31. August 2011


Die Strecke mag ich am Liebsten. Ich war weit weggebeamt, ganz betrunken vom blauen Himmel. Wer ein bißchen Geduld mitbringt, sieht ihn auch. Das ist glaube ich die umfangreichste Etappe. Die Mauer. Na klar, die Mauer. Der Hauptact. Wenn man das dann sieht, ist man froh, dass noch so ein großes zusammenhängendes Stück da ist. Nicht nur, weil man da gute Fotos machen kann. Das ehemalige böse Monstrum ist ein schöner Hintergrund.

Ich mag die Strecke auch wegen der kleinen Mädchen in den Ringelkleidchen, die sich von ihrem Vater die Mauer erklären lassen. Die Mutter war auch dabei und war etwas am Rand mit noch einem kleinen Kind. Meine Güte, wieviele Kinder die haben, und alles Mädchen wie es ausgesehen hat. Die Mama war recht attraktiv und war gerade dabei die Mädchen zu fotografieren. Da hab ich auch zugeschlagen. Da bin ich hemmungslos, bei so einer Vorlage. Den Kopf vom Vater wollte ich gar nicht draufhaben. Ich fand ihn nicht besonders interessant. Er hatte die Ausstrahlung eines Akademikers mit einem geregelten, sehr guten Einkommen. Vielleicht hat er auch geerbt. So eine ‚aus-gutem-Hause-Aura‘. Nicht, dass ihn das uninteressant machen würde. Er war einfach überhaupt nicht mein Typ, vom Gesicht her. Eine ältere Dame sprach mich an, ob sie mich fotografieren soll. Das werde ich häufiger gefragt, wenn jemand registriert, dass ich viel fotografiere, auch mich. In dem Fall war ich gerührt und habe darauf verzichtet, zu erklären, dass es sich um keine Notlösung handelt, bei dem was ich da treibe. Ich war auch neugierig und wollte der alten Dame eine Freude machen. Einen Moment überlegte ich, ob ich ihr die Kamera erklären muss, dann sah ich aber, dass sie selbst eine kleine Digitalkamera bei sich hatte. Ich schätze, sie war Mitte Siebzig. Dann sagte sie, sie hofft sehr, dass ich zufrieden bin, mit dem Ergebnis. Ja, war ich. Hab mich dreimal bedankt. Wunderbarer Sommernachmittag. Die Ferienetappe von meinem Ausflug. Die farbigen Bilder kommen am Ende.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

31. August 2011


Ich war stark gebannt vom tiefblauen Himmel und den Eisenstangen im Gegenlicht. Die in den offenen Himmel brechenden Stangen, deren Spitzen die von Ost nach West ziehenden Wolken zu streifen scheinen, zeigen über einige hundert Meter den Mauerverlauf in der Bernauer Straße, da wo die echten Mauersegmente abgebaut wurden. An einer Stelle geht die Installation in die echte, verbliebene Mauer über. Ja, die Motive wiederholen sich. So wie in der Wirklichkeit. Man läuft entlang und sieht nach oben. Und wieder zurück.
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31. August 2011

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Die dritte Etappe. Die Erinnerungs-Stelen auf dem Areal der Gedenkstätte. Sie sind visuell der unspektakulärste Teil des Geländes, aber fangen einen damit, was sie hörbar machen und zeigen. Es kann einen unmöglich kalt lassen, wenn man aus so einer Säule unkommentiert Vornamen und Namen von Toten erzählt bekommt. Das junge Alter und das Todesjahr. Da denkt man nicht mehr daran, wie es wohl wäre, von sich ein Foto vor so einem Dings zu machen. Deswegen tauche ich in dieser kleinen Schwarzweiß-Strecke nicht auf, nur was ich gesehen habe.

31. August 2011

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Da war ich also noch gut drauf, wie man sieht. Man könnte auch sagen, dem Anlass unangemessen, bin ich lustig über den Sophienfriedhof gestreunt, am Grab vom Operetten-Kollo vorbei, zu den wildgewachsenen Sonnenblumen. Von da, wo die Sonnenblumen stehen, kann man die Mauer schon erahnen. Man kann sogar ein Stück sehen, wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt und über die Friedhofsmauer guckt. Was da passiert ist, mit dem Friedhof, liest man am besten auf den Gedenktafeln auf den letzten Bildern in der Reihe. Der Friedhof grenzt im wahrsten Sinne des Wortes an die Berliner Mauer. Als ich das mit den versetzten Gräbern gelesen habe, war ich nicht mehr ganz so fröhlich. In der nächsten Etappe bin ich übrigens gar nicht zu sehen, falls jemand befürchtet, das geht jetzt immer so weiter mit hunderttausend Bildern mit mir drauf. Keine Sorge.

31. August 2011

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Heute ist der 31. August 2011. Bitte drehen Sie das Tagesdatum um und folgen Sie mir.
Ich meine das ganz ernst. Was zunächst aussieht, wie ein beliebiges weiteres Bilderset mit Abbildungen einer selbstverliebten Bloggerin ist nur die erste von zwölf Etappen. Ausflüge beginnen ja meistens zuhause. Es war früher Nachmittag, ein Samstag. Der 13. August 2011. Ich bemerkte gegen Mittag das feierliche Glockenläuten der Sophienkirche und dachte, merkwürdig, wie Sonntag. Ich hatte das mit der Gedenkminute um zwölf Uhr Mittags für die Opfer der Berliner Mauer gar nicht mitbekommen. Weil mir aber durchaus auch nach Gedenken war (wie hier erwähnt) und das Wetter schön, hatte ich unabhängig davon kurzerhand beschlossen, zur Mauergedenkstätte zu gehen, die nicht sehr weit von meiner Wohnung in der Auguststraße entfernt ist.
Mein Weg führt mich von der großen in die „Kleine Auguststraße“, über die Torstraße, wo die recht lange Ackerstraße beginnt. Man kann den Weg, der zur Gedenkstätte führt, auf der Straße laufen oder über den Sophienfriedhof, der eine besonders traurige Rolle beim Mauerbau spielte. Das hab ich getan. Ich bin über den Friedhof. Aber das ist schon die nächste Etappe. Ich habe mir überlegt, es ist besser die vielen Bilder nicht als Riesenflut zu verlinken, man wird dann auch müde beim Gucken und kann die einzelnen Bilder gar nicht mehr würdigen, das hat nichts mit Ignoranz zu tun, sondern mit Overflow. Daher zwölf verdaulichere Häppchen, die dem Ganzen auch eher gerecht werden. Es fängt also recht vertraut und überschaubar an.

29. August 2011


Symbolbild flachere Schuhe
– KONTAKTANZEIGE –
(…) Ich warte immer noch auf dieses eine Rendezvous, das sich ausschließlich dekorativ mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem Barhocker sitzend abspielen wird. Daher hebe ich die Schuhe gut auf! Ich stelle mir das so vor, dass ich zur Verabredung in der Bar mit einem Taxi fahre. Die Wohnung werde ich mit dem Fahrstuhl verlassen, ca. fünf Minuten Laufen und Stehen halte ich darin aus, das geht schon! Dann vorsichtig ins Taxi setzen und vorsichtig aussteigen und dann schnell auf den Barhocker! So könnte es gehen.“
Ernstgemeinte Zuschriften bitte ins Kommentarfeld.

29. August 2011


Symbolbild flachere Schuhe
– KONTAKTANZEIGE –
(…) Ich warte immer noch auf dieses eine Rendezvous, das sich ausschließlich dekorativ mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem Barhocker sitzend abspielen wird. Daher hebe ich die Schuhe gut auf! Ich stelle mir das so vor, dass ich zur Verabredung in der Bar mit einem Taxi fahre. Die Wohnung werde ich mit dem Fahrstuhl verlassen, ca. fünf Minuten Laufen und Stehen halte ich darin aus, das geht schon! Dann vorsichtig ins Taxi setzen und vorsichtig aussteigen und dann schnell auf den Barhocker! So könnte es gehen.“
Ernstgemeinte Zuschriften bitte ins Kommentarfeld.

28. August 2011

Nicht nur, dass dieser 46 Sekunden lange Filmausschnitt sehr selten ist. Es sind zwei Sequenzen aus jenem Film, den Romy Schneider 1964 mit Clouzot zu drehen begann. Aus verschiedenen Gründen mussten die Dreharbeiten für „L’Enfer“ abgebrochen werden. Unter anderem weil es dem Regisseur gesundheitlich sehr schlecht ging. Ich habe diese beiden Aufnahmen gerade erstmalig gesehen. Das andere Interessante dabei ist, dass man genau sieht, was das kreisende Licht in ihrem Gesicht verursacht. Man sieht im Zeitraffer, wie gnadenlos entblösst und hart ein Gesicht erscheinen kann, in dem einen Licht und wie gnädig und sanft in dem anderen. Es gibt Fotografen, die dem nicht die größte Beachtung schenken. Muß man auch nicht, wenn das Szenario die Hauptrolle spielt, oder aus bildramaturgischen Gründen ein harter Effekt erwünscht ist. Bei einem Portrait jedoch ist die geringste Abstufung von größter Bedeutung. Ich kann mich sehr darüber ärgern, wenn ein Fotograf keinen außerordentlichen Ehrgeiz in dieser Hinsicht entwickelt. Nicht nur, wenn es um mich selbst geht. Diese verschenkte Möglichkeit. Man muss alle Winkel, alle Perspektiven sorgfältig ausloten und dann entscheiden. Nicht nur beim Fotografieren. Wenn man das tänzerisch hinbekommt, als sei es nur ein Spiel – ist man virtuos. Deshalb war Leni Riefenstahl – visuell – virtuos. Sie war ja auch Tänzerin. Man muss mit allem tanzen. Das ist die Kür und zugleich das Schönste. Mit der Wäsche in der Waschmaschine, mit dem Geschirr in der Spüle. Mit der Kamera in der Hand.

28. August 2011

Hey Sonne, bleib mal weg, du blendest! Sie hampelt hier gerade rum und kann sich nicht entscheiden. Hü oder Hott! Du kannst ja ein Haus weiter gehen und dort weitermachen, das ist völlig okay für mich. Danke!

27. August 2011


Einfach so!

Aber auch ideal, um Blumen einzukleben ins Poesiealbum. Ist eigentlich Samstag oder Sonntag? Ich weiß es gar nicht. Die Träumerei der letzten Nacht hat mich so zeitlos gemacht. Ich wollte jetzt aber nicht reimen! Blümchengeknipse und auch noch Gedichte – das ist entschieden zu viel! Und nicht, was ich will!

27. August 2011


Einfach so!

Aber auch ideal, um Blumen einzukleben ins Poesiealbum. Ist eigentlich Samstag oder Sonntag? Ich weiß es gar nicht. Die Träumerei der letzten Nacht hat mich so zeitlos gemacht. Ich wollte jetzt aber nicht reimen! Blümchengeknipse und auch noch Gedichte – das ist entschieden zu viel! Und nicht, was ich will!

27. August 2011


Was ich sehr gerne mag an diesem Sommer, ist der dauernde Wechsel der Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Herbst – alles dabei. Und immer überraschend. Das gefällt mir wirklich. Ich mag den bedeckten Tag und den Regen heute. Das ist sehr erholsam nach dem gestrigen Hochsommertag. Eine Reihe unverändert heißer Tage langweilt mich eher. Ich kriege dieses blöde Gefühl, ach Scheiße, Sonne Sonne Sonne, Sakrileg, wenn man drinnen bleibt, sich am Monitor die Zeit vertreibt. Ich kann mich überhaupt nicht beschweren. Das einzige was mich allerdings ein bißchen irritiert ist, dass es manchmal kühler aussieht, als es ist und man dann unterwegs zu warm angezogen ist. Aber ausziehen kann man ja immer was. Umgekehrt passiert es mir zum Glück nicht mehr. In der S-Bahn hört man oft die Leute niesen. Das liegt wahrscheinlich an einem gewissen Trotz bei der morgendlichen Auswahl der Kleidung. Im Kalender steht Sommer, also müssen die neuen Zehensandalen an die Füße. Mein Schrank ist auch voll mit Fähnchen und zartem Schuhwerk. Das wird halt in diesem Sommer eher selten vorgeführt. Ist mir nicht so wichtig. Genau genommen sogar völlig schnurz. Die Luft wird schön klar von dem Regen, und die Wiese unter meinem Fenster ist so sattgrün wie in noch keinem Sommer. Das verbrannte gelbe Gras in den anderen Sommern tat mir zeitweise richtig weh. Ich hatte manchmal überlegt, ob ich anfangen soll, den kleinen Park und die Bäume da unten zu gießen, aber das schaffe ich ja gar nicht, mit meiner kleinen Gießkanne. Alles ist noch grün. Ein bißchen wie Sommer in Island.

26. August 2011

Vorhin im Aspirin-Geschäft. „Guten Tag! Ich hätte gerne das normale ASS, zum Schlucken.“ Apotheker: „Sie meinen also das Schmerzmittel…?“ ich: „Na, wenn man halt mal was hat, das ganz einfache gegen Kopfweh!“ Apotheker: „Sie wissen aber schon, dass Sie mit Schmerzmitteln aufpassen müssen?“ ich: „ja, ja, nehme ich auch ganz selten, keine Sorge. Soll ich Ihnen mal sagen, was in meiner Hausapotheke ist?“ Apotheker: „ja!“ ich: „Pflaster und Aspirin. Sonst nix. Das ist nicht viel oder?“ Apotheker. „Nein, das ist wirklich nicht viel“. „Tschüs!“ „Schönen Tag noch!“ Ich wollte ihm jetzt nicht auf die Nase binden, dass ich das Zeug an gewissen Tagen einwerfe, gegen frauenspezifische Eruptionen im Unterbauch. Seit ich aufgehört habe zu saufen, brauche ich das Wundermittelchen zum Glück nur noch dann.
Es ist richtig satt heiß heute. Als ich gerade nach Hause kam, war das T-Shirt richtig klebrig und ich bin nicht der Typ, der großartig transpiriert. Gleich im Waschbecken ausgewaschen. Ich hab schon eine Waschmaschine aber mir war so. Bis auf Sonnenbaden und Klugscheißen und ein bißchen Einkaufen heute nicht viel gemacht. Muss ich mir auch mal erlauben. Ich bin ein bißchen zu streng mit mir, denke ich manchmal.
Bei Rossmann war ich vorhin zweimal. Zuerst für Shampoo, Duschgel und ein „Wimpern- und Augenbrauenfärbeset“ in Braun. Hab ich noch nie probiert, also in Braun. Mache ich auch recht selten, mehr so nach Lust und Laune. Dachte ich so: komisch, wieso habe ich keinen Drang mir Haarfarbe zu kaufen. Man sieht eindeutig die silbernen Strähnen am Haaransatz zwischen dem Braun. Am Wimpernfärbeset-Regal war so ein kleiner Spiegel in Augenhöhe, da hab ich schnell mal reingeguckt, um den Stand der Dinge am Haaransatz zu checken. Das Braune war überwiegend, die silbergrauen Streifen mehr so wie hier und da mal ein bißchen Lametta. Kann man auch mal tragen. Überfärben geht immer. Ist doch wurscht! Ich will ja keine dreißigjährigen Jungs aufreißen. Andere im Moment eigentlich auch nicht. Für mich bin ich attraktiv genug, basta!
Anschließend war ich bei Edeka am Hackeschen Markt und hab ein paar Sachen geholt, die mir gefehlt haben. Bißchen Saft, mein Müsli 107 und Tomaten und Joghurt und Babykarotten. An der Kasse waren zwei lange Schlangen, ich hab mich eingereiht in der Schlange links, wo man vor dem riesigen Zeitschriftenregal steht und hab mir eine Klatschzeitung, deren Titel ich vergessen habe, rausgefischt. Wegen dem Cover. Auf dem Foto waren Kronzprinzessin Viktoria und Waity nebeneinandermontiert. Viktoria strahlend, wegen Baby, Waity griesgrämig wegen kein Baby. Dazu passende Überschrift. Waity ist lt. der Klatschpostille neidisch auf Vicky, weil sie noch keine Schwangerschaftsmeldung abliefern kann. So ’ne Scheisse! Das sind eben so die Probleme der Royals. Nun muss ich ehrlich zugeben, dass mich die geglückte Schwangerschaft von Viktoria mehr freut, als die geplante von Miss Climberton. Eine Frage der Sympathie! Viktoria fand ich schon immer liebreizend und gutherzig. So was sieht man einfach.
Beim Heimgehen habe ich dann den die ganze Zeit gesuchten gekritzelten Einkaufszettel in der linken Hosentasche bemerkt und geguckt, was draufsteht. Ich war gerade vorbei an Rossmann, als ich lese „Tee“. Nochmal zurück, zum Tee-Regal eine Packung schwarzen Tee geholt, wieder zur selben Kasse. Ich sage zur Verkäuferin, eine meiner Lieblingsverkäuferinnen, u. a. wegen der hammermäßigen Frisur: „jetzt bin ich nochmal da! Ich hab was vergessen. Tee! Na ja, da denkt man auch nicht so automatisch dran, bei der Hitze!“ Sie hat dann irgendwas gesagt von wegen, dass sie sich schon den ganzen Tag einen Kaffee nach dem anderen reinzieht, wegen Kreislauf.
Sie sieht absolut spektakulär aus. Ungefähr Anfang Zwanzig, so ein ganz dunkler Typ, vom Gesicht her vermutlich türkische Vorfahren. Dunkel blitzende Augen, so ungefähr wie die eine Viva-Moderatorin, die aber mehr so indisch aussieht und den einen geheiratet hat, der immer so Klamauk macht. Auf jeden Fall die Frisur von meiner Rossmann-Verkäuferin ist so: rattenscharf fast ausrasierte Seiten, oben ein schwarzer Schopf, aber kein richtiger Iro, aber schon so ein bißchen nach oben stehend und die geschorenen Seiten sind wasserstoffblond aufgehellt. Die Grenze zwischen dem schwarzen Schopf am oberen Kopf und dem ausrasierten ist ganz exakt ausgezirkelt und in der Mitte von der blonden Partie ist auf einer Seite ein schwarzer fünfzackiger Stern gefärbt, ganz exakt, ungefähr sieben Zentimeter Durchmesser. Das sieht total beeindruckend aus! Sie hat die Frisur schon ziemlich lange. Ich freue mich jedesmal, wenn ich sie sehe. Sieht ganz schön frech aus. Und sie ist sehr freundlich. Dann bin ich heim!
Blogeintrag fertig!

