09. Oktober 2011


Muschelkalk also, die Skulpturen sind aus Muschelkalk. Da auf dem Areal. Ich ziehe die Bezeichnung Areal der etwas banalen Benennung „Olympiapark“ des ehemaligen „Reichssportfelds“ vor. Olympiapark klingt mir arg naiv nach Vergnügungspark, auch wenn es durchaus etwas davon hatte, als ich einige Tage später beim ISTAF das Vegnügen hatte, denselben Ort an einem Sommertag mit fröhlichen Kindern und Würstchen- und Saftbuden zu sehen.
Obwohl ich einen Plan in der Tasche hatte, bin ich wie meistens der Nase nach gelaufen. Auf dem Weg zum Glockenturm kommt man automatisch an der gewaltigen Nike vorbei. Der „German Nike“, wie sie im Internet gerne bezeichnet wird. Vielleicht wegen des germanisch anmutenden Eichenblattes, das sie in der Hand hält. Ich finde, dass sie für eine stolze Siegesgöttin ein bißchen zu wenig wie ein Alphatier guckt, eher wie ein unterwürfiges Mädchen, das dem Sieger huldvoll das Eichenblatt als Trophäe reicht. Auch schaut sie dabei arg ernst. Wahrscheinlich „erhaben“ oder so ähnlich gemeint. Siegesfreude könnte sich schon in ihrem Antlitz spiegeln, finde ich. Na ja. Die Nazi-Bildhauereien sind ja durchweg nicht für feurige Begeisterung oder nennenswerte Lebensfreude im Ausdruck berühmt. Da fügt sich die recht unfroh dreinschauende „Goddess of Victory“ von Bildhauer Willy Meller nahtlos ein.

Gegenüber des Eingangs der Langemarckhalle, am Zugang zur Waldbühne sind zwei Reliefs von einem gewissen Adolf Wamper, „Heldenehrung und Poesie“. Wieder der schöne Stein. Das rechte nennt sich auch wahlweise „Künstlerische Feier“, Frauenpaar mit Lorbeer und Leier. Also offenbar die „Poesie“. Am Beseeltesten an diesem Werk erscheint mir der Muschelkalkstein. Ich habe zwar einen großen Sinn für alles Monumentale, doch die Größe allein macht es leider auch nicht. Schade drum. Aber der Stein. Der Stein. Der macht wert, auch den beiden splitternackten Diskuswerfern von Karl Albiker ein, zwei Blicke zu schenken.

Und irgendwo dazwischen „hinter dem Osteingang des Stadions eine Reihe von 2,5 m hohen Muschelkalkpfeilern mit den Austragungsorten der Olympischen Spiele, den Namen deutscher Wettkampfsieger und Reliefdarstellungen einzelner Sportarten.“
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931
Die mir erwähnenswertesten Skulpturen auf dem gesamten Areal sind die beiden „Rosseführer“ mit ihren riesigen Pferden auf dem Maifeld, denen unbedingt eine eigene Strecke gebührt. Denn die rocken schon ganz schön, obwohl sie in gleichem Maße ungerührt und desinteressiert aus der Wäsche gucken, wie der Rest.

06. Oktober 2011

Wenn man sich vorstellt, man hätte die freie Wahl zwischen einem beliebig kleinen und beliebig großen Aktionsradius, könnte man körperlich und mental erfahren, dass die Freiheit, den größten Radius auszuagieren, sehr viel mehr Krafteinsatz erfordert, als sich auf die „Bewirtschaftung“ eines kleinen Kreises zu beschränken.
Eine großräumige Bewegung in der Welt schlägt größere Wellen im Ozean, reflektiert mehr Kraft, aber letztlich auch nicht mehr als in den ausschlaggebenden Impuls für die große Welle gegeben wurde. Wenn mit wenig Krafteinsatz eine kleine Welle angestoßen wird und im entsprechenden Maß zurückflutet, entspricht das demselben Erfolg. Anteilig. Verhältnismäßig. Wozu also eine große Welle machen? Eine kleine Welle ist für einen kleinen Menschen überschaubarer. Eine größere für einen größeren.
Schlau wäre herauszufinden, welche Welle die richtige Größe für einen hat, gerade dass man sich nicht ausbeutet, nach Einsatz der Kraft noch etwas übrig bleibt. Und das Kräftedepot von Tag zu Tag wieder aufgefüllt werden kann. Durch eine einzige Nacht mit gutem Schlaf. Raubbau über einen längeren Zeitraum auszubügeln ist sogar in der Ruhephase anstrengend. Die eigene Kraft real einzuschätzen und was mit möglichst geringem Kraftaufwand zu möglichst viel Futter für das Ego führt, ist eine Kunst für sich. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich je jemand ermahnt hätte, weniger fleißig zu sein. Oder doch: das geschieht immer dann, wenn bereits unwiderlegbare Zeichen von Erschöpfung zu Tage treten. Als manifestiertes, diagnostizierbares physisches Krankheitsbild. Oder die sichtbare Vorstufe in Form eines unverholenen Nervenzusammenbruchs im halb-öffentlichen Raum.

Ich habe herausgefunden, dass ich viele Dinge in meinem Leben gut weglassen kann, die Krafteinsatz, Aufmerksamkeit gefordert haben. Dazu gehören auch Dinge, die andere als vergnügliche Freizeitgestaltung einstufen würden. Begegnungen mit vielerelei interessanten Menschen an vielerlei interessanten Orten. Wenn man außerdem an dem Punkt ist, wo man sich Events nicht mehr schön trinkt, reduziert sich die Fülle des substanziell Aufregung Verheißenden noch mehr. Mal sehen, was nach der Phase der Klausur kommt. Die Ansprüche werden ja nicht weniger. Gestern überlegt, ob man eigentlich auch als Frau bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen kann. Irgendsoetwas zutiefst Sinnvolles. (Oder von mir aus auch Rettungshubschrauber-Pilotin Nielsen, wie Prinz William)
Feuerwehrleute beeindrucken mich ungeheuer. Eigentlich am meisten von allen. Die begeben sich selbst in Gefahr. Ein Rettungssanitäter macht auch beindruckende Arbeit, ist aber nicht so gefährdet dabei. Ich sehe ja ungern Verletzte. Das ist ein Haken. Unter anderem. Diese Retter-Berufe sind mir wohl auch nicht in die Wiege gelegt. Aber der Respekt davor ist groß. Die Bewunderung für weibliches, schulmedizinisches Personal hingegen bewegt sich eher im homöopathischen Bereich, da sind mir schon die kaltblütigsten Flintenweiber untergekommen. Krankenschwestern von geradezu feldwebelartigem Naturell. Abgebrüht und leicht genervt. (Meine diesbezüglichen Erfahrungswerte können aber auch an meiner Krankenversicherungs-Klasse gelegen haben. Ich war noch nie erster Klasse krank.) Nach meiner Beobachtung ist das herzensgute Helferpersonal vorwiegend unter den männlichen Pflegern zu finden. Der brillentragende Hesse-Typus. Pflegetechnisch kann man da unbedingt vertrauen. Aber Feuerwehrmänner sind meine Helden. Menschlich gesehen. Andere Berufsgruppen nicht. Die haben zwar auch Vorzüge (z. B. Koch: sehr guter Männerberuf!) und gesellschaftliche Verdienste, aber keinerlei nennenswerte, heldenhafte Leistungen vorzuweisen.

06. Oktober 2011

Wenn man sich vorstellt, man hätte die freie Wahl zwischen einem beliebig kleinen und beliebig großen Aktionsradius, könnte man körperlich und mental erfahren, dass die Freiheit, den größten Radius auszuagieren, sehr viel mehr Krafteinsatz erfordert, als sich auf die „Bewirtschaftung“ eines kleinen Kreises zu beschränken.
Eine großräumige Bewegung in der Welt schlägt größere Wellen im Ozean, reflektiert mehr Kraft, aber letztlich auch nicht mehr als in den ausschlaggebenden Impuls für die große Welle gegeben wurde. Wenn mit wenig Krafteinsatz eine kleine Welle angestoßen wird und im entsprechenden Maß zurückflutet, entspricht das demselben Erfolg. Anteilig. Verhältnismäßig. Wozu also eine große Welle machen? Eine kleine Welle ist für einen kleinen Menschen überschaubarer. Eine größere für einen größeren.
Schlau wäre herauszufinden, welche Welle die richtige Größe für einen hat, gerade dass man sich nicht ausbeutet, nach Einsatz der Kraft noch etwas übrig bleibt. Und das Kräftedepot von Tag zu Tag wieder aufgefüllt werden kann. Durch eine einzige Nacht mit gutem Schlaf. Raubbau über einen längeren Zeitraum auszubügeln ist sogar in der Ruhephase anstrengend. Die eigene Kraft real einzuschätzen und was mit möglichst geringem Kraftaufwand zu möglichst viel Futter für das Ego führt, ist eine Kunst für sich. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich je jemand ermahnt hätte, weniger fleißig zu sein. Oder doch: das geschieht immer dann, wenn bereits unwiderlegbare Zeichen von Erschöpfung zu Tage treten. Als manifestiertes, diagnostizierbares physisches Krankheitsbild. Oder die sichtbare Vorstufe in Form eines unverholenen Nervenzusammenbruchs im halb-öffentlichen Raum.

Ich habe herausgefunden, dass ich viele Dinge in meinem Leben gut weglassen kann, die Krafteinsatz, Aufmerksamkeit gefordert haben. Dazu gehören auch Dinge, die andere als vergnügliche Freizeitgestaltung einstufen würden. Begegnungen mit vielerelei interessanten Menschen an vielerlei interessanten Orten. Wenn man außerdem an dem Punkt ist, wo man sich Events nicht mehr schön trinkt, reduziert sich die Fülle des substanziell Aufregung Verheißenden noch mehr. Mal sehen, was nach der Phase der Klausur kommt. Die Ansprüche werden ja nicht weniger. Gestern überlegt, ob man eigentlich auch als Frau bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen kann. Irgendsoetwas zutiefst Sinnvolles. (Oder von mir aus auch Rettungshubschrauber-Pilotin Nielsen, wie Prinz William)
Feuerwehrleute beeindrucken mich ungeheuer. Eigentlich am meisten von allen. Die begeben sich selbst in Gefahr. Ein Rettungssanitäter macht auch beindruckende Arbeit, ist aber nicht so gefährdet dabei. Ich sehe ja ungern Verletzte. Das ist ein Haken. Unter anderem. Diese Retter-Berufe sind mir wohl auch nicht in die Wiege gelegt. Aber der Respekt davor ist groß. Die Bewunderung für weibliches, schulmedizinisches Personal hingegen bewegt sich eher im homöopathischen Bereich, da sind mir schon die kaltblütigsten Flintenweiber untergekommen. Krankenschwestern von geradezu feldwebelartigem Naturell. Abgebrüht und leicht genervt. (Meine diesbezüglichen Erfahrungswerte können aber auch an meiner Krankenversicherungs-Klasse gelegen haben. Ich war noch nie erster Klasse krank.) Nach meiner Beobachtung ist das herzensgute Helferpersonal vorwiegend unter den männlichen Pflegern zu finden. Der brillentragende Hesse-Typus. Pflegetechnisch kann man da unbedingt vertrauen. Aber Feuerwehrmänner sind meine Helden. Menschlich gesehen. Andere Berufsgruppen nicht. Die haben zwar auch Vorzüge (z. B. Koch: sehr guter Männerberuf!) und gesellschaftliche Verdienste, aber keinerlei nennenswerte, heldenhafte Leistungen vorzuweisen.

04. Oktober 2011

Meine Liebesgeschichte mit der final diving sequence des Olympiafilms begann, als ich mich vor einem Jahr nach Elstal begab, um das olympische Dorf zu erkunden und mich vorher zuhause ein bißchen damit in Stimmung zu bringen. Das muss man wissen, wenn man begreifen will, was mich getrieben hat, den Sprungturm des Schwimmstadions abzulichten, als wäre er mein Geliebter. Und ein sehr schlichtes türkisfarbenes Sprungbrett aus zehn Perspektiven, ohne einen einzigen Sprung zu beabsichtigen.

Ein leeres Schwimmbecken, ohne auch nur eine einzige Bahn darin schwimmen zu wollen. Es war reiner Zufall, dass sich die blauen Gläser meiner Brille wie übertrieben inszeniert in das Szenario einfügen. In diesem zweiten Teil jener preisgekrönten Dokumentation erzählt Leni Riefenstahl ab Minute 26:24 bis 31:27 wie die Filmsequenzen der Turmspringer entstanden, wie sie beim Schnitt mit sekundenweise umgekehrten Sprungsequenzen den Eindruck erschaffen hat, dass die Athleten eigentlich Vogelwesen sind. Sie amüsiert mich, wenn sie in einem schwimmbassinblauen Kostüm am Sprungturm steht, im Hintergrund die blauen Wasserbecken. Diese Korrespondenz von Kostüm und Drehort zieht sich durch den ganzen Film, die ganze Dokumentation. Sie ist immer farblich passend zum Szenario gekleidet. Einmal nimmt sie bei einer Erzählung über Dreharbeiten in ihren geliebten Bergen durch einen nordisch gemusterten grau-weißen Strickpullover (im ersten Teil der Doku.) vor einem Bergmassiv die Farbe und Struktur des Felsgesteins auf. Schwester im Geiste. Da ist mir schon so manches nah. Sicher auch die schöngefärbte Perspektive auf die Welt. Die Scheuklappen. Die Konzentration auf das Erhebende, Erhabene. Von den Verirrungen will ich gar nicht reden. Die sind ja hinreichend bekannt. Ich kümmere mich vorzugsweise zunächst um die Entwirrung meiner eigenen Verirrungen. [Verwirrungen]

Aber um noch einmal auf das Schwimmstadion zurückzukommen. Je länger ich die Bilder betrachte, umso klarer sehe ich die ungeheure Modernität der Architektur des Sprungturms. Da ist nichts zu viel und nichts zu wenig. Mies van der Rohe hätte den Turm nicht unsentimentaler bauen können. Und ich freue mich darauf, die späteren Bilder mit Menschen zu zeigen. Die gibt es nämlich auch. Denn ich war ja nur wenige Tage danach noch einmal da und mir bot sich genau das gegenteilige Szenario, Himmel und Menschen, beim großen Stadionfest der Leichtathleten. Tatsächlich sprangen mutige Schwimmer vom Turm, keine Profis, ganz normale Berliner Kinder und Jugendliche, die zum Spaß dort waren, in ihrem Olympiabad. Aber zuerst wird die Architektur abgearbeitet. In den folgenden Etappen gehe ich über das gesamte Areal, Richtung Glockenturm (der mir nebenbei bis zu diesem Besuch überhaupt kein Begriff war), vorbei an der Goddess of Victory und dergleichen pompösem Bildhauerwerk mehr, zur berüchtigten Langemarckhalle. Bleiben Sie einfach dran.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931

04. Oktober 2011

Meine Liebesgeschichte mit der final diving sequence des Olympiafilms begann, als ich mich vor einem Jahr nach Elstal begab, um das olympische Dorf zu erkunden und mich vorher zuhause ein bißchen damit in Stimmung zu bringen. Das muss man wissen, wenn man begreifen will, was mich getrieben hat, den Sprungturm des Schwimmstadions abzulichten, als wäre er mein Geliebter. Und ein sehr schlichtes türkisfarbenes Sprungbrett aus zehn Perspektiven, ohne einen einzigen Sprung zu beabsichtigen.

Ein leeres Schwimmbecken, ohne auch nur eine einzige Bahn darin schwimmen zu wollen. Es war reiner Zufall, dass sich die blauen Gläser meiner Brille wie übertrieben inszeniert in das Szenario einfügen. In diesem zweiten Teil jener preisgekrönten Dokumentation erzählt Leni Riefenstahl ab Minute 26:24 bis 31:27 wie die Filmsequenzen der Turmspringer entstanden, wie sie beim Schnitt mit sekundenweise umgekehrten Sprungsequenzen den Eindruck erschaffen hat, dass die Athleten eigentlich Vogelwesen sind. Sie amüsiert mich, wenn sie in einem schwimmbassinblauen Kostüm am Sprungturm steht, im Hintergrund die blauen Wasserbecken. Diese Korrespondenz von Kostüm und Drehort zieht sich durch den ganzen Film, die ganze Dokumentation. Sie ist immer farblich passend zum Szenario gekleidet. Einmal nimmt sie bei einer Erzählung über Dreharbeiten in ihren geliebten Bergen durch einen nordisch gemusterten grau-weißen Strickpullover (im ersten Teil der Doku.) vor einem Bergmassiv die Farbe und Struktur des Felsgesteins auf. Schwester im Geiste. Da ist mir schon so manches nah. Sicher auch die schöngefärbte Perspektive auf die Welt. Die Scheuklappen. Die Konzentration auf das Erhebende, Erhabene. Von den Verirrungen will ich gar nicht reden. Die sind ja hinreichend bekannt. Ich kümmere mich vorzugsweise zunächst um die Entwirrung meiner eigenen Verirrungen. [Verwirrungen]

Aber um noch einmal auf das Schwimmstadion zurückzukommen. Je länger ich die Bilder betrachte, umso klarer sehe ich die ungeheure Modernität der Architektur des Sprungturms. Da ist nichts zu viel und nichts zu wenig. Mies van der Rohe hätte den Turm nicht unsentimentaler bauen können. Und ich freue mich darauf, die späteren Bilder mit Menschen zu zeigen. Die gibt es nämlich auch. Denn ich war ja nur wenige Tage danach noch einmal da und mir bot sich genau das gegenteilige Szenario, Himmel und Menschen, beim großen Stadionfest der Leichtathleten. Tatsächlich sprangen mutige Schwimmer vom Turm, keine Profis, ganz normale Berliner Kinder und Jugendliche, die zum Spaß dort waren, in ihrem Olympiabad. Aber zuerst wird die Architektur abgearbeitet. In den folgenden Etappen gehe ich über das gesamte Areal, Richtung Glockenturm (der mir nebenbei bis zu diesem Besuch überhaupt kein Begriff war), vorbei an der Goddess of Victory und dergleichen pompösem Bildhauerwerk mehr, zur berüchtigten Langemarckhalle. Bleiben Sie einfach dran.
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03. Oktober 2011


Kann eigentlich nicht sein. Aber kennt jeder Berliner. Oder auch Hamburger. Oder Kölner oder Münchner. Oder oder. Man verbringt den größten Teil seines Lebens in einer Stadt und schaut sich die größten, spektakulärsten Bauwerke ewig nicht an, jedenfalls nicht planvoll, ganz genau, wie man es als Tourist täte. Ja ja, jeder kennt das. Aber nun kommt man ja langsam dahinter, dass nicht nur das eigene Land ein mögliches Reiseland mit eigener Küste, einem richtigen Meer ist, Wäldern und Bergen und großem Himmel und schönem Klima. Ich schaue mir jetzt alles an, was ich vor der Nase habe, weniger wie eine flüchtige Reisende, eher wie ein Schmetterlingsforscher. Ich gehe noch etwas weiter. Nichts wird schnell abgehakt, ich will es verinnerlichen und ausloten. Nun soll keiner denken, ich wäre noch nie im Olympiastadion gewesen. Jeder Berliner war schon mal im Olympiastadion. Ob als Konzertbesucher oder als Herthafan oder Besucher der Pyronale oder weiß der Kuckuck. Ich erinnere mich, dass ich vor achtzehn Jahren mit einer Freundin bei einem Stones-Konzert dort war und wir beide vorzeitig gegangen sind, weil die Darbietung so abgedroschen war und die Bühne so weit weg. Dazu muss man aber erwähnen, dass ich zwei Jahre vorher ein sehr gutes Konzert der damals schon alten Haudegen gesehen hatte, 1991 in Weißensee, wo echte Begeisterung, nicht nur vor der Bühne zu spüren war. Inmitten von lauter Ostberliner Fans, die kaum fassen konnten, dass es ihnen in ihrem Leben tatsächlich noch vergönnt war, Mick Jagger und Keith Richards leibhaftig zu erleben. Wer glaubte schon ernsthaft an den Mauerfall. Keiner. Kein Mensch.

Das ist also der Hintergrund. Dass ich auch mit der Faszination für den Olympiafilm im Hinterkopf in das Stadion ging, muss ich nicht erwähnen. Ich habe mir einen Tag ausgesucht, an dem ich ziemlich sicher sein konnte, kaum jemanden anzutreffen. Ein Dienstagnachmittag. Wie ich es erhofft hatte, war das Stadion und das ganze Areal beinah leer, hin und wieder ein, zwei Besucher außer mir. Ein bißchen bedauere ich, dass das große Amphitheater des Stadions nun zum Teil überdacht wurde, um die Besucher vor Wind und Wetter zu schützen. Aber was für eine Konstruktion. Es ist gut gelungen, das alte Stadion noch erfahrbar zu machen. Die Substanz ist immer noch die alte Steinkonstruktion. Und was für ein schöner Stein. Das ist also der Ort, wo Jesse Owens den Triumph seines Lebens erlebte. Wo trotz der dunklen Mächte die im Land wirkten, alle Kontinente einschließende Völkerfreundschaft gefeiert wurde. Ich verließ das Stadion beim Marathontor zur Südseite und ging weiter zum Schwimmstadion, wo die großartigen Filmbilder der Turmspringer von Riefenstahls Kameramännern, allen voran Hans Ertl und Guzzi Lantschner, eingefangen wurden. Dann weiter an den großen Statuen vorbei, am Maifeld, zur Langemarckhalle mit dem Glockenturm. Die Bilder zeige ich später in eigenen Folgen. Das ist angemessen. Über den kleinen Marchhof verließ ich das Areal Richtung Ausgang. Da ging die Sonne schon fast unter. Ich dachte so etwas Ähnliches wie, gut, dass ich es mir endlich angesehen habe und wieso kam es mir vorher nie in den Sinn. Was für ein bemerkenswerter Ort. Nur wenige Schritte bis zur S-Bahn „Olympiastadion“. Wie oft bin ich mit der U-Bahn zur Haltestelle Olympiastadion um von dort zur Waldbühne zu laufen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich dort war, so viele Konzerte. Jetzt ist ein dicker Fußabdruck in meiner Erinnerung dazugekommen. Er hat ganz deutlich die Form des Ovals vom Olympiastadion. Tief eingeprägt.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931

03. Oktober 2011


Kann eigentlich nicht sein. Aber kennt jeder Berliner. Oder auch Hamburger. Oder Kölner oder Münchner. Oder oder. Man verbringt den größten Teil seines Lebens in einer Stadt und schaut sich die größten, spektakulärsten Bauwerke ewig nicht an, jedenfalls nicht planvoll, ganz genau, wie man es als Tourist täte. Ja ja, jeder kennt das. Aber nun kommt man ja langsam dahinter, dass nicht nur das eigene Land ein mögliches Reiseland mit eigener Küste, einem richtigen Meer ist, Wäldern und Bergen und großem Himmel und schönem Klima. Ich schaue mir jetzt alles an, was ich vor der Nase habe, weniger wie eine flüchtige Reisende, eher wie ein Schmetterlingsforscher. Ich gehe noch etwas weiter. Nichts wird schnell abgehakt, ich will es verinnerlichen und ausloten. Nun soll keiner denken, ich wäre noch nie im Olympiastadion gewesen. Jeder Berliner war schon mal im Olympiastadion. Ob als Konzertbesucher oder als Herthafan oder Besucher der Pyronale oder weiß der Kuckuck. Ich erinnere mich, dass ich vor achtzehn Jahren mit einer Freundin bei einem Stones-Konzert dort war und wir beide vorzeitig gegangen sind, weil die Darbietung so abgedroschen war und die Bühne so weit weg. Dazu muss man aber erwähnen, dass ich zwei Jahre vorher ein sehr gutes Konzert der damals schon alten Haudegen gesehen hatte, 1991 in Weißensee, wo echte Begeisterung, nicht nur vor der Bühne zu spüren war. Inmitten von lauter Ostberliner Fans, die kaum fassen konnten, dass es ihnen in ihrem Leben tatsächlich noch vergönnt war, Mick Jagger und Keith Richards leibhaftig zu erleben. Wer glaubte schon ernsthaft an den Mauerfall. Keiner. Kein Mensch.

