15. Mai 2024

Ich hatte – wie man so schön sagt – „keinen Plan“. Grobe Idee: einfach mal rund um die Insel laufen, deren Größe mir nicht bekannt war. Ich sehe dann schon, wie weit ich komme. Die letzte Fähre zurück zum Berliner Festland ging nach meiner Erinnerung gegen 19 Uhr oder so um den Dreh. Am neugierigsten war ich auf Ferienhäuschen mit ausgefallener Architektur. Hier erstmal Wildnis.

15. Mai 2024

Endlich am Ziel! Nach der großen Anreise musste ich erst einmal ankommen. Eventuell gab es ein Toilettenhäuschen, wo ich mich ein wenig frischmachen konnte. Eventuell aber auch nicht. Vergessen! Ich ließ mir den herrlichen Wind um die Nase wehen!







15. Mai 2024

Nachdem ich das kleine Eiland geentert hatte, fiel mir gleich das Gewurstel an den Fahnenmasten auf. Kein angemessener Empfang für meinen Geschmack! Ich schickte mich an, hier ein wenig Ordnung zu schaffen und begann die Fahne zu entwursteln, verhedderte mich dabei aber ein wenig und sah sozusagen kein Land mehr. Nicht faul, sprangen mir zwei junge Burschen zur Seite und legten routiniert und fachmännisch Hand an. Nun wehte die stolze Flagge von Valentinswerder wieder unter dem blauen Berliner Himmel und ich fühlte mich aufs Herzlichste willkommen!

15. Mai 2024

Langsam wird das Warten doch ein bißchen langweilig! Aber ich denke, mit diesem l a n g-weiligen Foto-Roman über meine Warterei schaffe ich für meine Leser ein 1-zu-1-Erlebnis! Und höre ich da ein Tuckern, kommt da etwa endlich unser kleines Schiff? Das mit dem edlen Holz ist es leider nicht, hätte mir aber gefallen.

15. Mai 2024

Well well well. Stand up Paddling mal ganz aus der Nähe. Auch so ein Sport, der mich überhaupt nicht reizt. Die Vorstellung, dabei die Balance zu verlieren und in die Havel zu fallen… – gar nicht meins.

15. Mai 2024

„Wie alle Mädchen in Piräus so stehe ich Abend für Abend hier am Kai UND WARTE auf die fremden Schiffe aus Hongkong, aus Java, aus Chile und Shanghai. EIN SCHIFF WIRD KOMMEN…“

14. Mai 2024

Warten. Sonnenbrille fotografieren. Hatte ich ein Buch dabei? Vielleicht eine Mini-Salami und einen Apfel gegessen, mit Tonic Water runtergespült (ohne Gin). An dem Tag hatte ich einen langen Eintrag geschrieben, was mir so durch den Kopf ging. Gerade gelesen, einen Absatz finde ich bemerkenswert: „(…) stattdessen schreibe ich hier wieder einmal wortreich, warum etwas zu nichts geführt hat. Überhaupt mein Thema. Wie stellt man es an, dass etwas zu nichts führt. Darüber könnte ich Bücher schreiben.“ Hm.

14. Mai 2024

Blick in den Kalender. Der 1. September 2016 war ein Donnerstag. Es war ruhig da am Havelufer. Ich schaute zur Sonne, hing meinen Gedanken nach. Bötchen hier, Bötchen da. Angenehmes Warten.

14. Mai 2024

Fernsehturm und Trommelstöckchen auf dem Balkon, Dillhappen und (nicht gepellte) Pellkartoffeln auf meinem Teller. Guten Appetit! Heute Fernsehgucken, „Sing meinen Song“ auf Vox und und dabei nebenher weiter über meinen Ausflug Anno 2016 nach Valentinswerder berichten. Als ich vorhin unterwegs war, hatte ich meine Lesebrille vergessen und konnte in der U-Bahn gar nicht weiter in meinem Miss O’Dell-Buch lesen. Habe dann verstohlen Leute angeguckt. Eine ältere Frau ist immer wieder so leicht zu ihrer Sitznachbarin übergekippt, man wusste nicht, ob sie übermüdet ist und gleich einschläft oder ob was anderes ist. Ihre Nachbarin hat sie im Auge behalten, ich auch. Man will auch nicht voreilig übergriffig werden. Als Alexanderplatz kam, hat die Sitznachbarin extra laut „Alexanderplatz!“ zu ihr gesagt, sie schien zu wissen, dass sie da rausmuss, oder wollte sie nur gucken, ob sie einen Weckruf braucht? Da hat sie ihre Siebensachen turboschnell zusammengerafft und ist gerade noch rechtzeitig zur Ausgangstür gestolpert, hat dabei fast einen jungen Mann umgerannt. Es ist doch immer was los. Auf der Rückfahrt konnte ich dann lesen, habe mir die Brille aus dem Atelier mitgenommen. Miss O’Dell ist soeben aus Los Angeles in London eingetroffen, in den von den Beatles neu gegründeten Apple Studios, und versucht nun dort einen Job zu kriegen. Wird wohl klappen, schätze ich mal.

14. Mai 2024

Hallo Havel! Es folgt der ausgiebige Fotoroman „Wie ich einmal in Tegelort auf die kleine Fähre nach Valentinswerder wartete“. Fortsetzung erst heute Abend, denn draußen wartet ein sonniger Berliner Maientag, der auch gewürdigt werden will. Bis nachher.

14. Mai 2024

Segelschule! Das riecht nach Wasser! Ich bin also auf dem richtigen Weg zur Anlegestelle. Ist ja doch ein ganz schöner Spaziergang. Aber ich habe ja Zeit, Hauptsache, ich verpasse das kleine Schiff nicht. Es fährt nur jede Stunde nach Valentinswerder.

14. Mai 2024

Auf dem Weg eine Villa Kunterbunt, ein verwilderter Garten und eine fotografierte Hausnummer. Das Schild ist nichts Besonderes. Mir nicht mehr nachvollziehbar, wieso ich das Foto gemacht habe.

14. Mai 2024

Sonnenbrille nicht vergessen! Die erwähnte umständliche Anreise nach Valentinswerder muss in etwa so ausgesehen haben: mit der U 8 bis Wittenau und von da mit dem Bus weiter, wahrscheinlich noch mal umsteigen in den Bus 222 Richtung Tegelort, von da dann Fußweg zum Fähranleger „Tegelort“ mit Adresse Jörsstr. 14. Unterwegs Freude, dass ich einen Weg mit Namen Almazeile entlang laufen musste. Meine absolute Lieblingsoma hieß Alma, das war mir wie ein kleiner Geburtstagsgruß aus dem Himmel.

14. Mai 2024

Wir machen einen Ausflug! Logbuch 1. September 2016: Geburtstagsausflug nach Valentinswerder. Nie gesehene Fotos kommen zur Ansicht. Man muss sich gut überlegen, ob man die Existenz der Berliner Insel Valentinswerder wirklich offenbaren will. Ich habe jetzt sieben Jahre darüber nachgedacht und bin zum Schluss gekommen: Ja! Die Insel im Tegeler See ist in Privatbesitz, aber man darf sie besuchen. Das braucht keine besondere Erlaubnis, sondern nur den Willen, sich der etwas umständlichen Anreise auszusetzen und Proviant. Es gibt dort zwar fast zweihundert Bewohner von teilweise extravaganten Ferienhäusern, aber keinen Kaufladen und kein Restaurant. Die Sonne scheint, ein herrlicher Sommertag, also los! Vorher habe ich noch obligatorische Geburtstags-Selfies gemacht. Wie alt ich 2016 geworden bin, kann sich jeder selber ausrechnen. Nicht so wichtig!