26. August 2011

Vorhin im Aspirin-Geschäft. „Guten Tag! Ich hätte gerne das normale ASS, zum Schlucken.“ Apotheker: „Sie meinen also das Schmerzmittel…?“ ich: „Na, wenn man halt mal was hat, das ganz einfache gegen Kopfweh!“ Apotheker: „Sie wissen aber schon, dass Sie mit Schmerzmitteln aufpassen müssen?“ ich: „ja, ja, nehme ich auch ganz selten, keine Sorge. Soll ich Ihnen mal sagen, was in meiner Hausapotheke ist?“ Apotheker: „ja!“ ich: „Pflaster und Aspirin. Sonst nix. Das ist nicht viel oder?“ Apotheker. „Nein, das ist wirklich nicht viel“. „Tschüs!“ „Schönen Tag noch!“ Ich wollte ihm jetzt nicht auf die Nase binden, dass ich das Zeug an gewissen Tagen einwerfe, gegen frauenspezifische Eruptionen im Unterbauch. Seit ich aufgehört habe zu saufen, brauche ich das Wundermittelchen zum Glück nur noch dann.
Es ist richtig satt heiß heute. Als ich gerade nach Hause kam, war das T-Shirt richtig klebrig und ich bin nicht der Typ, der großartig transpiriert. Gleich im Waschbecken ausgewaschen. Ich hab schon eine Waschmaschine aber mir war so. Bis auf Sonnenbaden und Klugscheißen und ein bißchen Einkaufen heute nicht viel gemacht. Muss ich mir auch mal erlauben. Ich bin ein bißchen zu streng mit mir, denke ich manchmal.
Bei Rossmann war ich vorhin zweimal. Zuerst für Shampoo, Duschgel und ein „Wimpern- und Augenbrauenfärbeset“ in Braun. Hab ich noch nie probiert, also in Braun. Mache ich auch recht selten, mehr so nach Lust und Laune. Dachte ich so: komisch, wieso habe ich keinen Drang mir Haarfarbe zu kaufen. Man sieht eindeutig die silbernen Strähnen am Haaransatz zwischen dem Braun. Am Wimpernfärbeset-Regal war so ein kleiner Spiegel in Augenhöhe, da hab ich schnell mal reingeguckt, um den Stand der Dinge am Haaransatz zu checken. Das Braune war überwiegend, die silbergrauen Streifen mehr so wie hier und da mal ein bißchen Lametta. Kann man auch mal tragen. Überfärben geht immer. Ist doch wurscht! Ich will ja keine dreißigjährigen Jungs aufreißen. Andere im Moment eigentlich auch nicht. Für mich bin ich attraktiv genug, basta!
Anschließend war ich bei Edeka am Hackeschen Markt und hab ein paar Sachen geholt, die mir gefehlt haben. Bißchen Saft, mein Müsli 107 und Tomaten und Joghurt und Babykarotten. An der Kasse waren zwei lange Schlangen, ich hab mich eingereiht in der Schlange links, wo man vor dem riesigen Zeitschriftenregal steht und hab mir eine Klatschzeitung, deren Titel ich vergessen habe, rausgefischt. Wegen dem Cover. Auf dem Foto waren Kronzprinzessin Viktoria und Waity nebeneinandermontiert. Viktoria strahlend, wegen Baby, Waity griesgrämig wegen kein Baby. Dazu passende Überschrift. Waity ist lt. der Klatschpostille neidisch auf Vicky, weil sie noch keine Schwangerschaftsmeldung abliefern kann. So ’ne Scheisse! Das sind eben so die Probleme der Royals. Nun muss ich ehrlich zugeben, dass mich die geglückte Schwangerschaft von Viktoria mehr freut, als die geplante von Miss Climberton. Eine Frage der Sympathie! Viktoria fand ich schon immer liebreizend und gutherzig. So was sieht man einfach.
Beim Heimgehen habe ich dann den die ganze Zeit gesuchten gekritzelten Einkaufszettel in der linken Hosentasche bemerkt und geguckt, was draufsteht. Ich war gerade vorbei an Rossmann, als ich lese „Tee“. Nochmal zurück, zum Tee-Regal eine Packung schwarzen Tee geholt, wieder zur selben Kasse. Ich sage zur Verkäuferin, eine meiner Lieblingsverkäuferinnen, u. a. wegen der hammermäßigen Frisur: „jetzt bin ich nochmal da! Ich hab was vergessen. Tee! Na ja, da denkt man auch nicht so automatisch dran, bei der Hitze!“ Sie hat dann irgendwas gesagt von wegen, dass sie sich schon den ganzen Tag einen Kaffee nach dem anderen reinzieht, wegen Kreislauf.
Sie sieht absolut spektakulär aus. Ungefähr Anfang Zwanzig, so ein ganz dunkler Typ, vom Gesicht her vermutlich türkische Vorfahren. Dunkel blitzende Augen, so ungefähr wie die eine Viva-Moderatorin, die aber mehr so indisch aussieht und den einen geheiratet hat, der immer so Klamauk macht. Auf jeden Fall die Frisur von meiner Rossmann-Verkäuferin ist so: rattenscharf fast ausrasierte Seiten, oben ein schwarzer Schopf, aber kein richtiger Iro, aber schon so ein bißchen nach oben stehend und die geschorenen Seiten sind wasserstoffblond aufgehellt. Die Grenze zwischen dem schwarzen Schopf am oberen Kopf und dem ausrasierten ist ganz exakt ausgezirkelt und in der Mitte von der blonden Partie ist auf einer Seite ein schwarzer fünfzackiger Stern gefärbt, ganz exakt, ungefähr sieben Zentimeter Durchmesser. Das sieht total beeindruckend aus! Sie hat die Frisur schon ziemlich lange. Ich freue mich jedesmal, wenn ich sie sehe. Sieht ganz schön frech aus. Und sie ist sehr freundlich. Dann bin ich heim!
Blogeintrag fertig!

26. August 2011


Erstaunlicherweise geht mir dieser Song von Herrn Urlaub trotz des verhandelten, derzeit von mir weiträumig gemiedenen Themas überhaupt nicht auf die Nerven, wie ich soeben untätig auf dem Balkon herumliegend, überrascht feststellen konnte!

23. August 2011

Loriot
So sehr geliebt. Gerade gelesen… den ganzen Tag keine Nachrichten mitgekriegt, so viel zu tun gehabt. Sehr, sehr, sehr geliebt. Wie jeder. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemals irgendwer begegnet wäre, der zu Loriot und seinen wunderbaren Sachen „na ja“ gesagt hätte. Alle haben ihn geliebt. Alle, alle, alle! Der lustigste, intelligenteste Mensch seit christlicher Zeitrechnung und wahrscheinlich noch davor! Niemals mehr wird ihm jemand das Wasser reichen! Jaul. Mann, ich habe ihn wirklich verehrt. Wie alle eben. Aber sicher ist er jetzt auf einer schönen Reise. Und bestimmt ist er ganz friedlich gestorben. Das hat er auch verdient.
Oh Mann! Ich hatte ja damals gehofft, er würde sich für den Bundespräsidentenposten hergeben. Aber er hatte natürlich recht, dass er den langweiligen Job nicht gemacht hat. Selbstverständlich gehört Loriot zu den unsterblichen Seelen, die uns für immer lebhaft begleiten werden. Mich auf jeden Fall.
Loriot hat einen ganz riesigen Sonderplatz in meinem Herzen. Giga! Giga-Gaga-Sonderplatz.

23. August 2011

Was mich echt fertig macht, ist dass ich die Prominenten in der Gala nicht mehr kenne. „Kimberly Stewart hat am Sonntag ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Der Vater des Kindes ist Hollywoodstar Benicio del Toro“ „Kimberly Stewart“? Nie gehört. Muss man die kennen? Hat die in irgendeinem wichtigen Film mitgespielt oder irgendetwas geleistet, was man anhand ihrer durchschnittlichen Ausstrahlung auf dem Foto nicht für möglich halten mag? Oder ist das eine Ur-Enkelin vom guten alten James Stewart? Und es gibt jetzt also einen „Hollywoodstar“ namens Benicio del Toro, hört hört! Da habe ich ja mächtig was verpasst. So macht Prominentenklatsch keinen Spaß! Verdammt, früher konnte ich mitreden. Früher ging es um Leute meiner Generation! Ich sehe ja ein, dass sich nicht immer alles um Brad Pitt und Angelina Jolie drehen kann, aber selbst die sind mir eigentlich als gestandene Prominente noch zu jung. Früher, da gab es richtige Prominente! Alle Namen kannte ich! Keiner konnte mir etwas vormachen. Und heute? Ich fühle mich ein bißchen alt, wenn ich von diesen fremden Leuten lese. Und das passiert mir sonst nie! Muss schon wieder schlafen gehen. Mist, schon wieder nach Mitternacht. Gottverdammter Schönheitsschlaf!
P.S.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Das kleine Fl Die blonde junge Dame ist also im Hauptberuf die Tochter von Rod Stewart. Hurra! Jemand, den ich kenne! „Sailing“! „Do ya think I’m sexy?“!!!
Geht doch!

23. August 2011

Loriot
So sehr geliebt. Gerade gelesen… den ganzen Tag keine Nachrichten mitgekriegt, so viel zu tun gehabt. Sehr, sehr, sehr geliebt. Wie jeder. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemals irgendwer begegnet wäre, der zu Loriot und seinen wunderbaren Sachen „na ja“ gesagt hätte. Alle haben ihn geliebt. Alle, alle, alle! Der lustigste, intelligenteste Mensch seit christlicher Zeitrechnung und wahrscheinlich noch davor! Niemals mehr wird ihm jemand das Wasser reichen! Jaul. Mann, ich habe ihn wirklich verehrt. Wie alle eben. Aber sicher ist er jetzt auf einer schönen Reise. Und bestimmt ist er ganz friedlich gestorben. Das hat er auch verdient.
Oh Mann! Ich hatte ja damals gehofft, er würde sich für den Bundespräsidentenposten hergeben. Aber er hatte natürlich recht, dass er den langweiligen Job nicht gemacht hat. Selbstverständlich gehört Loriot zu den unsterblichen Seelen, die uns für immer lebhaft begleiten werden. Mich auf jeden Fall.
Loriot hat einen ganz riesigen Sonderplatz in meinem Herzen. Giga! Giga-Gaga-Sonderplatz.

23. August 2011

Was mich echt fertig macht, ist dass ich die Prominenten in der Gala nicht mehr kenne. „Kimberly Stewart hat am Sonntag ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Der Vater des Kindes ist Hollywoodstar Benicio del Toro“ „Kimberly Stewart“? Nie gehört. Muss man die kennen? Hat die in irgendeinem wichtigen Film mitgespielt oder irgendetwas geleistet, was man anhand ihrer durchschnittlichen Ausstrahlung auf dem Foto nicht für möglich halten mag? Oder ist das eine Ur-Enkelin vom guten alten James Stewart? Und es gibt jetzt also einen „Hollywoodstar“ namens Benicio del Toro, hört hört! Da habe ich ja mächtig was verpasst. So macht Prominentenklatsch keinen Spaß! Verdammt, früher konnte ich mitreden. Früher ging es um Leute meiner Generation! Ich sehe ja ein, dass sich nicht immer alles um Brad Pitt und Angelina Jolie drehen kann, aber selbst die sind mir eigentlich als gestandene Prominente noch zu jung. Früher, da gab es richtige Prominente! Alle Namen kannte ich! Keiner konnte mir etwas vormachen. Und heute? Ich fühle mich ein bißchen alt, wenn ich von diesen fremden Leuten lese. Und das passiert mir sonst nie! Muss schon wieder schlafen gehen. Mist, schon wieder nach Mitternacht. Gottverdammter Schönheitsschlaf!
P.S.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Das kleine Fl Die blonde junge Dame ist also im Hauptberuf die Tochter von Rod Stewart. Hurra! Jemand, den ich kenne! „Sailing“! „Do ya think I’m sexy?“!!!
Geht doch!

21. August 2011

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Ich nehme an, über die Jahre stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit mit meinem Balkon ein. Dem Badetuch mit dem Vogel drauf. Dem Fensterwinkel und der abgelegten Sonnenbrille an aufgeklapptem Lesebuch. Wieder so ein Balkontag im Süden. Meiner Wohnung.

Ach – das ist vielleicht der Moment um zu erzählen, wieso ich gerade keine riesengroße Lust auf Sommer in einer Ferienwohnung habe, also zu verreisen. Kommt wahrscheinlich wieder, aber wenn ich an die Gegebenheiten in meiner Hütte auf Föhr denke, die ich gemietet hatte, kommt mir die Hütte hier in Mitte vor wie ein Luxus-Resort. Ich gehöre ja zu den Menschen, die bei der Wahl zwischen einer sehr schlichten Ferienwohnung mit Küche und Bad und einem sehr luxuriösen Hotelzimmer die Wohnung nehmen. Ich würde sogar im Zweifel mehr dafür bezahlen. Grandiose Hotelzimmer gibt es, aber ich ertrage es nicht, von dem meistens sehr charmanten Personal behelligt zu werden. Klopfen an der Tür, wegen was weiß ich. Das kommt auch mal vor, obwohl man ‚bitte nicht stören‘ als Dauerzustand an die Klinke gehängt hat. Dass jemand durch einen Raum geht, den ich für ein paar Tage bewohne ist mir schon ungenehm. Nicht zuletzt, weil ich bislang in jedem Hotelzimmer und jeder Wohnung zuerst umräume. Überflüssige Möbel auf den kleinen Zimmerflur stelle, Bilder abhänge. Bis es mir geräumig und ideal erscheint. Dann werden nach und nach meine kleinen Reisesouvenirs in der Zimmerflucht verteilt. Teilweise sehr persönliche Sachen. Ich habe immer ein, zwei bunte Tücher in warmen Farben dabei, um sie über die meistens zu grellen Nachttischlampen zu werfen. Das Deckenlicht benutze ich überhaupt nicht.
Zimmermädchen haben leider häufig die Angewohnheit, Stühle und so weiter nach dem Bettenbeziehen und Staubsaugen wieder vorschriftsmäßig anders hinzustellen. Ich komme zurück in das Zimmer, sehe das frischgemachte Bett, die vernichteten Spuren meiner eigenen Innenarchitektur und leide. Ich brauche kein täglich oder alle zwei Tage frisch bezogenes Bett. Das mache ich zuhause ja auch nicht, alle zwei Tage das Bett frisch beziehen. Wie im Krankenhaus. Die reinste Hysterie. Diese ganzen Putzrituale tragen jedenfalls nicht zu meinem Wohlbefinden bei. Ich putze zum Beispiel automatisch nach dem Duschen die gröbsten Pfützen, falls welche vorhanden sein sollten, oder was es an menschlichen Spuren so gibt, gerne eigenhändig weg.
In dem letzten Hotel, das ich bewohnte, weil es keine Ferienwohnung zu mieten gab, habe ich irgendwann nur noch den Papierkorb demonstrativ vor die Hotelzimmertür mit dem festgetackerten Schild „bitte nicht stören“ gestellt. Der darf gerne alle zwei Tage geleert werden. Das führte dazu, dass die Zimmermädchen lauerten, wann ich zum Frühstücken ging und dann einfielen zum Saubermachen. Und dann bin ich ja auch so eine Vorhänge-beiseite-Schieberin und -Drapiererin. Nach meinem Aufenthalt haben die Vorhänge dann diverse Falten wo sie nicht hingehören. Aber was soll’s. Müssen die Vorhänge eben auch mal in die Wäsche und die Plättmaschine.
Auf jeden Fall hatte ich vor fünf Jahren auf Föhr eine Ferienwohnung gemietet, die in einem reetgedeckten, sehr schönen Haus lag. Aber ich hatte nicht das ganze große Reetdachhaus, nur eine kleine Wohnung im Erdgeschoss mit Terrasse und kleiner Wiese. Leider ahnte ich nicht, dass die Besitzer, obwohl sie im Nachbardorf in einem anderen Haus wohnten, nicht nur zu Beginn und Ende des Aufenthalts der Feriengäste in Erscheinung treten würden, sondern täglich. Und zwar auf eine sehr subtile Art und Weise.
Nun war mein kleines Terrassen- und Rasenstückchen der Ferienwohnung leider derart durch Nachbarn und für Spaziergänger der angrenzenden Feldwege einsehbar, dass ich traurig zur Kenntnis nahm, dass ich unter diesen Umständen wohl kaum draußen frühstücken oder Abendessen würde, derart auf dem Präsentierteller. Auf der Terrasse standen einfache Gartenmöbel aus weißem Kunststoff. Keine Aufwertung für den Blick aus der Terrassentür. Ein großer runder weißer Plastiktisch, zwei oder vier von diesen billigen weißen Einheitsstühlen, wo mir jetzt gerade der Fachausdruck (Uniblock oder so ähnlich) nicht einfällt. Und ein weißer Plastikliegestuhl mit Rollen. Wie im Sanatorium. Auch noch auf meiner Blickachse aus dem Wohnzimmer befand sich so ein Ding mit aufgerolltem Gartenschlauch.
Ich habe somit das Naheliegende getan und den Tisch und die Stühle ganz nach rechts an die Mauer und die Liege und den Gartenschlauch ganz nach links geschoben, mit dem Ergebnis, dass ich als Ausblick nun nurmehr die schlichte unmöblierte Terrasse, dahinter den Rasen, den kleinen Zaun und dahinter die Felder sah. Das Frühstücken und alles andere habe ich komplett in die Wohnung verlegt, auf das große Bett, auf das am Vormittag ein Sonnenfleck schien. Dabei liebe ich es viel mehr draußen noch halb in Unterwäsche in der Sonne zu sitzen, mit dem ersten Kaffee, herumzutrödeln und mich langsam ausflugsfertig zu machen. Umso mehr war ich interessiert, so schnell wie möglich aus der sonst ziemlich schattigen Wohnung ins Freie zu kommen, an den Strand oder mit dem Fahrrad irgendwo hin.
Als ich vom ersten Tag am Strand am Abend zurückkomme, wundere ich mich, dass der weiße Liegestuhl wieder genau in der Mitte der Terrasse prangt, der Gartenschlauchhalter befindet sich ebenfalls wieder zentral auf meiner Sichtachse und auch der Tisch wurde wieder mittig gerückt und die Stühle ringsherum drapiert. In diesem Moment wusste ich, dass ich diese Unterkunft niemals mehr in Betracht ziehen würde und auch keinem Menschen weiterempfehlen. Die folgenden Tage wiederholte sich das Spielchen, ich stellte vormittags die Sachen wieder zur Seite, kam am Abend vom Ausflug zurück und fand die Gartenmöbel wieder wie bei meiner Ankunft vor.
An einem Regentag blieb ich fast den ganzen Tag in der Wohnung und hörte irgendwann die Stimmen des Ehepaars vom Garten her. Vielleicht hatte ich geräuschvoll ein Fenster geöffnet um meine Anwesenheit zu demonstrieren oder sie hörten durch das gekippte Fenster, dass ich Musik anhatte und demzufolge da war. Sie ließen sich jedenfalls nicht blicken und es wurde auch nichts umgeräumt. An einem anderen Tag traf ich sie im Treppenhaus, sie grüßten mich mit aufgesetztem Gastgeberlächeln und unterschwelligem Misstrauen in den Augen.
Irgendwann bemerkte ich, dass sie in der Ferienwohnung waren, weil der Tisch und der Stuhl anders standen. Die von mir unverzüglich nach Ankunft im Küchenbuffet verstauten, mit Seidenblumen in Bleu und Rosé bekränzten Porzellan-Kerzenhalter prangten aufs Neue auf dem von mir ebenfalls vorübergehend entsorgten bestickten Deckchen auf der Mitte des bäuerlich gedrechselten Holztisches. Der Mülleimer ward geleert und eine neue Klorolle und neue Handtücher lagen im Bad. Gegen frisches Klopapier und frische Handtücher lässt sich ja nun wenig sagen, aber die Art und Weise des Transfers war halt leider nicht nach meinem Geschmack. Gegen diese Ferienwohnung ist meine Wohnung hier der reinste Urlaub und: kostet nicht extra. Ich kann in der Sonne frühstücken, und zwar wie Gott mich schuf. Keiner stellt weiße Plastikmöbel auf meinen Balkon, sagenhafter Erholungsfaktor.
Allerdings hatte ich auch schon recht schöne Ferienwohnungen mit lauschigem, uneinsehbaren Plätzchen an der Sonne zum Frühstücken. Auf Hiddensee und Santorin, Favignana und Spetsai. Und bestimmt auch noch woanders. Aber das hier ist aus den oben dargelegten Gründen mein unschlagbares Lieblings-Resort.

21. August 2011


Das muss ich kurz festhalten. Ich war gerade auf dem Balkon und habe einen Blick runter auf den Spielplatz mit der kleinen Anlage für die Skater geworfen. Da war gerade ein ungefähr fünfzehn- oder sechzehnjähriger Junge dabei, die kleine Bahn mit einem Besen zu kehren. Sehr gewissenhaft. Ich sehe das nicht zum ersten mal. Der Besen muss da unten irgendwo in einer Ecke parat liegen. Es sind ja die identischen Bewegungsabläufe und die selbe Zielsetzung, wenn aus Gründen der Sauberkeit, um der Ordentlichkeit willen gekehrt wird. Ich kann mir ganz schwer vorstellen, dass der Junge dafür zu begeistern wäre, einen Hinterhof auszukehren, der keine Qualitäten zum Skaten aufweist. Die Hingabe ist auch so interessant. Etwas, das er gerne gemacht hat, weil er eben wusste wofür! Für sich und seinen kleinen Bruder, der auch noch da unten herumgesprungen ist. Damit das Skateboard besser flutscht. Kann man mal sehen, wenn man motiviert ist, für die Sache brennt, ist jede Arbeit schön oder kein Problem.
Das ärgert mich heute noch, dass in der Schule nie vermittelt wurde, welchen praktischen, persönlichen, ganz privaten Nutzen man aus dem jeweiligen angedienten Lehrstoff für sich ziehen könnte. Zum Beispiel Geschichte. Was macht Macht aus. Wie erlangt man die Weltherrschaft? Ist Krieg praktikabel oder eher nicht? Bringt es das überhaupt? Oder ist überdimensionaler Herrschaftsanspruch Ausdruck einer Psychose? Warum haben alte, dicke Männer psychotische Führungsansprüche? Worauf muss ich achten, wenn ich solche Leute in die Schranken weisen will? Das geht in die praktische Psychologie. Nur ein Beispiel.
Oder Chemie: welche Stoffe sind explosiv oder hochgiftig, was muss ich beim Bau einer Bombe beachten? Wo erhalte ich die Zutaten, wenn ich Schnaps brennen oder mir meine Hautcreme selber machen will? Welche Konservierungsmethoden gibt es, damit meine selbergerührten Sachen lange halten?
Oder Biologie: welche tollen Blumen, Früchte und Tiere kann ich daheim selber züchten, wie geht das, was muss ich beachten?
Oder Erdkunde. Bodenschätze Brasilien, Flora und Fauna, alles schön und gut, aber welche Naturschönheiten kann ich, wenn ich mal groß bin, in Naturreservaten persönlich aus nächster Nähe anschauen und wie sind die Landessitten und die Unterkunftsmöglichkeiten? Muss ich ein Zelt mitnehmen? So Sachen halt!
Deswegen war ich wahrscheinlich auch in Deutsch und Kunsterziehung immer so gut, weil ich einen persönliche, praktische Bereicherung aus der Beschäftigung damit gezogen habe. Gelesen habe ich freiwillig als Kind und gemalt auch. Buchstaben schreiben hat mir auch gut gefallen. Das hat mir sogar so gut gefallen, dass ich die Unterschrift von Napoleon und König Ludwig und anderen Weltherrschern aus dem Brockhaus abgepaust habe. Ich konnte die dann auch freihändig.
Rechnen habe ich schon begriffen, war aber langweilig. Ich konnte immerhin noch sehen, dass es schon nicht schlecht ist, wenn ich mein Taschengeld zählen kann oder beim Bezahlen das passende Geld heraussuchen. Rechnen ist immer noch nicht mein Hobby. Algebra dagegen war ein größeres Problem. War mir zu abstrakt. Geometrie hatte ich am Liebsten. Räumliches Denken fand ich pippileicht. Heute finde ich physikalische Gesetze zauberhaft, aber das Zauberhafte hat mir in meiner Schulzeit niemand näher gebracht. Das war mir alles zu mechanisch und pragmatisch. Dabei ist das ganze Universum ein physikalisches Wunder. Muss mal meinen Kaffee trinken.

