

Bilder vom Cairo Airport – Ausblick aus der Abflughalle Gate F31. Schon uninteressantere Flughafen-Architektur gesehen. Als ich genug geschaut hatte, holte ich mein Notebook raus, um mir die Wartezeit zu verkürzen und tippte – offline – das nun Folgende:

„Airport Cairo, 5. November 2026, 13.06 Uhr. Warten aufs Boarding für den Flug nach Luxor. Sitze in der Abflughalle für Gate 31. Das offene WLAN vom Flughafen funktioniert leider nicht. Auch das offene von der VIP Lounge zeigt kein Signal. Heute morgen wars auch im Hotel wieder weg. Um 14 Uhr geht der Flug mit Air Cairo. Hätte ohne Hilfe schon den Check-in-Counter am Flughafen nicht gefunden. Ein Glück, dass der vorab gebuchte Fahrer pünktlich am Hotel war, konnte aber so gut wie gar kein Englisch, mit Händen und Füßen verständigt, die Route war zwar bekannt, aber da ich kein Internet hatte, hab ich die Terminalnummer nicht checken können. Riesiger Flughafen. Aber man kann jeden ansprechen, es wird immer geholfen.
Gibt einen allgemeinen Sicherheitscheck am Zugang für Inlandsflüge, dort schiebt man das Aufgabegepäck und das Handgepäck zusammen durch, Schuhe ausziehen und dann Body Check durch Frau. Alles ok. Dann erst kommt der besondere Check in für den jeweiligen Flug am Schalter der entsprechenden Airline. Bevor man den Bereich der Abflughallen betritt, gibt es nochmals einen Scan des Handgepäcks. O.k. Habe eine kleine Colaflasche aus Plastik im Handgepäck, das war kein Hinderungsgrund, obwohl ja Flüssigkeit.
Was aber angeblich immer stark kontrolliert wird, ob man irgendwelche Souvenirs in Form von Steinen etc. im Gepäck hat. Gestern hatte ich bei einer der Pyramiden einen Stein aufgeklaubt, der garantiert nicht von den Pyramiden stammt, weil organisch geformt, eben ein schöner Stein. Hab dann aber noch wohlweislich gegoogelt, ob ich den mitnehmen dürfte. NO WAY.
Andererseits habe ich das auch schon bei den Auflagen von anderen Ländern gesehen, glaube, die USA haben das auch. Da habe ich aber sehr arglos zwei sehr besondere Steine aus der Wüste in Utah und vom Antelope Canyon im Rucksack geschmuggelt. Keine Halbedelsteine, eben besondere aus Sandstein oder Kalk, der eine ist sogar zweifarbig, terrakottafarben und weiß, aus zwei verschiedenen Gesteinsarten. Also ich kam durch, obwohl die Sicherheitschecks damals, 2004 beim Abflug ab Frankfurt nach Newark ungeheuer streng waren, ein regelrechtes investigatives Verhör musste man sich da über sich ergehen lassen. Umso überraschter war ich dann, das nach der Ankunft alles easy und charmant war, nur Freundlichkeit und immer flott durchgewunken worden. Auch beim Wechsel zum Anschlussflug nach Las Vegas keine Hinderlichkeiten in irgendeiner Form.
13.23 Uhr. Ich schreibe das gerade vor in eine Textdatei, hab den Flugmodus schon an, da ja eh kein Internet. Langsam legt sich die Anspannung, war wieder hochgradig aufgeregt den ganz Morgen. Eines ist sicher: wenn ich noch mal so eine Reise mache, werde ich niemals mehr einen Fahrer zur Abholung am Flughafen vorher buchen. Dieses komplizierte Verfahren, sich dort am Pick up Point zu finden, ist mir viel zu viel Stress. Einfacher wärs, hätte man ein Uber, aber die Ubers dürfen nicht in dem Bereich vom klassischen Pick up-Point abholen, sondern nur von einem Parkplatz, der umständlich weit ist.
Mit dem SIM-Karten-Wechsel hat es bei mir leider nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. Ich hab da eventuell eine versteckte Einstellung nicht richtig eingestell, kein VPN oder doch VPN, whatever. Ich brauch es auch bislang kaum. Jedenfalls sollte man immer eine SIM-CARD kaufen, die nicht nur Internet sondern auch eine ausländische Telefonnummer mit drin hat. Hab ich nicht gemacht. Nützlich war mir das Smartphone aber beim Zutritt zum GEM. Hatte mir im Hotel, wo ich WLAN hatte, das zugesandte Ticket aufs Phone runtergeladen und konnte es ohne Netz vorzeigen. Uff. Ich geh mal zum Boarding.“
Komischerweise war das Gate in einer oberen Etage ausgewiesen, vielleicht gibt es da parallel eine Brücke, um Flugzeuge der egyptair zu entern, aber mein Flieger von Air Cairo hatte das Boarding ebenerdig. In meiner Verwirrung frage ich dann den erstbesten mit einer uniformartigen, irgendwie informiert wirkenden Erscheinung, der schickte mich radebrechend nach unten.
