24. Januar 2026

Heute vor einem Jahr war Gagas Wunschkonzert bei Sevenstar. Ich denke gerne daran zurück. Es gab eine besondere Hommage an Romy, wie man an den Reliquien hier sehen kann. Ich weiß gar nicht, ob ich das Fotoalbum schon einmal hier verlinkt habe. Darunter sind nur eine Hand voll Bilder von mir, hauptsächlich stammen die fotografierten Erinnerungen aus den Kameras und Smartphones meiner zauberhaften Gäste. Weit nach Mitternacht sank ich zufrieden auf den Teppich, in die Kissen bei Sevenstar.

23. Januar 2026

Nichts Neues. Außer, dass mir eine Bekannte den Rat gab, bevor das aufzustellende Trockengerät gestartet wird und es mutmaßlich über meinen Stromzähler laufen wird, soll ich den Zählerstand vor Start festhalten. Ich habe aber gar keinen Zugriff auf den Stromzähler, der ist im Keller und wird zentral abgelesen. Im Internet steht irgendwo, dass solche Geräte meist einen Zähler für den Stromverbrauch eingebaut haben und man den dann seinem Stromanbieter zwecks anteiliger Berechnung mitteilen soll und die Kosten dann der Hausverwaltung mitteilen. Und Krach sollen die Geräte auch machen. Selbstverständlich auch nachts. Wegen der Lärmbelästigung könne man Mietminderung beantragen. Na super. Was noch alles. Kriege fast schon Lust, nach Anschluss des Apparats zu verreisen. Die Objektbetreuerin hat sich heute gar nicht gemeldet, vielleicht arbeitet sie freitags nicht. Whatever. Ich kann ja noch in meine Werkstatt flüchten. Sollte ich spontan verreisen, müsste ich am Fr, 30. Januar 2026 um 19.30 zurück in Berlin sein, da hab ich eine Verabredung zum Essen mit Ina in der Letzten Instanz. Wobei es mir etwas unheimlich wäre, zu verreisen, während so ein elektrischer Apparat in meiner Wohnung auf Hochtouren läuft. Dann ist wieder was, irgendeine Überprüfung oder Begehung oder was Dringendes und ich bin nicht vor Ort und dann brechen sie womöglich noch die Wohnung auf, na DANKE!

Auch fiel mir gestern noch ein, dass ich vor ca. zwanzig Jahren mal eine feuchte Wand zwischen Schlafzimmer und Südbalkon hatte. Der Balkon wurde aufwändig renoviert, Aluverkleidung gegen Feuchtigkeit angebracht, aber die Rückseite der Wand in meinem Schlafzimmer, die feucht war, und wo die Scheißraufasertapete im feuchten Bereich krümelte und abfiel, die wurde mir nicht zur Erneuerung angetragen. Ich hatte die Tapete terrakotta gestrichen und da, wo die nackte weiße Wand war, weil Tapete abgefallen, hab ich den Farbunterschied gelassen und eine Welle als saubere Abgrenzung gemalt. Ist bis heute so. Kein Geschiss mit „muss neu tapeziert und gestrichen werden“. Wahrscheinlich hätte ich es einfordern können, hatte aber da schon keine Böcke auf so eine Aktion, die in meinem Fall IMMER mit dem Abhängen von zahllosen Bildern verbunden ist, denn ich wohne in einem Museum! Genauer: den STAATLICHEN MUSEEN von GAGANIEN!

22. Januar 2026

Neuer Tag, Neues von meiner Baustelle. Steht alles in der Mail, die ich gerade eben an die Objektbetreuerin geschrieben habe, voilà:

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Hallo Frau …

Fa. Trocknerheld war da und die Feuchtigkeit im Schacht wurde gemessen und da ist wohl messbare Restfeuchte, die nur der Fachmann erkennen kann, mir kam es trocken vor.

Jedenfalls wird nun wohl ab nächster Woche (?) ein Trockengerät im Schacht aufgestellt und das dauert dann 1 – 3 Wochen. Dann muss die Revisionsklappe repariert werden. Dazu meinte er, es gäbe nach seiner Kenntnis keine Klappen, die so groß sind wie die geschnittene Öffnung, nur etwas größer, also länger als die bisherige, das würde aber vielleicht auch schon nützlich sein. Dann meinte er noch, danach muss tapeziert und gestrichen werden.

Daran habe ich eigentlich kein Interesse, weil die betroffene Stelle hinter dem Schrank verborgen ist, wenn er wieder da steht. Zudem bin ich kein Fan von überstrichener Rauhfasertapete, das war ja mal Trend in den Achtziger Jahren. Ich habe sie beim Einzug einfach hingenommen und dann nur punktuell den Anstrich mal erneuert. Wenn die Hausverwaltung (oder der Eigentümer) beschließt, dass nun die gesamte Wand renoviert werden soll, obwohl die Baustelle ja nur diese Revisionsklappe ist, würde ich darum bitten, dass nicht wieder eine altbackene Rauhfasertapete angeklebt wird. Ich hätte lieber eine einfach glatt verputzte weiße Wand ohne Tapete darunter.

Bitte teilen Sie mir recht bald mit, wann das Trockengerät aufgestellt wird. Wie schon am Telefon erwähnt, bin ich nächste Woche in Berlin und flexibel, was den Termin angeht und werde mich dann nach der Firma Trocknerheld richten.

Viele Grüße!

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Das sind jetzt keine prickelnden Neuigkeiten, weil es bedeutet, weiterhin Slalom um den leeren Schrank und Klamottenhaufen im Schlafzimmer. Es lohnt aber auch nicht, den Schrank nun komplett woanders hinzuschieben und dort einzuräumen. Und dann wieder alles zurück. Ich habe keinen besseren Platz für das Möbel, als da, wo er jetzt steht. Aber so wie er da steht, mit der Öffnung für die ausgehängten Schiebetüren zur Sitzbank kann ich ihn auch gar nicht benutzen. Also werde ich mich einfach arrangieren. Frage mich, woher die Firma wissen will, ob es nach einer Woche schon trocken genug ist. Ob es da eine Remote Control gibt oder kommt jetzt alle paar Tage so ein Trocknerheld und hält sein Gerät da ran? Keine Ahnung, ob das irgendwen interessiert, meine langweilige Berichterstattung zu meiner Baustelle, aber ich hab es mal erzählt.

21. Januar 2026

Zur Nacht eine sumpfige Version der Strelitzia Reginae, nachtschattig wie das Loch in meinem Heizungsrohrschacht. Nicht verwandt oder verschwägert mit dem Rorschach-Test. Der Tintenklecks-Psychotest wurde nach Hermann Rorschach benannt (1884–1922), nicht nach einem tintenschwarzen Loch in der Wand.

21. Januar 2026

Und nu? Nach dem Nachhausekommen das rausgesägte Stück Wand und den Rahmen im Schacht lehnend vorgefunden. Also hat der Monteur den doppelten Raum für den Zugang benötigt. Habe der Hausverwaltung Fotos geschickt. Bin gespannt, ob sie das wieder einzementieren wollen und alles wie gehabt, oder einen größeren Zugang vorsehen. Habe das Mauerstück und den Rahmen wieder eingesetzt. Viel ist nicht abgebröckelt, er hat sauber geschnitten. Aber das ist ja kein befriedigender Zustand. Hoffe, das wird keine wochenlange Geschichte. Ich habe meine Klamotten im Schlafzimmer auf verschiedene Haufen gepackt, nehme aber aus Bequemlichkeit immer nur die oberen drei Sachen in die Hand. Keine Lust, mich da durchzublättern. Okay, das tut nicht weh. Immerhin bin ich noch nicht schlaftrunken gegen den leeren Schrank gelaufen, der genau in der Mitte vom Flur steht.

21. Januar 2026

Aber grundsätzlich bin ich schon dankbar und weiß, dass es sich bei dem Schadensfall und den Reparaturaktivitäten in meiner Wohnung auch um das Symptom eines Privilegs handelt und von der Metaebene betrachtet, als Statussymbol geframed werden könnte! Andere hätten gerne einen Rohrbruch in Berlin Mitte. Jedenfalls LIEBER als in … (Zutreffendes einfügen). Ich war vorhin ein bisschen zickig am Telefon, in diesem Trockenheld-Callcenter, wo jedes Mal jemand anderer ans Telefon geht, aber nie diese Frau Müller, die mir angedient hat, mich zwecks Terminvereinbarung bei ihr zu melden. Okay okay, ich habe ja nun einen früheren Termin erzwungen. Hartnäckigkeit zahlt sich offenbar mitunter aus. Kenne ich ja auch von mir selbst, wenn jemand extrem fordernd auftritt oder mit einer gewissen gefährlichen Aggression, versuche ich im Einzelfall entgegenzukommen, um die Aggression zu beenden. Mein Stil ist das im Allgemeinen nicht so. Ich käme nie auf die Idee, jemandem mit „rechtlichen Schritten“ zu drohen. Habe auch gar keine Rechtsschutzversicherung. Noch niemals einen Rechtsanwalt als Privatperson bemüht. Ist glaube ich auch eine Frage des Naturells. Bin extrem konziliant, wenn es nicht meine Persönlichkeitsgrenze verletzt. Das kostet meist alles viel zu viel Energie und stellt nur wenig Bereicherung in Aussicht. Jedenfalls bei den kleineren Brötchen, die ich als Privatperson verwaltungstechnisch so backe.

21. Januar 2026

Gerade Mail an die Objektbetreuerin der Hausverwaltung meiner Wohnung geschrieben (nur vormittags telefonisch erreichbar):
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Betreff: Hei-Sa-Tec ist fertig mit der Rohr-Erneuerung – wie geht es weiter?

Hallo Frau …,

soeben hat mich der Monteur informiert, dass der Austausch der Heizungsrohre abgeschlossen ist. Für die Montage war es erforderlich, die Öffnung zum Schacht zu vergrößern, es wurde wohl ein Stück herausgesägt.

Nun ist mir nicht klar, ob der Monteur an Hei-Sa-Tec ein Foto schickt und Sie das dann bekommen und daraufhin entscheiden, ob die Öffnung wieder verkleinert werden soll. Wenn es wieder eine ähnliche Reparatur gäbe, wäre das Problem ja erneut, dass ein größerer Zugang erforderlich ist.

Wegen mir muss da nichts verkleinert und geändert werden, da ich wieder meinen Kleiderschrank davor schieben werde und es mir egal ist, wie die Öffnung aussieht. Aber da haben Sie wahrscheinlich das letzte Wort.

Ich bin interessiert, alles so bald wie möglich wieder zurück zu räumen, da ich meinen Kleiderschrank derzeit nicht benutzen kann, ihn leerräumen musste und verschieben. Nun hatten Sie ja auch noch erwähnt, dass eine „Trockenfirma“ sich um die feuchten Stellen bei den Nachbarn kümmern wird. Das ist bei mir definitiv nicht erforderlich, ich hatte keine feuchten Stellen, keine Stockflecken und keinen Schimmel, einfach gar nichts.

Können Sie mir bitte so bald wie möglich eine Rückmeldung geben, ob ich noch eine weitere Begehung zu erwarten habe und wann ich den Schrank wieder zurückstellen darf?