21. August 2011


Bin auf einmal so furchtbar müde. Dabei ist es erst nach Sieben. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, die böse Stiefmutter aus dem Märchen hat mir einen vergifteten Apfel gegeben. Ein Glück, dass ich keine sozialen Kontakte mehr habe, so gehe ich völlig auf Nummer Sicher und muss mir keine unnötigen Sorgen machen, dass womöglich eine böse Verschwörung gegen mich im Gange ist! Musik vermag mich auch nicht aufzurütteln. Ich habe alle Sorten durchprobiert. Der Espresso gerade hat auch nicht gewirkt. Ich könnte mich ein Stündchen hinlegen, aber riskiere ich dann nicht fehlende Bettschwere zur Schlafenszeit um Mitternacht? Mein Leben stellt wieder einmal sehr komplizierte Anforderungen an mich, denen ich mich kaum gewachsen sehe. Ich denke, ich riskiere ein kurzes Nickerchen.

21. August 2011


Bin auf einmal so furchtbar müde. Dabei ist es erst nach Sieben. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, die böse Stiefmutter aus dem Märchen hat mir einen vergifteten Apfel gegeben. Ein Glück, dass ich keine sozialen Kontakte mehr habe, so gehe ich völlig auf Nummer Sicher und muss mir keine unnötigen Sorgen machen, dass womöglich eine böse Verschwörung gegen mich im Gange ist! Musik vermag mich auch nicht aufzurütteln. Ich habe alle Sorten durchprobiert. Der Espresso gerade hat auch nicht gewirkt. Ich könnte mich ein Stündchen hinlegen, aber riskiere ich dann nicht fehlende Bettschwere zur Schlafenszeit um Mitternacht? Mein Leben stellt wieder einmal sehr komplizierte Anforderungen an mich, denen ich mich kaum gewachsen sehe. Ich denke, ich riskiere ein kurzes Nickerchen.

21. August 2011


Das muss ich kurz festhalten. Ich war gerade auf dem Balkon und habe einen Blick runter auf den Spielplatz mit der kleinen Anlage für die Skater geworfen. Da war gerade ein ungefähr fünfzehn- oder sechzehnjähriger Junge dabei, die kleine Bahn mit einem Besen zu kehren. Sehr gewissenhaft. Ich sehe das nicht zum ersten mal. Der Besen muss da unten irgendwo in einer Ecke parat liegen. Es sind ja die identischen Bewegungsabläufe und die selbe Zielsetzung, wenn aus Gründen der Sauberkeit, um der Ordentlichkeit willen gekehrt wird. Ich kann mir ganz schwer vorstellen, dass der Junge dafür zu begeistern wäre, einen Hinterhof auszukehren, der keine Qualitäten zum Skaten aufweist. Die Hingabe ist auch so interessant. Etwas, das er gerne gemacht hat, weil er eben wusste wofür! Für sich und seinen kleinen Bruder, der auch noch da unten herumgesprungen ist. Damit das Skateboard besser flutscht. Kann man mal sehen, wenn man motiviert ist, für die Sache brennt, ist jede Arbeit schön oder kein Problem.
Das ärgert mich heute noch, dass in der Schule nie vermittelt wurde, welchen praktischen, persönlichen, ganz privaten Nutzen man aus dem jeweiligen angedienten Lehrstoff für sich ziehen könnte. Zum Beispiel Geschichte. Was macht Macht aus. Wie erlangt man die Weltherrschaft? Ist Krieg praktikabel oder eher nicht? Bringt es das überhaupt? Oder ist überdimensionaler Herrschaftsanspruch Ausdruck einer Psychose? Warum haben alte, dicke Männer psychotische Führungsansprüche? Worauf muss ich achten, wenn ich solche Leute in die Schranken weisen will? Das geht in die praktische Psychologie. Nur ein Beispiel.
Oder Chemie: welche Stoffe sind explosiv oder hochgiftig, was muss ich beim Bau einer Bombe beachten? Wo erhalte ich die Zutaten, wenn ich Schnaps brennen oder mir meine Hautcreme selber machen will? Welche Konservierungsmethoden gibt es, damit meine selbergerührten Sachen lange halten?
Oder Biologie: welche tollen Blumen, Früchte und Tiere kann ich daheim selber züchten, wie geht das, was muss ich beachten?
Oder Erdkunde. Bodenschätze Brasilien, Flora und Fauna, alles schön und gut, aber welche Naturschönheiten kann ich, wenn ich mal groß bin, in Naturreservaten persönlich aus nächster Nähe anschauen und wie sind die Landessitten und die Unterkunftsmöglichkeiten? Muss ich ein Zelt mitnehmen? So Sachen halt!
Deswegen war ich wahrscheinlich auch in Deutsch und Kunsterziehung immer so gut, weil ich einen persönliche, praktische Bereicherung aus der Beschäftigung damit gezogen habe. Gelesen habe ich freiwillig als Kind und gemalt auch. Buchstaben schreiben hat mir auch gut gefallen. Das hat mir sogar so gut gefallen, dass ich die Unterschrift von Napoleon und König Ludwig und anderen Weltherrschern aus dem Brockhaus abgepaust habe. Ich konnte die dann auch freihändig.
Rechnen habe ich schon begriffen, war aber langweilig. Ich konnte immerhin noch sehen, dass es schon nicht schlecht ist, wenn ich mein Taschengeld zählen kann oder beim Bezahlen das passende Geld heraussuchen. Rechnen ist immer noch nicht mein Hobby. Algebra dagegen war ein größeres Problem. War mir zu abstrakt. Geometrie hatte ich am Liebsten. Räumliches Denken fand ich pippileicht. Heute finde ich physikalische Gesetze zauberhaft, aber das Zauberhafte hat mir in meiner Schulzeit niemand näher gebracht. Das war mir alles zu mechanisch und pragmatisch. Dabei ist das ganze Universum ein physikalisches Wunder. Muss mal meinen Kaffee trinken.

21. August 2011

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Ich nehme an, über die Jahre stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit mit meinem Balkon ein. Dem Badetuch mit dem Vogel drauf. Dem Fensterwinkel und der abgelegten Sonnenbrille an aufgeklapptem Lesebuch. Wieder so ein Balkontag im Süden. Meiner Wohnung.

Ach – das ist vielleicht der Moment um zu erzählen, wieso ich gerade keine riesengroße Lust auf Sommer in einer Ferienwohnung habe, also zu verreisen. Kommt wahrscheinlich wieder, aber wenn ich an die Gegebenheiten in meiner Hütte auf Föhr denke, die ich gemietet hatte, kommt mir die Hütte hier in Mitte vor wie ein Luxus-Resort. Ich gehöre ja zu den Menschen, die bei der Wahl zwischen einer sehr schlichten Ferienwohnung mit Küche und Bad und einem sehr luxuriösen Hotelzimmer die Wohnung nehmen. Ich würde sogar im Zweifel mehr dafür bezahlen. Grandiose Hotelzimmer gibt es, aber ich ertrage es nicht, von dem meistens sehr charmanten Personal behelligt zu werden. Klopfen an der Tür, wegen was weiß ich. Das kommt auch mal vor, obwohl man ‚bitte nicht stören‘ als Dauerzustand an die Klinke gehängt hat. Dass jemand durch einen Raum geht, den ich für ein paar Tage bewohne ist mir schon ungenehm. Nicht zuletzt, weil ich bislang in jedem Hotelzimmer und jeder Wohnung zuerst umräume. Überflüssige Möbel auf den kleinen Zimmerflur stelle, Bilder abhänge. Bis es mir geräumig und ideal erscheint. Dann werden nach und nach meine kleinen Reisesouvenirs in der Zimmerflucht verteilt. Teilweise sehr persönliche Sachen. Ich habe immer ein, zwei bunte Tücher in warmen Farben dabei, um sie über die meistens zu grellen Nachttischlampen zu werfen. Das Deckenlicht benutze ich überhaupt nicht.
Zimmermädchen haben leider häufig die Angewohnheit, Stühle und so weiter nach dem Bettenbeziehen und Staubsaugen wieder vorschriftsmäßig anders hinzustellen. Ich komme zurück in das Zimmer, sehe das frischgemachte Bett, die vernichteten Spuren meiner eigenen Innenarchitektur und leide. Ich brauche kein täglich oder alle zwei Tage frisch bezogenes Bett. Das mache ich zuhause ja auch nicht, alle zwei Tage das Bett frisch beziehen. Wie im Krankenhaus. Die reinste Hysterie. Diese ganzen Putzrituale tragen jedenfalls nicht zu meinem Wohlbefinden bei. Ich putze zum Beispiel automatisch nach dem Duschen die gröbsten Pfützen, falls welche vorhanden sein sollten, oder was es an menschlichen Spuren so gibt, gerne eigenhändig weg.
In dem letzten Hotel, das ich bewohnte, weil es keine Ferienwohnung zu mieten gab, habe ich irgendwann nur noch den Papierkorb demonstrativ vor die Hotelzimmertür mit dem festgetackerten Schild „bitte nicht stören“ gestellt. Der darf gerne alle zwei Tage geleert werden. Das führte dazu, dass die Zimmermädchen lauerten, wann ich zum Frühstücken ging und dann einfielen zum Saubermachen. Und dann bin ich ja auch so eine Vorhänge-beiseite-Schieberin und -Drapiererin. Nach meinem Aufenthalt haben die Vorhänge dann diverse Falten wo sie nicht hingehören. Aber was soll’s. Müssen die Vorhänge eben auch mal in die Wäsche und die Plättmaschine.
Auf jeden Fall hatte ich vor fünf Jahren auf Föhr eine Ferienwohnung gemietet, die in einem reetgedeckten, sehr schönen Haus lag. Aber ich hatte nicht das ganze große Reetdachhaus, nur eine kleine Wohnung im Erdgeschoss mit Terrasse und kleiner Wiese. Leider ahnte ich nicht, dass die Besitzer, obwohl sie im Nachbardorf in einem anderen Haus wohnten, nicht nur zu Beginn und Ende des Aufenthalts der Feriengäste in Erscheinung treten würden, sondern täglich. Und zwar auf eine sehr subtile Art und Weise.
Nun war mein kleines Terrassen- und Rasenstückchen der Ferienwohnung leider derart durch Nachbarn und für Spaziergänger der angrenzenden Feldwege einsehbar, dass ich traurig zur Kenntnis nahm, dass ich unter diesen Umständen wohl kaum draußen frühstücken oder Abendessen würde, derart auf dem Präsentierteller. Auf der Terrasse standen einfache Gartenmöbel aus weißem Kunststoff. Keine Aufwertung für den Blick aus der Terrassentür. Ein großer runder weißer Plastiktisch, zwei oder vier von diesen billigen weißen Einheitsstühlen, wo mir jetzt gerade der Fachausdruck (Uniblock oder so ähnlich) nicht einfällt. Und ein weißer Plastikliegestuhl mit Rollen. Wie im Sanatorium. Auch noch auf meiner Blickachse aus dem Wohnzimmer befand sich so ein Ding mit aufgerolltem Gartenschlauch.
Ich habe somit das Naheliegende getan und den Tisch und die Stühle ganz nach rechts an die Mauer und die Liege und den Gartenschlauch ganz nach links geschoben, mit dem Ergebnis, dass ich als Ausblick nun nurmehr die schlichte unmöblierte Terrasse, dahinter den Rasen, den kleinen Zaun und dahinter die Felder sah. Das Frühstücken und alles andere habe ich komplett in die Wohnung verlegt, auf das große Bett, auf das am Vormittag ein Sonnenfleck schien. Dabei liebe ich es viel mehr draußen noch halb in Unterwäsche in der Sonne zu sitzen, mit dem ersten Kaffee, herumzutrödeln und mich langsam ausflugsfertig zu machen. Umso mehr war ich interessiert, so schnell wie möglich aus der sonst ziemlich schattigen Wohnung ins Freie zu kommen, an den Strand oder mit dem Fahrrad irgendwo hin.
Als ich vom ersten Tag am Strand am Abend zurückkomme, wundere ich mich, dass der weiße Liegestuhl wieder genau in der Mitte der Terrasse prangt, der Gartenschlauchhalter befindet sich ebenfalls wieder zentral auf meiner Sichtachse und auch der Tisch wurde wieder mittig gerückt und die Stühle ringsherum drapiert. In diesem Moment wusste ich, dass ich diese Unterkunft niemals mehr in Betracht ziehen würde und auch keinem Menschen weiterempfehlen. Die folgenden Tage wiederholte sich das Spielchen, ich stellte vormittags die Sachen wieder zur Seite, kam am Abend vom Ausflug zurück und fand die Gartenmöbel wieder wie bei meiner Ankunft vor.
An einem Regentag blieb ich fast den ganzen Tag in der Wohnung und hörte irgendwann die Stimmen des Ehepaars vom Garten her. Vielleicht hatte ich geräuschvoll ein Fenster geöffnet um meine Anwesenheit zu demonstrieren oder sie hörten durch das gekippte Fenster, dass ich Musik anhatte und demzufolge da war. Sie ließen sich jedenfalls nicht blicken und es wurde auch nichts umgeräumt. An einem anderen Tag traf ich sie im Treppenhaus, sie grüßten mich mit aufgesetztem Gastgeberlächeln und unterschwelligem Misstrauen in den Augen.
Irgendwann bemerkte ich, dass sie in der Ferienwohnung waren, weil der Tisch und der Stuhl anders standen. Die von mir unverzüglich nach Ankunft im Küchenbuffet verstauten, mit Seidenblumen in Bleu und Rosé bekränzten Porzellan-Kerzenhalter prangten aufs Neue auf dem von mir ebenfalls vorübergehend entsorgten bestickten Deckchen auf der Mitte des bäuerlich gedrechselten Holztisches. Der Mülleimer ward geleert und eine neue Klorolle und neue Handtücher lagen im Bad. Gegen frisches Klopapier und frische Handtücher lässt sich ja nun wenig sagen, aber die Art und Weise des Transfers war halt leider nicht nach meinem Geschmack. Gegen diese Ferienwohnung ist meine Wohnung hier der reinste Urlaub und: kostet nicht extra. Ich kann in der Sonne frühstücken, und zwar wie Gott mich schuf. Keiner stellt weiße Plastikmöbel auf meinen Balkon, sagenhafter Erholungsfaktor.
Allerdings hatte ich auch schon recht schöne Ferienwohnungen mit lauschigem, uneinsehbaren Plätzchen an der Sonne zum Frühstücken. Auf Hiddensee und Santorin, Favignana und Spetsai. Und bestimmt auch noch woanders. Aber das hier ist aus den oben dargelegten Gründen mein unschlagbares Lieblings-Resort.

20. August 2011


Ich sehe gerade beim Spaziergang durch das Internet aus etwa zwei Meter Entfernung diesen Schatten vom Drachenbaum, nur ohne den Stuhl, in der Mitte eines quadratischen Sonnenfleckens Das ist sehr schön. Viel schöner als auf dem Bild da oben. Eigentlich sollte ich es fotografieren, aber ich bin schlichtweg zu faul von meinem bequemen Platz aufzustehen. Also habe ich das alte Foto da oben in meinem Flickr gesucht und zur Illustration eingeklebt. Wenn der Kaffee alle ist, stehe ich aber auf jeden Fall wieder auf um neuen zu kochen! Die Sonne scheint, die Balkontür steht weit auf, die Kinder quieken und die Glocke der Sophienkirche schlägt. Beinah wie Sonntag.

19. August 2011

Bißchen ernster weiter. Ernstes Zeug gerade gelesen. Will ich gerade gar nicht darauf eingehen. Politisches Ärgernis, nichts Privates, obwohl eine private Analogie für mich ablesbar oder interessant ist. Wird sich wahrscheinlich eh alles in der näheren Zukunft regulieren, steht in den Sternen. Andeutungen, die kein Mensch je versteht. Ist mehr so ein Memo für mich selbst. Bin heute ein bißchen offenbarungsfaul. Mehr so ein Tag für Einatmen.
Zum Beispiel Bilder, die ich vorhin sah, die mir eine Freundin von einer sehr langen Reise durch Neuseeland zeigte. Eine Bemerkung von ihr war interessant. Das Land ist ja extrem schwach besiedelt und die Freude über jeden Menschen, jede Begegnung groß und freudig. Die sich wiederholende Dramaturgie des sehr herzlichen Small talks. Als deutscher Tourist fragt man ja nicht nur, sondern wird auch befragt. Mit Berlin kann die ganze Welt etwas anfangen. So ist immer eine der ersten Bemerkungen „Ah, Berlin – the Wall! What is it like, now after the Wall? Und dann: „Wie ist euer Schulsystem?“ „Und die Sozialversicherung?“ Viele haben mehrere Jobs in Neuseeland, um sich über Wasser zu halten, eine ganz normale Sache, die ohne großes Stöhnen einfach als Status quo gehandelt wird.
Als sie das alles erzählte, fiel mir die erste Frage ein, die mir ein ein Navajo Chief im Reservat an der Grenze von Utah zu Arizona stellte. Eine wüstenhafte Gegend, sehr heiß und trocken. „What about rain? Do you have rain? Is it raining enough in your country?“. Uns ist seine mit großem Ernst gestellte Frage ein Lächeln wert. Das war ein bewegender Moment, im Sinne von da hat sich etwas bewegt, nicht nur im Herz, auch im Hirn. Dann kamen wir irgendwie darauf, dass es in „meiner“ Kultur, wie ja in jeder, auch traditionelle Stammesriten gibt. Zum Beispiel Tänze. Obwohl ich nicht direkt aus einer alpenländischen Region komme, habe ich mir angemaßt, ihm eine Art Schuhplattler vorzuführen, weil mir schlichtweg nichts anderes eingefallen ist. Das hat ihn unheimlich erheitert, ja gefreut. Kann man sich schon mal mit fremden Federn schmücken. Und nach dem Mauerfall hat er sich natürlich auch erkundigt, der alte Indianer.

Ich esse noch eine Kleinigkeit und gehe bald schlafen. Vielleicht Erdbeeren. Gibt jetzt nicht mehr so viele im Supermarkt. Habe mir vorhin aus dreieinhalb Portionen nicht mehr so guter ein passables Körbchen voll zusammengeklaubt. Und ein Gurkenglas fallen lassen. Das ist mir schon zweimal passiert im Leben. Also nicht mit Gurken. Aber immer Sauerei. Ich bin dann brav und suche jemand vom Supermarkt, um den Schaden zu melden. Hinten im Getränkekistenlager war eine Mitarbeiterin. „Ich möchte einen Unfall melden! Ein Gurkenglas ist runtergefallen.“ Sie: „Ah! Ein Unfall!“ Wenige Minuten später kommt sie mit einem Eimer und einem Wischlappen, ich zeige ihr den Unfallort. Sie bedankt sich, stellt keine weiteren Fragen. Das geht dann immer aufs Haus, wenn was kaputt geht, bevor man es bezahlt hat, egal wer Schuld hat. Ich finde das ganz schön großzügig. Hier bei uns in Deutschland, im Schlaraffenland. Good night and good luck.

17. August 2011

Mein Freund, der Heizungsableser hat sich für morgen kurz vor Sieben angekündigt. Ich wollte ihm eine ganz andere Uhrzeit, ja einen anderen Tag für unsere kleine Verabredung vorschlagen, aber er wollte nicht länger warten. Dann lieber früher, „ich kann kurz vor Sieben da sein!“, meinte er kess.
Ursprünglich wollte er zwischen Acht und Elf kommen, aber ich habe bereits eine andere Verabredung, früh um Acht, ausgerechnet! „Um Sieben Uhr fünfzehn muss ich aber los!“ hab ich ihm durch den Telephonhörer gedroht. Stimmt zwar nicht ganz, aber mein kühner Plan, ihm dieses arg frühe Rendezvous durch diese Behauptung zu verleiden, ging leider nicht auf. „Ich schaffe das, Sie können ja schon mal alles freiräumen, dann geht es ganz schnell!“ In Wahrheit will er gar nicht meine Heizung ablesen. Ich weiß das genau. Ich bin doch nicht blöd. In Wahrheit will er nämlich an was ganz anderes ran. Meinen Kaltwasserzähler, den er neulich vergessen hat auszuwechseln!
Muss schlafen gehen, damit ich morgen früh einen passablen Eindruck hinterlasse, wenn ich ihm meine Wohnungstür öffne. Und nicht vergessen: „alles schon mal freiräumen“. Vor zwei Wochen war er schon mal da, wegen Warmwasserzähler austauschen. Dann hat er gemerkt, er hat den Kaltwasserzähler in seiner Werkstatt vergessen und sich so seltsam familiär verabschiedet. „Na, dann! Bis zum nächsten Mal!“ Nun ist es also so weit. Der große Tag des Wiedersehens steht vor der Tür. Unter der Spüle, wo der eine Zähler in der Küche ist, muss ich freiräumen. Staubsauger, die Müllsäcke-Rolle, leere Flaschen für den Container, Glühbirnen, Putzmittel. Was man in einem ordentlichen Haushalt eben so im Spülschränkchen hortet.
Dann noch Zähneputzen und Gesicht waschen und Gute Nacht! Und Wecker stellen nicht vergessen. Wann steht man denn da am Günstigsten auf? Vielleicht sechs Uhr? Na ja. Wird schon klappen.