Das ist also der Hintergrund. Dass ich auch mit der Faszination für den Olympiafilm im Hinterkopf in das Stadion ging, muss ich nicht erwähnen. Ich habe mir einen Tag ausgesucht, an dem ich ziemlich sicher sein konnte, kaum jemanden anzutreffen. Ein Dienstagnachmittag. Wie ich es erhofft hatte, war das Stadion und das ganze Areal beinah leer, hin und wieder ein, zwei Besucher außer mir. Ein bißchen bedauere ich, dass das große Amphitheater des Stadions nun zum Teil überdacht wurde, um die Besucher vor Wind und Wetter zu schützen. Aber was für eine Konstruktion. Es ist gut gelungen, das alte Stadion noch erfahrbar zu machen. Die Substanz ist immer noch die alte Steinkonstruktion. Und was für ein schöner Stein. Das ist also der Ort, wo Jesse Owens den Triumph seines Lebens erlebte. Wo trotz der dunklen Mächte die im Land wirkten, alle Kontinente einschließende Völkerfreundschaft gefeiert wurde. Ich verließ das Stadion beim Marathontor zur Südseite und ging weiter zum Schwimmstadion, wo die großartigen Filmbilder der Turmspringer von Riefenstahls Kameramännern, allen voran Hans Ertl und Guzzi Lantschner, eingefangen wurden. Dann weiter an den großen Statuen vorbei, am Maifeld, zur Langemarckhalle mit dem Glockenturm. Die Bilder zeige ich später in eigenen Folgen. Das ist angemessen. Über den kleinen Marchhof verließ ich das Areal Richtung Ausgang. Da ging die Sonne schon fast unter. Ich dachte so etwas Ähnliches wie, gut, dass ich es mir endlich angesehen habe und wieso kam es mir vorher nie in den Sinn. Was für ein bemerkenswerter Ort. Nur wenige Schritte bis zur S-Bahn „Olympiastadion“. Wie oft bin ich mit der U-Bahn zur Haltestelle Olympiastadion um von dort zur Waldbühne zu laufen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich dort war, so viele Konzerte. Jetzt ist ein dicker Fußabdruck in meiner Erinnerung dazugekommen. Er hat ganz deutlich die Form des Ovals vom Olympiastadion. Tief eingeprägt.
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27. September 2011


Genau hinschauen. Das Leben ist kurz. Man kann da ganz schnell durchgehen. Durch jede Tür, durch jedes Tor. Aber das mache ich nicht. Weil es ganz besonders dadurch wird, dass man es als besonders versteht. Ein Privileg. Es zu etwas Besonderem macht. Wahrscheinlich funktioniert das mit jedem Ort und jedem Zeitpunkt. Noch dazu, wenn der Ort tatsächlich sehr besonders ist, herausragend, warum sollte man beiläufig durchgehen. Unter einem solchen Himmel. Das wäre doch nicht angemessen. Im Grunde kann man jeden Augenblick in einer Weise erhöhen, dass man von Pathos sprechen kann. Den Augenblick und den Ort aus der Gleichgültigkeit, der Beiläufigkeit heben. Das ist gar nicht schwer.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931
Wenn man eine Kamera auf sich gerichtet sieht, egal ob gefilmt oder fotografiert wird, erhöht sich die Selbstwahrnehmung. Man bekommt eine Idee davon, dass es auf jeden Augenblick ankommt. Wie man ist, wie man fühlt, in genau diesem Augenblick, der dann für immer festgehalten sein wird. Der zur teilbaren Erinnerung wird. Und das wird das Leben gewesen sein. Auch das. Die inneren Bilder kann man nur selbst erinnern. Die äußeren erinnern auch die anderen. Von den inneren Bildern erzählen die Geschichten, die geschrieben sind. Wenn die innere Geschichte auf die äußere Geschichte trifft, die zu Bildern materalisiert ist, kann man das Ganze erahnen, dann. All das, was wesentlich gewesen sein wird.

27. September 2011


Genau hinschauen. Das Leben ist kurz. Man kann da ganz schnell durchgehen. Durch jede Tür, durch jedes Tor. Aber das mache ich nicht. Weil es ganz besonders dadurch wird, dass man es als besonders versteht. Ein Privileg. Es zu etwas Besonderem macht. Wahrscheinlich funktioniert das mit jedem Ort und jedem Zeitpunkt. Noch dazu, wenn der Ort tatsächlich sehr besonders ist, herausragend, warum sollte man beiläufig durchgehen. Unter einem solchen Himmel. Das wäre doch nicht angemessen. Im Grunde kann man jeden Augenblick in einer Weise erhöhen, dass man von Pathos sprechen kann. Den Augenblick und den Ort aus der Gleichgültigkeit, der Beiläufigkeit heben. Das ist gar nicht schwer.
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Wenn man eine Kamera auf sich gerichtet sieht, egal ob gefilmt oder fotografiert wird, erhöht sich die Selbstwahrnehmung. Man bekommt eine Idee davon, dass es auf jeden Augenblick ankommt. Wie man ist, wie man fühlt, in genau diesem Augenblick, der dann für immer festgehalten sein wird. Der zur teilbaren Erinnerung wird. Und das wird das Leben gewesen sein. Auch das. Die inneren Bilder kann man nur selbst erinnern. Die äußeren erinnern auch die anderen. Von den inneren Bildern erzählen die Geschichten, die geschrieben sind. Wenn die innere Geschichte auf die äußere Geschichte trifft, die zu Bildern materalisiert ist, kann man das Ganze erahnen, dann. All das, was wesentlich gewesen sein wird.

25. September 2011


Je länger ich mich beobachte, umso theatralischer komme ich mir vor. Dieser Selbstdarstellungsdrang. Nicht einmal gespielt oder verstellt, aber dieser Drang, sich darzustellen. Wenn ich das sachlich diagnostiziere, frage ich mich, ob das einfach von Hause aus stärker in meinem Charakter angelegt ist, oder ob es sich um eine eigenmächtige Wiedergutmachung aufgrund zu geringen Zuspruchs in prägenden Kindheits- und Jugendjahren handelt. Wie auch immer – irgend etwas daran scheint heilsam zu sein. Man sagt das auch Menschen nach, die ins Schauspielfach streben, ohne den vordringlichen Ansatz, Menschen unterhaltsam beglücken zu wollen. Sie wollen gesehen werden. Angeschaut werden. Liebende, zugewandte Blicke in hoher Dosis empfangen. Diese Energie von Blicken ist keineswegs zu unterschätzen. Lebenselixier. Was richten strenge oder argwöhnische Mütter- und Väterblicke an. Oh Gott. Ich will das Thema gar nicht weiter ausführen. Absatz.
Chronologisch ordentlich wie ich bin, beginnt auch die nächste Entdeckungsreise, zu einem mir überraschend wichtig gewordenen Ort in Berlin, zuhause. Ich überlege, was ich anziehe, wenn ich einen Ort aufsuche. Was ist atmosphärisch angemessen. Bequem soll es sein. Denn meine Ausflüge dauern immer ein paar Stunden. Wenn man sich nicht rundherum wohl fühlt, sieht man auch auf den Bildern ein bißchen verklemmt aus. Eingeklemmte Taille und eingezwängte Füße ist nach Adam Riese eingeklemmtes Lächeln, eingezwängte Psyche. Zu Riefenstahls Drehzeiten dort, wo ich mich auf den Weg hinmachen würde, trug man in jenem heißen Sommer 1936 auch Brillen gegen die blendende Sonne. Aber die Fassungen waren doch eher aus Metall als aus Kunststoff. Filigrane Modelle. Ein bißchen wie meine Kenzo-Brille mit den blau verspiegelten Gläsern. Derlei Extravaganz hat es da freilich nicht gegeben. Als ich ebendort in einem Ausstellungsraum war, sah ich Leni Riefenstahl zufällig auf einem alten Foto mit einer Schirmmütze. Hatte ich gar nicht erinnert. Na ja. Ich habe mein Bestes gegeben um keinen unangemessenen ästhetischen Bruch vor Ort zu verursachen. Und das ist mir auch gelungen. Morgen oder übermorgen geht es weiter. Das Bild da oben ist schon kurz vor dem Ziel. Es stammt aus der S-Bahn. Irgendwo zwischen Hackeschem Markt, Berliner Hauptbahnhof und Olympiastadion. Da ging es nämlich hin. Aber das kommt dann morgen. Oder übermorgen. Oder Überübermorgen. Eins nach dem anderen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931
Jetzt muss ich schlafen gehen, weil ich viel um die Ohren habe, in diesen Tagen. So viel, dass ich seit Freitag sogar das Telefon ausgestöpselt habe, weil ich so erholungsbedürftig bin. Man vergebe mir und gewähre mir ein paar geruhsame Stunden daheim.

24. September 2011



Die Tempelhofer Freiheit
. Start- und Landebahn. Airstrip. Skater. Läufer. Radfahrer. Kids. Frauen. Männer. Ich. Ewig her, dass ich Rollschuh gelaufen bin. Oder Skateboard gefahren. Nein, nein, hab ich nicht gemacht. Ich war zu Fuß da. Es gefiel mir aber schon, die Skater zu sehen. Und die einkufigen, glitzernden Rollschuhe. Die schnellen, ausladenden Bewegungen. Ich muss noch mal hin, zu der anderen Seite. An dem Tag kam ich über den Zugang in der Oderstraße. Ging zuerst zu den Pionierfeldern mit den Holzpfählen und den Brutplätzen für die Vögel und den wilden Gärten. Vor drei Jahren war ich mit Jan im Flughafengebäude, bei der Fotobild. Und irgendwann noch früher bin ich auch von Tempelhof geflogen. Ich weiß nicht mehr genau wohin. Irgendein innerdeutscher Flug. So ein ganz kurzer, wo es nicht mal Essen gab. Aber wer vermisst schon Flugzeugessen. Es fehlt dann eher eine Etappe der ritualisierten Zuwendung. Hier in Berlin gab es viel Gedöns, als Tempelhof für immer als Flughafen geschlossen wurde. Dabei ist noch alles da, was man sentimental bedenken will. Und noch viel mehr. Ich mag sehr, was daraus geworden ist.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931

24. September 2011



Die Tempelhofer Freiheit
. Start- und Landebahn. Airstrip. Skater. Läufer. Radfahrer. Kids. Frauen. Männer. Ich. Ewig her, dass ich Rollschuh gelaufen bin. Oder Skateboard gefahren. Nein, nein, hab ich nicht gemacht. Ich war zu Fuß da. Es gefiel mir aber schon, die Skater zu sehen. Und die einkufigen, glitzernden Rollschuhe. Die schnellen, ausladenden Bewegungen. Ich muss noch mal hin, zu der anderen Seite. An dem Tag kam ich über den Zugang in der Oderstraße. Ging zuerst zu den Pionierfeldern mit den Holzpfählen und den Brutplätzen für die Vögel und den wilden Gärten. Vor drei Jahren war ich mit Jan im Flughafengebäude, bei der Fotobild. Und irgendwann noch früher bin ich auch von Tempelhof geflogen. Ich weiß nicht mehr genau wohin. Irgendein innerdeutscher Flug. So ein ganz kurzer, wo es nicht mal Essen gab. Aber wer vermisst schon Flugzeugessen. Es fehlt dann eher eine Etappe der ritualisierten Zuwendung. Hier in Berlin gab es viel Gedöns, als Tempelhof für immer als Flughafen geschlossen wurde. Dabei ist noch alles da, was man sentimental bedenken will. Und noch viel mehr. Ich mag sehr, was daraus geworden ist.
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20. September 2011

Wie fange ich an. Also: ich bin da neulich so spazierengegangen. Auf einmal ist alles ganz bunt geworden! Da waren so komische Blumen und Sachen. Nein, ich habe keine Drogen genommen! Das war früher, viel früher, mit den Drogen! Also, um es kurz zu machen: ich war bei Pippi Langstrumpf. Ich bin mir ziemlich sicher. Fast zu tausend Prozent! Sie war zwar nicht persönlich da, aber man hat genau gemerkt, dass sie überall ihre ordnende Pippi-Hand im Spiel gehabt hat. Dort an dem komischen Ort, mit dem komischen Namen. Den ich gar nicht sagen will! Auf keinen Fall! Der Ort ist geheim! Streng geheim! In Berlin! Da wo die Rosinenbomber gelandet sind. Bitte nicht weitersagen. Ist auf jeden Fall schon super. Und ganz schön bunt! Ach so, das hab ich ja schon geschrieben. Ich will jetzt auch gar nicht weiter verraten, was die Leute da alles machen, und wie das alles kommt. Nur, dass man sich die Bilder jetzt ganz viel anschauen muss, weil in drei Jahren ist alles wieder weg! Dann läuft nämlich der Pachtvertrag von Pippi aus. Aber vielleicht schickt ihr der Häuptling von Takatukaland ja eine Kiste mit goldenen Talern und sie kann den Herrscher von Berlin überreden, ihr ein bißchen Zeit zu geben.

Weil dann sind bestimmt alle Salatköpfe und Blumen noch viel größer. Und man kann unter den großen, wippenden Blüten im Schatten sitzen und ein Nickerchen machen. Auf den Bänken aus Obstkisten und alten Fenstern und Türen. Und Erdbeeren essen. Und die Bienen summen. Mitten in Berlin. Da, wo die Rosinenbomber für immer ins Gedächtnis der Berliner geritzt sind. Man kann auf der Bank sitzen und daran zurückdenken. Wie schön das war. Und wie schön es jetzt doch ist. Und sich freuen.
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20. September 2011

Wie fange ich an. Also: ich bin da neulich so spazierengegangen. Auf einmal ist alles ganz bunt geworden! Da waren so komische Blumen und Sachen. Nein, ich habe keine Drogen genommen! Das war früher, viel früher, mit den Drogen! Also, um es kurz zu machen: ich war bei Pippi Langstrumpf. Ich bin mir ziemlich sicher. Fast zu tausend Prozent! Sie war zwar nicht persönlich da, aber man hat genau gemerkt, dass sie überall ihre ordnende Pippi-Hand im Spiel gehabt hat. Dort an dem komischen Ort, mit dem komischen Namen. Den ich gar nicht sagen will! Auf keinen Fall! Der Ort ist geheim! Streng geheim! In Berlin! Da wo die Rosinenbomber gelandet sind. Bitte nicht weitersagen. Ist auf jeden Fall schon super. Und ganz schön bunt! Ach so, das hab ich ja schon geschrieben. Ich will jetzt auch gar nicht weiter verraten, was die Leute da alles machen, und wie das alles kommt. Nur, dass man sich die Bilder jetzt ganz viel anschauen muss, weil in drei Jahren ist alles wieder weg! Dann läuft nämlich der Pachtvertrag von Pippi aus. Aber vielleicht schickt ihr der Häuptling von Takatukaland ja eine Kiste mit goldenen Talern und sie kann den Herrscher von Berlin überreden, ihr ein bißchen Zeit zu geben.

Weil dann sind bestimmt alle Salatköpfe und Blumen noch viel größer. Und man kann unter den großen, wippenden Blüten im Schatten sitzen und ein Nickerchen machen. Auf den Bänken aus Obstkisten und alten Fenstern und Türen. Und Erdbeeren essen. Und die Bienen summen. Mitten in Berlin. Da, wo die Rosinenbomber für immer ins Gedächtnis der Berliner geritzt sind. Man kann auf der Bank sitzen und daran zurückdenken. Wie schön das war. Und wie schön es jetzt doch ist. Und sich freuen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931

19. September 2011

Ich gratuliere dem Berliner Abgeordnetenhaus zum Einzug der orangen Piratenflagge, auch wenn ich die Jungs nicht gewählt habe. Ja ja, gibt auch Piratinnen, schon klar. Als mich das Schicksal vor zwei Jahren auf ein Piratentreffen ins Wahlkampflokal „Breipott“ in Kreuzberg verschlagen hat, waren es allerdings ungefähr 97 Prozent junge Männer, die leider nicht ganz so witzig ausgesehen haben, wie der junge Mann da auf dem Plakat. Das hat sich wohl geändert. Frische Brise aus einer Ecke, die bisher nicht im Abgeordnetenhaus vertreten war, was dem System gut tut. Wie sagen die Jungs: „Klarmachen zum Entern Ändern“. Na dann, herzlich Willkommen, Ihr Digital Natives.

18. September 2011


Die unbekannte Schöne, die ich fast übersehen hätte. Ja, übersehen hätte. Wäre schade gewesen. Passiert ja nicht so oft, dass man durch einen solchen Garten läuft. Eigentlich gehört diese seltene Blume, von der ich nicht weiß, wie sie heißt, in eine andere Reihe, die noch kommt. Über einen Garten, ein Anbaugebiet mit einem bizarren Namen und bemerkenswerten Anblicken. Ich tigerte durch das anarchische Gartenlabyrinth und eine Gärtnerin, die auf der Bank vor ihrem kleinen Beet in der Abendsonne saß, sprach mich an. „Willst du mal etwas Besonderes sehen?“ Die Frage war eigentlich lustig in Anbetracht des Ortes, an dem es vor Absonderlichkeiten nur so wimmelte. Ich freute mich aber, dass sie mich so freundlich ansprach, weil ich eigentlich in fremdem Territorium herumlief, wenn es auch keinen Zaun gab. „Schau mal, die Blume da. Die hab ich aus Neuseeland mitgebracht. Den Samen geschmuggelt. Ist die nicht schön?“ „Ah! Oh ja.“ „Die kannst du doch mal fotografieren! Ich hab es schon ganz oft versucht, aber es wird einfach nichts.“ „Ja, das ist nicht einfach, sie ist so filigran. Und sie bewegt sich. Man braucht eine ruhige Hand.“ Ich versuchte die zarten gefiederten Blüten einzufangen, aber die Sonne sank schon. Auf dem Display sah ich kaum ein Bild mit guter Schärfe. Aber ich ließ nicht locker. Ich wollte ihr unbedingt wenigstens ein Bild zeigen, das ihrer Blume angemessen wäre. Von der sie übrigens selbst nicht wusste, wie ihr Name ist. Die Bilder waren nicht brillant, aber ich konnte ihr zwei, drei zeigen, die immerhin diese Härchen schön einfangen. Sie freute sich. „Und schau mal, ich hab noch eine Pflanze aus Neuseeland! Willst du einen Ableger haben? Hab ich auch als Samen mitgebracht, weil sie so schöne rosa Blüten hat, aber bei mir hat sie noch nie geblüht.“ „Wenn du magst?“ „Schau, du musst sie einfach nur ins Wasser tun, ganz einfach, dann kriegt sie Wurzeln.“ Sie nahm einen Trieb von der Kletterpflanze aus Neuseeland, von der sie ebenfalls nicht wusste, wie sie heißt. Ich sagte vielmals Dank und lief weiter. Den jungen Trieb an der Hüfte, unter den Gürtel geschoben. Die kleine Liane schwang bei jedem Schritt mit. Als die Sonne unterging, war ich wieder zurück in den Straßen und kam mir ein kleines bißchen vor wie Robin Hood.
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19. September 2011

Ich gratuliere dem Berliner Abgeordnetenhaus zum Einzug der orangen Piratenflagge, auch wenn ich die Jungs nicht gewählt habe. Ja ja, gibt auch Piratinnen, schon klar. Als mich das Schicksal vor zwei Jahren auf ein Piratentreffen ins Wahlkampflokal „Breipott“ in Kreuzberg verschlagen hat, waren es allerdings ungefähr 97 Prozent junge Männer, die leider nicht ganz so witzig ausgesehen haben, wie der junge Mann da auf dem Plakat. Das hat sich wohl geändert. Frische Brise aus einer Ecke, die bisher nicht im Abgeordnetenhaus vertreten war, was dem System gut tut. Wie sagen die Jungs: „Klarmachen zum Entern Ändern“. Na dann, herzlich Willkommen, Ihr Digital Natives.

18. September 2011


Die unbekannte Schöne, die ich fast übersehen hätte. Ja, übersehen hätte. Wäre schade gewesen. Passiert ja nicht so oft, dass man durch einen solchen Garten läuft. Eigentlich gehört diese seltene Blume, von der ich nicht weiß, wie sie heißt, in eine andere Reihe, die noch kommt. Über einen Garten, ein Anbaugebiet mit einem bizarren Namen und bemerkenswerten Anblicken. Ich tigerte durch das anarchische Gartenlabyrinth und eine Gärtnerin, die auf der Bank vor ihrem kleinen Beet in der Abendsonne saß, sprach mich an. „Willst du mal etwas Besonderes sehen?“ Die Frage war eigentlich lustig in Anbetracht des Ortes, an dem es vor Absonderlichkeiten nur so wimmelte. Ich freute mich aber, dass sie mich so freundlich ansprach, weil ich eigentlich in fremdem Territorium herumlief, wenn es auch keinen Zaun gab. „Schau mal, die Blume da. Die hab ich aus Neuseeland mitgebracht. Den Samen geschmuggelt. Ist die nicht schön?“ „Ah! Oh ja.“ „Die kannst du doch mal fotografieren! Ich hab es schon ganz oft versucht, aber es wird einfach nichts.“ „Ja, das ist nicht einfach, sie ist so filigran. Und sie bewegt sich. Man braucht eine ruhige Hand.“ Ich versuchte die zarten gefiederten Blüten einzufangen, aber die Sonne sank schon. Auf dem Display sah ich kaum ein Bild mit guter Schärfe. Aber ich ließ nicht locker. Ich wollte ihr unbedingt wenigstens ein Bild zeigen, das ihrer Blume angemessen wäre. Von der sie übrigens selbst nicht wusste, wie ihr Name ist. Die Bilder waren nicht brillant, aber ich konnte ihr zwei, drei zeigen, die immerhin diese Härchen schön einfangen. Sie freute sich. „Und schau mal, ich hab noch eine Pflanze aus Neuseeland! Willst du einen Ableger haben? Hab ich auch als Samen mitgebracht, weil sie so schöne rosa Blüten hat, aber bei mir hat sie noch nie geblüht.“ „Wenn du magst?“ „Schau, du musst sie einfach nur ins Wasser tun, ganz einfach, dann kriegt sie Wurzeln.“ Sie nahm einen Trieb von der Kletterpflanze aus Neuseeland, von der sie ebenfalls nicht wusste, wie sie heißt. Ich sagte vielmals Dank und lief weiter. Den jungen Trieb an der Hüfte, unter den Gürtel geschoben. Die kleine Liane schwang bei jedem Schritt mit. Als die Sonne unterging, war ich wieder zurück in den Straßen und kam mir ein kleines bißchen vor wie Robin Hood.
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17. September 2011

So. Ich habe mich jetzt entschieden. Ich bin für ein komplett neues Wahlsystem. Keine Lust, morgen eine Partei zu wählen. Ich will einzelne Programmpunkte wählen und stärker vertreten wissen, aber nicht eine ganze Partei, keinen Kraut- und Rüben-Sack voll Behauptungen und Personen. Mein Dilemma ist, dass mir der Wahlomat die Parteien vorschlägt, bei denen die meiste Übereinstimmung mit meinen Vorstellungen zu finden ist, was mich jetzt auch nicht überrascht, aber eigentlich habe ich keine Lust das jeweilige Partei-Menü komplett zu wählen. Weil immer auch irgendwelche Menü-Punkte im Programm stehen, die mir nicht zusagen. Und das ist bei allen Parteien der Fall. Kann man nicht für jedes Problem-Thema eine Handvoll Sachverständige ins Rennen schicken und welche These zu einem Thema die meisten Stimmen kriegt, ist dann halt die Marschrichtung, wurscht welche Partei. Mir gefallen zum Beispiel Politiker von allen Parteien und ebenfalls von allen Parteien nicht. Na gut, ich hab mir nicht alle angeschaut, zum Beispiel bin ich jetzt nicht so richtig in der Lage, einen NPD-Politiker zu benennen, den ich angenehm finde.

Wie auch immer – ich will vorrangig inhaltliche Entscheidungen treffen und innerhalb der Einzel-Thesen bitte Vorschläge mit Foto und Kurzbiographie (eventuell noch ein Video, damit ich mir den oder die besser vorstellen kann), wer dafür auf die Barrikaden gehen will. Zum Beispiel zur Frage, ob das Tempelhofer Feld Indianerland bleiben soll oder langweilig bebaut werden, wähle ich: Indianer. Dazu möchte ich auf dem Zettel drei bis fünf Kandidaten sehen, die das auch wollen, mit Ganzkör Gesichtsfoto. Da such ich mir dann zum Beispiel Jürgen Trittin aus. Oder Judith Holofernes. Weiß ich noch nicht, entscheide ich in der Kabine! „Dann wähl halt Grün!“ wird jetzt manch einer denken. Hab ich aber nicht so ganz richtig Lust obwohl die mehr Thesen vertreten, die ich auch befürworte als zum Beispiel die Piraten, obwohl die wieder andere Sachen drin haben, die ich gut finde. Nicht nur die Plakate. Aber sowohl Grüne als auch Piraten verteten in einem völlig anderen Themenbereich eine Linie, die ich anders gehandhabt sehen möchte. Da finde ich mich dann sogar bei der CDU wieder.

