Im Idyll ihres wilden Gartens, einem ehemaligen Obstgarten, der zu einem Gutshaus gehörte, steht eine Eiche. Ein Teil von Susannas Asche stand davor in einer sonnengelben kleinen Urne, daneben eine Staffelei mit Susannas Portraitfoto. Nur wenige Stunden vor ihrem vollends unerwarteten Tod sprach sie davon, dass sie eines fernen Tages gerne bei diesem Baum ihre letzte Ruhe fände. Da es ein privater Garten ist, findet noch eine reguläre Urnenbeisetzung auf einem Friedhof statt, aber ein kleiner Teil von ihr fand bei dieser wildromantischen Feier zum Ort ihres Herzens.
Eva Mattes erinnerte sich an besondere Momente ihrer langjährigen Freundschaft mit Susanna, die in den Achtziger Jahren in München begonnen hatte und bis in die Gegenwart hielt.
Ich muss mal wieder zum Holländer. Der Frühling…! Großen Salbeibusch holen. Und Silberkraut usw. Vielleicht schon morgen. Den beim Olympiastadion mag ich am liebsten, schön großzügig.
Heute morgen und auch den ganzen Tag war ich so hektisch elektrisch unterwegs, dass ich mein schwarzes Shirt mit langen Ärmeln verkehrtrum, also von links angezogen hatte und es erst heute Abend zufällig gesehen habe, als mein Blick auf die Nähte an einem Ärmel fiel. War jetzt nicht großartig auffällig, weil ich was drüber hatte, ist mir aber noch nie passiert. So ein Ausnahmezustand behagt mir nicht sonderlich. Sehr anstrengender Tag. Aber nach der Hektik hab ich mich frisch gemacht, ein Jever getrunken und war gleich in besserer Stimmung. Jetzt gehts eigentlich wieder. Morgen auch wieder anstrengend, aber überschaubarer, und weit weniger langwierig.
Die Luft dürfte ein bißchen wärmer sein, bißchen zäh, die Kälte. Die drei kommenden Tage 16 bis 18 Grad, das ist schon viel. Na ja. Bin heute nicht sehr inspiriert. Aufnahme vom August 2007. Anstatt herumzufaseln, trinke ich lieber noch was und dann bald in die Falle. Muss morgen leider Gottes wieder früh aus den Federn.
Gruß von Mitte nach Mitte an Saskia, die mir vorhin einen bemerkenswerten, am Straßenrand gefundenen Bilderrahmen vorbeigebracht hat. Habe mich für die reizende Geste mit einer Flasche Hot Chili Ketchup von Werder revanchiert. Fand Saskia prima! Vergesst nicht, alle Uhren umzustellen, die sich nicht von selber umstellen und bringt es nicht durcheinander. Bin kein Fan der Zeitumstellung, schon gar nicht von Winter- auf Sommerzeit. Für Nachtfalter wie mich Horror. Kleines Champagne Problem. Immerhin hat sich mein aktuelles Notebook selbst umgestellt. Telefon nicht. Thema hiermit abgehakt. Heute regnerisch in Berlin, fühle mich etwas verknautscht, aber durchaus Sonne im Herzen.
Gefällt mir: Sofyka – The Garden. Hat David Oesterling produziert, mit dem ich in den vergangenen Wochen ständig zu tun hatte. Er stellte sein DJ-Pult im Dezember für eine Show in die Kellerbar bei Sevenstar und er hatte es mir für meine Ausstellung noch dagelassen, benutzte es mit Bettwäsche und Kissen drauf als Sofa. Dafür wollte ich mich um den Rücktransport zu ihm kümmern. Heieiei, was für eine Aktion, einen Kurier zu bekommen. Aber nun ging es heute über die Bühne. Und ich hab ihn bei der Gelegenheit mal kennengelernt. Dachte, er legt auf, aber er ist ja ein richtiger Musikproduzent, hat schon viel gemacht. Gute Nacht.
