Vierzig Kilometer von Wien entfernt liegt das Dörfchen Zwentendorf, in dem Österreichs einziges Atomkraftwerk steht, baugleich mit Fukushima. Der Widerstand der Bevölkerung provozierte einen Volksentscheid am 5. November 1978, der zugunsten der AKW-Gegner ausfiel. Das fertig gebaute Kraftwerk wurde nie in Betrieb genommen. Österreich hat ein Atomsperrgesetz („Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich“) erlassen. Das unbenutzte Kraftwerk kann bis in den Reaktor-Kern besichtigt werden und dient zu Schulungszwecken für Ingenieure (es gibt in Deutschland fünf baugleiche Kraftwerke). Auf dem Gelände befindet sich mittlerweile eine Photovoltaik-Anlage, die Sonnenenergie produziert und zugleich ein Forschungsprojekt darstellt, in dem getestet wird, welche Solarzellen-Paneele am effizientesten für die Bedingungen in Österreich sind.
Ich habe gestern eine äußerst sehenswerte ORF-Dokumentation über die Historie des Widerstands in den siebziger Jahren in Zwentendorf gefunden, hier in vier Teilen zu sehen:
„Die Akte Zwentendorf „
[ Teil 1 ] [ Teil 2 ] [ Teil 3 ] [ Teil 4 ]
11. März 2011
Die unbekannten Leser. In irgendeinem jüngeren Lied bezeichnet sich Wolf Biermann als Legende ohne Totenschein, wie er da so durch altvertraute Straßen um den Hackeschen Markt schlendert, sich zurück erinnert. Als ihm die Ecke Heimat war. An sich gefällt mir das Prinzip, die eigene Legende noch beobachten, reflektieren und kommentieren zu können besser. Besser, als von einer Wolke erste und zugleich letzte kondolierende Kommentare zu entziffern. Man braucht dann ja auch ein gutes Fernrohr. Öffentlich gemachte schwere Körperkrankheiten mit dem Risikopotenzial kurzfristigen Ablebens sind geeignet, die Zunge zu lösen. Hingegen öffentlich gemachte gute Körpergesundheiten mit dem Risikopotenzial langfristigen Weiterlebens sind eher geeignet, unkommentiert zu verpuffen. Wobei ich persönlich inzwischen mehr daran interessiert bin, zu erfahren, wie es sich im Detail anfühlt, mit sehr gesunden Zellen ein dreistelliges Geburtstagsjubiläum vorzubereiten.
Allerdings gebe ich zu, dass ich intensive Lesephasen mit autobiographischen Büchern hatte, die dramatische Krankheiten zu Gegenstand hatten. Alle denkbaren Ängste inbegriffen, die solche Menschen durchstehen. Eigentlich war aber nur ein Buch dabei, das tödlich endete. Zwangsläufig aus der Perspektive einer Beobachtenden geschrieben, nur indirekt Betroffenen. Es war Isabel Allendes Paula, über den langen Tod ihrer Tochter. Sehr bewegendes Buch. Die anderen Krankengeschichten gingen gut aus, soweit ich mich erinnere. Mut machend. Eines ist mir besonders in Erinnerung, irgendwann ausgeliehen in einer Bücherei. Den Titel habe ich vergessen. Es ging um eine Frau mit einer Brustkrebserkrankung. Nach der Operation, in ihrem Fall eine Amputation, ließ sie sich eine Rose auf die lange Narbe tätowieren und sich wie eine Amazone ablichten. Schöne, starke Geste. Wie kommt es, wie kam es, dass du dich so stark damit beschäftigst, fragte mich Jan vorhin am Telefon. Er meinte diese geradezu wissenschaftlich akribische Beschäftigung mit der Wirkkraft der Nahrung, aus denen die nächsten Zellen gebildet werden. Ich sagte, es läge unter anderem daran, dass ich zunehmend mit Krankheitsbildern konfrontiert bin, bei Menschen meiner Generation, die mich erschrecken. Wohlstandsverwahrlosung. Ein selbstkritisches Reflektieren, wo man immer noch in übernommenen Traditionen verhaftet sein könnte, die einem nicht gut tun. Und das sind oder besser waren, trotz jahrzehntelanger, vermeintlich autonomer, eigenmächtiger Entscheidungen, viele. Sehr viele. Die zu hinterfragende Tradition gutbürgerlicher, mitteleuropäischer Ernährungsweise, dem Nutzen ihrer Bestandteile, abgesehen von hedonistischen Genusserwägungen.

Interessante Situation heute. Eine Einladung zu einem Frühstück, die ich wegen der Konstellation der Gäste wahrnahm. Es gab sehr liebevoll zubereitete Häppchen mit feinen Belägen. Eine Vanille-Joghurt-Creme mit Pflaumen, Obstspießchen. Ich bestellte einen Cappuccino und sondierte, was für mich dabei wäre. Als ich darum bat, sich bitte nicht zu wundern, wenn ich von dem und dem nichts essen würde, weil soundso, bekam ich dieselbe freundlich respektvolle Reaktion wie die anderen Male im Laufe des letzten Jahres, als ich offenbarte, dass ich bestimmte Substanzen nicht mehr esse, weil nach dreißig Jahren Leiden beschwerdefrei. Interessant auch zu sehen, wie bekannt oder unbekannt dieses bislang durch keine prominente Untersuchung* bei mir nachweisbare Phänomen** ist, das ich seit geraumer Zeit an mir studiere.
*) Patientin (Allergietest-Profi) = Besitzerin eines in Anbetracht der Realität in vielerlei Hinsicht widersprüchlichen „Allergiepasses“, der keine diesbezügliche Unverträglichkeit ausweist, dafür vorgeblich andere, die ich zum größten Teil noch nie bei mir beobachten konnte.
**) Asthma, Heuschnupfen, Herzrhythmusstörungen, Migräne weg.
16. März 2011

„Meine Frau hat nur gefragt: „Was willst Du denn da machen?“, erzählt er. Ganz genau habe er das zu diesem Zeitpunkt selbst nicht gewusst. Aber er wollte helfen, irgendwie. (…) „Wir hatten genug Medikamente und Material dabei, um eine Gruppe von 2000 bis 3000 Menschen 14 Tage lang behandeln zu können.“ Aber so weit kam es gar nicht. Schon am Flughafen war Schluss für den Katastrophenmediziner. Es habe einfach keine Möglichkeit gegeben, die Unglücksregion überhaupt zu erreichen, erzählt der 72-Jährige. Außerdem hatte sich die Lage an den Atomreaktoren während des langen Flugs deutlich zugespitzt. „Man hätte Schutzanzüge und Masken haben müssen, aber die hatten wir nicht.“ (…) Überall liefen Fernseher mit den Berichten über die sich zuspitzende Lage in den Atomreaktoren. „Irgendwann mussten wir uns dann eingestehen: Das hat keinen Sinn.“ Nach 72 Stunden auf dem Flughafen von Tokio reiste der Tübinger Arzt nach Deutschland zurück. Enttäuscht sei er, weil er nicht helfen konnte.
dpa
12. März 2011
Angesichts dieser unkontrollierbaren Kettenreaktion plutonischer Zerstörung regt mich das noch vor einigen Stunden verlautbarte, systematisch beschwichtigende „äußerstenfalls“ sei mit einer Kernschmelze zu rechnen“ von Röttgen auf (für später lesende Generationen: das war damals der deutsche Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit). Äußerstenfalls aber keinesfalls schlimmer. Die berechneten Feinheiten der Beschwichtigungssprache. Na dann.
Furchtbar alles. Die japanischen Behörden haben inzwischen die Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima bestätigt. Ich erinnere mich an 1986, als der Kern im Reaktor von Tschernobyl geschmolzen war. Wir sind vergleichsweise mit einem blauen Auge davon gekommen. Das war immer der Hauptkritikpunkt an dieser Form der Energiegewinnung, die Unkontrollierbarkeit im Zerstörungsfall. Vielleicht denken immer noch einige, in Deutschland und den umliegenden Ländern wären die Sicherheitskontrollen akribisch genug, dass man von hundertprozentiger Sicherheit ausgehen könnte. Nun ist das aber in einem Land passiert, das für einen führenden High Tech Standard steht. Gegen Erdbeben und Tsunamis hilft aber leider keine Disziplin der Welt. Vielleicht denken einige bei der nächsten Wahl neu darüber nach, ob man Parteien unterstützen kann, die diese Form der Energiegewinnung unverändert tolerieren.
Davon abgesehen erschüttert. Ich blogge im Augenblick ja nicht mehr so dicht, dahinter steht keine besondere Absicht, aber irgendwie will man doch seiner Anteilnahme, Bestürzung Ausdruck verleihen. Ich war noch nie in Japan, noch nie in Asien. Mein Interesse an dieser Erdregion ist erst in den letzten Jahren gewachsen. Auch eine Bewunderung für Teile der Kultur, die oft so schönen, friedliebenden Menschen. Eine bestimmte verfeinerte Anmut, die Menschen aus Asien in einem besonderen Maß haben. Viel mehr als wir hier. Was mir so alles durch den Kopf geht gerade. Schmerzhafte, plutonische Zerstörung.
16. März 2011
Montag vor dem Kanzleramt. Fast in Wowi gerannt. Wie ein gemütlicher Bär guckt er in die Runde der Mikrofonhalter und sagt ungemütliche Sachen. Auf dem Hinweg noch schnell den Ausweis griffbereit in der Brusttasche der Lederjacke deponiert. Hätte ja sein können, dass Personalien aufgenommen werden wollen, so wie früher. Das neue Dunkelblau steht ihnen gut, den Berliner Polizisten. Auch die Mützen sehen fescher aus. Irgendwie mehr wie eine königliche Wache. Freundlich nickend und ruhig stehen sie abseits im Hintergrund. Alles friedlich. Zwei schwer bewaffnete Fotografen gehen auf einmal in die Hocke und knattern los, wie man das nur kennt, wenn der Star des Abends den Raum betritt. Ein kleines Kind. Ich sehe zuerst nur den Rücken. Auf dem kleinen Anorak klebt ein DIN A 4-Blatt mit der Atomkraft-Nein Danke-Sonne. Drumherum so asiatische Zeichen statt der bekannten Buchstaben. Atomkraft Nein Danke auf Japanisch, denke ich. Das Kind sieht ein bißchen asiatisch aus. Ich frage die Mama, ob das denn wirklich Japanisch ist? Sie lacht und meint: „Ja, das ist Japanisch. Und das Kind auch.“ Dann erkenne ich, dass sie auch ein asiatisches Gesicht hat. Wegen der großen Mütze und den eher hellen Haaren habe ich es nicht sofort erkannt.

Später, auf dem Nachhauseweg Christian Ströbele lieber nicht beim Telefonieren gestört, obwohl er gerade besonders fotogen versteckt mit seinem Fahrrad hinter dem geparkten ARD-Hauptstadtstudio-Auto stand und mich immer noch jedesmal an Mick Jagger erinnert. Da an der Kreuzung zur U-Bahn Bundestag. Ein bißchen überlegt hab ich schon. Ach nein, so etwas tut man nicht, jemanden beim Telefonieren unterbrechen. Seit zwanzig Jahren läuft er mir immer mal über den Weg und immer hat er sein Fahrrad dabei. Ach, nicht so wichtig. Hauptbahnhof. S-Bahn zum Hackeschen Markt. Noch zu Roßmann. Auf dem Nachhauseweg fallen mir plötzlich ganz andere Sachen ein. Da links, in der Tapas-Bar in der Rosenthaler Straße war ich zweimal, nicht allein. Ich schiebe die Erinnerung weg, obwohl sie sich gerade schwer schiebt. Ich gehe schnell weiter, zum marokkanischen Laden in der Sophienstraße. Vor ein paar Tagen sah ich morgens im Vorbeieilen aus dem Augenwinkel zwei Schälchen im Schaufenster. Blau mit einem weißen Muster, wie Federn. Ich hatte gerade meine kleine Lieblingsschüssel mit dem Seemannsanker und dem Segelschiff, die ich auf der Insel Föhr gekauft hatte, zertöppert und könnte eine in der Größe brauchen. Aber sie sind gar nicht aus Marokko, sondern aus Kopenhagen. Wie unfassbar sorglos und luxuriös es mir plötzlich vorkommt, zwei Schälchen aus Kopenhagen kaufen zu können und in eine heile Wohnung zu kommen. Ganz unzertrümmert. Heil und warm. Daheim mache ich das Fenster zur Auguststraße weit auf. Dunkelblaue Nacht. Ich hole tief Luft. Ganz mild ist die Abendluft. Man kann sie tief einatmen, ohne Angst haben zu müssen. Ohne Mundschutz. Die Berliner Luft vor meinem Fenster am vierzehnten März Zweitausendelf.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
13. März 2011
„Uran wurde 1789* von dem deutschen, in Berlin lebenden Chemie-Professor und Apotheker Martin Heinrich Klaproth aus dem Mineral Pechblende isoliert. Es ist nach dem Planeten Uranus benannt, der acht Jahre zuvor durch Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt worden war. Am 24. September 1789 gab er die Entdeckung in einer Ansprache vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften bekannt.“ Wikipedia
*) im Laboratorium seiner ‚Bären-Apotheke‘, Spandauer Straße 25 in Berlin Mitte.
[big planetary change: Uranus enters Aries, 2011 – 2019. Samstag, 12. März 2011, 00:53 UTC Uranus betritt (Feuerzeichen) Widder, ca. 10:00 UTC Explosion, Kernschmelze Fukushima]
13. März 2011
„Uran wurde 1789* von dem deutschen, in Berlin lebenden Chemie-Professor und Apotheker Martin Heinrich Klaproth aus dem Mineral Pechblende isoliert. Es ist nach dem Planeten Uranus benannt, der acht Jahre zuvor durch Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt worden war. Am 24. September 1789 gab er die Entdeckung in einer Ansprache vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften bekannt.“ Wikipedia
*) im Laboratorium seiner ‚Bären-Apotheke‘, Spandauer Straße 25 in Berlin Mitte.
[big planetary change: Uranus enters Aries, 2011 – 2019. Samstag, 12. März 2011, 00:53 UTC Uranus betritt (Feuerzeichen) Widder, ca. 10:00 UTC Explosion, Kernschmelze Fukushima]
13. März 2011

„Aufgrund des entscheidenden Experiments am 17. Dezember 1938* schloss Otto Hahn auf ein „Zerplatzen“ des Urankerns in mittelschwere Atomkerne. Dies war die Entdeckung der Kernspaltung. (…) Bis zu seinem Tode wurde er nicht müde, eindringlich vor den Gefahren des nuklearen Wettrüstens der Großmächte und einer radioaktiven Verseuchung der Erde zu warnen.“ Wikipedia
*) im „Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie“ in der Thielallee 63 in Berlin-Dahlem, heute Hahn-Meitner-Bau
12. März 2011
Angesichts dieser unkontrollierbaren Kettenreaktion plutonischer Zerstörung regt mich das noch vor einigen Stunden verlautbarte, systematisch beschwichtigende „äußerstenfalls“ sei mit einer Kernschmelze zu rechnen“ von Röttgen auf (für später lesende Generationen: das war damals der deutsche Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit). Äußerstenfalls aber keinesfalls schlimmer. Die berechneten Feinheiten der Beschwichtigungssprache. Na dann.
Furchtbar alles. Die japanischen Behörden haben inzwischen die Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima bestätigt. Ich erinnere mich an 1986, als der Kern im Reaktor von Tschernobyl geschmolzen war. Wir sind vergleichsweise mit einem blauen Auge davon gekommen. Das war immer der Hauptkritikpunkt an dieser Form der Energiegewinnung, die Unkontrollierbarkeit im Zerstörungsfall. Vielleicht denken immer noch einige, in Deutschland und den umliegenden Ländern wären die Sicherheitskontrollen akribisch genug, dass man von hundertprozentiger Sicherheit ausgehen könnte. Nun ist das aber in einem Land passiert, das für einen führenden High Tech Standard steht. Gegen Erdbeben und Tsunamis hilft aber leider keine Disziplin der Welt. Vielleicht denken einige bei der nächsten Wahl neu darüber nach, ob man Parteien unterstützen kann, die diese Form der Energiegewinnung unverändert tolerieren.
Davon abgesehen erschüttert. Ich blogge im Augenblick ja nicht mehr so dicht, dahinter steht keine besondere Absicht, aber irgendwie will man doch seiner Anteilnahme, Bestürzung Ausdruck verleihen. Ich war noch nie in Japan, noch nie in Asien. Mein Interesse an dieser Erdregion ist erst in den letzten Jahren gewachsen. Auch eine Bewunderung für Teile der Kultur, die oft so schönen, friedliebenden Menschen. Eine bestimmte verfeinerte Anmut, die Menschen aus Asien in einem besonderen Maß haben. Viel mehr als wir hier. Was mir so alles durch den Kopf geht gerade. Schmerzhafte, plutonische Zerstörung.
11. März 2011
Die unbekannten Leser. In irgendeinem jüngeren Lied bezeichnet sich Wolf Biermann als Legende ohne Totenschein, wie er da so durch altvertraute Straßen um den Hackeschen Markt schlendert, sich zurück erinnert. Als ihm die Ecke Heimat war. An sich gefällt mir das Prinzip, die eigene Legende noch beobachten, reflektieren und kommentieren zu können besser. Besser, als von einer Wolke erste und zugleich letzte kondolierende Kommentare zu entziffern. Man braucht dann ja auch ein gutes Fernrohr. Öffentlich gemachte schwere Körperkrankheiten mit dem Risikopotenzial kurzfristigen Ablebens sind geeignet, die Zunge zu lösen. Hingegen öffentlich gemachte gute Körpergesundheiten mit dem Risikopotenzial langfristigen Weiterlebens sind eher geeignet, unkommentiert zu verpuffen. Wobei ich persönlich inzwischen mehr daran interessiert bin, zu erfahren, wie es sich im Detail anfühlt, mit sehr gesunden Zellen ein dreistelliges Geburtstagsjubiläum vorzubereiten.
Allerdings gebe ich zu, dass ich intensive Lesephasen mit autobiographischen Büchern hatte, die dramatische Krankheiten zu Gegenstand hatten. Alle denkbaren Ängste inbegriffen, die solche Menschen durchstehen. Eigentlich war aber nur ein Buch dabei, das tödlich endete. Zwangsläufig aus der Perspektive einer Beobachtenden geschrieben, nur indirekt Betroffenen. Es war Isabel Allendes Paula, über den langen Tod ihrer Tochter. Sehr bewegendes Buch. Die anderen Krankengeschichten gingen gut aus, soweit ich mich erinnere. Mut machend. Eines ist mir besonders in Erinnerung, irgendwann ausgeliehen in einer Bücherei. Den Titel habe ich vergessen. Es ging um eine Frau mit einer Brustkrebserkrankung. Nach der Operation, in ihrem Fall eine Amputation, ließ sie sich eine Rose auf die lange Narbe tätowieren und sich wie eine Amazone ablichten. Schöne, starke Geste. Wie kommt es, wie kam es, dass du dich so stark damit beschäftigst, fragte mich Jan vorhin am Telefon. Er meinte diese geradezu wissenschaftlich akribische Beschäftigung mit der Wirkkraft der Nahrung, aus denen die nächsten Zellen gebildet werden. Ich sagte, es läge unter anderem daran, dass ich zunehmend mit Krankheitsbildern konfrontiert bin, bei Menschen meiner Generation, die mich erschrecken. Wohlstandsverwahrlosung. Ein selbstkritisches Reflektieren, wo man immer noch in übernommenen Traditionen verhaftet sein könnte, die einem nicht gut tun. Und das sind oder besser waren, trotz jahrzehntelanger, vermeintlich autonomer, eigenmächtiger Entscheidungen, viele. Sehr viele. Die zu hinterfragende Tradition gutbürgerlicher, mitteleuropäischer Ernährungsweise, dem Nutzen ihrer Bestandteile, abgesehen von hedonistischen Genusserwägungen.

Interessante Situation heute. Eine Einladung zu einem Frühstück, die ich wegen der Konstellation der Gäste wahrnahm. Es gab sehr liebevoll zubereitete Häppchen mit feinen Belägen. Eine Vanille-Joghurt-Creme mit Pflaumen, Obstspießchen. Ich bestellte einen Cappuccino und sondierte, was für mich dabei wäre. Als ich darum bat, sich bitte nicht zu wundern, wenn ich von dem und dem nichts essen würde, weil soundso, bekam ich dieselbe freundlich respektvolle Reaktion wie die anderen Male im Laufe des letzten Jahres, als ich offenbarte, dass ich bestimmte Substanzen nicht mehr esse, weil nach dreißig Jahren Leiden beschwerdefrei. Interessant auch zu sehen, wie bekannt oder unbekannt dieses bislang durch keine prominente Untersuchung* bei mir nachweisbare Phänomen** ist, das ich seit geraumer Zeit an mir studiere.
*) Patientin (Allergietest-Profi) = Besitzerin eines in Anbetracht der Realität in vielerlei Hinsicht widersprüchlichen „Allergiepasses“, der keine diesbezügliche Unverträglichkeit ausweist, dafür vorgeblich andere, die ich zum größten Teil noch nie bei mir beobachten konnte.
**) Asthma, Heuschnupfen, Herzrhythmusstörungen, Migräne weg.
06. März 2011
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649

A BANKER, A BIKER OR A BALLERINA
(…) I always wanted to have a man’s life in a woman’s body. It’s the idea, that a woman can be a banker, a biker or a ballerina. „All at the same time?“ All at the same time.
DIANE VON FURSTENBERG
02. März 2011
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76823171&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
Opus 50. RAdiO GAGa. Wenn man auf das viereckige kleine Kästchen rechts unten draufklickt, kann man den kleinen Film in ganz groß anschauen. Wenn man den Film auf youtube anschauen will und was kommentieren will, kann man auch da drauf klicken. Wenn man immer schon mal die super sonore Stimme von kid37 hören wollte, muss man den Schieber auf 8:45 schieben. Und wenn man immer schon mal wissen wollte, wie es so bei Radio Fritz mit Marcus in der Sendung trackback ist, und was wir geplappert haben, als das Mikro zu war, muss alles anschauen. Und wenn man wissen will, was das alles soll, muss man da und da drauf klicken und noch mal nachlesen. Und wenn man wissen will, warum das Filmchen jetzt erst, nach eineinhalb Jahren zu sehen ist, muss man Verständnis zeigen. Und wer nix zu tun hat, kann da drauf klicken und alle fünfzig Filmchen hintereinanderschauen, bis die Augen viereckig sind. Viel Freude dabei.
Ach ja, und das war das Lied.
02. März 2011
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76823171&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
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Opus 50. RAdiO GAGa. Wenn man auf das viereckige kleine Kästchen rechts unten draufklickt, kann man den kleinen Film in ganz groß anschauen. Wenn man den Film auf youtube anschauen will und was kommentieren will, kann man auch da drauf klicken. Wenn man immer schon mal die super sonore Stimme von kid37 hören wollte, muss man den Schieber auf 8:45 schieben. Und wenn man immer schon mal wissen wollte, wie es so bei Radio Fritz mit Marcus in der Sendung trackback ist, und was wir geplappert haben, als das Mikro zu war, muss alles anschauen. Und wenn man wissen will, was das alles soll, muss man da und da drauf klicken und noch mal nachlesen. Und wenn man wissen will, warum das Filmchen jetzt erst, nach eineinhalb Jahren zu sehen ist, muss man Verständnis zeigen. Und wer nix zu tun hat, kann da drauf klicken und alle fünfzig Filmchen hintereinanderschauen, bis die Augen viereckig sind. Viel Freude dabei.
Ach ja, und das war das Lied.
23. Februar 2011
Da bin ich jetzt aber schon froh, dass wenigstens Herr Fichtenbrenner den armen Bub mit einem hochanständigen Kanalkommentar in Schutz nimmt „Die Leute sind ziemlich undankbar. Ich meine, er hat immerhin den Buchdruck erfunden.“ Prinzessin Barbie zu G. macht jetzt sicher auch Schweres durch. Und dann die ganzen respektlosen jungen Leute vom Internet, die böse Lieder komponieren. Überhaupt zeigt sich dieses Internet, in dem heutzutage jeder kleine Mann von der Straße, ohne Respekt vor Amt und Würden schreiben kann, was er gerade denkt, in dieser Sache wieder einmal recht pietätlos. Als ob der Verlust der akademischen Würde für den Herrn Baron nicht schon schmerzlich genug wäre, muss nun obendrein der gesamte exzellente, hart erarbeitete berufliche Werdegang in Frage gestellt werden. Derlei Intimitäten gehen nur die Person selbst etwas an, maximal die Gattin von Herrn Dr. Dr., Gräfin Barbie von und zu Dings usw. usf.
23. Februar 2011
Da bin ich jetzt aber schon froh, dass wenigstens Herr Fichtenbrenner den armen Bub mit einem hochanständigen Kanalkommentar in Schutz nimmt „Die Leute sind ziemlich undankbar. Ich meine, er hat immerhin den Buchdruck erfunden.“ Prinzessin Barbie zu G. macht jetzt sicher auch Schweres durch. Und dann die ganzen respektlosen jungen Leute vom Internet, die böse Lieder komponieren. Überhaupt zeigt sich dieses Internet, in dem heutzutage jeder kleine Mann von der Straße, ohne Respekt vor Amt und Würden schreiben kann, was er gerade denkt, in dieser Sache wieder einmal recht pietätlos. Als ob der Verlust der akademischen Würde für den Herrn Baron nicht schon schmerzlich genug wäre, muss nun obendrein der gesamte exzellente, hart erarbeitete berufliche Werdegang in Frage gestellt werden. Derlei Intimitäten gehen nur die Person selbst etwas an, maximal die Gattin von Herrn Dr. Dr., Gräfin Barbie von und zu Dings usw. usf.
17. Februar 2011