Oder noch eher bei der SPD als bei den Grünen und den ganzen Kleinrebellen-Parteien. Wen ich zum Beispiel als Politiker und Mensch auch immer super fand, war Norbert Blüm. Der ist ja nicht mehr aktiv, oder vielmehr nur als Kinderbuchautor, soviel ich weiß, aber den würde ich immer wählen. Oder Heiner Geißler. Und auch unseren Wowi. Ich will aber nicht SPD wählen. Und schon gar nicht CDU. Und auf keinen Fall FDP. Und die anderen kleinen Bürgerinitativen überzeugen mich auch nicht so recht. Abgesehen von der Anti-PowerPoint-Partei versteht sich. Kleiner Scherz, die gibt’s ja nur in der Schweiz, aber ich bin in Berlin und muss morgen wählen! Bestimmt haben viele ähnliche Entscheidungsschwierigkeiten wie ich. Vielleicht sollte ich eine Selbsthilfegruppe gründen. Oder besser noch eine E-Petition an den Deutschen Bundestag richten, dass ich für die Abschaffung von Parteien-Wahl bin fordere! So, nun wissen alle Bescheid, was mich in den letzten zwei Stunden beschäftigt hat. Wird wahrscheinlich etwas spontan morgen. Mal gucken.

17. September 2011

So. Ich habe mich jetzt entschieden. Ich bin für ein komplett neues Wahlsystem. Keine Lust, morgen eine Partei zu wählen. Ich will einzelne Programmpunkte wählen und stärker vertreten wissen, aber nicht eine ganze Partei, keinen Kraut- und Rüben-Sack voll Behauptungen und Personen. Mein Dilemma ist, dass mir der Wahlomat die Parteien vorschlägt, bei denen die meiste Übereinstimmung mit meinen Vorstellungen zu finden ist, was mich jetzt auch nicht überrascht, aber eigentlich habe ich keine Lust das jeweilige Partei-Menü komplett zu wählen. Weil immer auch irgendwelche Menü-Punkte im Programm stehen, die mir nicht zusagen. Und das ist bei allen Parteien der Fall. Kann man nicht für jedes Problem-Thema eine Handvoll Sachverständige ins Rennen schicken und welche These zu einem Thema die meisten Stimmen kriegt, ist dann halt die Marschrichtung, wurscht welche Partei. Mir gefallen zum Beispiel Politiker von allen Parteien und ebenfalls von allen Parteien nicht. Na gut, ich hab mir nicht alle angeschaut, zum Beispiel bin ich jetzt nicht so richtig in der Lage, einen NPD-Politiker zu benennen, den ich angenehm finde.

Wie auch immer – ich will vorrangig inhaltliche Entscheidungen treffen und innerhalb der Einzel-Thesen bitte Vorschläge mit Foto und Kurzbiographie (eventuell noch ein Video, damit ich mir den oder die besser vorstellen kann), wer dafür auf die Barrikaden gehen will. Zum Beispiel zur Frage, ob das Tempelhofer Feld Indianerland bleiben soll oder langweilig bebaut werden, wähle ich: Indianer. Dazu möchte ich auf dem Zettel drei bis fünf Kandidaten sehen, die das auch wollen, mit Ganzkör Gesichtsfoto. Da such ich mir dann zum Beispiel Jürgen Trittin aus. Oder Judith Holofernes. Weiß ich noch nicht, entscheide ich in der Kabine! „Dann wähl halt Grün!“ wird jetzt manch einer denken. Hab ich aber nicht so ganz richtig Lust obwohl die mehr Thesen vertreten, die ich auch befürworte als zum Beispiel die Piraten, obwohl die wieder andere Sachen drin haben, die ich gut finde. Nicht nur die Plakate. Aber sowohl Grüne als auch Piraten verteten in einem völlig anderen Themenbereich eine Linie, die ich anders gehandhabt sehen möchte. Da finde ich mich dann sogar bei der CDU wieder.

Oder noch eher bei der SPD als bei den Grünen und den ganzen Kleinrebellen-Parteien. Wen ich zum Beispiel als Politiker und Mensch auch immer super fand, war Norbert Blüm. Der ist ja nicht mehr aktiv, oder vielmehr nur als Kinderbuchautor, soviel ich weiß, aber den würde ich immer wählen. Oder Heiner Geißler. Und auch unseren Wowi. Ich will aber nicht SPD wählen. Und schon gar nicht CDU. Und auf keinen Fall FDP. Und die anderen kleinen Bürgerinitativen überzeugen mich auch nicht so recht. Abgesehen von der Anti-PowerPoint-Partei versteht sich. Kleiner Scherz, die gibt’s ja nur in der Schweiz, aber ich bin in Berlin und muss morgen wählen! Bestimmt haben viele ähnliche Entscheidungsschwierigkeiten wie ich. Vielleicht sollte ich eine Selbsthilfegruppe gründen. Oder besser noch eine E-Petition an den Deutschen Bundestag richten, dass ich für die Abschaffung von Parteien-Wahl bin fordere! So, nun wissen alle Bescheid, was mich in den letzten zwei Stunden beschäftigt hat. Wird wahrscheinlich etwas spontan morgen. Mal gucken.

11. September 2011

„Das ISTAF („Internationales STAdionFest“) ist auch 2011 größtes Meeting der Welt! Mindestens 53.000 Zuschauer sehen zehn Weltmeister von Daegu und vier amtierende Weltrekordhalter. Das gab’s noch nie beim Internationalen Stadionfest ISTAF: Unter den 220 Athleten sind gleich vier amtierende Weltrekordhalter, 22 Weltmeister und acht Olympiasieger! Sie kommen, um dem ältesten und größten Leichtathletik-Meeting der Welt zu gratulieren. Denn das Internationale Stadionfest Berlin wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Auch das Berliner Olympiastadion, mit dem das ISTAF seit 1937 untrennbar verbunden ist, hat Grund zum Feiern: Es wird 75 Jahre alt. Kein Wunder, dass die Gratulanten aus aller Welt nach Berlin kommen“.

Und auch ich darf heute gratulieren! Hab eine Karte geschenkt gekriegt. Ich war seit meiner Schulzeit auf keiner Sportveranstaltung mehr. Sport war ja eines meiner absoluten Hassfächer. Aber durch meine Beschäftigung mit Leni Riefenstahl und dem Olympiafilm und dem Olympiastadion habe ich jetzt doch Blut geleckt. Außerdem ist es bestimmt eine tolle Atmosphäre, wenn soundsovieltausend Zuschauer mit den Sportlern mitfiebern. Leider kann ich auf die Schnelle keine Kameragräben ausheben lassen, wie das Leni Riefenstahl seinerzeit veranlasst hat, um die Athleten freigestellt vor dem Himmelszelt einzufangen. Aber irgendwelche interessanten Begegnungen ergeben sich ja immer für mich und meine kleine Kamera. Das Wetter sieht auch gut aus.
Geburtstagswetter zum Neunzigsten und Fünfundsiebzigsten. Wahnsinn. Seit 1921 gibt es das Stadionfest. Das ist schon eine beeindruckende Tradition. Da ich die Sportstars im Einzelnen ja nicht kenne und es nun auch nicht mehr hinkriege, die Gesichter zu den Namen der Weltrekordler und Olympiasieger zu lernen, um dann gleich zu sehen, wer da gerade am Start ist, verlasse ich mich auf das Publikum und die Ansagen. Ich gehe mal davon aus, dass man das einfach spürt. Vielfaches Raunen wird durch die Menge gehen! Hoffentlich gibt es auch Fahnen im Publikum von allen Ländern. Fahnen finde ich toll. Ins Olympiastadion passen über 70.000 Zuschauer, 53.000 Karten sind verkauft. Da es so ein besonderes Fest heute ist, kommen bestimmt noch mehr. Und 220 Athleten! Hammer. Übrigens Hammerwerfen interessiert mich besonders. Und Speerwerfen! Und Kugelstoßen. Sag ich jetzt mal so spontan. Das ZDF überträgt live ab 15:50 Uhr. Um elf Uhr ist Einlass im Stadion, dann gibt es ab zwölf Uhr Vorprogramm und um 12:30 ist schon Speerwurf dran. Leider nur Frauen. Komisch eigentlich, dabei ist das doch so ein anmutiger Sport, gerade auch für gut gebaute Männer. Na ja, ich muss eben nehmen, was ich kriege. Die Sporttrikots der Männer sind ja bei den Leichtathleten auch immer ärmellos fällt mir ein. Das finde ich auf jeden Fall sehr gut. Vielleicht gibt es ja sogar eine Fanfare, wenn es losgeht. Das wäre ganz nach meinem Geschmack. Ordentlich Traritrara und Gedöns! Bin jetzt doch ein bißchen kribbelig, muss ich zugeben!

Vorgestern hab ich mir bei Edeka in der Rosenthaler Straße extra als Proviant Mini-Tetra-Pack-Orangensaft-Schachteln gekauft. Als Proviant sind bei Getränken nämlich nur Tetra-Packs mit maximaler Größe 0,5 Liter erlaubt. Wenn ich mehrere davon mitnehme – meine Saft-Tetrapäckchen sind ja kleiner – darf ich das bestimmt. Zwei oder drei. Und zwei oder drei Äpfel. Sportliche Kost! Ich hab mich ja nicht zum Fotografieren akkreditiert, daher hoffe ich, dass ich überhaupt reinkomme mit meiner Kamera. Die sind da schon streng. Zum Glück laufe ich aber ja eh nicht mit so einer Bohrmaschine mit kanonenmäßigem Objektiv rum. Da könnte ich mich ja gar nicht bewegen. Wird schon klappen. Schließlich will ich ja nur Bilder für mein privates Erinnerungsalbum machen. Damit ich später mal sagen kann: „Schau! Ich war auch dabei, beim großen Stadionfest, als es neunzig Jahre alt geworden ist!“. Fragt sich nur, zu wem ich das dann mal sage, dereinst. Na ja, wird sich schon irgendjemand finden, der sich für meine Erlebnisse von früher interessiert. Von damals. Vom elften September 2011.

14. September 2011

Noch mal Indianerland. Adler in der Freiheit. Mehr als einer. Was will ich mehr. Manchmal ist alles genug, ausreichend. Man hört auf, sich zu beschweren. Und obgleich man längst nicht alles hat, was man sich so zusammengewünscht hat in vielen Lebensjahren, ist alles gut soweit. Nicht „so weit ganz gut“. Schon besser. Ich meine blauer Himmel und große Freiheit.

Es ist schon in Ordnung, wenn die Dinge in die Gebetsmühle gehen. Gebetet werden. Denn so schaut man in den Himmel, sieht erst den einen Vogel, dann den anderen. Dann zwei. Dann alle. Von allen Seiten. Es ist eine Charaktersache. Dieses Ausloten, von allen Seiten. Vielleicht, um fertig zu werden. Gesehen, verstanden, begriffen zu haben. Die Lektion, die es in sich trägt. Zum Beispiel diese Himmelsbilder, in einem Sommer, der mir gut gefallen hat. In seiner unaufgeregten sanften Bläue. An manchen Tagen ganz tief. Ich habe es ausgelotet. Das ganze Blau. Die ganzen Himmel. Und wenn ich mit allen Himmeln fertig bin, kann ich wieder weiter. Zu einem neuen Horizont, einem neuen Himmel. Bis ich alle Himmel gesehen habe. Dann bin ich reif für den anderen. Ganz oben, da über den Wolken. Noch weiter drüber. Wo hinter dem blauen Zelt das Licht zu gleißen beginnt. Bis alles explodiert. Vielleicht in Licht. Und vielleicht sogar Glückseligkeit.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931

10. September 2011


Das Pferd war auf der Koppel. Ich. Das wilde Pferd. Als Kind und besonders als junges Mädchen hat mich mein Vater oft mit einem Pferd verglichen. Vielleicht weil ich schon immer groß war und wegen meines Schädels. Und vielleicht weil die Bewegungen oft ungestüm waren. Das sind sie immer noch. Ich glaube, er hatte Recht. Er mochte Pferde, er hatte welche als Kind. Eines mochte er besonders. Er musste es zurücklassen. Manchmal zeigte er das Foto mit dem Pferdekopf. Ein schönes Tier. Mit großen dunklen Augen. Lange Wimpern, wie sie nur Pferde haben. Oder vielleicht Kühe. Die haben auch lange Wimpern. Ich ja nicht so.

Arizona, weil ich Arizona besonders gerne mag. Irgendein Reporter hat auch etwas von Arizona geschrieben, wegen der Weite. Alles groß hier. Der Arizonahimmel mit den aufgepfählten, bemalten Leinwänden ist an einem Ort, der eine lange Geschichte hat. Jetzt heißt er Freiheit. Ein weites Feld neben der südlichen Startbahn des stillgelegten, legendären Flughafens Tempelhof. Die neuere Start- und Landebahn wurde für den reibungslosen Ablauf der Luftbrücke gebaut. Und es gibt dort noch andere bemerkenswerte Dinge. Aber zuerst war ich dort, wo ich an Arizona dachte.

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

11. September 2011

„Das ISTAF („Internationales STAdionFest“) ist auch 2011 größtes Meeting der Welt! Mindestens 53.000 Zuschauer sehen zehn Weltmeister von Daegu und vier amtierende Weltrekordhalter. Das gab’s noch nie beim Internationalen Stadionfest ISTAF: Unter den 220 Athleten sind gleich vier amtierende Weltrekordhalter, 22 Weltmeister und acht Olympiasieger! Sie kommen, um dem ältesten und größten Leichtathletik-Meeting der Welt zu gratulieren. Denn das Internationale Stadionfest Berlin wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Auch das Berliner Olympiastadion, mit dem das ISTAF seit 1937 untrennbar verbunden ist, hat Grund zum Feiern: Es wird 75 Jahre alt. Kein Wunder, dass die Gratulanten aus aller Welt nach Berlin kommen“.

Und auch ich darf heute gratulieren! Hab eine Karte geschenkt gekriegt. Ich war seit meiner Schulzeit auf keiner Sportveranstaltung mehr. Sport war ja eines meiner absoluten Hassfächer. Aber durch meine Beschäftigung mit Leni Riefenstahl und dem Olympiafilm und dem Olympiastadion habe ich jetzt doch Blut geleckt. Außerdem ist es bestimmt eine tolle Atmosphäre, wenn soundsovieltausend Zuschauer mit den Sportlern mitfiebern. Leider kann ich auf die Schnelle keine Kameragräben ausheben lassen, wie das Leni Riefenstahl seinerzeit veranlasst hat, um die Athleten freigestellt vor dem Himmelszelt einzufangen. Aber irgendwelche interessanten Begegnungen ergeben sich ja immer für mich und meine kleine Kamera. Das Wetter sieht auch gut aus.
Geburtstagswetter zum Neunzigsten und Fünfundsiebzigsten. Wahnsinn. Seit 1921 gibt es das Stadionfest. Das ist schon eine beeindruckende Tradition. Da ich die Sportstars im Einzelnen ja nicht kenne und es nun auch nicht mehr hinkriege, die Gesichter zu den Namen der Weltrekordler und Olympiasieger zu lernen, um dann gleich zu sehen, wer da gerade am Start ist, verlasse ich mich auf das Publikum und die Ansagen. Ich gehe mal davon aus, dass man das einfach spürt. Vielfaches Raunen wird durch die Menge gehen! Hoffentlich gibt es auch Fahnen im Publikum von allen Ländern. Fahnen finde ich toll. Ins Olympiastadion passen über 70.000 Zuschauer, 53.000 Karten sind verkauft. Da es so ein besonderes Fest heute ist, kommen bestimmt noch mehr. Und 220 Athleten! Hammer. Übrigens Hammerwerfen interessiert mich besonders. Und Speerwerfen! Und Kugelstoßen. Sag ich jetzt mal so spontan. Das ZDF überträgt live ab 15:50 Uhr. Um elf Uhr ist Einlass im Stadion, dann gibt es ab zwölf Uhr Vorprogramm und um 12:30 ist schon Speerwurf dran. Leider nur Frauen. Komisch eigentlich, dabei ist das doch so ein anmutiger Sport, gerade auch für gut gebaute Männer. Na ja, ich muss eben nehmen, was ich kriege. Die Sporttrikots der Männer sind ja bei den Leichtathleten auch immer ärmellos fällt mir ein. Das finde ich auf jeden Fall sehr gut. Vielleicht gibt es ja sogar eine Fanfare, wenn es losgeht. Das wäre ganz nach meinem Geschmack. Ordentlich Traritrara und Gedöns! Bin jetzt doch ein bißchen kribbelig, muss ich zugeben!

Vorgestern hab ich mir bei Edeka in der Rosenthaler Straße extra als Proviant Mini-Tetra-Pack-Orangensaft-Schachteln gekauft. Als Proviant sind bei Getränken nämlich nur Tetra-Packs mit maximaler Größe 0,5 Liter erlaubt. Wenn ich mehrere davon mitnehme – meine Saft-Tetrapäckchen sind ja kleiner – darf ich das bestimmt. Zwei oder drei. Und zwei oder drei Äpfel. Sportliche Kost! Ich hab mich ja nicht zum Fotografieren akkreditiert, daher hoffe ich, dass ich überhaupt reinkomme mit meiner Kamera. Die sind da schon streng. Zum Glück laufe ich aber ja eh nicht mit so einer Bohrmaschine mit kanonenmäßigem Objektiv rum. Da könnte ich mich ja gar nicht bewegen. Wird schon klappen. Schließlich will ich ja nur Bilder für mein privates Erinnerungsalbum machen. Damit ich später mal sagen kann: „Schau! Ich war auch dabei, beim großen Stadionfest, als es neunzig Jahre alt geworden ist!“. Fragt sich nur, zu wem ich das dann mal sage, dereinst. Na ja, wird sich schon irgendjemand finden, der sich für meine Erlebnisse von früher interessiert. Von damals. Vom elften September 2011.

10. September 2011


Das Pferd war auf der Koppel. Ich. Das wilde Pferd. Als Kind und besonders als junges Mädchen hat mich mein Vater oft mit einem Pferd verglichen. Vielleicht weil ich schon immer groß war und wegen meines Schädels. Und vielleicht weil die Bewegungen oft ungestüm waren. Das sind sie immer noch. Ich glaube, er hatte Recht. Er mochte Pferde, er hatte welche als Kind. Eines mochte er besonders. Er musste es zurücklassen. Manchmal zeigte er das Foto mit dem Pferdekopf. Ein schönes Tier. Mit großen dunklen Augen. Lange Wimpern, wie sie nur Pferde haben. Oder vielleicht Kühe. Die haben auch lange Wimpern. Ich ja nicht so.

Arizona, weil ich Arizona besonders gerne mag. Irgendein Reporter hat auch etwas von Arizona geschrieben, wegen der Weite. Alles groß hier. Der Arizonahimmel mit den aufgepfählten, bemalten Leinwänden ist an einem Ort, der eine lange Geschichte hat. Jetzt heißt er Freiheit. Ein weites Feld neben der südlichen Startbahn des stillgelegten, legendären Flughafens Tempelhof. Die neuere Start- und Landebahn wurde für den reibungslosen Ablauf der Luftbrücke gebaut. Und es gibt dort noch andere bemerkenswerte Dinge. Aber zuerst war ich dort, wo ich an Arizona dachte.

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07. September 2011

Bin irgendwie rammdösig heute. Ich werde alt. Ja, ja auf den Fotos wirke ich immer so jugendlich. Mental. Früher hätte ich die zu wünschen übrig lassende Tagesform auf zu viel Rotwein geschoben. Heute muss ich erkennen: man kann sich auch ohne Rotwein so fühlen. Zweite Kanne Kaffee gekocht. Obwohl Tee ja besser wäre. Ach Scheiß drauf! Dafür war ich gestern in ausgezeichneter Form und habe mich so frisch und vital gefühlt wie andere mit Zwanzig! Es ist ja auch immer alles in Bewegung. Wahrscheinlich steht mir der Tageshöhepunkt einfach noch bevor! Aufgrund der von mir manipulierten Auswahl der von mir verfügbaren Bilder, finde ich leider auf die Schnelle keines, das meine Befindlichkeit angemessen abbildet. Und niemals würde ich jetzt und heute, in dieser Stunde ein Foto machen wollen! Dafür bin ich viel zu eitel. Rammdösig aber eitel. Hab ich eigentlich schon mal erzählt, dass mich Leute, die von sich behaupten nicht eitel zu sein, auf die Palme bringen? Und zwar aus zweierlei Gründen: entweder sind sie wirklich nicht im Bezug auf Äußerlichkeiten eitel und das sieht man dann meistens auch, weil ja zumindest in Deutschland die allerwenigsten erwachsenen Menschen ohne jegliche kosmetische Manipulation erhebend aussehen, und daher aufgrund der Unterlassung gewisser Rituale, die ihr Aussehen verbessern könnten, dementsprechend mit ihrem Anblick keine Freude bereiten.
Oder sie sind sehr wohl eitel, haben aber nicht den Arsch in der Hose, das zuzugeben, weil sie sich immer noch nicht von ihrer schwachsinnigen Erziehung emanzipiert haben, die da unter anderem schon im Poesiealbum predigte „sei bla bla bla, sittsam und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein“. Interessanterweise gibt es bei der zweiten Sorte häufig eine Art intellektuelle Eitelkeit, die aber offiziell als weniger oberflächlich, weniger primitiv gilt. Na ja. Akademischer Schwanzvergleich. Ich bin ja in jedweder Hinsicht eitel. Es ist mir nicht egal, was gewisse Leute von mir halten. Bei anderen hingegen schon. Ich bin mehr so selektiv eitel. Das geht so weit, dass ich mich sogar zufrieden zeige, wenn sich gewisse Personen von mir distanzieren. Das Wagnis, sich jemandem anzunähern, impliziert ja das positive Vor-Urteil über sich selbst „ich gehe mal davon aus, dass ich dort willkommen bin.“ Bei mir ist keinesfalls jeder willkommen. Ich kann zwar gut so tun, um nicht anzuecken, im gesellschaftlichen Alltag, wenn ich mich zum Beispiel im Drogeriemarkt in die Schlange an der Kasse einreihe, als könnte ich niemandem etwas zuleide tun, aber das ist eine Lüge. Mir sind ziemlich viele Leute suspekt und unsympathisch. Eigentlich finde ich den größten Teil der Menschheit eher uninteressant. Unattraktiv, profillos. Ich scheine mich gerade in Rage zu schreiben! Nein, nein, es gibt auch Tage, da finde ich alle möglichen Leute sehr nett. Aber dennoch. Ich will sie nicht treffen müssen. Nicht unter vier Augen reden. Nicht mit ihnen Kaffee trinken. Unter keinen Umständen von ihnen besucht werden. Ich frage mich, ob das eine Altersfrage ist, wenn man so selektiv wird. Obwohl ich war schon immer sehr selektiv. Ich glaube, jetzt wird der Kaffee langsam kalt. Ich finde es ja gut, wenn man ab und zu abgründige Bekenntnisse bloggt. Ist hier ja nun kein Licht- und-Liebe-Blog. Also!
P.S. Wikipedia schreibt: „Eitelkeit (lat. vanitas) ist die übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit, den eigenen Körper, das Aussehen und die Attraktivität oder die Wohlgeformtheit des eigenen Charakters.“ (…) „In der christlichen, besonders der katholischen Theologie wird die Eitelkeit zu den Hauptsünden gerechnet. Die Eitelkeit lenkt das Denken des Menschen von Gott ab und hin zu sich selbst, zu seinem Körper und seinem Äußeren.“ Eine „Hauptsünde“. Hört hört. Somit war es für eine schwere Sünderin wie mich nur folgerichtig, vor siebzehn Jahren aus der Kirche auszutreten.