Vielen Dank!

Sie können mich gerne auch anrufen.

Mit freundlichen Grüßen
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Man fragt sich. Wieso konstruiert ein Architekt oder eine Heizungsinstallationsfirma einen zu kleinen regulären Zugang zur installierten Technik? Zu klein, um ein kaputtes Rohr angemessen auszutauschen? Die bisherige Luke zum Heizungsschacht in der Größe von ca. 45 x 45 Zentimeter ist nun auch kein Blickfang, da kommt es auf zehn Zentimeter mehr oder weniger auch nicht mehr an. Bei der Nachbarin verbirgt sich die Luke zum Schacht und auch der Sicherungskasten in ihrer Putzkammer. So eine Kammer habe ich nicht, bei mir ist es direkt an der Wand im Flur. Habe keine Lust auf weitere Termine und auch keine dringende Notwendigkeit für den Rückbau. Bin gespannt, was die Hausverwaltung dazu meint. Allerdings weiß ich nicht, wie das jetzt konkret aussieht, habe die beiden Monteure vertrauensvoll in meiner Abwesenheit arbeiten lassen. Aber das Gute an solchen Begebenheiten ist: man hat immer frischen Content zum Bloggen! Sexiere Sachen habe ich momentan eh nicht zu berichten. Gestern die Stoffbilder von den Einkaufsbeuteln gerahmt. Sieht staatstragend aus. Bin verblüfft.

Edit: Firma „Trockenheld“ kommt morgen 14 – 16 Uhr zwecks Feuchtigkeitsmessung pipapo.

20. Januar 2026

Grün ist die Hoffnung. Mal wieder eine Variante der Strelitzie, farblich passend zum letzten Zettel an meiner Tür. Mittlerweile hat sich aufgeklärt, wer mir die schöne Blume mitgebracht hatte. Es war Saskia! Danke dafür, ich habe mich sehr gefreut und tu es noch! Nachher rahme ich die Bilder, die ich auf die sechs Einkaufsbeutel gekritzelt habe. Zu diesem Zweck die Henkel abgeschnitten und die Beutel geteilt. Ist ja doof, wenn man immer nur eine Seite sehen kann. Ich brauche keine zusätzlichen Einkaufsbeutel. Würde ich sie benutzen, wären sie irgendwann voller Schlieren vom Abstellen und ausgelaufenen Sahnebechern und nach der Waschmaschine wären die Bilder grauer Matsch. Wäre schade drum. Ich weiß zwar nicht, was ich mit den zwölf Bildern soll, aber eigentlich schweben sie vor meinem geistigen Auge als Block an einer passenden Wand. Die ich leider nicht habe. Aber irgendwann findet sich eine. Und wenn es nur vorübergehend in einer Galerie ist. Sind sehr schöne Rahmen geworden, die ich beauftragt habe. Massivholz, Profil heißt „Florenz“, Antikgold, Sonderanfertigung für das Maß 34 x 37 cm.Mal wieder eine Variante der Strelitzie, farblich passend zum letzten Zettel an meiner Tür. Mittlerweile hat sich aufgeklärt, wer mir die schöne Blume mitgebracht hatte. Es war Saskia! Danke dafür, ich habe mich sehr gefreut und tu es noch! Nachher rahme ich die Bilder, die ich auf die sechs Einkaufsbeutel gekritzelt habe. Zu diesem Zweck die Henkel abgeschnitten und die Beutel geteilt. Ist ja doof, wenn man immer nur eine Seite sehen kann. Ich brauche keine zusätzlichen Einkaufsbeutel. Würde ich sie benutzen, wären sie irgendwann voller Schlieren vom Abstellen und ausgelaufenen Sahnebechern und nach der Waschmaschine wären die Bilder grauer Matsch. Wäre schade drum. Ich weiß zwar nicht, was ich mit den zwölf Bildern soll, aber eigentlich schweben sie vor meinem geistigen Auge als Block an einer passenden Wand. Die ich leider nicht habe. Aber irgendwann findet sich eine. Und wenn es nur vorübergehend in einer Galerie ist. Sind sehr schöne Rahmen geworden, die ich beauftragt habe. Massivholz, Profil heißt „Florenz“, Antikgold, Sonderanfertigung für das Maß 34 x 37 cm.

20. Januar 2026

Eine neue Botschaft an meiner Tür! Von Familie XY. Gestern Abend, bevor es dann endlich losging mit der elektrischen Spirale vom Fachmann, klingelte ein Paar, also Familie XY, um nochmal persönlich anzukündigen, dass es nun so weit ist, und auch, um sich für das Nichtbenutzen vom Küchenabfluss zu bedanken. Ganz sympathisch. Neu eingezogen, die jungen Leute. Ich vermute, dass noch ein Kind dazugehört oder vielleicht sogar zwei. Weil man Botschaften doch andernfalls nicht als Familie unterschreibt oder? Die Spirale hat ganz schön lange im Rohr rotiert. Ich habe sicher auch davon profitiert. Heute früh zu Bett, da die Monteure morgen bereits für ab 7 Uhr angekündigt sind, da möchte ich frisch wirken.

19. Januar 2026

Ein ganz neuer Zettel! Heute am äußeren Türrahmen meiner Wohnungstür klebend. Andere Nachbarn, anderes Problem. Wurde dem Inhalt zufolge schon gestern angebracht, da es heute noch nicht Mittag war, als ich ihn sah. Kann mich erinnern, dass es gestern tagsüber zweimal ganz kurz geklingelt hat, aber ohne Hartnäckigkeit. Manche klingeln ja unten an der Eingangstür stehend überall, wenn sie zu den Briefkästen wollen, um ihr Flugblättchen, ihren Reklamezettel einzuwerfen. Da bin ich nicht kooperativ. Außerdem pflege ich zuhause eine Form von Autismus. Das war vorgestern und gestern schon Herausforderung genug für meinen Sympathikus, mich kooperierend, was bedeutet kommunizierend, mit den Folgen des kaputten Heizungsrohrs zu befassen.

Da mir der zweite Zettel nicht bekannt war, habe ich gestern und heute durchaus den Küchenabfluss benutzt. Aber nichts Ekliges runtergespült, hauptsächlich klares Wasser laufen lassen. Frage mich, ob die Familie X, die den Zettel geschrieben hat, bei jeder Verstopfung vom Küchenabfluss die Hausverwaltung anruft oder davor andere Maßnahmen ausgelotet hat, die erfolglos blieben. Ich kenne erstaunlich wenige Haushalte, eigentlich gar keinen außer meinem, der eine eigene Abfluss-Reinigungsspirale hat. Ohne die hätte ich auch schon öfter jemanden rufen müssen.

Nur ein einziges Mal habe ich einen Fachmann zur Rohrreinigung beansprucht, das war, bevor ich die Spirale hatte. Damals gab es auch wirklich etwas zu fräsen. Das Küchenabflussrohr hatte eine dicke, betonharte Kruste, zu der u. a. auch ich fleißig beigetragen hatte, indem ich bis dahin den unsinnigen „Frag Mutti“-Rat befolgt hatte, den Kaffeesatz meiner French Press in den Ausguss zu spülen, von wegen „reinigt das Rohr“. Laut Fachmann ein super Rezept, wenn man eine schöne Kruste züchten möchte.

In Sachen Heizungsrohr-Reparatur gibt es noch nichts Neues, außer dass die Firma Hei-Sa-Tec nun nach zwei Monteuren sucht, die die Reparatur ausführen, haben noch keine gefunden. Wird wohl ein Tages-Einsatz, also ein gesamter Arbeitstag dafür anberaumt. Wenn es morgen oder übermorgen dann so weit ist, gebe ich denen meinen Schlüssel und dann können sie wirtschaften. Muss ich nicht daneben stehen, wie ein Wachhund. Die können ja auch entspannter arbeiten, wenn nicht dauernd jemand um sie rumschwirrt. Dauert wohl nun doch länger als nur drei Stunden. Jedenfalls habe ich dann heute einen entspannten Abend, weil ja nun alles bereit ist für die Aktion. Habe überlegt, ob ich die Sitzbank dahin stelle, wo der Schrank war und den Schrank gegenüber. Eher nicht. Der Schrank passt so schön in diese Ecke.

P.S. habe soeben den Reparaturtermin für die Heizungsrohre bekommen, Mittwoch, 21. Januar 2026 zwischen 7.00 Uhr und 7.30 kommen die Monteure und arbeiten dann bis ca. 16 Uhr an der Heizungstechnik.

18. Januar 2026

Frau Nielsen wichtig. Ich leide soeben wieder unter Verschieberitis. Es steht an, alles, was auf dem Schrank ist, runterzuräumen, die Klamotten und Schachteln im Schrank rauszuräumen und dann das Möbel auf die gegenüberliegende Seite an die Sitzbank zu ziehen, so dass der Installateur, der morgen oder übermorgen ans Werk gehen will, an den Schacht mit den Heizungsrohren kommt. Den habe ich nämlich ganz clever hinter dem Schrank versteckt. Die Rückwand aber weggelassen, damit die Monteure zwecks Wartung rankommen. Der Sicherungskasten ist auch da. Bislang war es in den 27 Jahren, die ich hier wohne, nie nötig, näher ranzukommen und weiträumiger zu rangieren. Aber nun wohl doch. Meine Nachbarin unter mir, die mir gestern diese Botschaft an die Tür geklebt hat, beobachtete vorgestern erstmalig eine feuchte Stelle an einer Fußleiste neben dem Kabuff, das sie auf dem Zettel Putzkammer nennt. Es befindet sich an der gleichen Stelle wie mein Kleiderschrank und das Heizungszähler-Gedöns, daher war naheliegend, dass es von mir kommt. Und wie Recht sie hatte. Ich klingelte bei ihr gestern am späten Nachmittag, nachdem ich den Zettel gesehen hatte, ich war gerade aus meiner Werkstatt heimgekommen. Die sehr angenehme Dame (besonnenes Naturell) zeigte mir die Stelle, wir plauderten, ich registrierte die gelungene Einrichtung der Wohnung, recht elegant. Künstlerische, gut gerahmte Schwarzweiß-Fotografien an den Wänden. An der Stelle, wo ich einen Balkon nach hinten raus habe, hat sie eine Essecke, gefiel mir. Sie hatte schon den Notfalldienst der Heizungsfirma angerufen, und rief nochmal an. Ich sprach mit dem Mann, er begab sich auf den Weg zwecks Ortsbesichtigung. Als er kam, hatte ich die eine Seite vom Schrank schon so geleert, dass er gut an den Schacht kam. Da fotografierte er mit seinem Smartphone rein. Das scharfe Foto zeigte auch für einen Laien erkennbar den Schaden. Zwei parallel laufende Kupfer-Heizungsrohre waren zu sehen, das eine intakt und sauber, das rechte total verkrustet, wie eine Tropfsteinhöhle. Das war der Übeltäter, da tropfte Heizungswasser raus und nach unten. Hätte ich niemals gesehen, weil ich nicht um die Ecke gucken kann. Nun muss ich also den Weg bereiten, damit das gesamte Rohr ausgewechselt werden kann. Genauen Termin hab ich noch nicht, aber könnte schon morgen sein. Erfahre ich morgen ab zehn. Ich versuche es konstruktiv zu sehen. Eine Gelegenheit, dahinter und auf dem Schrank mal sauber zu machen und vielleicht finde ich ja den schönen Kugelschreiber, der mir im Flur abhanden gekommen ist. Ein besonders schönes Modell, schwarz mit silbernen Intarsien.