Private Bankangelegenheiten gehören eher nicht hierher, aber die heutige Transaktion war der Epilog nach dem Schlussakkord des Nachlassverfahrens, das mich seit dem Tod meiner Mama im Juli 2024 beschäftigt hat. Nach der Testamentseröffnung vor vielen Monaten, im Februar letzte bürokratische Vorkehrungen, um das ehemals gemeinsame Konto meiner Eltern zu schließen. Mit der Bestätigung der Kontoauflösung bekam ich vor zwei Wochen einen letzten Kontoauszug, der noch letzte Überweisungen von später zutage getretenen Rechnungen auswies. Unter anderem eine letzte Physiotherapie, drei Wochen vor ihrem Tod und eine Rechnung mit ihrem Todestag, für die – man mag das Wort nicht gerne schreiben, aber so heißt es – Leichenschau. Vielleicht auch gut, dass man in Unkenntnis eines solchen Verfahrens nicht weiß, wie lange sich das hinzieht. Bei anderen Konstellation noch viel, viel länger, wenn sich die Erben uneins sind. Was zum Glück bei uns nicht der Fall war. Ich war in den letzten Monaten so oft bei der Postbank, wo das elterliche Konto war, immer bei demselben Mitarbeiter, dass es schon wie ein freundschaftlicher Kontakt war. Bei den Besprechungen und Erklärungen spricht man auch über nicht bürokratische, persönliche Dinge der Regelung eines Nachlasses. Ich fühlte mich so gut aufgehoben, dass ich schon überlegte, ebenfalls ein Konto bei der Postbank zu eröffnen. Aber habe ich nicht gemacht. Ich erzählte das heute dem Mitarbeiter meiner Bank, der bei meinen Konten eine Transaktion vornahm. Er war auch sehr nett und verabschiedete sich mit den Worten, er hoffe, dass ich nun doch nicht zur Postbank abwandere. Werde ich nicht, in solchen Dingen bin ich eher bequem. Ist immer noch dasselbe Konto, das ich 1986, nach meiner Ankunft in Berlin eröffnet habe. Auf dem Weg zu meiner Bank in der Mittagssonne kam ich am Gedenkaltar für Anna R., der Rosenstolz-Sängerin vorbei. Am Theater des Westens ist in einer Nische der Fassade ein großes, wunderschönes Schwarzweißportrait von ihr angebracht, ca. 150 cm hoch, darunter viele Blumen und Kerzen, Briefe, Karten mit einem letzten Gruß, liebevollen Botschaften.
Ok. Unterwäsche-Shooting mit den Jungs. Ich bin irritiert. Nawin aus Freiburg, ein sehr sympathischer Kandidat mit längeren dunklen Haaren und Vollbart, dessen Vorfahren aus Afghanistan stammen, lüftet sein Unterhemd und zeigt einen komplett unbehaarten Oberkörper. Im Gesicht wilder Wolf und am Körper Baby. Es gibt Typen, da wachsen wenig Brusthaare, okay, aber Nawin ist doch aus anderem Holz geschnitzt. Ich verstehe diese Mode nicht. Noch nie. Aber mich haben auch noch nie Bartstoppeln oder Schnarchen gestört. Finde ich eher heimelig. Der Bär, der die Höhle bewacht und brummt. Putzig. Um es nochmals zu untermauern: ich lehne die Entfernung von Körperbehaarung bei Männern an Brust, Bauch, Bein, Achseln, Hintern usw. usf. ab. Den Aufwand könnt Ihr Euch komplett sparen!
Augen zu und durch. Nein – auf. Ich arbeite gerade jeden Tag neun bis zehn Stunden. Dauerkrankheitsvertretung. Ende abzusehen, aber gerade mittendrin, sehr, sehr herausfordernd. Jüngerer Kollege hat mich gerade etwas aufgebaut, da wir beschlossen, gutes Gras aus der Apotheke zu holen und zur Entspannung bei offenem Fenster einen durchzuziehen. Also am Ort des Schreckens, wo sich der Schreibtisch nach unten biegt. Man muss ja nicht immer erst daheim mit den Entspannungsdrogen anfangen. In meinem Fall üblicherweise guter Alkohol in virtuoser Dosierung. Neulich bei einem Geburtstag gab es richtig gutes Gras aus der Apotheke, das war dermaßen angenehm. Die Qualität ist gesichert. Auf die Gesundheit achten! Jetzt GNTM die Männer-Folge. Seh ich gerne. Hübsche Jungs dabei. Was wäre die Welt ohne Männer.
Mehr ist mehr. Und mehr darf man sich kaum wünschen, als dass sich eine Ausstellungsbesucherin bei ihrer Abendgarderobe von einem Bild inspirieren lässt. Wie Saskia Cleopatra! Wüsste ich es nicht besser und wäre Besucherin, hätte ich sie für die Malerin von meinem Phoenix gehalten. Das gefiederte Tier hat am 4. November 2003 das Licht der Welt erblickt und lebt seither bei mir.
Da hat sich aber jemand was dabei gedacht, auch bei der Hängung. Bild „Warm up“ aus Zweitausendacht. Hab ich an einem Geburtstag gemacht – mit aLLErHaND Bedacht. Gesegnete Nacht.