07. September 2011

Bin irgendwie rammdösig heute. Ich werde alt. Ja, ja auf den Fotos wirke ich immer so jugendlich. Mental. Früher hätte ich die zu wünschen übrig lassende Tagesform auf zu viel Rotwein geschoben. Heute muss ich erkennen: man kann sich auch ohne Rotwein so fühlen. Zweite Kanne Kaffee gekocht. Obwohl Tee ja besser wäre. Ach Scheiß drauf! Dafür war ich gestern in ausgezeichneter Form und habe mich so frisch und vital gefühlt wie andere mit Zwanzig! Es ist ja auch immer alles in Bewegung. Wahrscheinlich steht mir der Tageshöhepunkt einfach noch bevor! Aufgrund der von mir manipulierten Auswahl der von mir verfügbaren Bilder, finde ich leider auf die Schnelle keines, das meine Befindlichkeit angemessen abbildet. Und niemals würde ich jetzt und heute, in dieser Stunde ein Foto machen wollen! Dafür bin ich viel zu eitel. Rammdösig aber eitel. Hab ich eigentlich schon mal erzählt, dass mich Leute, die von sich behaupten nicht eitel zu sein, auf die Palme bringen? Und zwar aus zweierlei Gründen: entweder sind sie wirklich nicht im Bezug auf Äußerlichkeiten eitel und das sieht man dann meistens auch, weil ja zumindest in Deutschland die allerwenigsten erwachsenen Menschen ohne jegliche kosmetische Manipulation erhebend aussehen, und daher aufgrund der Unterlassung gewisser Rituale, die ihr Aussehen verbessern könnten, dementsprechend mit ihrem Anblick keine Freude bereiten.
Oder sie sind sehr wohl eitel, haben aber nicht den Arsch in der Hose, das zuzugeben, weil sie sich immer noch nicht von ihrer schwachsinnigen Erziehung emanzipiert haben, die da unter anderem schon im Poesiealbum predigte „sei bla bla bla, sittsam und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein“. Interessanterweise gibt es bei der zweiten Sorte häufig eine Art intellektuelle Eitelkeit, die aber offiziell als weniger oberflächlich, weniger primitiv gilt. Na ja. Akademischer Schwanzvergleich. Ich bin ja in jedweder Hinsicht eitel. Es ist mir nicht egal, was gewisse Leute von mir halten. Bei anderen hingegen schon. Ich bin mehr so selektiv eitel. Das geht so weit, dass ich mich sogar zufrieden zeige, wenn sich gewisse Personen von mir distanzieren. Das Wagnis, sich jemandem anzunähern, impliziert ja das positive Vor-Urteil über sich selbst „ich gehe mal davon aus, dass ich dort willkommen bin.“ Bei mir ist keinesfalls jeder willkommen. Ich kann zwar gut so tun, um nicht anzuecken, im gesellschaftlichen Alltag, wenn ich mich zum Beispiel im Drogeriemarkt in die Schlange an der Kasse einreihe, als könnte ich niemandem etwas zuleide tun, aber das ist eine Lüge. Mir sind ziemlich viele Leute suspekt und unsympathisch. Eigentlich finde ich den größten Teil der Menschheit eher uninteressant. Unattraktiv, profillos. Ich scheine mich gerade in Rage zu schreiben! Nein, nein, es gibt auch Tage, da finde ich alle möglichen Leute sehr nett. Aber dennoch. Ich will sie nicht treffen müssen. Nicht unter vier Augen reden. Nicht mit ihnen Kaffee trinken. Unter keinen Umständen von ihnen besucht werden. Ich frage mich, ob das eine Altersfrage ist, wenn man so selektiv wird. Obwohl ich war schon immer sehr selektiv. Ich glaube, jetzt wird der Kaffee langsam kalt. Ich finde es ja gut, wenn man ab und zu abgründige Bekenntnisse bloggt. Ist hier ja nun kein Licht- und-Liebe-Blog. Also!
P.S. Wikipedia schreibt: „Eitelkeit (lat. vanitas) ist die übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit, den eigenen Körper, das Aussehen und die Attraktivität oder die Wohlgeformtheit des eigenen Charakters.“ (…) „In der christlichen, besonders der katholischen Theologie wird die Eitelkeit zu den Hauptsünden gerechnet. Die Eitelkeit lenkt das Denken des Menschen von Gott ab und hin zu sich selbst, zu seinem Körper und seinem Äußeren.“ Eine „Hauptsünde“. Hört hört. Somit war es für eine schwere Sünderin wie mich nur folgerichtig, vor siebzehn Jahren aus der Kirche auszutreten.

05. September 2011

Rasen dahin die Tage. Schon wieder beinah eine Woche September. Als ich letzten Freitag so durch Neukölln spazierte, durch mir mehr oder weniger unbekannte Straßen, fielen mir ja immer wieder diese launigen Piratenplakate auf. Während ich mich also einem mit der Kamera in der Hand nähern will, sehe ich schon von weitem Kids, die ziemlich wild mit einem Ball spielen. Eine kleine Gang könnte man sagen. Drei Jungs und ein Mädchen. Alter ungefähr zwischen zehn und zwölf. Sie haben ein ziemliches Tempo und der Ball wechselt schneller, als ich gucken kann. Das Spielchen spielt sich hauptsächlich da ab, von wo aus ich das Bild machen will. Ich gehe zielstrebig zu meinem beabsichtigten Punkt und damit mitten in das Gerangel der Kids, die mich interessiert angucken. Der Junge mit dem gelben Oberteil will wissen, warum ich das fotografiere. „Weil das ein gutes Foto gibt“. Auf jeden Fall haben alle durcheinandergequiekt, gequietscht und geplappert. Der Kleinste, mit dem lila Oberteil hat besonders frech geguckt und den Ball auf mich gezielt, aber ich habe ihn abgefangen und ziemlich hart zurückgeworfen, wobei ich extra böse-cool gegrinst habe! Wie eine echte Bitch! Damit hat er nicht gerechnet, der kleine Bushido. Das hat ihn mächtig beeindruckt. Sie haben weiter gespielt und ich habe einfach angefangen, sie dabei zu fotografieren. Das hat zwei der kleinen Rabauken veranlasst, ihr Repertoire an Gangster-Rapper-Gesten an mir auszuprobieren. Der Kleinste war wieder mal der Coolste. Hat er doch zielstrebig versucht, mir den mp3-Player aus der Hosentasche zu ziehen, was ihm auch mehrfach sehr geschickt gelungen ist, ich hole ihn mir fünf mal wieder zurück. und dabei guckt er mir doch dermaßen lasziv grinsend und tief in die Augen, als ob er mich anmachen will.

Ich meine: der Junge ist zehn oder elf und guckt mich an wie ein erwachsener Mann, der dringend flirten muss. Dann wieder diese gespielten Abwehrgesten und Gefluche, ich soll sofort aufhören zu fotografieren. Fünf Sekunden später: „Ey! Los! Mach ein Foto von mir!“ Das ging eine ganze Weile so hin und her. Das Mädchen ist mir erst später aufgefallen, meine Güte war die hübsch. Am liebsten hätte ich nur noch sie fotografiert, aber sie hat sich immer umgedreht und ebenfalls kokett herumgezickt. Natürlich fanden die vier das superinteressant, dass ich sie interessant genug finde. Was die mich alles gefragt haben. Und dann wieder so Sprüche: „Ey, bist du von der Polizei?“ Ich: „Ja, ich bin von der Polizei. (Böses Panzerknackerlachen), hehehe“. Ich setze meine Sonnenbrille wieder auf, weil die Sonne plötzlich so tief steht und blendet. Die Kleine meint: „ohh! Das sieht total cool aus, kann ich ein Bild machen?“. Sie hält leider ins Gegenlicht und das fertige Bild ist ganz dunkel. Dann fängt der Kleinste an, sich mit ihr zu umarmen. Die beiden scheinen sehr vertraut miteinander zu sein.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Da fällt mir ein, irgendwann vorher hat er im Übermut seine Hose runtergezogen und mir seinen kleinen Hintern gezeigt. Ich habe ein Foto davon gemacht, als Retourkutsche sozusagen. Großes Gequietsche: „eeeeyyy!!! Hast du das jetzt fotografiert?!? Echt???“ „Na klar.“ Ich hab das Bild vorhin gelöscht. Das wüsste man nur im Zusammenhang dieser putzigen Geschichte zu würdigen. So kommt man im Vorbeilaufen zu einem Haufen Fotos mit einem echten Neuköllner Mini-Bushido.

04. September 2011

Preiswerte Qualitätsprodukte, Batman Elekronik, Wahlreklame, Gekritzel an der Wand. Kraut und Rüben halt. Kleinster gemeinsamer Nenner. Die Computerplatinen-Hotpants und weiß der Geier was dieser geniale Elektrogeschäft-goes-Contemporary Art-Inhaber Batman (so heißt der wirklich, das Jim Rakete-Phänomen quasi, der heißt ja auch in echt so) da sonst noch bastelt, haut mich um. Was für Kostbarkeiten. Was für eine Entdeckung. Das Zeug gehört in die Museen dieser Welt. Man sieht ja viel Scheiß hier, in der sog. Kunstszene. Mir geht wahrlich das Herz auf, bei den Sachen von Herrn Batman. Leider war der Laden zu und ich konnte nur durch die Scheibe fotografieren.

Und dann ist natürlich Erklärungsbedarf zu der etwas aufdringlichen Reihe Piraten-Wahlplakate. Wir haben ja nun hier am 18. September Wahlen und überall kleben wieder die Reklamebildchen der Parteien. Es tut mir ja nun sehr leid, dass die Plakate der anderen Parteien nicht annähernd so gelungen sind, wie die Piratendinger. Was aber durchaus nicht als Wahlempfehlung missverstanden werden sollte. Die Sprüche auf den abgelichteten kann ich zwar durchaus unterschreiben (na ja, obwohl Wahlrecht für alle Altersgruppen? Auch Drei- und Fünfjährige? Andererseits haben so viele sogenannte „Volljährige“ ihren Verstand in einem Ausmaß versoffen, dass man sich auch fragen kann, inwiefern bei denen das gute alte Wahlrecht in den richtigen Händen liegt), aber ich befürworte nicht alles, was sich die aufstrebende Jungpartei in ihrem Programm ausgedacht hat. Andererseits bin ich für eine starke Brise frischen oppositionellen Gegenwind, zwecks Inspiration und Evolution. Wie auch immer. Dieser Teil der Bild-Strecke wurde nicht von einer überzeugten Piratenwählerin gebastelt. Ich bin noch am Sondieren, welches das Innovativste von allen Übeln mit der größten Gaga Nielsen-Schnittmenge ist.

Muss ich noch irgendetwas zu dieser Bildstrecke richtigstellen? Nö. Nicht, dass ich wüsste. Viel Spaß bei diesem kleinen Spaziergang durch dreieinhalb Straßen von Neukölln. Der Weg hat planmäßig zu einem völlig anderen Ziel geführt. Aber dazu später.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

04. September 2011

Preiswerte Qualitätsprodukte, Batman Elekronik, Wahlreklame, Gekritzel an der Wand. Kraut und Rüben halt. Kleinster gemeinsamer Nenner. Die Computerplatinen-Hotpants und weiß der Geier was dieser geniale Elektrogeschäft-goes-Contemporary Art-Inhaber Batman (so heißt der wirklich, das Jim Rakete-Phänomen quasi, der heißt ja auch in echt so) da sonst noch bastelt, haut mich um. Was für Kostbarkeiten. Was für eine Entdeckung. Das Zeug gehört in die Museen dieser Welt. Man sieht ja viel Scheiß hier, in der sog. Kunstszene. Mir geht wahrlich das Herz auf, bei den Sachen von Herrn Batman. Leider war der Laden zu und ich konnte nur durch die Scheibe fotografieren.

Und dann ist natürlich Erklärungsbedarf zu der etwas aufdringlichen Reihe Piraten-Wahlplakate. Wir haben ja nun hier am 18. September Wahlen und überall kleben wieder die Reklamebildchen der Parteien. Es tut mir ja nun sehr leid, dass die Plakate der anderen Parteien nicht annähernd so gelungen sind, wie die Piratendinger. Was aber durchaus nicht als Wahlempfehlung missverstanden werden sollte. Die Sprüche auf den abgelichteten kann ich zwar durchaus unterschreiben (na ja, obwohl Wahlrecht für alle Altersgruppen? Auch Drei- und Fünfjährige? Andererseits haben so viele sogenannte „Volljährige“ ihren Verstand in einem Ausmaß versoffen, dass man sich auch fragen kann, inwiefern bei denen das gute alte Wahlrecht in den richtigen Händen liegt), aber ich befürworte nicht alles, was sich die aufstrebende Jungpartei in ihrem Programm ausgedacht hat. Andererseits bin ich für eine starke Brise frischen oppositionellen Gegenwind, zwecks Inspiration und Evolution. Wie auch immer. Dieser Teil der Bild-Strecke wurde nicht von einer überzeugten Piratenwählerin gebastelt. Ich bin noch am Sondieren, welches das Innovativste von allen Übeln mit der größten Gaga Nielsen-Schnittmenge ist.

Muss ich noch irgendetwas zu dieser Bildstrecke richtigstellen? Nö. Nicht, dass ich wüsste. Viel Spaß bei diesem kleinen Spaziergang durch dreieinhalb Straßen von Neukölln. Der Weg hat planmäßig zu einem völlig anderen Ziel geführt. Aber dazu später.
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03. September 2011

Der Gaga Nielsen-Award für spitzenmäßig gelungene Reklame geht in dieser Saison an die Damenboutique „Lara Fashion“ („Mode für die ganze Familie – Abendmode, Kopftücher, Röcke, Hosen, Jeans, Schuhe, Taschen und vieles mehr…“) in der Hermannstraße 56 im Bezirk Neukölln, 12049 Berlin.

Zielstrebig war ich auf der Suche nach dem nächsten Geldautomaten, der Sinn stand mir in keinster Weise nach Hüfthosen an Schaufensterpuppen betrachten. Obzwar die kecken, wenn auch etwas kopflosen Damen in ihren knapp aber gut sitzenden Röhrenhosen keineswegs den Weg versperrten, theoretisch somit die Möglichkeit des flüssiges Vorbeilaufen gewährleistet war, konnte ich nicht umhin, stehenzubleiben und mir die Angelegenheit genauer zu betrachten. Candy und ihre knackigen Schwestern zogen mich genau genommen völlig in ihren Bann.

Hypnotisiert fummelte ich umständlich die Kamera aus den Untiefen meines Ausflugsrucksacks, den ich zu diesem Zwecke eigens abnehmen musste (bei der Gelegenheit ist mir dann auch der kleine Hosenscheißer oben drüber überhaupt erst aufgefallen.) Ich beglückwünsche die Boutiqueninhaberin Semiha Derdiyhok zu dieser innovativen Form der Außenwerbung und ziehe sogar in Betracht beim nächsten Hosenkauf mal bei „Lara Fashion„ vorbeizuschauen!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

03. September 2011

Gestern war ich wieder als rasende Reporterin unterwegs, um weltbewegende Ereignisse für meine Leser zu dokumentieren. Intuitiv gelangte ich gleich zu Beginn meines gestrigen Einsatzes an einen Brennpunkt des Geschehens in der Herrmannstraße, genauer gesagt Hermannstr. 56. Über der beliebten Damen-Boutique „Lara Fashion“ spielte sich in einem Fenster das Folgende ab, was ich sofort umfassend dokumentieren musste. Nachdem mein mehrstündiger Einsatz in Neukölln beendet war, kehrte ich zurück an meinen Ausgangspunkt im Bezirk Mitte, wo sich meine Wohnung befindet. Mit dem dafür passenden Schlüssel öffnete ich meinen Briefkasten, wo mir neben anderer ungebundener Reklame in Form von losen Zetteln, der neue IKEA-Katalog entgegenfiel. Ich stellte fest, dass sich das Format abermals verkleinert hat, so ähnlich wie von der einen Frauenzeitschrift, die manchmal junge Frauen in der S-Bahn durchblättern. Allegra oder Amiga oder Cosmopolitan. Eben nicht mehr so das richtige Zeitschriftenformat.

Vor ein paar Jahren habe ich mir einen neuen Mülleimer gekauft. So einen ganz schicken, repräsentativen. Da konnte mein alter weißer Schwingdeckel-Plastikmülleimer weg. Aber praktisch wie ich nun einmal veranlagt bin, habe ich den noch voll funktionsfähigen alten Eimer nicht etwa weggeschmissen, sondern gespendet. Ich habe ihn ordentlich ausgewaschen und abgetrocknet und dann unten im Treppenhaus, wo die Briefkästen sind, in die Ecke gestellt. Da passt er optisch auch recht gut hin. Der Mülleimer wurde auch gleich sehr gut von der Hausgemeinschaft angenommen und obwohl ich es nicht draufgeschrieben habe, wird er für genau das benutzt, was ich mir gedacht habe. Damit man die Reklamezettel und -Zeitungen, die eben doch immer eingesteckt werden (bedrohliche Aufkleber nützen da recht wenig, da die Reklamezettelverteiler wahrscheinlich Schule geschwänzt haben, als Lesen dran war) ordentlich entsorgen kann und sie nicht mit in die Wohnung nehmen muss. Der Eimer war dann auch gleich am zweiten Tag randvoll. Gefreut hat mich auch, dass die Reinigungskraft es automatisch als ihre Aufgabe erkannt hat, den Eimer regelmäßig auszuleeren. Das funktioniert jetzt schon seit ein paar Jahren ausgezeichnet. Es hat auch noch nie jemand anderen Müll reingeschmissen.

Na ja, jedenfalls überlegte ich einen Moment, ob ich den IKEA-Katalog jetzt da reinschmeiße oder mit nach oben nehme. Er ist ja schon immer sehr liebevoll gemacht und als Kind habe ich auch furchtbar gerne Kataloge angeschaut. Wie das kleine Scheißerchen da auf den Bildern. Den Quelle-Katalog hauptsächlich. Oder Schöpflin. Oder Klingel. Oder Otto. Oder Wenz. Meine Güte, meine Mutter hatte wirklich alle Kataloge abonniert. Das war quasi das Internet-Shopping der Sechziger und Siebziger, für Leute die auf dem Land wohnten. Stundenlang konnte ich mich damit beschäftigen. Manchmal durfte ich mir auch Anziehsachen aussuchen, die dann irgendwann später in einer Sammelbestellung bestellt wurden. Toll, wenn das Paket dann kam! Später habe ich dann auch die IKEA-Kataloge angeschaut, wo ich noch manchmal Sachen gebraucht habe. Deswegen habe ich auch ein bißchen gezögert, ob ich den aufwändig gemachten Katalog nun da reinschmeiße, in das Müll-Eimerchen. Ich bin also noch einmal in mich gegangen, habe festgestellt, dass ich keinerlei Impulse in mir feststelle, Möbel zu kaufen und überhaupt genug Krimskrams habe, dass ich selber eine IKEA-Filiale aufmachen könnte und habe ihn also doch auf dem kurzen Weg entsorgt. Aber trotzdem Danke an die Firma IKEA, dass sie gestern scheinbar die ganze Welt, oder zumindest alle Berliner Bezirke mit ihrem kleinen Katalog beglückt hat. Das Kleine hat auf jeden Fall einen kurzweiligen Nachmittag mit dem bunten Bilderbuch gehabt, wie man sieht. Als ich es entdeckt habe, konnte man den IKEA-Schriftzug ganz deutlich sehen, als ich dann aber angefangen habe zu knipsen, hat es sich nicht mehr ergeben. Aber Sie sind nun im Bilde. Was mir jetzt auch noch dabei einfällt ist, dass sich die Größe des Kindes durch das kleinere Katalogformat relativiert. Als ich es fotografiert habe, bin ich die ganze Zeit von dem alten großen Katalog ausgegangen, da wusste ich noch nicht, dass es einen neuen im Briefkasten gibt. Kombiniere: es handelt sich somit offenbar um ein Klein-Kind!
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03. September 2011

Der Gaga Nielsen-Award für spitzenmäßig gelungene Reklame geht in dieser Saison an die Damenboutique „Lara Fashion“ („Mode für die ganze Familie – Abendmode, Kopftücher, Röcke, Hosen, Jeans, Schuhe, Taschen und vieles mehr…“) in der Hermannstraße 56 im Bezirk Neukölln, 12049 Berlin.

Zielstrebig war ich auf der Suche nach dem nächsten Geldautomaten, der Sinn stand mir in keinster Weise nach Hüfthosen an Schaufensterpuppen betrachten. Obzwar die kecken, wenn auch etwas kopflosen Damen in ihren knapp aber gut sitzenden Röhrenhosen keineswegs den Weg versperrten, theoretisch somit die Möglichkeit des flüssiges Vorbeilaufen gewährleistet war, konnte ich nicht umhin, stehenzubleiben und mir die Angelegenheit genauer zu betrachten. Candy und ihre knackigen Schwestern zogen mich genau genommen völlig in ihren Bann.

Hypnotisiert fummelte ich umständlich die Kamera aus den Untiefen meines Ausflugsrucksacks, den ich zu diesem Zwecke eigens abnehmen musste (bei der Gelegenheit ist mir dann auch der kleine Hosenscheißer oben drüber überhaupt erst aufgefallen.) Ich beglückwünsche die Boutiqueninhaberin Semiha Derdiyhok zu dieser innovativen Form der Außenwerbung und ziehe sogar in Betracht beim nächsten Hosenkauf mal bei „Lara Fashion„ vorbeizuschauen!
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03. September 2011

Gestern war ich wieder als rasende Reporterin unterwegs, um weltbewegende Ereignisse für meine Leser zu dokumentieren. Intuitiv gelangte ich gleich zu Beginn meines gestrigen Einsatzes an einen Brennpunkt des Geschehens in der Herrmannstraße, genauer gesagt Hermannstr. 56. Über der beliebten Damen-Boutique „Lara Fashion“ spielte sich in einem Fenster das Folgende ab, was ich sofort umfassend dokumentieren musste. Nachdem mein mehrstündiger Einsatz in Neukölln beendet war, kehrte ich zurück an meinen Ausgangspunkt im Bezirk Mitte, wo sich meine Wohnung befindet. Mit dem dafür passenden Schlüssel öffnete ich meinen Briefkasten, wo mir neben anderer ungebundener Reklame in Form von losen Zetteln, der neue IKEA-Katalog entgegenfiel. Ich stellte fest, dass sich das Format abermals verkleinert hat, so ähnlich wie von der einen Frauenzeitschrift, die manchmal junge Frauen in der S-Bahn durchblättern. Allegra oder Amiga oder Cosmopolitan. Eben nicht mehr so das richtige Zeitschriftenformat.

Vor ein paar Jahren habe ich mir einen neuen Mülleimer gekauft. So einen ganz schicken, repräsentativen. Da konnte mein alter weißer Schwingdeckel-Plastikmülleimer weg. Aber praktisch wie ich nun einmal veranlagt bin, habe ich den noch voll funktionsfähigen alten Eimer nicht etwa weggeschmissen, sondern gespendet. Ich habe ihn ordentlich ausgewaschen und abgetrocknet und dann unten im Treppenhaus, wo die Briefkästen sind, in die Ecke gestellt. Da passt er optisch auch recht gut hin. Der Mülleimer wurde auch gleich sehr gut von der Hausgemeinschaft angenommen und obwohl ich es nicht draufgeschrieben habe, wird er für genau das benutzt, was ich mir gedacht habe. Damit man die Reklamezettel und -Zeitungen, die eben doch immer eingesteckt werden (bedrohliche Aufkleber nützen da recht wenig, da die Reklamezettelverteiler wahrscheinlich Schule geschwänzt haben, als Lesen dran war) ordentlich entsorgen kann und sie nicht mit in die Wohnung nehmen muss. Der Eimer war dann auch gleich am zweiten Tag randvoll. Gefreut hat mich auch, dass die Reinigungskraft es automatisch als ihre Aufgabe erkannt hat, den Eimer regelmäßig auszuleeren. Das funktioniert jetzt schon seit ein paar Jahren ausgezeichnet. Es hat auch noch nie jemand anderen Müll reingeschmissen.

Na ja, jedenfalls überlegte ich einen Moment, ob ich den IKEA-Katalog jetzt da reinschmeiße oder mit nach oben nehme. Er ist ja schon immer sehr liebevoll gemacht und als Kind habe ich auch furchtbar gerne Kataloge angeschaut. Wie das kleine Scheißerchen da auf den Bildern. Den Quelle-Katalog hauptsächlich. Oder Schöpflin. Oder Klingel. Oder Otto. Oder Wenz. Meine Güte, meine Mutter hatte wirklich alle Kataloge abonniert. Das war quasi das Internet-Shopping der Sechziger und Siebziger, für Leute die auf dem Land wohnten. Stundenlang konnte ich mich damit beschäftigen. Manchmal durfte ich mir auch Anziehsachen aussuchen, die dann irgendwann später in einer Sammelbestellung bestellt wurden. Toll, wenn das Paket dann kam! Später habe ich dann auch die IKEA-Kataloge angeschaut, wo ich noch manchmal Sachen gebraucht habe. Deswegen habe ich auch ein bißchen gezögert, ob ich den aufwändig gemachten Katalog nun da reinschmeiße, in das Müll-Eimerchen. Ich bin also noch einmal in mich gegangen, habe festgestellt, dass ich keinerlei Impulse in mir feststelle, Möbel zu kaufen und überhaupt genug Krimskrams habe, dass ich selber eine IKEA-Filiale aufmachen könnte und habe ihn also doch auf dem kurzen Weg entsorgt. Aber trotzdem Danke an die Firma IKEA, dass sie gestern scheinbar die ganze Welt, oder zumindest alle Berliner Bezirke mit ihrem kleinen Katalog beglückt hat. Das Kleine hat auf jeden Fall einen kurzweiligen Nachmittag mit dem bunten Bilderbuch gehabt, wie man sieht. Als ich es entdeckt habe, konnte man den IKEA-Schriftzug ganz deutlich sehen, als ich dann aber angefangen habe zu knipsen, hat es sich nicht mehr ergeben. Aber Sie sind nun im Bilde. Was mir jetzt auch noch dabei einfällt ist, dass sich die Größe des Kindes durch das kleinere Katalogformat relativiert. Als ich es fotografiert habe, bin ich die ganze Zeit von dem alten großen Katalog ausgegangen, da wusste ich noch nicht, dass es einen neuen im Briefkasten gibt. Kombiniere: es handelt sich somit offenbar um ein Klein-Kind!
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01. September 2011

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Jetzt aber fix zum Endspurt. Zwölfte Etappe. Bilder vom Areal. Das Drumherum. Nochmal blauer Himmel. Nochmal Ringelhemdchen. Mädchen. Frauen mit Sonnenbrillen. Ein Fotograf, der erzählte, wie oft er was an der Mauer fotografiert hat. Von Anbeginn an. Der ältere Herr mit der Schirmmütze. Bernauer Straße. Gartenstraße. Ackerstraße. Und am Ende zur kleinen Kirche der Versöhnung. Ich war nicht drin, sie hat gerade zugemacht. Sehr gelungenes Bauwerk. Schöne Ecke da. Zurück über die Ackerstraße. Diesmal nicht über den Sophienfriedhof. Meine Kamera-Akkus waren dann auch leer. Ich war ungefähr vier, fünf Stunden dort unterwegs. Und jetzt haben die drei Leute, die hier lesen immerhin eine Idee, wie dieser Tag in Berlin war, und was das eigentlich ist, diese obskure Mauergedenkstätte. Geschichts- und Heimatkundeunterricht für heute beendet! Hausaufgaben gibt es heute keine. Und nun die Schulsachen eingepackt und raus hier. Morgen frag ich ab!