17. Januar 2026

„Wo gibt es rosa und hellblaue Zug-Waggons?“ gegoogelt. Nirgendwo, soweit dem Internet bekannt. Aber in meiner nächtlichen Träumerei. Ich stand allein an einem Bahnsteig, es war sehr früh am Morgen. Ich hatte es geschafft, so zeitig da zu sein, um einen Zug zu bekommen, der irgendwohin in Italien fuhr. Ich wartete und wartete, niemand sonst interessierte diese Zugverbindung. Dann kam ein Zug mit puderrosa und hellblauen Waggons. Die Abteile hatten gar keine Fenster, nur mondrianartig unregelmäßig verteilte, quadratische Löcher, wie Schießscharten, er wirkte ganz modern der Zug, fast kubistisch. Die flächigen Fronten waren aus rosa und hellblau lackiertem Wellblech. Der Zug verlangsamte beim Durchfahren das Tempo, aber hielt nicht an. Ich war irritiert. Kurz nachdem er weg war, kamen Menschen auf den Bahnsteig, geradezu ein Strom und ein zweiter Zug kam, ein ganz normal aussehender, so wie früher, in den Siebziger Jahren Züge aussahen, und hielt an. Ich war erleichtert, dass sich die Irritiation geklärt hatte. Die Leute stiegen ein, ich wachte auf. Während ich das schreibe, läuft ein Film, den ich gestern Abend begonnen hatte anzuschauen und wegen Schläfrigkeit anhielt. Eine Verfilmung von 1976 von Ingeborg Bachmanns Erzählung „Drei Wege zum See“.

Hier ist der Film verlinkt. Gleich fahre ich ins Atelier, Kaffee getrunken, Wimpern getuscht. Es ist gerade hell geworden. Die interessante Hauptdarstellerin in „Drei Wege zum See“, die österreichische Schauspielerin Ursula Schult, war mir überhaupt nicht bekannt. Ich versuchte herauszufinden, was sie sonst gemacht hat, es gibt ein paar Verweise zu wenigen Filmen, auch ihr Geburtsdatum 1922, aber kein Todesdatum. Es ist ja unwahrscheinlich, dass sie noch lebt. Das ist ein Hinweis, dass die Erinnerung an sie in ihren letzten Lebensjahrzehnten, seit das Internet gefüttert wird, versunken ist. Im Film spielt sie eine aus Klagenfurt stammende Fotografin Anfang Fünfzig, die in Paris lebt und ihren verwitweten Vater im Elternhaus am Wörthersee besucht. Eine Erzählstimme liest manchmal Passagen aus dem Buch. Ganz interessant, auch anrührend teilweise, die Empfindungen der Tochter, wenn sie aus ihrer mondänen Welt zurück in das einfache Elternhaus kommt, und auch die des Vaters, der sich über den Besuch der Tochter so freut und sie nach Kräften umsorgt, damit sie es recht schön hat. Der Schauspieler ist mir ein bisschen zu wenig angejahrt, jener Darsteller des Vaters, Guido Wieland, war nur sechzehn Jahre älter als die Schauspielerin Ursula Schult. Aber gut gespielt. In Nebenrollen hochkarätige Namen wie Bernhard Wicki, Walter Schmidinger und Udo Vioff.

16. Januar 2026

Eben gesehen: Wettervorhersage für Berlin ab übermorgen, Sonntag, die ganze Woche sonnig, kein Wölkchen. Fein. Hier zeige ich eine weitere von mir gemorphte Variante meiner Strelitzia Reginae. Wünsche allen einen recht angenehmen Freitagabend.

15. Januar 2026

An Romy-Fans (also eigentlich alle): ich habe gestern erst entdeckt, dass 2009 bislang unzugängliche Filmaufnahmen aus dem Jahr 1964 mit Romy in einer Hauptrolle veröffentlicht wurden, nämlich innerhalb des Dokumentarfilms mit dem Titel „L’enfer d’Henri-Georges Clouzot“. Man hatte schon immer mal beiläufig in biographischer Lektüre zur Kenntnis genommen, dass es einen Film von Clouzot gab, bzw. Aufnahmen dafür, der nie fertiggestellt werden konnte, weil Clouzot einen Herzinfarkt erlitt und sich dann anderen Projekten widmete. Der findige Dokumentarfilmer Serge Bromberg kam über die Witwe von Clouzot an die hundertfünfundachtzig alten Filmdosen und machte mit dem bis dahin nie gesehenen, unveröffentlichten Material eine Doku über diese schwierigen, verunglückten Dreharbeiten. Ganz phantastisches Material, weil Clouzet im wahrsten Sinne des Wortes phantastische visuelle Ideen hatte, geradezu psychedelische Aufnahmen von Romy.

Auch verhältnismäßig freizügig und lasziv für die damals 25-jährige Romy, die zur Zeit der Dreharbeiten im Juli 64 am Ende ihrer mehrjährigen Liebesbeziehung mit Delon stand, längst nicht mehr das naive Wiener Mädel „jenseits von Gut und Böse“ war und das bei Clouzot auch erstmalig zeigen durfte. Ich las erst gestern davon in einem ebenfalls neueren Buch des Autors Thilo Wydra von 2020 „Eine Liebe in Paris – Romy und Alain“. Er erforschte in Gesprächen mit Wegbegleitern Details der Liebesgeschichte von Romy und Alain Delon. Sie wirkt in den Filmaufnahmen sehr kraftvoll und lebendig, beinah von trotziger Vitalität, angesichts ihrer tatsächlichen Verfassung. Die plötzlich durch Delon vollzogene Trennung hatte sie zutiefst erschüttert.

Ende 63 hatte sich Delon mit Nathalie nach Mexiko verabschiedet, Romy nur eine knappe Notiz in der noch gemeinsamen Wohnung hinterlassend, so wird es zumindest kolportiert. Bei den ersten Probeaufnahmen im März 64 hatte sich Alain mit der bereits schwangeren Nathalie verlobt. Alain und Nathalie heirateten im August 1964, Ende September wurde der gemeinsame Sohn Anthony geboren. Noch während der Dreharbeiten im Juli hatte sich Romy immer noch erhofft, dass er zu ihr zurückkehrt. Man kann in diese lasziven Bilder auch ein „Jetzt erst recht!“ hineininterpretieren, aber das wird Romy als Schauspielerin nicht gerecht, da sie ohnehin immer alles gab, bis zum Anschlag.

Ihr schauspielerischer Ehrgeiz war enorm, auch weil sie unter einem Minderwertigkeitskomplex insofern litt, dass sie nie eine professionelle Schauspielausbildung erfahren hatte. Kollegen, denen sie das offenbarte, winkten ab mit „Du kannst nichts mehr lernen.“ Und hatten vielleicht auch Recht damit. Etwas überrascht nahm ich zur Kenntnis, wie souverän sie bei sportlichen Sequenzen wirkt, wenn sie Wasserski fährt oder einen Hechtsprung ins Wasser macht. Obwohl sie ja auch als Sissi schon ganz gut im Sattel saß. Man merkt, dass sie Freude hatte, ihre Muskeln spielen zu lassen. Das wurde nie vorher so eingefangen.

Die Existenz dieser Doku war bei Veröffentlichung 2009 komplett an mir vorbeigerauscht. Nun war ich neugierig, fand gratis nur Trailer und lieh mir den Film dann gestern über Amazon Prime aus. Noch nie gemacht. 3,99 €. Das ist er unbedingt wert. Das einzige was ich darin nicht gebraucht hätte, sind die nachgestellten Szenen mit heutigen Schauspielern, die sich gegenseitig aus dem Drehbuch vorlesen. Zentrales Thema des nie vollendeten Films war Eifersucht. Romy in der Hauptrolle der Gattin eines Hotelbesitzers wird von ihrem Mann unterstellt, dass sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit flirtet und vielleicht auch mehr. Seine quälenden Eifersuchtsgefühle und Ängste werden durch psychotisch übersteigerte Fremdgeh-Phantasien illustriert. Die reale Welt wird in schwarzweiß gezeigt, seine Phantasien in grellen, teilweise unnatürlichen Farben. Visuell überaus faszinierend. Der Film ist mit deutschen Untertiteln erhältlich, aber nicht mit deutscher Audiospur. Auf jeden Fall eine Empfehlung. Wenn man einen Film bei Amazon Prime leiht, kann man sich 30 Tage lang überlegen, wann man ihn startet. Man kann ihn nicht 30 Tage lang hundert mal anschauen. Ich hätte mir überlegen können, ihn nach dem Ausleihklick erst am 15. Februar anzuschauen. Aber ich wollte ihn gleich sehen. Nach Filmstart läuft eine 48-Stunden-Frist, innerhalb derer man ihn zu Ende sehen kann oder auch mehrmals anschauen, danach müsste man ihn wieder erneut ausleihen. Kaufen wäre auch nicht teuer gewesen, ich glaube 7,99 Euro. Dafür bekommt man heute nicht mal eine Kinoeintrittskarte.

14. Januar 2026

Bis jetzt mein Highlight des Tages: Otto Weihe! Als ich heute aus meiner Wohnung kommend, die Auguststraße überquerte, kam ein großes Lieferantenauto an die Kreuzung und ich betrachtete beeindruckt die Aufschrift und ein Foto: „100 Jahre Otto Weihe – seit 1925 Obst und Gemüse für Berlin“ (so ungefähr), was ja schon mal extrem beeindruckend ist, dass sich ein Obst- und Gemüsehändler über Krieg und Krisen hundert Jahre gehalten hat.

Aber die Krönung war ein riesiges altes vergilbtes Schwarzweiß-Foto auf dem Laster, von entweder dem ersten Laden im Wedding von 1925 oder dem zweiten von 1933. Ich habe mich so für Otto Weihe und seine Familie gefreut, einfach toll. Meine Nachforschung soeben hat ergeben, dass es inzwischen ein großer Händler und Lieferant ist, der gastronomische Betriebe mit großen Packungen beliefert, inzwischen gibt es auch Wurst und Käse und sonstige Milchprodukte etc. im Sortiment, allerdings keine Getränke. Fortlaufend wurde alles modernisiert, jetzt könnte man leider kein so possierliches Foto mehr vom Geschäft machen, es sind inzwischen riesige Lagerhallen, kein Tante Emma-Laden-Format mehr. Aber ich will nicht klagen. Der heutige Geschäftsführer heißt auch Weihe. Björn. Was ich allerdings bedaure. Nicht, dass er die Geschäfte führt, sondern den Vornamen. Ich finde, er sollte in guter alter Tradition Otto heißen. Hier ist ein unschöner Bruch, denn der Firmengründer Otto Weihe war nämlich Otto Weihe, der II. So ist es in der Chronik nachzulesen. Dann folgte Otto Weihe, der III., hernach Otto Weihe, der IV. Er übernahm in den Siebzigern (1978) die Geschäftsleitung und übergab sie 2011 an jenen Björn. Ob das nun sein Sohn oder sein Enkel ist, weiß ich nicht. Vielleicht kann man ja Hoffnung haben, dass Björn einen Stammhalter, also Thronfolger zeugt und ihn wieder Otto nennt und dann käme mit Otto Weihe, dem V. wieder Ordnung in die Weihe-Dynastie! Dafür ganz viel Glück!