Weil es gestern sieben war, ist es nun das achte Jahr. Gestern morgen, unter der Dusche, versuchte ich mich zu erinnern, wie das alles anfing, wie es dazu kam. Ich brauchte eine ganze Weile, bis mir einfiel, wie es war. Irgendwann um die Jahrhundertwende hatte ich eine Seite auf meiner Seite, in die ich mit html in knappen Einträgen schrieb, was ich gerade aktualisiert hatte. Das ging ein gutes Weilchen so. Man hoffte ja inständig, dass irgendwer oder womöglich sogar einer, der einem nahe stand, das eigene Tun verfolgt und der sollte dann gleich wissen, wo es etwas Neues zu entdecken gab. Die kleinen Ankündigungen wurden immer wieder überschrieben, mit dem was dann eben gerade neu war. Irgendwann schrieb ich in dieses Aktualisierungs-Protokoll mehr als nur, was ich nun wieder hochgeladen hatte. Ich erinnere mich dunkel, vielleicht war ich auch betrunken, dass mir lauter albernes Zeug über die Tastatur kam und ich fand, dass das doch diesmal ein viel unterhaltsamerer Aktualisierungshinweis als die anderen wäre. Man merkte schon an der unseriösen Art des Eintrags, dass es sich bei mir um eine unterhaltsame Persönlichkeit handeln muss, fand ich. Jedenfalls brachte ich es nicht mehr so leicht über mich, bei der nächsten Aktualisierung den Unsinn darunter zu löschen. Doch ich zog die Sache knallhart durch. Unfug! Aber das Löschen der lustigen kleinen Buchstaben schmerzte doch jedesmal ein wenig mehr.

Ich überlegte, ob ich es mir nicht einfach gestatten könnte, auch einfach mal so Kraft meiner Wassersuppe ein paar persönliche Worte zu schreiben und die dann auch stehen zu lassen. Und so habe ich das Bloggen erfunden. Jetzt werden sicher viele protestieren und reklamieren, dass die ersten Blogger schon viel, viel früher Blogs geschrieben haben als ich. Und das stimmt natürlich auch. Aber ich hab es für mich selber eben parallel erfunden. Solche Phänomene gibt es immer wieder! Allerdings steckte meine Blog-Erfindung mächtig in den Kinderschuhen. Es war halt eine selbergeklöppelte Seite ohne Kommentarfunktion, auf die ich aber trotzdem recht stolz war. Das kann man nun nicht mehr ganz glaubwürdig nachvollziehen, weil der erste Eintrag, wie alle anderen bei twoday hochgeladen ist. Die Einträge aus dem ersten selbstgemachten Tagebuch wurden dann rückwirkend hierher geschoben, später als ich diesen freundlichen Anbieter aus Österreich entdeckte. Was mir aber unter der Dusche nicht so leicht mehr einfiel war, wie ich eigentlich bemerkt habe, dass es noch andere Blogger gibt. Das Wort kannte ich damals ja gar nicht. Und dann kam nach und nach das Erinnern. So von Zweitausend bis Zweitausendzwei hatte ich durch menschliche Verstrickungen Kontakt zu einem Verein, der sich auch eine Seite im Internet gebastelt hatte, und unter Links kam man zu privaten Seiten einiger Mitglieder des Vereins. Da es nicht viele waren, nur ungefähr fünf, die sich mit einer eigenen Homepage präsentierten, hatte man schnell den Überblick. Einer dieser privaten Links ging zur Seite von Jens. In seinem ersten Eintrag am Mittwoch, 22. August 2001 vermerkte er: „Log ist online Dieses Blogger ist schon was schickes, technisch eine hervorragende Geschichte, auch überhaupt nicht aufdringlich, was Werbung oder sowas angeht… irgendwie frage ich mich aber, wie die letztendlich damit Geld verdienen wollen.„

Überrascht stellte ich fest, dass er ja so etwas ähnliches machte wie ich, also so Sachen schreiben wie, in welchem Film man war und wie es so geht. Und das ziemlich oft. Da ich ihn nur äußerst flüchtig von zwei Festen kannte, eigentlich so gut wie gar nicht, war es irgendwie komisch so einen Einblick zu bekommen. Aber auch interessant. Und noch viel interessanter war, dass er auf der rechten Seite so eine komische Liste hatte, wo man draufklicken konnte und zu anderen Internet-Tagebüchern kam. Die Idee hatten also schon ganz viele! Fein. Ich fing an, mich an seiner Blogroll entlangzulesen und ziemlich schnell fiel mir auf, dass sich die meisten Leute untereinander verlinkten. Manche Leute kamen auf jeder Blogroll vor, die mussten echt gut sein. Dachte man so im ersten Moment. Manche waren es auch wirklich. Also ihre Schreibe. Har har! Einer, den man so gar nicht übersehen konnte, war Don Dahlmann. Obwohl er nicht einmal ein Foto von sich herzeigte, wurde er so gut wie immer verlinkt. Ich musste das überprüfen und stellte fest, dass er tatsächlich recht flüssig formulierte und auch lustige Gedanken in seinem Kopf herumspazierten. Er war sich damals auch nicht zu schade, in einem eigenen Blogeintrag der Welt das Geheimnis seines Erfolges zu verraten. Ich denke heute, es war vielleicht doch ein Fehler, seine Ratschläge nicht zu befolgen. Er meinte es schließlich nur gut mit uns. Wenn er einen dann auf seine Blogroll nahm, konnte man sich was drauf einbilden, ein Ritterschlag! Außerdem war Don bei Antville. Das war damals ganz wichtig. Leute mit Antville-Blogs, die man nicht kaufen und nicht erzwingen konnte, waren entweder schon sehr alte Blogger oder hatten irgendwelche insidermäßigen Kontakte. Nur so konnte es kommen, dass Isa ein Antville-Blog geschenkt kriegte, das dann einen komischen Namen hatte, weil man konnte sich den Namen von einem Blog, das man geerbt hat, schließlich nicht aussuchen. Wer das nicht mitgekriegt hat, denkt ich rede hier wirres Zeug. Ja stimmt! Ist ja auch reichlich wirr. Isa hat ihrer Freude in angemessenen Worten in ihrem letzten Eintrag auf ihrem kurzfristig gepflegten Erstblog zum Abschied Ausdruck verliehen: „ „(…) is a blog wird heute genau einen Monat alt und bekommt zum Geburtstag ein neues Zuhause, (…) Bei antville soll alles viel toller sein, hab ich gehört, und überhaupt ist das irgendwie kuhler.„

Ein bißchen früher als Isa hat die Kaltmamsell die Sache mit dem Selber-Bloggen entdeckt. Am 14. September 2003, in einem ihrer ersten Blogeinträge „Ich als Blogger„ schreibt sie: „(…) Gerade fühlte ich mich drei Tage lang als Speerspitze der Web-Technik, weil niemand in meiner Umgebung von Blogs wusste – da muss ich mich bereits von Herrn Praschl darüber aufklären lassen, dass ich bereits in der äußeren Umlaufbahn des Mondes gelandet bin. (…)“ Kid37 erfand gut drei Monate nach der Kaltmamsell und sieben Wochen vor mir ebenfalls das Bloggen. Zum Weihnachtsfest Anno 2003 schenkt er sich ein liebevoll verpacktes kleines Blog, überreicht mit den feierlichen Worten von Herrn Carl Einstein aus dem Jahre 1917: „bei einer gewissen Stufe der Intelligenz interessiert man sich für das Korrekte, Vernünftige gar nicht mehr.„ Solche Sprüche waren natürlich ein guter Grund, den ernsten jungen Mann häufiger zu lesen. Vielleicht wäre er mir gar nicht aufgefallen, wenn ich nicht plötzlich auf die verwegene Idee gekommen wäre, auf einem sogenannten ‚kollaborativen‘ Blog namens „Meine kleine Stadt“ (insidermäßig mks abgekürzt, Antville natürlich) selber Fotos von meiner kleinen Stadt zu posten. mks hatte ich auf der Blogroll von Don entdeckt. Ohne seine Blogroll wäre ich dumm gestorben. mks war jedenfalls echt cool und ist es eigentlich immer noch. Meiner damaligen Freude habe ich auch Ausdruck verliehen. Begeistert fing ich an, Fotos von Bauarbeitern bei mks zu posten und man rechnete es mir hoch an! Wie Schuppen fiel es mir aus den Haaren, dass es ja noch ganz viele andere kollaborative Blogs gab. Überall wollte ich nun mitmischen. Ich kriegte nicht genug! Menschen, Tiere, Sensationen! Zu den anderen Menschen mit zu wenig Tagesfreizeit, die sich nach einem harten Tag bei mks trafen, um sich etwas zu entspannen, gehörte auch kid37, der sich auf seinem Blog immer intellektuell gab, doch bei mks da ließ er die Sau raus. Und die anderen erst! Stundenlang könnte man erzählen! So kam es jedenfalls, dass mir irgendwann Pappnase hinter den Kulissen eine charmante hilfsbereite Mail mit dem Rat schrieb, doch mal eine Kommentarfunktion auf meiner html-Seite einzubauen. Er schickte dann auch links, wie das geht, aber ich habe nichts verstanden. Außerdem wollte ich sowieso ganz lange keine Kommentare in meinem privaten Boudoir haben, wo dann womöglich gemeine Sachen drinstehen. Weil ich dann aber doch neugierig geworden bin, wie es wäre wenn und meine html-Seite auf den zwei verschiedenen Brausern, die es damals gab, immer mehr Kraut und Rüben ausgeschaut hat, hab ich mich doch für diese Sache mit den Blogs mit Kommentaren drin entschieden und ich habe es nicht bereut. Das Umziehen nicht und das Bloggen auch nicht. Und getroffen habe ich sie natürlich alle.

Viele Erinnerungen. Schöne.
17. Februar 2011

Weil es gestern sieben war, ist es nun das achte Jahr. Gestern morgen, unter der Dusche, versuchte ich mich zu erinnern, wie das alles anfing, wie es dazu kam. Ich brauchte eine ganze Weile, bis mir einfiel, wie es war. Irgendwann um die Jahrhundertwende hatte ich eine Seite auf meiner Seite, in die ich mit html in knappen Einträgen schrieb, was ich gerade aktualisiert hatte. Das ging ein gutes Weilchen so. Man hoffte ja inständig, dass irgendwer oder womöglich sogar einer, der einem nahe stand, das eigene Tun verfolgt und der sollte dann gleich wissen, wo es etwas Neues zu entdecken gab. Die kleinen Ankündigungen wurden immer wieder überschrieben, mit dem was dann eben gerade neu war. Irgendwann schrieb ich in dieses Aktualisierungs-Protokoll mehr als nur, was ich nun wieder hochgeladen hatte. Ich erinnere mich dunkel, vielleicht war ich auch betrunken, dass mir lauter albernes Zeug über die Tastatur kam und ich fand, dass das doch diesmal ein viel unterhaltsamerer Aktualisierungshinweis als die anderen wäre. Man merkte schon an der unseriösen Art des Eintrags, dass es sich bei mir um eine unterhaltsame Persönlichkeit handeln muss, fand ich. Jedenfalls brachte ich es nicht mehr so leicht über mich, bei der nächsten Aktualisierung den Unsinn darunter zu löschen. Doch ich zog die Sache knallhart durch. Unfug! Aber das Löschen der lustigen kleinen Buchstaben schmerzte doch jedesmal ein wenig mehr.

Ich überlegte, ob ich es mir nicht einfach gestatten könnte, auch einfach mal so Kraft meiner Wassersuppe ein paar persönliche Worte zu schreiben und die dann auch stehen zu lassen. Und so habe ich das Bloggen erfunden. Jetzt werden sicher viele protestieren und reklamieren, dass die ersten Blogger schon viel, viel früher Blogs geschrieben haben als ich. Und das stimmt natürlich auch. Aber ich hab es für mich selber eben parallel erfunden. Solche Phänomene gibt es immer wieder! Allerdings steckte meine Blog-Erfindung mächtig in den Kinderschuhen. Es war halt eine selbergeklöppelte Seite ohne Kommentarfunktion, auf die ich aber trotzdem recht stolz war. Das kann man nun nicht mehr ganz glaubwürdig nachvollziehen, weil der erste Eintrag, wie alle anderen bei twoday hochgeladen ist. Die Einträge aus dem ersten selbstgemachten Tagebuch wurden dann rückwirkend hierher geschoben, später als ich diesen freundlichen Anbieter aus Österreich entdeckte. Was mir aber unter der Dusche nicht so leicht mehr einfiel war, wie ich eigentlich bemerkt habe, dass es noch andere Blogger gibt. Das Wort kannte ich damals ja gar nicht. Und dann kam nach und nach das Erinnern. So von Zweitausend bis Zweitausendzwei hatte ich durch menschliche Verstrickungen Kontakt zu einem Verein, der sich auch eine Seite im Internet gebastelt hatte, und unter Links kam man zu privaten Seiten einiger Mitglieder des Vereins. Da es nicht viele waren, nur ungefähr fünf, die sich mit einer eigenen Homepage präsentierten, hatte man schnell den Überblick. Einer dieser privaten Links ging zur Seite von Jens. In seinem ersten Eintrag am Mittwoch, 22. August 2001 vermerkte er: „Log ist online Dieses Blogger ist schon was schickes, technisch eine hervorragende Geschichte, auch überhaupt nicht aufdringlich, was Werbung oder sowas angeht… irgendwie frage ich mich aber, wie die letztendlich damit Geld verdienen wollen.„

Überrascht stellte ich fest, dass er ja so etwas ähnliches machte wie ich, also so Sachen schreiben wie, in welchem Film man war und wie es so geht. Und das ziemlich oft. Da ich ihn nur äußerst flüchtig von zwei Festen kannte, eigentlich so gut wie gar nicht, war es irgendwie komisch so einen Einblick zu bekommen. Aber auch interessant. Und noch viel interessanter war, dass er auf der rechten Seite so eine komische Liste hatte, wo man draufklicken konnte und zu anderen Internet-Tagebüchern kam. Die Idee hatten also schon ganz viele! Fein. Ich fing an, mich an seiner Blogroll entlangzulesen und ziemlich schnell fiel mir auf, dass sich die meisten Leute untereinander verlinkten. Manche Leute kamen auf jeder Blogroll vor, die mussten echt gut sein. Dachte man so im ersten Moment. Manche waren es auch wirklich. Also ihre Schreibe. Har har! Einer, den man so gar nicht übersehen konnte, war Don Dahlmann. Obwohl er nicht einmal ein Foto von sich herzeigte, wurde er so gut wie immer verlinkt. Ich musste das überprüfen und stellte fest, dass er tatsächlich recht flüssig formulierte und auch lustige Gedanken in seinem Kopf herumspazierten. Er war sich damals auch nicht zu schade, in einem eigenen Blogeintrag der Welt das Geheimnis seines Erfolges zu verraten. Ich denke heute, es war vielleicht doch ein Fehler, seine Ratschläge nicht zu befolgen. Er meinte es schließlich nur gut mit uns. Wenn er einen dann auf seine Blogroll nahm, konnte man sich was drauf einbilden, ein Ritterschlag! Außerdem war Don bei Antville. Das war damals ganz wichtig. Leute mit Antville-Blogs, die man nicht kaufen und nicht erzwingen konnte, waren entweder schon sehr alte Blogger oder hatten irgendwelche insidermäßigen Kontakte. Nur so konnte es kommen, dass Isa ein Antville-Blog geschenkt kriegte, das dann einen komischen Namen hatte, weil man konnte sich den Namen von einem Blog, das man geerbt hat, schließlich nicht aussuchen. Wer das nicht mitgekriegt hat, denkt ich rede hier wirres Zeug. Ja stimmt! Ist ja auch reichlich wirr. Isa hat ihrer Freude in angemessenen Worten in ihrem letzten Eintrag auf ihrem kurzfristig gepflegten Erstblog zum Abschied Ausdruck verliehen: „ „(…) is a blog wird heute genau einen Monat alt und bekommt zum Geburtstag ein neues Zuhause, (…) Bei antville soll alles viel toller sein, hab ich gehört, und überhaupt ist das irgendwie kuhler.„

Ein bißchen früher als Isa hat die Kaltmamsell die Sache mit dem Selber-Bloggen entdeckt. Am 14. September 2003, in einem ihrer ersten Blogeinträge „Ich als Blogger„ schreibt sie: „(…) Gerade fühlte ich mich drei Tage lang als Speerspitze der Web-Technik, weil niemand in meiner Umgebung von Blogs wusste – da muss ich mich bereits von Herrn Praschl darüber aufklären lassen, dass ich bereits in der äußeren Umlaufbahn des Mondes gelandet bin. (…)“ Kid37 erfand gut drei Monate nach der Kaltmamsell und sieben Wochen vor mir ebenfalls das Bloggen. Zum Weihnachtsfest Anno 2003 schenkt er sich ein liebevoll verpacktes kleines Blog, überreicht mit den feierlichen Worten von Herrn Carl Einstein aus dem Jahre 1917: „bei einer gewissen Stufe der Intelligenz interessiert man sich für das Korrekte, Vernünftige gar nicht mehr.„ Solche Sprüche waren natürlich ein guter Grund, den ernsten jungen Mann häufiger zu lesen. Vielleicht wäre er mir gar nicht aufgefallen, wenn ich nicht plötzlich auf die verwegene Idee gekommen wäre, auf einem sogenannten ‚kollaborativen‘ Blog namens „Meine kleine Stadt“ (insidermäßig mks abgekürzt, Antville natürlich) selber Fotos von meiner kleinen Stadt zu posten. mks hatte ich auf der Blogroll von Don entdeckt. Ohne seine Blogroll wäre ich dumm gestorben. mks war jedenfalls echt cool und ist es eigentlich immer noch. Meiner damaligen Freude habe ich auch Ausdruck verliehen. Begeistert fing ich an, Fotos von Bauarbeitern bei mks zu posten und man rechnete es mir hoch an! Wie Schuppen fiel es mir aus den Haaren, dass es ja noch ganz viele andere kollaborative Blogs gab. Überall wollte ich nun mitmischen. Ich kriegte nicht genug! Menschen, Tiere, Sensationen! Zu den anderen Menschen mit zu wenig Tagesfreizeit, die sich nach einem harten Tag bei mks trafen, um sich etwas zu entspannen, gehörte auch kid37, der sich auf seinem Blog immer intellektuell gab, doch bei mks da ließ er die Sau raus. Und die anderen erst! Stundenlang könnte man erzählen! So kam es jedenfalls, dass mir irgendwann Pappnase hinter den Kulissen eine charmante hilfsbereite Mail mit dem Rat schrieb, doch mal eine Kommentarfunktion auf meiner html-Seite einzubauen. Er schickte dann auch links, wie das geht, aber ich habe nichts verstanden. Außerdem wollte ich sowieso ganz lange keine Kommentare in meinem privaten Boudoir haben, wo dann womöglich gemeine Sachen drinstehen. Weil ich dann aber doch neugierig geworden bin, wie es wäre wenn und meine html-Seite auf den zwei verschiedenen Brausern, die es damals gab, immer mehr Kraut und Rüben ausgeschaut hat, hab ich mich doch für diese Sache mit den Blogs mit Kommentaren drin entschieden und ich habe es nicht bereut. Das Umziehen nicht und das Bloggen auch nicht. Und getroffen habe ich sie natürlich alle.

