Gaga Nielsen, „GOTT – Wenn Dreiecke einen Gott hätten, hätte er drei Ecken.“ Acryl, Textmarker, Papier auf Bandana, 22 x 31 cm

Wieder ein ungeplantes Zufallswerk, das tadellos auf den Scanner passt. Es ist einwandfrei ein Abbild von Gott, wie ich ihn mir vorstelle. Das habe ich aber erst bemerkt, als das Bild schon fertig war, so geht es mir meistens. Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich da mache. Normalerweise male ich ja viel größere Bilder, aber der kleine Gott wollte auch auf die Welt. Und das begab sich so.

Am Sonntag, also vorgestern, war ich irgendwie verkatert, jedenfalls fühlte es sich so an (dabei hatte ich gar nicht über Gebühr getrunken) und hatte so gar keine Lust in meine Werkstatt zu fahren. Ich schlief bis um drei am Nachmittag, da konnte ich dann immerhin aufstehen, duschen und mich anziehen und zurechtmachen, aber ich war dann doch nicht in der Stimmung mich auf den Weg zu machen.

In der Wohnung gibt es ja auch immer was zu tun, und ich rahmte ein paar kleinere Bilder neu und hing sie um. Dabei fiel mir so ein eher unattraktiver Metallrahmen für A 4-Format in die Hände, den ich so nicht verwende. So ein Standard-Bilderrahmen hat ja eine Papprückwand und ist ein stabiler Untergrund, wenn man so will. Nun hatte ich die Idee, das kleine Teil mit Stoff zu überziehen, um es als Mini-Leinwand zu verwenden.

Nun war aber guter Rat teuer. Ich habe keine Stoffreste. Stoffservietten, die sich dafür auch gut eignen, hatte ich schon mal verarbeitet. Das einzige Stückchen Stoff, das mir in den Sinn kam, war ein kleines blaues quadratisches Hals-Tüchlein, auch Bandana genannt. mit so kleinen weißen Ornamenten und Kringeln, das ich noch nie getragen habe, ich glaube es war mal bei einer Veranstaltung zur Deko in einem Brotkorb, jedenfalls habe ich es nicht gekauft. Klebstoff hatte ich auch und klebte das blaue Bandana-Tüchlein über den Rahmen.

Eigentlich wolte ich es dann in die Ecke packen und das nächste mal mit in meine Werkstatt nehmen, um es gnadenlos weiß zu grundieren und dann irgendwas darauf zu malen. Aber das kleine Ding wollte woanders hin.

Ich schaute den ganzen Nachmittag und Abend Filmdokus über Picasso, da gibt es schöne Sachen auf youtube. Nebenher wollte ich mich aber doch noch irgendwie beschäftigen und ich sortierte meine übrigen Postkarten und fand einen kleinen Ausdruck von einem großen Bild, das ich vor siebzehn Jahren mal auf Leinwand gemalt habe.

Der Ausdruck hatte ein paar Knicke und Risse im Papier und ich schnitt nur das mittlere Objekt mit der Nagelschere aus. Es war Orange und Blau. Ich legte es mitten auf die blau bespannte Minileinwand und es passte irgendwie ganz gut zusammen. Nur die verspielten weißen Ornamente störten mich etwas. Ich holte einen türkisblauen Textmarker und färbte die ganzen weißen Kringel um, das gefiel mir schon viel besser.

Mit einem alten weißen Lackmalstift, der fast keine Farbe mehr hatte, malte ich ein paar Strahlen, immer an den kleinen Arabesken vorbei. Dann kam ich nicht mehr weiter, weil mir Farbe fehlte. Ich habe nur ein paar Textmarker und Faserschreiber in meiner Wohnung, keine Farben zum Malen.

Ich schaute noch mal in meiner kleinen Kiste, wo auch Tesafilm und Kleber ist. Und da war zufällig ein Mini-Rest goldene Acrylfarbe, die ich mal mit in die Wohnung genommen habe, um eine abgestoßende Stelle an einem Rahmen auszubessern. Im Deckel war ein dicker Pinsel, wie man das von Nagellackfläschchen kennt. Eigentlich wollte ich gar kein Gold verwenden, aber es war die einzige Farbe, die ich nun gerade griffbereit hatte, und Nagellack wäre noch unpassender gewesen. Ich konnte einfach nicht warten, bis ich wieder in meiner Werkstatt bin, ich musste pinseln! Eine höhere Macht zwang mich dazu!

Ich schaute dabei die super Doku „Picasso – Kunst als politische Waffe“ und malte unter Zwang goldene Vierecke. Als ich noch Dreiecke malen wollte, war nach einem die Farbe alle und der Film war aus.

Also musste ich mich in mein Schicksal fügen und schlafen gehen, obwohl das unbeabsichtigte Zufallsbild nicht fertig war. Aber nun wusste ich, wo es hinwill. Am nächsten Tag habe ich es mit in meine Werkstatt genommen und die Dreiecke fertig gemalt. Und die übrigen etwas lästigen Girlanden, die man noch gesehen hat, mit schöner blauer Farbe übermalt.