13. Januar 2026

Der Winter. Ausschnitt einer mit meiner gezielten willentlichen Vorgabe und Intelligenz gemorphten Fotografie aus meiner Kamera einer Strelitzia Reginae. Leider weiß ich nicht mehr, wer mir die Paradiesvogelblume am 10. Januar 2025 bei Sevenstar zur Ausstellungseröffnung überreicht hat. Freue mich über Meldung.

12. Januar 2026

Ushanka, zweiter Teil. Gestern in Sonne und Schnee. Das klingt nach einem ausgiebigen Winterausflug, ist aber Vortäuschung falscher Tatsachen. Ich war nur für ca. fünf bis zehn Minuten auf dem Weg zwischen U-Bahn und Atelier für einen kleinen Schlenker im vorderen Gebüsch und Schnee der Prinzessinnengärten. Nasenspitze in die Sonne gehalten, war auch schön, und dann schräg gegenüber ins Atelier, ins Warme. Dort habe ich die Blechfragmente vom Sony Vaio auf der 3D-Leinwand fixiert. Gefällt mir. Auf ein paar flächigeren Blechteilen war noch Platz für ein paar übrige Spiegelfragmente, aber nicht übertrieben viele, quasi kuratiert. Die letzten Handgriffe sind Kleber-Reste vorsichtig entfernen ohne Kratzer zu machen, polieren und signieren. Heute habe ich eine andere Mütze angezogen, so eine etwas pompösere im Tundra-Look mit schwarz-beigem, langhaarigen Fell, auch sehr weich und warm und kuschelig. Mit Sonnenbrille dazu wirke ich ein bisschen wie Jay Kay von Jamiroquai. Supercool! Halt ohne Bart.

09. Januar 2026

Als Kind war man fortlaufend am Staunen, aber im fortgeschrittenen Alter passiert das nicht mehr oft, leider. Was mich zum Beispiel überhaupt nicht neugierig oder überrascht hinterlässt, sind menschliche Abgründe, sexuelle Spielarten, bizarre Vorlieben. Ich gehe grundsätzlich immer davon aus, dass man mit allem rechnen muss, es keine Grenzen gibt, darunter aber auch nichts Neues ist, was mir ein fasziniertes „Hoppla“ entlocken könnte. Das passiert erfahrungsgemäß nur noch bei erstmalig live aus nächster Nähe gesehenen Naturschönheiten, Felsformationen oder extrem faszinierend aussehenden Lebewesen. Können auch Menschen sein. Manchmal auch bei gelungener Architektur, grandiosem Design. Bislang unbekannter Poesie. Mir neuer, vollendeter Musik.

Oder den Innereien von geliebten Geräten. Ich muss erwähnen, dass ich schwer für das Innenleben von irgendeinem Gerät interessierbar bin. Wenn mir jemand ein ausrangiertes Mac Book Pro überließe, würde ich raten, es selbst zu zerlegen und mir dann gerne gelegentlich Fotos davon zukommen zu lassen. Ich wollte es aber keinesfalls verarbeiten, da ich nicht damit verbunden war, es nicht benutzt habe. Da bin ich absolut eigen. Das Zerlegen ist für mich ein sentimentaler Vorgang, ich habe das Gefühl zum Kern der Energie, der Substanz der Elemente vorzudringen, mit denen ich jahrzehntelang in innigem Austausch war. Reliquien. Ein fast religiöses Empfinden, recht emotional. Auch freut mich, wenn meine Geräte lange funktionieren, was bei allen drei nun zerlegten Notebooks der Fall war. Jedes hatte im Lauf der Zeit so seine Einschränkungen, oft fing es mit veralteten Betriebssystemen an, die ich dann aufrüstete, updatete. Bis Materialermüdung eintrat.

Alle drei implodierten interessanterweise im vergangenen Jahr, bis dahin konnte ich noch rudimentär die eine oder andere Anwendung nutzen. Beim Vaio war es so, dass es die letzten Jahre im Atelier Musik abspielte, der Media Player lief einwandfrei, auch der Explorer, dann geschah es in der zweiten Jahreshälfte 2025, dass es sich nach einer Weile Betrieb plötzlich ausschaltete. Meist ließ es sich wieder neu starten, aber irgendwann eben nicht mehr. Ich gab nochmal eine Gnadenfrist, ließ es in Ruhe, probierte es wieder. Anfang Dezember ging gar nichts mehr, kein Stromfluss, was nicht an der Steckdose lag. Ein Gerät hat seine Lebenszeit.

Auf einem der Fotos sind die Reliquien meines zweiten Notebooks, das viel kleiner war, mehr für Reisen gedacht, das Samsung Q35. Noch nicht en detail abgelichtet habe ich, was vom Toshiba Satellite übrig blieb. Kommt noch. Übrigens hatten wir gar keinen Schneesturm heute, Entwarnung. Es war heute sogar teilweise trockener auf meinen Wegen als gestern. Habe aber vorhin die Spikes für Schuhe geliefert bekommen und probiere sie gleich aus.

08. Januar 2026

Schnee von gestern. Fotos vom 4. Januar. Da dachte ich wohl, es handele sich um die gewohnte eintägige Berliner Winter-Demo-Version von Schnee und machte ein Foto von der possierlichen kleinen Schneedecke um die Vase auf dem Kästchen vom Atelierbalkon. Seither ging der Schnee aber nicht mehr weg, er hat mehrere Updates geliefert und nun sind viele Wege vereist. Für morgen wurde in Berlin gar die Schulpflicht aufgehoben und es gilt die Empfehlung, möglichst drinnen zu bleiben. Von Schneegestöber und Schneesturm ist die Rede und vielen Zentimetern Neuschnee. Vielleicht mache ich morgen mal ein Foto von richtigem Schnee, nicht nur so einem kleinen Häufchen. Ich werde morgen nicht drinnen bleiben, sondern mich warm einpacken und mich dem vollen Programm aussetzen. Nun will ich mal recherchieren, was es so für Spikes für Schuhe online gibt. Wollte ich schon immer mal haben. Wird zwar noch nicht morgen geliefert werden, aber Frost und Eis sollen noch länger bleiben. Bin froh für die Berliner im Südwesten, die wieder Strom haben und damit Wärme und Licht. Nichtzuletzt auch die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Das hat schon mörderische Qualität, lebenserhaltende Technik zu sabotieren. Kurzsichtig und zynisch. Man könnte aber auch dazu sagen: ein Indiz von unterdurchschnittlicher Intelligenz und Bildung. Machts Euch warm.

04. Januar 2026

Gestern diesen wirklich raren Filmbericht über Hilde aus dem Jahr 1967 entdeckt. Fast durchgängig Sequenzen, die in keiner anderen Doku auftauchen, abgesehen von ein paar kurzen Momenten eines Photo-Shootings in ihrem damaligen Zuhause am Starnberger See. Sehr sehenswert. Wie sie da mit ihrem Mann David Cameron im Wohnzimmer sitzt und eine Georg Kreisler Schallplatte hört. Vorher erzählt sie, wie einer der seltenen Tage ohne Termine aussieht. Danach überlegte ich, wieso ihre Tochter da nicht vorkommt. Es wurde gedreht, als sie noch nicht auf der Welt war, aber bald nach den Dreharbeiten im Juni 1967 wurde sie offenkundig schwanger, denn Christina kam im Mai 1968 auf die Welt. Da war Hilde 43. Eine recht späte Mutter für ihre Generation.

02. Januar 2025

„DO NOT COVER BREATHING HOLE“. Das steht da wirklich. Ich bin beim Lesen entzückt zusammengezuckt, weil ich sowieso das Empfinden habe, dass es sich um einen Organismus handelt. Wenn man weiter darüber sinniert, kann man auch nicht widersprechen, dass jedes einzelne Teil dieser Geräte im Ursprung aus organischen, gewachsenen Substanzen gezaubert wurde. Wir sehen hier die auf magnetischem Wege mit Information beschriebenen Datenträger der Notebooks, das Innere der „Hard Drive Discs“. Zu sehen, wenn man die Abdeckung der etwa Zigarettenschachtel-großen Festplatten abschraubt. Wie Wikipedia den Prozess beschreibt, wie die Information, die wir mit unseren Händen führen, verewigt wird, hat metaphysische Qualität:

„Ein Festplattenlaufwerk (englisch hard disk drive, Abkürzung HDD), auch als Festplatte oder Hard Disk (abgekürzt HD) bezeichnet, ist ein magnetisches Speichermedium der Computertechnik, bei welchem Daten auf die Oberfläche rotierender Scheiben (auch englisch „Platter“ genannt) geschrieben werden. ZUM SCHREIBEN wird die hartmagnetische Beschichtung der Scheibenoberfläche entsprechend der aufzuzeichnenden Information BERÜHRUNGSLOS MAGNETISIERT. Durch die Remanenz (VERBLEIBENDE MAGNETISIERUNG) erfolgt das Speichern der Information. Das Lesen der Information erfolgt durch BERÜHRUNGSLOSES ABTASTEN DER MAGNETISIERUNG der Plattenoberfläche.“ Spürbar magnetisch ist das kleine Metall-Teil in der Ecke, das von der Silhouette her so ähnlich aussieht wie Südamerika. Selbst nach Entfernung der Schräubchen lässt es sich nur mit Kraft aus der Verschalung nehmen. FASZINIEREND!

01. Januar 2025

Von wegen kein Hexenwerk…! Wer sich das ausgedacht hat, steht in der Evolution meines Erachtens weit über jedem (Wochenend-Workshop-)Schamanen. Die mysteriösen Schätze, die ich die vergangenen Tagen aus meinen drei alten kaputten Notebooks exhumiert habe, sind mir ein komplettes Rätsel. Der Aztekische Kalender kommt mir dagegen fast schon primitiv in seiner relativ schlichten und doch recht durchschaubaren Anordnung und Formgebung vor. Die Platinen der Notebooks habe ich nicht aufgehoben, das Thema ist für mich erledigt. Wenn ich Platinen anschaue, wird mir schwindelig. Hier zu sehen, die Metall-Reliquien des Sony Vaio PCG-GRT 896HP. Alles zerlegt und erst einmal nebeneinander auf den Boden gelegt. Frohes neues Jahr!

