
Bilder vom Luxor International Airport, die Ankunftshalle. Wenn man nicht auf dem Sprung wäre (vorbestellter Fahrer), könnte man sich diese erstaunliche Architektur in Ruhe von allen Seiten besehen. Beim Landeanflug sah ich eine andere Seite des Gebäudes und war schwer beeindruckt. In (metallisch gold glänzenden? – so kam es mir vor) Versalien steht L U X O R als Überschrift über den ornamentalen Cutouts. Wow. Das Tal der Könige mit den weltberühmten Ausgrabungsstätten von Howard Carter, allen voran das Grab von Tutankhamun, die Prozessions-Allee mit den Widdern und Sphinxen, die vom Karnak- zum Luxor-Tempel führt, der Tempel von Hatschepsut. Ja, alles schon irgendwann mal gehört, auf atemberaubenden Bildern gesehen.

Aber dass es ein bemerkenswertes Flughafen-Empfangsgebäude gibt – zumindest was die Silhouette und Fassade angeht – nie je davon gehört. Die Temperatur in Luxor war mit fast 33 Grad auf dem Monitor im Flieger höher als in Kairo ausgewiesen. Wir landeten mit einer gut halbstündigen Verzögerung um 15.35.

Ich hoffte inständig, zügig zum Ausgang zu kommen, wo hoffentlich der Fahrer wartete. Aber ganz sicher war ich mir da nicht. Die Empfangshalle ist kleiner als in Kairo, man stand, kaum hatte man die Halle betreten, bereits am Baggage Claim, wo die Koffer und Rucksäcke etwas rumpelig aus dem Gepäckschlund aufs Band gespuckt wurden. Ich fragte direkt einen uniformierten Herren, ob ich als Deutsche mit Visum, das vor einigen Tagen in Kairo ausgestellt wurde, nun durch eine besondere Kontrolle müsste, Zoll oder dergleichen? Er lächelte warm und auch leicht amüsiert – nein, nichts dergleichen sei erforderlich. da alles bereits in Kairo erledigt, und nun könne ich direkt mein Gepäck vom Band nehmen und das Gebäude verlassen. Wie angenehm!
Zwar wurde vom gebuchten Fahrdienst garantiert, dass die Fahrer den Flug monitoren und nach der Landung noch 45 Minuten warten. Was mitunter auch mal knapp werden könnte, sofern es sich um eine erste Einreise mit Visa on Arrival handelt und längerem Warten aufs Gepäck und Zollkontrolle. Aber ob in diese 45 Minuten auch beliebig lange Lande-Verzögerungen eigerechnet werden, da war ich unsicher. Also gleich meinen schönen neuen Koffer holen. Nach vier, fünf Minuten kam er. Es gibt nur ein Band für sämtliche Flüge. Ich hatte mir von dem hilfreichen Mitarbeiter gleich die Richtung zum Ausgang zeigen lassen, so spurtete ich zur Ausgangstür, wo bereits Fahrer mit Namensschildern und hochgehaltenen Smartphones standen.
Der dritte Fahrer in der Reihe war schon meiner, Er hatte es clever mit seinem Smartphone gelöst, in extrem großen Druckbuchstaben, die das ganze Display füllten. Ich brauchte meine Lesebrille nicht mal. Große Erleichterung. Ich sagte dem jungen Mann, der sich als Mohammed vorstellte und unverzüglich hilfsbereit meinen Koffer übernahm, wie froh ich war, dass er da sei, da es mir beim ersten vorgebuchten Shuttle nicht gelungen war, den Fahrer zu finden.
Man muss sich den Pick up Point in Kairo mit einer riesigen Gruppe von Fahrern vorstellen, von denen nur die wenigsten handgemalte oder gut leserlich gedruckte Namensschilder hochhalten, damit das ankommende Schäfchen sofort erkennt, wer nun der richtige Fahrer ist. Ca. 85 Prozent halten ihr Smartphone mit der Buchungsbestätigung in winzig kleiner Auflösung in die Luft. Einfach schrecklich. Dafür bin ich zu alt. Aber nun war ja Mohammed da.
Das Auto stand nicht weit weg und hatte sogar seitlich eine Fahrzeugnummer. Seine Dienstbereitschaft beruhigte mich. Und er konnte gut verständliches Englisch sprechen. Ganz viel Erleichterung machte sich in mir breit. Die Sonne ging gerade unter und ich staunte, wie grün Luxor ist. Wir fuhren schon auf den ersten Metern an Grün und Palmen vorbei, keine trostlose, zubetonierte Strecke, wie man sie sonst häufig von Flughafenzubringern kennt. Der Nil und Menschenhand, landschaftlicher Gestaltungswille, zaubern dieses gepflegte Grün.
Es war noch warm, aber wieder mit einem lauen Wind. Ich fühlte sofort, dass Luxor ein ruhiger, sehr entspannter Ort ist. Kein Vergleich zur Mega-City Kairo. Einwohnerzahl Kairo: 9,5 bis 10,5 Millionen Einwohner, bzw. mit dem zur Kairoer Metropolregion gehörenden Gizeh und Vororten um die 20 bis 27 Millionen Einwohner. Dagegen Luxor: 480.000 Einwohner. Ich nahm es als ein gutes Zeichen, dass die Ankunft so geschmeidig über die Bühne ging und holte tief, tief Luft.
Diese Luft, der sowohl in Kairo, als auch Luxor in Wetterapps tagtäglich schlechte Qualität bescheinigt wird. Für Kairo mag es dort zutreffen, wo der heftige und dichte Autoverkehr den entsprechenden Beitrag leistet. Aber sobald man in Wüstengefilden ist, ist davon wenig zu merken. Ich wunderte mich als frühere Asthmatikerin umso mehr, dass ich die Luft bereits in Kairo mir zuträglich empfand. Müsste ich nicht extra empfindlich reagieren? Keinerlei Behagensminderung. Diese herrlich niedrige Luftfeuchtigkeit verdreht mir den Kopf wie in frischer Verliebtheit.