegt. Ich lud mir dann gleich wieder den Firefox runter, aktivierte die alten Lesezeichen, alles da.

Und dann wurde ich ganz mutig – alles in derselben Session – ich dachte: jetzt oder nie, vielleicht will er mal ein bißchen frisiert werden. Es gab ja für viele Anwendungen keine Updates mehr. Ich holte mir für neunzehn Euro die Lizenz für Windows 10 und habe ihn upgegraded und er hat alles bisher mitgemacht. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Grafikkarte ist etwas veraltet, der Grafiktreiber wird nicht mehr automatisch upgedatet und manuell die AMD Adrenalin Legacy Treiber-Edition für meine alte r9 200 zu installieren, hat nicht funktioniert.

Hab ich nun womöglich das falsche Windows 10 installiert? Ich dachte, das wäre automatisch 64 bit für mein 64 bit-Satellite, auch bei der Home Edition, dachte Pro ist nur mit so fancy Unternehmens-Features, bin nun verunsichert. Youtube puffert zuweilen ein klein wenig, aber er läuft. Ich bereinige jetzt gerade alte Installationsdateien etc.

Was mich bislang stört, ist beim Hochfahren nach dem Toshiba Logo der Blue Screen mit der Aufforderung „wählen Sie ihr Betriebssystem“, da gibts nur Windows 10 und erst dann kommt der Sperrbildschirm mit dem Login. Das ist nicht geschmeidig, daran arbeite ich gerade.

Ende des Berichts aus Gagas Computerwerkstatt!

31. Januar 2024

Hilfsmittel für übermorgen, wenn Freitag die U-Bahn streikt: das Berliner S-Bahn-Netz ohne die U-Bahn: Stattlich! Vielleicht fahr ich doch in mein Atelier. Gibt zwei Varianten von mir daheim: entweder S-Bahn Oranienburger Str. bis Südkreuz und dann umsteigen in die Ringbahn bis Hermannstraße. Oder vom Hackeschen Markt bis Ostkreuz und von da in die andere Richtung der Ringbahn bis Hermannstr. Von der Oranienburger bis Südkreuz ist mir sympathischer, weil mich der S-Bahn-Knotenpunkt Südkreuz weniger verwirrt, als der am Ostkreuz, wo ich schon mitunter herumgeirrt bin. Kommt mir auch irgendwie kürzer vor. Mal sehen. Ah ja, gerade die Haltestellen durchgezählt – über Südkreuz acht, über Ostkreuz wärens neun. Also Oranienburger und Südkreuz.

UPDATE! Der BVG-Streik übermorgen geht ja nur von Donnerstag- auf Freitag-Nacht um vier, bis um zehn Uhr am Freitag-Vormittag. Ist ja sehr überschaubar. Also fährt die U-Bahn nach zehn schon wieder… da steh ich eh erst unter der Dusche 🙂 Also nix S-Bahnfahren, doch olle U8.

30. Januar 2024

Früher – noch so vor fünf bis sieben Jahren – war ich insgeheim grummelig und fühlte mich in der Effizienz meiner Wege von A nach B beeinträchtigt, wenn ein Bereich des Öffentlichen Nahverkehrs streikte. Ich hätte es aber nie offen kritisiert, aus traditioneller Solidarität mit den Werktätigen. Mittlerweile habe ich aber den Weitblick und die Einsicht erworben, dass der Kampf von bestimmten Dienstleistungsbereichen für höhere Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen, wie Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit, eine wegweisende Dynamik hat, die neue Standards zu setzen in der Lage ist. Gestreikt wird nicht zufällig nie von Angehörigen der Führungsebenen mit stattlichen Gehältern, denen auch eine Taxifahrt an einem Streiktag kein Loch ins Portemonnaie reißt, sondern von den wirklich unser System erhaltendenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Jede Errungenschaft in diesem Bereich hat einen Domino-Effekt auf andere Bereiche unseres Systems. Längerfristig profitieren von diesen Aktionen alle, die sich ebenfalls in irgendeinem operativen Bereich den Arsch aufreißen. Ich finde es grotesk, dass seit hundert Jahren ein Acht-Stunden Tag „Vollzeit“ definiert. Ich kann mich nicht an einen gemeinsamen Streik von S-Bahn, Regionalbahn UND BVG, sprich U-Bahn und Bus und Tram erinnern. Das hätte ich schmerzhaft realisiert. Ich war bei dem letzten S-Bahnstreik insofern eingeschränkt, dass ich einen Umweg über zwei U-Bahnen genommen habe. Unterm Strich brauchte ich sieben Minuten länger als sonst. Am Freitag käme ich – wenn ich wollte – auch mit dem Umweg von einmal Umsteigen in eine S-Bahn zu meinem Atelier, wo ich sonst bei Lust und Laune in einem Rutsch mit der U8 hinfahre. Aber muss am Freitag nicht sein. Betrachtet es bitte einfach langfristig egoistisch: jeder Dienstleistungsbereich, jeder Angehörige der wirklich arbeitenden Bevölkerung profitiert davon. Von diesen in einem Jahr an einer Hand abzählbaren Tagen mit überschaubarer Einschränkung der bequemsten Mobilität. HASTA LA VICTORIA…!

29. Januar 2024

Ein Versuch von Elon, mich zu becircen? Gunter Sachs hat seinerzeit Rosen in den Garten von BB regnen lassen. Das ist mehr nach meinem Geschmack. Wenn er heute Morgen meine Initialen in den Himmel geschrieben hätte, das wäre eine andere Liga. Aber X? Das ist mir zu geschäftsmäßig, auch wenn xx für Küsschen steht. Ich bin und bleibe da sehr vorsichtig. Telegrammstil ist nicht meins. Ein Sonett sollte schon drin sein.

29. Januar 2024

Jetzt fällt es mir wieder ein. Vor zwei Nächten ein erinnerbarer Traum. Ich bin im Traum zeitgleich an zwei Orten. Zum einen bei einer privaten Einladung zuhause bei Alban Nikolai Herbst, wahrscheinlich anlässlich seines Geburtstags. Die opulent mit vielen Bücherwänden und Trouvaillen ausgestattete Wohnung sieht größtenteils aus wie in der Realität, nur eine Wand ist anders und führt über eine erhöhte, dunkle Holzstufe zu einer kleinen ebenfalls dunkel holzgetäfelten Zimmer-Bühne, auf der sich ein demnächst lesender Schriftsteller positioniert hat.

Der Autor auf der Bühne gilt als sehr renommiert und schreibt anspruchsvolle Bücher mit philosophischem Einschlag. Altersmäßig circa Anfang bis Mitte Sechzig. Äußerlich sieht er aus wie eine Mischung aus Peter Handke und Peter Sloterdijk in etwas verjüngter Ausgabe (beide sind real älter, Sloterdijk Mitte Siebzig und Handke Anfang Achtzig).

Szenenwechsel. Der andere Ort ist eine andere Wohnung und das Schlafzimmer. Das Zimmer ähnelt keinem Raum, den ich je bewohnt hätte, es ist schlauchartig, ca. 6 Meter lang und drei Meter breit, sehr hell mit weißen Wänden und sonst in Pastellfarben eingerichtet. Hauptsächlich dominiert das eher schmale Bett mit einem gardinenartigen Überwurf mit Volants, der Stoff sieht aus wie preisgünstige rosa Kunstfaser, halb transparent. Ich nehme an Nylon. Qualität in etwa wie ein Frisier-Umhang aus den Siebziger Jahren. Die übrige Einrichtung geht in Richtung Schleiflack und romantisches Jungmädchenzimmer. Ein verschnörkelter weißer Vogelkäfig (ohne Vogel) baumelt als Deko herum.

Auf dem gesamten Bett sind Oberteile meiner Garderobe arrangiert, die ich an Freundinnen verkaufen möchte. Eigentlich so ziemlich alles an Oberteilen, was ich (im Traum) habe. Jedes ist auf seine Art extravagant und aufwändig in den Details. Überall finden sich Stickereien und Borten und ausgefallene Muster und Materialien. Lauter „It-pieces“ sozusagen, oder sagt man: „Statement-Teile“(?). Wenn man ein solches Oberteil anhat, braucht man keinen anderen Hingucker mehr.

Ich selbst trage für meine Verkaufs-Aktion auch eines der Teile, um zu zeigen, was das hermacht. Nämlich einen weißen, langärmligen Angora-Pullover, der ganz fluffig und flauschig aussieht, wie ein Federkleid von einem frischgeschlüpften Küken. Darauf sind in regelmäßigen Abständen Hunderte von weißen Zuchtperlen genäht. Obwohl ich träume, denke ich noch im Traum: „das ist ja gar nicht mein Geschmack, viel zu protzig, madamig und tussimäßig“.