16. August 2011

„Mahatma Gandhi hat die sieben Todsünden der modernen Welt wie folgt definiert: Reichtum ohne Arbeit. Genuss ohne Gewissen. Wissen ohne Charakter. Geschäft ohne Moral. Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Religion ohne Opferbereitschaft. Politik ohne Prinzipien“ Wikipedia

Dann bin ich ja doch nicht so niederträchtigen Charakters, wie ich hin und wieder insgeheim von mir denke. Denken alle sicher, man meint das komplett kokett. Ob die anderen immer alle gute, züchtige Gedanken schieben, Licht und Liebe-Trallala? Frage ich mich schon. Auf jeden Fall wird meistens Empörung signalisiert, wahrscheinlich wegen der anerzogenen Korrektheit, wenn ich abgründige Phantasien zugebe. Obwohl man in der Situation auch sehr schön den Grad an Humor und Leidenschaft am Gegenüber ablesen kann. Rache- und Mord* (*s. u.) Foltergelüste sind mir nicht fremd (nicht aus Sadismus oder Irrsinn, wohlgemerkt), aber aus rein komplett egoistischen Gründen des Selbstschutzes habe ich keinerlei Lust, da ernsthaft etwas in Auftrag zu geben oder mir womöglich selbst die Finger schmutzig zu machen. Wie man in den Wald usw. usf. Auch aus ästhetischen Gründen. Und womöglich ist an dem Karmakram doch was dran. Im Grunde glaube ich letztlich an eine höhere Gerechtigkeit, die langfristig alles regelt und ausgleicht.
Und dann bin ich ja auch eine Anhängerin von Instant Karma. Bedeutet: Strafe folgt bei Fuß. Mehr oder weniger „instant“. Im selben Leben. Fertig, erledigt! Ich habe es gerne sauber und aufgeräumt, was das Leben ja mal gerne nicht ist. Also muss etwas nachgearbeitet werden. Prinzipiell empfinde ich psychische Einwirkung als tiefere Genugtuung als physische Zerstörung. Letztere ist eher langweilig und auch nicht wirklich zielführend. Selbstverständlich geht es hier ausschließlich um Notwehr. Ich bin zum Beispiel auch gegen die Todesstrafe für perverse Mörder und überhaupt alle. Der Täter soll schon leiden. Gerne lange, dem Dämmern der Selbsterkenntnis ausgeliefert, was bei kurzfristigem tödlichem Ende ja nun nicht gewährleistet ist. Womöglich vorzeitig erlöst ins Paradies. Kommt gar nicht in Frage. Der Zerstörer soll ausgiebig Gelegenheit haben, sich mit seiner verdrehten Psyche und den Auswirkungen seiner Tat vertraut zu machen. Bis er auf die Knie fällt und winselnd Abbitte leistet. Nicht – oder nicht nur vor Gott. Dann kann man gerne weitersehen. Ich hänge zutiefst der Idee von Genugtuung durch wahrhaftige, demütige und vor allem tätige Reue an. Nicht so ein kleines, vernuscheltes Entschuldigungssprüchlein im stillen Kämmerlein. Man ist ja auch kein Unmensch und meistens zur Vergebung bereit. Sofern die Voraussetzungen gegeben sind. Der Preis ist tatsächlich Reue. Vergebung ohne Wiedergutmachungszeichen empfinde ich als unangemessen. Ein unverhältnismäßiger Deal. „Reichtum ohne Arbeit“, wie Ghandi sagt. Ich mag Menschen, die arbeiten. Am Ende des Tunnels ist Licht. Aber vorher nicht.

17. August 2011

Mein Freund, der Heizungsableser hat sich für morgen kurz vor Sieben angekündigt. Ich wollte ihm eine ganz andere Uhrzeit, ja einen anderen Tag für unsere kleine Verabredung vorschlagen, aber er wollte nicht länger warten. Dann lieber früher, „ich kann kurz vor Sieben da sein!“, meinte er kess.
Ursprünglich wollte er zwischen Acht und Elf kommen, aber ich habe bereits eine andere Verabredung, früh um Acht, ausgerechnet! „Um Sieben Uhr fünfzehn muss ich aber los!“ hab ich ihm durch den Telephonhörer gedroht. Stimmt zwar nicht ganz, aber mein kühner Plan, ihm dieses arg frühe Rendezvous durch diese Behauptung zu verleiden, ging leider nicht auf. „Ich schaffe das, Sie können ja schon mal alles freiräumen, dann geht es ganz schnell!“ In Wahrheit will er gar nicht meine Heizung ablesen. Ich weiß das genau. Ich bin doch nicht blöd. In Wahrheit will er nämlich an was ganz anderes ran. Meinen Kaltwasserzähler, den er neulich vergessen hat auszuwechseln!
Muss schlafen gehen, damit ich morgen früh einen passablen Eindruck hinterlasse, wenn ich ihm meine Wohnungstür öffne. Und nicht vergessen: „alles schon mal freiräumen“. Vor zwei Wochen war er schon mal da, wegen Warmwasserzähler austauschen. Dann hat er gemerkt, er hat den Kaltwasserzähler in seiner Werkstatt vergessen und sich so seltsam familiär verabschiedet. „Na, dann! Bis zum nächsten Mal!“ Nun ist es also so weit. Der große Tag des Wiedersehens steht vor der Tür. Unter der Spüle, wo der eine Zähler in der Küche ist, muss ich freiräumen. Staubsauger, die Müllsäcke-Rolle, leere Flaschen für den Container, Glühbirnen, Putzmittel. Was man in einem ordentlichen Haushalt eben so im Spülschränkchen hortet.
Dann noch Zähneputzen und Gesicht waschen und Gute Nacht! Und Wecker stellen nicht vergessen. Wann steht man denn da am Günstigsten auf? Vielleicht sechs Uhr? Na ja. Wird schon klappen.

16. August 2011

„Mahatma Gandhi hat die sieben Todsünden der modernen Welt wie folgt definiert: Reichtum ohne Arbeit. Genuss ohne Gewissen. Wissen ohne Charakter. Geschäft ohne Moral. Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Religion ohne Opferbereitschaft. Politik ohne Prinzipien“ Wikipedia

Dann bin ich ja doch nicht so niederträchtigen Charakters, wie ich hin und wieder insgeheim von mir denke. Denken alle sicher, man meint das komplett kokett. Ob die anderen immer alle gute, züchtige Gedanken schieben, Licht und Liebe-Trallala? Frage ich mich schon. Auf jeden Fall wird meistens Empörung signalisiert, wahrscheinlich wegen der anerzogenen Korrektheit, wenn ich abgründige Phantasien zugebe. Obwohl man in der Situation auch sehr schön den Grad an Humor und Leidenschaft am Gegenüber ablesen kann. Rache- und Mord* (*s. u.) Foltergelüste sind mir nicht fremd (nicht aus Sadismus oder Irrsinn, wohlgemerkt), aber aus rein komplett egoistischen Gründen des Selbstschutzes habe ich keinerlei Lust, da ernsthaft etwas in Auftrag zu geben oder mir womöglich selbst die Finger schmutzig zu machen. Wie man in den Wald usw. usf. Auch aus ästhetischen Gründen. Und womöglich ist an dem Karmakram doch was dran. Im Grunde glaube ich letztlich an eine höhere Gerechtigkeit, die langfristig alles regelt und ausgleicht.
Und dann bin ich ja auch eine Anhängerin von Instant Karma. Bedeutet: Strafe folgt bei Fuß. Mehr oder weniger „instant“. Im selben Leben. Fertig, erledigt! Ich habe es gerne sauber und aufgeräumt, was das Leben ja mal gerne nicht ist. Also muss etwas nachgearbeitet werden. Prinzipiell empfinde ich psychische Einwirkung als tiefere Genugtuung als physische Zerstörung. Letztere ist eher langweilig und auch nicht wirklich zielführend. Selbstverständlich geht es hier ausschließlich um Notwehr. Ich bin zum Beispiel auch gegen die Todesstrafe für perverse Mörder und überhaupt alle. Der Täter soll schon leiden. Gerne lange, dem Dämmern der Selbsterkenntnis ausgeliefert, was bei kurzfristigem tödlichem Ende ja nun nicht gewährleistet ist. Womöglich vorzeitig erlöst ins Paradies. Kommt gar nicht in Frage. Der Zerstörer soll ausgiebig Gelegenheit haben, sich mit seiner verdrehten Psyche und den Auswirkungen seiner Tat vertraut zu machen. Bis er auf die Knie fällt und winselnd Abbitte leistet. Nicht – oder nicht nur vor Gott. Dann kann man gerne weitersehen. Ich hänge zutiefst der Idee von Genugtuung durch wahrhaftige, demütige und vor allem tätige Reue an. Nicht so ein kleines, vernuscheltes Entschuldigungssprüchlein im stillen Kämmerlein. Man ist ja auch kein Unmensch und meistens zur Vergebung bereit. Sofern die Voraussetzungen gegeben sind. Der Preis ist tatsächlich Reue. Vergebung ohne Wiedergutmachungszeichen empfinde ich als unangemessen. Ein unverhältnismäßiger Deal. „Reichtum ohne Arbeit“, wie Ghandi sagt. Ich mag Menschen, die arbeiten. Am Ende des Tunnels ist Licht. Aber vorher nicht.

14. August 2011


Ach so, dass ich es nicht vergesse! Heute zweite Apfelernte eingeholt! Endlich hat sich mein innigster Wunsch erfüllt, dass es gegen Abend regnen soll. Ich weiß, ich weiß, alle verfluchen den Regen, aber ich bin begeistert von der supergrünen Wiese unter meinem Fenster und dass mein Apfelbäumchen ordentlich Wasser kriegt. Aber meistens zur Unzeit, in Sachen Ernte. Es ist nämlich so, dass mir nach der ersten Ernte von acht Äpfeln, die hervorragend geschmeckt haben und ich in meiner grenzenlosen Großzügigkeit sogar zum Teil prahlend („von MEINEM Apfelbaum!“) verschenkt habe, die Äpfel knapp geworden sind und ich hinzukaufen musste. Ungern! Das Problem ist nämlich, dass immer wenn ich Zeit und Lust auf das erneute Einholen der Ernte habe, Liebespärchen auf der Bank unter meinem Baum herumlungern und Intimitäten austauschen. Das nervt! Ich krabble doch nicht vor denen im Gras herum und klaube Äpfel auf. Das ist mir peinlich! Dabei ist es doch mein Apfelbaum. Die Leute haben einfach keinen Respekt! Deswegen wünsche ich mir seit einigen Tagen innig, es möge zur bevorzugten blöde-Liebespärchen-auf-der-Bank-unter-meinem-Apfelbaum-Stunde bitte ordentlich duschen! Und vorhin war es so weit. Juchhuu! Einundzwanzig Stück von der Wiese geholt! Bäumchen schüttel dich, Bäumchen rüttel dich, ist aber noch nicht. Ich hab’s versucht. Die bleiben hängen. Aber ich bin bereit für die nächste Ernte! Von den 21 Äpfelchen aus der Wiese hatte die Hälfte Besuch, also Untermieter. Ich nicht faul, das Gute in Töpfchen, das Schlechte ins Mülleimerchen. Hab die guten Apfelschnitzchen in eine große Schüssel geschnippelt, viel Zimt drüber und Holunderbeersaft und in den Kühlschrank. Und morgen kann ich mich wieder beliebt machen mit Äpfel verschenken. Die Menschen wissen das wirklich zu schätzen. Kann ich nicht anders sagen. Ich überreiche meine kleinen Äpfel mit großer Geste, so flach auf dem Handteller vor die Nase gehalten, als wäre es pures Gold! Ist es ja auch. Der Rolls Royce unter den Äpfeln! Mal gucken, wie mein Zimtholunderapfeltöpfchen jetzt nach ein paar Stunden schmeckt. Mache ich Joghurt drüber. Bestimmt super!

14. August 2011

Gut bin ich! Bis auf 5., 6. und 9. August lückenlos Blogeinträge verfasst. Ich muss mich loben. Wahrscheinlich die Merkur-Konjunktion. Meine Güte, habe ich gestern viele Bilder gemacht. So viele bringen andere aus einem dreiwöchigen Urlaub nach Hause. Aber dafür mache ich das nicht mehr so oft. Hat sich alles ein wenig beruhigt. Man hat ja auch schon so viel gesehen und fotografiert. Manche Motive sind so reizvoll, dass man sogar Lust hat, wissentlich ein Bild noch einmal zu machen, obgleich es schon sehr ähnlich existiert. Diese kleine interessante, reizvolle Abweichung zu sehen. Demzufolge ist es recht unwahrscheinlich, dass ich irgendwann davon abkomme, mich selbst festzuhalten. Da ist ja doch immer Veränderung. In alle Richtungen. Innerlich, äußerlich. Ha! Blogeintrag vom 14. fertig. Zack!

10. August 2011

Meine aufrichtigen Segenswünsche gehen heute an Dave Wyndorf zum zwanzigjährigen Jubiläum des obigen ersten Monster Magnet Musik-Videos, Anno 1991. Ansonsten wäre von meiner Seite nur noch auf den folgenden, substanziell gewichtigen Forums-Diskussions-Beitrag hinzuweisen. Eine existentielle Frage, die wie man sieht, nicht nur mich beschäftigt: kann Gott (oder vielleicht ist die Frage an dieser Stelle besser an Odin gerichtet) es wirklich gewollt haben, ja kann es denn wirklich sein, dass Monster Magnet noch nie in Wacken war? Etwas läuft im Universum gewaltig schief! Hier muss nachgearbeitet werden! Eigentlich wollte ich heute einen – im Rahmen meiner Möglichkeiten – zarter besaiteten Eintrag mit frischen egozentrischen Abbildungen anbieten, aber dann hat mich Isa mit ihrem Wacken-Erlebnisaufsatz an dieses alte, leidige Problem erinnert, das noch nicht aus der Welt geschaffen ist, und ich sehe mich gezwungen, Prioritäen setzen. Dave Wyndorf wird nun auch nicht jünger und hat ordentlich zugelegt. Ich sorge mich ein wenig. Meinethalben kann Doro – wie gehabt – ihre Eröffnungshymne spielen. Sehe ich kein Problem.


Monster Magnet für Wacken!


PUSH

13. August 2011 memoriam


[…] gerade zurück. Bernauer Ecke Ackerstraße. Das Bild da oben ist vom November 2009, ein Stück Mauer, an einem Nachmittag vor der großen Gedenkfeier zu zwanzig Jahren Mauerfall gemacht.
Heute vor fünfzig Jahren ist das Monstrum gebaut worden. War ein schöner Spaziergang über den Friedhof in der Ackerstraße, vorbei am Grab von Walter Kollo, Sonnenblumen an Gräbern, tiefblauer Himmel. die alten Trümmer. Viele Menschen. Vor gut zehn Jahren war ich mal da. Es gab die Stelen noch nicht mit den multimedialen Funktionen. Aus zwei Stelen sagt eine Stimme einer Frau die Namen und das Alter und den Todestag der Toten, die versuchten zu flüchten. Wie immer, wenn es mich dann schon mal packt, habe ich sehr viele Aufnahmen gemacht. Aber die muss ich erst sichten und sortieren. Ich habe dieses Tages vor fünfzig Jahren heute ausgiebig gedacht. Viel Englisch konnte man hören. Amerikanisches Englisch. Im Filmvorführraum der Gedenkstätte gab es einen Film, der kurz nach Mauerfall entstand. Aus einem Hubschrauber wurde Berlin von oben gefilmt, der ganze Mauerverlauf. Das war vorher nicht erlaubt. Im Vorführraum waren vielleicht dreißig Leute. Die meisten waren doch draußen bei der Bühne, von wo auch Raiko Thal berichtet hat. War beinah zufällig, dass ich dort war. Gestern daran gedacht und dann überlegt, es wäre angemessen mal wieder hinzugehen. Das war eine gute Idee.
Kann einem doch nicht egal sein, wenn man hier lebt. Ich habe damals, um den 9. November 1989 herum viel mit älteren Berlinern gesprochen, die sich noch haarklein erinnern konnten. Minutiös. Wie ihre Familie auseinandergerissen wurde. Und man von heute auf morgen die Schwester oder Tante nicht mehr besuchten konnte. Wie man sich schnell entscheiden musste, auf welcher Seite man bleibt und welche Wohnung man zurücklässt. Und wie schwer das fiel. Und dass es nicht jeder übers Herz brachte, sein Zuhause einfach hinter sich zu lassen. Das hat mich alles sehr bewegt. So als ob ich von heute auf morgen nicht mehr nach Charlottenburg fahren könnte. Ich muss mal die Bilder sichten. […]

12. August 2011

OH ELLA. 1971. Vermutlich hat sie da schon Probleme mit ihren Beinen gehabt (gut zwanzig Jahre später wurden ihr beide ab dem Unterschenkel amputiert). Sunny fand ich nie so ein umwerfendes Lied. In meiner Jugend wurde man mit der Coverversion von Boney M. beschallt. Man hat das Lied so hingenommen. Aber von Ella ist es großartig. Er macht das auch wirklich gut. Ich liebe Ella sehr. Im Wikipedia heißt es, das Besondere an ihrem Gesang sei ihre leichte Phrasierung gewesen. Und das stimmt. Federleicht. Auf einer Wolke fliegen die Töne durch den Himmel in die Weiten des Universums. Ja, ich habe als Kind immer Raumschiff Enterprise geschaut. Nein ernsthaft. Sie war wach. Hellwach. Ihr Ausdruck ist ungleich facettenreicher als der von der ewig und drei Tage zugedröhnten Billie Holiday, die zweifelsohne auch eine Reihe schöner Aufnahmen gemacht hat. Zum Beispiel How deep is the Ocean. Das mag ich gerne. Aber wenn man sich in Billie genauer einhört, nimmt man früher oder später den gleichförmigen Ausdruck wahr und begreift, dass Ella eine andere Liga war. Allererste. Sahne.

12. August 2011

OH ELLA. 1971. Vermutlich hat sie da schon Probleme mit ihren Beinen gehabt (gut zwanzig Jahre später wurden ihr beide ab dem Unterschenkel amputiert). Sunny fand ich nie so ein umwerfendes Lied. In meiner Jugend wurde man mit der Coverversion von Boney M. beschallt. Man hat das Lied so hingenommen. Aber von Ella ist es großartig. Er macht das auch wirklich gut. Ich liebe Ella sehr. Im Wikipedia heißt es, das Besondere an ihrem Gesang sei ihre leichte Phrasierung gewesen. Und das stimmt. Federleicht. Auf einer Wolke fliegen die Töne durch den Himmel in die Weiten des Universums. Ja, ich habe als Kind immer Raumschiff Enterprise geschaut. Nein ernsthaft. Sie war wach. Hellwach. Ihr Ausdruck ist ungleich facettenreicher als der von der ewig und drei Tage zugedröhnten Billie Holiday, die zweifelsohne auch eine Reihe schöner Aufnahmen gemacht hat. Zum Beispiel How deep is the Ocean. Das mag ich gerne. Aber wenn man sich in Billie genauer einhört, nimmt man früher oder später den gleichförmigen Ausdruck wahr und begreift, dass Ella eine andere Liga war. Allererste. Sahne.

12. August 2011

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Aufgeräumt. Den kleinen Balkon im Norden. Mich. Ich. Über die nackte Erde ist inzwischen Gras gewachsen. Grünes Fell. Das geht ganz schnell. Sieht man auf den Bildern noch nicht, da habe ich es ja erst gesät. Gerade ganz viele alte Bilderstrecken in eine neue Sammlung gesteckt. Jupiter IV. Zuhause. Bin die letzten Tage nicht zu Mitternacht ins Bett gegangen. Bemerkenswert! Aber ich bin schnell eingeschlafen. Das ist nicht immer der Fall, wenn ich es um Mitternacht probiere, aber immer öfter. Das ist gut. Sehr gut. Wie das Gefühl, morgens beim Aufwachen. Das Kribbeln in den Zellen. Die Zellen sind in den neuen Zustand verliebt. Wie sich das anfühlt… ich bin jeden Morgen verwundert, ich kannte das nicht. Verliebt in den körperlichen Zustand. Die fließende Kraft.