13. Mai 2024

„…Und diese Biene, die ich meine, nennt sich Maja, kleine freche, schlaue Biene Maja…“ Man müsste schon sehr griesgrämig veranlagt sein, um sich davon nicht erheitern zu lassen. Ich hatte ja mal diese ältere Dame als Nachbarin, die jeweils jahreszeitlich korrespondierende Deko vor ihrer Wohnungstür installiert hat, Elch und Schnee und Schlitten im Winter, Hase und Gießkännchen und Blümchen im Frühling. Aber die ist ja tot. Möglicherweise ist ihr Geist auf eine andere Nachbarin übergesprungen und die erfreut uns nun weiter mit putzigen Deko-Ideen. Knallharte Gemüter könnten das als Kitsch diffamieren. Ich finde es ganz herzallerliebst, wenn ich auch selber nie darauf gekommen wäre.

13. Mai 2024

Selber Tag, anderer Hinterhof! Ich war gestern nicht nur faul auf dem Balkon, sondern bin mal auf einen Sprung zum Blumengießen zu meiner kleinen Werkstatt gefahren, wo ich ja auch immer wieder mal Müll runterbringen muss. Da habe ich Fotos vom Hinterhof gemacht, welcher mich sehr erheitert hat. Warum folgt sogleich.

13. Mai 2024

Manchmal schreibe ich Sachen wie „hier am Gipsdreieck“. Auf dem Luftbild kann man sehen, wieso es so genannt wird, wenn es auch nicht im Stadtplan steht. Ich bin ganz oben, da am 90-Grad-Winkel.

13. Mai 2024

Backstage Auguststraße. Die dekorativ bröckelnde Fassade gehört zum Nachbarhaus, das mit einer Wand direkt an meinem Schlafzimmer klebt. Schon kunstvoll, wie der Putz bröckelt. Von vorne ist die Fassade picobello und denkmalgeschützt. Schade, dass ich an die Wiese mit dem blühenden Schnittlauch auf dem rückwärtigen Anbau nicht rankomme. Das neuere Haus, rechts davon, ist auch von vorne schick. Als es fertig gebaut war, habe ich mich über die freundliche, teilweise kubistische Architektur mit mehreren Balkonen und einer umlaufenden Dachterrasse gefreut.

13. Mai 2024

Näher, näher, näher. Oh…! Wer sitzt in meinem Blumenkasten??? Das Körbchen ist nicht zum Brüten da, sondern für die blaue Blume aus Afrika! Vorhin hab ich einen Blick in den Kasten geworfen und bin beruhigt. Kein Ei, bißchen Blumenwasser, hat wohl nur getrunken. Ein neues Nest in dem anderen Kasten, weiter unten links, wäre ok gewesen, da komme ich nicht mehr richtig ran.

12. Mai 2024

Jedes Mal, wenn ich den Müll runtergebracht habe und danach nicht rausgehe, sondern über den Hinterhof zurück nach oben, schweift mein Blick immer einmal kurz zu meinem kleinen Balkon, der nach hinten rausgeht, wo die Tauben gebrütet haben. Dann denke ich mir, schade, dass ich nicht genauer sehen kann, wie das von der anderen Seite ausschaut. Heute habe ich einmal ein paar Fotos von unten nach oben gemacht. Dann kann ich es mir ja mal auf dem Computer aus der Nähe anschauen, hab ich mir gedacht.

11. Mai 2024

Ich weiß nicht, was das in der feinen Teewurst ist, dass ich genau darauf Appetit habe. Gut, dass welche im Kühlschrank ist. Mitunter hört man, dass der Körper durch Appetit auf etwas Bestimmtes den Bedarf an einem Baustoff signalisiert. Salami oder Würstchen hätten das jetzt nicht ideal bedient. Interessantes Mysterium. Sonne versteckt sich immer noch, chille faul, gucke hier und da im Internet und lasse abonnierte youtube Channels nebenher laufen.

11. Mai 2024

Meine liebste Aufnahme von Irving Berlins „Blue Skies“, gesungen von Maxine Sullivan, aufgenommen am 6. August 1937 in New York. Heute 136. Geburtstag von Irving Berlin. Momentan noch keinerlei Blue Skies in Berlin, soll sich aber gegen Mittag ändern.

09. Mai 2024

[Chat, Nacht 9. Mai 2024, 02:51 Uhr]

„(…) wir waren tatsächlich bis gerade eben im Terzo und es war sehr lauschig (…) Der Film war klasse. Die Hauptdarstellerin oscarwürdig. Sehr toller dramaturgischer Einsatz der Szenen mit Musik. Gibt nichts zu meckern, sehr sehenswert. Gute Nacht!

P.S. und ja: unbedingt im Zoopalast anschauen, riesige bequeme Sessel, ein Klang, der einem in seiner komplexen Brillianz den Vogel raushaut.“

UND: „Marisa Abela hat wirklich selbst im Film gesungen und Gitarre gespielt. Habe gerade im Musikexpress gelesen: „Um in der Rolle als Amy Winehouse zu überzeugen, scheute die 27-Jährige keine Mühe, sich bestmöglich auf die Dreharbeiten vorzubereiten. So soll sie monatelang Gesangs- und Gitarrenunterricht genommen haben. Abela wird in dem Kinofilm nämlich auch die Songs von Winehouse singen.“

Ich hatte vielfach Gänsehaut. Jenny war auch schwer beeindruckt. Außerdem Wiedersehen mit der großartigen Lesley Manville, die im Film Amys geliebte Großmutter spielt. Ich grübelte erst, woher ich das Gesicht so gut kenne, mir fiel kein Name dazu ein. Dann dämmerte es: Lesley Manville spielte die ältere Princess Margret in THE CROWN. Meine Lieblings-Margret in der grandiosen Serie, zu Herzen gehend, ihr Spiel. So auch in diesem wunderbaren Film.

08. Mai 2024

Heute Kino! „Back to Black“, der Amy Winehouse-Film im Zoopalast, 19:50 Uhr-Vorstellung. Ein langer Film, 122 Minuten. Jenny kommt mit, danach Umtrunk! Evt. Paris Bar, Diener oder Terzo, nach Lust und Laune!

07. Mai 2024

Neulich im TIVOLI, es war auf einer REISE, bin ich so auf der SUCHE nach einem guten Platz an der Bar, aber WANKELMÜTIG, wie ich leider Gottes bin, zog es mich dann EBEN MAL KURZ doch woanders hin. VERZEIH mir, Jenny, NUR EIN BISSCHEN, und sag es bitte, bitte nicht laut dem KLABAUTERMANN, sondern SAG ES LEISE, das ginge mir sonst sehr gegen meinen STOLZ! Du kannst ihm von mir aus die BALLADE VON DER VERSCHMÄHTEN GELIEBTEN vorsingen, hieß die nicht meiner Erinnerung nach HILDE? Die war mir ja schon immer irgendwie suspekt! Was für ein altbackener Name! Aber meinethalben – gut – Du komponierst ja so oder so UNBEIRRT von irgendwelchen Trends und Ratschlägen Deine Lieder, die hoffentlich nicht nur SEIFENBLASENMOMENTE sind und gleich wieder verpuffen. Sonst käme doch recht schnell mein ALLERNÄCHSTER ZUG! Das war natürlich keine echte Drohung, sondern nur Spaß, so ein kleines GEDANKENSPIEL…!

06. Mai 2024

Jenny Kittmann singt in ihrer Show deutschsprachige Chansons aus eigener Feder von ihren beiden Alben „Großstadtblues“ und „Bargeflüster“, die sie musikalisch mit der großartigen Unterstützung des sehr versierten (und gefragten) Gitarristen, Songwriters und Arrangeurs Hans Rohe umsetzt, der sie dabei auch live begleitet. Nicht nur musikalisch intim, auch was die Texte anbelangt. Die Kompositionen sind sehr persönlich und mäandern zwischen filigranen, sehnsüchtigen Gefühlen, lebensbejahendem Überschwang und allerfeinster Beobachtung subtiler, durchaus auch fragwürdiger Vorgänge im menschlichen Paarungsverhalten und Zusammensein. Da ist garantiert für jeden eine Geschichte mit déjà-vu dabei. Ich kenne ihr Repertoire sehr gut und habe ein paar Lieblingsstücke, die auch zu Gehör kamen. Das Ganze verbindet sie mit einer Fortsetzungsgeschichte zwischen den Stücken. Diesmal dem Weg einer Seifenblase, deren Ende sich jeder vorstellen kann, daher der Titel Seifenblasenmomente. Was so verheißungsvoll durch die Lüfte schwebt, ist leider der Vernichtung geweiht. Eigentlich grausam, aber Jenny überbringt die dunkle Botschaft charmant verpackt, mit Schleife und wissendem Lächeln.