Ich halte die verschiedenen Oberteile gegen das Licht und habe plötzlich Besuch von einer ersten Interessentin. Es handelt sich um eine Bestseller-Autorin, die Trivial-Literatur verfasst, wie man das so nennt. Die Dame sieht aus wie Gaby Hauptmann, trägt aber den Namen einer der beiden anderen bekannten Schreiberinnen dieses Fachs: entweder Sandra Paretti (†) oder Utta Danella.

Sie hat mir ein dickes Taschenbuch mitgebracht, das ich höflich entgegennehme und beschließe, als nächstes Buch zu lesen. Eigentlich ist mir das Genre zu trivial, aber ich habe alle Bücher gelesen, die mich jemals so richtig interessiert haben, mein Bücherstapel ist fertig gelesen und nun muss ich eben mit solchen Büchern weitermachen. Einzige Alternative wäre, gar nicht mehr zu lesen.

Szenenwechsel, wieder bei Alban. Wir sitzen bei ihm am Tisch, es gibt Wein und ich habe das Buch von Gaby Hauptmann-Paretti-Danella dabei, etwas verschämt. Peter Handke-Sloterdijk ist nun kurz davor, seine anspruchsvolle Lesung zu beginnen, wir schauen Richtung der kleinen Zimmerbühne.

Auf einmal Unruhe in Albans Wohnung, zur Tür kommt als weiterer Gast Gaby Hauptmann-Paretti-Danella, die mit Alban weder bekannt noch befreundet ist, und hält Ausschau nach einem freien Stuhl, um der Lesung von Peter Handke-Sloterdijk ebenfalls beizuwohnen. Während sie so suchend um sich schaut – sie trägt nun ein helles Oberteil, eventuell meinen Perlen-Pullover – erhascht Peter Handke-Sloterdijk ihren Blick und begrüßt sie über unsere Köpfe hinweg sehr vertraulich zunickend. Sie grüßt ihn ebenfalls und sie wechseln mit gesenkter Stimme einige Worte. Sie duzen sich und werfen sich tiefe, einvernehmliche Blicke zu. Es ist sofort klar, dass sich die beiden näher kennen. Nicht unbedingt als Liebespaar, aber dass sie allermindestens ganz dick und langjährig befreundet sind.

Ich bin sehr erleichtert, dass es dann ja doch nicht so peinlich ist, dass ich einen ihrer Romane bei mir habe, denn Peter Handke-Sloterdijk wird ja wohl nicht mit jemandem befreundet sein, der völlig unterirdische Lektüre verfasst. Das ist dann ja quasi von höchster intellektueller Stelle abgesegnet, Hauptmann-Paretti-Danella-Werke mangels anderer Bücher zu lesen.

Das inspiriert mich gleich, Alban den Vorschlag zu unterbreiten, er könnte sich doch auch mal in dem Genre ausprobieren, als Nebenverdienst. Das müsste er doch aus dem Ärmel schütteln, denke ich mir. Dann bin ich aufgewacht, ich konnte ihm die Geschäftsidee leider nicht mehr unterbreiten. Was aus dem Verkauf meiner Pullover geworden ist, weiß ich demzufolge auch nicht. Wahrscheinlich liegen sie immer noch auf dem Bett mit der rosa Nylondecke herum!

28. Januar 2024

Und Gute Nacht – vor Mitternacht. Mir ist es fast den ganzen Januar gelungen, nicht erst gegen drei ins Bett zu gehen, wie ich das vorher viele Jahre gemacht habe. Vielleicht bin ich auch früher müde. Nur zweimal war es drei und einmal sogar kurz nach vier. Aber sonst meistens eins oder halbzwei. Auch zwölf war oft dabei. Sehr gut. Vielleicht lese ich noch ein bißchen, dann schlafe ich noch schneller ein. Nicht weil das Buch so langweilig wäre, es ist eher wegen der schläfrig machenden Haltung, mit der ich im Bett liege, zur kleinen Funzellampe gedreht. Ich lese ein dickes Buch über die Beziehung von Maria Callas und Aristoteles Onassis.

28. Januar 2024

Ein wenig uninspiriert in meiner Werkstatt gewesen. Sachen hin- und hergeschoben, Teilchen zugeschnitten. Probiert, ob ich mit dem neuen Notebook in das offene „Grundig“-WLAN reinkomme, das mir in der Liste als einziges ungesichertes angezeigt wird. Seltsamerweise nicht. Muss mal googeln, woran das liegen könnte. Oder auschecken, ob ich über einen Telekom-Hotspot reinkomme, wurde in der Liste aber keiner angezeigt. Vodafon hat einen Hotspot. Ich hab aber kein Vodafon. Zahlen wollte ich dafür nicht. Wie auch immer – egal – ich bin da ja nicht, um dann wieder nur vorm Internet herumzuwursteln. War mir all die Jahre sogar sehr recht, auch in der Hinsicht abgeschottet zu sein. Mich interessiert es eher technisch und für den Fall der Fälle… ich finde es immer schön, die Wahl zu haben. Und dann doch nur das Eine zu wählen.

27. Januar 2024

Mit den Füßen im Osten, Blick gen Westen, zur Kuppel der Synagoge. Die letzten beiden Abende ließ ich nebenher alle Folgen der Reihe „Raus aufs Land„, eine Produktion vom RBB laufen. Städter aus Berlin und Frankfurt und Wiesbaden werden bei der Verwirklichung ihre Traumes vom Landleben begleitet. Meistens in der Phase der Familiengründung und der Idee, es ruhiger haben zu wollen und viel Freiraum für die Kinder. Ich hatte danach keinerlei Lust aufs Land zu ziehen. Mir ist meine Idylle hier oben ausreichend ruhig. Es ist ja nicht nur Zufall oder Schicksal, wo und wie man in einer Stadt lebt. Ich hatte das Ziel, möglichst ruhig, aber mittendrin zu wohnen. Ein Quentchen Glück gehört auch dazu, das ist klar. Die Sendereihe ist recht unterhaltsam. Einige sind schon in Berlin gutsituiert gewesene Kreative, die da gezeigt werden. Ich denke jetzt schon an die Kids, wenn die in die Pubertät kommen und in die Stadt drängen, um die coolen Clubs auszuchecken, und dann fährt der Überlandbus nur maximal jede Stunde, wenn überhaupt. Aber leider kein Nachtbus. Da legt sich dann die Begeisterung über die Landidylle beim Nachwuchs recht bald. Hauptsache, die Eltern haben es mal ausprobiert. Man sollte immer alles ausprobieren, was einen nicht loslässt. Danach ist man entweder zufrieden oder um eine sehr große Erfahrung reicher.

24. Januar 2024

Durch meinen Drang, alle Ansichten, Schaltflächen, Leisten, Hintergründe bei dem neuen Notebook aufzuräumen, umzufärben, anzupassen, habe ich gestern einen nächtlichen Crash Kurs gehabt, was Windows 11 von den Vorgängerversionen unterscheidet, also speziell bei diesen Anpassungsmöglichkeiten. Ich kenne so ziemlich alle Windows-Versionen seit NT recht gut.

Mitunter kommt es mir vor, als ob alte Features wieder hervorgekramt werden, die doch nicht so schlecht waren. Andere Einstellungsmöglichkeiten werden punktuell reduziert, da fragt man sich, ob es nur drum ging, eine Veränderung zu produzieren, die als Sammelsurium ein Update rechtfertigen soll. Nun ja, es ist halt ein Geschäfts-Segment und kein gemeinnütziger Verein, wenn sich jemand dem Handel von Betriebssystemen und Computern verschreibt.

Eine völlig lächerliche Änderung ist bei Windows 11, im Vergleich zu allen Versionen vorher, dass die Task-Leiste (die die meisten unten positionieren, ich auch) nicht mehr von der Höhe reduziert, also gestaucht werden kann. Sie ist einen Zentimeter hoch und fertig. Mir ungefähr 3 mm zu viel. Ich stelle schon immer ein, dass sie sich automatisch ausblendet, aber das reicht mir noch nicht als Anpassung.