Berauscht von Nüchternheit. Klarheit, Reinheit. Ohne romantische Brille auf der Nase. Das pure physische Dasein. Das klingt alles gar nicht angemessen. Beinah freudlos, dabei ist es das Gegenteil. Eher unbeeinträchtiges Vibrieren. Unbeeinträchtigte Kraft. Vielleicht sieht man, was ich nicht recht in Worte fassen kann. Aber jetzt ins Bett.

11. August 2011

Immer wieder beliebt, diese Aufnahme. Ich nehme an, es liegt neben der Silhouette an der Vielfalt des Interpretationsspielraumes. Man denkt die Linien weiter, die man nicht sieht. Dabei geht man von etwas Schönem, Guten, gerne Gesehenen, vielleicht sogar Idealen aus. Das ist auch richtig so und angemessen, denn das bereits Sichtbare ist es ja dem Anschein nach auch. Die Gedanken setzen die angesungene Melodie fort. Die Logik der Schöpfung. Die Linien haben einen Rhythmus, den man erkennt. So ist es bei allen Geschöpfen. Tiere, Planzen, Männer. Frauen. Geformt durch jene Kraft, die Bewegung möglich macht.

10. August 2011

Meine aufrichtigen Segenswünsche gehen heute an Dave Wyndorf zum zwanzigjährigen Jubiläum des obigen ersten Monster Magnet Musik-Videos, Anno 1991. Ansonsten wäre von meiner Seite nur noch auf den folgenden, substanziell gewichtigen Forums-Diskussions-Beitrag hinzuweisen. Eine existentielle Frage, die wie man sieht, nicht nur mich beschäftigt: kann Gott (oder vielleicht ist die Frage an dieser Stelle besser an Odin gerichtet) es wirklich gewollt haben, ja kann es denn wirklich sein, dass Monster Magnet noch nie in Wacken war? Etwas läuft im Universum gewaltig schief! Hier muss nachgearbeitet werden! Eigentlich wollte ich heute einen – im Rahmen meiner Möglichkeiten – zarter besaiteten Eintrag mit frischen egozentrischen Abbildungen anbieten, aber dann hat mich Isa mit ihrem Wacken-Erlebnisaufsatz an dieses alte, leidige Problem erinnert, das noch nicht aus der Welt geschaffen ist, und ich sehe mich gezwungen, Prioritäen setzen. Dave Wyndorf wird nun auch nicht jünger und hat ordentlich zugelegt. Ich sorge mich ein wenig. Meinethalben kann Doro – wie gehabt – ihre Eröffnungshymne spielen. Sehe ich kein Problem.


Monster Magnet für Wacken!


PUSH

08. August 2011

Der Begriff der Enfilade ist mir aufgrund noch immer nicht vollständig geschlossener Bildungslücken bis vorhin auch noch nicht untergekommen. Zimmerfluchten kennt man freilich, aber nie darüber nachgedacht. Schönes Wort eigentlich. Nun hatten wir es im Französischunterricht von architektonischen Details eher wenig bis gar nicht. Vielleicht habe ich mich auch einfach zu wenig mit Schlösserarchitektur befasst. Nie eines angemietet oder einrichten müssen! Dabei soll es zum Beispiel im Neuen Palais von Schloss Sanssouci in Potsdam eine beeindruckende Enfilade geben! Ich prüfe das. Demnächst. Man soll ja jeden Tag etwas hinzulernen. Hiermit geschehen! Erinnert ein bißchen an die Innenarchitektur von Räumen aus Träumen. Endlose Fluchten und am Ende ein Fenster. Ja früher! Da war eben noch Dramaturgie im Spiel! Obwohl ich privat ja eher die versteckten Winkel schätze.

08. August 2011

Das Glück des Apfelbäumchens nicht verschreien. Keine Metapher. Obwohl es sich doch eigentlich recht gut machen würde, wenn ich es so überlege. „Das Glück des Apfelbäumchens. Besinnliche Gedanken durch die Jahreszeiten von Gaga Nielsen“ „Endlich auch als Geschenkedition im Leinenschuber erhältlich! Ein geschmackvolles Präsent für die ganze Familie! Zum runden Geburtstag Ihrer Schwiegermutter oder auch zur Konfirmation Ihres Enkels. Ein Geschenk, das Sie mit Rat und Tat durch die Jahreszeiten Ihres Lebens begleiten wird! Durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter! Von der Wiege bis zur Bahre! Nur 17,95 EUR!“
Gerade zwei kleine Äpfel aus der nassen Augustwiese von meinem Auguststraßen-Apfelbäumchen mit so kleinen Stellen drin gegessen. Haben gut geschmeckt. Hab die Stellen aber rausgeschnitten, obwohl ich keine Vegetarierin bin.

08. August 2011

Der Begriff der Enfilade ist mir aufgrund noch immer nicht vollständig geschlossener Bildungslücken bis vorhin auch noch nicht untergekommen. Zimmerfluchten kennt man freilich, aber nie darüber nachgedacht. Schönes Wort eigentlich. Nun hatten wir es im Französischunterricht von architektonischen Details eher wenig bis gar nicht. Vielleicht habe ich mich auch einfach zu wenig mit Schlösserarchitektur befasst. Nie eines angemietet oder einrichten müssen! Dabei soll es zum Beispiel im Neuen Palais von Schloss Sanssouci in Potsdam eine beeindruckende Enfilade geben! Ich prüfe das. Demnächst. Man soll ja jeden Tag etwas hinzulernen. Hiermit geschehen! Erinnert ein bißchen an die Innenarchitektur von Räumen aus Träumen. Endlose Fluchten und am Ende ein Fenster. Ja früher! Da war eben noch Dramaturgie im Spiel! Obwohl ich privat ja eher die versteckten Winkel schätze.

04. August 2011

Altes Foto, von Jan gemacht. Im Kreuzberger Putiklub. Ich glaube Bergmannstraße. 10. Mai 2008. Gerade eben erst hochgeladen, war noch gar nicht in meinem egomanischen Archiv.

Ich erinnere mich ungefähr an den Moment. Wir waren viel unterwegs an dem Tag. Eine Gedenkfeier am Grab zu Ehren des surrealistischen Malers Schröder Sonnenstern in Schöneberg. Später eine Eröffnung von Jans guter alter Freundin Helga irgendwo in Kreuzberg und zuguterletzt in diesen Putiklub, wo nicht mehr viel los war und wir mit dem Raum herumspielten.
Ich dachte an nichts weiter beim Fotografiertwerden, außer, dass ich, obwohl ich es nicht immer mochte, weil es mich verunsicherte, an dem Abend ganz gern hatte. Ich hatte irgendwie Lust darauf. Ja. Heute sehe ich außerdem das Datum und was ich damals noch nicht wusste. Welche Dinge, welche Begegnungen die Zukunft bringen würde. Die da sehr nahe Zukunft. Das war ein sehr ereignisreiches Jahr für mich. Wenn ich jetzt zurückblicke, sehe ich wie erschlagen diese vielen kaum mehr zählbaren Bilderreihen, die unzähligen, vielfach sehr spannenden und so leichtfüßigen Begegnungen. Und verstehe, wenn jemand aufgrund all dieser Bilder meint, so ginge es bestimmt unendlich weiter. Es könnte. Anders, ähnlich. Aber das ist jetzt gerade eine andere Lebensphase. Vorhin eine Einladung von Sevenstar im Postfach. Nach langer Zeit, mal schauen.
Das Bild fand ich vorhin in der Reihe bei Jan, die er unverändert auf seiner catonbed-Seite über mich hat. Alphabetisch einsortiert, über mir Jonathan Meese. Da musste ich lachen. Ich, die Jungfrau und das Kind. Passt schon. Warum kam ich überhaupt darauf, die Seite nach so langer Zeit anzuschauen? Jan hatte gemailt, er sei in der Nähe, hätte in der Torstraße bis etwa halbneun zu tun und würde dann versuchen, mal bei mir vorbeizuschauen und dreimal klingeln. Was er schon mehrfach versucht hätte, immer wieder mal in letzter Zeit. Das mit dem Klingelzeichen hat er sich mal ausgedacht, aber scheinbar einige andere auch. Hm. Ja. Ich mache auch dann fast nie auf, das ist wahr. Zum einen weil ich die Klingelzeichen nicht zähle, zum anderen, weil ich so versunken bin und niemanden erwarte und für mich Besuche immer etwas sehr Besonderes sind, auch wenn mir jemand sehr vertraut ist.
Aber lustig war, dass mich die Mail (obwohl ich schon ahnte, dass ich so relativ spät eh nicht mehr in Besuchtwerdenlaune wäre) animierte, aufzuräumen. Ich schaute um mich, in der Küche lagen noch die Sachen auf dem Tisch vom Einkaufen. Was für ein Durcheinander. Die Klamotten auf der kleinen Ottomane, oder wie dieses Möbel heißt, Kraut und Rüben von drei Tagen übereinander. Hab wirklich aufgeräumt, sogar den Müll runtergebracht, aber ich merkte dabei, das mache ich ultimativ für mich, nicht für eventuellen Besuch. Es hat dann auch nur ein einziges mal kurz geklingelt, und zwar gerade als ich Jan mailte, dass es wohl mit dem Besuch heute nichts mehr wird, war schon kurz vor zehn und dass ich zur Zeit früher schlafen gehe. Ganz brav. Mal schauen, was er mir morgen schreibt.
Er mochte es immer gerne, wenn ich ihn in meinen Blogeinträgen erwähnte. Deswegen kam ich über unsere Unternehmungen und Gespräche auch immer gerne hier ins Plaudern. Meinen Lesern gefiel das glaube ich auch. Die hat das damals eine ganze Weile beschäftigt. Unsere nicht enden wollenden Bilderfluten und Geschichten, unterwegs mit Jan. Und die mitunter glamourösen Begegnungen oder sogar Verstrickungen. Veruschka, June Newton, Hanns Zischler, Rosa von Praunheim, Xavier Moreau, Jim Rakete. Jeannot Simmen. Nicky Butler. IC Falkenberg, Udo, Helge Timmerberg ach Helge. Gerald vom Einstein. André Rival. Roswitha Hecke. Die Zwillinge. Thorsten Heinze. Christian Awe. Farin Urlaub. Martin von Ostrowski. Konstantin. Und so viele mehr. Keinen vergessen. Mancher unnennbar. War eine schöne Zeit.
Das habe ich wohl gestern gemeint, mit was Privates bloggen. Und morgen etwas komplett anderes. Bei mir weiß ich nie.

07. August 2011

Ja, Regen, los mach hinne, damit du fertig wirst! Hab jetzt seit zehn darauf gewartet, dass es endlich regnet, wie im Wetterbericht prognostiziert. Extra die dicken Polster und das große Badetuch vom gestrigen Sonnenbraten vom Balkon geräumt. Nach dem Regen soll sogar ein bißchen Sonne kommen, ist mir aber eigentlich nicht so wichtig, Hauptsache wieder trocken, weil ich an dem anderen Balkon was herumwursteln will, da will ich trockene Füße haben. Schiebe ich schon seit zwei Wochen vor mir her. Jetzt stehen die Balkonmöbel schon seit Tagen im Flur rum, der verwitterte kleine Pfauenthron und die Scherben, mit denen ich das kleine Beet ansprechend begrenzen will. Man kann gar keinen Besuch empfangen, wenn das Zeug hier im Entrée herumliegt! Wie sieht das denn aus. Was sollen die Leute denken!

04. August 2011

Altes Foto, von Jan gemacht. Im Kreuzberger Putiklub. Ich glaube Bergmannstraße. 10. Mai 2008. Gerade eben erst hochgeladen, war noch gar nicht in meinem egomanischen Archiv.

Ich erinnere mich ungefähr an den Moment. Wir waren viel unterwegs an dem Tag. Eine Gedenkfeier am Grab zu Ehren des surrealistischen Malers Schröder Sonnenstern in Schöneberg. Später eine Eröffnung von Jans guter alter Freundin Helga irgendwo in Kreuzberg und zuguterletzt in diesen Putiklub, wo nicht mehr viel los war und wir mit dem Raum herumspielten.
Ich dachte an nichts weiter beim Fotografiertwerden, außer, dass ich, obwohl ich es nicht immer mochte, weil es mich verunsicherte, an dem Abend ganz gern hatte. Ich hatte irgendwie Lust darauf. Ja. Heute sehe ich außerdem das Datum und was ich damals noch nicht wusste. Welche Dinge, welche Begegnungen die Zukunft bringen würde. Die da sehr nahe Zukunft. Das war ein sehr ereignisreiches Jahr für mich. Wenn ich jetzt zurückblicke, sehe ich wie erschlagen diese vielen kaum mehr zählbaren Bilderreihen, die unzähligen, vielfach sehr spannenden und so leichtfüßigen Begegnungen. Und verstehe, wenn jemand aufgrund all dieser Bilder meint, so ginge es bestimmt unendlich weiter. Es könnte. Anders, ähnlich. Aber das ist jetzt gerade eine andere Lebensphase. Vorhin eine Einladung von Sevenstar im Postfach. Nach langer Zeit, mal schauen.
Das Bild fand ich vorhin in der Reihe bei Jan, die er unverändert auf seiner catonbed-Seite über mich hat. Alphabetisch einsortiert, über mir Jonathan Meese. Da musste ich lachen. Ich, die Jungfrau und das Kind. Passt schon. Warum kam ich überhaupt darauf, die Seite nach so langer Zeit anzuschauen? Jan hatte gemailt, er sei in der Nähe, hätte in der Torstraße bis etwa halbneun zu tun und würde dann versuchen, mal bei mir vorbeizuschauen und dreimal klingeln. Was er schon mehrfach versucht hätte, immer wieder mal in letzter Zeit. Das mit dem Klingelzeichen hat er sich mal ausgedacht, aber scheinbar einige andere auch. Hm. Ja. Ich mache auch dann fast nie auf, das ist wahr. Zum einen weil ich die Klingelzeichen nicht zähle, zum anderen, weil ich so versunken bin und niemanden erwarte und für mich Besuche immer etwas sehr Besonderes sind, auch wenn mir jemand sehr vertraut ist.
Aber lustig war, dass mich die Mail (obwohl ich schon ahnte, dass ich so relativ spät eh nicht mehr in Besuchtwerdenlaune wäre) animierte, aufzuräumen. Ich schaute um mich, in der Küche lagen noch die Sachen auf dem Tisch vom Einkaufen. Was für ein Durcheinander. Die Klamotten auf der kleinen Ottomane, oder wie dieses Möbel heißt, Kraut und Rüben von drei Tagen übereinander. Hab wirklich aufgeräumt, sogar den Müll runtergebracht, aber ich merkte dabei, das mache ich ultimativ für mich, nicht für eventuellen Besuch. Es hat dann auch nur ein einziges mal kurz geklingelt, und zwar gerade als ich Jan mailte, dass es wohl mit dem Besuch heute nichts mehr wird, war schon kurz vor zehn und dass ich zur Zeit früher schlafen gehe. Ganz brav. Mal schauen, was er mir morgen schreibt.
Er mochte es immer gerne, wenn ich ihn in meinen Blogeinträgen erwähnte. Deswegen kam ich über unsere Unternehmungen und Gespräche auch immer gerne hier ins Plaudern. Meinen Lesern gefiel das glaube ich auch. Die hat das damals eine ganze Weile beschäftigt. Unsere nicht enden wollenden Bilderfluten und Geschichten, unterwegs mit Jan. Und die mitunter glamourösen Begegnungen oder sogar Verstrickungen. Veruschka, June Newton, Hanns Zischler, Rosa von Praunheim, Xavier Moreau, Jim Rakete. Jeannot Simmen. Nicky Butler. IC Falkenberg, Udo, Helge Timmerberg ach Helge. Gerald vom Einstein. André Rival. Roswitha Hecke. Die Zwillinge. Thorsten Heinze. Christian Awe. Farin Urlaub. Martin von Ostrowski. Konstantin. Und so viele mehr. Keinen vergessen. Mancher unnennbar. War eine schöne Zeit.
Das habe ich wohl gestern gemeint, mit was Privates bloggen. Und morgen etwas komplett anderes. Bei mir weiß ich nie.

03. August 2011


Steht eigentlich schon fest, welches Netzwerk nach googledings dran ist? Vielleicht mal was Retromäßiges? Richtig Exklusives? Zum Beispiel könnte man mal wieder was mit Antville machen. Und der totale Burner: man darf sich selber aussuchen, wie die Seite ausschaut und dran rumschrauben. Das wird das ganz große Ding!
Anschließend kommen dann vielleicht sogar twoday-Blogs in Mode, weil so demokratisch auch für den kleinen Blogger von der Straße erhältlich. Und von der Bedienung her ganz ähnlich wie Antville! Toll! Dann warte ich einfach ab und hab gar keine Arbeit und kann inzwischen schön weiter über andere Sachen bloggen. Zum Beispiel Privates! Oder Klatsch und Tratsch! Oder meine neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die mir ja allergrößtes Anliegen sind. Bitte bleiben Sie dran! Sie wissen ja, ich kann da überall nicht mitmachen, weil mir immer nicht gefällt, wie die Seiten dort ausschauen. Da kann ich gar nicht mein Foto so groß hinkleben und machen, dass alles schwarzweiß oder halt so ist, dass es alles nach dem Gaga Nielsen-Imperium ausschaut!
Außerdem bin ich zu faul für doppelte Buchführung. Das war schon bei dem twitterdings so. Wo auf einmal twitter war, haben mich die ganz modernen Blogger, die da mitgemacht haben, aufgezogen, wenn ich was ganz Kurzes als Blogeintrag geschrieben habe, ob ich wohl ein bißchen auf twitter machen will? So ungefähr: du mit deiner billigen twitter-Fälschung hier auf deinem Blog, das ist doch nichts Richtiges! Nur wer bei twitter kurze Sätze schreibt, ist toll! Aber ich wollte so lange Sätze schreiben dürfen, wie ich will und alles auf derselben Seite! Das ist doch nicht schwer zu verstehen.
Bei facebook hat mir dann nicht gefallen, dass alle Seiten dasselbe Kleidchen anhaben, langweiliges blauweiß, wie aus der Tschibo-Reklameabteilung, total blödes Layout, mit ekliger Werbung rechts und auf doofer Pinnwand auch wieder nicht so lange Sätze schreiben wie man will, und Freundschaftsanfragen von Leuten, die ich nicht kenne, die aber wen kennen, den ich kenne, kennt man ja! Und eben doppelte Buchführung: nein, nein, nein! Da macht Gaga Nielsen nicht mit, weil ich habe es gerne aufgeräumt und ohne doppelten Boden! Usw. usf. Also deswegen mache ich da überall nicht mit. Also nicht in dem Sinn, dass sich dort nennenswerte Lebenszeichen von mir finden würden. Wer nun nicht mit mir ‚befreundet‘ ist, auf dem alten facebook-Dings, kann nun zum Beispiel hier und heute exklusiv erfahren, dass da ungefähr 0,007 Content von mir ist. Also: keiner hat was verpasst, Freundschaftsanfragen müssen nicht groß überlegt werden. Es gibt dort ein Foto von mir, wo ich in einer Galerie mit der Kamera in der Hand auf dem Boden liege, eins so halb von der Seite und ein für jeden Trottel sichtbares Profilbild sowie ein Video (Opus fuffzich).
Die drei nur für auserwählte Persönlichkeiten verfügbaren Sachen kann man auch überall sonst angucken, wo ich mein Zeug habe (ohne die aufgesexten Kommentare drunter, versteht sich!) und die Pinnwand ist deaktiviert. Total gutes Gefühl! Das ist jetzt sozusagen mein abschließendes Statement, was eigentlich mit mir und diesen Kurznachrichten-Netzwerken los ist bzw. nicht!

