Gestern, am 6. Januar 2020 habe ich eine schöne Postkarte aus Portugal bekommen, aus der Hauptstadt Lissabon! Die Karte wurde am 8. Dezember 2019 geschrieben und verschickt. Also war sie dreißig Tage unterwegs. Da ich sehr romantisch bin, stelle ich mir vor, wie die Karte in einem schönen alten, von Hand gewebten Postsack sorgsam von einem feschen berittenen Boten in einer schönen Uniform, abgeholt wurde, der recht bald mit der kostbaren Fracht zum Hafen am Rio Tejo Fluss galoppiert ist.

Dort wurde der Postsack in ein schönes altes Postschiff gepackt, das Kurs auf Mitteleuropa genommen hat. Viele Wochen ging es nun auf hoher See durch winterliche Stürme, man machte Halt in Hafen von Bilbao im Königreich Spanien, wo auch die Vorräte für die Mannschaft mit der einen oder anderen spanischen Spezialität aufgefüllt wurden, nachdem sich die Fässer mit dem guten Madeira-Wein dem Ende neigten.

Von da ging es weiter nach Le Havre im herrlichen Frankreich, wo der Schiffskoch insbesondere die Rotweinvorräte erneuerte, um die nun anstehenden vielen Tausend Seemeilen mit Kurs auf den Hamburger Hafen mit Hilfe von bestem Bordeaux gut zu überstehen.

Nun ward das gute alte Postschiff nach vielen Wochen heil dort angekommen, und an der weihnachtlich geschmücken Hafeneinfahrt wartete bereits ein ebenfalls berittener, holsteinischer Kurier auf einem weißen Schimmel, um mit dem Postsack zum großen, berühmten Postverteilzentrum der alten Hansestadt zu reiten.

Alsbald wurde der große Postsack in aller Ruhe sorgsam ausgeleert und die vielen Liebesbriefe und Postkarten von fleißigen Händen mit einer goldgefassten Lupe begutachtet und sortiert, dabei wurde sich auch Zeit genommen, die vielen interessanten Briefmarken aus aller Herren Länder zu bewundern. Auch die Motive der Postkarten wurden von allen Arbeitern gewürdigt und manch eine liebe Nachricht in einer kleinen Kaffeepause laut vorgelesen und dabei herzlich gelacht oder anerkennend genickt. Die Briefe blieben überwiegend verschlossen, das gebietet der Anstand.

Nun wurden neue, kleinere Postsäcke aus feinstem Leinen bestückt, auf denen geheimnisvolle Zahlen standen. Das waren die Postleitzahlen. Diese waren von großer Wichtigkeit für den Kutscher, der zur Abendstunde mit der gelben Postkutsche mit dem von Hand aufgemalten schwarzen Posthorn, vorfahren würde, um all die kleinen Säcklein aufzuladen.

Der Kutscher trug einen schönen großen Zylinder und einen Frack. Auch hatte er ein warmes Wams aus Schaffell dabei, um den winterlichen Temperaturen zu trotzen, denn die Postkutsche war nicht geheizt. Das Wichtigste für ihn war, dass die kleinen Postsäcklein schön im Trockenen lagen, damit die Tinte auf den Postkarten nicht von Regentropfen verschmiert werden würde. Das war für ihn auch eine Frage der Berufsehre!

Um die vielen Meilen zwischen Hamburg und Berlin gut zu überstehen, und seinem treuen Gespann immer wieder die nötige Ruhepause zu verschaffen, wurden viele Pausen eingelegt, wo die Pferde getränkt und gelobt wurden, und der Kutscher eine kleine Brotzeit einahm.

Auch wurde ein- bis zweimal auf der langen Kutschfahrt Biwak gemacht, bei Ludwigslust und bei Wittenberge, wo es in den einfachen Herbergen und Schänken auch einen guten Tropfen zu verkosten gab und die Wirtstöchter gerne den Geschichten des wenn auch nicht mehr ganz jungen, doch noch lebenslustigen Postkutschers aus dem hohen Norden ein Ohr schenkten und in der anstehenden Silvesternacht auch die kalten Füße wärmten.

Nun ward es also Neujahr geworden und es hieß Abschiednehmen. Die Töchter winkten der Postkutsche noch lange hinterher, bis sie nicht mehr zu sehen war, und träumten fortan bei ihren Handarbeiten von den fernen Städten, von denen der wackere Geselle von der holsteinischen Post am Kaminfeuer so schön erzählt hatte.

Unser Kutscher traf indes bereits im schönen Postdam ein, wo er immer gerne war, und sich gerne mit den königlichen Kutschern im Park von Sans Souci auf ein Schwätzchen bei einem wärmenden Schnaps einfand, bis es weiter ging in die große Hauptstadt.