06. Mai 2024

Von der Seite ist immer besser. Kein Mikro durchkreuzt das Gesicht. Gut, dass man im sechs(?)eckigen Saal der Wabe diskret an den Wänden entlang, die Bühne umkreisen kann. Guter Raum.

05. Mai 2024

Langsame Annäherung an die beiden Hauptdarsteller des Abends. Nein, nicht die Stiefeletten von Hans. Die waren aber schon sehenswert. Habe ich ihm auch gesagt. Da ich in der Vergangenheit hin und wieder den einen oder anderen eleganten Herrenschuh inklusive Träger in den Fokus genommen habe, gelte ich zuweilen als Schuhfetischistin. Ich sage es mal so: ich weiß einen eleganten, gepflegten Schuh an einem Mann zu würdigen. Das gibt immer einen kleinen Pluspunkt. Aber ich sehe mir nicht heimlich Fotos von scharfen Herrenstiefeletten im Internet an. Ich hatte mir einen Platz ganz hinten in der Mitte gesucht, rechts vom Mischpult. Bald stellte ich fest, dass die Perspektive nicht ideal ist, frontal zu Jenny, die ich dann immer mit ihrem Mikroständer vor dem Gesicht auf den Fotos hätte. Ich musste mich also bewegen und noch dazu lautlos. Eine Herausforderung für meine neuen Stiefeletten. Um noch einmal auf meine Schuhe zurückzukommen.

05. Mai 2024

Aber erst einmal bin ich es ganz ruhig angegangen, mit den neuen Stiefeletten und habe mich bequem von einem Taxi zur Wabe chauffieren lassen. Der Taxifahrer hat nicht gewusst, dass es die Wabe gibt und wo die ist, zum Glück habe ich mir die Straße und die Hausnummer gemerkt: Danziger Straße 105. Ich war da schon öfter, aber irre immer wieder in dem umliegenden Park herum, wenn ich versuche, auf eigene Faust mit der S-Bahn oder der Tram und dem anschließenden Fußweg hinzukommen, es war also sehr praktisch begründet, ich wollte ja nicht zu spät kommen. Da mich der Taxifahrer direkt zum Eingang gefahren hat – man muss da ein Stückchen auf das Grundstück – hatte ich meinen großen Auftritt. Hans, der Gitarrist, saß draußen im neu eröffneten Biergarten und hat Augen gemacht, dass ich mit dem Taxi vorfahre. Ich fand es selbst fast ein bißchen prätentiös, weil Wabe-Publikum ist eher nicht so unbedingt Taxi-Klientel. Das ist auch bestimmt der Grund, wieso der Taxifahrer die Wabe nicht kennt. Weil nur ich mit dem Taxi hinfahre, sonst niemand! Ich war schön zeitig da, habe mir ein sogenanntes Sommerpils von der Berliner Brauerei geholt, das dort ausgeschenkt wird, und die Show konnte pünktlich losgehen.

05. Mai 2024

Ich habe meine tägliche Berichterstattung nicht vergessen, heute nur etwas später als sonst. Ich beginne damit, wie ich gestern zu Jennys Auftritt losmarschiert bin. Nämlich mit meinen neuen blau-schwarzen Blumen-Stiefeletten, die ich im Internet bestellt hatte, und die zum Glück passen. Ich habe sie gestern eingeweiht und bin recht viel damit gelaufen, keine Beschwerden zu vermelden!

04. Mai 2024

Weil es gerade so schön passt, das Schäferlied mit Versen von Hermann Löns, vorgetragen vom unsterblichen Richard Tauber.

Wenn ich meine Schafe weide
hier auf dieser braunen Heide,
mutterseelenallein, allein
Schatz, dann denk, ich denk, dann denk ich dein.

Wenn der Tauber ruft sein Weibchen,
sein geliebtes Turteltäubchen,
mutterseelenallein, allein
Schatz, dann denk, ich denk, dann denk ich dein.

Wenn die Sonne geht hernieder,
wenn sie morgens kehret wieder,
mutterseelenallein, allein
Schatz, dann denk, ich denk, dann denk ich dein.

04. Mai 2024

Oh là là… wird hier etwa wieder geturtelt? Seit ganzen fünf Tagen hab ich kein Täubchen mehr hier oben im Hinterhof gesehen. Gerade eben komme ich vom Bad und schaue gewohnheitsmäßig kurz zum Balkon mit dem leeren Nest und da sitzen die beiden auf dem Balkon gegenüber, auf dem Paravent meiner Nachbarin, und gucken sich abwechselnd an und in Richtung vom leeren Nest auf meinem Balkon. Ich kann aber nicht erkennen, ob es „mein“ Taubenpaar ist, dem das Ei aus dem Nest geklaut worden ist. Die sehen ja doch alle sehr ähnlich aus, die Ringeltauben. Die zwei hier wirken dicker – aber sie plustern sich auch auf, wenn sie umeinander balzen, hab ich gelesen. besonders das Männchen. Wenn es „meine“ sind, könnte es sein, das sie sich, um den Schrecken zu überwinden, ganz vorsichtig wieder herantasten. Ist ja doch nicht der schlechteste Brutplatz. Wenn es ein anderes Paar ist, werde ich ihnen auf keinen Fall erzählen, was hier neulich vorgefallen ist. Bin nun gespannt, ob das nur ein kurzer Ausflug war oder nun wieder regelmäßig Besuch hierher zu mir kommt.

04. Mai 2024

Liegt da so, seit einem Monat, unfertig. Wieder unfertig. Am 28. Dezember 2023 hielt ich „LUCY IN THE SKY WITH DIAMONDS“ für beendet, „vollendet“. Aber dann realisierte ich nach einigen Wochen, dass der nicht grundierte, blütenweiße Leinenstoff, den ich über Karton gespannt hatte, mit der Zeit so einstauben würde, dass er immer grauer würde und regelmäßiges Entstauben-Müssen eines Bildes auch keine wünschenswerte Konstellation ist. Ich begann dann irgendwann im März mit dem nachträglichen Grundieren zwischen den filigranen Elementen. Einmal war es ganz angenehm, mit der Nase in der Sonne, aber sehr langwierig, weil große Genauigkeit bei den Silhouetten der Mohnkapseln gefordert ist. Ich musste dauernd die Pinselstärke wechseln und zu den letzten Strichen konnte ich mich noch nicht durchringen. Es ist anstrengend, weil langweilig! So liegt es da und wartet auf mich.

04. Mai 2024

Ingeborg Bachmann und Sabine Gruber über Traum-Personal.