31. Dezember 2025

Bye bye 2025. Du warst aufregend, auch herausfordernd. Auf jeden Fall unvergesslich. Die schönste Aufregung habe ich selbst verursacht, kein unverhoffter Sterntaler-Regen und nur Schürzchen aufhalten. Viel Arbeit, die sich aber auch gelohnt hat. Manche andere Aufregung hätte ich nicht gebraucht und habe sie zum Glück ohne existentielle Schäden überstanden, eine ziemliche Zitterpartie dabei. Vor vier Jahren habe ich an Silvester noch eine Lungenentzündung auskuriert, das Jahr darauf wohl nicht in Ausgehstimmung, habe mich in Bachmann-Frisch-Studien eingegraben, letztes Jahr war ich schon mit dem Aufbau der Ausstellung bei Sevenstar beschäftigt und Lydia und Saskia besuchten mich unten in der Kellerbar, wo wir anstießen und viel erzählten. Dieses Jahr bin ich wieder zuhause, aber nicht damit unzufrieden. Es ist sehr kuschelig hier bei mir. Kommt gut rüber.

31. Dezember 2025

Ich überlege gerade noch, ob ich in meine Werkstatt fahre und das Sony Vaio weiter auseinanderbaue, da sind noch ein paar kleine Schräubchen, die mich zuletzt hinderten, es komplett zu zerlegen, dafür brauchte ich meinen Spezialsatz von Miniatur-Schraubendrehern, der in meiner Wohnung war. Die schönsten Metallteile hat definitiv das Sony Vaio PCG-GRT 896HP, das ich ab 2004 hatte, ganz, ganz edle, verchromte Teile zeigen sich da. Es war aber auch zu seiner Zeit ein edles Gerät, das ich mir nur runtergesetzt leisten konnte. Oder wollte. Weiß ich nicht mehr. Obwohl es ein silbergraues Kunststoff-Case hat, sieht es durch den großen, vertieften, schwungvollen Vaio-Schriftzug sehr, sehr besonders aus. Eigentlich hebe ich bei zerlegten Geräten keine Kunststoffteile auf, aber da muss ich eine Ausnahme machen. Beim kleinen Samsung Q35 hat es das ebenfalls silbergraue Kunststoffgehäuse nicht in die Reliquienabteilung geschafft. Aber definitiv das Metallgehäuse von meinem Toshiba Satellite. Das hatte das edelste Case, aus gebürstetem Aluminium, die Oberfläche wirkte fast wie silberne Rohseide und die Ecken waren ganz weich abgerundet. Bei allen Notebooks sehr schön, die Edelstahleinschübe für die Festplatten, mit interessanten ornamentalen Reliefs. Auch da wieder der Knaller: das Vaio hat auch das verchromt und auf der Hinterseite ein Muster aus runden Löchern, wie das braunweiße Tupfenkleid von Pretty Woman. Ach, ich bleibe heute daheim. Es gibt Glättewarnung, der Puderzucker ist geschmolzen. Das Foto ist übrigens vom 1. Februar 2004. Analoges Selfie. In der Zeit hatte ich mit dem Bloggen angefangen.

30. Dezember 2025

Die Beutel sind nach dem Gießkannenprinzip verteilt worden, aber der Regen brachte wohl keinen Segen. Bereitwillig überlässt man mir die guten Stücke zwecks Weiterverarbeitung. So nachhaltig :-) Habe vorhin schon wieder einen ergattert, werde nun mal etwas freihändiger arbeiten, um größere Varianz in die Sache zu bringen!

29. Dezember 2025

Thema „Silvesterparty“. Ich muss sehr lange überlegen, wann ich zuletzt zu einer privaten Silvesterparty eingeladen war. Dieses Jahr jedenfalls nicht und letztes auch nicht. Dunkel, aber doch deutlich ist mir in Erinnerung, dass ich in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine private Silvester-Einladung hatte. In eine Altbauwohnung am KuDamm. Die Gastgeber ein Geschwisterpaar, Bruder und Schwester, das dort wohnte. Sie Architekturstudentin, er Schauspieler. Beide waren sehr musisch veranlagt und spielten auch Musikinstrumente, aber nicht an dem Abend (vormals Waldorf-Schüler). Er hieß Kilian und hätte gut und gerne in einem Fünfziger Jahre-Liebesfilm die männliche Hauptrolle spielen können. Groß gewachsen, schlank, sportliche Figur, gute Haltung, fein geschnittene Gesichtszüge und leicht gewelltes, glänzendes dunkelblondes Haar, ordentlich frisiert. Ein Mittelding aus Kurzhaarschnitt und etwas länger, leicht künstlerisch. Seitenscheitel meine ich mich zu erinnern. Kluge, blaue Augen, gewinnendes Lächeln, vorzügliche Umgangsformen, außerordentlich höflich, fast schon höfisch, aber so locker vom Hocker. Beide. Ein adeliger Stammbaum hätte einen auch nicht gewundert. Immer auch lustig, die zwei. Überdurchschnittlich intelligent und eloquent. Jedenfalls gab es Buffet und gute Musik vom Platten- oder CD-Spieler, reichlich Getränke, einige Partyspiele, an die ich mich nicht genauer erinnere. Zu Mitternacht forderte mich der um einiges jüngere Kilian zum Tanz auf und zwar zum Wiener Walzer! Er wirbelte mich zu einer Melodie von Johann Strauß im Kreis und wir traten uns kein einziges mal auf die Füße. Es war herrlich! Ich kam mir wie eine Prinzessin vor – ja fast schon wie Kaiserin Elisabeth von Österrreich und Ungarn! Ein ganz unvergessliches Erlebnis. Das einzige mal in meinem ganzen Leben, dass ich nach den Tanzstunden in den frühen Achtziger Jahren noch einmal Walzerschritte unternahm. Ich hatte sie offenbar nicht vergessen und das, obwohl ich mich nicht sehr geschickt anstellte, wenn es darum ging, Schrittfolgen zu behalten.

Alle anderen Silvester habe ich entweder gar nicht oder in öffentlichen Lokalitäten verbracht. Gestern schaute ich mal wieder in die ARD Retro Mediathek rein und stieß auf einen ansprechenden Filmbericht aus dem Jahre 1962. „Der arrivierte Trödelladen“. In den ersten drei Minuten ist eine private Festgesellschaft zu sehen, auch beim Tanz. Die Damen tragen elegante Cocktailkleider, die Herren dunklen Anzug. Auf Servierplatten werden Häppchen gereicht, moderate Musik, nicht zu strapazierend, das Tanzbein wird gepflegt geschwungen. Das wäre so eine Silvesterparty nach meinem Geschmack. Ansprechende Räume mit erlesenen Antiquitäten, Platz für Tanzbewegungen, Sitzgelegenheiten, für das leibliche Wohl ist gesorgt. Aber ich liege mit derlei Wünschen wohl nicht ganz im Trend. Daher werde ich wohl abermals auf ein Stelldichein verzichten. In Clubs, wo hämmernde Beats in Lautstärke zu Gehör gebracht werden, die gepflegte Konversation unterbindet, mag ich nicht gehen. Zudem trinke ich derzeit nur sehr wenig Alkoholisches, nicht aus Vorsatz, eher aus Unlust. Im Französischen Dom scheint es ein Etablissement zu geben, das ein Silvester-Dinner ausrichtet und zum Jahreswechsel kann man die Aussichtsplattform begehen und das Feuerwerk bewundern.

Jedenfalls, wenn man nicht so gestört ist, wie ich. Mich bringt so schnell nichts unter offenen Himmel, seit mich Anno 1988 war es wohl, mal ein Silvesterböller traf und mein Haarschopf brannte. Zum Glück ist das Ohr noch dran, wurde auch nicht angekokelt. Der Geruch der eigenen brennenden Haare ist doch recht unangenehm. Silvester daheim hat auch den Vorteil, dass man die Getränke und das Essen schon bezahlt hat, es droht keine exorbitante Zeche. Und das Bett ist auch ganz herrlich nah. Zudem sind meist ein paar Alt-Blogger vor dem Gerät und entbieten Neujahrs-Glückwünsche. Das klingt doch gar nicht mal so schlecht.

27. Dezember 2025

Ich drücke mich gerade erfolgreich mit weltbewegenden Blogeinträgen davor, vor die Tür zu gehen. Aber ich muss! Das Personal hat Ausgang. Zu den Feiertagen bin ich immer recht großzügig, die haben ja alle Familie, Kind und Kegel usw. usf.; Müll muss runtergebracht werden, Einkäufe stehen an. Auch will ich die kostbaren Metall-Intarsien von zwei sehr alten, kaputten, von mir persönlich dekonstruierten Notebooks ins Atelier bringen. Dort wollte ich auch schon ewig mal Verschiedenes endlich auspacken und an seinen Platz räumen. Und nachdem neulich auch noch mein allererstes Notebook, ein hochbetagtes Sony Vaio, das mir nur noch als Musikabspielgerät dienen konnte, implodiert ist, möchte das auch zerlegt werden. Das sind Schatzkästchen, mit ganz tollen glitzerenden Metallteilen drin. Ich weiß zwar durch das Zerlegen der anderen beiden, was mich in etwa erwartet, aber es ist immer wieder wie Geschenke auspacken. Also trotz Schmuddelwetter mehrere Gründe, vor die Tür zu gehen. Und ganz in der Nähe, an der Endhalte der U8 ist auch ein Rewe, der den von mir bevorzugten Bulgaria Joghurt immer im Sortiment hat.

27. Dezember 2025

Intime Einblicke! Ich weiß nicht, wie Camilla, Letizia, Maxima, Mary, Sonja oder Catherine ihre Kronjuwelen und Tiaras aufbewahren, aber für mich haben sich runde Schachteln als praktisch bewährt. Ordentlich beschriftet und somit immer griffbereit zum nächsten Staatsbankett. Momentan stehen zwar keine an, aber im neuen Jahr wird sich gesellschaftlich ganz sicher wieder mehr ergeben!

27. Dezember 2025

Als Hobby-Architektin habe ich mich unlängst an einem ersten Turm-Modell versucht. Er ist ein bisschen schief, aber ansonsten recht gelungen. In meiner kleinen Wohnung ist leider gar kein Platz mehr für weitere Schränke, und da ist mir die Idee gekommen, runde Schachteln nach dem Hochzeitstortenprinzip aufzutürmen. Darin befinden sich alle meine Mützen, nach Farben sortiert. Ich denke, jetzt hab ich genug. Jedenfalls in schwarz, grau, beige, braun, blau, rot und meine drei Kronen sind auch untergekommen!

25. Dezember 2025

Kleiner Rundblick. Andere Ecke im Flur, links Eingangstür, davor Hochzeits-Sari. Das kleine runde Möbel hat mich neulich auch angelacht. Stauraum kann man ja immer brauchen. Da ist jetzt meine Umhängetasche drin und Einkaufsbeutel und diverse Gurte. Der Fünfziger Jahre Charme mit den schräg ausgestellten Beinchen hat es mir angetan. Ich könnte eigentlich dauernd Möbel aus der Epoche ersteigern, nur leider müsste ich dann weitere Wohnungen anmieten. Das ist mir einfach zu kostspielig als Hobby! Neulich beim Stöbern so tolle Fifties Cocktail-Sessel von Thonet gefunden, obwohl nicht danach gesucht. Mit schwarzem Bezug und grauen Sprengseln. Dachte, die ganze „Mid-century“-Abteilung wäre mittlerweile unerschwinglich. Vielleicht bin ich aber auch ein kleines Trüffelschweinchen. Das antiquarische „Kampener Skizzen“-Buch von Klara Tiedemann war auch ganz billig, weil der Besitzer wohl nicht realisiert hat, was das für ein seltenes Schätzchen ist. Jetzt habe ich aber wirklich keinen Platz mehr für weitere Möbel, so klein sie auch sein mögen. Ich räume ja nie um, wenn ich mal eingezogen bin, es wächst vielmehr. Nun kein Platz mehr in meinem Universum. Auch nicht für Bücher. Oh je. Habe schon mal überlegt, alle Titel aufzuschreiben und dann eine komplette Liste hier einzustellen. Eigentlich könnte ich die meisten verschenken. Nur bestimmte antiquarische möchte ich behalten. Aber gerade ist es auch noch schön, von so vielen Büchern umgeben zu sein, hab sie ja alle gerade mal noch untergebracht.