03. August 2011


Steht eigentlich schon fest, welches Netzwerk nach googledings dran ist? Vielleicht mal was Retromäßiges? Richtig Exklusives? Zum Beispiel könnte man mal wieder was mit Antville machen. Und der totale Burner: man darf sich selber aussuchen, wie die Seite ausschaut und dran rumschrauben. Das wird das ganz große Ding!
Anschließend kommen dann vielleicht sogar twoday-Blogs in Mode, weil so demokratisch auch für den kleinen Blogger von der Straße erhältlich. Und von der Bedienung her ganz ähnlich wie Antville! Toll! Dann warte ich einfach ab und hab gar keine Arbeit und kann inzwischen schön weiter über andere Sachen bloggen. Zum Beispiel Privates! Oder Klatsch und Tratsch! Oder meine neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die mir ja allergrößtes Anliegen sind. Bitte bleiben Sie dran! Sie wissen ja, ich kann da überall nicht mitmachen, weil mir immer nicht gefällt, wie die Seiten dort ausschauen. Da kann ich gar nicht mein Foto so groß hinkleben und machen, dass alles schwarzweiß oder halt so ist, dass es alles nach dem Gaga Nielsen-Imperium ausschaut!
Außerdem bin ich zu faul für doppelte Buchführung. Das war schon bei dem twitterdings so. Wo auf einmal twitter war, haben mich die ganz modernen Blogger, die da mitgemacht haben, aufgezogen, wenn ich was ganz Kurzes als Blogeintrag geschrieben habe, ob ich wohl ein bißchen auf twitter machen will? So ungefähr: du mit deiner billigen twitter-Fälschung hier auf deinem Blog, das ist doch nichts Richtiges! Nur wer bei twitter kurze Sätze schreibt, ist toll! Aber ich wollte so lange Sätze schreiben dürfen, wie ich will und alles auf derselben Seite! Das ist doch nicht schwer zu verstehen.
Bei facebook hat mir dann nicht gefallen, dass alle Seiten dasselbe Kleidchen anhaben, langweiliges blauweiß, wie aus der Tschibo-Reklameabteilung, total blödes Layout, mit ekliger Werbung rechts und auf doofer Pinnwand auch wieder nicht so lange Sätze schreiben wie man will, und Freundschaftsanfragen von Leuten, die ich nicht kenne, die aber wen kennen, den ich kenne, kennt man ja! Und eben doppelte Buchführung: nein, nein, nein! Da macht Gaga Nielsen nicht mit, weil ich habe es gerne aufgeräumt und ohne doppelten Boden! Usw. usf. Also deswegen mache ich da überall nicht mit. Also nicht in dem Sinn, dass sich dort nennenswerte Lebenszeichen von mir finden würden. Wer nun nicht mit mir ‚befreundet‘ ist, auf dem alten facebook-Dings, kann nun zum Beispiel hier und heute exklusiv erfahren, dass da ungefähr 0,007 Content von mir ist. Also: keiner hat was verpasst, Freundschaftsanfragen müssen nicht groß überlegt werden. Es gibt dort ein Foto von mir, wo ich in einer Galerie mit der Kamera in der Hand auf dem Boden liege, eins so halb von der Seite und ein für jeden Trottel sichtbares Profilbild sowie ein Video (Opus fuffzich).
Die drei nur für auserwählte Persönlichkeiten verfügbaren Sachen kann man auch überall sonst angucken, wo ich mein Zeug habe (ohne die aufgesexten Kommentare drunter, versteht sich!) und die Pinnwand ist deaktiviert. Total gutes Gefühl! Das ist jetzt sozusagen mein abschließendes Statement, was eigentlich mit mir und diesen Kurznachrichten-Netzwerken los ist bzw. nicht!

01. August 2011

Also entweder man ist sehr originell oder man wird sehr persönlich. Alles andere hat man doch schon hundertmal gelesen. Ja, das ist schwierig! Dann strengt euch halt an! Ich ringe auch mit mir! Wieder kein Eintrag heute, nicht der Rede wert. Zu wenig los im Kopf. Muss man einfach auch mal zugeben. Kommt alles wieder! Die Turbulenzen der vergangenen 45 Jahre müssen erst einmal sacken. Ich melde mich dann wieder.
Aber mal ganz unter uns: schlimme Einträge wieder gelesen. Man fragt sich. Schlimme abgedroschene Halbsätze, scheinbar auswendig aus irgendwelchen Lebenshilferatgebern abgekritzelt. Es gibt so einen gewissen weinerlichen Ton von Frauen in den mittleren Jahren (also meinen, haha) die immer noch Probleme haben, den Sinn ihres Lebens zu identifizieren und – nein ich hör lieber auf, sonst schreibe ich mich noch um Kopf und Kragen. Jedenfalls kommen da dann Wörter vor, die ungefähr dieselbe Wirkung auf mich haben wie dieses mittlerweile bis zum Erbrechen strapazierte „nachhaltig“ – völlig anderer Zusammenhang jetzt. Anderes Wort, selber Brechreiz: „Achtsamkeit“. Dazu stelle ich mir dann automatisch so eine weinerliche Betschwesternstimme vor. Könnte ich hysterische Lachanfälle kriegen. Ja ja, ich hör schon auf. Trotzdem Gute Nacht!

01. August 2011

Also entweder man ist sehr originell oder man wird sehr persönlich. Alles andere hat man doch schon hundertmal gelesen. Ja, das ist schwierig! Dann strengt euch halt an! Ich ringe auch mit mir! Wieder kein Eintrag heute, nicht der Rede wert. Zu wenig los im Kopf. Muss man einfach auch mal zugeben. Kommt alles wieder! Die Turbulenzen der vergangenen 45 Jahre müssen erst einmal sacken. Ich melde mich dann wieder.
Aber mal ganz unter uns: schlimme Einträge wieder gelesen. Man fragt sich. Schlimme abgedroschene Halbsätze, scheinbar auswendig aus irgendwelchen Lebenshilferatgebern abgekritzelt. Es gibt so einen gewissen weinerlichen Ton von Frauen in den mittleren Jahren (also meinen, haha) die immer noch Probleme haben, den Sinn ihres Lebens zu identifizieren und – nein ich hör lieber auf, sonst schreibe ich mich noch um Kopf und Kragen. Jedenfalls kommen da dann Wörter vor, die ungefähr dieselbe Wirkung auf mich haben wie dieses mittlerweile bis zum Erbrechen strapazierte „nachhaltig“ – völlig anderer Zusammenhang jetzt. Anderes Wort, selber Brechreiz: „Achtsamkeit“. Dazu stelle ich mir dann automatisch so eine weinerliche Betschwesternstimme vor. Könnte ich hysterische Lachanfälle kriegen. Ja ja, ich hör schon auf. Trotzdem Gute Nacht!

27. Juli 2011

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
wahrscheinlich Liebe

INA UND.
Ina und Enno-Lorenz. Enno-Lorenz. Also pass mal auf, lieber kleiner Enno da unten. Ich weiß ja nicht, was sich deine lieben Eltern dabei gedacht haben, als sie dir diesen Namen gegeben haben, aber ich möchte dir folgendes Angebot machen: wenn du irgendwann einmal dein Herz ausschütten möchtest, oder wenn du irgendwann einmal Liebeskummer wegen Ina hast, wende dich ruhig vertrauensvoll an mich. Ich habe meistens das Fenster weit auf und kann dich gut hören. Nur für den Fall der Fälle.
Vielleicht haben dich deine Eltern ja in einer berauschten Urlaubsnacht in Italien gemacht, und der nette Wirt aus der Trattoria hat ihnen augenzwinkernd eine Flasche Lambrusco mit auf den Weg zum Strand gegeben. Und weißt du, Enno – ich darf doch Enno sagen? Du bist ja jetzt schon fünf und recht verständig – dieser nette italienische Wirt, der hat nämlich genau wie du geheißen! Also deine Eltern haben dich nach ihm benannt, weil sie sich dann immer an den schönen Urlaub an der Adria erinnern, wenn sie dich rufen! Na ja und das mit dem Lorenz hinten dran, das musst du auch verstehen. Mutti und Papi konnten sich einfach nicht so richtig einigen, weil Enno fanden sie ja beide ganz, ganz toll aber die Mutti wollte auch noch, dass du nach ihrem Vater benannt wirst, deinem Opa, dem Opa Lorenz! Der Opa hat sie nämlich immer sehr unterstützt, also auch mit Geld, sonst hätten sie sich die schöne Eigentumswohnung in Mitte gar nicht leisten können, da bei deinem Lieblingsspielplatz, wo du dich immer mit deiner süßen Ina triffst! Also denk einfach dran, wenn dich die anderen Kinder wegen dem doofen Namen aufziehen: es sind schöne Erinnerungen damit verbunden! Und wenn du groß bist, kannst du dir selber einen Namen ausdenken, einen der dir gefällt!
Frag doch einfach mal Ina, welchen Namen sie schön findet! Vielleicht einen, der sich nicht so umständlich auf den Boden schreibt! Das war nämlich ganz schön anstrengend für Ina, das kann ich dir sagen, ich hab’s genau gesehen! Und noch was muss ich dir sagen: das ist voll die Liebeserklärung. Weil man schreibt nicht von irgendeinem Jungen den Namen so ganz groß auf den Spielplatz, dass es alle sehen können. Da kannst du dir echt was drauf einbilden! Und natürlich auch was Tolles für Ina malen, wenn du sie richtig lieb hast. Da würde sich Ina ganz schön freuen, das kann ich dir sagen. Vielleicht ein Herz oder eine Blume und ihren Namen drin. Das wäre schon ziemlich super. Du musst ja nicht sagen, von wem du die Idee hast. Da würde sich Ina ihr ganzes Leben dran erinnern, das kann ich dir versprechen. Sogar noch, wenn sie selber so eine kleine Ina hat. Sogar noch als Oma! Das sind nämlich die ganz wichtigen Sachen im Leben, die viele Jungs ganz oft vergessen und sich dann wundern, warum ihre kleinen Inas große traurige Augen haben, mit Kullertränen drin.
Also du weißt Bescheid, wenn du wieder einmal etwas mit mir besprechen möchtest: ich bin immer da. Einfach nach oben rufen!
Deine Tante Gaga
aus der Auguststraße

25. Juli 2011


Oben auf dem Berg, wo man den Wind hört, da kann man sein Innerstes spüren, wie einen Flügelschlag. Es stimmt, ich bin immer noch traurig und werd´s immer sein. Es ist wie es ist, nicht so schlimm und ich kann und will hier nichts heilen. Ich bin sehr, sehr, sehr, sehr, sehr gerne allein. Ich bin sehr gern allein. Schenk mir eine deiner Geschichten und einen Kuss. Mehr kann und will ich nicht tragen, es sei denn ich muss. Auf Erbsen schläft es sich prächtig, wenn´s nichts anderes gibt. Und die hässlichsten Dinge sind wunderschön wenn sie aufblühen, weil man sie liebt. Ich bin sehr, sehr, sehr, sehr, sehr gerne allein. Das Platzen von Träumen erzeugt einen seltsamen Schmerz. Ein Pfeil den man nur in die Luft schiesst, trifft den Himmel mitten ins Herz. Ich bin sehr, sehr, sehr, sehr, sehr gerne allein. Ich bin sehr gern allein. Ruf mich nicht an und hör auf, mir zu schreiben…
Wolfgang Müller

23. Juli 2011

„Im Mittelalter galt die Enthauptung im Gegensatz zum Erhängen am Galgen nicht als ehrenrührige Todesstrafe und war dem Adel vorbehalten. In der Französischen Revolution wurde diese Todesart dann auf alle Verurteilten ausgeweitet.“
Ah ja, sozusagen Champagner für alle.
„Zeitweilig war in England den Hochadeligen die Enthauptung in aufrecht kniender Haltung mit dem Schwert vorbehalten, während niedere Ränge auf einem hölzernen Richtblock mit dem Beil enthauptet wurden. Die Enthauptung des knienden Todeskandidaten mit dem Schwert stellt eine erheblich schwierigere Methode dar, die nur von wenigen Scharfrichtern beherrscht wurde.“
Verstehe. Daher die Probleme bei der Enthauptung von Maria Stuart.
„Der Scharfrichter war unerfahren und nervös; er benötigte drei Schläge mit der Axt, um Marias Kopf vom Körper zu trennen. Der erste Schlag traf den Hinterkopf. Da Maria keine Reaktion zeigte führte der erste Schlag vermutlich schon zu Bewusstlosigkeit oder Tod. Erst nach zwei weiteren Schlägen war der Kopf vom Rumpf getrennt. Legenden berichten, dass der Henker, als er den Kopf nach der Hinrichtung hochhalten wollte, nur eine Perücke ergriff. Der Kopf, mit kurzgeschorenem grauen Haar, fiel herunter und rollte auf das Schafott. Viel zitiert ist auch, dass der Schoßhund (ein King Charles Spaniel) der Königin sich in ihren Gewändern versteckt hatte und nach der Hinrichtung blutüberströmt von der Leiche entfernt wurde.“
Wenn man nun an die gegenwärtige Ausstellung im Buckingham Palast denkt, die Präsentation des Brautkleides in Ruhe auf sich wirken lässt, und ein wenig darüber meditiert, in welchem Umfang in der Geschichte des englischen Königshauses Enthauptung, zum Zwecke der Entfernung unerwünschter Protagonisten, eine Rolle spielte, ist der Bezug zwischen Vergangenheit und Gegenwart gleich noch einmal so interessant… Heinrich der VIII. und die planvoll zur königlichen Krone strebende Anne Boleyn …auch so eine interessante Geschichte.

„Für Heinrichs sechs aufeinanderfolgende Ehen gibt es in England den Abzählreim:
Divorced
Beheaded
Died.
Divorced
Beheaded
Survived.“

[ Sämtliche Zitate: Wikipedia ]


Heutzutage sind w ist man in der Lage, diese Dinge unblutig zu regeln. Da bin ich mir ganz sicher. Ich beobachte seit geraumer Zeit – aus rein wissenschaftlichem Interesse – das Phänomen der Familien-Schicksals-Vererbung, man könnte auch sagen „Schicksals-Reinkarnation“ (obwohl mir das zu sehr nach Reinkarnationslehre klingt, was ich hier durchaus nicht gemeint wissen will) innerhalb eigener Kreise, als auch anderer Dynastien. Sehr spannendes Feld.

23. Juli 2011

Vokabeln: schnippisch: snippy
Lustig. Muss man gar nicht lernen, fast dasselbe. Meine Empfehlung, um stets im Training zu bleiben: englischsprachige Klatsch-Foren. Zum Beispiel „Royal Gossip“. Da lernt man nie aus! Sehr lustig auch, wie die englischsprachige Presse ungeniert kolportiert, dass die Queen die soeben eröffnete Ausstellung des Brautkleides und Krimskrams als „horrid, isn’t it?“ bezeichnet hat. Creepy war ein weiteres Adjektiv, haha. „I did’nt know, that Tim Burton was involved in the exhibition“ schreibt ein Kenner. Aber unsere brave, biedere Klatschzeitung „Bunte“ schreibt unterwürfigen, an den Haaren herbeigezogenen Blödsinn, von wegen Friede Freude Eierkuchen zwischen Lizzy und Waity, „Wie beste Freundinnen“ – hört hört. Keine Silbe von Lizzies Kommentar. Die Gute ist mit 85 und in ihrer Position ja nun aus dem Alter heraus, irgendetwas zu beschönigen. Muss weiter lernen!

19. Juli 2011

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„Es ist schöner, fünfundvierzig zu sein. Man sieht die wesentlichen Dinge schärfer, und nicht etwa, weil man durch eine Brille schaut. Diese Blicke zurück filtern immer die sehr langweiligen Wartezeiten zwischen diesen vermeintlich beinah lückenlos aneinandergereihten Augenblicken voller Versprechen, Hoffnung und aufgeregtem Vorgefühl. Gut, dass man sich so darin irrt. Wenn man seine Sehnsucht, sein Herz und seinen Verstand füttert und pflegt, gibt es ja etwas zu ernten, wenn die Jahre ins Land gehen. Viel zu ernten. Auch Verluste, ja, aber – das ist ein Gefühl der Liebe. Wenn Verlust egal wäre, hätte man nichts von Bedeutung verloren. Ein Zeichen inneren Reichtums. Und selbst im Verlust bewahrt sich die Erinnerung an das reiche Gefühl. So wie diese Augenblicke, als man fünfundzwanzig war.“

19. Juli 2011

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„Es ist schöner, fünfundvierzig zu sein. Man sieht die wesentlichen Dinge schärfer, und nicht etwa, weil man durch eine Brille schaut. Diese Blicke zurück filtern immer die sehr langweiligen Wartezeiten zwischen diesen vermeintlich beinah lückenlos aneinandergereihten Augenblicken voller Versprechen, Hoffnung und aufgeregtem Vorgefühl. Gut, dass man sich so darin irrt. Wenn man seine Sehnsucht, sein Herz und seinen Verstand füttert und pflegt, gibt es ja etwas zu ernten, wenn die Jahre ins Land gehen. Viel zu ernten. Auch Verluste, ja, aber – das ist ein Gefühl der Liebe. Wenn Verlust egal wäre, hätte man nichts von Bedeutung verloren. Ein Zeichen inneren Reichtums. Und selbst im Verlust bewahrt sich die Erinnerung an das reiche Gefühl. So wie diese Augenblicke, als man fünfundzwanzig war.“

18. Juli 2011

Sozialstress. Das Wort könnte ja fast von mir sein. Irgendwie tun mir die Kollegen und Kolleginnen auch ein bißchen leid, die sich jetzt wieder mühsam in die Systematik der „Zirkel“ einarbeiten und schon ganz durcheinander sind. Man hat ein bißchen das Gefühl, die google-plus-User treffen sich als Selbsthilfegruppe um sich gegenseitig bei den Hausaufgaben zu helfen, weil man es doch nicht so ganz durchschaut. Ich finde es ja auch lustig, dass man als Nicht-im-Zirkel befindlicher Leser bei einigen sehen kann, wen sie in irgendwelchen Zirkeln haben und von wem sie in einen Zirkel geschubst worden sind, wobei man ja nicht weiß, ob die Leute im Zirkel vielleicht untersortiert sind in gute und schlechte Unter-Zirkel. Wenn ich also sehe, da ist Erika Blümchen im Zirkel von Susi Winter, könnte das nicht unter Umständen auch bedeuten, Erika Blümchen ist eine peinlich herumschwallende Esotante, die in den Bannzirkel von Susi Winter für alle Esotanten verklappt worden ist? Äh? Oder doch eine intime Vertraute in einem kuscheligen Insider-Zirkel der Allerliebsten? Und wem nützt die Information, dass Leute im Oberkreis und Unterzirkeln sind, wenn man nicht weiß, in welchen? Da blickt doch keine Sau mehr durch. Aber schön, wenn sich jemand dadurch gut unterhalten fühlt. Ich komme auch nur auf die Idee mit den Antipathen-Zirkeln, weil das irgendwer in der ganzen sich ausbreitenden Verwirrung vorgeschlagen hat. Ich mach dann hier ein bißchen eia eia, wenn sich jemand mal von dem ganzen Kraut- und Rüben-Pinnwand- und Zirkel-Zeug erholen will. Ja, ja, ich weiß, es heißt Kreise. Es kreist um sich der Kreis.

16. Juli 2011

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Juli in der Auguststraße. Da unten blüht tatsächlich der Holunder. Lob und Preis der Fliederbeere. Sie sehen eine echte Berlinerin, geboren in der Auguststraße in Mitte. Man sieht schon, sie hat diese gewisse Allüre. Etwas schicker als in anderen Ecken dieser Stadt. Ein stolzes Gewächs mit diesem gewissen Sinn für die rechte Mischung aus Eleganz und Hipness. (Das schreibt man mit einem p, hab gerade geguckt, wie es mit zwei ausschaut, aber das ist ja die Babynahrung). Ich verehre die Fliederbeere. Nicht nur die Schöne da unten. Seit ich im November plötzlich aufgehört habe, besten Bordeaux und andere Geistesgetränke zu mir zu nehmen, stellte sich die Frage nach einem adäquaten guten Tropfen mit entsprechenden Anti-Oxydantien, die mir ja jetzt leider durch das fehlende gute Tannin abgehen. Überkandidelt wie ich bin, musste es natürlich der Rolls Royce unter den alkoholfreien Traubenelixieren sein. Et voilà: Fliederbeersaft ist nun das Spitzengetränk meiner Wahl. Aber man soll jetzt nicht denken, das könnte man mal eben so selber zusammenbrauen. Wobei ‚zusammen‘ Quatsch ist, der Saft hat ja keine Zusätze. Muttersaft natürlich. Das Heikle ist, man muss die Holunderbeeren nicht nur ausquetschen, sondern auf fünfzig Grad erhitzen. Darunter ist er giftig, der Saft. Wird er gekocht, verkochen die Zauberkräfte mit. Ich bin mittlerweile Spezialistin für sämtliche Bezugsquellen in Mitte. Am elegantesten ist die Flasche der „Privatkelterei“ van Nahmen, die sich auf dem Tisch beinah wie eine Flasche Wein ausnimmt, das wirkt nicht so birkenstockmäßig asketisch, gesundheitsfanatisch. Außerdem hat der Nahmen-Saft den liebreizenden Namen „Haschberg-Holunder“. Das ist natürlich für uns routinierte Hobby-Drogensachverständigen ein netter kleiner Anlass zum Zwinkern. Das edle Fläschchen hat freilich seinen Preis. Ich erinnere dunkel ungefähr 4,50 bis 4,90. Bei Galeria Kaufhof am Alex in der Schicki-Micki-Feinschmecker-Fressabteilung. Handelte es sich um Wein, würde man sich schämen, einen solchen Preis zu nennen.