Viele Erinnerungen. Schöne.
13. Februar 2011

Sehr faszinierend. Irgendwo in einem anderen Teil dieses Landes lebt eine intensiv träumende Frau, die seit langer Zeit ein sinnenfrohes Traumtagebuch führt, und hin und wieder tauche ich in ihren Träumen auf. Sie kennt mich nicht persönlich, aber das zauberhafte und mitunter komische Zeug, das sie von mir träumt, könnte von mir stammen. Unglaublich. Gerade hat sie wieder einen Gaga Nielsen-Traum aufgeschrieben:
„In einer Dunkelkammer (ähnlich wie obiger Screenshot) entdecke ich eine unerwartet große Auswahl hochwertiger älterer Filme. Diese wurden von vier Frauen produziert, die in den Filmen auch die Hauptrolle spielten. Ihre Gesichter sind auf den meisten Covern abgebildet. Na hey, das ist doch … na klar! Ich mache die Frau an meiner Seite darauf aufmerksam: „Schau mal, ich glaube, das ist Gaga Nielsen.“ Ich werfe einen Blick auf die Coverrückseite, um zu schauen, welchen der Filme ich abspielen muss, will ich Gaga sehen. Im Zwielicht der Dunkelkammer schlecht zu erkennen und ich halte das Cover ganz nah vor die Augen. Beim Betrachten des Fotos wird es bewegt und ich gewinne einen Einblick in einen Film, der in der Hippiezeit spielt. Der Höhepunkt des Filmes läuft: […] „
Wie kann man sich nur an eine solche Fülle an Details erinnern. Dazu ihr wunderbares Talent, diese nächtlichen Begebenheiten in ihrem absurden oder womöglich sogar visionären Witz festzuhalten. Bin im wahrsten Sinne des Wortes begeistert. Die anderen Träume von Marianne Masters mit mir sind unter der Geschichte verlinkt.
13. Februar 2011

Sehr faszinierend. Irgendwo in einem anderen Teil dieses Landes lebt eine intensiv träumende Frau, die seit langer Zeit ein sinnenfrohes Traumtagebuch führt, und hin und wieder tauche ich in ihren Träumen auf. Sie kennt mich nicht persönlich, aber das zauberhafte und mitunter komische Zeug, das sie von mir träumt, könnte von mir stammen. Unglaublich. Gerade hat sie wieder einen Gaga Nielsen-Traum aufgeschrieben:
„In einer Dunkelkammer (ähnlich wie obiger Screenshot) entdecke ich eine unerwartet große Auswahl hochwertiger älterer Filme. Diese wurden von vier Frauen produziert, die in den Filmen auch die Hauptrolle spielten. Ihre Gesichter sind auf den meisten Covern abgebildet. Na hey, das ist doch … na klar! Ich mache die Frau an meiner Seite darauf aufmerksam: „Schau mal, ich glaube, das ist Gaga Nielsen.“ Ich werfe einen Blick auf die Coverrückseite, um zu schauen, welchen der Filme ich abspielen muss, will ich Gaga sehen. Im Zwielicht der Dunkelkammer schlecht zu erkennen und ich halte das Cover ganz nah vor die Augen. Beim Betrachten des Fotos wird es bewegt und ich gewinne einen Einblick in einen Film, der in der Hippiezeit spielt. Der Höhepunkt des Filmes läuft: […] „
Wie kann man sich nur an eine solche Fülle an Details erinnern. Dazu ihr wunderbares Talent, diese nächtlichen Begebenheiten in ihrem absurden oder womöglich sogar visionären Witz festzuhalten. Bin im wahrsten Sinne des Wortes begeistert. Die anderen Träume von Marianne Masters mit mir sind unter der Geschichte verlinkt.
12. Februar 2011

„Wenn Männer mich und meine Identität respektieren, habe ich eine sehr gute Beziehung zu ihnen. Wer das allerdings nicht tut, wird ein ganz schlimmer Feind, und ich bin stärker als er. Wenn jemand über eine gewisse Grenze geht, an diese Verletzbarkeit des genialen Kindes in mir, dann werde ich ganz böse und furchtbar wütend.“
Lena Vandrey
12. Februar 2011
Im Hollunder wuchsen blaue Märchen und reiften an den großen Dämmerungen. Und die heiteren, roten Mittage rauschten mit dem Wind vorbei (…) RMR


07. Februar 2011

Ich gebe Dir drei Teile Gold für den Klang Deiner Stimme, Lapislazuli für Deinen Blick, Rosenholz für Deine schlafende Haut, und Safran für die erste Sonne auf Deinem Haar. Brotfrucht für die ersten Umarmungen, Umbra für Deinen Mund und Deine Lider, Anemonen für Deinen Schoß. Ich gebe Dir zwei Tropfen aus Jade, um Dich zu haben und zu halten. Ich gebe Dir Crêpe de Chine für Dein Schweigen, Ambra für den Duft Deiner Bewegungen und roten Mohn für die Klugheit Deiner Stirn. Ich gebe Dir zwei weiße Tauben für Deine Verwandlungen und Topase für unsere Liebe im November. Mandragora, um Deine Liebe zu stärken, blaue Schlehen zu ihrem Schutz und eine Fingerspitze Anis für Dein Lächeln, für Dein sonderbares Lächeln. Perlmutt für Deine Wehmut, Rubine für Deinen Stolz. Ich gebe Dir weiße Lilien für den Mut Deiner Verzweiflung, Daunen für Deinen freien Fall und eine handvoll Magnolienblüten für Dein Lächeln, für Dein sonderbares Lächeln. Dein sonderbares Lächeln. ANTEK KROENUNG

07. Februar 2011
„Die Illusion, welche nicht zur Täuschung wird, ist ein labyrinthischer Park, in dem sich der Verstand und die Verführung auf einen Spaziergang verabreden. Was geschieht im Illusionären und insbesondere im Kino? Es entsteht ein Pakt zwischen der Leinwand und dem Zuschauer, und ein Sehnsuchtsraum konkretisiert sich, immateriell, aber sinnlich und auf zauberhafte Weise greifbar.“ Tom Tykwer, 7. Februar 2011, Trauerfeier für Bernd Eichinger

05. Februar 2011

„(…) Ich bin der Meinung, daß man dem anderen und sich immer erlauben muß, ein neues Konzept von sich selbst zu haben, sich selbst immer wieder eine Art Renaissance zu sein. (…) Sicher muß man sich auf sich selbst beziehen, um irgendwie das Bewußtsein von der eigenen Person zu bekommen, aber wenn man sich selbst ein wenig kennt, sollte man sich nicht darauf ausruhen, sondern auf einer bescheidenen Ebene versuchen, exemplarisch zu sein.“
Maren Sell
03. Februar 2011
Diese wahnsinnig dicken Leni-Riefenstahl-Memoiren halten mich derart innerlich auf Trab, ich habe nicht einmal mehr die Muße, an meiner eigenen Legende weiterzuarbeiten. Wie jeden Abend die letzten Tage, werde ich mit Vorfreude früh ins Bett gehen und im Schein der Lampe lesen, bis mir die Augen von selber zufallen.

Inzwischen ist der Krieg vorbei und Leni haust mit ihrer Mutter in einem Zimmer einer Dachgeschoßwohnung, deren Miete sie nicht bezahlen kann und deswegen die anderen zwei Zimmer untervermietet, an einen Filmregisseur, der heiße Parties mit den Stars der Fifties feiert. Durch die Wand hört Leni die Feierei, Hildegard Knef ist auch dabei, aber sie versteckt sich. Aus bekannten Gründen will man lieber nicht mit ihr zu tun haben. Was für ein Lebenslauf. Und wie oft ich denke, genauso sehe ich das auch, wenn sie von ihren filmischen Idealen erzählt, was Rhythmus bedeutet, warum man musikalisch sein muss, um einen Film zu schneiden. Diese Dinge. Und dann diese Zerrissenheit, ihre Bestürzung über ihren Irrweg und die Briefe von ihrem jüdischen Lebensfreund Manfred George an sie, der im Exil in New York die jüdische Zeitschrift Aufbau gründete. Alles sehr aufwühlend und so vieles nachvollziehbar. Über keinen Kamm zu scheren. Muss weiter lesen.
31. Januar 2011

When too perfect, lieber Gott böse.
Nam June Paik

30. Januar 2011

Vor zwei Jahren. Ich weiß noch, wie es war, als ich nach Hause kam. Vielleicht von der U-Bahn. Oder einem Taxi. Aber ob es von Sakamoto war oder einem Lokal, das weiß ich nicht mehr. Ich glaube eigentlich direkt von Sakamoto. Darunter trug ich nicht viel. Ein bißchen kriegerisch. Aber gekämpft habe ich nicht. Nur innerlich. Jim Avignon. Jetzt fällt es mir wieder ein, wo ich das Bild mit dem Liegestuhl sehe. Ich habe es ordentlich getagged. Der versuchte zu singen. Das war ganz furchtbar. So schön er malt, so furchtbar ist sein Gequäke ins Mikrophon. Er tat mir beinah leid. Aber nur beinah. Ein bißchen ärgerlich, dass dieser Dilettantismus so hofiert wurde, vielleicht immer noch wird. Da wurde der bedingungslose Wille zum Opportunismus der Galeristin offenbar. Von da an wusste ich, welche Rolle berechnende Diplomatie spielt, bei der Pflege der Kontakte. Die Galerie gibt es nicht mehr an diesem Standort, sie ist umgezogen. Sie umarmte mich zur Begrüßung. Von anderen hörte ich später, dass sie nicht sehr respektvoll von mir sprach. Aber das Foto, das ich von ihr gemacht hatte, war ihr gut genug, um es als facebook-Profilbild hochzuladen. Ohne Urheberverweis versteht sich. Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft. Auf facebook scheinen sich die meisten sehr privat zu fühlen. Die mir gegenüber freundlich auftretende Gisela, die selbst Fotografin ist, verzichtet neben einer Reihe Anderer ebenfalls darauf, unter dem Bild, mit dem sie sich der facebook-Welt präsentiert, den Urheberverweis zu vermerken. Da es ein ziemlich verrauschter, aber dennoch gelungener Schnappschuss von ihr ist, den sie mutmaßlich kaum weiter verwerten wird, soll meinethalben neben jedem Kommentar und Posting, das sie macht, mein Foto kleben. Aber irgendwie doch schade, dass nie jemand erfahren wird, wo, wann und warum sie da so nett gelacht hat und wer es einfing. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit ihr damals verblieben bin, als ich ihr den link zu den Bildern schickte. Normalerweise bitte ich darum, bei Verwendung meinen Namen darunter zu setzen. Na ja, wie auch immer. Vermutlich ist es für diejenigen gefühlt wie ein ganz privates Fotoalbum, und da schrieb man früher ja auch nicht unter jedes eingeklebte Bild auf das schwarze Tonpapier „Foto: Onkel Ernst“.
P.S. ich habe gerade eine Mail geschickt. Man muss die Menschen vielleicht auch nur manchmal darauf aufmerksam machen. Meistens liegt ja keine Absicht dahinter, nur Unbedachtsamkeit.
30. Januar 2011

Vor zwei Jahren. Ich weiß noch, wie es war, als ich nach Hause kam. Vielleicht von der U-Bahn. Oder einem Taxi. Aber ob es von Sakamoto war oder einem Lokal, das weiß ich nicht mehr. Ich glaube eigentlich direkt von Sakamoto. Darunter trug ich nicht viel. Ein bißchen kriegerisch. Aber gekämpft habe ich nicht. Nur innerlich. Jim Avignon. Jetzt fällt es mir wieder ein, wo ich das Bild mit dem Liegestuhl sehe. Ich habe es ordentlich getagged. Der versuchte zu singen. Das war ganz furchtbar. So schön er malt, so furchtbar ist sein Gequäke ins Mikrophon. Er tat mir beinah leid. Aber nur beinah. Ein bißchen ärgerlich, dass dieser Dilettantismus so hofiert wurde, vielleicht immer noch wird. Da wurde der bedingungslose Wille zum Opportunismus der Galeristin offenbar. Von da an wusste ich, welche Rolle berechnende Diplomatie spielt, bei der Pflege der Kontakte. Die Galerie gibt es nicht mehr an diesem Standort, sie ist umgezogen. Sie umarmte mich zur Begrüßung. Von anderen hörte ich später, dass sie nicht sehr respektvoll von mir sprach. Aber das Foto, das ich von ihr gemacht hatte, war ihr gut genug, um es als facebook-Profilbild hochzuladen. Ohne Urheberverweis versteht sich. Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft. Auf facebook scheinen sich die meisten sehr privat zu fühlen. Die mir gegenüber freundlich auftretende Gisela, die selbst Fotografin ist, verzichtet neben einer Reihe Anderer ebenfalls darauf, unter dem Bild, mit dem sie sich der facebook-Welt präsentiert, den Urheberverweis zu vermerken. Da es ein ziemlich verrauschter, aber dennoch gelungener Schnappschuss von ihr ist, den sie mutmaßlich kaum weiter verwerten wird, soll meinethalben neben jedem Kommentar und Posting, das sie macht, mein Foto kleben. Aber irgendwie doch schade, dass nie jemand erfahren wird, wo, wann und warum sie da so nett gelacht hat und wer es einfing. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit ihr damals verblieben bin, als ich ihr den link zu den Bildern schickte. Normalerweise bitte ich darum, bei Verwendung meinen Namen darunter zu setzen. Na ja, wie auch immer. Vermutlich ist es für diejenigen gefühlt wie ein ganz privates Fotoalbum, und da schrieb man früher ja auch nicht unter jedes eingeklebte Bild auf das schwarze Tonpapier „Foto: Onkel Ernst“.
P.S. ich habe gerade eine Mail geschickt. Man muss die Menschen vielleicht auch nur manchmal darauf aufmerksam machen. Meistens liegt ja keine Absicht dahinter, nur Unbedachtsamkeit.
30. Januar 2011
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Der Film Nanook of the North (dt. Nanuk, der Eskimo) war der allererste Dokumentarfilm der Welt in Spielfilmlänge, der im Kino gezeigt wurde. Robert Flaherty hat ihn 1920 und 1921 ganz alleine gemacht. Auf youtube ist der ganze Film in acht Teilen hochgeladen. Das da oben ist Teil fünf, der mir besonders gut gefällt, weil man lernt, wie man ein Fenster ins Iglu einbaut. Das hab ich noch nie gesehen. Eigentlich ganz einfach. Und Spielsachen kann man auch aus Schnee bauen. Zum Beispiel kleine Eisbären. Auch sehr preisgünstig!
29. Januar 2011

© PETER CUJÉ
Laß mich. Du hörst, was ich beschloß, eh würdest du den Strom, wenn er herab von Bergen schießt, als meiner Seele Donnersturz regieren. Ist’s nicht, als ob ich eine Leier zürnend zertreten wollte, weil sie still für sich, im Zug des Nachtwinds, meinen Namen flüstert? Dem Bären kauert‘ ich zu Füssen mich, und streichelte das Pantherthier, das mir in solcher Regung nahte, wie ich ihm.
Mein ewiger Gedanke, wenn ich wachte, mein ew’ger Traum warst du. Die ganze Welt lag wie ein ausgespanntes Musternetz vor mir. In jeder Masche, weit und groß, war deiner Thaten eine eingeschürzt. Und in mein Herz, wie Seide weiß und rein, mit Flammenfarben jede brannt‘ ich ein.
Wie Priam fleh’nd in deinem Zelt erschien und heiße Thränen weint‘ ich, wenn ich dachte, daß ein Gefühl doch, Unerbittlicher, den marmorharten Busen dir durchzuckt. O laß dies Herz zwei Augenblick‘ in diesem Strom der Lust, wie ein besudelt Kind, sich untertauchen.
Wenn es mir möglich wär, wenn ich’s vermöchte, das Aeußerste, das Menschenkräfte leisten, hab‘ ich gethan, Unmögliches versucht. Mein Alles hab‘ ich an den Wurf gesetzt. Der Würfel, der entscheidet, liegt, er liegt: Begreifen muß ich’s, und daß ich verlor.
Ich war so ruhig, Prothoe, wie das Meer, das in der Bucht des Felsen liegt; nicht ein Gefühl, das sich in Wellen mir erhob. Dies Wort: sei ruhig jagt mich plötzlich jetzt, wie Wind die offnen Weltgewässer, auf. Was ist es denn, das Ruh‘ hier nöthig macht? Ihr steht so seltsam um mich, so verstört, und sendet Blicke, bei den ew’gen Göttern, in meinen Rücken hin, als stünd ein Unhold, mit wildem Antlitz dräuend, hinter mir.
Du hörst’s, es war ja nur ein Traum. Daß der Stern, auf dem wir athmen, geknickt, gleich dieser Rosen einer, läge. Daß ich den ganzen Kranz der Welten so, wie dies Geflecht der Blumen, lösen könnte. Dies Herz, weil es sein muß, bezwingen will ich’s, und thun mit Grazie, was die Noth erheischt. Recht habt ihr auch.
Warum auch wie ein Kind gleich, weil sich ein flücht’ger Wunsch mir nicht gewährt, Mit meinen Göttern brechen? Kommt hinweg. Das Glück, gesteh‘ ich, wär mir lieb gewesen, doch fällt es mir aus Wolken nicht herab, Den Himmel drum erstürmen will ich nicht.
Das Unglück, sagt man, läutert die Gemüther, ich empfand es nicht. Erbittert hat es, Götter mich und Menschen in unbegriff’ner Leidenschaft empört. Wie seltsam war, auf jedem Antlitz, mir, wo ich sie traf, der Freude Spur verhaßt. Wie mögt‘ ich alles jetzt, was mich umringt, zufrieden gern und glücklich sehn. Der Mensch kann groß, ein Held, im Leiden sein. Doch göttlich ist er, wenn er selig ist.
Heinrich von Kleist, Penthesilea

© PETER CUJÉ
28. Januar 2011
In ganz groß anschauen, bitte.
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Nachtrag 29. Januar 2011
Ich habe mir diesen Zusammenschnitt des Fanck-Filmes von 1930 jetzt zum vierten oder fünften Mal angesehen und mir fehlen die Worte. Was für eine Choreographie. Was für eine Dynamik, was für eine Kameraführung. Was für Licht, was für Schatten. Was für wahnsinnige Perspektiven. Das sind mit Bestimmtheit die großartigsten, rasantesten Außenaufnahmen, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Nur Bilder aus anderen Fanck-Filmen, wie Die weisse Hölle vom Piz Palü können dagegen halten. So oft das Wort genial leichtfertig Verwendung findet, hier ist es angemessen. Das ist dermaßen großartig, dass mein Blut regelrecht in Wallung gerät. Und das schreibe ich als jemand ohne Beziehung zum Skifahren. Die braucht man dafür auch nicht. Nur Liebe zu Adrenalinstößen. Tanz und Erregung. Liebe zum Leben.
28. Januar 2011
In ganz groß anschauen, bitte.
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Nachtrag 29. Januar 2011
Ich habe mir diesen Zusammenschnitt des Fanck-Filmes von 1930 jetzt zum vierten oder fünften Mal angesehen und mir fehlen die Worte. Was für eine Choreographie. Was für eine Dynamik, was für eine Kameraführung. Was für Licht, was für Schatten. Was für wahnsinnige Perspektiven. Das sind mit Bestimmtheit die großartigsten, rasantesten Außenaufnahmen, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Nur Bilder aus anderen Fanck-Filmen, wie Die weisse Hölle vom Piz Palü können dagegen halten. So oft das Wort genial leichtfertig Verwendung findet, hier ist es angemessen. Das ist dermaßen großartig, dass mein Blut regelrecht in Wallung gerät. Und das schreibe ich als jemand ohne Beziehung zum Skifahren. Die braucht man dafür auch nicht. Nur Liebe zu Adrenalinstößen. Tanz und Erregung. Liebe zum Leben.
27. Januar 2011

Der ist schön. „Wenn ich den Einkaufswagen der jungen Männer aus dem arabischen Raum vor mir richtig deute, wird es bald ein Attentat mit Klopapier geben.“ Ab und zu werden ja doch vernünftige Gedanken in Worte gefasst. Ich selber lese ja nur alle paar Wochen die tweets, die die Kaltmamsell vorsortiert hat. Das spart viel Zeit! Ich bin ein bißchen vergesslich, merke ich gerade. Die lustigen Gedanken sollte man vielleicht doch manchmal aufschreiben, wie auf einen Einkaufszettel. Ich habe übrigens in der letzten Zeit Test-Reihen mit „Schlaf- und Nerventee“ sowie „Anti-Stress-Tee“ absolviert. Im Internet werden diese nicht unbedingt für den Feinschmecker geeigneten Teesorten wegen ihrer Wirkung über den grünen Klee gelobt. Man kriegt die Schlafteebeutelchen im Drogeriemarkt oder auch bei Edeka. Man muss nicht ins Reformhaus oder in die Apotheke oder in den Bioladen. Meistens ist übelriechendes Baldrian drin und Süßholzgeraspel und Pfefferminze und so weiter und so fort. Dumm ist nur, ich habe eigentlich kein richtiges Schlafproblem oder Einschlafproblem oder Durchschlafproblem der klassischen Art, sondern einen sturen Biorhythmus, wie wahrscheinlich die meisten. Hinzu kommt nun neuerdings mein Alkohol-Problem. Also das Problem, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und sich die Bettschwere noch schwerer einstellt. Geht es auf Mitternacht zu, nähert sich meine Aktivitätskurve dem absoluten Höhepunkt. Ich könnte Bäume ausreißen, von Schläfrigkeit keine Spur. Nun dachte ich, ich könnte diesen in diesem Ausmaß unerwünschten Fitness-Zustand zur Mitternachtsstunde überlisten, indem ich es mal mit Schlaf- und Nerventee zu 1,20 die Schachtel der Marke Heilbrunner probiere. So als Einstieg. Mir ist das ja alles schon wieder zu süß, dieses Süßholz da drin. Aber sie tun alle irgendwie gut. Nur müde werde ich davon nicht. Allerdings kann ich absoluten Tiefschlaf bestätigen. Nur war das eigentlich noch nie mein Problem. Durchschlafen kann ich schon immer. Aber einschlafen vor zwei Uhr nachts. Nicht einfach. Angenehmer finde ich den Anti-Stress-Tee in dem der stinkende Baldrian nicht drin ist und der zumindest eine mental beruhigende Wirkung hat. Bilde ich mir ein. Ein Schlaumeier, der sich durch alle Sorten verschiedener Hersteller getrunken hat, versichert auf quipe oder ciao oder wie diese Seiten alle heißen, dass sämtliche Schlaf- und Nerventees vor allem bei Durchschlafproblemen geeignet wären, zum schnelleren Einschlafen wäre seines Erachtens der Anti-Stress-Tee der Marke Bad Heilbrunner, ebenfalls zu 1,20 (8 Beutel!) geeigneter. Einen Versuch ist es wert. Bis auf den nicht unbedingt als sexy zu bezeichnenden Altenheimgeruch gibt es von meiner Seite bislang nichts Negatives darüber zu berichten. Ich trainiere jetzt allerdings konsequent weiter mit Anti-Stress-Tee ohne Baldrian drin, der stinkt fast gar nicht und ist auch nicht so eklig süß wie die anderen, obwohl da auch Süßholz drin ist. Neulich hab ich es sogar geschafft, vor Mitternacht im Bett zu liegen, mit einem Buch und ich habe es dann weggelegt, weil ich gemerkt habe, dass ich dem Inhalt nicht mehr folgen konnte. Ein gutes Zeichen! Die Turmuhr hatte nämlich noch nicht ein Uhr geschlagen. Auf jeden Fall habe ich jetzt endgültig eingesehen, dass es Quatsch ist, sich eine absurd frühe Schlafenszeit wie etwa 22.00 oder 23.00 Uhr angewöhnen zu wollen, die einem halt überhaupt nicht liegt. Das ist reine Zeitverschwendung. Statt tatenlos wach im Bett zu liegen, kann man sich dann gleich in gewohnter Sitzposition weiter bis Mitternacht vor dem Computer oder wie auch immer verlustieren. Das sagt übrigens auch der Schlafpapst, dass das Quatsch ist. Aber dann ist da ja auch noch mein Alkohol-Problem, wie bereits erwähnt. Ich habe ein Trauma, seit etwa 25. November letzten Jahres, das ich irgendwie bewältigen möchte. Damals hat mir eine gute Freundin tief und eindringlich in die Augen geschaut und mir angeraten, über meine Trinkgewohnheiten nachzudenken. Mir war nicht gut, nachdem ich am Abend vorher drei Gläser Rotwein getrunken hatte. Eins zu viel. Und sie meinte, das hätte ich doch neulich schon mal erzählt. Und sie macht sich Sorgen. Ich hab mir dann auch gleich Sorgen gemacht, ich nehme mir ja immer alles sehr zu Herzen, was jemand sagt, den ich ernst nehme. Ich habe ihr auch schon gesagt, dass sie einen Gegenzauber machen soll, weil ich mich jetzt nicht mehr traue, Alkohol zu trinken. Obwohl ich überhaupt keine Entzugserscheinungen hatte. Außer eben diesem oben erwähnten Einschlafproblem wegen Fitness. Immer sehe ich ihren eindringlichen Blick vor mir, wenn ich nur an Alkohol denke. Nun denke ich also über Therapieformen nach, um mich langsam wieder an einen gepflegten Umgang mit alkoholhaltigen Genussmitteln heranzuführen. Nicht einfach.