Die Pferde waren frisch getränkt und in leichtem Galopp näherte sich die Kutsche dem Brandenburger Tor. Da fuhr unser Kutscher besonders gerne durch, es war ein majestätisches Gefühl. Und schon sah er die goldene Kuppel des Berliner Schlosses, nun war es nicht mehr weit, für das kleine Postsäcklein mit der Postleitzahl 10119.

Wir schrieben nun den sechsten Januar des Jahres Zweitausendundzwanzig und ordnungsgemäß lieferte unser treuer Kutscher die Postsäcklein für Berlin im Hauptbezirk von Berlin ab, wo abermals fleißige Hände die Säcklein den bereits wartenden, selbstverständlich ebenfalls berittenen Kurieren in der stolzen preußischen Uniform übergaben.

Der schönste Kurier von allen, ein groß gewachsener, gut gebauter junger Mann hatte die Aufgabe, das Postsäcklein mit der Nummer 10119 zu öffnen und persönlich an den handschriftlich vermerkten Adressen zu übergeben.

So begab es sich, dass am gestrigen sechsten Januar eine Postkarte aus Lissabon mit einem schönen Lichtbild von einem portugiesischen Palast mit blauen Kacheln eingeworfen wurde, die ich in den Abendstunden aus dem Postkasten holte. Sie war wie neu und die Tinte war kein bißchen verschmiert.

Ich bedanke mich aufs Allerherzlichste bei der Absenderin, meiner Freundin Ina, die nun nach langen Reisen durch Europa wieder in ihrer Heimatstadt eingetroffen ist, sowie dem treuen Postkutscher aus Hamburg und der wackeren Mannschaft auf hoher See. Und allen berittenen Kurieren, in Lissabon, in Hamburg und ganz besonders dem feschen Boten aus Berlin!

13 Antworten auf „07. Januar 2020

  1. C. Araxe – 7. Jan, 20:52
    30 Tage ist doch fix. Quasi eine Expresszustellung. Denn die wohl längste Zustellung einer Postkarte hat 83 Jahre gedauert. Von Brüssel in die flandrische Provinz. Da haben die Postkutscher eine etwas längere Pause gemacht.

    g a g a – 7. Jan, 20:57
    ich nehme an, in der etwas längeren Pause wurden mehrere Kinder und Kindeskinder gezeugt, die in guter alter Postkutschertradition den schönen Beruf fortgeführt haben. Vielleicht ist unser Hamburger Kutscher sogar einer der Enkel. So schließt sich der Kreis!

    P.S. das mit Express ist vollkommen richtig, denn es steht ja schon auf der modernen Briefmarke vermerkt!

  2. Ina Weisse
    Ich möchte noch berichten, dass ich die Postkarte in einen wunderschönen roten Briefkasten geworfen habe, auf dem stand – natürlich auf portugiesisch – Leerung täglich. Insofern muss Gaga recht haben mit ihrer Geschichte über eine Postkarte, die sie am Ende zu Fuß erreichte

  3. Stimmt. Heutzutage wird ja alles paparazzt:

    Und die berittenen Kuriere sind sogar das Wahrzeichen der portugiesischen Post!

    und das ist die Postkutsche:

  4. kid37 – 15. Jan, 00:01
    Die Briefmarke beweist, daß die Karte mit der berühmten Lissaboner Tram geliefert wurde. Die „28“. Aus Erfahrung weiß ich, daß die in den engen Gassen nicht so schnell unterwegs ist. (Aber schnell genug.)

    g a g a – 15. Jan, 00:18
    Ach so? Hm… so neuartige Fahrzeuge kenne ich gar nicht. Neulich im Filmtheater gab es einmal einen Bericht in der Wochenschau über die Wuppertaler Schwebebahn. Ich hätte da ja Angst herunterzupurzeln!

  5. kid37 – 15. Jan, 16:31
    Keine Sorge. Das passiert nur kleinen Elefanten.

    g a g a – 15. Jan, 16:54
    und so große dicke Elefanten wie ich bleiben in der Tür stecken?

  6. „kleiner Elefant“:
    „(…) Die junge Elefantenkuh bestieg am 21. Juli 1950 um 10:30 Uhr den Schwebebahnwagen Nummer 13 in der Station Alter Markt in Wuppertal-Barmen für eine Fahrt in Richtung Wuppertal-Elberfeld, für die zuvor fünf Fahrkarten zweiter Klasse gelöst wurden, vier für das Zirkustier (!!!!) und eine für den Begleiter Franz Althoff. Der Wagen war überfüllt und als Tuffi sich umdrehen wollte, es aber nicht konnte, kletterte sie auf einen Sitz, der unter ihrer Last zusammenbrach.