„If YOU’re nervous – I’ll be nervous; so: don’t be nervous!“ (Yu Tsai, photographer). Der teilweise unbeliebte unter den Fotografen bei GNTM. Er kommuniziert seine Kritik sehr hart, ohne Charme. Da friert das sensiblere Model ein, verständlich. Sein Statement ist aber doch ein Zeichen von emotionaler Empfänglichkeit. Ich übertrage das gerade gedanklich auf andere Lebensbereiche. Bei jeder gemeinsamen Aktivität bremsend, wenn Unsicherheit überhandnimmt. Geschäftlich, kreativ, erotisch. Allerdings lässt sich Souveränität kaum faken. Wie dreht man das? Sich von den eigenen Kräften überzeugen. Sich selbst verführen.
Das habt Ihr nicht gesehen. Die „Closing Ceremony“ ging in der Kellerbar bis morgens im allerkleinsten Kreis weiter, nachdem Ihr schon weg, weiter oder in der Georgia Bar oder in den Federn wart. Die Bilder standen kreuz und quer in den Gängen, offenbarten meine rückwärtigen Kritzeleien und Signaturen. Unten, im Schein der flackernden Kerzen konnte man komplett das Zeitgefühl verlieren. Da war ewige Nacht, obgleich schon halb acht.
Antville plant gerade ein Bloggertreffen, das in diesem Jahr über die Bühne gehen soll, hier könnt Ihr ein Formular ausfüllen, das bei der Planung hilft.
Gestern Abend in der Newton Foundation mit Ina getroffen. Jan war erwartungsgemäß auch da, und nach langer Zeit wieder einmal Jeannot Simmen und Konstantin Schneider, dem Kunstkontakter über den Weg gelaufen. Gut besucht wie immer.
Berliner (und Mecklenburg-Vorpommerer) dran denken: der Sa. morgen ist ein Feiertag, REWE u. Edeka etc. hat zu! Doppelt schade, dass der Frauentag aufs Wochenende fällt! Im Gesundbrunnencenter hat aber bestimmt der gutsortierte Bio-Supermarkt auf. Ich werde mich heute noch mit Entsprechendem eindecken. Ansonsten: schönes Wochenende! Soll durchgängig sonnig werden in Berlin, bis 15 Grad.
Noch ein Stückchen weiter. In einem Kämmerchen lassen sich nicht nur Sardinenbüchsen stapeln. Bilder gehen auch! Die Lampe kennt Ihr evt. von Sevenstar, sie stand in einer Ecke der Kellerbar.
Kameraschwenk im Atelier(„Speise“)-Kämmerchen nach rechts. Ich glaube, mein Großvater André wäre angetan. Er hatte ein Einrichtungsgeschäft und auch den Hang und Drang zur Zweckentfremdung. Hab ich schon mal erzählt: er stickte mit einer Nähmaschine, die für Möbelstoffe gedacht war, zarte Elfenbilder.
PinK doGs PinK Space! Zuerst ist er durch alle Zimmer in der Auguststraße spaziert, überall geschnüffelt und mich angeguckt. Er wollte mit mir ins Atelier und meine anderen Tiere sehen. Okay! Da hat er sein Plätzchen gefunden, im PinK Space, dem Kämmerchen. Als wär er immer da gewesen. Husch ins Körbchen!
Hätte nicht gedacht, dass mich heute noch eine nicht private Korrespondenz so erfreut. Auf der Suche nach zielführenden Informationen bei der Organisation einer Angelegenheit, nachfolgenden Satz in der Antwort gelesen, nicht an mich gerichtet. Der Herr wurde gefragt, ob es ihm möglich sei, Unterlagen an einer bestimmten Stelle zu hinterlegen. Er daraufhin pariert:
„Ein WUNSCH von einer Frau = für mich wie ein BEFEHL.“
Da ich in den nächsten Tagen (u. a.) mit ihm Kontakt aufnehmen muss, habe ich jetzt direkt Lust darauf bekommen. Genau so müssen Männer antworten. Vollendet. Ist zwar sexistisch insofern, dass demzufolge ein Wunsch von einem Mann oder von Divers ihm kein Befehl ist, aber mir in dem Fall schnuppe. Immer wenn Männer besonders charmant sind, stelle ich an mir eine deutliche Stimmungsaufhellung fest. Können denn nicht alle so sein? Der Mann ist Stier mit Venus im Zwilling (habe Zugriff auf Geburtsdaten). Musste lachen. Da kenne ich noch jemanden. Süßholz raspeln ist leider keine weit verbreitete Kernkompetenz mehr. Fehlt mir sehr.
Das war schon schön, aber ich möchte das auf keinen Fall wiederholen. Nicht annähernd. Wiederholungen langweilen mich. Neues Spiel, neues Glück. Aber gerne denke ich daran zurück.
Hello. FAKE IT TILL YOU MAKE IT. (I do.) Mir hilft dabei die folgende Erkenntnis: ich habe eine Weile gebraucht, um auf die Deutungsvariante zu kommen, dass mir unverständliches Verhalten nicht zwingend eine explizite Reaktion auf mich sein muss, sondern eine solitäre Baustelle beim Anderen sein kann.