24. Dezember 2025

Sehe gerade, auf der Rückseite ist das Schwarz nicht ganz so satt, muss wohl ein frischer Edding her, für das nächste Experiment.

Zum Vergleich die Vorderseiten von den zwei Beuteln mit identischem Untergrund: rosa Herz mit erbaulichem Spruch darunter. Sehr geschickt von mir vertuscht, bin selbst beeindruckt!

24. Dezember 2025

Nun ist mir gestern noch so ein Einkaufsbeutel mit Werbesprüchen in die Hände gefallen und ich musste nochmals meinen schwarzen Edding zum Einsatz bringen, um das ganze Reklamegekritzel in Pastell komplett zu übermalen. Ich nenne dieses zweite Werk „Mikado“. Schwarzer Edding 3000 auf Baumwoll-Einkaufsbeutel, 38 x 41 cm, Staatliche Museen von Gaganien. Kollegin war angetan von der Transformation und kündigte an, mir weitere Beutel von zuhause mitzubringen. Da könnte also demnächst noch mehr kommen. Es ist sehr entspannend für mich, mit Filzstift auf Einkaufsbeutel zu malen. Ich muss nichts dabei denken. Herrlich.

23. Dezember 2025

Aha: „Sprockholz“. Heute gelernt. Dachte erst „Spruckholz“, war aber wohl ein Hörfehler von Klara Tiedemann, deren Buch ich gerade lese. „Kampener Skizzen“, die originale erste Ausgabe, ein Privatdruck von 1966. Die Schauspielerin und spätere Pensionswirtin Klara Tiedemann (häufiger geschrieben Clara), ließ Anfang der Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit ihrem Mann, einem Berliner Antiquar, das legendäre Anwesen Kliffende, am Ende des Roten Kliffs auf Sylt erbauen. Das beliebte Gästehaus zählte viele Künstler zu den Sommerfrischlern, nicht zuletzt Thomas Mann, Renée Sintenis und Emil Nolde. Letzterer malte sie auch während eines Aufenthalts. Anfang der Sechziger Jahre ermunterte sie ein Verleger, ihre Erinnerungen festzuhalten. Ich habe ein Weilchen gesucht, bis ich antiquarisch ein Exemplar der Erstausgabe ergattern konnte. Der Einband ist heller Pappkarton mit eingearbeiteten Gräser-Schnipseln. Spätere, einfacher gestaltete Auflagen sind leichter zu finden. Es hat sich gleich zu einem meiner drei Lieblingsbücher über Sylt gemausert. Sehr atmosphärische Erinnerungen an die Gäste und Abende, lange Sommer im damals noch nicht so bekannten Kampen. Zu Sprockholz heißt es „Frau Jacobsohn hat Spruckholz in den Herd geworfen, das Kaffeewasser fängt an zu summen.“ Nie vorher gehört. Das Internetlexikon sagt: „Sprockholz ist eine Bezeichnung für braunes oder durch Inkohlung auch schwarzes Holz und Borkenreste sowie Braunkohlereste. Das Material befindet sich in Spülsäumen an Meeresküsten.“ Klara Tiedemann konnte da leider nicht wie ich nachblättern, sie wird das Wort in all den Jahren auf Sylt gelernt haben, wie sie es hörte. Ein ganz feines, kleines Buch.

19. Dezember 2025

Die schlafende Stadt. Heute Morgen 7.35 Uhr vor Sonnenaufgang. Aus meinem Fenster zur Auguststraße. Der große Klotz ist das Hotel Park Inn am Alex. Die erleuchtete senkrechte Fensterreihe darunter ist das Haus in der Gipsstraße 12, Ecke Joachimstraße, in dem auch der Eingang zu den Sophie-Gips-Höfen ist. Im Erdgeschoss ist vor sechs Jahren die französische Buchhandlung Zadig eingezogen, davor war dort eine erlesene Teppich-Galerie.

15. Dezember 2025

Noch drei Fotos vom neunten. Ich lege gleich meine frisch gewaschenen, nun trockenen Baumwollrollkragenpullover (zwei schwarze, einen dunkelbraunen, einen blutroten) zusammen und dann in den Schrank. Den grauen hab ich an, der dunkelblaue ist im Schrank, der brauchte keine Wäsche. Dann hab ich noch einen anthrazitgrauen aus Kaschmir, ewig nicht angehabt. Würde ich mit der Hand und milder Seife im Waschbecken waschen. Aber nicht heute. Hab ihn eng in Erinnerung. Des weiteren habe ich einen weißen und einen himbeerroten aus ganz dicker, grob gestrickter Baumwolle mit einer großen Schneeflocke vorne drauf. Die riechen auch noch frisch. Einen in Oversize hab ich auch noch, zweifarbig schwarz und elfenbein, mit ganz großen, superbreiten senkrechten Streifen. Den ziehe ich nur mit Baumwollrollkragenpullover drunter an, obwohl er flauschig ist, bin zimperlich mit Wolle. Ansonsten keine aufregenden Pläne, außer natürlich wieder früh zu Bett, was weniger auf- als abregend ist. Aber die Kanne Darjeeling ist frisch aufgebrüht, der werde ich mich noch widmen und noch was essen.

Vor ein paar Tagen habe ich ein neues Buch angefangen, „Bis in die letzte Instanz“ vom Medien-Staranwalt Matthias Prinz, der darin seinen bemerkenswerten Werdegang erzählt. Ich fand ihn und seinen Beruf schon immer interessant. Musste heute Mittag an einer Stelle lachen, als er bemerkte, dass eine Hamburger Buslinie, die von Blankenese in die Hamburger City fährt, mitunter „Kaschmir-Express“ genannt wird. Wohl der überwiegend wohlsituierten Fahrgäste wegen. Ich falte jetzt mal meine Nicht-Kaschmir-Pullover und wünsche einen angenehmen Montagabend.

14. Dezember 2025

Etwas spät für heute, die Tipps von 1961 „Was mache ich aus einem verregneten Wochenende?“ Aber: nach dem Wochenende ist vor dem Wochenende. Ist genau meins (aber ohne Gymnastik).

13. Dezember 2025

Ein paar Fotos von Dienstag Abend, hatte meinen Kranichkimono an. Verlustiere mich am heutigen Samstag nach Ausschlafen mit der Mediathek von ARD alpha-retro. Unter anderem gesehen: Mobile · Der neue Frisurentrend von 1961. Hat mich fasziniert, weil an die damalige Frisur meiner Mama erinnert, wusste gar nicht, dass die Frisur sogar einen Namen hatte: „Mobile“.

Außerdem: Wir suchen die ideale Frau, eine Fernsehshow aus dem Jahre 1957, in der vier Damen als Kandidatinnen antraten und u. a. Wissensfragen zur gesetzlichen Stellung der Ehepartner in der Ehe beantworten, Gesellschaftstänze wie Paso Doble und Calypso erkennen und eine schnelle Mayonnaise frisch zubereiten mussten. Ganz charmant, die Studio-Einrichtung, die stimmungsvolle Musik von der Rhythmus Combo und die Umgangsformen.

Des weiteren gesehen: Machen Sie etwas aus Ihrem Typ von 1961. Drei ganz junge, individuell aussehende Damen erhalten eine Typ-Beratung und haben am Ende alle die mehr oder weniger gleiche Frisur. Die Chef-Beraterin bezeichnet eine der drei als „mollig“ und etwas später als „unsere Dicke“. Damit käme sie heute nicht mehr durch! Zumal die „Dicke“ eine ganz schlanke Taille hat. Es hat mich doch überrascht, dass Anfang der Sechziger schon so ein strenges Schlankheitsregiment galt. Dachte, damals wäre kurviger nicht nur toleriert, sondern sogar gefragt, ja erwünscht gewesen.

Ich habe beim Gucken schon recht viel Wiedererkennen an die Zeit, als ich ganz klein war, wenn das auch Mitte der Sechziger war. Aber Mode und Frisuren setzen sich ja oft erst ein paar Jahre später in der gesamten Bevölkerung durch und bleiben dann auch eine Weile, zumindest war es früher so. Und erst recht, wenn man ein Kostüm nicht von der Stange kaufte, sondern schneidern ließ, das ist dann nicht nach fünf Jahren schon in der Altkleidersammlung gelandet. Heute wird viel von Nachhaltigkeit palavert, aber früher hat man nicht drüber geredet, sondern aus Wertschätzung und Sparsamkeit Sachen lange und gerne genutzt.

12. Dezember 2025

Jetzt bin ich ein paar Monate um den putzigen Hocker herumgeschlichen, dann war er im Schaufenster, dann war er weg. Dachte dann, nun ist er ausverkauft, brauche ihn ja auch nicht wirklich. Gestern auf dem Heimweg für ein bisschen inneren Tapetenwechsel geguckt, ob es was Neues bei H&M Home in der Rosenthaler Straße gibt, obwohl ich ja wirklich nichts brauche, aber ich gucke halt gerne so Wohnzeugs an. Die Treppe runter, da stand er wieder und hat gerufen „Nimm mich mit….!“ Konnte nicht nein sagen. Er kommt mir vor wie ein kleines, wackeres Tier mit seinen stämmigen Beinchen. Habe einen guten Platz gefunden.