Farbliche Anpassungen sind auch in seltsame Korsetts gezwängt worden und nicht mehr anarchisch überall möglich. Früher konnte man im Explorer die Farbe bestimmen, die markierte Zeilen oder Elemente hatten, jetzt ist das aufgezwungen hellblau, Ende der Durchsage. Alberne Änderungen. Mir dünkt aber, dass sich das bei der nächsten Version wieder lockern wird.

Ich kann mir auch vorstellen, dass die Mitarbeiter wie überall stark verjüngt sind und auch mal gerne schnell abwandern, und dann fehlt das historische Wissen, was es schon mal genau so gab und deswegen jetzt als der neue Shit präsentiert wird. Wer kennt es nicht. Nicht der Computerbranche vorbehalten!

Lustig, der Media-Player bezeichnete Abspielapparat für Musik und Videos sieht in der „neuen“ Version aus, wie der vor fünfzehn Jahren und hat auch wieder das Feature, dass der in der letzten Version zu Windows 10 fehlende, bzw. sehr versteckte Shuffle-Modus wieder ganz auf oberster Ebene leicht zu finden ist. Lauter so ein Schnickschnack.

Jedenfalls bin ich wieder auf dem Laufenden und das Dings läuft. Wenn ich nicht so viel optisch geändert hätte (u. a. auch ALLE Widgets deaktiviert, dieser Kraut- und Rüben-Gemischtwarenladen von Meldungen, wie Lufttemperatur und Schlagzeilen in der Taskleiste) wäre ich nach zwei Minuten startklar mit dem Gerät gewesen, das Langwierige ist nur auf meine visuellen Bedürfnisse zurückzuführen.

Das ist nun der erste Eintrag auf dem kleinen Acer Swift mit seinen putzigen 14 Zoll. Was mir schon ein bißchen zu klein ist, für stationär im Wohnzimmer. Ich hab ihn halt mal mitgenommen weil er mit großen Augen geguckt hat, als ob er zu Frauchen will. Als nächstes packe ich dann mein wirklich unvergleichlich schönes Toshiba Satellite noch mal unter den Arm und lass die Schrauber vom Innsbrucker Platz in Schöneberg reingucken. Mal sehen. Ist einfach zu schön für den Ruhestand.

Lobend zu erwähnen ist im Zuge vom heimisch werden in einem neuen Gerät, die problemlose Verfügbarkeit aller Features, Lesezeichen und gespeicherten Passwörter, wenn man sich den Firefox auf einem anderen Gerät wieder runterlädt, vorausgesetzt, man hat das in einem persönlichen Firefox-Konto vorher gesichert. Spart sehr viel Zeit beim wohnlichen Einrichten im neuen Internet-Wohnzimmer.

23. Januar 2024

Vorhin hat mir ein reisefreudiges Acer Swift Go 14 zugeblinzelt und ich habe zurückgezwinkert. Seit mein (etwas größeres und gewichtigeres) Toshiba Satellite gekränkelt hat, habe ich 17-Zoll Notebooks sondiert. Dann war es zur Kur und ich habe den Kauf von was Neuem wieder weggeschoben. Jetzt spinnt es aber wieder und ich wollte eh eine Alternative, die kleiner und leichter ist. Vorhin bei Saturn verschiedene betrachtet, mich vom Verkäufer gut becirct gefühlt, und gespürt, dass es zu mir will. Man fühlt das einfach. Hab es noch fünfzig Euro runtergehandelt. Das OLED-Display ist umwerfend. Sound auch super. Ich richte es nachher ein und mache ein neues Setup beim Toshiba, zurück auf Werkseinstellung. Mal sehen. In einem Test werden die Features und die Leistung vom Acer Swift Go 14 mit dem Macbook Pro M2 auf einem Level eingestuft. Zur Veranschaulichung: den genannten Mac gibt es für 2.399 Euro, den Acer regulär für 699 €, ich hab 649 bezahlt. Ich bin immer noch fasziniert von den spürbaren Vibes des Geräts in meine Richtung, als ob es mir zugewunken hat, und ich es intuitiv sofort als vertrauenswürdig und zu mir passend einstufte. Das Chassis wirkt ungeheuer stabil. Acer hat meines Wissens ein bemerkenswertes Preis- Leistungsverhältnis. Ich wüsste nicht, wer da mithalten kann. Angeblich die Marke mit den wenigsten Retouren.

23. Januar 2024

Altersweisheit: die Wahrheit liegt oft in der Mitte. Fällt mir auch immer wieder auf, wenn Gerüchte oder post mortem Geschichten in unterschiedlichen Ausschmückungen und Versionen kolportiert werden. Bei Licht betrachtet, gibt es ungefähr einen Anteil von fünfzig Prozent, der konsensfähig ist. Nur haben die Beteiligten an den verschiedenen Darstellungen oft ein persönliches (profilierungsgesteuertes) Interesse, ihre Sichtweise durch Überhöhungen und Zuspitzungen stärker zu unterfüttern. Dann kommt der Ping Pong-Effekt: wenn der eine auf den Pudding haut, muss der Gegenpart auch draufhauen, um sich Gehör zu verschaffen.

22. Januar 2024

Heute eingeweiht, extra langer Regen-Umhang von der Hamburger Firma „Jubi“. Bei Amazon gefunden, mal was Anderes! Ist wie ein Hoodie geschnitten, hat auch Ärmel. Passt über jeden dicken Mantel. Fünfundvierzig Euro, gut investiert. Das auf dem Foto bin nicht ich, sondern das Fotomodell, deswegen Kopf abgeschnitten.

21. Januar 2024

Internet-Frühstück. Rechts, außerhalb vom Bild, befindet sich mein Lieblingsplatz im Wohnzimmer, wo ich auf einem großen Bodenkissen bequem vor meinem Internet herumlungere. Frühstück gibt es bei mir nur an Tagen, wo ich ausschlafen kann. Das ist dann zu etwas späterer Stunde, gegen Mittag. In der Schüssel ist Joghurt und darauf geschnippeltes Obst, das ich gerade da habe. Immer in meinem Haushalt vorhanden sind Elstar-Äpfel und helle Weintrauben. Heute außerdem Mandarine. Dazu eine große Tasse Lavazza-Kaffee mit einem Wölkchen Biosahne.

20. Januar 2024

Ich habe gerade ausgesprochenen Appetit auf Häppchen mit Seelachsschnitzel, diesem knallorangen, mit Lebensmittelfarbe gefärbten, klein gehäckselten Lachsersatz aus dem Glas, den es schon in meiner Kindheit in den Sechziger und Siebziger Jahren gab. Ich nehme pro Häppchen eine Scheibe extra dünne Meersalz-Maiswaffel, darauf kommt Butter (richtige), dann die Lachsschnipsel, ein paar hauchdünne Zwiebelringe und viel frischer, grob gemahlener schwarzer Pfeffer. Sehr delikat! Es muss dafür unbedingt der Fake-Lachs sein. Es gibt das Produkt ja auch gar nicht mit echtem Lachs, soviel ich weiß. Früher hätte ich als Grundlage Schwarzbrot oder eine halbe Schrippe genommen, aber das gibt’s nicht in meiner Küche. Ich mach mal gleich ein Foto von den fertigen Häppchen! Gerade gelesen, dass der Farbstoff im Lachsersatz „Cochenillerot A“ heißt und unter anderem auch in spanischer Chorizo-Wurst, Halstabletten und Marmeladen und in Aperol und Campari verwendet wird. Wer also das Näschen rümpft, dass ich mir so ein synthetisch gefärbtes Lebensmittel einpfeife, soll mal kurz reflektieren, ob er sich Cochenillerot nicht auch schon mal unwissentlich einverleibt hat. Ich bin kein Fan von synthetischen Zusätzen wie Lebensmittelfarben, Stabilisatoren und Geschmacksverstärkern, gar nicht, aber eine kleine Ausnahme ist schon mal vertretbar. „Life is full of contradictions.“ (Elizabeth II.)

19. Januar 2024

Ich finde es immer wieder ulkig, wenn bei Angehörigen der Altersgruppe zwischen Mitte Vierzig und Mitte Fünfzig von „Midlife Crisis“ und „Lebensmitte“ gesprochen wird. Wie viele werden denn Neunzig oder Hundert?