Eine Zeit lang gab es bei Ullrich am Zoo Grünfink Fliederbeersaft zum Schnäppchenpreis von 1,90. Daran hat man schon gemerkt, dass der Einkaufsleiter den Schuss nicht gehört hat. Als der wundersam preisgünstige Saft nicht mehr verfügbar war, erklärte man mir, das wäre eh nur eine Aktion des Lieferanten gewesen, der gehört gar nicht zum Sortiment. Als ich dem Apotheker meines Vertrauens in der Großen Hamburger Straße in Mitte von diesem sagenhaften Preis erzählte, lachte er von Herzen. Bei ihm kaufe ich auch manchmal, hab die Marke vergessen, 3,90. Dann ist da noch so ein Bio-Supermarkt am Hackeschen Markt, in den mich sonst nichts treibt, die haben von einer Marke mit Antroposophen-Kritzel-Schrifttypen auf dem Etikett, Holundersaft für den sagenhaften Preis von 2,50 pro Flasche. Hab ich neulich mal probiert. Der hat mir bisher am wenigsten geschmeckt, ist aber vielleicht auch Einbildung, weil mir der ganze Laden nicht so herzenswarm entgegenkommt wie mein Apotheker. Und in dem altbackenen Reformhaus im S-Bahnhof Alexanderplatz gibt es auch noch welchen, ich glaube über vier Euro die Flasche, Marke vergessen, gehe ich aber selten hin, liegt nicht so oft auf meinem Weg. So, jetzt sind Sie im Bilde. Keiner kann nun mehr sagen, man hätte ja von nichts gewusst. Von wegen Schönheitselixier.
: : : : : : : : : : : : : : : : : : LOB UND EHR DER FLIEDERBEER! : : : : : : : : : : : : : : : : : :

16. Juli 2011

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Juli in der Auguststraße. Da unten blüht tatsächlich der Holunder. Lob und Preis der Fliederbeere. Sie sehen eine echte Berlinerin, geboren in der Auguststraße in Mitte. Man sieht schon, sie hat diese gewisse Allüre. Etwas schicker als in anderen Ecken dieser Stadt. Ein stolzes Gewächs mit diesem gewissen Sinn für die rechte Mischung aus Eleganz und Hipness. (Das schreibt man mit einem p, hab gerade geguckt, wie es mit zwei ausschaut, aber das ist ja die Babynahrung). Ich verehre die Fliederbeere. Nicht nur die Schöne da unten. Seit ich im November plötzlich aufgehört habe, besten Bordeaux und andere Geistesgetränke zu mir zu nehmen, stellte sich die Frage nach einem adäquaten guten Tropfen mit entsprechenden Anti-Oxydantien, die mir ja jetzt leider durch das fehlende gute Tannin abgehen. Überkandidelt wie ich bin, musste es natürlich der Rolls Royce unter den alkoholfreien Traubenelixieren sein. Et voilà: Fliederbeersaft ist nun das Spitzengetränk meiner Wahl. Aber man soll jetzt nicht denken, das könnte man mal eben so selber zusammenbrauen. Wobei ‚zusammen‘ Quatsch ist, der Saft hat ja keine Zusätze. Muttersaft natürlich. Das Heikle ist, man muss die Holunderbeeren nicht nur ausquetschen, sondern auf fünfzig Grad erhitzen. Darunter ist er giftig, der Saft. Wird er gekocht, verkochen die Zauberkräfte mit. Ich bin mittlerweile Spezialistin für sämtliche Bezugsquellen in Mitte. Am elegantesten ist die Flasche der „Privatkelterei“ van Nahmen, die sich auf dem Tisch beinah wie eine Flasche Wein ausnimmt, das wirkt nicht so birkenstockmäßig asketisch, gesundheitsfanatisch. Außerdem hat der Nahmen-Saft den liebreizenden Namen „Haschberg-Holunder“. Das ist natürlich für uns routinierte Hobby-Drogensachverständigen ein netter kleiner Anlass zum Zwinkern. Das edle Fläschchen hat freilich seinen Preis. Ich erinnere dunkel ungefähr 4,50 bis 4,90. Bei Galeria Kaufhof am Alex in der Schicki-Micki-Feinschmecker-Fressabteilung. Handelte es sich um Wein, würde man sich schämen, einen solchen Preis zu nennen.

Eine Zeit lang gab es bei Ullrich am Zoo Grünfink Fliederbeersaft zum Schnäppchenpreis von 1,90. Daran hat man schon gemerkt, dass der Einkaufsleiter den Schuss nicht gehört hat. Als der wundersam preisgünstige Saft nicht mehr verfügbar war, erklärte man mir, das wäre eh nur eine Aktion des Lieferanten gewesen, der gehört gar nicht zum Sortiment. Als ich dem Apotheker meines Vertrauens in der Großen Hamburger Straße in Mitte von diesem sagenhaften Preis erzählte, lachte er von Herzen. Bei ihm kaufe ich auch manchmal, hab die Marke vergessen, 3,90. Dann ist da noch so ein Bio-Supermarkt am Hackeschen Markt, in den mich sonst nichts treibt, die haben von einer Marke mit Antroposophen-Kritzel-Schrifttypen auf dem Etikett, Holundersaft für den sagenhaften Preis von 2,50 pro Flasche. Hab ich neulich mal probiert. Der hat mir bisher am wenigsten geschmeckt, ist aber vielleicht auch Einbildung, weil mir der ganze Laden nicht so herzenswarm entgegenkommt wie mein Apotheker. Und in dem altbackenen Reformhaus im S-Bahnhof Alexanderplatz gibt es auch noch welchen, ich glaube über vier Euro die Flasche, Marke vergessen, gehe ich aber selten hin, liegt nicht so oft auf meinem Weg. So, jetzt sind Sie im Bilde. Keiner kann nun mehr sagen, man hätte ja von nichts gewusst. Von wegen Schönheitselixier.
: : : : : : : : : : : : : : : : : : LOB UND EHR DER FLIEDERBEER! : : : : : : : : : : : : : : : : : :

14. Juli 2011


Eines weiß ich sicher. Wenn ich Angst vor etwas hatte, war es nie substanzlos. Und das Pfeifen im Dunkeln war nur Pfeifen im Dunkeln. Es hat die Nacht nicht zum Tag gemacht. Ich glaube nicht mehr an die als helfend kolportierten Notfall-Rituale von positiven Affirmationen, schönreden, schönsaufen, schönkiffen, schönmeditieren. Ich glaube an Durchhalten und versuchen stark zu bleiben, so stark wie unter schwierigen Umständen möglich. Damit rechnen, dass man fürchterlich durchgeschüttelt wird, erschüttert wird, Schmerzen haben wird, bluten wird, weinen wird. Bis man damit durch ist. Es nicht hochkochen, zelebrieren, aber sich auch nicht einreden, schwarz wäre himmelblau. Denn man glaubt es sich selber sowieso nicht. Man spürt das, dass man versucht zu verniedlichen, abzuschwächen, weil es einem angetragen wird, so wird man erzogen. Es wird still geweint. In hingebungsvollem Lamento drei Tage laut weinende afrikanische Witwen werden als theatralisch belächelt. Ja vielleicht. Ich bin auch nicht der Typ für drei Tage lautes Schluchzen, aber leise schon. Und manchmal, ja meistens auch länger als drei Tage. Aber wenn die vorbei sind, brauche ich keine Affirmation mehr. Dann sehe ich wieder echte Sonne aufgehen. Das Auf und Ab. Es ist gut, zu wissen, wie sich dunkel anfühlt. Lange Dunkelheit. Es ist gut, weil die Dunkelheit dann eine Information in den Zellen ist. Tief im Herzen. Die das Licht stärker spüren. Viel stärker als zuvor.

14. Juli 2011


Eines weiß ich sicher. Wenn ich Angst vor etwas hatte, war es nie substanzlos. Und das Pfeifen im Dunkeln war nur Pfeifen im Dunkeln. Es hat die Nacht nicht zum Tag gemacht. Ich glaube nicht mehr an die als helfend kolportierten Notfall-Rituale von positiven Affirmationen, schönreden, schönsaufen, schönkiffen, schönmeditieren. Ich glaube an Durchhalten und versuchen stark zu bleiben, so stark wie unter schwierigen Umständen möglich. Damit rechnen, dass man fürchterlich durchgeschüttelt wird, erschüttert wird, Schmerzen haben wird, bluten wird, weinen wird. Bis man damit durch ist. Es nicht hochkochen, zelebrieren, aber sich auch nicht einreden, schwarz wäre himmelblau. Denn man glaubt es sich selber sowieso nicht. Man spürt das, dass man versucht zu verniedlichen, abzuschwächen, weil es einem angetragen wird, so wird man erzogen. Es wird still geweint. In hingebungsvollem Lamento drei Tage laut weinende afrikanische Witwen werden als theatralisch belächelt. Ja vielleicht. Ich bin auch nicht der Typ für drei Tage lautes Schluchzen, aber leise schon. Und manchmal, ja meistens auch länger als drei Tage. Aber wenn die vorbei sind, brauche ich keine Affirmation mehr. Dann sehe ich wieder echte Sonne aufgehen. Das Auf und Ab. Es ist gut, zu wissen, wie sich dunkel anfühlt. Lange Dunkelheit. Es ist gut, weil die Dunkelheit dann eine Information in den Zellen ist. Tief im Herzen. Die das Licht stärker spüren. Viel stärker als zuvor.

14. Juli 2011

Muss ein bißchen nachdenken, bis zum nächsten Eintrag. Die Gefahr haltlosen Geplappers ist stets gegeben. Wenn sich die Finger auf der Tastatur verselbständigen, obwohl man gar keine neue Partitur einstudiert hat. Ach na ja. Ich bin halt der Typ für Improvisation, der im Grunde selber nicht weiß, welches Lied am Ende gespielt worden sein wird. Was für eine vedrehte Grammatik. Nein, heute ist einfach kein Tag für große geisteswissenschaftliche Entdeckungen von meiner Seite. Ich muss mich erst wieder sammeln. Das Bild hat rein gar nichts mit dieser Randnotiz zu tun.

Hab gerade kein anderes zur Hand, das noch weniger nicht zum Eintrag passt. Aber der Leser liebt Bildmaterial. Ich ja auch! Stets geht einem das Herz auf, wenn man eine Abbildung vom Schreiber oder der Schreiberin sieht. Immer wieder halte ich Fürsprache für mehr persönliches Bildmaterial, aber die Kollegen sind oft immer noch sehr schüchtern. Wer wagt, gewinnt! Also meistens. Oft. Na gut, nicht immer. Aber man hat sich dann nichts zu Schulden kommen lassen, in dieser Hinsicht. So, Schluss für heute. Wird nicht gehaltvoller, die nächtliche Ansprache. Historisches Datum auch noch, sehe ich gerade. Über die französische Revolution schreibe ich heute bestimmt auch nichts mehr, zumal bei meinem Halbwissen. Aber André Heller hat einmal einen mir unvergesslichen Satz in einem uralten Siebziger Jahre-Liebeslied gesungen, das ich vielleicht auch nur deswegen so beeindruckend fand, weil ich es zum ersten mal in einer schummrigen Bar in Schöneberg hörte, irgendwann Mitte der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. „Und du kommst so über mich, wie der 14. Juli über Paris“. Wenn man es so geschrieben liest, nicht sehr originell. Oder vielleicht eher betont originell wirken wollend. Wurscht. Mir hat es damals gut gefallen, in der schummrigen Domina-Bar. Gute Nacht.

14. Juli 2011

Muss ein bißchen nachdenken, bis zum nächsten Eintrag. Die Gefahr haltlosen Geplappers ist stets gegeben. Wenn sich die Finger auf der Tastatur verselbständigen, obwohl man gar keine neue Partitur einstudiert hat. Ach na ja. Ich bin halt der Typ für Improvisation, der im Grunde selber nicht weiß, welches Lied am Ende gespielt worden sein wird. Was für eine vedrehte Grammatik. Nein, heute ist einfach kein Tag für große geisteswissenschaftliche Entdeckungen von meiner Seite. Ich muss mich erst wieder sammeln. Das Bild hat rein gar nichts mit dieser Randnotiz zu tun.

Hab gerade kein anderes zur Hand, das noch weniger nicht zum Eintrag passt. Aber der Leser liebt Bildmaterial. Ich ja auch! Stets geht einem das Herz auf, wenn man eine Abbildung vom Schreiber oder der Schreiberin sieht. Immer wieder halte ich Fürsprache für mehr persönliches Bildmaterial, aber die Kollegen sind oft immer noch sehr schüchtern. Wer wagt, gewinnt! Also meistens. Oft. Na gut, nicht immer. Aber man hat sich dann nichts zu Schulden kommen lassen, in dieser Hinsicht. So, Schluss für heute. Wird nicht gehaltvoller, die nächtliche Ansprache. Historisches Datum auch noch, sehe ich gerade. Über die französische Revolution schreibe ich heute bestimmt auch nichts mehr, zumal bei meinem Halbwissen. Aber André Heller hat einmal einen mir unvergesslichen Satz in einem uralten Siebziger Jahre-Liebeslied gesungen, das ich vielleicht auch nur deswegen so beeindruckend fand, weil ich es zum ersten mal in einer schummrigen Bar in Schöneberg hörte, irgendwann Mitte der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. „Und du kommst so über mich, wie der 14. Juli über Paris“. Wenn man es so geschrieben liest, nicht sehr originell. Oder vielleicht eher betont originell wirken wollend. Wurscht. Mir hat es damals gut gefallen, in der schummrigen Domina-Bar. Gute Nacht.

10. Juli 2011

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Hier sollten eigentlich Erkenntnisse über das Erlangen geistiger Klarheit stehen. Ich hatte heute so einige, im Laufe dieses sonnigen Sonntags. Im Augenblick fehlt mir nur ein wenig die – äh ja – geistige Klarheit, um meine tollen Einsichten angemessen wiederzugeben, ohne mich allzusehr zu verheddern. Ich finde es angenehmer, wenn jemand einen klaren Gedanken auch klar ohne unnötiges Geschwurbel formulieren kann. Zumal bei diesem Thema. Ich bitte um Nachsicht.

Auf jeden Fall rührten die Gedankengänge daher, dass ich mich heute spürbar klareren Geistes fühlte, als die Tage zuvor. (Was mit Verlaub nur zum Teil an hormonellen Schwankungen liegt, ich kenne mich auch langsam gut genug.) Ich habe mich durch mehrmaliges Schlafen zunehmend innerlich von einem Störfaktor entfernt, eine mich eine Weile beschäftigende, unkonstruktive Kommunikation. Es fühlt sich von Nacht zu Nacht, von Tag zu Tag mehr an, als ob es mir endlich gelingt, meinen eigenen Sender wieder störungsfrei einzustellen. Damit hat es wesentlich zu tun.

Ich bin überzeugt, dass man geistige Klarheit nicht erlangen kann, wenn man störende Sender nicht aus dem eigenen Frequenzbereich entfernt. Genauer: man muss sich veritabel räumlich und geistig von dem entfernen, was den eigenen Weg beeinträchtigt, den Rückenwind nimmt. Sich fernhalten, oder die Störfaktoren fernhalten. Zum Beispiel von Menschen fernhalten, die einem den ureigenen Weg nicht zugestehen, steuernd einzuwirken versuchen. Um einen solchen störenden Einfluss zu überwinden, ist es ratsam, sich aus dem Einflussbereich zurückzuziehen. Man muss (sich) nicht daran (ab)arbeiten, das nützt meistens nichts. Keinen lauen Konsens suchen. Das macht einen nicht frei und glücklich. Es sei denn, man will vor allem Frieden mit Hinz und Kunz. Dann mag das eine Lösung sein. Aber man entfernt sich dann ganz sicher von der ureigenen Motivation, sofern diese – wie gesagt – nicht vorrangig aus Harmoniestreben besteht.

Zeitlich begrenzte, wenn auch rituell gebetsmühlenhaft wiederholte Meditationsübungen führen nicht zu einem klaren, ruhigen Geist, wenn die Eckdaten der Situation nicht geändert werden. Dann ist Meditation nur Kompensation. Ein Pflaster auf einer viel tieferen Wunde. Der unruhige Geist findet nicht tiefen Frieden in stundenweisen Verdr Meditationsübungen sondern in grundlegend zuträglichen, gesunden, entspannten Lebensbedingungen. Dann kann man sich das Meditationsstündchen sparen, weil der Zustand der Ruhe dann dauerhaft ist. Man kann es auch mit der langfristigen Nutzlosigkeit zeitlich begrenzter Diäten, phasenweiser Ernährungsumstellungen oder punktueller Fitnessübungen vergleichen. So lange das Dienliche als Ausnahmezustand zelebriert wird, nicht so selbstverständlich wie Atmen geschieht (damit hört man ja auch nicht mehr auf), handelt es sich um eine Ausnahmehandlung, die kein Teil der eigenen Natur werden kann.

Menschen, die eine grundlegende Veränderung in ihrer Lebensweise fest installiert haben, kommen in den Genuss einer dauerhaften Ernte. Wenn man in fünfzehn wachen Stunden wiederholte geistige ‚Verunreinigung‘, Vereinnahmung, Infiltration zulässt, wird es äußerst schwierig, eigentlich unmöglich, in einer einzigen sechzehnten Stunde des Rückzugs in einen inneren Raum geistiger Ruhe, diese fünfzehn Stunden Unfug-Overflow zu transformieren und zu peace of mind oder womöglich ‚weißem Licht‘ zu transzendieren. Das mag der Grund sein, warum viele Menschen, die mit großer Ernsthaftigkeit an Meditationstechniken arbeiten, keine wirkliche innere Ruhe finden, die nennenswert über die Meditationsstunde hinausginge, obwohl sie es mit großer Regelmäßigkeit, Disziplin und Ehrgeiz angehen. In einer unruhigen Welt dauerhaft geistige Klarheit zu finden, in dem Sinne, dass man in der Lage ist, glasklar die ureigenen Lebensimpulse und unverstellten Gedanken, Wahrnehmungen zu erleben, ist nur möglich, wenn man lernt, wie man sich schützt. Tapfer bei sich bleibt und Vereinnahmung in der Kommunikation mit anderen ohne schlechtes Gewissen weit von sich weist. Ich übe da auch noch. Mal sehen, ob ich es hinkriege. Und viel schlafen. Gute Nacht.

12. Juli 2011

Stark inspiriert durch die Lektüre der Bedienungsanleitung für das Erstellen von Wikipedia-Einträgen, vor ungefähr fünf Minuten, dachte ich mir, dass es doch sicher nach dem Geschmack vieler Leserinnen und Leser wäre, wenn man diese Empfehlungen leicht angepasst für Blogeinträge ausgibt. Somit können wir die folgende Anleitung als unsere persönliche kleine Hausordnung erachten:
„Hier kannst du einen neuen Wikipedia-Artikel Blog-Eintrag verfassen. Eine Anleitung für Anfänger findest du unter Wikipedia bei deinem Blog-Hoster: Dein erster Artikel Blogeintrag.
Beachte dabei: Der Artikel Blogeintrag sollte
* ein Mindestniveau erfüllen,
* enzyklopädische Relevanz besitzen
* und durch Quellen belegt sein.
Es passiert leider zu oft, dass schlechte Artikel gelöscht stinklangweilige Blogeinträge weggeklickt werden müssen. Wenn du das Erstellen oder Bearbeiten von Artikeln Blogeinträgen erst einmal ausprobieren möchtest, nutze bitte die „Spielwiese“ offline-Funktion.“

Quelle: Wikipedia!
Mir persönlich liegt natürlich vor allem die enzyklopädische Relevanz am Herzen, was meinen Lesern sicher nicht entgangen ist. Da ich mich als Wissenschaftsblog verstehe, habe ich hier natürlich auch eine Vorbildfunktion, der ich mich jederzeit zu stellen bereit bin.

12. Juli 2011

Stark inspiriert durch die Lektüre der Bedienungsanleitung für das Erstellen von Wikipedia-Einträgen, vor ungefähr fünf Minuten, dachte ich mir, dass es doch sicher nach dem Geschmack vieler Leserinnen und Leser wäre, wenn man diese Empfehlungen leicht angepasst für Blogeinträge ausgibt. Somit können wir die folgende Anleitung als unsere persönliche kleine Hausordnung erachten:
„Hier kannst du einen neuen Wikipedia-Artikel Blog-Eintrag verfassen. Eine Anleitung für Anfänger findest du unter Wikipedia bei deinem Blog-Hoster: Dein erster Artikel Blogeintrag.
Beachte dabei: Der Artikel Blogeintrag sollte
* ein Mindestniveau erfüllen,
* enzyklopädische Relevanz besitzen
* und durch Quellen belegt sein.
Es passiert leider zu oft, dass schlechte Artikel gelöscht stinklangweilige Blogeinträge weggeklickt werden müssen. Wenn du das Erstellen oder Bearbeiten von Artikeln Blogeinträgen erst einmal ausprobieren möchtest, nutze bitte die „Spielwiese“ offline-Funktion.“

Quelle: Wikipedia!
Mir persönlich liegt natürlich vor allem die enzyklopädische Relevanz am Herzen, was meinen Lesern sicher nicht entgangen ist. Da ich mich als Wissenschaftsblog verstehe, habe ich hier natürlich auch eine Vorbildfunktion, der ich mich jederzeit zu stellen bereit bin.