18. Januar 2025. Ein Nachmittag bei Sevenstar, an dem ich mir Zeit nahm, die Ausstellung festzuhalten – en detail. Hier Tür vom WC von innen. Bild FRÜHLINGSGARTEN. Greta Garbo und Mama gewidmet, April 2020, 54 x 72 cm, Papier, Wasserfarbe, Acryl, Corona-bedingt auf Verpackungskarton. Die Farben des Bildes zeigen Greta Garbos Lieblingsfarbkombination. Greta hatte für ihr New Yorker Apartment am East River virtuos einen großen, ornamentalen Teppich in Pink und Grün entworfen, weben lassen.
Temporary Contemporary… der flüchtige Zauber eines Moments und der Moment in einer flüchtigen Ausstellung und der Moment der flüchtigen Ausstellung. Alles, alles vorübergehend, aber eingefangen. Nicht eingefroren. Es pulsiert schon noch, durchaus.
„Wer die Wahl hat, hat die Qual“. Der alte Kalenderspruch wird mit jeder Wahl wahrer. Bin in den vergangenen ca. drei Jahren zunehmend orientierungslos. Eventuell wähle ich stellvertretend für meine Mama, bei der weiß ich immerhin, was sie gewählt hätte. Habe erst ein einziges mal keinen Gebrauch von meinem Wahlrecht gemacht, das war bei der letzten Berliner Senatswahl. Da war ich ebenfalls von keiner Partei überzeugt und auch zu faul. Aber heute geh ich wieder. Nicht die Stimme verschenken. Sonst profitiert davon am Ende noch die APD – Autofahrerpartei – wollte ich gerade schreiben – aber die gibts ja gar nicht mehr. Eine Partei nennt sich „Verjüngungspartei“. Aha. Nein, die hätte Mama nicht gewählt, obwohl sie bestimmt für körperliche Verjüngung gewesen wäre. Und den „Südschleswigschen Wählerverband“ auch nicht :-)
HELICONIA VELLERIGERA SHE KONG. Gewaltiger Name für ein gewaltiges Gewächs. Hummerschere. Im Eingangsbereich meines Ateliers, davor bei Sevenstar. Bin erst heute dazu gekommen, zu verifizieren, wie die Kreatur heißt. Ich sammle keine getrockneten Blumen, aber die ist besonders, in jeder Hinsicht. Die wollte zu mir.
DOG II., Tim Kamieth, 2022. Gefällt mir auch sehr. Kann mich gar nicht entscheiden. Aber hey – muss ich ja auch nicht. Habe auch für dieses schöne Tier keinen Platz hier. Aber vielleicht Ihr? Falls es überhaupt noch zu haben ist… noch so ein Kandidat für Spontanverliebtheit. Jedenfalls bei mir. Dabei bin ich sonst gar nicht so wild nach Hunden. Aber nach Tims komplettem Wurf hier!
Um zu erhellen, wieso ich gerade hingebungsvoll über die sehr sehenswerte Ausstellung von Tim Kamieth poste: wir hatten im November gebrainstormt eventuell gemeinsam, also gleichzeitig bei Sevenstar auszustellen. Aber es zeichnete sich recht schnell ab, dass jeder so viel am Start hat, dass sich das räumlich in die Quere kommen würde. Und so wählte ich den Januar und Tim den Februar. Und das war auch gut so. Wir haben beide krasse eigensinnige Energien, die sich so viel besser entfalten konnten. Können. Es hört ja nicht auf. Meine Ausstellung ist leider vorbei, aber Tims elektrische Werke sind noch eine gute Woche zu sehen.
Verliebt. „Wenn ich dich seh‘, hab ich weiche Knie und lauter linke Hände. Aber es kommt für uns beide nie zum Anfang, nie zum Ende. Schieß mich zum Mond oder schieß mich vorbei und ich sag‘ höchstens: „Na und – was nu?“ Das haut mich nicht um, aber Du.“ (Leider kein Stall mehr frei, in meinem süßen Zoo… aber so sweet)
„DOG I.“ Painting by Tim Kamieth, 2022. On Display at Sevenstar.