11. Dezember 2025

Außenstehend könnte man den Eindruck gewinnen, ich hätte einen ausgeprägten Gestaltungsdrang. Wenn ich in mich hineinhorche, ist es eher ein Transformationsdrang. Wäre dieser Einkaufsbeutel, als er mir am Montag unter die Finger kam, aus unbedruckter Baumwolle gewesen, hätte ich mich nie mit ihm beschäftigt. Er war die Verpackung für ein kleines Nikolaus-Präsent und auf beiden Seiten mit Werbung und Sprüchen in Pastellfarben bedruckt. Die Vorderseite, die jetzt neuerdings dieses großes Ornament hat, das – warum auch immer – wie aus einem Laden mit Schwerpunkt Esoterik, Räucherstäbchen und Keltisches wirkt, zeigte vorher ein rosa Herz und den darunter befindlichen Schriftzug „I love *Firmenname*“. Auf der Rückseite mit den nun schwarzen Kreisen und meinem Gekritzel waren noch mehr gut gemeinte Sinnsprüche in rosa, hellgrün, hellblau und gelb, flankiert von einem weiteren Herz, einer Rakete, zwei Händen, die sich die Hand reichen, dem Firmenlogo, und das Fünfte hab ich vergessen. Jedenfalls gab es reichlich zu schwärzen und zu morphen. Das ging recht flott, ich habe mir rein gar nichts dabei gedacht, ähnlich wie bei Telefonkritzeleien, nur ohne Telefonieren. Einen schwarzen Edding habe ich immer zu Hand. Diesen kuriosen Aufwand habe ich hauptsächlich betrieben, weil ich stets Verwendung für stabile Einkaufsbeutel aus Stoff mit extra langen Henkeln habe. Und der Einnäher behauptet sogar: „Organic Cotton“. Ich habe wirklich nicht die allerleiseste Ahnung, wieso das wie keltisches Geschnörkel aussieht, zumindest das Vordere. Habe vorhin ein Foto von der bekritztelten Tasche bei google Lens eingegeben und als Vergleichsobjekte kamen – tataaa: Baumwollbeutel mit keltischen Symbolen. Ich kann versichern, dass mir keine tiefere oder gar mystische Bedeutung von irgendeiner dieser Kritzeleien bekannt ist. Was sich meine Hand gedacht hat, weiß ich nicht. Nun kann ich den doch recht stabilen Beutel zum Einkaufen nehmen.

10. Dezember 2025

Ich gebs auf. Versucht, mein ca. vierzehn Jahre altes Sinus 207 Festnetztelefon noch einmal zum Telefonieren zu bringen, aber nach Lektüre von zig Fehlermeldungssträngen, Resets der Basisstation, online Überprüfung der Telekom-Leitung, Batteriewechsel, ist immer noch kein Freizeichen zu hören, auf dem Display erscheint nach dem Wahlvorgang alles normal, aber ich höre rein gar nichts. Sind auch nicht die Lautstärkeeinstellungen. Akku zeigt volle Ladung. Bin mit meinem Latein am Ende. Neues Telefon bestellt. Immer wieder einmal löse ich Verwunderung damit aus, dass ich immer noch ein Festnetztelefon besitze. Heute hätte ich gerne kurz und knapp einen zweckdienlichen Anruf erledigt, um das, was ich zu sagen hatte, nicht als Mail tippen zu müssen. Absolute Ausnahme, dass ich vorziehe zu telefonieren. Der Vorgang ist mir privat geradezu abhanden gekommen. Wenn das neue Gerät da ist, werde ich als erstes die Mailbox-Funktion deaktivieren. Keine unterschwellig nervenden Anrufschulden auflaufen lassen. Mochte ich noch nie, wenn mir jemand eine Sprachnachricht hinterlässt. Wenn es die Funktion gibt, ist der andere beleidigt, wenn man sich nicht mit der Mitteilung beschäftigt hat und reagiert. Klar, manchmal kann man telefonisch schneller was regeln, Wie ich es eben heute wollte. Wenigstens war Internet da. Habe ich zum Glück nie Probleme. Für Notfälle hätte ich schon gerne weiterhin ein Telefon. Da ich privat kein Smartphone bewirtschafte, gibt es ein neues fürs Festnetz. Das wird bestimmt ganz viel können, dieses Speedphone 12, was ich voraussichtlich alles nicht benutzen werde. Bei dem alten hatte ich als Klingelton aus der mitgelieferten Auswahl „carabean“ eingestellt. Hoffe, den gibts wieder. Es gab mal eine Zeit, vor über zwanzig Jahren, als ich ein Siemens Gigaset mit passendem Headset zuhause hatte. Damit habe ich viel telefoniert, lag an einem bestimmten Fernkontakt. Stundenlang. Damit mir der Arm nicht schwer wurde, kaufte ich irgendwann das Headset. Danach nie auf die Idee gekommen, nochmal eines anzuschaffen.

09. Dezember 2025

SECESSION III. Treasures from Gagania – Schätze aus Gaganien! Art Déco. Lidschattendöschen, runde Büroklammern, Visitenkarte, Kleber, Edelstahlrahmen, Acryl, Blattgold, 17 x 22 cm, 28. Juli, 02. August 2018, 04. Januar 2020, Staatl. Museen von Gaganien. Exhib. Welcome to Gagania ’25, Januar, Blauer Salon Sevenstar.

08. Dezember 2025

Und dich und mich, uns trug die Flamme fort,
Die Ferne und die Nähe ward ein Ort.
Wir Menschen wachsen mit den Bäumen auf
Und werden wie die Bäume einst zum Scheiterhauf.
Es zünden sich, wie Scheit an Scheit, so Mann an Weib
Und lodern von der Erde fort als einziger Leib;
Sind Freudenfeuer in der kurzen Nacht
Und haben sich auf Feuerfüßen aufgemacht
Und wissen nichts von ihrer eigenen Pracht.

Max Dauthendey, „Die Ferne und die Nähe ward ein Ort“, 1909, Lusamgärtlein

08. Dezember 2025

Die Sorgen heut auf mich gleich wie aus Wolken fallen. Und prallen wie ein Hagel vor mich hin. Die Sorgen lauter als die Straßen schallen. Und, als verlor die Liebe jeden Sinn, mußt ich mich in die Kissen ratlos legen und noch im Schlaf von meinem Elend wissen. Und nur ein wenig Ruhe war im Traum darin: Ich sah am Himmel meine Sorge als Komet, die feurig weiterfliegend hinter Berge geht.

Max Dauthendey, „Ich sah am Himmel meine Sorge als Komet“, 1909, Lusamgärtlein

06. Dezember 2025

GOLDEN WARRIOR. Zeitungspapier (Artikel mit Lieblingsfoto von Che Guevara), beim Bearbeiten gerissen, versaut, Fragmente m. Wasserfarbe, Acryl und Aquarellpapierfragmenten mit schwarzer Tinte, Kleber, Pappkarton weiterverarbeitet, 16./29. Februar 2020, 1./2./3./4./5. März 2020, 30,5 x 43 cm, Staatl. Museen v. Gaganien. Exhib. „Welcome to Gagania“ 2025, Januar, Sevenstar Kellerbar.

04. Dezember 2025

Keine neuen Fotos, nur alte. Bin dabei mich zu regenerieren. Bis ich wieder so munter und unternehmungslustig aus der Wäsche gucke wie hier. Immer wieder langweilig – „lang weilend“ auch, dass man doch recht viel Verantwortung für das eigene Befinden trägt. Weder Freunde noch Kollegen noch irgendeine nebulöse „Gesellschaft“ zeichnen dafür verantwortlich, wenn ich viel zu wenig schlafe, zu wenig Wasser trinke, mit meinen Kräften nicht haushalte. Diese Hausaufgabe von meinem Neurologen Dr. van der Meer, in einem Kalender zu vermerken, wenn ich eine Migräne-Attacke habe, hat tatsächlich einen Einfluss auf mein Verhalten, weil ich dort gemutmaßte Auslöser, Vorzeichen, Stärke, Dauer der Attacke, was ich genommen habe, ob es gewirkt hat etc. eintragen soll. Eingetragen wird nur das Elend. Ich bemerkte, wie unangenehm es mir unlängst war, den vollen Umfang, wie viele Schmerzmittel ich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen genommen hatte, aufzuschreiben, obgleich dieser Konsum ganz untypisch war. Aber das weiß er ja nicht. Nun habe ich den Ehrgeiz, als Dezember-Kalenderblatt eine nahezu leere Tabelle zu präsentieren. Der letzte Eintrag war vor gut zwei Wochen. Ich schlafe seitdem sehr viel. Nicht nur am Wochenende. Es grenzt schon an den Winterschlaf eines Bären. Aber auch nicht zuviel. Neun Stunden hab ich gern. Und was der Körper eben auch sehr liebt, ist KEIN Alkohol. So fügt es sich ganz gut, dass ich derzeit einfach keinen Appetit darauf habe. Aber wenn der wieder kommt, wovon ich fest ausgehe, ist es ein gutes Zeichen, weil ich mich dann wieder stark und stabil fühle. Auch Zigaretten etc. rauchen mag ich nur in bester Ausgehlaune.

02. Dezember 2025

Die kleinen Freuden. Vorhin stand ich an einem großen Drucker, den ich selten besuche. Eine junge Mitarbeiterin war noch eingeloggt, ihr Auftrag war gerade fertig. Ich las angetan den ungewohnten Vornamen auf dem Display: „Angel“. Da kam sie um die Ecke geschwebt, wir hielten ein kleines Pläuschchen. Ich schätze sie zwischen achtzehn und zwanzig. Noch nie traf ich eine Angel. Im spanischsprachigen Raum ist es wohl ein gebräuchlicher männlicher Vorname. Angelas und Angelikas sind mir oft begegnet. Ich fragte sie, ob es englisch ausgesprochen wird, sie sagte ja. So ein schöner Name gäbe ihr bestimmt Rückenwind auf dem Lebensweg, versicherte ich. Sie strahlte. Man kommt bestimmt dauernd auf Ideen wie zu ihr zu sagen: „Da kommt ja unser Engel!“ Und dann will sie sicher nicht enttäuschen und ist ganz lieb. Stell ich mir so vor. Ist bestimmt so. Jedenfalls war sie ganz liebreizend.

02. Dezember 2025

»Fragwürdig wie alles, was wir treiben, ist auch die Selbstkritik. Ihre Wonne besteht darin, daß ich mich scheinbar über meine Mängel erhebe, indem ich sie ausspreche und ihnen dadurch das Entsetzliche nehme, das zur Veränderung zwingen würde – das Entsetzliche, das mich doch jedes Mal wieder einholt, wenn ein andrer sie ausspricht.«

Max Frisch, Tagebuch Kampen, Juli 1949

27. November 2025

Heute Morgen in der S-Bahn las ich weiter in Ruth Rehmanns „Illusionen“ von 1959. Im nachfolgenden Auszug (S. 206 – 207) geht es darum, wie die neunzehnjährige lebenshungrige Therese, die bei einem Versicherungskonzern in einer deutschen Großstadt als Schreibkraft auf Probe arbeitet, am Sonntag zur Kirche geht und wie sie die Predigt von der Kanzel und die Gemeinde wahrnimmt. Hat mich gefangen. Vergleichbare Empfindungen habe ich auch in Erinnerung. Fortlaufende Gewissheit: „Das ist Literatur.“

„Dann sprach nur noch eine Stimme, die bald nicht mehr ausreichte, um alles zusammenzuhalten, und die Gemeinde bröckelte langsam auseinander. Jeder kroch in seine persönliche Haut, seinen Kragen, Mantel und Schuh zurück. Therese fühlte sich verlassen und ausgesetzt, spürte eine Abkühlung der Atmosphäre, eine zerstreuende Bewegung der Köpfe und Schultern. Schweifende Blicke, müßig wandernde Gedanken zickzackten mit eingeschlossenen Fliegen und schwirrenden Lichtstrahlen durch das gewölbte Schiff, trafen und überkreuzten sich und verfilzten zu einem vielfädigen verworrenen Gespinst, in das die Stimme des Predigers vergeblich eingriff, um zu ordnen, zu strählen, auszurichten: eine einzige Stimme tastend im Labyrinth vielstimmigen Schweigens, er sagte ja selbst, daß das meiste auf den Weg fiel, daß es auf Steine und unter Dornen fiel, von Vögeln gefressen wurde, verdorrte, erstickte, die Chancen waren wahrhaftig gering und er machte sich offenbar keine Illusionen, aber versuchte es trotzdem, das war ja sein Beruf, Therese rutschte auf dem harten Holz herum, schlug ein Bein über das andere, fragte sich, was sie eigentlich hier sollte und blickte mitleidig zu dem Pfarrer auf, der schwarze Krähenflügel über die Kanzelbrüstung schwang, seine Botschaft ausrief, anbot, und keiner nahm es ihm ab, denn die Sache war längst bekannt.