19. Januar 2024

Es ist nun schon ein ganzes Weilchen her, dass ich angefangen habe, meine bemerkenswerteren und öffentlichkeitstauglichen Erlebnisse ins Internet zu schreiben. Gerade habe ich ein bißchen zurückgeblättert und bin an meinem Eintrag vom 26. Dezember 2004 hängengeblieben. Da hatte ich offenbar gerade einen exzellent erinnerbaren Traum gehabt und hielt ihn fest. Ein ganz arg schöner Traum, der besonders meine Blogger-Freunde erfreuen könnte. Damals hatte ich noch die Angewohnheit alles in Kleinbuchstaben zu schreiben. Die Kommentarfunktion war noch nicht von mir freigeschaltet, daher hat sich unter dem launigen Eintrag niemand dazu geäußert. Sehr schade! Ich will das Kleinod daher noch einmal zur Kenntnis geben, indem ich es hier frisch einkopiere:

„26. DEZEMBER 2004
letzte nacht träumte ich eine kleine geschichte, die als hauptprotagonisten den internetberühmten schreiber don dahlmann, die münchner hexenkünstlerin luisa francia sowie meine bescheidene wenigkeit vereinte. in einer eher unwichtigen nebenrolle war auch noch die tochter von frau francia kurz zu sehen.

der traum:

aus mir unbekannten gründen war ich zu besuch bei frau luisa francia (die ich nicht persönlich kenne!). sie wohnte (wohl nicht nur in meinem traum) in einer reichlich verschachtelten altbauwohnung in münchen mit allerlei zeugs aus aller welt. die recht gemütliche küche und das wohnzimmer waren mehr oder weniger ein raum.

in jenem saßen frau francia und ich abwechselnd an einem großen runden holztisch und dann wieder auf einem altertümlichen sofa mit blutrotem brokatbezug und plauderten, während sie immer wieder aufstand, um hinüber zum herd zu gehen und einen eintopf (möglicherweise gulasch) umzurühren.

plötzlich kam das gespräch auf verschiedene leute, die im internet schreiben. als der name don dahlmann fiel, guckte sie weitaus interessierter als vorher. ich erwähnte, dass ich mit jenem herrn dahlmann angelegentlich ein paar biere getrunken habe, was sie dazu veranlasste, aufgeregt „ach tatsächlich?!“ auszurufen.

da ich nicht weiter ins detail ging, begann sie nun überlegungen anzustellen, wie herr dahlmann wohl aussehen würde und fragte mich, ob ich es für möglich hielte, dass man über die bildersuchfunktion in google ein foto von ihm finden könnte. ich sagte „natürlich, kein problem. allerdings kommt man da nur auf ein älteres, nicht so supertolles foto, wo er an einem tisch sitzt und liest“. sie könnte ihm aber auch einfach eine mail schicken, er wäre neuen bekanntschaften immer aufgeschlossen. da sei doch gar nichts dabei, versuchte ich ihr mut zu machen.

frau francia schien richtig hibbelig zu sein und hatte wohl das gefühl, sich für ihr unverkennbares interesse an don dahlmann entschuldigen zu müssen. sie erklärte, sie hätte schon einiges von ihm gelesen und er könne recht gut schreiben, sie fände es allerdings zwiespältig und aber äh durchaus interessant. besonders diesen text über ’haut und knochen’. aha. ich ahnte welchen text sie meinte und amüsierte mich über ihre anstrengungen, ihr erotisches interesse an herrn dahlmann vertuschen zu wollen.

ich hatte das deutliche gefühl, dass sie denkbar größtes interesse hätte, ihn persönlich kennenzulernen. das wunderte mich insofern, als sie in ihrem tagebuch nicht den eindruck vermittelt, sich auch nur im geringsten für männerbekanntschaften zu interessieren. frau francia ist ungefähr 55 und militante feministin.

frau francia stand nun auf, um aus irgendeinem anderen zimmer etwas zu holen. während ihrer abwesenheit erschien plötzlich aus dem nichts eine art projektionsfläche, die herrn dahlmann per video- konferenz zuschaltete. so ähnlich wie in den tagesthemen, nur größer und moderner. der ca. 1,50 x 1,20 große monitor schwebte ungefähr zwei meter über dem boden in der luft, gleich links vom herd mit dem brodelnden eintopf. er trug eine art beigefarbenen trenchcoat, der bildausschnitt zeigte allerdings nur die obere körperhälfte.

am meisten überraschte mich jedoch seine neue frisur. das unlängst noch kurzgeschnittene haar von don dahlmann hatte plötzlich eine gewisse länge und ähnelte bis aufs haar der neuen raddatz-frisur von harald schmidt. da ich haarlänge durchaus zu schätzen weiß, war ich angetan von seiner neuen haarpracht und äußerte mich anerkennend. sinngemäß sagte ich ungefähr, die längeren haare würden sich auch auf den neuen fotos gut machen.

don dahlmann begann zu erörtern, wie er sich die neuen fotos von sich genau vorstellt. er benutzte den ausdruck ’bon vivant’. er möchte am liebsten so richtung ’bon vivant’-mäßig rüberkommen. darauf würde er wert legen. sonst hätte ich freie hand, wobei er sich mit etwas eitler geste, genießerisch beidseitig das graumelierte haar hinter die ohren strich. ich sagte daraufhin richtung monitor, dass er dafür ja nun schon einmal genau die richtige frisur hätte. allerdings von der kleidung her würde ich ihn mir da eher in einem klassischen weißen hemd, nicht zu zugeknöpft und einem schwarzen sakko vorstellen, das allerdings unbedingt tailliert sein müßte.

herr dahlmann guckte etwas unwirsch und meinte, ja, das mit dem weißen hemd und auch dem schwarzen sakko könnte er sich schon durchaus vorstellen, nur warum denn um himmels willen tailliert? er würde das jackett ohnehin offen tragen, da wäre es doch egal, ob es tailliert ist oder nicht. ich pflichtete ihm bei, dass er das sakko selbstverständlich offen tragen soll, aber nichtsdestotrotz sei es für die silhouette ungemein wichtig, dass das ding tailliert geschnitten sei. dann ging ich noch kurz darauf ein, wieso es außerdem wichtig wäre, dass das weiße hemd möglichst weit offen steht, also nicht zu weit aber eben so, dass es noch in der art eines lebemanns lässig wirkt.

damit war das thema dann erledigt, die monitorschaltung bestand allerdings immer noch. mit möglichst unverfänglichem ausdruck in der stimme fragte ich ihn nun gelegenheitshalber, ob er eigentlich luisa francia kennen würde, und falls ja, wie er sie so findet. don dahlmann ließ ein wegwerfendes ’phh’ vernehmen und sagte in etwa ‚die ist ja ganz furchtbar – sogar gefährlich! die züchtet und quält doch kröten oder so etwas ähnliches. dafür ist die doch sogar vorbestraft – hab ich jedenfalls in der bildzeitung gelesen’. ich beschloss, nicht weiter auf das thema einzugehen und die videokonferenz schien damit erst einmal beendet zu sein, sogleich verschwand der monitor im nichts.

im selben moment kam frau francia zurück in die wohnküche und setzte sich wieder zu mir auf das sofa, das plötzlich seitenverkehrt an der anderen wand stand. ihre tochter war diesmal auch dabei und fing an in allen möglichen schubladen herumzukramen. gegenüber vom sofa hatte man jetzt die tür zum flur und die haupteingangstür im blick. wie zufällig und doch selbstverständlich kam nun don dahlmann wie die bezaubernde jeannie als flaschengeist durch die tür geschwebt, ganz ohne monitor-begrenzung, dreidimensional, leibhaftig. allerdings konnte nur ich ihn sehen. für frau francia und ihre tochter war er unsichtbar. was er allerdings selbst nicht wusste.

da er frau francia von fotos aus der bildzeitung erkannte, war seine überraschung umso größer, dass ich mit ihr offenbar persönlich bekannt und wohl sogar befreundet war. man sah, dass er sich peinlich berührt an seine kürzlich gemachten abfälligen äußerungen über sie erinnerte und schämte sich ein wenig. diese frau da auf dem sofa sah eigentlich ganz interessant aus, fand er, mit der könnte man mal was trinken gehen.

tja, und dann bin ich aufgewacht.

ich schwöre bei meiner großmutter, ich habe nichts dazugedichtet.“

: :

Ich wünsche schon mal ein schönes Wochenende!

18. Januar 2024

Ich gewähre wieder einmal einen exclusiven Blick durchs Schlüsselloch! Privater, nur ganz wenig zensierter Gaga-Tina-Facebook-Chat von gestern, Mittwoch 17. Januar 2024.

10:14 Uhr

Gaga
Tina, Du musst jetzt ganz stark sein oder Deine Vorsätze über Bord werfen, da heute Abend um 20:15 Uhr auf RTL die neue Bachelorstaffel startet und zwar mit ZWEI Bachelors!!! Ich werde auf jeden Fall gucken.