27. Januar 2011

Der ist schön. „Wenn ich den Einkaufswagen der jungen Männer aus dem arabischen Raum vor mir richtig deute, wird es bald ein Attentat mit Klopapier geben.“ Ab und zu werden ja doch vernünftige Gedanken in Worte gefasst. Ich selber lese ja nur alle paar Wochen die tweets, die die Kaltmamsell vorsortiert hat. Das spart viel Zeit! Ich bin ein bißchen vergesslich, merke ich gerade. Die lustigen Gedanken sollte man vielleicht doch manchmal aufschreiben, wie auf einen Einkaufszettel. Ich habe übrigens in der letzten Zeit Test-Reihen mit „Schlaf- und Nerventee“ sowie „Anti-Stress-Tee“ absolviert. Im Internet werden diese nicht unbedingt für den Feinschmecker geeigneten Teesorten wegen ihrer Wirkung über den grünen Klee gelobt. Man kriegt die Schlafteebeutelchen im Drogeriemarkt oder auch bei Edeka. Man muss nicht ins Reformhaus oder in die Apotheke oder in den Bioladen. Meistens ist übelriechendes Baldrian drin und Süßholzgeraspel und Pfefferminze und so weiter und so fort. Dumm ist nur, ich habe eigentlich kein richtiges Schlafproblem oder Einschlafproblem oder Durchschlafproblem der klassischen Art, sondern einen sturen Biorhythmus, wie wahrscheinlich die meisten. Hinzu kommt nun neuerdings mein Alkohol-Problem. Also das Problem, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und sich die Bettschwere noch schwerer einstellt. Geht es auf Mitternacht zu, nähert sich meine Aktivitätskurve dem absoluten Höhepunkt. Ich könnte Bäume ausreißen, von Schläfrigkeit keine Spur. Nun dachte ich, ich könnte diesen in diesem Ausmaß unerwünschten Fitness-Zustand zur Mitternachtsstunde überlisten, indem ich es mal mit Schlaf- und Nerventee zu 1,20 die Schachtel der Marke Heilbrunner probiere. So als Einstieg. Mir ist das ja alles schon wieder zu süß, dieses Süßholz da drin. Aber sie tun alle irgendwie gut. Nur müde werde ich davon nicht. Allerdings kann ich absoluten Tiefschlaf bestätigen. Nur war das eigentlich noch nie mein Problem. Durchschlafen kann ich schon immer. Aber einschlafen vor zwei Uhr nachts. Nicht einfach. Angenehmer finde ich den Anti-Stress-Tee in dem der stinkende Baldrian nicht drin ist und der zumindest eine mental beruhigende Wirkung hat. Bilde ich mir ein. Ein Schlaumeier, der sich durch alle Sorten verschiedener Hersteller getrunken hat, versichert auf quipe oder ciao oder wie diese Seiten alle heißen, dass sämtliche Schlaf- und Nerventees vor allem bei Durchschlafproblemen geeignet wären, zum schnelleren Einschlafen wäre seines Erachtens der Anti-Stress-Tee der Marke Bad Heilbrunner, ebenfalls zu 1,20 (8 Beutel!) geeigneter. Einen Versuch ist es wert. Bis auf den nicht unbedingt als sexy zu bezeichnenden Altenheimgeruch gibt es von meiner Seite bislang nichts Negatives darüber zu berichten. Ich trainiere jetzt allerdings konsequent weiter mit Anti-Stress-Tee ohne Baldrian drin, der stinkt fast gar nicht und ist auch nicht so eklig süß wie die anderen, obwohl da auch Süßholz drin ist. Neulich hab ich es sogar geschafft, vor Mitternacht im Bett zu liegen, mit einem Buch und ich habe es dann weggelegt, weil ich gemerkt habe, dass ich dem Inhalt nicht mehr folgen konnte. Ein gutes Zeichen! Die Turmuhr hatte nämlich noch nicht ein Uhr geschlagen. Auf jeden Fall habe ich jetzt endgültig eingesehen, dass es Quatsch ist, sich eine absurd frühe Schlafenszeit wie etwa 22.00 oder 23.00 Uhr angewöhnen zu wollen, die einem halt überhaupt nicht liegt. Das ist reine Zeitverschwendung. Statt tatenlos wach im Bett zu liegen, kann man sich dann gleich in gewohnter Sitzposition weiter bis Mitternacht vor dem Computer oder wie auch immer verlustieren. Das sagt übrigens auch der Schlafpapst, dass das Quatsch ist. Aber dann ist da ja auch noch mein Alkohol-Problem, wie bereits erwähnt. Ich habe ein Trauma, seit etwa 25. November letzten Jahres, das ich irgendwie bewältigen möchte. Damals hat mir eine gute Freundin tief und eindringlich in die Augen geschaut und mir angeraten, über meine Trinkgewohnheiten nachzudenken. Mir war nicht gut, nachdem ich am Abend vorher drei Gläser Rotwein getrunken hatte. Eins zu viel. Und sie meinte, das hätte ich doch neulich schon mal erzählt. Und sie macht sich Sorgen. Ich hab mir dann auch gleich Sorgen gemacht, ich nehme mir ja immer alles sehr zu Herzen, was jemand sagt, den ich ernst nehme. Ich habe ihr auch schon gesagt, dass sie einen Gegenzauber machen soll, weil ich mich jetzt nicht mehr traue, Alkohol zu trinken. Obwohl ich überhaupt keine Entzugserscheinungen hatte. Außer eben diesem oben erwähnten Einschlafproblem wegen Fitness. Immer sehe ich ihren eindringlichen Blick vor mir, wenn ich nur an Alkohol denke. Nun denke ich also über Therapieformen nach, um mich langsam wieder an einen gepflegten Umgang mit alkoholhaltigen Genussmitteln heranzuführen. Nicht einfach.

26. Januar 2011
„…und das Herz für die große altmodische Sehnsucht nach mehr Tempo. Man muss, um zum Kern zu kommen, etwas kaputt machen. Man muss im Feuer stehen. Man kann nicht einen Stuhl nehmen und sich in sein Leben setzen. Nichts rechtfertigen – man wäre verloren“
Wolf Wondratscheck

25. Januar 2011
25. Januar 2011
23. Januar 2011

„Mein erster französischer Geliebter hat mir einmal gesagt: „Du wirst nie eine richtige Frau, Du hast nicht diesen Dackelblick.“ Und da ich ihn sehr mochte, hab‘ ich zunächst tatsächlich versucht, diesen Blick zu erlernen.“
Margarethe von Trotta
23. Januar 2011

„Mein erster französischer Geliebter hat mir einmal gesagt: „Du wirst nie eine richtige Frau, Du hast nicht diesen Dackelblick.“ Und da ich ihn sehr mochte, hab‘ ich zunächst tatsächlich versucht, diesen Blick zu erlernen.“
Margarethe von Trotta
22. Januar 2011
„(…) Ich war gerade fünf Jahre, als er mir aus Schilf eine Schwimmweste bastelte und mich mit ihr ins Wasser warf. Bevor wir das Häuschen in Rauchfangswerder, südlich von Berlin, bezogen hatten, verbrachten wir die Wochenenden in dem kleinen idyllischen Dorf Petz in Brandenburg, eine Stunde Eisenbahnfahrt von Berlin entfernt. Dichtes Schilf und Schmackeduzien umsäumten das Seeufer. Es gab dort eine Menge Frösche, und manchmal konnte man im dunklen Wasser sogar Ottern sehen.“
Leni Riefenstahl, Memoiren, 1987, S. 18

Schmackeduzchen in Berlin-Hirschgarten, 30. Juni 2001
Jeden Tag will ich jetzt etwas Neues lernen. Nicht immer ergibt es sich, aber ganz oft. Vor ein paar Tagen das schöne Wort Schmackeduzien von Leni Riefenstahl gelernt. Sie hat es wahrscheinlich von dem Claire-Waldhoff-Schlager von 1905 oder 1907 oder 1909 (die Quellen gehen da etwas auseinander) im Ohr gehabt und schreibt es deswegen, wie sie denkt. Das Lied vom Schmackeduzchen war ein Schlager, den Walter Kollo für Claire Waldhoff geschrieben hat, der Text stammt von einem Hermann Frey. Walter Kollo und Claire Waldhoff hab ich schon oft gehört, aber Hermann Frey noch nie. Walter Kollo hat ganz furchtbar viele bekannte Berliner Lieder geschrieben, die fast jeder kennt. Es war in Schöneberg im Monat Mai und Die Männer sind alle Verbrecher und Untern Linden, untern Linden und noch ganz viele andere. Die bekanntesten stehen sogar auf seinem Grabstein eingeritzt, auf dem Sophienfriedhof, hier bei mir um die Ecke. Er hat ein Ehrengrab. Im Schlagertext heißt es ja Schmackeduzchen. Das finde ich noch schöner. Ich habe in den letzten Tagen ganz viele Berliner nach dem Wort gefragt, keiner hat es mehr gekannt. Wie schade. Ich werde es jetzt immer benutzten. Man muss sich halt einfach öfter mal über Ausflüge an Berliner Seen unerhalten, dann kann man es einflechten und macht es wieder populär! Irgendwo habe ich gelesen, das Wort kommt ursprünglich aus dem Niederländischen. Ich bin aber gerade zu faul, das genauer zu recherchieren, ob Schilfrohr auf Niederländisch, oder war es Dänisch Schmackeduzchen heißt. Aber bald will ich wieder schöne Ausflüge dahin machen, wo viele Schmackeduzchen wachsen. So wie damals, im Juni Zweitausendeins. Und vor drei Tagen habe ich gelernt, dass der Vogel der Erde, der am allerhöchsten fliegen kann, die Streifengans ist. Die Streifengans kann nämlich 9000 Meter hoch fliegen und überquert sogar den Mont Blanc. Sie hat so spezielle Lungen, damit sie die Höhenluft gut übersteht. Das hab ich beim Mittagessen in der B.Z. gelesen und mir gleich gemerkt. Die anderen Sachen hab ich wieder vergessen. Ach nein! Eine Nachricht war noch lustig: zwei Einbrecher mussten beim Einbruch den Notruf betätigen, weil sie im Aufzug der Firma, wo sie in der Nacht einbrechen wollten, stecken geblieben sind. Die Kollegen von der Polizei haben gerne geholfen. Aber das ist nichts, was man sich für’s Leben merken muss. Schmackeduzchen und Streifengans natürlich schon.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
„Ein schlankes Schmackeduzchen stand im See nah an des Ufers Rand und freute sich des Lebens. Ein kleiner süßer Enterich bat Schmackeduzchen: liebe mich, doch flehte er vergebens. Sie war so unnahbar und stolz, ihr Herz war hart wie Buchsbaumholz, er wurd´ vor Liebe krank. Sie lachte, wenn er sang: mein geliebtes Schmackeduzchen, komm zu deinem Enterich, Laß uns beid´ von Liebe plauschen, innig, sinnig, minniglich!(…)“ Herrmann Frey 1905/7/9
18. Januar 2011
entnetzen

Das ist interessant, wenn ein nie gehörtes Wort im Kopf entsteht und man anschließend danach googelt. Interessanter Artikel, in dem einiges steht, was ich ähnlich empfinde. Obwohl mein persönliches „Entnetzen“ (im Übrigen ohne Pathos und Entsetzen), nicht auf social media-Plattformen bezogen zu verstehen ist, weil ich mich da ohnehin zurückhalte. Es ist mehr in das wirkliche Leben greifend gemeint. Dennoch interessierte mich der Artikel und ich las ihn ganz. Mir gefallen einige Sätze darin. Zum Beispiel „(…) Facebook-Konto stillgelegt, weil ich es nicht zusätzlich pflegen wollte und es nicht mag, wenn flüchtige Bekannte als Freund bezeichnet werden. (…)“ Und dieser: „Immer häufiger empfinde ich die Unterbrechung persönlicher Gespräche durch Blicke auf das Blackberry, des Nebenbeimailschreibens oder smsen als Störung.“ „Störung“ finde ich ja noch tiefgestapelt. Eine bodenlose Frechheit stellt das für meine Begriffe dar. Das dürfte sich maximal ein Arzt im Bereitschaftsdienst herausnehmen, auf sein Drecks-Display zu schielen, während mit mir gesprochen wird. Ich glaube es schlägt Dreizehn. Auch schön und wahr: „Tatsächlich raubt das Rauschen der sozialen Netzwerke unglaublich viel Zeit. Unter dem Rauschen verstehe ich den Zeitverlust durch neugieriges aber weitergehend sinnentleertes Herumstöbern in den Netzen (…)“. Ist vielleicht auch eher ein Symptom von Leuten ohne sinnvolle produktive Beschäftigung. Jämmerlich, diese Buhlerei um virtuell nachweisbare Kontakte und dann eine nahezu gegen Null tendierende Resonanz zu beobachten, wenn einer naiv versucht, diese Kontakte in die Realität zu hieven. Am Beispiel von Einladungen an 700 bis 1000 Leute, die längst keine Lust mehr haben, den ganzen Einladungskäse zu sichten. Schon erschreckend. Und dann das enttäuschte Gejammer, soundsoviele auf der Gästeliste hätten nicht einmal reagiert. Ich staune über so viel Naivität, dass jemand nicht begreift, dass Leute, die zahllose Fremde als Kontakte auf der Liste haben, logischerweise mit ähnlich gestrickten Leuten zu tun haben, die nur die Zahl ihres Schall- und Rauch-Netzwerkes pushen wollen. Und dann kommt wieder keiner. Und die zweieinhalb die kommen, wollen keinen Eintritt zahlen. Ist doch alles völlig logisch. Kapier ich nicht, dass das jemand nicht begreift. Aber zum Glück nicht mein Problem. Geht mir schon seit jeher völlig am Arsch vorbei, weil ich da noch nie Erwartungen hatte. Und den Absatz finde ich auch nicht uninteressant: „(…) Ist die virtuelle Ablenkung vielleicht auch eine Ursache für die rückläufige Arbeitsproduktivität, die Volkswirte festgestellt haben wollen. Die Ökonomen David Brackfield und Joaquim Oliveira Martins machen die rückläufige Produktivität sogar als eine Ursache der Finanzkrise aus (…). Sie stellen diesen Produktivitätsrückgang fest anhand statistischer Daten, suchten aber keine Ursache für den Produktivitätsrückgang. Zufällig fällt dieser aber recht genau in die Zeit, in der die Verfügbarkeit des Internets auch am Arbeitsplatz immer leichter wurde.“ Mit Sicherheit war es nie zuvor leichter Arbeit vorzutäuschen, als heute an Computerarbeitsplätzen. Wenn ich ein Unternehmen mit Zuarbeitern (ja ja, Zu-, nicht Mit-, streng hierarchisch, Chef und weisungsbefugt wäre auschließlich ich – kein Witz) hätte, würde ich wahrscheinlich ohnehin nicht nach Arbeitsstunden entlohnen, sondern projektbezogen. Egal, wie kurz oder lange dann einer dafür braucht. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Der gefundene Artikel ist wieder so ein Fall von Serendipity. Man sucht nach etwas bestimmtem und findet dabei etwas ganz anderes, was auch interessant ist. Ich wusste das schon, mit diesen komischen Selbsthilfegruppen von einstmals wie von Drogen abhängigen facebook-Ex-Usern. Dass sich jemand davon pathetisch mit viel Gedöns zurückziehen muss, ist ja auch schon so ein Indiz von … na ja. Von mir aus kann das jeder halten wie er will und wenn es jemand schön findet, sechzehn Stunden Newsstreams zu checken, beeinträchtigt mich das in keiner Weise und die Leute sind von der Straße. Ich habe hier und dort eine kleine verblassende Spur und dabei bleibt es. Dann wissen meine Neffen, dass ihre Tante auch den Schuss gehört hat und finden mich weiter cool. Das ist schön. Aber mehr ist halt nicht drin. Keine Zeit, keine Zeit. Und eben auch sonst. Ich beklage das gar nicht. Leider (für die anderen) im Moment ausgebuchter Terminkalender. Lauter Verabredungen mit mir selbst. Aber meldet Euch doch in einem Jahr vielleicht wieder. Ab Zweitausendzwölf sieht es vielleicht etwas anders aus. Mal sehen, wie weit ich dann mit mir bin. Vielleicht brauche ich dann ja mal Tapetenwechsel. Ja, ich bin schrecklich.

18. Januar 2011
entnetzen

Das ist interessant, wenn ein nie gehörtes Wort im Kopf entsteht und man anschließend danach googelt. Interessanter Artikel, in dem einiges steht, was ich ähnlich empfinde. Obwohl mein persönliches „Entnetzen“ (im Übrigen ohne Pathos und Entsetzen), nicht auf social media-Plattformen bezogen zu verstehen ist, weil ich mich da ohnehin zurückhalte. Es ist mehr in das wirkliche Leben greifend gemeint. Dennoch interessierte mich der Artikel und ich las ihn ganz. Mir gefallen einige Sätze darin. Zum Beispiel „(…) Facebook-Konto stillgelegt, weil ich es nicht zusätzlich pflegen wollte und es nicht mag, wenn flüchtige Bekannte als Freund bezeichnet werden. (…)“ Und dieser: „Immer häufiger empfinde ich die Unterbrechung persönlicher Gespräche durch Blicke auf das Blackberry, des Nebenbeimailschreibens oder smsen als Störung.“ „Störung“ finde ich ja noch tiefgestapelt. Eine bodenlose Frechheit stellt das für meine Begriffe dar. Das dürfte sich maximal ein Arzt im Bereitschaftsdienst herausnehmen, auf sein Drecks-Display zu schielen, während mit mir gesprochen wird. Ich glaube es schlägt Dreizehn. Auch schön und wahr: „Tatsächlich raubt das Rauschen der sozialen Netzwerke unglaublich viel Zeit. Unter dem Rauschen verstehe ich den Zeitverlust durch neugieriges aber weitergehend sinnentleertes Herumstöbern in den Netzen (…)“. Ist vielleicht auch eher ein Symptom von Leuten ohne sinnvolle produktive Beschäftigung. Jämmerlich, diese Buhlerei um virtuell nachweisbare Kontakte und dann eine nahezu gegen Null tendierende Resonanz zu beobachten, wenn einer naiv versucht, diese Kontakte in die Realität zu hieven. Am Beispiel von Einladungen an 700 bis 1000 Leute, die längst keine Lust mehr haben, den ganzen Einladungskäse zu sichten. Schon erschreckend. Und dann das enttäuschte Gejammer, soundsoviele auf der Gästeliste hätten nicht einmal reagiert. Ich staune über so viel Naivität, dass jemand nicht begreift, dass Leute, die zahllose Fremde als Kontakte auf der Liste haben, logischerweise mit ähnlich gestrickten Leuten zu tun haben, die nur die Zahl ihres Schall- und Rauch-Netzwerkes pushen wollen. Und dann kommt wieder keiner. Und die zweieinhalb die kommen, wollen keinen Eintritt zahlen. Ist doch alles völlig logisch. Kapier ich nicht, dass das jemand nicht begreift. Aber zum Glück nicht mein Problem. Geht mir schon seit jeher völlig am Arsch vorbei, weil ich da noch nie Erwartungen hatte. Und den Absatz finde ich auch nicht uninteressant: „(…) Ist die virtuelle Ablenkung vielleicht auch eine Ursache für die rückläufige Arbeitsproduktivität, die Volkswirte festgestellt haben wollen. Die Ökonomen David Brackfield und Joaquim Oliveira Martins machen die rückläufige Produktivität sogar als eine Ursache der Finanzkrise aus (…). Sie stellen diesen Produktivitätsrückgang fest anhand statistischer Daten, suchten aber keine Ursache für den Produktivitätsrückgang. Zufällig fällt dieser aber recht genau in die Zeit, in der die Verfügbarkeit des Internets auch am Arbeitsplatz immer leichter wurde.“ Mit Sicherheit war es nie zuvor leichter Arbeit vorzutäuschen, als heute an Computerarbeitsplätzen. Wenn ich ein Unternehmen mit Zuarbeitern (ja ja, Zu-, nicht Mit-, streng hierarchisch, Chef und weisungsbefugt wäre auschließlich ich – kein Witz) hätte, würde ich wahrscheinlich ohnehin nicht nach Arbeitsstunden entlohnen, sondern projektbezogen. Egal, wie kurz oder lange dann einer dafür braucht. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Der gefundene Artikel ist wieder so ein Fall von Serendipity. Man sucht nach etwas bestimmtem und findet dabei etwas ganz anderes, was auch interessant ist. Ich wusste das schon, mit diesen komischen Selbsthilfegruppen von einstmals wie von Drogen abhängigen facebook-Ex-Usern. Dass sich jemand davon pathetisch mit viel Gedöns zurückziehen muss, ist ja auch schon so ein Indiz von … na ja. Von mir aus kann das jeder halten wie er will und wenn es jemand schön findet, sechzehn Stunden Newsstreams zu checken, beeinträchtigt mich das in keiner Weise und die Leute sind von der Straße. Ich habe hier und dort eine kleine verblassende Spur und dabei bleibt es. Dann wissen meine Neffen, dass ihre Tante auch den Schuss gehört hat und finden mich weiter cool. Das ist schön. Aber mehr ist halt nicht drin. Keine Zeit, keine Zeit. Und eben auch sonst. Ich beklage das gar nicht. Leider (für die anderen) im Moment ausgebuchter Terminkalender. Lauter Verabredungen mit mir selbst. Aber meldet Euch doch in einem Jahr vielleicht wieder. Ab Zweitausendzwölf sieht es vielleicht etwas anders aus. Mal sehen, wie weit ich dann mit mir bin. Vielleicht brauche ich dann ja mal Tapetenwechsel. Ja, ich bin schrecklich.

16. Januar 2011
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Das wird mir nicht langweilig. Manchmal weiß man, dass man ein ganz ähnliches Foto schon gemacht hat, dass es vielleicht sogar nicht so ganz auf den Punkt ist. Aber man weiß ja nie. Einfach mal festhalten. Ich weiß gar nicht, wie oft ich das schon fotografiert habe, aber nicht alle hochgeladen. Ein paar davon. Aber da das wiederholte Erleben eines Sonnenunterganges niemanden den ich kenne langweilt, kann man das schon machen. Das Schöne langweilt mich nie. Ich meine nicht hübsch. Vollendung langweilt mich nicht. Sie inspiriert mich. Defizit ohne dynamische Bewegung Richtung Vollendung langweilt mich. Ich bin da schwierig im Umgang, das weiß ich. Schwer zu vermitteln. Vielleicht weil ich sehr geizig mit meiner Lebenszeit bin oder rigide, was innerhalb der mir frei verfügbaren Zeit geschehen soll. Ich weiß ganz sicher, dass meine Idee von Schönheit und Vibration, Elektritzität eine große Rolle dabei spielt. Was bringt meine Zellen zum Rotieren, bringt mich auf gleißende Gedanken, helle in sich strahlende Visionen, die die erlebte Zeit mit Kraft fluten. Ich habe festgestellt, dass im Augenblick, in dieser Zeit, der sicherste Weg dahin ist, dass ich sie mit mir verbringe, alleine. Dann ist jede Sekunde reich und fruchtbar und es gibt keinen Augenblick der Langeweile. Ich muss mich vor mir nicht rechtfertigen. Es ist auch schwer zu vermitteln , wenn meine Aufmerksamkeit abschweift, zurück zu mir geht. Diese Egozentrik ist nicht vermittelbar. Das wäre kein aufrichtiger Kontakt. Und ich bin wiederum zu gewissenhaft, Kommunikationsinteresse nicht der Form zu missbrauchen, es als billige Möglichkeit des Zuspruchs oder der Respektsbezeugung oder gar der Bewunderung zu kultivieren. Da hätte ich ein noch schlechteres Gewissen. Auf der anderen Seite tendiert mein Interesse an Kritik an meiner Person oder meinem Verhalten gegen ’nicht vorhanden‘. Ich bin so streng mit mir selbst, dass es keine Kritik geben kann, mit der ich mich nicht schon längst selbst, mich aus allen Blickwinkeln in Frage stellend, konfrontiert hätte. Insofern könnte mich gerade nur ein Kontakt in den Bann ziehen, den ich im Augenblick nicht habe. Jemand, der in einer inspirierenden, mir neuartigen Welt lebt, außerirdische Perspektiven hat, einen völlig anderen Ansatz. Oder eine zwillingsartige Persönlichkeit (nicht astrologisch gemeint, wobei ich den schnellen und hellen Esprit von Zwillingen sehr mag), die mir auf eine produktiv befeuernde Art und Weise derart ähnlich empfände, dass es sich wie ein visionsgeladenes Zuhause anfühlt. Den Blick in der Gegenwart und gleichzeitig in der Zukunft. Voller Dynamik, sprühender Ideen und neuer Horizonte. Ein zweites Zuhause. Denn eines habe ich schon. Es ist in mir. Der wärmste und sicherste Platz auf der Erde.