Da gabs dann etwas Wartezeit, ein halbes Stündchen Delay, weil ein Flieger nach Hurghada auch schon später abgefertigt wurde. Aber alle bleiben immer ganz ruhig. Ich starrte auf das Display, es war schon kurz vor unserer Abflugzeit, da stand immer noch das Boarding für Hurghada dran. Mit der üblichen scheinbar angeborenen – oder anerzogenen Geduld wurde ich beschwichtigt.
Ich werde gerne beruhigt. Das gefällt mir. Die junge Frau von der Rezeption beim Auschecken aus dem Hotel Pacha sprach auch mit mir, als wäre sie von Beruf Seelsorgerin. Sehr angenehm. Es wird dann auch immer gleich ein Getränk oder Gebäck angeboten. Allerdings keine alkoholischen Drinks, die sind aus religiösen Gründen zu meiden, deswegen wird Alkohol auch nur in wenigen, besonders lizenzierten Lokalen und Restaurants ausgeschenkt. Im Supermarkt gibts auch nix in der Richtung, außer bei „Drinkies“, DER Kette mit Sonderlizenz für Stoff.
Ich hatte u. a. auch deshalb mehrfach überlegt, im Mena House einen Tisch fürs Dinner zu reservieren, dort gibt es auch Wein und Bier und alles mögliche andere, aber dann kam ich drauf, dass das Mena House, dieses legendäre Hotel, ebenfalls mit Pyramidenausblick, nicht mehr das ist, in dem sich früher alles abspielte. Das historische Gebäude ist schon eine Weile unzugänglich, wegen dauerhafter Renovierung. Das neue ist schon auch sehr gepflegt und hat schöne schwarzweiß-Fotos von der Geschichte des Hotels an den Wänden, aber es ist halt nicht durchtränkt von der Aura der Legenden, die dort logierten. Wobei Neubau auch nicht mehr so ganz stimmt, Ende der Siebziger wurde der langgestreckte Bau errichtet.
Eigentlich wollte ich jetzt gar nicht ausgiebig erzählen, wo ich NICHT war. Interessant beim Warten auf den Bus, der über das Flugfeld zum Flieger fährt, war das Publikum. Ähnlich wie die Pyramiden-Besucher sind einige darunter, die eine gewisse romantisch-nostalgische Ader zu haben scheinen, was ich an der Reisegarderobe ablese. Viele mit Feinsinn und Bedacht gekleidet, in Leinen und Naturtönen, channeln den Style aus Howard Carters Ausgrabungszeiten um 1922. Gefällt mir.
Manche Frauen tragen auch Goldschmuck, der aussieht wie Repliken aus Pharanonengräbern. Am lustigsten war allerdings, dass eine Japanerin einen dicken Lockenwickler in der Pony-Haar-Region hatte, wohl um später einen schönen rund gebauschten Pony spazieren zu führen. Oder trägt man jetzt Lockenwickler als Styling-Zubehör? Vielleicht in Japan? Vergessen wird sie ihn sicher nicht haben, denn sie war nicht allein, und wenn ich ihr Begleiter gewesen wäre, hätte ich ihr in dem Fall schon mal einen Tipp gegeben.
Als ich das Ticket von der ägyptischen Mitarbeiterin von Air Cairo bekam, fragte sie mich gar nicht, ob ich am Fenster oder sonstwo speziell sitzen möchte. Mir wurde einfach Sitzplatz 19 D zugeteilt. Das war dann kein Fensterplatz, sondern am Gang. Neben mir saß ein leicht moppeliger, ruhiger Mann, der wirkte, als ober er von einem geschäftlichen Termin zurückfliegt. Wir haben aber nicht gesprochen, uns nur mal anfänglich kurz freundlich zugenickt. Er ist dann auch eingenickt.
Die Stewardessen, besonders eine, hatte ein apartes Uniformkleid an. Schon die Farbgebung war ungewöhnlich. Ein graues, auf Figur geschneidertes Kleid, fast im Stil der Fünfziger Jahre, Rock bis übers Knie, in der Farbe Grau mit knallorangem, asymmetrischen Kragen und schicken, stulpenartigen ebenfalls knallorgangen Manschetten. Außerdem ein goldenes, wohl eingesticktes Abzeichen auf der Brust, in Form einer Federschwinge. Sah richtig adrett aus. Die Flugbegleiterinnen hatten keine das Haar verdeckende Kopfbedeckungen. Es sei denn, das waren nicht die echten Haare, sondern Perücken. Sah aber nicht danach aus. Ich erwähne das, weil recht viele muslimische Frauen und Mädchen in Ägypten ihr Haar bedecken.
Die einstündige Flug verging schnell und mein Puls ging wieder hoch, angesichts der neuen Herausforderungen am für mich auch wieder neuen Flughafen von Luxor. Würde ich gleich begreifen, wo ich hin muss? Muss ich nochmal meinen Reisepass und das Visum zeigen? Durch die Zollkontrolle? Ähnlich wie bei der Einreise in Kairo? Fragen über Fragen! Fortsetzung folgt. Ich bin jedenfalls nun im legendären Luxor and this is really something. Stay tuned.