01. September 2011



Etappe X
. Gegenüber der Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße ist so ein Kasten, das Dokumentations- und Besucherzentrum. Keine tolle Architektur, aber man kann ganz nach oben auf eine Ausichtsplattform gehen, wo man das ganze Areal im Überblick hat. In einem Raum wurde der Film „Mauerflug“ gezeigt. In dem man genau das gesehen hat. Mit dem Heli über die Berliner Mauer, durch alle Bezirke. Wie ein weißes Band zog sich die Mauer durch die Landschaft. Obwohl sie gar nicht weiß ist. Aber so hat es von oben ausgesehen. Auf der Platform ist mir aufgefallen, dass an dem Tag unheimlich viele Berliner Ringelhemdchen angehabt haben. Unten ist ein Gartencafé, da war schon wieder eine Frau im Ringelshirt. Ich muss die dann auch immer fotografieren, weil Ringelhemden auf schwarzweiß-Fotos immer super aussehen, wurscht wer drinsteckt. Auf einer Etage ist eine Ausstellung über den Mauerbau. War ich nach dem Film drin.
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31. August 2011


VIII. Gedenken. Könnte eigentlich auch Trauer heißen, ist mir später eingefallen. Die niedergelegten Kränze und Blumen. Man denkt an diese Fernsehbilder von Blumen für die tote Prinzessin Diana. Oder Michael Jackson. Ich denke daran, dass ich so etwas nur einmal aus nächster Nähe gesehen habe. Am Amerikahaus, nach den Anschlägen vom 11. September. Die Blumen und Kränze machen die Trauer dreidimensionaler. So wie die Fotografien der Maueropfer den Toten ein Gesicht geben. Die Rituale und Dinge geben dem Ganzen Gewicht. Angemessenes Gedenken. Aus der Entfernung meiner Wohnung war mir gar nicht klar, dass mich das dort erwarten würde. Trauerkränze und Schleifen. Merkwürdig, dass einen Blüten, die noch gar nicht verblüht sind, so rühren können. Vielleicht weil es einen daran erinnert, dass man Blumen sonst nur noch als Zeichen der Zuneigung oder Verehrung an Lebende gibt. Es ist auch ein bißchen wie „Bitte lass uns noch einmal so tun, als hättest du etwas von meiner Blume, obwohl du sie nicht sehen und riechen kannst. Oder kannst du nicht vielleicht doch? Gib mir bitte auch ein Zeichen. Das ist mein Zeichen für dich.“
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01. September 2011

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Links von der großen Denkmalwand war eine Open Air-Bühne aufgebaut. Da saßen Zeitzeugen und erzählten, im Hintergrund alte Diaufnahmen aus der Zeit des Mauerbaus. Und der RBB schwirrte natürlich auch herum, wie es sich gehört an einem solchen Tag. Raiko Thal, einer der Abendschau-Moderatoren war vor Ort und neben ihm stand Harald Karas, ein ehemaliger Kollege von ihm, der erzählte, dass er sowohl als die Mauer gebaut wurde, als auch im November 1989, als die Mauer fiel, als Reporter für die Abendschau im Einsatz war. Und dass das für ihn der historische Moment, der Höhepunkt in seinem Leben als Reporter war. Ich habe erst gar nicht gewusst, wo ich den älteren Herrn hintun soll. Es ist doch schon wieder lange her, dass er moderiert hat. Vor zwanzig Jahren hat er sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Das Gesicht war mir noch vertraut. Er ist das Urgestein der Berliner Abendschau, denn er hat am 1. September 1958 die allererste Abendschau aus dem Studio am Theodor-Heuss-Platz moderiert.

Jeden Abend kurz nach Sieben die Berliner Abendschau zu gucken, war mir bald eine liebe Angewohnheit geworden, als ich im Frühling 1986 hierher gekommen war. Der Tonfall der Moderatoren hatte so etwas Vertrautes, Familiäres. Damals moderierten unter anderem Evelyn Lazar und Hans-Werner Kock. Das fühlte sich an wie die nette Variante von Onkel und Tante. Auch, weil Hans-Werner Kock immer so gemütliche Strickpullover beim Moderieren trug, seltenst Anzug und Krawatte. Er hätte auch Taxifahrer sein können. Und sein Abschiedssprüchlein war immer „Macht’s gut Nachbarn!“. Da hat es gemenschelt, wie man so sagt. Dann dachte ich immer: endlich zuhause. Lustig, dass ich jetzt zufällig sehe, dass wir am selben Tag Geburtstag haben, die gute alte Abendschau und ich. Beste Abendschau der Welt.

31. August 2011


VIII. Gedenken. Könnte eigentlich auch Trauer heißen, ist mir später eingefallen. Die niedergelegten Kränze und Blumen. Man denkt an diese Fernsehbilder von Blumen für die tote Prinzessin Diana. Oder Michael Jackson. Ich denke daran, dass ich so etwas nur einmal aus nächster Nähe gesehen habe. Am Amerikahaus, nach den Anschlägen vom 11. September. Die Blumen und Kränze machen die Trauer dreidimensionaler. So wie die Fotografien der Maueropfer den Toten ein Gesicht geben. Die Rituale und Dinge geben dem Ganzen Gewicht. Angemessenes Gedenken. Aus der Entfernung meiner Wohnung war mir gar nicht klar, dass mich das dort erwarten würde. Trauerkränze und Schleifen. Merkwürdig, dass einen Blüten, die noch gar nicht verblüht sind, so rühren können. Vielleicht weil es einen daran erinnert, dass man Blumen sonst nur noch als Zeichen der Zuneigung oder Verehrung an Lebende gibt. Es ist auch ein bißchen wie „Bitte lass uns noch einmal so tun, als hättest du etwas von meiner Blume, obwohl du sie nicht sehen und riechen kannst. Oder kannst du nicht vielleicht doch? Gib mir bitte auch ein Zeichen. Das ist mein Zeichen für dich.“
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31. August 2011

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Die sechste Bildreihe heißt Denkmal. Freilich ist alles ein einziges Denkmal, aber es gibt auf dem Areal eine Ecke, wo man sagen kann „Schau, da steht das Denkmal!“ Das originale Mauersegment geht ja an dem einen Ende in diese Eisenstangen-Markierung über. Auf der anderen Seite endet die alte Berliner Mauer aprupt in einer sehr großen Metallwand, die die Mauer in einem rechten Winkel durchschneidet. Der große Flügel dieser enormen Wand, die bis zum Sophienfriedhof reicht, hat auf der Oberfläche eine Rost-Beschichtung. An der zur Ackerstraße offenen Seite trägt die Rostwand eine Inschrift, zum Gedenken. Mehr ist nicht zu sagen. Außer vielleicht, dass sich die Oberfläche mit dem Rost wunderbar anfühlt, wenn die Sonne darauf scheint. Ganz warm.

31. August 2011


Die Strecke mag ich am Liebsten. Ich war weit weggebeamt, ganz betrunken vom blauen Himmel. Wer ein bißchen Geduld mitbringt, sieht ihn auch. Das ist glaube ich die umfangreichste Etappe. Die Mauer. Na klar, die Mauer. Der Hauptact. Wenn man das dann sieht, ist man froh, dass noch so ein großes zusammenhängendes Stück da ist. Nicht nur, weil man da gute Fotos machen kann. Das ehemalige böse Monstrum ist ein schöner Hintergrund.

Ich mag die Strecke auch wegen der kleinen Mädchen in den Ringelkleidchen, die sich von ihrem Vater die Mauer erklären lassen. Die Mutter war auch dabei und war etwas am Rand mit noch einem kleinen Kind. Meine Güte, wieviele Kinder die haben, und alles Mädchen wie es ausgesehen hat. Die Mama war recht attraktiv und war gerade dabei die Mädchen zu fotografieren. Da hab ich auch zugeschlagen. Da bin ich hemmungslos, bei so einer Vorlage. Den Kopf vom Vater wollte ich gar nicht draufhaben. Ich fand ihn nicht besonders interessant. Er hatte die Ausstrahlung eines Akademikers mit einem geregelten, sehr guten Einkommen. Vielleicht hat er auch geerbt. So eine ‚aus-gutem-Hause-Aura‘. Nicht, dass ihn das uninteressant machen würde. Er war einfach überhaupt nicht mein Typ, vom Gesicht her. Eine ältere Dame sprach mich an, ob sie mich fotografieren soll. Das werde ich häufiger gefragt, wenn jemand registriert, dass ich viel fotografiere, auch mich. In dem Fall war ich gerührt und habe darauf verzichtet, zu erklären, dass es sich um keine Notlösung handelt, bei dem was ich da treibe. Ich war auch neugierig und wollte der alten Dame eine Freude machen. Einen Moment überlegte ich, ob ich ihr die Kamera erklären muss, dann sah ich aber, dass sie selbst eine kleine Digitalkamera bei sich hatte. Ich schätze, sie war Mitte Siebzig. Dann sagte sie, sie hofft sehr, dass ich zufrieden bin, mit dem Ergebnis. Ja, war ich. Hab mich dreimal bedankt. Wunderbarer Sommernachmittag. Die Ferienetappe von meinem Ausflug. Die farbigen Bilder kommen am Ende.
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31. August 2011


Die Strecke mag ich am Liebsten. Ich war weit weggebeamt, ganz betrunken vom blauen Himmel. Wer ein bißchen Geduld mitbringt, sieht ihn auch. Das ist glaube ich die umfangreichste Etappe. Die Mauer. Na klar, die Mauer. Der Hauptact. Wenn man das dann sieht, ist man froh, dass noch so ein großes zusammenhängendes Stück da ist. Nicht nur, weil man da gute Fotos machen kann. Das ehemalige böse Monstrum ist ein schöner Hintergrund.

Ich mag die Strecke auch wegen der kleinen Mädchen in den Ringelkleidchen, die sich von ihrem Vater die Mauer erklären lassen. Die Mutter war auch dabei und war etwas am Rand mit noch einem kleinen Kind. Meine Güte, wieviele Kinder die haben, und alles Mädchen wie es ausgesehen hat. Die Mama war recht attraktiv und war gerade dabei die Mädchen zu fotografieren. Da hab ich auch zugeschlagen. Da bin ich hemmungslos, bei so einer Vorlage. Den Kopf vom Vater wollte ich gar nicht draufhaben. Ich fand ihn nicht besonders interessant. Er hatte die Ausstrahlung eines Akademikers mit einem geregelten, sehr guten Einkommen. Vielleicht hat er auch geerbt. So eine ‚aus-gutem-Hause-Aura‘. Nicht, dass ihn das uninteressant machen würde. Er war einfach überhaupt nicht mein Typ, vom Gesicht her. Eine ältere Dame sprach mich an, ob sie mich fotografieren soll. Das werde ich häufiger gefragt, wenn jemand registriert, dass ich viel fotografiere, auch mich. In dem Fall war ich gerührt und habe darauf verzichtet, zu erklären, dass es sich um keine Notlösung handelt, bei dem was ich da treibe. Ich war auch neugierig und wollte der alten Dame eine Freude machen. Einen Moment überlegte ich, ob ich ihr die Kamera erklären muss, dann sah ich aber, dass sie selbst eine kleine Digitalkamera bei sich hatte. Ich schätze, sie war Mitte Siebzig. Dann sagte sie, sie hofft sehr, dass ich zufrieden bin, mit dem Ergebnis. Ja, war ich. Hab mich dreimal bedankt. Wunderbarer Sommernachmittag. Die Ferienetappe von meinem Ausflug. Die farbigen Bilder kommen am Ende.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

31. August 2011


Ich war stark gebannt vom tiefblauen Himmel und den Eisenstangen im Gegenlicht. Die in den offenen Himmel brechenden Stangen, deren Spitzen die von Ost nach West ziehenden Wolken zu streifen scheinen, zeigen über einige hundert Meter den Mauerverlauf in der Bernauer Straße, da wo die echten Mauersegmente abgebaut wurden. An einer Stelle geht die Installation in die echte, verbliebene Mauer über. Ja, die Motive wiederholen sich. So wie in der Wirklichkeit. Man läuft entlang und sieht nach oben. Und wieder zurück.
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31. August 2011

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Die dritte Etappe. Die Erinnerungs-Stelen auf dem Areal der Gedenkstätte. Sie sind visuell der unspektakulärste Teil des Geländes, aber fangen einen damit, was sie hörbar machen und zeigen. Es kann einen unmöglich kalt lassen, wenn man aus so einer Säule unkommentiert Vornamen und Namen von Toten erzählt bekommt. Das junge Alter und das Todesjahr. Da denkt man nicht mehr daran, wie es wohl wäre, von sich ein Foto vor so einem Dings zu machen. Deswegen tauche ich in dieser kleinen Schwarzweiß-Strecke nicht auf, nur was ich gesehen habe.

31. August 2011

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Da war ich also noch gut drauf, wie man sieht. Man könnte auch sagen, dem Anlass unangemessen, bin ich lustig über den Sophienfriedhof gestreunt, am Grab vom Operetten-Kollo vorbei, zu den wildgewachsenen Sonnenblumen. Von da, wo die Sonnenblumen stehen, kann man die Mauer schon erahnen. Man kann sogar ein Stück sehen, wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt und über die Friedhofsmauer guckt. Was da passiert ist, mit dem Friedhof, liest man am besten auf den Gedenktafeln auf den letzten Bildern in der Reihe. Der Friedhof grenzt im wahrsten Sinne des Wortes an die Berliner Mauer. Als ich das mit den versetzten Gräbern gelesen habe, war ich nicht mehr ganz so fröhlich. In der nächsten Etappe bin ich übrigens gar nicht zu sehen, falls jemand befürchtet, das geht jetzt immer so weiter mit hunderttausend Bildern mit mir drauf. Keine Sorge.

31. August 2011

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Heute ist der 31. August 2011. Bitte drehen Sie das Tagesdatum um und folgen Sie mir.
Ich meine das ganz ernst. Was zunächst aussieht, wie ein beliebiges weiteres Bilderset mit Abbildungen einer selbstverliebten Bloggerin ist nur die erste von zwölf Etappen. Ausflüge beginnen ja meistens zuhause. Es war früher Nachmittag, ein Samstag. Der 13. August 2011. Ich bemerkte gegen Mittag das feierliche Glockenläuten der Sophienkirche und dachte, merkwürdig, wie Sonntag. Ich hatte das mit der Gedenkminute um zwölf Uhr Mittags für die Opfer der Berliner Mauer gar nicht mitbekommen. Weil mir aber durchaus auch nach Gedenken war (wie hier erwähnt) und das Wetter schön, hatte ich unabhängig davon kurzerhand beschlossen, zur Mauergedenkstätte zu gehen, die nicht sehr weit von meiner Wohnung in der Auguststraße entfernt ist.
Mein Weg führt mich von der großen in die „Kleine Auguststraße“, über die Torstraße, wo die recht lange Ackerstraße beginnt. Man kann den Weg, der zur Gedenkstätte führt, auf der Straße laufen oder über den Sophienfriedhof, der eine besonders traurige Rolle beim Mauerbau spielte. Das hab ich getan. Ich bin über den Friedhof. Aber das ist schon die nächste Etappe. Ich habe mir überlegt, es ist besser die vielen Bilder nicht als Riesenflut zu verlinken, man wird dann auch müde beim Gucken und kann die einzelnen Bilder gar nicht mehr würdigen, das hat nichts mit Ignoranz zu tun, sondern mit Overflow. Daher zwölf verdaulichere Häppchen, die dem Ganzen auch eher gerecht werden. Es fängt also recht vertraut und überschaubar an.

29. August 2011


Symbolbild flachere Schuhe
– KONTAKTANZEIGE –
„(…) Ich warte immer noch auf dieses eine Rendezvous, das sich ausschließlich dekorativ mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem Barhocker sitzend abspielen wird. Daher hebe ich die Schuhe gut auf! Ich stelle mir das so vor, dass ich zur Verabredung in der Bar mit einem Taxi fahre. Die Wohnung werde ich mit dem Fahrstuhl verlassen, ca. fünf Minuten Laufen und Stehen halte ich darin aus, das geht schon! Dann vorsichtig ins Taxi setzen und vorsichtig aussteigen und dann schnell auf den Barhocker! So könnte es gehen.“
Ernstgemeinte Zuschriften bitte ins Kommentarfeld.

29. August 2011


Symbolbild flachere Schuhe
– KONTAKTANZEIGE –
„(…) Ich warte immer noch auf dieses eine Rendezvous, das sich ausschließlich dekorativ mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem Barhocker sitzend abspielen wird. Daher hebe ich die Schuhe gut auf! Ich stelle mir das so vor, dass ich zur Verabredung in der Bar mit einem Taxi fahre. Die Wohnung werde ich mit dem Fahrstuhl verlassen, ca. fünf Minuten Laufen und Stehen halte ich darin aus, das geht schon! Dann vorsichtig ins Taxi setzen und vorsichtig aussteigen und dann schnell auf den Barhocker! So könnte es gehen.“
Ernstgemeinte Zuschriften bitte ins Kommentarfeld.

28. August 2011

Nicht nur, dass dieser 46 Sekunden lange Filmausschnitt sehr selten ist. Es sind zwei Sequenzen aus jenem Film, den Romy Schneider 1964 mit Clouzot zu drehen begann. Aus verschiedenen Gründen mussten die Dreharbeiten für „L’Enfer“ abgebrochen werden. Unter anderem weil es dem Regisseur gesundheitlich sehr schlecht ging. Ich habe diese beiden Aufnahmen gerade erstmalig gesehen. Das andere Interessante dabei ist, dass man genau sieht, was das kreisende Licht in ihrem Gesicht verursacht. Man sieht im Zeitraffer, wie gnadenlos entblösst und hart ein Gesicht erscheinen kann, in dem einen Licht und wie gnädig und sanft in dem anderen. Es gibt Fotografen, die dem nicht die größte Beachtung schenken. Muß man auch nicht, wenn das Szenario die Hauptrolle spielt, oder aus bildramaturgischen Gründen ein harter Effekt erwünscht ist. Bei einem Portrait jedoch ist die geringste Abstufung von größter Bedeutung. Ich kann mich sehr darüber ärgern, wenn ein Fotograf keinen außerordentlichen Ehrgeiz in dieser Hinsicht entwickelt. Nicht nur, wenn es um mich selbst geht. Diese verschenkte Möglichkeit. Man muss alle Winkel, alle Perspektiven sorgfältig ausloten und dann entscheiden. Nicht nur beim Fotografieren. Wenn man das tänzerisch hinbekommt, als sei es nur ein Spiel – ist man virtuos. Deshalb war Leni Riefenstahl – visuell – virtuos. Sie war ja auch Tänzerin. Man muss mit allem tanzen. Das ist die Kür und zugleich das Schönste. Mit der Wäsche in der Waschmaschine, mit dem Geschirr in der Spüle. Mit der Kamera in der Hand.

28. August 2011

Hey Sonne, bleib mal weg, du blendest! Sie hampelt hier gerade rum und kann sich nicht entscheiden. Hü oder Hott! Du kannst ja ein Haus weiter gehen und dort weitermachen, das ist völlig okay für mich. Danke!

27. August 2011


Einfach so!

Aber auch ideal, um Blumen einzukleben ins Poesiealbum. Ist eigentlich Samstag oder Sonntag? Ich weiß es gar nicht. Die Träumerei der letzten Nacht hat mich so zeitlos gemacht. Ich wollte jetzt aber nicht reimen! Blümchengeknipse und auch noch Gedichte – das ist entschieden zu viel! Und nicht, was ich will!

27. August 2011


Einfach so!

Aber auch ideal, um Blumen einzukleben ins Poesiealbum. Ist eigentlich Samstag oder Sonntag? Ich weiß es gar nicht. Die Träumerei der letzten Nacht hat mich so zeitlos gemacht. Ich wollte jetzt aber nicht reimen! Blümchengeknipse und auch noch Gedichte – das ist entschieden zu viel! Und nicht, was ich will!

27. August 2011


Was ich sehr gerne mag an diesem Sommer, ist der dauernde Wechsel der Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Herbst – alles dabei. Und immer überraschend. Das gefällt mir wirklich. Ich mag den bedeckten Tag und den Regen heute. Das ist sehr erholsam nach dem gestrigen Hochsommertag. Eine Reihe unverändert heißer Tage langweilt mich eher. Ich kriege dieses blöde Gefühl, ach Scheiße, Sonne Sonne Sonne, Sakrileg, wenn man drinnen bleibt, sich am Monitor die Zeit vertreibt. Ich kann mich überhaupt nicht beschweren. Das einzige was mich allerdings ein bißchen irritiert ist, dass es manchmal kühler aussieht, als es ist und man dann unterwegs zu warm angezogen ist. Aber ausziehen kann man ja immer was. Umgekehrt passiert es mir zum Glück nicht mehr. In der S-Bahn hört man oft die Leute niesen. Das liegt wahrscheinlich an einem gewissen Trotz bei der morgendlichen Auswahl der Kleidung. Im Kalender steht Sommer, also müssen die neuen Zehensandalen an die Füße. Mein Schrank ist auch voll mit Fähnchen und zartem Schuhwerk. Das wird halt in diesem Sommer eher selten vorgeführt. Ist mir nicht so wichtig. Genau genommen sogar völlig schnurz. Die Luft wird schön klar von dem Regen, und die Wiese unter meinem Fenster ist so sattgrün wie in noch keinem Sommer. Das verbrannte gelbe Gras in den anderen Sommern tat mir zeitweise richtig weh. Ich hatte manchmal überlegt, ob ich anfangen soll, den kleinen Park und die Bäume da unten zu gießen, aber das schaffe ich ja gar nicht, mit meiner kleinen Gießkanne. Alles ist noch grün. Ein bißchen wie Sommer in Island.