16. Januar 2011
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Das wird mir nicht langweilig. Manchmal weiß man, dass man ein ganz ähnliches Foto schon gemacht hat, dass es vielleicht sogar nicht so ganz auf den Punkt ist. Aber man weiß ja nie. Einfach mal festhalten. Ich weiß gar nicht, wie oft ich das schon fotografiert habe, aber nicht alle hochgeladen. Ein paar davon. Aber da das wiederholte Erleben eines Sonnenunterganges niemanden den ich kenne langweilt, kann man das schon machen. Das Schöne langweilt mich nie. Ich meine nicht hübsch. Vollendung langweilt mich nicht. Sie inspiriert mich. Defizit ohne dynamische Bewegung Richtung Vollendung langweilt mich. Ich bin da schwierig im Umgang, das weiß ich. Schwer zu vermitteln. Vielleicht weil ich sehr geizig mit meiner Lebenszeit bin oder rigide, was innerhalb der mir frei verfügbaren Zeit geschehen soll. Ich weiß ganz sicher, dass meine Idee von Schönheit und Vibration, Elektritzität eine große Rolle dabei spielt. Was bringt meine Zellen zum Rotieren, bringt mich auf gleißende Gedanken, helle in sich strahlende Visionen, die die erlebte Zeit mit Kraft fluten. Ich habe festgestellt, dass im Augenblick, in dieser Zeit, der sicherste Weg dahin ist, dass ich sie mit mir verbringe, alleine. Dann ist jede Sekunde reich und fruchtbar und es gibt keinen Augenblick der Langeweile. Ich muss mich vor mir nicht rechtfertigen. Es ist auch schwer zu vermitteln , wenn meine Aufmerksamkeit abschweift, zurück zu mir geht. Diese Egozentrik ist nicht vermittelbar. Das wäre kein aufrichtiger Kontakt. Und ich bin wiederum zu gewissenhaft, Kommunikationsinteresse nicht der Form zu missbrauchen, es als billige Möglichkeit des Zuspruchs oder der Respektsbezeugung oder gar der Bewunderung zu kultivieren. Da hätte ich ein noch schlechteres Gewissen. Auf der anderen Seite tendiert mein Interesse an Kritik an meiner Person oder meinem Verhalten gegen ’nicht vorhanden‘. Ich bin so streng mit mir selbst, dass es keine Kritik geben kann, mit der ich mich nicht schon längst selbst, mich aus allen Blickwinkeln in Frage stellend, konfrontiert hätte. Insofern könnte mich gerade nur ein Kontakt in den Bann ziehen, den ich im Augenblick nicht habe. Jemand, der in einer inspirierenden, mir neuartigen Welt lebt, außerirdische Perspektiven hat, einen völlig anderen Ansatz. Oder eine zwillingsartige Persönlichkeit (nicht astrologisch gemeint, wobei ich den schnellen und hellen Esprit von Zwillingen sehr mag), die mir auf eine produktiv befeuernde Art und Weise derart ähnlich empfände, dass es sich wie ein visionsgeladenes Zuhause anfühlt. Den Blick in der Gegenwart und gleichzeitig in der Zukunft. Voller Dynamik, sprühender Ideen und neuer Horizonte. Ein zweites Zuhause. Denn eines habe ich schon. Es ist in mir. Der wärmste und sicherste Platz auf der Erde.

10. Januar 2011
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649

Hin und wieder ist es an der Zeit, dem Publikum den Content zu bieten, den es wirklich begehrt. Immer wollten Sie doch schon einmal wissen, von welchem inspirierenden Ort meine brillanten Blogeinträge ins Internet gestellt werden. Daher sehen Sie heute eine kleine Bilderschau, die wieder einmal meine Sendestation zeigt. Jawohl, ähnliche Bilder gab es bereits vor einem guten halben Jahrzehnt hier zu sehen. Das hatte zur sehr schönen Folge, dass auch andere Blogger ihren privaten Arbeitsplatz herzeigten, was natürlich toll ankam. Es ist ja zum Beispiel bekannt, dass Sendungen wie das perfekte Promi-Dinner ausschließlich wegen der Besichtigungsmöglichkeit der Wohnungen geschaut wird. Das Essen interessiert im Prinzip keine Sau. Wenn ich meine alte Homestory so anschaue, merke ich doch, dass ich ein konservativer Typ bin, was Wohnungseinrichtung angeht. Die Wohnung wird bezogen, die Sachen eingeräumt und beim nächsten Umzug wird ordentlich aussortiert, aber das meiste wieder eingepackt und mit dem Auto abtransportiert. Dazwischen passiert praktisch nichts. Außer frischer Bettwäsche und der gelegentliche Wechsel eines zerschlissenen Kissenbezuges. Gedanken über meine eigenen Möbel kommen in meinem Kopf praktisch nicht vor. Wenn mir nach räumlicher Veränderung ist, ziehe ich um. Aber noch gefällt es mir hier recht gut. Neue Fotos von den anderen Räumen gibt es momentan noch nicht, denn ich brauche ja noch attraktiven Content in der Hinterhand. Liest eigentlich wer Bunte, also ich meine die gedruckte Version? Sind da noch so Homestories drin? Oder war das eher in der Neuen Post? Oder Frau im Spiegel? Ich gehe ja so selten zum Arzt, man ist gar nicht mehr auf dem Laufenden. Homestories haben mir persönlich immer sehr gut gefallen, toller privater Content eben!

15. Januar 2011

Mal was Buntes, nicht erschrecken. Beim Renovieren entdeckt. Ein Eintrag in meinem Schulheft vom Portugiesisch-Kurs 1989. Ich habe wohl versucht, mir die Wörter durch buntes Gekrakel besser einzuprägen. Hat aber nicht viel geholfen. Damals wollte ich nach Brasilien auswandern. Leider gab es nur einen Kursus für portugiesisches Portugiesisch, nicht aber für brasilianisches, was komplett anders klingt. Das portugiesische Portugiesisch klingt wie Schallplatte rückwärts hören, das brasilianische ist weicher, mehr sexy, wie Girl from Ipanema oder Roberto corta essa von Jorge Ben [s.u.], den hab ich damals oft und gerne gehört. Ein brasilianischer Superstar. Ich finde man hört die Tukans und die ganzen anderen bunten Vögel von Amazonien in seiner Musik, obwohl da gar keine Vogelgeräusche drin sind, und will gleich mit ihnen tanzen. Ich hatte damals ein weißes T-Shirt mit einem großen gestickten Tukan drauf, damit bin ich dann durch meine kleine Wohnung in Schöneberg getanzt, zu den Schallplatten von Jorge Ben. Keiner in Berlin wusste, wer das ist. Außer Mora, der Barkeeper der Domina-Bar, der mich drauf gebracht hatte. Ewig nicht gehört. Toll, dass es youtube gibt. Ich räume mal weiter auf, da auf meiner ewig alten Seite.
15. Januar 2011

Mal was Buntes, nicht erschrecken. Beim Renovieren entdeckt. Ein Eintrag in meinem Schulheft vom Portugiesisch-Kurs 1989. Ich habe wohl versucht, mir die Wörter durch buntes Gekrakel besser einzuprägen. Hat aber nicht viel geholfen. Damals wollte ich nach Brasilien auswandern. Leider gab es nur einen Kursus für portugiesisches Portugiesisch, nicht aber für brasilianisches, was komplett anders klingt. Das portugiesische Portugiesisch klingt wie Schallplatte rückwärts hören, das brasilianische ist weicher, mehr sexy, wie Girl from Ipanema oder Roberto corta essa von Jorge Ben [s.u.], den hab ich damals oft und gerne gehört. Ein brasilianischer Superstar. Ich finde man hört die Tukans und die ganzen anderen bunten Vögel von Amazonien in seiner Musik, obwohl da gar keine Vogelgeräusche drin sind, und will gleich mit ihnen tanzen. Ich hatte damals ein weißes T-Shirt mit einem großen gestickten Tukan drauf, damit bin ich dann durch meine kleine Wohnung in Schöneberg getanzt, zu den Schallplatten von Jorge Ben. Keiner in Berlin wusste, wer das ist. Außer Mora, der Barkeeper der Domina-Bar, der mich drauf gebracht hatte. Ewig nicht gehört. Toll, dass es youtube gibt. Ich räume mal weiter auf, da auf meiner ewig alten Seite.
14. Januar 2011
„Am 22. Dezember 2002 wurde das Gehirn von Ulrike Meinhof auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof beerdigt.“ […]
10. Januar 2011
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649

Ja. Nun ist es raus. Ich ernähre mich ausschließlich von Kürbissen. Geht doch! Mit ein bißchen Phantasie bekommt man mindestens dreieinhalb verschiedene Gerichte zusammen. In letzter Zeit entdecke ich neue Freude am Schwindeln. Aber meistens steht hier die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe. Interessant, dass ich vor siebzehn Jahren aus der Kirche ausgetreten bin, hindert mich nicht, den lieben Gott gelegentlich anzurufen. Man weiß ja nie. Ich fand nur die Klubregeln nicht so attraktiv und nehme gerne beim Kochen verschiedene Gewürze aus aller Welt in mein Religions-Süppchen. Oder besser alles und nichts. Mir fällt eigentlich kein religiöser Wahn ein, der nicht auch ein interessantes Detail hätte. Letztlich ist meine kultischste religiöse Handlung ein erhebendes, erhabenes, ja irgendwie heiliges Gefühl bei der Essenszubereitung.
Ich muss mir immer vorstellen, dass das Zeug in der Bratpfanne mal ein Teil meines Fingers wird, der gerade die Zwiebeln schneidet. So Sachen stelle ich mir vor. Und dann wird mir ganz feierlich. Deswegen rede ich auch immer viel und gerne von Zellschutznahrung, Zellbaustoff. Das wird alles mal ein Teil von einem selber und wenn man möglichst schöne neue Zellen fabriziert haben will (will ich), muss man schöne, gute Sachen essen. Da scheiden sich dann wieder die Geister, was schön und gut ist. Ich nenne das gerne Powerfood, insbesondere, was ich mir in den jüngeren Jahren einverleibe. Unformatiertes Essen. Mit der böhmischen Küche meiner Vorfahren hat diese Art des Essens rein gar nichts mehr zu tun. Ich habe in meinem Leben genug Mehlspeisen verdrückt, das reicht für den Rest des Lebens. Obwohl das freilich auch eine Küche ist, die bestimmte Geschmacksnerven sehr reizvoll kitzelt.
Aber das ist nicht mehr meine Priorität. Ich glaube, Heroin hat auch interessante sinnliche Erfahrungsmöglichkeiten, aber ich halte den Konsum nicht für konstruktiv. Aus dem Ursprung in die Pfanne, das finde ich sehr vertrauenerweckend. Übrigens habe ich erst in letzter Zeit entdeckt, dass es zwei Sorten Tiefkühlgemüse gibt, das sehr viel Kraft in sich trägt, nämlich Broccoli und Blattspinat. Erntefrischer Tiefkühl-Broccoli hat mehr Power als der schon länger im Supermarkt herumliegende, ‚frische‘. Blattspinat gibt es selten frisch, daher den gefrorenen. Große Überraschung für mich, weil ich sonst keinerlei Tiefkühlprodukte benutze. Gestern gab es so eine ähnliche Kraut- und Rübenpfanne wie da oben, nur mit Broccoli und Blattspinat. Auch Käse drüber. Und Paranusskerne. Ein bißchen Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, Cayenne. Auf niedriger Flamme gedünstet, nicht totgebraten. Sehr delikat. Nur wenn ich Kürbis in der Pfanne habe, fällt mir immer ein, dass man eigentlich ein Foto davon machen sollte. Aber jetzt ist Schluss. Außerdem hab ich auch schon anderen Zellbaustoff abgelichtet, bevor er einverleibt wurde. Hier Beweisfotos.
10. Januar 2011
„Ernst Rowohlt (…) war 1938 wegen einer Liebesaffäre nach Südamerika gegangen, an den brasilianischen Rio Grande, wo er als Pferdekäufer und -zureiter, auch als Häutehändler, lebte – dort, wo sein Autor Robert Musil sich weigerte, das Exil zu suchen, mit den Worten „Da ist schon Stefan Zweig.“
F. J. Raddatz, Unruhestifter, S. 185
10. Januar 2011
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Ja. Nun ist es raus. Ich ernähre mich ausschließlich von Kürbissen. Geht doch! Mit ein bißchen Phantasie bekommt man mindestens dreieinhalb verschiedene Gerichte zusammen. In letzter Zeit entdecke ich neue Freude am Schwindeln. Aber meistens steht hier die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe. Interessant, dass ich vor siebzehn Jahren aus der Kirche ausgetreten bin, hindert mich nicht, den lieben Gott gelegentlich anzurufen. Man weiß ja nie. Ich fand nur die Klubregeln nicht so attraktiv und nehme gerne beim Kochen verschiedene Gewürze aus aller Welt in mein Religions-Süppchen. Oder besser alles und nichts. Mir fällt eigentlich kein religiöser Wahn ein, der nicht auch ein interessantes Detail hätte. Letztlich ist meine kultischste religiöse Handlung ein erhebendes, erhabenes, ja irgendwie heiliges Gefühl bei der Essenszubereitung.
Ich muss mir immer vorstellen, dass das Zeug in der Bratpfanne mal ein Teil meines Fingers wird, der gerade die Zwiebeln schneidet. So Sachen stelle ich mir vor. Und dann wird mir ganz feierlich. Deswegen rede ich auch immer viel und gerne von Zellschutznahrung, Zellbaustoff. Das wird alles mal ein Teil von einem selber und wenn man möglichst schöne neue Zellen fabriziert haben will (will ich), muss man schöne, gute Sachen essen. Da scheiden sich dann wieder die Geister, was schön und gut ist. Ich nenne das gerne Powerfood, insbesondere, was ich mir in den jüngeren Jahren einverleibe. Unformatiertes Essen. Mit der böhmischen Küche meiner Vorfahren hat diese Art des Essens rein gar nichts mehr zu tun. Ich habe in meinem Leben genug Mehlspeisen verdrückt, das reicht für den Rest des Lebens. Obwohl das freilich auch eine Küche ist, die bestimmte Geschmacksnerven sehr reizvoll kitzelt.
Aber das ist nicht mehr meine Priorität. Ich glaube, Heroin hat auch interessante sinnliche Erfahrungsmöglichkeiten, aber ich halte den Konsum nicht für konstruktiv. Aus dem Ursprung in die Pfanne, das finde ich sehr vertrauenerweckend. Übrigens habe ich erst in letzter Zeit entdeckt, dass es zwei Sorten Tiefkühlgemüse gibt, das sehr viel Kraft in sich trägt, nämlich Broccoli und Blattspinat. Erntefrischer Tiefkühl-Broccoli hat mehr Power als der schon länger im Supermarkt herumliegende, ‚frische‘. Blattspinat gibt es selten frisch, daher den gefrorenen. Große Überraschung für mich, weil ich sonst keinerlei Tiefkühlprodukte benutze. Gestern gab es so eine ähnliche Kraut- und Rübenpfanne wie da oben, nur mit Broccoli und Blattspinat. Auch Käse drüber. Und Paranusskerne. Ein bißchen Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, Cayenne. Auf niedriger Flamme gedünstet, nicht totgebraten. Sehr delikat. Nur wenn ich Kürbis in der Pfanne habe, fällt mir immer ein, dass man eigentlich ein Foto davon machen sollte. Aber jetzt ist Schluss. Außerdem hab ich auch schon anderen Zellbaustoff abgelichtet, bevor er einverleibt wurde. Hier Beweisfotos.
10. Januar 2011
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Hin und wieder ist es an der Zeit, dem Publikum den Content zu bieten, den es wirklich begehrt. Immer wollten Sie doch schon einmal wissen, von welchem inspirierenden Ort meine brillanten Blogeinträge ins Internet gestellt werden. Daher sehen Sie heute eine kleine Bilderschau, die wieder einmal meine Sendestation zeigt. Jawohl, ähnliche Bilder gab es bereits vor einem guten halben Jahrzehnt hier zu sehen. Das hatte zur sehr schönen Folge, dass auch andere Blogger ihren privaten Arbeitsplatz herzeigten, was natürlich toll ankam. Es ist ja zum Beispiel bekannt, dass Sendungen wie das perfekte Promi-Dinner ausschließlich wegen der Besichtigungsmöglichkeit der Wohnungen geschaut wird. Das Essen interessiert im Prinzip keine Sau. Wenn ich meine alte Homestory so anschaue, merke ich doch, dass ich ein konservativer Typ bin, was Wohnungseinrichtung angeht. Die Wohnung wird bezogen, die Sachen eingeräumt und beim nächsten Umzug wird ordentlich aussortiert, aber das meiste wieder eingepackt und mit dem Auto abtransportiert. Dazwischen passiert praktisch nichts. Außer frischer Bettwäsche und der gelegentliche Wechsel eines zerschlissenen Kissenbezuges. Gedanken über meine eigenen Möbel kommen in meinem Kopf praktisch nicht vor. Wenn mir nach räumlicher Veränderung ist, ziehe ich um. Aber noch gefällt es mir hier recht gut. Neue Fotos von den anderen Räumen gibt es momentan noch nicht, denn ich brauche ja noch attraktiven Content in der Hinterhand. Liest eigentlich wer Bunte, also ich meine die gedruckte Version? Sind da noch so Homestories drin? Oder war das eher in der Neuen Post? Oder Frau im Spiegel? Ich gehe ja so selten zum Arzt, man ist gar nicht mehr auf dem Laufenden. Homestories haben mir persönlich immer sehr gut gefallen, toller privater Content eben!

09. Januar 2011
09. Januar 2011
08. Januar 2011
06. Januar 2011

Foto: catonbed
Wem das zu lange dauert, bis ich immer den nächsten Eintrag abliefere, kann auch einfach mal ins Archiv da links schauen. Irgendwo draufklicken, immer ein super Treffer. Schließlich schreibe ich hier im Internet bald im achten Jahr zeitlos schöne und wahrhaftige Texte, die für alle Zeit ihre Gültigkeit behalten werden. Na ja, also fast. Vom Prinzip her wenigstens. Nur die Protagonisten ändern sich eben. Aber wo ist das anders. Die Befindlichkeiten sind zeitlos schön oder furchtbar. Je nach dem. Gibt bald was Neues. Bilder und wirre Gedanken, die sich im Laufe des Tippens entpuppen und entblättern und entwirren und am Ende in kristallklarer Schönheit hier stehen werden. Man muss sich auch mal selbst loben. Als Kind hat man mir das ja gründlich auszutreiben versucht, deswegen neige ich heute vielleicht ein wenig zur Übertreibung in dieser Hinsicht, das müssen Sie bitte verstehen. Letztendlich siegt doch das Gute und Schöne. Also ich. Wurscht wie.
06. Januar 2011

Foto: catonbed
Wem das zu lange dauert, bis ich immer den nächsten Eintrag abliefere, kann auch einfach mal ins Archiv da links schauen. Irgendwo draufklicken, immer ein super Treffer. Schließlich schreibe ich hier im Internet bald im achten Jahr zeitlos schöne und wahrhaftige Texte, die für alle Zeit ihre Gültigkeit behalten werden. Na ja, also fast. Vom Prinzip her wenigstens. Nur die Protagonisten ändern sich eben. Aber wo ist das anders. Die Befindlichkeiten sind zeitlos schön oder furchtbar. Je nach dem. Gibt bald was Neues. Bilder und wirre Gedanken, die sich im Laufe des Tippens entpuppen und entblättern und entwirren und am Ende in kristallklarer Schönheit hier stehen werden. Man muss sich auch mal selbst loben. Als Kind hat man mir das ja gründlich auszutreiben versucht, deswegen neige ich heute vielleicht ein wenig zur Übertreibung in dieser Hinsicht, das müssen Sie bitte verstehen. Letztendlich siegt doch das Gute und Schöne. Also ich. Wurscht wie.
04. Januar 2011
Interessanter Stress: morgen früh zwischen 7:00 – 9:00 Uhr kommt der Heizungsableser – staubsaugen (Staub saugen?)?
05. Januar 2011
Supernova in Galaxie UGC 3378, im Sternbild Giraffe!

