Schlampige Leute sind mir zuwider!
22. Oktober 2010
25. Oktober 2010
Wie man dieses Blog bedient.

Es gibt eine Handvoll Leserinnen und Leser, die meine Art zu bloggen (im siebten Jahre nun), ganz gut kennen. Das heißt, jene treuen und aufmerksamen Leser wissen mittlerweile, dass ich stark dazu neige, in den Kommentaren den ursprünglichen Eintrag fortzuschreiben. Manchmal genügt eine kurze vorangegangene qualifizierte Bemerkung als Anstoß, die mein Feuer auf’s Neue entfacht. Nicht selten werden meine Antwort-Kommentare sogar länger als der gesamte ursprüngliche Eintrag. Und manchmal vielleicht sogar interessanter. Erhellender, impulsiver. Ich erwähne das, weil ich ein paar neu hinzugekommene Leser bemerkt habe, die dieses schöne Spielchen, das ich hier treibe, noch nicht zu kennen scheinen. Wenn Ihnen das also noch nicht aufgefallen ist, liegt es ganz sicher daran, dass Sie davon ausgehen, dass Bedeutendes nur im Haupteintrag zu finden ist, und Sie die Kommentare deshalb gar nicht erst anklicken. Insofern geht Ihnen jede Menge Herrschaftswissen verloren, lieber Leser. Ich kommentiere bedeutend exhibitionistischer als meine Einträge verfasst sind (im Übrigen auch anderswo).
Gar nicht zu schweigen von den Pulitzer-verdächtigen Bemerkungen meiner Hauptkommentatoren (den besten ihrer Zunft, die man im deutschsprachigen Raum finden kann, ganz nebenbei). Nur mal so jetzt! Wenn man dieses Blog als eine Art Foto-Roman in der Bravo sehen würde, hätte man durch die Nicht-Kenntnis meiner Kommentar-Einträge gewissermaßen schwerwiegende Wissenslücken und findet den Anschluss nicht mehr! Und noch ein kleiner Tipp: ich verlinke regelmäßig weltbewegende Informationen innerhalb des Textes, der dann nur ein klein wenig heller erscheint. Es ist nicht so kontrastreich, wie man das häufig bei anderen Blogs sieht. Manchen ist das zu dezent, das hab ich schon gehört. Aber wenn ich das auf den diversen Rechnern in meinem Einzugsbereich checke, kann man es eigentlich schon erkennen, wenn man es grundsätzlich weiß. Nur so als kleine Bedienungsanleitung, um in den vollen Genuss dieser bibliotherapeutischen Exhibitionismus-Langzeitstudie zu kommen. Und nun viel Freude beim Lesen der Kommentare! Und natürlich auch beim Schreiben. Ich schätze jeden Kommentar (auch dummfreche und gemeine, die amüsieren mich! Leider viel zu wenige hier) und antworte zu stattlichen 99,97 Prozent.
24. Oktober 2010
Da ich mich noch immer zu keinem eigenen Beitrag durchringen kann, bitte ich Sie um Ihre Aufmerksamkeit für einen Beitrag in Sachen ehrenamtliches politisches Engagement. Die Initiative und Tatkraft der von mir hochgeschätzten Frau Dr. Faust und ihrer Mitstreiter sollte uns allen zum Vorbild gereichen. Mach’s mit, mach’s nach, mach’s besser!
23. Oktober 2010
22. Oktober 2010
17. Oktober 2010

Auf dem Weg in mein gmx-Postfach von der Sonne geblendet gelesen Im Herz fällt erster Schnee. Und gleich darunter Liebeskummer dauert 19 Monate. Der zweite Satz stimmt. Genauso steht es da. Nur das Herz hat die Sonne dazugedichtet. Im Harz. Da war ich glaube ich noch nie. Wenn ich mir die richtige Ecke suche, so wie jetzt, scheint die Sonne durch das offene Fenster der Gaube so warm, dass man noch unbekleidet (nackt klingt mir gerade ein bißchen zu plakativ) in der Sonne baden kann. Jetzt also Frühstück (ApfelMüsliJoghurtKaffee) im wandernden Sonnenfleck. Bilder und Filme sind so schwer zu bearbeiten, der Kontrast und die Helligkeit, das ganze Bild ist so gut wie gar nicht zu beurteilen. Aber Buchstaben tippen geht gut. Ich tippe ja sogar blind, was mir schon viel Bewunderung beschert hat. Damit kann man Leute toll beeindrucken! Ich könnte mit der Nummer sogar im Zirkus auftreten, weil ich mich dabei sogar mit jemandem unterhalten kann und ihn dabei anschauen! Ist natürlich ein bißchen albern aber schon ausprobiert. Man hat auch selber viel davon, weil man so schnell tippen kann, wie einem die Wörter in den Kopf kommen. Und gleich raus, zack zack. Ich dachte eigentlich an einen Ausflug zum Olympiastadion, wo heute nichts stattfindet, außer mir völlig schnurzpiepegale Führungen, aber ich bin heute nicht so ausflugsmäßig drauf. Die Sonne scheint zwar ganz schön, aber nicht so zuverlässig wolkenlos furios, wie ich das zum Fotografieren an so einem Ort gerne hätte. Wenn man Architektur fotografiert, braucht man den stärksten Kontrast von Sonne und Schatten, damit die Bilder nicht langweilig werden, sondern sagenhaft. Also mache ich mir einen schönen Sonntag zuhause. Immer noch in der Auguststraße.
17. Oktober 2010

Auf dem Weg in mein gmx-Postfach von der Sonne geblendet gelesen Im Herz fällt erster Schnee. Und gleich darunter Liebeskummer dauert 19 Monate. Der zweite Satz stimmt. Genauso steht es da. Nur das Herz hat die Sonne dazugedichtet. Im Harz. Da war ich glaube ich noch nie. Wenn ich mir die richtige Ecke suche, so wie jetzt, scheint die Sonne durch das offene Fenster der Gaube so warm, dass man noch unbekleidet (nackt klingt mir gerade ein bißchen zu plakativ) in der Sonne baden kann. Jetzt also Frühstück (ApfelMüsliJoghurtKaffee) im wandernden Sonnenfleck. Bilder und Filme sind so schwer zu bearbeiten, der Kontrast und die Helligkeit, das ganze Bild ist so gut wie gar nicht zu beurteilen. Aber Buchstaben tippen geht gut. Ich tippe ja sogar blind, was mir schon viel Bewunderung beschert hat. Damit kann man Leute toll beeindrucken! Ich könnte mit der Nummer sogar im Zirkus auftreten, weil ich mich dabei sogar mit jemandem unterhalten kann und ihn dabei anschauen! Ist natürlich ein bißchen albern aber schon ausprobiert. Man hat auch selber viel davon, weil man so schnell tippen kann, wie einem die Wörter in den Kopf kommen. Und gleich raus, zack zack. Ich dachte eigentlich an einen Ausflug zum Olympiastadion, wo heute nichts stattfindet, außer mir völlig schnurzpiepegale Führungen, aber ich bin heute nicht so ausflugsmäßig drauf. Die Sonne scheint zwar ganz schön, aber nicht so zuverlässig wolkenlos furios, wie ich das zum Fotografieren an so einem Ort gerne hätte. Wenn man Architektur fotografiert, braucht man den stärksten Kontrast von Sonne und Schatten, damit die Bilder nicht langweilig werden, sondern sagenhaft. Also mache ich mir einen schönen Sonntag zuhause. Immer noch in der Auguststraße.
16. Oktober 2010
14. Oktober 2010
[nur ein kleiner erklärender Kommentar, aber eigentlich doch ein Blogeintrag]

(…) Ich bin nicht aus der Welt… nur ein bißchen aus dem Internet. Und ein kleiner Umzug. Es gibt drei Orte in Berlin, um die mein Leben kreist. Einer hat sich gerade verändert. Ein Teil meines Lebens findet seit einigen Tagen in der Fasanenstraße statt. Seit langem geliebteste Straße im Westen der Stadt. Bis gerade eben noch Umzugskartons ausgepackt. Und ich habe viele hundert Bilder der letzten beiden Wochen offline, quasi in der Hinterhand;-) Sehr schöne Sachen dabei. Eva-Maria Hagen ganz nah, letzten Sonntag. Und Werner Herzogs Kameramann Thomas Mauch, der erzählte, dass es bei den Dreharbeiten für Aguirre keinerlei Lampen gab. Und eine schöne Frau, eine Zufallsbegegnung, die die Bilder von sich so sehr mochte, die ich beiläufig bei Werner Herzog von ihr einfing, dass sie ein sehr nettes Angebot machte. Das olympische Dorf. Die Atmosphäre von Olaf Heines Opening I love you, but I’ve chosen rock. Gleißende Sonne, indigoblauer Himmel in Berlin am letzten Wochenende. Und ich. Da ist kein Entrinnen. Eine Ecke in meinem Atelier, wohin ich Bilder brachte. Und mich tief ins Fleisch schnitt. Keine Metapher, die Scheibe eines großen Bilderrahmens rutschte mir aus den Händen und zersplitterte auf dem Holzboden in tausend Stücke. Eine Scherbe landete wie ein Pfeil in meinem linken Zeigefinger. Tiefe Fleischwunde. Zum Glück die Sehne nicht erwischt. Lange Blutspur auf dem Holzboden. Dauerte sehr lange, bis die Blutung stoppte. Ich starrte fasziniert auf die schöne rote Farbe meines Blutes und umwickelte die Wunde mit zwanzigfach gewickeltem Klopapier. Fingerturban. Es tat so gut wie gar nicht weh. Starke Verwundungen setzen Endorphine frei, die den Schmerz stillen. Man hat das alles in sich.
Der Körper funktioniert nach einem viel besseren System als die Seele, denke ich gerade. Seelische Vewundungen können auch durch die Ausschüttung von Endorphinen geheilt werden, aber der Mechanismus setzt nicht automatisch ein. Man muss sich darum bemühen. Tapetenwechsel, neue Augenweide-, Landeplätze finden (you are the airport of my eye verstand ich jedesmal, wenn Stevie Wonder you are the apple of my eye sang, in Sunshine of my Life). Als ich vor sechs Jahren an einem sehr schwierigen und tiefen Punkt angelangt war, reiste ich zum Antelope Canyon. Man kann auch in Gedanken reisen. Ich mache das gerade sehr viel. Wo anders hinschauen. Neue Gewohnheiten erfinden. Lesen. Bilder anschauen. Zum Beispiel Farins kiloschweres Bilder-Tagebuch seiner langen Reise durch Indien und Buthan. Ein altes Buch von Wolf Wondratschek, das mir mein guter Freund Jan neulich mitbrachte, weil er sich aufmerksam an nebensächliche Kleinigkeiten erinnern kann, wie dass ich Wondratschek mag. Und lange liegengebliebene Bücher lesen. Sich über unerwartete Bilder und Gedanken freuen. Oder nach zehn Jahren mit dem Kopf nach Norden schlafen, statt nach Süden.
14. Oktober 2010
[nur ein kleiner erklärender Kommentar, aber eigentlich doch ein Blogeintrag]

(…) Ich bin nicht aus der Welt… nur ein bißchen aus dem Internet. Und ein kleiner Umzug. Es gibt drei Orte in Berlin, um die mein Leben kreist. Einer hat sich gerade verändert. Ein Teil meines Lebens findet seit einigen Tagen in der Fasanenstraße statt. Seit langem geliebteste Straße im Westen der Stadt. Bis gerade eben noch Umzugskartons ausgepackt. Und ich habe viele hundert Bilder der letzten beiden Wochen offline, quasi in der Hinterhand;-) Sehr schöne Sachen dabei. Eva-Maria Hagen ganz nah, letzten Sonntag. Und Werner Herzogs Kameramann Thomas Mauch, der erzählte, dass es bei den Dreharbeiten für Aguirre keinerlei Lampen gab. Und eine schöne Frau, eine Zufallsbegegnung, die die Bilder von sich so sehr mochte, die ich beiläufig bei Werner Herzog von ihr einfing, dass sie ein sehr nettes Angebot machte. Das olympische Dorf. Die Atmosphäre von Olaf Heines Opening I love you, but I’ve chosen rock. Gleißende Sonne, indigoblauer Himmel in Berlin am letzten Wochenende. Und ich. Da ist kein Entrinnen. Eine Ecke in meinem Atelier, wohin ich Bilder brachte. Und mich tief ins Fleisch schnitt. Keine Metapher, die Scheibe eines großen Bilderrahmens rutschte mir aus den Händen und zersplitterte auf dem Holzboden in tausend Stücke. Eine Scherbe landete wie ein Pfeil in meinem linken Zeigefinger. Tiefe Fleischwunde. Zum Glück die Sehne nicht erwischt. Lange Blutspur auf dem Holzboden. Dauerte sehr lange, bis die Blutung stoppte. Ich starrte fasziniert auf die schöne rote Farbe meines Blutes und umwickelte die Wunde mit zwanzigfach gewickeltem Klopapier. Fingerturban. Es tat so gut wie gar nicht weh. Starke Verwundungen setzen Endorphine frei, die den Schmerz stillen. Man hat das alles in sich.
Der Körper funktioniert nach einem viel besseren System als die Seele, denke ich gerade. Seelische Vewundungen können auch durch die Ausschüttung von Endorphinen geheilt werden, aber der Mechanismus setzt nicht automatisch ein. Man muss sich darum bemühen. Tapetenwechsel, neue Augenweide-, Landeplätze finden (you are the airport of my eye verstand ich jedesmal, wenn Stevie Wonder you are the apple of my eye sang, in Sunshine of my Life). Als ich vor sechs Jahren an einem sehr schwierigen und tiefen Punkt angelangt war, reiste ich zum Antelope Canyon. Man kann auch in Gedanken reisen. Ich mache das gerade sehr viel. Wo anders hinschauen. Neue Gewohnheiten erfinden. Lesen. Bilder anschauen. Zum Beispiel Farins kiloschweres Bilder-Tagebuch seiner langen Reise durch Indien und Buthan. Ein altes Buch von Wolf Wondratschek, das mir mein guter Freund Jan neulich mitbrachte, weil er sich aufmerksam an nebensächliche Kleinigkeiten erinnern kann, wie dass ich Wondratschek mag. Und lange liegengebliebene Bücher lesen. Sich über unerwartete Bilder und Gedanken freuen. Oder nach zehn Jahren mit dem Kopf nach Norden schlafen, statt nach Süden.
08. Oktober 2010
02. Oktober 2010
Die zauberhafte Astrid North.
08. Oktober 2010
07. Oktober 2010
Heute nicht gebloggt, aber doch an anderer Stelle (gefühlt unter vier Augen) geschrieben.