Ingeborg Bachmann, Briefentwurf an ihren Psychotherapeuten Dr. Helmut Schulze, ca. Ende 1965, „Male oscuro“, S. 44:

„Wenn ich zurückdenke an die Träume, von denen Sie die meisten nicht kennen, weil sie vor »unserer« Zeit waren, dann fällt mir doch eines auf. Einmal ist in fast allen Träumen M. F. die Hauptperson, immer mit dem Vater verwechselt (bis auf den letzten Traum), oder der Vater, mit M. F. verwechselt, so daß es auf Inzestträume hinausläuft und den Horror davor. Das ist eine Gruppe. Das andre, was ich wenig verstehe: in den meisten Träumen spielt meine Familie eine dominierende Rolle, zum Beispiel war schon ganz früh, in den dramatischen Angstträumen als ich fürchtete, F. würde mich verlassen, meine Schwester anwesend, auch fast immer meine Mutter. Und auch wenn sie hie und da nur Statistenrollen hatten, so fällt mir das doch auf. Denn ich habe doch, auch wenn ich mein Leben hundertmal umwende und dran deutle, nur eine normale Beziehung zu dieser Familie. Ich denke an meine Schwester, wenn sie Geburtstag hat und sonst macht man sich eben die üblichen Sorgen, Krankheit, Alter, Geld etc. Aber ich verstehe nicht, warum in den Träumen immer diese Personen die großen Rollen spielen, niemals die Leute, mit denen ich wirklich zu tun habe. Oder höchstens insofern, daß man sie als Tagesrest abtun kann.) Ich weiß nicht, was diese nette Familie zu schaffen hat in meinen Träumen. Ich träume nie von einem Mann, den ich gern habe, nie von Berufskonflikten, die ich immerzu habe. O heiliger Freud. Das darf doch nicht wahr sein. Ich war ein ganz gewöhnliches Kind, mit einer normalen Entwicklung, in einer normalen Familie. Verstehen Sie mich. Ich bewundre Freud, aber ich habe diese Vorklassik nie ganz akzeptieren können, ich kann nicht einsehen, daß dieses Leben vor dem eigentlichen persönlichen Leben später eine so enorme Rolle spielen soll. Und da steh ich ja nicht allein da, die Wissenschaft bringt doch auch ihre Korrekturen an.“

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Sabine Gruber, „Die Dauer der Liebe“, 2023, S. 59 – 60:

„Thanatos und Hypnos, Tod und Schlaf, wohnen beide im Haus der Nacht, in der Nähe des Flusses Lethe. Schon der Gedanke an diesen Fluß des Vergessens läßt Renata unruhig werden. Denn sich schlafen zu legen, bedeutet, nicht mehr an Konrad denken zu können. Mit jeder Stunde, jedem Tag, werden die Erinnerungen blasser. Und je länger man schläft, desto weniger bleibt Zeit für die Gedächtnisübungen, das Wieder-Holen der Bilder. Der Schlaf ist ein Räuber, er stiehlt nicht nur Leben, sondern auch die Toten. Und selbst auf die Träume, weiß Renata, ist kein Verlaẞ, denn sie schicken meist Menschen, die man gar nicht treffen will.“

04. Mai 2024

„Die Verwandten aus dem Latium überschütten Renata mit SMS. Il mio cuore è con te. Sentite e sincere condoglianze. Oder: Wenn du jemanden verlierst, den du liebst, bekommst du einen Engel, den du schon kennst.“ [Quando perdi qualcuno che ami, ottieni un angelo che già conosci] Sabine Gruber, „Die Dauer der Liebe“, S. 49

Das Bild des italienischen Trost-Kalenderspruchs in Sabine Grubers (sehr autobiographisch inspirierten) Roman rührte mich, aber es meldeten sich sogleich Zweifel an: reicht es denn, jemanden geliebt zu haben, dass er später als Engel für einen tätig wird? Oder müsste es nicht eher heißen, „Wenn du jemanden verlierst, der dich geliebt hat, bekommst du einen Engel, den du schon kennst.“(?) Oder vielleicht sogar noch richtiger: „Wenn du jemanden verlierst, den du geliebt hast UND der dich geliebt hat, bekommst du einen Engel, den du schon kennst.“ (?)

Aber das Gefühl, die Idee an sich, hat schon Wahrhaftiges, gerade wenn man es selbst erlebt, empfindet. Ich fühle so etwas mit meiner schon lange im Himmel weilenden Oma Alma. Da war es große gegenseitige Zuneigung. Bei meinem Bruder nicht so deutlich. Da war auch große gegenseitige Zuneigung, aber ich könnte mir vorstellen, dass er seine Schutzengel-Kapazitäten mehr auf seinen Sohn Valerian richtet. Was völlig ok ist. Ich hab ja Alma.

03. Mai 2024

Heute früh um fünf hat mich ein komischer Vogel aus dem Tiefschlaf geholt. Ich schlafe hier seit fünfundzwanzig Jahren bei offenem Fenster und noch nie hat mich Vogelgezwitscher gestört. Zeitweise hat es sich angehört wie Feueralarm oder ein Rauchmelder. Dann wieder wie ein Wecker. Es war nicht schön und unangenehm hoch. Da muss ein neuer Vogel am Gipsdreieck eingezogen sein. Nach einer halben Stunde war wieder Ruhe und ich konnte weiterschlafen. Habe mir auf youtube mehrere Vogelstimmen angehört, aber nur bei einer so ein minimales Wiedererkennen gehabt. Der NABU hat eine Vogeluhr mit Zwitscher-Beispielen. Ich verdächtige am ehesten den Grünfinken. Ähnlich monoton unmoduliert. Die anderen hören sich ja alle niedlich an. Kann so ein winziger Vogel so viel Krach machen? Ich war kurz davor das Schallschutzfenster zuzumachen. Ansonsten höre ich an sich ausgesprochen gerne das morgendliche Vogelgezwitscher.

03. Mai 2024

Gestern bißchen Boho, bißchen Hippie. Ich freue mich aufs baldige Wochenende. Draußen eigentlich schöne Temperatur, 23 Grad, aber mir zu hohe Luftfeuchtigkeit mit über 50 Prozent. Vorhin war sie noch höher. Fühlt sich klebrig und schwül an. Hoffe, die sinkt noch, bin da extrem empfindlich. Aber so unterschiedlich sind Menschen gebaut – manchen macht hohe Luftfeuchtigkeit nichts oder wenig aus. Viele Länder bereise ich aus dem Grund nicht, weil mich vor der hohen Luftfeuchtigkeit gruselt, am schlimmsten bei hohen Temperaturen. Aber sommerlich warm und ganz wenig Luftfeuchtigkeit ist für mich wie Dom Perignon zum Einatmen.

02. Mai 2024

Die Häuserfront gegenüber meiner Häuserzeile. Noch nie von mir fotografiert. Für Architektur-Freunde interessant: das neuere Haus mit den großflächigen, fast quadratischen Fenstern ist ein Entwurf von David Chipperfield, dem britischen Star-Architekten, der das Neue Museum auf der Museuminsel behutsam restauriert hat. Hier, schräg gegenüber von mir, ist sein Berliner Architekturbüro. Sehr gelungen, wie ich finde, in einer so schmalen Lücke eine großzügig wirkende Fassade zu meistern. Das Foto von oben, mit dem Sonnenschirm, ist aus meinem Küchenfenster aufgenommen. Vor gut zehn Jahren wurde gegenüber das Dachgeschoss ausgebaut und eine Dachterrasse geschaffen. Inzwischen hat das Paar, das dort einzog, zwei Kinder bekommen und ist vor kurzem ausgezogen, und eine neue Familie mit Kindern ist eingezogen. Die Bewohner vorher hatten schickere, großformatigere Kunst an den Wänden. So viel konnte ich von weitem erkennen, wenn sie abends Licht anhatten und die Rollos oben waren. Und es gibt dort Kaminfeuer, das ich von meinem Küchenfenster gut sehen kann. Kuschelig! Die neuen Bewohner heizen den Kamin viel öfter an. Ich habe den rechten Bereich der Terrasse nicht fotografiert, weil ich meinen sonnenbadenden Nachbarn im Bild vermeiden wollte.