Tina
Okay. Weißt Du was – ich relativiere meine Vorsätze. Mit Dir und Max ist mir ein wenig Fernsehen in Maßen erlaubt.

Gaga
Damit zeigst Du Dich flexibel, was ein sehr guter Charakterzug ist.

Tina
Haha. Biegsam wie Wachs. Fahne wird ganz nach Gutdünken nach dem Wind gedreht…

20:19 Uhr

Tina
Die Bächelors? Ist das eine Maßnahme zur Zielgruppenerweiterung? Immmobilieninvestor???????? Huuuuuuuuuuuuh!

Gaga
Key Account Manager, der erste Bachie gerade.

Tina
Also ich habe Immobilieninvestor gehört. Warum bin ich das nicht auch einfach, hach.

Gaga
Vielleicht ist er ja Key Account Manager in der Immo-Branche. Der Bruder hat ja null Ähnlichkeit.

Tina
Sowas ist sogar sehr oft der Fall.

Gaga
Wenn der eine nach der Mutter kommt und der andere nach dem Vater… oder Opa und Oma.

Tina
Aber die sehen sich alle nicht ähnlich in der Familie. Vielleicht nur geskriptet.

Gaga
Wenns geskriptet wäre, wären sie GERADE ähnlich. vielleicht ist es auch eine Patchwork Familie, so Halbgeschwister oder aus erster Ehe etc. pp oder adoptiert.

Tina
Zwei Bächies bergen mehr Konfliktpotential.

Gaga
Ich finds gut, dass es mal was Neues da drin gibt. Ein Bayer.

Tina
Habe den Laptop daneben, da kann ich schnell schreiben. Aber gleich muss ich noch Happa Happa machen.

Gaga
Ich hab extra vorher gekocht und gegessen, aber es kommt ja bestimmt bald Werbepause.

Tina
Ist Kernten nicht sogar schon Österreich… oder nee ist es nicht. Oh Gott, immer nur im Fitnessstudio. Gibts da auch Bücher?

Gaga
Kärnten IST ÖSTERREICH, tiefstes. Da kommt die Bachmann her, heast! Er ist aber aus dem Allgäu, das ist nicht Österreich und nicht Kärnten. Er spricht auch typisch Allgäuerisch. Er hat wahrscheinlich gesagt, er ist aus KEMPTEN. Da hat mal eine Freundin von mir gewohnt, hab sie da besucht. Das ist Allgäu.

Tina
Oh, er sieht aber bisschen türkisch aus.

Gaga
Die Eltern sehen aber gar nicht türkisch aus, finde ich… Aber im südlichen Bayern gibts auch mal Dunkelhaarige, schon so einen Einschlag – wie in Südtirol. Der Hamburger wirkt super fokussiert und strategisch. Oh – jetzt hab ich das neue Konzept nicht kapiert, wieso sind die nicht in einer Traumvilla und lassen die Mädels aus den Autos steigen? Ich kapiers nicht, Du?

Tina
Einfach nur Relaunch zwecks Zielgruppenerweiterung. Vielleicht hat das alte Konzept zu wenig gerated.

Gaga
Ist das wirklich die Sendung „Der Bachelor“????

Tina
Das ist halt nur mal ne andere Art die Babes kennenzulernen.

Gaga
Komische Action Dates als Auftakt, hä? finde ich persönlich langweilig. Habs nicht mit Action.

Tina
Vielleicht haben sich zu viele Feministinnen beschwert.

Gaga
Haha, „Babes“ I love it – die Formulierung, lange nicht gehört, I like.

Tina
Ja, aber Autos und Dreck ist halt weniger typisch weiblich oder so. Es werden jetzt eben andere Seiten der Weiblichkeit präsentiert. Und da gehört Esoterik eben auch dazu.

Gaga
Da kann ich ja wieder mitreden, ich als alte Esoteriktante aus dem letzten Jahrhundert. Die Musik nervt mich bislang, stresst mich.

Tina
Eben, das ist der neue, heiße Scheiß.

Gaga
Aha, nun Gossensprache: „Da waren so Ficker dabei“.

Tina
Die sind auch nicht so richtig hübsch.

Gaga
Ist mir zu unruhig, hektisch, lärmig, wie so ein Gang durch ein blinkendes Einkaufszentrum.

Tina
Die haben halt nur wenige Minuten für jede Frau am Anfang. Kannst ja den Ton wegmachen und wir lästern trotzdem weiter.

Gaga
Um mal einen völlig absurden Vergleich zu ziehen: denke nur an die angenehmen, langsamen Kameraeinstellungen und die exquisite Musikauswahl von THE CROWN! Die reinste Erholung.

Tina

Gaga
Ich hab den Ton leiser gemacht, weil bislang auch nix Interessantes gesprochen wurde, und der Jingle-Hintergrund-Klimbim-Lärm dann weniger ist. Ich habe auch so ein bißchen den Verdacht, dass die Leute aus der post production in dem Metier nicht selten auf Koks und sonstigen Drogen sind und daher abgestumpft für diese nervigen Audio-Effekte.

Tina
Mhh, oder die werden einfach gepusht, stehen unter Zeitdruck, haben viel zu viele Vorgaben und rattern das einfach mehr oder weniger schnell runter, wie bei einem langweiligen Job. Koksen tun die Statistenmusiker in den Musikantenstadeln. Darf ich während PMS Junkfood essen? Das wollte ich gerade Google fragen. Ich glaube Koks ist sogar in vielen normalen, öden Jobs nicht weit.

Gaga
Ist doch egal, ob man Junkfood bei PMS isst, es ist immer schädlich, aber schmeckt befriedigend.

Tina
Aber ich verstehe den Ansatz. Ist ganz klar was Feministisches. Zeigt mehr Facetten als nur die Prinzessin.

Gaga
In allen Show- und Bühnenformaten ist Koks nicht weit. Mir fällt gerade ein, dass mir schon in der letzten Bachelor-Staffel die Musik zu hektisch und lärmig und zu elektronisch war. Gerade kommt die Erinnerung, darauf hab ich auch das letzte Mal geschimpft. Es gibt keine Sekunde ohne Audioeffekte im Hintergrund. Schlimm, ich krieg gleich Kopfweh.

Tina
Da haste aber schon recht.

Gaga
Die gemachten Brüste sind nicht gut präsentiert, zu offensichtlich.

Tina
Hat wahrscheinlich jemand vom Team so ausgesucht. Aber der Bayern-Bächelor sieht ein bisschen aus, wie noch ein jüngerer Bruder von Michael und Ralf Schumacher.

Gaga
Das Kinn ist ähnlich dominant, sonst aber nicht so. Ich brauch jetzt echt eine Kopfwehtablette…

Tina
Doch, für mich sind Nase, Mund und Ausstrahlung sehr ähnlich. Sollte Lavina jetzt eine Autorin darstellen?

Gaga
Keine Ahnung, ich kann das nicht mit Ton aushalten. Vielleicht gibts Untertitel für Gehörlose, ich schau mal.

Tina
Er: Warst du schonmal in Südafrika?
Sie: Ja.
Er: Und wo?

Gaga
Nein, war ich nicht, interessiert mich aber auch nicht (mehr).

Tina
Sie: In Ägypten.

Gaga
Ach so, dachte Du fragst mich. Schon wieder Sport, gähn… Ich hab ausgeschaltet, brauche eine Pause und Kopfwehtabletten.

Tina
Na ja, ich kann das aushalten. Ach, schade. Aber verstehe ich. Schadet mir auch nicht, früh schlafen zu gehen.

Gaga
Vielleicht schalte ich ohne Ton später wieder zu, aber mit Ton geht nicht, leider. Totaler Overflow für mich. Mich interessiert, wie lange Zuseherinnen das neue Format finden, man war ja schon auf schöne Abendgarderobe und Villa konditioniert… vielleicht im Chat auf Twitter-X.

Tina
Ja, ich wechsle gleich mal ins Bett und recherchiere vielleicht bisschen da.

Gaga
Ich kann bei X-Twitter nix lesen, da keinen Account… egal. Das neue Konzept gefällt mir bisher nicht. Die Sendung von gestern auf Vox, „Save the Date“, gefällt mir dagegen recht gut, war gestern die zweite Folge, ist viel ruhiger.

Tina
Gibt auch gerade mal 8 Tweets oder so.