Und jetzt Schlaf. Festplatte spuckt moonshadow. Halbschläfrige Gedanken an erste private Parties mit elf oder zwölf. Und Salzstangen. Und Cola. Und Dachböden an Wochenenden in elternverlassenen Häusern. Und wie schüchtern ich war. Gute Nacht.
06. Oktober 2010
Ich war nicht in Jesse Owens Sportlerunterkunft, der einzigen, die seit 1936 wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzt wurde. Ich sah nur durch die Scheibe, da ich mich keiner Gruppe anschloss. Das Hindenburghaus, die Schwimmhalle und auch den Speisesaal der Nationen kann man nur von innen sehen, wenn man eine Gruppenführung mitmacht. Nicht nur, dass ich den Zeitpunkt versäumte, ich wusste ihn gar nicht. Er war mir auch egal. Ich leide in Gruppenveranstaltungen ohnehin gerne unter Zeitkorsetten und geplanten Wegen. Aber ich sah auch ohne diese Innenaussichten so viel. Immerhin war ich in jener erwähnten vermoderten Gruselkammer und am Ende auch in der Turnhalle.
Da saß ich also nach vier oder fünf Stunden des Umhertreibens in der Nachmittagssonne auf einer gekalkten Steinbank im inneren Hof des verlassenen Nationen-Restaurants. Ich warf amüsierte Blicke auf meinen Proviant, der ausschaute wie hindrapiert. Jeder würde das denken. Das hab ich schon mal erzählt, dass einige denken, ich drapiere, lege zurecht, bevor ich fotografiere. Es stimmt höchstens insofern, dass ich nicht anders kann, als Dinge dem Auge nicht missfallend abzulegen und es gar nicht mehr bemerke. Insofern drapiere ich vermutlich mein ganzes Leben und komme nicht auf die Idee, es so zu nennen. Und mich mittenhinein. Mit oder ohne Kamera. Das könnte im Übrigen jeder. Es kostet ja nichts, außer Aufmerksamkeit beim ersten Handgriff.
Ich habe mittlerweile zirka dreihundert Bilder der Strecke weggeworfen und währenddessen gedacht, interessant, wenn die Bilder, die man löscht, gut sind. Absolut gesehen. Nur nicht besser im Vergleich mit einem ähnlichen davor oder danach. Aber wozu ziemlich gute Bilder aufbewahren, wenn eines davor oder danach dasselbe Motiv besser zeigt. Da war ein anderer Fotograf. Er grüßte mich mit einem freundlich zurückhaltenden Hallo und nickte mir zu, mit diesem gewissen vorsichtigen Respekt im Blick, der fragt „Ist es gestattet, dass ich in den Kreis ein wenig eindringe?“ Ihn interessierte zurecht die Perspektive in meiner Nähe. Ich nahm ihm die Scheu, indem ich ihn auf einen Bogen hinwies, dessen Besonderheit man nur von meiner Warte erkennen konnte. Er kam näher „Ja, tatsächlich, interessant“.
Ich konnte an seiner Art zu sprechen hören, dass er aus dem Norden kommt. Ziemlich nah bei Hamburg, vermutete ich. Aber hier in Berlin lebend. Wir sprachen über das Licht. Wie gut es an diesem Tag sei. Gestern nicht, aber heute, ganz besonders sogar. Und diese Sache mit den Gruppenführungen. Er erwähnte, er hätte die Gruppe gesehen und das Tempo, in dem sie von einem Punkt zum nächsten geführt wird. Das sei nichts für ihn. Da wäre überhaupt keine Zeit, irgendetwas in Ruhe zu fotografieren. Ich musste grinsen. Er meinte, es sei sicher nicht das letzte mal, dass er hier wäre, man müsste sich vielleicht einfach als Gruppe anmelden, ein paar Leute, die einfach nur in Ruhe fotografieren wollen. Ich nickte halb zustimmend, aber wusste nach kurzem Überlegen, dass ich ebenso wenig Lust hätte, in einer Gruppe mit aller Zeit der Welt, verabredet zu fotografieren. Aber man muss nicht jeden Hintergedanken ausbreiten. Er verabschiedete sich sehr freundlich lächelnd.
Ich blieb noch ein Weilchen auf meiner Bank, blinzelte zufrieden in die Nachmittagssonne. Von Weitem sah ich die erwähnte Gruppe in die Ellipse, das innere Auge des mittlerweile halbschattigen Hofes treten. Sie kam aus dem Speisehaus. Ich stand auf und näherte mich, einen anderen Bogen der Deckenkonstruktion im Fokus. Noch mit halbem Ohr nahm ich wahr, dass ich dem unfreiwillig schnarrenden Ton des Führers nicht gerne zuhören mochte, geschweige denn folgen. Ich hatte also nicht viel versäumt und ging zielstrebig Richtung Ausgang, an der Gruppe vorbei. Einen kurzen Moment fühlte ich die unterbrochene Aufmerksamkeit für den Vortrag und spürte meine kleine große Freiheit.
Jesse Owens taucht oft auf, dort im olympischen Dorf. Auf Bildern. Was für ein sympathisches, warmherziges Lachen. Ich stelle mir vor, wie er in diesem verrückten Spiel für große Kinder gesprintet ist und dabei gelacht hat. Er war der erfolgreichste Sportler 1936. Und der strahlendste. Für mich der Schönste.

Nielsen Owens
Innerhalb dieser Zeilen versteckt sich kein Link zur Fotostrecke, nur das eine Bild da oben. Die anderen wollen noch ein bißchen bei mir zuhause bleiben. Ich finde, ich sollte mir jetzt auch noch einmal in Ruhe das Olympiastadion ansehen. Ich kenne es nur von Konzerten. Eigentlich fällt mir gerade sogar nur ein einziges Konzert Anfang der Neunziger ein, bei dem ich es von innen sah, ein Stones-Konzert. Sonst bin ich wohl nur sehr oft daran vorbei gelaufen, auf dem Weg zur Waldbühne. Es verlassen zu sehen, wenn nichts stattfindet, ist bestimmt sehr interessant. Vielleicht morgen.
03. Oktober 2010
Ich war heute in Olympia-Elstal. Bevor ich losging, ließ ich Leni Riefenstahls Final Diving Sequence aus ihrem Olympia-Film laufen. Aber die Musik war mir unerträglich. Ich machte den Ton weg und ließ querbeet Musik von meiner Festplatte dazu laufen. Ich war ziemlich beeindruckt von der Wirkung. Die Turmspringer im Himmel. Besonders ab Minute 1:12. Ich klickte ungefähr sieben oder achtmal auf replay und hörte immer andere Musik dazu. Alles passte. Alles grandios. Ich hatte noch nie den Impuls, Filmbilder von jemand anderem sequenzenweise zu verwenden. Heute ja, als ich diese Turmspringer wieder und wieder sah. Und das asiatische Mädchen im Zuschauerrang.

Bei schönstem Sonnenlicht mit einem Regionalzug Richtung Rathenow vom Alex nach Elstal. Ich kam mit beinah soviel Bildern zurück, wie ich sonst von zweiwöchigen Reisen hochlade. Fast Tausend. Ich muss die erstmal drehen und aussortieren. Sicher hat noch nie jemand so viele Bilder bei einem einzigen Besuch im olympischen Dorf gemacht. Großartige Augenblicke. Das Licht war so weich und klar und satt. Ein echter Spätsommertag. Noch kein Herbsttag. Herbst fühlt sich anders an. Tiefblauer Himmel. Arizona-Indigo. Starke, eigenwillige Kiefern. Sympathische, unprätentiöse Architektur bei den Sportlerunterkünften. Wunderbare Natursteine auf den Terrassen. Bei einer Unterkunft stand die Tür offen, ich trat näher, ging hinein. Ich erblickte einen Raum mit den unfassbarsten, unbeschreiblichsten Zeichen des Verfalls. Ich dachte, ich träume. Von der Decke hing eine bizarres Gebilde aus weißfaserigem Hausschwamm und Spinnweben, so dicht und haarig, wie ein verrottendes Tierfell. So etwas kennt man nur aus verrückten Traumsequenzen oder David Lynch-Filmen. Ich hab das Gefühl, ich war eine Woche weg. Man muss das ganz oft machen, solche Ausflüge in die nähere Umgebung. Elstal ist nicht weit weg von Berlin. Das war ein wirklich großer Ausflug, diese kleine Reise. Aber Reisen war immer schon mein Glück. Ob nah oder fern. Wenn ich unterwegs bin, fühle ich mich zuhause, am richtigen Ort. Wenn die Landschaft am Zugfenster vorbeifliegt und mir unbekannte Baumwipfel zuwinken.
03. Oktober 2010
Ich war heute in Olympia-Elstal. Bevor ich losging, ließ ich Leni Riefenstahls Final Diving Sequence aus ihrem Olympia-Film laufen. Aber die Musik war mir unerträglich. Ich machte den Ton weg und ließ querbeet Musik von meiner Festplatte dazu laufen. Ich war ziemlich beeindruckt von der Wirkung. Die Turmspringer im Himmel. Besonders ab Minute 1:12. Ich klickte ungefähr sieben oder achtmal auf replay und hörte immer andere Musik dazu. Alles passte. Alles grandios. Ich hatte noch nie den Impuls, Filmbilder von jemand anderem sequenzenweise zu verwenden. Heute ja, als ich diese Turmspringer wieder und wieder sah. Und das asiatische Mädchen im Zuschauerrang.

Bei schönstem Sonnenlicht mit einem Regionalzug Richtung Rathenow vom Alex nach Elstal. Ich kam mit beinah soviel Bildern zurück, wie ich sonst von zweiwöchigen Reisen hochlade. Fast Tausend. Ich muss die erstmal drehen und aussortieren. Sicher hat noch nie jemand so viele Bilder bei einem einzigen Besuch im olympischen Dorf gemacht. Großartige Augenblicke. Das Licht war so weich und klar und satt. Ein echter Spätsommertag. Noch kein Herbsttag. Herbst fühlt sich anders an. Tiefblauer Himmel. Arizona-Indigo. Starke, eigenwillige Kiefern. Sympathische, unprätentiöse Architektur bei den Sportlerunterkünften. Wunderbare Natursteine auf den Terrassen. Bei einer Unterkunft stand die Tür offen, ich trat näher, ging hinein. Ich erblickte einen Raum mit den unfassbarsten, unbeschreiblichsten Zeichen des Verfalls. Ich dachte, ich träume. Von der Decke hing eine bizarres Gebilde aus weißfaserigem Hausschwamm und Spinnweben, so dicht und haarig, wie ein verrottendes Tierfell. So etwas kennt man nur aus verrückten Traumsequenzen oder David Lynch-Filmen. Ich hab das Gefühl, ich war eine Woche weg. Man muss das ganz oft machen, solche Ausflüge in die nähere Umgebung. Elstal ist nicht weit weg von Berlin. Das war ein wirklich großer Ausflug, diese kleine Reise. Aber Reisen war immer schon mein Glück. Ob nah oder fern. Wenn ich unterwegs bin, fühle ich mich zuhause, am richtigen Ort. Wenn die Landschaft am Zugfenster vorbeifliegt und mir unbekannte Baumwipfel zuwinken.
29. September 2010

ich höre in den letzten Tagen, Wochen immer wieder diese Aufnahme von Rios Der Traum ist aus. Der Mitschnitt entstand 1988 bei einem von zwei aufeinanderfolgenden Konzerten in der Seelenbinderhalle in Ost-Berlin. Ich weiß nicht, wieviel Tausend Ost-Berliner Fans von Rio jede einzelne Zeile auswendig (by heart heißt es ja auf Englisch) mitsangen, ein Jahr vor dem Mauerfall. Die Aufnahme verursacht mir auch beim hundertsten Hören eine Gänsehaut. Es gab eine Woche später eine Übertragung des Konzertmitschnittes im DDR-Radio, mit allen Ansagen, heißt es. Nur dieses Stück wurde herausgeschnitten. Dieses eine.
Ich hab geträumt
der Winter wär vorbei
Du warst hier
und wir waren frei
Und die Morgensonne schien
Es gab keine Angst
und nichts zu verliern
Es war Friede bei den Menschen
und unter den Tieren
Das war das Paradies
Der Traum ist aus
Der Traum ist aus
Aber ich werde alles geben
daß er Wirklichkeit wird
Ich hab geträumt
der Krieg wär vorbei
Du warst hier
und wir waren frei
Und die Morgensonne schien
Alle Türen waren offen
die Gefängnisse leer
Es gab keine Waffen
und keine Kriege mehr
Das war das Paradies
Gibt es ein Land auf der Erde
Wo der Traum Wirklichkeit ist
Ich weiß es wirklich nicht
Ich weiß nur eins
und da bin ich sicher
Dieses Land ist es nicht
Dieses Land ist es nicht
Der Traum ist ein Traum
zu dieser Zeit
Doch nicht mehr lange
mach dich bereit
Für den Kampf ums Paradies
Wir hab´n nichts zu verlieren
außer unser Angst
Es ist unsere Zukunft
unser Land
Gib mir deine Liebe
gib mir deine Hand
Rio Reiser
02. Oktober 2010
Die zauberhafte Astrid North.
02. Oktober 2010

Heine vs. Herzog. Selber Abend. Olaf Heine hat eine mir sehr vertraute Art, die Kamera zu halten. Egal, ob er ein Ärzte-Video macht oder Iggy Pop fotografiert. Also nächste Woche zuerst zu Herrn Herzog in die Fasanenstraße und nach einem Stündchen oder so verschwinden zu Herrn Heine nach Mitte. Kriegt man schon irgendwie hin. Ich sag dann einfach als Entschuldigung zu Herzog: I LOVE YOU, BUT I’VE CHOSEN ROCK!
02. Oktober 2010
Gestern zur Freundin: „Mal gucken, vielleicht mach ich ja ein Nazi-Wochenende. Samstag Olympisches Dorf und Sonntag Plötzensee.“
Die Sonne ist gerade herausgekommen. Aber mir ist heute nicht nach Ausflug machen. Morgen vielleicht. Das Olympische Dorf von 1936 von Werner und Walter March interessiert mich. Inwiefern dort Pathos, Größenwahn und Monumentalismus vertreten sind. Sehr spannend. Ich gebe zu, dass mich überdimensionale Entwürfe und Visionen in der Architektur und im Denken nicht unbeeindruckt lassen. Von dem Aspekt überdimensionaler Menschenverachtung abgesehen.
Plötzensee braucht, ohne das eigens erwähnen zu müssen, eine andere innere Verfassung. Veruschka von Lehndorffs Vater Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort wurde dort erhängt. Bei jener Ausstellungseröffnung in Berlin, im letzten Jahr sprachen wir draußen vor der Tür bei einer Zigarette darüber, dass sie gerade eine Rede vorbereitete, anlässlich seines hundertsten Geburtstages. Sie sagte, dass sie eigentlich gerne länger bleiben würde, aber diese Rede trieb sie so um, an der sie noch schrieb, und sie verabschiedete sich mit einem warmen Händedruck. In einer Dokumentation über sie kann man erkennen, wie sehr sie das Schicksal ihres ermordeten Vaters zeitlebens beschäftigte.