Unermüdlich suchte er nach Inseln guten Landes im Meer schleimräuspernder, schlafatmender, frühstückssatter Unaufmerksamkeit und stach mit spitzem Zeigefinger wahllos hinab: »Dich meint er und dich«, die Angestochenen bewegten nervös die Stirnhaut: Schlafende, die eine Fliege vertreiben. Sie wollten ihre Ruhe haben und auch Therese wurde von Müdigkeit überwältigt beim Anblick der reihenweis ausgerichteten unbewegten Rücken, Schultern, Hälse, Haare und Hüte. Sie versuchte zu zählen, gab es auf und schloß die Augen. Die mühsame Stimme strömte an ihrem Ohr vorbei, sie fing hie und da einen Fisch, der bunter erschien, betrachtete ihn bis er ergraute, warf ihn zurück und der Strom schwemmte ihn fort. Auch Papa und Mama hielten darauf, von Zeit zu Zeit in die Kirche zu gehen, aber man merkte ihnen nichts an, obwohl sie sich beim Mittagessen über die Predigt unterhielten. Mama sagte: »Wir könnten uns wirklich öfter da sehen lassen.« Sie versprach sich etwas von »sehen lassen«.“

24. November 2025

Flashback Januar, Eingangsbereich große Galerie bei Sevenstar.

HUNT. Acryl auf Leinwand, 103 x 123 cm, 7. u. 12. Februar 2006

GHOSTDANCE. Geistertanz. Ausrangiertes Messe-Check-in-Counter-Infoschild „G – K“, Edding, Jalousien-Verpackung, 50 x 100 x 6 cm, 17. Juni, 22. Juli 2018, Staatliche Museen v. Gaganien

23. November 2025

Zweiter Versuch. Ohne Pinsel, direkt aus kleiner Flasche mit Düse aufgetragen. Damit hätte ich die Tasse signieren sollen, die schwarze Linie war auch noch ganz schön zittrig, aber das archaische Motiv mit freier Linienführung verzeiht das eher als meine gestanztes Emblem. Beim Signieren hatte ich den Bogen raus, aber da waren die zwei Stunden dann vorbei und ich nur noch gespannt, wie es sich nach dem Glasieren und Brennen verändert. Die Farben werden viel dunkler nach dem Brennen, was sich aber bei Schwarz und Mauve nicht so sehr auswirkt. Ähnliche Nachdunklung wie Acryl. Es ist übrigens eine recht große Tasse für etwa 400 ml, mein kleines Schiffchen ist zwanzig Zentimeter lang.

23. November 2025

Avanti Dilettanti. Beim morgendlichen Kaffeetrinken sehe ich nun, was man falsch machen kann, wenn man keine Ahnung und Übung im Bemalen von Keramik hat. Ich hatte ein zweistündiges Zeitfenster in einem dieser Keramikbemal-Läden, wo in knappen Sätzen kurz erklärt wurde, wo die Farben stehen und die Pinsel und dass man die Farbe nicht mit Wasser entfernt, wenn man sich auf dem unglasierten Rohling vermalt, sondern nur drüber malen soll. Direkt vermalt hab ich mich zwar nicht, aber mit zittriger Pfote mit einem feinen Pinsel so ein filigranes Motiv, das exakte Linienführung erfordert, zu meistern, war offenkundig zu sportlich. Wenn es diese Keramikfarben auch als Filzstift gäbe, wäre es vielleicht besser geworden. Ich konnte aber auch nicht so richtig gut sehen, das Licht war recht schummrig und ich stand voll unter Sumatriptan und war schlapp und schläfrig. Auch die einfallslose, übertrieben große krakelige Signatur würde ich am liebsten korrigieren. Nun ja, erster Versuch, kein Meisterwerk. Aber passt in meine schwarzweiße Küche. Hab dann noch ein anderes kleines Teil bekritzelt, das ging schon etwas flüssiger. Zeig ich auch noch.

22. November 2025

Unglamouröser Sonnabend, putze die „Kunststein“-Fliesen vom Küchenboden. Teufelszeug. Dachte seinerzeit, wenn ich etwas auf diese fußkalten Fliesen lege, die so so kalt sind wie Marmor, aber eine Oberfläche haben, die Gestein nur imitiert, werden sie ja auch geschont und ich muss das Imitat weder sehen noch fühlen. Auf die Idee, dass sich Latexunterboden von Seegras-Auslegware nach einigen Jahren auflöst und krümelt und eine krustige Vermählung mit den Scheiß-Fliesen eingeht, wäre ich im Traum nicht gekommen. Bräunliche, betonharte Schlieren und Punkte, denen ich nur mit dem Ceranfeldschaber beikomme. Schrubben hat nichts gebracht. Da die Oberfläche der Fliesen auch sauber nicht glatt ist, sondern – mir fehlt das Adjektiv – es ist wie ein Relief aus tausend Pünktchen – für einen matten Effekt vermutlich – kann ich mit dem Schaber nicht zügig drüber, sondern kratze tw. mit den Ecken in die Vertiefungen um die Latexsommersprossen wegzukriegen. Hatte auch schon den Zauberschwamm versucht, Spülmittel, Topfreiniger, WC-Reiniger, Badreiniger, Alkohol, Öl, bringt alles so gut wie nix. Die meisten sind sauber, noch ca. fünf übrig. Das Geräusch ist auch unangenehm, ich hoffe, es dringt nicht zu den Nachbarn durch, ich kratze schon so behutsam wie möglich.

Und dann muss ich noch den neuen Seegrasbelag zuschneiden und darunter diesmal einen weiteren Zuschnitt von so einer Antirutschmatte, die dann beim nächsten Auflösungsprozess mit dem Latex Verlobung feiern kann. Ok, 26 Jahre waren auch lang. Muss nun auch noch denken, dass wenn ich überhaupt noch so lange lebe und hier sein sollte, das jetzt mit Sicherheit meine letzte Aktivität in der Richtung ist. Schon komische Gedanken.

Außerdem denke ich dauernd, wirklich permanent, an diese bemerkenswerten Kessler Zwillinge. Ob sie sich noch mal schön gemacht haben, an ihrem letzten Tag, ich denke schon. Die waren ja so gepflegt und wenn man Besuch zu Hause erwartet, macht man sich ja zurecht. Und ob sie in einem der beiden Schlafzimmer zusammen waren, im selben Bett oder in einem der Wohnzimmer unten. Ich stelle mir vor, sie haben sich an den Händen gehalten. Es soll ja wahnsinnig schnell gehen, sobald das Narkotikum fließt. Zwei Minuten, und weg. Eingeschlafen. Ich verstehe auch, das sie keine Freunde dabei haben wollten und es denen auch nicht gesagt haben, wann genau sie sich verabschieden. Das hätte die nur belastet. Würde ich auch nicht machen. Meine Mama hätte auch gerne so einen Abschied genommen, ich wusste damals gar nicht, dass es inzwischen diese legale Möglichkeit in Deutschland gab. Aber bin auch froh, dass ich nichts in die Wege leiten musste.

Gut zu wissen, dank der umfangreichen Berichterstattung zu den Zwillingen, dass es diese Hilfestellung gibt. Man wüsste ja gar nicht genau, wie man das selbst dosiert und die Kanüle legt. Nur die Preise finde ich einigermaßen übertrieben, angesichts des geringen Preises des Mittels. Na gut, die Beratung und die Gutachten und der Jurist und der Arzt, die haben auch ihren Stundensatz, aber viertausend Euro pro Nase ist schon happig. Man will doch nur schmerzfrei gehen. Jetzt ist da dieses Haus, das sie samt ihrer sonstigen Besitztümer vermutlich zum Verkauf angedacht haben und der Erlös wird dann auf die im Testament verfügten Erben, diverse gemeinnützige Einrichtungen und Vereine verteilt. Aber wer kümmert sich um das Nachlassverfahren? Und die Organisation der Beisetzung? Freundin Carolin? Es gibt wohl keine Angehörigen, jedenfalls keine die nah genug wären, um da angesprochen zu werden. Das ist sicher nicht im Preis der Erlösung inbegriffen gewesen. Ich weiß, dass das Amtsgericht einen Testamentsvollstrecker berufen kann. Das ist eine Funktion innerhalb des Nachlassgerichts. Ich hab mich damit beschäftigt, als ich verschiedene Auskünfte im Nachlassverfahren meiner Mama brauchte, um das ich mich gekümmert hatte. Vielleicht aber haben sie doch eine Vertrauensperson namentlich benannt, der sie es zutrauten. Also das geht mir so alles durch den Kopf dieser Tage.

21. November 2025

Eben gelesen, eine langjährige Freundin von Alice und Ellen Kessler, Gabriele Gräfin zu Castell-Rüdenhausen (eine der zwei Töchter von UFA-Filmstar Luise Ullrich) erinnert sich: „Wir sind jahrelang jeden Samstag joggen gegangen. Und zwar so schnell, dass keiner mithalten konnte. Einmal war sogar Carlos Kleiber, der Dirigent, dabei – der hat gleich aufgegeben“, erinnert sie Gabriele Castell. „Wissen Sie, die beiden waren so rein, in ihrem Erscheinen, wie in ihren Gedanken. Nur ihre Witze waren dreckig.“

20. November 2025

Dr. Nicolai van der Meer wirkte ganz anders, als ich aufgrund seines Fotos erwartet hatte. Introvertierter. Mir sehr angenehm. Er ist vollumfänglich im Thema. Interessant, dass er meinte, es gäbe seines Wissens sehr viele Neurologen, die selbst unter Migräne leiden. Ich erwähnte den Hirnforscher, der u. a. identifiziert hatte, dass bei Migräne-Patienten durchgängig höhere Gehirnaktivitäten messbar seien, wie ein unausgesetzter Starkstromfluss. Bzw. bemühte jener Forscher den Vergleich eines Porsche im Kopf, der permanent die Höchstgeschwindigkeit ausfährt; van der Meer ergänzte, dass ein weiterer kleinster gemeinsamer Nenner sei, dass es sich um extrem gewissenhafte Personen handele. Wenn ich mir diejenigen vor Augen führe, von denen ich weiß, dass sie damit zu tun haben, fällt mir die eng getaktete Wahrnehmung von allem, was sich in der Umgebung tut auf, als ob ständig ein 360-Grad-Scan stattfindet. Das Gegenteil von jemandem, dem ganz viel schnuppe ist. Ergebnis des heutigen Besuchs: zwei andere Triptane testen, inclusive Spray und Hausaufgabe Kalender führen.