Ich fand es dann doch ein bißchen magisch und sah ein, dass man manchmal einfach nicht seinen Willen durchsetzen kann, wenn so ein Bild meint, es will goldene Drei- und Vierecke haben. Vielleicht ist es ein bißchen kitschig, aber der Kontrast von Orange und Blau mit dem Gold hat schon was. Und wer bin ich, mich dem Willen von Gott zu widersetzen.

Ich glaube, das könnte auch wieder eine kleine Postkarte abgeben. Ich denke, ich kaufe heute Nachmittag ein paar Briefmarken. Die Empfänger werden diesmal nach einem streng geheimen Losverfahren ausgewählt.

11 Antworten auf „21. April 2020

  1. Wenn ich es so anschaue, erinnert es mich auch an den Kartoffeldruck, den wir im Kindergarten gemacht haben. Quasi in der Erwachsenen-Luxus-Edition. Schade, dass der Scanner das Gold nicht so richtig rüberbringt, man muss es sich einfach vorstellen.

  2. Ich mag die Farbkombination. Generell gerne. Und ich weiß nicht, was daran kitschig sein soll. Ok, in der naiven Malerei würde diese Farbkombi vielleicht tatsächlich sehr kitschig wirken (stelle mir gerade Katzen von Rosina Wachtmeister in dieser Kombi vor). Aber abstrakte Kunst lebt ja nun mal in der Regel genau über Farbkontraste und Formen.

  3. das ist aber auch sehr schön… es gibt bei einigen meiner Bilder großen Interpretationsspielraum, ich höre mir das meistens sehr gerne an und lasse mich wiederum davon inspirieren, weil ich sowieso oft gar nicht das Gefühl habe, dass ich mir die Bilder ausgedacht habe.

  4. @Zucker
    Du hast (wie so oft) recht. Es ist aber schon eine Art Gratwanderung beim Einsatz von Gold nicht ins Überkandidelte, Überladene abzudriften. Das lässt sich gut durch klare Linien ohne Häkelborten ausgleichen. Für mein Empfinden muss da immer eine „Schaufel Dreck“ hinein, oder wenigstens eine Spur davon, besser gesagt, etwas archaisches, damit man nicht so einen Vibe von preisgünstigem Bling Bling, Effekthascherei produziert. Braucht schon Fingerspitzengefühl. Ich habe zugegebenermaßen in den letzten beiden Jahren sogar sehr viel mit Gold gearbeitet und auch gelernt, Blattgold zu verarbeiten. War eine schöne Erfahrung. Das hat mich vollends mit dem Zaubermetall versöhnt. Der Titel deines Buches trägt ja sogar das Gold in sich, ich bin mir sicher, du hast die Magie schon vor mir begriffen.

  5. Eigentlich bin ich ja mehr so der Silber-Typ und mit goldenen Putten und überladenen barocken Golddekos kann man mich jagen, auch wenn mir der historische Wert dessen bewußt ist, wenn es sich um originalgetreue Rekonstruktionen handelt. Ich weiß nicht, ob du schon mal in der neu aufgebauten Frauenkirche in Dresden warst. Ich war dort mal zu einem Konzert und fand das viele Gold darin absolut gräßlich. Aber dezent eingesetzt, kann es auch viel Leuchtkraft bringen. Ich mag zum Beispiel sparsame goldene Girlanden und Akzente in alten Ikonenbildern.

  6. genau, was du sagst: dezent eingesetzt, kann es viel Leuchtkraft bringen.

    Ich trage zum Beispiel (wenn überhaupt) fast nur Silberschmuck, ich verband Goldschmuck als junges Mädchen immer mit protzigem Beiwerk von etwas konservativen Damen. Nein, ich war weder in der Frauenkirche, noch in Dresden überhaupt. Obwohl ich einiges über die Stadt weiß. Ich verbinde damit eine diffuse Düsternis und erinnere auch Bilder von noch rauchgeschwärzten Mauern. Die politischen Tendenzen dort ziehen mich auch nicht hin, wenn es auch von alten Barockpalästen und Kuntschätzen strotzt. (hatte außerdem in den vergangenen Jahren eine privat bedingte Befangenheit). Genau: bei Ikonenbildern findet genau eine Art der Verwendung statt (flächig überwiegend, aber doch schlicht), die die übrigen Bildbereiche aufwertet. Meist ist es ja die Aureole.

  7. Also auch wenn ich das Innere der Frauenkirche gräßlich finde, ist Dresden für mich eine wunderschöne, geradezu magische Stadt. Daa kann man aber vermutlich nur spüren, wenn man sich selbst dort bewegt, Bilder können das meist nicht ganz so einfangen. Und es gibt dort auch noch andere Baustile als Barock, aber selbst das Barock hat beeindruckende und schöne Bauten geschaffen. Der magischste Ort in Dresden ist die versteckte Neptun-Grotte und gleich danach kommen die „geheimen“ Gärten am abfallenden Elbufer. Ich verlinke dir mal mein Dresden-Album: https://flic.kr/s/aHsjGvbjbE

  8. aber dafür müsste man eine aufgeschlossene Grundhaltung und Grundsympathie haben… ich ertrage ja schon den Dialekt nicht. Da wo dieses Weingut Schloß Wackerbarth ist, bei den Weinbergen ist es auch sehr lauschig, wie man auf Videos und Fotos sieht, aber ich habe eine absolute Dresden-Sperre (möchte hier nicht in private Details gehen)

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