26. August 2011

Vorhin im Aspirin-Geschäft. „Guten Tag! Ich hätte gerne das normale ASS, zum Schlucken.“ Apotheker: „Sie meinen also das Schmerzmittel…?“ ich: „Na, wenn man halt mal was hat, das ganz einfache gegen Kopfweh!“ Apotheker: „Sie wissen aber schon, dass Sie mit Schmerzmitteln aufpassen müssen?“ ich: „ja, ja, nehme ich auch ganz selten, keine Sorge. Soll ich Ihnen mal sagen, was in meiner Hausapotheke ist?“ Apotheker: „ja!“ ich: „Pflaster und Aspirin. Sonst nix. Das ist nicht viel oder?“ Apotheker. „Nein, das ist wirklich nicht viel“. „Tschüs!“ „Schönen Tag noch!“ Ich wollte ihm jetzt nicht auf die Nase binden, dass ich das Zeug an gewissen Tagen einwerfe, gegen frauenspezifische Eruptionen im Unterbauch. Seit ich aufgehört habe zu saufen, brauche ich das Wundermittelchen zum Glück nur noch dann.
Es ist richtig satt heiß heute. Als ich gerade nach Hause kam, war das T-Shirt richtig klebrig und ich bin nicht der Typ, der großartig transpiriert. Gleich im Waschbecken ausgewaschen. Ich hab schon eine Waschmaschine aber mir war so. Bis auf Sonnenbaden und Klugscheißen und ein bißchen Einkaufen heute nicht viel gemacht. Muss ich mir auch mal erlauben. Ich bin ein bißchen zu streng mit mir, denke ich manchmal.
Bei Rossmann war ich vorhin zweimal. Zuerst für Shampoo, Duschgel und ein „Wimpern- und Augenbrauenfärbeset“ in Braun. Hab ich noch nie probiert, also in Braun. Mache ich auch recht selten, mehr so nach Lust und Laune. Dachte ich so: komisch, wieso habe ich keinen Drang mir Haarfarbe zu kaufen. Man sieht eindeutig die silbernen Strähnen am Haaransatz zwischen dem Braun. Am Wimpernfärbeset-Regal war so ein kleiner Spiegel in Augenhöhe, da hab ich schnell mal reingeguckt, um den Stand der Dinge am Haaransatz zu checken. Das Braune war überwiegend, die silbergrauen Streifen mehr so wie hier und da mal ein bißchen Lametta. Kann man auch mal tragen. Überfärben geht immer. Ist doch wurscht! Ich will ja keine dreißigjährigen Jungs aufreißen. Andere im Moment eigentlich auch nicht. Für mich bin ich attraktiv genug, basta!
Anschließend war ich bei Edeka am Hackeschen Markt und hab ein paar Sachen geholt, die mir gefehlt haben. Bißchen Saft, mein Müsli 107 und Tomaten und Joghurt und Babykarotten. An der Kasse waren zwei lange Schlangen, ich hab mich eingereiht in der Schlange links, wo man vor dem riesigen Zeitschriftenregal steht und hab mir eine Klatschzeitung, deren Titel ich vergessen habe, rausgefischt. Wegen dem Cover. Auf dem Foto waren Kronzprinzessin Viktoria und Waity nebeneinandermontiert. Viktoria strahlend, wegen Baby, Waity griesgrämig wegen kein Baby. Dazu passende Überschrift. Waity ist lt. der Klatschpostille neidisch auf Vicky, weil sie noch keine Schwangerschaftsmeldung abliefern kann. So ’ne Scheisse! Das sind eben so die Probleme der Royals. Nun muss ich ehrlich zugeben, dass mich die geglückte Schwangerschaft von Viktoria mehr freut, als die geplante von Miss Climberton. Eine Frage der Sympathie! Viktoria fand ich schon immer liebreizend und gutherzig. So was sieht man einfach.
Beim Heimgehen habe ich dann den die ganze Zeit gesuchten gekritzelten Einkaufszettel in der linken Hosentasche bemerkt und geguckt, was draufsteht. Ich war gerade vorbei an Rossmann, als ich lese „Tee“. Nochmal zurück, zum Tee-Regal eine Packung schwarzen Tee geholt, wieder zur selben Kasse. Ich sage zur Verkäuferin, eine meiner Lieblingsverkäuferinnen, u. a. wegen der hammermäßigen Frisur: „jetzt bin ich nochmal da! Ich hab was vergessen. Tee! Na ja, da denkt man auch nicht so automatisch dran, bei der Hitze!“ Sie hat dann irgendwas gesagt von wegen, dass sie sich schon den ganzen Tag einen Kaffee nach dem anderen reinzieht, wegen Kreislauf.
Sie sieht absolut spektakulär aus. Ungefähr Anfang Zwanzig, so ein ganz dunkler Typ, vom Gesicht her vermutlich türkische Vorfahren. Dunkel blitzende Augen, so ungefähr wie die eine Viva-Moderatorin, die aber mehr so indisch aussieht und den einen geheiratet hat, der immer so Klamauk macht. Auf jeden Fall die Frisur von meiner Rossmann-Verkäuferin ist so: rattenscharf fast ausrasierte Seiten, oben ein schwarzer Schopf, aber kein richtiger Iro, aber schon so ein bißchen nach oben stehend und die geschorenen Seiten sind wasserstoffblond aufgehellt. Die Grenze zwischen dem schwarzen Schopf am oberen Kopf und dem ausrasierten ist ganz exakt ausgezirkelt und in der Mitte von der blonden Partie ist auf einer Seite ein schwarzer fünfzackiger Stern gefärbt, ganz exakt, ungefähr sieben Zentimeter Durchmesser. Das sieht total beeindruckend aus! Sie hat die Frisur schon ziemlich lange. Ich freue mich jedesmal, wenn ich sie sehe. Sieht ganz schön frech aus. Und sie ist sehr freundlich. Dann bin ich heim!
Blogeintrag fertig!

26. August 2011

Vorhin im Aspirin-Geschäft. „Guten Tag! Ich hätte gerne das normale ASS, zum Schlucken.“ Apotheker: „Sie meinen also das Schmerzmittel…?“ ich: „Na, wenn man halt mal was hat, das ganz einfache gegen Kopfweh!“ Apotheker: „Sie wissen aber schon, dass Sie mit Schmerzmitteln aufpassen müssen?“ ich: „ja, ja, nehme ich auch ganz selten, keine Sorge. Soll ich Ihnen mal sagen, was in meiner Hausapotheke ist?“ Apotheker: „ja!“ ich: „Pflaster und Aspirin. Sonst nix. Das ist nicht viel oder?“ Apotheker. „Nein, das ist wirklich nicht viel“. „Tschüs!“ „Schönen Tag noch!“ Ich wollte ihm jetzt nicht auf die Nase binden, dass ich das Zeug an gewissen Tagen einwerfe, gegen frauenspezifische Eruptionen im Unterbauch. Seit ich aufgehört habe zu saufen, brauche ich das Wundermittelchen zum Glück nur noch dann.
Es ist richtig satt heiß heute. Als ich gerade nach Hause kam, war das T-Shirt richtig klebrig und ich bin nicht der Typ, der großartig transpiriert. Gleich im Waschbecken ausgewaschen. Ich hab schon eine Waschmaschine aber mir war so. Bis auf Sonnenbaden und Klugscheißen und ein bißchen Einkaufen heute nicht viel gemacht. Muss ich mir auch mal erlauben. Ich bin ein bißchen zu streng mit mir, denke ich manchmal.
Bei Rossmann war ich vorhin zweimal. Zuerst für Shampoo, Duschgel und ein „Wimpern- und Augenbrauenfärbeset“ in Braun. Hab ich noch nie probiert, also in Braun. Mache ich auch recht selten, mehr so nach Lust und Laune. Dachte ich so: komisch, wieso habe ich keinen Drang mir Haarfarbe zu kaufen. Man sieht eindeutig die silbernen Strähnen am Haaransatz zwischen dem Braun. Am Wimpernfärbeset-Regal war so ein kleiner Spiegel in Augenhöhe, da hab ich schnell mal reingeguckt, um den Stand der Dinge am Haaransatz zu checken. Das Braune war überwiegend, die silbergrauen Streifen mehr so wie hier und da mal ein bißchen Lametta. Kann man auch mal tragen. Überfärben geht immer. Ist doch wurscht! Ich will ja keine dreißigjährigen Jungs aufreißen. Andere im Moment eigentlich auch nicht. Für mich bin ich attraktiv genug, basta!
Anschließend war ich bei Edeka am Hackeschen Markt und hab ein paar Sachen geholt, die mir gefehlt haben. Bißchen Saft, mein Müsli 107 und Tomaten und Joghurt und Babykarotten. An der Kasse waren zwei lange Schlangen, ich hab mich eingereiht in der Schlange links, wo man vor dem riesigen Zeitschriftenregal steht und hab mir eine Klatschzeitung, deren Titel ich vergessen habe, rausgefischt. Wegen dem Cover. Auf dem Foto waren Kronzprinzessin Viktoria und Waity nebeneinandermontiert. Viktoria strahlend, wegen Baby, Waity griesgrämig wegen kein Baby. Dazu passende Überschrift. Waity ist lt. der Klatschpostille neidisch auf Vicky, weil sie noch keine Schwangerschaftsmeldung abliefern kann. So ’ne Scheisse! Das sind eben so die Probleme der Royals. Nun muss ich ehrlich zugeben, dass mich die geglückte Schwangerschaft von Viktoria mehr freut, als die geplante von Miss Climberton. Eine Frage der Sympathie! Viktoria fand ich schon immer liebreizend und gutherzig. So was sieht man einfach.
Beim Heimgehen habe ich dann den die ganze Zeit gesuchten gekritzelten Einkaufszettel in der linken Hosentasche bemerkt und geguckt, was draufsteht. Ich war gerade vorbei an Rossmann, als ich lese „Tee“. Nochmal zurück, zum Tee-Regal eine Packung schwarzen Tee geholt, wieder zur selben Kasse. Ich sage zur Verkäuferin, eine meiner Lieblingsverkäuferinnen, u. a. wegen der hammermäßigen Frisur: „jetzt bin ich nochmal da! Ich hab was vergessen. Tee! Na ja, da denkt man auch nicht so automatisch dran, bei der Hitze!“ Sie hat dann irgendwas gesagt von wegen, dass sie sich schon den ganzen Tag einen Kaffee nach dem anderen reinzieht, wegen Kreislauf.
Sie sieht absolut spektakulär aus. Ungefähr Anfang Zwanzig, so ein ganz dunkler Typ, vom Gesicht her vermutlich türkische Vorfahren. Dunkel blitzende Augen, so ungefähr wie die eine Viva-Moderatorin, die aber mehr so indisch aussieht und den einen geheiratet hat, der immer so Klamauk macht. Auf jeden Fall die Frisur von meiner Rossmann-Verkäuferin ist so: rattenscharf fast ausrasierte Seiten, oben ein schwarzer Schopf, aber kein richtiger Iro, aber schon so ein bißchen nach oben stehend und die geschorenen Seiten sind wasserstoffblond aufgehellt. Die Grenze zwischen dem schwarzen Schopf am oberen Kopf und dem ausrasierten ist ganz exakt ausgezirkelt und in der Mitte von der blonden Partie ist auf einer Seite ein schwarzer fünfzackiger Stern gefärbt, ganz exakt, ungefähr sieben Zentimeter Durchmesser. Das sieht total beeindruckend aus! Sie hat die Frisur schon ziemlich lange. Ich freue mich jedesmal, wenn ich sie sehe. Sieht ganz schön frech aus. Und sie ist sehr freundlich. Dann bin ich heim!
Blogeintrag fertig!

26. August 2011


Erstaunlicherweise geht mir dieser Song von Herrn Urlaub trotz des verhandelten, derzeit von mir weiträumig gemiedenen Themas überhaupt nicht auf die Nerven, wie ich soeben untätig auf dem Balkon herumliegend, überrascht feststellen konnte!

23. August 2011

Loriot
So sehr geliebt. Gerade gelesen… den ganzen Tag keine Nachrichten mitgekriegt, so viel zu tun gehabt. Sehr, sehr, sehr geliebt. Wie jeder. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemals irgendwer begegnet wäre, der zu Loriot und seinen wunderbaren Sachen „na ja“ gesagt hätte. Alle haben ihn geliebt. Alle, alle, alle! Der lustigste, intelligenteste Mensch seit christlicher Zeitrechnung und wahrscheinlich noch davor! Niemals mehr wird ihm jemand das Wasser reichen! Jaul. Mann, ich habe ihn wirklich verehrt. Wie alle eben. Aber sicher ist er jetzt auf einer schönen Reise. Und bestimmt ist er ganz friedlich gestorben. Das hat er auch verdient.
Oh Mann! Ich hatte ja damals gehofft, er würde sich für den Bundespräsidentenposten hergeben. Aber er hatte natürlich recht, dass er den langweiligen Job nicht gemacht hat. Selbstverständlich gehört Loriot zu den unsterblichen Seelen, die uns für immer lebhaft begleiten werden. Mich auf jeden Fall.
Loriot hat einen ganz riesigen Sonderplatz in meinem Herzen. Giga! Giga-Gaga-Sonderplatz.

23. August 2011

Was mich echt fertig macht, ist dass ich die Prominenten in der Gala nicht mehr kenne. „Kimberly Stewart hat am Sonntag ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Der Vater des Kindes ist Hollywoodstar Benicio del Toro“ „Kimberly Stewart“? Nie gehört. Muss man die kennen? Hat die in irgendeinem wichtigen Film mitgespielt oder irgendetwas geleistet, was man anhand ihrer durchschnittlichen Ausstrahlung auf dem Foto nicht für möglich halten mag? Oder ist das eine Ur-Enkelin vom guten alten James Stewart? Und es gibt jetzt also einen „Hollywoodstar“ namens Benicio del Toro, hört hört! Da habe ich ja mächtig was verpasst. So macht Prominentenklatsch keinen Spaß! Verdammt, früher konnte ich mitreden. Früher ging es um Leute meiner Generation! Ich sehe ja ein, dass sich nicht immer alles um Brad Pitt und Angelina Jolie drehen kann, aber selbst die sind mir eigentlich als gestandene Prominente noch zu jung. Früher, da gab es richtige Prominente! Alle Namen kannte ich! Keiner konnte mir etwas vormachen. Und heute? Ich fühle mich ein bißchen alt, wenn ich von diesen fremden Leuten lese. Und das passiert mir sonst nie! Muss schon wieder schlafen gehen. Mist, schon wieder nach Mitternacht. Gottverdammter Schönheitsschlaf!
P.S.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Das kleine Fl Die blonde junge Dame ist also im Hauptberuf die Tochter von Rod Stewart. Hurra! Jemand, den ich kenne! „Sailing“! „Do ya think I’m sexy?“!!!
Geht doch!

23. August 2011

Loriot
So sehr geliebt. Gerade gelesen… den ganzen Tag keine Nachrichten mitgekriegt, so viel zu tun gehabt. Sehr, sehr, sehr geliebt. Wie jeder. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemals irgendwer begegnet wäre, der zu Loriot und seinen wunderbaren Sachen „na ja“ gesagt hätte. Alle haben ihn geliebt. Alle, alle, alle! Der lustigste, intelligenteste Mensch seit christlicher Zeitrechnung und wahrscheinlich noch davor! Niemals mehr wird ihm jemand das Wasser reichen! Jaul. Mann, ich habe ihn wirklich verehrt. Wie alle eben. Aber sicher ist er jetzt auf einer schönen Reise. Und bestimmt ist er ganz friedlich gestorben. Das hat er auch verdient.
Oh Mann! Ich hatte ja damals gehofft, er würde sich für den Bundespräsidentenposten hergeben. Aber er hatte natürlich recht, dass er den langweiligen Job nicht gemacht hat. Selbstverständlich gehört Loriot zu den unsterblichen Seelen, die uns für immer lebhaft begleiten werden. Mich auf jeden Fall.
Loriot hat einen ganz riesigen Sonderplatz in meinem Herzen. Giga! Giga-Gaga-Sonderplatz.

23. August 2011

Was mich echt fertig macht, ist dass ich die Prominenten in der Gala nicht mehr kenne. „Kimberly Stewart hat am Sonntag ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Der Vater des Kindes ist Hollywoodstar Benicio del Toro“ „Kimberly Stewart“? Nie gehört. Muss man die kennen? Hat die in irgendeinem wichtigen Film mitgespielt oder irgendetwas geleistet, was man anhand ihrer durchschnittlichen Ausstrahlung auf dem Foto nicht für möglich halten mag? Oder ist das eine Ur-Enkelin vom guten alten James Stewart? Und es gibt jetzt also einen „Hollywoodstar“ namens Benicio del Toro, hört hört! Da habe ich ja mächtig was verpasst. So macht Prominentenklatsch keinen Spaß! Verdammt, früher konnte ich mitreden. Früher ging es um Leute meiner Generation! Ich sehe ja ein, dass sich nicht immer alles um Brad Pitt und Angelina Jolie drehen kann, aber selbst die sind mir eigentlich als gestandene Prominente noch zu jung. Früher, da gab es richtige Prominente! Alle Namen kannte ich! Keiner konnte mir etwas vormachen. Und heute? Ich fühle mich ein bißchen alt, wenn ich von diesen fremden Leuten lese. Und das passiert mir sonst nie! Muss schon wieder schlafen gehen. Mist, schon wieder nach Mitternacht. Gottverdammter Schönheitsschlaf!
P.S.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Das kleine Fl Die blonde junge Dame ist also im Hauptberuf die Tochter von Rod Stewart. Hurra! Jemand, den ich kenne! „Sailing“! „Do ya think I’m sexy?“!!!
Geht doch!

21. August 2011

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Ich nehme an, über die Jahre stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit mit meinem Balkon ein. Dem Badetuch mit dem Vogel drauf. Dem Fensterwinkel und der abgelegten Sonnenbrille an aufgeklapptem Lesebuch. Wieder so ein Balkontag im Süden. Meiner Wohnung.

Ach – das ist vielleicht der Moment um zu erzählen, wieso ich gerade keine riesengroße Lust auf Sommer in einer Ferienwohnung habe, also zu verreisen. Kommt wahrscheinlich wieder, aber wenn ich an die Gegebenheiten in meiner Hütte auf Föhr denke, die ich gemietet hatte, kommt mir die Hütte hier in Mitte vor wie ein Luxus-Resort. Ich gehöre ja zu den Menschen, die bei der Wahl zwischen einer sehr schlichten Ferienwohnung mit Küche und Bad und einem sehr luxuriösen Hotelzimmer die Wohnung nehmen. Ich würde sogar im Zweifel mehr dafür bezahlen. Grandiose Hotelzimmer gibt es, aber ich ertrage es nicht, von dem meistens sehr charmanten Personal behelligt zu werden. Klopfen an der Tür, wegen was weiß ich. Das kommt auch mal vor, obwohl man ‚bitte nicht stören‘ als Dauerzustand an die Klinke gehängt hat. Dass jemand durch einen Raum geht, den ich für ein paar Tage bewohne ist mir schon ungenehm. Nicht zuletzt, weil ich bislang in jedem Hotelzimmer und jeder Wohnung zuerst umräume. Überflüssige Möbel auf den kleinen Zimmerflur stelle, Bilder abhänge. Bis es mir geräumig und ideal erscheint. Dann werden nach und nach meine kleinen Reisesouvenirs in der Zimmerflucht verteilt. Teilweise sehr persönliche Sachen. Ich habe immer ein, zwei bunte Tücher in warmen Farben dabei, um sie über die meistens zu grellen Nachttischlampen zu werfen. Das Deckenlicht benutze ich überhaupt nicht.
Zimmermädchen haben leider häufig die Angewohnheit, Stühle und so weiter nach dem Bettenbeziehen und Staubsaugen wieder vorschriftsmäßig anders hinzustellen. Ich komme zurück in das Zimmer, sehe das frischgemachte Bett, die vernichteten Spuren meiner eigenen Innenarchitektur und leide. Ich brauche kein täglich oder alle zwei Tage frisch bezogenes Bett. Das mache ich zuhause ja auch nicht, alle zwei Tage das Bett frisch beziehen. Wie im Krankenhaus. Die reinste Hysterie. Diese ganzen Putzrituale tragen jedenfalls nicht zu meinem Wohlbefinden bei. Ich putze zum Beispiel automatisch nach dem Duschen die gröbsten Pfützen, falls welche vorhanden sein sollten, oder was es an menschlichen Spuren so gibt, gerne eigenhändig weg.
In dem letzten Hotel, das ich bewohnte, weil es keine Ferienwohnung zu mieten gab, habe ich irgendwann nur noch den Papierkorb demonstrativ vor die Hotelzimmertür mit dem festgetackerten Schild „bitte nicht stören“ gestellt. Der darf gerne alle zwei Tage geleert werden. Das führte dazu, dass die Zimmermädchen lauerten, wann ich zum Frühstücken ging und dann einfielen zum Saubermachen. Und dann bin ich ja auch so eine Vorhänge-beiseite-Schieberin und -Drapiererin. Nach meinem Aufenthalt haben die Vorhänge dann diverse Falten wo sie nicht hingehören. Aber was soll’s. Müssen die Vorhänge eben auch mal in die Wäsche und die Plättmaschine.
Auf jeden Fall hatte ich vor fünf Jahren auf Föhr eine Ferienwohnung gemietet, die in einem reetgedeckten, sehr schönen Haus lag. Aber ich hatte nicht das ganze große Reetdachhaus, nur eine kleine Wohnung im Erdgeschoss mit Terrasse und kleiner Wiese. Leider ahnte ich nicht, dass die Besitzer, obwohl sie im Nachbardorf in einem anderen Haus wohnten, nicht nur zu Beginn und Ende des Aufenthalts der Feriengäste in Erscheinung treten würden, sondern täglich. Und zwar auf eine sehr subtile Art und Weise.
Nun war mein kleines Terrassen- und Rasenstückchen der Ferienwohnung leider derart durch Nachbarn und für Spaziergänger der angrenzenden Feldwege einsehbar, dass ich traurig zur Kenntnis nahm, dass ich unter diesen Umständen wohl kaum draußen frühstücken oder Abendessen würde, derart auf dem Präsentierteller. Auf der Terrasse standen einfache Gartenmöbel aus weißem Kunststoff. Keine Aufwertung für den Blick aus der Terrassentür. Ein großer runder weißer Plastiktisch, zwei oder vier von diesen billigen weißen Einheitsstühlen, wo mir jetzt gerade der Fachausdruck (Uniblock oder so ähnlich) nicht einfällt. Und ein weißer Plastikliegestuhl mit Rollen. Wie im Sanatorium. Auch noch auf meiner Blickachse aus dem Wohnzimmer befand sich so ein Ding mit aufgerolltem Gartenschlauch.
Ich habe somit das Naheliegende getan und den Tisch und die Stühle ganz nach rechts an die Mauer und die Liege und den Gartenschlauch ganz nach links geschoben, mit dem Ergebnis, dass ich als Ausblick nun nurmehr die schlichte unmöblierte Terrasse, dahinter den Rasen, den kleinen Zaun und dahinter die Felder sah. Das Frühstücken und alles andere habe ich komplett in die Wohnung verlegt, auf das große Bett, auf das am Vormittag ein Sonnenfleck schien. Dabei liebe ich es viel mehr draußen noch halb in Unterwäsche in der Sonne zu sitzen, mit dem ersten Kaffee, herumzutrödeln und mich langsam ausflugsfertig zu machen. Umso mehr war ich interessiert, so schnell wie möglich aus der sonst ziemlich schattigen Wohnung ins Freie zu kommen, an den Strand oder mit dem Fahrrad irgendwo hin.
Als ich vom ersten Tag am Strand am Abend zurückkomme, wundere ich mich, dass der weiße Liegestuhl wieder genau in der Mitte der Terrasse prangt, der Gartenschlauchhalter befindet sich ebenfalls wieder zentral auf meiner Sichtachse und auch der Tisch wurde wieder mittig gerückt und die Stühle ringsherum drapiert. In diesem Moment wusste ich, dass ich diese Unterkunft niemals mehr in Betracht ziehen würde und auch keinem Menschen weiterempfehlen. Die folgenden Tage wiederholte sich das Spielchen, ich stellte vormittags die Sachen wieder zur Seite, kam am Abend vom Ausflug zurück und fand die Gartenmöbel wieder wie bei meiner Ankunft vor.
An einem Regentag blieb ich fast den ganzen Tag in der Wohnung und hörte irgendwann die Stimmen des Ehepaars vom Garten her. Vielleicht hatte ich geräuschvoll ein Fenster geöffnet um meine Anwesenheit zu demonstrieren oder sie hörten durch das gekippte Fenster, dass ich Musik anhatte und demzufolge da war. Sie ließen sich jedenfalls nicht blicken und es wurde auch nichts umgeräumt. An einem anderen Tag traf ich sie im Treppenhaus, sie grüßten mich mit aufgesetztem Gastgeberlächeln und unterschwelligem Misstrauen in den Augen.
Irgendwann bemerkte ich, dass sie in der Ferienwohnung waren, weil der Tisch und der Stuhl anders standen. Die von mir unverzüglich nach Ankunft im Küchenbuffet verstauten, mit Seidenblumen in Bleu und Rosé bekränzten Porzellan-Kerzenhalter prangten aufs Neue auf dem von mir ebenfalls vorübergehend entsorgten bestickten Deckchen auf der Mitte des bäuerlich gedrechselten Holztisches. Der Mülleimer ward geleert und eine neue Klorolle und neue Handtücher lagen im Bad. Gegen frisches Klopapier und frische Handtücher lässt sich ja nun wenig sagen, aber die Art und Weise des Transfers war halt leider nicht nach meinem Geschmack. Gegen diese Ferienwohnung ist meine Wohnung hier der reinste Urlaub und: kostet nicht extra. Ich kann in der Sonne frühstücken, und zwar wie Gott mich schuf. Keiner stellt weiße Plastikmöbel auf meinen Balkon, sagenhafter Erholungsfaktor.
Allerdings hatte ich auch schon recht schöne Ferienwohnungen mit lauschigem, uneinsehbaren Plätzchen an der Sonne zum Frühstücken. Auf Hiddensee und Santorin, Favignana und Spetsai. Und bestimmt auch noch woanders. Aber das hier ist aus den oben dargelegten Gründen mein unschlagbares Lieblings-Resort.

