
Jenes geheimnisvoll illuminierte Haus auf dem Kulm steht scheinbar auf dem Anwesen Badstr. 13, wo eine Gedenktafel an den Aufenthalt von Bernhard Lepel, einem engem Freund von Fontane erinnert. Ich stellte unwissend einen direkten Zusammenhang her. Falsch. Zufällig habe ich hier ein weiteres Mal die Villa Meeresstern eingefangen, diesmal von ihrer rückwärtigen Seite. Das Haus zur Gedenktafel existiert gar nicht mehr. Es stand wohl weiter links, genannt „Säulenhaus„. Stattdessen ist dort seit ca. 1890 die Villa Schering, die mir nicht auffiel. Vielleicht hinter hohen Bäumen versteckt, verdeckt.

Gardeoffizier Bernhard von Lepel, oft als Fontanes bester Freund und sein literarischer Mentor bezeichnet, selbst dichtend, mietete sich im Sommer 1851 mit Gattin zur Sommerfrische in jenem Säulenhaus ein und teilte Fontane in einem Brief vom 18. August 1851 mit: „Unser Haus ist das einzige am Strande; wenigstens ist keins so deutlich zu sehen. Es liegt auf dem Gipfel der Düne und hat fünf Säulen an der Giebelseite, die dem Meer zugekehrt ist.“

Bei Fontane rief die Schilderung Erinnerungen an seine Jugend wach und so schrieb er drei Tage später, am 21. August 1851 an Lepel: „Das Haus, das Du in Heringsdorf bewohnst, kenn’ ich ganz genau; in dem großen Vorderzimmer hab’ ich als 15jähriger Faulpelz oft bewundernd gestanden, wenn Eduard Devrient und seine Wirthin, die dazumal bildschöne Comerzienräthin Krause am Klavier spielten, sangen und deklamirten. Draußen aber, nach dem Walde zu war es noch schöner; – da lief ich stundenlang dem schönen Backfisch der schönen Frau nach, hatte Herzschmerzen, wenn ich die Gemüthsruhe der jungen Dreizehnjährigen sah, die saure Kirschen und aus der Speisekammer gestohlne Backpflaumen aß, während ganz andres Verlangen mir die Kehle zuschnürte.“ Diese prägenden Ferienaufenthalte in Heringsdorf spiegelte Fontane später in seinen Werken Effi Briest und Oceane.

Ich verließ den Kulm, vorbei am abgefallenen(?) Schild der Villa Florian, Badstraße 2 und der eleganten Leuchtreklame für die drei alten Strandvillen mit den ehrwürdigen Namen Bethanien, Lug ins Meer und Königsgabe, zu finden in der Badstr. 11.