Gaga
Ich hab die Taste für Untertitel gefunden, steht Text auf der Fernbedienungs-Taste. Nun Werbung mit Untertiteln. Ich schaue erst wieder hin, wenn es keinen Sport mehr beim Date gibt und stylishe Villa und tolle Abendkleider. https://praxistipps.chip.de/fernsehen-untertitel-am-tv-einschalten-so-gehts_91360 Hab den Ton komplett abgeschaltet. Das ist doch nicht der BACHELOR, so vergrault man die treue Kundschaft! Auf fb müsste es auch einen Chat geben, ich guck mal, der Bachie hat ja eine Seite auf fb.

Tina
Beschwer dich beim Management.

Gaga
Man muss direkt als Kommentar auf deren Seite schreiben, dass man Kopfweh davon kriegt und sich langweilt. Hilfe, schon wieder Sportstudio.

Tina
Mal davon abgesehen – was hältst du vom Aussehen der beiden?

Gaga
Der Bachelor hat im Gegensatz zur Reklame leider keine Untertitel im Angebot. Schwach. Mir egal, wie sie aussehen, mich fasziniert gerade gar nix. Jetzt ne Blonde, hä? Es ist so langweilig… Turnstunde ohne Sex – gähn. Wenn mans nicht weiß, was das für eine Sendung ist, könnte man denken, das ist ein Youtube-Channel von einem Fitness-Trainer.

Tina
Jetzt endlich Südafrika, yeah.

Gaga
Dieses Konzept ist so völlig das Gegenteil von Nouvelle Vague. Aber endlich mal VILLA!!

Tina
Der Bayer nuschelt voll.

Gaga
Hab für drei Sekunden den Ton hochgedreht, gleich wieder gemutet, schon wieder Geräusche wie aus dem Horrorfilm. Lächerliche Visual Effects – albern.

Tina
Tja, die Dinge verkommen immer mehr zu Content. Eleganz ist out. Der andere ist auch bei leisem Ton gut zu verstehen. Voll der Kontrast, ey.

Gaga
Es gibt viele Dialekte auf der Welt, die sehr gut Untertitel vertragen könnten. Warum lacht er wie blöde? Hab kurz Ton rauf, wegen Gerede, er ist also der erfahrene Skipper, der Herr aus HH. Jetzt erzählen sie sich ihre langweiligen Action-Dates… gähn. Wie Zwölfjährige.

Tina
Uhhh, sie reden über ihre Action-Erlebnisse.

Gaga
Sag ich doch, die Buben.

Tina
Ja, aber so ist die Entwicklung Vieler.

Gaga
Die sehen beide nicht aus, als ob sie schon mal was von Max Frisch gelesen hätten. Oder je läsen. Die Einrichtung der Villa ist leider interessanter als die beiden Herren.

Tina
Sind das neuerdings Deine Erwartungen an einen Bachelor?

Gaga
Der aus HH (wie heißt der eigentlich) ist der pragmatische Business-Fuzzi, der Allgäuer (wie heißt der eigentlich) ist mehr so der sportive Kumpeltyp, ohne höhere geistige Entwicklungs-Ambitionen… Meine Vorurteile so far.

Tina
Immerhin kannst Du beide noch ausdifferenzieren.

Gaga
Obiges ist schon IMMER meine Erwartung an den Bachelor, die leider noch nie erfüllt wurde! Ja, ich erwarte durchaus auch, dass die Bachelors qualitativ mit der Einrichtung korrespondieren.

Tina
Diese Zeile eignet sich als Romantitel („Meine Vorurteile so far.“) Leider wohnen geistig Gebildete heute eher selten in derartigen Etablissements.

Gaga
Und ich dachte, Du fändest „Ja, ich erwarte durchaus auch, dass die Bachelors qualitativ mit der Einrichtung korrespondieren.“ einen Romantitel mit Potenzial. Ich fände ihn ja etwas lang, aber einen Hingucker. Also den Romantitel.

Tina
Nö!

Gaga
Woher willst Du denn wissen, auf welchem geistigen Bildungsgrad sich Leute befinden, die IN ECHT in sowas wohnen, also nicht als Kandidaten, die sich aus Fitnesstrainern und Influencern rekrutieren…? Kennst du etwa welche???

Tina
Ich beobachte XY auf X. Er hat jede Menge Ideen dazu.

Gaga
Und der beobachtet Leute, die in echt in sowas wohnen? (weil er ja wohl eher nicht, nech).

Tina
Ich glaube, es ist ne bunte Mischung. Aber die Tendenz ist da.

Gaga
Ich könnte mir vorstellen, dass Architekten in sowas wohnen und denke bitte daran, dass Max Frisch auch Architekt war!

Tina
So in etwa, wie diese russischen Oligarchen, die den Geist Deiner geliebten Stones-Villa zerstört haben.

Gaga
Ich suche gerade das Emoji für Kotzen. Die haben einen ganz anderen Geschmack, da muss ganz viel falscher Barock mit Billigst-Vergoldung en masse am Start sein, nicht so geradlinig und reduziert, oh no. Kronleuchter, Strass, Bling Bling, Perserteppiche…

Tina
Ich wollte nur beschreiben, wie ich mir den Geldadel auch vorstelle.

Gaga
Ich kenne die aktuelle Einrichtung der Stones-Villa, also Nellcôte, der Oligarch hat sich da so ausgelebt, dass jedes Bling Bling-Klischee erfüllt wird.

Tina
Bücherwände stehen ja nun leider auch nicht in der Bachelor Villa. Aber es gibt Künstlerinnen als Kandidatinnen. Yeaaaaah!

Gaga
Ich würde es gut finden, wenn nur bestimmte Berufsgruppen mitmachen dürfen. Handwerker, Mediziner, Musiker, bildende Künstler. Und natürlich Architekten und Schriftsteller. Fitnesstrainer und Key Account Manager und Influencer und Berater müssen leider draußen bleiben. Schauspieler leider auch. Anästhesisten sollten unbedingt Bachelor werden. Mit denen habe ich die besten Erfahrungen. Notebook-Reparierer dürfen auch mitmachen, auch ein ehrenwerter Beruf.

Tina
Anästhesisten? Warum?

Gaga
Weil ich so schöne Erinnerungen an die Minuten vor Vollnarkosen habe.

Tina
Ich hatte noch nie welche.

Gaga
Schöne gebräunte, starke Unterarme, indigoblauer Anästhesisten-Kittel, ruhige, einfühlsame Stimme. Anästhesisten – auch die Frauen, sind eine besonders einfühlsame Berufsgruppe unter den Medizinern scheint es mir, vielleicht weil sie wissen, dass der Patient immer ein bißchen Angst vor der OP hat, und dass es weh tut und auch, dass man vielleicht nie mehr aufwacht. Die sind einfach liebreizend! Mein neuer Hausarzt am Rosenthaler Platz ist auch eine absolute Schnitte. Sieht mega gut aus, redet so cool daher, fachlich versiert, unheimlich lässig und macht so einen Beruf…. der ist noch relativ jung, sieht aus wie Anfang dreißig. DAS wäre mal ein Bachelor! Oho! Er sagt zwischendurch immer mal „alright…!“

Tina
Oh Gott. Das sagt niemand. Oder will er extra cool sein und wie in den 80ern klingen?

Gaga
Die Bilder jetzt sind wie klassische Bachelor-Sendung, ich hab mal wieder Ton an. Man muss meinen Doc gesehen und gehört haben. Das liest sich zwar komisch, wirkt aber tatsächlich supercool bei ihm. Schwer zu erklären. Mir gefällt ja keiner von beiden Bachies, wie beurteilst Du den Sex Appeal und sonstige Attraktivität der zwei? Wie heißt der Bayer denn? Ah, Dennis! Ich hab den Vibe, dass der oft mal in der Friends Zone landet. So harmlos nett, wie er rüberkommt. Hast Du schon gegessen? ich krieg schon wieder Appetit.

Tina
Ja, Thunfisch-Tiefkühlpizza. Mir gefällt eh nur Max.

Gaga
Aber Du kannst doch neutral urteilen, oder? Die Frage ist ja nicht, „Würdest Du Max den Laufpass für einen von beiden geben“, sondern: „…auf einer Skala von 1 – 10“? Wie heißt der Hamburger? Also ich gebe Dennis für Sex Appeal 1 Punkt, für Nettigkeit 3 Punkte, für Intellekt 1 Punkt, für Körper 3 Punkte. Der HH kriegt für Sex Appeal 2 – 3 Punkte, für Nettigkeit 2 Punkte, für Körper 3 Punkte, für Intellekt 2,5 Punkte. Also beide weit weg von einer Zehn!