[der sehr bewegende Abschiedsbrief ihres Vaters]
30. September 2010
Komisch irgendwie. Hab gestern Nacht gegen meine sonstigen Gewohnheiten zweieinhalb Sätze als facebook-Statusmeldung gepostet und fühle mich, als wäre ich fremdgegangen. Aber keine Gefahr. Ihr verpasst wirklich rein gar nichts. Ich poste normalerweise nur links zu meinen Blogeinträgen hier. Und damit die goldenen Worte meiner einmaligen Statusmeldung (ich sage ja gerne Stasimeldung dazu) nicht verlorengehen, kopier ich die jetzt einfach hier rein! (Die soll schließlich auch ins Museum!):
Gaga Nielsen …
„nein, du sollst doch nicht immer so angeben, Frau Nielsen!
(aber macht doch Spaß!)
freu mich gerade auf Eva-Maria. Die Omi von C.
ganz bald. 76 und sehr sexy. Aber das schreib ich nur auf das doofe facebook. Im Blog wird elegant gebloggt. Das ist für die bleibenden und wahren Werte. Ohne Halbwertzeit. Für die große Monitorwand im Museum für Kommunikation! Ha! Der andere trash kann in die Tonne. weg damit.“
Diese nicht ganz von Arroganz freie Meldung haben zu meiner großen Überraschung sogar vier Leute Freunde gemocht (Yvelle von Alzheim, Tina Hahn, Marc Soltau und einer meiner zweieinhalb Neffen) und der hat sogar kommentiert, nämlich:
„YEAH!! Gut so, Gaga…!“
Also, ihr habt nichts verpasst. Ich hab dann auch nochmal drauf kommentiert, nämlich:
Gaga Nielsen …
http://www.eva-maria-hagen.de/Cosma/Cosma_zeichnung.shtml
:-)
Und mein Neffe hat das gemocht! Also bitte. Was will man mehr.
Und jetzt weiter hier! (Passt auch gerade ganz gut zu Isas Mauerfall) Doppelte Buchführung ist einfach Kacke. Um nicht zu sagen Lebenszeitverschwendung. Unsexy.
Und das Schöne ist, jetzt kann ich die fb-Pinnwand wieder ohne Wehmut leerfeudeln, wie ich das immer so gerne mache. Ich hab aber noch ein kleines fb-Geheimnis: bis vor kurzem hatte ich die Benachrichtigungs-Funktion aktiviert, die dafür sorgt, dass man eine Mail über jeden neuen Kommentar-Eintrag erhält. Ein paar der schönsten Kommentare des letzten Jahres sind so erhalten. (Bei einigen tut es mir doch leid, wenn sie so ganz im Nichts verschwinden, diese kleinen Zeichen von Zuwendung.) Bis mich der Rappel packt und ich auch noch irgendwann alle E-Mails lösche. Wenn die Sehnsucht nach einem Neuanfang überhand nimmt. Aber erst mal tun mir die vielen Worte im Postfach nicht weh. Ich lese sie ja nicht mehr. Man kann sich auch angewöhnen, über bestimmte Dinge konsequent hinwegzusehen. Daran vorbeizuschauen. Ok. Jetzt wisst ihr Bescheid. Dann kann es ja wieder hier weitergehen. Ich hab schon den nächsten Blogeintrag hinter dem vorderen Stirnlappen! Und alles was hier geschieht, jeder Buchstabe, den ihr tippt, wird demütig archiviert. Ihr wollt doch auch ins Museum.
01. Oktober 2010
Gerade wo kommentiert. Dann fiel mir auf, dass ich einen schwerwiegenden Fehler drinhabe. (Ein wordpress-Blog ohne Editier-Funktion)
„(…) Und warum überhaupt eine Tapete an die Decke kleben? Da würden wahrscheinlich alle damit kämpfen und fluchen. Ich ärgere mich geradezu, dass in meiner Wohnung diese fürchterlichen Raufasertapeten kleben, das ist ja nun wirklich Eighties bis der Arzt kommt, aber ich bin dann auch zu faul gewesen, den Krempel runterzureißen. War auch alles tipp topp. Aber wenn man jetzt mal aus Versehen ein Foto vor einer der weißen Wände macht, ärgert man sich über das Pickel-Relief dieser Raufasertapete. Wie schön ist dagegen der nackte Putz auf einem Mauerwerk. Und so fotogen.“
Natürlich muss es korrekt heißen Seventies (obwohl Und RauHfasertapete. Geißel der Menschheit!
30. September 2010
Komisch irgendwie. Hab gestern Nacht gegen meine sonstigen Gewohnheiten zweieinhalb Sätze als facebook-Statusmeldung gepostet und fühle mich, als wäre ich fremdgegangen. Aber keine Gefahr. Ihr verpasst wirklich rein gar nichts. Ich poste normalerweise nur links zu meinen Blogeinträgen hier. Und damit die goldenen Worte meiner einmaligen Statusmeldung (ich sage ja gerne Stasimeldung dazu) nicht verlorengehen, kopier ich die jetzt einfach hier rein! (Die soll schließlich auch ins Museum!):
Gaga Nielsen …
„nein, du sollst doch nicht immer so angeben, Frau Nielsen!
(aber macht doch Spaß!)
freu mich gerade auf Eva-Maria. Die Omi von C.
ganz bald. 76 und sehr sexy. Aber das schreib ich nur auf das doofe facebook. Im Blog wird elegant gebloggt. Das ist für die bleibenden und wahren Werte. Ohne Halbwertzeit. Für die große Monitorwand im Museum für Kommunikation! Ha! Der andere trash kann in die Tonne. weg damit.“
Diese nicht ganz von Arroganz freie Meldung haben zu meiner großen Überraschung sogar vier Leute Freunde gemocht (Yvelle von Alzheim, Tina Hahn, Marc Soltau und einer meiner zweieinhalb Neffen) und der hat sogar kommentiert, nämlich:
„YEAH!! Gut so, Gaga…!“
Also, ihr habt nichts verpasst. Ich hab dann auch nochmal drauf kommentiert, nämlich:
Gaga Nielsen …
http://www.eva-maria-hagen.de/Cosma/Cosma_zeichnung.shtml
:-)
Und mein Neffe hat das gemocht! Also bitte. Was will man mehr.
Und jetzt weiter hier! (Passt auch gerade ganz gut zu Isas Mauerfall) Doppelte Buchführung ist einfach Kacke. Um nicht zu sagen Lebenszeitverschwendung. Unsexy.
Und das Schöne ist, jetzt kann ich die fb-Pinnwand wieder ohne Wehmut leerfeudeln, wie ich das immer so gerne mache. Ich hab aber noch ein kleines fb-Geheimnis: bis vor kurzem hatte ich die Benachrichtigungs-Funktion aktiviert, die dafür sorgt, dass man eine Mail über jeden neuen Kommentar-Eintrag erhält. Ein paar der schönsten Kommentare des letzten Jahres sind so erhalten. (Bei einigen tut es mir doch leid, wenn sie so ganz im Nichts verschwinden, diese kleinen Zeichen von Zuwendung.) Bis mich der Rappel packt und ich auch noch irgendwann alle E-Mails lösche. Wenn die Sehnsucht nach einem Neuanfang überhand nimmt. Aber erst mal tun mir die vielen Worte im Postfach nicht weh. Ich lese sie ja nicht mehr. Man kann sich auch angewöhnen, über bestimmte Dinge konsequent hinwegzusehen. Daran vorbeizuschauen. Ok. Jetzt wisst ihr Bescheid. Dann kann es ja wieder hier weitergehen. Ich hab schon den nächsten Blogeintrag hinter dem vorderen Stirnlappen! Und alles was hier geschieht, jeder Buchstabe, den ihr tippt, wird demütig archiviert. Ihr wollt doch auch ins Museum.
29. September 2010

ich höre in den letzten Tagen, Wochen immer wieder diese Aufnahme von Rios Der Traum ist aus. Der Mitschnitt entstand 1988 bei einem von zwei aufeinanderfolgenden Konzerten in der Seelenbinderhalle in Ost-Berlin. Ich weiß nicht, wieviel Tausend Ost-Berliner Fans von Rio jede einzelne Zeile auswendig (by heart heißt es ja auf Englisch) mitsangen, ein Jahr vor dem Mauerfall. Die Aufnahme verursacht mir auch beim hundertsten Hören eine Gänsehaut. Es gab eine Woche später eine Übertragung des Konzertmitschnittes im DDR-Radio, mit allen Ansagen, heißt es. Nur dieses Stück wurde herausgeschnitten. Dieses eine.
Ich hab geträumt
der Winter wär vorbei
Du warst hier
und wir waren frei
Und die Morgensonne schien
Es gab keine Angst
und nichts zu verliern
Es war Friede bei den Menschen
und unter den Tieren
Das war das Paradies
Der Traum ist aus
Der Traum ist aus
Aber ich werde alles geben
daß er Wirklichkeit wird
Ich hab geträumt
der Krieg wär vorbei
Du warst hier
und wir waren frei
Und die Morgensonne schien
Alle Türen waren offen
die Gefängnisse leer
Es gab keine Waffen
und keine Kriege mehr
Das war das Paradies
Gibt es ein Land auf der Erde
Wo der Traum Wirklichkeit ist
Ich weiß es wirklich nicht
Ich weiß nur eins
und da bin ich sicher
Dieses Land ist es nicht
Dieses Land ist es nicht
Der Traum ist ein Traum
zu dieser Zeit
Doch nicht mehr lange
mach dich bereit
Für den Kampf ums Paradies
Wir hab´n nichts zu verlieren
außer unser Angst
Es ist unsere Zukunft
unser Land
Gib mir deine Liebe
gib mir deine Hand
Rio Reiser
28. September 2010

Ich fotografiere selten Paare, Menschen, die sich mehr als freundschaftlich zugetan sind. Das ist sehr schön. Beschäftigt mich gerade. Dass so etwas überhaupt möglich ist, setzt ein gewisses Vertrauen voraus. Ich erinnere mich, was mir Bilder bedeuteten, bedeuten konnten, die mich mit einem besonders geliebten Menschen zeigten. Zauberkraft. Zauberhaft. Eine winzige Geste der Zuwendung einzufangen. Vielleicht sogar ein wenig schüchtern. Das war, das ist ganz wunderbar.
27. September 2010
Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe.
27. September 2010

Auch schön… Werner Herzog zeigt Film Stills. Übernächsten Freitag. Wunderbares Motiv auf der Einladungskarte. Wer würde von hinten denken, dass es sich um den rotzigen Kinski handelt, wüsste man nicht, dass es ein Still aus Fitzcarraldo ist und dächte man sich das Schiff weg. Fast ein Renoir nur ohne Häkelborte.
27. September 2010

Déjà vu, KlEiNeS. Denke Freiraum… Der Sinn des Ganzen. Damit neue Wege entstehen Ich ging einen Weg. Und stand vor einer Mauer. Und dann drehte ich mich um. Und ich nehme das Gold. Nehme es mit. Trage es bei mir. Im Herzen. Nehme es mit. Unverkäuflich. Unveräußerlich. In mir. Immer bei mir. Wohin der Wind mich treibt. In meiner Hand. Hab es bei mir. Nehm es mit. Kein Blech, kein Blei, das am wärmsten glänzende Metall. Das Edelste von allen. Nehme es mit. Zum Horizont. Gehe zum Horizont. Allein oder mit dir. Wer du auch bist. (nehm es mit)

wherever you are
27. September 2010
Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe.
27. September 2010

Auch schön… Werner Herzog zeigt Film Stills. Übernächsten Freitag. Wunderbares Motiv auf der Einladungskarte. Wer würde von hinten denken, dass es sich um den rotzigen Kinski handelt, wüsste man nicht, dass es ein Still aus Fitzcarraldo ist und dächte man sich das Schiff weg. Fast ein Renoir nur ohne Häkelborte.
26. September 2010
26. September 2010
24. September 2010
24. September 2010
Sternstunden der Menschheit.
22. September 2010

Freundin vorhin zum Lachen gebracht, als ich ihr erzählte, dass ich morgen bei zur Security ein Codewort sagen soll. Zum Glück keinen Zahlencode. Überlege gerade, was Bond Girls so anhaben, außer Bikinis. Das wird einen netten kleinen Auflauf von Mädels in Fick-mich-Klamotten geben. Muss man sich gar nicht als Tussi verkleiden, um aufzufallen.
22. September 2010

Freundin vorhin zum Lachen gebracht, als ich ihr erzählte, dass ich morgen bei zur Security ein Codewort sagen soll. Zum Glück keinen Zahlencode. Überlege gerade, was Bond Girls so anhaben, außer Bikinis. Das wird einen netten kleinen Auflauf von Mädels in Fick-mich-Klamotten geben. Muss man sich gar nicht als Tussi verkleiden, um aufzufallen.
19. September 2010
Nicht uninteressante Suchanfrage*. „Nachlassen der Libido 21“. Nicht: Nachlassen der Libido 20 oder 19. Einundzwanzig diesmal also. Spannend. Interessante Problematik! Auf meinem Blog finden Sie selbstverständlich auch darauf eine befriedigende Antwort.

*in aus Stuttgart
20. September 2010
Ich bin der Nachtwind, hörst du mich?
Ich trage die Fahne, ich frage nicht,
ahne den Morgen, der schmale Streifen
am Horizont zeigt mir den Weg.
Ich bin der Morgenstern, siehst du mich?
Ich küsse die Schlafenden, ich frage nicht,
suche die Blumen, der winzige Tropfen
Silbertau zeigt mir den Weg.
Ich bin die Sonne, fühlst du mich?
ich trockne die Tränen, ich frage nicht,
wecke das Leben, die kleine Knospe
am Apfelbaum zeigt mir den Weg.
Ich bin der Frühlingssturm, kennst du mich?
Ich bringe den Regen, ich frage nicht,
trage die Wünsche, die vergrabene Hoffnung
in deinem Herzen, zeig mir den Weg.
Rio Reiser
19. September 2010
Denke seit zwei Tagen darüber nach, in welchen Bereichen man warum entscheidet, diskret zu bleiben. Über anderes denkt man gar nicht großartig nach. Dann dachte ich so für mich, ich bin in den Bereichen am diskretesten, in denen es eine Unsicherheit gibt. Und dass diejenigen, die ihre menschlichen Bindungen transparent machen, vermutlich eine große Sicherheit darüber empfinden. Interessant auch zu sehen, dass man es als Person des öffentlichen Interesses durch skorpionische Abwehr über ein Vierteljahrhundert schaffen kann, dass so gut wie nichts über das Privatleben an die Öffentlichkeit dringt. Fasziniert mich gerade.

19. September 2010
„(…) Von Onkel Dieter, dem dreißigjährigen, geistig behinderten, dicken Sohn von Tante Maja bekam ich Micky Maus-Hefte. Er kicherte ständig, auch wenn es nichts zu lachen gab, und wurde ganz unruhig, wenn ein weibliches Wesen in seine Nähe kam. Wenn er meiner Mutter seine fleischige Hand auf die Schenkel legte, schlug Tante Maja ihm mit einem Holzlineal auf die Finger. Onkel Dieter hatte einen schönen Tod. (…)“
Paul und ich, Winfried Glatzeder
19. September 2010
Nicht uninteressante Suchanfrage*. „Nachlassen der Libido 21“. Nicht: Nachlassen der Libido 20 oder 19. Einundzwanzig diesmal also. Spannend. Interessante Problematik! Auf meinem Blog finden Sie selbstverständlich auch darauf eine befriedigende Antwort.

*in aus Stuttgart
19. September 2010
Pläne einfach über den Haufen werfen. Das ist ein sehr schönes, befreiendes Gefühl. Ich mache das zu selten, weil ich so gut wie nie Pläne mache. Aber kleine Pläne machen und sie dann über den Haufen werfen, das könnte mir gefallen! Weg damit! Sich selbst aus Verpflichtungen entlassen. Wunderbar. Ich hatte nur einen winzigen Plan für heute, so ab Mittag. Ich wollte Filmmaterial schneiden, das schon bald ein Jahr alt ist. Bei youtube kann man jetzt neuerdings fünfzehn Minuten hochladen. Das ist die Chance, doch noch den Besuch mit dem Interview bei Radio Fritz zu zeigen, ohne zuviel von dem Gequatsche hinter den Kulissen wegzuschneiden. So Zweiteiler mag ich nicht so gerne. Aber ich hatte keine Lust, die Datei zu öffnen. Heute nicht. Ich hab sie dann doch mal plangemäß aufgemacht, die Projektdatei, relativ spät, aber gleich wieder das Programm gewechselt und alle möglichen Songs bei youtube geguckt und gerippt, ich Sau. Aber immerhin drei Einträge gebloggt. Und die Erkenntnis gewonnen, dass der Fehler nicht darin besteht, einen Vorsatz nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt auszuführen, sondern darin, zu glauben, es müsste einen bestimmten Zeitpunkt geben. Dabei lehrt die Erfahrung, dass die Dinge ihren ihnen gemäßen Zeitpunkt haben. Man muss eigentlich nur entspannt darauf warten. Und dann macht man ohnehin, was getan werden will. Alles ganz einfach eigentlich!