Mehr interessante Gäste. Mit der hellblonden Lady und weiteren weiblichen Gästen hat sich zu später Stunde in der Kellerbar eine Konversation über Schönheitseingriffe ergeben. Leider habe ich den Name der platinblonden Beauty vergessen. Sie ist wohl an dem Punkt, über einen Eingriff nachzudenken und fragte in die Runde, ob jemand operiert ist. Auch das jeweilige Alter wurde erfragt. Da ich die Älteste war, kam sie ganz nah an mein Gesicht und fragte direkt: „Hast Du Narben?“ Ich musste lachen. Ja, ich habe eine gewaltige Narbe, unter dem Kinn, aber nicht von einer OP an meiner Jawline, sondern von einer Schlägerei Anno 1987 in der Dominabar in Schöneberg, als ein blödes Arschloch mir sein Bierglas ins Gesicht drücken wollte, aus Zorn darüber, dass ich keine Lust hatte, mit ihm Konversation zu treiben. Das Glas zerbrach und landete an meinem Kinn, knapp unterhalb. Die Rettungssanitäter wurden gerufen, die klaffende Wunde im Auguste-Viktoria-Krankenhaus genäht. Davon ist eine tiefe Narbe geblieben, die würde ich gerne weghaben. Falls da jemand einen Top-Chirurgen für mich hätte? Es war aber dennoch keine Tussi-Konversation, sie schien sehr reflektiert und gebildet, eine Lehrerin. Wieder eine Reihe schöner Begegnungen bei Sevenstar.
„PinK doG“, ganz links, ist meiner. Ende Februar gehe ich mit ihm Gassi, um die Ecke. Auch elektrisch: Tims JFK. Weiß nicht, wie das Bild offiziell heißt. Habe leider die kleinen Schilder nicht gelesen… Das Pink ist so schön blau. Ich nenne das „mexikanisches Pink“ aber Tim bezeichnet es bestimmt anders. Ich denke dabei an ein bestimmtes Haus des mexikanischen Architekten Luis Barragán, der bei jenem Wohnhaus einzelne Mauersegmente, auch im Außenbereich, in elektrisierenden Pinktönen komponierte. Tim ist am nächsten Samstag von mittags bis zum späteren Abend in seiner Ausstellung in der Galerie anzutreffen – geht gerne hin.
Tims Beschriftung gefällt mir richtig gut. Schön groß, wie rangezoomt. Und SEINE Schrift. Sehr präsent, reicht eine Scheibe. In den vergangenen Monaten habe ich eine neue Aufmerksamkeit für Beschriftung von Schaufensterscheiben entwickelt. Ich schwankte für meine Ausstellung bei Sevenstar zwischen was ganz Großem als Beschriftung und etwas elegant Subtilem. Wurde letzteres, war auch schön. Das kam daher, dass ich ein abschreckendes Beispiel an den Scheiben vom Schießer-Unterwäsche-Geschäft am Hackeschen Markt gesehen hatte. Ein Haufen Text in einer Typo wie Arial Black in weiß, und dann mehrere Zeilen gefüllt, ein ganzer Absatz, Blocksatz, der einem zum Lesen als Reklame angedient wurde. Das Ganze sah nicht nach Werbekampagne aus, sondern nach Sehtest beim Augenarzt.
Gästebuch und signierte Fotografie vorhin auf dem Teppich in meinem Wohnzimmer. Es gab Sonne. Die verdeckte Fotografie zeigt eine Situation während einer Pause auf einem Filmset in den Hollywood Hills der Produktion „Strange Matters“ von Philippe Mora aus dem Jahr 2002. Thorsten wirkte mit und fotografierte in der Pause. Die Spirale ist seine Unterschrift, die schon manche Probleme verursacht hat. Musste lachen. Ein heiterer Tag nach dem Abend der gelungenen Eröffnung von Tim. Spätabends, besser Nacht, ging es noch in die Georgia Bar, wo ich vorher noch nie war. Hatte mir den Laden kleiner vorgestellt. Wahnsinnig voll. Schlangen standen an. Durch geheime Handzeichen wurde der Vorgang bei unserer kleinen Gruppe beschleunigt. Alles stand drinnen dicht an dicht. Sehr gute Elektrobeats. Aber erstaunlich wenig wirkliches Tanzen, eher moderat verhaltenes Taktgewackel mit Glas in der Hand. Ich ja nicht. War ganz berauschend. Habe einige Fotos von Tims Eröffnung bei Sevenstar, auch eines seiner Werke erstanden, einen kleinen Siebdruck in limitierter Auflage. Aber meiner hängt noch bis zum Ende der Ausstellung, weil ich unbedingt die No. 7 haben wollte, keine andere Nummer. Ein entzückender pinker Hund mit tiefgehender Bedeutung. Drei, vier größere Werke hätte ich auch gern gekauft, aber ich habe absolut keinen Platz dafür, so schade. Den kleinen Hund krieg ich unter.