Tina
Ich hab jetzt das Handy in der Hand und bin zu faul das zu tippen. Finde, der Bayer hat schöne Haare.

Gaga
Du meinst die Textur und die Farbe? Und den Haarschnitt? Dazu hab ich keine Meinung, ist mir zu unbemerkenswert an ihm.

Tina
Er hat eine so coole Tolle. Ist es schon vorbei?

Gaga
Wollte ich auch gerade Dich fragen.

Tina
Okay, ich schalte gleich aus und schlafe.

Gaga
Ja, tatsächlich. Gute Nacht! Ich schlaf auch bald!
P.S. der Hamburger Bachelor heißt Sebastian.
Evt. blogge ich den Quatsch morgen, okay?
(natürlich zensiert) Leicht zensiert –
„datenschutzbereinigt“
😎

17. Januar 2024

Mein Baby ist wieder an Bord! Zweiter Geburtstag heute für mein Toshiba Satellite Notebook, läuft wie ein junger Hüpfer im zehnten Betriebsjahr. War nach drei Sekunden fertig hochgefahren, komplett leise, nix zu hören. Die Wärmeleitpaste und Pads waren vor allem hinüber, ansonsten war es wohl im Vergleich zu anderen Geräten relativ wenig verschmutzt. Beim in Empfang nehmen gerade eben, sagte ich „ich liebe das Gerät so!“ Darauf der Mitarbeiter, der es innen gereinigt hat: „Er liebt Sie auch!!!🙂“ Kleiner Betrieb in der Brunnenstraße 195 in Mitte, am Rosenthaler Platz, Feinreparatur! Bin sehr zufrieden. Kümmern sich auch um Macs und Smartphones.

17. Januar 2024

So eine rührende Mail. Ich überweise gleich alles, was ich auf dem Konto habe. Ihr bitte auch! Früher gab es viel mehr so schöne Spam-Mails, was ist nur aus dieser schönen Kultur geworden, sich ein zu Herzen gehendes Schicksal auszudenken. Aya hat es wirklich schwer getroffen:

„Mein Name ist Aya Koffi. Ich schreibe Ihnen aus der Elfenbeinküste. Tränen und Traurigkeit waren die beste Beschreibung meiner Tage als junges Mädchen ohne Eltern. Mein Vater war Direktor eines Kakaohändlers in der Elfenbeinküste. Während einer Geschäftsreise wurde er von seinem Geschäftspartner vergiftet. Meine Mutter starb, als ich fünf Jahre alt war. Als Einzelkind behandelte mich mein Vater mit so viel Zuneigung. Bevor mein Vater starb, erzählte er mir, dass er 7.500.000,00 US-Dollar auf ein Treuhandkonto bei der Fedelixgroup Bank in der Elfenbeinküste eingezahlt hatte. Mein Onkel ist drogenabhängig und hat deshalb alle Besitztümer meines verstorbenen Vaters verkauft. Mein Onkel war sehr grausam zu mir. Er quält mich, weil ich ein Mädchen bin. Er fand heraus, dass mein verstorbener Vater diesen Betrag auf der Bank eingezahlt hatte und dass ich sein nächster Verwandter war. Mein Onkel möchte, dass ich ihn zur Bank begleite, damit er auf das Konto zugreifen kann. Das kann ich nicht tun, denn dieser Fonds ist meine einzige Hoffnung, meine Zukunft zu sichern. Ich möchte mein Geld nur für meine Zukunft investieren. Ich habe der Bank gestern von meiner Absicht erzählt, mein Geld ins Ausland zu überweisen. Ich sende Ihnen diese E-Mail aus einem Gästehaus, das mir als Zufluchtsort vor der Verfolgung meines herzlosen Onkels diente.

Ich möchte, dass Sie mir helfen:

  1. Geben Sie ein Bankkonto an, auf das das Geld überwiesen werden soll.
  2. Als mein Vormund zu dienen.
  3. Um Vorkehrungen zu treffen, dass ich in Ihr Land komme, um meine Ausbildung fortzusetzen.

Bitte ignorieren Sie meine E-Mail nicht, damit ich weiß, was zu tun ist. In der Zwischenzeit bin ich bereit, Ihnen 30 % des Gesamtbetrages als Entschädigung für Ihre Bemühungen zu zahlen.

Danke“

Geht klar, liebe Aya!

16. Januar 2024

Vorhin mein Notebook im Pflege-Studio abgegeben. Morgen Abend um achtzehn Uhr hole ich es wieder ab. Was für eine innigliche Beziehung ich doch zu dem Apparat habe. Zuletzt hat es mir beim Hochfahren einen Bluscreen gezeigt und hat mir erst nach mehreren Versuchen die Log in-Maske präsentiert. Wenn es mal gleich startbereit war, habe ich es dankbar gestreichelt. Bei der Übergabe ist es gleich hochgefahren, der berühmte Vorführeffekt. Kaum befindet man sich beim Facharzt, sind die Symptome schon besser. Jedenfalls wird jetzt gründlich von innen gereinigt und die Wärmeleitpaste und die Kühlpads erneuert. Eine richtige Kur für meinen Liebling. So ein eingewohntes Notebook ist wie ein Wohnzimmer, in dem alles genau am bequemsten Platz steht. Jede Lampe ideales Licht gibt, erholsam und kuschelig. Wenn man sich sein Notebook sehr individuell eingerichtet hat, weiß man, wieviel Arbeit dahintersteckt, die auch bei einem neuen wieder auf einen zukäme. Ich habe ganz starke visuelle Bedürfnisse, wie der Desktop aussehen soll (total reduziert, schwarzer Hintergrund in der Mitte mein Logo in Dunkgelgrau), habe Kacheln komplett deaktiviert, über den Startbutton die beliebtesten Anwendungen im Zugriff. Ich liebe die urvertraute Ansicht von Verzeichnisbäumen mit Ordnern und Unterordnern, den ganz altmodischen Datei-Explorer. Weißer Hintergrund, schwarze klare Schrift, hellgraue Leisten. Da flimmert und blinkt nichts Buntes, keine Bildchen, keine Animationen, alles superclean und aufgeräumt. So liebe ich das.

15. Januar 2024

Morgen will ich mit meinem Toshiba Satellite zum Notebook-Pflegesalon am Rosenthaler Platz. Höchste Eisenbahn nach neuneinhalb Jahren. Ich putze mir jeden Tag die Zähne und dusche mich nach dem Aufstehen von Kopf bis Fuß. Zur professionellen Zahnreinigung gehe ich zwei bis dreimal im Jahr. O.k. – mit der Zahnseide mache ich nicht so gerne rum, aber bei der letzten Zahnreinigung letzte Woche wurde ich trotzdem gelobt. Fingernägel mache ich auch immer zwischendurch mal sauber. Schuhe putze ich, wenn sie es nötig haben, Klamotten kommen regelmäßig in die Waschmaschine. Aber über mein Notebook wische ich seit Jahren nur drüber und gehe alle paar Monate mal mit dem Staubsauger an die Lüfterschlitze. Das ist zu wenig! Das hat einem keiner so richtig eingetrichtert, dass so ein Notebook auch ein Reinlichkeitsbedürfnis hat und mal frische Unterwäsche braucht. Quasi. Ärgert mich ein bißchen, dass ich da erst so spät draufkomme. Aber besser spät als nie! Vielleicht ist das aber auch eine perfide Dummhalte-Politik der Notebook-Hersteller. Bestimmt gibt es gar nicht wenige, die ihr Notebook nur mal gründlich reinigen lassen müssten und es liefe wieder wie geschmiert. Stattdessen halten sie es für altersschwach und kaufen ein neues.