19. September 2010

»Selbst auf einer Anklagebank ist es immer interessant, von sich sprechen zu hören. Ich kann sagen, dass während der Plädoyers des Staatsanwalts und meines Verteidigers viel von mir gesprochen wurde und vielleicht mehr von mir als von meinem Verbrechen.«
Der Fremde, Albert Camus
(Übers. Uli Aumüller)
19. September 2010
19. September 2010
Denke seit zwei Tagen darüber nach, in welchen Bereichen man warum entscheidet, diskret zu bleiben. Über anderes denkt man gar nicht großartig nach. Dann dachte ich so für mich, ich bin in den Bereichen am diskretesten, in denen es eine Unsicherheit gibt. Und dass diejenigen, die ihre menschlichen Bindungen transparent machen, vermutlich eine große Sicherheit darüber empfinden. Interessant auch zu sehen, dass man es als Person des öffentlichen Interesses durch skorpionische Abwehr über ein Vierteljahrhundert schaffen kann, dass so gut wie nichts über das Privatleben an die Öffentlichkeit dringt. Fasziniert mich gerade.

18. September 2010
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Beim Flanieren durch einen Renaissancegarten. Mich suchen seltsame Gefühle heim, wenn ich durch solche Anlagen laufe. Ich empfinde eine Selbstverständlichkeit, die mich irritiert. Dabei hätte ich durchaus nicht gerne ein Schloss, aber wenn ich durch einen Schlossgarten und das zugehörige Gebäude laufe, ist es ein Gefühl wie ‚ja ja, kenn ich‘. So war es im Giardino di Boboli in Florenz und auch in Versailles. In Sans Souci und Herrenchiemsee. Überall. Eine Mischung aus einem erhebenden, vertrauten Gefühl und gleichzeitig beinah an Langeweile grenzender Selbstverständlichkeit. Ich habe dabei aber nicht die Wahrnehmung, dass mich Erkennen aus einer früheren Zeit als Kammerzofe oder Gärtner heimsucht. Meine Schritte sind schon ein bißchen einnehmender, raumgreifender. Das klingt vielleicht für manchen nach Wunschdenken aber tatsächlich ist es nur eine Feststellung. Schwer zu erklären. Als Kind bewahrte ich nach einem Besuch eine Bilderziehhamonika auf, die den maurischen Kiosk von König Ludwig im Park von Schloss Linderhof zeigte. Bis heute ist das der einzige Ort in Linderhof, an den ich mich lebhaft erinnere. Aber sonst finde ich seine und auch andere Schlösser eher ungemütlich, die Fläche der Räume und Gärten allerdings von angemessener Großzügigkeit. Viel lieber als ein Schloss mit einem ausgezirkelten Garten mit Buchsbäumen und Statuen und Treppen und Arkaden hätte ich ein futuristisches Anwesen, ein alleinstehendes Ufo in der Wüste oder einer bergigen Wildnis oder ein Vogelnest an einer Steilküste am Meer. Gewagte Linien. Oder ein Haus von Luis Barragán. Ich weiß nicht, ob das ein Kindheits-déjà vu ist, mit dieser Vertrautheit von Schlössern und ihren Gärten. Oder vom zu viele Sissi-Filme gucken. Ich fühle mich auf eine familiäre Art zuhause und will aber auch wieder weg. So wie man das Gefühl hat, man ist jetzt aber langsam mal alt genug, sich etwas Eigenes zu suchen. Flügge zu werden. Dann gehe ich, aber ohne Sehnsucht.

[…]
18. September 2010
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Beim Flanieren durch einen Renaissancegarten. Mich suchen seltsame Gefühle heim, wenn ich durch solche Anlagen laufe. Ich empfinde eine Selbstverständlichkeit, die mich irritiert. Dabei hätte ich durchaus nicht gerne ein Schloss, aber wenn ich durch einen Schlossgarten und das zugehörige Gebäude laufe, ist es ein Gefühl wie ‚ja ja, kenn ich‘. So war es im Giardino di Boboli in Florenz und auch in Versailles. In Sans Souci und Herrenchiemsee. Überall. Eine Mischung aus einem erhebenden, vertrauten Gefühl und gleichzeitig beinah an Langeweile grenzender Selbstverständlichkeit. Ich habe dabei aber nicht die Wahrnehmung, dass mich Erkennen aus einer früheren Zeit als Kammerzofe oder Gärtner heimsucht. Meine Schritte sind schon ein bißchen einnehmender, raumgreifender. Das klingt vielleicht für manchen nach Wunschdenken aber tatsächlich ist es nur eine Feststellung. Schwer zu erklären. Als Kind bewahrte ich nach einem Besuch eine Bilderziehhamonika auf, die den maurischen Kiosk von König Ludwig im Park von Schloss Linderhof zeigte. Bis heute ist das der einzige Ort in Linderhof, an den ich mich lebhaft erinnere. Aber sonst finde ich seine und auch andere Schlösser eher ungemütlich, die Fläche der Räume und Gärten allerdings von angemessener Großzügigkeit. Viel lieber als ein Schloss mit einem ausgezirkelten Garten mit Buchsbäumen und Statuen und Treppen und Arkaden hätte ich ein futuristisches Anwesen, ein alleinstehendes Ufo in der Wüste oder einer bergigen Wildnis oder ein Vogelnest an einer Steilküste am Meer. Gewagte Linien. Oder ein Haus von Luis Barragán. Ich weiß nicht, ob das ein Kindheits-déjà vu ist, mit dieser Vertrautheit von Schlössern und ihren Gärten. Oder vom zu viele Sissi-Filme gucken. Ich fühle mich auf eine familiäre Art zuhause und will aber auch wieder weg. So wie man das Gefühl hat, man ist jetzt aber langsam mal alt genug, sich etwas Eigenes zu suchen. Flügge zu werden. Dann gehe ich, aber ohne Sehnsucht.

[…]
16. September 2010
Alle, fast alle Newsletter abbestellt. Zwei oder drei, die ich beibehalte. Gar nicht aus Interesse. Eher aus Mitgefühl. Solidarität. Um niemanden – jemanden – nicht vor den Kopf zu stoßen. Die nicht mehr zu beurteilende Qualität und Relevanz trunkener nächtlicher Blogeinträge. Da war noch was. So ein Gedankenfetzen. Weg ist er… ich gehe schlafen. Vielleicht überlebt der Gedanke, seine Essenz. Oder sucht mich in Träumen heim. Früher dachte ich, ich träumte weit weniger, als ich es tue, aber ich könnte heute schwören, ich träume jede zweite Nacht von euch, die ihr mein Leben – – – mir fehlt das allumfassende Verb. Beeinflusstet. Das klingt ja gar nicht schön. Ähnlich blöd wäre penetriertet, infilitriertet, was da noch der Worte wären. Ich sollte schlafen. Darüber schlafen. Alles.
Aber eines sag ich euch, auch als Seelenkriegerin, mit tiefen Schlieren, Wunden, Narben, noch blutend, kann man sich gut fühlen. Stark fühlen. Hoffnung spüren.

auch schön und wahr.
16. September 2010
Alle, fast alle Newsletter abbestellt. Zwei oder drei, die ich beibehalte. Gar nicht aus Interesse. Eher aus Mitgefühl. Solidarität. Um niemanden – jemanden – nicht vor den Kopf zu stoßen. Die nicht mehr zu beurteilende Qualität und Relevanz trunkener nächtlicher Blogeinträge. Da war noch was. So ein Gedankenfetzen. Weg ist er… ich gehe schlafen. Vielleicht überlebt der Gedanke, seine Essenz. Oder sucht mich in Träumen heim. Früher dachte ich, ich träumte weit weniger, als ich es tue, aber ich könnte heute schwören, ich träume jede zweite Nacht von euch, die ihr mein Leben – – – mir fehlt das allumfassende Verb. Beeinflusstet. Das klingt ja gar nicht schön. Ähnlich blöd wäre penetriertet, infilitriertet, was da noch der Worte wären. Ich sollte schlafen. Darüber schlafen. Alles.
Aber eines sag ich euch, auch als Seelenkriegerin, mit tiefen Schlieren, Wunden, Narben, noch blutend, kann man sich gut fühlen. Stark fühlen. Hoffnung spüren.

auch schön und wahr.
16. September 2010
Wir verschwinden
unter dem Brennglas des Moments
es bleibt nichts als ein Umriss
wenn sich das Glück in die Zeit brennt
und ich könnt’ wetten, dass du das weißt
obwohl du es nicht sagst
ich weiß du weißt das
und trotzdem drückst du ab
Und ein Stück von mir
wird ein Teil von dir
doch zu zweit passen wir durch keine Tür
und jeder Raum wird sofort zu klein
und wir wissen beide was nicht sein soll, soll nicht sein
nur manchmal kann ich dich nicht verschmerzen und dann
find ich dich in meinem Herzen
Wolfgang Müller
15. September 2010
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in between
Warum ich wieder durch’s Gestrüpp krauche. Wie eine Katze über Wiesen streune. Ich kehre dahin zurück, woher ich kam. Es ist ein heiler Ort in mir. Mein inneres Zuhause. Manchmal konnte es ein Mensch sein, dem ich vertraute. Wenn die Möglichkeit verloren geht, die Wildnis und den weiten unwägbaren Horizont in einem geliebten Gegenüber zu sehen, gehe ich in die Wildnis und Weite der Landschaft, die einen nie verlässt, die man nur selbst verlässt. Ein trostreicher Ort in der Welt, überall. Wo Vögel fliegen und Federn liegen. Ich fand die Feder eines Mäuse- oder Adlerbussards auf dem Weg. Jemand, den ich kannte, sagte einmal, eine Feder zu finden, ist ein Gruß. Sie findet dich, und bringt dir eine gute Botschaft. Vielleicht, dass jemand an dich denkt. Oder etwas gut wird. Und dass es wichtig sei, wie sie aussieht, die Feder. Sie sollte nicht zerzaust sein, wie ein frischgeschlüpftes Küken. Je heiler die Feder, umso heiler die Botschaft. Die Feder, die ich fand war recht heil, aber nicht ganz. Oben klafft sie ein bißchen auseinander, wie eine kleiner Einschnitt. Es fehlt eine winzige Zacke. Sonst sind alle Federhaare intakt. Sie ist nicht perfekt, aber die Zacke kommt mir vor wie ein Muttermal oder eine kleine Narbe. Das macht sie nicht weniger schön oder weniger liebenswert. Eher interessanter. Ich hab sie mit nach Hause genommen.

Hope is the thing with feathers
That perches in the soul
And sings the tune without the words and never stops at all
And sweetest in the gale is heard
And sore must be the storm
That could abash the little bird
That kept so many warm
I’ve heard it in the chillest land
And on the strangest sea
Yet, never, in extremity
It asked a crumb of me
Emily Dickinson

15. September 2010
15. September 2010
15. September 2010
14. September 2010

Foto: Erik Weiss
Gedenkzettel, nächste Woche. Die interessantesten Begegnungen waren noch nie von langer Hand geplant. Sie flatterten einfach so zu. Immer schon. Manchmal durch den Briefkasten. Nur ein Katzensprung. Ich freu mich sehr. Das schaffen Einladungskarten zu Vernissagen nicht so sehr oft. Ich rief Jan an, als ich die Karte gelesen hatte. Vielleicht kommt er auch. Farin hatte immer meine Sympathie, schon als ich ihn das erste mal in einer Sendung anlässlich der Filmfestspiele im Einstein sah. 1986. Ich war da nicht, ich sah die Sendung hunderte Kilometer von Berlin entfernt im Fernsehen. Die Ärzte mischten die kulturbeflissene Sendung ein bißchen auf, weil sie sich dem Frage- Antwort-Spiel nicht so recht unterwerfen wollten, aber sehr lustig und das Publikum mochte das, spürbar. Farin hatte schon immer schöne Zähne und dieses freche Lachen. Wie ein Stück innere Heimat begleitete mich dieser Geist durch meine Berliner Jahre, ohne ihnen je begegnet zu sein. Das ist schon merkwürdig. Alles. Und jetzt, fast fünfundzwanzig Jahre später bekomme ich diese unerwartete Einladungskarte. Farin Urlaub wird anwesend sein heißt es da. Ich freue mich. Ganz furchtbar.
13. September 2010
Lenny Kravitz singing an acoustic version of his song Thinking of You, a tribute to his mama from his 1998 album five. Recorded August 28, 2010.
13. September 2010

Zur Freundin sage ich „Bali hat mich etwas enttäuscht. Also Bali muß man sich nicht unbedingt ansehen“. Freundin auch enttäuscht: „Ach! Gerade Bali stelle ich mir so toll vor“!. Ich: „Na ja ich ja eigentlich bis jetzt auch immer. Aber das Klima, da wo ich war, na ja du weißt schon, das ist ja nun überhaupt nichts für mich. Ganz furchtbar. So feucht schwül. Ich wollte gleich wieder weg! Und die Blumen gibt’s auch bei Blume Zweitausend!“
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
[…]
12. September 2010
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Wenn der Blick aus dem Balkonzimmer in díe Höhe schweift, nach rechts Richtung Westen. Über die Dächer der Oranienburger Straße, zur Kuppel der Synagoge. Die Dächer glitzern wie tauende Gletscher. Ich blinzle in die Abendsonne und hole die Kamera, mit meinen zusammengewurstelten Haaren. Neulich erzählt mir meine Freundin, sie macht das auch als erstes, wenn sie nach Hause kommt. Raus aus den Straßenklamotten, weg mit Slip und BH und was Bequemes an. Und Haare hoch. Egal wie.

11. September 2010
Den Apfelbaum schütteln. Von oben, von meinem Fenster sieht er so klein aus. Aber von unten, auf der Wiese muss man nach oben schauen, um die Äpfel zu sehen. Sie hängen hoch. Man kann nicht einfach den Arm ausstrecken. Oder warten, bis sie ins Gras fallen. Der Baum ist noch jung. Zum ersten mal ist er mir aufgefallen, als ich am zweiten September aus dem Fenster schaute. Er ist mitten auf der Liegewiese am Gipsdreieck. Auf der Wiese bin ich nie, weil ich meinen sonnigen Platz hier oben habe, wo mich keiner sieht, aber ich gucke immer mal runter, wer gerade so Picknick macht. Ein Apfelbaum ist etwas besonders Schönes, finde ich. Im Garten meiner Eltern stehen fünfzehn Apfelbäume. Vielleicht sind es jetzt auch mehr. Als Kind hab ich sie einmal gezählt. Äpfel hab ich immer zuhause. Ich esse das Kerngehäuse immer mit. Ratzeputz.