Camelopardalis
05. Januar 2011
04. Januar 2011
Interessanter Stress: morgen früh zwischen 7:00 – 9:00 Uhr kommt der Heizungsableser – staubsaugen (Staub saugen?)?
04. Januar 2011
Was habe ich doch früher für schöne Einträge verfasst.
[ inspiriert durch ]
01. Januar 2011

Foto: catonbed
Schon wieder ein Bild aus dieser Reihe. Das scheint ja eine richtige kleine Fotosession gewesen zu sein, an die ich mich rein gar nicht mehr erinnern kann. Ich muss lachen, wenn ich solche Fotos von mir sehe. Wenn ich mich nicht kennen würde, hätte ich Angst mich anzusprechen, so unnahbar, wie ich aus der Wäsche gucke. Das hat natürlich System. Nur die tapfersten Krieger dürfen den heiligen Kreis betreten. Für Astrologie-Studenten: bitte prägen Sie sich gut die Details ein. So wirkt sich ein Skorpion-Aszendent aus. Dunkle Sonnenbrille, schwarzes Leder, weißes Hemd, autoritärer Gesichtsausdruck. Fehlt eigentlich nur noch eine Waffe. Aber die hat man ja immer dabei. Das ist der bohrende Blick hinter den dunklen Gläsern. Und zum Lachen gehe ich selbstverständlich in den Keller. Also liebe Studenten: der Aszendent zeigt die Vorlieben beim Erscheinungsbild und die archetypischen, sichtbaren Verhaltensmuster an. Niemals Geblümtes, keine Pastellfarben! Nichts gegen zarte Blumen auf Chiffon, aber das gehört zu einem anderen Aszendenten. Eine Frau mit Skorpion-Aszendent würde niemals den kleinen Finger beim Teetrinken abspreizen. Keine Larifari-Bewegungen. Latent gewaltb aggressiv. Das Verhalten dient ausschließlich der Selbstverteidigung. Und zu verteidigen gibt es immer etwas! Noch Fragen?! Und selbstverständlich gestaltet sich auch die Ausdrucksweise eher ungeblümt äh unverblümt. Da werden keine häkelbortenartigen Neujahrswünsche verteilt. Daher komme ich gleich zur Sache: strengen Sie sich gefälligst alle an, damit es ein brauchbares Jahr wird und nicht wieder so ein Dilettantenkram wie Zweitausendzehn!
03. Januar 2011
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Den Text denken Sie sich bitte selber dazu. Fühle mich heute nicht inspiriert. Ich denke, die Aufnahmen bieten genug Anhaltspunkte, um sich selber eine Geschichte auszudenken. Vielleicht was mit Eis- oder Schneeprinzessin, gefangen im Kristallpalast. Irgendein alberner Märchenkrempel wird Ihnen schon einfallen. Oder stellen Sie sich vor, ich bin die gute Fee im kristallbesetzten Spitzen-Negligé. Haben Sie eine schöne Beschäftigung heute Abend!
01. Januar 2011

Foto: catonbed
Schon wieder ein Bild aus dieser Reihe. Das scheint ja eine richtige kleine Fotosession gewesen zu sein, an die ich mich rein gar nicht mehr erinnern kann. Ich muss lachen, wenn ich solche Fotos von mir sehe. Wenn ich mich nicht kennen würde, hätte ich Angst mich anzusprechen, so unnahbar, wie ich aus der Wäsche gucke. Das hat natürlich System. Nur die tapfersten Krieger dürfen den heiligen Kreis betreten. Für Astrologie-Studenten: bitte prägen Sie sich gut die Details ein. So wirkt sich ein Skorpion-Aszendent aus. Dunkle Sonnenbrille, schwarzes Leder, weißes Hemd, autoritärer Gesichtsausdruck. Fehlt eigentlich nur noch eine Waffe. Aber die hat man ja immer dabei. Das ist der bohrende Blick hinter den dunklen Gläsern. Und zum Lachen gehe ich selbstverständlich in den Keller. Also liebe Studenten: der Aszendent zeigt die Vorlieben beim Erscheinungsbild und die archetypischen, sichtbaren Verhaltensmuster an. Niemals Geblümtes, keine Pastellfarben! Nichts gegen zarte Blumen auf Chiffon, aber das gehört zu einem anderen Aszendenten. Eine Frau mit Skorpion-Aszendent würde niemals den kleinen Finger beim Teetrinken abspreizen. Keine Larifari-Bewegungen. Latent gewaltb aggressiv. Das Verhalten dient ausschließlich der Selbstverteidigung. Und zu verteidigen gibt es immer etwas! Noch Fragen?! Und selbstverständlich gestaltet sich auch die Ausdrucksweise eher ungeblümt äh unverblümt. Da werden keine häkelbortenartigen Neujahrswünsche verteilt. Daher komme ich gleich zur Sache: strengen Sie sich gefälligst alle an, damit es ein brauchbares Jahr wird und nicht wieder so ein Dilettantenkram wie Zweitausendzehn!
31. Dezember 2010

Mein Eispalast taut ein bißchen. Einmal soll es noch kalt werden, sehr. Ich habe den Vorhang aus Eiszapfen gerade sehr lieb gewonnen, nachdem ich ihn erst spät entdeckte. Er soll noch ein bißchen wachsen. Die Märchen aus den Märchenbüchern erzählen nur eine neue Geschichte von Dingen, die es irgendwann irgendwo auf der Welt gegeben hat. Wie das Eis an meinem Dach. Noch nie war ein Winter in Berlin so märchenhaft. Keiner, den ich erlebte. Er kommt ganz nah zu mir heran. Ich finde das sehr freundlich, weil ich gar nicht in die Kälte muss. Alles wächst vor meinem Fenster, an meinem Dach. An diesen Winter werde ich als an einen Märchenwinter denken. Viel schöner, als der im letzten Jahr. Der Schnee kam erst am ersten Januar. Und lange begleitete er das frühe Jahr. Aber er war nicht so furios. An tiefen Schnee in meiner Kindheit kann ich mich auch erinnern, aber nicht an so schöne große Eiszapfen. Komm, bleib noch ein Weilchen hier, hier bei mir.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
31. Dezember 2010

Mein Eispalast taut ein bißchen. Einmal soll es noch kalt werden, sehr. Ich habe den Vorhang aus Eiszapfen gerade sehr lieb gewonnen, nachdem ich ihn erst spät entdeckte. Er soll noch ein bißchen wachsen. Die Märchen aus den Märchenbüchern erzählen nur eine neue Geschichte von Dingen, die es irgendwann irgendwo auf der Welt gegeben hat. Wie das Eis an meinem Dach. Noch nie war ein Winter in Berlin so märchenhaft. Keiner, den ich erlebte. Er kommt ganz nah zu mir heran. Ich finde das sehr freundlich, weil ich gar nicht in die Kälte muss. Alles wächst vor meinem Fenster, an meinem Dach. An diesen Winter werde ich als an einen Märchenwinter denken. Viel schöner, als der im letzten Jahr. Der Schnee kam erst am ersten Januar. Und lange begleitete er das frühe Jahr. Aber er war nicht so furios. An tiefen Schnee in meiner Kindheit kann ich mich auch erinnern, aber nicht an so schöne große Eiszapfen. Komm, bleib noch ein Weilchen hier, hier bei mir.
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30. Dezember 2010
Toll! Gerade Post aus Westdeutschland gekriegt! Und aus Hamburg (= nicht Westdeutschland! Hamburg eben!). Danke, Danke, Danke!!! Mir ist schon ein bißchen wie 2011. Ich bin mir sicher, das neue Jahr wird besser. Kunststück. Melde mich wieder!
31. Dezember 2010
Noch zwei Fundstücke von Jan, diesmal vom 28. Mai 2008. Wir saßen in meiner Küche und alberten herum. Wie Kinder Chinesen spielen und die Augen zu Schlitzen ziehen. Aber vielleicht dachte ich auch über eine Straffung der Augenpartie nach. Es ist zu lange her. Und dieses, an einer Mauer in der Auguststraße. Schnell mal ein cooles Foto machen, los komm.

Foto: catonbed
Wenn ich es richtig zusammenkriege, war das der Nachmittag, an dem wir gemeinsam zum Strandbad Mitte, einem lauschigen Café in der Auguststraße gingen und auf einen Unbekannten trafen, den ich gerne kennenlernen wollte und dabei entstand der kleine Film „Geh hin und mach das Foto“, der mich immer noch amüsiert. Hab ihn gerade geguckt. Und dann weiter auf meiner Seite geschaut, was ich wie umbaue. Ließ die Filme laufen, vom letzten mit Farin bei Lumas fünf oder sechs Filme zurück. Es gab doch auch eine Reihe guter Momente in Zweitausendzehn. Als ich Helges Fuck The Tiger aufnahm. Das war ein schöner Abend. Und der Nachmittag im Viktoriapark. Und noch ein paar Tage, handverlesen. Warum soll auch alles schlecht gewesen sein. Ich hab mir den Arsch aufgerissen, wie immer eigentlich. Und es war nicht alles umsonst. Vielleicht umsonst, aber nicht vergeblich. Gage habe ich nie bekommen. Einen schönen Auftrag hab ich weitergegeben an Jan. Viel gearbeitet, auch um mich anders zu fokussieren. Als ich jung war, bin ich in vergleichbaren Situationen abgestürzt. Freiwillig. Habe mich systematisch betrunken. Den Abgrund ausgelotet. Jetzt rette ich mich, indem ich alles dafür tue, nicht auch körperlich abzustürzen. Das fängt einen ein bißchen auf. Man zeigt sich selbst Respekt. Eine Verbeugung vor der eigenen Inkarnation. Sich selber ein bißchen auf die Schulter klopfen. Sich selber gut tun. So spät habe ich schon ewig nicht mehr gebloggt. Gleich 4:07 Uhr. By random „Borrowed Tune“ von Neil Young. Last Song. Gute Nacht. Good Night, sleep tight.
~
I’m climbin‘ this ladder, My head in the clouds. I hope that it matters, I’m havin‘ my doubts. I’m watchin‘ the skaters fly by on the lake. Ice frozen six feet deep. How long does it take? I look out on peaceful lands with no war nearby. An ocean of shakin‘ hands, that grab at the sky. I’m singin‘ this borrowed tune, I took from the Rolling Stones. Alone in this empty room, too wasted to write my own. I’m climbin‘ this ladder, my head in the clouds. I hope that it matters.
30. Dezember 2010
Toll! Gerade Post aus Westdeutschland gekriegt! Und aus Hamburg (= nicht Westdeutschland! Hamburg eben!). Danke, Danke, Danke!!! Mir ist schon ein bißchen wie 2011. Ich bin mir sicher, das neue Jahr wird besser. Kunststück. Melde mich wieder!
26. Dezember 2010
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649

Nachdem ich mich in den letzten Wochen ausgiebig mit dem Meisterwerk „Die weisse Hölle vom Piz Palü“ beschäftigt habe, konnte mich heute Mittag nichts mehr halten und ich wollte den Berg selbst besteigen. Mit meinem Helikopter flog ich geschlagene drei Stunden bei heftigsten Schneeböen mit Windstärke 7 und überquerte die Alpen gen Italien, Richtung Lombardei, bis ich an der Grenze zur Schweiz die Berninagruppe vor mir liegen hatte.

Auf den herrlich sonnenbeschienen Schneefeldern der Diavolezza setzte ich zur Landung an und begann unverzüglich mit dem Aufstieg von der Südseite her, da mir die Nordwand aufgrund mehrfachen Studiums der Filmszenen doch gewaltigen Respekt einflößte! Bald würde es dunkel werden und ich musste mich beeilen. Kein Bergkamerad begegnete mir auf meinem steilen Weg, weit und breit keine Spuren im frischen Schnee, außer meiner eigenen. Oben am Gipfel des Palü erwartete mich eine geheimnisvolle, schneeüberdachte Höhle mit blau schimmernden Kristallzapfen! Dabei musste es sich zweifelsfrei um die Grotte aus Leni Riefenstahls Erstlingswerk „Das blaue Licht“ handeln. Eine andere Erklärung wollte mir – Triumph des Willens! nicht einfallen.

Noch vor Einbruch der Dunkelheit gelang mir der Abstieg über den Ostpfeiler des Palü, wobei sich dem Auge ein herrlicher Sonnenuntergang bot, den ich zu meinem großen Bedauern nicht einfangen konnte, da die Kamera aufgrund der Kälteeinwirkung nicht mehr korrekt arbeitete. Ein ganz und gar unvergessliches Naturerlebnis, an das man noch oft und gerne zurückdenkt. Ende!

27. Dezember 2010
26. Dezember 2010
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Nachdem ich mich in den letzten Wochen ausgiebig mit dem Meisterwerk „Die weisse Hölle vom Piz Palü“ beschäftigt habe, konnte mich heute Mittag nichts mehr halten und ich wollte den Berg selbst besteigen. Mit meinem Helikopter flog ich geschlagene drei Stunden bei heftigsten Schneeböen mit Windstärke 7 und überquerte die Alpen gen Italien, Richtung Lombardei, bis ich an der Grenze zur Schweiz die Berninagruppe vor mir liegen hatte.

Auf den herrlich sonnenbeschienen Schneefeldern der Diavolezza setzte ich zur Landung an und begann unverzüglich mit dem Aufstieg von der Südseite her, da mir die Nordwand aufgrund mehrfachen Studiums der Filmszenen doch gewaltigen Respekt einflößte! Bald würde es dunkel werden und ich musste mich beeilen. Kein Bergkamerad begegnete mir auf meinem steilen Weg, weit und breit keine Spuren im frischen Schnee, außer meiner eigenen. Oben am Gipfel des Palü erwartete mich eine geheimnisvolle, schneeüberdachte Höhle mit blau schimmernden Kristallzapfen! Dabei musste es sich zweifelsfrei um die Grotte aus Leni Riefenstahls Erstlingswerk „Das blaue Licht“ handeln. Eine andere Erklärung wollte mir – Triumph des Willens! nicht einfallen.

Noch vor Einbruch der Dunkelheit gelang mir der Abstieg über den Ostpfeiler des Palü, wobei sich dem Auge ein herrlicher Sonnenuntergang bot, den ich zu meinem großen Bedauern nicht einfangen konnte, da die Kamera aufgrund der Kälteeinwirkung nicht mehr korrekt arbeitete. Ein ganz und gar unvergessliches Naturerlebnis, an das man noch oft und gerne zurückdenkt. Ende!

26. Dezember 2010
Beim Frühstück aus dem Nähkästchen geplaudert.
25. Dezember 2010
click
Foto: catonbed
Jan scheint ein bißchen in seinem Archiv zu stöbern und schickt mir noch ein Bild aus dieser Reihe, das ich noch nie gesehen habe. „Für deinen Block“. Also für meinen Notizblock hier. Es ist nicht sensationell und vermutlich aus einer Bewegung entstanden, deswegen hat er es damals wahrscheinlich auch nicht verwertet, aber nicht untypisch. Heranschleichen an das Opfer. Es ist schon mehr als zweieinhalb Jahre alt, vom 17. Mai 2008. Die Bilder an der Wand sind von Sebastian Rogler, er hatte damals eine Ausstellung in der Galerie Sakamoto Contemporary. Neben dem Pfeiler, hinten erahnt man ein paar herumstehende Verstärker. So viel ist passiert seit dem. Meine Haare waren um einiges dunkler als heute. Kein Wunder der Natur allerdings. Den Ledermantel trage ich immer noch gerne, der war ein Glücksgriff im KaDeWe. Nachdem er im Schlussverkauf um die Hälfte reduziert wurde, konnte ich ihn mir gerade so leisten. Vierhundertfünfzig statt neunhundert Euro. Das war auch schon hart an meiner Grenze. Wie gerne ich ihn anziehe, kann man schon daran erkennen, auf wievielen Fotos ich ihn anhabe. Man könnte denken, mein einziges Kleidungsstück. Ich erinnere mich auch noch, was ich darunter anhatte. Ein schwarzes Oberteil und einen schwarzen Rock mit schwarzen Pailletten. Aber ich habe es ja nicht schwer, mich an solche Sachen zu erinnern, weil es meistens irgendein Foto davon gibt, wenn ich irgendwo war. Und die Kamera hab ich auch noch. Keine andere benutze ich so gerne. Sie hat schon Pflaster dran, sonst geht die Klappe vom Batteriefach auf. Ich habe heute sehr tief und gut geschlafen. Vielleicht auch weil das Bett frisch bezogen ist, da schlafe ich immer noch tiefer. Komisch eigentlich. Mal gucken, ob Jan noch mehr Bilder von mir findet. Einerseits gemein, aber eigentlich auch eine schöne Überraschung, Bilder so viel später zum ersten mal zu sehen. Wie altes Fotoalbum gucken.
25. Dezember 2010
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as every Dings. As everytime I feel like. Wie heißt das, was alle gerade feiern? Großes Kürbissuppenfest? Ich zeige mich da ja renitent bis zu einem Grad, der auf andere wie Trotz wirken muss. Aber ich muss Sie enttäuschen. Ich finde im Internet gibt es schon genug Weihnachtsdeko. In meiner Wohnung sind sowieso zu viele Staubfänger. Aber Kerzen gerne. Und gläubig bin ich natürlich auch. Ich glaube an die Nordmanntanne und die Schneeflocke. Auch Heidentum ist eine Religion. Insofern ist mir kein Kürbis zu schade, um ihn feierlich zu schlachten. Mit Inbrunst und Andacht.
25. Dezember 2010
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Was mir gefällt ist, dass der Schnee viele Umweltsünden bedeckt. Ich meine Bausünden. Stadtmöblierung. Geschmacksverirrungen. Rote Autos werden weiß. Gelbrote Spielplatzmöbel sind nur noch elegante weiße Erhebungen. Und dass er die Geräusche dämpft, mag ich auch. Den Lärm. Ach, ich mag ihn, wie er so da liegt und mich in Ruhe lässt. Ich mag seine Schwarzweißmalerei, weil ich eine Schwäche für Radikalisierung habe. Für klare Kontraste, Schwellenwerte. Schwarz oder Weiß. Ja oder Nein. Nacht oder Tag. Tanz oder Schlaf.
25. Dezember 2010
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Foto: catonbed
Jan scheint ein bißchen in seinem Archiv zu stöbern und schickt mir noch ein Bild aus dieser Reihe, das ich noch nie gesehen habe. „Für deinen Block“. Also für meinen Notizblock hier. Es ist nicht sensationell und vermutlich aus einer Bewegung entstanden, deswegen hat er es damals wahrscheinlich auch nicht verwertet, aber nicht untypisch. Heranschleichen an das Opfer. Es ist schon mehr als zweieinhalb Jahre alt, vom 17. Mai 2008. Die Bilder an der Wand sind von Sebastian Rogler, er hatte damals eine Ausstellung in der Galerie Sakamoto Contemporary. Neben dem Pfeiler, hinten erahnt man ein paar herumstehende Verstärker. So viel ist passiert seit dem. Meine Haare waren um einiges dunkler als heute. Kein Wunder der Natur allerdings. Den Ledermantel trage ich immer noch gerne, der war ein Glücksgriff im KaDeWe. Nachdem er im Schlussverkauf um die Hälfte reduziert wurde, konnte ich ihn mir gerade so leisten. Vierhundertfünfzig statt neunhundert Euro. Das war auch schon hart an meiner Grenze. Wie gerne ich ihn anziehe, kann man schon daran erkennen, auf wievielen Fotos ich ihn anhabe. Man könnte denken, mein einziges Kleidungsstück. Ich erinnere mich auch noch, was ich darunter anhatte. Ein schwarzes Oberteil und einen schwarzen Rock mit schwarzen Pailletten. Aber ich habe es ja nicht schwer, mich an solche Sachen zu erinnern, weil es meistens irgendein Foto davon gibt, wenn ich irgendwo war. Und die Kamera hab ich auch noch. Keine andere benutze ich so gerne. Sie hat schon Pflaster dran, sonst geht die Klappe vom Batteriefach auf. Ich habe heute sehr tief und gut geschlafen. Vielleicht auch weil das Bett frisch bezogen ist, da schlafe ich immer noch tiefer. Komisch eigentlich. Mal gucken, ob Jan noch mehr Bilder von mir findet. Einerseits gemein, aber eigentlich auch eine schöne Überraschung, Bilder so viel später zum ersten mal zu sehen. Wie altes Fotoalbum gucken.
23. Dezember 2010
danza tratta da La montagna dell’amore, 1926
Ich mag diese Schwarzweiß-Version noch lieber. Heute Nachmittag kam das antiquarische Nuba-Buch im Schuber, mit einer unerwarteten Überraschung darin. Ich klappte das Buch auf und zwischen dem Vorsatz und der eingeschlagenen Klappe des Hochglanzeinbandes, der sehr pfleglich behandelt wurde, beinah wie neu, und das seit mittlerweile 37 Jahren, lagen sorgsam ausgeschnittene Seiten aus einem alten Stern. Ein umfangreicher mehrseitiger Artikel über Leni Riefenstahls Reisen zu den Nuba. Vermutlich von 1976, als sie den zweiten Nuba-Band herausbrachte. Ich muss ihn mal genau untersuchen. Ah – ich habe nachgesehen, Stern Nr. 41 von 1975. Der Artikel, der die Titelgeschichte dieses alten Sterns ist, trägt die Überschrift „Leni Riefenstahl sah, was noch kein Weißer sah – Nuba – das Fest der Messer und der Liebe“. Dreizehn Seiten. Schöne Überraschung. Weil ich so etwas auch früher gerne machte, umso mehr. Wenn ich in einer Zeitschrift einen besonders schönen Artikel fand, der mir gefiel, zu einem Thema für das ich brannte, bewahrte ich den Zeitungsauschnitt auf, in einem zugehörigen Buch oder was es auch immer war. Ich habe das Gefühl, dass das Buch verkauft wurde, weil der ursprüngliche Besitzer nicht mehr lebt und ein Nachlass aufgelöst wird, und der Erbe oder die Erbin nichts mit dieser wunderbaren Erstausgabe anfangen konnte und das Buch deshalb so preisgünstig verkaufte.
Wie schön es gemacht ist, die Nuba-Zeichnungen auf dem schönen Vorsatz-Papier. Solche Bücher können niemals durch ein e-book ersetzt werden. So wenig wie das signierte Monster von Veruschka, das ich ganz sicher bis zum Ende meines Lebens behalten und in Ehren halten werde. Das schönste Buch, das ich besitze. Am wertvollsten sind mir die Bücher, die eine innige Widmung haben, auch wenn es einfache kleine Bände sind, oder Taschenbücher. So wie der Liebesfrühling, den ich antiquarisch erstand und dessen Widmung in Kurrentschrift mir Eugene Fausts Schwiegerpapa entzifferte. Obwohl sie nicht mir galt, rührt sie mich so sehr als ob. Ein Buch, das mir Wolf Biermann signierte, ein bißchen albern, deswegen schön. Ich bat ihn, etwas Übertriebenes zu schreiben, das amüsierte ihn. Und so weiter und so fort. Ein Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, in den Jan etwas sehr Anrührendes schrieb, vor eineinhalb Jahren. Und noch eines fällt mir ein. Und noch eines. Und das kunstseidene Mädchen, das Isa signierte, ja musste, und ich so gerne las. Oder das feine, kleine, schmale Berlin-Buch von Jeannot und Thorsten, denen ich mich von Herzen verbunden fühle, wenn wir uns auch nur selten sehen. Oder Helges Gekrakel auf seinem Hörbuch, das er gerade übrig hatte und mir albern und trunken nach einem stundenlangen lustigen Umtrunk im Green Door in der Nacht nach seiner Lesung in den Schoß legte. Und die Zeitung, auf den ich ihn bei unserer ersten Begegnung kritzeln ließ, weil ich mich wegen des Blättchens wieder an ihn erinnerte, den verrückten Helge Timmerberg, und deswegen überhaupt dorthin ging. Und noch eines, und noch eines, und noch so ein Buch, das an einen besonderen Augenblick gebunden ist und den man an dem Exemplar ablesen kann. Oder drei Worte in Goldbuchstaben mit einem Lackmalstift auf eine kleine Schallplatten-Hülle geschrieben. Oder eine selbstgemachte CD von Sebastian, wo ich den Link zu dem Bild gerade nicht finde. Von der Signatur gar nicht zu reden. Und noch eine. Lauter schöne Erinnerungen. Lauter Poesiealbum. Schön und unersetzlich wie eine Fotografie. Oder wie ein heute so seltener, handgeschriebener Brief, von einem Menschen, der einem etwas bedeutet. Man muss auch wieder Postkarten schreiben. In diesem Jahr bekam ich eine aus Konstantinopel, darüber habe ich mich sehr gefreut. Man erinnert sich noch, dass man dafür in ein Geschäft gehen musste und eine schöne Karte aussuchen und dann noch die Briefmarke. Meistens gibt es die ja dazu in fernen Ländern. Nur in Deutschland ist es ein bißchen komplizierter mit Karte plus Briefmarke. Man muss sich schon organisieren und weiß das deshalb besonders zu schätzen. Danke für alles. Ich wurde schon reich beschenkt, man vergisst es nur immer wieder, wenn der Wind gerade ein bißchen hart ins Gesicht weht. Und ein großer, von Hand gesägter Stern aus einem Baumstamm. Und ein Schälchen aus Perlmutt. Und ein Veruschka-Artikel mit Keksen in einem Briefumschlag. Und heimlich gebrannte Filme, die mir am Herzen liegen. Und ein Büchlein von Hiddensee. Hellblau. Und Konfekt. Und Komplimente. Und dass ich in Euren Träumen auftauche. Ihr seid ja alle verrückt. Und ich bin es auch. Und ich weiß auch gar nicht, warum mir das alles gerade einfällt. Das sind die Dinge, die ich in Ehren halten will und bewahren werde.
24. Dezember 2010

