Noch ein Atelierbesuch, bei Claudia Sawallisch. Künstlerhaus 19, Schlachtensee, Wasgenstraße 75. S-Bahn Schlachtensee. Spaziergang, bißchen verlaufen. Als ich ankam, war der Ausstellungsbereich leer und ich ging nach oben. wo die Ateliers sind, auch das von Claudia. Kleine Runde, familiär gewissermaßen, Sofa, Stühle im Kreis, Wein. Claudia raucht, einer steht vom Sofa auf und singt a capella Summertime, weil er zu Ende geht. Ein anderer steht auf, singt Fly me to the moon. Heiterkeit. Claudia zieht große Leinwände, die sich senkrecht an der einen Wand stapeln hervor. Geflügelte Wesen. Schätze. Mir tut es immer ein wenig weh, wenn kostbare Bilder einfach übereinander oder hintereinander liegen, wie langweilige Aktenordner, die ins Regal geräumt werden, damit sie nicht herumliegen. Bilder müssen atmen und gesehen und bewundert werden, sonst sind sie beleidigt. Besonders bei zwei sehr großen Werken hätte ich gerne verboten, dass sie zurück in die Lücke gesteckt werden. Natürlich braucht man Platz. Verstehe ich schon. Aber einige Bilder sollten, wenn sie außergewöhnlich gelungen sind, immer sichtbar sein. Ich hatte den Impuls, oder zu bewahrenden Hintergedanken, mir die Bilder zu merken, für eine Gelegenheit, wenn sie gezeigt werden können. Das mache ich jetzt häufiger. Später, danach, an anderen Tagen war ich in den Ateliers von Katia Kelm und Evelyn Sommerhoff, und ich habe auch da unsichtbare Merkzettel angeklebt. Ich habe Lust mit Lieblingswerken von befreundeten Künstlerinnen und Künstlern eine Ausstellung zu machen. Von mir wäre auch das eine oder andere dabei. Auch ein paar Leinwände, die ich vor vielen Jahren bemalt habe. Man würde vielleicht eine innere Verwandtschaft entdecken. Ich brauche nicht lange, um zu sehen, ob ein Bild meines wäre. Dass ich bilslang nichts kaufte, ist nur dem Umstand geschuldet, dass mir der Platz zum Hängen fehlt. Vor einer Woche bei Evelyn Sommerhoff war ich besonders kauflustig. Aber nur in der Phantasie. Aus Höflichkeit würde ich niemals sagen „Ich nehme das. Und das. Und das auch!“. Das ist ein Riesen-Kompliment. Auch wenn es nicht realisiert wird. Aber ich könnte die Bilder eben ausstellen. Ich wäre bestimmt eine grandiose Galeristin. Es wären sehr atmosphärische Räume und es gäbe Musik im Hintergrund und immer etwas zu trinken. Etwas sehr Gutes. Man könnte sich hinsetzen oder auch legen. Vielleicht eine Ottomane hier, eine Chaiselongue da. Ein kleines Tischchen, ein schönes Sofa. Wie man mit Bildern lebt, sie hegt und pflegt.

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Eine Antwort auf „23. September 2017

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