TONIGHT@SEVENSTAR – Opening: „A THIRD OF A DECADE“ – Tim Kamieth. „Die Werke, meist in Öl und Acryl auf Leinwand, verbinden die Energie des abstrakten Expressionismus mit den Einflüssen der Berliner Graffiti-Kultur. Sie feiern das Leben in seiner Vielfalt, hinterfragen aber auch die gesellschaftlichen und kapitalistischen Strukturen, die unsere moderne Welt prägen. Durch seine symbolträchtigen Kompositionen fordert Kamieth dazu auf, über friedvolles Miteinander von Gegensätzen nachzudenken.“
Gestern Nacht beim Rumstalken entdeckt. Putziges Berliner Upgrade von Dirty Harrys Credo. Auf dem Facebook-Account von einem Mann. Der hatte mir 2007 – es geschah mitten in der Nacht – einen Familiengründungsantrag gemacht. Nicht in meiner Wohnung im Schlafzimmer, sondern im Muschi Obermaier auf der Torstraße (wieso sagen eigentlich immer alle hier auf der Torstraße und nicht in). Jedenfalls kannte ich den Mann vorher nicht, man lernte sich erst am Tresen des Lokals kennen. Ein Gastronom mit französischem Namen. Damals war er der Betreiber eines überaus angesagten, winzig kleinen französischen Restaurants „auf der Torstraße“. Jean. Seit einigen Jahren ist er verheiratet (nicht mit mir) und hat nun offenkundig auch einen kleinen Stammhalter, wie ich seinem überschaubaren Fotocontent auf Facebook entnehme.
Er war damals mit zwei Freunden im Muschi Obermaier, der eine flirtete mich wortreich an, Jean stand nur dabei und hörte zu, sprach überhaupt nicht. Es wurde später, ich gesellte mich wieder zu der Truppe, mit der ich gekommen war, die weiter hinten im Lokal saß. Eine ganze Weile später, also einige Drinks später, kam Jean alleine nach hinten, auf mich zu. Fragte mich höflich, ob der Platz neben mir frei sei. Ich war überrascht, weil er vorher kein einziges Wort mit mir gesprochen hatte. Allerdings dachte ich mir die ganze Zeit vorher am Tresen, dass er bei weitem der Attraktivste des Trios sei. Ich freute mich darüber. Ohne umständliche Vorrede machte er mir spürbar aufgeregt, fast schüchtern, wie jemand, der sich überwinden, ein Herz fassen muss, schwindelerregende Komplimente, eine vollends entflammte Liebeserklärung. Er fragte mich mit eindringlichem Blick und erstaunlichem, heiligen Ernst, ob ich verheiratet sei, Kinder mag („ja!“) und/oder („auch“) welche möchte (ich überrumpelt unfähig zu „Ja“ oder „Nein“, er: „am liebsten drei“) und noch Ähnliches mehr. Dann ließ er sich von seinem Freund eine rote Visitenkarte geben und notierte darauf den Namen und die Adresse seines Lokals und seine private Handynummer. Alle Drei verabschiedeten sich. Es war schon sehr spät. Das wühlte mich wochenlang auf. Ich las im Internet alle Restaurantkritiken über seinen Laden. Mehrere Artikel über Brad Pitt und weitere Prominenz, die dort gerne hinging. Ich bekam fast schon Schwellenangst. Der unglaubliche Ernst seiner Ansprache machte mich komplett kirre. Ich dachte, ich kann da nicht einfach mal hin und nonchalant nur etwas trinken. Leicht hysterisch meinte ich, ich müsste ihm eine ultimative Antwort auf seinen quasi Antrag geben, mit ihm Kinder zu bekommen. Er war jünger als ich, damals vierunddreißig, ich zweiundvierzig. Da mir noch nie vorher jemand Derartiges angetragen hatte, überlegte ich ernsthaft, ob das mit 42 meine einzige und letzte Chance sei, einen bislang nicht weiter angedachten Lebensweg zu beschreiten.
Das geschah am siebzehnten November 2007. Ich ging mehrere Wochen damit schwanger, zu ihm hinzugehen. Komischerweise aber nicht, die Nummer anzurufen. Die kleine rote Visitenkarte von seinem Freund, auf die er mit Kugelschreiber seine Handy-Nummer geschrieben hatte, habe ich vor einiger Zeit in einem meiner Kaleidoskop-Bilder verarbeitet (das Bild war nicht in meiner Ausstellung). Als ich ganz kurz davor war, hinzugehen, wurde ich sehr krank. Ich bekam eine so schlimme, verschleppte Stimmbandentzündung, dass ich fast drei Monate nicht sprechen konnte. Damit hatte es sich erledigt, denn als ich wieder gesund war, im Frühling 2008, hatte ich neue sehr aufregende Begegnungen. Aber nie mehr einen solchen Antrag. Jahre später fiel er mir wieder ein und ich schaute im Internet nach ihm. Ich entdeckte erstaunlicherweise eine private, aber öffentlich zugängliche Seite mit schwarzweißen Hochzeitsfotos von ihm und seiner Auserwählten, einer Designerin, die auch ein Restaurant betrieb. Eine hochgewachsene Blondine. Vor ein paar Jahren hat er ein zweites Restaurant eröffnet, nur wenige Schritte vom ersten, das er abgegeben hat. Auch „auf der Torstraße“. Vor einigen Jahren war ich mit Ina da, wir probierten die sehr gute Bouillabaisse. Er war im Gastraum nicht zu sehen. Auf der FB-Restaurantseite sind Fotos, wo er in einem Garten Fisch räuchert und in der Restaurantküche etwas zubereitet, mit Brille auf der Nase. Bilder vom selbstgezogenen Gemüse für sein Restaurant. Er scheint ziemlich glücklich geworden zu sein, „auf“ der Torstraße.
