Auch ein Ritual, das ich noch nie mitgemacht hatte: einen Ballon mit einem Wunsch steigen lassen. Alle Hochzeitsgäste bekamen einen in die Hand und es ging auf die inzwischen sonnige Terrasse. Richard stand mit seiner Frau neben mir, er hatte plötzlich drei Ballons in der Hand, obwohl die Zuteilung auf einen für Paare limitiert war. Einer Auflage gemäß dürfen nicht mehr als 90 Ballons in den Himmel steigen. Er guckte irritiert und musste kichern. Wir haben ein bißchen was geraucht, ich glaube aber nicht, dass das ausschlaggebend dafür war, dass es allen so wunderbar metaphysisch vorkam, wie die Ballons in die Unendlichkeit flogen. Mein Wunsch war ein dicker Kuss auf die Karte, die dranhing, keine großen Worte. Ich rauche so selten was, ich hatte richtig Lust drauf und fand es auch nostalgisch schön, dass es im vertrauten Kreis immer noch so selbstverständlich kultiviert wurde. Früher hätte man wahrscheinlich überlegt, ob man das überhaupt schreiben kann, wegen diffuser Befürchtungen, dass demnächst die Polizei bei einem klingelt. Die Zeiten sind zum Glück vorbei.

Alle Fotos von Dorit Lacusteanu

Eine Antwort auf „02. August 2022

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