Foto: catonbed
„Sie liebten mich und sie hassten mich, alles zur selben Zeit. Darunter waren sehr nette Menschen auch. Und da war der Willy Brandt damals da, und da bin ich gegangen und wir haben da miteinander gesprochen. Und da war so eine richtige Frau, eine Berlinerin, und die sagte su mir: ‚Na? Wolln wa uns mal wieder vertrajen?‘ Aber da waren natürlich viele andere, die, die wollten mir das nicht verzeihen… Und das is ja, s‘ ja alle Liebesverhältnisse. Ja. Wenn der Eine weg geht, ist der Andere Beese, nich? Das ja nischt Neues, nich?“
Marlene Dietrich 7:17
23. Dezember 2010
danza tratta da La montagna dell’amore, 1926
Ich mag diese Schwarzweiß-Version noch lieber. Heute Nachmittag kam das antiquarische Nuba-Buch im Schuber, mit einer unerwarteten Überraschung darin. Ich klappte das Buch auf und zwischen dem Vorsatz und der eingeschlagenen Klappe des Hochglanzeinbandes, der sehr pfleglich behandelt wurde, beinah wie neu, und das seit mittlerweile 37 Jahren, lagen sorgsam ausgeschnittene Seiten aus einem alten Stern. Ein umfangreicher mehrseitiger Artikel über Leni Riefenstahls Reisen zu den Nuba. Vermutlich von 1976, als sie den zweiten Nuba-Band herausbrachte. Ich muss ihn mal genau untersuchen. Ah – ich habe nachgesehen, Stern Nr. 41 von 1975. Der Artikel, der die Titelgeschichte dieses alten Sterns ist, trägt die Überschrift „Leni Riefenstahl sah, was noch kein Weißer sah – Nuba – das Fest der Messer und der Liebe“. Dreizehn Seiten. Schöne Überraschung. Weil ich so etwas auch früher gerne machte, umso mehr. Wenn ich in einer Zeitschrift einen besonders schönen Artikel fand, der mir gefiel, zu einem Thema für das ich brannte, bewahrte ich den Zeitungsauschnitt auf, in einem zugehörigen Buch oder was es auch immer war. Ich habe das Gefühl, dass das Buch verkauft wurde, weil der ursprüngliche Besitzer nicht mehr lebt und ein Nachlass aufgelöst wird, und der Erbe oder die Erbin nichts mit dieser wunderbaren Erstausgabe anfangen konnte und das Buch deshalb so preisgünstig verkaufte.
Wie schön es gemacht ist, die Nuba-Zeichnungen auf dem schönen Vorsatz-Papier. Solche Bücher können niemals durch ein e-book ersetzt werden. So wenig wie das signierte Monster von Veruschka, das ich ganz sicher bis zum Ende meines Lebens behalten und in Ehren halten werde. Das schönste Buch, das ich besitze. Am wertvollsten sind mir die Bücher, die eine innige Widmung haben, auch wenn es einfache kleine Bände sind, oder Taschenbücher. So wie der Liebesfrühling, den ich antiquarisch erstand und dessen Widmung in Kurrentschrift mir Eugene Fausts Schwiegerpapa entzifferte. Obwohl sie nicht mir galt, rührt sie mich so sehr als ob. Ein Buch, das mir Wolf Biermann signierte, ein bißchen albern, deswegen schön. Ich bat ihn, etwas Übertriebenes zu schreiben, das amüsierte ihn. Und so weiter und so fort. Ein Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, in den Jan etwas sehr Anrührendes schrieb, vor eineinhalb Jahren. Und noch eines fällt mir ein. Und noch eines. Und das kunstseidene Mädchen, das Isa signierte, ja musste, und ich so gerne las. Oder das feine, kleine, schmale Berlin-Buch von Jeannot und Thorsten, denen ich mich von Herzen verbunden fühle, wenn wir uns auch nur selten sehen. Oder Helges Gekrakel auf seinem Hörbuch, das er gerade übrig hatte und mir albern und trunken nach einem stundenlangen lustigen Umtrunk im Green Door in der Nacht nach seiner Lesung in den Schoß legte. Und die Zeitung, auf den ich ihn bei unserer ersten Begegnung kritzeln ließ, weil ich mich wegen des Blättchens wieder an ihn erinnerte, den verrückten Helge Timmerberg, und deswegen überhaupt dorthin ging. Und noch eines, und noch eines, und noch so ein Buch, das an einen besonderen Augenblick gebunden ist und den man an dem Exemplar ablesen kann. Oder drei Worte in Goldbuchstaben mit einem Lackmalstift auf eine kleine Schallplatten-Hülle geschrieben. Oder eine selbstgemachte CD von Sebastian, wo ich den Link zu dem Bild gerade nicht finde. Von der Signatur gar nicht zu reden. Und noch eine. Lauter schöne Erinnerungen. Lauter Poesiealbum. Schön und unersetzlich wie eine Fotografie. Oder wie ein heute so seltener, handgeschriebener Brief, von einem Menschen, der einem etwas bedeutet. Man muss auch wieder Postkarten schreiben. In diesem Jahr bekam ich eine aus Konstantinopel, darüber habe ich mich sehr gefreut. Man erinnert sich noch, dass man dafür in ein Geschäft gehen musste und eine schöne Karte aussuchen und dann noch die Briefmarke. Meistens gibt es die ja dazu in fernen Ländern. Nur in Deutschland ist es ein bißchen komplizierter mit Karte plus Briefmarke. Man muss sich schon organisieren und weiß das deshalb besonders zu schätzen. Danke für alles. Ich wurde schon reich beschenkt, man vergisst es nur immer wieder, wenn der Wind gerade ein bißchen hart ins Gesicht weht. Und ein großer, von Hand gesägter Stern aus einem Baumstamm. Und ein Schälchen aus Perlmutt. Und ein Veruschka-Artikel mit Keksen in einem Briefumschlag. Und heimlich gebrannte Filme, die mir am Herzen liegen. Und ein Büchlein von Hiddensee. Hellblau. Und Konfekt. Und Komplimente. Und dass ich in Euren Träumen auftauche. Ihr seid ja alle verrückt. Und ich bin es auch. Und ich weiß auch gar nicht, warum mir das alles gerade einfällt. Das sind die Dinge, die ich in Ehren halten will und bewahren werde.
21. Dezember 2010
21. Dezember 2010, 9:17 MEZ, der Erdschatten hat den Vollmond im Wendekreis des Krebses geschluckt. 22. Dezember 2010, 0.38 MEZ. Sonnwende im Steinbock. Ich werde schlafen. Auch um 6:34, wenn Merkur rückwärts in mein erstes Haus stolpert, damit ich es weiter aufräume. Aber wenn Venus im Skorpion um 10:47 im Sextil mit meinem Uranus und Pluto spielt, bin ich ganz wach.

Ich gehöre zur Erde! Ich sage das, wie ich auf meinem Kissen liege & fühle, wie die Hörner aus meinen Schläfen sprießen H. Miller
20. Dezember 2010

Venedig, das sind wir, ein fliegend Löwentier, ein Funkeln Tag und Nacht, aus Unvernunft gemacht. A. Heller

Foto: Jan Sobottka, catonbed
16. Dezember 2009
Eine Geschichte für sich.



Und wie ich einmal hundertfünfzig Bilder verlor. Ich muss an ein Interview denken, bevor es das Internet gab. Eine nach Los Angeles ausgewanderte Deutsche war mit Feuer in ihrem Haus konfrontiert. Einer dieser schwer zu löschenden Waldbrände. Eine sehr wohlhabende Frau. Sie hatte einen Filmmogul geheiratet. Sie erzählte, dass sie eine Kiste gepackt hat, mit den Dingen, die ihr am Wichtigsten sind, für den Fall, dass wieder ein Feuer ausbricht. In der Kiste waren Fotoalben von sich und ihrer Familie. Und ein paar Videocassetten mit Filmaufnahmen der ersten Lebensjahre ihres Kindes. Sonst nichts. Kein Schmuck, kein Geld.
Vor einigen Tagen war ich kurz davor ungefähr 159 Bilder hochzuladen. Ich machte ein paar schwerwiegende irreparable Fehler. Und diverse file recovery-Programme konnten nach einer Defragmentierungsorgie nur noch elf Bilder wiederherstellen. Der Rest vermurkste jpgs, bei denen auch eigens erfundene jpeg-Reparierungsprogramme aufgaben. Das war nicht weltbewegend. Nicht für den Erdkreis. Aber wie ich doch an diesen Augenblicken hänge. Die Bilder zeigten einen Entstehungsprozess eines noch größeren Bildes. Ein großes Bild einer großen Verrückten. Ich fing am 28. Oktober damit an und begann am 14. November die einzelnen Arbeitsschritte im detail zu fotografieren.
Ich war ganz verliebt in diese Makroaufnahmen von irgendeiner Ecke des Bildes, einem Schriftzug, einem von Hand gekritzelten Datum und dem Ort dahinter. 17. Mai 2008, Sakamoto. 14. Juni 2008, Berlin-Arizona. 27. September 2009, Hanflabyrinth. Jetzt schließe ich das Kapitel der nicht mehr auffindbaren Bilder. Ich habe ein paar verschwommene filmstills dazwischen geklebt. Damit es mehr Bilder werden. aber es werden nicht mehr 159. Ich hab sie ja auch im Kopf, das ist es gar nicht… ich wollte sie dir nur zeigen, Cosmic. Was ich da gemacht habe, all die Tage in meinem Atelier. Als ich nicht einmal mehr bloggte. Aber jetzt hängt es in deinem Badezimmer und vielleicht – nein sicher – komme ich mit meiner Kamera daran vorbei und mache noch einmal verrückte Nahaufnahmen von diesem materialisierten Monster, Bild und Leinwand gewordenem photostream, unserem Lebensstream. „Cosmic, a set on flickr“.
20. Dezember 2010

Venedig, das sind wir, ein fliegend Löwentier, ein Funkeln Tag und Nacht, aus Unvernunft gemacht. A. Heller

Foto: Jan Sobottka, catonbed
19. Dezember 2010
Tanz an das Meer
Arnold Fanck, 1926
18. Dezember 2010
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Die letzten Stunden damit verbracht, noch einmal Die Macht der Bilder in der hier im Netz verfügbaren englischen Version The Wonderful, Horrible Life of Leni Riefenstahl, zu sehen. Mag siebzehn Jahre her sein. Kann sein, dass ich bei der damaligen Ausstrahlung auf Arte, die in mehreren Teilen erfolgte, eine Folge verpasst hatte. Leni Riefenstahl spricht in dieser Dokumentation, die neben anderen Preisen 1993 den Emmy in der Kategorie Arts Documentary erhielt, detailliert über ihre Herangehensweise, Bilder zu inszenieren. Um für den Olympiafilm den Winkel zu erhalten, in dem man die Hochspringer gegen den Himmel sehen konnte, wurde im Olympiastadion ein kleiner Schacht ausgehoben, in dem die Kamera in der Vertiefung positioniert wurde. Diese Idee wollte das Olympische Komitee zunächst untersagen, weil der Schacht eine Gefahrenquelle für die Sportler sei, aber sie setzte sich durch. Hunderttausende Meter Material wurden belichtet, zwei Jahre brauchte sie für den Schnitt, den sie alleine machte, wie bei allen ihren Filmen. Leni Riefenstahls visuelles Schaffen ließ ich zum ersten Mal 1986 oder 1987 näher an mich heran, als ich in der Amerika-Gedenkbibliothek ihren Bildband über die Nuba, der 1973 erschienen war, auslieh. Ein bestimmtes Bild faszinierte mich so stark, dass ich das Buch an der Stelle aufgeklappt auf einem Tisch an die Wand gelehnt hatte. Es begann ein fester Bestandteil meiner Wohnung zu werden. Es war in der Küche meiner damaligen Wohnung in Schöneberg. Ich gab das Buch monatelang nicht zurück und irgendwann kam eine Rechnung mit einer sehr hohen Gebühr für die Überziehung der Entleihungsfrist. Dafür hätte ich mir das Buch im Antiquariat kaufen können. Ich brachte es zurück und fragte, ob ich es kaufen könnte, aber die Bibliothek verkauft keine Bücher. Verständlich. Als es weg war, hatte ich das Bild so verinnerlicht, dass es auch in Ordnung war, das Buch nicht mehr zu haben. Seltsam, dass ich auch später nicht mehr darüber nachdachte, den Bildband zu kaufen. Beziehungsweise immer nur kurz darüber nachdachte, es aber nie tat. Wahrscheinlich hatte ich immer gerade nicht genug Geld übrig, wenn es mir wieder in den Sinn kam. Mittlerweile gibt es ja einige darüber, viel umfangreicher, als der schmale Band von damals war. (nach dem Eintrag kurzerhand ein antiquarisches Exemplar dieses ersten Bildbandes bestellt. „Im Leinen-Schuber“.)

Die auf dem Radar von gestern für morgen avisierte Sonne schien schon heute. Die Bilder entstanden, ohne dass ich die Wohnung verlassen habe, aus dem Fenster fotografiert. Dem Badfenster nach Norden und dem Wohnzimmerfenster in Richtung Süden.

17. Dezember 2010

Ich bin ein Mädchen aus Piräus und liebe den Hafen, die Schiffe und das Meer. Ich lieb‘ das Lachen der Matrosen, ich lieb‘ jeden Kuß, der nach Salz schmeckt und nach Teer. Wie alle Mädchen in Piräus, so stehe ich Abend für Abend hier am Kai, und warte auf die fremden Schiffe aus Hongkong, aus Java, aus Chile und Shanghai. Ein Schiff wird kommen, und das bringt mir den einen, den ich so lieb‘ wie keinen, und der mich glücklich macht. Ein Schiff wird kommen, und meinen Traum erfüllen und meine Sehnsucht stillen, die Sehnsucht mancher Nacht.
Fini Busch 1960
17. Dezember 2010
Man kann froh sein, wenn man gesund ist. Das meine ich ganz ernst. Es beschäftigt mich in letzter Zeit, in diesem Jahr sehr stark. In welchem Umfang man selbst dafür verantwortlich ist, inwieweit bestimmte Symptome die Folge von Lebensführung sind, solche Dinge. Und was man tun kann, um sich das Beste zu geben, den besten Baustoff, die besten Bedingungen. Erstaunlicherweise ist die besondere Motivation nicht durch ein Leiden motiviert, das mich plötzlich heimgesucht hat, sondern durch dessen plötzliches Verschwinden. Und gleichzeitig die parallele Beobachtung der Entwicklung eines vergleichbaren Leidens bei anderen. Klingt ein bißchen kryptisch jetzt. Es geht um das erstmalige Empfinden von Gesundheit nach dreissig Jahren. Wie ich inzwischen glaube, nicht wundersam. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob es das ist, was ich vermute, die Veränderung meiner Ernährungsgewohnheiten. Darüber rede ich bislang nur im engeren Kreis und sehe ziemliches Erstaunen in den Gesichtern. Vielleicht schreibe ich mal mehr darüber, wenn ich größere Gewissheit habe. Oder wenigstens in einem dieser Foren, in denen ich noch nie war, aber weiß, dass sie existieren und in denen es von Hilfesuchenden wimmelt. Spätestens im Sommer. Es geht um Asthma und dessen nicht-psychosomatische Ursachen. Wäre es psychosomatisch gewesen, hätte es mir in diesem Jahr, das mir nicht gerade ans Herz gewachsen ist (außer in eben dieser Hinsicht), schlecht gehen müssen. Sind unter meinen Lesern Allergiker? Wenn ja, gehe ich vielleicht doch darauf ein, warum es in meiner Hausapotheke nur noch Aspirin und Pflaster gibt und eine fast leere, seit geraumer Zeit nicht mehr benutzte Asthma-Spraydose mit überschrittenem Verfallsdatum.

16. Dezember 2010
Heute: Fachvortrag statt Blogeintrag. Bitte kommen Sie morgen wieder in meine Sprechstunde. Schwester Gaga gibt Ihnen einen Termin.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Nielsen
15. Dezember 2010

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Berlin – 8°. So eine шапка (sprich Schapka) tut gute Dienste. Natürlich ist die Mütze nicht politisch korrekt, weil eine Menge Polyester sterben mussten, damit Frau Nielsen warmes Fell am Kopf hat. Der trotzige Kopf ist gut eingepackt und ich bin guter Hoffnung, Väterchen Frost weiterhin zu trotzen. Wenn der Winter nicht so winterig wäre, käme man sich ein bißchen übertrieben vor, aber der Winter tut ja gerade was er kann, damit man nicht völlig overdressed wirkt, im Sibirien-Look. In Sibirien soll es zur Zeit wärmer als in Berlin sein, hab ich neulich gelesen. Kann sich natürlich schon wieder geändert haben. Schade, dass ich zur Zeit keinen Alkohol zu mir nehme. Eigentlich müsste man zur Abrundung des Outfits alle halbe Stunde einen Flachmann mit Wodka aus der Manteltasche holen. Blöd. Ob ich wieder anfange zu trinken? Ich denke im Januar noch mal drüber nach. Oder vielleicht sogar schon am 31. Dezember. Erfahrungsgemäß dauert der Winter ja noch mindestens ein Vierteljahr. Reichlich Gelegenheit, um seine eigenen Meinungen zu überdenken.
15. Dezember 2010

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Berlin – 8°. So eine шапка (sprich Schapka) tut gute Dienste. Natürlich ist die Mütze nicht politisch korrekt, weil eine Menge Polyester sterben mussten, damit Frau Nielsen warmes Fell am Kopf hat. Der trotzige Kopf ist gut eingepackt und ich bin guter Hoffnung, Väterchen Frost weiterhin zu trotzen. Wenn der Winter nicht so winterig wäre, käme man sich ein bißchen übertrieben vor, aber der Winter tut ja gerade was er kann, damit man nicht völlig overdressed wirkt, im Sibirien-Look. In Sibirien soll es zur Zeit wärmer als in Berlin sein, hab ich neulich gelesen. Kann sich natürlich schon wieder geändert haben. Schade, dass ich zur Zeit keinen Alkohol zu mir nehme. Eigentlich müsste man zur Abrundung des Outfits alle halbe Stunde einen Flachmann mit Wodka aus der Manteltasche holen. Blöd. Ob ich wieder anfange zu trinken? Ich denke im Januar noch mal drüber nach. Oder vielleicht sogar schon am 31. Dezember. Erfahrungsgemäß dauert der Winter ja noch mindestens ein Vierteljahr. Reichlich Gelegenheit, um seine eigenen Meinungen zu überdenken.
15. Dezember 2010
Als ich von der S-Bahn zu meiner Wohnung lief, habe ich an den Zehenspitzen gemerkt, dass es wieder kälter geworden ist. Weil ich keine große Plastikschüssel oder so etwas habe, hab ich ein Fußbad in dem größten Suppentopf genommen, den ich habe. DREIMAL HABE IST SCHLECHTER STIL! Mit dem waldmeistergrünen Erkältungsbadezusatz aus dem Drogeriemarkt. Als ob die Fußspitzen sofort einen Turbo-Temperaturtransfer gemacht hätten. Nach fünf Minuten ist mir das Wasser schon lauwarm vorgekommen, die Füße haben alles eingesaugt! Man muss immer ganz schnell reagieren, wenn man ein bißchen gefroren hat und Gegenmaßnahmen einleiten. Nach dem Fußbad hab ich flauschige Socken angezogen, die ich vorher auf den Heizkörper im Bad gelegt habe. Bestimmt ist die Gefahr gebannt. Das ging noch mal gut! Eigentlich ist es auch praktisch, wenn es immer so ähnlich gleich kalt ist, also so kalt, dass man sich so warm wie möglich anziehen muss, wenn man vor die Tür geht. Ich ziehe seit ungefähr zwei Wochen fast jeden Tag dasselbe an. Man muss nicht viel überlegen, nur dazwischen Wäsche waschen. Prima! Außerdem merken andere doch sowieso nicht groß den Unterschied, ob ich einen schwarzen, weißen oder roten Rollkragenpullover anhabe. Ich ziehe jetzt immer die drei selben Pullover abwechselnd an, die am weichsten und wärmsten sind, den roten und weißen mit der Schneeflocke drauf und noch einen anderen. Und so Beinwarmhaltedinger über die Socken. Strumpfhosen kann ich nicht leiden. Die habe ich schon als Kind verabscheut. Obwohl ich inzwischen sogar ganz flauschige von einer Marke habe. Also Markenstrümpfe! Eigentlich ganz schön weich, aber ich ziehe lieber Hosen als Röckchen an. Ich habe nicht vor, in der S-Bahn jemanden zu verführen. Außerdem schaut man bei mir sowieso eher ins Gesicht, bilde ich mir ein.
Neulich musste ich – ha neulich ist gut – es war im Sommer – also neulich im Sommer musste ich wie gebannt auf das entblößte Bein einer jungen Frau in der S-Bahn schauen. Es war so vollendet schön. Sie war überhaupt ein Blickfang. Sie trug einen kurzen Rock und neben dem schönen Bein und dem Sitz ihrer Freundin lehnte eine Krücke. Ich konnte nicht ausmachen, zu wem die ausnehmend schöne Krücke gehören könnte. So ein altes, antiquarisches Modell, aus einem gegabelten Ast und am Griff mit Leder umnäht. Die S-Bahn war wieder einmal brechend voll, wie fast immer eigentlich und es wäre bei dem Gewusel schon ein Kunststück für sich gewesen zu identifizieren, welche Beine und Füße zu welchen Köpfen gehören. Neben dem bildschönen Bein und der Krücke waren noch ganz viele andere Beine, von den anderen Fahrgästen und davor standen auch noch Leute. Als sie am Hauptbahnhof aufstand, die Krücke nahm und mit ihrer Freundin, an deren Aussehen ich mich nicht im geringsten erinnern kann, das Abteil verließ, sah ich von hinten, dass Sie gar keine Verletzung am Bein hatte, aber dafür unverschämt lässig die schöne Krücke unter dem Arm trug. Das andere Bein war gar nicht verletzt. Sie hatte gar kein anderes Bein. Nur das eine, von mir bewunderte. Ein kerngesundes, wunderschönes. Man hatte nicht das Gefühl, dass irgendetwas an ihr falsch wäre oder fehlt. Nichts an ihrem Körper war erbarmungswürdig oder mitleiderregend. Ich sah ihr während der Bahnfahrt verstohlen ins Gesicht, so aus dem Augenwinkel, weil ich sie so sexy fand, ihren Gesichtsausdruck und ihre lebhafte Art. Dass ich ihren zweiten Oberschenkel nicht ausmachen konnte irritierte mich nur kurz, weil es so gedrängt voll war. So ein ganz stylisher Typ wie aus einer Hochglanz-Fotostrecke. Athletisch, groß, lange, glatte blonde Haare, sehr gut geschnitten, braun gebrannt, sehr weiße Zähne, sehr aufregender Mund, breites Lachen, blitzende Augen. So eine Frau wo man denkt, wenn ich ein Mann wäre, würde ich nervös werden. Dieser Eindruck hat mich noch lange beschäftigt. Seltsam, dass ich es jetzt erst schreibe. Ich hatte es wieder vergessen. Da wurde mir klar, wie nie zuvor, wie stark die Anziehungskraft eines Menschen von seiner eigenen Überzeugung abhängt. Sie wirkte unfassbar sicher. Ich bin mir absolut sicher, dass ihr die Männer wie verrückt hinterherlaufen. Total uninteressant, wieviele Beine sie hat oder nicht. Ungefähr so nichtig wie die Frage, ob sie fünfundzwanzigtausend oder dreißigtausend Haare auf dem Kopf hat. Völlig egal. Sie hatte eine vibrierende Körperspannung, wie ein trainiertes Model. Unglaublich. Und mit ihrer schönen Krücke und ihrem schönen einen Bein tanzte sie zur Rolltreppe und verschwand.
14. Dezember 2010
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Oder man stellt sich vor, die Zeit schlägt in verschieden großen Wellen an Land. Wenn man hinnimmt, dass die Welle groß ist, weiß man, dass man viel Kraft und Geschick braucht, um darauf zu reiten. Eine kleine Welle ist keine große Gefahr. Sie reißt nicht in die Tiefe. Man muss sich nicht so damit beschäftigen. Manche Wellen sind zu groß, um darauf zu reiten. Außer man glaubt an Jesus und wie die alle heißen. Ich glaube nur an das Maß an Kraft und wundersame Stärke, das ich in starken Zeiten an mir selbst oder anderen erlebt habe. Ich weiß gar nicht, ob mir schon einmal ein Wunder begegnet ist. Also so ein Wunder zum sich drüber wundern. Naturwunder hab ich schon viele bewundert. Aber ich dachte nie an Hexerei, sondern den einfachen, ganz normalen Zauber der Biologie, die meiner Meinung nach überhaupt keine Mystifizierung braucht, sie ist wunderbar und geheimnisvoll genug, so lange es noch irgendein Rätsel der Zellen und Energie, die sie wachsen und rotieren lässt, gibt. Und selbst wenn alle Formeln gefunden und alle Rätsel gelöst sind, wird der Zauber der Nervenbahnen eines Blattes im Gegenlicht immer bleiben.
Auf manchen Wellen kann man nicht reiten, das wäre Größenwahn. Irrsinn. So langweilig ist das Leben auch nicht, dass man den Abgrund herausfordern müsste, um sich zu spüren. Dafür bin ich mir auch viel zu nah. Ich bin mir zum Beispiel zu wertvoll, im Hinblick darauf, diese einmalige Beziehung zu mir selbst weiterführen zu wollen, und zu erleben, wohin die unwägbare Reise geht, um vor der Zeit aus dem Leben zu treten. Wenn man so etwas artikuliert, bedeutet es natürlich, dass man eine Weile oder immer wieder darüber nachgedacht hat. Es ist ein Dilemma, das viele kennen. Die Sehnsucht nach Auflösung, Schmerzlosigkeit, Leichtigkeit. Aber so lange man es nicht wenigstens einmal über einen längeren Zeitraum geschafft hat, das in diesem irdischen Dasein zu erfahren, hat man eine Aufgabe vor sich. Ein längerer Zeitraum, auf den man später als jene wunderbare Zeit zurückblicken kann. Weißt du noch? Ungetrübt. An die man sich erinnert wie an einen schönen Film ohne Riss in der Geschichte. Gibt es das? Eine strahlend helle, warme Zeit, wie eine Ära? Eigentlich muss es möglich sein, weil auch das Gegenteil möglich ist. Eine Frage, die man sich gar nicht stellt. Gibt es das, eine dunkle Zeit, über einen längeren Zeitraum.
Dunkel, wahrhaft dunkel ist, wenn man in einen lichtlosen Schacht fällt, und fällt und fällt und nicht aufschlägt. Schlägt man auf, ist man ohnmächtig. Wacht man wieder auf, spürt man die Knochen, die Verletzung. Man liegt da und der Kopf dreht sich wieder zum Licht, nach oben, dahin, wovon man fiel, in die Tiefe. Der Blick hält sich an dem fernen Licht fest. Man schaut nicht nach unten, wenn man auf dem Rücken liegt. Nach oben. Es sei denn, man schließt die Augen. Das muss manchmal sein. Man muss auch schlafen. Aber irgendwann ist es nicht mehr interessant, in der Regungslosigkeit zu verharren. Man will nicht erstarren, und wieder spüren, wie sich Bewegungen anfühlen. Dann fängt man vorsichtig wieder damit an, ganz vorsichtig. Bis man wagt, aufzustehen, sich wieder aufzurichten. Dann schaut man, wo ein Mauervorsprung ist, der Halt gibt, beim ersten Tritt, wenn man versucht, sich nach oben zu ziehen. Am besten, man schaut mittags, wenn die Sonne am höchsten steht und senkrecht in die dunkle Tiefe fällt. Dann kann man mit dem Blick ausloten, wo man Halt finden kann. Wie man sich behelfen kann.
Letzte Nacht bin ich sehr erschrocken. Ich habe etwas geträumt, das einen solchen Schmerz verursacht hat, dass ich einen tiefen Schmerzensschrei ausstieß. Es war tief im Schlaf und ich weiß nicht, ob ich nicht wirklich geschrien habe, im Schlaf und davon aufgewacht bin. Der Schmerz war wie ein Dolchstoß, aber waffenlos. Als ob in Sekundenschnelle alles zerstört wurde, was mir lieb und wichtig war, in diesem Augenblick. Ein furchtbarer Moment. Aber ich stand auf, früh, und vergaß über den Tag diesen seltsamen Moment im Traum. Mir ist, als hätte ich in der Nacht noch darüber nachgedacht, dass meine schlafenden Nachbarn vielleicht dadurch aus dem Schlaf geschreckt sein könnten, und dass sie gedacht haben müssten, dass jemandem furchtbare Gewalt angetan wird.
Wenn man sich auf die wichtigsten Überlebensfunktionen konzentriert, die kleinen Ablenkungen reduziert, gewinnt man eine Form von Klarheit in sich, die sich anfühlt, als könnte man die Parameter in seinem Leben besser einschätzen, gewichten und daraus folgern, was man beibehält und was nicht. Was absolut lebensnotwendig ist und auch, was für den Aufbau sorgt. Welche Elemente des Lebens aufstrebende Kräfte in sich tragen. Das zum Beispiel. Sich nach einem Tag, der auf eine schöne Art unspektakulär verlaufen ist, vor dem Schlafengehen solche Gedanken machen zu können. Sie aufzuschreiben, festzuhalten, lesbar zu machen. Für sich selbst und andere. Was für ein Luxus. Die Wohnung so warm, das weiche Bett so nah. Das gesunde Gefühl in den Knochen und Zellen. Die Verantwortung dafür auch endlich begriffen zu haben. Ich bin seit einiger Zeit in einer Phase, in der mir von Giften zugeneigten Hedonisten als wahnhaft diszipliniert belächelte Gesundheitsaktivitäten, meinerseits nicht mehr hysterisch vorkommen. Wahrscheinlich eine gängige Entwicklung in meinem Alter. Ich bin Mitte Vierzig. Ich begrüße es, wenn sich jemand nicht gehen lässt und der direkte Zusammenhang mit gesteigerter Sinnenfreude erkennbar ist. Wahrscheinlich könnte ich jetzt immer so weiter tippen, bis mir die Augen zufallen und ich meine Leser schnarchen höre. Morgen ist auch wieder ein Tag. Ich gehe jetzt ein bißchen nach Westen. Aber nur in meiner Wohnung, zu meinem Bett. Mit dem Kopf nach Süden und den Füßen nach Norden.