21. August 2011


Das muss ich kurz festhalten. Ich war gerade auf dem Balkon und habe einen Blick runter auf den Spielplatz mit der kleinen Anlage für die Skater geworfen. Da war gerade ein ungefähr fünfzehn- oder sechzehnjähriger Junge dabei, die kleine Bahn mit einem Besen zu kehren. Sehr gewissenhaft. Ich sehe das nicht zum ersten mal. Der Besen muss da unten irgendwo in einer Ecke parat liegen. Es sind ja die identischen Bewegungsabläufe und die selbe Zielsetzung, wenn aus Gründen der Sauberkeit, um der Ordentlichkeit willen gekehrt wird. Ich kann mir ganz schwer vorstellen, dass der Junge dafür zu begeistern wäre, einen Hinterhof auszukehren, der keine Qualitäten zum Skaten aufweist. Die Hingabe ist auch so interessant. Etwas, das er gerne gemacht hat, weil er eben wusste wofür! Für sich und seinen kleinen Bruder, der auch noch da unten herumgesprungen ist. Damit das Skateboard besser flutscht. Kann man mal sehen, wenn man motiviert ist, für die Sache brennt, ist jede Arbeit schön oder kein Problem.
Das ärgert mich heute noch, dass in der Schule nie vermittelt wurde, welchen praktischen, persönlichen, ganz privaten Nutzen man aus dem jeweiligen angedienten Lehrstoff für sich ziehen könnte. Zum Beispiel Geschichte. Was macht Macht aus. Wie erlangt man die Weltherrschaft? Ist Krieg praktikabel oder eher nicht? Bringt es das überhaupt? Oder ist überdimensionaler Herrschaftsanspruch Ausdruck einer Psychose? Warum haben alte, dicke Männer psychotische Führungsansprüche? Worauf muss ich achten, wenn ich solche Leute in die Schranken weisen will? Das geht in die praktische Psychologie. Nur ein Beispiel.
Oder Chemie: welche Stoffe sind explosiv oder hochgiftig, was muss ich beim Bau einer Bombe beachten? Wo erhalte ich die Zutaten, wenn ich Schnaps brennen oder mir meine Hautcreme selber machen will? Welche Konservierungsmethoden gibt es, damit meine selbergerührten Sachen lange halten?
Oder Biologie: welche tollen Blumen, Früchte und Tiere kann ich daheim selber züchten, wie geht das, was muss ich beachten?
Oder Erdkunde. Bodenschätze Brasilien, Flora und Fauna, alles schön und gut, aber welche Naturschönheiten kann ich, wenn ich mal groß bin, in Naturreservaten persönlich aus nächster Nähe anschauen und wie sind die Landessitten und die Unterkunftsmöglichkeiten? Muss ich ein Zelt mitnehmen? So Sachen halt!
Deswegen war ich wahrscheinlich auch in Deutsch und Kunsterziehung immer so gut, weil ich einen persönliche, praktische Bereicherung aus der Beschäftigung damit gezogen habe. Gelesen habe ich freiwillig als Kind und gemalt auch. Buchstaben schreiben hat mir auch gut gefallen. Das hat mir sogar so gut gefallen, dass ich die Unterschrift von Napoleon und König Ludwig und anderen Weltherrschern aus dem Brockhaus abgepaust habe. Ich konnte die dann auch freihändig.
Rechnen habe ich schon begriffen, war aber langweilig. Ich konnte immerhin noch sehen, dass es schon nicht schlecht ist, wenn ich mein Taschengeld zählen kann oder beim Bezahlen das passende Geld heraussuchen. Rechnen ist immer noch nicht mein Hobby. Algebra dagegen war ein größeres Problem. War mir zu abstrakt. Geometrie hatte ich am Liebsten. Räumliches Denken fand ich pippileicht. Heute finde ich physikalische Gesetze zauberhaft, aber das Zauberhafte hat mir in meiner Schulzeit niemand näher gebracht. Das war mir alles zu mechanisch und pragmatisch. Dabei ist das ganze Universum ein physikalisches Wunder. Muss mal meinen Kaffee trinken.

21. August 2011


Bin auf einmal so furchtbar müde. Dabei ist es erst nach Sieben. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, die böse Stiefmutter aus dem Märchen hat mir einen vergifteten Apfel gegeben. Ein Glück, dass ich keine sozialen Kontakte mehr habe, so gehe ich völlig auf Nummer Sicher und muss mir keine unnötigen Sorgen machen, dass womöglich eine böse Verschwörung gegen mich im Gange ist! Musik vermag mich auch nicht aufzurütteln. Ich habe alle Sorten durchprobiert. Der Espresso gerade hat auch nicht gewirkt. Ich könnte mich ein Stündchen hinlegen, aber riskiere ich dann nicht fehlende Bettschwere zur Schlafenszeit um Mitternacht? Mein Leben stellt wieder einmal sehr komplizierte Anforderungen an mich, denen ich mich kaum gewachsen sehe. Ich denke, ich riskiere ein kurzes Nickerchen.

21. August 2011


Bin auf einmal so furchtbar müde. Dabei ist es erst nach Sieben. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, die böse Stiefmutter aus dem Märchen hat mir einen vergifteten Apfel gegeben. Ein Glück, dass ich keine sozialen Kontakte mehr habe, so gehe ich völlig auf Nummer Sicher und muss mir keine unnötigen Sorgen machen, dass womöglich eine böse Verschwörung gegen mich im Gange ist! Musik vermag mich auch nicht aufzurütteln. Ich habe alle Sorten durchprobiert. Der Espresso gerade hat auch nicht gewirkt. Ich könnte mich ein Stündchen hinlegen, aber riskiere ich dann nicht fehlende Bettschwere zur Schlafenszeit um Mitternacht? Mein Leben stellt wieder einmal sehr komplizierte Anforderungen an mich, denen ich mich kaum gewachsen sehe. Ich denke, ich riskiere ein kurzes Nickerchen.

21. August 2011


Das muss ich kurz festhalten. Ich war gerade auf dem Balkon und habe einen Blick runter auf den Spielplatz mit der kleinen Anlage für die Skater geworfen. Da war gerade ein ungefähr fünfzehn- oder sechzehnjähriger Junge dabei, die kleine Bahn mit einem Besen zu kehren. Sehr gewissenhaft. Ich sehe das nicht zum ersten mal. Der Besen muss da unten irgendwo in einer Ecke parat liegen. Es sind ja die identischen Bewegungsabläufe und die selbe Zielsetzung, wenn aus Gründen der Sauberkeit, um der Ordentlichkeit willen gekehrt wird. Ich kann mir ganz schwer vorstellen, dass der Junge dafür zu begeistern wäre, einen Hinterhof auszukehren, der keine Qualitäten zum Skaten aufweist. Die Hingabe ist auch so interessant. Etwas, das er gerne gemacht hat, weil er eben wusste wofür! Für sich und seinen kleinen Bruder, der auch noch da unten herumgesprungen ist. Damit das Skateboard besser flutscht. Kann man mal sehen, wenn man motiviert ist, für die Sache brennt, ist jede Arbeit schön oder kein Problem.
Das ärgert mich heute noch, dass in der Schule nie vermittelt wurde, welchen praktischen, persönlichen, ganz privaten Nutzen man aus dem jeweiligen angedienten Lehrstoff für sich ziehen könnte. Zum Beispiel Geschichte. Was macht Macht aus. Wie erlangt man die Weltherrschaft? Ist Krieg praktikabel oder eher nicht? Bringt es das überhaupt? Oder ist überdimensionaler Herrschaftsanspruch Ausdruck einer Psychose? Warum haben alte, dicke Männer psychotische Führungsansprüche? Worauf muss ich achten, wenn ich solche Leute in die Schranken weisen will? Das geht in die praktische Psychologie. Nur ein Beispiel.
Oder Chemie: welche Stoffe sind explosiv oder hochgiftig, was muss ich beim Bau einer Bombe beachten? Wo erhalte ich die Zutaten, wenn ich Schnaps brennen oder mir meine Hautcreme selber machen will? Welche Konservierungsmethoden gibt es, damit meine selbergerührten Sachen lange halten?
Oder Biologie: welche tollen Blumen, Früchte und Tiere kann ich daheim selber züchten, wie geht das, was muss ich beachten?
Oder Erdkunde. Bodenschätze Brasilien, Flora und Fauna, alles schön und gut, aber welche Naturschönheiten kann ich, wenn ich mal groß bin, in Naturreservaten persönlich aus nächster Nähe anschauen und wie sind die Landessitten und die Unterkunftsmöglichkeiten? Muss ich ein Zelt mitnehmen? So Sachen halt!
Deswegen war ich wahrscheinlich auch in Deutsch und Kunsterziehung immer so gut, weil ich einen persönliche, praktische Bereicherung aus der Beschäftigung damit gezogen habe. Gelesen habe ich freiwillig als Kind und gemalt auch. Buchstaben schreiben hat mir auch gut gefallen. Das hat mir sogar so gut gefallen, dass ich die Unterschrift von Napoleon und König Ludwig und anderen Weltherrschern aus dem Brockhaus abgepaust habe. Ich konnte die dann auch freihändig.
Rechnen habe ich schon begriffen, war aber langweilig. Ich konnte immerhin noch sehen, dass es schon nicht schlecht ist, wenn ich mein Taschengeld zählen kann oder beim Bezahlen das passende Geld heraussuchen. Rechnen ist immer noch nicht mein Hobby. Algebra dagegen war ein größeres Problem. War mir zu abstrakt. Geometrie hatte ich am Liebsten. Räumliches Denken fand ich pippileicht. Heute finde ich physikalische Gesetze zauberhaft, aber das Zauberhafte hat mir in meiner Schulzeit niemand näher gebracht. Das war mir alles zu mechanisch und pragmatisch. Dabei ist das ganze Universum ein physikalisches Wunder. Muss mal meinen Kaffee trinken.

21. August 2011

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Ich nehme an, über die Jahre stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit mit meinem Balkon ein. Dem Badetuch mit dem Vogel drauf. Dem Fensterwinkel und der abgelegten Sonnenbrille an aufgeklapptem Lesebuch. Wieder so ein Balkontag im Süden. Meiner Wohnung.

Ach – das ist vielleicht der Moment um zu erzählen, wieso ich gerade keine riesengroße Lust auf Sommer in einer Ferienwohnung habe, also zu verreisen. Kommt wahrscheinlich wieder, aber wenn ich an die Gegebenheiten in meiner Hütte auf Föhr denke, die ich gemietet hatte, kommt mir die Hütte hier in Mitte vor wie ein Luxus-Resort. Ich gehöre ja zu den Menschen, die bei der Wahl zwischen einer sehr schlichten Ferienwohnung mit Küche und Bad und einem sehr luxuriösen Hotelzimmer die Wohnung nehmen. Ich würde sogar im Zweifel mehr dafür bezahlen. Grandiose Hotelzimmer gibt es, aber ich ertrage es nicht, von dem meistens sehr charmanten Personal behelligt zu werden. Klopfen an der Tür, wegen was weiß ich. Das kommt auch mal vor, obwohl man ‚bitte nicht stören‘ als Dauerzustand an die Klinke gehängt hat. Dass jemand durch einen Raum geht, den ich für ein paar Tage bewohne ist mir schon ungenehm. Nicht zuletzt, weil ich bislang in jedem Hotelzimmer und jeder Wohnung zuerst umräume. Überflüssige Möbel auf den kleinen Zimmerflur stelle, Bilder abhänge. Bis es mir geräumig und ideal erscheint. Dann werden nach und nach meine kleinen Reisesouvenirs in der Zimmerflucht verteilt. Teilweise sehr persönliche Sachen. Ich habe immer ein, zwei bunte Tücher in warmen Farben dabei, um sie über die meistens zu grellen Nachttischlampen zu werfen. Das Deckenlicht benutze ich überhaupt nicht.
Zimmermädchen haben leider häufig die Angewohnheit, Stühle und so weiter nach dem Bettenbeziehen und Staubsaugen wieder vorschriftsmäßig anders hinzustellen. Ich komme zurück in das Zimmer, sehe das frischgemachte Bett, die vernichteten Spuren meiner eigenen Innenarchitektur und leide. Ich brauche kein täglich oder alle zwei Tage frisch bezogenes Bett. Das mache ich zuhause ja auch nicht, alle zwei Tage das Bett frisch beziehen. Wie im Krankenhaus. Die reinste Hysterie. Diese ganzen Putzrituale tragen jedenfalls nicht zu meinem Wohlbefinden bei. Ich putze zum Beispiel automatisch nach dem Duschen die gröbsten Pfützen, falls welche vorhanden sein sollten, oder was es an menschlichen Spuren so gibt, gerne eigenhändig weg.
In dem letzten Hotel, das ich bewohnte, weil es keine Ferienwohnung zu mieten gab, habe ich irgendwann nur noch den Papierkorb demonstrativ vor die Hotelzimmertür mit dem festgetackerten Schild „bitte nicht stören“ gestellt. Der darf gerne alle zwei Tage geleert werden. Das führte dazu, dass die Zimmermädchen lauerten, wann ich zum Frühstücken ging und dann einfielen zum Saubermachen. Und dann bin ich ja auch so eine Vorhänge-beiseite-Schieberin und -Drapiererin. Nach meinem Aufenthalt haben die Vorhänge dann diverse Falten wo sie nicht hingehören. Aber was soll’s. Müssen die Vorhänge eben auch mal in die Wäsche und die Plättmaschine.
Auf jeden Fall hatte ich vor fünf Jahren auf Föhr eine Ferienwohnung gemietet, die in einem reetgedeckten, sehr schönen Haus lag. Aber ich hatte nicht das ganze große Reetdachhaus, nur eine kleine Wohnung im Erdgeschoss mit Terrasse und kleiner Wiese. Leider ahnte ich nicht, dass die Besitzer, obwohl sie im Nachbardorf in einem anderen Haus wohnten, nicht nur zu Beginn und Ende des Aufenthalts der Feriengäste in Erscheinung treten würden, sondern täglich. Und zwar auf eine sehr subtile Art und Weise.
Nun war mein kleines Terrassen- und Rasenstückchen der Ferienwohnung leider derart durch Nachbarn und für Spaziergänger der angrenzenden Feldwege einsehbar, dass ich traurig zur Kenntnis nahm, dass ich unter diesen Umständen wohl kaum draußen frühstücken oder Abendessen würde, derart auf dem Präsentierteller. Auf der Terrasse standen einfache Gartenmöbel aus weißem Kunststoff. Keine Aufwertung für den Blick aus der Terrassentür. Ein großer runder weißer Plastiktisch, zwei oder vier von diesen billigen weißen Einheitsstühlen, wo mir jetzt gerade der Fachausdruck (Uniblock oder so ähnlich) nicht einfällt. Und ein weißer Plastikliegestuhl mit Rollen. Wie im Sanatorium. Auch noch auf meiner Blickachse aus dem Wohnzimmer befand sich so ein Ding mit aufgerolltem Gartenschlauch.
Ich habe somit das Naheliegende getan und den Tisch und die Stühle ganz nach rechts an die Mauer und die Liege und den Gartenschlauch ganz nach links geschoben, mit dem Ergebnis, dass ich als Ausblick nun nurmehr die schlichte unmöblierte Terrasse, dahinter den Rasen, den kleinen Zaun und dahinter die Felder sah. Das Frühstücken und alles andere habe ich komplett in die Wohnung verlegt, auf das große Bett, auf das am Vormittag ein Sonnenfleck schien. Dabei liebe ich es viel mehr draußen noch halb in Unterwäsche in der Sonne zu sitzen, mit dem ersten Kaffee, herumzutrödeln und mich langsam ausflugsfertig zu machen. Umso mehr war ich interessiert, so schnell wie möglich aus der sonst ziemlich schattigen Wohnung ins Freie zu kommen, an den Strand oder mit dem Fahrrad irgendwo hin.
Als ich vom ersten Tag am Strand am Abend zurückkomme, wundere ich mich, dass der weiße Liegestuhl wieder genau in der Mitte der Terrasse prangt, der Gartenschlauchhalter befindet sich ebenfalls wieder zentral auf meiner Sichtachse und auch der Tisch wurde wieder mittig gerückt und die Stühle ringsherum drapiert. In diesem Moment wusste ich, dass ich diese Unterkunft niemals mehr in Betracht ziehen würde und auch keinem Menschen weiterempfehlen. Die folgenden Tage wiederholte sich das Spielchen, ich stellte vormittags die Sachen wieder zur Seite, kam am Abend vom Ausflug zurück und fand die Gartenmöbel wieder wie bei meiner Ankunft vor.
An einem Regentag blieb ich fast den ganzen Tag in der Wohnung und hörte irgendwann die Stimmen des Ehepaars vom Garten her. Vielleicht hatte ich geräuschvoll ein Fenster geöffnet um meine Anwesenheit zu demonstrieren oder sie hörten durch das gekippte Fenster, dass ich Musik anhatte und demzufolge da war. Sie ließen sich jedenfalls nicht blicken und es wurde auch nichts umgeräumt. An einem anderen Tag traf ich sie im Treppenhaus, sie grüßten mich mit aufgesetztem Gastgeberlächeln und unterschwelligem Misstrauen in den Augen.
Irgendwann bemerkte ich, dass sie in der Ferienwohnung waren, weil der Tisch und der Stuhl anders standen. Die von mir unverzüglich nach Ankunft im Küchenbuffet verstauten, mit Seidenblumen in Bleu und Rosé bekränzten Porzellan-Kerzenhalter prangten aufs Neue auf dem von mir ebenfalls vorübergehend entsorgten bestickten Deckchen auf der Mitte des bäuerlich gedrechselten Holztisches. Der Mülleimer ward geleert und eine neue Klorolle und neue Handtücher lagen im Bad. Gegen frisches Klopapier und frische Handtücher lässt sich ja nun wenig sagen, aber die Art und Weise des Transfers war halt leider nicht nach meinem Geschmack. Gegen diese Ferienwohnung ist meine Wohnung hier der reinste Urlaub und: kostet nicht extra. Ich kann in der Sonne frühstücken, und zwar wie Gott mich schuf. Keiner stellt weiße Plastikmöbel auf meinen Balkon, sagenhafter Erholungsfaktor.
Allerdings hatte ich auch schon recht schöne Ferienwohnungen mit lauschigem, uneinsehbaren Plätzchen an der Sonne zum Frühstücken. Auf Hiddensee und Santorin, Favignana und Spetsai. Und bestimmt auch noch woanders. Aber das hier ist aus den oben dargelegten Gründen mein unschlagbares Lieblings-Resort.

20. August 2011


Ich sehe gerade beim Spaziergang durch das Internet aus etwa zwei Meter Entfernung diesen Schatten vom Drachenbaum, nur ohne den Stuhl, in der Mitte eines quadratischen Sonnenfleckens Das ist sehr schön. Viel schöner als auf dem Bild da oben. Eigentlich sollte ich es fotografieren, aber ich bin schlichtweg zu faul von meinem bequemen Platz aufzustehen. Also habe ich das alte Foto da oben in meinem Flickr gesucht und zur Illustration eingeklebt. Wenn der Kaffee alle ist, stehe ich aber auf jeden Fall wieder auf um neuen zu kochen! Die Sonne scheint, die Balkontür steht weit auf, die Kinder quieken und die Glocke der Sophienkirche schlägt. Beinah wie Sonntag.

19. August 2011

Bißchen ernster weiter. Ernstes Zeug gerade gelesen. Will ich gerade gar nicht darauf eingehen. Politisches Ärgernis, nichts Privates, obwohl eine private Analogie für mich ablesbar oder interessant ist. Wird sich wahrscheinlich eh alles in der näheren Zukunft regulieren, steht in den Sternen. Andeutungen, die kein Mensch je versteht. Ist mehr so ein Memo für mich selbst. Bin heute ein bißchen offenbarungsfaul. Mehr so ein Tag für Einatmen.
Zum Beispiel Bilder, die ich vorhin sah, die mir eine Freundin von einer sehr langen Reise durch Neuseeland zeigte. Eine Bemerkung von ihr war interessant. Das Land ist ja extrem schwach besiedelt und die Freude über jeden Menschen, jede Begegnung groß und freudig. Die sich wiederholende Dramaturgie des sehr herzlichen Small talks. Als deutscher Tourist fragt man ja nicht nur, sondern wird auch befragt. Mit Berlin kann die ganze Welt etwas anfangen. So ist immer eine der ersten Bemerkungen „Ah, Berlin – the Wall! What is it like, now after the Wall? Und dann: „Wie ist euer Schulsystem?“ „Und die Sozialversicherung?“ Viele haben mehrere Jobs in Neuseeland, um sich über Wasser zu halten, eine ganz normale Sache, die ohne großes Stöhnen einfach als Status quo gehandelt wird.
Als sie das alles erzählte, fiel mir die erste Frage ein, die mir ein ein Navajo Chief im Reservat an der Grenze von Utah zu Arizona stellte. Eine wüstenhafte Gegend, sehr heiß und trocken. „What about rain? Do you have rain? Is it raining enough in your country?“. Uns ist seine mit großem Ernst gestellte Frage ein Lächeln wert. Das war ein bewegender Moment, im Sinne von da hat sich etwas bewegt, nicht nur im Herz, auch im Hirn. Dann kamen wir irgendwie darauf, dass es in „meiner“ Kultur, wie ja in jeder, auch traditionelle Stammesriten gibt. Zum Beispiel Tänze. Obwohl ich nicht direkt aus einer alpenländischen Region komme, habe ich mir angemaßt, ihm eine Art Schuhplattler vorzuführen, weil mir schlichtweg nichts anderes eingefallen ist. Das hat ihn unheimlich erheitert, ja gefreut. Kann man sich schon mal mit fremden Federn schmücken. Und nach dem Mauerfall hat er sich natürlich auch erkundigt, der alte Indianer.

Ich esse noch eine Kleinigkeit und gehe bald schlafen. Vielleicht Erdbeeren. Gibt jetzt nicht mehr so viele im Supermarkt. Habe mir vorhin aus dreieinhalb Portionen nicht mehr so guter ein passables Körbchen voll zusammengeklaubt. Und ein Gurkenglas fallen lassen. Das ist mir schon zweimal passiert im Leben. Also nicht mit Gurken. Aber immer Sauerei. Ich bin dann brav und suche jemand vom Supermarkt, um den Schaden zu melden. Hinten im Getränkekistenlager war eine Mitarbeiterin. „Ich möchte einen Unfall melden! Ein Gurkenglas ist runtergefallen.“ Sie: „Ah! Ein Unfall!“ Wenige Minuten später kommt sie mit einem Eimer und einem Wischlappen, ich zeige ihr den Unfallort. Sie bedankt sich, stellt keine weiteren Fragen. Das geht dann immer aufs Haus, wenn was kaputt geht, bevor man es bezahlt hat, egal wer Schuld hat. Ich finde das ganz schön großzügig. Hier bei uns in Deutschland, im Schlaraffenland. Good night and good luck.

17. August 2011

Mein Freund, der Heizungsableser hat sich für morgen kurz vor Sieben angekündigt. Ich wollte ihm eine ganz andere Uhrzeit, ja einen anderen Tag für unsere kleine Verabredung vorschlagen, aber er wollte nicht länger warten. Dann lieber früher, „ich kann kurz vor Sieben da sein!“, meinte er kess.
Ursprünglich wollte er zwischen Acht und Elf kommen, aber ich habe bereits eine andere Verabredung, früh um Acht, ausgerechnet! „Um Sieben Uhr fünfzehn muss ich aber los!“ hab ich ihm durch den Telephonhörer gedroht. Stimmt zwar nicht ganz, aber mein kühner Plan, ihm dieses arg frühe Rendezvous durch diese Behauptung zu verleiden, ging leider nicht auf. „Ich schaffe das, Sie können ja schon mal alles freiräumen, dann geht es ganz schnell!“ In Wahrheit will er gar nicht meine Heizung ablesen. Ich weiß das genau. Ich bin doch nicht blöd. In Wahrheit will er nämlich an was ganz anderes ran. Meinen Kaltwasserzähler, den er neulich vergessen hat auszuwechseln!
Muss schlafen gehen, damit ich morgen früh einen passablen Eindruck hinterlasse, wenn ich ihm meine Wohnungstür öffne. Und nicht vergessen: „alles schon mal freiräumen“. Vor zwei Wochen war er schon mal da, wegen Warmwasserzähler austauschen. Dann hat er gemerkt, er hat den Kaltwasserzähler in seiner Werkstatt vergessen und sich so seltsam familiär verabschiedet. „Na, dann! Bis zum nächsten Mal!“ Nun ist es also so weit. Der große Tag des Wiedersehens steht vor der Tür. Unter der Spüle, wo der eine Zähler in der Küche ist, muss ich freiräumen. Staubsauger, die Müllsäcke-Rolle, leere Flaschen für den Container, Glühbirnen, Putzmittel. Was man in einem ordentlichen Haushalt eben so im Spülschränkchen hortet.
Dann noch Zähneputzen und Gesicht waschen und Gute Nacht! Und Wecker stellen nicht vergessen. Wann steht man denn da am Günstigsten auf? Vielleicht sechs Uhr? Na ja. Wird schon klappen.