Fortsetzung der Führung durch das zauberhafte Labyrinth der Kellerbar von Sevenstar. Dieses Werk heißt „uga!“ und entstand im Dezember 2006 an meinem damaligen Sony Vaio Notebook. Maus & Pixel, 4032 × 3141 px. Eines meiner ganz wenigen digital entstandenen Werke, vielleicht insgesamt vier habe ich so in all den Jahren erstellt. Jedenfalls das einzige digital basierte Gemälde in der Ausstellung, Viel später ließ ich einen Leinwanddruck davon anfertigen, der recht gut wurde und hier gerahmt zu sehen ist. Das archaische Selbstportrait entfaltet auch fünf Meter breit seine Wirkung. Das weiß ich, weil ich es einmal als Hintergrund einer Bühnenperformance beamte. Es ergab eine zauberhafte, geradezu mystische Atmosphäre, wie in einer steinzeitlichen Kulthöhle. Ich habe es immer schon geliebt, Räume zu verzaubern, ein großes, dreidimensionales, begehbares Bild zu malen. Während ich das schreibe, denke ich an Tim, der gerade bei Sevenstar seine Ausstellung aufbaut, die am Freitag um 19 Uhr eröffnet wird. Ich fiebere regelrecht mit, weil ich so genau weiß, was alles zu tun und zu bedenken ist, und wie man den Zeitfaktor unterschätzt, wenn es ans Hängen geht. Wie viele Korrekturen ich gemacht habe. Manches Bild fünfmal millimeterweise justiert, bis das Bauchgefühl rückmeldete: YES! Das lässt sich nicht vorab remote konstruieren oder ermessen. Es folgt geheimen Regeln, die man nicht vermitteln oder lehren kann. Es ist (für mich) die Fortsetzung der Malerei.
Ich nehme ein Vollbad in den Fotografien meiner Ausstellung. Dafür war währenddessen keine Zeit, ich war ja mittendrin in der dritten Dimension. Für alle, die es nicht hinbekommen haben, zeige ich nach und nach alle Ecken und Winkel. Hier zu sehen: „UGA“, „Tweety Lagerfeld“, „Agave“ und „STONES SIXTY II.“.
Albans und Adrians Blickwinkel. Links „Portrait eines Ersehnten“ von 1983, rechts „Goldfisch“ von 2023. Vierzig Jahre liegen dazwischen. Verblüffung für einige Besucher, dass ich bei ausreichender Inspiration anscheinend in alter Manier zeichnen kann. Nicht nur Eyeliner-Hülsen, Make up-Spiegel, Metallreste, Dessous und Schokoladenpapier aufkleben und blattvergolden.
Mein Lieblingsfoto vom 24. Januar 2025 von Bernward Reul. Alban Nikolai Herbst und sein Sohn Adrian v. Ribbentrop vor meiner Fotowand. Nur dafür hat es sich gelohnt, „Black Tie“ zu fordern. Fliegen mag ich vorwiegend so gelockert, aufgebunden, wie es sich zur späten Stunde bei Adrian ergeben hat. So muss das. Und die geradezu verschwörerische Nähe von Alban und Adrian so wundervoll eingefangen. „Großer Preis von Gaganien“, Bernward.
P.S. Das Foto dieses heute Alban Nikolai Herbst gewidmeten FAZ-Artikels anlässlich seines heutigen Geburtstags, entstand am 4. Oktober 2017 im Literaturhaus Berlin.
War schon gelungen. Retrospektiv betrachtet, wie dieser Raum in früheren Ausstellungen interpretiert wurde. So definitiv noch nie. Rougher, punkiger, abgerockter, jeweils auch interessant. Bei mir wird es immer etwas gepflegter, staatstragender. Wobei mich diese Erkenntnis fast schon provoziert, etwas sehr Gegenteiliges dort umzusetzen. Aber dennoch cosy. Vielleicht noch intimer als alles zuvor. Mit einem Bett, verschleiert wie Anitas und Micks Lust- und Lasterhöhle in Performance. Oh ja. Das wäre es. Gefiele mir sehr.