02. Mai 2024

Mir sind die Parameter nicht geläufig, ab wann es relevant ist, von einem Trend zu sprechen, aber am gestrigen 1. Mai 2024 gab es im Anita-Berber-Park im Berliner Bezirk Neukölln mindestens zwei Personen, die im Radius von ca. 100 Metern ihre privaten Hängematten an Parkbäumen befestigten, um darin ein Nickerchen zu machen. Möglicherweise waren das Early Adopter eines neuen, heißen Trends. Mir gefällt der neue fancy Trend, weil es meinen Fotos ein gewisses wildromantisches Boho-Flair gibt und keinen Krach macht. Außer, wenn jemand sehr laut schnarcht. Ich selber werde den neuen Trend nicht mitmachen, weil ich Hängematten total unbequem finde, wenn auch sehr hübsch anzusehen! Ich vermute, wenn man das in einem Park in London oder Paris macht, wird einem recht schnell auf die Finger geklopft. Aber Berlin ist hier wie so oft ganz vorbildlich entspannt und libertär – and I approve!

02. Mai 2024

Wieder unten, draußen angekommen, habe ich mir etwas Flanieren im Grünen verordnet. Der auf dem Weg zur U-Bahn gelegene Anita-Berber-Park hat sein maigrünes Kleid angezogen und ich konnte friedliche 1. Mai-Aktivitäten beobachten, die es wohl nie in die Tagesschau schaffen werden: Dösen in der Hängematte. Schließlich ist der Tag der Arbeit nicht zum Arbeiten da! Für meinen Geschmack auch nicht zum Randalieren, aber da hat jeder so seine eigenen Vorlieben. Ich war noch nie auf einer 1. Mai-Kundgebung in Berlin. Als ich vor achtunddreißig Jahren nach Berlin zog, musste ich meiner besorgten Mama viele Jahre am Tag danach am Telefon versichern, dass ich weder verhaftet noch verletzt wurde, weil es ihre Vorstellungskraft sprengte, dass die Randale nur in einer bestimmten Ecke von Berlin über die Bühne ging, wo es mich definitiv nicht hinzog. Was nichts an der Tatsache ändert, dass ich ein riesiger Fan von Ton Steine Scherben und Rio war und bin. Das ist kein Widerspruch. Wie Rio hatte ich auch immer ganz große Solidarität mit der Rebellion der Jung-Arbeiter.

02. Mai 2024

Im Atelier angekommen, bot sich mir auf dem Balkon dieses Bild. Nun könnte man bei diesem Anblick laienhaft urteilen „saftiges Frühlingsgrün auf dem Balkon!“. In gewisser Weise ja. Was da so frisch und grün zu sehen ist, gehört ausschließlich zur Eberesche, die unten auf dem Gehweg gepflanzt ist. Ich freue mich auch sehr an den zu mir rankenden Zweigen, zumal sie das ganze Elend meiner vertrockneten Blumen verschleiern. Das braune Gestrüpp rechts gehört zu einem Bambus, der eigentlich um diese Zeit genauso saftig grün wäre, wie die Blätter vom Baum. Ich habe mich ein bißchen gegrämt und geschämt, dass ich den Regen der letzten Wochen wohl überschätzt habe. Das Gießen vom Balkonkasten und den Töpfen daneben hat eine Weile gedauert, es war alles durchgetrocknet. Nach dem Gießen und die Schachtel Ablegen habe ich noch einen wohlwollenden Blick auf das Bild geworfen, das in der Mitte liegt, noch nicht fertig gemacht. Dann bin ich gegangen und habe dabei den Müllbeutel runtergebracht.

02. Mai 2024

Nach Sonnenbad-Bloggen auf dem Balkon habe ich mir gestern etwas Leichtes übergezogen und bin mit einer Schachtel mit Material Richtung Werkstatt. Aber nicht, um dort zu werkeln, dazu hatte ich überhaupt keine Lust. Die Sorge um meine dortigen Balkon-Gewächse trieb mich hin. Ich war seit bestimmt drei Wochen nicht mehr da und habe deswegen nicht gießen können.

01. Mai 2024

Willkommen im Mai. Ich schreibe auf dem Balkon, der noch ein bißchen Halbschatten hat. Ein herrlicher Sonnentag. Vierundzwanzig Grad, sechsunddreißig Prozent Luftfeuchtigkeit.

Als ich nach dem Duschen am Balkon auf der anderen Seite vorbeikam, fiel mein Blick zum leeren Nest und es gab mir einen kleinen Stich. An so einem herrlichen Frühsommertag mit wolkenlosem Himmel hätte Frau Ringeltaube jetzt vom geschützten Nest auf die sonnige Mauer mit der Jungfernrebe schauen können. Sobald jemand irgendetwas im Nest bewegt, ein Zweiglein anders liegt, wird das Nest als tabu betrachtet und ein anderer Brutplatz gesucht. Der Diebstahl vom ersten Ei hat bestimmt einiges verruckelt, ein dicker Ast, der nicht zum Nest gehört, hing auch fast quer drüber. Ich habe ihn wieder auf die – wie ich meinte – alte Position ausgerichtet, das war vielleicht auch falsch. Aber ich will mir keine Vorwürfe machen, ich habe die Nestruhe pingelig beachtet. Nun werden sie wohl in dieser Brutphase nicht zurückkehren. Ich lasse es erstmal alles wie es ist.

30. April 2024

Vor der Entdeckung des schmerzlichen Verlusts hatte ich mich gerade noch gefreut, weil mir auf dem Heimweg zweimal äußerste Höflichkeit begegnet ist, was hier leider nicht so ganz selbstverständlich ist. Ich ging mit zwei schweren Einkaufstaschen in beiden Händen durch die Hackeschen Höfe, und dann um die Ecke in die Sophienstraße und betrat die Sophie-Gips-Höfe. Im Durchgang kamen mir zwei gut gekleidete, hoch gewachsene Herren entgegen, die sozusagen auf derselben Spur eng nebeneinander liefen. Als ich mich näherte, traten sie bereits zwei Meter vorher wie auf Befehl mit einem höflichen Nicken und freundlichem Lächeln, jeweils ein großes Stück zu ihrer Seite, um mir den Weg freizugeben. Es war, als hätten sich zwei Flügeltüren von Zauberhand geöffnet! Und auf dem ewig bevölkerten Gehweg in der Joachimstraße, da am Gipsdreieck, schlängelte ich mich so durch, eine junge Frau kreuzte meinen Weg, weil sie was in den Papierkorb werfen wollte, wir wären fast ein bißchen kollidiert, aber es ist nichts passiert. Sie entschuldigte sich mehrmals und wollte ganz sicher gehen, dass wirklich nichts passiert ist. So eine freundliche junge Frau! Die darf da gerne öfter rumstehen und zum Papierkorb gehen!

30. April 2024

Mein tiefes Mitgefühl den Eltern zum Verlust von Taubenei 1 von Staffel zwei. Um 17:57 Uhr habe ich nach nach dem frischen Ei geguckt, in froher Erwartung von Taubenei 2. Das Nest ist leer! Unten auf dem Steinboden ist, soweit ich es überblicken kann, auch kein zertöppertes Ei. Es ist also wohl nicht aus Versehen aus dem Nest gekullert, sondern wurde gestohlen! Unter Generalverdacht erst mal alle Krähen! Ist für die Raubvögel natürlich eine Leckerei, so ein frisches Taubenei. Bleibt noch die Hoffnung auf Taubenei zwei. Dann gibt es wieder nur ein Küken im Nest. Hatte mich schon auf Geschwisterchen gefreut.

30. April 2024

Gerade draußen im Halbschatten gegessen, Sonne und lauer Wind. 27 Grad, 33 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ideal. Der laue Wind, Gesicht und rechter Arm in der Sonne, Rest im Schatten. Bei trockener Wärme blühe ich auf. Cordon bleu mit Gemüse, dabei gelesen. „Die Dauer der Liebe“ von Sabine Gruber, gestern angefangen.