16. August 2011

„Mahatma Gandhi hat die sieben Todsünden der modernen Welt wie folgt definiert: Reichtum ohne Arbeit. Genuss ohne Gewissen. Wissen ohne Charakter. Geschäft ohne Moral. Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Religion ohne Opferbereitschaft. Politik ohne Prinzipien“ Wikipedia

Dann bin ich ja doch nicht so niederträchtigen Charakters, wie ich hin und wieder insgeheim von mir denke. Denken alle sicher, man meint das komplett kokett. Ob die anderen immer alle gute, züchtige Gedanken schieben, Licht und Liebe-Trallala? Frage ich mich schon. Auf jeden Fall wird meistens Empörung signalisiert, wahrscheinlich wegen der anerzogenen Korrektheit, wenn ich abgründige Phantasien zugebe. Obwohl man in der Situation auch sehr schön den Grad an Humor und Leidenschaft am Gegenüber ablesen kann. Rache- und Mord* (*s. u.) Foltergelüste sind mir nicht fremd (nicht aus Sadismus oder Irrsinn, wohlgemerkt), aber aus rein komplett egoistischen Gründen des Selbstschutzes habe ich keinerlei Lust, da ernsthaft etwas in Auftrag zu geben oder mir womöglich selbst die Finger schmutzig zu machen. Wie man in den Wald usw. usf. Auch aus ästhetischen Gründen. Und womöglich ist an dem Karmakram doch was dran. Im Grunde glaube ich letztlich an eine höhere Gerechtigkeit, die langfristig alles regelt und ausgleicht.
Und dann bin ich ja auch eine Anhängerin von Instant Karma. Bedeutet: Strafe folgt bei Fuß. Mehr oder weniger „instant“. Im selben Leben. Fertig, erledigt! Ich habe es gerne sauber und aufgeräumt, was das Leben ja mal gerne nicht ist. Also muss etwas nachgearbeitet werden. Prinzipiell empfinde ich psychische Einwirkung als tiefere Genugtuung als physische Zerstörung. Letztere ist eher langweilig und auch nicht wirklich zielführend. Selbstverständlich geht es hier ausschließlich um Notwehr. Ich bin zum Beispiel auch gegen die Todesstrafe für perverse Mörder und überhaupt alle. Der Täter soll schon leiden. Gerne lange, dem Dämmern der Selbsterkenntnis ausgeliefert, was bei kurzfristigem tödlichem Ende ja nun nicht gewährleistet ist. Womöglich vorzeitig erlöst ins Paradies. Kommt gar nicht in Frage. Der Zerstörer soll ausgiebig Gelegenheit haben, sich mit seiner verdrehten Psyche und den Auswirkungen seiner Tat vertraut zu machen. Bis er auf die Knie fällt und winselnd Abbitte leistet. Nicht – oder nicht nur vor Gott. Dann kann man gerne weitersehen. Ich hänge zutiefst der Idee von Genugtuung durch wahrhaftige, demütige und vor allem tätige Reue an. Nicht so ein kleines, vernuscheltes Entschuldigungssprüchlein im stillen Kämmerlein. Man ist ja auch kein Unmensch und meistens zur Vergebung bereit. Sofern die Voraussetzungen gegeben sind. Der Preis ist tatsächlich Reue. Vergebung ohne Wiedergutmachungszeichen empfinde ich als unangemessen. Ein unverhältnismäßiger Deal. „Reichtum ohne Arbeit“, wie Ghandi sagt. Ich mag Menschen, die arbeiten. Am Ende des Tunnels ist Licht. Aber vorher nicht.

17. August 2011

Mein Freund, der Heizungsableser hat sich für morgen kurz vor Sieben angekündigt. Ich wollte ihm eine ganz andere Uhrzeit, ja einen anderen Tag für unsere kleine Verabredung vorschlagen, aber er wollte nicht länger warten. Dann lieber früher, „ich kann kurz vor Sieben da sein!“, meinte er kess.
Ursprünglich wollte er zwischen Acht und Elf kommen, aber ich habe bereits eine andere Verabredung, früh um Acht, ausgerechnet! „Um Sieben Uhr fünfzehn muss ich aber los!“ hab ich ihm durch den Telephonhörer gedroht. Stimmt zwar nicht ganz, aber mein kühner Plan, ihm dieses arg frühe Rendezvous durch diese Behauptung zu verleiden, ging leider nicht auf. „Ich schaffe das, Sie können ja schon mal alles freiräumen, dann geht es ganz schnell!“ In Wahrheit will er gar nicht meine Heizung ablesen. Ich weiß das genau. Ich bin doch nicht blöd. In Wahrheit will er nämlich an was ganz anderes ran. Meinen Kaltwasserzähler, den er neulich vergessen hat auszuwechseln!
Muss schlafen gehen, damit ich morgen früh einen passablen Eindruck hinterlasse, wenn ich ihm meine Wohnungstür öffne. Und nicht vergessen: „alles schon mal freiräumen“. Vor zwei Wochen war er schon mal da, wegen Warmwasserzähler austauschen. Dann hat er gemerkt, er hat den Kaltwasserzähler in seiner Werkstatt vergessen und sich so seltsam familiär verabschiedet. „Na, dann! Bis zum nächsten Mal!“ Nun ist es also so weit. Der große Tag des Wiedersehens steht vor der Tür. Unter der Spüle, wo der eine Zähler in der Küche ist, muss ich freiräumen. Staubsauger, die Müllsäcke-Rolle, leere Flaschen für den Container, Glühbirnen, Putzmittel. Was man in einem ordentlichen Haushalt eben so im Spülschränkchen hortet.
Dann noch Zähneputzen und Gesicht waschen und Gute Nacht! Und Wecker stellen nicht vergessen. Wann steht man denn da am Günstigsten auf? Vielleicht sechs Uhr? Na ja. Wird schon klappen.

16. August 2011

„Mahatma Gandhi hat die sieben Todsünden der modernen Welt wie folgt definiert: Reichtum ohne Arbeit. Genuss ohne Gewissen. Wissen ohne Charakter. Geschäft ohne Moral. Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Religion ohne Opferbereitschaft. Politik ohne Prinzipien“ Wikipedia

Dann bin ich ja doch nicht so niederträchtigen Charakters, wie ich hin und wieder insgeheim von mir denke. Denken alle sicher, man meint das komplett kokett. Ob die anderen immer alle gute, züchtige Gedanken schieben, Licht und Liebe-Trallala? Frage ich mich schon. Auf jeden Fall wird meistens Empörung signalisiert, wahrscheinlich wegen der anerzogenen Korrektheit, wenn ich abgründige Phantasien zugebe. Obwohl man in der Situation auch sehr schön den Grad an Humor und Leidenschaft am Gegenüber ablesen kann. Rache- und Mord* (*s. u.) Foltergelüste sind mir nicht fremd (nicht aus Sadismus oder Irrsinn, wohlgemerkt), aber aus rein komplett egoistischen Gründen des Selbstschutzes habe ich keinerlei Lust, da ernsthaft etwas in Auftrag zu geben oder mir womöglich selbst die Finger schmutzig zu machen. Wie man in den Wald usw. usf. Auch aus ästhetischen Gründen. Und womöglich ist an dem Karmakram doch was dran. Im Grunde glaube ich letztlich an eine höhere Gerechtigkeit, die langfristig alles regelt und ausgleicht.
Und dann bin ich ja auch eine Anhängerin von Instant Karma. Bedeutet: Strafe folgt bei Fuß. Mehr oder weniger „instant“. Im selben Leben. Fertig, erledigt! Ich habe es gerne sauber und aufgeräumt, was das Leben ja mal gerne nicht ist. Also muss etwas nachgearbeitet werden. Prinzipiell empfinde ich psychische Einwirkung als tiefere Genugtuung als physische Zerstörung. Letztere ist eher langweilig und auch nicht wirklich zielführend. Selbstverständlich geht es hier ausschließlich um Notwehr. Ich bin zum Beispiel auch gegen die Todesstrafe für perverse Mörder und überhaupt alle. Der Täter soll schon leiden. Gerne lange, dem Dämmern der Selbsterkenntnis ausgeliefert, was bei kurzfristigem tödlichem Ende ja nun nicht gewährleistet ist. Womöglich vorzeitig erlöst ins Paradies. Kommt gar nicht in Frage. Der Zerstörer soll ausgiebig Gelegenheit haben, sich mit seiner verdrehten Psyche und den Auswirkungen seiner Tat vertraut zu machen. Bis er auf die Knie fällt und winselnd Abbitte leistet. Nicht – oder nicht nur vor Gott. Dann kann man gerne weitersehen. Ich hänge zutiefst der Idee von Genugtuung durch wahrhaftige, demütige und vor allem tätige Reue an. Nicht so ein kleines, vernuscheltes Entschuldigungssprüchlein im stillen Kämmerlein. Man ist ja auch kein Unmensch und meistens zur Vergebung bereit. Sofern die Voraussetzungen gegeben sind. Der Preis ist tatsächlich Reue. Vergebung ohne Wiedergutmachungszeichen empfinde ich als unangemessen. Ein unverhältnismäßiger Deal. „Reichtum ohne Arbeit“, wie Ghandi sagt. Ich mag Menschen, die arbeiten. Am Ende des Tunnels ist Licht. Aber vorher nicht.

14. August 2011


Ach so, dass ich es nicht vergesse! Heute zweite Apfelernte eingeholt! Endlich hat sich mein innigster Wunsch erfüllt, dass es gegen Abend regnen soll. Ich weiß, ich weiß, alle verfluchen den Regen, aber ich bin begeistert von der supergrünen Wiese unter meinem Fenster und dass mein Apfelbäumchen ordentlich Wasser kriegt. Aber meistens zur Unzeit, in Sachen Ernte. Es ist nämlich so, dass mir nach der ersten Ernte von acht Äpfeln, die hervorragend geschmeckt haben und ich in meiner grenzenlosen Großzügigkeit sogar zum Teil prahlend („von MEINEM Apfelbaum!“) verschenkt habe, die Äpfel knapp geworden sind und ich hinzukaufen musste. Ungern! Das Problem ist nämlich, dass immer wenn ich Zeit und Lust auf das erneute Einholen der Ernte habe, Liebespärchen auf der Bank unter meinem Baum herumlungern und Intimitäten austauschen. Das nervt! Ich krabble doch nicht vor denen im Gras herum und klaube Äpfel auf. Das ist mir peinlich! Dabei ist es doch mein Apfelbaum. Die Leute haben einfach keinen Respekt! Deswegen wünsche ich mir seit einigen Tagen innig, es möge zur bevorzugten blöde-Liebespärchen-auf-der-Bank-unter-meinem-Apfelbaum-Stunde bitte ordentlich duschen! Und vorhin war es so weit. Juchhuu! Einundzwanzig Stück von der Wiese geholt! Bäumchen schüttel dich, Bäumchen rüttel dich, ist aber noch nicht. Ich hab’s versucht. Die bleiben hängen. Aber ich bin bereit für die nächste Ernte! Von den 21 Äpfelchen aus der Wiese hatte die Hälfte Besuch, also Untermieter. Ich nicht faul, das Gute in Töpfchen, das Schlechte ins Mülleimerchen. Hab die guten Apfelschnitzchen in eine große Schüssel geschnippelt, viel Zimt drüber und Holunderbeersaft und in den Kühlschrank. Und morgen kann ich mich wieder beliebt machen mit Äpfel verschenken. Die Menschen wissen das wirklich zu schätzen. Kann ich nicht anders sagen. Ich überreiche meine kleinen Äpfel mit großer Geste, so flach auf dem Handteller vor die Nase gehalten, als wäre es pures Gold! Ist es ja auch. Der Rolls Royce unter den Äpfeln! Mal gucken, wie mein Zimtholunderapfeltöpfchen jetzt nach ein paar Stunden schmeckt. Mache ich Joghurt drüber. Bestimmt super!

14. August 2011

Gut bin ich! Bis auf 5., 6. und 9. August lückenlos Blogeinträge verfasst. Ich muss mich loben. Wahrscheinlich die Merkur-Konjunktion. Meine Güte, habe ich gestern viele Bilder gemacht. So viele bringen andere aus einem dreiwöchigen Urlaub nach Hause. Aber dafür mache ich das nicht mehr so oft. Hat sich alles ein wenig beruhigt. Man hat ja auch schon so viel gesehen und fotografiert. Manche Motive sind so reizvoll, dass man sogar Lust hat, wissentlich ein Bild noch einmal zu machen, obgleich es schon sehr ähnlich existiert. Diese kleine interessante, reizvolle Abweichung zu sehen. Demzufolge ist es recht unwahrscheinlich, dass ich irgendwann davon abkomme, mich selbst festzuhalten. Da ist ja doch immer Veränderung. In alle Richtungen. Innerlich, äußerlich. Ha! Blogeintrag vom 14. fertig. Zack!

10. August 2011

Meine aufrichtigen Segenswünsche gehen heute an Dave Wyndorf zum zwanzigjährigen Jubiläum des obigen ersten Monster Magnet Musik-Videos, Anno 1991. Ansonsten wäre von meiner Seite nur noch auf den folgenden, substanziell gewichtigen Forums-Diskussions-Beitrag hinzuweisen. Eine existentielle Frage, die wie man sieht, nicht nur mich beschäftigt: kann Gott (oder vielleicht ist die Frage an dieser Stelle besser an Odin gerichtet) es wirklich gewollt haben, ja kann es denn wirklich sein, dass Monster Magnet noch nie in Wacken war? Etwas läuft im Universum gewaltig schief! Hier muss nachgearbeitet werden! Eigentlich wollte ich heute einen – im Rahmen meiner Möglichkeiten – zarter besaiteten Eintrag mit frischen egozentrischen Abbildungen anbieten, aber dann hat mich Isa mit ihrem Wacken-Erlebnisaufsatz an dieses alte, leidige Problem erinnert, das noch nicht aus der Welt geschaffen ist, und ich sehe mich gezwungen, Prioritäen setzen. Dave Wyndorf wird nun auch nicht jünger und hat ordentlich zugelegt. Ich sorge mich ein wenig. Meinethalben kann Doro – wie gehabt – ihre Eröffnungshymne spielen. Sehe ich kein Problem.


Monster Magnet für Wacken!


PUSH

13. August 2011 memoriam


[…] gerade zurück. Bernauer Ecke Ackerstraße. Das Bild da oben ist vom November 2009, ein Stück Mauer, an einem Nachmittag vor der großen Gedenkfeier zu zwanzig Jahren Mauerfall gemacht.
Heute vor fünfzig Jahren ist das Monstrum gebaut worden. War ein schöner Spaziergang über den Friedhof in der Ackerstraße, vorbei am Grab von Walter Kollo, Sonnenblumen an Gräbern, tiefblauer Himmel. die alten Trümmer. Viele Menschen. Vor gut zehn Jahren war ich mal da. Es gab die Stelen noch nicht mit den multimedialen Funktionen. Aus zwei Stelen sagt eine Stimme einer Frau die Namen und das Alter und den Todestag der Toten, die versuchten zu flüchten. Wie immer, wenn es mich dann schon mal packt, habe ich sehr viele Aufnahmen gemacht. Aber die muss ich erst sichten und sortieren. Ich habe dieses Tages vor fünfzig Jahren heute ausgiebig gedacht. Viel Englisch konnte man hören. Amerikanisches Englisch. Im Filmvorführraum der Gedenkstätte gab es einen Film, der kurz nach Mauerfall entstand. Aus einem Hubschrauber wurde Berlin von oben gefilmt, der ganze Mauerverlauf. Das war vorher nicht erlaubt. Im Vorführraum waren vielleicht dreißig Leute. Die meisten waren doch draußen bei der Bühne, von wo auch Raiko Thal berichtet hat. War beinah zufällig, dass ich dort war. Gestern daran gedacht und dann überlegt, es wäre angemessen mal wieder hinzugehen. Das war eine gute Idee.
Kann einem doch nicht egal sein, wenn man hier lebt. Ich habe damals, um den 9. November 1989 herum viel mit älteren Berlinern gesprochen, die sich noch haarklein erinnern konnten. Minutiös. Wie ihre Familie auseinandergerissen wurde. Und man von heute auf morgen die Schwester oder Tante nicht mehr besuchten konnte. Wie man sich schnell entscheiden musste, auf welcher Seite man bleibt und welche Wohnung man zurücklässt. Und wie schwer das fiel. Und dass es nicht jeder übers Herz brachte, sein Zuhause einfach hinter sich zu lassen. Das hat mich alles sehr bewegt. So als ob ich von heute auf morgen nicht mehr nach Charlottenburg fahren könnte. Ich muss mal die Bilder sichten. […]

12. August 2011

OH ELLA. 1971. Vermutlich hat sie da schon Probleme mit ihren Beinen gehabt (gut zwanzig Jahre später wurden ihr beide ab dem Unterschenkel amputiert). Sunny fand ich nie so ein umwerfendes Lied. In meiner Jugend wurde man mit der Coverversion von Boney M. beschallt. Man hat das Lied so hingenommen. Aber von Ella ist es großartig. Er macht das auch wirklich gut. Ich liebe Ella sehr. Im Wikipedia heißt es, das Besondere an ihrem Gesang sei ihre leichte Phrasierung gewesen. Und das stimmt. Federleicht. Auf einer Wolke fliegen die Töne durch den Himmel in die Weiten des Universums. Ja, ich habe als Kind immer Raumschiff Enterprise geschaut. Nein ernsthaft. Sie war wach. Hellwach. Ihr Ausdruck ist ungleich facettenreicher als der von der ewig und drei Tage zugedröhnten Billie Holiday, die zweifelsohne auch eine Reihe schöner Aufnahmen gemacht hat. Zum Beispiel How deep is the Ocean. Das mag ich gerne. Aber wenn man sich in Billie genauer einhört, nimmt man früher oder später den gleichförmigen Ausdruck wahr und begreift, dass Ella eine andere Liga war. Allererste. Sahne.

12. August 2011

OH ELLA. 1971. Vermutlich hat sie da schon Probleme mit ihren Beinen gehabt (gut zwanzig Jahre später wurden ihr beide ab dem Unterschenkel amputiert). Sunny fand ich nie so ein umwerfendes Lied. In meiner Jugend wurde man mit der Coverversion von Boney M. beschallt. Man hat das Lied so hingenommen. Aber von Ella ist es großartig. Er macht das auch wirklich gut. Ich liebe Ella sehr. Im Wikipedia heißt es, das Besondere an ihrem Gesang sei ihre leichte Phrasierung gewesen. Und das stimmt. Federleicht. Auf einer Wolke fliegen die Töne durch den Himmel in die Weiten des Universums. Ja, ich habe als Kind immer Raumschiff Enterprise geschaut. Nein ernsthaft. Sie war wach. Hellwach. Ihr Ausdruck ist ungleich facettenreicher als der von der ewig und drei Tage zugedröhnten Billie Holiday, die zweifelsohne auch eine Reihe schöner Aufnahmen gemacht hat. Zum Beispiel How deep is the Ocean. Das mag ich gerne. Aber wenn man sich in Billie genauer einhört, nimmt man früher oder später den gleichförmigen Ausdruck wahr und begreift, dass Ella eine andere Liga war. Allererste. Sahne.

12. August 2011

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Aufgeräumt. Den kleinen Balkon im Norden. Mich. Ich. Über die nackte Erde ist inzwischen Gras gewachsen. Grünes Fell. Das geht ganz schnell. Sieht man auf den Bildern noch nicht, da habe ich es ja erst gesät. Gerade ganz viele alte Bilderstrecken in eine neue Sammlung gesteckt. Jupiter IV. Zuhause. Bin die letzten Tage nicht zu Mitternacht ins Bett gegangen. Bemerkenswert! Aber ich bin schnell eingeschlafen. Das ist nicht immer der Fall, wenn ich es um Mitternacht probiere, aber immer öfter. Das ist gut. Sehr gut. Wie das Gefühl, morgens beim Aufwachen. Das Kribbeln in den Zellen. Die Zellen sind in den neuen Zustand verliebt. Wie sich das anfühlt… ich bin jeden Morgen verwundert, ich kannte das nicht. Verliebt in den körperlichen Zustand. Die fließende Kraft.

Berauscht von Nüchternheit. Klarheit, Reinheit. Ohne romantische Brille auf der Nase. Das pure physische Dasein. Das klingt alles gar nicht angemessen. Beinah freudlos, dabei ist es das Gegenteil. Eher unbeeinträchtiges Vibrieren. Unbeeinträchtigte Kraft. Vielleicht sieht man, was ich nicht recht in Worte fassen kann. Aber jetzt ins Bett.

11. August 2011

Immer wieder beliebt, diese Aufnahme. Ich nehme an, es liegt neben der Silhouette an der Vielfalt des Interpretationsspielraumes. Man denkt die Linien weiter, die man nicht sieht. Dabei geht man von etwas Schönem, Guten, gerne Gesehenen, vielleicht sogar Idealen aus. Das ist auch richtig so und angemessen, denn das bereits Sichtbare ist es ja dem Anschein nach auch. Die Gedanken setzen die angesungene Melodie fort. Die Logik der Schöpfung. Die Linien haben einen Rhythmus, den man erkennt. So ist es bei allen Geschöpfen. Tiere, Planzen, Männer. Frauen. Geformt durch jene Kraft, die Bewegung möglich macht.

10. August 2011

Meine aufrichtigen Segenswünsche gehen heute an Dave Wyndorf zum zwanzigjährigen Jubiläum des obigen ersten Monster Magnet Musik-Videos, Anno 1991. Ansonsten wäre von meiner Seite nur noch auf den folgenden, substanziell gewichtigen Forums-Diskussions-Beitrag hinzuweisen. Eine existentielle Frage, die wie man sieht, nicht nur mich beschäftigt: kann Gott (oder vielleicht ist die Frage an dieser Stelle besser an Odin gerichtet) es wirklich gewollt haben, ja kann es denn wirklich sein, dass Monster Magnet noch nie in Wacken war? Etwas läuft im Universum gewaltig schief! Hier muss nachgearbeitet werden! Eigentlich wollte ich heute einen – im Rahmen meiner Möglichkeiten – zarter besaiteten Eintrag mit frischen egozentrischen Abbildungen anbieten, aber dann hat mich Isa mit ihrem Wacken-Erlebnisaufsatz an dieses alte, leidige Problem erinnert, das noch nicht aus der Welt geschaffen ist, und ich sehe mich gezwungen, Prioritäen setzen. Dave Wyndorf wird nun auch nicht jünger und hat ordentlich zugelegt. Ich sorge mich ein wenig. Meinethalben kann Doro – wie gehabt – ihre Eröffnungshymne spielen. Sehe ich kein Problem.


Monster Magnet für Wacken!


PUSH

08. August 2011

Der Begriff der Enfilade ist mir aufgrund noch immer nicht vollständig geschlossener Bildungslücken bis vorhin auch noch nicht untergekommen. Zimmerfluchten kennt man freilich, aber nie darüber nachgedacht. Schönes Wort eigentlich. Nun hatten wir es im Französischunterricht von architektonischen Details eher wenig bis gar nicht. Vielleicht habe ich mich auch einfach zu wenig mit Schlösserarchitektur befasst. Nie eines angemietet oder einrichten müssen! Dabei soll es zum Beispiel im Neuen Palais von Schloss Sanssouci in Potsdam eine beeindruckende Enfilade geben! Ich prüfe das. Demnächst. Man soll ja jeden Tag etwas hinzulernen. Hiermit geschehen! Erinnert ein bißchen an die Innenarchitektur von Räumen aus Träumen. Endlose Fluchten und am Ende ein Fenster. Ja früher! Da war eben noch Dramaturgie im Spiel! Obwohl ich privat ja eher die versteckten Winkel schätze.

08. August 2011

Das Glück des Apfelbäumchens nicht verschreien. Keine Metapher. Obwohl es sich doch eigentlich recht gut machen würde, wenn ich es so überlege. „Das Glück des Apfelbäumchens. Besinnliche Gedanken durch die Jahreszeiten von Gaga Nielsen“ „Endlich auch als Geschenkedition im Leinenschuber erhältlich! Ein geschmackvolles Präsent für die ganze Familie! Zum runden Geburtstag Ihrer Schwiegermutter oder auch zur Konfirmation Ihres Enkels. Ein Geschenk, das Sie mit Rat und Tat durch die Jahreszeiten Ihres Lebens begleiten wird! Durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter! Von der Wiege bis zur Bahre! Nur 17,95 EUR!“
Gerade zwei kleine Äpfel aus der nassen Augustwiese von meinem Auguststraßen-Apfelbäumchen mit so kleinen Stellen drin gegessen. Haben gut geschmeckt. Hab die Stellen aber rausgeschnitten, obwohl ich keine Vegetarierin bin.

08. August 2011

Der Begriff der Enfilade ist mir aufgrund noch immer nicht vollständig geschlossener Bildungslücken bis vorhin auch noch nicht untergekommen. Zimmerfluchten kennt man freilich, aber nie darüber nachgedacht. Schönes Wort eigentlich. Nun hatten wir es im Französischunterricht von architektonischen Details eher wenig bis gar nicht. Vielleicht habe ich mich auch einfach zu wenig mit Schlösserarchitektur befasst. Nie eines angemietet oder einrichten müssen! Dabei soll es zum Beispiel im Neuen Palais von Schloss Sanssouci in Potsdam eine beeindruckende Enfilade geben! Ich prüfe das. Demnächst. Man soll ja jeden Tag etwas hinzulernen. Hiermit geschehen! Erinnert ein bißchen an die Innenarchitektur von Räumen aus Träumen. Endlose Fluchten und am Ende ein Fenster. Ja früher! Da war eben noch Dramaturgie im Spiel! Obwohl ich privat ja eher die versteckten Winkel schätze.