11. September 2010
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September. Septembermond. Samstag, vierter September 2010. Kurz bevor ich das Haus verließ. Ich glaube, ich ging nur Sachen kaufen, die man so braucht. Nichts weiter. Die vielen sich wiederholenden Bewegungen und Schritte und Griffe, die später das Leben gewesen sind. Die Stunden, Zeiten ohne tiefere Blicke, das ganze Dazwischen. Briefkasten und Supermarkt. Tomaten und Klopapier. Im Sparmarkt in der Großen Hamburger gibt es jetzt einen großartigen Côtes du Rhône. Bio steht drauf. Aber deswegen ist er wahrscheinlich nicht so gut. Die Bio-etikettierten Weine die ich bis jetzt getrunken habe, waren nicht bemerkenswert. Aber der trinkt sich wie Glück. Marquis de Valclair steht kleingedruckt auf dem Etikett. Ich kaufe jetzt immer gleich ein paar Flaschen. Ich erinnere mich an die nette Kassiererin, die wissen wollte, ob das ein Wochenendeinkauf sei. Sie meinte gar nicht den Wein, sondern all die anderen Sachen. Es war ja Wochenende und so sagte ich „Ja – !“ Sie staunte und wiederholte die Frage etwas differenzierter, ob das ’nur‘ für das Wochenende wäre. Ach so… „Nein, das ist schon für ein bißchen länger, das wäre ja ein bißchen viel sonst…“ Ich gehe ja lieber nur einmal die Woche alles kaufen, was man so braucht. Von Kleinigkeiten abgesehen. Weiß nicht, warum sie sich so interessierte für meinen Einkauf. Ich packte meine Tüten, ein bißchen an der Seite neben dem Eingang. Sie kassierte weiter und guckte immer wieder zu mir rüber. Ob die drei Tüten denn reichen würden? „Aber ja!“ „Sicher?“ grinste sie. Ich grinste zurück. Sie war hübsch. So eine freche Berliner Pflanze mit großem Pippi-Langstrumpf-Mund und langen blonden Haaren. Im Schulmädchenreport hätte sie ein schwedisches Au pair-Mädchen mit gesundem Appetit auf alles Erdenkliche spielen müssen. Zuhause dachte ich wieder darüber nach, woher dieser Quatsch kommt, dass Berliner angeblich unfreundlich wären. Zu mir war noch nie einer unfreundlich. Im Gegenteil. Und ich hab nicht meine Krone auf dem Kopf, wenn ich einkaufen gehe. Wieder ein Blogeintrag fertig. Noch ein Schluck Rotwein und dann rüber in die Höhle.
10. September 2010

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ich weiß nicht ob ich schreiben soll, warum ich weinen musste, als ich den vorletzten Satz, oder war es der vorvorletzte auf der Karte mit dem Fliederstrauß las. Es ist spät. Ich trinke den Rest einer Flasche Côtes du Rhône, die ich gestern aufgemacht habe. Ach… lieber nicht. Lindenblatt. André Heller schon wieder. „Wenn’s regnet, dann wachsen die Regenbögen, wenn’s schneit, dann wachsen die Sterne, bei Sonne das wachsen die Schmetterlinge und immer, immer hab ich dich gern…“

aux fleurs
09. September 2010
soll’s rote
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[ da capo ]
Man könnte Katja Epstein zitieren. (Ach nein… Rudolf Günter Loose hat den Text geschrieben, 1970). Manches kann man schwer erklären. Ich glaube ich gucke anders, wenn ich weiß was passiert, hinter der Biegung des Weges. Einen Moment dachte ich an Herbst. Was weiß ich, wie sich asiatisches Blattwerk im September zeigt. Und gibt es nicht diesen Ahornbaum mit roten Blättern… und andere vielleicht…? Eine ganze Weile dachte ich das. Bis ich näher kam, ganz nah.
[…]
08. September 2010
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DES WIEDERGEWONNENEN MONDES.

Unseren schönen Wahn zu preisen, will ich einen Park anlegen. Als Gehege deiner Gesten, als botanisches Gedicht. Labyrinthe, Teepagoden, Wasserkünste, Schwanenteich. Laubengänge, Sonnenuhren, stummer Gärtner, kühles Reich. Feuerlilien vom Ussuri, Bambus aus dem Jangtsekiang. Nachtigallen und Papageien geben uns Begleitgesang
André Heller
07. September 2010
Nemrut.
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Die Archäologie eines Tages. Das klingt ein bißchen geschraubt. Geschraubtes ist eigentlich nur als satirisches Stilmittel erlaubt. Aber trotzdem hat jegliches Erinnern etwas von Ausgraben und Pusten und noch einmal gegen das Licht halten. Das geht auch mit ganz junger Vergangenheit. Ich treibe das zur Meisterschaft. Keiner ist schneller darin als ich, im gerade Erlebten bereits das sentimentale Glitzern zu spüren. Wenn die Sentimentalität auf die Gegenwart trifft, ist man dann irgendwann endlich am Ziel. Manchmal gelingt mir das. Immer öfter tut es das. Komisch, in meiner Kindheit und Jugend galt ‚tut‘ als Tabu. Tut sagt man nicht! Das ist mir wurscht. Jetzt bin ich also fünfundvierzig geworden und ich will es nicht verschreien, wie es sich anfühlt. Aber manchmal, denen, die mir nah sind, will ich es sagen, was daran gut ist. Und auch tragisch. Denen sag ich es ja auch. Hinter den Kulissen. Am Telefon. Aug in Auge, Zahn um Zahn. Einiges werde ich auch hier mitteilen. Ich hab nämlich ein paar Sachen herausgefunden. Vielleicht ist doch eine Wissenschaftlerin an mir verloren gegangen. Schreibt man das jetzt auseinander? Auf jeden Fall fällt mir gerade wieder sehr auf, dass ich mir angewöhnt habe, an diesem bestimmten Tag etwas besonderes zu erleben. Und immer funktioniert es. Und warum nur an diesem Tag? Wie blöd ist das denn? Es funktioniert auch an jedem anderen Tag. Wie alt muss man werden, um wenigstens ein Drittel oder Viertel seiner Lebenszeit etwas besonderes vorzuhaben? Ich sage nicht die Hälfte oder das Ganze, weil ich ein Mensch bin, der Sachen gerne verarbeitet, Erlebnissen nachspürt. So ein Nachklingen. Das ist sehr schön. Und Teil des Erlebens. Pausen sind auch wichtig. Na ja. Ihr wisst schon. Ich machte eine Pause bei meinen archäologischen Ausgrabungen. Mit einem Apfel und zwei hartgekochten Eiern. Und Blick in die Nachmittagssonne eines fremden Ortes. Ich nenne ihn Nemrut.
01. September 2010
„(…) Eine ehem. Klassenkameradin erwähnte gestern, daß wir im April silberne Konfirmation haben. Erstmal wußte ich gar nicht, daß es so einen Blödsinn überhaupt gibt, und zweitens muß ich an dem Tag sicherlich gerade dringend wohin.“
Tina H.

Sonne Konjunktion Sonne
you made my day
P.S. ich hab gerade Erlaubnis gekriegt, ihre Antwort zu zitieren: „(…) Ich glaube, ich sagte ihr noch irgendwas von „keine Zeit“ und „ich habe keine kirchlichen Klamotten, nur göttliche, die dazu nicht passen“
07. September 2010
Nemrut.
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Die Archäologie eines Tages. Das klingt ein bißchen geschraubt. Geschraubtes ist eigentlich nur als satirisches Stilmittel erlaubt. Aber trotzdem hat jegliches Erinnern etwas von Ausgraben und Pusten und noch einmal gegen das Licht halten. Das geht auch mit ganz junger Vergangenheit. Ich treibe das zur Meisterschaft. Keiner ist schneller darin als ich, im gerade Erlebten bereits das sentimentale Glitzern zu spüren. Wenn die Sentimentalität auf die Gegenwart trifft, ist man dann irgendwann endlich am Ziel. Manchmal gelingt mir das. Immer öfter tut es das. Komisch, in meiner Kindheit und Jugend galt ‚tut‘ als Tabu. Tut sagt man nicht! Das ist mir wurscht. Jetzt bin ich also fünfundvierzig geworden und ich will es nicht verschreien, wie es sich anfühlt. Aber manchmal, denen, die mir nah sind, will ich es sagen, was daran gut ist. Und auch tragisch. Denen sag ich es ja auch. Hinter den Kulissen. Am Telefon. Aug in Auge, Zahn um Zahn. Einiges werde ich auch hier mitteilen. Ich hab nämlich ein paar Sachen herausgefunden. Vielleicht ist doch eine Wissenschaftlerin an mir verloren gegangen. Schreibt man das jetzt auseinander? Auf jeden Fall fällt mir gerade wieder sehr auf, dass ich mir angewöhnt habe, an diesem bestimmten Tag etwas besonderes zu erleben. Und immer funktioniert es. Und warum nur an diesem Tag? Wie blöd ist das denn? Es funktioniert auch an jedem anderen Tag. Wie alt muss man werden, um wenigstens ein Drittel oder Viertel seiner Lebenszeit etwas besonderes vorzuhaben? Ich sage nicht die Hälfte oder das Ganze, weil ich ein Mensch bin, der Sachen gerne verarbeitet, Erlebnissen nachspürt. So ein Nachklingen. Das ist sehr schön. Und Teil des Erlebens. Pausen sind auch wichtig. Na ja. Ihr wisst schon. Ich machte eine Pause bei meinen archäologischen Ausgrabungen. Mit einem Apfel und zwei hartgekochten Eiern. Und Blick in die Nachmittagssonne eines fremden Ortes. Ich nenne ihn Nemrut.
06. September 2010

Immer wieder erreichen mich Bitten, in welchen der Wunsch an mich herangetragen wird, Einblicke in mein Heim zu gewähren. Viele Jahre habe ich darüber nachgedacht, wie ich diesem wiederkehrenden Wunsche gerecht werden könnte, ohne meine Privatheit zu gefährden. So dachte ich mir, es wäre an der Zeit, zumindest einen Blick in den Innenhof meines kleinen Serails zu ermöglichen. Die Orangenbäume blühen gerade so herrlich. Der Gärtner korrigiert mich: die Orangenbäume tragen erste Früchte! Ja, so ist es richtig! Ich kann mich natürlich nicht selbst um die Pflege all der herrlichen Gewächse aus dem Orient (meiner Heimat) kümmern. Aber schauen Sie doch selbst. Ich hoffe, dass dieser Einblick ein wenig dem vielfachen Wunsche gerecht werden kann. Ich interessiere mich natürlich auch für Bilder aus Ihrem Heim! Vielleicht haben Sie ja auch eine Vorliebe für diese maurischen Mosaiken, so wie ich! Natürlich gibt es auch einen Springbrunnen und mehrere Wasserbecken, die Sie hier jetzt leider nicht abgebildet sehen. Ich habe diese herrlichen Mosaikarbeiten bei einem Meister seiner Zunft, dem Chefrestaurator der Alhambra in Auftrag gegeben, die sich leider nicht mehr im Familienbesitz befindet. Viel Freude bei dem Rundgang in meinem kleinen Juwel!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
P.S. heute Abend wird mein guter alter Freund Cheb Khaled zu Gast sein und uns seine Weisen vortragen! Er hat mir aus alter Freundschaft erlaubt, eine Aufnahme zur Untermalung der kleinen Bilderschau hier einzustellen:
INSHALLAH
01. September 2010
„(…) Eine ehem. Klassenkameradin erwähnte gestern, daß wir im April silberne Konfirmation haben. Erstmal wußte ich gar nicht, daß es so einen Blödsinn überhaupt gibt, und zweitens muß ich an dem Tag sicherlich gerade dringend wohin.“
Tina H.

Sonne Konjunktion Sonne
you made my day
P.S. ich hab gerade Erlaubnis gekriegt, ihre Antwort zu zitieren: „(…) Ich glaube, ich sagte ihr noch irgendwas von „keine Zeit“ und „ich habe keine kirchlichen Klamotten, nur göttliche, die dazu nicht passen“
31. August 2010

Ein Eintrag, bevor die Turmuhr schlägt. Ich war doch bei diesem Suhrkamp-Geburtstag im LCB. Wegen Angela Winkler vor allem. Als ich genug Leuchtballons fotografiert hatte und die dunkle Terrasse betrat, sprach mich ein junger Mann mit Namen an. Er guckte irgendwie familiär und ich grübelte, woher wir uns kennen könnten. Weil er ziemlich gut aussah, überlegte ich, ob da vielleicht mal was war, aber wenn, schoss es mir durch den Kopf, würde er mich jetzt sicher nicht so unbefangen anlächeln. Außerdem bin ich aus dem Alter raus, wo man sich nicht mehr an seine Schandtaten erinnert. Ich erinnere mich inzwischen an alles. Mein Gedächtnis ist so gut, dass ich selber manchmal erschrecke und mich frage, ob es sich um eine Art Überfunktion handelt, so wie Schilddrüsenüberfunktion. Ein bißchen mehr Vergessen täte mir in vielerlei Hinsicht bestimmt sehr gut. Na ja. Ich musste kein wirklich schlechtes Gewissen haben, dass ich nicht sofort wusste, woher er mich kannte. Es war nur ein einziger Abend in einer Kreuzberger Kneipe mit ein paar anderen Bloggern vor über drei Jahren, und er saß auch am anderen Ende des Tisches.
Ich erzählte ihm, dass ich hauptsächlich wegen Angela Winkler gekommen sei, weil es diesen roten Faden von Verwechslung und Vergleich gäbe und ich mir selbst ein Bild machen wollte. „Stimmt“ meinte André, „du siehst ihr wirklich ähnlich“. Fand ich zwar immer noch nicht so sehr, aber sympathisch war sie mir schon, soweit ich das von Fotos und Filmausschnitten beurteilen konnte, und wie sie mir da bei meiner Zahnärztin lächelnd entgegengekommen war. Das erste mal war mir ihr Bild auf dem Einband der Taschenbuchausgabe „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ begegnet. Ich war vielleicht dreizehn oder vierzehn. Wir nahmen diesen verfilmten Böll im Deutschunterricht durch und ich fand es eine schöne Hausaufgabe, Romankapitel zu lesen, weil ich sowieso gerne las.
Auch auf der Terrasse wurde gerne gelesen und ich holte mir ein zweites Glas. Irgendein spanischer Rotwein mit ordentlich Tannin. Wir schlenderten Richtung Wintergarten, wo schon ziemliches Gedrängel herrschte. Ich bemerkte beiläufig „Wenn man jetzt unbedingt was aufreißen wollte, wäre schon so einiges dabei.“ Das war eigentlich gar nicht als Kalauer gedacht. Ich fand wirklich, dass eine ungewohnt unüberschaubare Menge an attraktiven Menschen durch die Räume der alten Wannseevilla wimmelte. Christian Brückner saß auf einer Tischkante und ich spürte den Pfeil seiner Energie. Gut sah er aus. Der wird irgendwie auch nicht älter. Attraktive, kultivierte Menschen. Autorenfotos an der Wand. Fotogene Köpfe unter den Suhrkamp-Autoren. Den sehr charismatischen Florian Havemann hab ich leider verpasst, aber Jan hat ihn tagsüber im Sonnenlicht erwischt. Ich war ja, wie schon mehrfach erwähnt, vor allem wegen Frau Winkler da.
Und nun war es also so weit. Ich versuchte mich etwas mehr anzunähern, ohne zu drängeln. Da stand sie, rechts vom Flügel und strahlte wie ein siebzehnjähriges Mädchen. Ich muss dieses klischeehafte Bild bemühen, weil mir einfach kein besseres einfällt. Ich spürte, dass sie gut gelaunt war und möglicherweise ein kleines bißchen betrunken. Was sich aber außerordentlich charmant auswirkte. Aber vielleicht ist sie ja auch immer so. Sie begann den Vortrag mit der Bemerkung, sie wüsste eigentlich gar nicht genau, was sie jetzt machen soll und was von ihr erwartet wird und irgendwo hätte gestanden, dass sie heute Abend Brecht singt, und sie wüsste auch nicht, aber sie singt dann halt einfach mal irgendwas jetzt. Wie sie da so unvorbereitet redete, musste man sie gleich gern haben. Dann hat sie ein sehr sentimentales Chanson der verstorbenen Barbara gesungen. Nicht, dass sie jetzt die umfangreichste Stimme hätte, aber was für eine Hingabe. Ans Herz rührend. Nach dem zweiten Lied fragte sie „gefällt es Ihnen denn ein bißchen?“ Man hatte noch nicht einmal den Eindruck, dass die Frage kokett war, obwohl man es so empfinden musste. Die Herzen flogen wie Rosenblätter in die Ecke mit dem Flügel.
Ich konnte schwer begreifen, dass dieses mädchenhafte Wesen mit dem explosiven Lächeln eines Kobolds eine sechsundsechzigjährige Frau sein sollte. Eine Dame im Seniorenalter. Wenn sie irgendwie gesetzter ausschauen würde, würde man von ihr vielleicht als der ‚großen Mimin‘ oder der ‚Grande Dame‘ des deutschen Theaters reden. Aber das passt hinten und vorne nicht. Man denkt bei solchen Ehrentiteln automatisch an eine gesetztere, robuste Erscheinung. Aber nicht an jemand wie Angela Winkler. Ich war angetan. Mir fällt Magnetismus ein. Eine Spur Romy, nur elektrischer und auch ein bißchen Nico. Aber vor allem Angela Winkler. Erotisierte Heiterkeit erfüllte den Raum. Vor mir stand die Schauspielerin Katja Bienert. Zufällig hatte ich erst zwei Tage zuvor irgendwo im Internet gelesen, dass sie am gleichen Tag wie ich Geburtstag hat. Sie drehte sich plötzlich zu mir um und fragte, ob ich gerne ihren Platz einnehmen wollte, sie hatte meine Kamera gesehen. Wirklich nett. Es war recht dunkel, ich konnte eigentlich nur Bilder machen, die schön sind für mein eigenes Erinnern, ganz furchtbar verrauscht. Aber den Zauber hab ich eingefangen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
[…]
30. August 2010