30. April 2024

Bei der Gelegenheit wollte ich vorhin gleich mal einen Blick auf den Fortschritt des gestern Abend noch etwas unförmigen Nests werfen und beugte mich übers Balkongebüsch. „What a difference a day makes….!“ Da liegt das vollendete, erste, frisch gelegte Ei in einem standesgemäß runden Nest. Frau Ringeltaube war über Nacht fleißig. Zwischen dem Foto vom noch leeren Nest gestern Abend und denen hier liegen vierzehn Stunden. Das Nest in Form zu bringen, ist Chefsache von Frau Ringeltaube. Herr Ringeltaube schafft das Baumaterial ran und hilft zu gleichen Teilen beim Brüten und Babysitten und Füttern. Sie teilen sich eine Vormittags- und eine Nachmittagsschicht. Ich bin ein bißchen stolz, dass ich das wichtige Ereignis gleich mitbekommen habe! Nun werde ich morgen und übermorgen weiter aufmerksam sein, denn das zweite Ei wird im Abstand von zwei Tagen nach dem ersten gelegt. Es sind immer zwei! Und wir sind ganz vorne mit dabei!

30. April 2024

Vorhin wollte ich mal ein erstes Portraitfoto aus der Nähe von Frau Ringeltaube machen, die scheinbar die Nacht im frischen gebauten Nest verbracht hat. Sie saß da so in aller Ruhe auf dem Nest, im Profil. Ganz, ganz vorsichtig habe ich die Balkontür aufgemacht, in Zeitlupe. Aber das allerkleinste Geräusch oder ein kleiner Reflex von der Balkontürscheibe ist Anlass zum wegfliegen. Sie hat sich aber gleich wieder niedergelassen und sich auf die Rückwand vom Balkon gegenüber gesetzt. Deswegen kann ich zuverlässig sagen, das es sich hier um die Verehrte von Herrn Ringeltaube handelt, der die Zweige für das Liebesnest herangeschafft hat. Er hat einen weißen Fleck am Hals, sie fast einen weißen Ring. Die Kreaturen haben ein ganz feines Gehör und gute Augen. Wer sie verscheuchen will, muss nur ein Windspiel aufhängen, das Gewackel und Geklimper können sie nicht leiden, sie wollen Ruhe.

29. April 2024

Zweite Staffel, erste Folge vom großen BRAVO-Foto-Liebesroman „Love is in The Air“. Mitte-Hipster Ringeltaube baut seiner Liebsten ein Liebesnest auf meinem Balkon. Der noch nicht ganz fertige Haufen Ästchen zeigt schon eine Rundung, vor allem in der Draufsicht, die ich aber nicht so gut einfangen kann, ohne mich zu verrenken. Das künftige Liebesnest ist an der Außenseite vom Balkon, rechts unten, hinter dem Fliederbusch. Fortsetzung folgt!

29. April 2024

Erstes Häppchen nach dem Heimkommen, zufällig sogar vegan (korrespondierend ein Gläschen eiskalten Crémant): Maiswaffeln mit Meersalz, darauf Zwergenwiese Zwiebelschmelz, Salz, grob gemahlener schwarzer Pfeffer, Schnittlauch und riesige Salbeiblätter vom Balkon (natürlich von meinem Holländer). Sehr appetitanregend!

29. April 2024

Frühlingsgefühle auf meinem Balkon! Die Eltern von Struppi haben gerade wieder ihr kleines Liebesnest gebaut. Diesmal werde ich die beiden noch umfassender stalken und meinem Voyeurismus freien Lauf lassen! Letztes Jahr haben sie zum ersten Mal im Juni bei mir gebrütet und den kleinen Struppi auf die Welt gebracht.

Ringeltauben brüten angeblich drei- bis viermal pro Jahr, zwischen Februar und Oktober. Dann gibt es diesmal vielleicht zwei kleine Mai-Täubchen. Seit gestern ist das Blumenkasten-Nest mit frischen Zweiglein gepolstert, es ist schon schön rund. Fotos zeige ich später. Das Bild hier ist mein letztes von Struppi, bevor er im Juli 2023 flügge geworden ist und sein Nest verlassen hat. Ich hatte erst gestern noch darüber nachgedacht, ob ich den Blumenkasten dieses Jahr mal wieder bepflanze, obwohl ich schlecht rankomme, weil schon alles so zugewachsen ist. Dann hatte ich aber im Hinterkopf, dass Tauben-Paare gerne ihr Nest an derselben Stelle haben, wenn sie eine gute gefunden haben. Und voilà: heute früh fiel mir auf, dass Frau Ringeltaube wieder auf dem Blumenkasten sitzt und Herr Ringeltaube Zweiglein bringt. Da ist was im Busch!

29. April 2024

Gestern bin ich fremdgegangen. Ich hatte mal Lust auf einen anderen Holländer, den am Treptower Park. Er hat auch einiges zu bieten, kann aber nicht mit meinem Holländer vom Westend mithalten. Es besteht keine Gefahr, dass ich meine langjährige Beziehung mit dem Westberliner Holländer aufgebe. Er ist viel großzügiger und ruhiger und überhaupt insgesamt attraktiver. Der Holländer vom Treptower Park ist mir zu hektisch. Beide zeigen sich auch sonntags offen für Besuch. War mal ein Versuch…!

28. April 2024

Balkon Balkon. Im Süden nur sonnenliebende Gewächse. Lavendel, Salbei, Thymian, Trommelstöckchen, Rosmarin, Schillergras, Senecio ficoides. In all den Jahren habe ich viel probiert und gelernt, welche Pflanzen heiße Sonne gut vertragen. Das klingt vielleicht trivial, weil es ja auch immer bei den Pflanzen dransteht, welcher Standort ideal ist, aber ich wollte schon manchmal den Standort ein bißchen diktieren, weil ich mir ein bestimmtes Gewächs dort schön vorstellte. Die spielen nicht mit.

28. April 2024

Obsowanisch. Gaganisches Adjektiv, bezeichnet eine nicht näher eingrenzbare, schwer beschreibbare Eigenschaft. Oder so ähnlich. Bin gerade aufgestanden, das einzige, was mir vom nächtlichen Traum blieb, war „obsowanisch“. O-Ton: „(Soundso) ..ist obsowanisch.“ Wer oder was jedoch obsowanisch war, ist für immer im Nirwana meiner Traumwelt versunken. Klingt für mich leicht afrikanisch. Aber der Traum hatte nichts mit afrikanischer Kultur zu tun. Google kennt das Wort leider auch nicht:

„Ungefähr 0 Ergebnisse (0,14 Sekunden) Es wurden keine mit deiner Suchanfrage – obsowanisch – übereinstimmenden Dokumente gefunden.“

Aber es gibt ja noch andere Suchmaschinen! Gestern wurden mir Ecosia und MetaGer empfohlen, die auch eine gute Verknüpfung zu eigenen Maps haben. Ecosia reagiert etwas anders auf meine Frage nach „obsowanisch“. Es erscheint eine Liste mit Suchergebnissen, in denen mein Traumwort nicht vorkommt, aber minimial ähnliche Buchstabenfolgen. Ganz oben:

– Osmanisches Reich – Wikipedia

– Badische Wörter – die Top 10 für Einsteiger | PONS

– Schwäbisches Wörterbuch und Schwäbisches Lexikon
Über 12.000 schwäbische Wörter, Ausdrücke, Schimpfworte, Sprichwörter und Redensarten – alles auch zum Anhören!“

Gibt es ein ähnliches schwäbisches Schimpfwort? Ich bin da leider nicht firm, fürchte aber, dass der Teaser für das Suchergebnis „oberschwäbisch“ ist. Die Suchmaschine MetaGer behauptet keck 17.500 Suchergebnisse, on top:

– Osmanisches Reich – Wikipedia

– Ischias: Symptome, Behandlung, Prognose – NetDoktor.de

– Ische‎: Bedeutung, Definition einfach erklärt Wortbedeutung

– Lieferando.de | Essen bestellen – Lieferservice & Takeaway“

Es muss nicht immer Japanisch oder Chinesisch sein, einfach mal mutig sein und obsowanische Spezialitäten ausprobieren! Schönen Sonntag aus Obsowanien.