14. Januar 2024

Ganz ruhiger Sonntag. Ruhigster Sonntag ever. Daheim bleiben und lesen, wie früher in meinem Jugendzimmer unterm Dach. Erinnere mich hauptsächlich an Rumträumen, Rumräumen und Lesen. Freundinnen eher nach der Schule getroffen. Freitag Abend und Samstag eventuell schon mal tanzen gegangen, auf die Plattenparty vom evangelischen Jugendheim – oder wars katholisch? Ich lese das letzte Bachmann-Frisch-Werk aus meinem großen Konvolut. Den Abschluss bildet eine Veröffentlichung vom Aufbau-Verlag. Eine über Bachmann promoviert habende Literaturwissenschaftlerin hat den aufwändigen Versuch unternommen, die Geschichte der beiden als Beziehungsroman umzusetzen. Für mich amüsant zu erkennen, wieviel ich nun biografisch selbst verinnerlicht habe und herunterbeten kann, auch wo sie noch mehr erfinden musste, weil Details nicht ausreichend überliefert sind, aber auch wo sie ganz Eins zu Eins an den tatsächlichen Begebenheiten entlangschreibt. Sie hat schon ihre Schularbeiten gemacht, die gute Frau Doktor Bettina Storks. Auch nicht frei von klischeehaftem Kitsch mit Lore-Roman-Anmutung hier und da, liest sich aber gut weg. Ganz schlimmes Cover. Ich musste es mit weißer Folie überkleben, ich kann mir sowas nicht anschauen. Der Aufbau-Verlag macht sicher guten Umsatz mit dieser Reihe, wo berühmten Liebespaaren und berühmten Frauen Romanphantasien gewidmet werden. Hab mir noch eins bestellt, neugierhalber, geht um Nico, die Velvet-Underground-Nico und ihre Affäre mit Jim Morrison. Cleveres Geschäftsmodell, Aufbau-Verlag!

13. Januar 2024

Kommentar von gestern Nacht von mir in einem Freundinnen-Gruppenchat in Facebook zum gestern gesehenen Priscilla-Film:

„Wenn ihr den Film noch schauen wollt, in den nächsten Wochen, geht NICHT in die 19:30 Uhr-Vorstellung in den Hackeschen Höfen. Ich habe die Ankündigung falsch interpretiert, dachte es wäre die dt. synchronisierte Fassung. Es war aber die original Fassung ohne dt. Untertitel. Ich dachte bis heute Abend, ich könnte ohne Probleme englischsprachige Filme verstehen. Verstanden habe ich nur, was Priscilla und der Elvis-Clan gesprochen haben, was Elvis von sich gegeben hat, konnte ich nur erraten. Ich war aber beruhigt, dass es Lydia genauso ging. Ein unfassbares Genuschel in einem Slang aus Memphis Tennessee. Die Story ist etwas beklemmend, weil eben die nicht so durchweg erhebende Erfahrung der jugendlichen Priscilla gezeigt wird, die in dieses hermetische Universum von Graceland driftet. Elvis-Musik gabs so gut wie gar nicht. Die Ausstattung ist aber klasse. Der Film basiert auf einem autobiographischen Buch von Priscilla, das sie vor ca. zwanzig Jahren schrieb und sie hat auch als Produzentin mitgewirkt. Der Film spielt abgestehen von den ersten Szenen in Deutschland (Kennenlernen) so gut wie nur in den Räumlichkeiten der Gracelandvilla… (…) übrigens nicht in Graceland gedreht, alles akribisch nachgebaut in Toronto. Das wahre Schlafzimmer werden wir also nie zu Gesicht bekommen.“

Meine Anmerkung zum Schlafzimmer bezieht sich darauf, dass es im Film viele Szenen gibt, die im Schlafzimmer von Elvis und Priscilla spielen (keine Sex-Szenen), da er dort viel Zeit verbrachte, auf dem Bett herumgelegen ist und gelesen hat. Das Schlafzimmer ist deswegen sagenumwoben, ja ein Mysterium, weil Elvis dort starb und es nie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Alle Führungen durch Graceland sparen die obere Etage aus, wo sich das Schlafzimmer befindet. Allerdings hatte die Regisseurin Sofia Coppola in Vorbereitung des Films freien Zugang in alle Räumlichkeiten, und es ist davon auszugehen, dass die Ausstattung der Räume im Film, also auch des Allerheiligsten, der Originalausstattung sehr nah kommt. Im Internet gibt es sehr wenige unscharfe Fotos des (angeblich) echten Schlafzimmers. Nach dem Film zufällig entdeckt: gestern war der erste Todestag von Lisa Marie Presley, der einzigen Tochter von Priscilla und Elvis.

12. Januar 2024

Letzte Nacht geträumt: Lydia und ich arbeiten (im Traum) bei derselben Institution, Beschäftigung nicht bekannt, aber wahrscheinlich irgendwas am Computer. Wir sind in verschiedenen Abteilungen beschäftigt und treffen uns nur zur Mittagspause in einem bestimmten Seminarraum des modernen Gebäudes, der immer frei ist.

Es ist ein ungefähr zehn mal zehn fünfzehn Meter großer, heller Raum mit ungefähr fünfundzwanzig hellen Kunststofftischen und dazu passenden Stühlen für die Seminarteilnehmer. Die Tische stehen ungefähr so, wie man das aus der Schule kennt, eine Mischung aus einem großen U und einigen Tischen frontal hintereinander.

Zum Anfang unserer Pause macht sich Lydia (nicht ich) jedes mal die Mühe, zwei rollbare, große Flachbildfernseher in den Raum zu schieben, damit wir bei unserer Pause Fußball auf zwei Monitoren schauen können. Da scheint es immer was im Programm zu geben. Dabei essen wir mitgebrachte, belegte Brote und unterhalten uns angeregt. Wir sprechen über Fußball und Privates.

Eines Tages gibt es einen neuen Kollegen, der unabhängig von uns auch die Idee hat, in dem Raum seine Pause zu verbringen. Wir können es ihm nicht verbieten, es ist ja nicht unser Raum, wir gehen da ja auch einfach rein, ohne ihn reserviert oder gebucht zu haben.

Der neue Kollege, der weder mit Lydia noch mit mir arbeitet, wir wissen gar nicht was er macht, ist circa Ende Dreißig, Anfang Vierzig, groß und relativ schlank und trägt eine Brille mit Metallgestell. Die sich leicht lichtenden Haare sind irgendwie braun und kurz und er hat meistens irgendeine unauffällige Hose in Grau oder Dunkelblau an und einen passenden Pullover und ein Hemd darunter. Er ist ein unauffälliger Typ mit der Ausstrahlung eines Akademikers, also geistig gebildet. Eventuell ist er eine Art wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Er stellt sich für seine Pause, die zufällig zeitlich oft mit unserer zusammenfällt, immer in die von uns abgelegenste Ecke. Wir sitzen in der anderen Ecke, eher vorne und auf der Fensterseite vor unseren Fernsehern. Er setzt sich nie richtig hin, höchstens mal so halb auf die Tischkante, aber meistens steht er und isst sein mitgebrachtes Pausenbrot.

Während der ungefähr dritten oder vierten so unfreiwillig zu dritt verbrachten Mittagspause, wo Lydia und ich uns gerade wieder angeregt über einen Elfmeter austauschen, räuspert er sich gut hörbar, um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir schauen ihn an und er bittet uns, uns künftig etwas leiser zu verhalten, da wir nicht alleine im Raum sind und auch er seine Mittagspause in Ruhe verbringen möchte, das stünde ihm zu. Wir sind etwas irritiert und es fällt uns kein Gegenargument ein, aber wir finden es Scheiße, dass wir nicht mehr unsere Ruhe haben und uns still verhalten müssen. Dann bin ich aufgewacht.

An der Stelle sei noch angemerkt, dass Lydia und ich weder zusammenarbeiten, noch jemals zusammen Fußball geschaut oder uns über Fußball ausgetauscht haben. Ich habe in meinem Leben schon das eine oder andere Europa- oder Weltmeisterschaftsspiel verfolgt, wenn es der Geselligkeit dienlich war, und hatte eine Weile mal Werder Bremen als vorgeblichen Lieblingsverein (ohne je ein Spiel gesehen zu haben), aber das war etwas aufgesetzt. Ich fand eigentlich nur Torsten Frings ganz cool und sehenswert, der ja in der deutschen Nationalmannschaft war.

Ich war noch nie bei einem Fußballspiel im Stadion und verzehre mich jetzt auch nicht total danach, obwohl ich das Ansteckende der Massenbegeisterung schon verstehe und nachvollziehen kann. Ich habe nichts gegen Fußball, aber es ist auch kein Freizeithobby von mir, da irgendwas zu verfolgen.

Von Lydia ist mir auch keine spezielle Fußballbegeisterung bekannt. Aber vielleicht hat sie da bisher etwas vor mir verheimlicht. Wir reden ja mehr so über uns selber oder über Hochkultur und Gossip aus unserem eigenen Umfeld, bis hin zu den britischen Royals. Was will dieser Traum uns sagen? Und warum muss dieser neue Kollege UNBEDINGT in unserem Raum seine Pause verbringen?!?