Gerade gelesen, dass man Heilerde auch essen kann. Oder trinken. Ich probier das gleich mal. Mein neuestes Hobby ist, mich zu behandeln, obwohl ich nicht krank bin. So zur Vorbeugung! Außerdem will ich austesten, ob man damit so eine Art Turbo-Energie-Beschleunigung auslösen kann. Also die Logik zugrundegelegt: krank, schwach + Heilmittel = gesund, stark. Was ergibt dann gesund + Heilmittel? = Ekstase?!? Ich will das unbedingt wissen.
28. August 2010
I remember you well at the Chelsea Hotel
Ein verlorener Kuss, ein vergessener Blick




kommen nie mehr im Leben zurück
[…]
30. August 2010

Gerade gelesen, dass man Heilerde auch essen kann. Oder trinken. Ich probier das gleich mal. Mein neuestes Hobby ist, mich zu behandeln, obwohl ich nicht krank bin. So zur Vorbeugung! Außerdem will ich austesten, ob man damit so eine Art Turbo-Energie-Beschleunigung auslösen kann. Also die Logik zugrundegelegt: krank, schwach + Heilmittel = gesund, stark. Was ergibt dann gesund + Heilmittel? = Ekstase?!? Ich will das unbedingt wissen.
29. August 2010
Gaga Bond, die Frau im Mond.
danke, André.
28. August 2010
An jenem Tag, im blauen Mond September, still unter einem jungen Pflaumenbaum, da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe in meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns, im schönen Sommerhimmel, war eine Wolke, die ich lange sah. Sie war sehr weiß, und ungeheuer oben, und als ich aufsah, war sie nimmer da.
Seit jenem Tag sind viele, viele Monde, geschwommen still hinunter und vorbei. Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: ich kann mich nicht erinnern. Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst. Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer, ich weiß nur mehr: ich küsste es dereinst.
Und auch den Kuss, ich hätt‘ ihn längst vergessen, wenn nicht die Wolke da gewesen wär. Die weiß ich noch und werd ich immer wissen, sie war sehr weiß und kam von oben her.

Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer, und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind. Doch jene Wolke blühte nur Minuten und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.
(B. Brecht, Erinnerung an die Marie A., 21. Februar 1920)
28. August 2010
[ interessant ]
„Am interessanten von den vieren finde ich die Moses-Illusion. Dachte, als ich das las (ich kannte auch keinen der vier Begriffe), an das Phänomen, wenn man etwas mit großer Selbstverständlichkeit aussagt oder sich betont souverän bewegt, wird die Aussage für bare Münze genommen oder die Souveränität zugestanden. Mir fällt da als Beispiel ein, wie ich einmal auf einem Messegelände keinen Eintritt zahlen wollte und beschloss, betont geschäftig und souverän über den Lieferantenparkplatz durch einen Nebeneingang in die Messehalle zu gehen. Da waren andere Mitarbeiter, die mich sehen konnten. Ich konnte unbehelligt durch die Tür gehen. Da hatte ich deutlich das Gefühl, dass es an der berechnenden Art mich zu bewegen lag, als gehörte ich dazu. Funktioniert sicher nicht immer, aber oft. Warum sollte man auch alles anzweifeln. Deshalb wirkt dieser Moses-Effekt. Man verlässt sich auf die „glaubwürdige Ausstrahlung“ des Vortrags der Aussage, ohne den Inhalt anzuzweifeln. So funktioniert auch die Tagessschau und das Heute-Journal. Die können den größten Mist erzählen, niemand überprüft das, weil diese öffentlich rechtlichen Nachrichten-Kanäle einen Seriositäts-Nimbus haben, den kaum jemand anzweifelt. Von investigativen Internet-News-Channels abgesehen.“
28. August 2010
I remember you well at the Chelsea Hotel
Ein verlorener Kuss, ein vergessener Blick




kommen nie mehr im Leben zurück
[…]
27. August 2010
Ah, das ist ja schon morgen, das Sommerfest im Literarischen Colloquium am Wannsee. Ab Nachmittag kein Regen auf dem Radar! Mal sehen, ob ich schon um drei zu Gregor Gysi gucke. Aber Angela Winkler will ich aus bestimmten Gründen am Abend auf jeden Fall sehen! Der Suhrkamp Verlag feiert seinen sechzigsten Geburtstag. Ich mag diese Villa am Sandwerder sehr. Am Schönsten ist mir das Fest vor fünf Jahren in Erinnerung. Dazu hab ich auch was geschrieben. Damals feierte der Verlag Hoffmann und Campe sein zweihundertfünfundzwanzigjähriges Bestehen. Dagegen ist Suhrkamp ja noch im Strampelanzug, mit seinen sechzig Jährchen. Mal gucken, was ich anziehe.

25. August 2010
Kopf ist voll
heraus platzt der Brei
nun steht es fest:
die Gedanken sind frei
Zu viel von allem!
Erdrückt
von Klängen und Farben,
die durchaus
etwas Beengendes haben
sitze ich hier
und das,
woran ich zu leiden habe
ist eine dämliche
Schreibblockade
Fabian, der Wortpirat
(auch sehr süß: „Mathe ist ein Arschloch“ „(…) Ich war es Leid und viele von euch werden mich verstehen, als ich beschloss die Mathematik zu töten!“)
26. August 2010
Über einen Eintrag in einem befreundeten Bibliotherapie-Blog bin ich soeben darauf gestoßen, dass es in Amerika bereits seit dreißig Jahren ein viel schöneres Wort für Befindlichkeitsbloggen gibt, nämlich Poetry Therapy. Selbst Poesietherapie klingt ansprechender und ist meines Erachtens auch viel besser geeignet, um Respekt, Verständnis und Mitgefühl für den gesamten Vorgang zu wecken. Auch mache ich mir so meine Gedanken, ob es nicht an der Zeit wäre, eine Petition zur Senkung der gesetzlichen Krankenversicherungsbeiträge für Blogger bei den hiesigen Krankenversicherungsverbänden einzureichen, da die gar nicht hoch genug anzusetzende finanzielle Entlastung der Solidargemeinschaft durch diese preisgünstige Form der Selbst-Medikation tausender Blogger endlich eine Würdigung erfahren sollte, die sich auch im Portemonnaie bemerkbar macht. Alternativ könnte ich mir einen Zuschuss für die erforderlichen medizinischen Zusatzgeräte- und Vorrichtungen (Flatrate/Notebook/Digitalkamera) vorstellen. Ich denke, da wird sich eine Lösung finden!

⇒ Deutsche Gesellschaft für Poesie- und Bibliotherapie.
26. August 2010
Über einen Eintrag in einem befreundeten Bibliotherapie-Blog bin ich soeben darauf gestoßen, dass es in Amerika bereits seit dreißig Jahren ein viel schöneres Wort für Befindlichkeitsbloggen gibt, nämlich Poetry Therapy. Selbst Poesietherapie klingt ansprechender und ist meines Erachtens auch viel besser geeignet, um Respekt, Verständnis und Mitgefühl für den gesamten Vorgang zu wecken. Auch mache ich mir so meine Gedanken, ob es nicht an der Zeit wäre, eine Petition zur Senkung der gesetzlichen Krankenversicherungsbeiträge für Blogger bei den hiesigen Krankenversicherungsverbänden einzureichen, da die gar nicht hoch genug anzusetzende finanzielle Entlastung der Solidargemeinschaft durch diese preisgünstige Form der Selbst-Medikation tausender Blogger endlich eine Würdigung erfahren sollte, die sich auch im Portemonnaie bemerkbar macht. Alternativ könnte ich mir einen Zuschuss für die erforderlichen medizinischen Zusatzgeräte- und Vorrichtungen (Flatrate/Notebook/Digitalkamera) vorstellen. Ich denke, da wird sich eine Lösung finden!

⇒ Deutsche Gesellschaft für Poesie- und Bibliotherapie.
26. August 2010
PALOMA PICASSO: (…) Ich war ein sehr stilles kleines Mädchen, ich konnte Stunden neben meinem Vater sitzen, während er gearbeitet hat. Nervös bin ich erst geworden, als ich andere seinetwegen die Augen aufreißen sah. Für mich war er einfach mein Vater. Wenn wir ausgingen, bat man ihn überall um Autogramme, es war wie das Leben mit einem Rockstar. Er war sehr zugänglich, man konnte leicht mit ihm ins Gespräch kommen.
VOGUE: Dann mussten auch Sie keine Angst vor ihm haben?
PALOMA PICASSO: Nein, und die meisten Väter würden sich um die schulische Leistung ihrer Kinder Sorgen machen. Ihm war das völlig egal! „Schau mich an“, pflegte er zu sagen, „ich war auch schlecht in der Schule. Mach dir keine Sorgen.“
25. August 2010
Kopf ist voll
heraus platzt der Brei
nun steht es fest:
die Gedanken sind frei
Zu viel von allem!
Erdrückt
von Klängen und Farben,
die durchaus
etwas Beengendes haben
sitze ich hier
und das,
woran ich zu leiden habe
ist eine dämliche
Schreibblockade
Fabian, der Wortpirat
(auch sehr süß: „Mathe ist ein Arschloch“ „(…) Ich war es Leid und viele von euch werden mich verstehen, als ich beschloss die Mathematik zu töten!“)
23. August 2010
23. August 2010
23. August 2010
22. August 2010
Sich selber rufen. Sich bei Lebzeiten nachrufen. Habe Bilder gemacht. Ja ja. Noch mehr. Es gibt so Schübe. Gesundheits-. Bei akuten Gesundheitsschüben manifestieren sich die Symptome in digitalen Bildern. Mein Sein. Was ich sehr mochte mag, gerade zuletzt, war der zwingende Charakter des Privaten, Persönlichen, Fleischlichen, Verletzten, Verlustigen, Liebenden bei Christoph. Da kam es, dass ich ihn nur noch Christoph nannte. So für mich. Vorher war er Schlingensief. Plötzlich war er so nah. Ist. Aber ich wollte dir nicht nachrufen, sondern mir selbst.

Ich nahm das Notebook mit auf den Balkon, sah schnell, dass das Licht zu gleißend war, um noch irgendeinen Kontrast zu erkennen. Auch mit Sonnenbrille kaum. Musik an. Klappe zu. Ich holte das Vogue-Heft, das ich zum Warten auf Frida gekauft hatte und legte es schützend auf den kleinen Rechner. Das Heft bedeckte gerade so das silbergraue Rechteck. So wird es die Hitze besser aushalten. Ich war zu faul, das Notebook mit den kleinen Lautsprechern wieder ins Zimmer zu räumen. Kaffee. Immer wieder Kaffee. Und Wasser. Gestern war das. Ich blätterte in dem wenig gelesenen Heft, las ein bißchen. Ganz schöne Sachen. In einer Fotostrecke entdeckte ich ein mir bekanntes Gesicht und dachte komisch, jemanden auf einem großen Foto in der Vogue zu finden, mit dem ich neulich einen trinken war. Die Bindung* löste sich auf.

Es gab zwei Bücher auf dem Balkon. Just kids, das ich gerade fertig gelesen hatte und noch einmal begann. Was ich noch nie tat. Ich habe noch niemals ein Buch gelesen, zugeklappt, und ein paar Stunden später wieder von vorne angefangen, als wäre es ganz neu. Obwohl – vielleicht hab ich das als Kind mit meinen Petzi-Büchern gemacht. Das kann schon sein. Ich hab hundert mal dieselben Bilderbücher angeschaut und gelesen. Weil ich mich immer wieder über bestimmte Bilder und Stellen freuen wollte. Das hat prima geklappt. Pattis Buch rührte mich von der ersten Seite. Petzi und Patti klingt ja auch ein bißchen ähnlich. Und jetzt, wo ich weiß, wie die Geschichte war, will ich sie noch einmal lesen. Mit dem Wissen um alles. So, wie sie es mit jenem Wissen schrieb. Den vielen kleinen und großen Bildern und déjà vus noch einmal nachspüren, die sie auf die Seiten wirft. Aus der Zeit. Aus Zeiten. Zurückholt, noch einmal leben lässt. Und wieder. Und wieder. And again. And again. And again. … play it again Sam…

Und ein Bilderbuch. Ich hab es schon ein paar mal durchgeblättert. Es ist wie ein Film. Das sieht man ja auf den Fotos, auf meinen. Es war ein schöner Sommerferientag, gestern in Berlin. Ich stand auf, um die Kamera in den Schatten zu legen und erhaschte mein Bild, das mich in der Scheibe reflektierte. So entstehen meine Bilder eigentlich immer. Ich habe das schon manchmal befreundeten Bloggern erzählt. Ich lebe sozusagen so vor mich hin und sehe plötzlich einen Ausschnitt meines Daseins, der mir wie ein Foto vorkommt. Und dann hole ich die Kamera und drücke einfach drauf. Auf das Gelebte. Erlebte. Das kleine große Stück Leben. Es ist ganz einfach. Man muss sich ein bißchen bemühen, es sich möglichst schön zu machen. So schön, dass man die Kamera drauf halten will. Klingt irgendwie total einfach, jetzt wo ich es lese.