Man sehe mir die rosa Brille nach. Es war ein Abend, an dem mir das Herz aufging, mein Wunschkonzert. Auch wenn manches anders über die Bühne ging, als erwartet – oder gar nicht. Wie die Stimmung auf den Bildern ist, war sie. Bild von Alban und mir auf der kleinen Bühne beim Romy-Chanson-Teil, der wegen Saskias Fieber nur erzählt werden konnte, fotografiert von Bernward Reul.
Gruppenfoto mit Hans, Jenny, mir, Karl, und Maria von Cello Reul.
Foto von meinem Lieblings-Galeristen Thorsten und mir, von ihm selbst, Thorsten Heinze. Foto von Cosmic und mir von Fabian Kittmann. Danke Euch allen so sehr. Fürs da sein, dabei sein, meine kleinen Anfälle aushalten. Eure Treue. Für ganz viel. Alles.
In den Kissen wartete die Verpackung. Hundert große Plastiksäcke, fünfzig Meter Luftpolsterfolie. Die Kissen lagen während der ganzen Ausstellung auf meinem Lieblingsplatz in der Kellerbar, dem improvisierten Zweisitzersofa aus umgekipptem DJ-Pult mit gestreifter Bettwäsche. Meine beste Idee! Das große orange-gelb-goldene Bild stand abseits im lindgrünen Salon mit Bambus-Stuhl und Tischchen, weil es zurück in meine Wohnung sollte. Damit ich nicht durcheinander komme und womöglich die Siebensachen für daheim aus Versehen mit in den Laster packe.
Hinter verschlossenen Türen. Vor der Verpackungsarie. Ich habe nur ganz wenige Exponate nicht verpackt, weniger empfindliche, ungerahmte, nur flach bemalte Leinwände. Da ich aber sehr, sehr viele Assemblagen und hochwertig gerahmte Teile habe, möchte ich keine weiteren abgestoßenen Ecken oder abgefallenen Einzelteile riskieren, die unterwegs verloren gehen. Die fallen dann in die Kunststoffhülle oder Luftpolsterfolie, wenn es doch mal ruckelt oder aneinander schrammt. Das große Transportauto war bis an die Tür voll. Alle hochkant, gesichert mit Teleskopstangen. Aber vorher musste ich noch ein paar Bilder machen, wie alles da steht, bevor es wieder auf die Reise geht. Wäre mehr Zeit gewesen, hätte ich alles nach Farben sortiert und wie ein Puzzle auf den Boden gelegt, wie auf dem Plakat angeordnet und ein Foto davon gemacht. Aber ich bin inzwischen sehr sicher, die Bodenfläche der großen Galerie hätte nicht ausgereicht. Die Transportaktionen waren das Anstrengendste, weil auch immer mit Zeitdruck verbunden. Die hundertachtzig Teile und Sockel und Regiestühle etc. nach der Ankunft beim Atelier in den zweiten Stock hochzutragen, hat vier Stunden gedauert, mit nur kleinen Pausen. Ich hab immer noch Muskelkater davon. Manchmal zwei bis drei Teile in beiden Händen, aber insgesamt schätzungsweise 120 mal die Treppen rauf und runter. Das nächste mal werde ich ganz sicher weniger ausstellen. Und mir noch ein, zwei flotte, starke Männer dazu buchen. Mein Fahrer war günstig und lustig und auch fleißig beim rein- und rauswuchten, nur leider nicht fürs Schleppen über die Treppen engagiert. Aber dafür hat er mich während der Fahrt immer Schatz genannt. Gefiel mir irgendwie.
Leaving Gagania, letzte Blicke am 31. Januar. Alles zurück. Von Sevenstar zur Fasanenstraße, zur Schierker Straße und in meinen dreihundertsiebenundsechzig Meter von der Gormannstraße entfernten Adlerhorst. Die letzte Etappe zu Fuß. Bilder, Bambus-Regiestuhl, Tischchen, Gästebuch, Tablett, Teetasse, dies und das.
Busy, busy, busy… aber nix Geschäftliches. Was für ein Tohuwabohu diese Transporte mit sich bringen, unbelievable. Hat schon Anflüge von Wohnungsumzug. Heute Abschied von Sevenstar, aber nur von den Schlüsseln. Mein Nachfolger, der Sevenstar mit seinen wilden Bildern bespielt, Tim, hat am 14. Februar Ausstellungseröffnung. Bin sehr gespannt und freue mich darauf. Ich kenne ihn auch schon sehr lange. Er war auf meiner Fotowand, mit diesem Bild von 2009. Ich wünsche Tim viel Glück.