Eigentlich habe ich nie aufgehört zu malen. Wenn ich die Kamera hielt, war es im Grunde nur ein besonderer Pinsel. Die Motive waren leichter lesbar, weniger geheimnisvoll, aber immer erhebend. Immerhin nähere ich mich dem besonderen Pinsel wieder mit neuer Unbefangenheit, ohne ihn in den Fokus zu stellen. Ich habe es mir gewünscht, wieder unbefangen Bilder damit einzufangen. Das ist mir lange nicht möglich gewesen.

Es wäre unsinnig, wenn gerade ich auf ein visuelles Medium verzichte, wo es mein ureigenstes Sein ausmacht, mich in sichtbaren Welten auszudrücken. Ich spaziere manchmal durch meine sechzigtausend Fotografien und wundere mich. Einige Motive erinnere ich gar nicht mehr und sehe sie wie zum ersten mal. Sobald ich dann weiter durch die Reihe gehe, den Kontext sehe, die vollständige Serie, fällt mir alles oder vieles wieder ein.

Diese Gräser in der Abendsonne wehten auf der großen Düne im Tal des Schweigens auf der Kurischen Nehrung. Ich war dort an meinem zweiundvierzigsten Geburtstag. Allein unterwegs, wie meistens auf meinen Reisen. Ich war glücklich an diesem Tag, an diesem Ort. Ich bin lange nicht mehr durch die Welt gereist, aber durch mein inneres Universum grenzenlos. Heute ist mir ein Tier begegnet. Ein großes, in meinem Atelier. Ich war perplex. Ich werde es fotografieren, wenn es fertig geschlüpft ist.

Eine Antwort auf „24. Mai 2020

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