Es gibt aber ein paar Sachen, von denen man denkt, man hat keinen Einfluss darauf, ob sie schön oder nicht schön verlaufen. Darüber denke ich viel nach. Wenn ich es rausgekriegt habe, erfahrt ihr es als Erste. Obwohl ich schon eine diffuse Ahnung habe. Von der möglichen schönen Kraft von Wut. Und Trauer. Widerständen, Kräfte messen. Scheitern aber schön. Scheitern als Chance hieß der Slogan von Schingensiefs Aktion (da war er noch Schlingensief), fällt mir gerade ein. To Walk in Beauty versuchen empfehlen sagen predigen die Navajo, always. Also always to walk in beauty. Das ist mir schon nah. Das ist mir nicht fern. Der Wunsch. Dieses Begehr. Ja, das hat schon eine gewisse Poesie. Ich versuche herauszufinden, wie man das negativ Besetzte in ein schönes Universum integrieren kann. Vielleicht geht es gar nicht darum, das vermeintlich Negative zu ächten und zu geißeln, sondern nur den Platz zu identifizieren, an den es gehört, damit es seine Kraft so entfalten kann, dass man der Schönheit gewahr werden kann. Schönheit der Aggression. Schönheit der Wut. Schönheit der Rebellion. Schönheit aufbegehrender, feuriger, transformativer Kräfte. Also geht es um Transformation oder um Ausrichtung. Man kann auf Lava-Gestein sehr gut ein Steak grillen. Ein Lavafluss leuchtet auch sehr schön. Nur die Koexistenz mit anderen Lebensformen gestaltet sich für Lava etwas schwierig. Man muss so einem Lavafluss viel Platz einräumen und ihm im Zweifel aus dem Weg gehen. So ein Lavafluss hat es eigentlich sehr gut. Er muss sich nichts sagen lassen. Keiner versucht, belehrend auf ihn einzuwirken. Ich bin ein bißchen neidisch.

Bilder also. Meine Freundin Nanou entdeckte sie schon heute Nachmittag irgendwann. Ich lade ja ganze Strecken hoch und verlinke immer erst, wenn ich etwas dazu schreibe. Aber sie wurde vorher darauf aufmerksam, weil sie dieses Bild in dem Kommentar entdeckte und ahnte, dass sich mehr Bilder dahinter verstecken. Später telefonierten wir und ich merkte etwas zu einem anderen Bild an, das Frida zeigt, wie sie offenbar lacht, aber die Hand schützend vor den Mund hält. So interpretiere ich das Bild, nicht wie der Verfasser der Bildunterschrift „Frida Kahlo machte ein obszöne Geste“. So ein Quatsch. Frida hatte große Hemmungen, ihre Zähne zu zeigen, weil die nicht das Beste an ihr waren. Es kann auch sein, dass sie eine Zahnlücke in der Mitte hatte, es gibt ein einziges Bild, wo man das ahnen kann. Sie hat immer darauf geachtet, den Mund geschlossen zu halten, weil sie sich so geniert hat. Von wegen obszöne Geste. Dummes Zeug. Ich hatte auch einen Minderwertigkeitskomplex (nicht nur einen) als Kind. Unter anderem wegen meiner Zahnlücke. Irgendwann wurde ich nicht mehr gehänselt deswegen und hab den Komplex einfach vergessen. In den letzten Jahren haben sich sogar zwei ausgewiesene Liebhaber meiner Zahnlücke gefunden. Einer hat sich sogar schon beschwert, dass sie kleiner geworden wäre und ich dringend zum Zahnarzt müsste, um dem womöglich drohenden Schwinden der Lücke Einhalt zu gebieten. Ich glaube, ich muss schlafen gehen. Ich schreibe schon ganz schwafeliges Zeug, dabei wollte ich nur ein bißchen Text haben, wenn ich die Bilder hier reinklebe. Ober- und unterhalb. Also fertig.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
[ alle Bilder ]
*) des Heftes
22. August 2010
Sich selber rufen. Sich bei Lebzeiten nachrufen. Habe Bilder gemacht. Ja ja. Noch mehr. Es gibt so Schübe. Gesundheits-. Bei akuten Gesundheitsschüben manifestieren sich die Symptome in digitalen Bildern. Mein Sein. Was ich sehr mochte mag, gerade zuletzt, war der zwingende Charakter des Privaten, Persönlichen, Fleischlichen, Verletzten, Verlustigen, Liebenden bei Christoph. Da kam es, dass ich ihn nur noch Christoph nannte. So für mich. Vorher war er Schlingensief. Plötzlich war er so nah. Ist. Aber ich wollte dir nicht nachrufen, sondern mir selbst.

Ich nahm das Notebook mit auf den Balkon, sah schnell, dass das Licht zu gleißend war, um noch irgendeinen Kontrast zu erkennen. Auch mit Sonnenbrille kaum. Musik an. Klappe zu. Ich holte das Vogue-Heft, das ich zum Warten auf Frida gekauft hatte und legte es schützend auf den kleinen Rechner. Das Heft bedeckte gerade so das silbergraue Rechteck. So wird es die Hitze besser aushalten. Ich war zu faul, das Notebook mit den kleinen Lautsprechern wieder ins Zimmer zu räumen. Kaffee. Immer wieder Kaffee. Und Wasser. Gestern war das. Ich blätterte in dem wenig gelesenen Heft, las ein bißchen. Ganz schöne Sachen. In einer Fotostrecke entdeckte ich ein mir bekanntes Gesicht und dachte komisch, jemanden auf einem großen Foto in der Vogue zu finden, mit dem ich neulich einen trinken war. Die Bindung* löste sich auf.

Es gab zwei Bücher auf dem Balkon. Just kids, das ich gerade fertig gelesen hatte und noch einmal begann. Was ich noch nie tat. Ich habe noch niemals ein Buch gelesen, zugeklappt, und ein paar Stunden später wieder von vorne angefangen, als wäre es ganz neu. Obwohl – vielleicht hab ich das als Kind mit meinen Petzi-Büchern gemacht. Das kann schon sein. Ich hab hundert mal dieselben Bilderbücher angeschaut und gelesen. Weil ich mich immer wieder über bestimmte Bilder und Stellen freuen wollte. Das hat prima geklappt. Pattis Buch rührte mich von der ersten Seite. Petzi und Patti klingt ja auch ein bißchen ähnlich. Und jetzt, wo ich weiß, wie die Geschichte war, will ich sie noch einmal lesen. Mit dem Wissen um alles. So, wie sie es mit jenem Wissen schrieb. Den vielen kleinen und großen Bildern und déjà vus noch einmal nachspüren, die sie auf die Seiten wirft. Aus der Zeit. Aus Zeiten. Zurückholt, noch einmal leben lässt. Und wieder. Und wieder. And again. And again. And again. … play it again Sam…

Und ein Bilderbuch. Ich hab es schon ein paar mal durchgeblättert. Es ist wie ein Film. Das sieht man ja auf den Fotos, auf meinen. Es war ein schöner Sommerferientag, gestern in Berlin. Ich stand auf, um die Kamera in den Schatten zu legen und erhaschte mein Bild, das mich in der Scheibe reflektierte. So entstehen meine Bilder eigentlich immer. Ich habe das schon manchmal befreundeten Bloggern erzählt. Ich lebe sozusagen so vor mich hin und sehe plötzlich einen Ausschnitt meines Daseins, der mir wie ein Foto vorkommt. Und dann hole ich die Kamera und drücke einfach drauf. Auf das Gelebte. Erlebte. Das kleine große Stück Leben. Es ist ganz einfach. Man muss sich ein bißchen bemühen, es sich möglichst schön zu machen. So schön, dass man die Kamera drauf halten will. Klingt irgendwie total einfach, jetzt wo ich es lese.

Es gibt aber ein paar Sachen, von denen man denkt, man hat keinen Einfluss darauf, ob sie schön oder nicht schön verlaufen. Darüber denke ich viel nach. Wenn ich es rausgekriegt habe, erfahrt ihr es als Erste. Obwohl ich schon eine diffuse Ahnung habe. Von der möglichen schönen Kraft von Wut. Und Trauer. Widerständen, Kräfte messen. Scheitern aber schön. Scheitern als Chance hieß der Slogan von Schingensiefs Aktion (da war er noch Schlingensief), fällt mir gerade ein. To Walk in Beauty versuchen empfehlen sagen predigen die Navajo, always. Also always to walk in beauty. Das ist mir schon nah. Das ist mir nicht fern. Der Wunsch. Dieses Begehr. Ja, das hat schon eine gewisse Poesie. Ich versuche herauszufinden, wie man das negativ Besetzte in ein schönes Universum integrieren kann. Vielleicht geht es gar nicht darum, das vermeintlich Negative zu ächten und zu geißeln, sondern nur den Platz zu identifizieren, an den es gehört, damit es seine Kraft so entfalten kann, dass man der Schönheit gewahr werden kann. Schönheit der Aggression. Schönheit der Wut. Schönheit der Rebellion. Schönheit aufbegehrender, feuriger, transformativer Kräfte. Also geht es um Transformation oder um Ausrichtung. Man kann auf Lava-Gestein sehr gut ein Steak grillen. Ein Lavafluss leuchtet auch sehr schön. Nur die Koexistenz mit anderen Lebensformen gestaltet sich für Lava etwas schwierig. Man muss so einem Lavafluss viel Platz einräumen und ihm im Zweifel aus dem Weg gehen. So ein Lavafluss hat es eigentlich sehr gut. Er muss sich nichts sagen lassen. Keiner versucht, belehrend auf ihn einzuwirken. Ich bin ein bißchen neidisch.

Bilder also. Meine Freundin Nanou entdeckte sie schon heute Nachmittag irgendwann. Ich lade ja ganze Strecken hoch und verlinke immer erst, wenn ich etwas dazu schreibe. Aber sie wurde vorher darauf aufmerksam, weil sie dieses Bild in dem Kommentar entdeckte und ahnte, dass sich mehr Bilder dahinter verstecken. Später telefonierten wir und ich merkte etwas zu einem anderen Bild an, das Frida zeigt, wie sie offenbar lacht, aber die Hand schützend vor den Mund hält. So interpretiere ich das Bild, nicht wie der Verfasser der Bildunterschrift „Frida Kahlo machte ein obszöne Geste“. So ein Quatsch. Frida hatte große Hemmungen, ihre Zähne zu zeigen, weil die nicht das Beste an ihr waren. Es kann auch sein, dass sie eine Zahnlücke in der Mitte hatte, es gibt ein einziges Bild, wo man das ahnen kann. Sie hat immer darauf geachtet, den Mund geschlossen zu halten, weil sie sich so geniert hat. Von wegen obszöne Geste. Dummes Zeug. Ich hatte auch einen Minderwertigkeitskomplex (nicht nur einen) als Kind. Unter anderem wegen meiner Zahnlücke. Irgendwann wurde ich nicht mehr gehänselt deswegen und hab den Komplex einfach vergessen. In den letzten Jahren haben sich sogar zwei ausgewiesene Liebhaber meiner Zahnlücke gefunden. Einer hat sich sogar schon beschwert, dass sie kleiner geworden wäre und ich dringend zum Zahnarzt müsste, um dem womöglich drohenden Schwinden der Lücke Einhalt zu gebieten. Ich glaube, ich muss schlafen gehen. Ich schreibe schon ganz schwafeliges Zeug, dabei wollte ich nur ein bißchen Text haben, wenn ich die Bilder hier reinklebe. Ober- und unterhalb. Also fertig.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
[ alle Bilder ]
*) des Heftes
11. August 2010