27. April 2024

Erklärung, warum bei Adresseingaben in Google nur noch ein kleiner Ausschnitt vom Stadtplan gezeigt wird und keine Verknüpfung zu googlemaps. Fiel mir nun schon eine Weile als so unbequem auf, so dass ich mal gegoogelt habe, woran das liegt. Der Stern-Artikel erklärt es. Neue EU-Datenschutz-Richtlinie.

26. April 2024

Auch von Lydia. Ich habe dort gar keine Fotos gemacht, aus dem einfachen Grund, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte. Die Einladung von Danielle hatte ich gestern erst gegen Vormittag in meinem Postfach entdeckt. Ich schaue nicht jeden Tag hinein. Da war ich schon in Charlottenburg und wollte nicht noch mal heim.

25. April 2024

Leider letzte Nacht keine Fortsetzung des Traums mit dem Nils Glagau-Doppelgänger. Aber ich erinnere mich diffus, was mir stattdessen geboten wurde. Ich war Teilnehmerin einer Reisegruppe, die aus ca. zwanzig Damen bestand. Weder kann ich erinnern, wohin die Reise ging, noch was mich zur Teilnahme veranlasste. Meiner Erinnerung nach war ich mit keiner der Frauen vorher bekannt oder freundschaftlich verbunden.

Die Atmosphäre war irgendwie zwanghaft und unterschwellig angezickt. Vielleicht war es eine Studienreise, deren Thema mich so sehr interessierte, dass ich meine frühere Abneigung gegen Gruppenreisen dafür über Bord warf. Ich erinnere mich hauptsächlich an die Unterkunft und intrigante Vorgänge.

Wir waren in einer Art Herrenhaus untergebracht, das in einem eleganten, historischen Landhausstil ausgestattet war, wie ein sehr edles Jagdschloss, holzgetäfelt, Brauntöne. Bei der Ankunft gab es hektische Aktivitäten und Verhandlungen, wer welches Zimmer belegen darf.

Die Reisegruppe war ungefähr im Alter zwischen Ende Dreißig bis Ende Fünfzig, es gab keine ausgewiesene Reiseleitung, aber eine Dame hatte sich selbst zur Führungskraft erhoben und verhielt sich wie eine Chefin, die Privilegien beanspruchen darf, was zu atmosphärischen Spannungen und geteilten Lagern führte.

Sie preschte beim Betreten der Unterkunft mit Stechschritt nach vorne, um sich schneller als der Rest einen Überblick über die attraktivsten Zimmer zu verschaffen. Es gab keinerlei Personal, das sie aufgehalten hätte. Schnell war sie durch, hatte alle Türen aufgerissen und war bis zum letzten Flur gelangt. Im hintersten Bereich entdeckte sie eine Suite, die alle anderen Gemächer in Größe, Raffinesse und gehobener Ausstattung weit übertraf.

Sie preschte jedoch nicht alleine nach vorne, sondern hatte sich im Verlauf der Anreise bereits zwei Verbündete erschlossen, die sie flankierten und willig waren, ihren Anweisungen zu folgen, da sie sich davon persönliche Vergünstigungen versprachen.

Während der Rest der Gruppe sich noch in gemäßigtem Tempo in den vorderen Räumlichkeiten orientierte, kam das Trio bereits zurück, um zu verkünden, dass sie in der Suite im hinteren Bereich einziehen werden. Der Rest der Gruppe schaute perplex und teilweise auch verärgert. Es wurde gegrummelt, aber niemand wagte es, aufzubegehren und die aggressive Beschlagnahmung in Frage zu stellen. Die Ausstrahlung der selbsternannten Führerin hatte eine gefährlich bedrohliche Qualität. Ich empfand die Situation als beträchtliche Zumutung. Angewidert wachte ich auf.

[Fotos aus meinem Fundus: Belvedere und Otto-Wagner-Villa von Ernst Fuchs, Wien]

24. April 2024

Letzte Nacht fast amouröse Verstrickungen. Ich war bei einem Event in einem großen, alten Theater-Saal. Neben mir saß ein Mann, geschätzt etwas jünger als ich, der ziemlich genau wie Nils Glagau aussah, das ist einer der Investoren in der Sendung „Die Höhle der Löwen“. Es gab einen kurzen Blickkontakt, weiter saß auch niemand in den Reihen und es ergab sich eine Konversation, von beiden Seiten eher zurückhaltend, fast lauernd.

Ich dachte darüber nach, ob ich ihn attraktiv finde und falls ja, ob er mich attraktiv finden könnte. Aufgrund der kontrollierten Körpersprache war ich mir darüber überhaupt nicht im Klaren. Obwohl er längere Haare hatte, fand ich ihn doch recht passabel. Es war noch keine richtige Langhaarfrisur, eben wie bei Glagau, so dazwischen.

Aufgrund meines Alters wollte ich mich auf keinen Fall mit Avancen aus dem Fenster lehnen und es bei einer gepflegten, unverfänglichen Konversation belassen, so lange er nicht explizite Avancen durchblicken ließ, was ich meinte, an entsprechenden Blicken eruieren zu können.

Er erzählte, dass er in Berlin – wie ich auch – in Mitte gelebt hätte, und dann nach Dresden gezogen sei. Entweder war der Grund ein finanzieller Engpass oder ein Arbeitsplatzwechsel. Was er arbeitet, hat er nicht erhellt. Dann erzählte er, dass er nun wieder in Berlin leben würde, auch wieder in Mitte, er aber seiner Wohnung in Dresden nachtrauert. Er beschrieb bauliche Details der Wohnung in Dresden und deren ansprechende Lage.

Warum nun dieser Rückzug nach Berlin notwendig war, habe ich nicht verstanden, fand es insgesamt eine recht kuriose Konstellation, die ich nicht nachvollziehen konnte. Zumal es nicht so einfach ist, eine bezahlbare Wohnung in Berlin Mitte zu finden.

Ich stand dann (aus mir nicht ersichtlichen Gründen) auf und befand mich im Theater-Restaurant mit historischem Interieur, in dem es samtige Séparées in Elfenbein, Gold und Bordeauxrot gehalten gab.

In einem davon saßen seine engsten Familienangehörigen, nämlich seine Mutter, seine Schwester und eventuell noch ein Bruder und noch zwei weitere. Etwa fünf Personen, auf einer ins muschelförmige Séparée eingebauten, samtenen Bank eng nebeneinander.

Die Mutter schaute mich interessiert an, auch die Schwester. Dann stand sie – oder die Schwester – sie sahen sich extrem ähnlich (schlank, mittelgroß, gepflegte, dunkelblonde, glatte Pagenkopf-Frisur mit Seitenscheitel) – auf, und eine der beiden ging auf mich zu, um mich näher kennenzulernen.

Wir flanierten durch das alte Theatergebäude und sprachen über alles Mögliche, aber vor allem aber ihren Sohn bzw. Bruder. Ich hatte den Eindruck, sie würde mich als eine passende Partnerin für ihren anscheinend als Single lebenden Sohn/Bruder erachten und ließ mir wohlwollende Blicke zuteil werden. Es war fast wie ein Bewerbungsgespräch, bei dem mir immer wieder allergrößtes Wohlwollen signalisiert wurde.

Nun wusste ich aber immer noch nicht, ob der Kandidat überhaupt Interesse an mir haben könnte, dafür war die vorangegangene Konversation mit ihm zu kurz und zu verhalten. Ich dachte darüber nach, ob ich der Mutter/Schwester eine Visitenkarte mit meinen Kontaktdaten geben sollte, damit irgendeine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme sichergestellt wäre.

Ihm selbst direkt meine Karte zu geben, hätte ich mich nicht getraut, da ich mich nicht aufdrängen wollte, zudem war er auch gar nicht in der Nähe. Hinzu kam, dass ich selbst unsicher war, wie attraktiv ER überhaupt für MICH ist. Um das zu beurteilen, hätte ich ihn ein bißchen länger und aufgetauter erleben müssen.