    Aber danke, dass ich nun gelernt habe, wer Tuffi war. Auch ein sehr hübscher Name, der mir zum Beispiel besser gefällt als die derzeitigen Modenamen für Mädchen. Maxie finde ich auch noch schön. Aber Tuffi ist Spitze. Die Geschichte auch! Internet bildet eben doch!

    Die Charité hat mir im Oktober einen dicken Brief geschrieben, mit lauter Zahlen und Werten und auf einer Seite von dem dicken Brief steht schwarz auf weiß, dass ich übergewichtig bin. Das ist nicht gelogen. Ich habe geschluckt und mir gedacht, ein Glück, dass ich so eine gefestigte Persönlichkeit bin, die den BMI-Quatsch schon lange nicht mehr für ernst nimmt, aber wenn ich ein junges unschuldiges Ding wäre, dessen Freundinnen bei Insta Bikini-Bildchen herzeigen, würde ich vielleicht die Schlankheitskrankheit kriegen, die so viele junge Mädchen haben. Dabei hat mir die Charité noch im September beim Untersuchungstag extra bestätigt, dass BMI veraltet ist und meine Bauchdecke mit Ultraschall vermessen, um zu schauen, wieviel Zentimeter dick das Bauchfett ist, und da haben sie gesagt, ich bin in meiner Altersgruppe im Bereich der 25 Prozent, die einen relativ niedrigen Bauchfettwert hat. Wird in Zentimetern gemessen. Obere und tiefere Bauchdecke. Aber ich wiege mich ja nie, weil es blöde Zahlen sind, die da rauskommen, und wollte beim Zwangswiegen nicht wissen, wie schwer ich bin. Und wo der dicke Brief gekommen ist, hab ich die Zahl doch gesehen und mich geärgert. Aber ich esse einfach weiter. Heute gibt es selber gemachten Kartoffelsalat mit fetter Mayonaise!

  7. P.S. die Tuffi-Postkarte ist voll schön, aber ich glaube, dass sie jemand zusammengeklebt hat, weil im Wikipidia drinsteht, dass lauter Reporter dabei waren und keiner ein Foto gemacht hat, vor lauter Aufregung über den Tumult. Und unten draußen war vielleicht auch nicht gerade jemand zur Stelle, weil ja keiner gewusst hat, dass Tuffi rausspringt. Aber total schön, die Postkarte. Wenn ich so eine mal kriegen würde, würde sich die sehr toll in meiner Sammlung machen. Ich würde sie in Ehren halten! (Und vielleicht mit einer Knut-Postkarte antworten!)

  8. kid37 – 17. Jan, 21:37
    Der BMI ist doch nur bei gemäßigter Körpergröße von Aussagewert, meine ich. Bei Menschen, die recht groß (oder wie: recht klein) sind kommen da rasch absurde Zahlen raus. Und führt dann sicher leicht zu Zwangsverhalten. Ich bin froh, daß ich nicht mehr jung bin und mich da irgendwie messen muß. Bin allerdings jetzt doch unsicher, ob meine Rollen am Bauch tatsächlich Muskeln sind.

    kid37 – 17. Jan, 21:41
    Die Presse war einfach nicht auf Zack – und Wuppertal ist so arm, daß dort keiner ein Mobiltelefon hatte. Zum Glück hat ein Grafiker diesen historischen Moment nachempfunden festgehalten und Tuffi zur ikonischen Heldin gemacht (die Elefantendame ist im hohen Alter im Pariser Zoo verstorben, was auch cool ist. Denn die Schwebebahn, aus der sie fiel, wurde von einem Schüler Eiffels konstruiert.) Das ist übrigens auch das Geheimnis, warum ich so stark bin: Als Schüler bekamen wir immer die gute „Tuffimilch“ von den Milchwerken Bergisch Land.

    g a g a – 17. Jan, 22:11
    Ein Kubikzentimeter Fett wiegt 0,94 g, während ein Kubikzentimeter Muskeln 1,05 g wiegen. Ich habe bestimmt sehr viele Kubikzentimeter Muskeln (vom vielen Einkaufstüten tragen, die Flaschen mit dem guten Schaumwein sind doch recht schwer)!

    Tuffimilch gibts immer noch! Ich bin auch sehr stark, obwohl ohne Tuffimilch aufgezogen. Glück gehabt! Als Kind wollte ich keine Milch trinken, nur Kaba!

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