Aus meinem goldenen Notizbuch XIX.
05. Juli 2019:

„S 7 – bizarres Dekolleté, Frau ca. Anfang Fünfzig
(alles nach oben gedrückt, Busen fängt direkt unter Hals an)“

Eine Beobachtung zum Thema Passform von Büstenhaltern. Die Dame mir gegenüber in der S 7 präsentierte sich in einem Ensemble aus schwarzer Hose, schwarzem T-Shirt mit V-Ausschnitt oder so ähnlich, und etwas martialisch angehauchtem Finger-, Arm- und Ohrschmuck sowie einigen Tätowierungen. Ingesamt wirkte das Outfit wie der Brite sagen würde, etwas „dated“, aber nicht im Sinne des deutschen Wörtchens „altbacken“, sondern, als ob das Verfallsdatum etwas überschritten wäre. Die Dame machte den Eindruck, dass sie ein Styling aus einer jugendlicheren Phase hartnäckig fortführt, auch das Make up war leicht brutal und etwas holzschnittartig in dunklem Schwarz gehalten. Die Augenbrauen im Schablonenlook, obwohl man das ja jetzt auch oft bei jüngeren Frauen sieht, die ansonsten den Eindruck erwecken, Wert auf aktuelle Mode zu legen.

Aber ich verzettle mich gerade mit der Beschreibung der übrigen Kleidung, ich wollte ja auf den Büstenhalter näher eingehen. Unter dem gar nicht so stark ausgeschnittenen Shirt, zeichnete sich ein strammer Büstenhalter ab, also die Kontur, das Hemdchen war ja nicht durchsichtig. Nun war die Trägerin obenherum recht stark gebaut. Sie war insgesamt keine Elfe, mancher würde Begriffe wie moppelig oder auch üppig verwenden. Vom Wuchs eher klein und untersetzt. Jedenfalls war der absolute Blickfang der Ausschnitt, der den Blick auf das Dekolleté freigab. Die stattliche Oberweite wurde mit viel Druck ganz nach oben gepresst, was zur Folge hatte, dass der Busen, also die Brustfalte, bereits am oberen Sternum anfing. Das wirkte anatomisch nicht korrekt. Vermutlich, um etwas Taille zu produzieren und einen keck nach vorne stehenden Balkon, hat die gute Frau die Träger von ihrem Büstenhalter auf die maximale Kürze gezurrt. Das wäre doch nicht notwendig gewesen! Kein schöner Anblick. Ich verstehe ja, dass sie ihre weiblichen Reize zur Geltung bringen wollte, aber das war dann doch zuviel des Guten. Die Träger hätten gut und gerne zehn Zentimeter mehr Länge vertragen, dann wäre das Ganze auf einer anatomisch plausibleren Höhe gewesen. Es war ganz offensichtlich, dass es sich hier um keine naturgegeben extrem hoch angesetzte Brust handelte, eher im Gegenteil. Das ist doch auch nicht komfortabel, mit so einem nach oben gequetschten Vorbau den Arbeitstag zu verbringen. Ich empfehle in jedem Fall eine längere Trägereinstellung.

Insgesamt bin ich nicht dafür, dass man am Arbeitsplatz den Brustansatz zur Schau stellt. Das lenkt die Kollegen nur unnötig von dem Tagwerk ab. Es sei denn, man arbeitet bei Orion oder auf der Pornomesse. Dann ist das natürlich hochgradig erwünscht. Ich möchte auch nicht, dass sich männliche Mitarbeiter bauchfrei präsentieren, um mir mit dieser zarten Haarlinie, die vom Nabel Richtung Unterhose verläuft, die Konzentration zu rauben. Ich bin in dieser Hinsicht ausgesprochen prüde, da leicht ablenkbar. In der Freizeit darf natürlich jeder machen, was er gerne möchte, auch FKK und Sauna-Besuch sind erlaubt. Aber natürlich ohne mich.


Dessous-Kollektion DHM

3 Antworten auf „06. Juli 2019

  1. Ich habe bereits beim Lesen des ersten Absatzes bei mir gedacht, daß die Dame sicher aus der Sexbranche oder zumindest der leichten Unterhaltung kommt. Von daher wäre sie völlig korrekt gekleidet. Tätowierungen sind dort ja Gang und Gäbe, ebenso die Schablonen-Augenbrauen. Das bedeutet nicht, daß jeder mit Tätowierung oder Schablonen-Augenbrauen in diesen Bereichen arbeitet, aber wenn alle diese Merkmale zusammentreffen: Busen, Tattoo und Augenbrauen (btw. künstliche Fingernägel sind auch immer sehr beliebt) würde ich auf eine mindestens 80prozentige Wahrscheinlichkeit tippen. Und die restlichen 20 Prozent haben zumindest direkt oder indirekt häufig Kontakt mit solchen Branchen, z.B. als Barkeeperin oder Konsumentin.

  2. Das Dekolltée hat möglicherweise praktische Hintergründe. Am naheliegendsten ist die Geldscheinaufbewahrung. Mehrfach so auf der Wiesn getestet, hält dies sogar den wildesten Überkopffahrgeschäften stand, ohne die Zahlungsmittel oder Nahverkehrsfahrkarten freizugeben. Was bei hohen Temperaturen zu beachten ist, dass das Papier vor Übergabe eine Weile an der Luft erst ein wenig trocknen muss.
    Bei dieser Art strenger Komprimierung lassen sich sogar Münzen sicher aufbewahren.

  3. „Leichte Unterhaltung“ ist ein ganz arg schöner Begriff, liebe Zucker. Wenn ich meinen Eintrag mit fremden Augen auf mich wirken ließe, käme ich zu einem ähnlichen Schluss. Aber da ich die Dame leibhaftig vor mir hatte, also mit dem Gesamtpaket der Ausstrahlung, gehe ich intuitiv nicht von den genannten Branchen aus. Dafür war sie einfach nicht up to date genug. Ihre Fingernägel sind mir nicht präsent, kann sein, dass da so was Angeklebtes oder Gelnägel am Start waren, glatt übersehen. Aber das Gesicht war nicht getuned genug für die Branche der leichten Unterhaltung. Da hätte mindestens eine Unterspritzung, ordentlich Botox oder aufgespritzte Lippen ins Gesamtpaket gehört, alles Fehlanzeige. Die Haare waren unprofessionell schwarz gefärbt, der Ansatz war schon da, die Frisur auch zu strähnig, irgendwie kinnlang, bißchen gewellt, wie ungekämmt, aber nicht stylish. Der Gesichtsausdruck und die Ausstrahlung war mehr so Richtung Minijob. Oder auch Frührente. Sie war in weiblicher Begleitung unterwegs, es war so gegen 9:20 Uhr, vormittags. Die Begleitung sah eher aus wie eine Büroangestellte, auch nicht schick, eher unspektakulär praktisch gekleidet. Möglicherweise eine Kollegin von ihr. Ich habe das Gespräch nicht belauscht, aber es wirkte eher unfamiliär.

    Es ist natürlich völlig richtig, liebe Frau Klugscheisser, dass sich da exzellent Scheine und auch Münzgeld aufbewahren lassen, aber die erwähnte Dame hatte eine Tasche dabei, vermutlich mit Portemonnaie. Und Oktoberfest ist ja auch noch nicht. Da gehört Hochgezurrtes natürlich auch zur Profession. Aber dann doch bitte mit am feschen Dirndl, gell?

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