Ich hatte mich nun innerlich durchgerungen, auf jeden Fall der Mutter/Schwester meinen Namen und meine E-Mail-Adresse zu geben, aber ich kam nicht mehr dazu, weil ich blöderweise aufgewacht bin.

Habe gerade überrascht festgestellt, dass Nils Glagau zehn Jahre jünger ist als ich. Dachte, er sei ungefähr meine Altersgruppe. Der Mann im Traum war aber ja eh ein anderer, also egal!

23. April 2024

Ich schaue gerade die erste Folge der neuen Staffel „Sing meinen Song“, scheint eine gute Gruppe zu sein, niemand dabei, der mir unsympathisch ist (gabs auch schon, mehrfach…).

22. April 2024

Konversation mit im Home Office tätiger Kollegin:

ich: „bin zurück… gab Zürcher Geschnetzeltes mit Butterreis, hat komisch gerochen, aber gut geschmeckt 🙂“

sie: „Dann hoffe ich, dass es dir morgen gut geht…😊“

21. April 2024

Guten Sonntagmorgen! Habe gerade kleine Freude über neue Wettervorhersage. Sonnenschein auf dem Balkon. Vielleicht bleibt sie ein bißchen. Zweite Tasse Kaffee und Obstsalat mit Apfel und Orange und Quark mit Sahne. War gestern zu bequem zum Einkaufen, sonst wären Weintrauben und Joghurt drin. Dann will ich mich zurechtmachen und vor die Tür gehen. Müll und Flaschen mit runter nehmen. Und vorher dem weißen Ehrenpreis einen Platz geben, die Triebe einzeln in die kleinen Balkonbeete pflanzen, beim weißen Flieder und der Schneeballhortensie. Ich mag Gewächse gerne gestreut, nicht säuberlich getrennt und gebündelt, mehr so wie auf einem verwilderten Grundstück, wie ganz zufällig!

20. April 2024

Souvenirs, Souvenirs… aus Mailand von Lydia und die CD „Stubete“ des aus Zürich stammenden Berliner Chansonniers Marc Ottiker. Lydia war in der Mailänder Scala zur Callas-Ausstellung und hat mir diesen Flyer in einer versiegelten Depesche überbracht. Der Inhalt der CD muss erst noch exhumiert, also erschlossen werden, bin gespannt. Ich habe noch ein CD-Laufwerk auf meinem alten Toshiba-Notebook, hoffe, das Gerät erkennt den Datenträger. Dann zieh ich es Lydia auf USB oder Mail. Whatever!

20. April 2024

Von links nach rechts die Herren Daniel Klaus und Klaus Ungerer, die zartfühlende Passagen aus ihren Liebesnovellen „Valérie“ und „Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben“ lasen, rechts Chansonnier Marc Ottiker, im vergangenen Jahrhundert aus der Schweiz imigriert, er trug drei subtile Weisen vor, u. a. ein neues Lied, das Hedy Lammar, im Hintergrund gebeamt, gewidmet war.

19. April 2024

Information zu meiner heutigen Abendgestaltung: ich begebe mich gegen 19:30 Uhr in die Veteranenstraße 21 (in Mitte) zur Location „Lettrétage“ (im ACUD) um einer Veranstaltung namens „Wenn alte weisse Männer zu sehr lieben“ beizuwohnen. Eintritt frei! Lydia wird auch da sein.

Beschreibung des Veranstalters „Salon Schelf“:

„Liebe, was war das noch mal? Wie sehr schmerzt, wie sehr verdummt sie? Können alte weiße Männer noch erkennen, was sie lieben? Sind es am Ende nur Hunger, Hormone und zu viele schlechte Filme, die das Blut in wehmütige Wallung bringen? Gibt es die leidenschaftliche, einmalige, schicksalhafte Liebe bis dorthinaus – oder ist sie nur Blendwerk derer, die nichts wirklich empfinden? Will am Ende jeder nur 1x in den Arm genommen werden, egal von wem, am besten eigentlich von sich selbst?

Daniel Klaus und Klaus Ungerer lesen Passagen aus ihren Liebesnovellen „Valérie“ und „Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben“ und versuchen dabei, ganz stark zu sein. Chansonnier Marc Ottiker streichelt la Gitarra und singt, bis du dahingeschmolzen bist und vielleicht sogar noch alle über alles reden. Über die Liebe und die Sehnsucht, und wie sie den Blick verschleiern auf diese schönen Menschen, neben denen die alten weißen Männer dahinleben.“

Das klingt doch recht apart!

18. April 2024

Ich war gerade auf einen Sprung bei meinem geliebten Holländer, hinten beim Olympiastadion, in der Trakehner Allee. Er hat mich noch nie enttäuscht. So hat er mich auch heute mit den allerherrlichsten Blumen empfangen. Ich bin dann mit den reizendsten Gewächsen von ihm gegangen: Anatolische Nelke (Dianthus Anatolicus, sieht aus wie ein Mooskissen), einem großen, stolzen Ehrenpreis (Veronica gentianoides ‚Tissington White‘), einem dicken, großen Busch Salbei (Salvia Officinalis), Silberkraut (Cerastium tomentosum), Waldmeister (Galium odoratum) und imposant hochgewachsener Wolfsmilch (Euphorbia characias ‚Silver Swan‘). Sind alle winterhart. Bin ganz verliebt…!

17. April 2024

Adieu, Jüdischer Friedhof Weißensee. Sechsundvierzig Einträge, aber nicht zu jeder der zweihundertdreißig Aufnahmen. Ich schließe mein Album und sage Shalom. (Shalom heißt: Frieden.)

17. April 2024

Damen-WC, Friedhof Weißensee. Nach 3½ Std. Spazierengehen, Gräber sehen, musst ich mal für kleine Mädchen gehen, um die Heimreise zu überstehen! Händewaschen: immer gern geschehen.

17. April 2024

Wenn man einen jüdischen Friedhof verlässt, an der Schwelle zu den Lebenden, ist es geboten, die Hände zu waschen. Ich wusste das nicht. Erst viele Jahre nach meinem Besuch, beim Betrachten der Bilder, gab mir das kleine Außenwaschbecken mit dem Krug in der Mitte (in der Nähe der WCs, die reguläre Handwaschbecken haben), zu denken. Die rituelle Waschung der Hände heißt „Netilat Jadajim“. Wikipedia erklärt: „Um „Verunreinigung durch den Tod“ zu entfernen: Nachdem man an einer Trauerfeier teilgenommen hat, wenn man einen Friedhof betrat, oder sich bis zu vier Ellen einer Leiche genähert hat. Beim Verlassen des Friedhofs wird die Handwaschung dreimal vollzogen; es ist üblich, die Hände danach nicht abzutrocknen.“ Allerdings besuchte ich dafür die Toilette.

17. April 2024

Letzte Eindrücke vom Jüdischen Friedhof Weißensee. Er beherbergt 115.000 Grabstellen und ist damit der größte jüdische Friedhof in Europa und einen längeren Besuch wert. Für männliche Besucher gilt das Gebot der Kopfbedeckung auf dem Friedhof. Es muss aber keine Kippa sein. Wer nicht jüdischen Glaubens ist, kann einen Hut oder ein Basecap oder eine andere Mütze tragen. Kippas gibt es auch leihweise im Blumengeschäft am Eingang. Ein weiteres Gebot ist, keine Schnittblumen auf Gräbern zu hinterlassen, aber auch Blumentöpfe sind unüblich. Überall sieht man Kieselsteine, die als Gruß auf Gräbern hinterlassen werden. Sie gelten als nicht verrottbar, das ewige Leben soll gefeiert werden. Viele Artikel gibt es im Internet zu jüdischer Sepulkralkultur und zu diesem besonderen Ritual, die Erklärungen sind vielfältig.