Ach ja Frida. Wäre ja eher verwunderlich, wenn ich mit ihr so gar nichts am Hut hätte. Moment mal, ich mach die Musik aus. Ich kann mich nicht so richtig auf meine Gedanken einlassen, wenn nebenher Musik läuft. Ja also Frida. Fridamania. Ich mag das, dass sie ein Popstar geworden ist. Und auch, dass sie es noch zu Lebzeiten erfahren hat. Es gibt nicht so viele Künstler, die sich so ungeniert in den Mittelpunkt ihres Werkes stellen. Klar, ist mir das nah. Vorgestern, der letzte Tag dieser großen Retrospektive. Ich wie immer im Hinterkopf, ja sollte ich hin… müsste ich eigentlich hin und dann fiel es mir erst wieder einen Tag vor dem letzten ein. Immerhin. Ich reihte mich ein, in die lange Schlange der Menschen ohne besondere Zutrittsprivilegien. Nachmittagssonne, Abendsonne. Hatte vergessen, etwas zu lesen mitzunehmen, kein Buch in der Tasche, weil das eine gerade am Abend zuvor fertig gelesen, das Langhans-Buch. Und ich lese auch insgesamt nicht mehr so viel. Ich verdaue wahrscheinlich mehr, was ich in den letzten vierundvierzig siebenunddreißig Jahren gelesen habe. Und das war viel. Ich hab immer viel gelesen. Nur die letzen zwei, drei Jahre nicht mehr. Aber kommt wieder.
Also auf dem Weg von der U-Bahn Potsdamer Platz zum Gropius Bau in einen Kiosk. Herrje. Ich kaufe nie mehr Zeitungen und Zeitschriften. Wie ein Marsmännchen stand ich vor den Regalen und dachte, was hat mich denn früher interessiert? Oder vielleicht eine Bunte oder Gala? So wie beim Arzt im Wartezimmer? Ein bißchen Klatsch und Tratsch? Aber das sind so Wegwerf-Produkte. Wenn schon Print, dann was ordentlich Gedrucktes. Vielleicht die Vogue. Seh ich gar nicht, da im Regal, mal fragen. Haben Sie die Vogue? Ja, hat er. Also die Vogue. Ich hab von Mitte der Achtziger bis weit in die Neunziger Vogue gelesen. Irgendwann hatte ich das Gefühl, es wiederholt sich alles. Immerhin kündigt das Cover der Ausgabe an, dass es ein paar Fotostrecken mit Rockstars gibt und ein Jagger-Interview. Ich fühle mich schon ein bißchen zu Hause in dieser Ausgabe. Und eine Coke. Danke.
Also eingereiht. Man sieht dann ja auf dem einen Foto diese Ankündigung „ab hier kann die Wartezeit 4 – 6 Stunden betragen“. Wir lachten, wie wir da standen. Man konnte den Eingang vom Gropius-Bau da hinten ja fast schon sehen. So ein Hype „4 – 6 Stunden“. Die hauen ja ganz schön auf den Putz. Nun ja. Ein milder Spätsommernachmittag. Ein milder Spätsommerabend. Zweieinhalb Stunden später am Eingang. Der Erlösung nah. Ha ha. Von wegen. Ich hab das ja alles vorher nicht recherchiert usw. ich kann nur versichern, dass ich niemanden außer mir kenne, der in der Ausstellung war, weil sich niemand die Beine in den Bauch stehen wollte und die VIP-Karten schon seit Monaten weg waren. Nun war ich also drin. Im Gropius-Bau.
Schlange Garderobe, Taschen-Abgabe-Pflicht, Kamera diskret am Körper, ich hab keine subversiven Pläne, aber man weiß ja nie. Schlange Karten kaufen. Saukalt zieht es vom dunklen Innenhof, der ein Baugerüst trägt. Aber arschkalt. Ich nahezu barfuß mit meinen Zehensandalen. Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen, dass in so einem Museum die Klima-Anlage zum Anschlag aufgedreht ist, und der alte Kasten sich aber auch sowieso nicht aufheizt. Ich versuche durch Auto-Suggestion meinen Fußsohlen vorzuschwindeln, dass es eigentlich gar nicht so kalt ist, sondern mehr so lauwarm. Schlange Obergeschoss. Man wird in jeder Schlange irgendwann zur nächsten Etappe durchgewunken und so lange muß man eben warten. Aber später mal, wenn man dann drin ist (cirka noch mal zwei Stunden später von Eingangstür unten zu Ausstellungseingangstür oben), in der Ausstellung, darf man sich frei bewegen. Ich hab extra nachgefragt. Und bis zum Schluss bleiben. Fein. Oben ist es nicht mehr ganz so eisig, wenn auch nicht warm. Da muss man jetzt eben durch!
So, drin. Ja, ganz viele Bilder die man kennt. Ganz viele Zeichnungen, die man nicht kennt. Ganz viele Fotos, die man kennt, ganz viele Fotos, die man nicht kennt. Schon schön. Das Gipskorsett mit Hammer und Sichel. Drei Kleider. Eine Halskette.
Am meisten faszinierten mich zwei Zeichnungen, die ich nicht kannte und ein Foto, das mir vertraut war. Die eine Zeichnung war ein Akt einer Frau, ziemlich üppig gebaut. Sehr sexy. Erica (?) Soundso. Und eine ihrer „Ich und Diego, mein Ein und Alles-Zeichnungen“. So nenne ich das jetzt mal, hab den Titel vergessen. Die war sehr klein und schlicht und innig. Einen Moment war ich mit Diego versöhnt, obwohl ich eine gewisse Verachtung für ihn hege. Dieser Windhund. Und das Foto, die Fotografie, die ich am liebsten mag, ist Frida im Innenhof ihres blauen Hauses (das mit dem Blau ist bekannt, es ist eine Schwarzweiß-Fotografie). Sie sitzt auf einem Stuhl und trägt einen chinesischen Anzug, Mao-Anzug sagt man heute dazu. Sie trägt ihr Haar offen, lang und glatt, in der Mitte gescheitelt. Sie sitzt sehr lässig da, in der Sonne oder ist es Halbschatten und sie raucht. Eine Abbildung der modernsten und unabhängigsten Frau unter der Sonne (von ihrer Diego-Fixierung abgesehen). Mir fallen nicht so viele Frauen ein, die man einfach so anstatt von Frida auf diesen Stuhl setzen könnte. Veruschka vielleicht. Vera von Lehndorff. Oder Uschi Obermaier. (EDIT und Patti Smith, unbedingt Patti und Nico und St. Phalle) Oder mich. Haha.
Ja. Für diese Bilder und auch die anderen natürlich hat es sich allemal gelohnt. Ich bin ja keine Kunstpassantin, die das mal eben mitnehmen wollte. Da ist schon eine tiefe Verbundenheit. Aber das war für viele so, die in der Schlange standen, das faszinierte mich. Nur die wenigen Gespräche in meinem Radius der Wartenden. Neben mir eine Frau, ca. Mitte Fünfzig, die schon im Casa Azul war, vor zehn Jahren oder mehr, in Fridas Haus. Viele von weit her angereist. Babylonisches Sprachgewirr erfüllte die Schlange. Hinter mir zwei deren Muttersprache nicht Englisch war. Er Italiener, sie – – – ? Keine Ahnung. Sie sprach akzentfrei, aber suchte zu sehr nach Begriffen, dass man Englisch für ihre Muttersprache hätte halten können. Er ganz schlimmer italienischer Akzent. Ich muss dann auch versuchen wegzuhören, das ist anstrengend, auf Dauer. Die beiden lernten sich also in der Frida-Schlange kennen. Nach eineinhalb Stunden tauschten sie E-Mail-Adressen und Telefon-Nummern und zeigten sich gegenseitig Sachen auf den Displays ihrer Handys. Vielleicht Familienfotos. Ich weiß noch, dass sie sagte, sie hätte sich am Anfang in Berlin sehr einsam gefühlt, aber jetzt nach vier Wochen, ist es langsam in Ordnung. Sie hat so eine große Familie, die sie vermisst. Wo auch immer. Vielleicht ein osteuropäisches Land. Die beiden mochten sich.
Ja. Und ich und Frida. Das ist eine Geschichte, die zum Anfang der Neunziger reicht. Ich wusste etwa seit Mitte der Achtziger, dass diese Kahlo mit ihren knallbunten Bildern und Kostümen existiert, ihr Look wurde auch gerne in Hochglanz-Fotosproduktionen zitiert. Nicht selten in der Vogue. Darüber konnte man gar nicht hinwegsehen. Als ich Anfang der Neunziger eine Affäre mit einem Lateinamerikaner begann, wurde ich unversehens in ein Frida-Kahlo-Universum in Berlin geworfen. Seine Wohnung, ein schönes Dachgeschoss am Charlottenburger Schloss war das reinste Kahlo-Museum. Ich wohnte ein paar Sommerwochen bei ihm, als seine Frau, die Scheidung war nur noch eine Formalie, mit den beiden Kindern verreist war. Er übersetzte das Synchrondrehbuch für einen Kahlo-Film, der 1986 entstand und hatte sich schon deshalb mit ihr intensiv beschäftigt. Diese ganze Wohnung sah aus wie eine Fortsetzung der Bildbände, die Fridas Umgebung zeigten. Gewebtes aus Lateinamerika an den Wänden, über Sofas. Ein Bananenbaum auf dem Balkon, neben dem Oleander, wo wir frühstückten. Überall lagen Bildbände und Bücher über ihr Leben herum. Drucke, Poster. Und ich hatte Zeit zu lesen und las. Alles was da herumlag. Die Geschichte ist ja bekannt. Viele Jahre später erschien eine Faksimile-Ausgabe ihres gemalten Tagebuchs, die ich mir kaufte. Und ich erinnere intensiv eine Inszenierung von Kresnik in der Volksbühne über ihr Leben und Sterben. Ich bin kein großer Tanztheater-Fan, aber das war grandios.
Ich bewegte mich sehr schnell durch die Ausstellung. Aber das mache ich meistens. Bei bestimmte Exponaten verweile ich länger. Die Textur interessierte mich, der Farbauftrag. Sie malte sehr dünnflüssig. Man sieht selten den Pinselstrich. Beinah wie vorskizziert und dann ordentlich ausgemalt. Manche Bilder überraschend kleinformatig. Diejenigen, die sie im Bett malte. Aber das versteht sich von selbst.
Da lief ein Film, eine Dokumentation, auf einem lieblos in den dunklen Baustellenbereich (der gar keine Baustelle war, wie ich später erfuhr, sondern eine andere Ausstellung) plazierten Fernseher und davor drei dicht besetzte Stuhlreihen. Ich verstand das nicht. Es gibt so einen schönen Kinosaal im Gropiusbau. Mir war immer noch kalt und ich verließ die Ausstellung nach einer guten halben Stunde. Sah mich noch ein paar Minuten in der Buchhandlung um, kaufte fünf Frida-Postkarten und lief schnell nach draußen, wo gerade ein Taxi kam.

Ich sagte der Taxifahrerin, dass ich so schnell wie möglich in meine Badwanne nach Hause will. Der zweite Teil meines Frida-Abends. Ich hatte Postkarten gekauft, die sie selbst zeigten und während das Wasser in die Badwanne lief, machte ich ein paar Bilder. Trank einen Schluck Rotwein und warf zwei Aspirin ein. Ich hatte die Befürchtung, mich erkältet zu haben. Deswegen auch das heiße Bad. Erkältungsbad. So ein unfassbar dunkelgrüner Badezusatz. Ich glaube, ich hab die Kurve gekriegt. So war das mit Frida. Und jetzt geh ich schlafen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649

http://www.flickr.com/photos/gaganielsen/sets/72157624702840074
http://fkahlo.com
21. August 2010
(…= ) nicht tot. So ein Quatsch. Dass die Zeitungen immer lügen müssen. Genauso mit Rio und John Lennon und Bob Marley. Von Jimi Hendrix gar nicht zu reden. Oder Marilyn. Oder die Elvis-Lüge. Die Zeitungen hängen mir zum Hals heraus. Christoph sieht das ganz bestimmt genauso wie ich und zwinkert lustig dazu. Außerdem hat er oft genug betont, dass er keinen Bock auf Himmel hat. Schon alleine deswegen ist Christoph Schlingensief nie und nimmer tot. Bitte glaubt nicht, was in der Zeitung steht. Bin ich froh!
19. August 2010

»(…) An einem Tag im Spätsommer zogen wir uns unsere Lieblingssachen an (…) Wir fuhren mit der U-Bahn zur West Fourth Street und verbrachten den Nachmittag am Washington Square. Wir teilten uns Kaffee aus einer Thermoskanne und beobachteten die Ströme von Touristen, Kiffern und Folksängern. Glühende Revolutionäre verteilten Flugblätter gegen den Krieg. Schachspieler zogen ihr eigenes Publikum an. Es war ein friedliches Nebeneinander, gebettet auf einen Klangteppich aus Tiraden, Bongos und Hundegebell. Wir gingen gerade auf den Springbrunnen zu, das Epizentrum aller Aktivität, als ein älteres Paar stehen blieb und uns unverholen angaffte. Robert freute sich, dass er Aufmerksamkeit erregte, und drückte liebevoll meine Hand.
„Oh, take their picture,“ said a woman to her husband, eyeing the young couple. „I think they’re artists. They might be somebody someday.“ Her husband shrugged. „They’re just kids.“«
Patti Smith, Just Kids, S. 62, dt. Übers. Clara Drechsler u. Harald Hellmann
I was a wing
in heaven blue
soared over the ocean
soared over Spain
and I was free
I needed nobody
it was beautiful
it was beautiful
I was a pawn
didn’t make a move
didn’t have nowhere
that I could go
but I was free
I needed nobody
it was beautiful
it was beautiful
and if there’s one thing
could do for you
you’d be a wing
in heaven blue
I was a vision
in another eye
and they saw nothing
no future at all
yet I was free
I needed nobody
it was beautiful
it was beautiful
and if there’s one thing
could do for you
you’d be a wing
in heaven blue
and if there’s one thing
could do for you
you’d be a wing
in heaven blue
and if there’s one thing
could do for you
you’d be a wing
in heaven blue
Patti Smith
[…]
15. August 2010
17. August 2010
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76780922&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
Frau Nielsen räumt auf und findet in ihrem Filmarchiv eine historische Aufnahme aus dem Jahre 2009. Genauer gesagt, vom 27. April 2009. Ein erster zaghafter Versuch, sich dem Tonfilm anzunähern. Kästner hatte gerade sein 1928 entstandenes Gedicht vom gar herrlichen Jardin du Luxembourg verfasst und es mir im Café Größenwahn in die Hand gedrückt. Oder war es in der Weltlaterne? Ach, ich weiß es einfach nicht mehr! Aber bevor ich die Aufnahme mit der Tonfilm-Übung wegwerfe, kann ich sie genauso gut veröffentlichen. Wir habe alle einmal klein angefangen, auch wenn wir auf noch so glorreiche Zeiten der Ära des Stummfilms zurückblicken können. Im Anschluss sehen Sie in gewohnter Manier noch ein paar klassische Bilder des Nielsen’schen Stummfilm-Œuvres, mit dem üblichen Klaviergeklimper. Kritiker werfen mir ja immer wieder einen Hang zur Verklärung vor, auch von Kitsch wird sicher wieder hie und da die Rede sein, doch mir ist nur wichtig, dass es meinem treuen Publikum gefällt! Viel Freude dabei!
Ach ja, P.S. die Telephonszene entstand bei einem Original-Telephonat über Fernsprecher mit meiner alten Freundin Nanou, mit der ich schon seit meinen frühesten Stummfilmtagen innig befreundet bin. Deswegen habe ich entschieden, Opus 48 ihr zu widmen, zumal sie den Park viel besser kennt als ich. Ich war ja nur einmal da…! Wann war das gleich… 1925? Ach, Kinder wie die Zeit vergeht!
17. August 2010
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76780922&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
Frau Nielsen räumt auf und findet in ihrem Filmarchiv eine historische Aufnahme aus dem Jahre 2009. Genauer gesagt, vom 27. April 2009. Ein erster zaghafter Versuch, sich dem Tonfilm anzunähern. Kästner hatte gerade sein 1928 entstandenes Gedicht vom gar herrlichen Jardin du Luxembourg verfasst und es mir im Café Größenwahn in die Hand gedrückt. Oder war es in der Weltlaterne? Ach, ich weiß es einfach nicht mehr! Aber bevor ich die Aufnahme mit der Tonfilm-Übung wegwerfe, kann ich sie genauso gut veröffentlichen. Wir habe alle einmal klein angefangen, auch wenn wir auf noch so glorreiche Zeiten der Ära des Stummfilms zurückblicken können. Im Anschluss sehen Sie in gewohnter Manier noch ein paar klassische Bilder des Nielsen’schen Stummfilm-Œuvres, mit dem üblichen Klaviergeklimper. Kritiker werfen mir ja immer wieder einen Hang zur Verklärung vor, auch von Kitsch wird sicher wieder hie und da die Rede sein, doch mir ist nur wichtig, dass es meinem treuen Publikum gefällt! Viel Freude dabei!
Ach ja, P.S. die Telephonszene entstand bei einem Original-Telephonat über Fernsprecher mit meiner alten Freundin Nanou, mit der ich schon seit meinen frühesten Stummfilmtagen innig befreundet bin. Deswegen habe ich entschieden, Opus 48 ihr zu widmen, zumal sie den Park viel besser kennt als ich. Ich war ja nur einmal da…! Wann war das gleich… 1925? Ach, Kinder wie die Zeit vergeht!
15. August 2010
„(…) Aber es tut nicht weniger weh oder mehr gut, wenn man es in die Welt schrei(b)t. ist nur anders festgehalten. Manifest(er). Für’s Erinnern. Ich hab gerade zurückgeblättert, vor einem, zwei, drei, vier, fünf, sechs Jahren… man kann sich deutlicher erinnern, die Bilder kommen dichter zurück und damit die Gefühle… das ist manchmal gut und manchmal schmerzhaft(-schön).“

15. August 2010
Unnützes Wissen: „Papst Benedikt XVI. trägt Schuhe von Prada und trinkt gerne Fanta.“
15. August 2010
10. August 2010
I was five and he was six. We rode on horses made of sticks. He wore black and I wore white. He would always win the fight.
Bang bang, he shot me down
Bang bang, I hit the ground
Bang bang, that awful sound
BANG BANG
my baby shot me down.
Seasons came and changed the time. When I grew up, I called him mine. He would always laugh and say „Remember when we used to play?“
Bang bang, I shot you down
Bang bang, you hit the ground
Bang bang, that awful sound
BANG BANG
I used to shoot you down.
Music played, and people sang. Just for me, the church bells rang.
Now he’s gone, I don’t know why. And till this day, sometimes I cry. He didn’t even say goodbye. He didn’t take the time to lie.
Bang bang, he shot me down
Bang bang, I hit the ground
Bang bang, that awful sound
BANG BANG
my baby shot me down.
Song written by Sonny Bono; voc. Nancy Sinatra









