Jetzt schlägts dreizehn. Ich sehe ein Filmwerk aus dem Jahre 1960. Virtuose Szenenbilder, tolle Ausstattung, ernsthaft ambitionierte Schauspieler. Farbfilm. Herrliche Aufnahmen aus Sizilien. Einfache, schnörkellose Dialoge, aber die Schlichtheit gut von den Darstellern überspielt. Fred Bertelmann in der Hauptrolle – insgesamt für mich überraschend gefühlvoll. Leichte Ähnlichkeit mit Sebastian Koch. Verstehe erstmalig überhaupt seine Attraktivität für eine weibliche Fangemeinde, die auch meine Mama für ihn Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger schwärmen ließ. Sie war richtig verknallt in ihn, ich dachte als Kind immer nur an seinen albernen Schlager „Der lachende Vagabund“ und hielt meine Mutter für gestört. (Entschuldige, Mama.)

Was mich aber gerade eben wirklich befremdete: eine der ersten Szenen im Film „Gitarren klingen leise durch die Nacht„, zeigt eine junge Frau, eine Tänzerin, Kollegin die für ihn schwärmt und sicher eine Affäre mit ihm hatte und nicht darüber hinwegkommt, dass er eine andere zu heiraten gedenkt. Sie nimmt Tabletten, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Das wird auch nicht ins Lächerliche gezogen.
Konkret befremdet haben mich verschiedene Begrifflichkeiten in der Beschreibung des Films auf Wikipedia, Zitate aus Kritiken wie: „(…) ist ein österreichischer Schlagerfilm. (…) anspruchsloses Liebes-, Lach- und Landschaftsfilmchen; inszenatorisch auf entsprechend niedrigem Niveau. (…) Cinema ordnete den Film als „Schlagerschnulze“ ein und bezeichnete ihn als „niveau- und belanglose Trällerorgie (…) „Der muntere Film (…)“.
Es ist nicht als psychologisierendes Drama à la Ingmar Bergman inszeniert, aber schon differenzierter als eine „Trällerorgie“. Einen Selbstmordversuch in einem reinen Lachfilmchen zu verwursten, so geschmacklos war man 1959 nicht. Mag auch sein, dass ich mittlerweile altersmilde mancher Filmkunst dieser Jahre gegenüber stehe, nicht unerheblich der Freude an den hervorragenden Darstellern geschuldet. Meine geliebte Vivi Bach ist auch dabei.