10. Juli 2011

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Hier sollten eigentlich Erkenntnisse über das Erlangen geistiger Klarheit stehen. Ich hatte heute so einige, im Laufe dieses sonnigen Sonntags. Im Augenblick fehlt mir nur ein wenig die – äh ja – geistige Klarheit, um meine tollen Einsichten angemessen wiederzugeben, ohne mich allzusehr zu verheddern. Ich finde es angenehmer, wenn jemand einen klaren Gedanken auch klar ohne unnötiges Geschwurbel formulieren kann. Zumal bei diesem Thema. Ich bitte um Nachsicht.

Auf jeden Fall rührten die Gedankengänge daher, dass ich mich heute spürbar klareren Geistes fühlte, als die Tage zuvor. (Was mit Verlaub nur zum Teil an hormonellen Schwankungen liegt, ich kenne mich auch langsam gut genug.) Ich habe mich durch mehrmaliges Schlafen zunehmend innerlich von einem Störfaktor entfernt, eine mich eine Weile beschäftigende, unkonstruktive Kommunikation. Es fühlt sich von Nacht zu Nacht, von Tag zu Tag mehr an, als ob es mir endlich gelingt, meinen eigenen Sender wieder störungsfrei einzustellen. Damit hat es wesentlich zu tun.

Ich bin überzeugt, dass man geistige Klarheit nicht erlangen kann, wenn man störende Sender nicht aus dem eigenen Frequenzbereich entfernt. Genauer: man muss sich veritabel räumlich und geistig von dem entfernen, was den eigenen Weg beeinträchtigt, den Rückenwind nimmt. Sich fernhalten, oder die Störfaktoren fernhalten. Zum Beispiel von Menschen fernhalten, die einem den ureigenen Weg nicht zugestehen, steuernd einzuwirken versuchen. Um einen solchen störenden Einfluss zu überwinden, ist es ratsam, sich aus dem Einflussbereich zurückzuziehen. Man muss (sich) nicht daran (ab)arbeiten, das nützt meistens nichts. Keinen lauen Konsens suchen. Das macht einen nicht frei und glücklich. Es sei denn, man will vor allem Frieden mit Hinz und Kunz. Dann mag das eine Lösung sein. Aber man entfernt sich dann ganz sicher von der ureigenen Motivation, sofern diese – wie gesagt – nicht vorrangig aus Harmoniestreben besteht.

Zeitlich begrenzte, wenn auch rituell gebetsmühlenhaft wiederholte Meditationsübungen führen nicht zu einem klaren, ruhigen Geist, wenn die Eckdaten der Situation nicht geändert werden. Dann ist Meditation nur Kompensation. Ein Pflaster auf einer viel tieferen Wunde. Der unruhige Geist findet nicht tiefen Frieden in stundenweisen Verdr Meditationsübungen sondern in grundlegend zuträglichen, gesunden, entspannten Lebensbedingungen. Dann kann man sich das Meditationsstündchen sparen, weil der Zustand der Ruhe dann dauerhaft ist. Man kann es auch mit der langfristigen Nutzlosigkeit zeitlich begrenzter Diäten, phasenweiser Ernährungsumstellungen oder punktueller Fitnessübungen vergleichen. So lange das Dienliche als Ausnahmezustand zelebriert wird, nicht so selbstverständlich wie Atmen geschieht (damit hört man ja auch nicht mehr auf), handelt es sich um eine Ausnahmehandlung, die kein Teil der eigenen Natur werden kann.

Menschen, die eine grundlegende Veränderung in ihrer Lebensweise fest installiert haben, kommen in den Genuss einer dauerhaften Ernte. Wenn man in fünfzehn wachen Stunden wiederholte geistige ‚Verunreinigung‘, Vereinnahmung, Infiltration zulässt, wird es äußerst schwierig, eigentlich unmöglich, in einer einzigen sechzehnten Stunde des Rückzugs in einen inneren Raum geistiger Ruhe, diese fünfzehn Stunden Unfug-Overflow zu transformieren und zu peace of mind oder womöglich ‚weißem Licht‘ zu transzendieren. Das mag der Grund sein, warum viele Menschen, die mit großer Ernsthaftigkeit an Meditationstechniken arbeiten, keine wirkliche innere Ruhe finden, die nennenswert über die Meditationsstunde hinausginge, obwohl sie es mit großer Regelmäßigkeit, Disziplin und Ehrgeiz angehen. In einer unruhigen Welt dauerhaft geistige Klarheit zu finden, in dem Sinne, dass man in der Lage ist, glasklar die ureigenen Lebensimpulse und unverstellten Gedanken, Wahrnehmungen zu erleben, ist nur möglich, wenn man lernt, wie man sich schützt. Tapfer bei sich bleibt und Vereinnahmung in der Kommunikation mit anderen ohne schlechtes Gewissen weit von sich weist. Ich übe da auch noch. Mal sehen, ob ich es hinkriege. Und viel schlafen. Gute Nacht.

09. Juli 2011

Ich kenne keine Mary-Jane. Wahrscheinlich macht man sich gleich verdächtig, wenn man nicht in das Gewinsel um verschwundene, abgemurkste kleine Mädchen mit großem Trauerflor einfällt. Am besten gleich Staatstrauer verhängen! Aber nur bei 1 – 11-jährigen Mädchen mit Puppengesicht. Danach sind sie nicht mehr so goldig und lieb. Auch gibt es weiterhin keine Veranlassung, Bildschlagzeilen zu fabrizieren, wenn Oma Kasuppke oder Tante Inge um die Ecke gebracht werden. Die haben ja ihr Leben schon mehr oder weniger hinter sich. Oder womöglich Männer. Alte Männer! Weg damit! Ist nicht schade drum. Aber kleine Mädchen. Ganz schlimm. Alle Räder müssen stillstehen und große Suchaktionen müssen eingeleitet werden, Geld spielt keine Rolle. Es geht um ein Mädchen. Es geht um Mary-Jane! Unschuld. So alte Männer, die haben doch auch meistens was auf dem Kerbholz, machen wir uns doch nichts vor. Und Tante Inge war schließlich alt genug, um darauf zu achten, mit wem sie Umgang pflegt. Aber so ein kleines süßes Mädchen. Das ist ein Fall für Interpol. Womöglich fehlt bei mir das Mutti-Gen.

09. Juli 2011

Ich kenne keine Mary-Jane. Wahrscheinlich macht man sich gleich verdächtig, wenn man nicht in das Gewinsel um verschwundene, abgemurkste kleine Mädchen mit großem Trauerflor einfällt. Am besten gleich Staatstrauer verhängen! Aber nur bei 1 – 11-jährigen Mädchen mit Puppengesicht. Danach sind sie nicht mehr so goldig und lieb. Auch gibt es weiterhin keine Veranlassung, Bildschlagzeilen zu fabrizieren, wenn Oma Kasuppke oder Tante Inge um die Ecke gebracht werden. Die haben ja ihr Leben schon mehr oder weniger hinter sich. Oder womöglich Männer. Alte Männer! Weg damit! Ist nicht schade drum. Aber kleine Mädchen. Ganz schlimm. Alle Räder müssen stillstehen und große Suchaktionen müssen eingeleitet werden, Geld spielt keine Rolle. Es geht um ein Mädchen. Es geht um Mary-Jane! Unschuld. So alte Männer, die haben doch auch meistens was auf dem Kerbholz, machen wir uns doch nichts vor. Und Tante Inge war schließlich alt genug, um darauf zu achten, mit wem sie Umgang pflegt. Aber so ein kleines süßes Mädchen. Das ist ein Fall für Interpol. Womöglich fehlt bei mir das Mutti-Gen.

08. Juli 2011

Also das war so:
Ich bin irgendwie im Haus meiner Eltern, das aber ganz anders ausschaut als in echt und ich übernachte in einem Zimmer, das wie ein Schlafsaal für mehrere eingerichtet ist, mit lauter Matratzen auf dem Boden. Die Chinesin von Germany’s Next Topmodel ist auch da. Es ist früh und ich bin schon vor ihr wach, sie schläft noch. Ich stehe auf und suche meinen dunkelroten Kosmetik-/Schminkkoffer, der vor dem Schlafengehen noch da war und neben der Matratze von Sihe, oder wie sie heißt, gestanden hat. Den Koffer gibt es in echt, der ist aber überhaupt kein Kosmetikkoffer sondern von meiner Oma geerbt, ein alter kleiner dunkelroter Koffer aus den Dreißiger Jahren, ungefähr so groß wie ein DIN A 3 Blatt und der steht in meinem Schlafzimmer, mit irgendwelchem alten Zeug drin. Wahrscheinlich Reliquien, Briefe, Bilder, hochwichtige Eintrittskarten für Popkonzerte.
Auf jeden Fall ist der Koffer weg! Ich komme aus der Dusche und bin deswegen ganz nervös und spreche das chinesische „Topmodel“ an, ob sie weiß, wo der Koffer geblieben ist. Sie sagt, sie hat ihn weggeschmissen, weil sie es nicht ausstehen kann, wenn Frauen sich schminken! Als Topmodel (!) Das muss man sich mal vorstellen. In der Serie hat sie immer so schüchtern und lieb getan und nun entpuppt sie sich als kleine rigorose Hexe, die anderen Vorschriften machen will. Ich denke, es schlägt Dreizehn! Ich gehe aus dem blöden, halbdunklen Zimmer, sie liegt immer noch verschlafen im Bett rum. Auf dem Flur suche ich in den Einbauschränken, ob sie den Koffer vielleicht da versteckt hat, die blöde Kuh. Ich bin ja so enttäuscht! Immer hat sie auf mitfühlend und sensibel gemacht und jetzt nimmt sie mir meinen geliebten Schminkkoffer weg. So eine Sauerei! Ich finde den Koffer nicht und gehe wieder in das blöde Zimmer, wo sie immer noch verpennt herumliegt. Ich beuge mich zu ihr runter und schüttle sie an den Schultern, damit sie begreift, was für eine Katastrophe sie mir angetan hat und schimpfe mit ihr: „Das ist so gemein! Du kannst dir das ja leisten, weil du bist naturhübsch! Aber ich! Und außerdem war da auch noch meine Armani-Körpermilch drin und die war total teuer!“ Sie ist einfach eiskalt und zeigt überhaupt kein Mitgefühl und macht nur „pah“. Blöde Kuh! Dann bin ich Gottseidank aufgewacht. Ganz schlimmer Traum!

08. Juli 2011

Also das war so:
Ich bin irgendwie im Haus meiner Eltern, das aber ganz anders ausschaut als in echt und ich übernachte in einem Zimmer, das wie ein Schlafsaal für mehrere eingerichtet ist, mit lauter Matratzen auf dem Boden. Die Chinesin von Germany’s Next Topmodel ist auch da. Es ist früh und ich bin schon vor ihr wach, sie schläft noch. Ich stehe auf und suche meinen dunkelroten Kosmetik-/Schminkkoffer, der vor dem Schlafengehen noch da war und neben der Matratze von Sihe, oder wie sie heißt, gestanden hat. Den Koffer gibt es in echt, der ist aber überhaupt kein Kosmetikkoffer sondern von meiner Oma geerbt, ein alter kleiner dunkelroter Koffer aus den Dreißiger Jahren, ungefähr so groß wie ein DIN A 3 Blatt und der steht in meinem Schlafzimmer, mit irgendwelchem alten Zeug drin. Wahrscheinlich Reliquien, Briefe, Bilder, hochwichtige Eintrittskarten für Popkonzerte.
Auf jeden Fall ist der Koffer weg! Ich komme aus der Dusche und bin deswegen ganz nervös und spreche das chinesische „Topmodel“ an, ob sie weiß, wo der Koffer geblieben ist. Sie sagt, sie hat ihn weggeschmissen, weil sie es nicht ausstehen kann, wenn Frauen sich schminken! Als Topmodel (!) Das muss man sich mal vorstellen. In der Serie hat sie immer so schüchtern und lieb getan und nun entpuppt sie sich als kleine rigorose Hexe, die anderen Vorschriften machen will. Ich denke, es schlägt Dreizehn! Ich gehe aus dem blöden, halbdunklen Zimmer, sie liegt immer noch verschlafen im Bett rum. Auf dem Flur suche ich in den Einbauschränken, ob sie den Koffer vielleicht da versteckt hat, die blöde Kuh. Ich bin ja so enttäuscht! Immer hat sie auf mitfühlend und sensibel gemacht und jetzt nimmt sie mir meinen geliebten Schminkkoffer weg. So eine Sauerei! Ich finde den Koffer nicht und gehe wieder in das blöde Zimmer, wo sie immer noch verpennt herumliegt. Ich beuge mich zu ihr runter und schüttle sie an den Schultern, damit sie begreift, was für eine Katastrophe sie mir angetan hat und schimpfe mit ihr: „Das ist so gemein! Du kannst dir das ja leisten, weil du bist naturhübsch! Aber ich! Und außerdem war da auch noch meine Armani-Körpermilch drin und die war total teuer!“ Sie ist einfach eiskalt und zeigt überhaupt kein Mitgefühl und macht nur „pah“. Blöde Kuh! Dann bin ich Gottseidank aufgewacht. Ganz schlimmer Traum!

06. Juli 2011

Experimentelle Hausaufgabe: sich testweise weitgehende Verantwortung für das eigene Gedeihen und Verderben unterstellen. Nach einiger Zeit hat sich mir gezeigt, man kann da viel machen. Immerhin kann man den physischen und atmosphärischen Stoffwechsel beeinflussen. Optimieren. Nicht in jedem Fall vielleicht zu ekstatischem Erfolg führen, aber unbedingt zuträglich verändern. Körperlich, menschlich, materiell, ideell.
In Nordamerika ist mir etwas aufgefallen, das mir gut gefallen hat. Und zwar sowohl im angloamerikanischen Südwesten als auch bei den Natives. Ich hatte mit Menschen zu tun, die ihr Leben durch eigene Arbeit aufrechtzuerhalten versuchten und das auf unterschiedlichem Level hinbekamen. So unterschiedlich das weiße vom roten Amerika in religiösen Ritualen und Traditionen ist, so sehr fällt die Gemeinsamkeit auf. Der (Sports-)Geist von einem eigenständigen Leben. Das Selbstverständnis, sich in keiner Opferposition sehen zu wollen, lieber in der des unabhängigen Machers. Ich habe nicht hunderttausend Menschen getroffen, aber mir ist kein einziger Jammerlappen über den Weg gelaufen. Fällt mir ein, weil mir gerade wieder auffällt, wie energiezehrend Zeitgenossen sind, die alle möglichen Rahmenbedingungen, Familiensozialisation, böses Schicksal für diverse unwirtliche Lebensumstände verantwortlich machen. Da scheint mir die deutsche Seele doch anfälliger zu sein, als die amerikanische. Hier sind mir schon jede Menge Jammerlappen begegnet und es ist kein Ende abzusehen. Der düstere Prophet betet den eigenen Untergang herbei. Klappt auch meistens. Nicht schön. Früher fand ich Sportler ein bißchen langweilig. Inzwischen schätze ich Sportsgeist über alles. In allen Lebenslagen. Wenn man die eigene Kraft komplett ausgelotet hat, mit aller Kraft versucht hat, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen und wenn man dann ausrutscht, dann hat es nicht sollen sein. Aber das weiß man erst dann. An dem Punkt lasse ich das doofe gemeine Schicksal gelten. Aber vorher nicht. Ich hätte immer nagenden Zweifel, wenn ich nicht alles versucht hätte, ob ich das Blatt nicht hätte wenden können. Muss doch ein blödes Gefühl sein. Noch blöder als nach den größten Mühen zu scheitern. Ich weiß, dass viele gar nicht so weit denken. Heidi Klum hat neulich etwas Interessantes gesagt (nicht in der Modelsendung). Verschiedene prominente Frauen wurden gefragt, was sie von ihrem Vater gelernt hätten, was ihnen besonders viel bedeuten würde. Klum sagte, sie sei froh, dass ihr Vater mit ihr von Kindesbeinen an Schach gespielt hätte, weil es dadurch für sie zur Normalität wurde, fünf Schritte vorauszudenken, während viele andere nur an den jeweils nächsten Schritt denken würden. Das hätte ihr vor allem in geschäftlicher Hinsicht immens geholfen. Ich finde es wert, darüber nachzudenken. Nicht nur in geschäftlicher Hinsicht. Mir schläft gerade der rechte Fuß ein. Ich lege den Rest auch mal schlafen.

05. Juli 2011

Keine Lust auf Debatten. Eigentlich nur auf intelligentes Geblödel, empathische Zustimmung, visionäres Gedankengut und übertriebene Komplimente. Alles andere nervt. Und ab und zu ein paar exquisite Lästereien, von wegen Salz in der Suppe. Und für den großen kosmischen Ausgleich. Was mich persönlich auch noch sehr langweilt, wenn jemand nicht den Horizont hat, das Konzept von Genugtuung (schreibt man das wirklich mit zwei u? Sieht ja komisch aus) zu begreifen. Greift bedauerlicherweise um sich. Vermutlich von dieser – für mich persönlich – ausgesprochen langweiligen Buddhisten-Mode her rührend (oder schreibt man das zusammen?). Schnarch.

05. Juli 2011

Keine Lust auf Debatten. Eigentlich nur auf intelligentes Geblödel, empathische Zustimmung, visionäres Gedankengut und übertriebene Komplimente. Alles andere nervt. Und ab und zu ein paar exquisite Lästereien, von wegen Salz in der Suppe. Und für den großen kosmischen Ausgleich. Was mich persönlich auch noch sehr langweilt, wenn jemand nicht den Horizont hat, das Konzept von Genugtuung (schreibt man das wirklich mit zwei u? Sieht ja komisch aus) zu begreifen. Greift bedauerlicherweise um sich. Vermutlich von dieser – für mich persönlich – ausgesprochen langweiligen Buddhisten-Mode her rührend (oder schreibt man das zusammen?). Schnarch.

03. Juli 2011


auf dem Weg Atelier zurück nach Hause gedacht: romantische Bestürzung. Ich öffnete nach Monaten die Tür der kleinen Kammer und erschrak. Über die Intensität des winzigen Raumes. So etwas kommt in Filmen vor. Wie die Szene, als Meryl Streep in „Die Brücken am Fluss“ nach dem Tod des Fotografen, der von Clint Eastwood gespielt wurde, viele Jahre später einen Karton mit Reliquien der gemeinsamen Zeit erhält. Mit seinem silbernen Armreif. Und einem Buch mit den Bildern der wenigen schönen Tage bei den Bridges of Madison County. Ich holte tief Luft und begann das Laub der vergangenen Monate auf dem Balkon zu entfernen. Ein bißchen Lüften. Den Wasserstein entfernen, der immer einen Rand bildet, wenn man die Spülung mehrere Monate nicht betätigt hat. Das alte Telefon ausgepackt und dazugestellt. Und zwei T-Shirts in blauem Geschenkpapier dazugelegt. Und ein Heft vom September 2009 der Friedrichshainer Chronik. Und das zweite Paket mit den Fotografien. Und vier leere, mit schwarzem und Silberstift beschriftete Flaschen dazugestellt. Dann habe ich die Tür wieder verschlossen. Die Kinoqualität des Ganzen wurde mir erst bewusst, als ich die Treppe hinunterging und dachte, dass sicher nicht sehr viele Menschen so etwas machen. In dieser Dimension. Und die es tun, machen es vielleicht zum öffentlichen Raum. Ich sollte Führungen anbieten. Mit Eintritt und einem guten Getränk zur Begrüßung. Und im Nebenraum läuft ein Filmprojektor.

03. Juli 2011


auf dem Weg Atelier zurück nach Hause gedacht: romantische Bestürzung. Ich öffnete nach Monaten die Tür der kleinen Kammer und erschrak. Über die Intensität des winzigen Raumes. So etwas kommt in Filmen vor. Wie die Szene, als Meryl Streep in „Die Brücken am Fluss“ nach dem Tod des Fotografen, der von Clint Eastwood gespielt wurde, viele Jahre später einen Karton mit Reliquien der gemeinsamen Zeit erhält. Mit seinem silbernen Armreif. Und einem Buch mit den Bildern der wenigen schönen Tage bei den Bridges of Madison County. Ich holte tief Luft und begann das Laub der vergangenen Monate auf dem Balkon zu entfernen. Ein bißchen Lüften. Den Wasserstein entfernen, der immer einen Rand bildet, wenn man die Spülung mehrere Monate nicht betätigt hat. Das alte Telefon ausgepackt und dazugestellt. Und zwei T-Shirts in blauem Geschenkpapier dazugelegt. Und ein Heft vom September 2009 der Friedrichshainer Chronik. Und das zweite Paket mit den Fotografien. Und vier leere, mit schwarzem und Silberstift beschriftete Flaschen dazugestellt. Dann habe ich die Tür wieder verschlossen. Die Kinoqualität des Ganzen wurde mir erst bewusst, als ich die Treppe hinunterging und dachte, dass sicher nicht sehr viele Menschen so etwas machen. In dieser Dimension. Und die es tun, machen es vielleicht zum öffentlichen Raum. Ich sollte Führungen anbieten. Mit Eintritt und einem guten Getränk zur Begrüßung. Und im Nebenraum läuft ein Filmprojektor.