12. Dezember 2010

„Die weisse Hölle vom Piz Palü“. Gleich im Vorspann beeindruckend: Photographie: Sepp Allgeier. Richard Angst. Hans Schneeberger. Herrliche Aufnahmen. Kerniger Bursche. 2:42 (!) 6:29
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13. Dezember 2010
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Ich weiß es nicht. Vielleicht Pampelmuse. Zitronenbäume haben ganz andere Blätter, kleiner, glatter. Orangenbäume auch oder? Unscharf dahinter wächst eine Avocado. Soviel ist sicher, weil ich mich genau erinnere, den Kern in die Erde gesteckt zu haben und ich nicht so oft Avocado esse. Es ist eine Zitrusfrucht. Mandarine kann es nicht sein, weil ich nur selten Mandarinen esse, nie welche kaufe. Auf jeden Fall wächst es immer schneller und stärker und will keine besondere Behandlung. Bei mir gibt es sowieso nur Wasser. Wem das nicht passt, kann ja gehen. Und manchmal eine neue Schaufel Erde obendrauf. Und Sympathie. Viel Sympathie. Wohlwollen. Einen freundlichen Blick aber kein Gerede. Ich glaube sowieso viel mehr an wortloses Verstehen. Vorgestern in einem alten Tagebuch einen ewig langen Eintrag gelesen, in dem ich darüber sinniere, warum ich so ein geringes Mitteilungsbedürfnis habe, in Form von Sprechen. Ich war sehr erstaunt über den Eintrag, der fast neunundzwanzig Jahre zurückliegt, in einem geradezu philosophischen Ausbruch mündet, und seine Parallele zur Gegenwart. Damals hatte ich auch diesen Transit wie jetzt, diese Saturn-Venus-Konjunktion, und aus diesem Grund interessierten mich die Einträge und Ereignisse aus dieser Zeit. Saturn braucht etwa neunundzwanzigeinhalb Jahre für einen Umlauf um unsere Sonne, um an denselben Punkt zurückzukehren. Deswegen habe ich mir diesen Aspekt genauer angesehen, man erlebt ihn nur zwei, dreimal im Leben. Darüber denke ich in den letzten Tagen nach. Ich war froh, dass ich einiges hinter mir gelassen habe, was ich da las. Die Orientierungslosigkeit, nicht zu wissen, wie man von da wegkommt, wo man ist, nicht den geringsten Plan zu haben, aber den brennenden Wunsch, unbedingt weg zu wollen. Das scheinbar unlösbare Problem, nicht zu wissen, wie man sich alleine über Wasser halten soll. Damals war ich sechzehn, als ich das schrieb, ging noch zur Schule, träumte von der weiten Welt. Selbst eine andere Stadt zu sehen, hätte mich befriedigt, ich wusste nicht, wie man das angeht. Meine Eltern verreisten nie. Sie hatten ihren großen Garten und fanden, das wäre Urlaub genug. Sehr sesshafte Menschen, denen der Blick in die Ferne durch den Fernseher aus mir unerfindlichen Gründen eben reichte. Meine Freunde verreisten mit ihren Eltern oder anderen Freunden, aber nicht alleine. Ich war zu dem Zeitpunkt nur einmal am Meer gewesen, mit den Eltern einer Freundin. Ich durfte mit, ich glaube es war 1977. Oder 1979? Ich weiß es nicht mehr. Nur dass in der Hotel-Diskothek auf der damals jugoslawischen Insel Mali Losinj „Pop Muzik“ und „My Sharona“ lief. Und ich mit einem blonden, muskulösen Profi-Schwimmer der Jugendklasse aus Bad [ZENSIERT] techtelte. Nicht mechtelte allerdings, dafür fühlte ich mich noch zu jung. Er war sexy und braun gebrannt und hatte genauso eine Zahnlücke wie ich. Da sah ich das erste mal, dass das keine Behinderung sein muss, sondern sogar anziehend wirken kann. Irgendwie verwegen sah er aus. Wie hieß er bloß. Ich müsste nachschauen. Sein Vater war der Kurdirektor von Bad [ZENSIERT]. Oh là là. Diesen Zeitraum sollte ich besser mal checken, was ich da für einen interessanten Transit hatte.

Ich war doch schon beim Juni und Juli 1982. Reisen war also nicht drin, ich hatte kein Taschengeld gespart und keine Lust auf einen Job nebenher, auch nicht während der Ferien. Da wollte ich lieber ausschlafen und faulenzen. Ferienjobs klangen schrecklich, allesamt. Zeitungen austragen und dafür in der Dunkelheit und Kälte aufstehen. Oder irgendwas im Supermarkt einräumen. Ich las am liebsten Reisebücher. Ich notierte in einem Eintrag vom Juni 1982 „neue Bücher gekauft, „talk one’s head off“, „Anders reisen Paris“, „Anders reisen San Francisco“. Im Kopf war ich längst unterwegs. Gut, dass ich inzwischen einiges gesehen habe, das diese unbändige Sehnsucht, andere Länder, unbekannte Orte zu sehen, gestillt hat. Ich empfand das bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr als heftigstes Defizit. Das war streng genommen der einzige Grund, warum ich mich darauf einließ, zu arbeiten. Um mehr Geld zu haben, als nur das Dach über dem Kopf finanzieren zu können. Um zu reisen. In Länder, wo Pampelmusen und Avocados wachsen.

Ich las noch ein bißchen weiter, letzten Samstag, aber dann wurde mir dieses Erinnern an die Jugend zu dicht, die Details zu nah, die Zeit begann mehr zu leben, als ich es wollte. Aber wichtig war, zu sehen, dass es tatsächlich einen frappierenden Zyklus der Ereignisse und Gefühle zu geben scheint. Und demnach auch die Aussicht auf einen nächsten Zyklus, in dem etwas anderes vorrangig werden wird, als jetzt. Als sich die Konjunktion dem Ende neigte, im August 1982 hatte ich einen Schub, in dem ich wie wild anfing zu malen. Auf zerrissene Bettlaken, Aquarelle, Portraits. Eine Zeit der Zurückgezogenheit, in der ich in langen Sommerferien nur damit beschäftigt war, mich auf dem Dach der Garage des Hauses meiner Eltern zu sonnen, der abgeschiedenste Platz, den ich dort finden konnte, zu malen und Tagebucheinträge zu verfassen. Man musste über einen großen Regenwassertank mit einer gewissen Geschicklichkeit auf das Dach klettern, dazu fand niemand einen Grund, außer mir. Ich nahm mir etwas zu trinken und zu lesen mit und die Sonne brannte schattenlos auf meinen Körper. Mich beschäftigte der frühe Tod von Romy Schneider, die wenige Wochen vorher, Ende Mai gestorben war. Eines der Portraits zeigte sie. Zwei davon habe ich noch, hier in meiner Wohnung. Das andere auch ein Frauengesicht, halb eine alte Freundin, halb Patti Smith wirft immer Fragen auf, wenn es jemand sieht, heute. „Von wem ist das?“. Weil ich so etwas heute nicht mehr mache, kommt die Frage, aber ich konnte das. Niemand weiß woher. Und dann kam der September und damit mein Geburtstag. Wie erstaunt ich las, dass ich ihn feierte. Oder besser gefeiert wurde. Das war so untypisch für mich. Hätte mich jemand gefragt, hätte ich voller Überzeugung behauptet, dass ich noch nie eine nennenswerte Geburtstagsfeier gemacht habe. Aber im Jahr 1982 kamen einige Freunde vorbei und hatten Kuchen dabei. Einer war mit Grasmehl gebacken. Der andere eine schwedische Apfeltorte. Selbstaufgenommene Kassetten gab es als Geschenk und noch andere Sachen. Vorher schien ich eine eremitische Phase gehabt zu haben, denn ich brachte große Überraschung zum Ausdruck, in meinem Tagebucheintrag. Ich schien der Meinung zu sein, ich hätte mich zu sehr von allen zurückgezogen, um noch bedacht zu werden. An der Stelle des Geburtstagseintrages legte ich das kleine Tagebuch wieder weg. Seitdem denke ich darüber nach, wie der nächste Zyklus aussehen könnte. Sein Beginn. Der Anfang. Die Erneuerung. Alles auf Anfang. Nicht sofort, aber irgendwann, im kommenden Jahr. Ich ziehe mich zurück und sammle Kräfte, wie ein Bär, der Winterschlaf macht. Michael. Er hieß Michael. Und er trug eine rote, locker sitzende Baumwollshorts zum Schwimmen. Mit drei weißen Streifen auf der Seite. Nicht so ein blödes, engsitzendes Unterhosen-Modell. Und er hatte Haare wie der Bastian, nur ein bißchen länger. Und er war verdammt cool. Und es war 1979. Und ich war dreizehn. Ich hab das Foto gerade gesehen. Daneben klebt ein Zettel mit seinem Namen und der Adresse. Ich muss mal kurz den Winterschlaf unterbrechen und ins Internet.
13. Dezember 2010
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649
Ich weiß es nicht. Vielleicht Pampelmuse. Zitronenbäume haben ganz andere Blätter, kleiner, glatter. Orangenbäume auch oder? Unscharf dahinter wächst eine Avocado. Soviel ist sicher, weil ich mich genau erinnere, den Kern in die Erde gesteckt zu haben und ich nicht so oft Avocado esse. Es ist eine Zitrusfrucht. Mandarine kann es nicht sein, weil ich nur selten Mandarinen esse, nie welche kaufe. Auf jeden Fall wächst es immer schneller und stärker und will keine besondere Behandlung. Bei mir gibt es sowieso nur Wasser. Wem das nicht passt, kann ja gehen. Und manchmal eine neue Schaufel Erde obendrauf. Und Sympathie. Viel Sympathie. Wohlwollen. Einen freundlichen Blick aber kein Gerede. Ich glaube sowieso viel mehr an wortloses Verstehen. Vorgestern in einem alten Tagebuch einen ewig langen Eintrag gelesen, in dem ich darüber sinniere, warum ich so ein geringes Mitteilungsbedürfnis habe, in Form von Sprechen. Ich war sehr erstaunt über den Eintrag, der fast neunundzwanzig Jahre zurückliegt, in einem geradezu philosophischen Ausbruch mündet, und seine Parallele zur Gegenwart. Damals hatte ich auch diesen Transit wie jetzt, diese Saturn-Venus-Konjunktion, und aus diesem Grund interessierten mich die Einträge und Ereignisse aus dieser Zeit. Saturn braucht etwa neunundzwanzigeinhalb Jahre für einen Umlauf um unsere Sonne, um an denselben Punkt zurückzukehren. Deswegen habe ich mir diesen Aspekt genauer angesehen, man erlebt ihn nur zwei, dreimal im Leben. Darüber denke ich in den letzten Tagen nach. Ich war froh, dass ich einiges hinter mir gelassen habe, was ich da las. Die Orientierungslosigkeit, nicht zu wissen, wie man von da wegkommt, wo man ist, nicht den geringsten Plan zu haben, aber den brennenden Wunsch, unbedingt weg zu wollen. Das scheinbar unlösbare Problem, nicht zu wissen, wie man sich alleine über Wasser halten soll. Damals war ich sechzehn, als ich das schrieb, ging noch zur Schule, träumte von der weiten Welt. Selbst eine andere Stadt zu sehen, hätte mich befriedigt, ich wusste nicht, wie man das angeht. Meine Eltern verreisten nie. Sie hatten ihren großen Garten und fanden, das wäre Urlaub genug. Sehr sesshafte Menschen, denen der Blick in die Ferne durch den Fernseher aus mir unerfindlichen Gründen eben reichte. Meine Freunde verreisten mit ihren Eltern oder anderen Freunden, aber nicht alleine. Ich war zu dem Zeitpunkt nur einmal am Meer gewesen, mit den Eltern einer Freundin. Ich durfte mit, ich glaube es war 1977. Oder 1979? Ich weiß es nicht mehr. Nur dass in der Hotel-Diskothek auf der damals jugoslawischen Insel Mali Losinj „Pop Muzik“ und „My Sharona“ lief. Und ich mit einem blonden, muskulösen Profi-Schwimmer der Jugendklasse aus Bad [ZENSIERT] techtelte. Nicht mechtelte allerdings, dafür fühlte ich mich noch zu jung. Er war sexy und braun gebrannt und hatte genauso eine Zahnlücke wie ich. Da sah ich das erste mal, dass das keine Behinderung sein muss, sondern sogar anziehend wirken kann. Irgendwie verwegen sah er aus. Wie hieß er bloß. Ich müsste nachschauen. Sein Vater war der Kurdirektor von Bad [ZENSIERT]. Oh là là. Diesen Zeitraum sollte ich besser mal checken, was ich da für einen interessanten Transit hatte.

Ich war doch schon beim Juni und Juli 1982. Reisen war also nicht drin, ich hatte kein Taschengeld gespart und keine Lust auf einen Job nebenher, auch nicht während der Ferien. Da wollte ich lieber ausschlafen und faulenzen. Ferienjobs klangen schrecklich, allesamt. Zeitungen austragen und dafür in der Dunkelheit und Kälte aufstehen. Oder irgendwas im Supermarkt einräumen. Ich las am liebsten Reisebücher. Ich notierte in einem Eintrag vom Juni 1982 „neue Bücher gekauft, „talk one’s head off“, „Anders reisen Paris“, „Anders reisen San Francisco“. Im Kopf war ich längst unterwegs. Gut, dass ich inzwischen einiges gesehen habe, das diese unbändige Sehnsucht, andere Länder, unbekannte Orte zu sehen, gestillt hat. Ich empfand das bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr als heftigstes Defizit. Das war streng genommen der einzige Grund, warum ich mich darauf einließ, zu arbeiten. Um mehr Geld zu haben, als nur das Dach über dem Kopf finanzieren zu können. Um zu reisen. In Länder, wo Pampelmusen und Avocados wachsen.

Ich las noch ein bißchen weiter, letzten Samstag, aber dann wurde mir dieses Erinnern an die Jugend zu dicht, die Details zu nah, die Zeit begann mehr zu leben, als ich es wollte. Aber wichtig war, zu sehen, dass es tatsächlich einen frappierenden Zyklus der Ereignisse und Gefühle zu geben scheint. Und demnach auch die Aussicht auf einen nächsten Zyklus, in dem etwas anderes vorrangig werden wird, als jetzt. Als sich die Konjunktion dem Ende neigte, im August 1982 hatte ich einen Schub, in dem ich wie wild anfing zu malen. Auf zerrissene Bettlaken, Aquarelle, Portraits. Eine Zeit der Zurückgezogenheit, in der ich in langen Sommerferien nur damit beschäftigt war, mich auf dem Dach der Garage des Hauses meiner Eltern zu sonnen, der abgeschiedenste Platz, den ich dort finden konnte, zu malen und Tagebucheinträge zu verfassen. Man musste über einen großen Regenwassertank mit einer gewissen Geschicklichkeit auf das Dach klettern, dazu fand niemand einen Grund, außer mir. Ich nahm mir etwas zu trinken und zu lesen mit und die Sonne brannte schattenlos auf meinen Körper. Mich beschäftigte der frühe Tod von Romy Schneider, die wenige Wochen vorher, Ende Mai gestorben war. Eines der Portraits zeigte sie. Zwei davon habe ich noch, hier in meiner Wohnung. Das andere auch ein Frauengesicht, halb eine alte Freundin, halb Patti Smith wirft immer Fragen auf, wenn es jemand sieht, heute. „Von wem ist das?“. Weil ich so etwas heute nicht mehr mache, kommt die Frage, aber ich konnte das. Niemand weiß woher. Und dann kam der September und damit mein Geburtstag. Wie erstaunt ich las, dass ich ihn feierte. Oder besser gefeiert wurde. Das war so untypisch für mich. Hätte mich jemand gefragt, hätte ich voller Überzeugung behauptet, dass ich noch nie eine nennenswerte Geburtstagsfeier gemacht habe. Aber im Jahr 1982 kamen einige Freunde vorbei und hatten Kuchen dabei. Einer war mit Grasmehl gebacken. Der andere eine schwedische Apfeltorte. Selbstaufgenommene Kassetten gab es als Geschenk und noch andere Sachen. Vorher schien ich eine eremitische Phase gehabt zu haben, denn ich brachte große Überraschung zum Ausdruck, in meinem Tagebucheintrag. Ich schien der Meinung zu sein, ich hätte mich zu sehr von allen zurückgezogen, um noch bedacht zu werden. An der Stelle des Geburtstagseintrages legte ich das kleine Tagebuch wieder weg. Seitdem denke ich darüber nach, wie der nächste Zyklus aussehen könnte. Sein Beginn. Der Anfang. Die Erneuerung. Alles auf Anfang. Nicht sofort, aber irgendwann, im kommenden Jahr. Ich ziehe mich zurück und sammle Kräfte, wie ein Bär, der Winterschlaf macht. Michael. Er hieß Michael. Und er trug eine rote, locker sitzende Baumwollshorts zum Schwimmen. Mit drei weißen Streifen auf der Seite. Nicht so ein blödes, engsitzendes Unterhosen-Modell. Und er hatte Haare wie der Bastian, nur ein bißchen länger. Und er war verdammt cool. Und es war 1979. Und ich war dreizehn. Ich hab das Foto gerade gesehen. Daneben klebt ein Zettel mit seinem Namen und der Adresse. Ich muss mal kurz den Winterschlaf unterbrechen und ins Internet.
12. Dezember 2010
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=71649

Muss ich mir hier jedesmal irgendwelche Geschichten aus den Fingern saugen? Bilder müssen reichen! Die Wiederholung der Motive ist beabsichtigt und hat System. Zweck der Übung ist, dass sich die Abbildungen gut einprägen und darüber qualifiziert diskutiert werden kann. Also bitte. Bei mir ist der Himmel natürlich so gut wie immer blau, weil ich eben weit genug oben bin! Haha! Ausgetrickst. Bewölkten Himmel würde ich mir persönlich auf Dauer auch gar nicht bieten lassen. Eine Frage der Willensstärke und des Durchsetzungsvermögens. Denken Sie mal darüber nach.
12. Dezember 2010

„Die weisse Hölle vom Piz Palü“. Gleich im Vorspann beeindruckend: Photographie: Sepp Allgeier. Richard Angst. Hans Schneeberger. Herrliche Aufnahmen. Kerniger Bursche. 2:42 (!) 6:29
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